Nnterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 23. Donnerstag, den 4. Februar. 1904 251 Mobe. (Nachdruck verboten.) Roman von Jonas L i e. Es waren nur noch ein paar Tage bis zur General- Versammlung am Sonnabend. Doktor Baarvig befand sich in großer Spannung: er hatte das Gefühl, als wenn Krieg in der Luft schtvebe. lEr ließ sich ja niemals arif dergleichen ein, war dem Princip nach Doktor und nichts als Doktor in den Familien, sympathisierte im übrigen nicht sonderlich mit allen diesen neuen Ideen. Aber er würde eine Mördergrube aus seinem Herzen gemacht haben, wenn er geleugnet hätte, daß er sich diesmal für die Sache interessiere. Und nicht allein Kjels wegen. Diese alten Perücken bedurften einer tüchtigen Lüftung, so daß der Puder umherwirbelte. Wie konnten sie sich nur so gilt wie gänzlich dagegen weigern, mit dem Spargeld des Distrikts die neueröffneten Geschäftsbahnen zu stützen, die Geschäfts- teute zu zwingen, auswärts gegen höhere Zinsen zu leihen? Er fing an, zu der Ansicht zu neigen, daß es hier eines Kjels bedürfte, der das Steuer in der Sparbank umzulegen vermochte. Nun ja, das war ihre Sache. Er machte, Gott weiß zum wievieltsteninale in diesen Tagen, eine Wendung links herum mit diesem Finale, als Kjel bleich und abgehetzt hereinstürzte. Er warf sich in einen Stuhl und blieb schweigsam und vor sich hinstarrend sitzen. „Zum Kuckuck mit dem Bankdirektor?" fragte der Doktor hastig. Kjel starrte stumm vor sich hin. „Ja, man soll nicht zu fest darauf bauen, daß einem alles gelingt, Du!" Kjel schüttelte den Kopf, und der Doktor begriff, daß er sich auf falscher Fährte befand. „Eine schöne Bescherung!" stieß Kjel heraus.„Ist es nicht wirklich, als wenn der Teufel dahinter steckte? Alles klipp und klar— unbedingte Stimmenmehrheit— die Sache war so sicher, daß ich hätte sagen können, ich habe sie in dep Tasche, bis ich heute nachmittag plötzlich diesen Brief erhalte. Arne Bergensen nnll seine Garantie nicht erneuern, will keine weiteren Verpflichtungen für die Waldcompagnie eingehen. Er setzt uns geradezu den Stuhl vor die Thür, verlangt Ab- rechnung und will sich ganz aus der Sache herausziehen—- kündigt seine Garantie. Und kann ich nicht sofort einen zu- verlässigen Namen an seiner Statt schaffen, stehen wir am Sonnabend als zahlungsunfähige Debitoren der Sparbank da. Sie hat uns das Geld auf diese Sicherheit hin bewilligt, ans unsre elf Namen zusammen, lind dann— Adieu, Direktorpostcn— es geht nicht einmal an, mich überhaupt nur in Vorschlag zu bringen. „Eine Niederträchtigkeit— gerade ein Paar Tage vorher, damit mir keine Zeit bleibt, einen neuen Namen statt des seinen zu werben, so schändlich berechnet, denn er weiß sehr wohl, wenn ich mich aufmache, um einen neuen Mann als Garanten zu werben, so hat dies zur Folge, daß der Kredit der Waldcompagnie beredet und angezweifelt wird. Wäre es nur am Tage nachher gewesen, da hätte ich auf der Stelle drei für einen gehabt. Aber gerade nun—" Kjel starrte finster zu Boden. „Auch nicht das geringste Risiko, obenauf und flott nach allen Richtungen: wir geben im nächsten Jahr fünfzig Prozent, niedrig gerechnet. Sie stehen da elf Mann hoch als Kautionisten unterschrieben, einer für alle und alle für einen! — Ja, dabei ist nichts zu inachen: ich muß die Flinte ins Korn werfen, so hart es auch ist," seufzte er. „Nur ein gewöhnlicher, in der Gegend bekannter Name würde genügen; hätte ich ihn nur sicher auf dem Papier— nur bis Montag oder Dienstag— so ivollte ich ihn schon wieder frei geben," rief Kjel aus,„aber so— Ja, ja, hin ist hin, verloren ist verloren. Ich muß mich doch nur gleich aufmachen trotz alledem und uns einen Namen erbettelt?, mag dann der Direktorposten vor die.Hunde gehen!" Es ward still in der Dämmerung. Ter Doktor schritt auf und nieder und blieb am Fenster stehen. „Ja, das ist hart, Kjel, ich ränme es ein." Kjel zog ein Taschentuch aus der Tasche, fuhr sich über die Atlgcn und schneuzte sich. „Hör' eit,mal, Kjel," sagte der Doktor leise,„Du hältst mir gegenüber niemals Wort." „Ach, Du weißt recht wohl, Vater, käme es wirklich darauf an, so—" „Könnte mein Name Dich aus der Verlegenheit reißen?" „Ach, weit weniger," warf Kjel hin,„nur ein hier in der Gegend bekannter Name." „Würdest Du mir Dein Wort geben— als mein Sohn daß Du mich in keine llnannehmlichkeiten verwickeln willst?, Willst Du mir Dein Ehrenwort geben, daß mein Name am Montag oder Dienstag vom Papier gestrichen werden soll— am liebsten schon am Montag, Du— dann sollst Du meinen Namen haben. Ich sage mit meinem Namen gut, mein Junge, damit Du Direktor»verde?? kannst: es hängt so viel für Dich davon ab." Kjel schneuzte sich. „Da Du es mir anbietest, Vater— das ist wirklich hübsch von Dir— ich werde es Dir nie vergessen." „Der Mutter sagen wir nichts davon: kein Wort zu der Mutter, hörst Du, Kjel? Sie, sie, sie— sie würde zu nervös »verde»?.— Gieb mir das Papier her, dann ist die Sache ab- gethan: es konnte mir leid»verde»»," sagte er hastig. 9. Windstill lag der Septei??bertag da mit klarer Luft, sparsamem Laub und hie und da einer gelben Birke oder einer blutroten Espe unten am Fluß, der mit spiegelndem Gla»?z an de»? Gehöften vorübertrieb. Das Gerassel vo»? Karriolräder» hallte echoartig hell an dem Nachmittage voi» der Landstraße herüber. Es war Kjel, der gefahren kam. Er»varf den? Knecht die Zügel hin und stürzte zum Vater hinein. „Es ist jetzt das viertemal, daß Du nach mir geschickt hast: die Leute auf dem Sägewerk müssen ja glauben, daß hier etl?>as nicht in Ordnung ist. Ich weiß ja so gut, daß es sich um Deinen Namen handelt, den Du wieder haben»villst— jetzt, gleich auf dem Fleck... lind Du sollst ihn auch haben. Aber mehr, als ineiischenmöglich ist, kann man doch a?ich nicht thun." „Mehr, als menscheirmöglich ist!" donnerte der Doktor: „es sind ja nu»? ztvei Monate her, seit ich ineinen guten Namen»vieder haben sollte, zlvei Monate�»vährend»velcher mir jeder Tag eine Qual gewesen ist, Kiel— jeder Tag, sage ich Dir." „Aber, Vater, kannst Du denn nicht hören?" rief Kjel, „Nein, ich will nicht hören, ich»vill meinen Namen »vieder haben... Zivei Monate, Du,»vährend»velcher ich nicht habe umherfahren können, ohne daran zu denken,?»»»? sitzt hier einer und dort einer, der»veiß, daß Doktor Baarvig sich alif Spekulationen eingelassen, seinen Namen für Dinge hergegeben hat, die ihm z»vanzigi?ral über den Kopf gehen." „Ach ja, Du riskierst, bis zum nächsten Jahr ein paar Tausend zu verdienen." „Schlveig, Kjel, hörst Du, schveig oder weiß Gott"— er erhob den Arm.„Keinen Tag, sage ich Dir, von all den dreiundsechzig— ich»veiß sie an der Zahl»nid die Nächte auch— an dem ich Deiner Mutter habe in die Augen sehen können. Ich»veiche ihr anS, Du— wir, die wir?»?»»? vier- unddreißig Jahre la,lg»vic in einem Glashaus gelebt habe»?. Ich sage Dir, her mit meinem Namen, Junge!" Der Doktor that einen Schritt und machte eine Be- wegung. als wolle er ihn beim Halskragen ergreifen. „Zum Teufel arich!" schrie Kjel, einen Stuhl zlvischen sich?md den Vater schiebend.„Wenn Du voi? Sii?n und Ver- stand bist?md nicht hören willst— ich sage Dir ja. Du sollst Deinen Name»? wieder haben. Darauf bin ich ja gerade aus gewesen,' damit dies ewige Gestöhne einmal ein Ende nimmt und alle diese wahnsinnige Schickerei nach mir." „Wann— wann— wann?" „Ich weiß»licht, ob Du zuhören willst, andernfalls nmß ich nach Hause gehe»»»ind Dir schriftliche Mitteilungen machen.".., � „Skrin ja, ja, so rede nur!" „Hol rnich der Teufel,»venu mir je so etwas Aehulicheh Vorgekommen ist! Ich komme her mit Refultaten, die wirklich �> sozusogen die ganze Tasche voll guter Nachrichten, wie ich es selber niemals zu liosfen und zu träumen gewagt habe, und dann:„Her mit meinem Namen! Her damit!" Man kann(Äott danken, das; man nicht gleich erwürgt wird. Was kann ich dafiir, das; Tein kleiner, ehrlicher Name lvie fest- gekleistert sitzt � Wärst Du weniger angesehen, so liehen sie Dich schon laufen, denn eine Annehmlichkeit ist es, weiß Gott, nicht, init Dir zu thnn zu haben." „Nun, nun, nun— also—" „Ja, ich kam, um Dir zu sagen, daß die Compagnie heute den Rest des Schwarzwaldes gekauft hat, und zwar unter der Bedingung, daß die Besitzer nlit uns zu gleichen Teilen gehen, Gewinn wie Verlust, und notabene, alles in meinem Sägewerk zu schneiden. Die Compagnie wird also erweitert, der Gewinn geradezu unübersehbar, für meine Person ein einfaches Regeldetrie-Exeinpel: Wenn nur elf- tausend Tonneu so und so viel Sögearbcit im Jahr gegeben haben, wie viel werden dann die dreihigtausend geben, die den eigentlichen Ivestlichen Wald ausmachen? lind für Deine Person bedeutet das so viel, dag, sobald die Papiere in Ordnung sind, zehn für einen Dich auslösen werden. Man gönnt Dir ganz einfach den Verdienst nicht. Es fragt sich nur, ob ich die Gelegenheit wahrnehmen und Dir eine Avance für die Abtretung Deiner Anrechte. ausbedingen soll." „Nein, nicht einen Oere. nicht einen Oere, Kjel; ich wünsche, dag die Sache ganz im stillen abgemacht werde, nur meinen Namen weg. Eher bekomme ich keinen Frieden wieder. An dem Tage, wo ich den wieder habe, wird Dein Vater wieder ein andrer Mensch. Gott verzeih Tir's, daß Tu mich in diese �ache verwickeln konntest, die so gar nichts mit meinen Grundsätzen gemein hat." „Es wird sich alles im Laufe der nächsten Woche ordnen lassen," meinte Kjel sinnend. „Ja, Vater, dies wird eine ganze Zukunft für mich, dies, von heute an. Und ich kann Dir sagen, ich ertrag' es nicht länger, da zu stehen und zu sehen, wie die Planken und Bretter aus Jobn Vaalers Hobelwerk an meinem Sägewerk vorbeitreiben. Ich werde mein Geschäft jetzt auch gleich er- wettern. Ich habe ein so unmäßiges Glück, daß mir manchmal ganz bange dabei wird. Will jetzt nur gleich zu Thekla hin- unter und es ihr erzählen. Tu kannst mir glauben, Vater, das war eine Aufregung, bis die Sache zu stände kam." „Ja, ja, das mag alles sehr schön und ganz vorzüglich sein. Aber der Name, der Name, tnein Junge... An dem Tage, wo ich den wieder habe, wird mir'L sein, als sei ich aus dem Zuchthaus entlassen." „Ich kann, weiß Gott, nicht verstehen, Vater, weswegen Du die Sache so auf die Spitze treibst. Deinen Natnen be- kommst Du auf alle Fälle wieder— und mit herzlichem Dank obendrein. Denn der ist doch schtlld daran, daß ich Batst- direktor geworden bin, und auch heute ist er schwer iit die Wagschale gefallen." „Ja, das ist doch wenigstens ein Trost," murmelte der Doktor. „llnd Bankdirektor bleibe ich jetzt; nun kann mich niemand Mehr aus dem Sattel heben. Ich bin wie der Teufel, den man einmal aus den Rücken genommen hat, denn je mehr sie für mich thttn. um so mehr Kredit bekomnten sie selber. In die Höhe mit inir �— in die Höhe mit ihnen; herunter mit mir— herunter mit ihnen, mit der ganzen neugebacöeneu Geschäftswelt hier bei uns. Ich bin gerade so recht ihr Mann— ich und kein andrer!" nickte er, den Hut aufsetzend. „Da ist die Post, Vater!" rief er von der Hausthiir- treppe... Der Doktor hatte seine Briefe gelesen und schlenderte nun, ein Papier in der Hand, den Gartensteig hinab. Dort, unten int Garten»ahm Frau Beute Glasäpfcl ab. Sie durften nicht geschüttelt werden, weil sie leicht Stoßstellen bekamen, mußten einzeln mit Hilfe einer Leiter abgenommen werden, die Massi hielt, während die Mutter oben stand und pflückte und sie vorsichtig auf eine ausgebreitete Decke herab- reichte. „Wirklich sonderbar. Beute, gar nicht so iibel... Glaube wirklich, ich fange an, durch Kjel zu profitieren, Du— schickt mir dieser Waldeigentümer Haaken Harstad nicht weniger als zweihundert Kronen Honorar. Ich müßte keine Menschen- lenntnis haben, wenn dies nicht auS einem gewissen fürsorglichen Bedürfnis geschieht, auch bei dem Vater deS Bankdirektors einen Stein im Brett zu haben... Ich kann da? Geld ja auch nicht gut mit der Weisung zurückschicken, daß es. keinen Dinfluß auf ein etwaiges Anleihegesuch bei der Bank hat." Da rollte ein Apfel mit einer gewissen Fahrt auf den Rasen hinab. „Kamt das Geld gerade sehr gut für Minka gebrauchen, weißt Du." „Du solltest keinen Scherz mit so etwas treiben, Baarvig. Verhält es sich wirklich so, wie Du denkst, so ist auch kein �cgcu bei dem Gelde." „Ach was. Beute, so indirekte Sportein wie diese will ich schon auf mein Gewissen laden als Vergütung für all das, was ich für das Wohl der Familie opfere. Man bekommt unwillkürlich ganz andre Einnahmen, wenn unser �ohn steigt; Du wirst es ebenfalls merken in Gestalt von erhöhtem Ansehen und Rücksichtnahme und so weiter. Und Kjel ist wirklich auf dem besten Wege zuni Gipfel. Du!" „Wir dürfen niemals vergessen, daß so etwas auf und ab gehen kann, Baarvig— wie Blondin, der über den Niagara geht," murmelte sie. „Ja, natürlich; es wird wohl das beste sein, stets schwarz und trübe zu sehen. Je mehr Erfolg, desto bedenklichere Mienen... Wenit nun all das Holz ans dem ganzen schwarz- walde in sein Sägewerk hinabströnst, so daß er nicht mehr weiß, wie er es bewältigen soll, und sein Geschäft erweitern muß, so mußt Du seufzen und trauern und den Jungen mit ein Paar Augen ansehen, die einen verrückt machen können. Ja, denn jetzt ist es ihm wirklich gelungen, sich die Seite der Sache zu sichern, die ohne jegliches Risiko ist die Sägearbeit für die ganze Waldcompagnie. Das ist die Sahne von dem Geschäft." „Ja, Gott gebe, daß es so ist. Es ist alles jo beängstigend großartig und— giebt es eigentlich überhaupt Geschäfte ohne Risiko, Baarvig?" „Das ist doch der reine Wahnsinn! Als wenn sich da unten bei Kjel ein Pulverturnt befände! Wenn es vorwärts geht, so soll es rückwärts gehen. Es ist wirklich so weit ge- kommen, daß mir förmlich davor graut, mit einer guten Nach- richt von dort zu kommen, denn Tu zerstörst mir absichtlich die Freude. Ich niöchte wohl wissen, wenn ich käme und Dir erzählte, daß alles drüber und drunter ginge—" „lind das Ganze vorbei wäre," drang es unwillkürlich wie ein Stoßseufzer von der Leiter zu ihm herab. „Wie?— Ich glaube, Du sitzest da obeu wie ein Unglücks- rabe im Bannt... Recht erfreulich und ermunternd, D»�—" „So lange nur die Flut von da unteu her unser Haus und Deinen guten Namen nicht mit fortreißen kann—" „Pfui, Beute, dies ewige, verzehrende:„Halt Dich fern davon, halt Dich fern davon— halt Dich fern vo» Deinem eignen Sohn!" „Ein— zwei Karriole am Fuße des Hügels!" meldete Massi.„Im ersten sitzt der Verwalter Lniide und dann der Inspektor."_____ JVaturwiffenfchaftUcbc OcWr ficht. Von Curt G r o t t e w i tz. Im Jahre 1868 wurde beim Bau der Eisenbahn von Frankfurt an der Oder nach Posen ans einer nahe der wiadt gelegenen Niederung ein hoher Damm aufgeschüttet. Eines Morgens war dieser Damin verschwunden, er war in die Tiefe gesunken und cS bedurfte erst sehr langer Arbeit, che von neuem soviel Erde aufgeschüttet war, daß ein fester Damin zustande kmn. Im Jahre I88I sollte in der Nähe dieses Dammes auf derselben Niederung ein Torflager ailsgepimipt werdm. Zu diesemZwecfe wurde eineLokomobileherbeigebracht, die von sechs Stieren gezogen wurde. Zun» nicht geringen Entsetzen des Fuhrmannes sank die tiokomobile in den Boden ein, er konnte gerade noch zwei von den Tieren abspannen und sich mit ihnen retten, dann waren die übrigen Stiere und die Lolomobile in der Tiefe verschwunden. Au eine Hebung der gesunkenen Lokomobile war gar nicht zu denke», sie lag wohl 40 Meter in der schwammigen Tiefe. Ochsenius, der diesen und einige andre analoge Fälle jüngst inj „Helios" erzählt, knüpft an diese Berichte auch die Erklärung. Wir haben hier nämlich eine höchst interessante geologische Erscheinung vor uns, die sicher in Norddeutschland sehr hänsig vorkommen n>ag. wenn sie wohl auch selten mit derartigen.uataslcophen ver- knüpft ist. Diese Bodensenkungen beruhen darauf, daß sich nnler der Oberfläche ein sogenanntes„Waiserüssen" ve- sindet. Ehemals hat an solch einer Stelle ein abflußloser, nicht allzu großer See gelegen. Auf hat sich eine Art schwinmtender Insel dadurch gebildet, daß Wasserpflanzen, lebende und abgestorbene, eine dicke Decke auf ihm bilden. ES siedeln sich dann auch Landpflanzen an, ilcinerc und größere, und von den umliegenden Höhen wird Erdreich dazu geweht. So ent- steht ein dichtes Polster, das mehr und mehr wächst. OchseniuS nimmt an. daß dieses Polster sich>vie ein fester Deckel über das Wasser des Seebeckens lege. Es ist aber doch wohl wahrscheinlicher, daß nirgends in den, Wasserkissen noch reines Wasser vorhanden ist, sondern daß die Polfterschicht als moorige Masse bis auf den Grund hinabreicht, aber sehr stark mit Wasser getränkt ist. Sobald nun oben die Masse weit über den Wasserspiegel emporgewachsen ist, wird sie trockener. Die Moor- bildung geht infolgedessen nicht weiter. Doch verstärkt der zu- gewehte Sand die Decke immer mehr, so daß sie von Mensch und Lieh betteten lverden kann. Außergewöhnliche Lasten allerdings, wie ein Damm oder eine schwere Maschine können einen Einbruch der Decke verursachen. Man kann sich aber auch den Fall denken, daß die Erdschicht nach und nach durch daS Auswehen von Sand so stark wird, daß sie die weiche moorige Masse ganz zusammen- preßt, so daß diese selbst eine feste, wenn auch torfige Erdschicht ivird. Wenn in den, erwähnten Fall die Lokoniobile gegen vierzig Meter in die Tiefe sinken konnte, so ist das ein Beweis dafür, wie schnell unter Mitwirttmg der Pflanzenwelt und des Windes eine dicke Erdschicht sich bilden kann. Die Secbecken sind ja erst am Schlüsse der Eiszeit entstanden, also erst zu Beginn der gegenwärtigen Erd- pcriodc. Die geologische Bedeutung der Wasserlissen kann natürlich nicht n>it den geivaltigen Wirkungen der Bereisung jener Glaeialzeit verglichen werden. Denn das Binneileis hat das Material für die Bodendecke Norddcutschlands geliefert, es hat ihr auch die Gestalt gegeben. Aber neben dem Eis und dem Wasser, zu dem jenes zerschmolz, war doch auch der Wind in jener Zeil an der Erd- bildung beteiligt. Wir fiitdcn fast überall im Bereich der ehemaligen Vcrgletschcrung ausgedehnte und bisweilen recht starke Decken eines>chr fernkörnigen Erdmaterials, daß man Löß nennt. Es ist ans dem. feinen Staub errt- standen, den der Wind von einer Stelle wegnimmt und an eine andre hinträgt. Gewisse Eigenheiten in der Struktur des Lösses lasicir freilich nach der Meinung eiirigcr Geologen darauf schließen, daß der Löß sich als Schlamm im Wasser niedergeschlagen habe. Die Frage hat insofern größere Bedeuttuig. als die Entstehung des lösses durch den Wind darauf schließen lassen würde, daß Deutsch- land während der Eiszeil aus den nicht vergletscherten Stellen ein Steppenland gewesen sei. Ilm die Frage zu entscheiden, machte jüngst Johannes Wallhcr ivicder auf den bekannten Staubfall von 1Ö01 I„Naturwissenschaftliche Wochenschrift", 1903) aufmerksam. Damals trug der Wind ein ungeheurec, Erdmaterial von der Wüste Sahara hinweg und trieb es als gewaltige Staubivolkc weit über Italien und Deutsch- land hiir. In der Wüste selbst raffte die Gewalt des Sturmes natürlich nicht nur seinen Staub, sondern selbst beträchtlich schlverere Sandkörner hinweg. Diese ließ der Wind aber bald wieder fallen, dagegen trug er den feinsten Staub 4000 Kilometer weit von der Wüste fort. Interessant ist cS nun, daß der Staub auf dreierlei vcr- schiedcnc Weise auf den Erdboden herunterkam. In Aftika und Sizilien siel er in trockenem Zustande nieder, so wie er aufgenommen worden war. lieber Neapel hing die Staubwolke eine Zeitlang in der Lust, dann begann es zu regnen, und zlvar färbte der Staub den Regen rot, es war ein„Blutregen", der viel zu abergläubischer Furcht Veranlassung gab. In Südtirol, Kärnthcn und Oberkraiu fiel dagegen gelber Schnee in graupclartigcn Körnern. Die roten Teilchen, die eisenhaltig waren, hatten also wegen ihrer größeren Schwer, die Luftrcise nicht so»vcit mitmachen können. ES war demnach eine genaue Lerreilung des Materials nach der Schwere eingetreten. Außerdem aber trat das Wasser bei der Ablagerung des Standes in Mitwirkung. Denn wenn sich das Wasser zn Rinnsalen sammelte, so schlug sich auS ihm der Wüstcnstanb zu Boden. Und dasselbe war der Fall, wenn der Schnee schmolz. So hatte sich der Staub zwar im Wasier abgesetzt, aber die eigentliche Ursache der Erdbildung durch den Staub war doch der Wind gewesen. So er- klärt es sich denn auch, lvie der Löß, der sich zur Eiszeit bildete, mm Teil Spuren der Ablagerung aus dem Wasser tragen kann. Regen»nid Schnee mochten auch dainals oft den Staub aus der Luft herabrcißen. Aber damals war ein solcher Stanbjall, lvie wir ihn 1901 erlebten, keine Ansnahmeerscheinung,— die natürlich nicht erb- bildend wirken kann,— sondern damals war Deutschland ein Stcppcnland mit kontinentalem Klima. Die ganze Nordsee und Ostsee war ja damals noch Festland oder ivcnigstenS mit EiSinasien überzogen. DaS Klima Ivar also sehr trocken, im Sonnner wohl auch sehr heiß, mächttge Stürme brausten über daS. Land, hoben die Höhen ab, und füllten Thälcr und Niederungen dainit aus. Für die Heftigkeit und Häufigkeit des Windes sprechen ja auch die Kantengeröllc, die allenthalben im norddeutschen Diluvium gefunden werden. Es sind Steine, die geschlissene Kanten haben. Der Wind schlug die Sand- körncr an die Steine und schliff sie dadurch glatt. Daß Deutschland danialS ein Steppenklima besaß, geht weirerhi» auch ans den Fmiden von fossilen Stcppcntiercn hervor, darunter Arten, die heute in asiatischen Steppen leben. Die Wirkung des Windes äußert sich in Deutschland und über- hanpt in Europa an» kraftvollsten in der Bildung von Dünen, die wie denn» fast nur an den Küsten vorkommen. In Wüsten entstehen uiigchciire Düuenbildungen, die mitunter ländcrgroßc Strecken in ein wogendes Meer voi» Sand und Staub verwandeln. Eine sehr charakteristische Eigenheit der Dünen ist es. stetig zu wandern. Sie verändern, wenn auch vielleicht nur langsam, ihre Lage. Nun macht aber G. Hochrnstiner aus einen bisher noch unbetaniUen Typus von Dünen ansi»»erksanl(Cornptes renduh- 86, p. 403), bei dem eine Lage- Veränderung nicht stattfindet. Am Rande der Sahara nämlich, im südlichen Teile der Provinz Oran, befindet sich eine Düne, die unbeweglich an dem Platze bleibt, an dem sie sich befindet. Es handelt sich aber nicht etwa um ein altes Gebilde, die Sandzufuhr ist viellnehr auch heute noch im Gange. Sie besteht demnach aus lockerem Sande, der keine Vegetation auskomnicn läßt. Sehr uierklvürdig ist es vor allem, daß die Düne im Gebirge liegt, sie befindet sich ii» einem weiten langen Thale, das im Süden und Norden von Gebirgen ein- geschlossen ist. Aber sie lehnt sich nicht etwa an einen Berg an, denn sonst Ivürde sie zu den ganz gewöhnlichen marokkanischen dünenartigen Sandanlagerungen an Gebirge gehören. Diese Düne im südlichen Oran ist von den» Rande der GebirgSlcttc, au deren Nordfuße sie sich hinzieht, SO—IA) Meter entfernt. Sie erhebt sich also mitten im Thüle, ist 2—4 Kilometer breit, an 30 Kilometer lang und gegen 200 Meter hoch. Das Gebirge im Norden wird von einem von Norden kommenden Thale durchbrochen. Hier fegt der Wind dahin und belädt sich mit Sand, er kommt in das Thal, in dem die Düne liegt, herein, und bricht sich au der vorgelagerten südlichen Gebirgskette. So kommt er nicht lvciter, seine Macht ist dahin, ui»d so muß er die Sandkörner, die er mit sich führt, in dem langgestreckten Thale fallen lassen. In demselben Thale, nördlich von der Düne, liegt der Ort Ain-Sefra. Obwohl er eine alte Ansiedelung vorstellt, ist er doch noch nie in Gefahr gekommen, von der Düne herschüttet zu werden. Daraus läßt sich am besten die Unbeweglichkeit der letzteren folgern. Die große Bedcutimg des Windes für die Entführung von Erd- Material und Bildung mächtiger gleichmäßiger Ablagerungen erkannte zuerst der Geograph F. v. Richthofeu. Er sah in China ge- lvattige, oft hunderte von Meter» mächtige Lößlager, die weite Provinzen fast ganz bedeckten. AuS ihrer Struktur erkannte er. daß sie ans feinstem«taube gebildet sind, den der Wind anS den Wüsten Centralasicus herbeigeführt hat. Richthofen ist überhaupt einer der Geographen, die ihre Specialwissenschaft mit der Geologie vcr- bnnden und dadurch jene»tüchtig gefördert haben. Gleich Sueß sucht auch Richthofen zunächst die geologischen_ Bedingungen eines Landes, den erdtektoiiischen Aufbau, zu ergründen, nn» daraus daS heutige geographische Aussehen des betreffenden Landes abzuleiten. Neuerdings hat sich Richthofen wieder mit der Gestalt Ostasiens beschäftigt, über die er in den letzten Jahren mehrere Arbeiten in den Sitzungsberichten der Berliner Akademie veröffentlicht hat. In der Bodengestalt Ostasiens»nacht sich eine vom Nordel» bis zum Süden reichende Linie bemerk- dar, die ganz einheitlich ausgebildet ist. Sie besteht näm- sich aus lauter Bogen, die nach Südwesten gewölbt sind. Jeder solche Bogen ist nichts andres als eine große Erdscholle, die ans dem Gleichgewicht gekommen und nach Osten zu herab- geneigt ist. Es inüssen sich bei dem Aufbau Ostasiens Kräfte geltend gemacht haben, die nach den» Osten»md dem Süden hin zerrten, so daß die Erdschollen nach dieser Richttnig hin bogenförmig vorgezerrt wurden. Daß ihre östliche Seite aber niedriger ist als die westliche, liegt daran, daß sich ganz Ostasien nach der geivaltigen Tiefe des Stillet» OceanS hin einsenkte,»md in das Meer gewiffer- maßen hineinschob. Dieselbe Bewegung kommt nämlich auch in einem System von Bogen zum Ausdruck, das_ sich die heutige.Küste entlang hinzieht. Ja, es gicbt noch ein drittes Boaensysten», das die der Ostküste vorgelagerten und durch verhältnismäßig seichte Randmeere von ihr getrennten Jnsclbogen_ von den Aleutcu an über Japan bis zur Insel Formosa umfaßt. Diese Jnselbogen stellen den eigentlichen Rand Ostasiens dar, sie sind die höchsten Spitzen des in das Meer gesunkenen Randstückes des Kon- tinents. Diese Gliederung Ostasiens ist schon in ganz alter Zeit entstanden, sie ist von größter Wichttgkeit, für das Klima. So sehen wir an diesem Beispiel recht deutlich, wie wir die heutige geographische Gestalt eines Landes erst recht verstehen können, wem» wir ihren geologischen Aufbau kennen.— kleines feiuUeton. es. Seltsame Wolkensormcn. Die Eigenart der verschiedenen Wolkcnfornici, hat auf unzählige für die große» und kleinen Natur- erscheinungcn enipfängliche Mvnschc» einen»nächtigen Eindruck aus- geübt, und es gehört nicht allzuviel Einbildungskraft dazu, um sicsi mit Genuß in die Berändcrnngcn der Wolkengestalten zu versenken, die etwa an einem bewegten abendlichen Himmel vor sich gehe»»nd in ihrem ewigen Wechsel oft täuschend an die verschiedensten mensch- licheu und tierischen Formen erinnern. Goethe hat dichterische Be- weise dafür geliefert, wie sehr er sich von der Wolkendeobachtung an- gezogen fühlte, und deshalb sang er auch ein begeistertes Loblied auf den Engländer Howard, der es als erster unternommen hatte. die Wolken»ach ihren Formen in bestimmte Klassen einzuteilen. Neuerdings ist dann das Woltenstndium von der Wissenschaft be- drillend entwickelt und namentlich durch die Bemiyung der Photo- praphic gefördert worden. Ganz allgemein kann man unter den SMfeti die sMcierartig ausgebreiteten und die kugcbartiz zusammen- geballte» unterscheiden; durch Auflösung dieser beiden Arten ergeben sich die verschiedenen Gestalten zerschlitzter oder zerrissener Wolken. Howard schuf bekanntlich zunächst vier Grundformen der Wolken: die Cumulus- oder Haufenwolke, die Cirrus- oder Federwolke, die Nimbus- oder Regenwolke, die Stratus- oder Schichtwolke. Da diese einzelnen Klassen aber ineinander übergehen, hat man in späterer Zeit noch die Zwischenformen Cirrucumulus, Cumulonimbus und eine ganze Reihe ähnlicher unterschieden, so daß man heute einen ziemlich reiclihaltigeu Wortschatz zur genaueren Bestimmung einer Wolken- gestalt zur Verfügung hat. Die Cumuluswolken entstehen durch die Verdichtung des Wasserdampfes, die in einem aussteigenden Luft- ström erfolgt, wenn er eine hinreichende Höhe und damit eine ge- nügende Abkühlung erfahren hat. Diese Haiifenwolken sind daher in unser» Breiten die eigentlichen Sommerwolkcn, die sich an heißen Tagen zu mächtige» weißen Gebirgen auftürmen und oft den herrlichsten Anblick gewähren. Sie gehen häufig in die eigentlichen Regenwolken über durch die Zwischcnform des Cumulonimbus, in- dem sich ihre Masse» mehr und mehr schwärzen und ihre gewaltigen Ballen allmählich slächenhaft ausbreiten. Ein Meteorologe hat neulich beschrieben, welche Veränderungen er an einer solchen Cumuluslvolke beobachtet und photographisch fest- gehalten hat. Zunächst glich sie in einem Teil dem Profil eines ruhenden Löwen. Einige Minuten später zeigte sich an demselben Wolkcnrand eine Reihe phantastischer Wesen: zuerst eine zwergartige Gestalt, deren großer Kopf mit einer nach hinten fallenden Mütze bekleidet schien; sie glich etlva einem Elfe» aus dem Andersenschen Märchen. Ihr Blick schien auf einen großen seltsamen Vogel mit einem riesigen Schnabel gerichtet, der zu ihrer Linken aus dem Wolkenrand auftauchte. Noch sonderbarer war die Erscheinung eines Hundekopfes. Oft läßt sich geradezu feststellen, wie die allmählichen Veränderungen solcher Formen durch einen Luftstrom aus bestimmter Richtung hervorgerufen werden. Selbstverständlich spielt aber nicht nur der Ilmriß der Wolken, sondern auch ihre Beleuchtung bei der Erzeugung solcher Borstellungen eine wesentliche Rolle. Tie Winter- liche Wolkendecke ist weit gleichmäßiger und bietet daher zu solchen Wahrnehmungen seltener Gelegenheit. Sie besteht meist aus fchlcicrartigen Wolkenschichtcn oder, wie man sie auch genannt hat, gehobenen Nebeln, und die Auflösung einer solchen Wolkendecke in bestimmtere, schärfer umrisscne Gestalten bietet gegen Ende des Winters geradezu eine Gewähr für ein Umschlagen der Witterung zum Frühlingsmäßigen.— Aus der Pflanzenwelt. cz. B ä u IN e u n d S t r ä u ch e r mit purpurroten Blättern. In unfern heutigen Gärten und Parkanlagen fehlt es nicht an allerhand buntbelaubten Gehölzpflanzen, von denen freilich die meisten recht unnatürlich und marktschreierisch wirken, schon weil sie viel zu häufig verwendet werden. Am besten nehmen sich die- jcnigen aus, welche nicht durch gärtnerische Züchtung entstanden sind, sondern, wie manche Bäume mit Silbcrblättcrn, ihre auffallende Buntfärbung von Natur besitzen. Sehr eigenartig wirken Bäume mit purpurrotem Üano, wie sie, allerdings sehr selten, auch in der Natur anzutreffen sind. In unsern Gärten haben wir mehrere Arten, die vorzugSlveisc wegen ihrer schönen bluiroten Blätter angepflanzt tvcrdcn. Da ist vor allem die Blutbuche zu nennen. Sic gleicht vollständig einer wirkliche» Buche, nur ihre Blätter haben Anstatt der normale» grünen eine lvunderschöue dunkelblUtrotc Färbung. Fn einem Walde in Thüringen wurde solch eine Blutbuchc zuerst bc- merkt, später sind hier und da in Deutschland solche Exemplare mit roten Blättern aufgefunden lvordcn. Bisweilen entstehen aus den Samen von solchen Blutbuchc» wieder Individuen mit rotem Laube, ineist allerdings schlagen die Sämungc in die grüne Urform zurück. Die Gärtner, die sich der sehr dekorativ wirkenden Abart sofort an- nahmen, pflegen gemeine Buchen mit Blutbuchen zu veredeln. So erhalten sie sehr schnell eine große Anzahl von beliebig starken Bäumchen. während die Anzucht aus Samen sehr unsicher und lang- Ivicrig sein würde. Neben der Blutbuche ist die B l u t h a s e l n u ß die bekannteste Gehölzart mit roten Blättern. Tic Bluthaselnuß wird, weil sie schließlich in jedem kleinen Garten Platz findet, sogar noch öfter an- gepflanzt als der große Baum, der naiürlich nur für größere An- lagen geeignet ist. Außerordentlich auffällig wirkt dieser Strauch, aber allerdings auch sehr düster und beinahe unheimlich. Denn die Farbe seiner Blätter ist ein fast schwarzes Purpurrot. Es ist eigcnt- lich zu verwundern, daß dieser düstere Strauch so häufig in die eleganten Gärten der Villenbesitzer Eingang findet, er harmoniert doch lvenig nnt dem Geiste der sorglosen, leichten Lebenslust, den derartige Gärten verkörpern sollen. Aber freilich die Mode bringt es so mit sich, alles Auffallende. Sensationelle zur Schau zu stellen. Und da wird neben andern buuchlättrigen Gehölzen eben auch die Bluthaselnuß angepflanzt. Eine sehr aparte Färbung besitzt die B l u t b e r b c r i tz c. Schon der gewöhnliche Sauerdorn(Berberis vulgaris) ist einer unsrer graziösesten Sträucher, der spitze, mehrteilige Dornen und an- mutige kleine elliptische, inir gclvimpcrten Sägezähnen versehene Blätter besitzt. Beim Blutsanerdorn sind die Blätter weder so schwarzpurpurn wie bei der Bluthaselnuß, noch so weinrot wie bei der Blutbuchc. Vielmehr tritt bei ihm neben dem Rot das ursprüngliche Grün deutlich hervor. Dadurch bekomme» die Blätter eine schöne changierenden Färbung, die das Grün mir Rot angenehm verbindet. Der heutigen Vorliebe für buntblättrige Pflanzen folgend, hat man auch von vielen andern Gehölzarten rotblättrige Abarten ausfindig gemacht oder gezüchtet. So haben sich die Ahornarten, die Eiche, die Birke und lver weiß noch tvas für unschuldige Bäume rotblättrige Varietäten gefallen lassen müssen. In neuerer Zeit viel verbreitet bat sich der zu der Gattung der Pflaumen gehörige Strauch Prunus Pissardi. Sie ist eine Abart der Kirschpflaume oder Mirobolane, eine Varietät mit rotem Laube, welche aus dem südöstlichen 5laukasus stammt und im Jahre 1882 bei uns eingeführt wurde. Das Rot dieses Strauches ist sehr lebhaft, und es hält sich weit besser auch den Sommer hindurch, während die Farbe bei den übrigen neueren Blutvarietäten teils nicht sehr ausgeprägt ist, teils mit der Zeit ver- schwindet. Gewiß sind diese Blutbäume und Blutsträucher an sich sehr interessant und können sehr dekorativ wirken, aber sie werden meist zu häufig angepflanzt, und was als Naturschauspiel über- raschend und anregend wirken sollte, wirkt so marktschreierisch und unnatürlich.— Humoristisches. — Berufspflicht. Fräulein:„Da ist ein Gläubiger. der sieb absolut nicht abweisen lassen will!" Photograph:„Schmeißen Sie ihn raus, wofür sind Sie denn.. Empfangsdame?!"— — Die Physiognomik des Bartes. Der Kaufmann sagte zu seinem Sohne, der ein Geschäft eröffnen wollte, folgendes: „Du wirst mit dreierlei Leuten zu thun haben: solche die einen zer- zausten Bart haben, solche, die rechts und links eine Cotelette, und endlich solche, die einen Spitzbart besitzen. Den Ersten kannst Du Kredit geben, die zupfen nämlich Tag und Nacht ihren Bart, wobei sie grübeln:„Wo soll ich ein Geld hernehmen!"— Bei den Zweiten mußt Du aufpassen, die sagen nämlich:„Wenn ich ei» Geld Hab', geb ich eins,— wenn ich keins Hab', geb ich keins!" wobei sie ihren Bart rechts und links zupfe».— Den Dritten sollst Du nie e i n e u K r e d i t geben, die murmeln:„Ich geb' nix, ich zahl' nir"— und sie thun ihren Ziegenbart abwärts streichen..." — Aus der guten alten Zeit.(Gemeindediener aus- schellend):„Es wird hiermit bekannt gegeben, daß am Samstag sämtliche Straßen vom Schmutz gereinigt Iverden müssen, wenn nicht, legt sich die Polizei rei n."—' („Lustige Blätter".) Notizen. — Die Premiere von Maeterlincks„Schwester Beatrix" im Neuen Theater ist auf den 10. Februar ver- schoben worden.— — Der russische Schriftsteller Dr. N a h um S l u t s ch hat die Erlaubnis erhalten, an der S o r b o n n e in Paris über moderne hebräische Sprache und L i t t e r a t u r zu lesen.— — Mit der diesjährigen i n t e r n a t i o n a l e n K u n st- A n s« stellung in Düsseldorf wird wieder eine k u n st h i st o r i s ch e Ausstellung verbunden sein.— — Es ist anderswo auch nicht anders. Der öst- reichische Unterrichtsminister Härtel hatte sich von Anfang an zur W i e n e r S e e e s s i o n sehr freundlich gestellt. Jetzt kommt eine Nachricht, die aus einer andern Tonart geht. Die östreichische Re- aierungskommissiou für die Weltausstellung in St. LouiS hat die Holzplastik des Secessionisten Andri:„Arnold W i n k e l r i e d" zurückgewiesen. Die Secession hält heute eine Vollversammlung ab. Giebt die Regierung nicht nach, tvird die Secession in St. Louis überhaupt nicht ausstellen.— — In der Wiener Gesellschaft für innere Medizin zeigte Dr. O. Kraus au einer Reihe systematischer Aufnahmen mittels Röntgen- und g e lv L h n l i ch e r Photographie die Körperentstellungen, die sich Frauen und Mädchen zuziehen, tvcnn sie sich in Mieder einschnüren, um die erwünschte Wespentaille zu erlangen. Die Röntgenstrahlen zeigen eine verminderte Lungen- Helligkeit, entstanden durch Zusammenpressung, das Herz wird nach oben gedrängt mit Verdrehung nach außen, Magen und Darin nach abwärts, der Vrustraum tvird verkleinert, der Bauchraum vergrößert. Es leidet die Atmung, der Blutkreislauf in den Lungen und in der Haut. Es wird die Entstehung eines Hängebauchö durch das Korsett gefördert und nicht etwa beseitigt. Oft trügt nur das Korsett an gewisse» hartnäckigen Magenkatarrhen oder an sogenannten nervösen Herzbeschwerden der Frauen die Schuld.— — Graf Zeppelin baut ein neues Luftschiff; durch einen Aufruf hat er 450000 M. zusammengebracht.— — Dem am oberen Jturi(Centralafrika) weilenden Baseler Forscher Dr. David ist es, als ersten« Europäer, gelungen, ein Okapi zu erlegen. Von der Existenz dieses Tieres hatte man vor ungefähr drei Jahren durch den Engländer Harry H. Johnston zmn erstenmal Nachricht erhalten.— Verantwortl. Redakteur: Julius Kaliski, Berlin.— Druck und Verlag: BorivärtsBuchdruckereiu.VcrlagsanstaltPaul Singer 8cCo., BerlinL W.