Ur. 356 Abomikments-Kedingungen: «bonnementZ-Preti pränumerando: vierleljährl. Z,M Mr., monall. l,10MI., wöcheulUch 26 Psg. frei ins Hau«. Einzelne Nummer S Pfg. Sonnlag»- Nummer mit illuflrierier Sonnlag»- Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Aboimemeni: 3,30 Marl pro Quarlal. Eingelragen in der Post-Zeilung»- Preisliste für 1699 unter Er. 7620. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monal. Erschein! laglich auftct Zvonlag». Vevliner VolksblAkk. 1«. I-ih?». 8!t znstrttong GlbLlfr � delrägl für die sechSgefpaltene Nolonel zeile oder deren Raum 40 Pfg., fil- pollttfche und gewerlschaflliche Verein», und Verfammlungi- Anzeigen 20 Pfg „Steine Anzeigen" jede» Wort S Pfg (nur da« erste Wort seil). Inserate fül olt nächste Nummer müssen bis 4 Uy> nachmittag» in derExpedition abgegeben werden. Die Srpcdition ist an Wochen- tagen di» 7 Uhr abend», an Sonn- und gesttagen di»LUhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: Amt I, Er. 1C0S, Telegramm- Adresse: „Soriatdemokral letlla" Centrawrgan der socinldemokratiMen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Veuth-Straste 2. Mittwoch den 1. November 1899. Expedition: SW. 19, Beuth-Straste 3. Die Mittellinie.'� ii. Borght will nun Berufsvereinen, welche seinen Be- dingungen nachkommen, eine Befreiung von den Fesseln einiger der vereinsgesetzlichen Bestinimungen gewähren, so daß sie Frauen, Kinder, Lehrlinge aufnehmen und mit einander in Verbindung treten dürften. Auch will er ihnen die Rechts fähigkeit eingetragener Vereine nach dem Bürgerlichen Gesetze buch geben. Das wären allerdings für die Gewerkschaften Gaben von großem Werte, wir können aber verlangen, daß sie bedingungslos gewährt werden, da alle Einsichtigen nur einer Meinung über die Notwendigkeit sind, die Rechts stellung der Berufsvereine zu sichern. Für dieses Geschenk aber soll nach der Meinung des Herrn van der Borght die Arbeiterschaft auch noch die Zucht hansvorlage mit in den Kauf nehmen, anders kann man es nicht nennen. tn allen wesentlichen und gefährlichen Bestimmungen t sich van der Borght den Vorschlägen der Regierung an. Mit einigen gewundenen Redensarten sucht er den ausnähme gesetzlichen Charakter der gegen die Arbeiter gerichteten Bestimmungen zu beschönigen, indem er sie als ein Special gesetz bezeichnet. Das ist aber ein großer Irrtum des gelehrten Herrn Specialgesetze können besondere, nur bei gewissen Berufsarten vorkommende Delikte treffen, z. B. die Nahrungsmittel Verfälschungen, ohne deshalb Ausnahmegesetze zu werden Aber Beleidigung, Drohung, Nötigung sind Delikte, die all gemein vorkommen und allgemein strafbar sind; der§ 153 der Gewerbe- Ordnung und das Zuchthausgesctz sind Aus nahmegesetze, weil sie dieselben Handlungen härter bestrafen wenn sie von Arbeitern im Lohnkampfe begangen werden. und weil sie ein Motiv, das nach allgemeinen strafrechtlichen An schauungen als Milderungsgrund gelten müßte, auf diese Art zu einem Strasverschärfungsgrund machen. Auch darübcrgeht Borght schweigend hinweg, was selbst der Staatssekretär Nieberding anerkannt hat, daß die Bestimmungen des Gesetzes im Lohn kämpf einseitig die Stellung der Arbeiter erschweren, daß sie also die der Arbeitgeber erleichtern. Der alte ß 153 der Gelverbe-Ordnung bestrafte bekanntlich nach der richtigen Ansicht nur Ausschreitungen von Arbeitern gegen Arbeiter und von Arbeitgebern gegen Arbeitgeber. Van der Borght will ganz>oie die Zuchthansvorlage die Strafbcstimnntngen auch auf solche Handlungen ausdehnen, die von Arbeitern gegen Arbeitgeber und umgekehrt verübt werden, freilich mit der in§ 4 Absatz 3 des Zuchthausgesctz- Entwurfes ent haltenen Einschränkung, daß es als Bedrohung oder Verrufserklärung nicht anzusehen sei, wenn jemand ein Arbeits- oder Dienstverhältnis ablehnt, kündigt, die Arbeit einstellt oder eine solche Handlung in Aussicht stellt. Es ist hier nicht der Ort, die Unklarheit dieser anscheinend zu Gunsten der Arbeiter gegebenen, in Wahrheit wesentlich den Arbeit gebern zu gute kommenden Bestimnuing zu beleuchten. Nach dent Borghtschen Vorschlage würde ganz wie nach der Zuchthaus Vorlage immer noch ein Arbeiter, der unter der Androhung des Streiks einen höheren Lohn fordert, wegen Erpressung bestraft werden können. Ebenso würde die Drohung gegen einen Streikbrecher, künftig nicht mehr mit ihm zusamnieu arbeiten zu wollen, strafbar bleiben, obwohl der Drohende nur in Aussicht stellte, von einem ihm zustehenden Rechte Gebrauch zu machen. Schlimmer noch ist, daß Borght nicht nur die ganz unbestimmten Ausdrücke,„körperlicher Zwang, Drohung, Ehrverletzung, Verrufserklärung" des§ 153 der Gewerbe- Ordnung bestehen lassen will, sondern daß er die Strafen dieses Paragraphen noch ausdehnen will auf die Fälle der„rechtswidrigen Wegnahine von Arbeits gerät usw., des Postenstehens und des ungehörigen und be> lästigeuden Folgens auf Wegen und Straßen". Diese drei neuen strafbaren Thatbestäude hat Borght dem in der Zucht- Hausdebatte so oft erwähnten englischen Gesetz entnommen. Es ist nun von unserer Seite damals schon erklärt worden, daß wir uns mit englischen Gesetzen allenfalls befreunden könnten, wenn wir englische Behörden und eine englische Justiz hätten. Da bei uns aber in der Bureaukratie ein Geist genährt wird, dem jede selbständige Regung des Arbeiters, jedes Vorgehen von Arbeiterkoalitionen gegen Arbeitgeber schon von vornherein als eine Ruchlosigkeit erscheint, da unsere Be- Hörden die Streikbrecher für besonders nützliche Elemente des Staates halten, so wäre nicht zu erwarten, daß diese Bestimmungen in einer so wohlwollenden Weise gehandhabt werden würden, wie es thatsächlich in England geschieht. Die Auslegung des groben Unsugs-Paragraphen beweist, daß man bei uns zu Lande im Gegenteil aus dem harmlosesten Gesetze Folgerungen abzuleiten geneigt ist, die geradezu eine Zer- störung politischer Grundrechte bedeuten. Darum würden wir die Annahme der Erlveiterungsvorschläge van der Borghts für eine schwere Schädigung der Arbeiterklasse halten, auch wenn alle möglichen auf dem Papier stehenden Äautelen gegen den Mißbrauch hinzugefügt werden lvürden. So wie van der Borght die Bestinnnung über das Posten- stehen fassen will, lvürde sie an dem heutigen Zustande nur bei illoyaler Handhabung etwas ändern können. ") Siehe Nummer 255 des„Vorwärts Wenn das Postenstehen wirklich in allen Fällen als straflos behandelt werden würde, in denen es lediglich dem Zwecke dient, Nachrichten oder Auskünfte zu geben oder einzuziehen� so würde es eben allgemein erlaubt sein, denn in allen nor malen Fällen dient es lediglich diesen Zwecken. Die Unter nchmer wollen aber gerade, daß das Geben und Einziehen von Nachrichten verhindert werde. Wenn nämlich Fälle vor kommen sollten, in denen das Postenstehen sich gegen die persön liche Sicherheit und Freiheit der Arbeitswilligen richtete und eine stillschweigende Drohung darstellte, so bedürfte es keines neuen Gesetzes um strafrechtlich einzugreifen; das würde heute schon unter§ 152 der Gewerbe-Ordnung gehören, ganz abgesehen von den vielen verkehrspolizeilichen Beschränkungen, denen es ohnehin unterworfen wird. Man niuß deshalb befürchten daß die neue Bestimmung dazu dienen soll, um jedes Postenstehen unmöglich zu machen, und thatsächlich wäre sie auch dazu ungemein tauglich. Die Polizeibeamten hätten nach ihr das Recht, jeden Posten zu arretieren, und dieser müßte dann beweisen, daß er bloß die Absicht verfolgt habe, Nachrichten einzuziehen oder zu geben. Die Polizei würde ihm natürlich nicht glauben, würde das Postenstehen weiter ver hindern, und auch eine nachträgliche Freisprechung im Strafe Verfahren würde daran nichts mehr ändern können. Die Be> stimmung ist also juristisch ungeheuerlich und praktisch geradezu ruinös für die Arbeiterbewegung, denn— wie schon oft aus� geführt worden ist— kann kein Streik durchgeführt werden wenn es nicht möglich ist, auch mit den zuziehenden S treib blechern in Verkehr zu treten. Ebenfalls auf dem Boden des Zuchthausgesetzes bewegt sich van der Borghts Vorschlag, nach dem zu erweiternden § 153 auch alle die Handlungen zu bestrafen, welche zwar nicht begangen sind, um einen anderen zur Teilnahme an einer Koalition oder zur Unterwerfung unter dieselbe. zu be wegen, aber deshalb, weil der Betroffene sich dieser Koa lition früher widersetzt hatte. Das heißt in der Praxis, daß Beleidigungen, Drohungen und geringe Körperverletzungen ohne Antrag des Verletzten, ja sogar gegen seinen Willen verfolgt werden sollen, wenn das Motiv, dem sie entsprungen waren, irgend wie init der Arbeiterbewegung zusammenhängt. Das ist der schwerste Eingriff in die persönliche Freiheit der sogenannten Arbeitswilligen, den man begehen kann. Ablehnend verhält sich van der Borght allerdings gegen über der Einführung der Zuchthausstrafe, gegenüber der Minimalstrafe von drei Monaten Gefängnis und der Aus dehnung der Strafe bis auf fünf Jahre Gefängnis für die jcnigcn, die sich solche Handlungen„zum Geschäfte machen", ebenso gegen die Bestimmungen des§ 7 des Zuchthausgesetzes, wonach, wenn man den richtigen Thäter nicht faßt, ein anderer bestraft werden soll. Er will eine Maximalstrafe von sechs Monaten Gefängnis für die in§ 153 der Gewerbe Ordnung vorgesehenen Fälle einführen. Mit keinem Worte erwähnt er dabei, daß schon heutzutage sämtliche Fälle außer den allerleichtestcn als Nötigung, Be leidigung, Körperverletzung. Bedrohung mit weit höheren Gefängnisstrafen belegt werden können, und daß faktisch seit der Oeynhausencr Rede die Gerichte in den meisten Fällen weit über die Maximalstrafe des§ 153 der Gewerbe-Ordnung hinausgehen. So laufen die Vorschläge des Borght darauf hinaus, die Zuchthausvorlage in den für die Praxis der Arbeiter gefährlichsten Bestimmungen durchzubringen. allerdings dafür den Arbeitervereinen eine günstigere Rechtsstellung zu ge- währen, die freilich wieder mit allerhand Rechten der Behörden verklausuliert ist. Wenn alle Nationalliberalen, die auf Borghts Standpunkt stehen, fest entschlossen wären, die Ein- räumung der erhöhten Rechte an die Berufsvereine zur un- erläßlichen Bedingung für ihre Zustimmung zum Zuchthausgesetze zu machen, wäre die Sache nicht gefährlich, denn die Regierungen werden zur Zeit unter keinen Um- tänden den Arbeitervereinen weitere Rechte einräumen, andern lieber die Zuchthausvorlage scheitern lassen. Es ist aber zu befürchten, daß eine ganze Reihe von nationalliberalen Männern sich mit der Zu- timmung zur Zuchthausvorlage auf der Borghtschen„Mittel- linie" befreunden, aber auf die Erfüllung feiner B e- dingungen verzichten wird. Der Möllersche Flügel der Nationalliveralen steht ja mehr oder weniger offen sogar auf dem Boden des von der Regierung vorgelegten Zucht- Haus-Gesetzentwurfes. Darin liegt die enorme Gefahr solcher Vermittlungsvorschläge. Die ehrlichen Freunde deS Koalitionsrechtes unter den Nationalliberalen thäten gut daran, sich nicht einmal auf eine Diskussion über diese sogenannte Mittellinie einzulassen. Nechtsbengnng.znr Wahlzeit. Aus Baden ivird uns geschrieben: Es war vorauSznschcn. daß in dein gegenwärtigen Landtags- Wahlkampf, der für die nationalliberale Partei und damit für unser reaktionäres Polizeiministerium Eisenlohr einen Kampf auf Leben und Tod bedeutet, von gouverncmentaler Seite alles ivcrde aufge» boten werden, um den konzentrischen Angriff der taktisch vereinigten Gegner abzuschlagen und eine Iveitcre Verstärkung der Opposition im Landtag zu verhindern. Was aber die letzten Wochen an offen- kundiger Rechtsbeugung gebracht haben. � das übertrifft selbst die Ichlimmsten Befürchtungen derjenigen, die auf Grund ihrer Er- ahrungen aus früherer Zeit in dieser Hinsicht auf manches starke tück gefaßt waren. Schon die Anberaumung der Urwahlen auf einem Sonnabend gewährt dem Verdachte Raum, man habe sich dabei von der gewiß nicht unbegründeten Vermutung bestimmen laffen, dieser Tag werde mehr als alle anderen Tage der Woche die Zwecke der uationalliberalen Regierungspartei fördern helfen. Der Sonn- abend ist für die Arbeiterschaft im ganzen Lande der Lohntag: das Ablohungsgeschäst nimmt in zahlreichen Betrieben geraume Zeit in Anspruch und hält die Arbeiterschaft länger als sonst an den Arbeitsstellen fest. Da die Arbeiter in den meisten Fällen auch noch eine weite Strecke bis zum Wahllokale zurückzulegen haben und der Wahlakt spätestens um 8 Uhr, an vielen Orten schon um 7 oder S Uhr abends geschlossen wird, so geht zweifellos mancher von ihnen seines wichtigsten StaatsbürgerrcchtcS verlustig, das auszuüben ihm an emetn anderen Tage der Woche wohl möglich ge- wesen wäre. Dazn kommt, daß gerade der Zahltag ain meisten daztt geeignet ist, ivankelmütige Elemente unter der Arbeiterschaft durch versteckte Androhung der Entlassung oder Lohnkürzung ein- zuschüchtern und auf diese Weise von ihnen die Abgabe eines regierungsfreundlichen Stiminzettels zu erpressen. Wie sehr man von oben herab bestrebt ist, die Wahlpropaganda der oppo- sitioncllcn Parteien ztt erschweren, das erhellt auch aus der in Durlach erfolgten behördlichen Auflösung einer großen s o e i a l i st i s ch e n Wählerversammln na» die in dem Augenblicke dem Machtspruche eines noch sehr jungen, RegierungSreferendars zum Opfer fiel, alS der Referent, gegen einen uationalliberalen Diskussionsredner polemisierend, die historische Thatsache konstatierte, daß für die revolutionären Erhebungen der Jahre 1848/49 nicht daS Volk, sondern die Regierungen ver- antwortlich zu machen seien. Der bedeuttnigsvollcre Teil der ftaatSerhaltenden Thätigkeit im Dienste des nationalliberalen Parteiregimentes ward jedoch in den städtischen Gcmeinde-Vertretungen und Wahl- kom Missionen geleistet, in denen sich die Anhänger deS Ministeriums Eisenlohr, ungestört durch oppositionelle Kontrolle, ein Stelldichein geben. Typisch in dieser Hinsicht sind die beiden Städte Pforzheim und D u r l a ch, zugleich diejenigen Wahlbezirke, in denen die Socialdemokraiie sich am energischesten anschickt, die bis- herigen uationalliberalen Vertreter, und zwar ohne fremde Hilfe/ aus' dem Sattel zu heben. In Pforzheim ging der Eifer des nationallibcralcn Stadtrats so iveit, daß dieser, entgegen der Vorschrift des Gesetzes die W a h l z e i t auf die Stunden von 10 Uhr vor ntittags b i s 3 Uhr nachmittags festsetzte, wodurch den Wählern aus dem arbeitenden Volke die Abstimmung außerordentlich erschwert worden wäre. Der geharnischte Protest der socialistischcn Arbeiterschaft, die sich auch hier ivieder als die ivahre Hüterin von Gesetz und Ordnung erwies, machte den genialen Versuch der Pforzhcimcr Rathausgrößen allerdings zu Schanden. Inzwischen >var den Ordnnngsstützcn jedoch der Umstand zu Hilfe gekommen. daß die H e r b st- K o n t r o l l v e r s a m m l u n g, zu der auch die Jahrgänge 1893/94, sowie ein Teil der Landwehr zu erscheinen haben, ans den Tag der Urwahlen fe st gesetzt werde. Da die Mannschaften des Beurlaubtcnstandes am Tage der Kontroll- Versammlung bis um Mitternacht den Militärgesetzen unterstehen, mithin alle jene bekannten militärischen Verbote bezüglich der Teil, nahnic au socialistischcn Bestrebungen zc. ans sie amvendbar sind, so liegt die Möglichkeit einer Bccinträchtignng der Wahlfreiheit in diesem Falle gewiß sehr nahe. Daß auch bei der Einteilung d e r U r w ä h l e r b e z i r k e das altrenommierte geometrische Geschick der musterstaatlichen Goilvcrncnicntalen in den Dienst der„guten Sache" gestellt wurde, versteht sich eigentlich von selbst. In D u r l a ch hat man dasselbe bis zu der fabelhaften Virtuosität entwickelt, einzelnen vorwiegend von Arbeitern beivohnten Bezirken bei gleicher Zahl der zu Ivählcnden Wablmänner die doppelte Wählerzahl zuzuweisen, als wie andern, „besser" gesinnten, und hat dadurch ans die einfachste Weise von der Welt, auch ohne die berühmten Eiscnlohrschcn„Kantclen", ein Korrektiv gegen das politische Ucbcrgcivicht der„radikalen Massen" zu schaffen gemußt. Bei der von der socialistischcnPartciorganisation vorgenommenen Durchsicht der a m t l i ch e n Wählerlisten stellte sich die merk- Würdige Thatsache heraus, daß in demselben Durlach,>vo die Ent- cheidilng zwischen Nationalliberalcn und Socialdemokratie diesmal aus Kitopf und Spitz" steht, bei einer Urwählerzahl von circa 1500 volle 20» wahlberechtigte Bürger, selbstverständlich a st ausnahmslos Arbeiter, bei der Ausstellung der Listen„vergessen" worden waren, mehr als selbst in dem zehnmal größeren Mannheim, wo allerdings in Stadtrat und Wahlkommission die Socialdemokratie ein Wörtchen mitzureden hat. Den in Presse und Versammlungen unserer Partei erhobenen Vorwurf der„unerhörten Schlamperei" quittierte der nationalliberale Stadtrat von Durlach dadurch, daß er dem socialistischcn Wahlkomitcc die Abschrift der Wähler- listen verweigerte unter der Begründung, die Be- amtcn der Stadt seien nicht dazu da, die Geschäfte der politischen Parteien zu besorgen. Wenn die Dnrlachcr Stadtväter es iveiterhin in ihrem amtlichen Wahlausschreiben wiederum„vor- gesscn" haben, die Wähler darauf aufmerksam zu machen, daß der Abstimmungsakt in einem hierfür besonders einzurichtenden isolierten Raum unter Benutzung eines Konverts für den Stimm- zettcl vorgenommen iverden mutz, obwohl dieser Hiiiweis durch ministerielle Verfügung vorgeschrieben ist, fo darf auch dies nicht weiter verwundern: weiß man doch, daß unsere Nationalliberalcn augenblicklich für ganz andere„Kautclen" schwärinen, als für die- enigen, mit denen die Wahlfteiheit des badischcn Staatsbürgers zum Schutze gegen Beeinflnssniigeii umgeben worden ist. Es würde an dieser Stelle zu weit fiihren, wollten wir alle die hübschen kleinen Mittel und Mittelchen aufzählen, mittels deren das mit dem Mute der Verzweiflung um sein bißchen Existenz kämpfende nationalliberale Partciregimcnt angesichts der bevorstehenden Wahlen seinen totalen Zusammenbruch zu verhindern 'itcht. Die obigen Proben mögen genügen zur Charakteristik der„Siegeszuversicht", mit der die Gefolgschaft des Ministeriums Eisenlohr der nahen Entscheidungsschlacht ent- gegcnsieht. Wir zweifeln nicht daran, daß die zahllosen Rechtsbeugungen, die im gegenwärtigen Wahlkampf die Fahnen des gegen die ftciheitlich und fortschnttlich gesinnte Mehrheit des badischcn Volkes ausgezogenen NationallibcraliSmns befleckt haben, von Erfolg begleitet sein werden in d c m Sinne, daß die Wählerschaft die ihr mit dem Stimmzettel in die Hand gegebene Waffe dazu benutzt, um den nationallibcralcn Größen tu unglucikcutiger Weise verständlich zu machen, tvie sehr jede unlautere Ausnützung der pr.itischcn Macht die Pvsition dcS Gegners, den man zu schwächen gedachte, nur verstärkt und damit das Gegenteil von dem bewirkt, was man beabsichtigt hatte.'_ zi)oZikiptfze Vctlin. den 31. Oktober. Als Nota»tsgnng erscheint jetzt ganz unzweideutig der wilde Flottcnplan des Reichs-Marineamts: oder auch als MiquelscheS Sammelbecken für die durch die Zuchthaus- und Kanalborlagc auseinander gesprengten Ordnungspartcien. Der„tz a m b. Ä o r e s p." erklärt, es sei eine unerläßliche Bedingung für das Znstande- kommen deS Flottengesetzes, daß die Regierungen die Zucht- Hausvorlage fallen lasse. Und zweitens plädiert sie für eine Vertagung der Äanalvorlage. So soll man fidel den Teufel durch Beelzebub austreiben, und der Regierung ans ihrer Not helfen, indem man ihr alteS Schuldbuch vernichtet. Die Junker werden versöhnt durck) Preisgabe des MitteNand- kanals und durch Erhöhung der Getreidczöllc, die Industrie wird über den Kanalverlust und das Scheitern des Zuchthausgesctzes durch die Aufträge für die Flotte und die Begünstigung der Exportpolitik getröstet, die Regierung endlich vergißt und ihre früheren ungehciltcn LicbeSschmerzen in der glorreichen lieber- seclichkcit, in dem größeren Deutschland und zahllosen Stapel- läufen. In solcher Rechnung ist freilich der Fehler enthalten, daß das Mittel zur Versöhnung in Wahrheit ein schärfster Konflikt- stoff ist. Die Konservativen wären nur dann für den Marincplan ganz zu haben, wenn sie sicher wären, daß er trotz ihrer Für- spräche abgelehnt werden würde; dann hätten sie ihrgntcs loyales Herz gezeigt, würden vielleicht trotz ihrer Kanalschuld in Gnaden aufgenommen werden, und dabei hätte der ihnen im Innersten verhaßte MarinismuS doch keine Förderung erfahren. Die Liberalen und Rcchtsfrcisinnigen sind allerdings dem Flottcnwahn rettungslos verfallen. Auch die gute Tante „Voß" ist zwar nicht für den Flottenplan der Form nach, aber in der Sache. Dagegen ist, bei aller Unzuvcrlässigkeit dieser verhängnisvoll starken Partei, schwerlich anzunehmen, daß das Ccntrnm selbst der neuesten Ausgeburt der Marine- romantik sich ohne weiteres zur Verfügung stellen werde. Da- nnt wäre das Schicksal auch des Flottcnplans besiegelt und es würde dann in Bälde irgend einer noch größeren, noch mehr überraschenden funkelnagelneuen Plötzlichkeit bedürfen, uni neben den Kanal- und Zuchthausleiden nun auch das Flotten-Fiasko zu verwinden.— Die Ausschaltung des Bundesrats. Die Taktik des dem Reichskanzler gegenüber fast sich nnvercmt- wörtlich fühlenden Reichs-Marineamts in der Frage der Verdoppelung der dcntschen Kriegsflotte hat jede auch nur mögliche Schwierigkeit, die dem Plane von feiten des Bundesrates hätte drohen komicn. kurzerhand nach Secmannsart beseitigt. Der Bundesrat wird durch Veröffentlich des FlottenplancS einfach vor die fertige Thatsache gestellt. Weder dem Bundesrat, noch weniger aber den Bundes- regicrungcn ist irgendwie vor der Veröffentlichung deS Planes Gelegenheit gegeben worden, sich über die doch immer- hin recht wichtige Schwenkung der Flottcnpolilik anSzu- sprechen. Hätte man den mehr kollegialen oder verfassungS- mätzig näher liegenden Weg einer vorherigen Aussprache oder doch einer vorherigen Beratung im Bundesrate eingeschlagen, so wären sicherlich die vorhandenen Bedenken gegen das neue Projekt auch schon im Bundesrat zum Ausdruck gekommen. Es ist bezeichnend, datz man bei anderen Gelegenheiten den Weg der breiten Ocffent- lichkcit nicht einschlägt, sondern sogar höchst entrüstet sich zeigen kann, wenn an? der Mitte dcS Bundesrats einmal irgend eine bevorstehende gesetzgeberische Absicht in die Presse durch- sickert. Um so auffälliger ist daS Vorgehe» in der Flotteufrage, wo man die breite� Ocffentlichkcit früher unterrichtet als den Faktor der Gesetzgebung, der nach der Verfassung sich mit der Vorbereitung der Gesetzcsvorlagen zu befassen hat. Was kann denn der Bundesrat mnmiehr anders thnn als zu dem Plane dcS Reichs-Marineamts Ja und Amen zu sagen I Etwaige Schwierigkeiten, die der Plan bei dem üblichen Vorgehen bei der Vorbereitung einer Vorlage im Bundesrat hätte finden können, sind nunmehr glücklich beseitigt. Denn es wird sich nunmehr sicherlich keine Regiernng finden, die durch ihren Vertreter im Bundesrat sich in Opposition zu eincin Wunsche des Kaisers stellen wird, wenn auch in den Eiuzellandtagcn versucht Iverden wird, im Bundesrate eine Opposition gegen die Vorlage hervor- zunifen. Umsowenigcr wird der Bundesrat sich zu einer anderen als einer bedingungslos zustiuuncnden Haltung entschlietzen, als die einzelnen Bundesfürsten schon seit längerer oder kürzerer Zeit für eine weitere Vermehrung der Flotte ans eigenartige Weise engagiert werden. Als nämlich der Deutsche Flottenverein, der Haupt- agitntor für eine grvtzere Kriegsmarine, gegründet wurde, da wandte sich der Vorsitzende des Vereins, Fürst zu Wied, an sämt- lichc deutsche BnndeSfilrsten mit der Bitte, die Bestrebungen des Vereins unterstützen zu wolle», llnd fast alle Vnndcsfürstcn haben bereitwilligst dem Wunsche entsprochen und an den Fürsten Hand- schreiben ergehen laffcn, in denen sie die Bcstrcbmigcn des Flotten- Vereins billigen nnd glücklichen Erfolg wünschen. Der Prinzregcnt von Bayern spricht in einem solchen Schreiben seine Genugthunng darüber anS, datz der Verein nunmehr gc- nügend erstarkt ist, um mit der Agitation in weiteren Kreisen beginnen zu köimen und damit seinen großen nationalen Zielen näher zu rücken. Der König von Sachsen will dem Verein seine Protektion angedeihen lassen und teilt zugleich die Bedeutung der deutschen Kriegsflotte für die Weltstellung deS Deutschen Reiches. Aehnlich zustimmend äußern sich eine weitere Anzahl von BundeSfürsten mit Ausnahme derer von Württemberg nnd von Baden, von denen eine Stellungnahme zum Dentschen Flottcnverein bisher nicht bekannt geworden ist. Um so bcmcrkens- werter ist die Zeitungsnachricht, datz schon jetzt eine Anzahl von Bnndcsfürstcn, darunter der König von Württemberg und der Groß- Herzog von Baden, ihre Ilebereinstimmung nnt dem Ensemble des Planes bereits ausgesprochen haben sollen. Die Bundesregierungen müssen also im Bundesrat auf jeden Einwand gegen den Flotten- plan verzichten nnd haben heute schon gebundene Marschroute. Man erlebt daher bei der neuen Flottcnaktion das bemerke»?- werte Schauspiel, datz der Bundesrat als diejenige Reichsiiistanz, die die Gesetzesvorlagen vorzubereiten hat. sachlich ganz und gar ausgeschaltet ist und nur die formelle GcschäftZerledignng zu besorgen hat. Wie sich dies mit der verfassuugS- mätzigen Stellung der Bundesregierungen und des Bundesrates verträgt, wie sich der Bundesrat selbst als gesetzgebende Körperschaft in diesem Falle vorkommen mutz, diese Fragen mögen Pretzorganc derjenigen politischen Richtungen untersuchen, die eiftig Über de» bnndesstaatlichen Charakter des Reiches wachen zu müssen glauben! wir wollten nur zeigen, datz der Bundesrat für die Gestaltung gerade der wichtigsten Fragen der RcichZpolitik, wie es doch die geplante Verdoppelung der Kriegsflotte ist, nicht mehr ernsthaft in Betracht gezogen werden kann, datz vielmehr nur im Reichstag allein noch ein Widerstand gegen die eigenartige Politik des Reichs-Marine- amtes möglich ist._ Der Boerenkrieg ist eine unerschöpfliche Onclle von Verlogenheiten für unsere Zunft- nnd Zopfmilitaristen. Diese sind allesamt kräftige Reaktionäre vor dem Herrn, nnd folglich ingrimmige Feinde Englands. daS durch und durch bürgerlich, liberal und unmilitaristisch ist. ES gicbt nichts Schlimmeres, was sie den Engländern nicht wünschten. Nur Schade, daß sich den guten, christlichen Wünschen ein furchtbares Hindernis entgegenstellt: nämlich das Gespenst des Zunft- und Zopf- Militarismus. Mit w e m sind die Engländer in Kampf? Mit Boeren-M i l i z e n. Und besiegen sie die Engländer, so wäre das ein Sieg über den Zunft- und Zopf- Militarismus— und das wäre womöglich schlimmer, als ein Sieg der verhaßten Engländer. Man muß gestehen, das ist ein tragischer Konflikt der Gefühle. Wie aus ihm herauskommen? Die Herren Zunft- und Zopfmilitaristeu haben bis jetzt in ihren Nöten keinen anderen Rat gewußt. als den: der englischen Armee den Charakter einer guten Armee im Sinne des Zunft- und Zopfmilitarisinns abzu- sprechen.„Es ist eine Werbe- Arniee", sagen sie gering- fchätzig,„und eine Werbe-Armee ist in punodo der militärischen Tüchtigkeit nicht mit einer Armee wie der unsrigcn und der französischen oder russischen und östreichischen zu vergleichen." So? Ein Unterschied ist freilich— ein sehr großer Unterschied der Größe und Zusammensetzung. Aber in puncto der militärischen Tüchtigkeit? Das steht auf einem anderen Blatt; und die Herren Zunft- und Zopfmilitaristen sind da auf ein bedenkliches Thema gerathcn. Will man uns weiß machen, angeworbene Freiwillige seien schlechtere Soldaten als die Muß soldatcn der allgemeinen Dienstpflicht? Glaubt man denn, wir hätten vergessen, daß der Zunft- und Zopf- Militarismus zu allen Zeiten in einer W c r b e- A r m e c von Freiwilligen sein höchstes Ideal erblickt hat V Eine solche Armee bietet ihm bloß nicht die nötigen Massen; und so hat er denn mit äußerstem Widerstreben der f r a n- zösischen Revolution das„Aufgebot der Massen" entlehnt, und sich dabei natürlich bemüht, durch Strammheit der Disciplin die Gefahren dieser revolutionären Einrichtung zu mildern. Allein gründlich läßt sich die Gefahr nicht beseitigen. Denn keine Macht der Erde kann verhindern, daß die Demokratie und der Socialismus, wenn sie die Massen des Volkes ergriffen, auch in die Armee eindringen. Das wissen die Zopf- und Zunftmilitärs, die eftvas weiter sehen als bis zu der Nasenspitze, sehr wohl und deshalb taucht periodisch bei ihnen der Gedanke ans, wieder zum System der Berufsarmeen zurück- zukehren, in denen der„militärische Geist" stark genug wäre, jeden anderen„Geist" zu verdrängen. So hat z. B. Herr G a l l i f f e t, der jetzige Kriegsinimster in Frankreich. vor dein unsere Zopf- und Zunftinilitaristen einen gewaltigen Respekt haben, die Umwandlung der Massenarmce in eine kleine Berussarmee nach englischem Muster empfohlen, der eine nationale Miliz zur Seite stehen soll. Kurz— die englische Armee vertritt das Ideal bes Zopf- und Zunstmilitarismns in weit höherem Maße als unser jetziges HeercSsystcm. Und durch Verkleinerung der englischen Amectüchtigkeit schneiden unsere Zunft- und Zopfmilitaristen sich nur ins eigene Fleisch.„Sie spotten ihrer selbst und merken nicht wie."— *« « Deutsches Meich. Albert Schmidts Abschied. Magdeburg, 30. Oktober. Heute nachnüttag haben sich die Gejängnisthore in dein nahen Landstädtchcn Gottuneru hinter Albert Schmidt geschlossen. Die Magdeburger Arbeiterschaft hat die letzten Stunden. ivährend welcher der Verurteilte in ihrer Mitte iveilte, benutzt, um scharf nnd vernehmlich gegen die Rechts- aiischannngeiy zu protestieren, denen er zum Opfer gefallen. Schmidt ivnr bekanntlich auch Magdeburger Stadtverordneter. Mit dem Reich-stagSmandat ging auch der Sitz im städtischen Parlament verloren. Die Wähler Magdebnrg-RenitadtS. die ihn vor bald einem Jahre ins Nathans entsandt halten, nmtztcu sich über die neue Kandidatur schlüssig werde». Zu diesem Zivecke war er aufgefordert worden, seine Abschicdsrede im Stadtteil Neustadt zu halten. Die Ver- snmmlnng war ans Soimtagnachmittag Uhr anberaumt. Eine gute Stunde vorher war der Saal Kopf an Kops gefüllt; wer zur fest- gesetzten Stunde kam, konnte keinen Platz mehr erhalte». Tiefe Er- regnng lagerte über den Massen; sie kam zum sportanen Ausbruch immer dann, wenn der Redner einen pointierten Satz in den weiten Raum schlenderte, und wuchs sich am Schlüsse seines Vortrages, nachdem er sich über seine» eigenen MajestätSbeleidignngS-Prozetz verbreitet hatte, zu einem unvergleichlichen Bcifallstosen ans. Danach erfolgte einstimmig Schmidts W i e d e r a u f st e l l n n g zur Stadtverordnetemvahl. Das Politische iind Komnmnalpoli tische war erledigt, das Menschliche trat in seine Rechte. Ein Genosse sprach einige warme Abschiedsworte niid während die Menge in atemloser Stille verharrte, klang das Abschiedslied des Neüstedter Arbeiter- GesangveremS durch de» Raum. Es gab niemand, der nicht bis ins Innerste ergriffe» war. als in melodischem Toufall daS leise Lebivohl, Lebwohl, über die Köpfe hiiiwegtöute. Noch einige lebhafte Körte Schmidts und die Besucher verließen den Saal, nachdem so viele ihrer konnten »och dem Verurteilten die Hand geschüttelt hatten. Heute vormittag auf dem Hauptbahnhof wurde der letzte Scheidcgrntz gewechselt. Mehr als 300 Genossen und Geiiossiimeii hatten sich eingefttnden, und mehr als tOOgabenSchmidt das Geleit bisGoimnern, bis an dieThore des Gesang- nisses. Die Frauen waren aufgelöst, die Männer tief bewegt. Ein letztes Tücherschwenken, der Zug verließ die Halle. Auf dem Bahnhof i» Gommern erwarteten mehr als fünfzig Magdeburger Radfahrer die Ankommenden; in ernstem Zuge ging es durch die� lang- gestreckten Straßen des Städtchens bis zum Treffpunkte. wo die zahlreichen St«inbr»ch§arbeiter ihrer harrten, die cS sich nicht nehmen lassen ivolltcn, dem Parteigenossen des Geleit zu gebe», der für drei Jahre hinter den hohen Maner» ihr unfreiwilliger und rechtloser Mitbürger sein ivird. Gegen �«2 be- weqte sich ein langer ernster Zug dem Gefänguisthore zu; ein letzter Abschied von den Genossen, em erschütterndes Lebeivohl von seinem Weib und seinen Verwandten und Albert Schmidt öffnete sich in Be- gleitiing des Genossen Lankau. des Arbeitgebers unseres Inhaftierten, das Thor. Ein Schritt, die Thür schlug zu, der Schlüssel knarrte im Schloß— ftir drei Jahre ist das Opfer des Majestätsbeleidi- gimgS- Paragraphen aus den Reihe» des kämpfenden Proletariats gestrichen.— Die blihrischen Wahlrechts Debatten. Nach viertägigen Verhandlungen gingen ani Montag endlich die teilweise recht lebhaften Debatte» über die Reform des Landtagswahl- Gesetzes zu Ende und mit Stimmeneinhelligkest beschloß die Kammer, den soeialdemokratischen WahlrechtS-Antrag an einen besonderen Ausschuß von 21 Mitgliedern zur Vorberatung zu überiveisen. In seinem Schlußwort sprach Wollmar über das Wahlkomproniiß: Die Zeiten hätten sich merkwürdig geändert. Kaum sind die Social- demokraten als Auswurf dcr Menschheit, als revolutionäre Um- stürzlerec. angesehen und behandelt worden, so klingtjetztdasLied anders. Jetzt kann man ohne Gefährdniig des Seelenheils mit den Social- dcmolratcn gehen. Wie mcuschlich, wie taktvoll habe man in diesen Tagen in der Kammer von den Soclaidcmokraten gesprochen. Wäh- rend man früher über die fünf socialdeinokratischen Abgeordneten spottete, sage man jetzt, man wünsche eine stärkere Vertretung der Partei, denn diese wirke nützlich. Die soeialpolitische Einsicht in Beziig auf die Stellniig dcr soeialdemokratischen Abgeordneten sei sehr erfreulich. Man behandle sie nicht mehr als revolutionäre Umstürzler, die sie auch nicht seien. Ans dem Strolch von früher sei eine umworbene Erbin geworden. Das hätten die Wahlen gemacht. Die»Berliner Neuesten Nachrichten' fürchten das böse Beispiel Bayerns und setzen alle ihre Hoffnung auf den preußischen Landtag. Höhnisch bemerkt das Krnpp-Blatt: »Es wäre mir erivlliischt, wenn die linksliberale Fraktion dcS preußischen Abgeordnetenhauses der Anregung folgte und mit Rück» ficht auf die WahIrechtS-Debatte in der bayrischen Kammer im preiißischen Abgeordnetenhanse einen Generalangriff gegen das Drciklasscii-Wahlsystcin eröffnete. Es würde dann klar werden, wie sehr im Gegensatz zu der bayrische» Vollsverlretung innerhalb des preußischen Landtages die Wertschätzung des allgemeinen gleichen und gehnincn Wahlrechts für die LandtagSwahlen sich g c»i i n d c r t hat und ivie wenig selbst Parteien. Ivelche in Bezug ans die Neichstagswahlen entschieden für das Bestehen des Reichs- Wahlrechts eintreten, geneigt sind, das preußische Wahlrecht durch das allgemeine gleiche und geheime Stimmrecht zu ersetzen." Die ganze preußische Reaktion lebt ja einzig und allein von der Karikatur eines Wahlrechts. Ei» Hauch freieren Geistes und die angemaßte Macht zerstiebt in alle Winde.— Herrn van dcr Borght» dessen Vorschläge zur„Arbeits- Ivillige»"-Vorlage wir im Leitartikel bespreche», hat ehrenvolle An- erkeiinirng seines Liberalismus gefunden. Die K r e n z- Z e i t u n g" freut sich seiner Vorschläge gegen den..KoalitiouSzivang" und hofft auf Berständigiing mit den Natioualltberaleu, die diese Vorschläge gut heißen. Der Herr Professor sieht, daß er auf gutem Wege ist. In der»Deutschen Juristeiizcituug" spricht sich Professor v. L i l i e Ii t h a I- Heidelberg gegen die Zuchlhaiisvorlage aus. Er verneint die Notwendigkeit nnd Nützlichkeit verstärkten gesetzlichen Schutzes, nnd er erklärt überhaupt„die Vermehrung der Be- strafungcn kriininalpolitisch geradezu für ein Unglück. DaS gute Herz der Unternehmer preist die„Post" an. deren Angestellten doch wahrlich von diesem guten Herzen wenig verspüren. Im letzten Quartal habe das Unternehmertum allein zehn Millionen für Arbeiterivohlfahrts-Zlvecke aufgebracht. Die„Post" vergißt nur die notwendige Vergleichszahl anzugeben, wie viel Millionen das Ilnternehmertnm in diesem Zeitraum aus der Arbeit der Proletarier für sich als mühelosen Gewinn eingeheimst hat. UebrigenS verzichten die Arbeiter herzlich gern auf alle diese Wohlthaten, wenn man ihnen dafür die Freiheil'gewährt. Mögen die Unternehmer lieber den Marinepatriotisimls aus eigener Tasche bezahle». Aber da haperts gerade. D i e Kosten lassen sie die Arbeiter aufbringen, und als vor ein paar Jahren die fainose Flottensammlmig umging, da brachte die gesamte wasscrschwärmende besitzende Klasse des Vaterlandes bare 10 000 Marl auf! Das ist der Prozentsatz an echtem iviarincpatriotismns in einer einzigen Zahl. Wert: 10 000 Mark. Kleine Flottenspäste. Die ministerielle„Berlmer Korrespondenz" schreibt in vollem Ernst: Die„Freisinnige Zeitniig" berechnet, daß wir im Jahre 1017 einen Jahresetat von 250 Millionen Mark haben würden. Die Zahl mag richtig sein. Zur Beurteilung der Höhe der Zahl sei darauf hmgewiescu, daß die übrigen Großstaate», welche zum Teil weniger Scr-Jnteresscn zn schützen haben als Teutschland, heute(1899) bereits folgende Marine-Etats besitzen: England.... 500 Millionen Mark Frankieich,,. 240„„ Amerika.... 200»„ Rußland.... 185„, DaS Organ der Negiennig zählt zn den Ländern, die weniget See-Jiitcrcsscn zu schützen haben als wir offenbar England.— Ter Kanalhast. In NenhaldenSleben hat. wie schon berichtet. eine L a n d t a g S» E r s a tz w a h l stattgefunden. Es standen sich zwei K o n s e r v a t i v e n gegenüber. Von 35g Stimmen erhielt der k a n a l f e i» d l i ch e Rittergutsbesitzer Himburg 205, der kanal- fr k u u bliche Bürgermeister Götz 151 Stimmen. ES stärkt das Hochgefühl der Agrarier nicht wenig, daß iht Mann gesiegt hat.— NcichötagSsiircht. Vor den bevorstchenden Reichstags- Debatten fürchlet sich die„Krenz-Zeitnng". Sie möchte am liebsten allzu unangenehme Erörterungen durch Schluß der Debatte ab- schneiden und giebt folgenden Rat: »Zu wünschen ist es nur in jedem Falle, daß die Abgeordnete» schon gleich i» der eisten Sitzung möglichst vollzählig sich ein- finden. Die Erfahrung hat gelehrt, daß die Arbeiten bei einem gut besetzten Hause rasch fortschreiten, daß dagegen der viel be« klagte»AbscntiSmus" an der Verschleppung der Vorlagen und an der„Uferlosigkeit" der Debatten hauptsächlich schuld ist." Die»Kreiiz-Zeitung" fleht vergebens. ES wird ihren Leuten nichts erspart werden, auch wenn sie vollzählig zur Stelle sind. Im Reichstag haben die Koiiscrvalivcn nicht die Uebermacht und können nicht das Hans nach ihrer Willkür terrorisieren.— Ein sehr sorgsamer Landrat. An der Spitze der Nr. 84 der„Westerwälder Zeitimg", des Amtsblattes für den Oberwester- WaldkreiS. findet sich folgende eigenartige amtliche Bekanntmachung: L. Nr. 11779. Marienberg, den 18. Oktober 1899. Bei meinen KreiSbereisungen habe ich gesunde», daß in den meisten Schulen iinziveckmäßige Oese» aufgestellt sind, welche das Heizmaterial sehr schlecht verwerten mid deshalb im Brand dcir Gemeinden uiivcrhältiiisinäßig teuer zu stehen kommen. Ich ordne daher zur Vermeidung von Nciibeichassiiiigeii unzweckmäßiger Oese» hierdurch an. daß die Herren Bürgermeister vor der Neubestellung von Oefcn für Schnlsäle oder Lehrerwohmingen mir jedesmal Anzeige erstatten. Dabei inuß mir Länge, Breite«»d Höhe des betreffenden zu heizende» Raumes in Metern an» gegeben werden. Ich st ehe mit einer leistungsfähigen Firma in Verbindung, die solide, zivcckmäße' Oesen zu mäßigen Preisen liefert. In diesen Oese» können Mwohl Braunkohlen als auch Stein- und Aitthrazitkohlcn gebrannt werden. Ich werde dann jedesmal den Preis deS Ofens mitteilen. Die Bestellung muß durch meine Hand erfolgen, um den Gemeinden den mir bewilligten Scont zu gute kommen zn lassen. Ans Wunsch bin ich auch bereit, derartige zweckmäßige Oesen — auch solche mit Kocheinrichtung— Privatpersonen nach» zuweisen. Der Landrat. Büchting. Der Herr Landrat zieht den Kreis seiner Amtspflichten recht Welt. Warum beschränkt er sich aber ans die Versorgung seiner Ge» meüiden mit Oesen. warum übernimmt er nicht die Verinittlnng aller Geiiieindebedürfnisse?— Socialdemokratische Geistliche. Der Uebertritt des Pfarrers Blmnhardt zur Socialdeinokratie verschafft der»K r e u z- Z e it u n g" Beflemmmigen. Sie fürchtet, in den noch religiös gesinnten Kreisen des Volkes kömite bei solchen Geschehnissen das Vorurteil gegen die So�taldemokratie schivindc», das unsere reaktionären Lerlenmder mit so vieler Mühe verbreiten. DaS Blatt meint: „Blumhardt ist ein hervorragender TypnS der Vorzugs- weise subjektiven Auffassung des Christentums, wie sie gerade In Wiirttcmbcrg von jeher besonders zahlreiche Vertreter findet. Aon der LandcSlirche hat er sich deshalb schon lange getrennt und dafür einen zahlreichen ftreiS persönlicher Anhänger um sich vcr- sammelt, die sich aus allen Ländern der Welt resruticren und einen sehr regen Briefwechsel mit ihm nnterhaltcn. An der Lauter- teil seiner Absichten und seines Wandels hat nie jemand gezweifelt; dicS Zeugnis kann ihm auch heule, Ivo er sich ausdrücklich zur Sccialdcmolratie bekennt, nicht vcr- weigert werden; denn gerade in dieser n b c r i d e a l c n, trotz eines starken Verkehrs wcltcnlfrcmdetcn Ansfasjnng der Dinge und Menschen ist die eigentliche Wurzel jenes Schrittes zu suchen: cr sieht in der Socialdeniokratic nicht die Partei des HasscS und der Zerstörung, sondern nur die drr Kleine» und Schwachen, die es sich zur Aufgabe»lacht, eine neue und bessere Wcltordnnng zu schasfri». Nur in diesem Sinne ist sein Uebcrtritt zu verstehen." Es ist ein Rätsel der Natur, das; Vlumhardt, der noch bei den letzten NcichStagswahkcn für den Dcutschpartcilcr eintrat, damals also wohl noch Menschenkenntnis hatte, in einem Jahre plötzlich wcltcntfrcmdct rmd— ein schrecklicher Vorwurf— überldcal gc worden ist. Ein Wunder, ein komplettes Wunder! IlebrigcnS könncii wir zu unserem Vergnügen fcstslellcu, daß, wenn der Geist liche die Socialdcmokratie so auffäßt, wie es die, Kreuz- Zeitung" behauptet, cr die Umstürzler ungefähr so sieht, wie sie sich selber sehen. Redet die„Krcnz-Zcilung" von einer Partei des Hasses und der Zerstörung, so eiitwirst sie offenbar eine Sclbstzcichnnng der auf Ausbeutung, Unterdrückung, Völkcrhah und Knllnrverwüstnua bc- ruhenden, im Militarismus, MarinisinuS und Kapitalismus Haß und Zerstörung sinnenden europäischen Reaktion.— Aus Elsast-Lothringeu, 30. Oktober.(Eig. Ber.) Im Gc- mciuderat der Stadt Mülhausen haben die beiden socialistischcn Vertreter. Bucb und Hickcl, einen Antrag eingebracht, i» welchem »lnter dem Hinweis auf die illoyale Konkurrenz, die den freien Ar- bcitcrn am Platze gegenwärtig durch die Verwendung von Straf- gefangenen zu Arbeiten bei Privatleuten sowie besonders bei dem Mülhauscr Amtsycrichts-Ncubau entstand, der Bürgermeister aufgefordert wird, beim Ministerium für Elsaß-Lothriugen dahin vorstellig zu werden, daß die bezeichnete Vcrlvcndnng von Straf- gefangenen alsbald aufhöre. In nachahmenswerter Weise hat die socialistische Arbeiterschaft von C o l m a r dem Vertreter dcS 3. clsaß-Iothringischcn Wahlkreises im Reichstag, Rechtsanwalt Preiß, gegenüber der demnächst wieder zur Beratung kommenden Znchth ausVorlage den Nacken gesteift. Eine Arbeitcrversaniinluiig richtete an ihil die Aufforderung. bei der nächsten Lesung des Gesetzentwurfes sich in Berlin einzu- finden, um seine Stimme gegen die Vorlage in die Wagschale der Entscheidung zu legen und für die Erweiterung des KoalitionSrcchtS der Arbeiterschaft einzutreten. Herr Preiß, der bei der ersten Lesung des Gesetzentwurfes im Reichstage gefehlt hall' erklärte sich in seinem Antwortschreiben bereit, dem Wunsche der Vcrsaminluug zu entsprechen.— Anstand. Oestreich-Nugari«. Noch immer czcchische Unruhen. Prag, 31. Oktober. In Polna wurden am Sonntagabend an Häusern der Israeliten zahlreiche F e n st e r s ch e i b c» eingeschlagen. Später wurde die Ruhe wieder hergestellt. Der Bezirkshauptmann war zugegen, die Gcndarincricpostcn verstärkt. In Rokitzan, Chotcbor und Senftenberg fanden am Sonnabend demonstrative Umzüge statt, bei welchen mehrere Fensterscheiben zertrümmert wurden. In Senftenberg sammelte sich am Sonntag trotz AbmahnenS der Behörden die Menge neuerdings an. Die Gendarmerie vereitelte Umzüge in den Straßen und verhaftete zwei Personen wegen renitenten Bcnchincns. Auch in Policka und Pilgram fanden in den letzten Tagen Kundgebungen statt; zu crnftcrcu Ausschreitungen kam es mdesscu nicht. Schtveiz. Zürich, 80. Oktober. lEig. Ber.) Soweit bis jetzt Nachrichten über die Resultate der gestrigen Stationnlrats-Wnhlcn vorliegen, lassen sie erkennen, daß 4 S o c i a l d c in o k r a t c n gewählt sind und 3 in die Stichwahl kommen. Gewählt wurden, Ivie voraus- znschen war. W u I l s ch l c g c r in Basel mit 4337(1803: 4335). Triquct in Genf mit 3474(1857), G s ch w i n d in Baselland mit 3198 und Vogelfänger in Zürich mit 18 222<14 000) Stimmen. Dazu ist zu bemerken, daß Vogelfänger auf den Listen aller Parteien stand, Triquet auf den kocialdemokratischen und nationalen, Wull- schlcgcr auf den socialdemokratischcn und konservativen, und daß Gschwind von den Arbeitern und Bauern getvählt ist. In die Stich- wähl kommen Schweizer in Basel'mit 2380 Stimmen mit freisinnigen rmd konservativen Gegenkandidaten, Dr. Brüstlcin oder Marr in Bern mit Dr. Sourbeck und dem Konservativen Wyß(socialdcmokratische Stimmen 2942, 1893: 2339) und Bröl ey in Rcncnbnrg mit 3300(2093) mit einem Konservativen. In Zürich wurden die übrigen fünf Bürgerlichen mit 11 334 bis 12 293 Stimmen gewählt, während die übrigen fünf Socialdcmokratcn 7373 bis 8737(3399 bis 3973) Stimmen erhielten. Weiter erhielten erhebliche Stimmenzahlcn Fauqncz in Lausanne 2398(3200), Fürholz in Solo- Ihurn 2487(1000), Reimann in Biel 3220(3200) Stimmen usw. Die.nahestehenden" Bürgerlichen, wie Curti, Schcrrer- Füllemann, Dr. Hofmann, Kundig, Dr. Decurtins ec. wurden wiedergewählt.— Frankreich. Mlkleraud und die russischen Offiziösen. Im autokralischcn Rußland ist man mit dem gegenwärtigen liberalen und„arbcitcr- freundlichen" Regime in Frankreich seit langem h ö ch st u n z n- frieden und die maßgebenden offiziösen russischen Blätter veranstalten eine wahre Hetzjagd auf das französische M i n i st e r i n m und ans den Präsidenten L o» b e t. Namentlich ist ihnen der socialdcmokrntischc Minister Millerand ein Dorn im Auge und die„ N o w o j e W r e m j a" ist außer sich,„daß Waldcck- Rousseau seinem Kollegen Millcrand der Kammer einen Gesetzentwurf zu unterbreiten erlaube", der auf Erweiterung der politischen und bürgerlichen Rechte der Arbeitersyndikatc hinziele. DicS könne, meint die„Noivoje Wrcmja", die besitzenden Klassen Frankreichs nur mit Unruhe und Mißtrauen erfüllen und sehr charakteristisch wäre es, daß sich in jüngster Zeit selbst im RcgienmgSblattc, dem. Tempo", Stimmen vernehmen ließen, daß das Ministcrinm Wolbeck bei seiner verschiedenartigen Zusammensetzung nicht am Ruder bleiben könne, nachdem cS seine Aufgabe erfüllt,„die Drcyfns-Affairc zu liquidieren" und daß ein Millcrand und andere Socinlislcn als Minister unnütz und sogar „für die Ruhe der besitzenden Klassen gefährlich wären".— Paris, 31. Oktober. Ter heute im Elysec stattgehabte Ministerrat beschäftigte sich mit dem Gesetzentwurf betreffend das Pcrciustvcsrn, welcher der Kammer immittelbar nach ihrem Zusammentritt vorgelegt ivcrdcn soll. Als Tag des Zusammentritte wurde der 14. November festgesetzt. Es bestätigt sich, daß der SlaatsgcrichtShof am 8. November zusammentreten wird. Paris, 31. Oktober. Eine Depesche des Kommissars im Schart- Distrikt, Gentil. an den Kolonialminister berichtet: Der Administrator Brctonnct. Lieutenant Braun und Sergeant Martin sowie 27 Senegal- schützen sind im Angnst in B a g h i r m i in einem Kampfe mit Rabah, der an der Spitze von 7000— 8000 Mann stand, gefallen. Nur ein scnegalischer Sergeant ist entkommen. Auch Nadah hat große Verluste erlitten. Spanien. Madrid, 30. Oktober. S enat. In Beantwortung einer An- frage erklärt S i I v e l a, die Verfügung des Gcneralkapitäns von Katalonien, betreffend die Steuerzahlungen, sei im Einverständnis mit der Regierung erlassen worden. Die Interpellation des Grafen Almenas wird auf morgen vertagt. Deputiertenkammer. Der Republikaner Sol h Ortega greift eine Verfügung des Generalkapitäns von Katalonien an. durch welche die Steuerpflichtigen, welche die Zahlung der Steuer der» weigern, für Aufrührer erklärt werden, und behauptet, die Katalonicr seien keine Separatisten; dieselben seien nnzufricdcn wegen des Verlustes von Kuba und der Philippinen. Hierauf wird die Verhandlung vertagt.— Nsicn. Shanghai, 81. Oktober. Ein Telegramm der„North China Daily NcwS" aus Tfchung-King vom 80. d. M. meldet, daß in Jen- huai-hsien in der Provinz Kweitfchou ein Aufstand der Eingeborene» ausgebrochen und daß der Mandarin ermordet Wörde» ist. Die Lage werde als ernst angesehen. Nrbcr Partcivcrsainmlnngcn» die sich mit dem Parteitage bcschästigten, liegen wieder einige Berichte vor. In K o t t b n s cr- klärten sich die Geiwssc» ohne Debatte mit den Beschlüssen dcS Parteitages ciiivcrstaiidcn; in E r i in ni i t s ch a u, Bochum und Hagen wurden nach kurzer Debatte Znstinimniigs- Resolutionen angenommen, in Jeßnitz in Anhalt erhob sich kein Widerspruch, und im 1. ha M b u rg i s ch e n Wahlkreise wurden in der Debatte nur nebensächliche Emweudmigeu erhoben, während ein Beschluß nicht gefaßt winde. In M a i nz referierte Gcnosic David über den Parteitag. Erzeigte sich als von dein Gange der Bcriistciii-Dcbatte sehr erfreut. Weshalb cr für die Bcbclsche Resolution gcftiiiimt habe, erörterte cr auch. Der zweite Absatz sei ihm zwar zu eng und cinscitig, trotzdem hätte cr für den ganzen Absatz gcstiuunt, auch ivcnn cr ihm noch weniger gefallen hätte, schon darum, weil der Absatz zugleich auch eine vortreffliche Definition unseres wahren und wirklicheil Endziels gebe, welche laute:„Die größtmöglichste Wohlfahrt aller!" Diese Feststellung des Endziels mache dem„Ethiker" Bebel alle Ehre. Halte inan das im Auge, so erscheinen alle übrigen„Endziele"»ur als Mittel zum Zweck, die sich in letzter Linie alle jenem wirklichen Endziel lmterznordnen haben. Nach einer längeren Diskussion, in der auch Gegner Bernsteins sprachen, wurde gegen eine Stimme diese Resolution angenommen: „Die Bersammlimg erklärt sich mit den Beschlüssen des Partei- tageS und der Thätigkeit ihres Delegierten, Genossen Dr. David, insbesondere in der Bcrnstcinfragc einverstanden. Sic erkennt den Klassenkampf als notwendig an und hält es für die Pflicht dcr Arbciterklassc, zur Erringunq des Endziels die gcgcmvärtigcn Vcr- hältnisse möglichst günstig für die Arbcitcr zii gestalten, um sie geistig und körperlich auf ein höheres Niveau zu heben." Der Berliner Briefschrcibcr der„Renen Zeit"(Nr. 2) kommt bei Gelegenheit der Besprechung des jüngsten SpielcrprozcsscS auf die Bemerkungen der„Breslauer Volkswacht"(siehe„Vorwärts" Niniiincr 243) gegen Liebknechts Himveis auf die Harmlosen in Hannover zurück und polemisiert dagegen. Er sagt, eS mache sich in der Anschauung unseres schlcsischen ParteiblattcS ein Geist geltend, der, tvcnn cr um sich griffe, zum tödtlichcn Gifte für den Klassen- kämpf des Proletariats werden müßte. Man solle doch nicht bc- haiipten, daß sich die Harmlosen zur besitzenden Klasse verhielten, wie die Lnmpenproketarier zur arbeitenden Klasse. „Denn da die„Harmlosen" überwiegend ans Asscssorcii, LiciltenantS und sonstigen Säulen der Bcamiciihicrarckiic bestehen, so müßte sich, Ivcnn jener Vergleich stimmen sollte, die Beamten- schaft der Socialdemokratic ans dem Lumpenproletariat rekrutieren, ivaö denn doch der„Würde" der Partei ungleich näher treten heißt, als ivcnn man Parteitag und Spiclcrprozcß als schärfste Kontraste gegenüberstellt. Am leichtesten tvird die ganze Schiefheit der von dem schlcsischen Parteiblattc beliebten Bcivcisführniig durch cinen historische» Vcr- gleich klargestellt. Man kann kein bürgerliches GcsckiichtSivcrk über die große sranzösischc Revolution anfschlagen, ohne den Halsband- Prozeß als ein Symptom für die unheilbare Fäulnis des ancion regime ausgezählt zu finden. Und doch traten in diesem Prozeß mir ein habgieriger und verkommener Junker, mir eine Dirne, nur ein iuteruatioiialer Hochstapler auf, also nur einzelne Exemplare der Kategorien, die in dem Berliner Spiclcrprozcß gleich schesfel- und schockweise auf die Bühne geschaufelt iviirdc». Jedoch die französische Bourgeoisie, die damals»och revolutionär zu denken vennochte, machte die ganze regierende Klasse für den Halsband- schwindcl verantwortlich nnd wußte ihn trefflich zu beimtzcn, um selbst zur Herrschaft zu gelangen. Ja mehr noch: alle Historiker, und in erster Reihe die bürgerlichen, haben ihr bis auf den heutigen Tag bestätigt, daß sie sehr richtig gcurtcilt und gehandelt habe, so tvic sie urteilte und handelte. Soll damit mm gesagt sein, daß die in Frankreich vor der großen Revolution regierende Klasse ans lauter solchen Gannern beständen habe, wie die Helden des Halsband- schwindcls? Nicht im entferntesten, und es wäre ja auch eine ganz unsinnige Annahme; hat doch noch selbst in unserem Jahrhundert das ancieu regime, nachdem es die kolossalsten revolutionären Um- ivälzungcn jahrzehntelang überstanden hatte, fünfzehn Jahre, von 1312 bis 1830, über Frankreich geherrscht. Wie schon vor vierzehn Tagen an dieser Stelle ausgeführt wurde, bedarf jede regierende Klasse, um überhaupt bestehen zu können, arbeitsamer und fähiger Miigliedcr, was keineswegs ausschließt, daß sie trotzdem in Grund mid Boden verrottet sein kann. Nie ist eine Klasse verkommener gelvescn, als das preußische Junkertum, das bei Jena zusa»»nc»gcdroschcn ivnrde. und doch befaiidcu sich an hohen und selbst höchsten Stelle» iu seiner Mitte dieselbe» Männer, die wenige Jahre später das napoleonischc Heer zu schlagen wußten. Es kommt eben darauf an, ob man die Dinge vom historisch« politisckicn Standpunkt auS betrachtet, der die Klastcnkämpfe als solche unterscheiden nnd würdigen kann, oder aber vvin Standpunkt des Spießbürgers, der niemals fähig ist, den Wald von den einzelnen Bänmeil zu trennen, und der deshalb auch dazu verdammt ist, sich ewig zu verirren. Häufen sich in der regierenden Klasse die Skandale so, wie sie sich in Frankreich vor der großen Revolution häuften, und wie sie sich heute noch zehn- fach stärker in der das preußisch- deutsche Reich regieren- den Klasse hänfen, so ist man tvohl berechtigt, von solckicn regierenden Klasicii zu sagen, daß sie innerlich vcrsanlt seien. Ja, man ist dazu nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet, wenn man die Interessen der unterdrückten Klassen ivirksttm vertreten will. Es heißt die Arvcitcr. sei es auch in bestem Glanben, über � die wahre Sachlage täuschen, iveim man ihnen sagt: die.Harmloscii" sind mir der Bodensatz der regierenden Klaffe, aber nicht die regierende Klaffe selbst. Das ist cinsach nicht tvahr, nnd gegenüber dieser ehrlichen, aber gefährlichen Schönfärberei loben wir uns den Verteidiger des„Harmlosen" v. Kalsicr, der vor den gerichtlichen Schranke» in Moabit»lit tragischer Gebcrde sagte: Mein nnglücklichcr Klient ist einem schrecklichen Verhängnis zum Opfer gefallen; wäre der Prozeß vier Wochen später angestrengt worden, so hätte man ihn nicht mehr gefaßt, und cr würde eine glänzende Carricre als Bcaiutcr machen." Ein grosteS Arbeiterfcft ist am vergangenen Sonntag in Gent gefeiert worden; alle Gruppen der belgischen Socialdemo- iratie, soivie alle Geiverkschaftcn und sonstigen Arbeitervereine ivaren durch Deputationen vertreten. Bon Brüssel allein brachte ein Sviidcrzng 700 Personen. Der„Vooruit", die bekannte Genter Gc- nosseuschaft, weihte seine neuen Magazine � ein. Diese stellen, wie dem„Pcnplc" berichtet wird, einen imposanten, palaiSartige» Bau dar: in ihm sollen die Lager für Schnittivaren und Konfektion gelegt werden. Das Fest ivnrde eingeleitet mit einem Umzug, an dem viele Tauscnde teil nahmen; in dem neucn Magazin hielt Anscele ein zündend« Ansprache und im Festsaal des„Vooruit" fand die Feier durch cincii Ball ihren Abschluß. GewevKfchAstlichcs. Berlin und Nmgrgend. Achtung, Rabttzspanucr? Die Differenzen bei der Firma Schulz sind zu unserer Ziifriedenheit beigelegt und fft hienmt die Sperre Sociales« Löhne und Unfälle. 851 000 Personen waren im Jahre 1393 in den 8 Berufs- gcnoffcnfchastcn der Eisen- nnd Stahlbranche versichert, das ist seit 1887 fast die doppelte Zahl, nämlich gegen dieses Jahr mehr 418 000 Personen. Die anrechnungsfähigen Löhne betrugen im Jahre 1387 in Summa 374 490 000 M. oder pro Kopf der Ver- sicherten«28 M. Im Jahre 1899 stieg die Gesamtsumme auf 818 301 000 M. oder 962 M. pro Kopf nnd Jahr der Versicherten. Mithin beträgt die Einlommcnfteigernng i» 12 Jahren 13.18 Proz., seit 1891 beträgt die Steigerung aber nur 9,45 Proz. Das Jahr zu 300 Arbeitstagen gcrechiict, betrug der Durchschnittslohn pro Tag Lohn-Steigerung Jahr Tagclohn oder-Minderung in Mark 1887 2,78— 1883 2.73— 1889 2,82-f- 0,09 1890 2,90-4- 0,05 1891 2,93■+■ 0,03 1892 2,88— 0,05 1893 2,90+ 0,02 1894 2,91+ 0,01 1895 2,92-+" 0,01 1898 8,01•+• 0,09 1897 8,03■+■ 0,02 1899 8,26-l- 0,23 Thatsächlich ist aber für eine große Anzahl der beteiligten Berufs« gcnossenschaftcn der Tagclohn weit niedriger, tveil es sich um Durch- schiiittslöhne handelt.' Die qualifizierten Arbeiter werden natürlich höher bezahlt, mithin die gewöhnlichen Handarbeiter biel schlechter. Allerdings verschieben sich die Zahlen etivas, wenn die thatsächlich gezahlten Löhne verrechnet werden. Zur BcilragSzahlinig zur Berufs- geiiosscnschaft kommt nänilich von dein 4 M, übersteigenden Lohn als änrechiinngsfähige Lohiisniiime mir ein Drittel in Vcrrcchnmig. Da mm aber der Gesnmtdnrchschiiittslohn weit unter 4 M. steht, kann die Verrechnung der thatsächlich gezahlten Löhne an dein Bilde imr sehr wenig ändern. Was will aber die gezeigte Lohiistcigcriliig gegenüber der verteuerten Lebenshaltmig— gestiegene' Lebensmittelpreise, hochgeschraubte WohnmigSmictcn jc. bedenten? Und wenn cS sich dabei thatsächlich noch wenig- stenS um eine wirkliche Lohnsteigerung handelte. Das ist aber nur sehr begrenzt der Fall. Zmiöchst wird es tvcnige» Arbeitern vergönnt sein, sagen zu köniien, die Accord- preise seien erhöht worden. Das Gegenteil ist der Fall. Je toller die Produktion, je toller auch die Abzüge vom Accord, als Ersatz dafür läßt man llsberzeit arbeiten. Der Lohn für die ab- svlviertcn Ueberstunden und Uebcrschichten ist aber in den angegebenen Sätzen mit enthalten. Bei Licht besehen, dürste sich herausstellen, das; der Arbcitcr für daS Mehrcinkommcn durch längere und angestrengtere Arbeit das Toppelte nnd Dreifache mehr leisten muß. Viel realer als die Lohnsteigernngeil sind die Iliifallzahlcn. Es vcrnuglücktcn: ÄS?» Sr61"1* Fuhr 1887 1888 1889 1890 1891 1892 1893 1894 1895 1893 1897 1898 2 288 2 877 8 323 4 333 4 573 4 237 4 732 4 942 5 277 6 063 6873 7 820 4,93 5,00 6,53 7,30 7,07 7,60 7,84 7,80 8,11 8,40 8,65 9,30 231 227 293 343 296 272 316 300 363 375 440 479 über dieselbe anigchoben. Der Vorstand- In Sminna 58 027 3948 In der Zahl der Unfälle sind die der Nordwestlichen Eisen- und Stahl-Bcrnssgcnossenschaft Hannover für 1898 nicht mit einbegriffen. Wir können daher rlihig rimd 60 006 Unfälle, darunter riiiid 4660 tödliche, rechnen. Welche Unslmnnc von Blut und Leichen, mit uuer- meßlichcm Kummer und Elend für die Hinterbliebenen nnd Bc- tciligten im Gefolge! Seit 1887 stieg der Loh» um 13,13 Proz,. die Unsallzahlcn steigerten sich um«3.47 Proz. Wie würde es aber erst ailsschen, ivenn die socialdeniokratische Fraktion im Reichstage nicht fortgesetzt auf die skrupellose AuSnutznng der Arbcitcr hinwieie nnd wenn die Arbeiterorganisationen nicht schon längst einen Teil der staatlichen Fnnktiöncn ausübten, nämlich die Beachtung der gesetzlichen Bestinimmlgen nach Möglichkeit über- wachten._ Die Niederlage der Engläuder. Wenn auch die Schlacht um Ladysmith am Montag»och nicht zn einer vollen Entscheidung geführt hat, so ist doch der Erfolg auf feiten der Boeren bereits ei» außerordentlich großer und die Lage drr fast ringsum cingrschlosseuen englischen Truppen- macht wird höchst schwierig. Da die Meldungen über den Ber- laus des Kampfes ans englischer Quelle kvinnieii, so ist aiiznnehmcn, daß die Wirklichkeit noch ungünstiger für die Engländer ist, als die MiUeilmigen zugestehen. Depesche deS GcucralS White. Die Depesche des Generals White über die Schlacht am Montag ist anS Ladysinith von 4'/! Uhr nachmittags datiert und hat folgenden Wortlaut: Ich habe heute alle hier b e f i» d l i ch e n T r n p P e n ver« wendet, mit Ausnahme der für den Dienst nötigen BesatzuiigS« ilwnnschaftc». Die Gebirgsbatterie Nr, 10 mit den irische» Füsilieren und dem Gloiicestcrjhirc- Regiment beorderte ich, eine Stellung ans Hügeln eilizunchnie», um an nusercr linken Flanke Lust zu schaffen. Die Truppen rückten 11 Uhr abeiids ans. Während der Nacht gingen einige Maultiere der feuernden Batterie mit ihren Geschützen durch. Ich hoffe indessen, dieselben wieder zu erlange». Zwei Bataillon« sind bisher nicht zurückgekehrt,' ivcrden aber heute abend zurückerwartet. Ich schickte zwei Divisionen Feld- arlillerie und fünf Bataillone Infanterie, unterstützt von Kavallerie, nntcr dem General Frcnch ab. um die Stellung anzugreifen, auf welche der Feind gestern seine Geschütze aufgepflanzt hatte. Die Stellung war vom Feinde geräumt, unsere Truppen wurde» aber mit großer Heftigkeit angegriffen. Ich glaube, wir standen hier Joubcrts Truppen gegen- über. Ticselhen hatten viele Geschütze nnd zeigten sich in großen Massen. Unsere Truppen waren sämtlich am Kampfe be- teiligt, sie trieben den Feind mehrere Meilen zurück. cS gelang ihnen aber nicht, an die Lagerplätze des AeindeS heranzukommen. Unsere Verl n st e schätze ich zwischen achtzig nnd hundert SNann, diejenigen des Feindes müssen viel größer gewesen sein, da daS Feuer unserer Geschütze" sehr wirksam zu sei» schien. Nachdem der Kampf mehrere Stunden gedauert hatte, zog ich die Truppen zurück, tvelche in ihre Quartiere zurückkehrten, ohne vom Feinde belästigt zu werden. Der Feind hat große Truppenmassen konzentriert, seine Geschütze reichen weiter als unsere Feldgeschütze. Ich habe jetzt einige Schiffsqeschütze zur Ver- sügnng, welche die Kanonen des Feindes zeitweite zum Schweigen brächten und welche, tvic ich hoffe, den heften feindlichen Geschützen überlegen sein werden, mit denen der Feind die Stadt aus einer Entfernung von über 6000 Dards beschossen hat. Andere Schlachtbcrichte. Wie der„Standard" ans Ladysinith von Montagabend meldet, erwartete man. daß das Centrum den Hauptstoß anSzuhalten haben würde, aber der Rückzug der Boere» änderte den Plan Whites; der rechte Flügel ivnrde stark ins Gefecht gezogen und mußte vom Centrum unterstützt werden. Die Boeren wurden als- daiiu stetig zurückgedrängt; darauf zog White, nachdem cr den Zweck der Ailfklnriing erreicht hatte, sich in guter Ordnung auf Ladysinith zurück. Gegch Ende des Kampfes traf eine Abteilung Secsoldatcn van dein in Durban liegenden Kriegsschiff„Powerful" ein, die schwere Geschütze ins Treffen führte. Nach dem vierten Schliff aus denselben waren die Vicrzigpsiinder der Bocren demontiert, so daff die Stadt Ladysmith von der Befürchtung einer B e- schieffung befreit i st. Die Bocren hielten das Feld mit vieler Tapferkeit und großer Ausdauer und müssen schwere Verluste er- litten haben. Der Korrespondent der„Times" berichtet folgende Einzel- heiten: Die Boercn begannen das Bombardement der Stadt bei Tagesanbruch. General White sandte sofort Kavallerie unter General Frcnch, sowie sechs Batterien und eine Jnfantcriebrigadc in west- sicher Richtung aus. Oberst Hamilton mit einer Brigade wurde nach Norden geschickt, um die feindliche Stellung zu umgehen. Der Feind verteidigte sich mit schwerem Geschütz sehr gut und sein Feuer war von vortrefflicher Wirkung. Unsere sechs Batterien beant- lvortcten das feindliche Feuer. Um 3 Uhr morgens hatte unsere Kavallerie festgestellt, daff die Bocren in westlicher Richtung sehr stark waren; infolgedessen wurden unsere Geschütze zurückgezogen. Das Feuern dauerte bis gegen Mittag. Oberst Grceuwood wurde dein Feinde entgegengeschickt; aber sein Angriff blieb erfolglos, weil der Feind sofort seine Stellung änderte und einen Scheinangriff auf unsere linke Flanke ausführte. Infolgedessen rief General White die drei Batterien zurück. Diese sind um 2 Uhr nachmittags ins Lager zurückgekehrt, nachdein sie e'ncn gefahrvollen Rückzug ausgeführt hatten. Sie mufften noch einmal die feindliche Linie passieren, wobei sie große Verluste erlitten. Gegen Ende des Kampfes trafen zwei Schnellfeuerbatterien unter Befehl des Obersten Powerful ein und eröffneten sofort ein ivirksamcs Feuer gegen die feindliche Stellung. 2000 Engländer kapitulierten. Ein Telegramm des Generals White an das Kriegsministerium aus Ladysmith vom 30. d. M. meldet: Die von General White auögcsandtc Kolonne, bestehend ans irischen Füsilieren, einem EZatailloie des Glonecster- Regilncntö»nd einer Gebirgsbatterie, welche zur Deckung der linken Flanke auf einem Hügel Stellung nehmen sollte, muffte nach beträchtlichen Verlusten kapitulieren. Dazu meldet das„Reutersche Bureau": Die gefangen genommene Kolonne bestand aus 42 Offizieren und nngcfähr 2000 Mann. General White fügte seiner Meldung hinzu:„Ich bin allein verantwortlich; die Stellung war uu- haltbar." Kapstadt, 31. Oktober.(Meldung des„Rcuterschen Bureaus".) Wie den„Southafrican News" aus Ladysmith von heute gemeldet wird, wird jetzt am Fuße des Ilmbambanc-Bcrgcs, Ivenige Meilen von Ladysniith entfernt, gekämpft. Mehrere Geschosse sind in die Stadt gefallen. Auch auf dem westlichen Kriegsschauplätze sind die Boeren erfolgreich. General Crouje, der M a f e k i n g belagert, berichtet über Lanrcnzo-Marquez, daff die Garnison von Mafeking einen Ausfall gemacht hat. Die Eng- läuder griffen die Bocren mit gefälltem Bajonett an, wurden aber von ihnen zurückgeschlagen, nachdem sie 10 Tote und zahl- reiche Verwundete zurückgelassen hatten. Am Sonnabend verlangte Oberst Baden-Powell einen Waffen st ill st and, um seine Toten begraben zu können, was ihm auch gestattet wurde. Das„Reutersche Bureau" meldet unter dem 25. Oktober aus Vrh bürg: Die Bocren erbeuteten einen Vorrat von Waffen und Munition, die von den Polizeiniannschaftcn vor der Räumung der Stadt in einen Schacht geworfen waren. Eine Anzahl von A f r i k a n d e r n in Betschuanaland hat sich jetzt offen den Boeren angeschlossen. Ein Telegramm aus Barklh West meldet, die Boeren werfen, um die Stadt zu beschießen, riugs um Kimbcrley Vcfcsti- gunge» auf. General Bullcrs Auknuft. London, 31. Oktober. General Butler, der zum Ober- tommandicrcnden der englischen Armee in Südafrika bestimmt ist, traf heute nacht in 51 a p st a d t ein. »• * In London. Das schwere Unglück, welches den englischen Truppen bei Lady- smith widerfahren ist, ruft in London wie in ganz England nn- geheure Anfregnng hervor. Das Kriegsministcrim» hat an den General Bullcr eine Depesche gesandt, in welcher es dem General ankündigt, daff binnen etiva zehn Tagen drei neueBataillone und eine Gebirgsbatterie zum Ersatz der erlittenen Verluste nach Südafrika abgehen werden. London, 31. Oktober.(Meldung des„Rcuterschen Bureaus".) Die Abendblätter geben ihrem Schmerze über das unerhörte Unglück in Südafrika Ausdruck, wollen jedoch bis zum Eintreffen genauerer Mitteilungen mit ihrem Urteil über dasselbe zurückhalten. Obwohl sie die Größe des Unglücks einsehen, suchen sie jede nnge- bührliche Aufregung über die Wirkung desselben abzuwenden und meinen, daß der Verlust von 2000 Mann das Endergebnis nicht beeinflussen könne. Die Engländer seien entschlossen, koste es, was es wolle, ihre Suprematie thatsächlich aufzurichten. London, 31. Oktober.(W. T. B.) Das Kriegsamt hat den Befehl gegeben, daff die ersten Bataillone der Regimeutcr„Suffolk", „Essex" und„Derbyshire" für den Dienst in Südafrika mobil zu machen sind. Lüttich, 31. Oktober.(W. T. B.) Der Ausstand der Kohlen- arbeiter in Seraing hat heute weiter um sich gegriffen; auch die Gruben der Cokcrillgcsellschaft sind in Mitleidenschaft gezogen. Branuschwcig, 31. Oktober.(W. T. 83.) Dr. Blumenau, der Gründer der deutschen Kolonie Blumenau in Brasilien, ist hier ge- starben. Brüssel, 31. Oktober.(W. T. 83.) In der Repräsentanten- kammcr erklärte der Minister dc-s Aeutzcm auf eine Anfrage des Deputierten Denis, daff die belgische Regierung, nachdem sie im Haag formelle Verbindlichkeiten bezüglich des Vorgehens zur Konstituierung des SchicdsgcrichtShofcs, welcher! binnen mög- lichst kurzer Zeit geschaffen werden soll, übernommen, ihre Ver- bindlichkciten nicht abändern könne, indem sie die sofortige Schaffung jmies nur von einzelnen Vertragsmächten ein- gerichteten Schiedsgerichtshofes vorschlage. Mehrere Mächte hätten bcreils die Ratifikationen ausgetauscht. Die Regierung könne weder der Entscheidung der übrigen Mächte vorgreifen, noch Schritte zur Abkürzung der i» der Schlußakte festgesetzten Frist für den Bei- tritt zur Schiedsgerichtskonvention thun. Ein Citat. „Die englische Nation(gens) als Volk(populus) betrachtet, ist daS schätzbarste Ganze von Menschen, im Verhältnis gegen andere (— einander) betrachtet. Aber als Staat gegen andere Staaten das verderblichste, gewaltsamste, herrschsüchtigste und kriegserrcgcndste unter allen."_ Immanuel Kant. Soctalo Ncchkspflcge. Buchdrucker oder Tiegcldruckcr. Dem jugendlichen Buch- drncker H. war von dem Druckereibesitzer Feilchenfcld in seinem Arbeitsbuch bescheinigt worden, daff er bei ihm zuerst als Anleger und dann als Tiegeldruckcr thütig gelvescn sei. H. ivar damit nicht zufrieden. Er verklagte F. bcini Ge Werbegericht und verlangte, daß der Beklagte verurteilt werde, ihn im Buche als Buchdrucker zu bezeichnen. Der Illäger gab zu, daß er thatsächlich beim Beklagten die Tiegcldruck-Prcsse bedient habe; er meinte aber, er sei zweiter Riaschincmneister gewesen. Die Kammer VIII unter dein Vorsitz des Geiverberichlers Meier wies seine Klage mit der Bcgrllndnng ab, daff er mit der Bescheinigung seiner Thätigkcit als der eines Verantwortlicher Redactcur: Paul John in Berliu. Für den Jnsi TiegeldruckerS zufrieden sein müsse, weil er thatsächlich an der Ticgeldruck-Pressc gearbeitet habe. NtibcfugtcS Bcrlasscn der Arbeit. Der Maschinist B. muffte auf einem Dampfer des Schiffseigners Kebclniann zugleich Maschinisten- und Heizerdieiiste verrichte». Eines TagcZ verlangte er die sofortige Einstellung eines Heizers, und verlies; das Schiff, als ei» solcher nicht gleich beschafft wurde. Er verklagte dann Kcbelmann beim G c w e r b e g c r i ch t und machte eine Gcldfordcrung gegen ihn geltend. Der Beklagte bestritt jede Verpflichtung, indem er sich darauf berief, daff B. die Arbeit unbefugt verweigert habe. Hieraus erwiderte der Kläger, er sei nicht verpflichtet gewesen, ohne Heizer zu fahren. Diese Angabe führte zu Erörterungen über die technischen und polizeilichen Anforderungen an den Schiffsverkehr. Es wurde festgestellt, daff der Kläger thatsächlich berechtigt>var, die Anstellung eines Heizers zu verlangen. Die Kammer VIH mies ihn trotzdem mit seinem Ansprüche ab und der Vorsitzende Meier führte ans: Wenn sein Verlangen auch berechtigt gewesen sei. so hätte er doch erst warten müssen, ob nicht ein Heizer beschafft werde. Aber zu sagen, Ivenn nicht gleich einer da sei, dann lege er die Arbeit nieder, und dies sofort zu thun, das grenze an Chikanc. Somit liege doch eine unbcfngtc Arbeitsverweigerung vor. Vevssmurlungen» Für die Bersainmlnng im k. Wahlbezirk hatte Genosse Bruns das Referat Lbcrnommc». In der Diskussion vertrat ein Anhänger der Freisinnigen den von der Mehrheit der Stadtvcrordneten-Verfammlung in allen Fragen der socialen Fürsorge eingenonunencn Standpunkt. Nach längerer lebhafter Diskussion stimmte die Versammlung einer Resolution zu, welche die Anwesenden verpflichtete für die Wahl des socinldcmokrntischcn Kandidaten, Restanrateur Prenff, einzutreten. Die leider sehr schwach besuchte Kominunaltvähler-Vcr- sammlung im 0. und 7. Bezirk vcranlafftc den Referenten Ewald auf ein erschöpfendes Referat zu verzichten und sich darauf zu beschränken, einige Forderungen des socialdemokrntischen Koni- munalprogramnis zu erläutern und die Sünden des Berliner Kom- munalfrcisinus bei der Erörterung des Arinenetats. öffentlichen An- schlagwesenS, ElektricitätSiverke, Schulärztefrage und die geringe Eni- lohnung der städtischen Arbeiter ins rechte Licht zu rücken. Nach einer kurzen Diskussion wurde die Versammlung ge>chlosscn. Eine gutbcsnchtc Komnumalwählcr-Versaiiiinlung für de» 2k. Wahlbezirk tagte gestern im großen Saal von Stcchert in der AndreaSstraffe. Der socialdemokratische Kandidat des Bezirkes, Genosse Fritz LS i l k e, beleuchtete in trefflichen Ausführungen die kulturfördernde Wirksamkeit der socinldemokratischcn Fraktion im Roten Hause, der er den ärmlichen„Freisinn" und die öde socialpolilische Einsichtslosigkeit des Kommunal-LibcraliSmus gegenüberstellte. Die Versammelten zeigten ihr Einverständnis, indem sie dem Redner lebhaft Lwisall spendeten. Gegner meldeten sich nicht zu», Wort. Die Genossen Schnabel und Heinitz rügten einige kommunale Mißstände und ernnmtertcn die Anwesenden, für eine recht rege Wahlbeteiligung zu Gunsten Wilkcs zu sorgen. Nach dem zündenden Schlußwort des Kandidaten verpflichtete sich die Versammlnng in einer Resolution, dem Genossen Wilkc am 6. November zum Siege zu verhelfen. Für den 20. Bezirk tagte eine stark besuchte Versammlung im „Elysium" in der Landsberger Allee. Der Kandidat für diesen Bc- zirk. Gen. Hugo H c i m a n n. erläuterte in einem ausführlichen Referat„die Bedeutung der bevorstehenden Stadtverordneten- Wahlen". Redner kritisierte in trefflicher Weise das„freisinnige" Ver- halten der Mehrheit in der Berliner Stadtverwaltung gegen- über allen volkstümlichen Forderungen der Socialdemökratie. Referent schloff seine interessanten Ausführungen mit dem Wunsch. möge der Wahltag uns den Sieg unserer Partei über den Freisinn bringen.(Lebhafter Beifall.) Von den Gegnern meldete sich trotz mehrfacher Aufforderung keiner zum Wort. Borginann ergänzte einige Ausführungen des Rescrenten in Bezug auf das Schulwesen. Stadthagen kritisierte in scharfen Worten die traurigen Lohn- und Arbeitcrverhältuisse auf den städtischen Rieselgütern, sowie die Mißstände in der Armenverwnltung. Es scheine wohl auch nur eilt Zufall zu seilt, daff am Tage der Wahl die Kontrollvcrsamnilinigcn stattfinden I In einer Resolution verpflichteten sich alle Anwesenden, für die Wahl des Genossen Heiniann einzutreten. An, tünftigcn Sonntag, den L. November, findet eine allgemeine Wählervcrsamm- lung bei Keller in der Koppcnstraffe statt. Für den ZO. Bezirk tagte gestern abend eine K o m m„ u a l- w ä h l e r- Versammlung in, Lokal„Zum alten Dessau er", Artillerie- straffe. Referent war der Kandidat des Bezirks, Genosse Sassen- bach, welcher im Eingang seines Referates das bestehende Wahl- gesetz einer herben Kritik unterzog, aber seiner Meinung dahin Ausdruck gab. daff trotzdem für die Arbeiterklasse keine Ver- anlaffnng bestehe, Abstinenzpolitik zu treiben. Redner cutivarf sodann ein getreues Bild der kommunal-politischen Zustände Berlins unter dem freisiniiigen Regiment und besprach diejenigen Postulate, deren Verwirklichung die Socinldcmokratie in, Interesse einer ge- dcihlichcn Entivickclnng der Gemeinde fordern müßte. Insbesondere wies der Redner aus die Ausgaben der Gemeindeverwaltung in ihrer Eigenschaft als Arbeitgeber hin. Mit der Aufforderung nn die Anwesenden, am kommenden Montag im Sinne der Socialdcmokratie zu stimmen, schloff der Redner. Eine Diskussion fand nicht statt. Der Vorsitzende n, achte noch daraus aufmerksam, daff am Sonnkag eine Flugblatt-Vcrteilung und eine weitere Vcrsnnimlnng stattfinden werde und erfolgte alsdann Schluß der Versammlung. Für die Kommunal- Wahlbezirke 40, 40, 47 und 48 tagte gestern abend im Kolberger Salon eine Versammlung. Eine dichte, Kopf an Kopf gedrängte Menge, darunter sehr viele Frauen. folgte de» von prickelnden, Humor durchsetzten Ausführungen des Genossen Singer in gespanntester Anfmerksamkeit, dieselben oft», als durch lebhaften' Beifall unterbrechend. Der Redner unterzog besonders die Wahlvcrsprcchungen der liberalen Kandidaten einer ätzenden Kritik, die darin gipfelte, daff die Sonne, die iibcr Berlins kommunaler Verwaltung ihre Strahlen breite, mit sehr viel schwarzen Flecken bedeckt sei. Aber auch in das Rote Haus müsse der socialistischc Geist seinen Einzug halten, der Geist, dessen Bcthäliguug sich in die Worte zusammen fassen lasse: Alles durch das Volk und für das Volk. Brausender Beifall bekundete das Einverständnis und den festen Willen der Versammelten,!bis zum Wahlrage ihre Schuldigkeit im vollstem Maße zu thun, damit Männer aus die Wahl als gewählt hervorgehe, die wirkliches Verständnis für die Bedürfnisse der großen Masse und nicht bloß leere Versprechungen dafür haben. Eine im Sinne des Referats gehaltene Resolution gelangte, nachdem„och H i n tz e im gleiche» Sinne gesprochen hatte. zur einstimmigen Annahme. Aus dem Schlußwort des Genossen Singer sei noch besonders hervorgehoben, daff die Bestimmung— natürlich auf Drängen der Socialdcmokratcn— getroffen ist, daß die bis um acht Uhr abends vor dem Wahllokale eintreffenden Wähler selbst auch dann»och zur Wahl zugelassen werden, tveun bei ihrem Eintreffen der Eintritt wegen der ilebersüllung nicht gleich möglich sein sollte. Freie Volksbühne. Die Generalversammlung des Vereins fand am Donnerstag, den 26. d. M.. in Cohns Festsälcn statt. In dem Gcschästsbcricht konnte der zweite Vorsitzende Herr Gaulle eine erfreuliche Mitglicdcrzunahme koustaticrcn. Gleich bei der ersten Vorstellung waren alle sechs Abteilungen gefüllt, jodaff der Verein 6400 Mitglieder hat. Ter Wechsel des Theaters sei von den aller- besten Folgen begleitet. Der Verein sei jetzt finanziell besser gestellt. sodaff die Vorstellungen in bester Besetzung von stalten gehen können. Infolgedessen hat der Vorstand den längst gehegten Plan, den Mit- gliederii eine würdige Faustvorstellung zu bieten, verwirklichen können. Im nächsten Monat werde ein Schauspiel von Max Treuer — Winterschlaf— unter Mitwirkung erster Kräfte aufgeführt werden. Die nächste Vorstellung im Lessing-Theater. die in, Dezember stattfindet, werde Lcssings„Minna von Barnhclm" bringen. mtcnteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Dnick und Verla» von Max Der Kassenbericht ergab eine Einnahme von 11 085,92 M., „ Ausgabe„ 6 296,36, Sodaff am I. Oktober 1899 ein Bestand von 4 789,56 M. verbleibt. In der Diskussion verlangt Frankel die Aufführung der„Familie Walvroch" von AdamuS. Dieses Verlangen wird jedoch von Maaff und Cohn aus verschiedenen Gründen zurückgewiesen. Eine längere Diskussion entspann sich dann über die Unzuträglichkeiten, die bei Beginn der Vorstellung durch die unpünktlich erscheinenden Mitglieder entstehen. Es werden verschiedene Anträge eingebracht, die Abhilfe schaffen sollen. Es wird jedoch beschlossen, vorläufig von Zwangs- maffregelu gegen die Zuspätkommenden Abstand zu nehmen in der Hoffnung, daß diese Mitglieder jetzt pünktlicher sein werden. Zun, Schluß'werden noch verschiedene Vorschläge gemacht, schon auf- geführte Stücke, wie„Nathan der Weise".„Pfarrer von Kirchfeld", „Meineidbaucr" usw. zu wiederholen. Zur Denkmals-Vcrstümmelniig in der Sieges-Allee. Eine stark besuchte Versammlung der Steinmetzen, die auch von italienischen Steinarbeitern zahlreich besucht war, tagte gestern im Englischen Garten, un, zu der Beschädigung der Denkmäler in der Sieges-Allee insbesondere aber, um z» der bekannten Aeuffernng des Professor Meier von der Akademie der Künste Stellung zu nehmen. Ausnahmslos wurde von allen Rednern, auch von den anwesenden Steinbildhanern, die Verdächtigung des Herrn Professor Meier, daff der Urheber der Denkmalsverstünimelmig unter den Berliner Steinarbeitern zu suchen sei, mit Entrüsuuig zurückgewiesen. Von einen, Racheakt oder Brotneid gegenüber den italienischen Benlfskollcgc» könne gar keine Rede sein, weil die hier arbeitenden italienischen Steinmetzen und Stcinbildhaucr den hiesigen Venifsorgaiiisationci, angehören und gemeinsam und solidarisch mit ihren deutschen Kollegen fiir bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen eintreten und überhaupt ein gutes Verhältnis zwischen den Arbeitern der beiden Nationalitäten besteht. Es wurde im weiteren darauf hingewiesen, daff auch die Art der Beschädigung nicht darauf schließen läßt, daß sie von Fachleuten ausgeführt worden ist, vielmehr muff das Gegenteil angenommen werden. Einstimmig gelangte folgende Resolution zur Am, ahme: Tie Versammlung verurteilt ganz entschieden die DcnkmalSbcschädigung in der Sieges-Allee, als einen gemeinen Rohcitsakr. Zu gleicher Zeit protestiert die Bersan,»ilmig gegen die Verdächtigung de? Herrn Professor Meier von der Kunstakademie, daff die ruchlvien Thätcr in den Reihen der Berliner Steinarbeiter zu suchen seien. Die Berliner Steinarbcitcr haben zu solchen Roheiten gar keine Veranlassung, indem sie mit ihren italienischen Kollegen in Berlin im besten Ein- vernehmen lebe»; sie würden eine solche unerhörte Handlungsweise auch dann verurteilen, wenn letzteres nicht der Fall wäre. Die Feilenk)(„ler und Bernfsgeiiossen tagten am 25. d. M. in Millbrodts Festsälcn in einer öffentlichen Versammlung. Gegen- stand der Tagesordnung war der Streik bei der Firma Peiffler, Elisabeth-Ufcr 19. und 9t. Zieme, Mankenffelstr. 59. Ter Vorsitzende eröffnete die Versammlung mit einer längeren Ansprache, in welcher er die Mißstände in, Feilenhauergewerk klar legte. Die Fcilcnhancr hätten seit zehn Jahren nichts zur Verbessern,� ihrer Lage gethan und ist der Verdienst ein so schlechter, daff wir nicht in der Lage sind, unfern, Körper das zuzuführen, was bei dieser anstrengenden Arbeit nötig ist, um die Lebensdauer zu verlängern. Wenn ein gesunder kräftiger Fcilcnhauer zehn Jahr auf große Arbeit zugebracht habe, dann sei er nur noch auf kleine Arbeit zu ge- brauchen. Es seien deswegen folgende Forderungen zu stellen: 1. 25 Proz. Erhöhung des Accordtarifs. 2. Bei Lohnarbeit 50 Pf. pro Stunde. 3. Sstiindigc Arbeitszeit. Lebhafter Beifall wurde de», Vor- sitzenden für seine Ausführungen gezollt. DeS weiteren erstattete die Lohnkommission Bericht über die Verhandlungen, welche mit den Unternehmer» gepflogen worden sind, welche jedoch zu keinem lltcsultat geführt haben. Der Herr Peiffler hat der Lohnkommission gegenüber verlangt, daß man ihm erst zwei bis drei Monat Ziel zur Beantwortung unserer Forderung geben solle. Herr Zieme ließ ein Plakat folgenden Wortlauts an der Thür seiner Werkstatt anheften: Eintritt strengstens ver- boten, hauptsächlich der L o h n k o m n, i s s i o n! Lll-s die Mitglieder der Lohnkommission trotzdem die Werkstatt betraten, kam ihnen Herr Zieinc mit erhobenen Stock entgegen. Nn, weiteren Konflikten aus dem Wege zu gehen, machten die Mitglieder der Lohiikommissioi, kehrt, verfolgt von Herr Zicnie, der in erregter Weise rief: Mit den, Knüppel tvnnci, Sie was kriegen. aushungern lassen wir Sie. Hierauf entspann sich eine lebhafte Diskussion, in welcher sich alle Redner dahin aussprachen. die gestellten Forde- rungen hochzuhalten. In, Laufe der Diskussion meldete sich der Vertreter des Herrn Z. und führte aus, daß die Arbeiter doch die Arbeit, welche sich in der Werkstatt befindet, zu den alten Bedingungen fertig machen möchten, dann iväre Herr Z. nicht abgeneigt, crwäs von den Forderungen zu bewillige». Jedoch wurde dem Herrn der Bescheid, daff die Arbeiter»ach der Behand- lnng, welche ihren Vertretern von feiten des Herrn Z. widerfahren ist.'nicht gewillt sind, auch das geringste von ihren Forderungen� abzu« lassen. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: Tic Vcrsamm- lung erklär, sich mit dem Verhalten der Kollegen bei Peiffler und Zieme einverstanden»nd verpflichtet sich, dieselben in jeder Hinsicht zn unterstützen. Schmargendorf. Am 28. d. M. fand hier eine öffentliche Partciversainmhuig statt. Ter angesetzte Vortrag über„Kompromiß- fragen" konnte, da' der Referent Rechtsanwalt Frankel an, Erscheinen verhindert ivar, nicht erfolge». Bericht der Revisoren: Einnahme 105.75 M.. Ausgabe 83,10 M., bleibt Bestand 22,65 Rk. Zum dritten Punkte. Wahle», wurden die Genosse» Götsch und Seeger als Revisoren, 9!app als Vertrauensmann und zur Lolalkommission die Genossen Marotzke, Naumann und Ott gewählt. Nachdem der Vor- sitzende die anwesenden Nichtorganisierten mit kräftigen Worten zum Beitritt zur politischen Organisation ermahnt hatte, schloff er die Versammlung. In Spandau tagte am Sonntag eine Gewerkschaftsversamililung. in der Jahn- Berlin über die Ecwerbegerichte referierte. Sodann gaben Piper und Laune Bericht über ihre Thätigkcit am Gewerbe- gericht. Nach Erörterung noch einiger geiverkschaftlicher Angelegenheiten erfolgte Schluß der Versammlung. Zfotzte NÄlszviZSen und Depeslszen. Frankfurt a. M.» 31. Oktober.ihr Liberale» das damals so ernst meintet, wenn ihr es heute noch ernst meint,— ei! warum habt ihr euch denn„eure" Forderungen nicht längst b e lv i l I i g t? Ihr habt ja die Macht dazu! Wir wären ja frp'h, wenn wir zu den weiter gehenden Forde- rungen, die w i r haben— und die ihr niemals vertreten habt, noch jemals vertreten werdet—. nicht auch noch eure.alten liberalen' von euch selber bisher unerfüllt gelassenen Forderungen nnt auf« nehmen müßten, Diese Erinnerung an die„alten liberalen Forderungen" dauert, tvie die Erfahrnng lehrt, leider nicht länger als bis zum Wahltage. Wenn der 5kostiimwechsel seine Wirkung gethan hat, dann tvird der rote Mantel des Socialismus tvieder in das Garderobespind gc» hängt, das Getvand dcL Freisinns— ein Gewand von längst ver« blaßtet?,. kann, noch zu bestimmender Farbe— wird wieder hervor- geholt, und alles bleibt, wie es gewesen war. Man könnte über die Komödie lachen, wenn cS sich nicht um eine so ernste Sache handelte, und wenn liicht leider noch so viele auf dieses Komödicnspicl hineiiifieleit._ Petrolentnberteneritnq nnd anderes. Ucber die Petroleum- Konvention, die die erhebliche Preissteigerung des Erdöls Haupt- sächlich veranlaßt hat, wurden in einer Verhandlung des Verein? der Seifcnhändler Berlins interessante Mitteilungen gemacht. Die Konvention besteht aus einer Vereinigung der Engros-Händler, die sich verpflichtet haben, das Petrolen», nur zu erhöhten, festgelegten Preisen zu verkansen. Der Petroleumring. d. h, die vereinigten Qnellenbcsitzer. unterstiitzen diese Bestrebungen dadurch, daß er sich verpflichtet hat. an Händler, ivelche unter den vereinbarten Preis heruntergehen, nicht zu liefern. Die Bestimmnngen der Konvention tverden jedoch von einigen Grossisten dadurch umgangen, daß sie zwar den vereinbarten Preis erheben, ihren größeren Abnehmern aber einen hestimmtcn Betrag pro Faß zurückzahlen. Dieser Umstand ermöglicht es. den Nlcinhäirdlern das Petroleum in Flaschen billiger zu verkaufen, als es die Konkurrenz einlauft. Der Verein beschloß, init der Konvention dahingehende Verciiibaningen zu treffen, daß solchen Firmen, die das Pctrolemn zu billigen Preisen verkaufen, der Leuchtstoff nicht mehr geliefert iverde. Gleichzeitig soll der Vorstand mit dem Verein„Berliner Kolomalwareiihänoler", der sich in seiner letzten Sitzung ebenfalls mit der Pctroleumfrage befaßte, im Sinne des obigen Beschlusses Fühlung nehmen. Die Preise für andere Brennmaterialien und für Lebensmittel gehen zum Teil infolge der von den Kapitalisten-Koalitionen ge- trofscnen Maßnahmen nenerdingS erschreckend in die Höhe, Alle diese Vereinigungen beuten die Masse der Bevölkerung ungehindert ans, ohne daß ihnen auch mir ein Kieselstein in den Weg gelegt würde. Nur wenn der 9l r b e i t e r sich mit seinesgleichen wirlsa», koalieren tvill, um durch dies einzig Erfolg versprechende Mittel seine Familie vor der allcrschlimmsten Not zu schützen, treten Be- Hörden und Mternehmer gegen ihn auf und suchen ihn durch Be- fürwortung von ZuchthauSparagraPhen„zufrieden" zu machen I In ber Berliner Kurzwurenbranche hat sich im Jahre 1828 die Geschäftslage gegen das Vorjahr erheblich gebessert. DaS Geschäft kann, nach dem Jahresbericht des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller für den großen Teil der Branche als befriedigend be- zeichnet tverden. Die Ausfuhr nach den ineisten Ländern hat sich gehoben. In der Leder- und Portefenillewaren-Jndnstrie wurden vielfach interessante Kollektionen von Neuheiten geschaffen und sind die hiesigen Fabriken mit den Offenbachern in' scharfe Konkurrenz getreten. Besonders gilt dies von Lederwaren feineren Genres und Reise-Effekten, In kleineren Lederware», Portemonnaies, Cigarren- taschen Ze, wurden erhebliche Ilmsätze erzielt, desal, inDamengürteln au» Leder und diversen Faiitasiestoffe», Abnehmer für die Artikel der Leder- und Portefeuillewaren- Industrie waren hauptsächlich: England, Kanada. Südamerika, Schwede», Norwegen, Rußland und Holland. In Galanterie-„nd Luxusartikeln waren kleine Gegenstände, wie Nippes, Schälchen, Briefbeschwerer»e. bevorzugt, sowohl von den Grossisten des In- und Auslandes. Auch in Bäder-ilvtikeln, so- qenainiten Ansichtssachen, tvar das Geschäft ziemlich zufriedenstellend. I» Holzgalantriewaren. Peitschen und Stöcken wurden kür da» Herbst- und Weihnachtsgeschäft reckt erhebliche Aufträge erteilt. Auch die Fabrikanten von Bijouteriewaren, kleiner Brachen, Albums und Wanddckorationen konnten ein zufriedenstellendes Resultat ver- zeichnen. Abnehmer dieser Artikel waren nächst Deutschland vornehmlich Oestreich, Belgien. Frankreich, Italien. Spanien und die Balkanländer. In Eisen-Kurzwaren und Hausgeräten waren viel- fach Neuheiten geschaffen, die große Umsätze erzielten. Die Alblimiiidiistrie, die in dem letzten Jahre einen Rückgang in den Umsätzen zu verzeichnen hatte, ist merllich vorwärts gekommen. Auch hier wurden viele Neuheiten geschaffen; besonders AlbumS für Ansichtspostlarten zeigten eine außerordentlich starke Nachfrage. Auch in Bildern, Kartons für Häkelarbeiten, Weihnachtsbaumschmuck und origiiicllcil Spielen sind für dcis Weihncichtsgeschäst bclaiigrtichc Auf- 1 Technischen Hochschule an dem Budenstück erqebcn haben. Achnliche für hipfp ÖTvftfnT Innrcit mttJPv I OiifAvfffrm frünifo Sor QlnTr-j�tSivnffrtv uttf nitferrr fUcHntiftitt tiirtfil mt trage erteilt lvordcn. Zlbn'chmer für diese Artikel waren anszcr Dentschland vornchnilich Holland, Belgien, Dänemark und die holländischen Kolonien. Bemerkenswert ist, daß in der ganzen Kurz- warcnbranchc ans Artikel billiger und mittlerer Preislage die großen Bazare des In- und Auslandes die nennenswertesten Aufträge erteilt haben, freilich oft zu gedrückten Preisen. In konscrvativ-antiscmitischen Blättern ist eine allgemeine Hetze gegen den Stadtverordneten Dr. P r e u ß entbrannt, nachdem die Provinzialshnode einschließlich ihres Mitgliedes Stadtsyndikus Weife ihn wegen der in der letzten Stadtvcrordneten-Sitznng los- gelassenen Travestie ans einen Biebcl- und Gcsangbuchvers in Grund und Boden verdammt hat. Einige der fromnuvütigen Kläffer gehen so weit, ihn von seinem Posten als Privatdocent der Universität wcgznbcißcn. Dieser ungewohnte Lärm hat den Unglücklichen so eingeschüchtert, daß er jetzt in liberalen Blättern entschuldigend bc; kennt, daß er es gar nicht böse gemeint habe. Vielleicht tritt Herr Preuß reumütig einem Jünglingsverein bei. Eine skandalöse Ausbeutung beschäftigungsloser Hansdiener, Kutscher, Gelegenheitsarbeiter rc. wird immer' noch in gewissen privaten Stelle nvermittelungs-Jn st ituten betrieben. Die. Inhaber dieser Geschäfte machen sich das Leben außerordentlich leicht. Sie lesen fleißig den Inseratenteil der hauptsächlichen Zcitmigen, schneiden sich die Stellenangebote heraus, schreiben die Adressen der Inserenten ans kleinen Listen nieder und harren dann gemächlich der Stcllensnchenden, die sich trotz der kommunalen und gewerkschaftlichen Arbeitsnachweise massenhaft einstellen. Bevor der Stellcnvermittler für seine Opfer eine Hand rührt, muß der Arbeitslose erst„Asche abladen". Und das nicht wenig. Die Armen, die vielleicht ihre paar Habseligkeiten schon ins Pfand- haus gebracht haben, kommen noch verhältnismäßig gelinde davon, wenn der Stellenvermittlcr sie nur um drei Mark erleichtert. Nicht selten wird ihnen das doppelte abgenommen. Sobald das Geld im Kasten klingt, greift der Geschäftsinhaber oder sein Angestellter aufs Geratewohl nach einer der von ihm fa- brizierten Listen, die durchschnittlich 15— 20 Adressen enthalten, und nun darf der düpierte Arbeitslose auf Grund der Liste sich die Schuh sohlen ablaufen und bei dem Inserenten nachfragen, ob die an- uoncierte Stelle für ihn frei ist. Meist ist solches natürlich nicht der Fall, da die Arbeitergesuche ja auch von anderen Leuten gelesen tvcrden, die sich nicht erst auf dem Umwege der Bermittclnngs bnreaus um Beschäftigung bemühen. Am nächsten Tage geht der Arbeitslose wieder aufs Bureau und erhält dann eine andere Lifte und zwar nicht selten eine solche, die ein Leidensgefährte schon vergebens benutzt hat. Diese gegen schweres Geld eingeholte Erlaubnis, hinter den vom Geschäftsinhaber zusammengestellten Zeitungsausschnitten herlaufen zu dürfen, ist großmütig auf die Zeitdauer von 14 Tagen bemessen, wobei der Stellcnvermittler in Betracht zieht, daß in den meisten Fällen die Betrogenen des Laufens früher müde werden und daS eingezahlte Geld in Stich lassen. Allerdings kommt es vor, wenn auch nur in einem Falle von hundert, daß der eingeschriebene Arbeitslose bei einer der auf der Liste verzeichneten Personen Beschäftigung findet. Der Zufall spielt ja zuweilen wunderbar. Dann packt der Vermittler aber sein glückliches Opfer abermals an die Gurgel. Denn auf einem Schein, den der Arbeitslose hat unterschreiben müssen, steht zu lesen, daß er, wenn er durch Vcrnnttliing des Instituts eine Stelle erhalten hat, nochmals die gleiche Summe zu entrichten sich verpflichtet, die er zu Anfang eingezahlt hat. Nur wer die Unerfahrenheit namentlich der von auswärts kommenden Arbeitslosen kennt, wird es für möglich halten, daß auch diese Forderung der Blutsauger in den meisten Fällen getreulich erfüllt wird. Den Behörden bietet sich kaum eine Handhabe, mit der sie den Stellenvermittlcrn der geschilderten Sorte zu Leibe gehen können Die � Arbeiter der in Betracht kommenden Kategorien können ihre arbeitslosen Kollegen nur dadurch schützen, daß' sie diese über de» schlvindelhaften Charakter gewisser StcllcnbermittelnngS- Institute gebührend aufklären und sie ferner auf die Vorteile der g e w e r k schaftlichen Organisationen aufmerksam machen. Zuschriften könnte der Polizcidircktor mit gutem Gewissen wohl an alle übrigen Korporationen k. richten, wenn diesen um ein Polizei lichcS Reinigungsattest zu thun wäre. Der Magistratöantrag auf bessere Beleuchtung der„S i e g e s Allee" und der übrigen Hauptwcge des Tiergartens ist gestern vom Ausschuß der Stadtverordneten angenommen worden. Herr Dinse hatte im Hinblick auf die Dcnkmalsvcrstümmelung patriotisch darauf verzichtet, seinen Antrag auf Durchführung einer Pferdebahn linie durch die Bellevue-Allce mit dem Magistratsantrag zu ver binden, da im Falle der Beratung dieses Antrages das Beleuchtung' Projekt verzögert worden wäre. Die beiden großen Kandelaber für die Ostscite dcS Rcichstagshauscs werden zu Stuttgart in Bronze gegossen. Die von weiblichen Figuren gekrönten ziveiarmigen Lichtspender hat Bildhauer Vogel auszuführen. Die Modelle gehen in einzelnen Stücken nach Stuttgart. Von dort werden die fertigen Kandelaber direkt zur Weltausstellung nach Paris gesandt. Die Stadtverordnete» Mattcrne und Försterling haben ihr Mandat niedergelegt. Matterne vertrat die zweite Wählerabteilnng Försterling hingegen den früheren Wahlbezirk 6 der dritten Ab teilung. Von den Gasse» Berlins soll nun wieder eine aufhören, als „Gasse" zu bestehen. Die Eier-Gasse soll zur„Straße" ernannt iverden und zugleich ihren alten Namen mit dem einer„Nikolaikirch Straße" vertauschen, damit die ehemalige Nikolaikirch-Gasse, die erst kürzlich den großen Warenhausbauten zwischen Probststraße und Molkcnmarkt zum Opfer gefallen ist, in ihr von neuem auflebe. Wenn dabei nicht wieder auf den Namen„Nikolaikirch-Gasse zurückgegriffen werden soll, so geschieht das lvohl mit Rücksicht au die Abneigung des neueren Berliners gegen das Wort„Gasse Dieser Abneigung haben es zahlreiche ehemalige Gassen Berlins zu verdanken, daß sie heute stolz den Namen Straße" tragen dürfen. Noch zu Anfang Vieses Jahr Hunderts gab es in Berlin über 90 Gaffen. Aber bereits vor 1870 lvar ihre Zahl bis ans 27 gesunken, und gegenlvärtig kommen unter den Straßennamen Berlins nur noch 18 Zusammensetzungen mit dem Wort„Gasse" vor. Von den 9 Gassen, die in den letzten 30 Jahren aus dem Stratzenverzcichnis verschwunden sind, haben einige, wie die schon erwähnte Nikolaikirch- Gasse und die Schmale Gasse, nachdem ihr Grund und Boden mit überbaut worden war. überhaupt zu bestehen aufgehört. Anderen hat man. wie es jetzt bei der Eier-Gasse beabsichtigt wird, einen ganz neuen Namen ge geben. So wurde, um nur die neueren Umnennungcn an- zuführen, die Lauf- Gasse zur Gormann- Straße gemacht, die Holzmarkt- Gasse zur Wusterhansener Straße, die Schlacht Haus-Gasse zur Bnnscn-Straße usw. Der Mangel an„historischem Sinn", der in solchen Namenändcrnngcn liegt, war früher nicht ge ringer als heute. In dem ältesten Teile Berlins haben die meisten Straßen im Laufe der Zeiten ihren Namen gewechselt. An Ei» sprach dagegen hat es aber auch früher nicht gefehlt. So wurden selbst gegen die Umncmmng der„Paddengasse" in„Kleine Stralaucr straße", welche 1362 beschlossen wurde, die„historischen Erinnerungen� geltend gemacht, die sich an den alten Namen knüpften. Historische Erinnerungen knüpfen sich auch an die Eier-Gasse. Sie erinnert, wie die ihr benachbarte frühere„Bollen-Gasse"(jetzige Molken-Straße) an den Lcbensmittelmarkt, der hier stattfand. Die neneu Post-Wertzeiche». lieber die iiencn Post-Wert zeichen, die, Ivie wir bereits mitgeteilt haben, am 1. Januar zur Einführung komnieir, bringt eine heute erschienene Extra- Ausgabe der„Deutschen Verkehrs-Zeitung" folgende Angaben: Im Reichspost Gebiet werden bekanntlich folgende Markenwerte zur Frankierung der Postsendungen verwendet: 3, 5, 10, 20, 25 und 50 Pf., sowie im inneren Verkehr der Postanstalten 2 M. Der Aufschwung, den der Post verkehr im letzten Jahrzehnt allgemein genommen hat, namentlich aber die bedeutende Zunahme des PakctvcrkchrS und dessen Ans dehnung auf immer lvcitcre Gebiete des Auslandes haben das Be« dürfnis gezeitigt, die niedere» Frankierungswerte um die Beträge zu vermehren, die bei der Versendung von Postanweisungen, Wert bliesen und Paketen am meisten benötigt iverden, und weiter auch Postwertzeichen zu noch höheren Beträgen als bisher dem Publikum zur Verfügung zu stellen. Als neues Ma'rkenbild ist das Brustbild einer Germania gewählt worden. Das Haupt dcS idealen Frauciibildiiisscs trägt die Kaiserkrone, unter der das Haar bis auf die Schultern hervor- wallt. Die Brust ist gepanzert, die rechte Hand hält Schwertknauf und Oelzweig. Die Werte bis einschließlich 20 Pf. iverden in ein- farbigem Buchdruck, die von 25 bis 80 Pf. in zweifarbigem Buch- druck hergestellt. Die Farben sind: 3 Pf. braun, 5 Pf. grün, 10 Pf. rot, 20 Pf. blau, 25 Pf. Eindruck(das Bild der Germania, die Bc- zeichnuiig„Reichspost" und der Wertbetrag): schwarz, Nahmen: orange. Papier: gelb; 30 Pf. Eindruck.'schwarz, Nahmen: orange, Papier: chaniois, 40 Pf. Eindruck: schivarz, Rahmen: karmin, Papier: ivciß: 50 Pf. Eindruck: schivarz, Nahmen: violett, Papier: chamois; 80 Pf. .Eindruck: schwarz, Rahnien: karmin, Papier: rötlich. Die Marken sind 251/2 Millimeter hoch und 21Vs Millimeter breit; sie haben in der Breite 15, in der Höhe 13 Zähne. Als Einführungstcrmin ist der 1. Jannar 1900 in Aussicht genommen; natürlich werden die alten Vor räte aufgebraucht, che die neuen Marken zur Ausgabe gelangen. An höheren Werten sind Marken zu 1, 2, 3 und 5 M. in Aussicht genommen. Die Anfertigung ist im Gange, wird jedoch noch einige Zeit in An- fpruch nehmen, da die Marken in Kupferstichmanier hergestellt werden müssen. Für die höheren Werte sind Darstellungen ans der neueren Geschichte All-Dentschlands vorgesehen. Es liegt ferner in der Absicht. für die deutschen Postanstalten' im Auslände und in den Kolonien eine besondere Freimarke herzustellen, durch deren Bild '„Deutschland zur See" versinnbildlicht werden wird. Sämtliche Ar- beiten bei Herstellung der neuen Marken werden in der Reichsdruckerei ausgeführt. Die LeernngSterminc der Postbriefkästen werden von heute ab in den Abend- und ersten Morgenstunden anderweitig geregelt. Die letzte tägliche Leerung, welche bisher zwischen 83/4 und Q3/* llhr abends erfolgte, beginnt von heute ab erst um ll'/s Uhr nachts, fo daß sämtliche bis dahin in die Briefkästen gelegten Sendungen noch gegen 12 Uhr zu dem betreffenden Postamt gelangen und so unter allen Umständen mit den ersten Fciihposten abgesandt werden können. Hinsichtlich der Hausbriefkästen der Bestcllungs-Postanstalten bleibt indessen, worauf Ivir besonders hinweisen, die bisherige um 33/« Uhr früh beginnende erste Leerung auch fernerhin bestehe», unr dem Publikum die Möglichkeit zu gewähren, wichtige Korrespondenzen mit den für diese Leerung in Betracht kommenden Frühpostcn abzu- senden. Bei den übrigen Briefkästen wird die künftige erste Leerung in der Zeit zwischen 7 und 8 Uhr vormittags stattfinden. Ans dem Akadcmicterrain soll, wie es heißt, nicht allein die königl. Bibliothek neu errichtet werden, sondern es soll dort auch die Akademie der Künste und der Wissenschaften ein neues Heim er- halten. In der Angelegenheit der Denkmalsschändung in der Sieges- allee hat der Polizeidircktor von Charlottenburg, Rcgierungsrat Steifensand, an den Rektor der Technischen Hochschule ein amtliches «Schreiben gerichtet, nach dem die von ihm veranlaßte» Ermittlungen I in keiner Weise die Beteiligung von Studierenden der königlich! Der Hafen am Urban, über den der erste Rechnungsabschluß für das Etatsjahr 1893 jetzt vorliegt, hatte eine Einnahme an Bohl- Lager-, Krahn- und Wicgegeld von 27 241 M. und eine Betriebs- ausgäbe von 10 973 M. Der Ueberschuß sowie der vom Vorjahre übernommene Bestand im Gesamtbeträge von 34 798 M. ist in 35 000 M. 3'/2proz. Effekten zinsbar angelegt Ivorden. Da die Kosten des Grnnderlverbcs ivcgcn der noch schwebenden Prozesse zur Zeit nicht feststehen, sind die zur Verzinsung und Tilgung dcS Anlagekapitals erforderlichen Beträge der Betriebsverwaltung für jetzt noch nicht zur Last geschrieben worden; somit steht gegenwärtig noch nicht fest, ob und in welcher Höhe etwa ein Zuschuß ans städtischen Mitteln zum Hafcnbctrieb gclvährt iverden muß. Die Arbeiten zum Neubau dcS Märkische» Musenms sind vorläufig eingestellt ivorden. da die Festigung des Bauplatzes in viel umfangreichcrem Maße erfolgen muß. als zuerst angenommen ivorden war. Die Gegend bei der Waiscnbrücke hat einen sehr schlechten Baugrund, gerade dort, wo sich das neue Museum erheben soll, floß früher der Grüne Graben entlang, der bei der Waisen brücke in die Spree mündete und ivcgcn seines schlammigen und morastigen Grundes berüchtigt ivar. Um nun zu ermitteln, bis zu Ivclchcr' Tiefe die Festigung erfolgen muß, werden die bereits in den Bangrund eingetriebenen mächtigen Pfähle jetzt einer Belastungs probe unterzogen. Die Heu- und Strohmärkte. Der Magistrat ersuchte die Aeltesten der Kaufmannschaft um ein Gutachten über einen bei ihm vom hiesigen Verein der Fouragchäudlcr gestellten Antrag ans Auf Hebung der Heu- und Strohmärkte auf dem Gartenplatz' und dem Küstrincr Platz, welcher Antrag im wesentlichen dadurch begründet worden war, daß die tägliche Versorgung Berlins mit Heu und Stroh nur zu einem geringen Prozentsatz auf de» genannten Märkten geschähe. Die Aeltesten beschlossen nach Anhörung der Interessenten, sich gegen den Antrag auszusprechen, weil jene Märkte, namentlich für die kleineren Verbraucher von Fourage(Inhaber von Milch-, Fuhrgeschäftcn usw.), noch nicht entbehrlich erscheinen und besonders auch die ans diesen' Märkten zu Stande kommende Prcisnotierung für weite Kreise wichtig ist. Für die große deutsche Winterblnmcn-Zlusstellung, welche Mitte Februar 1900 in Berlin stattfinden soll, ist jetzt wegen der großen Beteiligung statt dcS zoologischen Gartens der Luisen Hof in der Drcsdcncrstraße gewählt worden. An Medaillen und Geld- preisen stehe» nicht wcniger-alS 20 000 Mark in Aussicht. Die einsame Mieterin, Fräulein H. Horn, muß nun von ihrer Ecke, die einzige, die von dem alten Hause an der Ecke der Wall- und Neuen Noßstraße noch steht, in den nächsten Tagen scheiden. Das Haus hat bekanntlich der Verbreiterung der Neuen Roßstraße, resp. dem Neubau der Noß-Straßenbrücke zum Opfer fallen müssen, der Anfang des nächsten Monats begonnen werden wird. Fräulein Horn hat den Eckladen zu dem billigen Preise von 2000 M. JahreSmiete bereits 16 Jahre inne und noch anderthalb Jahr Kontrakt. Da sie für einen ebensolchen Laden in dortiger Gegend ca. 4000 M. Miete zahlen muß, hat man ihr städtischerseits die im Wege des Enteignungsverfahrens festgesetzte Entschädigung nunmehr bar ausgezahlt. Damit ist sie jedoch nicht zufrieden; sie hat das Geld nur unter Vorbehalt angenommen und wird sich, falls sie jetzt keinen passenden Laden zn finden vermag, ihr vermeintliches Recht auf gerichtlichem Wege suchen. Uebrigens hat man ihr beim Magistrat gesagt, daß eS mit ihrem Auszuge, falls sie einen Laden, der renovationsbedürstig wäre, mieten würde, auf ein paar Tage nicht ankäme. Die Balentintsche Mordsache. Die beiden Einbrecker, welche der Teilnahme an der Ermordung Valentinis verdächtig sind, heißen Zimmer und Kraus. Wie neuerdings noch ermittelt wurde, hielten sich die beiden in der Mordnacht bei einer Dirne auf, deren Zu- hälter mit ihnen bekannt war. Die Dirne soll nun vom Reben- zimmer aus ein Gespräch der drei Kerle belauscht haben, desien In- halt stark belastend für Zimmer und Kraus ist. Auch soll sie einer in dem Hause wohnenden Grünkramhändlerin erzählt haben, daß Z. und K. einen blutigen Kragen, ferner einen blauen Shlips— einen solchen soll einer der von dem Maler Hofsmann beobachteten beiden Männer getragen haben— sowie einen modefarbenen Uebcrziehcr verbrannt hätten. Die Untergrnndbahnstrecke Treptow- Stralau wird, wie nunmehr bestimmt ist, am 1. November in Betrieb genommen werden, da bis zu diesem Termin auch die oberirdische Strecke vom Schlesischen Bahnhof nach Stralau fertiggestellt sein wird. Elektrischer Betrieb wird von heute ab auf der Straßenbahn- strecke Niederschönhansen— Britz eingeführt; doch bleibt auf der Teil- strecke Verbindungsbahn— Niederschönhausen vorläufig noch der Pfcrdcbctrieb bestehen. Der Pfcrdcbahnwagen wird von der Ver- bindnngsbahn ab als Anhängewagen benutzt und dann bis Britz im Betrieb behalten, so daß die Fahrgäste ohne umzusteigen bis zur Endstation weiterfahren können. Der Zwischenwagen Panckow— Rathaus fährt wie bisher weiter. Unrichtig ist die auch von uns gebrachte Meldung, daß der Kassenbote Lcisdorf gefaßt sei. Leisdorf, der der Maschinenfabrik „Cyklop" mit 15 000'M. durchgebrannt ist, hat sich wahrscheinlich sofort auf den Weg nach dem Auslände gemacht. Zweihundert Mark gefunden. In der Friedrichstraße sind zwei Hundertmarkscheine gesunden worden. Der Verlierer mag sich im Fundbureau des Polizeipräsidiums Zimmer Nr. 79 melden. Ein roher Patron wurde vorgestern abend in der Person eines 24jährigen Schuhmachergesellen Dämmert festgenommen. D. war an der Ecke der Brunnen- und Jnvalidenstraße mit dem Kanf- mann Wilke in Streit geraten und versetzte diesem ohne weiteres mehrere Stiche mit dem Taschenmesser. Der Thäter entfloh dann durch die Invaliden- und Strclitzerstraße und versuchte nach der Anklamerstratze zu entkommen. Hier warfen sich mehrere Männer dem Flüchtling entgegen, der wiederum von seinem Messer Gebrauch machte und mit der Waffe um sich stach. Hierbei wurden die Arbeiter Eckart und Scherping sowie der Kaufmann Tetling durch Stichwunden erheblich verletzt. Schließlich gelang es einem Schutzmann, den Un- hold zu überwältigen und ihn nach der Polizeiwache in der Strelitzer- straße zu bringen. Die vier Verwundeten mußten die Hilfe der Sanitätswache in Anspruch nehmen. Straßensperrung. Die Oberwallstraße zwischen dem Platz Am Zeughanse und der Werderschen Roscnstraße, einschließlich der Kreuzung mit letzterer wird behufs Umpflasternng vom 31. d. Mts. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. In der Urania findet heute(Mittwoch) der vierte Centenar- Vortrag statt und zwar spricht Herr Geheimrat Professor Dr. Waldeyer über„die Erforschung des Nervensystems und ihre Er- gebnisse"._ Aus de» Nachbarorte». Pro domo! Mau schreibt uns aus Schöneberg: Herr tadtv. H a a s e, seines Zeichens Rentier und früher Schlächter- m e i st e r, nahm es mit seinem Amt als Stadtvatcr ziemlich ernst. Für alle der jungen Stadt in kommunaler Hinsicht bevorstehenden Aufgaben zeigte er das größte Interesse. Vor allem jedoch waren cS die Wochenmärkte, die sich seiner besonderen Aufmerksamkeit er- freuten, und als Mitglied der„städtischen Marktdeputation" war es ihm beschicden, gerade die Markttage besonders zu studieren. Und das Resultat seines Studiums faßte er in den Grundsatz zusammen: „Fort mit den Wochcnmärkteu"! Denn, so resultierte er. auf diesen Wochenmärkten werden nicht nur minderwertige Waren feilgeboten und die Konsumenten schwer übervorteilt, nein, auch den steuerzahlenden selbständigen Gewerbetreibenden bereitet man dadurch eine Schmutz- konknrrenz sondergleichen. Besonders die auf den Märkten anwesenden Schlächtermeister hatten sich seiner ganz besonderen Fürsorge zu erfreuen, indem er von jenen behauptete, daß sie„nnuntersuchtes, minderwertiges Fleisch" verkauften. In Versammlungen und im Stadtparlament «orderte er im Tone höchster Entrüstung die Handhabung einer besseren Kontrolle der Nahrungsmittel.„Nur Gott und der Schlächter wissen, was in d e r W n r st drin ist!", so rief er ans, indem er über den Wert dieser Flcischwaren die un- glaublichsten Dinge erzählte. Soweit wäre das Vorgehen des Herrn Stadtvaters z» verstehen und in betreff der Einführung einer besseren Kontrolle auch zu billigen. Nun spielte sich in einer der bei unseren Gegnern jetzt so beliebten Kommunalwäbler- Bezirksversamnilnngen dieser Tage folgende höchst lehrreiche Episode ab: Der Wirkll Geheimsckrctär Konopke stellte an den anwesenden Stadtverordneten Haase die Frage:„Herr Stadtverordneter, Sie behaupten also, daß ans dem Markt unnntersnchtes, minderwertiges Fleisch verkauft wird?", worauf Herr H. laut antwortete:„Jawohl, nach wie vor 1" Herr K. fuhr nun fort:„Meine Herren! Ann hören Sie das Resultat meiner Recherche. HerrHaase hat diesesFleisch, also un unter- ' Uchtes, minderwertiges Fleisch, wie er es eben bezeichnete, selb st gekaust. Dieses Fleisch soll von seinem Sohne nach der Markthalle auf dem Magdeburger Platz geschafft Ivorden sein; n dieser Markthalle hat seine Frau einen i t a n d i n u e! Herr Haase, das ist das Resultat meiner Recherche, die Sie von mir verlangen; cS wäre mein Geheimnis geblieben, hätten Sie mich nicht angegriffen."— Ein Kommentar hierzu erscheint überflüssig, wenn man sich vergegenwärtigt, welchen Kreisen dieser Gegner des Herrn Haase angehört. Auch er ist ein Zweiter bei dem' Kampf für Moral und gute Sitte, und bläst bei weitem nicht die letzte Trompete, wenn es darauf ankommt, den Arbeitern eins aiifznspiclen. Zum Schluß möchten wir noch kon- staticren. daß Herr H. ziemlich still geworden ist. Wir bedauern es Vielleicht kommt er doch noch einmal:„Pro domo!" Wegen deö immer noch niedrigen Wasserstandes der Havel hat die zuständige Stromaufsichtsbehörde angeordnet, daß auf der Strecke zwischen Rathenow und Brandenburg die Schiffe nur einen Tiefgang von 1,35 Meter habe» dürfen; die meisten Fahrzeuge können darum nicht volle Ladung nehmen oder müssen unterwegs leichtern. Für den Schiffsverkehr Berlin-Hamburg ist diese Anordnung sehr einschneidend. Weißensec. Eigentümliche Freundschaftsdienste scheinen einige tonangebende Mitglieder der hiesigen Genossenschaftsbank, mit ihrem Direktor W. an der Spitze, ihrem vor noch nicht langer Zeit ver- storbenen Mitgliede, dem Rentner und Schöffen Kobbe, geleistet zu haben. Die Statuten des Vereins gestatten nicht, daß die Ver- bindlichkeiten des einzelnen Mitgliedes gegenüber der Bank die Summe von 10000 Mark übersteigen. Durch den plötzlich erfolgten Tod des K. trat dessen schon vorher nur mühsam verhüllte Insolvenz klar zu Tage; zugleich aber erfuhr mau, daß er etwa 30 000 M. an die Bank zu zahlen hatte, daß also die in diesem Institut einflußreichen Personen ihrem Freunde Kredit weit über die statutenmäßige Höhe hinaus gewährt hatten. Daß ich der übrigen Mitglieder ob dieser„Gutherzigkeit" ihres Direktoriums eine ziemliche Erregung bemächtigte. ist gewiß zu begreifen, und der Anffichtsrat hatte in der letzten Generalversamm- lung alle Hände voll zu thun, um seine Verantwortlichkeit von' sich ans den Herrn Direktor W. abzuwälzen,„der den Mitgliedern des Anffichtsrates angeblich nicht genügend Einblick in die Verhältnisse der Bank gewährt habe". Herr W. wird für den Ausfall, den die Bank erleidet, haftbar gemacht werden. Was unS bei der Sache am meisten interessiert, ist. daß dieser Herr, in dem alle auf Hebung der Lage der ärmeren Bevölkerung abzielenden Bestrebungen schwere Bedenken wachzurufen pflegen, in diesem Falle olch großes Verständnis für den„Kummer, die Not und Sorgen" 'eines Freundes und GestimungSgenoffen an den Tag legte. Pankow. In der gestrigen Sitzung der Gemeindevertretung war von besonderem Interesse eine Anfrage der Ncgienmg, wie die Gemeinde sich zur Anstellung eines Kriminalkommissars am Orte stelle. Ein Antrag auf Einstellung eines Kriminal- eamten war, wie erinnerlich sein wird, vor einiger Zeit ab- gelehnt lvordcn. Aufgabe des Kommissars soll es sein,; ämtliche Straffälle am Orte'zu prüfen, Haussuchungen abzuhalten und überhaupt der Staatsanwaltschaft zur Verfügung zn stehen. An Gehalt für dies weltstädtische Amt ist vorläufig' die Summe von 3300 M. vorgesehen, doch wurde der Gemeinde die angenehme Ans- ficht eröffnet, daß die Bedürfnisse des Hcrm selbstverständlich im Laufe der Jahre steigen würden. Die Gemeindevertretung i v e r z i ch t e t e auf die Anstellung eines solchen Beamten imb zwar mit bcr aiisdriicklichcn Motitnenmg, daft crsicus die Einwohnerschaft zum nicht unbcträchllichcil Teil sich einer gewissen, gegen Verbrechen imnninisicrendc» Wohlhabenheit erfreue. sTrotzdcnr nmßte der Arinenctat des Ortes im letzten Jahre um ciwa 50C0 M. überschritten werden. Der Berichterstatter.) Zweitens erwog die Gemeindevertretung, dag auch der nicht im Fette sitzende Teil der Einwohnerschaft friedliebend und durchaus nicht zu Ausschreitungen geneigt sei, ein Erfolg, der Ivesentlich dem aufklärenden Wirken der Socinldcmokratie zu danken sein niag. Wie sehr man übrigens in Pankow von Gemeinde lvegen Ruhe und Ordnung schätzt und schützt, beweist der in derselben Sitzung gebilligte Erlast einer Orts-Polizeiverordnung, wonach bei einer Strafe bis zu 9 M. das schnelle Fahren von Last- und Arbeits- fuhrwerke» in den Strastcn des Ortes verboten ist. Zn dem Tclbstniord in der Jungfcrnheide. über den wir gestern berichteten, wird uns mitgeteilt, dast nicht der Förster, sondern einige Arbeiter sich des Schwerverletzten annahmen und die Feuerwehr, sowie die Rettungswache zur Hilfeleistung anriefen. Der Ucberfall nnf de» Radfahrer Tocpfcr wird durch fol- gendc polizeiliche Meldung in Erinnerung gebracht: Seitens des Untersuchungsrichters beim kgl. Landgerichte zu Potsdam ist unter dem 1. März 1899 gegen den unten beschriebenen Arbeiter sauch Kaufmann) Hermann P r ü tz. zuletzt in Berlin wohnhast gewesen, welcher flüchtig ist, die Untersnchnngshaft wegen versuchten Mordes und vollendeten Raubes verhängt. Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in dos Gerichlsgefängnis zn Potsdam abzuliefern. V. U. 28/98. Prütz ist 26 Jahre alt. Gröste 1,79 Meter, Statur kräftig, Haare und Ängcnbraucn hellbraun, Stirn hochgewölbt, Bart Anflug von dunkelblondem Schnurrbart, Augen blau, Nase grost, Zähne defekt, Kinn spitz und hervorstehend,' Gesicht schmal und niarkiert, Gesichtsfarbe gesund. Die Sprache ist deutsch. Besondere Kennzeichen: Pickel im Gesicht und Schwerhörigkeit. Erwähnt wird, dast Prütz des Uebersallcs gegen den Radfahrer C. Töpfer, welchem letzterer am 4. September 1893 auf dem Wege von Treuenbritzen nach Beelitz zum Opfer gefallen ist, dringend verdächtig ist. Töpfer hat den Prütz nach der Photographic' bestimmt als den Thäter wiedcrkannt. Der Herr Regierungspräsident von Porsdam hat auf die Ermittlung des Thäters 300 M. Belohnung ausgesetzt. Revision des Harmlosen- Prozesses. Zu dem„Harmlosen- Prozcst" ist zu melden, dast gegen das freisprechende Erkenntnis der Strafkammer IV seitens der Staatsanwaltschaft das Rechtsmittel der Revision angemeldet worden ist. Ob dieselbe aufrecht erhalten und begründet werden wird, dürste sich erst entscheiden, lvcn» das Urteil ausgefertigt sein wird. Wegen Beleidigung des Landrats in Königsberg, Freiherrn d. Mccrscheidt-Hüllesscm, war der Redactcur der„Deutschen Tages- zeitung-, Dr. G u st a v S t r e h l k e, am 16. Mai d. I. vom Land- gcricht l Berlin zu IM M. Geldstrafe verurteilt worden, nachdem «in stüheres, auf Gefängnis lautendes Urteil aufgehoben worden war. Es handelte sich um die Angelegenheit der Rei'chstagswahl des vorigen Jahres, in welcher der Landrat den Rcgicrnngskandidatc» gegenüber dem Kandidaten des Bundes der Landivirte unterstützt hatte und dafür von der„Deutschen Tageszeitung" angegriffen worden war. Gestern kam vor dem Reichsgericht in Leipzig die R e v i s i o n des Angeklagten zur Verhandlnng. Das Reichsgericht verwarf die Revision als unbegründet. In den Gründen wurde»ach be- rannter Praxis betont, dast es zu beanstanden sei, wenn einem Redacteur, nur weil er einer bestimmten politischen Partei angehöre, der Schutz des Z 193 zugebilligt werde. Das Landgericht habe es nun aber gethan, dann indes in rcchtsirrtumsfrcicr Weife festgestellt, daß sich die Absicht der Beleidigung aus der gewählten Form ergebe. Vevmifchkes. Von einem Gendarm erschossen. Der„Gemeinnützige" Meldet aus Augustfehn fOldenburg). Auf dem Wege nach Süd- gcorgsfehn erschoß der Gendarm Radcmacher ans Stickhauscn. wie verlautet in Notwehr, einen Mann, der als des Pferdediebstahls verdächtig verfolgt wurde. Der Verfolgte griff den Gendarm an, als dieser ihn verhaften wollte. Bei dem Kampfe wurde der Ver folgte erschossen. Verbot von„Pricstcrtvitzen". Ans Finnland wird ge- meldet: Ans Befehl des stellvertretenden Generalgouverncnrs von Finnland, Gcnerallieuteuants Schipow, ist den Prestbcvollmächtigtcn die Weisung zugegangen, daß in Zukunft in humoristischen Blättern nichts vorkommen dürfe, was die Priesterschaft angehe. Gut, dast Boccacio im 14. Jahrhundert in Italien und nicht im 19. Jahr hundert im Revier des knntenden Erbfreundes gelebt hat. Einen riesenhaften Schwindel hat ein Kopenhagener Groß- schlächter betrieben, der infolge Denunziation jetzt herausgekommen ist. In Kopenhagen werden alle Fleischwaren, die im Schlachthanse geschlachtet und daher untersucht sind, mit einem offiziellen Stempel versehen. Diesen hat der Schlächter Nielsen, eines der Mitglieder des Vorstandes der Schlächtergilde, sich nachbilden lassen und damit Fleisch, daß er außerhalb Kopenhagens schlachtete, abgestempelt und nicht nur in seinem Laden verkauft, sondern auch an andere kleine Fleischer geliefert. Diesen Schivindel hat er seiit zwei Jahren betrieben und soll oft minderwertiges, selbst krankes und tuberkulöses Vieh geschlachtet haben. Er ist verhaftet worden. Die Anzeige dürfte er dem Ilmstande zu verdanken haben, daß er sich an den Brutalitäten des Schlächtervcrbands-Vorstandes energisch beteiligt hatte. Er soll bereits Geständnis abgelegt haben. Ein Sittenrichter. Dr. Fritz Friedman», der ehemalige Berliner Rechtsanwalt, ist am 13. Oktober in New Aork zum erstenmal öffentlich aufgetreten, Vor einem nicht sehr zahlreiche», aber recht aufmerksamen und dankbaren Auditorium hielt er im Gerniania-Theater einen Vortrag über„Frankreich— La äs siöclo". Das Urteil, das Dr. Friedmann über Frankreich fällte, war ein geradezu vernichtendes; wenn es den wirklichen Thatsachcn ent- sprechen sollte, so wäre es nur eine Frage weniger Jahre, man möchte lagen lvcnigcr Stunden. bis Frankreich ohnmächtig zu- sammenbricht. Als Merkmale dieses Verfalls bezeichnete Redner in erster Linie das protzenhafte Parvenutum, wie es in Präsident Faure so deutlich zum Ausdruck kam; ferner das Prätorianertum, ivie eS ein Boulanger repräsentierte, dann das Mönchtiini unter der Leitung der Jesuiten. Als weitere untrügliche Zeichen des Nieder- gnngs wurden dann noch vorgcstihrt: die Abnahme des Frauen- k u l t u s in seiner edleren Bedeutung; Zunahme von Roheit und Brutalität, wovon die Einführung von Stiergefcchten Zeugnis ab- lege; Korruption im parlamentarischen Leben; die Ueberwucherung des Militarisinns und viele andere Sünden, von denen im Leben der übrigen Kulturvölker bekanntlich nicht die Spur zu entdecken ist. Besonders schön muß sich die Hervorhebung des Fraucnkultus in seiner edleren Bedeutung im Munde des Herrn Dr. Friedmann gc- macht haben._ Laiidömannschaft der Schleswig Holstciner. Heute abend 8'/, Uhr> in G. Feuersteins Festsälen, Alte Jakobstraste 75: Geschäftliche Sitzung. Aufnahme neuer Mitglieder. Abrechnung. Verschiedenes. Landsleute, auch Damen, sind willkommen. Freie Vereinigung der Badeuser. Mittwoch, den 1. November, abendö 8>/z Uhr, Dragonerstr. 15: Versammlinig. Eingegangene Druckschriften. Von der„Neuen Zeit"(Swttgart, Dietz' Verlag) ist soeben daS 5. Heft des 18. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Mitgefangen, mitgehangen!— Karl Marx über Karl Grün als Geschichts- schrcibcr des Socialismus. AuS dein Marr-EugclSschen Nachlast.(Fort- setzmig.)— Der Gesamtparteitag der üstrcichischcn Socialdemokratic in Brünn. Von Dr. F. Winter.— Ter fünfte Kongrest der spanischen iocia- liftischen Arbeiterpartei und die politische Lage in Spanien. Von Heinrich Cnnow.— Der Arbeiterschntz in der PhoSphorzündholz-Jndustric. Bon Paul Umbreit.— Littcrarischc Rundschau: Ludwig Gumplowicz, Socio- logische Essays.— Notizen: Das Wachstum des Handels der Vereinigten Staaten mit Ostafien. VriesKaflen der Redaktion. 3(. Scholz. 1. Die Armendirektion kann ans eine an sie gerichtete Ein- gäbe hin Ihnen cincn Teil der Summe lassen. 2. Nein. 3. Ohne nähere Darlegung nicht zu verstehen. 4. DaS ist möglich. 5. Aber!— N. 2v. I. 1. Nein. 2. Wenn ein Kauf und nicht etwa Leihe, Miere oder dergleichen vorliegt, ja. 3. Das hangt von der Höhe des Streitobjekts ab.— P. M. Ja, er braucht nur einen dahingehenden Antrag an daS Gcricht zu richten.— 91. V. ES kann bei Gcricht der Antrag gestellt werden, mit Rücksicht darauf, dast der Vater sich um daS Kind nicht geküniniert hat, der Mutter die Erziehung deS KindeS zu lassen und den Vater trotzdem zur Zahlung für verpflichtet zu erachten. Völlig unabhängig von dem Ausfall dieses Antrages besteht die Verpflichtung des Vaters, bis zu dem Zeitpunkt zu zahlen, wo er die Ucbergabe deS Kindes verlangt hatte.— E. W. Nein. —©., Liicknucrstrasie. 1. Die Karte enthält eine grobe Beleidigung. 2. G. braucht nicht zu liefern, da Sie selbst durch die Karte darauf verzichtet haben.— Grebcrt 10. 1. Ein gerichtlicher Vertrag ist erforderlich, de» Sie, Mutter und Vormund, zu schltcbcn hätten. 2. Das wird voraussichtlich genügen: Das Ermessen des Gerichts ist frei. 3. Ja.— E. W. IVO. Sprechen Sie in der juristischen Sprechstunde vor.— H. P. 50. Soweit aus Ihrer Darstellung ersichtlich, steht Ihnen ein Patentanspruch nicht mehr zu.— 55. Die Scheidung und der Scheidungsgrnnd ergiebt sich aus dem mit Rechtskraft versehenen Ehcscheidungs- Urteil. Dasselbe können Sie sich von Ihrem Anwalt oder vom Gcricht geben lassen. Die Wciterführnng des Namens kann der für schuldig erklärten Frau untersagt werden. � H- F- I- 1- Nein. 2. Durch 1 erledigt.— O. 100. Nein. —<£. Sch. 75. 1. und 2. Leider ja. Wir haben häufig genug davor gewarnt, einen Bestellzettel zu unterschreiben, den man nicht genau durchgelesen hat. Lehne» Sie es ab, auf Brockhaus' Lexika, Rcchtslexika u. dergl. zu abonnieren. Haben Sie aber unterschrieben, so sind Sie zur Abnahme und Bezahlung des teuren, für Sie wertlosen Buchs verpflichtet.— K. R. N. Der Anspruch aus Unfall- rente verjährt, wenn er nicht seitens des Verletzten inuerhalb zwei Jahren angemeldet wird.— M. M.» Nixdorf. Wenn keine testamciitarische Be- stlulniung entgegenstehen wird, ja.— W. B. Nein.— K. F. 00, Sie haben das Recht, die Bestrafung deS Denunzianten bei der Staatsanwalt- schast zu beantragen. Er würde wegen Verleumdung und wissentlich falscher Anschuldigung bestraft werden, wenn erwiesen wird, dast seine Anzeige eine thatsächlich unrichtige, wider besseres Wissen erstattete sei. — W. N., Schulstrasse. Wenden Sie sich an daö Bureau des Central- Verbandes Deutscher Maurer, Alt-Kölln am Wasser Nr., 1, um Auskunft Miu'ktpvnse von Berlin am 30. Oktober I89S nach Ermittclinigcn des kgl. Polizeipräsidiums »)Weizen D.-Ctr. »jRvggen Futlcr-Gcrste, Hafer gut „ ncittel„ „ gering Richtstroh, Heu 1) Erbsen ■jOSpeisebohiien, ch)Linsen, Kariosscl», iicnc Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch„ •) Ermiiiclt pro 15,30 15,20 14,30 15,20 14,50 13,80 4,15 40,- 50,— 70,- 6,- 1,00 1,20 Tonne Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander t echte arsche Schleie Bleie Krebse 1kg 60 Stück 1 kg per Schock 1,60 1," 1,60 2,80 4,80 2,20 2,80 2,60 1,80 I, 2,80 1,40 12.- 1,10 I.- 1- 2,- 2,80 1,20 1,20 1- ],- 0,80 1,20 0,80 2,50 14,30 14,- 13,- 14,60 13,90 13,20 3,82 4- 25,- 26,- 30,- 4,- 1,20 1,- , M................. von der CeniralstcNe der Prcnst. Landwirt» fchastskaiumern— Notierungspelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Doppel-Centncr. ch) Kleinhandelspreise. Produkten markt vom 31. Oktober. Der Getreidevcrkehr war heute äustcrst ruhig und die Preise hielten sich, da die Geringfügigkeit der Umsätze gröbere Bewegung unmöglich machte, ungefähr aus dem gcstttgcn Niveau, nur Oktoberroggcn, der bei der in letzter Zeit vorherrschenden schwachen Tendenz auf vorhandenes Decouvert meist Prcisavancen erzielt hatte, erfuhr heute, nachdem die fälligen Licseningcn prompt erfolgt waren, einen Rückgang um ciwa 1,50 M. Im übrige» waren Weizen und Roggen ani Frühmarkt schwach behauptet, mittags leicht nachgebend. Hafer lag fest auf gutem Kouflimvcrkehr, ebenso Rüböl.— Am Spiritusmarkt schien die Thätigkcit der Spekulation vollends zu erlahmen. Die un- veränderten Presse für Loco- und Tcnninware waren lediglich uoniiliell zn verstehen. 70cr 45,90. Kartosselsabrikate. Feuchte Kartoffelstärke 10,90 M. Ia reine Kartoffelstärke disponibel und November-Dczember 20,75 M. Ia Stärk« und Mehl, Mittel» Qualität 19,50—20,00 M. per 100 Kilogramm. SvitteiiiiigSübersicht vom 31. Oktober 1899. morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien o K Sla •Z 3 If Wetter 758 WSW! llbedeckt 759 SW 759 ,W 762 N 762 �SSW 763 Still 3bedeckt llbcdcckt »bedeckt 2 wolkig —Nebel Ü f W" Siauone» Haparanda Petersburg Cork Abcrdce» Paris 734 SB 764 W 753 S 523 765!SSW Wetter 4hlb.b-d. 2hlb.bed. 3 heiter 1 wolkig Wetter- Prognose für Mitttvoch. den I. November 1899. Zunächst ziemlich heiter, ctwaS kühler bei frischen südwestlichen Winden; nachher neue Erwärmung, Trübung und etwas Regen. Berliner 28 e t t e r b n r e a n. Tonuerstag, den 8. November, abends 8«', Uhr, in der Brauerei „Qnindrlmia", Wallstr. 94: f fa Bttz 1■ .�Diiitiiiiniiliiiiilik�erfniiiiiiliiiijj füv rämilidie Vezirke. Tages-Ordnung: 1.„Die bevorstehende» Stadtverordnete»- Wahlen". Referent: RcichStags-Abgeordncter Singer. 2. Diskussion. 204/15 Zahlreiches� Erscheine» erwünscht. Der Einbernfcr. Wiltg, HchllMer! Am Mittwoch, den 1. November, abends 8 Uhr, im Lokal deS Herrn Julius Werua«, Schwrdtcrstrnßc Nr. HS: (Oeffentl. NovsennnUung. Tages-Ordnung: 1. Ter Streik bei der Firma liarl Müller, Schönhaiiscr- stlllce. nnd bei.Adel»& Comp.. Bcrnauerstrasic. 2. Dislnision. Die Kollegen werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. 277/11 Der Vertmneiismann. Mifllg! III U Ii II E ü. MlM! Mm Mittwoch, den 1. Nolieiiiber, abends 8 Uhr, bei Keiiel', KWeilsirajjt Nr.$): Große öffentliche Versammlung dev Uftmlvev Vevlins ti. Mnrgegend. Tages-Ordnung: 1. Das System der Lohnarbeit und ihre Auswüchse. Referent Kollege Silbersckimidt. 2. Die Jnnehaltung der Lertragsbestimmnngeii bei den Buiidcsmitgliedern und Beschlutz- fassung über die Verallgemeinerung derselben bei den übrigen Unternehmern. 3. GeWerk- schaftliches. Sjchf Wir ersuchen die Kollegen, für diese Versammlung die grösttc Propaganda zn eulfallen. 137/15 Die BcrbaiidSlcitung. I. A.: Karl Danser. Achtung, Holzarbeiter (Bezirk Süd, West nnd Südwest). Am TonncrStag, de» 2. November 1899, abends SVe Uhr, in Habels Brauerei, Bcrgiiianiistrahe 5—7: VEsfenii. Mevsammiung* Tages-Ordnung: 1. Der Boykott über die Holzbearbeittings-Fabrik infolge der Er- höhung der Preise. 2. Bekaiintgabe über das Resultat der Unterhandlung. 3. Dislussion und weitere Bcschlustsassung. 277/14 Der Einberufer. Orts-Kraukenkaffe für das Viilhdnilkptrbe jn Berlin. Ilm Sonntag, de» 19. November 1899, vormittags IQ1/: Uhr, im Luisenftädtifchc» Konzcrthanse, Alte Jnkobftrahc 37: Grdentl. Generalversammlnng Tages- Orb»n Ii g: 1. Mitteilungen des Vorstandes. 2. Ergänzungswahl des Vorstandes <1 Arbeitgeber, 3 Arbeitnehmer). 3. Wahl des Rendanten für die Jahre 3900—1902. 4. Wahl des Rechiiuiigs-Ausschusscs für 1900. 5. Wahl freiwilliger Krankencontrolenre. 6. Verschiedenes. HSöb Der B o r st a» d: «iistav Clüntber, Arthur Scholem, Borfitzender. Schriftführer. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Verwaltnngsstclle Berlin. Heute, Mittwoch, de» 1. November, abends SVa Uhr, im Lokal des Herrn Werner, Biilowslraßc 39: Bettrauensmiinnerkonfereuz für beil Westen, Schöiieberg iisiv. Am Donnerstag, den S. November, abends 8 Uhr, im Lokal dcö Herrn Fischer, Bcussclstraste Nr. 9: Bezirks-Versammlung fiiv Moelvik. 1. Vortrag des Herrn Markwald über:„Krankenkassen-Systeme". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelcgciiheitcn. 117/1 Das Erscheinen aller Kollegen ist unbedingt erforderlich. Die Drtaverwaltanx. Neues Clublmus, V2, KoiuiuaiulantenMtr. 72. Sind noch einige Soniitagc zu Hergeben. 50Zb Ueno Zeit zu kaufe» gesucht. Aeltere Jahrgänge und de» Jahrgang 1898/99. 233/13 Angebote erbittet schleunigst Buchhandlniig Borwärts. Berlin 81V.. Beuthstr. 2. Räucherware», Obst- u. Gemüse- Geschäft mit Rolle, gutgehend, zu ver- kaufen Bcrgmannstr. 193. s572b Künstliche Zähne, 3 M. an, vor- züglich, setzt schmerzl. ein. Plombieren, ichmcrzl. Zahnziehen, Zahnschm. bes. Rcp. sof. Goldstein» Orauieustr. 123. 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Mitgliedsbuch legitimiert. 280/3 MlmJ BW-Anschläger. Miml Am Freitag, de» Z. November, abends 7 Uhr, im Lokal deS Herr»« Cbst, Grunewaldstraße 440: Geffeitkl. VvrlÄnnnlnng TageS-Ordnung: llnserv �ohntraxe und Veraehiedene«. »»/IS I. A.: Flnke. Achtung! Achtung! Arveiter-Radfahrer Berlins und Umgegend. Donnerstag, den 2. November, abends 8V2 Uhr, im Lokal „Arminhallen--, Kommandantcnstraßc 29: Oeffentliche Berfammlung Tages-Ordnung: i. Vortrag. 2. Unsere Hilse zur bevorstehenden Stadtvcrordneten-Wahl. 5. Bericht des Vertrauciismannes. 4. Neuwahl. S. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch bittet 22/4 Der Tertrnnenamann. Bfiit dc» Iiih'ilt der Juseraie iibcriiiiiiittt die Redaktie» dem Publikum aegeujiber keinerlei _ P«r«»imori»»a._ Efzenkev. Mittwoch, N o v e ni v e r. Opernhans. Doktor und Apotheker In Afrika. Aiifanp Vk Nbr. Schanspielhaus. Wie die Alten smige». Anfang 7l/j Uhr. Dentschcö. Der Biberpelz. An- fang?'/, Uhr. Lesiing, Als ick wiederkam... Anfang?>/- Uhr. Berliner. Zaza. Anfang?>/- Uhr. Tchittrr. Der iitichter von Zalamea. Ansang 8 Uhr. Neues. Ein unbeschriebenes Blatt. Ansang f/z Uhr. Westen. Martha. Anfang?>/, Uhr. Thalia. Der Platzinajor. Ansang 7'/- Uhr. Residenz. Jagdfreuden. Borher: Faniilien-Sonper. Auf.?>/, Uhr. Luisen. Molch Eime. Ansang 8 Uhr. Central. Die Geisha. Ansang 7-/- Uhr. Carl Weih. Der Weltuntergang. Anfang 8 Uhr. Victoria, Es ist erreicht. Hierauf: Die weihe Henne. Ansang 8 Uhr. Friedrich- WilhelmstäbtischeS. Ein gefunder Junge. Anfang 8 Uhr. VeNe-Zllltance. Sonnabend: Gast- spiel des Schlierseer Bauern- Theaters. Anfang 8 Uhr. Metropal. Rund um Berlin. Im Reiche der Secessjpn! Aysang 8 Uhr. APollv. Frau Lima, Specialitäten- Borstellnng. Anfang 7V- Uhr. Reichshalle». Vtetmier Säuger. Ansang 8 Uhr. Palast. Susanne im Bade. Specialt- täten-Borsiellinig.'Auf. 8>/, Uhr. Pasiagc> Panoptikum. Speciali- inten-Borstellnng. Urania. Jnvalidensir. s>7/<>!i. Täglich abends von b— t(i llhr: Slcriiivarlc. Tanbrnstr. Im Theater: Der Sieg des Menschen über die Ratnr. Ansaug 8 Uhr. (Wallner-Theater). M i t t>v o ch, abends 3 Uhr: Uiclitcr von jEnlumea. Schauspiel in 3 Aufz. van Calderon de la Barca, bearbeitet von Adolf Wilbrandt. Donnerstag, abends 8 Uhr: IHo OrossstalUlnTt, Freitag, abends 8 Uhr: Der Riciitor von Xiclninca. CCmf veil Cl ftcntcD Direltion: Jose Fsrenezy. D i v O v i-s h n. Anfang>/-« Uhr. ' Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, nachinittags 3 llhr, zn halben Preisen: Die Fledermaus von Johann Strang. m Gr. Frankfurierftrahe I.'tÄ. Der Wettniltergllttg. Wrvücs Ausftnttnngsfttick mit Gelang � Alten{15 Biideni) mm Dir. Carl Weih und Jos. Dill. Musik von M. Fast. Der Meltuntergallg ist die grühte Sehcnsivitrdigleit Ber- lins, daher sollte niemand versäumen. sich den Der Weltulllergilttg anzusehen. Ueher sä OOO Personen haben dieses grohc Ausstattnngöstnck sich angesehen und sind voll des xiobes Uber den feuerspeiende» Barg, Uber den Znsanimenstost des tio- meten mit der Erde und des Blondes mit der Lnftautomobile. Der Wcltiiiitkrgliilg beginnt täglich 8 Uhr. -onnabend: Schnler-Vorstelliing; Tie Räuber. Urania Tniilfcnstrasse 48/40. Abends 8 ühr; Professar Dr. Waldeyer;„Die Erforschung dep Nervensystems und ihre Ergebnisse. InvalicicnMr. 57/6S: Sternwarte* Nachwlttaas s-fg Uhr. Metropol-Theater. Belirenstr. 55, 57. Dircklion: Itichard Sclinls. Täglich von 3« Uhr ab: LUmd unrVrvli«. Berliner Lokalrevne von J»l. Freund. Musik von Julius EinödShofer. 1. Bild: An der Chaiisonncttenelke. 2, Bild: Im AnssiellniigSpark inid das feenhaft» Ballett Im Reiche der Zlecession. Warb er: Das vollstäiidjg neue Sioveinber-Programm. 8 Uhr: Die Piccolos. Xylophon- Birtnofen. 8» Uhr: Mary Wolf, deutsche Lieder- sängerig. 8»> Uhr: Familie Klein, die kleiiisten Radfahrer der Welt. 8>l> Uhr: Carmen Rocca, spanische Tänzerin. 8*° Uhr: Cabaret, der Meisterdrcssenr mit seinen MiniätNi hnndeii. 8« Uhr: Georg Kaiser, der beliebte Komiker. S Uhr: Zalvo-Trio, dje wunderbaren Akrobaten anf dem Dratseil. 8'° Uhr:»»s. dlietto, La cigalo parisionne. 9M Uhr: Troupe Tartakoff. nifstsch« Sänger- und Tänzer-Gcsellschaft. Ansang: Wochentags 8 Uhr, Gönn- und Festtags 7'/2 Uhr. Rauchen ist in allen Närnnen gestattet. Billet-Boe- verkauf: Jnvalidendank, Unter den Linden 24 und Kllnstlerdank, Unter den Linden öS.— Telephon Amt I 2128. Aken i Anatomisch. Museum. Dienstags für Damen. Passage- Theater: Borst, y. 7-1QV,. 15 erstklassige Pewits. Die heulenden und tanzenden CASTANS IPANOPTICÜM 165. Friedrichstrapse 165. Neu! I>erwlsclie ! aus Ober-Aegypten I Ohm Kröger« Oreyfus Mercier* Zola. Victoria-Theater C. Alexandersir. 40. Fernip. VII 1711. Diveft.: V. Bausenwein u.C.Emmerich. Ansang 8 Uhr. Ansang 8 Uhr. Novität I Novität! gfif Es ist erreicht."MB Burlesle von Beiino Jacobson. Musit von Franz Wagner. Hierauf zum»2. Mal; Die weisse Henne. Bandeville ins Akten. Musik von P. Roger. lol.AmtlVa 6440. Dresdenerstr. 72 73. Der Plnizutajor. ?Ilvwas, Tlilolsclier, Helmerdina, Junkermanii. Im Z.Akt: Gr. Miitostop. Terzett. Anfang 7>/z Uhr. Morgen: Dieielbe Vorstellung. Oirlrns Iin»ei». Mittwoch, de» I. November 1890, abends 7l/2 Uhr: Kitte-Abensl. Olympische Spiele. Römisches Vicrgcspaml eine 30 Fuh hohe. Kos- kade hinaiisjageiid. dlonsleur Hanns auf Ncm plus ultra. Tie Sec- lvwe», Wuiiderdrcffilr. Hiss Darling. Dreffurfpielereieii. TaS Bettpferd und die ballfpielcndeli Pferde. Tic Ritter- Turniere de? Rtittelalters. Morgen, Donnerstag, den Z. No- vember, abends 7Vs Uhr: Ciala- Abend. Cirkus Alb. Schumann. Crttsstcr cnncstrlscher Cirkus der Dett. Im eleganten neu renovieren Cirkns Renz. Heute, Mittwoch, de» 1. November abends pracise T/, Uhr: kr. llkßettrlitlltl.Mrjtellniig u. a.»Gruft der Kaiserstadt«. dargestellt vom Personal.— Neu! „Bombardier«, da« Soldaten- pfer», rxccrzierend und Fener- pferd. Kens. Grig.-Dreis. d. Dir. Aideri Lcvninann. Mlle. Hesdne Gerard, franz. Schulreiterin. The 7 Eugens, Alro- baten.»Schusterbnb«. Tchnlpfcrd in cinem ganz neue» Genre, drest. und ger. von Dir. Albert 8etisiin»nn. Bicycle-Pvlo-Team. Championboxer Siillivan. Rappo n. Rcade. Gröfzte Uovitlit! Die dresfiertett Knpp- Hengste imKindergart., Origin.-Dress. des Dir. Aldert LeUumAUN sto. 8»R88t»»ei Kottbiiscratr. 4a. iiltiuoi 1. ÜIoö.: Extra Soiree und inuilitiitiiitirn. Anfang 8 L'hr. Passepartouts haben leine OUiftigfcit. Maehrs Theater O ran Jen str. L4. Griine JxtngS. GesangSpossc in 1 Akt von E l h. Fugen Rots6e, Mimilcr. Elsa Messer kprolongiert). Franziska Held. Gertrud Bürgel. Freiings: Familtenabend. Ansang S Uhr. Sonntags«»fit. BorzngSkarten cn Wocheniagen gültig. Dr.Sinimel'?"''"''''" Ul«WlliilllUi 2«chts Specialarzt f.Hant-». Harnleide». 10—2, o—?. Sonntags 10-12,2-4.» in mann, �rnnlyaicriir. un.—«easen- i!selRttni>ailsi«r Varptndt: Karl 1/98.— Onnrlnttenbnx'g: Glislao 4, v. 1 Treppe.— Dentsels-WJImers- (Mitgliedscliaft Rcrlin). Zur Sülenlarrcicr der Erfindung de» clieinischen Druckes in der Lithographie findet nach Uebereinkunft mit den kollegialen Bereinigungen die Rekriinznng de« Denkmal« a», Nächsten Soniitugiuittag S Ehr statt- Versa, nmliliig der Kranzdeputationen l/zb Uhr bei M ie g el, Stralauerftraste 57.— Abfahrt nach dem Dcnkmal l/zg Uhr.— Die Kollegen versammeln sich heim Denkmal.— Nachher ge- pilliliches Beisgnimcnscin auf dem Psesferbcrg. Glashalle links. 55 lb I. A- I':>»I Nttbring, Plannser 41. Leim Monatswechsel empfehleil sich folgeilde Partei-Speditionen: Rerllq vierter VaNlkrel« D.: Robert Weng eis, Frncht- flroh« 30. Hos II.— 80«: Fritz Thiel, Slalitzersir. 3o o. pari.— Secbster Walilkvc|s(Moabit): KaA Anders, Salzwcdelcr- strahe 8, pari, im Lade».— HVednilnzx nnd Dranlenbnrger »rststdt: Emil S( o l ä e» b s> f g, Wielciiftrahe 14.— Ciesiind- bvunuun: Will, e l»l Gahma»», Grsinthalerstr. 85.— Rosen- tbalcr VovstaiU lti>h Mars, Ägstanien- Allee 95/i S ck ä r n b e r g, Schillerstr. 94, dork: Frau K üb( er. Slginaringcnstr. 5,uuh Frau H ein«»r a n n, Sig- »lariiigeiisirasteso.— Krledriel>siberg-I''rie«lrieb«felde: Anton Kopp, Berlin O, Fsiedrjch-Kgrlstr. 4. m Griinan: E n g e l, Dahniestr.ß.— Rixdorf: Ofmimanii, Erkstr. 8.— ScliOneberg: Wilh. B ä u m l e r, Apostel Paulusstr. 13. Ouergcb. Hochp.— dobanaiutbal-lSsieder- >>»,( Ober- Scliöncwcjde: Otto I o h st, Ober- Schviieweide. Äiestienssirane 7, Cigarrengcschäst. Aimahniestclle»: Nieder-Schiineweide: Karl Webe», Cigarrengeschäst. Johannisthal: S e» s t l e b e n, Ztcftanralcnr.— Adlcrshof; Max W o r b s, Metzerstrahe 4.— Kbpeaiek: Franz Weber, Cigarren-Haiidlnng, Griiiianerstr. l-— 4 i'ierlenai,-8tegiit«: H. Peru so«, Kirchstrahe 1, i» Friedenau. Besleftistigeil stehineii entgegen ist»iteglita!: H. M o h r, Diippelstrahe 3, und Fr. Schellhäse. Ahorlistr. Iba.— Ranmeecbnleasveg: Gockel, Bgunischiilslrahe 32, o. III.—«ross- Klebtertelde: Abounenicnts nehme» entgegen: K r e m p, Chauffecsir. 45; Borgt, Dürer- und Moltkestrahm-Ecke; Kutzner, Dnrerstrahe 41; Paget, Chausteeftr. 104; Schlüter, Verl. Wilhelmftr. 33; Richter, Lorenz- strahe 34; SrSmming, Lanlwitzstr. 10; Sc»ger, Knrfürstenstr. 35; Lück, Chausseestrahc 109; Wenzel, Lankwitzerstrahe 8.— Z/ess- Wcisscnsec: Spediteur Heinrich Bach m a n n, Lehderstrahe 1, pari, links.— I'anknrv: Kümmert, Florastrabe 48. Außerdem ist sämtliche Parteilitteratur sowie alle wisienschaftlickeu Werke dort zu haben. Uttch WCrdCN JNsewte fÜV den„Vorwärts" entgegengenommen. Um grNÄNr Augube der Alvesse wird dringend gebeten. ZM" Ritt« aa««ebnelden!"Vfl cenirslterbsnö lierPiektromonleure unst Leruts- genossen Deulsehtanlis(Sektion Berlin II). «oiinnbcnd, den 4. November, abends SVs Uhr, im Lokal des Herrn Rieft, Weberstrastc 17: Stiftrings"Fest. Alle Kollegen sowohl als GesiiinungSgeiiosicii werden freundlichst ein- geladen. Billets silid beim Kollegen Ha b erst roh, Landsberger Allee 158 zu haben.__ Der Borstand: A. Weisshuhn. Apollo-Theater. Der ausserordentliche Erfolg, der nunpiolir S Monate hindurch ohne Unter- brechwng gegebenen Paul Lincke- scheu Operette„Krau Kann" veranlass r die Direktion, dieselbe noch weiter auf dein Spielplan zu belassen. Um �8 Uhr beginnt FraiiLnua mit dem Luftballett „ijrrlS'olwkis" unter abwechselnder Mitwirkung des stgpdigen Ensepibles: Rnseany Rcndar Carola Ivcttner Kröcbert Kleban Kerry Ricck H alden a. G. Steidl Chlcbns. Der Speclalitätentell bringt: Mlle. Rosalba die neue Theresa. l'rjuiIvUus Parterre-Akrobaten. Tlie Cnrotliams New Yorker Groteske- Vokalquartett. E. Iloiaetty Dressierte Puchse mit Hiihnem, Hunden etc. zusammen in einem Centraikäfig vorgeführt. Die fiarratruppe Amerikai beste Music-Excentrlce. Eva IIa Her doutscb- dänische Soubrette. Itobert steidl. Anfang der Vorstellung 7'/) Uhr, Ende 11 Uhr. Vorverkauf täglich Im Theater, beim„Kllnstlerdank", Unter den I, Inden 69, und„Invalidendank", Unter don Lindon 24 L_ W. Neacks Theater, Bvumieiifiw&e 18. Ter Verschwender. Original-Zaubcrinärchcn in 3 Ans- zügen(8 Bildern) v. Ford. Raiinond. Mustk von Kreutzer. Jeden Sonntag. Dienstag und Donnerstag nach der Borstelluilg: Tattzkrättzche«. |* a ii o r» a m a Uipzigorstp. 81. Der 3etitsclt-Französ. Fischer- F'«oher- str. 10.■ VC»«» str. 10. Specinlvortrage aus dem Gebiete der Elektrotechnik. Dauer 1 Monat. Beginn 3. Novbr., abends 8 Uhr. Wegen grossen Andranges An- meldupgen gchleunigst Näheres durch Prospekte. Andreren, Ingenieur, fj-üher 1. Lehrer hies. Anstalt. Or.med. Sehaper, rSSh?«; ffftmhXfnfmlm Kvuucii-Iirnnkhcitcn. KBnlggrätzerstr. 37. Spr. 9-1. 4-7, Homöopatb. Poliklinik: Montag, Mittwoch, Sonnabend, Ab. 7—8: Friedrichstrasse 114, I. Krieg Serie I, la, Id. Die E ia s t U r in n n g der Spiclierer Höhen dargestellt in zwei Moiponten mit ca. 40 ODO Figuren. 118, 10- Täglich geöffnet von 19 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Eintritt 50 Pf.— Donnerstag 1 M. Besitzer und Direktor Architekt II. J. o n n e r. ReichShallen, S t e t t t n e r Sänger. i Nie Niet. Plelro, Britta». Steidl. Krane, K i r ch in a p e r. Schneider und Schräder). Heute Zinn Schkuh: Stnlhtg NsisAahtt. Ansang präelse 8 Uhr. Tageotaffe 11 bis 1 Uhr. Filzhüte für Hennen neueste Fagon 1,—, 1,45, hochfeine 2,—, extra feine 2,60 im Engros- Enger, Prenzlauerstrasse 20, 2 Tr. Knaben- und KludcrbiUc in grober Auswahl._ 442h Teilzahlung; monatlich 10 M. liefert ekegante Hetrengarderohe u. Mah, Tomporowskl, Schneidernistr., Neanderstr. 18, II, an der Annenstr. (Auch bar Kassa billigste Preise.)* Ordentl.Genepalversammlung der VrtSkrDktllkussedttDliDeiktr Bcriins am Sonntag, 5. d. M., vormittags 9>/z Uhr, im'Restaurant Feind, Weinftr. 11. Tages-Ordnung: 1. Wahl von drei Vorstands- Mitgliedern, einem Arbeitgeber, zwei Arbeitnehmer». Z.Wahl des Rechnungs- PrüwligS-Ausschufses pro 1899. 3. Ab- änderung der KZ 12 Abs III, 16, 21, 23, 24. 4. Besprechung über freie Arzt- wähl. 5. Verschiedenes. 589b Die Herren Delegierten werden ganz besonders ersucht, zu dieser Versammlung zu erscheinen. Um zahlreichen Bestich bittet G. Krebs, I. Vors., Bergstr. 231. Orts-Krankenkasse für die in den Geschäftsbetriebeu der stluwälte, Rorare nnd Gerichtsvollzieher. der Krankeiltanen, Berufs- genosfenschaste» u. Bersicherungs- aiistalten brschäfiigte» Personen zu Berlin, Niedrrivall-Ztraftell. Berlin den 27. Oktrober 1899. Gemäh§ 51 Abs. 4 des Kassenstatuts haben für die iin Laufe des Jahres 1899 anögeschiedenen Vertreter Er- gänznngswahlen und gemäh§ 50 des Kaffenstatuts für das Jahr 1900 die Neuwahlen der Vertreter der Kasten- Mitglieder und Arbeitgeber z» erfolgen. Die Wahlen finden in der Wahl- versammluiig am Tonntag. de» IS.Nopember d. I., vormittags von S Uhr ab, in dcnZlrnii»hallc»,Koiniiia»daiiteii- strahe 20, statt. Die Wahl ist geheim und es findet für die Neuwahlen und ErgänznngS- wählen je ein besonderer Wahlgang statt. Es sind zu wählen in den nach- bezeichneten Terminen. 1. Um 91/z Uhr durch die Arbeit- geber aus der Abteilung der Anwälte, Notare und Gerichtsvollzieher in der Hauptipahl 47 Vertreter in der Ergänzniigswahl 2 Vertreter; 2. Um 9»/, Uhr durch die Arbeit- geber aus der Abteilung der Kranken- lasten, Berussgeiiosseiischaften n»d Ber- sicherlingZanstalicii in der Hauptwahl 5t Vertreter in der ErgiinzmigSivahl— Vertreter i 3. Um 10 Uhr durch die Kasse»- Mitglieder aus der Abteilmig der Betriebe der Gerichtsvollzieher in der Hauptmahl 11 Vertreter in der ErganzungSwahl 1 Vertreter; 4. Um 10>/, Uhr durch dje Kasten- initglieder ans der Abteilung der Betriebe der Krankenkasten in der Sauptwahl 12 Vertreter in der Ergäiizliiig.-ivahl 2 Vertreter; 5. Um Kstst Uhr durch die Kasten- Mitglieder aus der Abteilung der Betriebe der Versichernngsanstalten in der Hauplwnhl 72 Vertreter in der ErganznngSwahl 4 Vertreter; 8. Uni 11'/« Uhr durch die Kasten- Mitglieder ans der Abixihmg der Betriebe der BcrilfSgcnoffcnschasten in der Hauptivahl 17 Vertreter in der Ergänzungswahl— Vertreter; 7. Um ID/« Uhr durch die Kasten- Mitglieder aus der Abteilung der Betriebe der Rechtsanwälte und Notare in der Hauptwahl 82 Vertreter in der Ergänzungswohl 12 Vertreter. Wahlberechtigt und wählbar stnd nur diejenigen Kassenmitglieder, welche grohjäluig und st» Besitze der bürger- licken Ehrenrechte sind. Die Kastcnmitglicder werden ersticht, ihr Qliilliiiigsbnch als Legitimaiion luitzubringen. Das Wahlergebnis wird im Kasten- lokale bekannt gemacht. Die gewählten Vertreter werden anherdem»oji ihrer Wahl benachrichtigt. Es wird gebeten, recht pünktlich zu erscheinen, da die Eröffniliig der ein- zestien Wahlalte pünltlich zu den an- gesetzte» Teriinnstimden ersolgen wird. Ter Borstand. 2S68L D o ch o w, Vorsitzender. Knabennnzitge n. Paletots, Mädcheukleideru.-Mäntel preiSw. 2918L'j 0. Hotfinaiii', Velerancnstr. 14. CreditgcwiUirnng bis 50 000 M. an ehrenhafte, solide GefchästSleilte und Beamte, koulantest. Creditverei». Zweigstelle: Frau- zästscht'str. 24. 119/14» Allen Freunden nnd Bekannten die traurige Nachricht, dab mein lieber Mann, unser guter Vater, Sckwicger- vaicr und Großvater, der Putzer Nilli. Ratlloff «m 26 Ottober durch Absmrz vom Bau plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung stiidct DoiinerS- tag, den 2. d. M, nachmittags 3'/z Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi- Kirchhofes in der Hcrmannstraße, Rirdors, statt. ö80b Tie traneriidc» Hinterbliebenen. �OlltUIlg! �küLslhionK Zahlstelle I Berlin Pilftcr. Den Mitglicdeni, sowie dem Gesangverein der Putzer zur Nachricht, daß unser langjähriacs Mitglied 135 1 iWDIi.Kadloili durch Absturz vom Bau plötzlich versiorbest ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 2. d. M., nach- mittags 3'zUhr, von der Leichen- Halle des neuen Jakobi-Kirch- Hofes statt. Iii» rege Beteiligung ersucht Tie örtliche Peiwaltnuy lutscher (Xablstelle licrlln.) De» Mitglieder» zur Nachricht, daß der Kollege, Drechsler 277/13 Julius Stirtz am 23. d. M. verstorben ist. Die Beerdiginig findet am Mitt- wock, den I. Novbr., nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Britzer Kirch- Hofes aus stats. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortavcrwaltnng. Todcs-Zln�cigc. Am 30. Lklober starb nach langem, schwerem Leiden an der Tubcrkiilose mein inniggeliebter Sohn und Bruder/ der Schriftsetzer Wühelm Wirsing. Die Beerdigung findet am Donners» tag, den 2. November, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Emmanskirchhofcs in Britz aus statt. Dies zeigt tiefbetrübt an und um stilles Beileid bittet Ilertli» Wli-aing. geb. Frese, Ernist Wirsing. 5823 Killllkell-lliltttsttziiilgsbllilii der Zihiitider. Unser Mitglied 187/8 R. Reiibacb, ist am 28. d. Mts. verstorben. Die Beerdigung findet am 1 November/ nachmittags 2'/- Uhr, von der Leichen« Halle des Dvrotheen- Kirchhofs in Reinickeiidorf, Schannveberslr. 1—2, statt._ Danksnguug. 579$ Für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdiginig meines liebe» Mannes Cinstav Klliner sage ich allen, insbesondere seinen Kollegen von der Erdniannfchen Kistenfabrtl und den Mitgliedern der Krankenkaste der Waaenhauer meinen besten Dank. Selina Ellmcr nebst Kindern. Selbslsfielende JiusiKwecHe. zum Preise von j 2QklK. aufwärts� liefern gegen Mwllfsratsn raSMKait SMonate Garantie Catalnae QfBtieTr iiaL rreünÄCo. Breslau. dSids Ludwig Hervenbekleidmtg |l iiiiijir. 26. Gegr. 1892. PrmlbtilKr« 66? Um meine Kundschaft zu vergrößern, liefere ick: l Int. jUÜlilf l|(llf tfltsi III. 18,00, H 20,00, 22,00 diS 42 M. Nur gute Qualitäten in allen Farben, cchtfarblger Saiiiinetkrageil, warmes, weiches Futter. ? HH. 5,0� 7,00-18 M. Mufftaschen, bis jj obei: zum Kitööfeii', liir sie Arbeit, Straße nnd Hans. Z si'ti'üßt Älllitlijöltll 6,66, 5,00-12 M. Feste Näharbeit, � hallbare Tascken, ni lolide», praktischen Mustern. tz irtrtißt berltimilsiiile 18,66, 22.00 bis 33 m.. m de» nenesien Mustern, Cheviot, Kninillgarn nnd Streichgarn, ~ kariert nnd einfarbig. s2943L* Z iio 8)?. nach Maß reine Wolle. I l £ I si'ÜT Äi.»ach Maß Ä�UAUl�,»eueste Muster. Kit 16 M. nach Mab Hose e praktische solide Muster. 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Das Koalitionsrecht ist sicher zu stellen und darf in keiner Weise eingeschränkt werden. In allen Gemeinde- Betrieben sind Arbciter-Ausschnsse zu errichten." Die Bezahlung der städtischen Arbeiter läßt auch in den Betrieben, welche mit erheblichem Ucberschus; arbeiten, noch viel zu wünschen übrig, � und da wäre doch gewiß eine angemessene Vcr- gütung der Arbeitsleistung am Platze. Noch ungünstiger liegen aber die Dinge im Bereiche der KaualisationLverwaltung, und zivar namentlich inr Betriebe der Nieselfelder. Die Enthüllungen über die Wohnnngsverhältnisse der dort beschäftigten Arbeiter— namentlich der Schnitter— sind noch in frischer Erinnerung: daß erhebliche Uebelstände bestanden, mußte selbst von den Magistratsvcrtretcrn zugegeben werden. Aber auch die Geldlöhne sind überaus niedrige. Unser Genosse Stadtbagen erwähnte in der Diskussion, die am 14. Scpteniber d. I. stattfand, daß die Monatslöhne zwischen 43 und 43 M. schwankten, ja. daß in einem Falle ein Tage- lohn von 1.23 Mark gezahlt worden ivärc. Und der Magistratsvertreter Stadtrat S t r u v e bemühte sich vergeblich, durch � den Ton seiner Antwort zu verdecken, daß er sachlich auf diese Behauptungen nichts zu erividern wußte. Das Bild, welches so von unserer städtischen Verwaltung gezeichnet ist, bliebe aber un- vollständig, wenn nicht ein Ausspruch erwähnt würde, den in jener Diskussion der Stadtverordnete Kreitling als Vertreter der „neuen Fraktion der Linien" that. Er führte aus:„Ucber die Lohnvcrhältnisse wird ja später zu reden sein; c i n L o h n v o n 3 M a r k"— der von unseren Vcr- tretern als Mindestlohn gefordert wurde—„scheint inir aber schon jetzt über das Mögliche hinaufzugehen". Diese Haltung der radikalsten bürgerlichen Partei in der Stadt- verordneten- Versammlung. der„Kömmunaldemokratie", wie sie sich in besonders feierlichen Momenten nennt, verdient gerade jetzt Beachtung; denn die Herren der„Neuen Fraktion der Linken" können eben wieder dort, wo sie sich um ein Stadtverordneten- Mandat der dritten Abteilung bewerben, ihren Radikalismus und ihr tiefgehendes sociales Verständnis nicht genug betonen. Nachher freilich wird nicht so heiß gegessen werden, wie jetzt gekocht wird. Dieses ist unsere Ueberzcngnng, und es teilen diese anscheinend mit nns� auch die andeni bürgerlichen Parteien der Stadtverordneten- Versammlung,— die„alte Linke" und die„Freie Fraktion"— die sich darum durch das augenblickliche radikale Austreten der„Neuen Linken" von dem Abschluß des«kommunalen Dreibundes" nicht ab- halten lassen. Die Verkürzung der Arbeitszeit ist ebenfavS eine dringliche Forderung. Welche Mißstände in dieser Bczichnng noch herrschen. das hat im Jahre 1898 der Gasarbciterstreik enthüllt. Die Arbeiter forderten damals namentlich die Beseitigung der 13 stündigen Schicht, welche beim Wechsel von Tag- und Nachtarbeit stattfindet. Der Erfolg des Streiks war nur ein recht dürftiger, und es besteht auch heute noch in zwei städtischen Gasan st alten die achtzehn st ündige Wechselschicht. Daß und warum unsere Partei auch hier den A ch t st u n d e n- tag fordert, ist oft genug dargelegt, und so scheint ein weiteres Eingehen darauf hier überflüssig. Bemerkt sei nur, daß London unS auch in dieser Beziehung weit voraus ist, da einem sehr großen Teile der städtischen Arbeiter bereits der Achtstundentag be- willigt ist. Daß die Gemeinde die sittliche Pflicht hat, Pensions- oder Altersversorgungs-Kassen für ihre Arbeiter zu schaffen, das hat, wie auch der„Vorwärts" mitteilte, kürzlich der Breslauer Oberbürgermeister Bender ausdrücklich anerkannt. Es liegt auch bereits ein Beschluß der B erli n e r Stadtverordneten- Versammlung vor, der die Errichtung einer Pensionskasse fordert. doch ist eine Vorlage vom Magistrat bisher noch nicht eingebracht Ivorde». Trotzdem dürfte schon heute das nicht mehr vorkommen. daß städtische Arbeiter, die seit mehr als 10 Jahren zur Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten der Stadt gedient haben, wegen Krankheit entlassen werden, wie dies jüngst einem hiesigen Markthallcn-Arbeiter passierte. Ferner müßte auch für die Witwen und Waisen der städtischen Arbeiter in demselben Umfange gesorczt werden, wie für die der Beamten. Denn bisher sind diese ausschließlich auf die Unterstützung der Armcndirektion angewiesen. So wurde jüngst erst in einer Denkschrift, welche die städtischen Desinfektoren der Stadtverordncten-Versammlung über reichten, auf zwei Fälle dieser Art hingewiesen; es handelte sich dabei um die Hinterbliebenen von Arbeitern, die neun bezw. zwci- lmdzwanzig Jahre in städtischen Diensten gestanden hatten. Aber wie kann man eine befriedigende Lösung dieser socialen Aufgaben von einer Verwaltung erwarten, die noch nicht einmal liberal genug denkt, um das Koalitionsrecht ihrer Arbeiter sicher zu stellen. Namentlich gegen den Leiter des Friedrichshagener Wasserlverkes, Herrn Ingenieur A nk l a m, wird der Vorwurf erhoben, daß er Arbeiter wegen ihrer Zugehörigkeit zum „Verband der Arbeiter in den städtischen Betrieben" gemaßregclt habe. Und der Magistrat hat zwar auf eine diesbezügliche Beschwerde geantwortet, daß nach seiner Untersuchung die betr. Entlassungen nicht als Maßregelungen aufzufassen sind, er hat es aber abgelehnt, das Gewerbegericht darüber entscheiden zu lassen. Dieses Vor- kommnis und andere nähren den Verdacht, daß auch in Berlin das Koalitionsrecht der städtischen Arbeiter noch der Sicherstellung bedarf. Man darf die Betrachtung über die Arbeiterfreundlich- kcit der städtischen Behörden nicht abschließen, ohne der Behandlung zu gedenken, welche der Kommunalfreifinn einer Gruppe von Kopfarbeitern zu teil werden ließ. Wir meinen die G e m e i n d e s ch u l l e h r e r. Ihnen gegenüber hat der Frei- sinn, und gerade die„freisinnige Volkspartei", so recht anschaulich bewiesen, daß die Worte, die die Partei ini Landtage als Minderheit macht, keinen Schluß gestatten auf die Thaten, die sie in der Genieinde als regierende Partei vollbringt. Im preußischen Landtage beantragte bei der Beratung des Lehrerbcsoldungs-Gesetzes die frei- sinnige Vollspanci die Einsetzung eines Mindestgehaltes von 1200 M. Und als der freisinnige Abgeordnete K n ö r ck e seinerseits emcm Kompromißantrage zustimmte, der statt dessen nur 1000 M. forderte, da erklärte die Fraktion der freisinnigen Volkspartei feierlichst,— wenn wir nicht irren, durch den Mund des Abgeordneten Dr. Hermes daß sie auf ihrem Antrage beharre, und den Umfall KnörckeS nicht mitmache. Als aber dann die Berliner Stadtverordneten- Versammlung sich mit der Ordnung der Lehrergehälter zu befassen hatte, da stimmte die große Mehrheil der liberalen Stadtverordneten — darunter auch die freisinnigen Landtags- Abgeordneten D r. Hermes, Langerhans und V i r ch o w— gegen das Mindestgehalt von 1200 M. und brachte diese Forderung denn auch glücklich zu Fall. Diese Haltung der Freisinnigen zeigt wieder einmal, wäS von ihnen zu erwarten ist, wenn sie wirklich einmal ans Nuder kommen sollten. Die Vorfälle in der Lehrcrbesoldungsfrage sind aber auch noch in anderer Hinsicht bezeichnend. Gerade der Freisinn wirft s uns— der Socialdcmokratie— immer vor, daß wir nur S a n d a r b e i tc r, nur die I n te r ess en der Faust" vertreten. Hier zeigt sich nun, wie unberechtigt dieser Vorwurf ist: auch die Interessen dieser„Kopfarbeiter" waren bei der söcialdemokratischen Partei weit besser aufgehoben, als bei den Freisinnigen. Denn unsere Vertreter haben geschlossen für die weitestgehenden Anträge gestimmt und haben bannt aufs neue bekundet, daß für uns auch heute noch maßgebend das Lassa llesche Wort ist:„Arbeite sind wir alle, insofern wir nur eben den Willen haben, uns in irgend einer Weise der menschlichen Gesellschaft nützlich zu machen. Freilich, eine Gruppe von Menschen fällt bei dieser Abgrenzung des Begriffs immer noch ans: diejenigen nämlich, welche mit der Coupon schere ihr mühseliges Tagewerk verrichten. Für sie, für die„Männer mit dem schwieligen Daumen und Zeigefinger", sorgt die Socialdemokratie allerdings nicht, da für müht sich aber auch der Freisinn um so mehr gerade um diese. Die„Uebern ahnie der Markt-, Bau-,Wohnuugs- Verkehrs-, Gesundheits- und Sicherheitspolize in die Gemeindeverwaltung", welche Absatz 9 unseres Programms fordert,— d. h. kurz gesagt, die Ucbertragnng der ge samten Polizeivcrwaltung vom Staate auf die Gemeinde— kann nicht im kommunalen Wahlkampf erstritten werden. Auch diese Forderung kann nur durch die Landesgesetzgcbung erfüllt werden. Wohl aber sind auch hier die Gemcindekörperschaften durch energische Betonung dieser Forderung noch am ehesten in der Lage, einen Ein fluß auf die gesetzgebenden Faktoren auszuüben. Gegenwärtig zahlt die Stadt zwar für die Kosten der Polizei- Verwaltung an den Fiskus pro Kopf der Bevölkerung einen jährlichen Betrag von 2,50 M..— im laufenden Jahr insgesamt nahezu vier Millionen Mark— hat aber auf die Verwaltung selbst nicht den geringsten Einfluß. Gegenüber den seiner Zeit vorgekommenen Mißgriffen der Sittenpolizei, den gerichtlich festgestellten Mitzhand- lungcn auf Polizeiwachen und ähnlichen Erscheinungen ist die Stadt vollständig machtlos. Ja, der Eingriff des Polizeipräsidiums in der Frage des Friedhofs der Märzgefallenen hat gezeigt, daß die Stadt nicht einmal auf ihrem eigenen Grund und Boden schalten kann, wie sie will, sondern daß sie auch hier die unerhörtesten Eingriffe der SicherheitS- und Bau- Polizei gewärtigen muß. ErrichtungvonGe Werbegerichten. Ausdehnung der Krankenversicherung auf die Hausindustrie' fordert Absatz 10 unseres Programms. Die letztere Forderung hat der Magistrat mit der Begründung abgelehnt, daß bereits eine Novelle zum Krankenkasscngesetz angekündigt sei; es sollte erst ab gewartet werden, ob diese nicht eine gesetzliche Regelung der Frage bringe. Auf die Entscheidung des Magistrats ist wohl die Rücksicht ani die Unternehmer kaum ganz ohne Einfluß gewesen. Diese hatten sich mit dem ganzen Plane nur wenig bcfrenndcn können, und namentlich' halte der Antrag unserer Genossen. daß den eigentlichen Arbeitgebern, nicht den Zwischenmeistern. die Arbcitgeber-Bciträge auferlegt werden sollten, in jenen Kreisen Mißfallen erregt. Tie Unentgeltlichkeit deS Bestattungswesens bildet den Inhalt deS 11. und letzten Programm-Abschnitts. In mehreren Schweizer Kantonen ist diese Forderung bereits erfüllt. Eine Reihe süddeutscher Städte haben auch bereits ähnliches er- wogen, und dabei berechnet, daß die Kosten auf den Kopf der Be� völkerung etwa 24—85 Pf. betragen würden. Die finanzielle Seite känie also kaum in Betracht. Die Erfüllung dieser Forderung würde aber erst den Satz wahr machen, daß im Tode alle gleich sind. _ C. F, Ans Transvaal. Von einem Genossen, Arbeiter und Leser deS„Vorwärts", der seit Jahren in der Südafrikanischen Republik lebt und Vorstands Mitglied des dortigen Arbeiter- Verbandes ist, erhielten wir einen vom 25. September datierte» längeren Bericht über die Lag? in Pretoria und dem Witwatcrsrand- Distrikt. Manche Mitteilungen des Berichts sind durch den seitdem ausgebrochencn Krieg und neuere Meldungen völlig überholt; soweit aber der Bericht sich auf die Stimmung der Arbeiter und die Fortschritte der Arbeiterbewegung bezieht, geben wir ihn nachstehend im Auszug wieder— als Beispiel dafür, wie man in dem intelligenteren Teil der Arbeiterschaft Transvaals über den Streit zwischen England und den Boeren denkt: „Für uns Arbeiter, oder besser gesagt für einen großen Teil der arbeitenden Bevölkerung hier, besteht kein Zweifel, ivie wir uns in dem bevorstehenden Kanipf zu verhalten haben. Wir wissen gut genug, daß Tom Atkins sSpitzname des englischen Soldaten) für eine kleine, aber mächtige Gruppe Kapitalisten(sie sind nicht alle englischer Nationalität) die Haut zu Markte tragen muß. Wir wissen ferner, daß alle die von englischer Seite erhobenen Forde rungen in Bezug auf Herabsetzung des Termins zur Erlangung des Wahlrechts, nur gestellt worden sind, um die Ausländer, vor allem die englischen Arbeiter zu ködern. Was wir zu gewärtigen haben, sobald jene Clique der Mincnbcsitzcr ihr Ziel, die absolute Herrschaft, erreicht hat, wissen wir gleichfalls. Die Kapkolonie und vor allem Kimberlcy veranschaulichen es deutlich. Für was und für wen wir im Kampfe stehen werden, darüber wird die nächste Zukunft Aufschluß geben, jedenfalls steht heute schon fest, daß niemand die fortgeschrittene Arbeiterschaft Südafrikas auf der Seite der Land grabschcr und Börsenjobber suchen darf. Holländer, Deutsche, Jrländer und Skandinavier haben bereits Corps gebildet und werden für die Unabhängigkeit der süd afrikanischen Republiken mit den Waffen in der Hand einstehen. Der Orange-Freistaat ist im Bündnis mit Transvaal, seine Be völkerung hat in jüngster Zeit in öffentlichen Versammlungen kund gethan, daß sie sich vollständig eins fühlt mit der Bevölkerung Transvaals. In all' diesem politischen Wirrwarr beweist aber ein Teil der hiesige Arbeiter, daß er sein eigenes Interesse versteht. Auch hier begreift man langsam, daß dieses Interesse nur durch eigenes und entschlossenes Vorgehen der Arbeiterklasse gewahrt werden kann. Wie den Genossen vom„Vorwärts" bekannt sein wird, besteht hier in Pretoria sowohl wie in Johannesburg je ein Arbeiter verein, gegründet auf socialistischer Grundlage. Leider gicbt es jedoch hier auch eine große Anzahl deuffche Arbeiter, die noch gerne ihre Zeit und ihr Geld in allen niög- lichen anderen nebensächlichen Vereinen vergeuden, zum Beitritt in einen Arbeiterverein aber nicht zu bewegen sind. Infolgedessen ist es bis heute nicht gelungen, diesen Vereinen eine gebietende Position zu lchaffen. Sodann leiden wir hier Mangel an redegewandten Leuten, welche die Landessprache beherrschen und in öffentlichen Versammlungen reden können, Leute, welche in Deutschland in der Bewegung ge- standen haben und dieses bei jeder Gelegenheit gern betonen, gicbt es hier nicht wenige, aber bis heute haben sie sich meist nicht im geringsten um miser Streben gekümmert. Schädigend für die Vereine ist auch im hohen Grade das ewige Kommen und Gehen der Ar- beiterbevölkerung; nichts ist stabil. Streitigkeiten und Eifersüchteleien, kleinliche Rechthabereien unter den Mitgliedern thun dann noch ein Uebrigcs, um die gute Sache zu schädigen. Äne That, für welche den Vereinen Dank zu zollen ist, ist die Gründung und Instandhaltung von Bibliotheken. Erst in jüngster Zeit hat z. B. der Arbeiterverein„Pretoria" wieder eine größere Anzahl Bücher durch eine hier und in Amsterdam etablierte Buch« Handlung bei der Buchhandlung Vorwärts bestellt. Die Bibliotheken haben meines Erachtens den Verfall der Vereine verhütet. Den Wühlereien der Bergwerks-Magnaten und ihrer Soldknechte haben wir es in erster Linie zu danken, daß am Witwatcrsrand auch ein Teil der englischen Arbeiter sich zu einer politischen Or- diel ganisation zusanimen gefunden hat, die den Namen führt:„Jnter- schwieligen� nationale unabhängige Arbeiterpartei". Um diese Partei über die ganze Republik zu organisieren, wurden von einem Komitee in Johannesburg Manifeste, Programme ec. ausgearbeitet und im Lande verbreitet(beifolgend sende ich Exemplare von diesen Schriftstücken). Thatsächlich haben sich denn auch hier in Pretoria und in jüngster Zeit in Elandsfontein inter- nationale Vereinigungen gebildet. Wie stark die Bewegung zur Zeit in Johannesburg' und in Elandsfontein ist, kann ich nicht sagen, hier in Pretoria zählt sie bereits gegen 200 Mitglieder, meistens Holländer und Deutsche. Die englischen Arbeiter haben noch wenig bearbeitet werden können, da es bisher an geeigneten Rednern mangelte; doch hat der Vorstand der Vereinigung, bekannt als der„Internationale Arbeiter-Berband", sich mit den Sekretären zlveier hier bestehender englischer Gewerkvereine in Verbindung gesetzt. Dieselben sollen für eine öffentliche Versannnlung der englischen Arbeiter in ihren Vereinen Stimmung machen und einige gute Redner besorgen. Das von einem Komitee in Pretoria ausgearbeitete Statut, das unter Vornahme unwesentlicher Acndernngen von einer allgemeinen Versanimlung angenommen wurde, basiert im wesentlichen auf dem englischen Statut und Programm; einzelne Sätze und Forderungen konnten wir jedoch nicht unterstützen. Sie sind deshalb in unser Statut nicht aufgenommen worden. Unter anderem fordert das englische Programm eine Lokal- regierung für den WitwaterSrand. Wir fürchten, wenn die Re- giernng der Republik einer solchen Forderung nachgeben würde, hier- durch eine Zersplitterung herbeigeführt werden könnte. Die Bevölkerung in jenem Distrikt ist zum überwiegendsten Theil englischer Herkunft und die große Masse dieses Teils ist nur zu leicht den Ein- flüstcrnngen der Minenbesitzer und ihrer Beamten, sowie der im Solde des Kapitals stehenden Presse zugänglich. Des weiteren räumt das englische Statut der sogen. Exekutive zu große Rechte, eine zu weitgehende Selbständigkeit ein, was wir vom demokratischen Standpunkt auS nicht gutheißen können. Ich habe dem Schreiben ebenfalls das Statut des„Internationalen Arbeiter- Verbandes" beigelegt; dasselbe ist in den drei Hauptsprache», die hier in Betracht kommen, in Druck gegeben worden. Kurze Zeit nach dem ersten Auftreten der„Internationalen Un- abhängigen Arbeiter- Partei" in Johannesburg, kam eS auf einer der größten Minen in Johannesburg, der Robinson Mine, die für ihre Aktionäre große Dividenden abwirft, zum Streik. Den Ar- bcitern wurde zugemutet, anstatt der üblichen neunstündigen Arbeits- schichten, zehnstündige zu arbeiten und zwar verlangte man solche Verlängerung der Schichtdauer, ohne eine Lohnerhöhung zuzugestehen. Diesem' menschenfreundlichen Begehren traten jedoch die Arbeiter geschlossen und energisch entgegen und nach einer dreitägigen Arbeitseinstellung sahen sich die Herren von der Verwaltung ge« nötigt, ihre Forderung fallen zu lassen. Die Arbeiter kehrten zu den alten Bedingungen zu ihren Arbeitsplätzen zurück. Ob nun dieser Streik in Verbindung mit anderen Motiven den Vertreter Johannesburgs im zweiten Völksrat, Herr B. I. Viljocn, veranlaßte zur Einbringung eines Vorschlages betreffs gesetzlicher Einführung eines achtstündigen Arbcitslagcs für die weißen Ar- bciter in der südafrikanischen Republik, das weiß ich nicht, doch es geschah. Der zweite Wolksrat hielt sich indes nicht für berechtigt, einen solchen Vorschlag anzunehmen, und wies den Antrag zurück.' Darauf brachte im ersten Volksrat ein Herr C. I. Tosscn denselben Vorschlag mit besserem Erfolg ein. Der erste Volksrat sah die Zweckmäßigkeit eines solchen Gesetzes ein, und setzte die Diskussion über den Vor- schlag auf die Tagesordnung der Sitzung am 11. September. Der Internationale Arbeitcrverband in Pretoria hatte sich da« mals knuni organisiert: er nahm aber sofort Stellung zur Sache, entwarf eine Glückwunschadresse an Herrn Tosscn und beauftragte ein Komitee mit der Ueberreichung der Adresse an den Antrag- stcllcr; gleichzeitig sollte das Komitee den Herrn zu einer persön« lichen Znsanimcnkunft zwecks näherer Aussprache über die Angelegen« hcit ersuchen. Herr Tosscn sagte bereitwillig zu. Die Herren kamen noch am selben Tage, am 4. September, zusammen; mit Herrn Toffen erschien noch ein anderes Mitglied des ersten Volksrates, Herr I. H. Labuschagcl. Es fand eine eingehende Aussprache über die Achtstnnden-Bewegung in Europa und anderen Erdteilen statt. Das Komitee gab, da es sich bald herausstellte, daß die Herren Volksvertreter in Bezug auf die Sache sehr wenig wußten, alle In- formation, welche es für nötig hielt. Herr Tosscn wurde sodann noch gewonnen, um seine Motive in einer vom Arbcitervcrband einzuberufenden öffentlichen Arbeiter- Versammlung zu erläutern; diese Versammlung fand Sonnabend, den 9. September, abends statt. Montag, den 11. September, stand der Antrag Toffen im ersten Volksrat zur Debatte, die jedoch seitens der Beteiligten recht nach- lässig geführt wurde. Bei der Abstimmung über den Vorschlag erwies sich eine bedeutende Mehrheit(14 für, 5 gegen) dem Antrag günstig gesinnt. Die Regierung erhielt den Auftrag, zu Beginn des konmiendcn Jahres ein Gesetz, welches den achtstündigen Arbeitstag einführt, dem Volksrat vorzulegen. Die kurze Debatte im Volksrat hat uns den Beweis geliefert, daß so gut wie keiner der Volksratsleute die Tragweite eines solchen. Gesetzes kennt. Die Kapitalisten geben sich den Anschein, als ob sie der ganzen Sache wenig Bedeutung beimessen. Der„Star" und der„Leader", zwei der berüchtigtsten kapitalistischen Hetzblätter Johannesburgs, brachten nur kurze Notizen und jammerten über das Elend, in welches die armen geplagten Aktionäre durch ein der- artiges Gesetz gebracht würden. Wir zweifeln aber nicht, daß, so- bald die Regierung einen Gesetzentwurf zur Beratung und Annahme vorlegt, jene Herren alles versuchen werden, was in ihrer Macht steht, um dessen Annahme zu hintertreiben oder ihn durch Einflickung zweideutiger Klauseln wirkungslos zu machen. Briefkasten der Redaktion. Wir bitten, bei jeder Anfrage elne Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort ertheilt werden soll und die letzte AbonnementSquittung beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beant- wortet und schriftliche Antwort wird nicht ertheilt. Die juristische Sprechstunde findet Montag. DienStag und Freitag von V— 8»hr abends statt. G. M., Ramlerstrnhe. Wir wollen Interessenten darauf aufmerksam machen. W. Nein.— Paul Küchler. 1. Weihnachtsgeschenk« kann die Herrschast auf den Lohn anrechnen, wenn der Gesindeoertrag im Laufe deS ahres durch Schuld des Wesindcs wieder aufgehoben wird. Das �ahr rechnet vorn Eintritt in den Dienst an. Ist also der Dienst äin 1. Juli 1899 begonnen, so kann das Weihnachten 1899 gegebene Weih- nachtögeschenk bis zum 1. Juli 19 zurückgefordert werden. Diese gegen das Gesinde geltende AuSnahinebestiuunung ist dank dem Verhalten der Konservativen und der Freisinnigen trotz des Bürgerlichen Gesetzbuches aufrecht erhalten. 2. Ist nichts anderes vereinbatt, so kann bei moiialwcise gemieteten Dienstboten noch am 15. zum 1. gekündigt werden. Handelt es sicb nicht um monatsweise Mietung, so bcttägt, falls nichts anderes vereinbart ist, die Kündigungsfrist bei städtischem Gesinde sechs Wochen, bei länd- lichem ein Vierteljahr vor Ablauf des Gesindevertrages. Die Dauer deS Gesiudevertrages beträgt, falls nichts anderes vereinbatt ist, bei städtischem Gesinde ein Vietteljahr, bei Landgesinde ein Jahr. 3. Unverständlich. — Köpenick 14. Nein.— G. Q. 24. Gegen ein vom Schöffengericht erlassenes Urteil muff innerhalb einer Woche seit Verkündung(nicht erst seit Zustellung) deS Urteils Berufung eingelegt werden. In der Be- rufungsinstanz braucht sich der Angeklagte ebenso wenig wie in der ersten Instanz vettetdigen zu lassen.— M. St. 18. Ja.— KL«. 1. 2. Das ist möglich. 3. Hesse.— E. S. Sie fordern den Witt auf, innerhalb einer von Ihnen festgesetzten Fnst die Reparaturen vorzunehmen, widrigenfalls Sie dieselben aus seine Kosten ausführen lassen würden.— C. R. 99. Der Betreffende muh als Mitglied der Kasse aufgenommen werden.— Otto SZt. Der vereinbarte Accordlohn gilt, auch wenn er niedrig ist.- W. 74. 1. Ja. 2. Ja. 3. Nein. 4. Ja.- W. Nein. 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