Wnlerhaltungsblalt des Vorwärts Nr. 9. Mittwoch, den 13. Jattuar. 1904 l?!i!chdri!.f rerbelen.) ei JSiobe» Roman von Jonas L i e. „Hm, die Idee ist an und für sick ausgezeichnet, sogar brillant, wenn sie— hm. hm— wenn sie Aussicht hätie... Damit würde, gleichsam mit einem Schlage, der volle Schuh der Frau gesetzlich au das Jawort gebunden sein, das so- zusagen der Freiheitsdiamaut in ihrem Trauring ist," schwang er sich auf.„Hm, hm, aber—" „Je, nicht wahr," triumphierte Minka und schlug Schulteiß mit dein Strohhalm, den sie in der Hand hin und her bewegte, auf die Finger,„ich habe— wie nannte er eo doch lioch, missen Sie, der, der entdeckte— Heureka. Heureka! Die Lösung des Ganzen. Ich könnte inwendig doch aufspringen, so fröh- lich bin ich." „Hm, hm!" Schulten! zog bedenklich mit der vor- springenden Lippcnpartie. „Wcsbalb setzen Sie eine solche Miene ans, Herr Schulteiß-"' „Ich meinte nur— hm, hm-- ich möchte von Herzen wünschen, daß sich das durchführen ließe, Fräulein Minka—" „Haben Sie selber nicht so oft gesagt" „Aber leider, Sie vergessen in Ihrem arglosen Herzen den Alteinherfcher, den Unterdrücker....Er wird nicht so leicht ein solches Gesetz durchgehen lassen." „Ich finde, Sie thun nichts weiter, als das; Sie sich selber widersprechen." „Bitte, lasse» Sie mich Ihnen meinen Standpunkt ans- einandersetzen. Ich halte fest, das; die Idee brillant ist, balle unerschütterlich fest daran. Aber die Hindernisse-" „Was für Hindernisses Sic haben stets Hindernisse, wenn es darauf ankommt, Herr Schulteiß. Sie sind über- Haupt so einer mit Hindernissen." „Die Dinchfiihrung dieses Gesetzes— setzt voran?— ich will es Ihnen nicht verhehlen— nichts Geringeres, als das; die ganze Fraucnfrage im voraus zum siegreichen Ab- schtliß gelangt ist." „Pfui, so ein spitzfindiger, winlelziigiger Mensch!" rief sie aus. Schulteiß sah sie wehrlos an, als wenn er nur um Ver- zeihnng flehe. Sie schlug mit dem. Strohhalm gegen ihr Kleid und stampfte mit dem Fuß: „Ei- ist ärgerlich, daß Sie stets ctlvas ausfindig machen müssen, was im Wege ist. Nun kann mein Gesetz gleich wieder nicht durchgehen. Und deswegen soll mm der ganze Artikel fallen!" klagte sie verzweifelt.„Ich glaube wirklich, ich fange an, alles zu hassen, was Männer tieißt." „Ja, Fräulein Minka, mit der Leidenschaft könnten Sie etwas ausrichten. Der Haß muß das Besreiungswerk treiben, bis alles schließlich von selber gehen kann— mit Liebe." „Aber trotzdem, Herr Schulteiß." begann sie nach einigem Bedmkni.„sollte der Artikel ausgenommen sein, und finden Sie, daß er wirklich gut geschrieben ist, ich mache mir nichts mehr aus der Idee, wenn doch erst nach hundert Jahren etwas daraus werden kann. Aber, wenn Sie glauben, daß er Aufsehen erregen wird, dann klatschen Sie dreimal unten am Gartenthor in die Hände, als»vollteil Sie die Tauben locken. „... Und dann, Herr Schulteiß, es kann heute möglicherweise eine Antwort von Fräulein Lnnd kommen, ob etwas aus der großen Fußtour hierher»vird, die sie unten in der Stadt geplant haben. In dem Fall kommt Fräulein Thekla Feiring gleich hierher, um für mich die Erlaubnis zu erwirken, daran teilzunehmen. Aber Bater und Mutter dürfen keine Ahnung haben, das; ich für das Zustandekommen gelvirlt habe.— Hören Sie. Herr Schulteiß, Sie haben heute viel zu thun." Er nickte mit dem glückseligen Lächeln dessen, dem Vertrauen geschenkt wurde, mährend Minka in den Garten zurückeilte. Die Postzeit war vorüber und Briese und Zeitungen Ware», nach den vorläufigen Revisionen unten auf der Landstraße wie gewöhnlich in zweckmäßig geläutertem Zustande ans den Tisch im Arbeitszimmer gelegt, darunter ein aus seinem Kreuzband herausschimmerndes neues gelbes Heft des „Zwanzigsten Jahrhunderts", das keine Veranlassung zu einem Händeklatschen unten an der Gartenpforte gegeben hatte. Schulteiß»var unruhig nmhcrgeschwankt und gewandert, bis es ihm gelungen lvar, Minka die trostreiche Möglichkeit zuzuraunen, daß vielleicht in diesen» Heft kein Platz zur Auf- nähme des Artikels gewesen sei. Er befand sich ans dem Wege zn seinem Zimmer, als er von Frau Beute zurückgehalten wurde, die aus der Stuben- thür kam:, „Wir haben einen Brief von Eudrc bekommen.—> Möchten Sie nicht einen Augenblick hereinkommen, Herr Schulteiß!— Aus Dresden." „Aus der Mnstlerstadt. ans dem schöncn Elbflorenz," schaltete Schulteiß verbindlich ein. „Es ist ja doch auch Kunst, Herr Schulteiß, tiefere Kunst, die in der Operette gepflegt wird. Endre denkt nämlich jetzt daran. Operettensänger zu werden.. Sie sah ibn forschend an. „Zweifellos, Frau Doktor, zweifellos." „Er sagt, das; die sogenannte» ersten Rangcs-Opcrn den Künstler zum Brüllen zwingen, ihn zum Bruder des Marktschreiers machen, durch diese unmenschlich großen Lokale,»itd daß der Sänger bei der AuSfühniilg nur die allergröbsten Momente berücksichtigen kann." „Wirklich, sebr treffend," rief Schulteiß an?. „Ja. ich verstehe nur so»venig davon, da ist vieles in seinem Brief, worüber Sie mir vielleicht cttvas Aufklärung geben könnten. So schreibt er zum Beispiel, daß er keinen Unterricht bei diesem berühmten Lntzmann nehmen lvill." „So?— Aber das»aar doch der Grund, weshalb—" „Er hat einen andren Ciuglehrer entdeckt, der noch nicht berühmt ist, aber scheinbar an der Spitze einer Be>veguug dort unten stellt. Es soll eine ganz neue, viel natürlichere Methode sein. Sie behaupten, daß die alten Singlehrer die Stimmen verpfuscht und ruiniert haben—" „Und daran mag etwa? Wahres sein, Schulteiß, Endre ist so weich, so»veich," fügte sie mit einem Ausdruck hinzu, als»venu die Eriiiiienmg sie überwältigte. „Ja, die Jetztzeit fordert das Natürliche; dem Natür- lichen zli Ehren wird das Banner erhoben und ans alle« Gebieten schart man sich zusammen," demonstrierte Schulteiß. „Aber das Ganze da in Dresden ist nun doch gar nicht so, wie ick es mir vorgestellt hatte; alle diese Freunde lind dies Leben, in das- er hineingeraten ist, mit Sängern und Sängerinnen— ja, wir dürfen ja nicht vergessen,� daß er aus die Operette hinarbeitet. Aber trotzdem diese Fräulein und Frau Operettensängerinnen Soundso—" „Der Künstlern»»»» hat vor alten Dingen das Bedürfnis, in Kunstatmosphäre zu leben, Frau Doktor. Der Fisch darf seines Elements nicht beraubt»verde»." „Meinen Sie das, Herr Schulteiß?" Sie saß da, sich» in ihre»» eignen Gedanken»oiegönd. „Sie wissen ja, eine Mutter macht sich viele übertriebene Sorgen. Ich hatte mir mm vorgestellt, das; er dort so ganz still leben»vürde, iinr mit seiner Ausbildung beschäftigt, daß er sich, gleichsnin absichtlich, in diesen zwei oder drei Jahren vor seiner Vergangenheit versrecken würde, bis er in seiner ganz?» Vollendung austreten töniie. Dies alles muß ihm doch Zeit rauben?" Schulteiß krümmte und wand sich, um eine ehrerbietige Widerlegung zu finden. „Gestatten Sie nlir, Frau Dorior, wollte man nach dem gewöhnlich Alltäglichen schließen, aber," er erhob die Stimme, „das Selbstgefühl eines Küitstlers ist nicht alltäglich. Man muß von einer inneren llnbäiidigkeit ausgehen. Der wilde Vogel kann sich nicht darei»? finden, seine ganze Lehrzeit hin- durch mit gestutzten Flügeln im Bauer zu sitzen. �— Oder auch, es ist keine Unbändigkeit vorhanden," schrie er in dialcttischer Hitze,„und dami dürfte es auch kein— kein Künstler sein." Die Doktorin nahm sich gleichsam zusammen. „Sie haben getvis: so recht, so sehr recht, Herr Schulteiß, man darf das Ungewöhnliche nickt mit gewöhnlichem Maßstab bemessen.. Nachdem Schulteih hinaufgeaaiigen war, sah Frau Bmie am Nähtisch. Ihr Ausdruck war so qualvokl nach- deutlich. Sie seufzte tief, hob den Teckel in die Höhe, nahm den Brief hervor und legte ihn mechanisch ein paarmal wieder nieder. Mit rastloser Miene, die Hand in die Seite geprcht, als litte sie körperlich, fing sie an, im Zimmer auf und nieder zu gehen. An dem zur Neige gehenden stillen Abend war der Hos deZ Doktors Plötzlich ganz belebt geworden. Auf der Treppe und dem Flur lagen Ranzel und Plaids und Stöcke, während tu Sporwtracht gekleidete Herren med Tarnen mit wollenen Strümpfen und dicken, eiscicbeschlagencn Schuhen sich unter Lärmen und fröhlichem Leben durch die Ziuuner bewegten. Eine Tourisiengesellschaft— drei Tarnen und zwei Herren— hatten sich hier eiir Stelldichein uiit Fräulein Feiring gegeben, die schon früher am Tage von Voigt Preuh hierher gekommen war und co sich angelegen fei» ließ, de» Toktor und seine Frau zrr bombardieren, daß sie Minka doch teilnehmen lassen sollten. ISä war eine längere, drei- bis viertägige Frißtour durch das Waldgebiet geplant worden. Kjel war natürlich selbrcdend rnit dabei, für ihn halte Thekla Fciriug garantiett; aus seiner zuverlässigen Angel beruhte außerdem die Aussicht auf die roten Lachssorelleii, die am Feuer geröstet»verde» sollten,»venu man das Lager aufschlug. lind von da» neu mußte man, ehe die Sonne am rtächsten Morgen aufging, nin Rast halten zu könne», wenn die Hitze späterhin am Tage zu groß wurde. Thüren und Fenster waren weit geöffnet und ließen den Tust der Heuschober ei», während man kurze Pfeife« und Cigaretten rauchte und von den Ansrreiigimgei» des Tages ausruhte. Kjels überströmende Gastfreiheit stellte sozusagen das' ganze Haus auf den ötopf. Ter mitgebrachte Mundvorcat mußte untersucht und mit dem ergänzt werden,»vas die Vor- ratskcnnuier zu bieten vermochte,»uit geräuchertein Lachs. Schiveinefteisch, Schinken und dercheichen mehr. Aber Vaters Eoguac— den wagte er nicht zu empfehlen. Cr lächelte den beiden Herren halb blinzelnd zu, dagegen der Brauutlvcin, der— Ein Boot sei für sie am Fischlvasser bereit. Ein Pferd— Ulan mußte ein Pferd mitnehmen, falls jemand zu müde werden sollte, und für die schwerste Bagage— er würde schon für das alles sorgen: er disponierte über Leute und Lastpferde gemig. so weit der Distrikt reichte. TaS Gesicht mit dem kurzen, buschige» Schnurrbart mit) die sicheren, großhändlerisch bewußten Aeußernngen ließen keinen Zweifel daran auskommen, daß man hier das Glück gehabt hatte, eine Art von Protektor, von Onmipotenz aus diesem Gebiet zu finden, eine Persönlichkeit mit plutokmtischenl Einfluß, die zugleich ungemein orientiert und populär war. Und dazwischen bewegten sich Arndt und Massi, ouss höchste interessiert und begeistert: sie waren bald mit ihnen allen bekannt geworden. (Fortschimg folgt.) )Zus den berliner Kunftfalons. Bei Keller u. Reiner ist jetzt Gelegenheit geboten, vier Plastiker mit einander zu vergleichen. Lambeaux, R o d i n, Me unter. Kling er. Die eigcmliche Ausstellung gilt dein Belgier Je» Lambeaux. Er ist inehr GescllschastSliinstler als Meunier. als Rodiu. Er koininr nicht über eine Kreislinie heraus, die sein Schaffen nmschliestt. Jmnier liebt er ein wenig die Pose, das Elegante, das Zierliche in der Bcivcgimg, die Grazie im Wirbel. Wo er einen Porträtkopf giebt, giebt er gern etwas hinzu, das Lebendigkeit sein soll, eine lebhafte Koppweudung. Diese Zu- gäbe•— man nehme noch das ein ivenig süßliche Lächeln hinzu— neigt ein wenig zu gallischer Affektiertheit. Lambeaux ist nicht so erdschwer wie Mcmiicr. Nicht so weit ausholend in seiner Geberdc»vie Rodin. Auch nicht so momentan Zupackend wie Rodin. Es bleibt Gesellschaflskimst, wird nichr ein- ache, cchre Menscheukunst, wird nicht große Natur. Seine Kolossal- aruppe.Adain und Eva" loirlt gar nicht groß. Sie loirlt mir vergrößert. Sie ist Hein gedacht, klein gesehen. Es fehlt der Zwang des Gigantischen. Diese beiden Menschen haben noch nicht eine bestimmte Rarionalität abgestreift. Eva sowohl wie Adam scheinen schon so kultiviert. Sie sind trotz ihrer Nacktheit,»tultnrtypcn, nicht Natur menschen. Fein ist nur die Bewegung, die beide ziisammenfaßt, die Flucht, das Weg- stürzende. Das Weib stürzt voraus. Der Kopf des Mannes er- scheint in scheuer, wilder Angst hintei ihr, über ihrer Schulter. Dieser Anprall nach vorn ist darstellerisch gelungen. Diese beiden Menschen stürzen aus dem Paradies, lassen eine schöne Vergangenheit hinter sich und stürzen, gejagt von einer furchtbare»« Macht, ins Unbekamite hinaus. DicS ist Überhaupt bezeichnend für Lambeaux: Er bringt gerne zivei Körper spielend zusammen. Er liebt die Bewegimg. Er»oill keine Idee, er»vill keine Wucht, er will seine Gegenwart, die er nicht hinaushebt über sich selbst, zu einem Allgemeni-Menschlichen. Auf diesem Gebiet der Bewegung stellt er sich selbst schwierige Auf- gabcit, die er dann mit spielender Eleganz löst. Die beiden Gruppen „Der Kuß" sind bezeichnend für ihn. Tie Schwere des Materials scheint beinahe aufgehoben. Die Körper biegen und wiegen sich. Mit rückwärts geivaiidtem Kopse strebt der eine Körper zmu andren hin. Zum Höhepunkt gebracht ist das Gefühl des plastischen Gegen- einauder-Anstreitens in der.Ringcrgnlppe". Da drängt sich mit aller Wucht ein Kämpe gegen den andren. Ter setzt sich zur Wehre, stemmt sich dagegen, lind cö ist dem Küustler gelungen, in dem gewaltigen Zusammenraffen des zurückgedrängten Gegners schon ahnen zu lasten, daß er, destcn Muskeln sich fpanlieit,' aufkommen wird gegen den Anprall. Virtuos behandelt Lambeaux daS Metall. Doch vermeidet er sorgfältig die gefährliche Klippe, wo das Virtuose umschlägt ins Spieleri»che. Vollendet ist eine meterhohe Platte„Vacchanrlnnen". Da wachsen, erst kaum fichtbar, die ütimachen Konturen lebhaft bewegter Leiber aus der Glätte der Meiallslächc. Sie streben förmlich aus der Fläche: sie entstehen, sie»Verden erst. Die Fläche beginnt so, zu leben. Nach der Mitte zn und stetig wachsen dann die Masten voll heraus, Haare. Leiber, verschlungene Glieder. Eine wirbelnde Bc »vegung, die ans der toten Fläche zusammenschießt, und sich um den Mittelpnnkt sammelt. Und dann schafft er ein Werk lvic den„Siiemann". Mit weiten Schritten, fcsr und sicher, schreitet er dahin. Alles ist sicher ad- gewogen, die Maße, die Bewegung. Fein gewählt, nnd frei vcr- teilt die Massen. lind frei ist der Schritt dieses Mannes, der, mit der.Hand Iveit ausholend, die Körner streut, veben spielt in diesen Muskeln. imierlübeS Leben. Die Bewegung ist gesammelt, gebäudig». Und doch icheint sie unaufhaltsam wencr zn spielen. Die' technische Beherrsch img wird hier ostenlundig. Tie Vollendmig wie die Gren ze»». Ein Küiistlet loie T o o r o p führt»Mvillkürlich darauf, seine--- fremde— Nationalität als Erklärung für die besondere Art seines Schaffens heranzu ziehen. Er ist Malaye. Er hat eine eigentümliche Art. Er sieht die Tinge nicht mit der Kuiiilrbrille. die ints alle Dinge so vertraut, so selbstverständlich und bald— wenn»vir niwr eigne Frische in unö habe», die dem lvcchseind«» Eharaktcr>>ach zuipnren»villcus ist— scuablonenhaft erscheinen läßt. Wir sehen so leicht mir die Thatsächlichkeit der Dinge und begnügen uns, wenn wir das Worl gefunden habe», das diese lhauächlicheii Beziehungen ausdrückt. Davon, daß jedes Ding für stch lebt, wisten lvir nur in de» besten Augenblicken. Da ahnen auch»vir tiefer liegende Beziehungen, Es ist dies wieder nicht ein Gefühl, vom Verstände geleitet, daS mit cincm Schlagwort wie Mystik oder der- gleichen gekennzeichnet lvärr. Vielmehr ist es ein sehr lebendiges, ganze- Sich-EmS Fühlen, ein tteferes Hineinsehen� ein Ahnen. Wie alles Naturgefuhl cur Ahnen ist, ein Ahnen von einer anderen Seele. Von all dem»oeiß Toorop. Nur iuigefähr. Noch leitet ihn der Verstand, Er steht vor der Pforte, die ihn einläßt zn einem großen, ganzen Gefühl. ES ist ein Tasten. Frühzeitig»oill er dann Werte geben nnd zwingt das Sickiauflösende allzuftüh in feste Formen. Daim macht man ihm den Vorwurf, seine Kunst suche eine ünßerkich anfgetragcnc Symbolik. Toorop sinnt den Dingen träumend nach. In sich selbst fühlt er ein Weben nnd Werden, Er hat kein Urteil, er sticht eö nicht. Naiv, mit der bereckmeiiden und ahnenden, halb schaffende»?, halb hingebende» Art eines Menschen, in dessen Adern noch ein andres Blut fließt, spürt er überall Bc- Ziehungen. Das malahische, fremde Blut ist lmruhiger, fein- sühleiider als europäisches Wissen, als Kulturverstmid. Jimner revoltiert cS dagegen. ES will nichts wissen von Thatfachen. Diese- Unentwickelte, dieser Zwang hierzu und Abneigung gegen europäische Fertigkeit kennzeichnet einen Menschen, der innerlich unsrcr Kultur fern und einer primitiveren Natur ahnend nahe steht. Immer steht der natürliche, fein empfindende Mensch den KnItnrei'scheiiUlngen, die uns in solcher Fülle fesseln, bis zu einem gewissen Grade wehr- loser gegenüber, als ein gewitzigtcr Europäer. Hierzu kommt, daß man gerade bei solchen primitiveren Böllern oft eine erhöhte Sensibilität findet, eine feinere Jntellektnalität, die nicht mit Haufen von Wissen aufwartet, wohl aber zarter den Dingen nachspürt. Sic stehen noch in all dem Ungeklärten der Elemente. Sic ahnen mehr. als daß sie lvissen, Ein solcher Mensch gerät also in daS europäischc Kunsigeiriebe hinein, das so wenig einer ruhigen Entwicklung günstig ist. Mit der Empfindlichkeit, die solchen Rdluren eigen ist, nimmt er ans und schließt sich andrerseits ab. Unentschieden ist sein Weg. Bon land- läufiger Krnit wird ihin eine Marke aufgcilcbt, Wenn er mi» weiter sucht, sich ändert, so heißt eS gleich, er verliert sich, eS ist ein ratloses Hin- und Henasten. Tech geht er sachte seinen Weg weiter. Dabei hat er wohl Gefühl für die künstlerische Konzentration. Er hat in europäischer Schulung gelernt. Er gebraucht�die Technik. Sie ist ihm Handhabe, das Flüchtige zrr bannen. So eint sich lnospeichaster, ungeklärter Empfindung, die sich gern verhüllt, eine in langen Entwicklungen herausgebildeie Technik, die Toorop mit der Rassinicrtheit sich aneignet und handhabt, wie sie solchen Naturen gerade, die diesem Geist eigentlich fremd gegenüberstehe», eigenlüm- Ucherweise eigen ist. Spielend wie ein«inb handhabt er diese Schtvicrigldtcn. Denn oft haben solche Völker eine so seine Hand, einen so entwickelten Sinn für die feinsten Reize. daß unser Empfinden dagegen robust erfcheint. Diese Völker leben— that- fäcblich vielleicht in niedrigen Verhältnissen— in einer Sphäre erhöhter Geistigkeit, die a» Weisheil grenzt. Namentlich finden wir das bei den Völkern Asiens. Ein E>ch? finde», das daS unsrc an Zarrheit nnd Verständnis weit übertrifft. So geht in diesem Falle beides nebeneinander her: die Technik, wie sie bei uns solche handhaben, die über all die Vergangenheiten hinweg zu neuen Fielen wollen, und ein primitives, uranfänglich- kindliches Empfinden. zaghaft� scheu und visionär. Dieses die Mitgift seiner Natur, seines Stammes, das andre das Erlernte, das Klare, das für ihn Fremde. To erhält bei Toorop dieses In- stinktivc, dieses Ewig-Rankcnde. beinahe Vegetative der Empfindungen, das immer Ding»iid Fdee, Vorstellung und Sein nock, ganz un- geklärt vermischt und die Außenwelt ans sich heraus abspinnen zu kömien meint, die Möglichkeir. durch eine gefestigte Technik gebannt zu werden. Da die JiincnweU überwuchert, spürt eine scheue Angst. Naturvölkern eigen, noch zaghaft um die Tinge herum. Eine reale Außemocli ist hier für Toorop noch gar nichl vorhanden. So ist Toorop selbst ein Problem, selbst eine Fragestellung, Alles geht»och ineinander und loill sich nicht scheiden und setzen zu festen.uehsiallisatioiicii, zu Werken. Es sind alles.Ansätze, die, kaum Wirklichkeit geivordcn, schon zurückstreben in das llnivirklichc. Nur ein Porträt ist hier, eine Tamc. das zeigt, wie sehr Toorop wirklich werde» kann. Diese Farbenpunkte, die das Vild zusammensetzen, leuchte» und leben,«ic einen sich, es gicbt ein fabelhaft lebendiges Bild. Hier hat Toorop mit ganzen Tinnen zur Auhmwelt gestrebt Auch das ist bezeichnend. Weit« Toorop, loie in dem großen Gemälde„Die Hüter des Meeres" zur großen Symbolik strebt und innere Vezichnngen deutlich betone» will, dann verfällt er leicht in den Fehler, in den alle mientwickelten Charaktere, die einen natür- lichen Fmiespalt in sich haben, verfallen: sie glauben an die Theatralik ihrer Worte, die sie bei andern sofort als haltlos, als gemacht empfinden würden. Sie gleiten in eine phrasenhafte De- ilanMio» hinüber und inerten es selbst nicht. Es fehlt ihnen die Mm>1. Das ist eben das Unciitwickelte an ihnen. Und die Primitivität ihrer Entivickluiig läßt sie grobe Reize als kräftige, starke Reize ansehe». Diese ganze Art ist ihnen eben fremd. Sie verlieren den Boden, sie verlieren die seinen Maßgesühle, die sie sonst haben. Toorop hofft und wartet immer, zu sich selbst zu kommen, sich ganz zu finden. Es giebt wohl einen Punkt, wo die verschiedenen Wege sich einen. Doch ist es cigemtich eigentümlich für solche Naturen, sich nicht nnd nie.zu finde». Das Ungeklärte ist ihre Note. ES ist das Problematische an ihnen. * Von Fritz Overbeck sind im Kunstsalon W c r t h c i m zwei Landschaften aus Worpswede z» sehen. Landschaften, die in ihrer Frische und Lauterkeit wie in der Weite der Linien von Böcklins Art beeinflußt sind. Doch sind sie. der Richtung der WorpSwedcr Künstler entsprechend, realer, einfacher: sie haben noch mehr von der natürlichen Einfachheit: sie haben lokalen Charakter. DaS. tvaS sie heraushebt aus der großen Schar moderner Landschaften, ist die Unverbrauchtheit des Sehens, das immer wieder unvoreingenommen die ewige Frische dieser Natur, ihre tiefe Farbigkeit auf sich loirkcn läßt. Trotzdem die WorpSwcder zu einer bekannten und abgeschlosienen Gruppe wurden, wirken ihre Werke nie schablonenhaft. Man kennt sie heraus— an der leuchtenden Frische der Farben, an der tiefen nnd echten Empfindung, mit der sie immer Land nnd Leute dieser ein- fachen und stillen Natur geben. Es ist gut, daß sie sich diese Beschränkung auferlegen. Dadurch sichern sie sich dauernder die Wirkung, als wenn sie in krasser Weise an irgend ein sentimentales Gefühl appellierten. Sie suchen sich zurückzuhalten. Und doch, ivcr die Psychologie nur ein wenig keimt, die sich hier in Farbe umsetzt, der spurt all diese Empfindungen doch, aber seiner, tiefer, verhüllter. DieseKünsllerlieben wirklich ihr Land, das sie sich erwählten: cS ist ihnen nicht nur Zweck ihrer Kunst. ES liegt ein persönliches Bekenntnis darin, wie sie sich dazu stellen. Sic scheuen das allzu harte Zur-Schau-steUen. Sie sehen das Land nicht mit überraschten und neugierig ent- zückten FeicrtagSauge». Sic leben darin, leben alles nnt, Früh- ling, Sommer, Herbst, Winter, ziehen mit dem Bauer auf den Acker, sehen, loie die Ernte eingebracht Ivird, unMassen sich zur Winter- zeit einschneien in Bauernhäusern, abgeschnu'en von aller Welt. AnSstcllnngbciEd. Schulte. EaroDelvaille liebt die großen Flächen. Mit Geschmack und Geschick setzt er auf diese Flächen Zranen, die mit der Nagelpflcgc beschäftigt sind, auf der Chaiiekongue liegend, ausruhend, sich Tbee servieren lassend. ES sind französische Gesichter und Gestalten. Meist merkwürdig und auffallend lauge und im Verhältnis eigentlich unproportionierte Gestalten bevorzugter. Er sucht sie sich so aus. Geschmack und Geschick zeigt cr.� Weiter nichts. Es läßt sich nichts angeben, Ivo er cut- gleist wäre. Aber ebenso auch nichts, das besonders Freude machte. Die Farben find immer unaufdringlich ausgewählt und ruhig hin- gesetzt; steht eins passend zum andern. Und doch kommt kein'reiner Genuß auf. Es will scheinen, als wären daS gute und ernste Schüler- arbeiten. Es ist wirklich kein Grund vorhanden, solche Arbeiten bei uns auszustellen. Sie sind überflüssig. Sie zeigen doch weiter nichts als daß ein Franzose, namens Coro Telvaille, auch gelernt hat.— wie so viele andre— geschmackvoll zu malen, da»hm da-Z Zeug, einem innerlichen Muß künstlerisch zu folgen, fehlte. Dann nehme man doch lieber Deutsche. Freilich haben diese die Manie, sich nicht so leicht unterzuordnen, sich zu fügen. Und in diesem Sinne vielleicht können die kleinen und bescheidenen Talente bei uns von diesem Franzosen lernen. Bei uns will jeder hoch hinaus,_ will sich betonen, und verabsäumt ganz seine Gaben in Betracht zu ziehen. Ost ergiebt sich da ein so klägliches MßverhältniS. Gcichmackvoll in bescheidenen Grenzen zu bleiben, kann jeder lernen. ES ist dies eine Lehre, die nicht so von der Hand zu weisen ist. Allerdings und leider hat sich bei uns in künstlerischen Dingen— vielleicht trug die Gleichgültigkeit der aus- nehmenden Kreise dazu bei— ein Ton eingebürgert, der nicht geschmackvoll ist. ES Ivird nicht nach Mas; und Grund der Begabung geforscht und daraufhin fleißig, einfach und still gearbeitet, wie cS früher deutsche Art war. Viel- mehr beginnt ein Rrmien, sich Ueberbieten, ein Protzen, eine Kraß- heit in Form und Farbe, die beinahe etwas Kapitalistisches, etwas MarktmäßigcS an sich hat. Tie Besten sind oft nicht davon frei. Es lohnte, diese Ursachen einmal zu beleuchten. Die Kunsthallen verlieren ihre Stille, cL tobt ein Geschrei ivie auf einer Börse, wo jeder seinen Wert ausschreit. Tie Weiterentwicklung ist nicht in die Innerlichkeit verlegt, demgemäß nicht in den Einzelnen. Vielmehr iverdcn fortwährend Richtungen geprägt, die im Kurse steigen oder sinken. Es ivird genau registriert. Der wird groß sein, der sich hinausschwingt über diese kleinen Ziele, all daS hinler sich läßt. Auf solche Charaktere gilt es zu warten. Vorläufig haben wir nur Schüler, lind Schülerart ist es, zu streiten über allerlei Fragen, wie eS sein soll, was besser iväre usw. und Schülerart ist das einseitige Jn-deu-Himmelheben einer augenblicklichen Richtung. Mensch sein heißt allseitig sein. Und der Künstler ist potenzierter Mensch. Allerdings haben wir sehr, sehr begabte Schüler. Fast ivird es schwer, die Grenze, die sie doch noch von dem Höchsten trennt, zu erkennen. Ich schweifte ab. Ich wollte nur sage», in mancher Beziehung kann dieser Franzose uns Lehren geben; welche, das deutete ich an. Gleichzeitig sind bei Schulte von dem Karlsruher Gustav S ch ö n l c b e r eine Reihe von kleinen Bildern z» sehen. Karlsruhe scheickte unS manche gute Landschafter. SchönleberS Raine ist bc- kannt. Diese Landschafte» sind wohl schwer im Ton und wir sind vielleicht gewohnt, die Farben schwingender und luftiger zu sehen. Aber man sieht eben, Technik allein macht's nicht. Denn diese Bilder— meist schwüle Sommerabendstiinmmig. wo das Licht gelb leuchtet und die Wolken dick und grau dagegen stehen— sind in sich abgeschlossen und vollendet. Mau spürt die innere, die echte Beziehung. Da ist kein Zuviel, kein Zu- ivenig. Ein Charakter redet hier. Eine einfache Stille webt um all diese Dinge, die so anspruchslos sich geben, eine Intimität, die aus der innerlichen Auffassung strömt, die den Maler seine Farben wählen ließ. Die Wärine der Farbe verbindet die äußerlich getrennten Dinge. Tie leuchten von innen heraus. Unter den vielen Bildern von Desire L n c a S ist nur eines, daS haften bleibt. Ein kleines LandschaftSftück, nur eine Hügel- welle, die sich grün über daS Flachland hebt. Alles andre ist vielleicht tüchtig gemalt, aber nicht besonders erwähnenswert. ES mangelt hier an innerer Feinheit des Empfindens. Dagegen zeigt ein Corot die wundervoll abgewogene Art. alle Dinge farbig zu einander in zarte Beziehung zu setzen. Es ist ein richtiges malerisches Sehen, ein malerisches Werten. Und da liegt die Größe. Eine künstlerische illtBescheidung dokumentiert sich hier in dem Zurücktretenlassen alles Persönlichen. Und die Natur ist hier so still für sich— cS ist eine steinerne Bogenbrücke, die über einen Bach führt, mit Wald nnd Wiesen—. Es ist eine hohe Vollendung, so fein und richtig alles hinzustellen. Jedes Einzelne hat den Ton, der ihm gebührt. Man sieht: in der Wahl dcS Gegenstandes, in der Durchführung— nichts KrajseS. Nichts Gewolltes. Nichts Betontes. Eins entwickelt sich still aus dem andern. Ein imicrliches Blühen treibt alle diese Dinge heraus. Und allem wird diese Malerhand gerecht. Von Jules Lagac sind einige Plastiken ausgestellt. Ein derber vläinischer Stier. Eine konventionell aufgefaßte, symbolische Statuette: Die Künste, mit flatterndem Gewand und einen, Griffel in der Hand— ivie üblich. Der Stier und ein Männerkopf repräsentieren seine Kunst. Diese ist ernst und sachlich, beschränkt sich auf daS Gebiet des Könnens und sucht in diesem krafwollen Nachgehen Werke zu geben, an denen man nie ohne Achtung vorüber- gehen wird. Man spürt sofort dieses Maßhalten, dieses Zusammen- halten, dieses Bezwingen, diese innere Kraft.— Kleines feuilleton* bt. Gin neuer Beweis für den Zusammenhang tun Licht und Glektricität. Nachdem durch Maxwell im Anschluß an die genialen Arbeiten F a r a d a y s die Lehre von den elektro-magne- tischen Wellen aufgestellt tvar, toonach die Aetherschwingungen elekrro- magnetischer Natur sind, und nachdem Maxwell die Folgerung ge- gogcn hatte, daß auch diejenigen?lctherivcllen, die wir als Licht empfinden, von der gleichen Beschaffenheit sind(elektro-magnetische Lichttheorie), gelang eS bekanntlich im Jahre 1888 dem deutschen Physiker Heinrich Hertz, elektrische Wellen durch das Erperi- mcnt hervorzurufen und an ihnen alle Eigenschaften der Lichtwellen nachzuweisen. Der einzige linterschied bestand in der Wellenlänge; während diejenige der Lichtwcllen nur nach Zehntauseudstcl eines Millimeter zählt, betrug die Länge der Wellen, mit denen Hertz experimentierte, mehrere Meter. Einer der interessantesten Versuche Hertz' war folgender: Im Brennpunkt cincS HalbcylinderS aus Zink werden elektrische Funken erregt, von denen die Wellen ausgehen; von der Metallwand inerden sie reflektiert, wie Licht an einein Spiegel, und nach einem gegen- überstehenden ebensolchem Metallspiegel geworfen, in dessen Breun- Punkt sie vereinigt werden, so daß zwischen den Enden eine? daselbst aufgestellten Leiters Funken übergehen, solange das Funkenspiel im Brennpunkt dcS ersten Spiegels unterhalten toird. Steht die Funken- strecke vertikal und stellt man zwischen die Spiegel ein Gitter aus Kupserdrähten. so hören in der Funkenstrecke des ziveiten Spiegels die Funken auf, die elektrischen Wellen werden durch das Metallgitter vollständig ausgelöscht. Stellt man das Gitter jedoch so ans. daß die einzelnen Stäbe horizontal liegcn, so gehen die elektrischen Wellen ungehindert hindurch. Damit der Versuch gelingt, ist eS notwendig, daß das Gitter eng ist, d. h. daß der Abstand der einzelnen Stäbe klein ist im Ver- hältnis zur Wellenlänge. Da Hertz mit Wellen von mehreren Metern Länge arbeitete, so genügte für seinen Versuch ein Gitter, besten Stäbe um je 3 Centimeter von einander abstanden. In der Folgezeit lernte man, kleinere elektrische Wellen hervorzurufen, und das Gitter mußte dann für diesen Versuch entsprechend enger sein. Aber daran hat wohl bis vor kurzem kaum jemand gedacht, daß der Versuch auch mit direkten Lichtwellen angestellt werden und gelingen könnte. Die längsten Lichtlvellen, die wir als rotes Licht empfinden, haben eine Wellenlänge von 8 Zehntausendstel eines Millimeters. Die Stäbe des Gitters müßten also für diesen Versuch einen Ab- stand von nur 1 Hunderttausendsiel bis 1 Millionstel eines Milli- Meters haben. Es kommt nun ans Straßbnrg die überraschende stunde, daß dort Prof. Braun, der namentlich durch seine Verbesserungen der drahtlosen Telegraphie bekannt ist. am 3. Januar im natur- wissenschaftlichen Verein über diesbezügliche Versuche von ihm Bericht erstattet habe. Zunächst berichtete er über eine weitere Verbesserung der drahtlosen Telegraphie. durch die man im stände ist, erheblichere Energiemengen, als bisher, fortzusenden. Dann aber führte er Präparate vor, die solche gittersörmig an einander gereihte Metall- stäbcheu von so übermäßiger Enge darstellten, daß der oben ge- schilderte Versuch gelingt: Senkrecht zu ihrer Richtung schwingendes Licht wird von ihnen durchgelassen, parallel schlviugendes wird ausgelöscht. Dieser Versuch beweist also ganz unmittelbar und direkt die völlige Identität der Lichtioellen mit de» elektrischen Schwingungen. Wie die überaus engen Gitter Brauns hergestellt werden, sagen die uns vorliegeude» Berichte nicht. Jedenfalls müssen die einzelnen Stäbchen so nahe bei einander liegen, daß sie selbst durch die besten Mikroskope nicht als verschieden erkannt werden können. Dazu ge- hört»cimlich ein Abstand von mindestens 1 Zehntausendstel Milli- inetcr, während hier der Abstand noch zehn bis hundertmal Heiner sein muß. Gerade deshalb versprechen aber die Braunschcn Prä- parate und Versuche, mich ein Hilfsmittel der biologischen Forschung zu werden. Wenn selbst mit den besten Mikroskopen in organischen Geweben keine Struktur mehr erkennbar ist, so ist da? noch kein Beweis, daß keine Struktur des Gewebes vorhanden ist, sie kann eben unterhalb der Grenze mikroskopischer Erkennbarkeit liegen. Die Prüfung mit den Braunschen Versuchen der Durchlässigkeit oder lln- dnrchlässigkeit für Licht, da? in verschiedenen Richtungen schwingt, läßt uns aber noch eine Stufe lvcitcr gehen, so daß wir noch tiefer in den Bau der Materie einzudringen vermögen.—• >zo. Die bulgarischen Wandcrgärtner. ES ist eine ausfällige Er- scheinung. daß, obwohl in Rumänien sehr viel Gemüse verzehrt wird, die Landbevölkerung sich im allgemeinen mit dem Anbau von Ge- miisc nur sehr wenig abgiebt, solches sogar vielfach kauft. Die rumänische Stadt-, teilweise auch die Landbevölkerung wird nämlich, wie der landwirtschaftliche Sachverständige in den„Mitteilungen der deutschen Landwirischafts-Gesellschaft" berichtet, durch bulgarische Wandergärtner versorgt. Dem durch Bulgarien Reisenden fällt es gleichfalls auf, daß mibAüSnahme einiger weniger Gegenden der Gemüse- bau von der ortsangesessenen Bevölkerung Bulgariens auch nur wenig gepflegt wird. Im allgemeinen baut der bulgarische Bauer nicht viel mehr Gemüse an als die für seinen eignen Haushalt erforder- lichen Bohnen, Gurken, Zwiebeln, Melonen, stürbisse und stnoblauck. Zu Markte bringt er nur wenig Gemüse; aber bei jedem bulgarische» Städtchen und selbst bei den größeren Dörfem findet man besondere Aerantwortl. Redakteur: Julius stalieki, Berlin.— Druck und Vertag: Gemüsegärttier. Sie stammen fast ausschließlich aus dem Bezirk Tirnovo, namentlich aus den zu jenem Bezirk gehörenden Kreisen Elena und Gornja-Orechowitza. Ans derselben Gegend stammen auch fast alle in Rumänien' und sonst im Auslände arbeitenden bulgarischen Wandergärlner. Vor etwa 180 Jahren war Garten und Gemüsebau auch in der jetzigen Heimat der bulgarischen Wandergärtncr unbekaimt. Heutzutage beschäftigt sich ein sehr großer Teil der Bevölkerung de? streites Gornja- Orcchowitza mit diesem Gewerbe. Auch die Nachbarkreise Tirnovo, Gabrovo und namentlich Elena senden seit neuerer Zeit eine alljährlich siart wachsende Zaht ihrer Bevölkerung als Wandergärtner in die Fremde. Gering, aber in allmählichem Anwachsen begriffen ist die Zahl der Wandergärtner aus den ebenfalls benachbarten Gebieten Sevlievo, Sviftov, Ruftschuk und Razgräd. Mit besonderer Vorliebe gingen die Wandergärlner von jeher nach Rumänien. Innerhalb des heutigen Bulgarien ließen sie sich ursprünglich fast nur in der Nähe der Garnisonstädte nieder. Aach der Befreiung Serbiens gingen bulgarische Gärtner auch in jenes Land. Im Jahre 18ö4 gab eS bei Belgrad 12 und im übrigen Serbien SO bulgarische Gennisegärtner. Gegenwärtig nimmt ihre Zahl in Serbien ab: die serbischen Bauern scheinen ihnen Wettbewerb zu machen. Allmählich rückten die bulgarischen Wandergärtner immer Iveiter vor, und zwar besonder? nach den südlicheren Teilen Destreich-UngamS und nach Rußland, namentlich nach Odesia, Charkow, Moskau und den Küsten-' städten am Schwarzen Meer.— Humoristisches. — Schlau. Dorfwirt(vor dessen Hause sich ein laufender Brunnen mit sehr gutem Wasser befindet, beim Herannahen von Touristen):„Schnell, Kathi, stopf das Brunnenrohr zu, sonst saufen die Stadtleut' wieder lauter Wasser und kehr» bei uns net ein."— — Gemütsmensch. Sie(zum Gatten. der spät nachts nach Hause kommt):„Na, Du Erzlump, kommst Du endlich, und in dem Zustande? Halb tot habe ich mich schon Deinetwegen geärgert!" E r:„Aber Hu— Hu— Hulda! Was kann ich denn dafür, daß Du alles nur halb thust?"— Fortschritt. G a st:„Kellner, das Beschwerdebuch I" Kellner:„Bebaute... aber»vir haben dort in der Ecke einen Phonographen,»vollen Sie, bitte, Ihre Klage da hin ein sprechen, alle zwei Stunden hört ihn der Wirt ab."— („Meggendorfer Blätter."» Notizen. — Ii» Konzert der Wagner-Vereine. HM am 15. Februar in der Philharmonie(Dirigent Hofkapellmeister Dr. Muck» stattfindet, gelangen zwei Bruchstücke ans der unvollendeten Oper „Gunlöd" von Peter Cornelius zum erstenmal zur Aufführung. Aus dem Programm stehen ferner noch aus„Parsifal" dritter Akt zweite Hälfte und aus„Tannhäuser" Ouvertüre und Bacchanal.— — Gelegentlich dcS NniversitätS- Neubaues in I e n a war ein W e t t b c lv e r b um die besten Entwürfe veranstaltet worden. Den ersten Preis hat jetzt Professor Theodor Fischer in Stuttgart, den zweiten Professor Franz Hochcdcr in München, den dritten haben die Architekten Weidenbach und Tschammer iii Leipzig erhalten.— — Auf der Weltausstellung i n S t. Louis wird im deutschen Hause eine Sammlung von 5t u n st p h o t o g r a p h i e n der hervorragendsten Fach- und Liebhaberpbotographe»i ausgestellt werden, die vor ihrer llebcrführung nach Amerika in der Kunst- Handlung von Ainöler u. Ruthardt, Behrenstr. 29, bis zum 23. Januar unentgeltlich zu besichtigen ist.— — Im vorigen Jahre ist aus Veranlassung der turlestanische» Abteilimg der russischen geographischen Gesellschaft der B a l t a s ch- see erforscht worden. Wie Professor Woeikow in„Petermanns Mitt." berichtet, wurden 30 astronomische Punkte bestimmt, die Karte wird in Taschkent hergestellt. Die früheren Karten sind in vielen Punkten uugenan. Die Länge des Sees ist etwa 850, die Breite 55—80 Werst. TaS interessanteste Ergebnis ist, daß dieser abfluß- lose See. in einem sehr trockenen Klima gelegen, ein Süßwassersee ist; er ist sehr seicht, die größte Tiefe 11 Meter, der Boden sehr eben. das Wasser trübe. Nach Aussagen der Kirgisen ist das Wasser seit wenigstens 10 Jahren im Steigen begriffen.— — Das größte Automobil der Welt ist in San Francisco zur Ablieferung gelangt. Es ist 60 Fuß lang, 30 Fuß breit, hat 60 Pferdekräfte und ist als Ernte- und Mähmaschine gebaut. Als solche mäht sie einen 36 Fuß breiten Streifen, stellt gleichzeitig das gemähte Korn auf, drischt es und bindet da? ge- droschcne Stroh in feste Bündel. Bei dieser Arbeit legt cS ö1/-, Kilometer in der Stunde zurück.— c. Verwickelte Verwandtschafts-Verhältnisse. Dr. Grenfeld, der in den Gewässern von Labrador mit dem Lazarett- schiff„Stratbcona" kreuzt, fand in einer Eskimo-Familic ein außer- gewöhnliches Verwandtschaftsproblcm. Zwei Witwer, die Vettern waren, heirateten ein jeder die Tochter des andern. So tvar jede Frau die Stiefmutter. Schwägerin und Cousine der andern, während die Verwandtschast ihrer Kinder fast zu verwickelt war, um durch gewöhnlichen menschlichen Ccharffinn feitgestellt zu werden.— Vorwärts Buchdruckerei u.Verlagsa!!stallPaulSinger LiEo.,BerlmLW.