Anterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 16. 15] Niobe. Freitag, den 22. Januar. ( Nachdruck verboten.) Roman von Jonas Lie. Minka wollte sich erheben, wurde aber daran verhindert, indem Varbergs Augen sich, über die Berechnung grübelnd, gleichsam unwillkürlich auf sie richteten. Sie starrten, in Gedanken versunken, merkwürdig scharf mit einem blaugrauen, tief aus dem Innern herausschimmernden Licht. Und wiederholt richteten sie sich auf sie, länger und länger. Das Notizbuch lag auf dem Tisch in einem halbhellen Sonnenstreif vom Fenster her, und die Hand mit dem Bleistift ruhe darauf; der Blick war so geistesabwesend versunken, daß sie sich ihm nicht entziehen konnte. Es war, als fäme er aus dem Innern seines Traumlebens heraus und reiche bis tief in ihr Wesen hinein. Sie folgte feiner willenlosen Hand. Es schien, als wenn der Bleistift anfinge, Schriftzüge zu führen, zu schreiben langsam, Buchstaben auf Buchstaben, bis es eine ganze Linie wurde, deutlich, groß. Und wie mit einem Ruck wurde die Hand jetzt zurückgeführt. Eine neue Linie begann und abermals eine neue Es war, als wenn alles in ihr unter einem lähmenden Halbschlummer befangen sei, unmöglich, sich loszureißen. Die Buchstaben dort auf dem Tisch verschwammen in ein ander, als schaue sie durch eine halb verwirrende, vergrößernde, Brille. Es war ihr beinahe, als sähe sie eine hellgraue NebelHand aus dem Sonnenstreif heraus nach dem Bleistift greifen. Ohne sich dessen bewußt zu sein, war sie bei ihm und lehnte sich über seine Schultern. Sie las: ,, Dein Wille redet mit ihrem Willen das, was Ihr selber noch nicht versteht." Sie schaute in die wunderliche Tiefe seiner funkelnden Augen, fühlte, daß er die Arme um ihren Leib schlang und fie auf seinen Schoß hinabzog, und ehe sie daran dachte, es ihm zu wehren, preßte er einen glühenden Kuß auf ihre Lippen. Sie starrte ihn überrumpelt, starr, entsetzt an und untersuchte, wie bei einem plöglich aufblinkenden Magnesiumlicht, sein Antlig und seine ganze Person, ob erwirklich wirklich der Mann war, dem sie sich hingeben wollte. Bei dem halb spielenden Lächeln, das auf ihm ruhte, stieg eine namenlose Angst in ihr auf. Gleich einer plößlichen Banif überkam sie wieder jenes Gefühl des Entsetzens, daß sie vielleicht im Begriff sei, ihre Persönlichkeit zu verlieren, daß sie durch irgend eine Entscheidung, die außerhalb ihrer Macht und ihres Willens lag, mystisch gebunden werde. Sie stieß ihn mit einem leisen Schrei von sich, sah angsterfüllt zu der Thür hinüber, hörte aber im selben Augenblick die Mutter kommen, und setzte sich schnell, rot und erregt, über ihren Saum gebeugt, hinter den Nähtisch. Bei ihrer Aufgeregtheit und ihrer Angst, was wohl die Mutter gemerkt haben könne, blieb ihr kaum ein Gedanke, sich über Varbergs Kaltblütigkeit zu verwundern. Kühl und ruhig wandte er sich nur halb nach Frau Baarvig um, die Augen noch in das Notizbuch versenkt und sagte dann, einen verSchleierten, bebenden Blick zu Minka hinüber sendend: " Ich habe meine Zeit gut ausgenügt, Frau Doktor, habe die ganze Berechnung für eine Eisenbahnfurve nach Norden zu gefunden." Während Frau Baarvig am Nachmittag mit dem Erdbeereinkochen beschäftigt war, konnte sie sich der sorgenvollen Gedanken in Bezug auf Minka nicht erwehren. Sie war so gar zu leicht zugänglich. Das eine glühende Interesse löste das andre ab. Jetzt sah es beinahe so aus, als wenn die Schriftstellerei ganz aufgegeben sei, und der ganze Ehrgeiz nach der Richtung hin... Diese stets häufigeren Annäherungen an das Haus und die Tochter von seiten Barbergs konnten wohl zu etwas weiterem führen. Es war nun gerade nicht der Mann, wie sie ihn sich für Minta gedacht hatte, machte nicht den Eindrud, als wenn er in irgend einem Verhältnis ein Opfer bringen könne. Weder weich noch 1904 fügsam. Aber er war doch ein tüchtiger, energischer junger Mann. Jedenfalls ehrlich und ganz erfüllt von diesen spiritistischen Ideen. Und jemand, der sie liebte wie dieser arme, arme Schulteiß, würde Minka doch nicht finden. Der Doftor ließ lange auf sich warten. Er mußte in Praris noch weiter fortgerufen sein, und Varberg blieb bis zum Abend da, in eine spiritistische Unterhaltung mit Minka vertieft. Schulteiß war für sie ein unruhiger Geist. Er glitt ins Zimmer hinein und wieder hinaus, hartnäckig ein antipathisches Schweigen Varberg gegenüber beobachtend, der ihn offenbar durchschaute und sich damit amüsierte, ihn zu reizen, indem er sich immer interessierter und wärmer an Minka wandte. Schulteiß ließ sich niemals täuschen. Er hatte seine eignen Anzeichen, daß hier etwas in der Luft lag. Diese sonderbaren Antworten, die Minka Varberg gab. Es schien wirklich, als wenn sie einen eigenartig tief interessierten Guerillafrieg mit einander führten. Sie sandte ihm bald beleidigte, bald herausfordernde Blicke, und es war nicht mißzuverstehen ihre Hand zitterte, und sie wechselte die Farbe, als sie ihm mit scheinbar gleichgültiger Miene die Theetasse reichte. Schulteiß' Reizbarkeit war vom frühen Nachmittag an in fteter Zunahme begriffen. Er wollte, er würde, ganz ganz gleichgültig, ganz gelassen, als gehe ihn das Ganze gar nicht an, diesen unbedeutenden Menschen intellektuell reduzieren, vernichten ihn vor Minkas Augen entschleiern, diesen Damen hypnotisierenden Laienprediger, der dort saß und sich vor der ganzen Familie erging über Anzeichen und Möglichkeiten in dieser mystischen Welt, und zwar so trocken, furz und handgreiflich, als spräche er von Thürpfosten und Fenstern. Aber das sollte ein Ende haben! „ Gestatten Sie mir," zischte er plöglich mit einer süßlichen Miene, der die verschlingenden Augen widersprachen ,,, ich will gern glauben, daß Sie, Herr Varberg, persönlich im Besitz gewisser magnetischer und hypnotischer Kräfte sind. Die findet man ja bei vielen. Mein eigner Blick zum Beispiel." Er fab scharf und starr zu Minka hinüber-- Aber eine tiefere, wissenschaftliche erlauben Sie, daß ich es bezweifle! Ich habe ganz zufällig- hm- meine Studien über diese Materie gemacht und kann wohl sagen, daß man keineswegs der Sache im Handumdrehen auf den Grund kommt so lohnend fie für pupuläre Philosophen sein mag." " " Ich beuge mich Ihrer gelehrten Ueberzeugung, Herr Schulteiß," nickte Varberg spöttisch, ohne sich in seinem Vortrag unterbrechen zu lassen. Wir stehen vor den Unterfuchungen eines weiter gehenden Kampfes um den ersten Platz, als wir ihn bisher gekannt haben," fuhr er fort. Der Starte zwingt den Schwächeren, unabhängig vom Raum, nur infolge der Willenskraft." Minka empfand seinen Blick durch das Halbdunkel bis zu sich hinüber in den Schatten des Ofens. " Hihi ja," kreischte Schulteiß auf, und damit wird ein ganzer, phantastischer Geisterglaube auf die Wissenschaft der Nervenphysiologie aufgebaut!" " Ich meine ausschließlich das, was wir auf wissen. schaftlichem Wege erfahren, Herr Schulteiß. Zeigt mir das Erperiment einen Indianer, so glaube ich, daß es ein Indianer ist, und enthüllt es mir einen Geist, so weiche ich auch vor dem Faktum nicht zurück." ,, Gestatten Sie mir," Schulteiß verneigte sich liebenswürdig höhnisch mit seiner fiefsten, widersprechendsten Nackenbewegung diese wissenschaftliche Erfahrungsmethode, bei der kommt es außerordentlich darauf an, wer sie handhabt. In der Hand eines Phantasten wird sie so leicht eine ganze Phantasiewelt voll von geistigen Indianern erzeugen," er lugte zu Minka hinüber, ob es wohl Eindruck auf sie mache, von Geistern mit allerlei Köpfen und Schwänzen, wie es sich ja zur Genüge gezeigt hat. Und an Anhängern fehlt es niemals Phantasie redet, wie Sie ja wissen, zu Phantasie, Herr Varberg. Es zündet wie ein Feuer, bis es ein ganzer Geisterritt wird. Wir bekommen Geisterscher und Zauberer im täglichen Leben, eine Menge Laienprediger, die für die Sache wirfen, und alle möglichen magnetischen Kapazitäten, die in Bezug auf Nervenschwäche Wunder ausrichten, und G und besonders in der hypnotischen Damenpraris. Höchst gefährliche Individuen, Herr Varberg. " Ich möchte nur bemerken," entgegnete Varberg mit verSteckter Heftigkeit, daß die psychische Energie die letzte, große Entdeckung der Menschheit ist, gegen diese Kraft erscheint die des Dampfes und der Elektricität geradezu verschwindend." Schulteiß wandte sich scharf um und zwinkerte ironisch zu ihm hinüber. Hab' es gelesen, hab' es alles- hi- hi- hi, in drei Einleitungen zu spiritistischen Werken gelesen, genau dieselben Worte über diese übernatürlichen Wunder des Willens sie verfehlen niemals ihre Wirkung auf die Galerie. Aber das, was die Wissenschaft feststellt, kann nicht so eo ipso außerhalb unfres Fassungsvermögens liegen, das bei dem Erperiment nur unser materielles Verständnis sein kann. Ein un materieller Geist befindet sich absolut außerhalb des Striches, Herr Varberg. Ich kann allenfalls an seine Eristenz glauben, ihn aber niemals mit meinen Sinnen wahrnehmen." Man kann ihn sogar photographieren," belehrte Varberg in einem gelangweilten, gleichgültigen Ton, ( Fortsetzung folgt.) Die Münchener Seceffion. ( Ausstellung im Künstlerhaus.) I. II. 52 in dem richtigen Verhältnis und verteilt die Werte. In ganz andrer Art ein Bild von Hans Borchardt, ein ganz fleines Bild dagegen. Man weiß nicht, ein Interieur oder ein Porträt. Vor einem Tisch Rüdwand steht eine Dame in grauseidenem Kleide. Dies alles ist mit grau- weißer Decke steht ein leerer Stuhl. In der Thür an der nicht zu sehr betont. Das Mädchen hat sich offenbar erhoben, geht aus dem Zimmer und sieht sich in der Thür stehend noch einmal um. Weiter nichts. Das Grau des Kleides und das Grau der Tischdecke geben zusammen mit der Zimmerrüdwand einen feinen Zusammen flang und dazu stimmt gut die wegstrebende Bewegung des Körpers, die abgedämpft wird wieder durch die Rückwendung des Kopfes. Ein weiteres Beispiel giebt Rudolf Nißl. Er nimmt eine Kleinstadtstraße, mit winkligen Häusern und bunten Fronten, spißen Giebeln, Man sieht nach der rechten Seite zu voll auf den Straßenzug, der sich Schon wie er den Standpunkt wählt, zeigt malerischen Geschmack. in eine Gasse dann verliert. Und über all die Farben legt er jenen grauen Ton, der alten Städten so eigen ist. Das Grelle wird durch das Alter abgestimmt. Das Spiel der Sonne giebt et in einems Biergarten". Dieses Motiv ist nicht neu. Doch ist hier die sichere Hand zu betwundern und das flare Auge, das alle diese Tüpfelchen auf den Bäumen und Gefichtern so legt, daß sie zu einem Ganzen strahlend zusammengehen. Das Maßhalten ist hier zu betonen; die fichere Berechnung. Sein Bestes ist: Am Fenster". Diese flutende Farbigkeit, die die Sonne mit ihrem Licht in die Stube strömen läßt, das Fenster und die Gardinen umkleidet, auf dem Kleid des ans Fenster tretenden Mädchens spielt, und auf den blauen Krügen, die neben ihr stehen all das ist farbig äußerst fein gelungen. Man sche diese drei Bilder sich an. Wie jedesmal der Charakter getroffen ist, der Lichtwert im ganzen. Erst alle Farben mit grauem Schimmer. Jm Biergarten das Licht im Freien, flar bestimmt, ganz frei. Und hier in dem Hereindringen in die Etube, etwas Jubeindes, Befreiendes, Lachendes. " Man hört wohl in der Presse die Ansicht äußern, diese Bilder Es ist bewunderungswürdig, wie diese Künstler alle verstehen, auswahl sei schlecht zusammengestellt. Die Münchner Secessionisten dieses Natürliche, Gesehene zu einem Bild zu runden. Sie verstehen, hätten das geschickt, was sie gerade da hatten". Für Berlin sei ohne Zwang, wieder nur mit malerischen Mitteln, ein Ganzes zu das gut genug." " Das sei so von jeher Münchner Ansicht über sammenzubringen. Und sie scheuen sich davor nicht. Sie fürchten sich Berlin." nicht davor, wieder Bilder" zu geben und nicht bloß momentane Ich bestreite, daß die Münchner so charakterlos waren, das zu Eindrücke". Sie haben eben ihre Lehrzeit hinter sich. Sie fallen schicken, was sie gerade da hatten". Es mag sein, daß die Größen darum nicht in den alten Schlendrian zurück. Ihre Technik, ihr Geder Münchner Secession durch die neuerliche Wendung der Dinge lerntes nehmen sie mit; ihre Technik erlaubt ihnen diese Rückkehr veranlaßt den Zusammenschluß aller Secessionen in Weimar zum zum Bilde". Sie verflachen damit nicht. Selbst ein Bild, dessen Deutschen Künstlerbund davon Abstand nahmen, jezt noch in Titel„ Es will Frühling werden" schon von dem Inhalt erzählt, wird Berlin besonders auszustellen. Doch im übrigen stellen die oben durch diese leise Inhaltsnote in seiner malerischen Qualität durchaus angeführte Behauptung nur die auf, die enttäuscht sind, keine nicht gestört. Es ist von Adolf Hölzel Tachau. Dieses Dachau Sensation zu sehen. Ihre Augen sind durch die Massenhaftigkeit und ist allen Münchner Malern wohlbekannt, aus eigener Anschauung. Es Kraßheit sonstiger Ausstellungen hier sind nur 97 Bilder ab- liegt in Münchens nächster Nähe. Eine Malerkolonie begründete seinen geftumpft. Sie wollen immer Neues sehen. Wollen Aufregungen Ruf. Zwei Kinder gehen, ländlich gekleidet, an dem Bach entlang. haben. Sie sind gewohnt, immer Verblüffendes vorgesetzt zu be- Drüben stehen die grauen Häuschen. Der Winter ist noch nicht fommen. Und nun sind sie durch diese aufs feinste ausgewählte lange fort. Noch spürt man sein Nachwirken. Malerisch drückt das Sammlung in all ihren Erwartungen enttäuscht. Sie hofften, Lärm der Künstler durch die graue Monotonie des Anzugs des Knaben, schlagen zu können. Irgendwie, über irgend etwas. Und nun des harten Sandes, der grauen Häuser aus. Aber leise spürt schon müssen fie still sein. Und man verlangt von ihnen, sich still in diese ein andres.„ Es will Frühling werden". Und das kommt anspruchslosen Bilder zu vertiefen. wieder rein technisch in dem Fließen des Baches, in dem stiller Gehen der beiden Dorffinder, in der feinen Art, wie gegen die stumpfe, grau- braune Jacke des Knaben das stumpfblaue, geblümte Wie bescheiden diese Künstler alle hinter ihrem Werk zurück- Bauernfopftuch des Mädchens gesetzt ist. Und das Mädchen trägt in freten! Schon in der Wahl des Gegenstandes zeigt sich diese Selbst- der Hand ein paar gelbe Blümchen, ganz wenig nur. Dieses helle Tosigkeit, dieses Rein- Künstlerische. Sie nehmen einen so fleinen, jo Gelb, der einzige, frische Ton, ganz verschwindend, und doch in den unscheinbaren Ausschnitt der Natur. Den geben sie sie betrachten Mittelpunkt gesetzt. Diese Maler verstehen räumlich zu komponieren. ihn lange und aufrichtig mit all der subtil ausgebildeten Technik, Ihr Können ist bewußt und wird doch nicht kleiner dadurch. die sich dennoch nie vordrängt. Oder fie nehmen eine ganz unauffällt auf, daß sie sich fast nie namentlich was die ganz Jungen fällige Gruppe von Menschen. Forcieren die Wirkung nicht. Tragen anbetrifft in dem Format, das sie jeweilig für ihren Stoff nicht auf. Thun ihnen keine Gewalt an, so daß Charakter in wählen, vergreifen. Es paßt alles zueinander. Nie zerren sie den Karikatur umschlägt. Oder sie stellen sich nur die Aufgabe, einen Stoff in ein zu großes Bild. Nie geben sie bildartige Motive in Att künstlerisch rein zu bewältigen. Ueberall nur das Bestreben, Stizzenform. Sie lassen ihre Werke reifen. Manche mögen das Motiv malerisch so rein wie möglich festzuhalten. Dieser Nach meinen, das sei der Anfang vom Ende. Diese Ruhe, diese Sachlichwuchs es sind meist die jüngeren Künstler vertreten; in München feit sei Interesselosigkeit. Da sei es leicht, unanfechtbare Bilder zu sind zu diesem Zweck, um die Jungen unter sich sein zu lassen, diesen geben. Nun, ich glaube, der Beweis ist nicht zu erbringen. E3 die Frühjahrsausstellungen der Secession beinahe ausschließlich bleibt Behauptung. Warten wir ab, ob das das Ende ist. Und im überlassen, ein nachahmenswertes Beispiel; die anerkannten übrigen bleibt uns das thatsächlich Geleistete, Gute. Größen erdrüden nicht die Aufstrebenden, dieser Nachwuchs sieht auf eine gute Selbsterziehung zurück. Sie sind fünstlerisch bescheiden Tulpen. Gelb und rot. Ein sehr geschmadvolles Blumenstillleben giebt E. Oppler. geblieben. Eine strenge, fameradschaftliche Kritik scheint hier zu Defor. Der Hintergrund ist dunkel. Die Farben sprühen nur so. In einer chinesischen Vase mit blauem walten. Ein Verantwortlichkeitsgefühl, ein Gefühl der Zusammen Gut ist auch das andre Bild: ein Interieur. In Blau gestimmt. gehörigkeit! Das, was jeder giebt, muß technisch einwandsfrei und Ein Kind steht am Tisch und sieht vor sich hin. Dämmerung. Die ehrlich sein, und darf nicht flunkern. Dafür haben sie dort ein Zuft ist trübe. Auch hier bei beiden ein Maßhalten. Rein malerisch scharfes Auge. Bei uns steht jeder Künstler mehr allein und be- eine Treffsicherheit sondergleichen. Jedem Ding geben diese Maler rücksichtigt mehr die Wirkung, die Wirkung auf das Publikum. den ihm innewohnenden Charakter. III. Da sind zwei Studien von Attenhuber. Zwei bloße Studien, ein fißender und ein liegender Mann( Aft und Halbatt). Wie da die Verkürzung bei dem liegenden Akt durchgeführt ist! Wie die Farben um diesen Körper spielen und das Licht die Außenfläche malerisch umbildet. Hier sieht man, Technik stört dann nie, wenn sie nicht als Selbstzweck proßend auftritt, sondern nur als Mittel gebraucht wird. Dieser Attenhuber hätte sich leicht dazu verleiten| Lassen tönnen. So ein einfacher Aft wird gern mit Trümpfen hingesezt. Er hat die Mittel dazu. Aber er thut es nicht. Er zieht es vor, künstlerisch ernst und sachlich zu bleiben. Behuifam folgt er bem, was er sieht. Behutsam glättet er die Farben zueinander, -E3 Dann geht man zu Zügel. Vor dem Schafstall". Das sonnige Licht flimmert auf der Wolle, auf den Rücken der Tiere. Man beobachte die Farben unter der Einwirkung des lebendigen Lichtes! Man beobachte die Verschiedenheit des Sonnenleuchtens, das auf den Bäumen, dem Gras liegt, an den Stämmen bläulichviolett entlang gleitet und über die Strohdächer glibert. Es ist ein Winkel, irgendwvo, so voll von Sonne! Ein andrer, H. Groeber, giebt Veranlassung zu der Be merfung, die man bei sich macht: wie fein dieser Künstler mit dem Stoff fühlt. Einmal giebt er nämlich das Ganzbildnis einer eleganten Dame, dann ein Bauernpaar. In beiden ist er ganz verschieden, geht ganz verschieden zu Werk. Bei den Bauern find die Farben breit, leuchtend, alles ist mit Behaglichtkeit und Freude 63 dont gegeben. Bei dem Bildnis der Tame ist alles fein abgetönt, Grau| ist fo hingemust.( Feinere, bleibendere Wirkung strebt er in zu Schwarz, die Stellung ungezwungen und doch bewußt. Das eine einer Rötelzeichnung, ein Aft, an.) Die Personen sehen ins Licht Bild farbig, das andre mehr monoton, versteckter. Beide gleich und kneifen lachend die Augen zu. Es ist ein Rundbild. Es ist zurückhaltend und maßvoll. schon von früher her bekannt, ebenso wie Uhdes„ Atelierpause" " Wie sicher treffen diese Künstler den Tonwert, der über dem altbekannt ist. Es bietet daher keine Gelegenheit, neues dazu zu Ganzen liegt. Zum Beispiel H. Flad. Er giebt eine Dorfstraße. sagen. Es befestigt nur die Ansicht, daß Uhde weich zu malen verDieses gelbliche Leuchten, das alle Farben umkleidet! So fein ist steht, die Empfindungen fein in den Gesichtern offenbart da alles verteilt! So intim wirkt diese Art. Lange müssen diese und in einem still abgestuften Licht alles richtig zum Maler das alles sehen und betrachten und wieder sehen. Es könnte andern fließen läßt. A. von Kellers Tänzerin" ist allzuganz uninteressiert erscheinen, wäre es nicht im einzelnen so belebt, so theatralisch. Sie soll Race offenbaren. Die allzu überüberall durchgebildet. Es ist ein ruhiges Malerauge, das gleich und triebene Verve tippt ins Gegenteil um. Flau wirkt auch der gerecht alle Werte abwägt. Diese Münchner stellen sich resolut vor Hl. Georg". Hier ist die Effekthascherei, der Mangel an ehrlichen Aufgaben und lösen diese einwandsfrei. Sie wissen, was sie wollen. Motiven, die darstellerisch reizen, noch augenfälliger. Malerisch sind Kein Geflunker ist dabei. Sie wollen nicht mehr scheinen. Beinahe jedoch die Bilder sauber gearbeitet. Weshalb der Storch in dem etwas Altmeisterliches! Sie beschränken ihre Motive auf das Aller- noch am anspruchslosesten Sündenfall" auftauchen muß, ist uneinfachste. Und das sieht dann das Auge, das Malerauge, und erfindlich. Ehrlich und gründlich sind die beiden Arbeiten von wählt, und die Hand gestaltet nach. Wenn Malen bethätigte Freude Tooby. Besonders der Herbsttag" mit dem mit Ackeram Spiel des Lichts, der Farbe, der Außenseite der Dinge ist, so früchten beladenen Wagen, der auf dem Feld steht, ist sind diese Künstler wirklich Maler. So betrachte man die beiden feine Arbeit. Die charakteristischen Kohlezeichnungen Sambergers, Landschaften von Crodel:" Fluß im Winter" und" Abend". Bildnisse Münchner Maler, sind bekannt. Er versteht es, den ChaEs ist so umscheinbar, dieser Flußausschnitt, an dessen Ufer magere rafter zu treffen. Beinahe etwas Typisches giebt manchmal sein Büsche stehen. Das Gras wächst färglich am Ufer. Und doch ist energischer Kohlenstift. Das charakteristisch unterstrichene Besondere das Ganze ein geschlossenes, wertvolles Bild. Es ist nichts hinein wird zu einem Allgemeinen. geheimnißt. Es ist so wiedergegeben, wie es war. Es soll auch nichts bedeuten. Die graue Winterstimmung liegt darüber, die Verlassenheit, das Für- sich- sein des Winters, die Winterstille. Auf dem andren Bild„ Abend" im Gegensaz dazu Wärme, Abgeschiedenheit im Thal, cin Haus. Nacht. Ein Licht leuchtet in diesem Häuschen. Auch hier nichts Gruppiertes, nichts Gewolltes. Das Bild schließt sich wie von selbst ab. Man vergleiche den Winterhimmel auf dem vorigen Bilde und den sanftdunklen Abendhimmel hier, der so tief und warm schimmert. Beides ist gleich gelungen. Es ist ein Stück Innerlichkeit darin. Die leitete die Hand. Ein gleiches Stück intim beobachteter Natur giebt H. v. Hayek mit seinem Moosbach im Winter". Auch hier kein Zuviel. Auch hier kein Austoben. Ein maßvolles Abivägen. Und auch diese Natur ist nicht ausgesucht, ist kein Paradestüd. Ein Bach, der in flachem Moos land sich in der Ebene seinen Weg sucht, an Gestrüpp vorbei. Ein andres Bild desselben Malers stellt zwei Ziegen dar, die kampfbereit sich gegenseitig belauern. Hier ist das Leuchten des gelblichen Sonnenlichtes auf dem Fell der vorderen Ziege zu beachten. Auch die Haltung ist glücklich erfaßt. Das Breite und Kräftige liebt Hegenbart h. Breit ist sein Pinselstrich, gesund und leuchtend seine Farbe. Er sucht das Kraftvoll- Wirkliche. Seine Ackerpferde", sein Jäger" zeigen das Streben. " 11 " IV. " Von Rich. Pietsch ist am besten der Abend am Wasserfall". Er ist etwas grob und grob und indifferenziert. Doch ist ihm in dem erwähnten Bild gelungen die einheitliche Stimmung des abenddunklen, einsam- fühlen Wassers, gegen das der dunkle Laubwall der Bäume steht. C. Piepho hat seiner Zeit die kleine goldene Staatsmedaille für die Einsamkeit" erhalten. Es ist ein wenig süßlich, ein wenig sentimental dieses unschuldsvolle Kindergesicht der hübschen jungen Dame in dieser braunen herbstlichen Landschaft. Doch will ich das nicht zu sehr betonen. Wir steigen mit Biepho dennoch ein bißchen von dem ehrlichen Lern- Niveau herunter. Auch das ist ja noch ein tüchtiges Bild. Aber es ist nicht fünstlerisch so selbstlos wie die andern. Es sieht genau so aus, als wollte der Künstler damit eine Medaille einheimsen. Und die Kommission biß an. Er vertritt nicht die gute Seite Münchner Kunst. U. Frederick stellt vier charakteristische Arbeitertöpfe Hirten aus der Campagna" in bezeichnendem Ausdruck gegen eine dunkle Wand. R. Kaiser sucht die stillen, ab= geschiedenen Bauernhöfe und Landhäuser auf. A. Jank widmet sich der Darstellung von Jagdscenen. Dabei verfällt er etwas ins Karikaturistische. Wenig angenehm wirkt D. Greiner. Seine, Sirene" wirkt flach und farblos. Seine, Atelierscene" ist grob und ungeschlacht. Seinen Motiven haftet immer etwas Beziehungsloses an. Seine Farbe ist V. Diese Maler alle stellten sich feine Probleme, die außerhalb ihrer Kunst liegen. Sie stellen sich vorurteilslos der farbigen Welt der Erscheinungen gegenüber. Und wollen das Malerische dieser Außenseite paden. Ohne Unterstreichung, ohne Betonen, ohne Straßheit. So spürt man sparsam sind diese Bilder gehängt, es berührt wohlthuend, vor einer drängenden lleberfülle, die sonst üblich ist, geschützt zu sein bei all den Bildern, wenn man sich nur ebenso vorurteilslos in sie versenkt, überall gleich natürliche, einfache Beziehungen heraus. Und es ist für den aufmerksamen Betrachter hier vielerlei zu lernen. . Schramm- 3ittaus Hühnerfütterung“ und„ Gänse" lehmig. Der Stopf der knienden Frau, die der andren die Schuhe ein Gewühl von Farben, maßvoll verteilt und fräftig zusammenzubindet, zeigt, wo sein Talent ihn hinweist. Er sollte der derben gehalten. Die Gänse" find lebhafter in der Bewegung. Besonders Terracina". Sie ist sparsam angelegt. Die Landschaft vertieft sich Wirklichkeit nachgehen. Am besten ist die Lithographie der Anprall der Tiere, die im Fluge fich ins Wasser stürzen, das sehr fein und verläuft in weiten Linien bis zum Horizont. hoch aufspritzt. H. von Hayden giebt eine Dorfstraße. Vorne Tüchtig sind die Zeichnungen Beder- Gundahls. Noch find fonzentriert er die Farben in dem Kampf eines Hahnes mit einem zum Schluß Beder, Eichfeld, Fehr, Lehmann, Meher Truthahn. Die Federn des Truthahnes sträuben sich. Der Hahn fliegt gegen ihn an. Ein lehrreiches Bild giebt R. Herterich. Basel anzuführen. Lehrreich in gutem Sinne. Heben sich schon an dem Schaukelpferd eine Münchner Töchterschule bestimmt, erwähnenswert. Sie ist ein Von der Plastik ist nur die Bierfigur" Floßmanns, für des„ Kleinen Reiters" die Farben kräftig heraus, so steigert er dies wenig oberflächlich. Ein bißchen mehr Durcharbeitung käme ihr zu Können virtuos in den Zimmerleuten", die in einer Fülle von statten. Das Kleid verdeckt zu viel und verflacht die anscheinend am Boden liegenden Spänen stehen. Die Farben in diesem Gewühl schön gewesene Bewegung in der Stellung, die man noch ahnt. Auch der Holzspäne! Und das Holz selbst! Herterich hat ein Gefühl das Gesicht ist ein wenig ausdruckslos. Und dann ist da noch ein dafür, dennoch diese Virtuosität nicht vorherrschen zu lassen. Er dämmt sie ab. Er stellt das richtige Verhältnis her. Er läßt das Engel von Ad. Hildebrandt in ein schmales Viered hineinKleine, Nebensächliche und sucht das Ganze. Das schließt er farbig tomponiert. zusammen. Daneben interessiert noch ein Kinderbild", stizzenhaft ausgeführt, zurückhaltender in den Farben. J. Diez liebt das Erzählen, den behäbigen Wiß. Er stattet seine Humoresten mit allerlei historischen Krimskrams und Zuthaten aus. Manchmal reizt es, zuzuhören. Er beleidigt nicht. Manchmal langweilt es auch, die Behäbigkeit geht zu weit und man fragt sich wozu? J. Erter stellt einen Alt ins Freie, unter Bäumen, durch die die Sonne scheint. Das Motiv ist nicht neu. Dem Alten ist nichts lleber raschendes abgewonnen. Die Aufgabe ist geschmackvoll gelöst. Unfre Maler sollten mehr das Charakteristische pflegen, als das Konventionell- Schöne. Man merkt die Herrschaft dieses Reizes noch oft, selbst bei trefflichen Künstlern. Ich meine das Konventionell Schöne, nicht das Schöne an sich. Ebenso gleichmäßig stellt sich„ Die fleine Cellofpielerin" dar. Man könnte es eine Phantasie in" Not mennen. Das blonde Haar der Kleinen im Vordergrund, das von hinten durch die offene Thür fallende Sonnenlicht erhöht den Schimmer dieses Interieurs. Doch zeigten schon die Holländer vergangener Zeiten, daß dieses Motiv des durch die geöffnete Thür Strahlenden Lichtes bedeutend feinere Abstufungen zuläßt. Da gegen ist Erter vielleicht kondensierter, maffiger, aber nicht so fein. Spürt man hier Pieter de Hoochs Einfluß( dies sei nicht behauptet, mur angedeutet, ich liebe nicht das Aufzeigen von Einflüssen, es ist immer bag und meist überflüssig), so zeigen Borchardts schon be= sprochenes Bild„ An der Thür" und E. Sterns Schüchtern" die Note Van der Meers. Jedoch auch hier zugleich ein Mangel. Wohl bleibt die Feinheit. b. Die Fasanen im Plänterwald. Jm Plänterwald, jener AnEs fehlt aber die Vertiefung, das Auflage, die hinter dem eigentlichen Treptower Park liegt und sich der hellen der zarten Accorde durch glänzend starte Sontrastlichter. Spree entlang bis nach Baumschulenweg hin erstreckt, giebt es einige H. von Habermanns Familienbildnis frappiert durch die gemeine Fasanen. Sie haben sich an die Spreeluft recht gut geLebendigkeit. Es ist in einer fünstlerischen faune geschaffen. Es wöhnt; munter hopjen sie mit ihren flinken Beinen bald hierhi n Und um zum Schluß auf den Anfang wieder zurückzukommen wenn diese Bilder das darstellen sollen, was gerade so da war", so haben diese Münchner erst recht Grund, auf den Erfolg, der dann um so höher anzuschlagen ist, stolz zu sein. Gerade, wenn nicht Absicht in der Auswahl waltete, wie ich glaube- ist das durchweg gleichmäßig hohe Niveau zu bewundern. Es ist dann etwas mühelos, von selbst, eingetreten, was sonst erst nach langer, forgfältigster Auswahl möglich schien. Ernst Schur. Kleines feuilleton. 64 OGO balb dorthin, während sie sich beim Fliegen recht ungeschickt und das erste hohe B herauslegen sollte, da kam fein hohes B zum Vor schwerfällig anstellen. Da die Fasanen sehr schen sind, halten sie schein, sondern Apfelkuchen mit Schlagsahne. sich meist von den Wegen fern, so daß Spaziergänger sie nicht oft zu Gesicht bekommen. Diejenigen, denen dieses Glück widerVölkerkunde. Als die Stadt Berlin auf so billige Weise in den Besitz von Fasanen gekommen war, wollte sie die Tiere zur Anhänglichkeit zwingen, was ihr denn auch durch fleißiges Streuen von Futter in der falten Jahreszeit gelang. Auf gleiche Weise siedelten sich einige Jahre später noch sogenannte Silberfasanen an, und so gab es im Plänterwald Ende der achtziger Jahre eine stattliche Anzahl von Gemeinen" und" Silber- Fasanen". An Hasen und besonders an wilden Kaninchen fehlt es in der Mark Brandenburg nicht; auch im Plänterwald giebt's deren viele. In der Bratenschüssel sind sie wohl angenehme Dinger, aber nicht in einer Baumschule": so sagte sich die Park- Verwaltung. Eine Jagderlaubnis wurde eingeholt und die Plänterwald- Jagd verpachtet. Der Pächter war ein Feinschmecker; als solcher legte er natürlich bei weitem mehr Liebe für Fasanen, als für Hasen und Kaninchen an den Tag, und so kam es, daß die feinen Vögel bald ausgestorben wären. Seit 1898 ist der Pachtvertrag abgelaufen und nicht mehr erneuert worden. Die wenigen Fasanen, die sich gerettet haben, springen wieder frohen Herzens umher und danken dem wohllöblichen Magistrat für die Freundlichkeit, Jagden nicht mehr zu veranstalten und die Erlaubnis dazu nicht mehr zu erteilen. Hoffentlich zeigen sie sich in der kommenden Balz- und Brutzeit erkenntlich. fährt und die da glauben, daß die städtische Parkverwaltung diese- Die Totengebräuche bei den Wapangwa in Tiere zu ihrer Belehrung dahingesezt hat, sind auf falscher Fährte. Deutsch- Dstafrika schildert ein Missionar aus Kigonsera in Zu Anfang der achtziger Jahre entflohen aus einer Fasanerie den„ Missionsblättern". Danach wohnen die Wapangwa, mit den in der Gegend von Friedrichsfelde bei Berlin ein Fasanenhahn mit Wangoni und Matengo vielfach gemischt, östlich von Nyassa. Vieles etlichen Hennen. Die Flüchtlinge kreuzten die Spree bei Stralau haben sie auch in ihren Gebräuchen gemein, so die Bestattung der und fielen im Plänterwald ein. Da es ihnen unter den schattigen Toten. Das Begräbnis eines Mannes, so berichtet der Missionar, Eichenbeständen, den Rüster- und Lindenbüschen behagte und bei dem ich fast alles mit eignen Augen gesehen habe, will ich in es an der nötigen Nahrung nicht gebrach, so richteten sie folgendem zu beschreiben versuchen. Kaum war der Mann gestorben, sich bald häuslich ein. Herr Fasan, Leiter dieser freiheitsliebenden so wurde er mit einer Matte zugedeckt, und seine Weiber fingen ein Geschöpfe, wußte sich bei seinen Hennen beliebt zu machen; die Totengeheul an, das bis zum Begräbnis fortgesezt wurde. Einige Folge davon war, daß junge Fasanen nicht ausblieben: die Kolonie machten sich auf, um die weiter entfernt wohnenden Verwandten vergrößerte sich. zusammenzurufen. Auch wurde das Grab bereitet, was Sache der Schwiegersöhne ist. Zuerst wird ein Loch gegraben, das oben ungefähr einen Durchmesser von 80 Centimeter hat, sich nach unten erweitert; die Tiefe beträgt etwa 1,80 Centimeter. Dann wird in dieser Vertiefung auf einer Seite eine Nische gegraben, was ohne besondere Mühe geschehen kann, da der Boden aus rotem Lehm besteht. Derjenige, der das Grab macht, versucht dann, ob die Nische groß genug sei, legt sich selbst hinein, wobei er die Beine einzieht, genau wie der Tote hineingelegt werden soll. Zur trockenen Zeit dauert die ganze Arbeit etwa 6-10 Stunden. Unterdessen wird der Tote in der Hütte öfter gewaschen. Ist das Grab fertig, so gehen die Schwiegersöhne in die Hütte, binden den Toten in eine Matte und befestigen die Laft an einer Stange. An beiden Enden faßt einer an, und im Sturmschritt geht es dem Grabe zu. Nun folgt noch die Totenschau von den Umstehenden. Wirklich, die Haut hat sich von den Beinen abgelöst, und der Kopf fizzt ganz kurz auf dem Nacken." Bamba"( Blitz) fagen mehrere, ein Zeichen, daß der Tote im Leben von seinen Feinden beschimpft worden ist, das müßte gerächt werden. Nun aber ist nichts zu machen, also weiter." Ein Schwiegersohn steigt in das Grab und empfängt die Ziegenfelle, die der Tote im Leben getragen hat, ebenso das Stirnteil einer Ziege, die kurz vorher bei der Hütte geschlachtet worden ist. Dies ist geschehen, weil der Verstorbene feinen leiblichen Bruder hat und nun sein Eigentum an Fremde übergeht. Der im Grabe stehende Schwiegersohn empfängt nun die Gute Disposition! Die Breslauer Morgen- Zeitung" schreibt: Leiche selbst und legt sie in die Nische hinein. Er legt auch dürres Gras Unendlich ist die Reihe der„ unfehlbaren" Mittel, mit deren Hilfe der auf sie, damit keine Erde mit ihr in Berührung komme. Hierauf Sänger seine Dispofition verbessert oder sich zu künstlerischer schließt er die Nische mit kurzen Stäben, die Obenstehenden werfen Leistungsfähigkeit animiert. Meist beruht die Wirkung dieser Mittel Erde hinein, die der Untenstehende einstampft. Ist die ganze Deffnur auf der Macht der Suggestion, aber interessant ist es jedenfalls, mung gefüllt, so werden die Eßgeschirre des Verstorbenen mit etwas zu sehen, auf welche Ideen die Künstler in Sachen ihres Berufs Pombe( Negerbier) eingesetzt und wieder Erde darauf geschüttet. verfallen. Die erste Norma, Madame Pasta, trank starken schwarzen unterdessen kommen die Weiber unter Totengesang heran; ein Weib Kaffee zur Klärung der Stimme. Die berühmte Malibran trant tritt herzu, läßt sich von einem andern einen Baubertrank in die Rum, viel Rum. Dem Tenor de Carrion, von dem die Variante Hand gießen, der aus dem Safte gewisser Bäume besteht. Nun wird ins hohe C in der Stretta des Trobadour" stammt, war im ein sind nach dem andern auf das Grab gestellt und ihm ein Zwischenatte das Rauchen einer Cigarette zur Anfeuchtung un- wenig von dem Trank in die Hand geschüttet, den es trinken muß. entbehrlich. In den Theaterräumen war das Rauchen wohl verboten, Der Trank soll verhindern, daß die Kinder nachher von dem Vereinem so hervorragenden Künstler gegenüber wurde jedoch ein Auge storbenen träumen oder erschreckt werden. Dann treten sämtliche zugedrückt. Der fürzlich als Gesangslehrer am Petersburger Kon- Weiber des Verstorbenen herzu, legen sich auf den Boden, kehren servatorium verstorbene Bariton Giraldoni hielt beim Auftreten unter Heulen und Schreien die Erde zusammen und bringen sie auf einige Pfefferkörner im Mund, behauptend, die dadurch hervorgerufene den Grabhügel. Schließlich werden noch die Geschirre, Körbe, die Entzündung der Mundhöhle erhöhe die Resonanz des Tones. beim Grabmachen gebraucht wurden, zerbrochen auf das Grab Pauline Lucca nahm Eierbier, bei Madame Zelia Trebelli konnte gelegt und mit Erde zugedeckt. Die Leute kehren heim und halten man in der Garderobe immer einige Flaschen Bordeaurwein bereit ein Mahl, wobei die vorher geschlachtete Ziege gegessen wird. finden. Origineller war das Mittel der Vitali. Im Gilda- Einige Tage nachher giebt es noch Bombegelage, wobei die Weiber oder Alicekostim schnupfte sie Tabak, der die Kopftöne zuvor wieder ihr Geheul anstimmen. Später wird das Grab noch Klären sollte. Jedenfalls ist den damit nicht Vertrauten mit einer Barasa überdacht, die Negen und Sonnenschein abhalten Vorsicht zu empfehlen, da es nichts Fataleres für eine soll. " Sängerin geben kann, als bei einer Antrittsarie durch Husten oder Technisches. Nießreiz geplagt zu werden. Eine Zeit lang war das beliebteste es. Eine erwünschte Neuheit für Photographen aller Mittel, gedörrte Zwetschten zu essen, Brot zu lauen, Gummi- Hat J. Norton geschaffen. Jeder Photograph, der seine Platten bonbons, und viele priesen Eiflar mit Zucker, das die Kehle ge- forgfältig wäscht, braucht dazu eine ungeheuere Menge Wasser und schmeidig mache. Zeitweise waren Gurgelmittel und Inhalationen dementsprechend viel Zeit, ehe die letzte Spur des unterschwefligsehr gebräuchlich, man gurgelte mit hypermanganſaurem Kali, mit sauren Natrons sich gelöst hat. Gewöhnlich ist eine Stunde für Alaun, Salz, verdünntem Essig 2c. Tentorist Sontheim, der lang- diese Arbeit erforderlich, doch zieht sich ihre Vollendung zuweilen jährige Liebling des Stuttgarter Hoftheaters, gurgelte mit Champagner! auch bis zu vier Stunden hin. Norton hat nun ein Verfahren an Therese Malten trank ihn lieber. Wenn sie die solde gesungen hatte, gegeben, das Salz in fünf Minuten genügend auszuwaschen. Die wies ihre Garderobe immer eine ganze Reihe leerer Sektflaschen auf. Grundlage feines Vorschlages beruht auf der Thatsache, daß Daß Frau Moran- Olden vor, während und nach der Vorstellung gleich Chlorbarium eine außerordentlich starke Verwandtschaft mit ihrem Gatten Bertram dem Altohol in seinen verschiedensten Ge- Schwefel befigt. Durch Hinzufügung von Chlorbarium zu unter stalten nicht abgeneigt war, ist bekannt. Scheidemantel raucht gern schiefligsaurem Natron werden beide Verbindungen unmittelbar auf Pfeife oder Cigarre während der Vorstellung. In der Umfriedigung gehoben. Das Barium vereinigt sich mit dem Schwefel und das hinter dem Bayreuther Festspielhause fonnte man ihn in den Bausen Natrium mit dem Chlor, so daß schwefelsaures Barium und ge im Amfortas- Kostüm, die Cigarre im Munde, lustwandeln sehen. Die wöhnliches Kochsalz entstehen. Das schwefelsaure Barium ist ein meisten Sänger aber perhorrescieren nicht nur das eigne Rauchen, loderes, sehr schweres, weißes, übrigens auch giftiges, ganz unlös sondern sogar das der Hörer, als höchst stimmschädlich. liches Pulver, das leicht abgespült werden kann, und das Kochsalz Am richtigsten handeln wohl diejenigen Gesangstünstler, die am bleibt dann in der Lösung. Nachdem die Platte aus der Lösung von Tage des Auftretens mäßig essen, teine törperlichen Extravaganzen unterschiefligfaurem Natron herausgenommen ist, soll sie eine treiben und möglichst wenig sprechen. Natürlich werden auch aller- Minute lang in fließendem Wasser gespült und dann auf beiden Hand Bravourstückchen" auf diesem Gebiete vollführt. So wettete Seiten mit einem Baumwolllappen abgerieben werden. Dann taucht ein vor einigen Jahren auf dem Breslauer Stadttheater engagierter man sie zwei Minuten lang in eine fünfprozentige Lösung von polnischer Tenorist, der damals sehr viel Stimme hatte, Heute sie Chlorbarium, spült sie wieder in fließendem Wasser und reibt sie aber trotz seiner jungen Jahre längst verloren hat, eines Tages, er zum zweitenmal ab. Alles in allem soll diese Behandlung fünf werde unmittelbar vor der Aufführung des Prophet", in der er Minuten in Anspruch nehmen. Norton hat gefunden, daß sie nicht den Titelhelden fang, zwölf Stück Apfelfuchen mit Schlagsahne effen. nur hinreicht, sondern daß die weißen Töne auf den Bildern sogar Der fühne Sänger gewann die Wette, aber als Johann von Leyden besser herauskommen. Verantwortl. Redakteur: Julius Kaliski, Berlin.- Drud und Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. "