Anterhaltungsblatt des Horwärt Nr. 25 l. Donnerstag, den 24. Dezember. S 190: (Nachdruck verbalen.) Das Verbrechen des Hrztes. 2ö] Roumil von I. H. N o K n t). Autorisierte Nebcrtrngung von M. v. B e r t h o f. Gu»i sehte ba* Gespräch noch eine Weile fort. Aus Instinkt wie cm* Nebcrlcgung richtete er c* so ein. uin bei den Mitteilungen seiner Irm> gegenüber den Wunsch deS Vaters in den Vordergrund stellen zu können. Wenn Madeleine auch unendlich vertrauensvoll war, so begriff er doch, das! wenn ein Zweifel über sein Vorgehen aufkommen konnte, sie die erste gewesen wäre, ihn gu empfinden. So trug er auch Sorge, nachdem er seine Projekte mit Dllfröne dlirchgesprocheu hatte, auf die Zrage der Heirat noch einmal znnickzukonimen. Auf dem Heimwege'fühlte er sich beinahe ruhig. Die Gefahr, die bei seinem Fortgehe» so nah und dringend ge schienen hatte, verschwand wie jene Silberwolken. die der Wind vom Horizont vertreibt. Er atuiele ans voller Brust: er sah fornvährend heraus fordernd nach dein Schlos; der Donzagues hinüber. Ilnu war es. als verteidigte er sei» Gut gegen einen Fremden. Durch eine sonderbare Verkettung der Instinkte, nrahte er sich über Margnerite unbeschreibliche Rechte an: ja. der Raub, den er begangen hätte, erschien ihm noch wie ein Band»lehr, das sie verlnüpfte. Die Idee, das; ein andrer den Schaden an ihr wieder gut machen könnte, erfüllte ihn mit Zorn. Aber als er den Fluj; überschritten hatte, als er die Stelle betrat, an der damals das junge Mädchen ohnmächtig in seinen Armen ge- legen hatte, da erlosch alle* andre, und ein lvahrer Liebes taumel erfagle ibn. Er hätte das Gras küssen mögen, ans das er sie gebettet Und wieder ins Leben zurückgerufen hatte. Da gab es keinen Reichtum, keinen Ruhm, keine Familie mehr, die Erde schien nur mehr das Reich dieses geschmeidigen jungen Madchens!, „Er wird sie nicht kriegen! Er wird sie. nicht kriegen!" grollte er vor sich hin. Seine ganz Unruhe kam wieder. Ein wilder Has; flutete ihm durch die Adern. Er wünschte dringend, Donzagues wäre tot. Bei den Gedailken, das; dieser junge Ätanu sie eines Tages besihen könnte, daß er sie in seinen Armen halten, ihr Haar küssen, die feinen, beiveglichen Wimpern, den roten Mund küssen, daß sie ihm ganz gehören könnte, vollzog sich ein völliger Uinscurz in den Gefühlen HerbdineS. Ter Gedanke an den Besitz durch einen andren erweckte zum ersteninal sein sinnliches Begehre». 10. Das Ende der Woche verlief verhältnismäßig ruhig. Gnh war wieder zu sicki gekommen, oder glaubte es wenigstens. Er merkte wohl, daß seine Liebe zn Margnerite noch im Zu nehmen begriffen war. aber er glaubte sicher, nie dein Sinnes rausch zn unterliegen. Er hatte seiner Frau und seiner Schwiegermutter von den Wünsche» Dufröuss gesprochen und sie mit sehr allgemein gehaltenen Erklärnngeii heg! eitel, die aber seine llnterrednng mit Margneritc ganz im Dunkeln ließen und übrigens Nicht den entferntesten Verdacht erweckten. Man war übereingekommen. Donzagues zu sagen, er möge vorläufig cmf keiner Zusage bestehen. Im täglichen Leben schien sich nichts geändert zu haben. Guy arbeitete wie gcivöhnlich und besuchte unentgeltlich einige .'»tränke. Er hatte mitgeteilk, daß er in der Lage sei, seine Ferien nni vierzehn Tage zu verlängern. Margnerite kam jeden Morgen. Er führ fort, ihr nützliche Winke für die Uebersetzung des Werkes von Sommer zn geben, und prüfte die gemachte Arbeit. Aber je näher der für Donzagues fest gesehte Zeitpunkt herankam, um so nervöser lvurde der Doktor. Tie Eifersucht und die Unruhe sammelten sich Tropfen und Tropfen wie die Wasser einer dürftig rieselnden Quelle. In der Rackch vom Sonnabend zum Sonniag schlief er gar nicht und erhob sich fiebernd. Das Wetter trug nocki zu seiner Ans regung bei. Seit dem Morgen sckon war die Luft drückend, Wirbelwinde erhoben sich drohend und sehten wieder aus, und aus dein von schtviilen Lüften durchzogenen Westen brauste geflügelt der Sturm heran. Nach einigen Blih- und Donner- schlügen schien er wie eine zögernde Armee am Horizont inne- zuhalten. Aber bald ermannte er sich wieder und holte zu einem entscheidenden Schlage aus. Als Donzagues sich im Schloß einfand, war der ganze Horizont in ein finsteres, drohendes Wolkenmeer verwandelt. „Grüßt der alte Zeus mein Geschick oder bedroht er es?" fragte lächelnd der Seemann. Er küßte Madame Monteaux die Hand und fragte; „Wissen Sie es vielleicht, gnädige Frau?" „Nein, wahrlich, ich weiß es nicht.. entgegnete sie. „UebrigenS. ob Zeus mm drohen oder grüßen mag. Sie wissen. das blinde Geschick ist mächtiger als er. Aber das Schicksal selbst hat noch nicht gesprochen!" „Das habe ich auch nicht erhofft." war seine Antwort. ..Der Man», der seine Flagge ans die Schwelle eines nn- betannten Landes gepflanzt, glaubt noch damit nicht, es er- obert zu baten, er versucht nur, die Rivalen beiseite zu schieben. Wenn mein Antrag mir nicht zurückgewiesen ist, dann— nicht wahr, er ist doch nicht zurückgewiesen?" „Nein," sagte Madeleine, der er einen ängstlichen Blick zugeworfen hatte. „Dann sind meine Hoffnungen übertroffen!" „Sie müssen das recht verstehen," begann die junge Frau wieder.„Die Sachlage ist etwas kompliziert. Herr Dn fröne und feine Tochter wünschei!, daß vor dem Monat Oktober die ganze Sache gar nicht zur Sprache kommen soll." Das Antlih des jungen Mannes verdüsterte sich. „Isr das am Ende nicht doch eine Art von Abweisung?" fragte er. „Durchaus nicht." siel Madame Montcaur ein.„Später, >venn die Ferien des jungen Mädchens vorüber sind, soll ein Entschluß gefaßt werde». Aber in der j'wischenzeit. so wünschen es Vater und Tochter, soll keine Frage au sie gestellt werden." „Soll damit gesagt sein, daß es mir diese ganze Zeit nicht gestattet sein würde, meine Angelegenheit zu ver- fechten?" „Nun. das gerade nicht!" „Werden wir uns klar. Darf ich also nicht einmal Fräulein Dufrönc den Hof machen?" „Nun denn, das eben sollen Sie nicht." Er runzelte die Brauen und dachte einen Augenblick nach. „Das ist aber schrecklich traurig," begann er wieder. „TantalnS durfte wenigstens den Versuch machen, ob er das Wasser und die Früchte würde erreichen können. Doch ich werde auch diese Qual auf mich nehmen, wenn es sein nitH Aber, das. nehme ich doch für sicher an. daß man mir eine einzige Untyrredung gewähren wird, in der ich meinen Antrag persönlich vorbringen darf?" Bei diesen Worten fühlte Guy, der als stumme Person dieser Unterhältung beiwohnte, tvie sich seine Gesichtsrnuskeln zustniinlentrampstei!. eccit Donzagues eingetreten war. prüfte er diesen Rivalen mit der ängstlichsten Genauigkeit. Neidisch suchte er die Vorzüge abzutyäge». Aber es gelang ihm, die Reize des brünetteil jungen Mannes im über- triebeuen Lichte zu sehen, und nach und nach gelangte er zu der Ilelvrzengnng. daß es Jean Philibcrt mit Hilfe der Ein- samteit gelingen muffe, ein unerfahrenes, junges Mädchen zu blenden. Daher erbelcke er auch vor Furcht und Eifersucht, als er Madeleiue die Worte sagen hörte: „Das ist selbstverständlich!" Madame Montcaur machte eine zustimmende Bewegung. Und da Donzagues sich auch Guy zuwendete, so war auch er zn antworten gezwungen: „Gewiß!" „Wissen Sic vielleicht, zn welcher Stunde Herr und Fräulein Dusröne geneigt wären, mich zn empfangen?" fragte der junge Mann. „Zu jeder Tagesstunde!" antwortete Model eine.„Ich sehe voraus, daß es genügt, sie zu benachrichtigen. Sie könnten sie auch hier treffen, n enn Sie das. vorziehen. Ich glaube, sie sollen sogar heute nachmittag beide herüberkommen. gegen fünf Ubr, nicht wahr; Mama?" „Ja. um fünf Uhr. Margnerite wird wahrscheinlich noch etioas früln'r als ihr Vater hier sein." „Wenn Sie also gestatten, dann will ich gegen fiin? Uhr wieder kommen." sagte Donzagues. indem er sich verabschiedet«. Guy sah ihn in der Pas'Pclallce verschwinden. Seine Seele war voll Bitterkeit. Er dachte daran, das; er ohne diesen hereingeschneiten Menschen einen köstlichen Sommer verlebt haben würde. Wie gleicht doch die civilisierte Gesellschaft den Tieren ini wilden SSalde! Welcher Zufall leitet jeden nnsrer Schritte. Jedes neue Wesen, das vor uns auftaucht, sollte uns eigentlich eine Art von Schrecken einflößen. Kann man wissen, welchen Einfluß es auf unser Geschick nehmen wird? Kann man wissen, ob nicht von ihm die Handlung ausgehen wird, die uns zum Unglück verdaninit? Es hätte genügt, wenn Jean Philibert Donzagues seinen Urlaub nur einige Kilometer entfernt von Aulnettcs zugebracht hätte, damit �as Gluck von Guy Herbcliiie nicht in Frage gestellt werde. „Und ist er denn allein?" fragte sich der Arzt.„Ist es nicht noch viel mehr der unbekannte Strolch, gegen den ich Margucrite beschützen mußte?" Er hielt sich nicht lange bei diesen Gedanke» auf. Sein überreizter Geist war nicht zum Philosophieren geeignet. Im Grunde erhitzte ihn nur ein einziger Gedanke: die jetzt unvermeidliche Begegnung zwischen Tonzagues und dem jungen Mädchen. Was würde er nicht gethan haben, um sie zu verhindern! „Was thut's übrigens? Bloße Worte werden nichts an Margueritens Entschluß ändern!" Aber er glaubte nicht daran. Für die Leidenschaft giebt es tveder Zeit noch Raum. Bielleicht liegt darin eine Art Logik. Wenn sie alle Hindernisse in unserm Ich niederschlägt, wenn sie in einem Augenblick alles, was uns sonst unüber- steigbar erschienen, hinwegfegt, ist es da erstaunlich, daß sie die Welt nach ihrem Ebenbild gestalten möchte? Tie Eifer- sucht, die den Rivalen ins Unermeßliche steiaert, der schmäh- Uchsten Niederlage zeigt, ist nur eine Form der lieber treibungen der Heftigkeiten, der außerordentlichen Schwächen, die dadurch plötzlich in uns entstehen. Guy konnte gar nicht anders, als Margticrite durch ein Wort, ein Lächeln, ja durch den bloßen Anblick von Tonzagues gewonnen sehen. Und das Gewitter, das von den fernen Hügeln wieder heranzog, trug nur dazu bei, sein Angstgefühl gil erhöhen. „Wenn ich ihr nur begegnen könnte!" dachte er. Ten» er fürchtete jetzt, zu Tufrdne zu gcchen. Er über- trieb bei sich selbst den Verdacht, den seine Besuche erwecken konnten. Jedenfalls würde das vor Tonzagues' Unterredung sehr verdächtig ausgesehen haben. Was thun? Um den Fluß herumstreichen und die Brücke überniachen, über die sie un- bedingt kommen mußte? Und wenn sie nicht allein war? Dufrene. immer sehr ängstlich und unsicher, ließ sie nur manchmal, infolge der Bcinerkungcn der Damen, von dem Dienstmädchen begleiten, wenn er es nicht selbst thun konnte. lttid heute nachmittag, wo das Gewitter drohte, nxir es fast a» sicher anzunehmen, daß er sie nicht allein gehen lassen würde. Aber was that das— � er mußte den Versuch machen, sie z« treffen. Und im übrigen wurde es Guy unmöglich, im Schlosse zu bleiben: seine fiebernden Pulse jagten ihn hinaus. „Dieses Wetter geht mir auf die Nerven," sagte er. „Ich muß mir etwas Bewegung machen." „Aber so geh' doch, mein Schah," sagte zärtlich Madeleine. Kaum daß er das liebevolle Lächeln dieser anmutigen Gefährtin, die er einst wahrhast zu lieber glaubte, bemerkte. Und doch hatte er leichte Bedenken: „Es ist tliimöglich. daß ich sie betriige," suchte er sich zu beruhigen. Im Freien atmete er mit vollen Zügen die Lust, die von Augenblick zu Augenblick leichter wurde. Es war, als ob die Bäuine lange Seufzer ausstießen, denen eindrucksvolles Schweigen folgte. Gefallene Blätter erhoben sich, wirbelten in der Luft gleich kleinen, roten und gelblichen Vögeln, dann sielen sie wieder zu Boden. Die Insekten flogen stimmend kreuz und quer, die Unruhe der Vögel war allgemein. In dieser mit Elektricität geladenen Luft, in der die unbeweglichen Tinge Leben zu bekommen schienen, hatte Guy die Empfindung, als sei dieser Tag für ihn ebenso bedrohlich tvie schicksalsschwer. Um dieselbe Stunde ging auch Margucrite dem Fluß zri. Sie befand sich seit mehreren Tagen in einer Aufregung, die sich immer mehr und mehr steigerte. Dieses junge Mädchen, das für die tiefe Leidenschaft geschaffen war, war um so unwissender, als es fast ganz ohne Altersgenossinnen gelebt und nie ein Buch gelesen hatte, in dem die Liebe eine Rolle spielte. Durch einen jener seltenen �stisälle war sie selbst in der Pension nur mit zwei ganz jungen Mädchen befreundet gewesen, die ebensowenig vom Leben wußten wie sie selbst. Ueberdies ist es wohl allgemein bekannt, daß wirklich leidenschaftlichen Gemütern erotische Unter- Haltungen nickst«mgcnehm sind, weil sie ihnen die Illusionen rauben. Marguerite blieb am User des Flusses, den sie liebte, stehen. Nie ging sie an einem fließenden Wasser vorbei, ohne sich erheitert und erfrischt zu fühlen. Die Wellen rauschten ihr das Willkommen entgegen, sie hörte sie lachen und trillern oder sich ii> langem Geplauder verlieren. Sic sah in ihnen die Grazie schöner Tänzerinnen, sie beneidete das Schilf nnd das Gras, die die Wellen mit reizenden Sprüngen flüchtig liebkosten. Dann erriet sie, daß sie alle Geheimnisse der lebenden Welt in sich trugen. Wir treten an sie heran und entdecken in ihnen alle unsre bedeutsanisten Bewegungen. Sie pulsieren wie die Herzen, fließen wie das Blut, funkeln wie die Augen. Und wie in uns selbst, wiederholen sich m ihnen alle Dinge. Ihre Spiegelungen sind für sie das. was für uns unsre Empfindungen, unsre Eindrücke und Ge- danken sind. Sie war stehen geblieben: Sie sah, wie die Wellen ein- ander folgten. Aber dieses Schauspiel hatte aufgehört, ein fröhliches zu sein. Es machte eigentlich einen fast tragischen Eindruck. Das war, weil das Gewitter von den Hügeln näher kani. Ter Fluß zeigte einen fahlen Glanz und große schieferartige Flecken. Die Blätter der Weiden und Pappeln sträubten sich und ließen klagend und aufstöhnend ihre silber- schiinmernden Seiten sehen. Kein Sperling ließ sich mehr hören. Nur die Schwalben flogen immer tiefer und tiefer in rasender Unruhe. Marguerite seufzte. Sie fühlte sich eigentlich verwandelt. Für Mädchen, die nicht darauf vorbereitet sind, wird die Liebe, wenn sie über sie kommt, zu einem phantastischen Er- eignis. Die inneren Bewegungen, die einander nun folgen. Iiaben keinen Zusammenhang mehr mit ihrer Vergangenheit! Sie finden sich darin nicht zurecht, so tvenig, wie einem Nonveger eine tropische Landschaft je an die Fjorde, die Tannenwälder oder die Ebenen seiner Heimat erinnern kann. Sie wußte zwar, daß es die Liebe sei, die sie erfüllte, und doch war sie dessen nicht ganz sicher. Guy Herbeline hatte stets in ihrem Leben die erste Rolle gespielt. Sie dachte manchmal, daß sich außer der Befangenheit, die sie nun empfand, nichts geändert habe. Und dann hatte sie keine Ahnung von der Art der Gefahr, die ihr drohte. Und doch fürchtete sie sie. Es ist eine Thalsache, daß selbst für die un- wissendsten Mädchen die ersten Eindrücke der Liebe von dein gleichzeitige» Gefühl der Schuld und der Furcht begleitet sind. Welche von ihnen, besonders wenn sie einen höher entwickelte» Charakter hat, findet sich nicht schon ein wenig gesunken, durch die bloße Thatsache allein, daß sie liebt? Vor dem immer dunkler tverdenden Fluß fühlte sich Marguerite schwach und befleckt, aber um so tiefer bewegt. Sie atmete die Luft, die zu leicht geworden war, diese Luft, die iriaii„schwer" zu nennen pflegt, weil sie unsre Muskel» lähmt. Ter gesteigerte Duft, den die Pflanzen ausströmten, regte sie noch heftiger auf. (Fortsehuiig folgt.) £Jiis dem Musikleben. Es war bereits einigemal die Rede von der jcvigcn Schweizer Mnsikergcneralio». Als ihr angesehenster Name, als der führende Musiker der Schiveiz gilt Frdr. Hegar(geb. GZI), der Iveitbcrühmte. vorwiegend konservative Männcrgesangs-Koniponift, der die volkstümlichen Ileberliefcriingen Racgelis pflegt. Der lang vor ihm, von Äotlfr. Angcrcr geleitete Sängervercin„Harmonie" aus Zürich hat den Schweizer Rnhm auch ins Ausland getragen, wie es in andrer Weise die Sängerin Er. Wedekind thut. Neben Hegar wirtt als beliebter Ehorkomponist K. Attenhofer igeb. 18:j7). Als Klavier- und auch wieder Chorkomponist erscheint Gnft. Weber(1843— 1887), als Organist usw. O. Barblan(geb. 18tt(>Z, als Komponist von Suiten n. a. P. Maurice(geb. 1868), als alheitigcr Musiker Hans Huber(geb. I85;2). Durch Opern, Sinfonien usw., denen be- sonders ein lyrisch-poetischcr Zug nachgerühmt wird, hat sich Emil Fc. cques-Daleroze l geb. 1863) in ehrenvoller Weise be- kannt gemacht. Waadtländischer Abkunft, ist er doch anf seinen» Lebenswege durch deutsche Kultur hindurchgegangen. Mit dem Komponistentum verbindet er nicht nur eine Konservatoriums- Professur in Genf, sondern auch eine lcbhastc Thätigkcit als Schriftsteller und Vortragender über Musik und Musikkritik. En besondere Seite seines Wirkens ist nun der Versuch, die Musik in den Dienst der pädagogischen Behandlung der Kinder zu stellen. So hat er zahlreiche Kindcrlicder geschrieben, die von de» Kleinen und znm Teil auch von Größere» mimisch»md mit Tanzbctvegungen aus- gesührt werde». In den letzten Tagen gab es hier zwei solcher Konzerte. Eine kleine Broschüre in schlechter Ucbersetzung pries den Komponisten als den„Mozart der Kinder", nannte den Ilm- gang„mit diesen freien, ungezwungenen, natürlichen Melodien" „eine Erholung für die durch harmonische Ausschweifungen er- müdcten Dilettanten" l I) und erzählte manches von seinen Erfolgen und von sonstigen Verknüpfungen der Musik und der Erziehung. Tic Lieder sind teils„Tanz- und Spicllieder", wie.k. B. von einem Echäfchcn, das dch«einigen wiederfindet, teils„Plastische Turn- und Bewegungsipiele", ivie z. B ein Gesang von der Puppe; auch ein„Liederspiel-?m Maicnfest" kam als Fragment an die Reihe („Lc jeu du Fcüllu", erschienen bei A Sandoz in Äeuchätcl— ein jedenfalls künstlerisch anmutiges Werkchen). Im ganzen mich man vor der guten Gesinnung des Komponisten, der keineswegs etwa ein Dilettant ist, und vor seiner Geschicklichkeit, die Mufik in den Dienst einer guten Sache zu stellen, grohe Achtung haben; und die Verbreitung dieser ncttcn Dingerchen über die Kinderstuben und Spielpläne hin mag manche Freude bereiten. Um so ausdrücklicher jedoch müssen wir an das obige unS entgegengebrachte Wort von den Dilettanten erinnern. Für diese, nicht für die Kunst, ist hier gearbeitet. So lange man mit dem Gedanken ar diese vor der Auf- führung sitzt, kann einem das gutgemeinte Hcrumhüpfcn usw. nach- gerade zur Onal werden. Eine Vorführung durch Ballcttelcven ivürde weit günstiger wirken, und die Teilnahme älterer, auck mimisch gebildeter Sängerinnen ist noch der beste Lichtblick. Db für die Be- mühung. mit der Komposition beim Allereinsachstcn zu bleiben, nicht dock? noch ein musikalisches Mehr aufgebotei werden könnte, must dahingestellt bleiben: ansprechend sind die Sachen jedenfalls. Sehr stört der llebersetzungstcrt der vom Komponisten selber stammenden Poesien, der die Gliederung und Accentuierung häusig verletzt; so Ivenn z. B. zu singe» ist:„Eine so feine Puppe hat—", oder „in dem lleinen Bettchen". Lb es nicht zivcckmäßig toäre, in Ccntralasicn oder Ccntralasriku ein eignes Reich der Älcttantcn zu gründen, aus daß sich dorthin alles das zusammenziehe» könnte, was bei unS nur zerstreute Plätze findet? Vorläufig flüchte» wir uns mit besonderen- Hoffnungen zu den Stellen, an denen wir fühlen, dass wir uns in der Mitte des eigentlich bernfsmäßigcn Musiklebens befinden, und dast nicht blotz Tugendrosen, sondern auch Künstlcrlorbeercn in Frage stehen. Von dem in voriger Woche an derselbe» Stelle wie die Kindcrlicder: in dem langweilig klassicistischeir Thcatersaalc der Musikhochschule, gegebenen Kompositionskonzert Max L a u r i s ch k n S' hörte» wir die zweite Hälfte. Ter junge Komponist besitzt anscheinend ein nach Mannigfaltigkeit strebendes Ausdrucksbcdürfnis. Dem ent- spricht jedenfalls gut eine Liederforin. die bisher noch nicht sehr ichlich zu sein scheint: Quartette für Sopran Alt, Tenor und Bast. mir Klavierbegleitung. Es ist also nicht der Typus des selbständig abgeschlossenen, des a-capella-Gesanges mehrerer Stimmen, sondern der deS Liedes mit Begleitung, das vervierfacht erscheint. Es ist nicht mehr der geioöhnliche mchrstnnmige Satz mit seinem entivedcr rein Harnronische» Zusammengehen oder landläufig polyphonen Nach- einandcrgchen der Stimmen und mit seinem vielberufcnen Rc- pcticren und Imitieren. Es ist eine Verwendung von einem und vier Hilfsmitteln zu möglichst vielfachem musikalischen Aussprechen dessen, was der Text besagt. Alles mit reich moderner Harmonie, mit geringerem Eifer in der rhythmisch«' Gestaltung und mit recht einförmiger Metrik. Unter den Dichtern, ivelchc Laurischkus ver- tont, ist mehrfach Anna Ritter vertreten, der wir in der musikalisch verwendeten modernen Poesi, überhaupt häufig begegnen. ES ist ivohl auch die Vorliebe des Kompon-stcn für eine feste metrische Grundlage, datz er uns unter andcrm„Walzerkapricen für Violine. Violoncell und Klavier" vorgeführt hat. Allerdings entfernt sich das Tanzmästige darin vom eigentlichen Walzer weit mehr, als dies elwa bei Ehopins Konzerlwalzern der Fall ist. Es sind ivirllich selbständige, in gutem Sinne an Kapricen reiche Phantasien auf Tanzgrund. Wenn wir sie für häusliche Kammermusik empfehlen, so stellen wir sie dadurch natürlich nicht den vorerwähnten Kinder- Hedem gleich, wolle,' sie aber andrerseits auch nicht zu der Be- deukung der ihnen freilich nur äußerlich ähnlichen„Deutschen Tänze" von Julius Zellner erheben, die neben ihrer vier- händigen Originalausgabe auch in einer vom Komponisten selber gemachten Uebertragung für Klavierquintctt vorliegen. Auf den Gipfel des fachmähigen und specisisch modernen Könnens im Beruf hat uns ei» Konzert geführt, das der Klavier- nieister FerruccioBusoni gab. anscheinend eine Art Abschieds- lonzert vor einer Ainerika-Konzertrcise. Mehrmals haben wir schon angedeutet, dast Busoni durch seine Programmwahl und viel- leicht auch durch die Lenkung seiner«chüler eine einseitige Be- vorzugung solcher Litteratur betreibt, die dem Solistcntum dient Istalt das, eS umgekehrt ist). Auch eine Uebcrkrast im Anschlag deS Forle ist mindestens nicht unser Geschmack. Im übrigen hat uns. was wir von jenem Konzert hörten, aufs lebhafteste intcr- csfiert. Es war gerade eines der(ungefähr ein halb Dutzend betragenden) Klavierkonzerte von Saint-Saens, das in F-dur 5, an der Reihe. Das ist kein aus tiefer Rot der Aussprache hervor. gehendes hohes Kunstwerk. Allein seine Verschiedenheit bo» Klavier- konzerten früherer Generationen, denen es mehr um eine Gegenüber- krtzung von Orchester um Klavier zu lhun war, ist aller Auf- merksamkcix wert. Wie lvachsen da aus den Orchcslerklängen die Ktamerllänge und umgekehrt hervor, mit milden, nur sein merkliche» i'cbergängenl Und das zu verwirklichen, dafür ist Busoni durch seinen Reichtum an Stärkegraden und Klangfarben im Anschlag thatsächlich der richtige Meister. Trotz aller Bemühung, als ein solcher zu wirken, erreicht Frau Berthe Marx Goldschmidt ihre Absicht nur teilweise. Sie hat für eine durch die europäischen Weltstädte gehende Konzert- reise ein eignes Notenwerk herausgegeben: die Präludien und Etüden von Chopin, die sie im Konzertsaal sämtlich der Reihe nach(l) spielt. Je ein Exemplar wird dem Konzertbejucher übergeben. Ter zugrundeliegende Gedanke eines lehrhaften Wirkens, zumal auf Musikschüler, ist aller Ehren loert. Rur müstte dazu vor allem die Ansgabe in der eigentlichen Editionsarbeit mehr leisten, als das; sie ohne irgend eine Angabe von Grundsätzen usw. ungefähr das Bisherige, also zum Teil etwas Schlechtes, beibehält. Und sodann müstte noch besser, zumal klarer, sogar lehrhafter gespielt werdtm. Eine allgemeine Chopin- Stimmung, wie sie die weiblichen Spieler eher als die männlichen haben, und manche erfreuliche Be- ivcgtheit im einzelnen in allen Ehren I Im übrigen jedoch genügt ein gewandtes Drüberwegspiclcn und-rauschen nicht, namentlich dort, wo alles aus das sprechende Herausarbeiten eines Themas ankommt.— sz. Kleines feirilleton* tz. Ter Mäusedorn als Zimmerpflanze. Im Winter werden auf den Strassen der Großstädte jedes Jahr die Zweige getoisser Pflanzen feilgeboten. Neben den gelbblühenden Mimosen und der Mistel nimmt der Mäusedorn oder RuScnS(Ii. aculcatus) den obersten Rang ein. Au» dem tiefen Grün leuchten rote Beeren hockst dekorativ hervor. Die grün«., lederharten blattartigen Gebilde find aber keine wirklichen Blätter. Das sieht man schon daran, daß die Beeren mitten aus diesen Blättern sitzen. Wir haben cS hier vielmehr mit Zweigen zu thun, welche die Form von Blättern angenommen haben, so wie dies bei den bekannten Blattkakteen der Fall ist. Der Botaniker nennt solche blattartige Zweige Phyllocladien. Beim Mäusedorn sind die wirklichen Blätter nur alö ganz kleine Schuppen auf der Mitte der Phyllocladien loahrzunehmen. Hier entwickeln sich auch die Blüten und später die schönen roten Beeren, und am Ende läuft der blattartige Zweig in einen spitz«. Dorn aus. Diese Pflanze, die nicht nur schön, sondern auch sehr interessant ist, eignet sich, was Ivohl wenig bekannt sein dürfte, ganz vorzüglich zur Zimmerpflanze. Ihre roten Beeren enthalten einen bis ztvei Samenlerne. Diese legt man in die Erde eines Blumentopfes und stellt letzteren am Fenster auf. Nach einigen Monaten, während welcher aber die Erde nie austrocknen darf, laufen die Samen auf. Das Wachstum ist nicht allzu rasch, wie denn der Mäusedom auch in, Freien einen nur 30 bis(50 Zentimeter hohen Zwergstrauch bildet. Als Zimmer- pflanze ist er austerord«,llich unempfindlich, fast so unempfindlich. aber weit schöner wie die allbekannte Aspidistra mit ihren grasten langen, monotonen Blättern. Er behält in der trocknen, warn,,., Cwbenlust sei» schönes frischgrünes Aussehen viele Jahre lang. Eigentlich ist es zu verwunden», dast der Mäusedorn die Zimmer- kultur überhaupt verträgt. Den» seine Heimat beginnt direkt süd- lich von Deutschland, auf der Südseite der Alpen. In der Süd- schweiz, ii» Südtirol und Ungarn ist er bereits heimisch, allerdings auch in, ganzen Mittelmeergcbiet. Sein Vorkommen in Belgien und England lieste weiterhin darauf schlicstcn, dast er feuchteres Klima liebte. Allein der Strauch leidet in der trockenen Zimmerlust durchaus nicht. Aussallcnd ist besonders, dast ihn auch die Winter- � wärme in unsren Zimmern nicht zu Grunde richtet. Gewächse aus den Länden», in denen er heimisch ist. müssen bei u»S während der lallen Jahreszeit in einem kühlen Räume untergebracht werden. Die Wanne würde sie zu frübzeiligem Treiben veranlassen und der Licktmangel würde sie alsdann töten. Der Mäusedorn erträgt aber solche naturwidrigen Verhältnisse der Zimmcrkultur, er erträgt eS auch, ivenn einmal das Fenster, an dem er steht, geöffnet wird und ein kalter Luftzug hineinkommt. Selbst einen Wassergust zur Unzeit nimmt er ruhig hin. So ist denn dieser kleine interessante Strauch eine recht dankbare Zimmerpflanze. UebrigenS wird der Mäusedorn auch in Anlagen, z. B. an künstlichen Felsen und Grotten als Freilandstrauch verwendet. Milde Winter erträgt er ja bei uns, er ist weit abgehärteter als Lorbeer. Myrlhe, Oleander und andre Mittelmeergehölze. Aber man thut doch gut, ihn im Winter für jeden Fall sorgfältig zu bedecken. Da« ist auch nicht schwierig, weil der Strauch, zumal bei uns, sehr niedrig bleibt. Besitzt man ein- mal ein Exeniplar, so kann man dieses sehr leicht durch Teilung vermehren. Besonders aus gutem Boden breitet sich der Wurzelstock weithin auS. Er kriecht unter der Erde hin und kann in sehr viele Stücke zerschnitten werden, welche alle wieder zu neuen Pflanzen aufwachsen. Wird der Mäusedorn sich selbst überlassen, wie dies in seiner Heimat der Fall ist. so breitet er sich nach allen Richtungen aus und überzieht den Boden als ein niederes, sehr dorniges Gestrüpp.— lc. Uelier abergläubische Gebräuche der Jude» Palästinas hielt Mist Goodrich-Freer einen Vortrag vor der„Folk Lore Society" in London. Während ihres Aufenthalts in Palästina hatte sie reichlich Gelegenheit, die Einheimischen genau zu beobachten. Die Juden, so führte sie aus, habe» verschiedene Methoden, den bösen Mächten aus- zuweichen. Ein Mann, der das Unglück hatte, nicht weniger als sechs Frauen hintereinander zu verlieren, verfiel m>f einen sinnreichen Plan, nm dem TodeSengel zu entgeße»� Als er-?uin siebent�nmal heiraten ivollte, kaufte er eine 5VhH, mit der er die Hochzeitsceremonie ldurilmiaekte. Der Vertrag wurde in der richtigen Farm ausgesetzt aind der Ring dem Tier auf daS Horn gcstcckt� Darauf heiratete er sofort die wirkliche Braut, während das unglückliche Tier getötet und Ida-.' Fleisch unter die Armen verteilt wurde. Das Paar lebte nachher auch stets glücklich. Wenn der Würgeengel das Leben eines Juden -nimmt, so glaubt man, das; er sein Schwert in dem Wasser von sechs Häusern wäscht; daher muß bei einem Todesfall jeder Tropfen Wasser in je drei Wohnhäuser rechts und links fortgegossen werden. Das ist eine sehr ernste Sache in einem Lande, Ivo jeder Liter Wasser seinen bestimmten Geldwert hat. Als im vorigen Jahr Wassermangel .Virauthcit und Tod im Gefolge hatte, nahm der Brauch die Bedeutung einer wichtigen sociale» Frage an. Die abgeschnittenen Nägel müssen in den Spalten der Wände verborgen oder verbrannt »verde»: manchmal geben die Jüdinnen ihre abgeschnittenen Nägel oder Haare ihrem Manne in einem Pudding zu essen, damit seine Liebe wächst. Die Nägel müssen anch zu Anfang der Woche ab- geschnitten werden, damit sie nicht am Sabbat zu wachsen anfangen. Rührend ist der Brauch, einem verstorbenen.stindc ein Ende Wolle mit den Mäßen seiner liebsten Spielgefährten mit in de» Sarg 511 geben. Dadurch soll vermieden werden, das; das.stiud sich einsam fühlt und in die Versuchung gerät, sie zu rufen, damit sie ihm in das Jenseits folgen. Bis uns den heutigen Tag verlassen sich die palästinischen Juden sehr auf die Gegenwart der„Hand der Macht", damit sie vor dem gefürchteten bösen Blick bewahrt bleiben. Dieses Amulett loird von Männern, Frauen und Kindern getragen und schmückt außerdem die Vorderseite fast jedes jüdischen Hauses. Manchmal erscheint es»ur. als ob die Hand eines Menschen in blaue Farbe getaucht und auf den Obcrbalkcn aufgedrückt worden toäre, »vährcud es manchmal auch sehr gros; und deutlich sichtbar ist. Die Frauen und Mädchen schmücken sich ausnahmslos mit Arm- und Halsbändern, die ganz aus Händen bestehen;, dies ist auch die LiedlingSform des- jüdischen Traurings. Wenn möglich ist die Farbe inuuer bläu. Die Pferde, Kamele und Esel tragen auch blaue Halsbänder, manchmal in Form von Perlenscbnüren. manchmal auch tunsivoll gestickte Perlcnbänder oder wenigstens einen großen blauen Zierat, der voni Halse herabhängt. Die Kinder tragen ans den Köpfen Amulette aus einem Stückwen Alaun, das in blaues Tuch eingenäht ist. Die Bedeutung des Blau erstreckt sich so weit, das; selbst, wenn einige Körbe in dem'christlichen Dorfe Ramallah gc- flochten iverden sollten, einige blaue Perlen sorgfältig eingefügt wurden. Ein ziemlich„gewichtiger" Aberglauben der jüdischen Hausfrau in Jemen besteht in dein Tragen eines Halsbandes, das ihr den friedlichen Besitz aller ihrer gewöhnlichen Habe sichert. Das Halsband ist eine Sammlung seltsamer Zierrate in Form zweier kleiner Frösche, eines cm jedem Ende, zweier kleiner Schuhe, eines Kaimncs s gewöhn lickl aus Holz). cincS Kasferröstofcns, cineö Schlosses, eines Hundes, einer Taube, einer Mörserkeule zum.Kaffee, eines Hammer?, einer Art, eines Säbels, eines Schlüssels, einer Schere, eines Hammers für Zcltpflöckc, einer Spitzhacke zum Aus- roden von Bnumivurzcln, eines Kamels, einer Pistole, einer Henne -und einer Kafscckannc. Amulette werden auch bei Augenkrankheiten getragen, und zwar grüne bei schwere» Fällen und braune bei vorübergehende» Entzündungen. Kistdcramnlettc bestehen aus Alaun in einem zieclickien Netzwerl alis Perlen; sie iverden in gleicher Weise von den MoSlcmin, Ehristcn und Juden Jerusalems getragen.— Bergbau. — Alter Bergbau n 0 r d a m e r i k a» i s ch c r In- diancr. Alte Bergbaue, das schätzbare Kupfer zu gewinnen, fand schon im Jahre 1847 der deutsche Ingenieur S. O..Knapp am Oberen See. Er entdeckte bis!> Meter liefe Schächte und die alten darin zurückgelassenen Wcrlzcugc der Indianer. 18t>:k hat dann Whittlesest weitere Bergbaue am Oberen See beschrieben(„Smith- sonian Contributions"), so daß cS heute nichts Auffallendes mehr hat, wenn von indianischem Bergbau die Rede ist. Holmes vcr- Lffetttlicht dazu jetzt(„American Äuthropologist") ein weiteres Beispiel aus einem Bergwerke van Lcslie in Missouri. Dort wird heute Eisenerz abgebaut, und dabei stieß man auf zahlreiche gewundene und niedrige Gänge alter einheimischer Bauten, die hier und da sich so erweiterten, daß ein Mann darin aufrecht stehen konnte. Daztl fand man gegen 1000 Stück roher Steinwerkzeuge, die nach ihrer Form ganz den europäischen paläolsthischcn Fäustlingen gleichen. Die Gruben enthalten nur Eisenerz, das heute gewonnen wird. Nun fragt sich, haben die alten Indianer hier wirklich auf Eisen gebaut, auf Eisen, daS ihnen doch erst durch die Europäer bekannt geworden ist" Die Frage löst sich anders. Uebcrall rings um das Bergwerk, »va das Eisenerz lagert und sich zersetzt, erscheint der Boden mit einer schön leuchtende» roten Farbe überzögen: die Bergarbeiter sind vom Kopf bis zum Fuß rot, jedes Gerät ist rot gefärbt. Dieses schöne Orlld war es, welches die Indianer zum Bergbau veranlaßte: hier geivanncn sie ein ihnen micntbehrlich erscheinendes Borschönernngs- mitlct, und unwillkürlich fallen uns dabei die Verse aus Schillers Nadoivrsstscher Totenklage ein: Farben auch, den Leib zu malen, Gebt ihm in die Hand. Daß er rötlich inöge strahlen In der Seelen Land.— („Globus".) Technisches. — Gefäße au? Quarzglas, Nm derartige Gläser zu gewinnen, wird, nach dem„Phhsik.-Chemisch. Centralblatt", zunächst reiner Bergtryslall erhitzt und dann noch heiß in Wasser getaucht, wodurch er zersplittert. Die ans diese Weise gewonnenen Splitter werde» bei lehr hoher Hitze in Gefäßen, die aus einer gegen Hitze sehr beständigen Platin-Jridiumvcrschmelzung bestehen, zulammcn- geschmolzen und zu kleinen Kugeln aufgeblasen. Diese iverden zu- samniciigesetzt und im Knallgasgebläse zu Geräten verarbeitet. Die letzteren ertragen, ohne zu springen, sehr starke Erhitzungen ivie plötzliche Abkühlungen. Sie Iverden Vvn Lösungen aller Art nicht angegriffen, nur muß man sich hüten, da? Quarzglas bei Hitze mit Phosphorsäure zusammenzubringen, da es sich sonst mit dieser ver- bindet und schmilzt. Der geschmolzene Quarz beginnt bei 1000 Grad zu erweichen, bei 2000 Grad kann er geblasen werde», bei 2300 bis 2400 Grad hingegen verdampft er bereits. Die auS ihm hergestellten Gefäße sind zwar teuer, jedoch wird eine ganze Anzahl von wissen» schastlichen Untersuchungen nur durch ihre Verwendung überhaupt möglich. Auch Thermometer für sehr hohe Hitze sind aus Quarz- glas hergestellt worden. Es sind dies sogenannte GaStbermoineter. bei denen die Hitzegrade durch die Ausdehnung von Gasen, die in die Gassäule eingeschlossen sind, angezeigt werden. Bemerkenswert ist es. daß Onarzgläfer eine gewisse Durchlässigkeit für Gase zeigen, die' allerdings sehr gering ist. geringer noch als die dcS metallischen Platins. Auch die sogenannten ultravioletten Strahlen durchdringen die Wandungen von Önarzgefäßen gut und sind nach ihrem Durch- gange in der daS Onarzgefäß umgebende» Lust leicht nachzu- weisen.— Hunioristisches. — Mutterstolz.„Gott, was haben wir für einen seinen, 1» 0 d e r n e» Sohn I... Sieh' mal, Moritz, wie entzückend er heute wieder dccadencelt!"— — Der echte Nörgler.(Bor Besuch der AuSstellimg.) „Neugierig bin ich, über lvas ich mich heut' wieder giften muß!"— — Unnötige Sorge.„Aber Frauchen. Deine Mitgift ist ja b e d e u t e n d h ö b e r als ich sie vor der Hochzeit nach Deinen Andeutungen schätzen konnte!" „Ja weißt Du. Arthur, ich befürchtete. Du könntest Dich aus Zartgefühl zurückziehen!"— („Fliegende Blätter".) Notizen. — Philipp LangmannS Schauspiel..Herz m n r k e" wird noch in diesem Winter im Schauspielhan sr in Scene gehen.— — Im Wiener Karl-Theater fand eine Operette von L u d lv i g S ch h t t e„ D e r M a in c l n ck Text von Jokai und Buchbinder, nur wenig. Beifall.— — Der ForschungSreiscndc Sven H e d i n hat vvn der f r a n- zv fischen Akademie der Wissenschaften den Tschichntschelv- Preis(3000 Fr.) erhalten.— — Der O s i r i s- P r e i S(10000t.» Frank) ist vom Ausschuß des Slindikats der Pariser Presse in der Weise verteilt worden, daß M in. Curie zur Fortsetzung ihrer Nadium-Fvrschuuge» 00 000 Frank und der Jilgenicnr B r a 11 l» für seine Arbeiten aus dem Gebiete der drahttosen Telegrnphic 40000 Franl erhält. Branitz ist dcr Erfinder des Frittcrs.— t. Die Naturgeschichte des Polarfuchses. Ter Eis- fuchs oder Polarfuchs(Vulpos lagopiis). dessen Fell zu den meist- geschätzten Pelzen gehört, hat im Sommer ein blanes Kleid, in> Winter ein weißes. Dieser Wechsel der Tracht vollzieht sich überall. wo das Tier vorkoinint, nur in Island soll, nach der Bersicherung vieler iiaturlvlffenschaftlicher Schriften, der Eisfuchs auch im Winter seinen blauen Pelz behalten. Diese Behauptung beruht nun, wie in der„Nnture" nachgclvicsen ivird. auf einem Irrtum: auch der isländische Fuchs wird im Winter weis;. Nur eine Minderheit von Exemplaren verändert die blaue Farbe nicht; wie es aber als Aus. nähme auch in andren Gebieten der Fall ist. Vor l'/o Jahrhunderten glaubten deshalb die Naturforscher, daß es auf' Island zwei Fuchsarten gäbe, eine weiße und eine blaue, und die Ein- geborenen Islands haben diese Ansicht noch jetzt sestgehalten. Man kann sie nur dadurch erklären, daß manche Füchse ihr Winter- kleid im Sommer nicht ablegen, wie andre umgekehrt den sommcr- lichen Pelz auch im Winter anbehalten.— c. D i e versteigerte Mumie. In den Londoner AuilionSsälcn werden den Käufern die merkwürdigsten Dinge an- geboten, und sie finden immer ihre Liebbaber. So Hut man dort kürzlich die Mumie einer ägyptischen Sängerin aus der Zeit der Pbaraoncn versteigert. Eine Hieroglyphen- Inschrift, die fast ver- wischt war, verkündete, daß sie die erste Sängerin im Amnions- Temix'l gewesen war. Die ehemalige Primadonna ist für 128 Mark verkauft worden.— VeranNvvrtk. Rrdaktem-: Julius Kalisti in Beclin.— Druck und Verlag: Vorwärts Viichdruckerci und Verlagsanstalt Paul Singer sc So., Berlin LV