Anlerhaltungsblatt des vorwärts Nr. 46. Freitag, den 4. März. 1904 (Nachdiuck verboten.) il'-? Sltder Maters. Roman von George Moore. Den Tag darauf gewann ein zwei Jahre altes Pferd deZ „Ältcn" ein Rennen, und am folgenden Tage gewann Silber- schwänz den Chesterfieldcup-Preis. So regnete das Gold plötzlich in Strömen auf die kleine Stadt hernieder, die so-alt und farblos dalag zwischen ihren hohen Dämmen am Meere und ihrem verschilften, schmutzigen. kleinen Strom. Lustig tanzte daS geliebte Gold in den Taschen, beschleunigte die Schritte, erleichterte die Herzen, zauberte Lächeln hervor und liest die Augen froher blicken. Sanft und dicht fiel das geliebte Gold herab, wie ein weicher Soinmerregcn, und erquickte die schweren, harten Tage der Arbeiter. Manche bis dahin von schwerer Arbeit nieder- gedruckte Existenz erhob sich plötzlich wieder und erging sich in frohen Zuknnststräumcn. Das geliebte Gold wirkte wie ein narkotisches Mittel. Erinnerungen an Elend, Kummer und Jammer waren plötzlich wie hinweggewischt; man betrachtete auf einmal das Leben mit froherer Miene, lachte über seine Besorgnisse um den kommenden Tag und wunderte sich, warum man das Leben je so schwer genommen, so hart und uniiber- windlich gefunden hatte. Das geliebte Gold erfreute die Sinne, wie ein ans seinem Zweiglein sitzender Vogel, wie eine auf ihrem Stengel blühende Blume, denn es sang ein be- strickend süßes Lied und erglänzte in prächtigen Jarben. Nie hatte der Handel des Städtchens selbst in früheren, besseren Zeiten eine solche freudige Aufregung verursacht, wie die vier Hufe dieses Pferdes. Ter Staub, den diese Pferde- süße aufgewirbelt hatten, war als beglückender, goldener Regen wieder heruntergefallen auf Shoreham. Aus allen Ecken und Winkeln des Lebens sah man es hervorglitzern. Die Frauen hatten neue Kleider, die Mädchen neue Bänder und Federn, die Männer neue Beinkleider von schreienden Farben und Cigarren im Munde, und-alles das hatte das Gold von Goodwood gethan! Dort sieht man es an jenes Mädchens Ohren, hier an dieses Mädchens Finger blitzen. Die Gerüchte erzählten sich, daß daS Städtchen Shoreham zweitausend Pfund bei diesem Rennen gewonnen habe. Mr. Leopold, sagte man. habe zweihundert Pfund gewonnen, .William Latch fünfzig Pfund, der Kutscher Wall fünfund- zwanzig Pfund, und der„Alte" sollte gar vierzigtausend Pfund gewonnen haben. In einem Umkreise von zehn Bteilen und mehr sprach man von fast nichts anderm mehr, als von dem Reichtum der Barfields, und wie Mücken um das Kerzenlicht flattern, so drängten sich plötzlich alle Nachbarn an Woodview heran. Selbst die Reserviertesten und Vornehmsten gaben ihre Karten ab, andre wieder sah man im Park mit dem„Alten" herumspazieren und begierig seinen Erzählungen lauschen. Die strahlende, goldene Sonne des Erfolges schien auf das gelbe italienische Haus herab. Zu jeder Tagesstunde tonnte man Wagen vorfahren sehen. Das Gerücht wußte auch, daß große Veränderungen am Besitztum geplant würden. Man wollte großartige Gesellschaften und Feste veranstalten, man redete von einem Garten in italienischem Stile, von Terrassen, Fontänen. Schon wurden neue Ställe gebaut, eine Menge Rennpferde angekauft. Täglich konnte man sie ankommen sehen, die schlankeit, zierlichen Geschöpfe, in ihre Decken gehüllt, ihre Kapuze auf dem Kopf, durch deren Gucklöcher»nan die großen, dunklen Augen blitzen sah, und die vom Bahnhof bis zum Hause von einer'leugierigen, kritisierenden und be- wundernden Menge begleitet wurden. Man trank, nian gab viel Geld aus, inan tanzte und sang in den Herrschaftsräumen und in denen der Dienerschaft, und die tolle, ausgelassene Stimmung gipfelte schließlich in einem Dienstbotenball in den Shoreham Gardens. Das ganze Personal von Woodvicw, mit Ausnahme von Mrs. Latch, fand sich dort ein, desgleichen die Tienerschaft von Mr. Northcote irnd von Nkr. George Prcston, zwei der tonangebenden Familien der Umgegend. Von West-Brighton, Lancing und Worthing kamen ebenfalls eine Menge Dienstboten zu dem Ball herüber— im aainen waren es-wei- bis dreihundert Auf den Karten stand fettgedruckt:„Balltoilette ist un- erlästlicki" Durch diese Ankündigung hofften die Haus- Hofmeister, Diener, Köche, Kanimerjungfern, Wirtschafte- rinnen und Hausmädchen dem Ball ein vornehmeres Air zu verleihen. Für Esther jedoch schienen diese Worte nur zu be- deuten, daß sie verurteilt sein würde, das Aschenputtel zu spielen und zu Hause zu bleiben. K. ES war unmöglich gewesen, nur denen Einlaß zum Ball zu gewähren, die einen Frackanzug besaßen; infolgedessen sah man auch viele karierte Beinkleider und bunte Krawatten fröhlich herumhüpfen. Ein junges Mädchen hatte das Braut- tleid ihrer Großmutter-augelegt und ein junger Mann trug eine strohgelbe Weste lind eineil ganz altmodischen blauen Nock. Diese Kostüme zogen jedoch ganz deutlich die Schranke zwischen dcil Dorfbewohnern und den Dienstboten aus„guten" Häusern. Letztere hatten sich solcher Verstöße nicht schuldig ge- macht. Die Haushofmeister sahen beständig aus, als suchten sie Platten zum Herumreichen, und die Kammerdiener, als vermißten sie die Haarbürste und den Topf heißen Wassers in ihrer Hand, den sie allmorgendlich ihrem Herrn zu bringen hatten. Da waren Köchinnen in schwarzseideilcn Schlepp- kleidern, breiten weißen Kragen und grosteil goldenen Broschen mit dem Bilde ihrer verstorbenen Männer darauf. Am Ende des langen Saales stand ein rundes Büffett, lind in dieser Gegend hielten sich die ineisten Männer auf. Doch wandten sich alle um imd der Eingangsthür zu, als Esther eintrat. Sie sah sehr hübsch aus. Miß Mary hatte ihr ein weißes. Mullkleid geschenkt, mit viereckig ausgeschnittener Taille, halb- kurzen Aermeln lind einer blauen Schärpe; und während sie durch den Saal ging, hörte man von gar manchem die Worte: „Das ist ein nettes, hübsches Mädchen!" William wartete schon auf sie, und sie tanzten sofort eine flotte Polka mit- einander. Viele der Tänzer waren in den Garten hinausgegangen, um sich abzllkühlen, aber einige Paare drehten sich nach der Musik im Kreise herum. Mr. Leopold ließ es sich angelegen sein, die Männer vom Büffett fortzukriegen; tanzen sollten sie, ob sie konnten oder nicht. „Der„Alte" hat mir den Auftrag gegeben, genau aufzupassen, daß auch alle Mädels Tänzer haben!... Nun seht Euch bloß:ual den Saal an, die Hälfte von den Mädels hat ja noch nicht dieBeinegerührt... Hierist eineTänzerin fürSie," sagte er, lind mit diesen Worten zog der Haushofmeister einen jungen Waldaufseher zu einem eben eingetretenen jungen Mädchen hin. Dieses kam laugsam herciil, die Hände vorn über der Brust gefaltet, die Augen zu Boden gesenkt, luid dieser Anblick war so seltsam, daß Air. Leopold kurzweg in seiner Rede stecken blieb. Plötzlich flüsterte einer dem andern zu: „Die trägt zunl erstenmal in ihrem Leben ein aus- geschnittenes Kleid!" Tie Grober kam ihr rasch mit ihrem Taschentuch zu Hilfe. „Wie machst Du'S nur nlöglich, bei dieser Hitze trocken zu bleiben?" fragte ein Mädchen ihren Tänzer. „Trocken?" sagte der junge Mann.„Ich schwitze ja wie ein Bär," und er zog ein Taschentuch-aus der Tasche seines Sammctrockes hervor und trocknete sein Gesicht ab. „Kann ich die Ehre dieses Tanzes haben?" fragte der junge Mr. Preston, der älteste von Sir Georges Söhnen, das junge Mädchen. „Gottchen, Mr. Preston, ich schwitze ja so furchtbar, aber schadet nichts, mit Ihnen tanze ich doch." Die eleganten iveißen Hemdfronten mit den echten Perl- kilöpfcn, die mit blaßgraueil Handschuhen bedeckten Hände, die ausdrucksvollen, schmalen Gesichter des jungen Mr. Preston und des jungen Mr. Northcote, zweier von„Gingcrs" Freunden, fielen unter dieser Gesellschaft voil Arbeitern und Bedienten auf.„Ginger" bewegte sich am liebsteil in der vornehmsten Gesellschaft, und jetzt tanzte er auch seine Polka nach der neuesten Londoner Mode; mit weit von sich gestreckten Ellbogen und flatternden Rockschößen flog er mit seiner Täinenn den Saal heraus und herunter. Der junge Mmm im SaminctroÄ zuckte die Achseln und dachte wie die andern: zufrieden sind sie doch nur, wenn ein Vornehmer kommt; dann sagte er zu William, der neben ihm stand:„Da sieh mal Euer Küchenmädchen mit„Ginger" zu- sammen, die sind auch intimer, als man es vermutet hätte." Bevor William noch etwas darauf erwidern konnte, wies Sarah schon mit den, Finger auf Esther, die Arm in Arm mit „Ginger" zurückkam, und meinte, ob Williani nicht glaube, daß die beiden Kleinen sich famos amüsierten. Dann lachte sie laut auf und ging weiter. Ter Tanz war zu Ende, und die meisten wandten sich den Ausgangsthüren zu.„Ginger" tippte dem jungen Northcote auf die Schulter, machte seiner Tänzerin eine tiefe, ceremoniöse Verbeugung und überließ sie dann William. „Das ist ja schön, wie Sie sich hier ins Gerede bringen!" sagte William zu ihr. „Ich? Wieso denn?" „Na, Sie treibcn's doch, weiß Gott, toll genug mit „Ginger"!" „Wer hat was über mich gesagt?— Sarah?" „Sarah ist nicht, die einzige—" „Und Sie glauben ihnen?" „Ich sage jedenfalls gerade heraus, daß ich mit'nem Mädchen nichts zu thnn haben will, das'nem Gentleman nachläuft." Eschers Gesichtsausdruck veränderte sich; aber sie hielt noch ein paar Sekunden lang an sich, dann sagte sie: „Nun gut, und ich will nichts mit Männer zu thun haben, die so böse Gedanken hegen.— Ich wünschte, ich wäre gar nickt hierher gekommen, und tanzen ihn' ich jetzt schon gar nicht mehr. Weder mit Ihnen noch mit einem andern." Da Esther allgemein die Schönheit des Abends genannt wurde, und da sie ferner noch mit dein jungen Mr. Proston getanzt hatte, rief die Grover sie zu sich und fragte sie, warum sie nicht mehr tanze. Esther erwiderte, sie sei müde, und blieb dann schweigend stehen, um den Tänzern zuzuschauen. „Kommen Sic, bitte, die nächste Polka, nur mn mir zu zeigen, daß Sie nicht mehr böse sind," bettelte William wohl ein halbes Dutzend Mal. Sie sagte endlich: „Sie haben mir die ganze Lust dazu verdorben!" „Das thut mir leid, Esther; das wollte ich nicht; ich war nur eifersüchtig." „Eifersüchtig?... aus was?— Was schadet's, was die Leute reden und denken, solange ich weiß, daß ich nichts Un- rechtes thue." Williain sagte hieraus nichts, und sie gingen schweigeird in den Garten hinaus..Es war eine warme Nacht, fast drückend. Der Mond hing wie ein roter Ballon über den Bäunien, und die darunter wandelnden jungen Leute standen oft still, um ihn zu bewundern. In dem Garten gab es Lauben, künstliche Ruinen, schmale, dunkle Seitenwege, und in dem vom Saal herausströmenden Licht, das sich mit dem Glänze des Mondes und der Sterne vermischte, glänzte der Garten wie verzaubert. Williani zeigte Esther das Theater und erklärte ihr, was für Dinge da vorgeführt würden, und als sie plötzlich an dem User eines kleinen Sees standen, auf dessen klarer Fläche sich die mächtigen Bäume abspiegelten, kamen sie sich vor wie in einem Traum befangen. An einer Seite, wo die Ufer sich näherten, war eine kleine Brücke über den See gespannt. Esther und William gingen dorthin und blieben in Verwunderung versunken stehen. „Wie still das Wasser ist und wie schön die Sterne scheinen!" sagte Esther. „J'a, Sie müssen den Garten aber einmal an einem Sonnabendnachmittag um drei Uhr sehen, wenn alle die Leute von Brighton herüberkommen," sagte William. Sie gingen ein wenig weiter, dann fragte Esther: „Was ist denn das hier? Hier sieht's ja so dunkel aus?" „Das sind die Lauben, in denen man Theo trinkt und Shrimps') ißt. Ich möckste Sie gern für nächsten Sonn- abend einladen; würden Sie kommen?" (Fortsetzung folgt.)' *) Krabben.' (Nachdruck verdoten.) Die Grbrcblckber, Von E. P r e c z a n g. Am Fenster: Frau Heier. Auf dem Sofa: Schröter und Frau. Später: Heier. Alle in Trauerkleidung.— Ueber dem Sofa hängt. in Oel gemalt, das große Bild eines alten, etwas ironisch drein» schauenden Herrn, von schwarzem Krepp breit umflort. Schröter:„Ja. wenn Reinhold nicht bald kommt...1 (Sieht nach der Uhr.) Ich hätte ihm gern noch Adieu gesagt." Frau Schröter:„Dauert denn eine Testmnentsöffnung so furchtbar lange?" Schröter:„Jedes freudige Ereignis will begossen sein." Frau Heier(nimmt daS weiße Taschentuch vom Gesicht): „Oskar l Ist Dir so Zum Spatzen? Mir nicht. Mir wahrhaftig nicht."(Schluchzt und führt das Taschentuch zu den Augen.) Frau Schröter:„Ja, Oskar. Nimm doch etwas Rücksicht. Hätte der alte Mann uns so nahe gestanden— ich meine im Leben, denn verwandtschaftlich stand er Dir ja ebenso nahe—. es wäre mit uns wohl nicht anders." Schröter:„Meinst Tu? Na, ich gestehe Dir ganz offen: eine solche Trauer, wie sie in diesem Hause herrscht, so thräncn- reich, das wäre mir einfach unmöglich. Mein Gott, ein Man», der es bis auf die Achtzig gebracht hat..." Frau Heier:„Sein Herz war jung. Und so gut, ach, so gut! Wie ein Kind war er.(Sie trocknet sich schnell die Augen und weist auf einen Blumentopf.)„Achte mir ja auf die Azalie", sagte er noch drei Tage vor seinem Tode zu mir.„Äe ist Dir ja wohl ans Herz gewachsen."(Mit einem innigen Blick zum Bilde des Toten.) Ja, Onkel. Du kannst Dich darauf verlassen." Frau Schröter:„Merkwürdig, gerade an solche Klcinig- keit zu denken." Frau Heier(entrüstet):„Kleinigkeit? Es war seine LicblingSblnnic. Früher pflegte er sie selber. Dann nahm ich es ihm ab, wie ich ihm alles abgenommen habe— jede Arbeit, auch die kleinste." Schröter lbcdentlich):„Ob daS richtig war? Machte eZ ihn nicht ärgerlich?" Frau Heier:„Aergcrlich? Zuerst schien eS so. Aber wie sollte jemand auf die Tauer ärgerlich sein, wenn mau ihm sein Leben auf jede Art erleichtert? Und das haben wir gethan, mein Mann und ich. Was wir ihm nur an den Augen abschen konnten. Mit- umer war es nicht leicht, daS lönnt Ihr glauben!" Schröter:„Ja, sein Witz, nicht wahr? Ten Halle er über- all ein." Frau Heicr:„Wir haben darüber hin gehört." Schröter:„Er nannte es„giftige Pfeile",„die schieß ich ab, mein Sohn", sagte er mal zu mir.„wenn mir jemand allzu sehr auf die Hühneraugen tritt".(Lacht.) Ja, das verstand der alte Sünder." Frau Heier(mit Würde):„Oskar! Es paßt sich doch wohl nicht— solche Ausdrücke einem geliebten Toten gegenüber!" Frau Schröter:„Nein, Oskar, ich finde auch..." Frau Heier:„Er war ein edler Charakter.(Schluchzt.) Ein seltener Mensch!" Schröter:„Ach, Unsinn! Ein ganz passabler Philister meinetwegen!" Frau Heier:„Oskar, ich dulde nicht!..." Schröter:„Rege Dick doch nicht auf, Emma. Er war ein Mensch wie die meisten Menschen. Wie wir eben auch. Dieselbe Mischung. Nicht besser, nickst schlechter." Frau Heier:„Ihr habt ihn nicht verstanden. Nie! Mein Mann und ich waren die einzigen. Tie einzigen ja auch, die ihm seinen Lebensabend verschönt und behaglich gemacht haben." Schröter(halblaut):„Na, darüber— Schleier!" Frau H c i e r(springt auf, atemlos):„Hat er sich jemals. bei Euch beklagt?" Schröter:„Ach wo." Frau Hcier:„Das wäre auch... furckstbar... furchtbar undankbar von ihm gewesen. Wo man so... so...l (Sie kann vor Schluchzen nicht weiter und schüttelt nur mit dem Kops. Nach einer Pause.) Man müßte ja an der Gerechtigkeit der Welt verzweifeln, wenn er daS nickst eingesehen hätte. Das!" Schröter:„Was?" Frau Heicr(erstaunt):„Nun, unsre Fürsorge, oder wie Du es nennen willst?" Schröter:.Hör' mal, Emma: puste Dich doch bloß nicht immer so auf. Was Ihr für ihn gethan habt, das hat er doch bar und blank in ungefälschter Rcichsmünze bezahlt." „Frau H e i e r(fährt auf):„Oskar!" Schröter:„Ist es anders? Schadet doch auch nickis. Ein- fach selbstverständlich. Er hatte es ja dazu. Aber: Leistung und Gegenlcisttmg. Ich meine: das hebt sich, nnd Tu brauchst nicht fortwährend Lorbcern auf Dein Haupt zu sammeln. Es war eine glatte Rechnung aus beiden Seiten. Punktum. Streu Sand drum!" Frau Heier:„So? Tu meinst also, daß sich die Liebe mit Geld bezahlen läßt?" Schröter:„Liebe?" Frau Schröter:„Ja. Oskar. Emma hat recht. Du be» denkst nicht, daß es ein großer Unterschied ist, ob mau sozusagen mit einer freundlichen Nciginig gepflegt wird, oder ob es gekaufte Hände find.- Frau Hcier(schnauft nervös):„GeldI Ha! Geld! Das haben wir doch wohl nicht nötig!" Frau Schröter:„Eben. Darum thaict Jhr's gewifi nicht. Dankbarkeit konntet.Ihr Wohl beanspruchen, das ist nur in der Ordnung." Schröter(blickt seine Frau von der Seite an):»Na, weiszt Tu...(er lacht)." Frau H e i c r:„Ich weiß gar nicht, was Tu zu lachen hast! Tu bist unausstehlich, Oskar l" Schröter(lachend):„Mir fiel da eben ein Wort von dem Alten ein:„Soll sich der Zucker dafür bedanken, daß die Fliegen so gern an ihm herumschlcckcrn?" Frau Hcier:«Oskar!(Weint heftig.) Pfui! Pfui!" Frau Schröter(gicbt ihrem Manne einen heimlichen Rippenstos;):„Aber er meinte doch wohl nicht..." Schröter:„Nee, nee. Das sagte er so ganz im allgemeinen. Nicht etwa in Bezug darauf...„Tu bist ein boshafter alter Herr", an i wartete ich ihm." Frau Heier(erleichtert):„Sagtest Tu ihm ins Gesicht?" Schröter:„Hni. Darauf faßte er mich unter den Arm: „Tu, ich inöchte gern mal deine aufrichtige Meinung über mich wissen." FrauHeier(empört):„Tu hast Dich schön gehütet, sie ihm zu sagen, was?" Schröter:„Gar nicht. Alle Sünden, die mir einfielen, Hab ich vorgesucht und bedauert, daß ich lvahrscheinlich den größten Teil nicht kenne." Frau Heier:„Empörend! Einem alten ehrwürdigen Herrn in» Gesicht! Und er?" Schröter:„Satanisch gelacht hat er. Wirklich: teuflisch geradezu! Uebrigens: ehrwürdig— ehrpusselich meinst Du— war er schon gar nicht. Ich denke sogar manchmal, daß ihm die Rolle lästig geworden sein muß. in die Ihr ihn so quasi gepreßt habt. Sieh mich nicht so entsetzt cm, Schwester! Ich meine, Ihr habt ihn der- maßen vergöttert, verhimmelt, seine unsinnigsten Redensarien, die vielleicht extra für Euch fabriziert waren, nie widersprochen, daß ihm ofr ganz schmerzlich zn Mute geworden sein muß. Er sollte sozusagen in einer Wolke über Euch schweben und hatte doch so gar nichts Actherisches an sich. Kurz und gut: Ihr habt ihn aus seinem eigcnr- lichcn Element geworfen, so ungefähr, als wenn mau einen Fisch ans dem Weisser nimmt. Er rieb sich gern an den andern. Er konnte seine„geistigen Pfeile"■— es war übrigens nicht gar so schlimni mit dem Gist— nicht los werden. Fühlte keinen Widerstand bei Euch." Fr an Heier(hat mit großen Augen zugehört, geht zum Sofa und legt die Hand auf den Arm des Bruders):„Dann wundert mich nur eines, O-rtar: daß er sich nicht schleunigst zu Euch geflüchtet hat.(Mit zitterndem Hohn.) An Einladungen habt Jhr's doch gewiß nicht fehlen lassen!" Frau Schröter:„Da irrst Du Dich, Emma. Es ist uns natürlich niemals eingefallen..." Schröter:„Keine Spur! Wie kommst Tu darauf! Außer- dem find wir so kurze Zeit verheiratet..." Frau Hei er;„Ich dachte mir so. Und ich ineinr(sie ringt nervös die Hände mit dein Taschentuch ineinander), cS wäre Euch ja auch nicht zu verdenlcii gewesen. Bei Euren Berhältnisienl So eine kleine Ncbeneinnahmc.(Geht auf und ab.) lind dann... na ja... möglicherweise... Aussicht auf Erbschaft... ich, ich sage nur so." Schröter kzu seiner Frau):„Verstehst Tu das?(Zur Schwester.) Du meinst— rund und nett licraus!— so'nc kleine Erbschleicherei?!" Frau Heier(lacht nervös):„Erbschleicherei!(Fährt sich mit dem Taschentuch über das glühende Gesicht.) War Du... hahaha!... nein, was Tu auch gleich für Worte hast! Wirklich! Jetzt muß ich lachen. Hahaha! Erbschleicherei! Hahaha!" Schröter(erbost):„Lach Dich nur ans!" Frau Schröter(sitzt kopfschütrclnd, die Hände im Schoß): „Nein!" FrauHeier(hat sich wieder am Fenster niedergelassen, tupft mit zitternden Händen Schweißtropfen von der Stirn, schluchzt einige Äkale aus und bricht dann in ein anhaltendes Weinen aus):„Erb- schleicherei! Ich weiß nicht, wie... wie Du so etwas sagen kannst! Als ob e» uns um die Erbschaft zu thun war'!" Schröter(springt auf):„Ja. Donnerwetter! Wer sagt denn das?" Frau Heier:„Du! Meinst Tu. ich versteh Dich nicht?" Frau Schröter:„Aber, Schwägerin! Das ist doch Ein- bildung!" Frau H e i e r:«Sei Du nur ruhig! Wen» Ihr auch Harm- los thnt.(Schnaubt.) Wen irtfsr es denn, iveim uns der Onkel nun alles vermacht hat, wie? Da werdet Ihr sagen, darauf war's nur abgeseh'nl" Schröter:„Denkt ja kein Mensdü dran. Wir halten's ein- fach für selbstverständlich, daß Ihr diejenigen seid, welche... So wie die Dinge liegen!" Frau Schröter:„Ter Todesfall hat Dich wirklich sehr initgenommen, Emma. Tu siehst ja Gespenster am hellen Tage! (Bei ihr.) Komm', hör auf zn weinen.(Streichelt ihr das Gesicht.)! Du hast ihn eben gar so lieb gehabt." Frau Heier(nickt unter Thränen, bricht eine Blüte von der Azalie):„Ich muß sie ihm bringen. Es war seine Lieblingsblume. (Sie befestigt die Blüte am Flor, der das Bild des Onkels umrahmt.) Wir beide verstehen uns, nicht Onkelchen?(Sie zupft den Flor zarecht.)" Frau Schröter(am Fenster):„Ich glaube. Dein Mann kommt eben über die Straße." F r a u H e i e r(stürzt zum Fenster):„Wo? Ahl(Sie preßt beide Hände auf die Brust.) Nun werden wir's ja gleich erfahren! (Sie umarmt ihre Schwägerin.) Nicht böse sein, hörst Du? OSkar! (Sie reicht ihm die Hand.) Wir werden uns doch nicht erzürnen, was auch der alte Mann in seinem Testament bestimmt haben mag." Schröter:„Erzürnen? Rätsel!" Frau Heicr(horcht nach der Thür):„Ja, ich bin wohl wirklich etwas aufgeregt von all' dem Traurigen." Frau Schröter:„So etwas kostet Nerven." Frau Heier:„Mein Gemüt ist zn empfindlich, sagt Rein« hold." H c i e r tritt ein. H e i e r(wirft seinen Cylinderhut aufs Sopha, küßt seine Frau und reicht de» beiden andren flüchtig die Hand, ihnen einen schiefen Blick zuwerfend):„Tag.— Aeh, ein miserables Wetter!— Habt Ihr schon Kaffee getrunken?" Frau H e i e r(eilig):„Ja.(Schnell zur Thür). Enste, Kaffee für den Herrn." H e i e r(in einer Sofa-Ecke, streicht sich gedrückt den Bart): „Ja. ja!" Frau Heier(steht wie auf glühenden Kohlen; die Augen treten ettva» hervor; in furckisainer Neugier):„Es ist— es ist wohl noch nichts drauS geworden?" (Das Mädchen bringt den Kaffee.) Hcier(trinkt):„Was?" Frau Heier:„Ich meine— mit der Testamentseröffunng." H e i e r(gleichgültig, während die Tasse in der Hand hin- und herschwcmkt):„Ach so. Ja. Alles in Ordnung." Fr an Heier(fast jauchzend):„Ja? Wirklich?" Schrörcr:„Da kann man also gratulieren?"(Reicht ihm die Hand hin.) H e i e r(springt auf, schlägt die Hand fort):„Du! Jetzt stellt Euch aber nichr noch dumm an!" Frau Schröter:„Wir?" Hei er:„Ja— Ihr! Oder wollt Ihr uns etwa glauben machen, Ihr hättet'-; nicht gewußt, daß dieser alte— alte Ganner Euch seinen ganzen Kram vermacht hat?" Frau Heier(einer Ohnmacht nahe, schreit):„Rcinhold!" Schröter(zu seiner Frau):„Was sagst Du dazu? Na, hör mal, SÄlvagcr, das ist für uns'ne blitzblanke Neuigkeit... voraus- gesetzt. Du machst keinen Unsinn." Heier:„Unsinn? Mir ist gcrad' danach zu Mute, mit Euch zu spaßen!"(Er schwankt und fällt ausS Sofa.» Frau Heier(jammernd):„Reinhold, Dir hast getrunken! Schwatzst wohl nur so allerlei daher. Wir hätten nichts... nicht»...?" Hcier(lacht grob):„Doch. Den Azalientopf hat Dir der alte Sünder vermacht. Du sollst ihn pflegen, wie Tu ihn gepflegt hast: mit Liebe bis an sein seliges Ende. Und mir... hahaha'... mir ist seine lange Pfeife geworden, damit ich— damit ich auch kiinitig recht viel Ranch machen kann. Verstehst Du? Er Hai nicht geglaubt an unsre... unsre... Liebe, ja."(Schlägt mit der Faust auf den Tisch.)„So ein alter, giftiger Äniclstiebel I" Frau Hei er(schluchzend):„Dieser boshafte Kerl! Aber ich Hab' ihn immer dafür gehalten!" Schröter(zn seiner Frau):„Komm. Jetzt wird'S gemischt. Die ganze Liebe ist hin."(Geht mit seiner Frau ab.) Hcier:„Ja, ja. Geht nur!(Er springt auf, laust zur Ofen- ecke, nimmt eine lange Pfeife hervor und wirst sie den Davon» gehenden nach): Da, da! Nehmt die auch noch mit!" Frau Heicr(sieht sich mit irren Blicken um. ergreist den Azalicntops und schleudert ihn zur Thür):„Da, da! Den auch I (Sie reißt das Bild des Onkels von der Wand, zerbricht e», zerfetzt den Flor, wirst alles dem andren nach): Da, da I Da. da! Ihr... Erbschleicher... Ihr! Jht'--- Ihr..(Sie bricht in ein wütendes Weinen au».)— Kleines feiiiUeton. ie. TaS neue Mckelrrzlager an der Spree. Es ist jetzt etwa drei Jahre her, seit durch einen Zufall da» Vorhandensein wertvoller Erzlager in der Nähe der Ortschaft S o h l a n d an der Spree, in der sächsischen Lausitz, ans Licht gezogen wurde. Der Fund erregte um so größere Ueberraschung. als in diesem Gebiet abbanwurdige Erze überhaupt nicht bekannt gewesen waren._ Em Gerber» meister je..er Ortschaft war beim__ Graben_ eines Brunnens ans merkwürdig gesörbte Gcsteinsmassen gestoßen und»chickte eine Probe des Brunnenwasser» an die Deutsche_ Gerberei» Versuchsanstalt in Freibcrg ein, um dort feststellen zn laßen, ob die Zusammensetzung des WaffcrS dadurch vielleicht schädlich beeinflußt sein möchte.' Der dortige Sachverständige ließ sich darauf Proben des fraglichen Gestein? kommen; e? stellte sich nun heran?, das; darin verschiedene Kupfererze, ein nickelhaltiger Magnetkies und Brauneisenerz enthalten war, Bergingenieur Krauth erkannte dann später durch genaue fachmännische Untersuchungen den praktischen Wert des Erzlagers. Jetzt hat Dr. Beck in Freiberg in der„Zeit- schrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft" eine sehr ausfuhr- liche Darstellung über die Eigenschaft der Erzlager mit Rück- ficht auf ihre petrographischen und mineralogischen Verhältnisse sowie auf ihre Entstehung veröffentlicht, so datz jetzt die wissenschaftliche Untersuchung des auffälligen Vorkommens vorläufig als abgeschlossen betrachtet werden kann. Die Gegend von Sohland wird im wesent- lichen von einer Granitmasse beherrscht, in die Gänge von Diabas, also einem altvulkanischcn Gestein, eingelagert sind; an letztere ist das Auftreten der Erze gebunden. Diese sind vermutlich entstanden durch Ablagerung ans ehemaligen heißen Quellen, deren Gewässer Bestandteile der vulkanischen GesteinSmasse in Lösung enthalten und dann zum Absatz gebracht habe» müssen.— k. Photographien aus Fingernägeln. Von all den Modethor- heiten, die die Londoner Schönen von ihren anierikanischen Basen übernommen haben, ist die letzte wohl die lächerlichste. Sie besteht darin, daß man sich Photographien auf die Fingernägel kopieren läßt. Vor einiger Zeit brachte die Schauspielerin Mabelle Gilman die Idee auf, Diamanten in den Fingernägeln zu tragen. Die Sache war jedoch im Grunde erfolglos; denn die Juwelen fielen wenige Tage nach dem Einsetzen aus. und die närrische Idee starb eines natürlichen Todes. Darauf erregte eine andre junge Schauspielerin, Miß Stella Beardsley, in New Jork ein beträchtliches Aufsehen dadurch, daß sie Photographien ihrer Liebhaber auf ihren Finger- nägcln trug. Die Idee soll sogar nicht ganz neu, sondern schon einmal in Paris aufgetaucht sein; jedenfalls hat Miß Beardsley den Ruhm, sie in Amerika eingeführt zu haben, lieber das Verfahren berichtet die junge Dame selbst:„Es geht ganz so zu wie bei andern Photographien. Der Photograph verkleinerte die Bilder, die ich ihm gab. zur Größe eines Nagels und niachte danach Films; als sie fertig waren, ließ er mich die Finger in eine Silberlösung tauchen, bis sie empfindlich wurden wie gewöhnliches Kopierpapier; dann legte er die Films auf meine Nägel und ließ mich sie für einige Augenblicke in die Sonne halten, und in kurzer Zeit wurden die Bilder wie gewöhnlich entwickelt. Leider verschwinden die Bilder notgedrungen mit dem Wachsen des Nagels; in drei oder vier Monaten ist alles verschwunden. Man kann aber auch schon früher ein Bild mit einer Lösung abwaschen, wenn man dessen überdrüssig ist." In London ist diese Schrulle, wie ein dortiges Blatt berichtet, durch die Tochter eines reiche» Eisenbahnmagnaten eingeführt worden.— Anthropologisches. — Der Schädel der Menschenaffen und des Mensche n. Auf Grund genauer Verglcichung der Schädel von Menschenaffen und Menschen kommt O. Görke, wie der „Prometheus" dem„Archiv für Anthropologie" entnimmt, zu folgenden Resultaten. Da infolge der Kauthätigkeit auf die obere Zahnreihe sowie auf das 5tiefergelenk ein gewaltiger Druck ausgeübt wird, so wird bei den Menschenaffen, bei denen die Kaufunktion stark in den Vordergrund tritt, eine gewaltige Entwicklung der Kiefer bedingt, während beim Menschen eine Verkleinerung der nämlichen Organe zu Tage Witt. Aus dieser Verschiedenheit der Kieferformen resultiert eine verschiedenartige Druck- Verteilung. Bei den Rtcnschenaffcn ist der Druck auf Vorder- und Hintcrkieser etwa gleichmäßig; beim Menschen dagegen ist der Vorderkiefer stark entlastet, und der Hauptdruck wird cins den Hinterkiefer ausgeübt. Damit im Zusammenhange stehen zahlreiche Ber- schiedenheiten in der Knochenbildung der Schädel. Des weiteren hat die Schrägstelluiig der Zähne bei den Affen und der direkte Aufbiß eine starke Anlagerung von Knochengewebe mit be- stimmter Struktur beding:, die ihrerseits wiederum eine Ab- flachimg des Gaumens im Vordertiefer zur Folge gehabt bat. Beim Menschen stehen die Schneidezähne fast senkrecht im Kiefer und gleiten wie die Blätter einer Scheere an einander vorüber. Mau findet daher nur schwach entwickeltes, unregelmäßiges Knochen- gcwebe, und der Gaumen ist hochgewölbt. Man ersieht hieraus, daß die Gestalt des Gaumens bedingt ist durck die Funktion der Schneidezähne. Veranlaßt durch den Druck des Unter- kiefers gegen die Gelenkpfanne und durch die Bewegung des Unter- kiefer? in hauptsächlich einer Richtung kommt es bei den Menschen- äffen im Schläfen- und Hinterhauptbein zur Entwicklung eines groß- maschigen, federnden, vom Kiefergeleuk fächerartig ausstrahlenden Knochenbälkchensystems. Beim Menschen, der seinen Kiefer allseitig beivegt und auf das Gelenk nur einen relativ geringen Druck aus- übt, tritt in der Gelenkpartie nur ein wenig entwickeltes, rund- maschiges Knochcnbälkchenwerk zu Tage.— Geographisches. — D i e k l i m a t i s ch e n V e r h ä l t n i s s e der Mandschurei. In dem Kriege zwischen Rußland und Japan werden die klimatijcken Verhältnisse der Mandschurei auch eine Rolle spielen. Ueber dieselben ist jedoch zur Zeit mit Sicherheit nur wenig in Europa bekannt. Selbst Professor Hann, der erste Klimatologe der Gegenwart, weiß darüber nur wenig gemäß den Mitteilungen von I. Roß zu sagen. Hiernach wehen' dort in den Monaten März imd April vor- Verantwortl. Redakteur: Julius Kaliski, Berlin.— Druck und Verlag: wiegend lebhafte südwestliche Winde, die von Süden her Wärme und Feuchtigkeit bringen. Ende März hört der Winter auf. der Untergrund ist dann noch gefroren, aber das Pflügen beginnt. April ist der einzige Frühlingsmonat und Ende desselben wird Weizen gesät. Im Mai beginnt bereits der Sommer und Ende Juni oder aiifangs Juli lvird der Weizen geschnitten. Bis zum Ende des Juni hat man nur selten leichte Rcgenfälle, der Himmel ist vielmehr meist klar und selbst Bewölkung fehlt durch- gängig. Ende Juli und anfangs August ist die Hitze am größteu, imd dann setzen schwere Regcufälle mit Gewittern ein. Ost regnet es einige Tage und Nächte hindurch ohne Aufhören, so daß die Erde völlig aufgeweicht und das Land überschwemmt wird. Der September ist der eigentliche Erntemonat, der Oktober der schönste, weil angenehm warm, bei heiterem Himmel und erfrischender Lust, während die Vegetation in den prächtigsten Farben erglänzt. Aber mit dem Schluß dieses Monats beginnen schon die ersten Nachtfröste, im November herrscht durchweg Frost und dieicr hält an bis zum März. In Mulden sinkt die Temperatur bis- weilen auf— 33 Grad, aber während des Tages ist dort die Kälte nicht sehr erheblich, da selbst um die Milte deS Winters die direkte Soiiuenhitze infolge der südlichen Lage bisweilen lästig wird. Die höchsten Temperaturen steigen im Sommer auf 37 und 33 Grad CelsiuS. Etwa zehn Monate des Jahres sind vorwiegend trocken, nur in einem Monat ist die Feuchtigkeit sehr groß. In Niutschwang auf der Nordküstc des Golfs von Liaotung beträgt die miitkere Wintertcmperatnr— 8,9 Grad, die mittlere Sonnnerwärmc 23,8 Grad, die durchschnittliche Jahrcswärme 8,4 Grad Celsius. Die russische Küstcuprovinz bis zur Grenze Koreas bat eine außerordentlich niedrige Jahrestemperatur. Wladiwostok hat eine mittlere Winter- tcmperatur von—12,1 Grad und seine durchschnittliche Jahreswärnie beträgt nur 4,4 Grad Celsius.—(„Kölnische Zeitung".) Humoristisches. — Neues v o Ii Serenissimus. Serenissimus: „Und war Ihr Herr Vater auch katholischer Pfarrer?" Pfarrer:„Aber---- Durchlaucht!!" Serenissimus:„Ach so— pardon!— natürlich, natürlich -- S i e haben ja keinen Vater!"— — W i e die Alten sungen... Kleine Münchnerin: .. Natürlich baben wir auch eine elektrische Straßenbahn." Kleine Berlinerin:„Pah, u n s r e ist entschieden elektrischer I"—(„Jugend".) — Alle Schinken von demselben Schwein. Die „Tägliche Rundschau" erzählt: In Elbing trat vor kurzem eine junge Dame, eine„Großstädterin", in den Laden eines Fleischers und wollte einen Schinken kaufen.„Ich have hier vor wenigen Wochen, gleich nach meinem Umzüge nach hier, zwei Schinken von Ihnen gekauft. Sic waren vorzüglich. Kann ich noch dieselbe Sorte bekommen?"„O gewiß, gnädige Frau," antwortete der Fleischer- meifter schlagfertig, und zcigie ans eine ganze Reihe hängender Schinken,„daS ist alles die nämliche Marke".„G n Sind s i e aber auch wirklich alle von demselben Schweine?" fragte die Dame weiter.„Ganz gewiß!" erklärte der Fleischer ohne mit der Wimper zu. zucken.„Das ist vorzüglich. Bitte, schicken Sie mir nun gleich drei Schinken nach Hause!" Dem Wunsche wurde natürlich entsprochen.—- Notizen. — Eine Frau S t a n i e k in Wien hat soeben die Uebertragimg von A n z e n g r u b e r S sämtlichen Werken in Blinden- Punktschrift vollendet. In der Blindenschrift nehmen die Werke AnzengrnberS 85 starke Bände ein.— — Die Neue freie Volksbühne bringt an den vier Sonntagiiachmittagen dieses Monats<6., 13., 20., 27.) im Schiller- Theater N. Georg H i r s ch s e l d s Komödie„P a u l i n e" zur Aufführung, die vom Dichter zu diesem Zwecke neu bearbeitet und von vier ans drei Akte zusammengezogen worden ist.— — Gabriele d'Annunzios neue Tragödie„ I o r i o s Tochter" brachte es bei der Erstaufführung imTeatroLirico I n t e r n a z i o n a l e zu Mailand zu einem starken äußeren Erfolg.— — Die diesjährige Große Kunstausstellung in Dresden wird bereits am 39. April eröffnet werden.— — Eine seltene Operation ist in Würzburg an einer 33 jährigen Bauersfrau vorgenommen worden: es wurde eine Magenöffnung ausgeführt. Dabei fand man 89 Zwetschgen- und 2 Kirschkerne im Magen vor. Die Operation gelang vorzüglich. Die fast zum Skelett abgemagerte Frau kann jetzt wieder feste und flüssige Speisen genießen.— — Ein großes Thonerdelagcr entdeckte man im Kreise Wesihavelland in dem zwischen Marzahne, Bützow und Radewege gelegenen Marzahner Fenn, das man durch Anlage von Ties- brunnen entwästern wollte. Bei den Bohrungen stieß man auf Thonerde bis 17 Meter Mächtigkeit.— Die nächste Nummer des Unterhaltungsblattes erscheint am Sonntag, den 9. März. - W Vorwärts Buchdrnckerei u.VerlaaSanstaltPanl Singer L:Co., Berlin S W,