Ur. 255. AdonnemtM«.Kedingungen: VbonnemenIS-Prti» pränumerando: vierteljährl. 330 Tit., monatt. 1,10 OTf., möchenlltch 28 Psg. frei in» Hau». Einzelne Nummer S Pfg. Sonnlag»- Nummer mit illustrierter Sonntag»- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- illbonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- PreiZliste für 189» unter Nr. 7U80, Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige An-land z Marl pro Monat. Srschriul täglich austrr Montag«. Vevlinev VolksblAkt. Centraiorgan der sociatdemokratisthen Kartei Deutschlands. 16. Jahrg. Die Inftrtions' Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewerls chastliche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Killeigen" jedes Wort 5 Psg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen btS 4 Uhr nachmittag» inderSrpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen dt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» 3 Uhr pormiltag» geossnet. Fernsprecher!»mk I, Nr. 1503. Telegramm-Adresse: «Sorialdemokrat Lcrlin" Vrdakkivn: SW. 19. Ventlz.Skraszc 2. Expedition: SW. 19, Benllz-Skrafze 3. Der sechste Novelnber. Ein bedciltsnincr und ivichtigcr Tag für die Arbeiterklasse Berlins rürkt heran, der Tag der Stadtvcrordncten-Wahlcn. Am 6. November treten die Konnnunalwähler der III. Abteilung an die Wahlurnen. um 2t Sitze der Stadtvcrordnetcn-Versaininlung auf sechs Jahre an die Männer ihres Vertrauens zu vergebet». Doppelt bedeutsam und wichtig ist der diesjährige Wahltag dadurch, daß achtzehn— für jede Wählcrabteilung sechs— neue Bezirke geschaffen sind, so daß sich die Zahl der Stadtverordneten von 126 ans 144 vermehrt. AuS Furcht vor der Socialdcmokratie und in der Sorge, die neuen Mandate der III. Abteilung an die politisch organisierte Arbeiterklasse abgeben zu müssen, hat die liberale Majorität des Rathauses die Mandate der I. und II. Wählcrabteilung ebenfalls uin je sechs vermehrt, damit jede Verringerung der liberalen Herr schaft in der III. Abteilung durch einen um so größeren Macht Zuwachs in den ersten Abteilungen ausgeglichen wird. Durch die Vermehrung der Wahlbezirke müssen die Arbeiter dieses Jahr in fast der Hälfte aller Bezirke der III. Abteilung gegen das vereinigte Bürgertum kämpfen. Der Kampf muß um energischer unter Aufbietung aller 5lräftc geführt tverde», je schwieriger es ist gegenüber der Koalition aller bürgerlichen Parteien den komniunal-socialen Forderungen zmn Siege zu verhelfen. Die. Geldsacksherrschaft in der Kommune ist durch das Drei klassen-Wahlsystem gesichert. Das entrechtete Volk muß es sich gefalle» lassen, daß die Vertreter von 368 517 Wählern— in der übergroßen Mehrzahl Arbeiter, Handlvcrler, Kleingewerbe treibende, Beamte usw.— in der Kommune überstimmt und ver gewaltigt werden können von den Vertretern der Handvoll Reichen (691 Wähler I. Abteilung) lind der geringen Zahl Wohlhabender (7742 Wähler II. Abteilung), welche zusammen über eine zwei drittel Majorität in der Stadtverordnetcn-Vcrsammlnng verfügen. Charakteristisch für die Klasscnwirtschaft in der Gemeinde und für das Fundament der Klassenherrschaft— das Dreiklasscn-Wahl shstem— ist die Thatsache, daß von sämtlichen Wahlberechtigten— die obigen Zahlen gelten für die Bezirke, welche dieses Jahr wählen. geben jedoch in den übrigen Bezirken annähernd dasselbe Bild der I. Abteilung 6.24 Proz., der II. Abteilung 2,41 Proz. und der III. Abteilung 97,35 Proz. angehören. Und dieses schändliche Wahlsystem soll erhalten bleiben, damit die Socialdcmokratie. als Vertretung der Arbeiterklasse, verhindert wird, den ihr gebührenden Einfluß in der städtischen Verwaltung z» erobern. Aber trotzalledem dringt der Socialismus siegreich vor- wärts. Die Energie und die Opfcrwilligkeit unserer Parteigenossen werden alle Schwierigkeiten überwinden, sie werden dafür sorgen. daß dem Geldsack des Einzelnen die Entschlossenheit der Masse gegen übertritt, und daß die Sessel der III. Abteilung im Roten Haus aus socialdemokratischem Holz geschnitzt werden. Daß die Arbeiter hierbei einzig und allein auf sich selbst angewiesen sind, wird ihren Eifer nur noch erhöhen. Es wäre arge Selbsttäuschung, wenn unsere Parteigenossen auf Hilfe oder Unterstützung aus anderen politische» Kreisen rechnen würden. Bei der Wahl marschiert der ganze bürgerliche Mischmasch einig und geschlossen gegen uns. Ei» leuchtendes Beispiel in dieser Hinsicht haben die Vertreter des Liberalismus im Rathause gegeben. In den wichtigsten Fragen der städtischen Verwaltung ganz entgegen- gesetzter Meinung, verwischen diese Freisinnshclden bei der Wahl alle Gegensätze untereinander. Unter der Devise„Mandate gerettet— alles gerettet" lvurde eine„Mandatsversichcrniigs- Gesellschaft auf Gegenseitigkeit" gegründet und ausgemacht, daß die Mitglieder der einen Fraktion die Mitglieder der anderen Fraktionen bei den Wahle» nicht bekämpfen dürfen. In diesen Wurstkessel bürgerlich kommunaler Ansichtslosigkeit sind die„Große Linke", die„Neue Linke" und die sogenannte„Lotteriekollckteur-Fraktion" brüder lich untergetaucht, haben ihr„Wahlkartell" von den frei- sinnig-demokratischen Bezirksvereins-Philistern aichcn lassen und werden dann im Besitze der mit Hilfe der„feindlichen Brüder ergatterten Gcgciiscitigkeits-Maiidatc die einen— damit es hübsch aussieht, ihr demokratisch- arbeitcrfrcnndlickies Gesicht aufstecken während die andern— zum Schutze und zum Wohle der Aktionäre ihr inanchcsterlich- dividendenbedürftiges Herz wieder finden werden. Daß die„Nene Linke" sich durch das Kartell um das bißchen Kredit, welches sie noch in der Bürgerschaft besaß, gebracht hat, ficht die Mandatsklcber natürlich nicht an; daß aber die Herren zur Ver« nichtung ihrer Gegner auf dem kommunalen Schlachtfelde kein anderes Mittel anwenden, als daß sie der Wiederwahl des Feindes die Wege ebnen— das niag rathänskich-kollcgial, auch bürgerlich- freisinnig genannt werden— ehrlich demokratisch ist es aber nicht. In klares Deutsch übersetzt heißt eine solche Wahltaktik: erst das Mandat und dann die Gesinnung. Das Mandat und mit dem Mandat die Klassenherrschaft in der städtischen Verwaltung: darum handelt es sich für daS Bürgertum bei den Stadverordneten- Wahlen. Das städtische Wirtschaftssystem ist zugeschnitten auf die Interessen der Kapitalistcnklasie. Die Macht- Haber im Nathans sind in ihrer Majorität Angehörige und damit Vertreter der besitzenden Klasse. Alle wirtschaftlich-kommnnalen Einrichtungen werden mit Pein- lichcr Sorgfalt darauf geprüft— nicht ob sie der Allgemeinheit zu gute kommen— nein, ob sie der besitzenden Minderheit nicht materielle Schädigung bringen. Nicht eine ausreichende Für- sorge für die wirtschaftlich Schwachen wird der kommunalen Thätig- keit als Ziel gesteckt— nein, der Schutz der Besitzenden vor der „Begehrlichkeit" der Arbeiterklasse wird als Aufgabe der städtischen Verwaltung proklamiert. Liebevolle Pflege der wirtschaftlichen Interessen der reichen und wohlhabenden Minderheit— dagegen meist abweisende Zurückhaltung> gegen die über das alleniotwendigste hinausgehenden Forderungen« zur Milderung von Krankheit, Not Hunger und Elend in den armen Bevölkerunugsschichten. Schutz des Hausagrariertums(Herabsetzung der Kanalisatious- gebühr, Erlaß der Wassermcsscrmicte, Ermäßigung des Wasscrtarifs!) in jeder Bezielinng— Vernachlässigung der der Konminnalverlvaltung obliegenden Fürsorge für die Beschaffung sanitär- und hygienisch befriedigender Wohnungsvcrhältnissc für die Arbeiter und Besitz- losen. Ausgiebige Befriedigung des Schulbcdürfnisscs für die Kinder der Reichen,— überfüllte stickige Schulklassen mit unzureichenden Lehrkräften für die Kinder des Volkes. Reichlicher, alle Ansprüche deckender Zuschuß für die höheren Lehranstalten,— immer nn- erträglicher tvcrdcndcr Mangel an Gcmcinde-Schnlhänscrn und knappe Bcmcssnng der Mittel für die Weitercntwickclung der Volksschule. Auskömmliche, zum Thcil hohe Besoldung der städtischen Beamten und Angestellten— niedrige, vielfach gänzlich unznrcichcnde Eni- lohnnng der städtischen Arbeiter. Wohlmeinende Schonung der Arbeits- kraft der Beamten und Angestellten— lange Arbeitszeit und nach rein kapitalistischen Grundsätzen geregelte Ausbeutung der Arbeiter. Nach solchen Grundsätzen wird die städtische Verwaltung im ivirt- schaftlichcn Interesse der Besitzenden, unter Vernachlüssignng der socialen Pflichten für die Allgemeinheit geführt. Noch viel schärfer tritt die nianchesterlich-kapitalistische Wirtschafts- weise in die Erscheinung, wenn man die Art der städtischen Betriebe betrachtet. Die zur Befriedigung allgemeiner Wohlfahrtsintcressen eingerichteten städtischen Betriebe sind nachgerade zu einer Quelle für hohe indirekte Stenern geworden. So z. B. die Wasserwerke und Gasanstalten. Ilm»nr von letzteren zu sprechen, ergiebt sich aus den letzten Berichte», daß dieselben einen llcbcrschuß von 5 bis 6 Millionen Mark jährlich bringen. Dieser lleberschuß resultiert ans dem sehr hohen Preis fiir Leuchtgas— 16 Pf. pro Kubikmeter. Dieser Preis wirkt als Lichtstencr, wird jedoch von maßgebender Seite damit verteidigt, daß man den lleberschuß nicht e»t- behrcn könne, da man sonst die Einkominenstencr erhöhen müsse. Das ist die nackteste Klassenwirtschast. Die llnlnst, mehr als 166 Prozent Einkommensteucr zu zahlen, veranlaßt die Vertreter der in Frage kommenden Steuerklassen, eine indirekte— weit, weit über die Herstellungskosten hinansgehende hohe Gasstcner beizubehalten, während die Stadt einen ausreichenden Nutzen an der GaSfabrikation behalte» und doch zum Vorteil der Allgemeinheit— in diesem Falle aller Gaskonsumentcn— mit dein Preise erheblich hcrabgehcn sollte. Wir könnten die Beispiele vervielfältigen. Am drastischsten aber zeigt sich der Schutz und die Fürsorge der freisinnigen Stadt- vertvaltung für den Kapitalismus, bei der Konzessionierung von Aktiengesellschaften zur Ausbeutung der städtischen Straßen und Plätze. Statt die Verkehrs-, Bclcuchtnngs- und Krafterzcngungs- anlagen der Allgemeinheit dienstbar zu machen und damit der Stadt sehr ergiebige Einnahmequellen zu schaffen, zieht man es vor, dem Privatkapital Gelegenheit zu geben— gegen das Entgelt einer Abgabe—, die Stadt für seine Zwecke auszunutzen. Der„Aktie" und der„Dividende" haben die kommunalen Machthaber Berlins einen Altar errichtet, an dem die Obcrpriestcr des Kapitalismus ihren Kultusdienst verrichten. Gegen die Verschleuderung der städtischen Steucrkraft— gegen die Millionen- Zuwendungen an das Privatkapital— gegen die Förderung und Unterstützung von Privatmonopolcn— helfen keine Gründe. Wie können auch Gründe gegen Klassenintcressen aufkommen. Hier hilft nur. weint die Arbeiterklasse, ihre Mission erfüllend, dem Komnunial-Socinlismus die Bahn bricht und wenigstens in der III. Abteilung den Augiasstall mit eisernem Besen reiingt. Die Vertreter der Kapitnlistenklasse müssen cntfemt— die Vertreter der Socialdemokratic an ihre Stelle gesetzt werden. Große Aufgaben harren der Socialdcmokratie in den Gemeinden. Die allgemeinen Aufgaben sind vorstehend skizziert. Der Gc danke des Socialismus muß die kommunale Arbeit durchdringen: an die Stelle der kapitalistischen Wirtschnftweisc zu Guifften der besitzenden Minderheit hat das socialistische Wirtschaftsprincip zum Nutzen und Wohle der Gesamtheit zu treten. Der Gemeinde-KapitaliSmus muß dem Gemeinde-Socialismus Platz machen. Denn nur dieser kann die Kapitalsherrschaft in der Gc- ncinde beseitigen und die städtische Vertvaltung ihrer wahren Be timmung nnd eigentlichen Aufgabe— Pflege und Förderung des Gemeinwesens— dienstbar machen. Die Socialisieruiig der Gemeinde kann mir auf dem Boden des Klassenkampfes erstritten werden. Den Klassenkampf zu führen ist allein die Socialdcmokratie berufen und befähigt. In ihrem Kampfe für die Befreiung der Arbeit nimmt die Partei auch auf kommunalem Gebiete den Kampf auf für die Befreiung der tädtischcn Arbeiter aus der Lohnsklaverei. Kürzeic Arbeitszeit— höherer Arbeitslohn— volles, uneingeschränktes KoalitionSrccht für die städtischen Arbeiter; uu- bedingte Gleichberechtigung auf allen Gebieten des städtischen Gemeinwesen für alle Bürger; Beseitigung der privatkapitalistischen Ausbeutung kommunalen Eigentums;— das sind die Forderungen, mit denen die Socialdcmokratie in den Wahlkampf zieht. Bei den letzten Berliner Kommunalivahlen, die an der Rüste des scheidenden Jahrhunderts stattfinden, werden die socialistischen Bausteine nnd Tragbalken verstärkt iverden. Der Sumpfboden des kapitalistisch organisierten Verwaltungsklüngels wird weiter aus- gerodet, und dem granitncn Felsen, der den stolzen Bau deS Ge- meinde-SocialiSmus tragen wird, werden sich neue starke Quadern angliedern. De» Parteigenossen, den Arbeiten!, den Proletariern, den Ent- erbten der heutigen Gesellschastsorganisation rufen wir zu: Thut Eure Schuldigkeit; erfüllt Eure Pflicht am sechsten November! Volikifche MebevMzk» Berlin, den 30. Oktober. Marine-Aiiarchie. Der am Sonnabend veröffentlichte„siebzehnjährige Marineplan" ist ein Fabrikant der Nachrichtenabteilung des Neichsmarineamtes, deren Chef ein Kapitän v. Herringcn ist. Der Plan ist offenbar nach der Hamburger Rede rasch hergestellt und erreicht an provozierender Ungeschicklichkeit ungefähr das überhaupt noch Vorstcllbare. Die ministerielle „Berliner Korrespondenz" wiegelt denn auch ein wenig ab: sie spricht einfach von einem Artikel der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung",„der nichts weiter thut, als die Möglich- keit vom etatstechnischen Standpunkt ans zu beleuchten, wie Deutschland zu einer starken Flotte komnien kann, wclöye nach den Worten Sr. Majestät des 5kaisers bitter not thut I" Dann fährt das ministerielle Organ, gegen die„Freisinnige Zeitung" polemisierend, fort: „Die Frage, ob Deutschland im nächsten Jahrhundert znb Anfrcchterhaltmig seiner Großniachtstellung einer„ st a r k e n Flotte" bedarf, ist nicht so neu als die„Freisinnige Zeitung" es darstellt. Infolge der politischen Ereignisse der letzten Jahre bewegt diese Frage heute die leitenden und führenden Geister der deutschen Nation ans das allerlebhaftcste. Wie kann eine solche Frage sachgemäß diskutiert werden, wenn nicht zuvor von fach- kundiger Seite die Möglichkeit dargelegt wird, wie ein derartiges großes Ziel überhaupt zu erreichen sei I" Es ist also ein ganz hannloser Diskussionsartikel, den die Mannepresso gebracht hat, eine Anregung, eine akademische Erörterung, nicht etwa ein fertiger Marineplciir. Aber trotz dieses formalen Rückzugs, der aus dem Gefühl heraus ver- sucht wird, daß man allzu plump die Absichten enthüllt habe, wird mnnter der offiziöse Marineartikel vom Sonnabend von dem offiziellen Organ verteidigt. Das Einlenken und Ve- schlvichtigen nützt nichts mehr. Alle Welt weiß jetzt, was lvir zu erwarten, mit welchen plötzlichen Aktionen wir zu rechnen haben. Gewiß, die Regierungen werden von dem Flottenplan nicht weniger überrascht worden sein als die Oeffentlichkeit. Fürst Hohenlohe hat sicherlich nichts von solchen Absichten gelvußt, und auch der Bundesrat ist vorher nicht mit dem Projekt befaßt worden. Die in Regierungskreisen herrschende Anarchie hat sich niemals deutlicher gezeigt, als bei diesem auS der Kanone geschossenen fabelhaften Flottcnplan, mit dem— nach der bombastischen Versicherung des Hamburger Blattes des Froiherru v. Zedlitz— Deutschland in das ent- scheidende Stadium seiner Entwickelung zur Vollmacht ge- treten" sein soll. Eine Weltwende, datiert von einem bloßen Diskusstonsartikel I Vielleicht beginnen lvir gleich eine neue eitrechnung und schreiben hinfort das„Jahr 1 nach dem �lottenartikel der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung". Mit besonderer Schärfe kritisiert die katholische „Germania" die Art, wie man bei uns Politik macht. Sie erinnert an den Fall Hollmann. „Vor ctiva drei Jahren kamZdcr damalige Staatssekretär des NcichS-Marincnmts Adiniral Hollmann van der Feier eines StapcllaufS direkt in die Bndgctkommisstoii des Reichstags, seinen Flottenplan in der Tasche, von dein selbst die Bundesrats« Bevollmächtigten in der Bndgetkonnnission keine Ahnung hatten, so daß sie sich ein hcktographiertcö Exemplar von den Mit« gliedern der Bndgetkonnnission leihen mußten, inn eine Einsicht in den Flottcnplan zu gclvinncn." Daun führt die„Germania" fort: „Jedenfalls muß cS nicht mir beim Reichskanzler, sondern bei der großen Mehrheit des deutschen Volkes ein pein- l i ch c S Gefühl erwecken, daß in dieser Weise durch die Veröffentlichung deS neuen Flottenplancs ohne Vorwifseii nnd ohne vorherige Znstinimung des Bundesrat s diesem nach der Verfassung deS Deutschen Reiches eigentlich r e- gierenden Faktor eine Nichtachtung ausgedrückt wird, welche mit der verfassungsmäßigen Stellung des Bundesrats in schreiendem Widerspruch steht. DaS Deutsche Reich ist kein absoluter Staat, sondern auf dem föderativen P r i n c i p aufgebaut.... Wer wird sich über die 3t e i ch s v c r b r o s s e n- hell in S ü d d e u t s ch l a n d wundern, wenn dort einmal die politische Empfindung weiten Boden gewinnt, daß die Vertretung der Einzelstaatcn im Bundesrat nicht die volle verfassungsmäßige, oder wenigstens keine„coulante", ehrliche und entgcgenkomiiicndc Berücksichtigung erfahre?" Das rheinische Centrumsorgan, die„Köln. Volksztg.", spottet: „WaL uns am meisten an der Sache wundert, ist der M n t desReichskanzlers und des 3ie i ch s-M a ri n e- A in t s„ die IVe Jahre nach den Verhandlnngen über das Flotten- gcsetz diesen neuen Plan zu empfehlen wagen. Wir habe» keinen Augenblick geglaubt, daß daö vorjährige Gesetz das letzte Wort in der Flottcnfragc sei. Die Lawine ist im lltollcn, sie wird anlvachsen. Die Notlvendigkcit einer starken deutschen Flotte wird auch in immer weiteren Kreisen des deutschen Volkes anerkannt. Aber man soll doch auch mit dem gieichötage und der Opferwilligkeit des Volkes nicht sein Spiel treiben. Wenn jetzt die neue Vorlage an den Reichstag kommt, muß dieser sich doch sagen, man habe ihn vor IVe Jahren zum bestcu gehabt. Und wenn er demjenigen, der ihm sagen wollte, der neue Plan werde bis 1917 in Geltung bleiben, nicht ins Gesicht lacht, dann ver- dient er, daß man gleich noch ein fünftes bis achtes Geschtvadcr von ihm verlangt." Staatssekretär Tirpitz ist am Montag zum Vortrag beim Kaiser nach Liebenberg, dem Schloß des Grafen Enlenburg, befohlen worden. Hoffentlich hat er sich inzwischen über einen neuesten Flottenplan gründlich informiert. Denn die Weltlage ändert sich gegenwärtig so riesig schnell, daß über eine Stacht sich die„Notwendigkeit" neuer Pläne ergiebt. 8ff3 im Aiifaug dieses Jahres bei Gelegenheit der Militär- dorlage das Gerücht von weiteren Marincfordcrungcn auf- tauchte, leugnete Herr v. Tirpih das mit aller Entschiedcn- heit. Seitdem hat sich nun in den auswärtigen Verhältnissen nichts zu unseren Ungunsten verändert. Im Gegenteil hat der Voereukrieg bewiesen, daß selbst eine Marine- Weltmacht wie England mit einem kleinen Völkchen nicht ohne weiteres fertig zu werden vermag. Gleichwohl soll auf dem Umschwung der Verhältnisse der norddeutsche allgemeine �lottenplan beruhen. Noch vor vier Wochen erklärte, nach der„Germania", eine hohe Stelle im Neichs-Marineamt: „Wir haben, was wir wollen, und wir wollen nicht mehr, als wir haben." Inzwischen hat sich nichts ereignet außer— die Hamburger Rede. Das Absurdeste ist dabei, daß, trotz einer solchen zauberhaften Geschwindigkeit in der Veränderung der Politischen Lage, die Preßabtei'lung des Neichs-Marineamts mit einer abermaligen Bindung auf— 17 Jahre rechnet. Schon jetzt ist sicher, daß der Marineplan vom letzten Sonnabend im Reichstag keine Aussicht hat; er ist eine Wasserleiche. Das Berliner Centrumsblatt fragt, ob denn die Regierung absolut auf einen schweren Konflikt lossegeln wolle. Und die„Korrespondenz für Centrumsblätter" ver- sichert, das Ccntrum werde nach den bisherigen Erfahrungen gewiß keine Opfer mehr bringen.„Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende." Von den Kon- ervativen äußert sich die„K r e u z- Z e i t u n g" mit der auch in der Kanalangelegeuhcit des öfteren gezeigten Aengstlichkeit — gar nicht; sie möchte es weder mit ihren Agrariern noch aufs neue mit ihrem Monarchen verderben. In einer lau- warmen Sonntagsbetrachtung erklärt das Blatt im allgemeinen seine vaterländische Wasserliebe. Dagegen beteuert die dündlerische ,, DeutscheTageszeitung" ihren„größten Argwohn": „Plötzlich,«»heimlich plötzlich ist der Umschwung gewesen. Das kann kein Mensch leugnen. Noch am 30. Januar 1803 er- klärte Staatssekretär Tirpitz, daß an keiner Stelle in irgend einer Weife die Absicht hervorgetreten sei, einen neuen Flottenplan vor- zulegen, daß im Gegenteil bei allen in Betracht kommenden Stellen die festesie Absicht bestehe, die Linnticrnng des FlottcngcsehcS iniiczu- halteit. Was ist nun seit dem 30. Januar geschehen? Was hat diese„festeste" Absicht so ins Wanken gebracht? Was hat„alle" m Betracht kommenden Stellen anderen Sinnes gemacht?" Plötzlich hat auch das Agrarierblatt sich zu der umstürz- Renschen Uebcrzeugung bekehrt, daß das Wettrüsten un- finnig sei. Selbst die verheißene Erhöhung der Getreidezölle lockt das Blatt nicht.„Jetzt uns irgeudivie zu binden, fällt uns mcht ein." Daß die Presse der Marine-Lieferanten jubelt, füllt nicht ins Gewicht. Dafür wird sie bezahlt. Die„Berliner Neuesten 9! ach richten" verdienen sogar ein Extra- Trinkgeld, weil sie auf den pfiffigen Einfall verfallen sind, zu thun, als ob ihnen der Marineplan noch nicht weit genug ginge; nun wird wohl jedermann überzeugt sein, daß die gewünschte Verdoppelung der Flotte eigentlich eine sehr bescheidene Forderung sei. Abgesehen von diesen Zlvaugsmarinisten begegnet die überraschende Aktion überall tiefster Abneigung, spöttischen Vorwürfen und boshaften Penuutungen. Hat diese Wirkungen die für � die Veröffentlichung verantwortliche Stelle nicht vorausgesehen? Oder beabsichtigt man das gerade, Ver- wirrung über Verwirrung zu häufen, damit in dem allgemeinen Trubel die alten bösen Geschichten vergessen werden und die Miquelschen Kanalrebellen sacht zu entschlüpfen ver- mögen?— Der Umsturz der Flottenvorlage wurde von der großindustriello» Presse schon seit Monaten angestrebt. Der Plan, den die„Nordd. Allg Ztg." nmunehr enthüllt hat, ging ursprünglich von feiten der Industrie ans, wurde dann vom deutschen Flottenverein anfgcnommen, ging dann erst in die Kreise der leitenden See-Offizierc über und verdichtete sich nun dort zu dein jetzigen Vor- stoß der diesem Plane innerlich von jeher geneigten Negienmg, ohne daß freilich der verantwortliche Reichskanzler um die Dinge, die da kamen, gelvußt hätte. Zuerst trat offen im Mai dieses Jahres die „Kölnische Zeitung" mit der Ansicht hervor, daß das Flotten- gesetz ungenügend sei: Sie hatte aber noch nicht den Mut, die Umstoßung des kaum angenommenen Flottengesetzes zu empfehlen. Ilnd zwar plauderte sie damals ganz offen aus, daß man das Gesetz so lange nicht werde umstoßen können, als sich die Regierung nicht an die Spitze der Bewegung gegen da? Flottengcsetz stelle. Die„Kölnische Zeitung" empfahl daher der Sie- giernng zunächst nur eine Umgehung des Gesetzes. Sie meinte, es stehe nichts im Wege, die durch das Flottengesctz bewilligten 356,7 Millionen so frühzeitig auf den Etat zu bringen, daß nicht nur die Neubauten, sonder» auch„ein möglichst großer Teil der Ersatzbauten" bis zum 1. April 1904 vollendet sein können.„Damit" — so meinte das Blatt—„ließe sich schon eine recht erhebliche Be- schleunigung des Flottenbaues erzielen. Das Reichs- Marineamt scheint sich mit diesem Plan nicht be- freundet zu haben; denn alsbald bemerkte man in der Industrie- presse eine verstärkte und mit verdächtigem Eifer betriebene Agitation für ein rascheres Tempo im Bau von Kriegsschiffen. Diese Agitation wurde nicht nur in der Presse, sondern noch niehr innerhalb gelvisser einflußreicher Kreise in nächster Nähe der maßgebenden Stellen be- trieben. Sie wurde so arg, daß selbst die marinefromm«„Kreuz- Zeitung" univillig wurde und das widrige Spiel Anfang Juni dieses Jahres der Ocffentlichkcit denunzierte. Sie schrieb damals! „Wer ein wenig hinter die C o u l i s s e n sieht, der ge- wahrt, daß den Schifföbauinterefsenten in Deutschland schon jetzt bange vor der Zukunft wird. Sie fürchten, dem blanken Nichts gegenüber zu stehen, sobald die nach dem festgelegten Flottenpia» in Auftrag gegebenen Kriegsschiffe vom Stapel gelaufen sind, da neue Aufträge nicht m naher Aussicht stehen. Mit fieberhaftem Eifer suchen sie deshalb im Volke und im Parlamente Stimmung zu macheu für eine im jetzigen Tempo anhaltende Vermehrung unserer Kriegs- flotte. Der Mittelland- Kanal, wenn er bewilligt wird, kann den großen Schiffswerften natürlich keinen Ersatz bieten, da er nur kleiner Schlepper und einfacher Lastkähne bedarf. Soviel wir sehen, herrscht aber in matzgebende» Kreisen vorläufig weuig Neigung, unseren Werften neue Aufträge über das von den verbündeten Regierungen verlaugte Maß hinaus zu erwirken. Die Organe der Großindiistrie ließen sich indes nicht ein- schüchtern. Man hatte de» Flottenverein gegründet und an seine Spitze sogar das publizistische Mundstück der deutschen Großindustrie, den Galizier Victor Schlveinburg gestellt, der zwar nicht formell, aber der Sache nach das ausländische Haupt des deutschen FlotteuvereiuS ist; man hatte ferner für seine Zwecke die„Berliner Neuesten Nachrichten" durch die Firma Krupp erworben und arbeitete nun ruhelos und— erfolg- reich weiter. Bis hinunter in die Kriegervereine warf man seine Netze aus und selbst Garnisoupfarm machte man für die weitere Vergrößerung der Flotte mobil.„Was nützt un» unser starkes Landhcer, wenn wir nicht im stände sind, unsere handeltreibenden Landslcnte im Auslände, unser Eigentum zur See zu schätzen!"— so rief in einer Kriegervereins-Versammlung zu Wesel der dortige Garnisonspfarrer Thielmann jammernd aus. Und in den hohen Regionen suchte man mehr mit marinetechnischen und strategischen Gesichtspunkten zu imponieren. Es traf sich, daß plötzlich im Juli der Viceadmiral z. D. Valois unter dem Titel„Seemacht, Seegeltung und Seeherrschaft" kurze, aber recht deutliche Betrachtungen über die Seckriegführung anstellte. Er sträubte sich gar nicht, offen auszusprechen, wo hinaus die Reise geht. Nach ihm müssen wir bei unseren maritimen Rüstungen als den in erster Linie in Betracht kommenden Gegner Grostbritauuie« im Auge haben I! denn er stellt in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen die These: „Die- Seerüstungen müsse» gegen England gerichtet sein, da in den Kämpfen der Kontinentalmächte unter sich den Marinen nur die zweite Stelle zufällt. England will den Krieg in ge- wältigen Schlägen um jeden Preis schnell beenden und auf engeS Gebiet beschräiiken, die Gegner müssen den Krieg in die Länge ziehen, über soviel Gebiete ausdehnen wie möglich, die feindlichen Küsten und den Handel zu beunruhigen suchen." Also nur Englands wegen bedürfen wir der ständigen und rasenden Vermehrung unserer Flotte. Admiral Valois zieht noch nicht die vollen Konsequenzen seiner Darlegungen, doch läßt er genau durch- blicken, daß nur durch eine„Vermehrung der Panzergeschwader" das von ihm gesteckte Ziel zu erreichen ist. Durch die Publikation des Admirals Valois erkannte mau, daß in den maßgebenden Kreisen Stimmung für eine Flottcnvermehrung über den Rahmen des Flotten- gesctzcs hinaus vorhanden war. Nun kamen noch eine Reihe äußerer Umstände hinzu, um den Plan vollends zur Reife zu bringen. Man hatte bisher keine» offensichtlichen Grund, um gerade jetzt den neuen Plan der Oeffentlichkeit und den gesetzgebenden Körperschaften zu unterbreiten. Da kam nun wie gelegen der Krieg zwischen England und Transvaas. Warum soll dieser Krieg nicht den gesuchten Grund ab- geben? Hat doch vor Jahren der chinesisch-japanische und dann später der amerikanisch-spanische Krieg hier oder im Auslande zur Begündung von Flottenvermehrmigen herhalten nnüsscu. Man hat vor einigcr Zeit hell- ans gclacht.als derPrivatdocrntderStaatswisscnschaft an der Universität Berlin, Herr Dr. Adolf Wenckstern, uns vorrechnete, daß wir im Jahre 1920 mindestens 57 statt 19 Linienschiffe haben müßten. Man hat den Herrn mit Unrecht ausgelacht. Er hatte eben einen viel richtigeren Spürsinn wie andere Sterbliche. Er hatte von den Fährten unserer Marinepolitik Wind bekommen und ist jetzt der kluge Mann, der auf die zlvcite Marineprofeffur, die eine weitere Vermehrung der Kriegs- flotte zweifellos bedingt, den ersten Anspruch hat.— Im politischen Getümmel um die Zuchthausvorlage und den Mitteland-Kanal werde die wachsende und gefährliche Agitation für die Durchbrechung des FlottcngesctzeS so gut wie übersehen. Nnnnrehr ist die Be- schcerung da: der offizielle Plan einer Verdoppelung der nach dem Flottengesetz erst zu schaffenden Kriegsmarine I Zuchthansvorlage, Mittelland-Kanal, neue Schiffskoloffe und— neue Steuern— waS werden das bei einer Reichstags-Auflösung für lustige Wahlen für die Socialdemokratie werden! Zwei Telegramme. Der Kaiser hat, wie aus London berichtet wird, an Oberst Burn Mardock, Kommandeur seines Regiments, der ersten königlichen Dragoner, folgendes Telegramm gerichtet: „Llck my farewell to the regiment! May you all return unscathed and well. William and R.(Entbieten Sie dem Regiment mein Lebewohl! Mögen Sie alle unbeschädigt und wohl zurückkehren. Wilhelm I. R.)" Am 1. Januar 1896 ersuchte der Minister des Aus- wärtigen. Frhr. v. Marschall, in einem Erlaß den deutschen Botschafter in London, an die englische Regierung die amt- liche Anfrage zu stellen, welche Schritte sie zu thun gesonnen sei, uni den durch den Einbruch bewaffneter Banden von dem englischen Protektoratsgebietc in das Territorium des Transvaal- ftaates geschaffenen Völkerrechts- und vertragswidrigen Zlistand zu beseitigen. Und am 3. Januar 1896 sandte Wilhelm II. folgendes Telegramm ab: „Ich spreche Ihnen nieinen aufrichtigsten Glückwunsch aus, daß es Ihnen, ohne an die Hilfe befreundeter Mächte zu appellieren, mit Ihrem Volke gelungen ist, in eigener Thatkraft gegenüber de» bewaffneten Scharen, welche als Friedensstörer in Ihr Land ein- gebrochen sind, den Frieden ivieder herzustellen und die Unabhängig- kcit des Landes gegen Angriffe von außen zu wahren." Dies Telegramm war an den Präsidenten von Transvaal, Krüger, gerichtet. Anläßlich des jetzigen Einfalls der Eng- länder, die— gefährlichere Friedensstörer als die Söldlinge Jamesons— die Republik bedrohen, ist bisher kein kaiserliches Sympathie-Telegranun für die Boeren bekannt geworden. Eine Versetzung. Bürgerliche Zeitungen melden, daß der Landgerichtsdirektor Denso und der Landgerichtsrat Queck, welche als Vorsitzender und Berichterstatter an dem freisprechenden Urteil gegen Genossen Jacobeh wegen Beleidigung des sächsischen ObcrlandcSgcrichts mit- gelvirkt haben, vom 1. Januar ab zu Civilkanimern versetzt worden sind. Die Geschäftsverteilung und die Zuteilung der Richter an iie Kannnern erfolgt durch das Präsidium des Landgerichts, das ans dem Präsidenten, sämtlichen Direktoren und dem ältesten Land- gerichtsrate besteht. Darin Hai man bei Erlaß des Gerichts- verfassungs- Gesetze? ein« der liberal e n Garantien für unabhängige Rechtspflege gesehen. Die Er- fahrungen der preußischen Konfliktsära mit ihrer Zusammen- setzung dienstwilliger Deputationen und Senate für bestimmte politische Anklagen waren den ausschlaggebenden Parteien in jener Zeit noch in frischer Erinnerung, und der-„liberale Richter" erschien als eine so feststehend� politische Größe, daß man glaubte, ihm ohne Bedenken die Unabhäugigkeit der Rechtspflege anvertrauen zu können. Die Regierung betrachtete natürlich die Geschäfrsverteiliing durch das Präsidium des Landgerichts als ein Zeichen unverhohlenen Miß- trauens. sie wehrte sich, so lauge sie konnte, gab ober bei dem bekannten Justizkompromiß nach, ivohl in der richtigen Erkenntnis, daß das, was sie gewährte, mehr eine Scheinkonzession sei und daß ihr noch genug Mittel blieben, ihren Willen durchzusetzen. Immer- hin hat sie noch in der Strafprozeß-Novelle von 1894. die man nicht mit Unrecht als den prozessualen Teil des Umsturzgesetzes charakterisierte, den Versuch gemacht, die Geschäftsverteilung wieder in die Hände der Justizverwaltung zu bringen, freilich ohne damit im Reichstage Gegenliebe zu finden. Man sieht, sie kann auch ohne eine Abänderung des Gesetzes auskommen. Als vor einige» Jahren die Kammer des bekannten Landgerichtsdireltors Alexander Schmidt in der vielbesprochenen Majestätsbeleidigungssache gegen Maximilian Harden wegen des Artikels„Prinzenerziehung" ein freisprechendes Urteil gefällt hatte. wurde Herrn Schmidt eine Civilkammer zuxrteilt. Per alte Herr, der seit vielen Jahren nur in Straffachen thätig gewesen war und jede Fähigkeit, und wie der Fortgang lehrte, auch die Lust verloren hatte, sich in den ihm ganz fremden xivilistischen Stoff wieder hineinzuarbeiten, sollte angeblich plötzlich den Wunsch geäußert haben, eine Civil- kaminer zu übernehmen. Mit welcher Bcgeisierung er dies gewünscht hatte, crgiebt sich am besten daraus, daß er unmittelbar darauf seinen Abschied nahm.. Die Zeitungen berichteten dann noch allerhand, wovon man nicht wissen kann, wie viel davon Klatsch war: jeden- falls stand soviel fest, daß die Justizverivaltung mindestens unter der Hand darauf hingewirkt hatte, Schmidt von der Stelle, an derer Tüchtige? leistete, zu cntferucn, und daß seine Kollegen ihm zugeredet hatten, sich zu fügen. Nach Schmidt folgen jetzt Denso und Queck. Bielleicht werden wir ivieder zu hören bekommen, daß beide freiwillig zu einer Civilkammer gegangen sind; bei dem Landgerichtsrat Queck, einem jüngeren Manne, ist das wohl glaublich, bei Denso nicht sehr wahr- scheinlich; denn jetzt, nach der völligen Umänderung des Civil- rechts, eine Civilkammer zu übernehmen, ist für einen alte» Strafkammer- Direktor eine ungemein schwere Aufgabe. Aber es ist schon möglich, daß auch Denso den Wunsch geäußert hat. Es wäre ja am Ende kein Wunder, wenn die Beschimpfungen aus den Kreisen des Scharfmachertums ihm sein bisheriges Amt verekelt hätten. Unmittelbar nach dem Urteil gegen Jacobeh haben wir bereits einen in diesen Dingen sehr gut beschlagenen Herrn sagen gehört: Denso wird nun die längste Zeit eine Stmskammer geführt haben. Es gehörte wohl keine besondere Propheteugabe dazu, dies voraus- zusehen. Für die weitere Beratung der lex Rintelen crgiebt sich daraus die Mahnung, mit aller Energie auf Einführung der von unserer Fraktion u»d dem Genossen Stadthagcn beantragten erweiterten Garantien für die Unabhängigkeit der Richter zu bestehen. « 4» * Deutsches Zieich. Echo. Als Antwort auf den neuesten deutschen Marineplan kommt prompt aus England die Meldung der„Times": „Jede Vermehrung der Kriegsmarine einer Groß- macht must einen Vestandtcil nnscrer eigenen Schiffs- bau- Voranschläge bilden. Es kann schwerlich erwartet werden, daß mir eine Politik von seiton Deutschlands willkommen heißen, ivelche, wenn wir sie in Wirksamkeit gesetzt sehen, eine beträchtliche Erhiihnng unseres Marinebudgcts erforderlich machen dürfte; andererseits hat Deutschland zu derselben Zeit einen großen Aufschwung des Handels und ausgedehnte Kolonial- interessen, welche Schutz erfordern." Mit dieser Kundgebung des englischen BlatteS hat sich die„Welt- läge" offenbar abermals so wesentlich verschoben, daß eine Wer- doppelung unserer Flotte nicht mehr ausreicht; es mutz mindestens eine Verzchnfachimg sein. Fügen wir also zum hundertjährigen Kalender einen hundertjährigen Flottenplan, ein Marine-Eentennat, ans das sich Regierung und Reichstag endgültig binden— für anderthalb Jahre.—_ Ter iicne Flottenpla». Dreimal so groß ist, führt die „Freist Ztg." ans. die Verstärkung, ivelche durch den neuen Flotten- ptan herbeigeführt werden soll, im Verhältnis zu der Ver» st ä r k n» g, welche das geltende Flottengesetz dem Flottenbestande von 1897 zuzuführen beabsichtigt. DaS Flotten» gesetz beabsichtigt, die Zahl der Linienschiffe von 12 auf 19, also um 7, zu erhöhen. Der neue Plan aber will die Zahl der Linienschiffe von IS auf 40, also um 21, erhöhen, nämlich um 10 Liiiieiischiffe für ein neues Geschwader der Schlacht« flotte, 8 Linienschiffe, welche an Stelle der vorhandenen 8 Küsten- panzer treten sollen, und 3 neue Linienschiffe zur Materialreserve. Daß unter den 21 neuen Linienschiffen 8 nur an die Stelle der vor- handeneii Küstciipanzer treten sollen, verschlägt sehr wenig, da ein Linienschiff dreimal so groß ist und dreimal so viel kostet, wie ein Küsten- panzer.— Das Flottengesetz wollte die Zahl der großen Kreuzer von 10 ans 12, also um 2, erhöhen. Der neue Plan erhöht dieselben von 12 ans 18, also um 6. Das Flottengesetz wollte die Zahl der kleinen Kreuzer von 23 auf 30, also um 7, erhöhen. Der neue Plan erhöht die Zahl der kleinen Kreuzer auf 30, also um 20. Das Flotte n gesetz beabsichtigte hiernach eine Vermehrung der Linienschiffe und der Kreuzer»im 10, der neue Plan sieht eine weitere Erhöhung der Linienschiffe und der Kreuzer um zu» sammen 47 vor.— Ueber 3Ve Milliarden, so führt seiner die„Freist Ztg." auS, werden durch den neuen Flottenplan festgelegt, nämlich 1920 Millionen Mark an fortdauernden und 1650 Millionen Mark an einmaligen Ausgaben. Der neue Flottenplan verlangt für 17 Jahre, von 1901—1917, 97 Millionen an einmaligen Ausgaben; das macht ini ganzen 1649 Millionen. Das jetzt geltende Flottengesetz legt für den Zeitraum von 6 Jahren an cinmaligen Ausgaben nur den Betrag von 409 Millionen Mark fest. Die Bindung deS Geld- bewilligniigsrechtes des Reichstages ist also nach dem neuen Plan eine mehr als vierfach so große in Bezug auf die einmaligen Aus- gaben. Was die fortdauernden Ausgaben anbetrifft, so sieht der neue Plan eine jährliche Steigerung derselbe» von 1901 ab INN 5 Millionen voraus. Hiernach müssen die fortdauernden Ausgaben der Marine, ivelche nach dem Flottengesctz im Jahre 1903 83 Millionen betragen würden, 1917 den Betrag von 133 Millionen erreichen. Zuzüglich der auf 97 Millionen Mark erhöhten eininaligen Ausgaben crgiebt dies einen Flottcn-Etat von T30 Millionen Mark gegen 150 Millionen Mark, welche der Flotten-Elat 1903 nach dem Flottengcsetz erreichen sollte, und 133 Millionen Mark, welche der Marine-Etat für 1899 aufweist.— Die Estlinger Wahl. Nach den Sonnabend spät abends be- kannt gewordenen und von uns mitgeteilten Ziffern der Ersatzwahl im V. iviirttembcrgischeii Wahklreise stellt sich der socialdemokratische Erfolg noch bedeutender heraus als vorher angenommen wurde. Unsere Partei hat migeftthr 1700 Stimmen mehr erhalten als 1893, während die Volkspartei 1550 und die Deutsche Partei 1650 Stimmen verloren hat. Für die Urheber der neuen Flotten Pläne und die Parteien, welche dieselben vertreten wollen, ist die Wahl in Eßlingen noch ganz besonders lehrreich. Der volkS- parteiliche Kandidat hatte— allerdings ohne Einverständnis mit seiner Parteileitung— einige Neigung für Flotten- und Uebcrsec- Politik belundet. Der Korrespondent der„Frankst Ztg." in Stuttgart stellt fest, daß diese Haltung des Kandidaten der Voltspartei „die demokratischen Wähler ins socialdemokratische Lager getrieben habe; an manchen Plätzen kam eS zu offenem Protest. „Für diese» Programm stimmen nur nun und nimmer", war die Antwort." Wenn die inigeheuerlichen Mariiicrüstuiigs-Pläne der Regierung zu einem Konflikt im Reichstag führen würden und an die deutschen Wähler appelliert werden sollte, so giebt die Wahl in Eßlingen ein schwaches Beispiel dessen, was alsdann die Regierung und die Flottenparteien erleben werde».—. Rektor Fnchö, der es verhindert hat, daß Genossiu Braun im socialwisseiischaftlichen Studentenveretn einen Vortrag über„Frauen- arbeit in Deutschland" hält, hat damit einen Lobspruch der„Post" auf sich geladen, die zugleich den Herrn Rektor über die wirklichen Motive seines Verbots belehrt: „Wir geben unserer Genugthiiung darüber Ausdruck, daß auch der neue Rektor entschlossen ist, den socialdeniokratischen Bestrebuiigen an der Universität, in welcher Form sie auch hervortreten mögen, entaegeiiznwirken, und wir billigen es ganz entschieden, daß er dieses Verbot ausgesprochen hat. Durchaus einverstanden find wir auch damit, daß der Rektor den rhetorischen und schriftstellerischen Leistungen der Frau Lily Braun die wissenschaftliche Bedeutung abspricht. Als fenimb für das Verbot konnte dieses letztere Monient allein nicht gut angeführt werden, denn es werden gar nicht selten in st il d e n t i s ch e n Vereinen minder« w e r t i g e Vorträge gehalten, ohne daß an ein Verbot auch nur gedacht worden wäre. Die Hauptsache ist, daß Frau Braun- Gizycki als Agitatorin der Eocialdcmokratie austritt, und dies ist auch der wesentlichste, wenn nicht der einzige Gruud, der zu dem Verbot ihres Auftretens in dem socialwisseuschastlichen Studentenverein geführt hat. Hoffentlich wird der neue Rektor stets allen Bestrebungen, für den Umsturz Propaganda unter der Studentenschaft zu machen, in der gleichen Weise entgegentreten." Diese Anerkennung seitens des Wagner-Horchcrs Kronsbein hat sich der Mathematiker Fuchs redlich verdient. Rur meinen wir, gerade wenn man es denn einmal für die Aufgabe der Universität hält, die Jünglinge gegen den Umsturz zu trainieren, sollte man ihnen die Gelegenheit gewähren, sich nnt diesen Umslnrzlchren und ihren Vertretern bekannt zu machen. Denkt der Rektor so gering von der bourgeoisen Charaktcrdichtigkeit unserer studierenden Jugend, daß er annimmt, daß das Umstnrzgift ihr gleich durch alle Poren dringt, wenn es ihr nahe kommt?— Eine.vollendete Thatsache" ist für die„Verl. Pol. Nachr." tie Erhöhung der Hungcrzölle beim Abschluß neuer Handels- Verträge. Tie auf diese Weise ans den Lcbcnsbedürfmffcn des arbeilenden Volkes herauszuschlagenden Reichscinnahmcn gelten dem Blatt des Finanzministers als das selbstverständliche bequemste Mittel zur Bestreitung des neuen MarineplancS. Wenn durch diese nnt großer Offenherzigkeit vorgetragene .vollendete Thatsache" den Agraricni die ungeincssenrn Marine- forderungcn geneigter gemacht werden sollen, so wird zugleich nm so zorniger die Empörung der arbeitenden Klaffen erregt werden, wieder eine Machtpolitik nach außen, die sich aufbaut auf der Aushungerung der Unbemittelten im Lande.— Erkläre mir Graf Oeriudur, diesen Zwiespalt— nntcr den Frommen. Wie der„Telegraph" meldet, hat die Königin von England in der Thronrede, mit der sie das Parlament vertagte, dem Vertrauen Ausdruck gegeben, daß der göttliche Segen auf dem Bemühen des Parlaments und des Heeres r n h e n w e r d e, Frieden u n d g n t N e g i m e n t in S ü d- a s r i ka wieder herzu st ellen und die Ehre Groß« britannienS zu wahren. Wie immer man zu dem Krieg zwischen England und Transvaal stehen mag, unzweifelhaft ist, daß die Engländer den Krieg brutal provozierten. Fest steht fcnier, daß die Bocrcn mindestens ebenso fronime Leute sind wie die Engländer und daß es der Präsident Krüger an Bibelfestigkeit mit der Königin von England aufniinnit. Nim beten beide Parteien zu e i n u n d d e m s e l b e» Gott um Sieg, beide versichern, daß ihre Ehre auf dem Spiele und das gute Recht auf ihrer Seite stehe; was soll da der gute Gott thnn? Vielleicht macht er es diesmal, wie einst der .alte Deffauer' in einem Gebet vor der Schlacht bei Hvchstädt (1704) ihm riet. Damals betete der.alte Dessaner" vor der Front seiner Soldaten also:„Herr Gott im Himmel, hilf mir auch diesmal, daß ich meine Feinde schlage; willst Du mir aber nicht helfe», so hilf' auch den Hundsföttern von Feinden nicht, sondern sieh' zu,»vie eS konimtl" Lrobatuur est!— Tie Heruer Unrnhcu uud ihre Sühne. Bochum. LS. Okt. (Eig. Ber.) Ob sich die Angabe eines hiesigen Blattes, nach welcher am 2ö. Oktober die letzten Angeklagten wegen des Streiks im Heriicr Revier vor dem hiesigen Landgericht erschienen sind, bewahrheitet, bleibt noch abzuwarten. Erkannt sind im Monat Oktober noch gegen K Angeklagte wegen Nötigung, Hausfriedensbruchs und Körper- Verletzung 48 Monate Gefängnis. » S'�flesamt haben 4S Auacklagte 3» Jahre 4 Monate 6 Wochen und 3 Tage Gefängnis erhalten. Wie bürgerliche Blätter melden, sammeln die Freunde der Zrichthmisvorlage Material in Herne bei— den Zeitnngß-Nedaklioncn, um es im Reichstag bei den bevorstehenden Debatten vertuenden zu können. Nim, die socialdemokratische Partei wird ihnen dienen können, da Mitglieder ihrer Fraktion ebenfalls in Herne gewesen und an Ort und Stelle in den Arbciter-Ouartieren Material gesammelt haben. München, 80. Oktober.(Privatdepesche) Der socialistische Wahlrechts-Antrag wurde von der Kainnrer einstimmig eiirnn Ausschuß zur Vorberatung überwiesen. Ausland. Oestreich-Ungar». Prag, 30. Oktober. An den letzten Tagen fanden in Königgrätz, Leitomifchl, Senftenberg, Przibram und Ncnbydfchow czechifche Kundgebungen ohne ernstere Rnhestörniigeu statt, wobei einige Fensterscheiben zertrümmert wurden. In Kvniggrätz tvurden 0 Ber- Haftungen vorgenommen. In Pilsen und der Prager Neustadt wurden Brieftaste» nnt schwarzem Lack besudelt.— Schweiz. Bern, LS. Oktober.(Privattelegramm.) Bei den ErnenernngS- Wahlen zum Natioualrat wurde die bisherige radikal-demokratische Mehrheit bestätigt. Eine Reihe von Stich- Wahlen, die auf das Gesamtergebnis ohne Einfluß sind, ist not- wendig. Von den socialdemokratischcn Kandidaten wnrdc» gewählt Vogelsanger in Zürich, Wn ll s ch l e g e r in Basel, G schwind in Basel-Land, Triquet in Genf; drei socialdemokratische Kan- didatcn stehen in Stichwahl: Schweizer in Basel, Marr in Bern, Bioley in Neuenbürg. Alle bürgerlichen Socialpolitikcr, die social- demokratische Unterstützung hatten, wurden wiedergewählt. Frankreich. LeSncvcn(Deport. Finistere). 26. Oktober. Heute fand hier die Einweihung des Denkmals für den General Leflü, ehemaligen französischen Botschafter in Petersburg, statt. Derselben wohnten mehrere Generale bei. Der der russische» Botschaft zugeteilte Ritt- meister und Flägeladiutant Prinz Orloff, welcher de!, Boffchafter vertrat, hielt eine Rede, in welcher er rühmend des Generals Lefls gedachte, der die Allianz zwischen den beiden großen Nationen vorbereitet habe. Gleichzeitig gab er im Namen des Kaisers dem Wunsche für das Wohlergehen Frankreichs und seiner ruhmreichen Armee Aus- druck. Die Rede wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Nach derselben wurden Hochrufe auf Rußland und die Armee ausgebracht.—- Italien. Rom, 30. Oktober. Infolge der Einberufung de? Parlaments zum 14. November sind die Abgeordneten P r a m p o l i n i, M o r g a r i und B i s s o l a t i. deren Prozeß wegen Umstürzens der Wahlurnen in der Kammer heute beginne» sollte, aus der Haft entlassen worden, weil zunächst die Eiiiwilligung der Kammer eingeholt werden muß. Rom, 30. Oktober.(„Frankfurter Ztg.") Die Untersuchung deS Gebäudes der Kammer ergab, daß die Holzkuppel dem Einsturz nahe ist. Die Kammer, welche am 14. November zusammentritt, niuß also provisorisch in einem anderen Gebäude tagen; vielleicht wird der große Saal der Nationalgallerie dazu gewählt. Dänemark. Eocialdemokratische Gesetzanträge. Unsere Parteigenossen haben den, Follething den vom Vorjahre bekannten Antrag auf Ab» änderung des Altcrsversichcrungs-Gcsctzcs vom Jahre 1862, femer einen Autrag auf Kürzung der Arbeitszeit(Achtstundcn-Arbcitstag) und einen auf Bewilligung von Staatsbeiträgcn für eine Arbeits- loscu-lkasse eingereicht.—_ Zur Berichtigung des Herrn R. E. May in der Donnerstag- Nummer des„Vorwärts" erkläre ich: 1. Ich habe auf dem Parteitag nicht gesagt, Herr May sende Bcrustciu jede genosienschaftsfreundliche Aeußcrung der deutschen Industrie. 2. Ich habe auf dem Parteitag gesagt. Herr May vor« niittclte Bernstein alle ihm belamit werdenden geuosscn- schaftsfrcuudlichcn Aenßemugen der Arbeiterpresse. Eine andere Darstellung meiner Aeußcrung kann nur auf einem Versehen des Berichtes beruhen. Das, was ich gesagt, ist nicht aus der Luft gegriffen. Harburg a. E., LS. Oktober 1866. Ed. Adler. Vavkei-Ltttchvilszkeu« Das Protokoll deS hannoverschen Parteitages ist er- schienen und zum alten Preise von SO Pf. von der Buchhandlung Vorwärts zu beziehen. ES weist gegen das vorjährige eine er- hebliche Verstärkung auf, da es volle 16 Bogen(304 Seiten) um- faßt,, was a»f die ausführliche Wiedergabe der umfangreichen De- batte über die Grundanschauungen der Partei zurückzuführen ist. In der Ausstattung gleicht eS den früheren, doch weist eS insofern eine nicht unbeachtliche Verbesserung gegen früher auf, als im Kolumnentitel auch stets die Redner genannt sind, deren AuS- führungcn die betreffende Seite enthält. Das ist für die Orientierung in dem umfangreichen Hefte ganz nützlich. Die Tocialdemokratie in der Mannheimer Stadtvertretnug. Nach der am Donnerstag vorgenommenen Wahl zum Stadtrat m Mannheim gehören dieser ans 23 Mitgliedem bestehenden Körper- schast jetzt 4 Socialdeinokratcn an, während in de», ans 66 Personen bestehenden Bürgerausschuß 31 Socialdemokraten sitze». Der Abschied. Genosse Albert Schmidt nimmt in der Magde- burgischen..Pollsstimme" auf drei Jahre Abschied von der Welt mit folgenden Worten: Montag, den 30. Oktober, trete ich die mir an, 26, September dieses Jahres vom lönigl. Landgericht zu Magdeburg wegen Majestätsbcleidigiiiig zuerkannte Gcsängnisstrafe von drei Jahren an. Ich fühle mich veranlaßt, vor meine». Scheiden allen Partei- genossen und Genossinncn, allen Frei», den und Bekannten, die mir in so hohem Maße ihre Sympathie bekundeten, den tiefgefühltesten Dank auszusprechen. Dank auch allen meinen Kollegen, die sich meiner in so hochherziger Weise angciiominci, haben. Die an- erkcilncndcn und teilnehmenden Worte lassen mich meine Verurteilung leichter ertragen, und somit nehme ich Abschied in der Hoffnung aus ein Wiedersehen. Poliieiliches, Gerichilichrs usw. — Eine schmähliche Vorlage»annte Genosse Brenninger in Pasing(Bayern) die Zuchihausvorlage in einer Versa»»»lll»g. Dafür wurde ihn, eine Polizeistrase von 20 M. zudiktiert, obwohl erst vor kurzem das Münchcner Schöffengericht mehrere Polizeistrase» aufgehoben hat. die wegen des Ausdruckes„Schandgesetz'' in An- Wendung auf die Vorlage verhängt worden waren. GemevkfiszLlftliches. Achtung Holzarbeiter! In der Möbelfabrik von Mauz n. G e r st e n b e r g e r in Frankfurt a. O. haben am Sonnavend 68 Tischler, Drechsler. Maschinenarbeiter„nd Poliercrinne,, die Arbeit niedergelegt, weil Herr Gcrstenbergcr seinen Arbeitern eine Arbeitsordnung vorgelegt hat, die für die Arbeiter wegen ihrer rigorose» Bcstimnningc»„nannehnibar ist. So fordert er von seinen Arbeitern nicht mehr' und nicht weniger, als daß sie a»8 de», Holz- arbcitcr-Verbände austreten. Die Vertreter des Holzarbeiter« Verbandes, die nnt Herrn Gcrstcnbcrgcr imterhandeli, wollten, wies derselbe brüök ab, in de», er meinte, in seiner Fabrik sei er Herr und nicht der Holzarbeitcr-Vcrband. Nun, Kollegen allerorts, zeigt durch Euer Solidaritätsgefühl daß Ihr nicht Willens seid, den Frankfurter Kollegen den Kämpf schwer zu machen. Herr Gerstenbcrger sticht nämlich durch Annonrei, n»d Agenten in Berlin. Breslau, Posen, Prag Arbeiter für seine Fabrik. Lassen wir den Herrn mit seinen vier Arbeitswilligen in seiner Fabrik schalten und walte», bis er zu der Einsicht kommt, daß die Arbeiter auch noch als Menschen zu betrachten sind. In Fürstenwalde a. d. Spree hat der Unternehmer L e w i n s o h n, nachdem ber Bcvollmächtigic der Zahlstelle, Kollege Schulz, gemaßregelt worden ist, von seinen Arbeitern verlangt, zehn Stunden zu arbeiten(bis dato neun Stunden). Darum Kollegen, ersuchen wir Euch, nack diesen Orten den Zuzug fern zu halten I. A,: F. S tusche, Olivaerstr. 20 v. 3 Tr. Deutsches Reich. Die zuchthauSbcgeisterten Arbeiter. Kürzlich machten die „Post" und andere Scharfmachcrorgane die Entdeckung, daß auch Arbeiter existieren, die einen größeren Schutz der„Arbeiiswilligen" verlangt haben. Eö waren die Arbeiter der Krefelder Färbereien, die in einer Eingabe an den Bürgermeister um Schutz vor den Streikenden ersuchten. Die Scharsinacherpreffe fabelte von großen Roheiten, Bedrohungen, Anspucken usw. der Sireikenden, bezüglich der Eingabe aber unterließ sie mitzuteilen, daß diese von der Firma den Arbeitern vorgelegt worden war; viele der Arbeiter hatten unter- zeichnet, ohne zu wissen, um Iva« c« sich handelt. Die ZiickhauSpreffe hat wenig Freude an ihrer Enideckung gehabt und es ist merkwürdig still geworden von dem Krefelder Fall Auch da» Nachfolgende werden jene Blätter ihren Lesern natürlich nicht niitteilen. Der ominöser Anspncker, der für einige Zeit seinen Spuk mit der Schars- macherprcffe getrieben, stand vicser Tage vor den Schranken des K r e f e l d e r Gerichts. Er sollte den ArbeitSwilliizen D. angespuckt haben. Es fehlte aber jede Spur eines Beweises. Während D. unter Eid aussagte, der Angeklagte habe ihn bei einer Begcgmmg angespuckt, beschworen drei andere Zeugen da» Gegenteil. D. wurde verschiedentlich von dem Borsitzenden auf den Widerspruch aufmerksam gemacht, aber er faselte stetS etwas von Rache. Er konnte aber absolut nicht beweisen, daß er mit dem Angeklagten je ein Wort gewechselt hatte, also von Rache keine Stede sein konnte. Unter diesen Ilmstäiideii stellte der Amts- anwalt dem Gerichte die ganze Sache anHeim. Der Verteidiger bean- tragte kostenlose Freispreckmng und llebernahme auch derVerteidigungs- kosten auf die Staatskasse.'Der Angeklagte wurde freigesprocheii, und die Kosten der Staatjkaffe auferlegt, aber die Kosten der Ver- teidigung muh er selbst tragen. Da« Gericht stand auf dem Staub- Punkt, in dieser Sache sei keine Verteidigung nötig gewesen. Die ZuchthauSschwärmer haben Pech. Der A ISS gegen einen Arbeitswilligen angewendet zu scheu, ist gewiß nicht all zu häufig. In O f f e n b a ch ist aber vor kurzem der Fall vorgekommen. Die Maurer R. und F. saßen in einer Wirtschaft zusammen. R. bemerkte, daß er trotz des prokla- micrten Streiks arbeiten werde, worauf F. ausrief, daß er ihn dann mit einer Pistole niederschießen werde. Am folgenden Montag wurde der Maurer F.. der die Drohung ausgestoßen, selbst zum Arbeits- willigen und keine acht Tage vergingen, so hatte er schon einen seiner streikenden Kollegen wegen einer harniloscu Aeußcrung ihm gegenüber bei der Staatsanwaltschaft wegen Uebertretuna des§ 153 denunziert. Letztere Handlungsweise gab den Anlaß, daß oer Maurer R. den Denunzianten wegen der ausgesprochenen Drohung des Erschießens anzeigte. Der zum Arbeitswilligen gewordene Maurer F. hatte sich nun vor Gericht wegen dieser Drohung zu verantworten. Das Bericht kam zu der Ansicht, daß die Beußerung des Angeklagten als Scherz aufzufassen sei und sprach ihn frei. Da».Offenbacher Abendblatt" bemerkt hierzu:„Wir sind gewiß die letzten, dj» gegen das freisprechende Urteil etwas einzuwenden haben; ob aber � das Gericht, wenn sich die Anklage nicht gegen einen Arbeitslvilligcn, sonder» gegen einen Streikenden gerichtet hätte, auch die Drohung als einen Scherz aufgefaßt hätte, ist freilich eine andere Frage." Der Rnsstand der Leipziger Straßenbahn- Angestellten soll, wie der„Telegraph" meldet, beendet und der Betrieb in vollem Umfang« lvieder aüfgenommen sein. Ausland. Im Kohlenbecken von Scraing(Belgien) sind Montag früh zahlreiche Bergleute in den Ausstand getreten, in mehreren Gruben ist nur ein Teil der Belegschaften angefahren. Die Aus- ständigen fordern Erhöhung ihres Lohnes. Es wird ein starkes Anwachsen der Streikbewegung erwartet. In den Gruben der Eockerill- gesellschaften wird noch im vollen Umfange gearbeitet. In dem Buchbinderlohnkampf in Stockholm handelt es sich weniger um Lohndiffcrciizcn, als um eine Vernichtung des Organisationsrechtes. Darum hat der Buchbinderarbeiter-Verband nun in einer Generalversamnilnng beschlossen, ein Schreiben an den Meisterverband zu richten und von ihm eine klare MeinnngS- äußerung über seine Stellung zum Vereinigungsrecht der Gesellen zu fordern._ Der Krieg. Die Erfolge der Bocren liegen den Zunft-Militaristen schiver im Magen. In einem gegen uns gerichteten Artikel der „Münchener Allgeinciiien Zeitung" werden die Thatsachen aufs krampfhafteste verdreht, uni Stinimuna für das stehende Heer zu machen. Der civisicrte Mensch könne sich nicht solche Fertigkeit im Gebrauch der Waffen, Marschicren usw. erlverbeu. wie die Boeren. Aber wer«nd was hindert die civilisterten Völker, sich bei methodischer Erziehung zur Wehrhaftiglcit die gleiche Fertigkeit zu erwerben? Jeder Turnlehrer wird dem Zunft- und Zopf-Militarist heimleuchten, der mit dieser Altlveiberlveisheit aufwartet. Zweitens sei die englische Armee nicht so gut wie die französische und russische. Sieistnicht so zahlreich. Aber an Qualität der Mann- schast der fraiizösischen gleich, der russischen weit überlegen, wie sich im Krimkrieg zur Evidenz gezeigt hat, wo die Russen in jedem Zu- sammentrcffen mit den, numerisch stets weit schwächeren Engländern geschlagen wurden. Wir criniierii nur an die Schlacht von Tuker- mann, wo 15 000 Engländer 15 000(fünfzehntauseiio) Russen aus einer Armee von 45 000 kampfunfähig machten. Endlich drittens wird uns vorgehalten: Die Boeren � haben Vaterlandsliebe, deshalb schlagen sie sich so gut. Die Socialisten haben aber keine Vaterlandsliebe— und deshalb konnte das socialistische Milizheer nicht leisten, was das Voerenhcer leistet. Was sollen wir zu diesem Argument sagen? Es ist so dumm, daß es mit Behagen von der„Kreuz-Zeituiig" und anderen Junker' und gtegiermigsblättern nachgedruckt wird. lieber die Vorgänge im Unterhaus kurz vor seiner Vertagung sowie über die Aufnahme der neueren Nachrichten vom Kriegsschauplätze in London schreibt uns unser Londoner Korrespondent vom LI. Oftober(leider durch Raummangel verspätet): Ans dem Parlament. Gestern hat das Parlament wieder eine sensationelle Scene gc- habt, und zwar die vielleicht eindrucksvollste der gegenwärtigen Session, Michael D a v i t t hat zur Bekräftigung seines Protestes gegen den Krieg wider die Boeren in einer leidenichaftlichen Rede seine Mandatsnicderlegimg angekündigt, nachdem tags zuvor Chamberlain die von Davitt und andern Engländern außerhalb des Hauses bekundete Parteinahme fiir die Boeren in einem zur Veröffentlichung bestimmten Brief als„verächtlich und impotent" bezeichnet hatte. Am Montag hatte die Suspendierung eines irischen Parnelliten, Patrick O'Brien, mit einem Ausbruch allgemeiner Heiterkeit geendet, als der Genannte, nachdem er vorher pathetisch Chamberlain als den blutig- sie u Verbrecher bezeichnet hatte, den die Geschichte je gesehen, bei dem Erscheinen des Hanöpolizisten, der ihn gegebenenfalls mit Gewalt aus dem Hans zu bringen hatte, bissig anSricf:„Ihr braucht kein Armeekorps anzuschleppen, Ihr habt es anderswo nötig." Der gute O'Brien ist nämlich der kleinste Knirps, der je im HauS von Westminster gesessen. Mirtiael Davitt aber ist nicht der Mann der unfreilvilligcn irischen Witze. Anders wie das der Gebrüder Redmond oder selbst John Dillons. wird sein Pathos vom Parlament stets mit Ernst angehört. Die ganze Erscheinung dieses hochgewachsenen, einarmigen Mannes mit den dunklen Augen hat etwas natürlich Ergreifendes an sich, das durch die Ermnerung an seine dramatische Vergangenheit noch er- höht wird. Und so hörte man ihn denn achtungsvoll an. als er mit vibrierender Stimme erklärte, der Krieg sei ei» verbrecherischer; an- gezettelt um der schmierigsten und käuflichsten Zwecke willen, die je zu Eroberung und Unterdrückung geführt,»verde er in der Geschichte als das größte Verbrechen des 16. Jahrhunderts figurieren, und wenn man ihm— Davitt— Home Rule«der selbst die Protlainiernng Irlands zur unabhängigen illcpublik für ein Wort oder ein Votum zu Gunsten der Anfteilnng der Unabhängig- keit des Transvaal zusicherte, so würde er dies Wort nicht ausgesprochen, djes Votuin nicht abgeben. Er hoffe und bete, Irland möge sein Recht nie durch einen Akt der Schmach erkaufen. Nachdem er sick» überzeugt, daß das Parlament nur Argumenten der Geivalt zugänglich sei, werde er um Gewährung seiner Mandats- nicderlegung emkomme», und es werde hoffentlilü daS letzte Mal sein, daß er seine Stimme in diesem Haus erhoben habe. E h a m b e r l a i n antwortete ihm merkwürdig milde. Er an- erkannte Davitts würdiges Auftreten und die Aufrichtigkeit seiner Gc- siimuua. Judeö diese Gesinnung sei Feindschaft gegen England und sie würde Davitt zu gerade derselben Stellungnahme und gerade denselben Worten führen, wenn es sich um einen Kampf gegen irgend eine andere Macht, ob groß oder klein, oder barbarisch oder civilisicrt handelte. Für ihn sei England immer im Unrecht und Englands jeiveiliger Feind im Recht. Mit ihm über Details zu argumentieren, sei daher absolut zwecklos. Gegen seine liberalen und wild-konservativen Kritiker lvieder- holte Chamberlain seine Bcteuernng, daß er ehrlich den Frieden ge- wollt habe, daß aber Präsident Krüger und seine Ratgeber durch immer neue Winkelzüae eine friedliche Lösung unmöglich gemacht hatten. Krüger habe(elbst den Führer des AfrUander-BundeS, Hof- meyer, und durch diesen indirekt auch den Minister Schreiner hinters Licht geführt. Es handle sich nicht um Erdrückung der Holländer in Südafrika. Wenn der Krieg zu Ende, werde eS sich zeigen, daß England den Holländern nicht verwciacr»»verde, was e« für seine eigenen Landeskinder verlange, nämlich gleiches Recht. In der Kapkolonie, die englisch sei, hätten die Holländer jetzt die ministerielle Macht. Da« sei doch gewiß nicht Erdrückung. Das heißt mit anderen Worten, gleiches Recht unter Englands Scepter. Aber das gerade ist cS, was die Boeren nicht wollen. Die Stimmuuge» und Hoffuuugen in London. Der Jubel über die Siege von Glencoe(Talana Hill) und ElandSlaagte hat eine sehr beNonnnene Färbung erhalten, seit man weiß. »vie teuer sie erkbuft»vurden und»vie wenig sie die derzeitige Po- sition der Boerenarmee in Natal aeschlvächt haben. Das Dcckungs- mauöver General WhiteS bei Rietfoiiteiii. das den Rückzug General gutes gegen Angriffe der Oranje- Freistaatboeren schütze» sollte und auch beschützt hat, wird von den ernsthafteren Blättern gar nicht als„Sieg", sonder» einfach als erfolgreiche Abivehr be- zeichnet. dank der die Situation aufgehört habe. beängstigend zu sein. Daß sie eS»var, wird also ohne weiteres zugegeben. Und daß sie nicht aufgehört hat, gefährdet zu sein, steht außer Frage. ES stehen der jetzt um Ladysmith konzentrierten englischen Armee im ganzen mindesten« doppelt so viel Boeren auf dem östlichen Kriegsschauplatz gegenüber. Nun ist freilich die englische Artillerie ttärur als die der Boeren. und. wie die bisherigen Treffen gezeigt haben, der geschulte englische Soldat ist unter sonst gleichen Umständen dem Boeren in der Schlacht wesentlich überlegen. Aber die zachlen- mähige Nebermacht erlaubt der Führung der Boeren Manöver, ivelche sich die englische versagen»insz, und so kann die erstere die letztere doch immer wieder aus ihren, wie es hcijzt, jetzt sehr gesicherten Positionen herauslocken oder zur Schwächung derselben nötigen. Die Engländer zu einer entscheidenden Schlacht zu zwinge», bevor die unterwegs be- findlichcu Verstärkungen dieser in Südafrika lande», mnsz aber die vornehmste Aufgabe der Vocrcn sei»— je länger sich dieses Haupttreffcn hinauszieht, um so mehr verändern sich ihre Anssichten und geht der Vorteil verloren, dein zu Liebe Präsident ftriiger das Odium der Kriegserklärung auf sich nahm. Im übrigen hat der bisherige Verlauf deS FeldzugS die beiderseitigen Kriegführenden einander respektiere» gelehrt. Der Ton der englischen Presse— selbst der Jingoblätter— ist ein sehr viel ruhigerer geworden, die wüsten Anklagen gegen die Boeren als Halblvilde haben nachgelassen, und andererseits haben die Boeren sich überzeugt, datz Erfolge wie der von Majuba Hill sich nicht beliebig wiederholen. Es ist ein ernsthafter Krieg, mit allen Aufgaben und Schrecken eines solchen, und was er in seinem Gefolge auch bringt, wird es doch sicher teuer erkauft sein.-- Schlacht bei Ladysinith. Seit Mitte voriger Woche sind Transvaal- und Oranjeboeren an die englischen Truppen bei Ladysmith herangerückt. Heute, Montag beginnt dort die Schlacht, die vielleicht von entscheidender Bedeutung für den gesamten weitern Verlauf des Krieges feiu wird. lieber die Vorgänge seit Sonnabend, an welchem Tage ein, wie es scheint, unbedeutendes Vorgefecht stattfand, liegen folgende Nach- richten vor: Kapstadt, 23. Oktober. Fünf Bataillone Infanterie, drei RcgimenterKavallerie, eine Batterie Gebirgsartillerie, vier Feldbatterien und die Natal-Freiwilligcn rückten aus Ladysinith gegen den Lom- bardskop vor; eine Schwadron Husaren stellte den Fdnd, welcher ei" heftiges Geschütz- und Gcwchrfcncr eröffnete. Zwei Pferde wurden getötet, ein öteitcr verwundet. Der Feind hatte eine starke Stellung bei Dewaals Farm inne; der berittenen Infanterie gelang c S nicht, ihn daraus zn vertreiben, und da durch einen Angriff am Nachmittag nichts erreicht ivcrdcn konnte, bezog die Truppe ein Bivouac. Bei Tagesanbruch zog der Feind sich nach Rietsontein zurück. London, 29. Oktober. Eine Depesche des„Reuterschen Bureaus" ans Ladysmith von heute abend 6 Uhr besagt: Heute war alles ruhig. Die Wasscrzufuhr, welche unterbrochen worden ist, wird jetzt eben wieder hergestellt. London, 30. Oktober. Den„Times" wird aus Ladysinith vom 28. Oktober gemeldet: Die Ballonabteilung hat eine» Fesselballon über der Stadt aufsteigen lassen, ivelchcr die Stellung des Feindes und die Lage der Verschanzungcn scstgcstellt hat' De»„Times" wird ans Kapstadt vom 29. Oktober gemeldet: Nach Nachrichten, die hier aus Ladysmith eingetroffen, sind heute die britischen Vorposten mit den Boeren ins Gefecht geraten. General Joubcrt hat mit den Kommandos des Oranjc-Frcistaateö Fühlung genommen. Die Gesamtmacht der Boeren beträgt 1n Tclegrainm aus Durban a» den„Natal Mereury" meldet, dast die Boeren ihre bei Glcncoe aiigewcndete Taktik vor Ladysmith wiederholen werden, indem sie zuerst einen Scheinangriff ausführen, um alsdann mit dem Gros einen anderen Punkt anzu- greifen. Ladysmith, 29. Oktober. lMeldung des„Reuterscheu Bureaus".) Die Boeren schliesteu Ladysmith immer enger ein. Die nicht ortsansässigen Civilpersoneu erhielten Befehl, die Stadt zu verlassen. Ladysmith, 30. Oktober, 2 Uhr 20 Min. früh. sMeldung des „Reuterschen Bureaus.") Eine Kanonade hat soeben begonnen. Die Boeren werfen Geschosse ans ihren Belagerungsgeschützen: ihr Feuer wurde nach sieben Schüsse» der englischen Battcricir zum Schweigen gebracht. Die Boeren gehe» jetzt auf der linken Flanke der Engländer vor, London, 30. Oktober.(B. H.) Die„Times" veröffentlichen ein Telegramm aus Ladysmith, wonach dort gerüchtweise verlautet, dast sämtliche Munition für den General White, welche auS Durban »ach Pietcr- Maritzburg unterwegs war, von de» Boeren auf- gefangen ivorden ist. Pieter- Maritzburg ist vollständig ab- geschnitten. London, 30. Oktober.(W. T. B.) Eine amtliche Meldung des General White besagt: Heute fand ein Treffen mit Boercntruppcn statt, welche, wie man annimmt, die Streitmacht des Generals Joubert bildeten. Räch mehrstündigem Gefecht wurden die Boeren znrückgcworfc». Die Verluste betragen auf englischer Seite etlva 100 Mann, die des Feindes sind viel beträchtlicher. Der Feind trat in größerer Stärke auf als bisher, auch war seine Artillerie besser als sonst. Im Weste». London, 29. Oktober. Dem„Reuterschen Bureau" wird ans Mafcking voin 23. d. M. gemeldet: Die Beschicstung begann heute früh um 7 Uhr 40 Mi». Die ersten Schüsse gingen fehl, später schlugen eine Anzahl Schüsse in die Stadt ein, richteten aber ivenig Schaden an; drei Geschosse trafen ein jetzt als Hospital dienendes Kloster. Von englischer Seite wurde mir ein Schuß abgegeben, der ein feindliches Geschütz außer Gefecht setzte. Nach drei Stunden wurde gefragt, ob die Stadt sich übergebe, was der Konmiandant B a d c n- P o w c l l V e r n c i n I e. Eine Depesche aus Mafekiiig vom Tage daraus lautet: Die Boeren haben sich der Wasserwerke bc- nmchtigt und dieWasser zufuhrabgeschnitten! doch herrscht keine Besorgnis, da die Wasserbehälter gefüllt sind. Gestern Abend machte eine Abteilung einen Ausfall; sie stieß drei Meilen nördlich von Mafcking auf den Feind, wechselte mit ihm Schüsse und kehrte dann in die Stadt zurück; Konmiandant Sydney Wcbb ist schwer verwmkdct: die Verluste der Boeren sind nicht bekannt. Pretoria, 27. Oktober. lMeldung des„Reuterschen Bureaus".) Hier ist die Nachricht eingegangen, daß Mafeking in Flammen steht. Stimmung gegen den Krieg. Frankfurt a. M., 30. Oktober. lV. H.) Die„Franks. Ztg." meldet aus New Vork: Die französisch-lanadische Presse greift die Regierung Kanadas wegen der Entsendung eines kanadischen Corps nach Südafrika heftig an. Manche verlangen eine Sccession.— In Washington ist das unkontrollierbare Gerücht verbreitet, daß Admiral Schley mit einem Geschwader nach Südafrika beordert werden soll. Pariö, 30. Oktober.(B. H.) Eine Delegation der französischen Afrika-Gesellschaft hatte heute bei dem Minister des Auswärtigen eine Audienz, um diesen zu ersuchen, die Initiative zu internationalen Verhandlungen zu ergreisen, um die Neutralisation der Delagoa- Rai zu sichern._ Vevssmmlungvn. Die KreiSkonfcrenz für Teltow-BeeSkow-Charlottenburg tagte am Sonntag ini Thomasschen Lokal in Nixdorf. Zuerst er- stattete der Kreis- Vertrauensmann Eberhard Bericht über seine Thätigkeit: Es sind im vergangenen Geschäftsjahre zwei Agitation«- touren gemacht worden. Bemerkenswerte Vorkommnisse im Kreise sind nicht zu verzeichnen. Nach dem gedruckt vorliegenden Kassenbericht betrug die Gesamteinnahmen 440,00M.,dieGesanitausgabe3S6ö,33 M.. Bestand 2875,27 M. Unter den Ausgaben befinden sich folgende Posten: Agitation 5857,30 M., Unterstützung 829,50 M., Gcrichtskosten 470,63 M., Diverse 1407,81 M.— Auf Antrag der Revisoren wurde der Vertrauensmann entlastet.— Dem Bericht der Mandatsprüfungs- Kommission zufolge sind auf der Kouferenz 17 Orte durch 46 Delegierte vertreten. Außerdem sind Vertreter der Preß-, jder Lokal-, der Agitations-Kommissio». der Kreisvertrauensmann, der Reichstags-Abgeordnete des Kreises, im ganzen 56 Personen an- wesend.__ Als zweiter Punkt stand die Berichterstattung über die Brandenburger Provinzial-Konferenz und den Parteitag zu Hannover ans der Tagesordnung. Der Referent Z n b e i l besprach die Anträge, die der Kreis zur Branden- burger Konferenz gestellt hatte. Unter anderem bemerkte der Redner, durch Bestätigung der Gründung der„Fackel" sei auch den Genossen dieses Kreises die Pflicht auferlegt, für Verbreitung des genannten Blattes zu sorgen. Wegen der großen Ausdehnung des Wahlkreises und wegen des ungeheueren Einflusses, den die Unternehmer auf dem Lande auf die Arbeiter ausüben, werde es jedoch nicht möglich sein, dem Blatte in den entlegenen Ortschaften Eingang zu schaffen. Sehr eingehend behandelte der Redner die Beschlüsse des Partei- tageS zn Hannover. Die Bernstcin-Dcbatte» seien ein reinigendes Geivittcr getvesen, welches im Interesse der Partei notwendig ivar. Die Delegierten des Kreises haben gegen die Resolution Bebel ge- stimmt, um sich nicht für die Beteiligung an den preußischen Landtagswahlen festzulegen. Sollte der nächste Parteitag sich für die Wahlbeteiligung entscheiden, dann müßten sich natürlich auch die Genossen dieses Kreises dem Beschlüsse fügen; ob sie dem- selben aber mit besonderer Freudigkeit nachkommen könnten, das sei eine andere Frage. Zur Debatte über den Militarismus bemerkte der Redner, der Ausschluß Schippels aus der Partei sei nicht nötig getvesen. Wem so deutlich die Wahrheit ge- sagt worden ist, wie Schippe! auf dem Parteitag, der müsse selber wissen, was er zn thun hat. Die jetzige Wandlung Schippels tverde nicht seine letzte sein und tvir würden ihn wohl nicht mehr. lange als Parteigenosse in unseren Reihen haben.— Der Verlauf des Parteitages habe gezeigt, daß die Hoffnung unserer Gegner ans eine Abweichung vom Boden des Klassenkampfes vergeblich sei. Bedauerlich sei es aber, wenn ein Parteigenosse, wie aus einem Bericht der „Voss. Ztg." hervorgehe, gesagt hat, wenn die Arbeiter mit den Unternehmern Verträge abschließen, dann dürfe man die Bezeichnung „Ausbeuter" nicht mehr gebrauchen. Wer dieser Ansicht ist, meint Zubcil, der verkenne das Wesen des Klassenkampfes. Köster- Schöncberg bezeichnet sich als denjenigen, aufjjdcn die letzte Bemerkung Zubeils sich beziehen soll. Seine Ausführung sei in der„Voss. Ztg." nicht richtig wiedergegeben. Er habe in einer Ver- sammlung in Schöneberg gesagt:„Nachdem die Arbeiter Verträge mit den Unternehmern abgeschlossen haben, nenne man die letztere» nicht mehr schlankweg Ausbeuter, wie man es früher gethan hat. Es sei zu bedauern, meint Redner, wenn jemand, der eine abweichende Meiimilg zum Ausdruck bringt, als Ketzer betrachtet wird. Sellin findet zwischen der Erklärung Kösters und dcni betreffenden Bericht keinen thatsächlichcn Unterschied, und wundert sich, daß es hier, wie die Acnßenmg Kösters zeige, noch größere Bernsteinianer giebt, als man unter den süddeutschen Genossen vermutet habe. Hirsch bc- merkt hierzu: Was Köster gesagt hat, das gehe noch weit über Bernstein hinaus. So lange die Unternehmer als Besitzer der Pro- dultionSniittcl die Möglichkeit haben, Mehrwert aus der Produktion der Arbeiter zn ziehen, so lange seien die Unternehmer Ausbeuter. Daran ändere der Abschluß von Verträgen zwischen Unternehmern und Arbeitern nichts; hierdurch werde nur die Form, nicht aber das Wesen des Klassenkampfes berührt. K ö st e r bemerkt, er habe nur sagen wollen, daß der gewerkschaftliche Kampf heut mildere Formen angenommen habe, wie früher.— Zum Partcitagsbcrichl wurde folgende Resolution angenommen: Die Kreistonfercnz erklärt ihr Einverständnis mit den auf der Brandenburger Provinzialkonferenz und auf.dem Parteitage zu Hannover gefaßten Beschlüssen und verspricht, nach Kräften allerorts für deren Verwirklichung zu sorgen. Hierauf referierte Paul Hirsch- Charlottenburg über:„Die Lehren der W a h l st a t i st i k." Der Referent legte seinen Betrachtungen die von ihm im Auftrage des Kreises bearbeitete Statistik der letzten drei Rcichstagswahlen zn Grunde. Der Kreis Tcltow-Becskow-Storkow-Charlottcnburg weise sehr verschiedenartige Verhältnisse auf; nicht nur der Unterschied zwischen Stadt und Land trete in ihm hervor, sondern auch in den Städten selbst sei die Zu- snmmensetzung vielfach eine grundverschiedene! er erwähne nur Rixdorf und Charlottenburg. In Städten mit überwiegend industrieller Bevölkerung seien gute, zum Teil sogar glänzende Resultate erzielt Ivorden. Iii Orten wie Köpenick, Adlershof. Rixdorf und andere habe die Socialdemokratie so sehr festen Fuß gefaßt, daß es auch den vereinten Kräften der gesamten bürgerlichen Parteien schwerlich gelinge» dürste, sie aus ihrer Stellung zu verdrängen. Andererseits dürfe man nicht verkennen, daß in manchen Orten ein Stimmenrückgang sich bemerkbar mache, der in den Verhältnissen der betreffenden Orte keine Begründung finde. Zweifellos habe es hier au ausreichender Agitation gefehlt. Weniger gut seien die auf dem Lande erzielten Resultate, wenngleich sich auch hier ein Fort- schritt nicht verkennen lasse. Ein geistiges Bindemittel für die Land- bevölkenmg sei unbedingt nötig, da die Agitationstouren allein nicht ausreichend sind, die ländliche Bevölkerung in großen Massen zu uns hinüberzuziehen. Ob die neugcgründete„Fackel" diesem Zwecke entspreche, darüber könne er sich nach der bisher vorliegenden Probe- nunnner noch kein Urteil erlauben. Ei» gutcrAnsang sei damit jedenfalls gemacht. Auffallend seien die vielen während der Wahlbcweguug zn Tage getretenen behördlichen Verstöße gegen das Gesetz. Es empfehle sich deshalb, durch Aufklärung in den weitesten Kreisen dafür zu sorgen, daß die Genossen an allen Orten wissen, wie sie sich solchen Verstößen gegenüber zu verhalten habe». Am günstigsten seien die erzielten Resultate im Kreise Teltow, am ungünstigsten in Beeskow-Storkow. Auch Charlottenbnrg stehe aus leicht erklärlichen Gründen hinter dem Durchschnitt des gesamten Kreises zurück. In Bezug ans die Einzelheiten verweist der Referent auf die gedruckt vorliegenden statistischen Daten. Es komme darauf an, aus den Erfahrungen früherer Jahre zu lernen. Fehler zu vermeiden und das Gelernte zu verwerten, um neue Waffen zu schmieden für den Kampf um die Besreinng des Proletariats und bei den nächsten Wahlen gleich im ersten Wahlgange den Kreis für die Socialdemokratie zu erobern. Dem Referat folgte eine längere Diskussion, die sich Haupt- sächlich darum drehte, in welcher Art die Agitation zu betreiben ist und auf welche Teile des Kreises sie sich vorivicgcnd zu erstrecken haben müßte. Z n b e i l vertrat die Ansicht, der Stimmenrückgang in den Berliner Vororten lehre uns, daß wir den Schwerpunkt unserer Agitation auf die Vororte legen müssen, deren Arbeiterbevölkernng für unsere Ideen naturgemäß zugänglicher sei. wie die Be- wohner der entlegenen ländlichen Ortschaften, dagegen könnten die Agitationstouren auss Land, deren Kosten in keinem Verhältnis zu den Erfolgen stehen, eingeschränkt werden. Eine Agitationstour im Jahre würde genügen, im übrigen müsse man die in Berlin arbeitenden und im Kreise wohnenden organi- siertcn Bauarbeiter als Bindeglied für die ländliche Agitation nnd Organisation heranziehen. Dagegen ist Görke- Charlottenburg der Meinung, daß die Landagitation unter keinen Umständen ver- nachlässigt werden dürfe, wenn sich die Folge dieser von Zubcil bc- sürworleten Einschränkung nicht in Gestalj eines Stückganges der Wahl- stimmen bemerkbar machen solle. Die Agitationstouren dürften erst dann eingeschränkt werden, wenn in den betreffenden Orten ein fester Stamm von Parteigenossen gewonnen ist. In den Berliner Vororten nehme die bürgerliche Bevölkerung zu. hier sei deshalb ein weiterer Rück- gang der socialdemokratischen Stimmen nicht ausgeschlossen und für diesen Verlust müsse Ersatz in den weiter entlegenen Orten gesucht werden. Einige andere Delegierte sind der Ansicht, daß die„Fackel" in den von ihnen vertretenen Orten wenig Eingang finden werde. Hirsch bemerkte in seinem Schlußwort: Menn es sich nur um die Erhaltung des Reichstagsmandats des Kreises handelt, dann möge Zu- beil mit seinen Ausführungen hinsichtlich der Landagitation recht haben. Wenn nian aber die Revolutionierung der Köpfe für die Hauptsache halte, dann müsse man möglichst viel für die Verbreitung unserer Ideen ans dem Lande thnn. Ein Antrag, der die Verbreitung eines die Zuchthausvorlage bc« handelnden Flugblattes befürwortet/ wurde einer zwecks Verarbeitung von Agitationsmaterial bestehenden Kommission überwiese». Hierauf erstatteten die Vertreter der Preß-, der Agitations- und der Lokalkommission kurze Berichte, die debattelos entgegen- genommen wurden. Dann vollzog man die Neuwahlen, welche sol- gendes Resultat hatten: Eberhard- Charlottenbnrg, Kreisvertraueusmann, S e I l i nj- Charlottenbnrg, dessen Stellvertreter. Klein und Hoppe- Rix- darf, Mitglieder der Preßkommission. Schubert- Schöneberg, Agitations-Kommission. Quitt- Rixdorf, Mitglied der Lokal- Konimission. Die Revisoren sind in den Orten Mariendors, Rixdorf und Treptow zu wählen. Der bestehenden Kommission wurde noch folgender Antrag über- wiesen: In den Vororten des Kreises sind in nächster Zeit ein oder zwei Flugblätter zu verbreiten, die sich mit der Lage der arbeitenden Frauen und Mädchen befassen und zur Aufklärung dienen sollen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Für den 16. Kommuual-Wahlbczirk fand am Moulagabend eine Versammlung statt. Stadtv. Genosse D u p o n t erläuterte in einem ausführlichen Referat in vortrefflicher Weise die Forderungen der Socialdemokratie im Roten Hause. Am Schluß seiner Ausführungen empfiehlt Redner, in eifriger Weise für die Wahl des Gen. Theodor M e tz n e r im 16. Bezirk thätig zu sein. Metzner als Kandidat kritisierte noch in kernigen Worten die vielfachen Schäden in der Berliner Stadtverwaltung, die es den selb- ständigen Gewerbetreibenden geradezu zur Pflicht machen, einem Socialdemokratcn ihre Stimme zu geben. In gleicher Weise äußerte sich R i ck e r t. Hoch machte zum Schluß noch darauf auf- merksam, daß am Sonntag, 5. Noveniber früh, eine Flug- b l att- V e r t e iln n g, mittags 12 Uhr eine Wähler- Versammlung im Meßpalast, Alexandrinenstr. 110, statt- findet. Eine Kommnnalwähler-Versammlung für den 19. Bezirk tagte gestern, Montag, bei Spielberg, Köpnickerstraße, in der der Kandidat des Kreises, A. Körsten, referierte. Nachdem der Redner das Dreiklassen-Wahlsystcm und die öffentliche Stimmabgabe entsprechend gewürdigt hatte, erörterte in eingehender Weise die Forderungen der Sozialdemokratie auf kommunalem Gebiete. Durch lebhaften Bei- fall erklärten sich die Versammeltcu mit dem Referenten einverstanden. In längeren Ausführungen kennzeichnete hierauf Genosse Täterow das Verhalten des Liberalismus im„Roten Hause" und forderte gleich- falls auf, für die Wahl der soeialdemolratischen Kandidaten. Als Gegner präsentierte sich ein Lehrer Herr Suppcrs, der nachzuweisen suchte, daß besonders auf dem Gebiete des Schulwesens schon alles auf das beste bestellr sei, nnd daß das, was noch fehlt, auch von der linlsfrcisiimigen Partei, der er_ angehört angestrebt wird. Den Genossen Lohse, Täter o w, T h. Glocke und F r i tz K ö r st e n war es ein Leichtes nachzuweisen, daß die Zustände durchaus nicht so rosig sind, wie sie von Herrn Suppers geschildert wurden, juud die Redner' unterließen es auch nicht, das Vorgehen des Freisinns bei den verschiedenen Gelegenheiten genügend zu kennzeichnen, wodurch der Freisinn ja bewiesen hat, daß er längst alle freiheitlichen Forderungen aufgegeben hat und überall reaktionär auftritt, wo er in der Majorität ist. Mit allen gegen drei Stimmen gelangte eine Resolution zur Annahme, in der sich die Versammelten vollständig mit den Aus- führnngen des Referenten einverstanden erklärten und in der sie sich verpflichten, am Tage der Wahl für den socialdemokratischen Kandidaten A. Körsten, einzutreten. Eine Bersammlnng für de» 33. Kommunal-Waahlbczirk, welche sehr gut besucht war, tagte bestern abend im Schueidcrschen Lokale in der Bclforterstraße. In gespanntester Aufmerksamkeit folgten die Anwesenden den Ausführungen des Reichstags-Abgeordnten P f a n n k u ch, welcher in interessanter Weise aus einige gegnerische Flugblätter einging. Besonders das von freisinniger Seit eheraus- gegebene Flugblatt sei ein Beweis dafür, da die zehnjährige kommunal« Thätigkeit der Socialdemokratie endlich auch diese Partei von der bisherigen Praxis des Gehen- und Geschehenlasscns abgebracht habe. Freilich stellen die Wahlversprechnngcn. der Freisinnigen ihrer Partei das denkbar schlechteste Zeugnis aus. Wohl könne man damit ein- verstanden sein, wenn der Freisinn fordert, der Kandidat solle kein „unbeschriebenes Blatt" sein. Diesem Verlangen entspricht aber der Kandidat der Socialdemokratie im vollsten Maße; denn in dem Worte Socialdemokratie ist ein ganzes Programm enthalten. Prüfe man aber den Freisinn daraufhin, so finde man zwar auch beschriebene Blätter, deren Inhalt aber lautet:„Es wür zu schön gewesen, es hat nicht sollen sein." Die konservative Bürgerpartei, die den Ehren-Stöcker als Kandidaten den Arbeitern zu präsentieren wagt, könne nicht ernst genommen werden. In der Diskussion nicldeten sich Gegner nicht zumWort. Genosse Gerhardt wünscht dringend, daß die socialdemokratischen Stadtverordneten auch für die Errichtung eines Findclhauscs eintreten. Der Vor- sitzende wies daraus hin, daß am Sonntag Flugblatt-Verteilung und mittags 12 Uhr im„Prater" noch eine Wählerversanmilung statt- findet. Centralverband der Maurer. Am 13. Oktober hielten die Cementicrer(Zahlstelle IV Berlin des Centrai-Verbandes der Maurer Deutschlands) bei Buske, Grenadierstr. 33, ihre regelmäßige Mitglieder-Versammlung ab, in welcher Nachtweide unter großem Beifall über„Jndifferentismus in der gewerkschaftlichen Organisation" sprach. Bei der Neuwahl der Vorstandsmitglieder wurde Fliege als erster Bevollmächtigter, Heideprieni als Schriftführer gewählt.— Sodann wird der Kassierer beauftragt, die Namen der schlecht zahlenden Mitglieder festzustellen und sie in der nächsten Versammlung bekannt u geben._ Uvtzke JtarfjJniijfcn und Depesitzen. Braunschweig, 30. Oktober.- Kandidnt: Fritz Preutz, Gastwirt. Das socialdemokratischc Wahlkomitee tagt am Tage der Wahl bei Moll, Klosterstr. 7._ Uokttles. Z»r Ttadtberordneten-Wahl. In dem am Freitag veroffent- lichten Verzeichnis der Straßen, welche der 30. Kommnnahllvahl- Bezirk umfaßt, haben einige Häuser gefehlt. Es sind dies die Häuier Auguststraße 46— 53. Achtung zweiter Wahlkreis. Heute abend 8 Vi Uhr findet für den 6. und 7. Bezirk eine v f f e n t l i ch e K o in m u n a l>v ä h l e r- Versammlung bei Köhler, Teltowcrstr. 38, statt. Referent für den 6. Bezirk: Genosse Ferdinand Ewald. Am Mittwoch, den 1. November, abends 8Vs Uhr, findet eine Versammlung für den 3. B e z i r k bei L o r e n z, Mark- grasen st r. 83, statt. Referent: Abg. Fritz Z u b e i l, Tagesordnung für beide Versammlungen: Die bevor- stehenden Stadtverordneten-Wahlen. Es ist Pflicht eines jeden Parteigenossen, für rege» Besuch zu agitieren._ DaS Wahlkomitce. Koniinunalc Zlrbcltcrfiirsorge. Die Organisation der städti- scheu Schlacht« und Viehhofarbeiter teilt uns mit, daß das Verhalten des Direktors H a u s b u r g immer mehr das Bc- sreinden der Arbeiter errege. Die S ch>v e i n e s e u ch e macht die Anwendung ätzender Desinfektionsmittel notwendig. Nun müssen die Arbeiter in der etwa sieben Morgen großen, in Buchten ein- geteilten Schweinc-Verkanfshalle, sowie auch in der neuen Halle und in sämtlichen Tricbstraßen arbeiten, ohne daß sie mit einer irgendwie genügenden Schutz- Vor- r i ch t u n g gegen die scharfen DeSinfektionsniittel versehen sind. ES gicbt zivar Segeltuchschürzcn, aber diese sind teilweise in defektem Zustande. Auch sind noch sechs Paar Halbstiefcl vorhanden, dock läuft in diese der Kalk von oben hinein. Die Folgen der ungcnügcn- den Sicherung bestehen für die Arbeiter nicht allein in unbrauchbar gemachten Kleidungsstücken, sondern auch in gefährlichen Verletzungen der Hände und Füße. Die Gesuche der Arbeiter um Anschaffung genügender Schutz- mittel sollen anscheinend unberücksichtigt bleiben. Denn alle Vor« Haltungen waren bis jetzt erfolglos und eine am 11. November v.J. an das Kuratorium des Viehhofes gerichtete Petition der Arbeiter ist bis jetzt unbeantwortet geblieben. Ebenso ist einer Deputation, welche schon am 12. Januar d. I. bei Herrn Stadtrat Hübner die Beschwerden und Wünsche der Viehhofsarbeiter vortragen sollte, bis heute noch keines Bescheides gewürdigt worden. Ein hübscher Beitrag zu dem Kapitel: Kommunale Arbeiterfür sorget Mit der Frage der Aufuahuie weiblicher Mitglieder wird sich die im Januar bevorstehende Generalvers animlung der Berliner Medizinischen Gesellschaft nochmals zu beschäftigen haben. Die Antragsteller DDr. Zadel und Freudenberg plädieren heute in der„Med. Reform" zu Gunsten der von ihnen gewünschten Satzungsänderung. Man dürfe keinen zurückstoßen, der den Wunsch habe, der ärztlichen Wissenschaft zu dienen und sein Wissen und Können zum Wohl der leidenden Menschheit zu be- reichern. Auch die Eritisk Medical Association, sowie russische ärztliche Gesellschaften, sowie auch die American Hedical Association, nehmen Aerztinnen als Mitglieder auf. Nun handle es sich allerdings um Frauen, welche die Approbation im Auslande erworben haben. Aber die Medizinische Gesellschaft habe hisher auch im Auslande approbierte Aerzte unbedenklich als Mitglieder aufgenommen und zähle solche noch in ihrer Mitte. Uebrigens werden wir nach der neuen Entschließung des Reichskanzlers unzweifelhaft in wenigen Jahren auch„deutsche Aerztinnen" haben, und dann komme jener Einwand überhaupt nicht mehr in Frage. Die Antragsteller ersuchen Kollegen aus alle» Parteien um ihre Unterstützung. Berliner Franeuklnb�von Diesen Namen trägt ein neuer Frauenklub, der am Sonntag eröffnet worden und in erster Linie für e r>v e r b e n d e Frauen und Mädchen bestimmt ist. Das Klublokal befindet sich S ch e l l i n g st r. 5, dicht beim Potsdamer Platz und bietet den Mitgliedern eine Reihe freundlicher und modern eingerichteter Zimmer, die ihnen von morgens 19 bis abends 11 Uhr zur Verfügung stehen. Hervorzuheben ist ein Empfangszimmer, in dem die Mitglieder zlvangloS Gäste einführen und Besuche empfangen können, ein Lesezimmer mit einer kleinen Bibliothek und einer Reihe von Zeitungen und Journalen, ein Musik- und Konversations- zimmer, sowie endlich zwei Speisezimmer, in denen zu billigen Preisen Speisen und Getränke verabreicht werden. Der Klub hat weiter keine Tendenz und keinen anderen Zweck, als eben den, den Mitgliedern diese Klnbcinrichtnngen zur Verfügung zu stellen. Und da es in Berlin zahllose um das tägliche Brot arbeitende Frauen giebt, die entweder allein stehen oder sich in unfreundlichen, gedrückten Wohnungen bewegen, so muß man anerkennen, daß solche Klub- einrichtnngen für viele eine Wohlthat sind und sich in der Weltstadt immer mehr als ein Bedürfnis eriveisen. Der 5lliib zählt denn auch schon jetzt gegen 490 Mitglieder, vorwiegend Lehrerinnen, Malerinnen und kaufmännische Angestellte, und man hofft auf weitere rasche BemiehiHiig. Der Jahresbeitrag ist sehr billig bemessen; er beträgt 6 Mark und kann in ztvei Raten beglichen Iverde», während der bereits bestehende, vor einiger Zeit begründete erste Franenklnb einen wesentlich höheren Beitrag erhebt. — Wir glauben, gerade da eö sich bei diesen unpolitischen Frauen- klubs in der Weltstadt um ein offenbar vorhandenes Bedürfnis handelt, daß die vorhandenen Einrichtnngen noch keineswegs genügen und daß nian, nachdem der Westen vorangegangen ist. ganz gut daran denken könnte, auch in anderen Stadtgegenden solche Klubs zu begründen. Allerdings müßte immer darauf gehalten werden. daß keine politischen oder religiösen Nebenabsichten mitspielen und daß der Charakter von Wohlthätigkeits-Anstalten vermieden wird. Die kgl. Bibliothek bleibt in Berlin. Diese für viele Kreise frohe Botichaft wird offiziös in folgender Fassung kimdgegeben: Man wird sich erinnern, wie sehr von verschiedenen Seiten der Ge- danke, die königliche Bibliothek aus der Mitte der Stadt in die Gegend des Zoologischen Gartens zu verlegen, bemängelt und angegriffen worden ist und wie lebhafte Kontroversen in den Kreisen der Beteiligten sich über die künstige Lage der kgl. Bibliothek ent- spönnen hatten. Nach längeren Beratungen zwischen den zuständigen Ressorts ist die Streitfrage ninimehr endgültig dahin entschieden worden, daß der Neubau der kgl. Bibliothek auf dem sogenannten A k a d e ni i e v i e r t e l Unter d e n L i n d e n ausgeführt werden soll. Schon im nächsten Etat dürften die Mittel zum Ankauf des ganzen A k a d e m i e g r n n d ft ü ck e s für den Staat als Bau- platz für das künftige Bibliothckgebäude ausgebracht werden. Eine Preiserhöhung auch für Tischlerarbeiten und zivar um 19 Proz. tvird von den Meistern der Berliner Tischlerinnnng beabsichtigt. Sie begründen diese Maßregel damit, daß die Löhne und die Materialpreise gestiegen seien. Um die Erhöhung durch- zusetzen, will die Innung eine Versammlung aller Tischlermeister von Berlin und Umgegend zusammenbernfen. Bon der Universität. Der gestrenge Kurs de? im Verdacht einigen Liberalismus stehenden Rektors F u ch s hat heute ein neues Opfer gefordert. Es Ivurden Flugblätter des socialwissenschaftlichen Studentenvereins konfiseiert, welche nichts enthalten als Pro- gramm und Statuten des Vereins. ES verlautet, die Kon« fiskation sei geschehen, weil keine besondere Genehmigimg zur Verteilung der Flugblätter eingeholt worden sei; da jedoch eine solche Genehmigung keineswegs erforderlich ist, scheint vielmehr das Miß- fallen des Herrn Rektor dadurch erregt worden zn sein, daß in den Flugblättern bemerkt worden war, es werde an Stelle des verbotenen Vortrags der Frau L. Braun ein Vortrag einer anderen Dame statt- finden. Herr Lazarus Fuchs belveist seine liberale Lebensanschauung. indem er seinen Vorgänger, Herrn Waideher, an reaktionärer Be- Hinderung der Studentenschaft weit hinter sich läßt. Die Sorge» einer Provinzial- Synode. Die branden- burgische Provinzial-Synode beschäftigte sich gestern mit folgendem Antrag:„In der Stadtverordneten-Bersammlung vom 26! d. M. hat der Stadtverordnete Dr. Prenß das Kirchenlied„Befiel Du Deine Wege" und den Bibelspruch«Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen" travestiert. Die Provinzial-Synode spricht hierüber ihre lebhafte Entrüstung aus und bedauert tief, daß diese alle Christen verletzenden Aeußernnge» eine gebührende Zurück- weis u n g seitens des Vorsitzenden nicht gefunden haben." Ein Vorsitzender der Berliner Stadtverordneten-Versammlung würde— was man auch sonst gegen die Mehrheit dieser Körperschaft sagen mag— denn doch wohl bald unmöglich werden, wenn er sich von Amts wegen der Muckerei undJFregerci schuldig machte. Zur DenkmalSbeschädigung. Der Ausschuß der Studierenden der T e ch n i s ch e n Hochschule veröffentlicht eine Erklärung, in welcher er gegen den Gedanken protestiert, als könnten die Denkmals- schänder, welche den Vandalismus in der SiegeS-Allee verübt haben, in den Kreisen der Studierenden zu suchen sei». DaS Rektorat der Technischen Hochschule schließt sich dieser Erklärung an, die ja be- greiflich, wenn sie die in bürgerlichen Zeitungen aufgezählten In- dizien auch nicht beseitigen kann. Die„Verl. Ztg." schreibt hierzu: „Wir unsererseits wünschen dringend, daß sich der Verdacht als im- begründet erweisen möge, wir machen aber darauf anfnicrksam, daß gerade diejenigen Blätter, welche es heute so darstellen, als sei die Äeußenmg eines Verdachtes in der angedeuteten Richtung hin eine Beleidigung der gesamten Studentenschaft, die ersten gelvcsen sind, welche den Versuch machten, politischen Parteien, der Soeialdemo- kratie und den Freisinnigen, die moralische Mitschuld an jenem Ver- brechen zuzuschreiben." Uebrigens ist zu melden, daß Kasperle in der„Deutschen Tageszeitung" sich zur Abwechselung auf der sentimentalen Leyer versucht. Indem er ans eine angebliche Aeußerung Kaiser Wilhelms II Bezug nimnit, Ivonach die beschädigten Figuren nicht ausgebessert, sondern als„Denkmal des Barbarisnins" stehen bleiben solle», singt er:„Es ist anzunehmen, daß diese Art der Bestrafung schandbaren Frevels für alle Zeit abschreckend lvirken werde, und vor allem zu wünschen, daß sie auch denen ins Gewissen schneide, die durch Spott und Hohn in Wort und Bild zur Vorbcrcitmig jener ruchlosen T h a t das Ihre thaten." Warum Kasperle auf diese Töne verfällt, ist unklar. Hat er, der ob seiner Hanslvnrstiaden in fast allen Berliner Zeitungen moralische Ohrfeigen bekommen hat, doch draußen im Lande desto größere Erfolge nnfznweiscn. Die meisten Kreisblätter drucken nämlich seine Tollheiten ab, weil sie gegen die Socialdemokratie gc- richtet sind. Werden die Bauern Augen machen, wenn sie lesen, daß die Socialdcinokratcn in Berlin nach Kavaliersart hausen. Ncbcr die Abcntcncr eines Kriminalbeamten bringt eine Korrespondenz die folgende bedenkliche Geschichte: Fortgesetzte Milch- und Sahnendicbstähle ans verschiedenen Bahnhöfen erinnern an große, Diebereien, die vor,, einigen Jahren einmal ein hiesiger Kriminal«� beamter in Hamburg-Altona aufgedeckt hat. Aus dortigen Vorort- zügen verschwanden Tag für Tag Kannen mit Milch und Sahne, ohne daß es den Bahnbeamten gelingen wollte, den Dieben ans die Spur zu kommen. Man nahm schließlich, da die Hamburger Be- aniten zu bekannt waren, um im geheimen wirken zu können, einen Berliner Kriminalbeamten zu Hilfe, der ans ein halbes Jahr nach Hamburg übersiedelte. Dieser kleidete sich, um nicht aufzufallen, als Bahiibcanitcr und fuhr den ganzen Tag hin und her. Aber auch er arbeitete lange Zeit ohne Ergebnis. Schließlich kam er ans den Gc- danken, cS als Kistcnrcisendcr zn versuchen. Er baute sich eine große Kiste, deren Deckel inwendig mit einem kräftigen Riegel versehen war und mit blinden Nägeln anscheinend stark vernagelt war. Die Kiste wurde mit mehreren Butterkisten und Milchkannen in den Gepäckwagen gestellt und, nachdem der Kriminalbeamte in ihr Platz genommen hatte, mit befördert. Durch trichterförmige Gucklöcher konnte der Beamte von der Kiste ans alles beobachten, waS in dem Wagen vorging. Auf den Haltestellen ließen nun die wenigen Beamten, die einen Güterzug überhaupt begleiten, den Gepäckwagen mit Absicht noch besonders unbeaufsichtigt. Ans einer Zwischenstation vor Altona bekam der verborgene Fahrgast, wie man vermutet hatte, auch richtig Gesellschaft. Mehrere Vieh- trcibcr, die einen Transport nach Hamburg begleiteten, erschienen im Gepäckwagen und setzten in diesem ihre Fahrt fort. Nachdem der Zug sich wieder in Bewegimg gesetzt hatte, machten sich die Männer sofort an eine Durchsuchung dcS ganzen Wagens. Sie suchten ans, was ihnen gefiel, und stellten alles zur Mitnahme hübsch bereit. Auch an die große Kiste machten sie sich heran. Sie stellten allerhand Bctrachtnngcu an. was sie wohl enthalten könne, und einer versuchte schließlich, sie mit einem Brechwcrkzeug zn öffnen. Obwohl er gut bewaffnet war, so wurde dem Kriminalbeamten doch etwas schwül, da er darauf gefaßt sein mußte, von den Spitzbuben, die ihrer vier waren, niedergeschlagen zu werden, sobald er entdeckt wurde. Zum Glück war die nächste Station nicht weit, und der Riegel hielt bis dahin. Die Diebe verließen ohne Anfsche» einer nach dem anderen den Wagen, nahmen die Beute mit und begaben sich wieder zu ihrem Dienst. Der Kistcnrciscndc hatte die Diebe genau gesehen, sodaß er jeden einzelnen kannte. Auf der Endstation ließ er sie ruhig gewähren und, nachdem sie das Vieh besorgt hatten, auch die Beute wegschaffen. So lernte man zugleich die Hehler kennen, und noch am selben Abend wurde die ganze Ge- sellschaft dingfest gemacht. Nene NcichSpost-Pricfinarken. Nach einer Verfügung deS Staatssekretärs des Ncichspost-Amts werden mit dem 1. Januar 1999 Postwertzeichen mit einem neuen Markenbilde(dem Brustbilde einer Gerniania) ausgegeben werden. Den schon vorhandenen Werten von 3, 5, 19, 29, 25 und 59 Pf. sollen solche von 39, 49 und 89 Pf. hinzutreten. Die Vorbereitungen, noch höhere Werte zu schaffen, sind im Gange. Im Vorort-Verkehr der Nordbahn ist es seit langem als ein Uebelstand empfunden lvordcn, daß der Fahrplan der an Sonn« tagen bei starkem Andränge einzulegenden„Bcdarfszüge", oblvohl er vorher genau festgestellt wird, nicht dem Publikum bekannt gegeben ivird. Der Verein der an der Nordbahn gelegenen Vororte wird in einer Eingabe an die Eisenbahnbchörde anrege», daß das künftig geschieht. Er verspricht sich davon eine bessere Verteilung des PiibliluinS und eine Milderung der Zugübcrfülliing. Selbstmord einer GcistcSproletaricriu. In tragischer Weise hat die Schriftstellerin Franziska v. K a p f f« E s s e n t h e r, die Gattin des Schriftstellers und früheren Theatcrdirektors Paul Blumenreich am Sonnabendabend ihrem Leben ein Ende gemacht. Sie hat dieselbe Todesart gewählt, wie vor einigen Monaten ihre Berufsgenossin Juliane Dery, indem sie sich in einem Hotel in der Krausenstraße einlogierte und ans dem vierten Stock ans den Hof hinabstürzte. Dieser bedauermverte Tod der unglücklichen Frau ist darauf zurückzuführen, daß sie nach aufreibendem Kampfe um das tägliche Brot keinen Auslveg mehr zu finden wußte, um sich und den Ihrigen das Leben zu fristen. Franziska Kapff-Effcnther war, so schreibt die„National-Zeitung", in ihren gute» Tagen eine gcist- und erfindungsreiche Erzählerin, deren Romane und Novellen in ersten Journalen zum Abdruck gelangten und sich beim Piiblikum großer Beliebtheit erfreuten. Ihre Romane „Stürme im Hafen",„Himmel und Höhe",„Versorgung" zählen zu den besseren Erzeugnissen der Franenlitteratur. Sie war am 2. April 1849 in Lcitomischl geboren und war zuerst mit einem Wiener Knnstkritiker vermählt. Nach ihrer Scheidung von diesem wurde sie die dritte Gattin Paul Blumenreichs. dessen abenteuerliche Beziehungen zum Theater des Westens noiy in unrühmlicher Erinnerung sind. Als er sich nach seiner Wer- urtcilnng der Strafe durch seine Flucht nach Amerika entzog, ruhte die Unterhaltniig der Familie fast allein ans de» Schultern der Frau. Durch fieberhafte litterarische Thätigkeit ans verschiedenen Gebieten suchte die Bercinsanite sich lind die Ihrigen dnichznbringcn, bis ihre ohnehin nicht starke Natur erlahmte iiiid sie den Kampf mit der Not mifflal). Frau ü. Knpff-Essenther war schon seit einigten Tagen von ihren Angehörigen vermißt ivorden. In angestrengter Sorge um den Lebensunterhalt für sich und die Ihren hatte sie sich ei» Augen- und Herzleiden zugezogen. In einem Ausall ihres Herzleidens hatte sie sich aus ihrer Wohnung im Vorort Friedenau entfernt unter Andeutungen, daß sie Selbstmord verüben Iverde. Am Sonnabend- nachmittag erschien sie in dem Gasthof in der Krauscustraßc und verlangte ein bescheidenes ruhiges Zimmer in einem oberen Stock- werk, da sie müde sei und ein wenig schlafen wolle. Nach einiger Zeit kam sie lvieder herunter, schrieb sich ins Fremdenbuch ein, be- zahlte und ging dann Ivcg. Gegen LVe Uhr kehrte sie zurück und schrieb einen Brief an eine Verwandte, worin sie ihren festen Eni- schluß kundgab, ihrem Leben ein Ende zu bereiten. Das Schreiben verbarg sie init den Photographien ihrer Kinder aus der Brust, ver- hüllte ihr Haupt mit einem Tuch und stürzte sich dann rücklings ans dem Fenster des im vierten Stockwerk befindlichen Zimmers auf den Hof hinunter, wo sie mit zerschmettertem Schädel liegen blieb. Zwei Aerzte aus der nahen Unfallstation waren bald zur Stelle, konnten aber nur den Tod der Unglücklichen feststellen, die nach dem Leichen- schauhause gebracht wurde. Ter Raubmörder �osef Gönczt ist mit seiner Ehefrau am Lg. d. M. von den brasilianischen Behörden dem deutschen Konsul Welver in N i o de Janeiro übergeben worden. Das Gericht in Rio hat auf Grund der von den hiesigen Behörden beigebrachten Verdachtsgriuide dem Gesuch des Ausivärtigcn Amtes stattgegeben und die Auslieferung des Ehepaares angeordnet. Der Konsul Welver ließ Göiiczi und Frau in Begleitung zweier Kriminalbeamten sofort an Bord des Dampfers„St. Patria" bringen, der bald darauf die Anker nach Hamburg lichtete. Anfang Dezember dürfte der Dampfer in Hamburg eintreffen. Angeblich leugnet Göiiczi noch immer, die beiden Frauen ermordet zu haben, und die Ehefrau bestreitet nach wie vor, an der That beteiligt zu sein. KiudeSauSsehung. Das Poljzeipräsibiunl teilt mit: Berlin, 30, Oktober 1899. Am 7. v. M., abends gegen 8 Uhr, wurde von einer vcrimitlich mit rotem Kleid und schwarzein Hut bekleideten Frauensperson im Flur des Hauses Großbcercnstr. 29 ein ungefähr li bis 7 Monate altes, mit weißem Hemd, weißem Flanellrock und weißlvollenen Strümpfen bekleidetes Kind männlichen Geschlechts ausgesetzt. Alle diejenigen, lvclche über die Person der bis jetzt nicht ermittelten Mutter oder sonst etlvas zur Sache bekunden können, wollen sich in den Vormittagsstunden bei der Kriminalpolizei, Zimmer 334, 2 Tr., melden. Zur Valcutiuischc« Mordsache bringt ein hiesiges Blatt folgende Meldung: Sehr ernster Charakter beginnt der Verdacht an- zunehmen, daß die beiden in Nixdorf abgefaßten Ein- brecher mit der Ermordung Valcntinis in Verbindung zu bringen sind. So scheint es nunmehr erwiesen, daß einer der Burschen eine blaue Künstlcrschlcife getragen hat, und man wird sich erinnern, daß in der vom Maler Hoffmann gegebeneu Beschreibung der beiden von ihm beobachteten Männer eine solche Schleife ein hervorragendes Kennzeichen bildete. Man weiß auch bereits, daß diese Schleife zusammen mit einigen Kleidungsstücken Kerbrannt Ivorden ist. llntcr den beschlagnahmte» Schlüsseln wurde einer entdeckt, der zu einem dicht am Oranienburger Thor belegenen Hause der Chausscestraße paßte. Die Bedeutung dieses Ilmstnndes ist darin zu erblicken, daß nach dem Zeugnis des Hoffmaun jene beiden Personen in der Ehausseestraße in die Thornische eines Hauses getreten waren. Im Besitze des Schlüssels, hatten sie demnach einen Augenblick daran gedacht, in jenem Grundstück zu verschwinden, hatten es aber dann vorgezogen, nach der Schlcgelstraße zu gehen. Daß die beiden Einbrecher dort gewohnt haben, ist von uns bereits mitgeteilt worden.— Nach einer anderen Richtung aber hat der Fort- gang der Erhebungen zu einem ganz überraschenden Ergebnis ge- führt. Es drängt sich nämlich die Vermutung auf, daß sowohl der Hausdiener SchwanSke, wie der Maler Hoffmann, welche völlig von einander abweichende Beschreibungce der von ihnen beobachteten Per- sonen gaben, doch beide richtig gesehen haben. Mit anderen Worten: Es sind nicht zwei, sondern vier Personen an dem Mord beteiligt gewesen. Auf dieser Linie bewegt sich denn auch jetzt die aufS neue mit vollstem Eifer betriebene Untersuchung. Ei» gefährlicher Fabrikbrand kam Montagabend O1/« Uhr in der Druckerei von Ernst Köpsel, Kommandantenstr. 40, zum ÄuS- bruch. Als daL gesamte Sctzerpersoual bei der Arbeit war, versuchte der Chef, ciucn großen Ballon Terpentinöl auf eine Kiste zu stelle». wobei der Ballon verunglückte und seinen Inhalt über den Setzer- saal ergoß.� Während man noch mit dem Aufwischen beschäftigt war, sing die Flüssigkeit Feuer und setzte im Nu einen großen Teil des Saales in Flammen, so daß die Setzer in fgrößtcr Hast flüchten mußten. Hohe Flammen schlugen sofort aus den Fenstern und es cutwickelte sich ein solcher Qualm daß die in den oberen Stockwerken befindlichen Personen stark bc- lästigt wurden. Die Setzerei liegt im ersten Stock deS rechte» Seitenflügels, während unter derselben sich der Maschincnsanl be- findet. Da das Oel stark in den Fußboden eingedrungen war, so wurde binnen Stunde die Decke des Maschincnsales teilweise mit vom Feuer zerstört. Die Alarmierung war von verschiedenen Stellen aus erfolgt, so daß Mittelfcucr angenommen wurde; infolgedessen rückten vier Züge heran, die den Brand bald erstickten. Die Maschinen find unbeschädigt geblieben. Das Berliner Bcrkehrs-Lcxiko»(Verlag von Max Schildberger, mit Plan von Berlin 49 Pf.) ist soeben in der Winter-Ausgabe erschienen. Es ist dies das einzige Berliner Kursbuch, daS die neuen Winter-Fahrpläne sämtlicher Straßenbahnc» enthält. Bclaiint ist die praktische Anordnung des gesamten Berliner und hier mündenden Eisenbahnverkehrs. Auch tm übrigen enthält das nunmehr im 28. Semester erscheinende Büchlein eine erstaunliche Fülle von Nachweise» über den Verkehr und das vssentliche Leben in Berlin. Ein neuer Kursus für GcsetzcSkunde wird an der 9. städtischen Fortbildungsschule für Jünglinge und Erwachsene am Mittwoch, den I. No- vember, abends 7 Uhr eröffnet. Justizauwärter, Bureaubeamte, Arbeitgeber und Arbeitnehmer der verschiedenen Gewerbe finden hier unentgeltlich Gelegenheit, sich unter Leitung eines Juristen die für die verschiedenstell Lebensverhältnisse witnschenöwerteu juristischen Kenutiliffe anziieignc» und über spectclle Lebensverhältnisse Aufklärung zu verschaffen. Insbesondere werden solpende Gebiete aussührlich zur Behaudlnug gelangen: Gewerbc- recht, Arbeitsvertrag, Handels- und Wechselrccht, Arbettersichcrmig, Vormund- schaftswefeil, Prozeßrecht, Gerichtsverfassnua. Anmeldungen, auch für die verschiedeusten anderen Lehrfächer, wie Zeichiien, Fachzeichncn, Modellieren, Rechnen, Deutsch, kaufmännische Korrespondenz, Französtich, Englisch, Russisch, Buchführung, Physik, Chemie, Stenographie, Maschinenschreibe» und Gesang nimmt der Herr Dirigent Paget täglich zwischen 7 und 9 Uhr abends im Amtszimmer Fruchtstr. 38 entgegen. Orgelkonzert. Der Orgelvortrag in der Marienkirche am Mittwoch, tnittagö 12 Uhr, wird ansgeführt von Herrn Musikdirektor Otto Dienet, träulein Gertrud Mauksch, Fräulein Lotte Dienel, den Herren Alex. Curth. arl Rache, Herni. Gerlach, HanS Ttren, Franz Lachmann, Georg Pickert und Rob. Schwiegelman». Das Programm verspricht mehrere GefaiiaS- quartette, ein Terzett, ein Streichquartett und mehrere Solo-Votträge. Der Eintritt ist frei. Eirknö Schumann. Das alte Markthallengebäude in der Karlstraße ist nun doch wieder zum Cirkus geworden. Als der Berliner Magistrat die weiten Nännle Herrn Ernst Renz über- lassen hatte, waren sie dem Altmeister circensischer Künste jahrelana eine Goldgrube. Dann kamen andere Zeiten. Die vielen Tansende, denen die Arena immer nach der Schauplatz irdischer Wonnen ist, waren auf neue„Ge- schmäcker" gebracht worden. Verwöhnt wandten sie sich ab von der Stätte althergebrachter Pferdedressur und im Jahre 1897 blieb Herrn Renz junior nichts übrig, als seinen CirkuS aufzulösen. Das Matz des Unglücks wurde voll, als die Geschniacklostgkeiten des Olympia-Theaters elend verkrachten und der letzte Gerichtsvollzieher melancholisch von d(innen ging. Nunmehr ist Herr Direktor Schumann mit kühnem Wagemut in die aufs neue zum CirkuS eingerichteten Räumen eingezogen. Schon im Hamburger CirkuS Renz war ihm im letzten Jahr» das Glück hold und es scheint, daß er auch in das Berliner Haus lvieder Licht und Leben bringen wird. Was Herr Schumann bietet, fällt weniger in daS Reich des Ailsiegcnd-Sensationellen als ins Revier der gelehrten Künste, wenn man diesen Ausdruck in Bezug auf die Manege gebrauchen will. In allen Arten schwieriger Pferdedressiir brillierte der Direktor durch Leistungen, die nach dem cmstimmigen Urteil der Fachgelehrten ans dem Gebiete der Hippologie bewundernswürdig und zugleich von solcher Originalität sind, daß sie gesetzlich geschützt wurden. Aber auch solchen Leuten, die nicht in die Jntinntäten dos Vollbluts einzudringen vermögen, bietet der Cirkus Schumann eine Fülle abwechslungsreicher Glanznummern. Männliche und weibliche Jockeys, Akrobaten, Jongleure und Komiker mühen sich in ihren schwierigen Künsten mit Erfolg, das Publikum besonders durch die staunenswerte Sicherheit ihrer Nebungen zufrieden zu stellen. Von besonderem Interesse aber war ein Polospiel auf dem Zwei- rade und die hübsche Darstellung einer Hirschjagd. Der Erfolg des ersten Abends läßt darauf schließen, daß Herr Schumann auch in Berlin auf das Interesse des Publikums bauen kann. Sl»s de» Rachbarvrte». Friedrichshagen. Durch Urteil des Krcisausschusies de» Kreises Nicdcrbarnim ist den Besitzern der Brauerei Müggelschlößche», Wall- bürg u. Jausen in Berlin, das Recht zum unentgeltlichen Ueber setze n von Personen über die Müggel bei Friedrichshagen und zwar zwischen dem Brauereigrundstück und dem Müggelschlößchen insofern zugesprochen worden, als die entgegenstehende Polizei- verordming des Amtsvorstehcrs aufgehoben wurde. Der Streit spielt schon mehrere Jähre, seitdem die Gemeinden Friedrichshage» und Köpenick eine eigene Dampffähre beim Müggelschlößchen errichtet haben. In Fricdrichsfclde findet Mittwochabend 3l/e Uhr bei Bube, Prinzenallee 30, eine öffentliche P a r t c i v e r s a m m l u» g statt, in der außer einem Vortrage des Genossen Jahn die Bericht- erstattiing vom Parteitage sowie die Neuwahl zu den Partciäintern auf der Tagesordnung steht. Ter Arbeiter-BildungSverei» ftir Martendorf und Um- gegcnd beginnt am Mittwoch, den 1. November, seinen„Cyklus" über das Bürgerliche Gesetzbuch im Lokale des Herrn Gchrt in Tcmpelhof, abends 8>/l Uhr. Referent ist Rechtsanwalt Victor Fräukl. Thema: Der sociale Charakter des Bürgerlichen Gesetz- brichcs. Jedermann hat freien Zutritt. Schöneberg. Der Arbeiter-Becrdignngsvercin für Schöncbcrg hält am Sonnabend den 4. November im Lokal zum„Lindcnpark" ein Familienkrünzchcn ab. Wir weisen darauf hin, daß das Lokal zu Versammlungen für die Arbeiter nicht zu haben ist. Die Lokalkonimission. Schönholz. Mittwoch findet bei Mickelmaim, Kastanienwäldchen, eine Volksversammlung statt, in der außer einem Vortrage des Ge- uosseu Kotzte der Bericht des Verttaucnsmatmes und die Neuwahl zu den Partei-Aemtern auf der Tagesordlirmg steht. Die Entgleisung eiueS Güterzuge« rief in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag ans der Berlin-PotSdanr-Magdeburger Eisenbahn recht unangenehme Folgen hervor. Zwischen Burg und Genthin waren einige Wagen eines sog. Kalkzugeö ans den Schienen gesprungen und hatten dadurch das Geleise derartig nnfahrbar ge- macht, daß der nachfolgende, von Magdeburg nach Berlin gehende Nacht-Persoueuzug liegen bleibe» mußte. In Potsdam soll derselbe »in 1 Uhr ö3 Minuten eintreffen, kam aber erst um 4 Uhr 30 Mi- nuten morgens an, so daß eine größere Anzahl Passagiere gezwungen waren, sich die halbe Nacht in den Wartesälen herum- zudrücken. Auch in Brandenburg a. H. ist es ebenso gewesen. Friedrichshagcn. Am Mittwoch findet bei Witwe Schulze, Secstr. 22, eine öffentliche P a r t e i v e r s a m m l n n g statt, in der die Berichterstattung vom Parteitag, sowie die Wahl des Vertrauens- maimcs, der Revisoren und der Lolaltommission auf der Tages- ordnung steht. Soldatenselbstmord. Die„Potsd. Korr." meldet: Montagfrüh hat ein Rekrut der 8. Eskadron des 1. Garde-Ulaiicn-Ncgiments zu Potsdam sich auf gräßliche Weise getötet. Im Morgengrauen hörte man auf dem Kasernenhof, wie ein Gegenstand mit lautem Knall ans das Pflaster stürzte, und fand, als man hinzueilte, den Rekruten mit zerschmettertem Schädel vor. Er atmete zwar noch, ver- starb aber bald daraus im Lazarett, zumal er sich auch noch, bevor er den Todessturz aus einem Fenster der dritten Etage unternahm. die Pulsadern aufgeschiiitten hatte. Dem Selbstmörder wollte das Soldatciileben absolut nicht gefallen und man sah ihn oft weinend und vor sich hin grübelnd in seiner Stube sitzen. Aus gleicher Ver- anlassmig haben sich dieser Tage auch zwei Rekruten der Potsdamer Artillerie je einen Finger abgeschnitten, weil sie durch diese Selbst- versttimmclung hofften, vom Militärdienst befreit zu werden. Beide wurden nach dem Garnisonlazarctt gebracht und ein Wachtposten vor die Thüre ihrer Stube dortselbst gestellt, weil sie, nachdem ihre Wunden geheilt, strenge Strafen wegen Selbstverstümmelung zu ge- wärtigcn haben. In der Jungfernheide hörten Sonntagnachmittag zwei Mädchen einen Schuß fallen mid fanden einige Schritte vom Hinkeldey-Deiikmal entfernt einen schwer verletzten Mann liegen. Sie benachrichtigten den Gntsvorstand der Försterei Königsdamm, Förster Ohncsorge. Dieser rief durch den Fernsprecher die Haupt- wache der Berliner Feuerwehr an und bat sie um Hilfe für den Schwcrverwundeten. Die Hauptwache wiederum beauftragte den 10. Zug in der Pmikstraße. das Erforderliche zu thun. So wurde denn der Mann mit einem Wagen der Feuerwehr abgeholt und nach der Charit« gebracht. Hier ist der Unbekannte seinen Verletzungen erlegen. Ge»mszks�;3eitunA. In dem Prozesse gegen den Verleger der„Gazetn Robodnieza". unseren Parteigenossen Franz Morawsky, der der Be- leidigung der Staatsregierrmg und zweier Beamten in Oberschlesten beschuldigt war, wurde gestern von der dritten Straftainmer des Landgerichts I das Urteil gesprochen, nachdem die Verhandlung vor acht Tage» stattgefiiilde» hatte. Das Gericht kam zu einem frei- p r e ch e n d e n E r k e n n t n i S, da sich nicht habe erweisen lassen, daß der Angeklagte Kenntnis von den beanstandeten Artikeln gehabt habe. Dagegen wird daS Strafverfahren gegen den flüchtig ge- wordenen Rcdactenr Bchnisch aufrecht erhalten. Das Maffeusen-Uuwcseu. Sonderbare Instrumente wurden gcstenr ans dem Zeugentisch der Siebenten Strafkammer deS Land- gerichts I ausgebreitet. Da lagen Peitschen verschiedener Art, Klinten mit Ledersträngen, scharfe Bürsten und außerdenr noch eine Anzahl Gegenstände, über deren Benutzung sich ein Unbefangener keine Vor- tellring manchen konnte. Die Amiahme, daß es lediglich Werk- >ellge waren, die zum Foltern dienen sollten, war ebenfalls eine irrige. Es handeltr sich um einen Prozeß seaen die„Masseuse" Ottilie H a n z w i tz, die der Kuppelei beschuldigt war. Auf dem Tische lag außerdem noch ein ganzer Haufen Bücher und Manuskripte, die letzteren sollen von der An- geklagten selbst geschrieben, und sämtliche„Werke" sollen rmsittlichen Inhaltes sein. Die Verhandlung, die unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit stattfand, muß böse Enthüllungen gebracht haben. Die An- geklagte wurde zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Messerstecher erhielt gestern durch Urteil der dritten Straf- kammer des Landgerichts I eine harte Strafe. Der 21jährige Ar- bester Paul Maransii befand sich in der Nacht zum 4. September in einer Wirtschaft in der Pflugstraße. Seine Mutter sandte ihm seinen 13jährigen Bruder nach, der ihn holen sollte. Dies mag wohl den MaranSki geärgert haben; er ließ seinen l Unmut an dem Bruder aus. Er weckte ihn durch Ohrfeigen, als er in der Wirtschaft einschlief. Daun ging er mit dem Jungen nach Hause. Unterwegs versetzte er ihm noch mehrere Ohrfeigen. Es sammelte sich bald Publikum, welches über die Mißhandlung ab- fällige Bcmcrkuugcu machte. Zu seinem Unglück blieb auch der Dreher Albert Bartz einen Augenblick bei der Gruppe stehen. Plötzlich wandte Maranski sich gegen Bartz und ergriff ihn mit den Worten:„Was wollen Sic von mir?" am Arm. Bartz befreite sich durch eine rasche Bewegung und erhob den Stock zur Abwehr. Im nächsten Augenblick erhielt er von Diaranski einen stich ins Auge und dann einen ziveiten in den vorgehaltenen Arm. Bartz brach zusammen, das Auge war ausgelaufen. Der Uebellhäter ergriff die Flucht, er wurde aber verfölgt, eingeholt und von dem empörten Publikum furchtbar zugerichtet. Der Staatsanwalt beantragte gegen Maranski eine Zuchthausstrafe von vier Jahren. Das Urteil lautete auf drei Jahre Gefängnis. Ter frühere Verwalter des Charitä-Kirchhofes und Bureau- Diätar Otto Wilhelm S t r a n z wuroe am Sonnabend aus dem Gefäiiguisse vorgeführt, um sich zusammen mit seiner Ehefrau vor der neunten Strafkammer des Landgerichts I wegen fortgesetzten gemciiischnftlichcs Betruges zu vermrtworteu. Wie erinnerlich sein wird, wurde Stranz im Juli d. I. vom Schwurgericht zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt. Es handelte sich damals um Unter- schlagungen in Höhe von mehreren tausend Mark, die Stranz zum Nachteile der Chartiä-Direktion begangen hatte. Die dem Ehepaare Stranz zur Last gelegten BetrngSfälle begründen sich auf folgende Thatsachcn: Aus dem Charits-Kirchhofe bc- steht die Eiurichtung, daß sich Personen gegen ein Entgelt von 18 M. eine Grabstelle sichern können, die dann für sie bis zu ihrem Tode reserviert bleibt, auch wenn der Kirchhof mittlerweile für die regelmäßigen Beerdigungen geschloffen werden sollte. Wer eine solche Grabstätte, eine sogenannte„Wahlstelle", erwerben will, hat einen diesbezüglichen Antrag durch Vermittelung des Kirchhofs- Verwalters bei der Charite-Dtrektion zu stellen, welche denselben befürwortend an die hiesige Armen-Direktion, als Eigeniümerin des Kirchhofs- Grundstückes. weitcrgiebt. Die Angeklagten sollen Min in 27 Fällen derartige Wahlstellcn freihändig verkauft und den Erlös für sich verwendet haben. Die Beweis- aufnähme ergab nicht, daß die Mitangeklagte Ehefrau sich an den Strafthaten ihres Ehemannes beteiligt hatte; nach dem Antrage des Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. Schwindt, wurde sie freigesprochen. Der Angeklagte Stranz wurde zu einer Znsatzstrafe von 0 Monaten Gefängnis verurteilt. Schutz den— Staatsanwälten. Ans Dortmund wird mi? berichtet: Einem hiesigen Parteigenossen, der sein Brot als Rechts- konsnlent findet, hatte ein Amtsanwalt Namens von Dewitz in einer Schöffengerichtssitzung den Vorwurf gemacht, er gehöre zu jenen heruntergekommenen E x' i st c n z e n,. die in der S o c i a l d e nr o k r a t i e Unterschlupf fänden und von Arbeite rgroschen lebten. Der Parteigenosse erhob gegen den Amtsanwalt Privatklage wegen öffentlicher ver- l e ii m d e r i s ch e r Beleidigung. Das Amtsgericht gab seinem Antrag statt und setzte den Termin auf den 23. Oktober fest. Dieser Ternrin ist jetzt anfgehoben worden, weil der Oberstaatsanwalt den Kompetenzkonflikt erhoben hat. � In der Begründung der oberstaatsanwaltlichen Entschließung heißt es, in der inkriminierten Aeußernng des Amtsantwalts liege weder eine Verletzung seiner Amtspflichten, noch eine solche strafrechtlicher Grund- sähe vor.(I) Wir heben hervor, daß der betreffende Genosse ein nüchterner und sehr fleißiger Mann ist, der mit Erfolg bemüht ist, für seine zahlreiche Familie nach Kräften zu sorgen. Eine harte Geduldsprobe hatten Zeugen und Angeklagte zu bestehen, die an einein Tage der verflossenen Woche vor die vierte Straftainmer des Landgerichts II geladen waren. Für die erste Sache war nach dein Tenninzettel eine Viertelstunde angesetzt, die betreffende Verhandlung dauerte aber länger als zwei Stunden. Die um 10 Uhr angesetzte Sache nahm endlich um'/sl2 Uhr, der mn Vsll anberarunte Termin um V-k llhr seinen Anfang usw. Es ist ja natürlich nicht möglich, die festgesetzten Teriiiinsstuuden ganz genau innezuhalten, da sich nicht voraussehen läßt. >vie viel Zeit die Zcugeiivernehiiiungcii in Anspruch nehmen. In der ersten Sache kamen aber nicht weniger als 2ö Urkunden zur Ber- lesnng. Wie viel Zeit für den Vortrag eines so umfangreichen schrift- lichen Materials erforderlich ist, lägt sich wohl vorher beurteilen. Man könnte in solchen Fällen bei Festsetzung der nachfolgende» Termine mehr Rücksicht auf die oft recht kostbare Zeit ver Prozeß- beteiligten»ehincn und sollte ihnen nicht zumuten, stundenlang ver- geben» ans dem Korridor zu warten. Einen unverschämte» Mißbrauch mit dem Mitgefühl der Ae« beitSgcnossen hat der Schlosser Louis I u n g b l u t h getrieben, der gestern vor der zweiten Strafkammer am Landgericht II stand. Der vielfach wegen Betruges vorbestrafte Angeklagte arbeitete im Januar und Februar d. I. in der Fabrik von Hugo D u d e ck� in Rixdorf. Im Februar meldete er sich trank. Acht Tage darauf erschien er mit einem kleinen Wickelkinde auf dem Ann und erzählte mit thronenden Augen, daß ihm seine Frau in der Entbindung gestorben ser. Außer dem Kinde auf dem Ann habe er noch drei Kinder zu Hause. Er ivisse nicht ans, noch ein. Er selbst sei arbeitsunfähig, er wisse nicht, wovon er die Frau beerdigen und mit den Kindern leben solle. Der Ehef gab ihm � zunächst 10 M. und da die Arbeiter ans Anregung des Werkmeisters eine Sammlung veranstalteten, so gab der Chef noch einmal 10 M. her. Die Arbcirer selbst hatten 22 M. aufgebracht. Bald trat er wieder in Arbeit, die er nach einiger Zeit wieder verließ. Nun kam die Ehefrau des Augeklagten und verlangte Anszahlung eines Lohn- restes. Mit Erstaunen hielt man ihr vor, daß sie nach Angabc des Ehemannes gestorben und längst begraben sei. Die Frau erklärte natürlich, daß sie davon nichts wisse. Die Angelegenheit kam der Staatsanwaltschaft zu Ohren, rmd das Resultat war, daß Jungbluth zu zwei Jahren Z u ch t h a u s, fünf Jahren Ehr- vertust und 300 M. Geldstrafe verurteilt wurde. Vevserttttttluttgon. Eine öffentliche Versammlung der Steinsetzer Belli»? rmd Umgegend, welche am Sonntag im Lokale Bruinieustr. 183 tagte. beschäftigte sich mit den Vorgängen in der neuen Steinsetzer-igs-> Innung, soweit dieselben für die Steinsetzer, bezw. die Arbeiterschaft von Bedeutung sind. So habe z. B. bei der Wahl des Vorstandes die Gruppe der Scharfmacher über die mehr zu Koinpromisseu neigende Gruppe gesiegt. K n o l l als Referent schlägt tu Bezug hierauf nachstehende Resolution vor:„Die zc. Versaminlung der Steinsetzer Berlins und Umgegend erblickt in der Znsammen- setzrmg des Vorstandes der neuen Berliner Steinsetzer- Zwangsiunung die Bestätigung der Thatsache, daß die Mit- glieder der Innung gesonnen sind, auch fernerhin der Leilrmg derjenigen Personen zu folgen, ans deren Anschaumigen rmd provo- kalorische Maßnahmen es zurückzuführen ist, daß die Verhältnisse in diesem Jahre sich zu der angedrohten allgemeinen Aussperrung. bezw. zum allgemeinen Streik zugespitzt haben. Die Steinsetzer Berlins und Umgegend erllärcn, daß sie deshalb zu dieser Leitung> der Innung nicht das geringste Vertrauen haben, daß dieselbe sich jemals ernsthaft bemühen wird, auch nur den Versuch zur Anbahnung eines auf socialpolitischer Erkenntnis und ökonomischer Gleich- berechtigung der Arbeiter beruhenden Gcgenseitigkeitsverhältnisses zu machen. Die Verantwortung für die in Zukunft sich hieraus ergebenden Konsequenzen haben deshalb diejenigen zu tragen, die diesen Jiinungsvorftanb gewählt haben. Von dem künstigen Gesellenausschnß erwarten die Steinsetzer. daß derselbe allen Versicherungen und Maßnahmen der Innung die denkbar größte Vorsicht bezw. Mißtrauen entgegensetzt. Dagegen verspricht die Versammlung, durch die Schaffung und Aufrecht- erhaltuug einer strammen, allezeit schlagfertigen gewerkschaftlichen Organisation dem Gesellenausschuß den nötigen Rückhalt zu schaffen, damit derselbe stets in der Lage ist, die Forderungen der Arbeiter- schaft ans das nachdrücklichste vertreten zn können." Weiter empfiehlt der Referent einen Antrag, lvonach der am S. November zu wählende Gcscllcnausschnfi sofort nach vollzogener Wahl eine klipp und klare Erklärung von dem JnnungSvorstand fordern soll darüber, ob der in diesem Jahre nach Beendigung des Streiks abgeschlossene Tarif auch von der Zwangsinnung als zu recht bestehend anerkannt wird. Erfolge diese Erklärung nicht oder in ungenügender Weise, dmm soll sofort da? Einigungsaint des Gcwerbegerichts angerufen und zugleich sollen sämtliche städtische Behörden davon unterrichtet werden. Redner begründet diesen An- trag damit, da« man vielleicht eines schönen TageS,»venu die �lon« junktur ctivas sinkt, die Entdeckung machen könnte, daß mit der setzt bestehenden Innung ja gar kein Vertrag abgeschlossen sei. Was endlich die Schaffung einer schlagfertigen Organisation an- betrifft, um die Errungenschaften des Streiks erfolgreich mache» zn können, so hält es der Referent für absolut erforderlich, daß die Steiiisctzcr Berlins und Umgegend einen Kollegen ständig anstellen, der überall sofort einzugreifen habe, Ivo Differenzen vorliegen. Dazu sei es aber notwendig, daß der hiesige Gewerkvcrein seine Sonderstellung aufgebe und sich wieder dem Verbände anschließe. Um den Mitgliedern dieses Vereins zn beweisen, daß nian es ehrlich nicint, ist Redner bereit, dafür einzutreten, daß der anzustellende Kollege ans den Reihen der jetzigen Gcwertvereinlcr gewählt werde. Dieses letztere wollte Redner vorläufig nur als eine Anregung be- trachtet wissen. Die Resolution und der obige Autrag gelangten hieraus zur einstimmigen Annahme. Zu Kandidaten für die am b. November stattfindende Gcscllenansschnß-Wahl nominierte die Versammlung A. Kreckow, I. Lntter, Hnberstroh, Jllmcr, P. Grelitz, W. Peter, F. Dicrberg. Bezüglich der Sammlungen zum Streikfonds wurde beschlossen, dieselben bis zum 2ö. November d. I. fortzusetzen, sodanu die Karten einzuziehen und mit einem Schlnßstcmpel zu versehen. Unter Gewerkschaftlichem fragt Knoll als Delegierter der Kommission für Bauarbeitcrschntz an, ob die Versammlung gewillt sei, aus dem SlreiifondS die Kosten für eine demnächst stattfindende allgemeine Bantcnkontrolle mit kl) Pf. Pro Kops zn bewilligen. Die Versammlung lehnt dieses ab. Weiter wurde vom GescNcuansschuß mitgeteilt, daß die Beschwerde desselben gegen die Firma Riedel, welche die Nachtstunden nur mit 90 Pf. bezahlt, von Erfolg gewesen ist. Dieselbe zahlt jetzt den tarifmäßigen Aufschlag von 50 Prozent. Dasselbe wurde auch noch von einigen aiideieii Firme» konstatiert. Bei einigen Finnen liegen augenblicklich Differenzen vor wegen der Zahl der Fünfzehn-Minutcn-Pausen. Auch diese Angelegenheit wurde dem GrsellcnanSschnß zur Regelung über- wiesen. Nachdem Knoll noch ans die Nammcrbcwcgung hingewicseu und um thntkräfligstc Förderung derselben gebeten hatte, erfolgte der Schluß der gut besuchten Versammlung. Die oben abgedruckte Rc- solution soll auch den Mitgliedern der Innung zugestellt werden. Nnillmelsburg. Hier tagte am Lö. Oktober eine von der Ein- wohnerschast gut besuchte Volksversammlung, lvelche zn dem A u s st a n d e der P e t r o l e u m- K u t s ch e r Stellung nahm. Genosse K a ß l e r, welcher das einleitende Referat hatte, gab ein klares Bild über die Verhältnisse in den Norddeutschen Eiswerken. Die Direktion habe von den schon so wie so niedrigen Löhnen noch abgezogen in Gestalt der Provision, welche bisher jedem Kutscher gezahlt wurde, wenn er die Woche für 200 Mark Ware verkauft hatte, und zwar 5 Proz. Dies sollte nun erst von 350—400 M. Einnahme gezahlt werden. Da es aber unmöglich ist, so einen großen Umsatz zu erzielen, wählten die Kutscher eine Kommission, welche mit dem Herrn Direktor Verhandlungen an- bahnen sollte. Der Kommission, welche zweimal bei dein Herren vorstellig wurde. wurdeZbcdentct. daß. wenn die Arbeiter nicht sofort die Arbeit aufnahmen, sie entlassen seien. Unter diesen Umständen legten alle 34 Kutscher die Arbeit nieder. Auch ein vom Gemeinde- vorstand berufenes Schiedsgericht lehnte der Herr Direktor Frey ab. In der Diskussion sprachen Schumann und Gebauer im Sinne des Referenten. Ein Kutscher führte noch an, daß die Arbeitszeit nicht, wie der Referent gesagt hat, 14—13 Stunden dauert, sondern sogar 18—19 Stunden gedauert hat. Folgende Resolution wurde ein- stimmig angenommen:„Die Versammlung spricht ihre Entrüstung über das Vorgehen des Herrn Direktor Frey ans, und bedauert, daß sich Arbeiter gefunden haben, welche durch Fortsetznng der Arbeit die Lage ihrer streikenden Kollegen verschlechtert haben. Von der Kund- schaft in Arbciterkrciscn der Norddeutschen EiSwcrkc wird erwartet, daß sie aus diese» Vorgängen die nötigen Konsequenzen zieht." Vevmifiszkes- Ter Erfinder der Setzmaschine, Ottomar Mergenthaler, ist am 28. Oktober an einer Lungenentzündung in N e w- U o r k gestorben. Der viel gefeierte Erfinder der Setzmaschine»Linotype" war am 10. November 1854 in Dürrmentz- Mühlnckcr in Württemberg geboren. Von Beruf Uhrmacher, bat er nach langen Kämpfen und Versuchen zu Beginn der achtziger Jahre die erste brauchbare Zcilensetz- und Gießmaschine erfunden. Die größte Anerkennung wurde Mergcnthalcr zu teil, als ihm da? technische Institut von Philadelphia den großen Ehrenpreis für die bedeutendste Erfindung eines Deeenniums zuerkannte. Leider war es dem genialen Mann« nicht vergönnt, die Früchte seiner Erfindungsthätigkeit zu genießen; denn schon seit mehreren Jahren plagte ihn ein schweres Lungenübel, dem er jetzt erlegen ist. Unglücksfall. Bei einer Parforcejagd in der Gegend von Großenhain hat sich der sächsische Thronfolger Prinz Friedrich August am Sonnabend durch Sturz einen Schädelbruch zugezogen, der aber nicht lebensgefährlich sein soll. In der Krctinen- Anstalt Schöubrmm bei Dachau brach Sonutagmittag Großfcuer aus, durch tvelchcs der Turm der Kirche und mehrere zur Anstalt gehörige Stallungen und andere Oekonomie- gebände zerstört wurden. Das Hauptgebäude, in welchem zahlreiche Kretinen untergebracht sind, blieb unversehrt. So weit bis jetzt be» kannt, sind Menschen nicht umgekommen. Von München ging eine Abteilung Pioniere nach Schönbrunn ab. Eine neue Version über daö Schicksal Andröes ist jetzt in England im Umlauf. Kontrc-Admiral Champion hat einen Brief von seinein Neffen Mr. A l st o n erhalten, der in Fort Churchill, dem nördlichsten Handelsplatz der HudsonS Bay Company. seit fünf Jahren in Stellung ist und oie Sprache der ESliinös versteht. In diesem Brief heißt es:„Du wirst überrascht sein, von mir etwas über das Schicksal der Vallonexpedition im Norden zu höre». Am Anfang des Frühlings kam ein Eskimo,„des alten Donalds Sohn", mit einigen anderen Eskimos ins Geschäft. Nachdem die Eskimos ihre Einkäufe besorgt hatten, gingen sie wieder fort, nur Donalds Sohn blieb zurück und erzählte nnr, daß im letzten Sommer im Norden zwei Weiße getötet wurden, imd daß er vermute, sie hätten zu den Leuten in, Ballon gehört. Ich schenkte dieser Erzählung nicht viel Aufmerksamkeit, hielt es aber für meine Pflicht, Dr. Mtlne davon zn benachrichtigen. Später kamen zwei andere Eskimos, Stockly und sein Bruder, zu mir und brachten mir eine Nachricht, nach der es fast zweifellos erscheint, daß die Andrse- Expedition im Norden verunglückt ist. Slocklys Bruder war im letzten Sommer bei einer Jagd ans Bisam-Ochsen mit vier(?) Weißen zusammengestoßen, die ebenfalls Moschustiere schössen. Ein Haufe Eskimos, der um die Zeit in die Nahe der Weißen kam, sah die Tiere nicht, und da die Eskimos infolgedessen dachten, daß ans sie geschossen würde, so zogen sie Pfeil und Bogen hervor und zielten auf die Weihen. Zwei Weiße wurden auf der Stelle getötet. Die anderen zwei ergriffen die Flucht und wurden von den Eskimos verfolgt. Ihr Schicksal ist nicht bekannt. StocklyS Bruder sah die beiden Weißen, die vom Pfeil durchbohrt waren, auf dem Boden liegen. Der eine war ein Mann in mittlerem Alter, klein, untersetzt, der andere ein noch junger Mann. Der Aeltere trug einen Schafwollanzng. Die Eskimos forderten Stocklys Bruder ans, mit ihnen zurückzugehen, da sie weiter nordwärts ein großes rundes Ding, das mit Tabak, Kleidern mid Munition gefüllt wäre, entdeckt hätten, aber er wollte nicht. Er brachte ein Stück von dem Fell, das die Eskimos im fernen Norden tragen, um zu be- weisen, daß er so weit war, wie er sagte." Ein grauenerregender Fall ereignete sich kürzlich im Gon- vernement Minsk, im Dorfe Gory. Die Frau des Bauern Rschcutsko befand sich im letzten Stadium der Schwindsucht und faßte in der Befürchtung, daß ihre Kinder nach ihrem Tode in die Hände einer lieblosen Stiefmutter geraten könnten, den schrecklichen Entschluß, sich und ihre Kinder aus der Welt zn schaffen. Eine günstige Zeit zur Ausführung ihres Vorhabens abpassend, versammelte die Kranke ihre vier Kinder, von denen das älteste IL Jahre alt war, um sich und wickelte sie in Stroh ein. daß sie hternnf mit Petroleum begoß und anzündete. Als man im Dorfe das Feuer bemerkte und zum Löschen herbeieilte, waren die unglücklichen Opfer und die Brand- stifleriu und Kindesmörderin bereits von Flamme» umhüllt, so daß erst nach dem Löschen des Brandes die verkohlten Leichen hervor- geholt werden konnten. Et» dänischer Occandainpfer in Seenot. AnS New U ork wird vom Montag telegraphiert: Kapitän Kämpf von dem hier eingetroffenen Hamburger Schnell� da-npfer„Auguste Victoria" meldet, daß er am 24. Oktober �6 Uhr abends den dänischen Dampfer„ P o l a r st i e rn c n" in Seenot angetroffen. Die„Auguste Victoria" brachte unter großen Schwierig- keite» ein Boot zu Wasser, welche?, geführt von einem Offizier, mit sechs Matrosen den„Polarstiernen" glücklich erreichte und feststellte, daß das Schiff die Schraube völlig verloren hatte. DaS Anerbieten, die Mannschaft des.Polarstiernen" zu bergen, wurde von, Knpitän de« däntschen Dampfers abgelehnt, da er eine migenblickliche Gefahr für sich und seine Leute nicht vorhanden glaubte. Die Paffagwre der„Auguste Victoria" schenkten der Besatzung des Rettungsbootes 1000 M. und die Sängerin Frau Schumann-Heink sowie andere Künstler veranstalteten zi« ihrem Besten ein Konzert, das reichen Ertrag liefert«._ Marktpreise von Berlin am 28. Oktober 18SV nach Eriilitteliingen des kgl. Polizeipräsidimils. D.-Ctr. -IWeize» »Moggc» Futter-Äeest«„ Hafer gut. „ mittel„ „ gering Richtslroh He» PErbsen fiSvKsebohiiil, lwmsn» Kartosselw neu« Riiidflelsch, Kenle 1 kg do. Bauch„ *) Erniilielt pro 15,30 15,30 14,30 15,20 14,50 13,80 4,16 F T 6,- 1,60 1,20 Tonne Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechle Barsch« Schlei» Blei- Krebse 1kg 60 Stück 1kg per Schock 1,60 1,80 1,60 2,80 4,80 2,- 2,80 2,60 1,80 1,80 2,80 1,40 12,- f 2,- 2,30 1,20 1,20 1- 1,~ 0,80 1,20 0,80 2,50 14,30 14,- H- 14,60 13,90 13,20 3,82 25'- 25,— 80,— 4,- 1,20 1,- ....... von der Ceiitralslelle der Preufi. Landwirt» schostskauimern- Noli«ru»M>cllk- und umgerechnet vom Pollzeiprnsidmi» für den Doppcl-Ceiituer. ch) KleliihandelSpreif«. Produkten markt vom 30. Oktober. Die neue GeschäftSiooche eröffnete wiederum in matter Haltung. Nur Oktober-Regge», für welchen noch einiges Deconvert besteht, erzielte bis 75 Pf. höhere Preise. Im übrigen waren Weizen, sowie Roggen HO Pf. billiger zn haben. Emige Posten Kansaswcizen wurden wieverm» nach Deutschland verichlosieii. Haser und Rüböl tendierten fest bei uuverändetten Preisen und stillem Gc- '' Am SptrituSmarkt war weiiig Handel. Loco 70er gab 0,30 M. nach und stellte stch auf 45,90.— Termine blieben ohne Geschäft. Kartosselsabrilate. Feuchte Kartoffelstärle 10,90 M. lo mue Kartvsselstiirle disponibel und November-Dezember 20,75 M. la Starke und Mehl, Mittel-Qualität 19,50-20,20 M. per 100 Kilogramm. E i e r- B c r i ch t vom 30. Oktober. Normale Eier je nach Qualität von 3,221/2—3,60 M. per Schock. Aussortierte kleine Ware je nach Qualität von 2,10—2,35 M. per Schock. Kalleier je nach Qualität vtn— bis— M. per Schock. Tendenz: ruhig. Briefkasten der Redaktion. Di« juristische Sprechsinude findet Montag- Dienstag und Freitag von v— 8 Uhr abends statt. W. B. 5. Von den 5 Milliarden Francs Kriegskosten-EntschädigUllg. die Frankreich 1871 an Deutichland zu zahlen hatte, liegen noch 120 Millionen Mark im Juliusthnrm zn Spandau. Eiue Milliarde hat tausend Millionen. St. St. Der Generalkonsul der Südafrikanischen Republik(Transwaal) in Berlin ist Justtzrat M. Wtnterfeldt, Fralizösischestr. 42. I. B. 4. Srbrcchtltche Fragen lassen stch ohne genaue Angabe deS letzten Wohnortes des Verstorbenen, des Wohnsitzes zur Zeit der Ehe- schliestung, der Frage, ob ei» Testament vorliegt, ob eine Erbteilung bereits stattgefunden hat und andcres mehr nicht beantworten. Wie es scheint, hondelt es sich uni Aiiseliiaildersetzung vor Eingehung einer zweiten Ehe. Dabei konimt ein„Pflichtteil", von dem Sie wiederholt sprechen, nicht in Frage. Sprechen Sie in der juristischen Sprechstunde zur Klarlegung des Falles vor. Witter,».gSnberslcht vom 30. Oktober I8!)!>. morgen« 8 Ilhr. Stationen || H öS BC Swiiicuide. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wie» 757 SSW 755 S 759 SW 765 SW 766 SSW 767 Still f i Weiter 4woMg ÄRegen 2 wolkig llwolkeul llfitb. beb. -Nebel Ii N aS 8- 7393 753!sW 758 NNW 751:328 760, SSW Wetter NvoMg libedeckt S,hl». bed Iheiter 4,bedeckt •öl' ri°- t". SiS 6 8 5 16 Büetter. Prognose für DienStag, den 31. Oktober 18»». Warm und zeitweise heiter, vielfach wolkig mit Regenfälle» und frischen südwestlichen Winden. Berliner W e t t e r b u r e a n. Orts- Krankenkasse der Sattler. Am 28. d. M. starb das Mitglied Ernst Linemann (beschäftigt bei A. Wnnderlich Nächst). Die Beerdigung findet statt am Mitt- woch, den 1. November, nachm. 3 Uhr, von der ThomaSstrabe 5 in Ripdorf nach denr Nixdorser Kirchhof in der Rudowerstrabe. l564b I. A.: 91. Dittberner. Verein der Arbeiter und Arbeiterinne» der Wäsche- und Krawattenbranchc. I'otivs-Ftazeeige. Aui Freitag verstarb nach langem Krankenlager im Alter von 44 Jahren unser langjähriges treues Mitglied, die Näherin Anna Stephan. Die Beerdigung findet Herne, DienStag, nachmittags 3 Uhr, voi» Trauer- Hanse, Marienburgerstr. 30, aus nach dem St. Georgen-Kirchhof, Lands- berger Allee, statt. 251/7 Ehre ihrem Andenken! I>ep Vorstand. Für die rege Teilnahme anlästlich der Beerdigung des Ztuimerert Herrn Gduard Würteinberg sprechen dcsie» Töchter und Schwieger- söhne allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem BcerdigungSveretn Berliner Himmer- leute den besten Dank aus. sS»7b Kranzvindcrel n. Itlnincn. liandlnng von[2474C» Kobert Meyer, IV o. S. marlaniicustr. Xo. S. 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Wilhelmstr. 33; Richter, Lorenz- straße 34; F r ö m m I n g, Lanlwitzstr. 10; Senget, Knrsürstenftr. 35; L ü ck, Chausseestrabe 109; Wenzel, Lanlwitzerstrab« 6.— Xcn- WcisKeusee: Spediteur Heinrich B a ch m a n n, Lehdcrstrabe 1, pari, links.— Pankow: Kümmert, glornstraße 48. Auberdem ist sämtliche Parteilitieratnr sowie all« wiffenschastlichen Werl« dort zu haben. Auch werden Inserate für den„Vorwärts" entgegengenommen. Um genttu-e Angabe der Adresse wird drin- gend gebeten. Sitte»««„ebnelden! 1*5 Bitte lesen! £'!»; TlhmiinUjttüielirik möchte eine neue billige ltbr 1» Silber«nd ZIetall in den ver- schiedensten Arbeiterkreisrn und sonstt- gen Vereinen einführen. Wieder- verkiluler hohe Provision. Reflektanten mit guten Referenzen möchten sich brieflich unter Chiffre C. 5 b. b. Expedition des.Lorwiirt»" melden. 414b« Dr. Slminßl'FÄÄ "........ 2 Treppen rechts Speeialarzt f.Hantn. Harnleide». 10— 2, B— 7. Sonntags 10-12, 2-4.» 4� M [HaiisKayser | Görlihcr Bahnhof, Vlah«. 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Kalfeetassen, weiss io?f. KalTeetöpfe, tunt 8, 10, 12 pt. ÜlChtÖpfe, bunt mit Gold 10 Pf. KalTeeSerViCeS für 2 Fers., bunt mit Porz-Tabl. 1�90 Mk. Französische Tassen dünnes Porzellan, schöne Formen, feine Ausführung bisher 70, 85, 05 Pf. aetzt 48, 57, 88 pf. T afelservices feines Porzellan mit reicher Blumen- und Qolddekoration für 12 Personen bisher 85, li2, 125, 146, 250, 440, 600 Zdk. je... 62, 85, 90, 105, 175, 300, 450 m. Blumentöpfe m't Untersatz, Majolika mit Blumen, 65 Pf. Majolika-Nadelschalen 15 pf. Majolika-Fruchtsciialen 89 pf Majolika-Dessertteller 14, 18, 20 pf Majolika-Kuclientelier 80 pf. Majolika-Kompottsclialen 30«, 42 pf. Kabaretts, zwei- und dreiteilig, 85 Pf. Dessertteiler, bunt mit Gdd. 10, 13, 18 pf Majoiika-Dekorationstelier 20 pf Miiclltöpfe mit bunten Blumen, 10, 12, 14 Pf. MOkkaSerViCeS, bunt Fayence, für 2 Personen, 2,�0 Mk. Französische Kaffeeservices in feinem Porzellan mit schöner Dekoration für 2 Personen mit Porzellan-Tablettes � für 6 Personen bisher fT) y. für 12 Personen bisher-ö rh 1 ft Utr bisher 13,50 Mk., jetzt � 12 Mk., jetzt �' 15 und 24 Mk., jetzt AÖ und IO MK. Waschgarnituren, bunt bemalt, 5 Teile 4,25 Mk. >#V. Zähne 2 Mh.'11 Jahre Gara",ie- fsiiÄÄbir.'srÄ »oiiiuii« schnini Zahnarzt wo.r, jetzt Leipzigersir. 130. ""Kinilll. 8l!lll"'!rZI- Zahnziehen 1 Mai-k. Sprechst. 9-7 Uhr.[b Künstliche Zähne, 3 M. an, vor- zitglich, setzt schmerzt, ein. Plombieren, schmerzt. Zahnziehen, Zahnschm. bes. Rep. sos.(öoldstein, Oranienstr. 123. Uchfltlta I Meine Vereinezimmer, ÄllltlIIIIj, 30— 8g Personen fassend, sind noch zu vergeben. 29041,» P.Zliiinier»iann,3öcIicrf(,40c. H. Grupes Tanz-Institut, Annentiti'.lO(früher Klubhauö). SonniagS-KursuS per Monat 3 M., Dienstagobend-KursuS p. Monat 4M. Säle und Vereliiszimmer für Ver- sammlungen u. 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Stürmisches Lache»! Jubeln! Beifall! errege» um 9«° Uhr: Die Verschwörung der Bcr- tiner Thcatcrdirertoren. gw uhr: Das ist Berlin, die Stadt der Lieder, Am schönen grünen Strand der Spree. 10 Uhr: Berliner Landpartien. 10° Uhr: Berliner Strohwitwer. 101° zzhx. Der Ehc-Automat.�WE 10i° uhr: Die Dex Heintze. 102° uhr: Miqucl und die Kanal- Vorlage. 102° uhr: Panopticiim-Conplet. 10°° Uhr: Die Friedenskonferenz im Haag. Urkomisch! Sensationell! Originell! 10«° Uhr: Der Harmlosen-Prozest in Moabit. IG» uhr: Mit scenhafier Ausstattung! Im Reiche der Secessioil. Großes Ballett! Letzte Woche! Vorher: Letzte Woche! Das brillante Oktober- > Specialitäten-Programm.Me Mittwoch, den 1. November 1399: lv grosse Debüts. Vollständig neues Specialitäten- Programm. Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonn- und Festtags 7i/z Uhr. Rauchen ist in allen Räumen gestattet. Billet-Vor- verkauf: Jnvalidendank, Unter de» Linden 24 und Künstlerdank, Unter den Linden 69.— Telephon Amt I 2126. Ncichshallen. 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Alis. 71/2 Uhr. Kassencröffming 01/2 Uhr. Billct-Vorverkaus vorm. v. II— 1 Uhr. Sonnabend nach der Vorstellung Gesellschaftsabend mit Tanz. Vorzugsknrten haben Güliigkcit. VevtoDes-f Kesten C. Alexanderstr. 40. Fcrnsp. VII 1711. Direkt: V. Bausenwein u.C.Emmerlch. Ansaug 8 Uhr. Anfang. 8 Uhr. Novität! Novität! SJ9~ Es ist erreicht."WfB Burleske von Benno Jacobson. Musik von Franz Wagner. Hierauf zum öl. Mal: Die weisse Henne. Baudeville in 3 Akte». Musik _ von V. Roger._ Apollo-Theater. Abends 3/48 Uhr; Frauljiiiui mit dem Luftballott „CiTrigolatls" Ferner: Otto Reutier O Chavita The Gothams Barra- Truppe etc. etc. etc. Anfang der Vorstellung 772 Uhr. Vorverkauf täglich Im Theater, beim„KUnstlerdank", Unter den Linden 69 und„Invalldendank", Unter den Linden 24 I. Girkus Alb. Schumann. GrUsstcr cquestrischer Cirkus der Welt. Im eleganten neu renovierten Cirkus Renz. Heute. Dienstag, den 31. Oktober, abends präcise 77, Uhr: Vierte krosseGaia-Vorstelhmg ilk Täglich A abwechselndes Programm aus deni bereits bekannt gegebenen grossen Rcpertoir. Die Cirkuskasse ist von 10 Uhr vor- mittags ab ununterbrochen geöffnet. Einlaß Si/z Uhr. Albert Sehn mann, Direktor und Eigentümer. VII. Noacks Theater, Bruiliieiistraße 16. Der Verschwender. Original- Zaubermärchcn in 3 Aus- zügeu(8 Bildern) 0. Ferd. Raimond. Musik von Kreutzer. Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag nach der Vorstellung: Tattzkränzchen. Maehrs Theater Oranicnstr. 34. Grüne Jungs. GcfangSposse in 1 Akt von E l y. Bugen Bessee, Mimiker. Elsa Hesser (prolongiert). Franziska Held. Gertrud Bürgel. Freitags: Familienabend. Anfang 8 Uhr. Sonntags<> Uhr. Worziigökarten an Wochentagen güllig. Cirkus Ruseb. Sonnabend, den 31. Oktober, abends 71/2 Ahr: Grande Solröe Bquestre. Olympische Spiele. Römisches Viergespann. Sturz ans der Höhe der Eirluskiippel WS Wassce. Polo- Spiele zu Pferde. Bicycle- Ein- holuiigörennen. 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E&r Es wird pünktlich eröffnet, stkollegini sorgt, daß jede Werkstatt vertrete» ist. Die Tages-Ordnung ersordert es. Bertranettstnänner-Versantlttsttng für den Bezirk Süden am ZUttn-och, den 1. XoveZMbcr. abends 8V< Chr, Im Lokal des Herrn Krieger, Wasscrtkorstr. öS. Mjüisii, Holzarbtiltt! Am Mittwoch, den 4. November, abends 8 Uhr, iin Lokal des Herrn JnlinS Wernau, Schwedterstraffe Nr. 23: Oeffentl. T a g e ö- O r d li u 11 g: l. Der Streik bei der Firma Karl Hüiier, Schönhauser Allee, und bei Abels«!� Comp., Bernaucrstrasse, Die Kollegen werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. 2' Der Vertrauensmann. 2. Diskussion. 177/11 WkitkMltlltkr-|f iTii if rlin. Am DonuerStag, den 2. November, abends 87s Uhr, bei Bnske, Greuadierstr. lt3: Mitglieder-VersammlUNg TageS-Ordlinng: I. Besprechung über die Pariser WeltaiiSstelliiilg. 2. Wie stellen wir unö zu der Abänderung des Unfallverstchernngs- Gesetzes's. 3. Bespiechung über die auf Grund deS Jnvalidengeu'tzcs vor- znnchmcnden Wahlen der Beisitzer sur die untere Verwaltungsbehörde. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. 33/13 I. A.: Bd. Varnst, Schrifisührcr. .H.ckiaiiiiK'. Doiliicrotag, 2. November, abendS 8 Uhr, in den Arminhallcn Lkommandantenstrassc 20 VevsomtMlunÄ der im Vergolder-Gewerbe beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Tages-Ordnung: l. Arbeitsniederlegung bei der Firma Davidsohn(früher Königsberger) und iliiscre Beivegung im allgemeinen. 2. Bericht des Gewerkschasts-Dele- gierten. 3. Verschiedenes. 227/6 Kollegen! Erscheint alle in dieser Versammlung, besonders von der Firma Leonhardt u. Nuthenberg. Bertrouensinann der Bergolder Berlins. Achtung! Mckllllrdeittl'! Achtmg! Mittwoch, den 1. November, abends 87z Uhr, im KVslluor Hof KöSlincrstrasse 8 Gr. öffentliche Versammlung TagcS-Ordnung: 1. Der Ausstand in der Motorfahrzeug- und Motorenfabrik vormals Altmann u. Co. in Marienselde. 2. Diskussion. Im Interesse aller ist zahlreiches Erscheinen notwendig. 280/2 Der Elnbernfer. AM««! Friedrichsielde. AMusl Mittlvoch, de» 1. November, abends 87z Uhr, im Lokal deS Herrn Rnbe, Prinzen-Allee Nr. 30 Oeffentliche 223/10 Pai'tei-¥ ersamniluii� für Männer und Frauen. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Paul Jahn über:„Die Klassengegensätze der bürgerlichen Gesellschaft." 2. DiSlnssion. 3. Bericht von der Kreiskonferenz nnd vom Parteitag. 4. Bericht und Neuwahl des Vertrauensmannes nnd der Lokalkoiniilisston. 5. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten wird ein Entree von 10 Pfennig erhoben. Ilm zahlreiches Erscheinen ersucht_ Der Vertrauensmann. � Wedding-Park Müller- Strasse 178. Norddeutsche Sänger. Biegler, Wolf, Hohenberg etc.[* Entree 20 Pf., Vorzugsbillets 15 Pf. Sanssoiici Kottbnsorstr. 4n. Täglich außer Sonnabends Mnmnns Norddeutsche Sänger. Anfang wochentags 8 Uhr. Sonntags 672 Uhr. Donnerstag und Freitag nach der Soiree: Tanz. Hoffmann mlt'n Leierkasten.— Säle zu Festlichkeiten. Saal f. 150 Pers. a. Sonntags' Dienstag, 31. Oktober, abends 8 Uhr, im Kolberger Salon, Kolbcrgerstr. 23: den 2. 46., 47. und 48. Bezirk. T.-O.: 1. Vortrag dos ReichstagS-Abgeordueteu Paul Singer über:„Kommunal-Freisinn". Diskussion. 220/13 Zahlreichen Vcslich erwarten I»io I. 5�ommttttaltvahl-�?ezirk. Hcnte, Dienstag, den 31. Oktober, abcndö» Uhr, im Lokal .Englischer Hof". Rene Rohstrahe Nr. 3: Tag es-Ordnung: 1. Die beuorsieheudeu Koiuniunalwahlen. Rcserent Stadtverordneter Bernhard Itrun». 2. Diötussion. Uin zahlreiches Erscheinen ersucht 208/3 Da« Komitee. Oeffenll. Kommunalwähler-Versammlung _ für den 6. nnd 7. Bezirk D,eust.ig.»1. Oktober, abdö.«-/e llhr. bei Äiihler. Teltowerpr. 38. Referent Kandidat dcS ti. Bezirks tÄaslwirt»'erd.«„»Id. Mr de,t 3. Bezirk am Mittwoch, den I. November, abends H'/s Uhr, im Lokal jt �. bcö Lorenz, Rtarkgrafenstraste Nr. 83. _ Referent Reichstags- Abgeordneter und Stadtverordneter I'rlt» Unheil. s Die Genossen werde» ersucht, zahlreich tigen Versaminlunge» zu erscheinen. 211/5 und pünltlich in diesen wich Das Komitee. Kommmtalwähler des Av. Bezirks, umfassend die Stadtbezirke 157, Ivo, 189, 190, 191. 192, 193. Um Dienstag, de» 31. Oktober, abends 8Vs Uhr, im Lokal „Elyfium", Landsberger Allee 40—41: Oclfcittliclie Tages-Ordnung: 1. Die hevorstehendcn Stadtverordneten-Wahlen. Referent der Kandidat des Bezirks: lluxo Ilelrnann. 2. Dtstussion. 243/12»_ Das Wahltomitce. Kommunalwähler der III. Älbteilttug des 36. Bezirks. Dienstag, den 31. Oktober, abends 8Vz Uhr» im Lokal„Alter Dessaner", Artilleriestrafte Nr. 32: Verfttttunlung. T a g e S- O r d n u» g: I. Vortrag deS Kandidaten Vcrlagsbnchhlmdlers 3eh. 8nssenhael». S. Freie Aussprache.— Hierzu sind alle Wähler sreundlichk eingeladen. i 217/0 Das Wulilkoiultec. Orts-Krattkenkasse des Mllilmgmerlies Donnerstag, den v. November. � abends S'/a Uhr,[5526 in oen Arminhallen, Kommandanteu- strahe 20: Ettterlll-Verslliilmluiig der Vertreter der Kassenmit- glicder und der Arbeitgeber. Tages-Ordnung: 1. Bericht Uber die Thätigkeit des BvrstaiideS. 2. Definitive Geuehmt- gung des mit dem Verein der frei- gewählten ttasienärzte abziischliebenden Beitrages fsir daö Jahr 1900. 3, Er- gänzungswahl zum Vorstande 1900- 1901 für die ansschcideiidcn Mitglieder: a) von den Arbeitgebern: die Herren Linke nnd Dräger; b) von de» Kasscn- mitgliedern:dieHen'eil Linde, Schläger, Kelpiu, Haehncl und für den pro 1899 auf Grund des§ 40 des Äasscn- statntS gewählten Herr» Bnchholz. 4. Wahl des Rechlnings-AusschnsfeS. 5. Antrag des Vorstandes a»f Er- Weiterung der Kassenleistuilgen und zwar: Gewährung von Krankenhaus- pflege an mit Geschlechtslciden behaftete Personen. Ferner: Bei un- unterbrochener scchSmonatlichcr Bei- lragszahlnng während der lehten Mitgliedschaft: l.Zahlimg des Kranken- geldes für solche Festtage, welche auf Wochentage entfallen; 2, Gewährung von einem Zehntel dcS Krankengeldes an diejenigen, welche sich im Kranken- Hanfe bcstiidcn nnd keine Angehörige haben; 3. Erhöhung deö Sterbegeldes vom 20 fachen auf den 30 fachen Be- trag des im§ 12 des Statuts fcst- gesepteii dnrclischnittlichcn TagelohnS. Berlin, den 22. Oktober 1899. Der Borstand. D. Daehne._ A. Kelpin. Blttmciihnnblttug und Kranzbindcrei von f2932ü» Iva 4.dmlral»8tras«e Iva «inpfiehlt Widinungstränzc, Sträuße, Kotillunö, Topfgewächse aller Art. Achtung! N> A U R Ei R. Achtung! All! Mittwoch, den 1. Noveinber, ltbtilds 8 llhr, bei Deller, Kopneitstritbe Nr. Zf): Grofte öffentliche Versammlung dev Meiuvev Verlins n. Mlingvgond. Tages-Ordnung: 1. Das Systcm der Lohnarbeit und ihre Auswüchse. Referent Kollege Silberschmidt. 2. Die Jnnehaltung der Vertragsbestimmungen bei den Bundesmitgliedern nnd Beschlutz- fassung über die Verallgemeinerung derselben bei den übrigen Unternehmern. 3. Gewerk- schaftlichcs. Wir ersnchcn die Kollegen, siir diese Versammlung die größte Propaganda zu cntsalten. _ Tic Verba»dsleit»»a. I. A.: Itarl I»all«er. lüplsr»"MR Achtung! 137/15 Achtung! Mittwoch, den k. November er., vormittags 10 Uhr: Oeffentl. VersanlUltnug!>tr Töpstr Ktttins unii Wg. bei Keller(grofter Saal), Koppenstrafte 20. Tagesordnung: Können wir den Generalstreik aufheben? Jeder Kollege muß in dieser Versammlung anwesend sein. 191/3 Die Lohnkommissio». Mliz! AlllttlIIg! Mittwoch, den 1. November 1800, abends 8 Uhr: Grosse öffentliche Formerversammlimg i n„Kolberger Salon". Kolbergerstrafte Nr. 23. Tagesordnung: 1.„Ist es vorteilhaft, den Beschluß der öffentlichen Versammlung, Streikarbeit be- treffend, ausrecht zu erhalten?" 2. Das Vorgehen der Metalliiidustriellen. 61/1G Diese Versammlung ist von beiden daran beteiligten Organisationen einberufen, daher ist es Pflicht eines jeden organisierten und nnorganisicrte.i Formers, in dieser Versammlung zu erscheinen. I. A.: A. P._ Achtung! Sichtung! Weiter- Cksaugmeiu..Nord" (M. d. Arb. S.-B.) Sonnabend, 4. Novbr., bei Ballschmieder(Gesnudbrniinen), Badstraße 1V: bvöb _ iOjähriges Stiftungsfest Freunde, Gönner, sowie ehemalige Mitglieder des Vereins sind hiermit besonders eingeladen._ l>a» Komitee. Extraausgaben für Suppenlmochen spart die Hausfrau, wenn sie zum Würzen der Suppen verwendet, wovon ein gnnx kleiner Znsatx nach dem Anrichten genügt, um, selbst nur mit Wasser und etwas Grünem hergestellte Suppen, ausserordentlich kräftig u. wohlsohmeekend zu raachen. In Original- Fläschchen von 35 Pf. an zu haben bei Frledr. Stockmann, NW., Eostockerstr. 1. Original-Fläschohen zu 65 Pfg. werden zu 45 Pfg. und die zu Äl. 1,10 zu 70 Pf. mit Maggi nachgefüllt. MAGGI Nene Zeit zn kanfen gesucht. Aeltere Jahrgänge»ud den Jahrgang 1898/99. 233/18 Angebote erbittet schleunigst Buchhandlung Bormlirts. _ Berlin SW,, Bentüstr. 2. »»«äBiBaa�TillKTWfTTfWIWi'"™8 Fischer- Flscher- str. 10.• Ol. 4» 9tr. 10. Specialvorträgo aus dem Gebiete der Elektrotechnik. Dauer 1 Monat. Beginn 3. Novbr., abends 8 Uhr. Wegen grossen Andranges Anmeldungen schleunigst. Näheres durch Prospekte. Andrcsen, Ingenieur, früher 1. Lehrer Ines. Anstalt. S.Ziehiliiftd. 4. Klasse 201.Kgl.Pre»tz. Lotterie. ZidäiiM vom su. Cllobtc is'.iu, uocmilMflS. flut die Vivimie öder avSO Slinrl sind cm btlriPHbn Auumicrit in Plirnttha- fiiigejügt, (Ctnr älowShr.) 99(5001 102 204[300] 443 588[1000] 698 715 24 893 949 80 99 1060 121[5000] 314 70 633 73 837«050 83 15001 €9 185 410 76 535 31 600 74 727 48 93 078 8024 1300] 85 46« 216 83 456 82 524 790«254 511(300]«21 710 1500) 865 902 6073[1000] 278 313 403 ÖU(500) 30 671 808 ,53 «23[300] 41«106[500] 208 63 370 463[500] 536 711 875 »001[500] 422 526 73« 822»20 Ol>8153 76 311 85 449 51 647 621 79 724 818 936 54[300] 0133 433 44 673 719 94 10070 270 366 96 457 558 801 99 11281 53 1 695 746 8o 927 90 18010(1000] 210 24 32 466 95 504 99 621 776 916 013041 381 515 28 70 601 4 1 64 87(300] 716 668 83 1 4142 *4(3000J 329 88 526 807 75[300] 902 18070 198 316 1300] «51 716 815 65(300] 60 1*1049[300] 169 95 231 41 449 745 «07 58 1 7003 6 160[500] 258 99 438 502 766 70[1000«] >»1[3000] 802 954 18237 447 88 757 1U005 157 219 33 58 682 619 772 80 82.0 54 90»70 . 20019 135 342[500] 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