Nnterhaltungsblatt des'Vorwärts Nr. 42. Sonntag, den 23. Februar. 1904 (Nachdruck verboten.) 9t Bfthcr Cdatcrs. Roman von George Moore. VII. Die Barfields und ihre Partei rechneten mit Bestimmtheit darauf, einen großen Coup zu machen. Bayleaf. so argumentierte Mr. Leopold, ist heißer Favorit für eine Million und mehr, wenn ihn der Handicaper nicht zu hart anfaßt und ihm nicht mehr als sieben Stein zu tragen giebt, und Silberschwanz, der noch einmal mit Bayleaf Probiert wurde, und zwar mit demselben Resultat, würde mit bloß sechs Stein starte». Es hatte noch mehr geregnet, die Heuernte war völlig vernichtet worden, die Getreide-Erntc stand in großer Gefahr: aber wer fragte jetzt noch nach ein paar'Scheffeln Weizen? Ein Pfund Muskel mehr in diesen prachtvollen Pferdeschenkeln war tausendmal mehr wert als alles Getreide, das man in der ganzen Umgegend zwischen hier und Henfield ernten konnte. Mochte es doch regnen, so viel eS wollte: mochte auf den Feldern doch jeder Halm zerstört werden, tvas schadete das. wenn die kostbaren Rennerbeine nur gesund blieben! Das war der allgemeine Gedankengang in Woodview, und während der letzten paar Tage hatte fast die ganze kleine Stadt und nicht wenige der Pächter, die eS müde geworden waren, ihre Felder bei dem beständigen Regen verfaulen zu sehen, den gleichen Gedankengang ergriffen. Das Spielficber breitete sich mit epidemischer Gc- schwindigkeit aus, und an den unerwartetsten Plätzen brach die Krankheit hervor. Der Bahnhofvorsteher, der Bahnhof- Portier, die Droschkenkutscher, alle hatten ein bißchen gewettet, und trotzdem zwei andre sehr beliebte Pferde— Prisoner und Stoke Newington— in dem Rennen mitlaufen sollten,>var doch das meiste auf Silberschwanz gesetzt worden. Gerüchte von großartig abgelegten Proben des letzteren waren bis Brighton gedrungen. Die plötzliche Entdeckung, daß der„Kleine Teufel" ein paar Pfund an Gewicht zugenommen hatte, war der un- crläßliche bittere Tropfen in diesem Freudenbecher und erregte allgemeine Bestürzung. Die strengsten Skachforschungen wurden angestellt, wo und auf welche Weise der„Kleine Tenfel" so viel Nahrung hätte bekommen können, um so an Gewicht zuzunehmen. Ter„Alte" ließ den Jungen zu sich heraufkommen und flößte ihm allerhand Nkedikamentc ein, wobei er ihn scharf be- obacktete, daß auch kein Tropfen verloren ging, und als das Resultat dieser Kur sich eingestellt hatte, wurde er in zwei mächtige Ueberzieher gepackt und so auf seinen üblichen Spaziergang nach Portslade geschickt. Auf diesem Spazier- gange begleitete ihn William, dessen lange Beine den kleinen Kerl zum fürchterlichsten Rennen zwingen mußten. Als er zurückkehrte, waren schon ein paar prächtige Federbetten für ihn bereit. Mr. Leopold und Mr. Smindles selbst packten ihn ein, lind als sie nach einiger Zeit merkten, daß er nicht mehr ordentlich in Schweiß war, bereitete Mr. Leopold ihm eine schöne heiße Tasse Thee. Auf diese Weise pflegte der„Alte" sich das überflüssige Fleisch früher runterzuschwitzen, zur Zeit, da er dm Preis in Liverpool gewann. „'s ist ja des„Kleinen Teufels" eigne Schuld," jagte Mr. Swindles,„wenn er nicht so gierig beim Fressen wäre, brauchte er jetzt nicht zu schwitzen lind hätte uns eine Menge Arbeit und Sorge erspart." „Gierig!" murmelte der kleine Junge, der durch den heißen Thee schon wieder in neuen Schweiß geriet.„Seit drei Monaten Hab' ich nicht mehr ordentlich zu Mittag gegessen. Ich habe nicht übel Lust, die ganze Sache aufzugeben." „Aber nicht, bevor dieses Nennen vorüber ist," sagte Mr. Swindles.„Was meinen Sie. Mr. Leopold, sind die Bctttiicher nicht schon etwas abgekühlt? Ich denke, ich stecke ein paar Wärmflaschen hinein." Der„Sileine Teufel" begann zu schreien. „Ilm Gottes willen, Mr. Leopold! Lassen Sie ihn nicht mit der Wärniflasche herankommen, sonst schmilzt er mir das bißchen Fleisch ab, das ich noch habe." „Mach' Du lieber keine Geschichten," sagte Mr. Leopold. Wenn Dll nicht gehorchst, weißt Tu ja, daß Du noch inehr Medizin bekommst, und noch mal mit William spazieren laufen nlußt." „Wenn wir die Betttllcher nicht wärmen," sagte Mr. Swindles,„so wird er im Augenblick ganz trocken sein." „Keine Idee! Ich schwimme ja iin Schweiß." „Na, na, sei nun jetzt ein guter Junge, dann sollst Dll auch ein schönes Stück Hammelbraten bekommen, wenn Du wieder aufstehst," sagte Mr. Leopold. „Ein Stück? Nein, zwei!" „Ja, weißt Du, das können wir noch nicht versprechen: das hängt davon ab. wieviel Du verloren haben wirst, und was Du verloren hast, wollen wir Dir natürlich nicht wieder schaffen." „Ich habe noch nie solchen Blödsinn gehört!" sagte Swindles:„zu ineiner Zeit pflegte man nicht viel danach zu fragen, was so ein Junge wollte: man machte mit ihm, waS nötig war." Mr. Leopold verstichte jetzt des„Kleinen Teufels" Auf- merksamkeit zu fesseln, indem er ihn mit Komplimenten über seinen Ritt beim„City and Sub" überschüttete. Unterdessen hob Mr. Swindles das Deckbett empor. „O, Mr. Swindles!" brüllte der„Kleine Teufel",„Sie verbrennen mich." „Ilm Gottes willen, lassen Sie ihn nicht so im Bett herum- springen! Können Sie ihn denn nicht halten?... Per- brennen. Du Schafskopf? Ich habe Dich noch nicht mal berührt: das war das Betttuch, was Du gefühlt hast." „Na, dann ich das Betttuch so heiß wie Feuer! Nun ist's aber wirklich genug!" „Was? So ein kleiner Teufel wie Du bat Angst vor 'nein bißchen Hitze? Hätt' ich wahrhaftig nicht geglaubt, wenn ich es nicht mit meinen eignen Ohren gehört hätte," sagte Mr. Leopold.„Nun sag' mal— hast Du eigentlich Lust, in Goodwood zu gewinnen oder nicht? Wenn Du gewinnen willst, so bleib' jetzt hübsch still liegen und laß Dir die letzten paar Pfund ruhig abnehmen." „ES sind ja gerade die letzten paar Pfund, die einen so schrecklich runterbringen: die ersten, die gehen runter wie Butter," sagte der Junge und rückte der Wärniflasche aus dem Wege:„aber ich weiß schon, une es sein wird: ich werde schließ- lich so schwach werden, daß ich wie'n Droschkenkutscher rennen werde." Mr. Leopold und Mr. Swindles tauschten einen vielsagenden Blick auS: die letzten Worte des säst ohnmächtigen Jockeys hatten ihnen sehr ernst geklungen, und die Wärmflasche wurde zurückgezogen: aber alö man dm Jungen nun wieder wog. fand man, daß er noch inuner nicht das richtige Gewicht habe, und der„Alte" befahl, einen zweiten Versuch anzustellen. Der„Kleine Teufel" klagte, daß ihn seine Füße schmerzten, aber das half ihm nichts.: er wurde trotzdem unter der Obhut des siirchterlichm, langbeinigen William nochmals auf-seinen Spaziergang nach Portslade geschickt..... Als die lebten paar Pfund Fleisch von dem wutzigen Skelett des„Kleinen Teufels" verschwunden waren, sah Mr. Leopold viel ruhiger aus-als zuvor, und Gerwbte durch- schwirrten die Luft, daß er die Absicht habe, sein ganzes Geld auf Silberschwanz zu setzen. Eines Tages erzählte ein Obst- Händler, daß er Mr. Leopold mif dem Wege nach Brighton begegnet sei. „Aha!" flüsterte man,„der alte Watkins ist ihm nicht niehr gut genug.— Nun, wenn Silbcrschwanz gewinnt, wird Woodview den Mr. Leopold nicht mehr lange sehen: er wird sich dann wohl eines jener großen Häuser am Ilfcr unten kaufen und sich Pferd und Wagen anschaffen." VIII. Der große Tag rückte immer näher heran, und der„Alte" hatte seiner Familie versprochen, sie in einem Drag nach Goodwood zu fahren. Jetzt war es nicht mehr erwünscht, daß es noch mehr regnete: die Rmnerschmkel waren kräftig und gesund, und drei schöne, sonnige Tage konnten mir dazu dienen, die freudige Stimmung noch zu erhöhen. Schon seit *) Ein langgestreckter, hoher Kutsckitvagen. mit Quersitzen, der vom Besitzer, nicht selten vierspännig, gefahren wird. einigen Tagen waren Mrs. Latch und Esther in der Küche sehr beschäftigt gewesen mit Hühnern, Pasteten und Eingemachtem, und im Korridor standen ganze Kisten voll mit Obst und Wein. Auch die Schneiderin war aus der benachbarten Stadt her�- übergekommen, und mehrere Tage waren die jungen Damen ihr kaum von der Seite gewichen: und eines Morgens ganz früh, es war kaum acht Uhr. wurden im Hose die Pferde vor den Drag gespannt, der von Brighton herübergekommen war, und die Klänge des Waldhorns ertönten lustig und hell. ..Ginger" war'S, der darauf blies, gerade unter dem Fenster feiner Schwester. „Macht schnell," rief er.«Ihr kommt sonst zu spät." lFortsetzung folgt. Vie poffe cles Ruhms. Biel hat sie gcthan. Wenige jahn's ihr an. Ich weih nicht, ob auch das zu der ungeheuren Fopperei gehört, die mit dem Dasein der ehrsamen RiUcrgntsbesitzerin Friederike K e m p n e r von der Mitivelt getrieben worden ist. Jedenfalls er- zählt die Legende, die alle großen Männer umwirrt. Friederike habe einen Teil ihres Vermögens für Leichcnhäuser mit Tclcphonanschluh gestiftet: jeder Sarg sollte mit einem Fernsprechapparat ausgestattet werden, also, daß der Scheintote sich durch Schließung des elektrischen Stroms und die in diesem Falle als Auferstchungsglöcklein wirkende Klingel sofort als lebendig melden konnte. Run ist schon fast eine Woche vergangen, seitdem Friederike Kempner gestorben, kein Telephon hat bisher Kunde gegeben, daß sie nur versehentlich in den Sarg gelegt worden sei! und man darf daher wohl ihr, der bekanntesten aller Dichterinnen Deutschlands, einen kleinen Nachruf widmen, ohne daß man befürchten müßte, sie würde ihn mit einem geharnischten Pocni erwidern. Da Friederike schier unter Auwendung der erdenklichsten Vor- sichtsmaßregekn in den Sarg gelegt sein wird, so wird sie mit Befriedigung bereits haben feststellen können, daß sie gottlob nicht scheintot gewesen. Denn die Furcht vor dem Scheintod bildete den Dänron ihre» Lebens. Ihre Poesie bekämpft neben der Vivisektion und der Einzelhast in inrmer erneuten Lachbildern des Grausens das Lebendig-Begrabrn-Werden: dazu verlangt sie eine allgemeine Einführung einer ausgiebigen Quarantäne in einem komfortabel ausgestalteten Leichenhaus. So führt sie einen wackern KriegcrSmamr ein: Ein Leicheuhans, ein Leichenhaus, Ruft er aus vollem Halse aus, Wir wollen nicht auf bloßem Schein Beseitigt und begraben sein l Und das Gedicht schließt mit der erschütternden Moral: Für Tänzer giebt eS Raum und Zeit— O, iicfbetörte Menschlichkeit I So lang' nicht Leichenhäuscr sind, Seid alle Ihr so schlecht als blind I In einein Gedicht an den Kronprinzen Friedrich Wilhelm er- sucht sie ihn: Die Gesallnen lasse Nicht vergraben bald, Heldenmienen, blasse, Sterben nicht sobald!— »Der Scheintote" find die folgenden Zeilen überschrieben: Und er schlief und schlief so lange, Daß ihn keine Macht mehr weckt— Unsichtbar beim Grdbgesange Sich der Totgeglaubte streckt. Im Dienst der guten Sache versendete sie eine Denkschrift an die Regieningen und Potentaten. Bon Napoleon III. erhielt sie„ein höchst würdigendes Kabinettschrciben", und sie feiert dies Ereignis wie folgt: Würdigtest mit hellem Blick Unsrer Sitten Mißgeschick:— Anerkanntest die Gefahren Allerschrecklichste», furchtbaren, Grausem Los. das jedem droht—- Jenen, ach, lebeud'gc» Tod I— "" Nicht der Scheintod, der unablässig ihre Phantasie beschäftigte, >var das Verhängnis ihres Daseins, sondern ern Scheinleben, das ihr eine Verschwörung von Ulkbrüdern verschaffte. Friederike tvar eine gutherzige� nachdenkliche, harmlose Frau, die einen Stich hatte. Dieser Stich trieb sie zum Reimen, in den« die an- gebonie Nüchternheit und Phantasielosigkeit plötzlich dem Stoff nach lyrisch schloärmt, in der Form aber dem plattesten Geschäftsftil verfällt. Ihre dichtende Seele ist wie ein Leierkasten» Perpetuum mobile, das die Schrecken der Hölle selbst unendlich komisch walzt. In dem Widerspruch zwischen der natürlichen Talentlosigkeit und einer zur fixen Idee gewordenen Reimlust, die doch die Form nicht zu beherrschen vermag, liegt der unwiderstehliche Lachreiz ihrer Gedichte. Auf welchen: Stoff Friederike sich immer reimend niederläßt, er Vettvandelt sich sofort in einen Karnevalblödsinn. Aber der poettsche„Stich" war es nicht allein, der dieses Menschenschicksal, das zu einer tollen Gaukelei ward, gestaltete. Friederike scheint von Anfang an der Fopperei zum Opfer gefallen zu sein. Schon ihre ersten Versuche, die sie, fast noch ein Kind, errötend einem alten Ptofeffor zeigt, um zuf erfahren,„ob ich in Wahrheit eine Dichterin und es ivert sei, zu den Herzen der Menschen zu reden" — schon diese ersten Versuche wurden ihr Verhängnis; denn der alte Professor schrieb ihr, offenbar schalkhaft, einen schwärmerischen Brief, der ihre Gaben überschwänglich preist. Das ermutigte sie. Da sie Geld hatte, verschaffte sie sich einen Verleger. Ihre Gedicht- samnilung erschien, alle Welt wand sich in Lachkrämpfen und jeder wollte das Buch lesen. Roch im Vorjahre konnte die achte Auflage der Gedichte erscheinen, ein Erfolg, wie er den be- deutendsten Dichtern versagt bleibt. Friederike aber wurde mit Kundgebungen spottender Verehrung überschüttet. Nun war sie sicher, daß sie eine Dichterin von Gottes Gnaden war. Sie nahm den Erfolg der unsteiwilligeu Komik für blutigen Ernst, und sie ist aus dem Leben gegangen, ohne jemals das Bewußtsein erlangt zu haben, datzs man nnt ihrer Narretei nur seinen Spaß getrieben. Aus den Vorworten ihrer Gedichte läßt sich erkennen, wie sich der Wahn ihres Poetenberufes festsetzte und ausbildete, die foppende Bande, die ihr Publikum darstellt, ging so raffiniert vor, daß sie in den Lorbeer Friedcrikens schließlich auch ein paar Dornen flocht. Im Vorwort zur ziveiten Auflage berichtet sie srob:„Es freute mich unbeschreiblich, daß aus allen Gegenden Deutschlands, von nah und fern, Anfrage» und das Verlangen nach diesen Gedichten an mich schriftlich ausgesprochen wurden. Ich bin stolz darauf und ganz besonders davon gerührt, daß alle Farben und Parteien dabei vertreten Ivaren: scheint es doch, als wenn jeder in: Innern fiihlte, daß eS Ausgabe und Ziel der Poesie ist: die Wahrheit für alle zu veranschaulichen,— und durch ihren Sieg dereinst alle zu versöhnen."<1882.) Diese bedingungslose Verherrlichung reichte bis zur 4. Auflage. Ihren Höhepunkt bildete wohl die Ueberreichung einer Adresse und eines goldenen Lorbeerkranzes durch einen Studenten im Auftrag der„B. Studentenschast". Alsbald widmete sie dein lleberbringer „Herrn B. von M." diese Verse: In des Lorbeers gold'nen Zweigen, Sonnig strahlend und mein Eigen, Rauscht eS hörbar und es spricht: «Solch Geschenk vergißt man nicht." Daun aber fand man eine neue Variatton des Ulks. Irgend ein Anonymus scheint ihr einmal einen Droh- und Schmähbrief wegen ihrer anarchistischen Aufhetzerei geschrieben zu haben. Das machte einen tiefen Eindruck auf Friederiken. Halb erschrocken, halb gekitzelt, kostet sie nun auch die Poctcn-Wvllust des Märtyriums, und in der 5. Auflage erzählt sie: Es fehlte freilich auch nicht an anonymer Feindschaft, ja an Haß und Verfolgung niedrigster und widrigster Art, und wie rnancher Beherrscher von Rußland, sah ich mich fast täglich von anonyinen Briefen heimgesucht, eine Ehre, die ich gar nicht erlvartet hätte, die ich aber zu würdigen wußte. Denn giebt es in der That ein einziges Streben oder eine einzige Schrift, welche etwas will und nicht angefeindet worden wäre?" Nach diesem stolzen Bekenntnis erwacht jedoch ihr Gewissen. Sollte sie nicht etwa doch die Anarchisten auf dem Gewissen haben?„Und so kam ich'zn der Ueberzeugung, daß denn doch hier und da ein vorrirteilsloses, hannloses Gedicht, ein humaner Gedanke, objettiv zur Anschauung gebracht, frei von aller Parteilich- keit, gezündet, d. h. manchen Bösewicht aufgestachelt haben müsse, so daß er zu Dynamit und Gift greifen wollte. Aber Dynamit und Gift sind schlechte Waffen, die sich überlebt haben, und die un- parteiische Wahrheit trifft beides nicht, und so hat denn das liebens- »vürdige Publikum diese gemeinen Angriffe kaum seiner Entrüstung gewürdigt und in seiner reichen Gunst find die Gedichte ein bleiben- des Buch geworden." Die„socialen" Gedichte, die man durch jene Schmähbriefe der- höhnte, verraten ihre Guttnüttgkeit und ihre wahrhaft geniale Fähigkeit, das Entsetzen lachen zu machen. Ein Bettler tritt an den Wagen, in dein ein reiche» Ehepaar zun: Ball fährt: „Ich fleh"— spricht er—„un: ein Almosen" Und küßt der schönen Frau die Hand, Sein schwacher Kuß zerdrückt die Rosen, Die an des teuren Handschuh's Rand. „Mein Freund"— sagt sie mit kalten Mienen, Erzürnt durch diese Frevelthat— „Ich habe keine Zeit zu Ihnen! Ob Robert etwa Kleingeld hat?" Das Gedicht klingt aus: Jetzt rollte fort der rasche Wagen, Der Kutscher wischt ein Aug' sich ab: Er denkt an all' die großen Fragen, Die solch' Kontrast zu löse:: gab. In.drei Schlagworten'' versucht sie eine Art sociales Couplet: Wie heißt das Wort, das in der halben Welt Man gleichbedeutend mit dem Gelde hält, Doch mit dem Geld, das stets in» Säckel bleibt, llnd schon von selbst die besten Minsen treibt? Es ist, es heißt: die, die, die, die Die teure Bourgeoisie l Wie heißt das Wort, das in der halben Welt Man gleichbedeutend mit dem Elend hält, Doch mit dem Elend—, das mit wack'rcm Mut Die schwere, große Arbeit thut? ES ist. es heißt: der, der. der, der, Es heißet: Proletarier! Die dritte Strophe verkündet dann, daß die sociale Utopie FriederikenS Ideal sei, Jene Anklage des Anarchismus veranlaßt sie zu einer eindring- lichen Abwehr und zugleich zur Mahnung an die Anarchisten: Kehrt zurück zu Recht und Ehre, Merkt Euch der Geschichte Lehre: Niemals nützlich war der Mord: Und es giebt ein ew'gcS Dort! Aus den Anarchismus mögen Wohl auch die mystisch dunllen Verse zielen: Schlangengist, es störte Eden— Störet auch das kleinste Glück— Wamen inöcht' ich endlich jeden, Lasset nie ein Tier zurück-- Denn Strychnin braucht nicht zu reden, Tötet>vie ein Schlangenblick I Andrerseits straft sie den anonymen Schreiber: