U.Vk-rhattMgsblatt des"i»or.v«., Nr. 2. Sonntag, den 3. Januar. * 1904 (Nachdruck Duviiotcn.) 2] JSiobc. Nomon von Jonas L i e. „Ach. diese Talente, die sich aus dem Salon in die Seffentlichkeit verirren, von der Sorte habe ich genug gekannt. Früher wollten alle Phantasten und Taugenichts?«Vir. See� jetzt gelmsie.N"-, Kunst üben" MW e,-' Zweitältesten Sprößling den Gefallen thun? Sonst muß ! ,ch. weiß Gott, hin und pumpen. Ich kriege schein Geld, ou'an liegt s nicht." �Sehr liebenswürdig von Dir. Kjel, bei dieser Gelegen. w.fio? S,"ncn Bater zu denken." kan, es trocken vom Pult r?"! r Jn grünen Lampenschirm ward das in den ii-chlafe� starx gelichtete graue Haar des Doktors sichtbar, 'e Brille über der Praftver...» in lyrer ftitavc»» mm— Opfer vergißt, mit welchem sie diesen uilerwarteten Erfolg bezahle» soll). Und nun?" Die Präsidentin(die Augen schließend):„Bitte, mein Herr!" (Zitternd vor Widerwillen und Ekel läßt Madame dDrgueil die Exekution an sich vollziehen. Dann wendet sie sich, hochrot im Ge- ficht, zur Thür, aber Herr Crosse bittet sie mit einer Handbewegung zu warten und geht ins Nebenzinnner.) Herr Crassc(einen Augenblick später wieder eintretend und seinem Besuche lächelnd ein geschlossenes Convert überreichend):„Sie haben bar bezahlt, Madame... Ich auch!* Die Präsidentin(deren Finger im Coilvert ein weiches Papier knistern fühlen):„Adieu, mein Herr! Ich danke Ihnen I* Herr Crasse(sich verbeugend):„Ich habe Ihnen zu danken, Madame I* III. (Die Baronin und die anderen VorstandSdamen warten ve- reitS, sich im voraus an dem unzweifelhaften FiaSko ihrer Präsi- dentin ergötzend. Endlich tritt Madame LepScher dOrgneil ein. Während der Fahrt hat sie Zeit gesiinden, sich zu fassen; und mit lachendem Gesicht, auf dem die Freude über den Triunlph jede Spur deö vorangegangenen kleinen Dramas verwischt hat, tritt sie vor ihre lieben Kolleginnen.) Alle:„Nun?* Die Präsidentin(mit einer hübschen Bewegung die Liste öffnend und sie der Baronin znsalnmen mit dem Couvert reichend): „Lesen Sie, lteve Wpnwpln: Die Baronin(ihren Augen nicht trauend):„Herr Crasse— tausend Frank I* (Zunächst wortloses Staunen der VorstandSdamen, dann bewundernde Ausrufe und laute Beglückwnuschungen.) Die Präsidentin(welche ihren Triumph voll und ganz anskosten will):„Und bar bezahlt! Oeffneu Sie das Couvert, meine Liebe! Ich habe Ihnen das Vergnügen nicht rauben wollen, es eigen- händig aufzumachen!* (Die Baronin öffnet hastig das Couvert...(55 enthält nur ein Blatt gewöhnliches Scidenpapier, ganz gewöhnliches Seiden- papier!)—' Kleines feuületon. be. Großmutter erzählt. Das Feuer war zu Ende gebrannt, nur eine schwache Glut leuchtete noch durch die Ofcnthür. Sie warf einen rötlichen Schein auf die Dielen, das einzige Licht im ganzen Zimmer, über das schon die Dämmerung ihren Schleier spann. Die trockenen Nadeln des Weihnachtsbaumes fielen niit leisem Knistern zu Boden, aus einem fernen Zimmer klangen hin und wieder helle Kinderstimmen, sonst hörte man keinen Laut. Auch die Vier am Ofen waren still geworden. Frau Else hatte die Arbeit sinken lassen, cS war zu dunkel geworden für die feine Stickerei, die beiden jungen Mädchen saßen Arm in Arm und sahen verträumt vor sich hin. Großmutter hatte sich zurückgelehnt und hielt die Augen geschloffen, sie schlief aber nicht. „Soll ich Licht machen?* fragte Grete endlich in das versonnene Schweigen hinein. Die andern wehrten jedoch ab:„Ach nein!* „Laß doch*—„Im Schummern sitzen ist so gemütlich.* „Dämmerstunde,* sagte Frau Else leise; sie sagte eS in einem Ton, der deutlich merken ließ, daß eine Erinnerung damit ver- knüpft war. „Dämmerstunde...* wiederholte auch die Großmutter, sie war nahe an die achtzig, aber noch rüstig und frisch: und wie sie sich jetzt vorbeugte, um mit der Zange die Glut im Ofen aufzuschüren, blickten ihre Augen klug und hell aus dem faltenreichen Gesicht hervor. Frau Else nickte ihr zu:„Ich muß noch oftmals daran denken, MuUer, wenn wir in der großen Stube saßen, weißt Du noch? Und die Bratäpfel prasselten in der Röhre. Ach, war das schön!* «Ja, war das schön!' Die Großmutter lächelte vergnügt und sah zu den beiden Enkelinnen hinüber:„Das war in Herrenfelde, wißt Ihr, in Herrenfelde, wo Großvater Lehrer war. Die große Stube hatte drei Feniter, die ainaen alle auf die Felder hinaus— nämlich Schweineschlachten, gerne ginu u..... Manschnow und dann wieder nach Grünsee oder sonst wohin/ „Und immer über die iveiten, weißen Felder?" fragte Die Vorstellung schien sie mit einem Grauen zu erfüllen. „Prachtvoll war das!" Großnmtters Augen strahlten si „Und ivenn wir dann in die Heide kamen und die Kiefern im Rauhreif,— o Gott, das vergesst ich mein Lebtag nicht! Du Else, die Manschnower Heide auf der Tour nach Bies da wo die böse Gräsin wohnte." „Die böse Gräfin?" Wie das klingt!" Die beiden horchten auf. „Das war auch ein Satan!" sagte Frau Else. „Du hast sie ja kann» noch gekannt"— mutzte auf:„Ich seh' sie aber immer noch, wie sie die lange vom Schloß herunterkommt. Klein und gebückt, abc: schössen... Hui! das aina l Und dabei trug sie mantille und an den Schläfen zwei weihe Locken und dem Krückstock. Und sah sie etwas, was ihr nicht paßt> der Stock durch die Luft." .Ja, sie schlug alle Kinder," nickte Frau Else. „Und dann war das noch in der alten Zeit, daß die Gutsherrschast arbeiten mutzten," stihr Großmut die Büdner und Kossäthen von andren Dörfern, da> „auf den Hadach" gehen. Und wenn nun die Ernte hatte zn thun, dann mutzten sie aufs Gut für die Gr uno zu eyauje vnvu mancher arm geworden." „Das war aber auf andren Gütern auch so." fiel Frau Else ein, «aber die Sache mit der Spinnstube, weißt Du?" „Ach ja, die Spiunstubc," Großmutter nickte den Enkelinnen zu: „da kam sie nämlich immer selber nachsehen, und hatte eine Magd nicht genug gesponnen, hat sie ihr Flachs um die Finger gewickelt und— angebrannt I* „Angebrannt?"' Die jungen Mädchen schrien auf. „Das ist wirklich wahr!" bestätigte Frau Else. „Und den Hundejungen hat sie gepeitscht, bis er liegen blieb. weil er mal vergessen hatte, ihren, Windspiel Futter zu geben." „Aber ihre Mägde hat sie hungern lassen," fiel Großmutter ein: „Ja, sie war'ne Gräfin, aber immer voran in Küche und Keller, weil sie so geizig war und aufpassen wollte. Und wenn die Mägde morgens aufs Feld gingen, bekamen sie'ne Schürze voll Pellkartoffeln und'n Salzhering mit und zu trinken'ne Flasche Gerstenkaffee und dann: mach', daß Du arbeitest." „So hat sie'S noch gemacht, als sie beinah achtzig war." nickte Frau Else. „Ja und dann war da noch solch ein altes Recht." fuhr Groß- mutier fort,„daß die Leute anss Schloß gehen und ftagen mußten, wenn sie sich verheiraten wollten, und dam, hat sie immer nein gesagt, und je lieber sich die Mädchen und Burschen hatten, je nichts- würdiger wurde sie." „Aber solche Gemeinheit!" Das letzte hatte die Geduld der jungen Mädchen offenbar erschöpft, sie gerieten in flammende Eni- rüstung. „Na. so nichtswürdig waren nun viele Gutsherren.* sagte Frau Else etwas spöttisch,„und das Hungemlaffen und Prügeln verstanden sie auch. Was, Mutter?* „Aber warum haben sich denn die Leute das bloß alles gefallen lassen?" schrie Grete empört. „Sie haben es sich eben gefallen lassen!" Großmutter zuckte die Achseln,„und was sollten sie denn klagen? ES war doch die Herr- schaft und vor der haben sie alle Respekt, daS liegt ihnen schon im „Und denn red't noch der Herr Pastor," sagte Frau Else spöttisch. „Jawohl." nickte Großmutter,„und dann ist der Gutsherr meffl noch selber der Richter. Wenn sie klagen wollen, wird alles ver- dreht." „Fetzt ist das ja auch alles abgelöst, mcht wahr. Mutter?" fragte Frau Else.„Jetzt brauchen sie nicht mehr zu scharwerlen? „Ja. das ist alles nun lange vorbei," nickte Großmutter,„zetzt haben sie da nur noch Arbeiter und Tagelöhner.* flW „Na. Gott sei dank!* Dw kleine Grete atmete ordentlich - ÄüjfT den Betrag zu heben, sollst _.l dies eine, einzig Mal haben. Aber von einer Wieder- holung kann keine Rede sein, verstehst Du, Deine Gründe mögen noch so plausible sein." Ter Doktor blieb in tiefe Gedanken versunken sitzen, während der Sohn vor dem Pult auf und nieder ging. „Famos, daß ich den Kassierer nicht anzupumpen brauche, eine große Erleichterung, Vater. Man spielt ungleich besser. fetzt viel mutiger und leichtsinniger Bete— he, he, he, hi, h-: Vater," polterte er in dem Gefühl seiner Erleichterung he- 1Jt( „sie haben Johansen diesen Herbst mindestens dreißig?; trockenverfaultes Holz mit untergeschmuggelt. II, Ilster hihihi, liegen die Bretterstapel da unten bei seinem�g1 nu,l( todbleich, dös Hol: � 0'' Tagewerk w» cm uulgevraiener, eingebildeter Mensch geworden ist. Und nun will er seinen Angehörigen die Freude eines Skandals bereiten." „Es ist nun doch wohl nicht gerade gleich ein Skandal, wenn man seine Talente ausnützt, Vater," wagte Minka heftig zu entgegnen. Ter Doktor wandte sich ganz empört an Beute. „Sieht es nicht in der That so aus, als sei die Wirklich- keit bei ihnen schon ganz verdunstet? Skandal—- Skandal, was bedeutet das? Sitzt sie da, diese Minka, unv weiß— Gott helf mir— nicht, was das bedeutet. Skandal! Ver- rückte Ideen wirken sehr ansteckend in einem Hause, Bente! Ich rechne nach, Du— Endre hat bis dato genau zwei und ein halbes Jahr zu einem jeden seiner Einfälle gebraucht,— was sage ich," er stand still und hob den Arm feierlich in die Höhe,„zu einer jeden seiner Lebensaufgaben!— Nun, er soll wenigstens reinen Bescheid erhalten. Die Sache ist ganz einfach. Singe Du meinetwegen lustig drauf los, Herr Endre, aber— keinen roten Heller!" Die Stndierstubenthüre siel schwer hinter ihm ins Schloß. 1» Es war kein glücklicher Tag. Als die Lampen eben an- gezündet waren, kam Kjel, der Zweitälteste Sohn deS Doktors und sein Liebling, aus d->m Regen und Herbstnebel herein- geschleudert, einen Cigarrenstummel im Munde. Er ging in seinem zugeknöpften Ueberrock auf und ab und spie mürrisch kleine Stückchen Tabaksblätter auf den Boden, seineu Gedanken nachhängend. ES lag etwas ge- sckäftsmäßig Schneidiges über seinem Wesen und seinen Manieren. Nachdem er das Zimmer ein paarmal durchmessen hatte, warf er, dem Sinnen gleichsam ein Ende machend, seineu zer- kauten Cigarrenstummel auf die Ofenplatte. „So ungern man auch seinem Vater mit so etwas kommt, es bleibt mir kein andrer Ausweg, wenn ich'das Geld nicht direkt ins Wasser werfen will," rief er aus.„Du mußt mir durch Deine Unterschrist zu sechshundert Kronen verhelfen." Man hörte nichts weiter als ein Knacken des Studier- stnhles. „Ich habe siebzig Zwölfter Sägehölzer bestellt, um sie auf dem Sägewerk zu schneiden." „Freilich, freilich, wenn man den Großhändler spielen tvill..." „Ja, das Sägewerk kann doch unmöglich still stehen, so daß die Leute in der Stadt den Eindruck bekonmitzn, daß es mir an Kapital und an Kundschaft fehlt, uiw alles, was es an Schnitthölzern giebt, geht nach Johansens Werk— gerade sozusagen in der für mein Unternehmen entscheidenden Zeit, wo eS sich zeigen soll, ob es der Konkurrenz gewachsen ist." Es erfolgte keine Antwort und Kjel empfand die Not- wendigkeit, die eingetretene Pause auszufüllen. „Dieser Tenfelokerl von Johansen! Daß er auch gerade auf den Einfall kommen muß, mir meine Spekulation nach- zumachen,— macht einer einen Garnrollen, so müssen es alle gleich nachmachen. Ich hätte damals seinen kleinen Wasserfall kaufen sollen. Aber da hatte ich kein Geld. Ich war mir gleich darüber klar, wollte Dir aber kein Geld mehr abluxen." Es herrschte noch immer eine unheimliche Stille. „Nun ja. Tu hast ja eine Sicherheit für Dein Geld in dem Holz oder vielmehr in den Planken und Brettern. Des- wegen brauchte mir mein Gewissen gerade nicht sonderlich zu schlagen, wenn ich Dich wirklich'mal um Deine Unterschrift angehe,— aber—" er schlenderte mit einer gewissen lieber- legenheit im Zimmer auf und nieder,—„es ist eigentlich nicht nach meinem Geschmack. Außerdem hast Du mir ja auch Geld für das Sägewerk vorgeschossen, obwohl— Deine Sicherheit hast Du ja. A— ber,., Ja, willst Du Deinem Die Präsidentin:»Ist Herr tstaffc zu Hause � Der Bediente(eine zudringliche'witternd): „Sic wünschen?" A « Die Präsidentin: Ich � in �ner persönlichen ISÄ'lOC"Ä'Crasse'st doch der Besitzer des Der B e d!- micniic du Bors? Micrerm ,.MTte k-i>-> U!»«»»- mää«»ssä•--°° einen„Salon geführt.- m�annaen nch dem Herrn des HauseS Augenblicke spater hat ste das. cvnnfJ.�ct dick und häßlich» gegenüberzusehen. Herr Erasst gt schlecht rasiert, noch schlechter mit klemm, durchbohrenden Jugcn, leg manchen andern - auaenschemlich spart Herr�ra,n. Schlaftock. der , t Vi 1 1-» „Nun ja, Vater, ich werde mir schon selber zu helfen! wissen!" „Meine Unterschrift gebe ich nicht her. Niemand soll jemals meinen Namen auf so einem Papier sehen." „Aber, zum Kuckuck auch, bester Vater, kein Mensch drängt Dich ja dazu!" „Du hast mich überredet, fast mein ganzes kleines Ver- mögen in dies Sägewerk zu stecken. Das war die einzige Manier, um Dir auf die Strümpfe zu helfen. Es würde doch nichts, bis Du selber etwas zu leiten hättest, sagtest Du. Aber deswegen solltest Du nun doch auch wissen, daß gar nicht die Rede davon sein kann, daß ich Dir noch Betriebskapital vorschieße." „Aber, liebster, bester Vater!" Kjel klopfte dem Doktor mit kindlicher Laune auf die Schulter,„deswegen habe ich Dir ja auch nur so ganz lose hin davon geredet, für die eventuelle Möglichkeit, weißt Du, nur auf die drei Monate. Hätte ich aber geahnt, daß es Dir irgendwie die gute Laune verderben könnte, so... Ünd nun reden wir nicht mehr davon. Laß es ungesagt sein, lieber Vater. Du kannst Dir doch wohl denken, daß ich mir die sechshundert Kronen mit Leichtigkeit verschaffen kann. Den.Kuckuck auch, daß ich überhaupt mit Dir davon gesprochen habe! Laß es jetzt vergessen sein, hörst Du." Kjel schickte sich an, wieder zu gehen. „Aber, Kjel, weswegen kannst Du denn das Sägewerk nicht die kurze Zeit stehen lassen?" Kjel fuhr fort, seinen lieberrock zuzuknöpfen und zog ihn im Nacken in die Höhe. „Das ist nicht zeitgemäß, Vater." „So?" brauste der Doktor heftig auf.„Komiust Du nun auch damit!" „Ja, als Doktor, da bist Du ein ganz verteufelt in« telligenter Mann, Vater. Wer in Bezug auf das Geschäft, nein, da ist es nicht weit her. Auch nicht eine Idee von Re- klame. Du könntest ein Sägewerk bauen und es dann ein- fach stehen lassen. So etwas ging in alten Zeiten vielleicht an. Wer jetzt, mitten im Kampf und in der Konkurrenz mit Johansen, das Werk ganz einfach stehen zu lassen— ei ja! Damit Johansens Betrieb der einzige wäre, der in einem Umkreis von zwei Meilen dröhnte und arbeitete! Ja. daZ wäre, hol mich der Teufel, eine Spekulation! Nein, Vater, ohne Reklame geht es heutzutage nicht. Die muß man verstellen und ausnützen. Man muß es verstehen, den Leuten zur gegebenen Zeit Sand in die Augen zu streuen. Nun, diese ganze Sache hat im Grunde wenig auf sich, es verlohnt sich also nicht, darüber noch lange zu disputieren." „Hm, Du gehst nicht ins Wohnzimmer, wie ich sehe?� „Nein, ich bin heute abend bei Simonsen eingeladen z wir wollen Karten spielen." „Bei dem Kassier?" „Ja, und der zahlt mir den Betrag bar aus, wenn cr'Z nur hat," warf Kjel hin. Der Doktor faßte ein paarmal nach der Lampe und hob den Schirm in die Höhe. „Hör' einmal, Kjel, wenn ich Dir nun die Vollmacht gebe, die sechshundert aus Musters Sparkassenbuch zu nehmen, ich sage nur, wenn ich es thäte... bist Du dann ganz sicher, daß ich das Geld hier auf dem Tische liegen habe—" der Doktor legte die Hand mit großem Nachdruck auf das Pult— «in drei, nein, sagen wir der Sicherheit wegen in vier Monaten, also bis zum März... meinst und glaubst Du sicher und gewiß, daß Du das kannst, mein Junge, sicher und gewiß?" „Nein, wie kann ich das wohl? Das Sägewerk kann ja zu der Zeit vom Strom fortgeschwemmt oder durch ein« Feuersbrunst verzehrt sein, oder die Welt kann untergehm und so weiter," gab er mürrisch zurück. .upjje eingestehm muß! Welcher Triumph . ttt ihnen den Beitrag dieses widerlichen Kerls em- diaen kann, den teuer bezahlten Beitrag! Wer braucht denn zu .Jen, daß...? Und dann— für die Armen muß man schon ein Opfer bringen können. Die hübsche Präsidentin bleibt nach- drnklich stehen)_ gjun?» Di e Präsidentin �entschlossen):„Gut! Ich bin auch dazu bereit. Nur verlange ich. daß Ihr Beitrag dann mich rm entsprechenden Verhältnis zu dem... Opfer stehe, das Sie von nur wünschen � g r(, f j e(unruhig);..Im entsprechenden Verhältnis? Wie hoch tarieren Sie denn einen Kuß?"._.. D j» Präsidentin(ihn betrachtend):„Von Jhnm? mausend Frank!' Und auch nur. weil es für die. Annen ist!' H e r r C r a s s e(auffahrend):„Tausend Frank? besinnend, sehr freundlich) Tausend.Frank? Gut! Lilie und zeichnet sich mit pausend tun» in? rym Teil meine Hoffnung, meine Berechnung— das nennt man einbringende Punkte, Vater." ink (Sich plötzlich (».«„ ___ uiio anore Bemerkungen geben ivaren. Einen eigne» Kalender zu besitzen, Ivar ein Luxus, ch nur die Geistlichen und reichen Adligen leisten konnten. Sie > das kostbare Pergamentblatt, das bisweilen wunderbar niert ivar, in ein Meß- oder Gebetbuch. Herzog Johann von besaß z. B. einen Almanach mit Miniaturen von Paul von rg. Erst die Erfindung der Buchdruckerci brachte die Almanache ilender in aller Bereich. Als der älteste gedruckte Almanach gilt x Georg von Purbach um die Mitte des Ib. Jahrhunderts 'gebene Almanach„pro anniz pluribus". Sicher ist. daß der itthiaS Corvinus im Jahre 147t durch Johannes Regio- einen Almanach berechnen und in deutscher und lateinischer ucken ließ. In Wien veröffentlichte dann der Buchdrucker dem Jahre 1491 regelmäßige?llmanache, ebenso Stöfler x seit 1524. In Frankreich scheint eine der ältesten Ber- tcu dieser Art„l�e Lompost et Kalenclncr des Itergcrs" seit seinem Erscheinen im Jahre 14JL bis zur Mitte -rhundcrts jedes Jahr neu gedruckt wurde. Almanache wurden von Astrologen und Medizinern urch sich die vielen Vorhersagungen. Rezepte und Vor- iren, die sie enthalten. Sie geben ganz ernsthaft Tage man ohne Nach. eil sich rasieren, purgieren, reisen usw. dem Mailänder Almanach(1679) ist, wenn der Mond •r Fische steht, der Augenblick günstig,„um zu heiraten. «.Seereisen zu unternehmen, Geschäfte mit den Großen Medizin zu nehmen, sich, zur Ader»der schröpfen zul „«.»gciiwOTeii y» den berühmtesten Kalendermachern gehören Nostradamus und selbst Rabelais, der es nicht ver- schmähte, einen Almanach erscheinen zu lassen,„der nach dem Meridian der edlen Stadt Lhon berechnet tvar", und Mathieu de la Dröme, der dadurch bezweckte, in die armen Klassen elementare Be- griffe über Meteorologie, Ackerbau und Pflanzenkunde eindringen zu lasse». Das 18. Jahrhundert ist die glorreiche Epoche des Almanachs, den man in prächtige Einbände mit Gold-, Siwcr- und selbst Diamantcniulrnstationen einschließt. Er heißt Almanach der Liebe, Almanach der Schönen Usw.; aber der typische Almanach ist der „Almanach royal" in Saffianlcder mit prächtigen Wappen, der von 1679 an in Paris erschien; er teilte Notizen über den Postenlauf, die Hoffeste, Messen und Märkte. Münzplätze usw. und später mich die Genealogie des königlichen Hauses mit. Diese Sitte fand bald in Deutschland Nachahmung, in Preußen 1769, und ebenso in England. Daneben erschienen für iveitcre Kreise berechnete Almanache, die statt dieser offiziellen Mitteilungen Anekdoten und Erzählungsstoff aller Art beigaben, der schließlich daö Uebergcwicht erhielt. In Frankreich hat der Almanach sogar seine Bedeutung in der politischen Geschichte. Nach der Revolution verlor der Almanach seine Elegmiz; der National- konvcnt benutzte dieses kleine Buch, daS der Arbeiter und der Bauer las, um seine Doktrinen zu verbreiten. Die Idee wird mit mehr Glück beim Sturz deS ersten Kaiserreiches wieder aufgenommen. Der Almanach, der unter der Herrschaft Napoleons eine Art Agenda- Notizbuch geworden Ivar, erhielt wieder politische Bedeutung und bc- fürwortete die Rückkehr der„Lilien" oder der„Bienen", ze nach seinen Sympathien. Seitdem war das kleine Buch eine Macht, mit der man rechnen mußte; sie diente vor allem der bonapartistischen Sache unter Louis Philippe, und der„Almanach cku petit Laporal",„l'Alinanaeh de Napoleon ou les glorienx Souvenirs" bereiteten die Kandidatur LouiS Napoleons, des künftigen Napoleon III., vor.— ostes find durch eine Anleihe an deck 6e!awue.i aornouc, die unter Nuscha-Butze im Neuen Theater kompromittier �.riumphc feierte, bestritten. Damals bestand der Trick darin sich iÄXÄ C-n Empfangssalon sehr zweifelhafter Damen S s ISÄ agcKB SSmÄ? NKMÄM l»"-®,iM 1?" . 0 � J f* n Ö*~ h e a t e r.„Familie Schierke" SckzivanlL m 3 ulkten von Gustav Kadelburg.— Es thut web in dem w"A� Ephraim Lessing ist. solch minder- öS i!iw"•'> üf Berlin(: Theater. Residenz-Theater.„Der keusche Kasimir". Schwank in drei Akten von M. D e s v a l l i e r c s und A n t o i> y M a r s.— Ans alten Komödien eriirnert man sich noch des großen Bibliothek- schranks. dessen wohlgesüllte ernst aussehende Bücherreihen sich im Verlauf des Stückes als Blechkapseln entpuppen, in denen der scheinheilige Besitzer seine reichhaltigen Liquenrreservcn verbirgt. Diesmal ist der Biblioihekschran! statt in den Dienst des Bacchus in den der Venus gestellt; er enthält eine Drehthür, durch die der keusche Kasimir, so oft er will, aus seinem Arbeitszimmer in das Kokottcnboudow Fräulein Jos ottes geschoben wird. DerWitz besteht natürlich darin, durch cnie möglichst ergiebige Verwendung dieses Mechanismus die übliche Berfolgungs- und Vcrwechslungshetzjagd in dem zweiten Akt noch nm> ein paar neue Effekt � oll zu erweitern. Die Kosten des Schluß- -----<-•''marka selbst am Sylvesterabc. ujiu es wey. wrst vor einigen Monaten marschierte an der gleichen Bühne ein Stück Spree-AthenS von Richard Skowronnek auf, daZ einen ähnlichen Einschlag hatte. Dort wie hier bildet daS Berliner Spießbürgertum das„Milieu". Abev dies Milieu ist, um es rund heraus zu sagen, fürchterlich. Dann hätten die beiden„Dichter" mit ihren Schilderungen recht. � Oder, das Berliner„5rleinvürger"tum wäre doch nicht so. Tann müßte man dramatische Moralpauker vom Schlage KadelburgS der Wcinpantscherci bezichtigen. Der Angelpunkt des Ganzen bildet eine Vormund- und Gegen- vormundschafts-Schnurrc mit allerlei Widerhätchen. DaS beste daran ist die Figur des Kaliski, eines höchst widerborstigen, meinetwegen auch drolligen Gesellen, den GeorgEngels durch sein drastisches TarstcllungSvcrmögcn aufs wirtsamste auszustatten verstand. Ihm, wie Franz Schönfeld, Margarethe Alb recht, A l b e r t P a t r y und Carl Waldow galt denn auch der Lach- erfolg, zu welchem übrigens die närrische Sylvcsterpunfchstinunung des Publikums nicht zum wenigsten verhelfen mochte. Die„Familie Schierke" dürfte also voraussichtlich sehr bald die Fahrt zum Styx antreten und nie mehr wiederkehren.— e. k. Hnmoristischcs. Schwer zu befriedigen B ü r g e r m e i st e r: rufst' dreimal: Wenn a' Schnauferl was anricht', s o Halt' I... Und bleibt'S net sieh'»— I" Polizeidieners„WaS. dreimal?...'S zweit' Mal f~ ß ITT 1>> TTs'*" w I it y p a- s> ja i 0) 0 Ii">>"»'. e i.,— — Vertröstung. 91.:„Sie haben jetzt einen langsährigen Stammgast verloren— der Sekretär Windig ist zum Staats- fchuldentilgungSamt einberufen worden. Hat er denn seine Schuld bei Ihnen getilgt? Wirt:„Nein; aber' er hat mir ganz bestimmt versprochen: sobald s' d o r t e n fertig sind, komm Ich d'rrni!"— — Nachgeholt. Piccoko(der die Ansichtspostkarte eines Gastes zum Briefkasten tragen soll):„1000 Küste schickt er seiner Braut: Da will ich— damit ihre Freude größer ist— noch ein Rullerl anhängen!"—(„Fliegende Blätter".) Notizen. — Eine neue, wohlfeile Gesamt-Ausgabe von Hermann Kurz' Werken wird demnächst in der Sammlung „Max Hesse's Neue Leipziger Klassiker-Ausgaben" erscheinen; Professor Hermann Fischer-Tübingen besorgt die Neuausgabe.— — Unter dem Titel„Anatola" erscheint anfangs dieses Jahres eine neue Z e i t s ch r i f t f ü r O r i e n t f o r s ch n n g. Heraus- geber sind Dr. Waldemar Belck und Ernst Lohmann.— o. W o h l f e i l e T h e a t e r v o r si e l l u n g e n. In dem Be- streben, das Theater zu einem BildungSmittel des Volkes zu machen, haben die Berne r Behörden beschlossen, daß alle Plätze im Theater zu dem gleichmäßigen Preise von 56 Centimes an zwei Tagen der Woche verkauft werden sollen. Unter der Aussicht deS Direktors werden die BilletS in Umschläge gesteckt und in dieser Form an daS Publikum verkauft. Damit nicht Villethändler die BilletS erwerben können, führt man den Grundsatz durch, nur je ein Billet für eine Person zu geben, und der Theaterbesucher weiß erst, wenn er ins Theater kommt, welchen Platz er erhält. Geistige Getränke werden nicht verkaust und FreibilletS nicht ausgegeben. Die LluSgabcn über- steigen die Einnahme,!; aber ein Reservefonds und freiwillige Bei- träge genügen, den Fehlbetrag zu decken.— — Im Januar soll Webers„ Eury anthe" in der neuen Bearbeitung von Gustav Mahler an der Wiener H o f o p e r zum erstenmal gegeben werden.— — Max Burkhardts dreiaktige Volksoper„König Drosselbart" hatte bei der Erstaufführung im Kölner wird Stadttheater einen starken Erfolg.— — Die SecessionSauSstellung„Zeichnende Künste' an: 10. Januar, abcndö 6 Uhr, geschlossen.— — Ein Hamburger Dampfer brachte zu den Feiertagen 3669 Centner(166960 Stück) gefrorene Lachse au? N i k o I a j c w s k in Sibirien.— ntwottl r cd Verlin.— Druck und Verlag: VorwärtSVuchd.-.ickerci u. VcrlagSansial.' Paul SingeröcEo., Berlin ZW.