Anterhallungsblatt des Jorwürts Nr. 60. Donnerstag, den 24. März. 1904 Ptochduick verboten.) 2-1 Bfthcr Alaters. Nomon von George Moore. „Woher weibt Du denn das, Jenny?" fragte Esther. „Eine Freundin von mir hat es mir erzählt: die war lehtes Jahr auch hier, so wie Du jetzt, und die hat's bekommen: und wenn Du nur willst, kannst Du es auch kriegen. Denke doch bloß mal: sechs bis acht Monate lang ein Pfund die Woche und alles frei: da könntest Dil mir doch wahrhaftig zwei Pfund davon abgeben und mich mit den andern nach Australien gehen lassen." „Wenn ich wüßte, daß das alles wahr ist, würde ich Dir gern das Geld geben." „Das kannst Du doch schnell genug ausfinden: schick' doch nach der Oberin und frag' sie! Soll ich sie holen gehen? Tann wirst Du schon hören, was sie sagt." Jenny lief davon und kam wenige Augenblicke später mit einer gutmütig aussehenden Frau in mittlerem Alter zurück, deren Antlitz deutlich den eilig fragenden Ausdruck der über- mäßig beschäftigten Menscheii trug. Bevor sie noch den Mund geöffnet hatte, sagten ihre Augen schon: Nun schnell, was wollt ihr? Sputet Euch! „Vater und die andern geben nach Australien," begann Jenny schnell,„Mutter ist tot, letzte Woche haben wir sie be- graben, darum will Vater nun auswandern. Aber der Agent will zwei Pfund pro Person haben, und da sagt Vater, er kann mich nicht mitnehmen, denn er hat gerade nur Geld genug für die andern: und da ich die älteste bin, nach Esther, die aber bloß seine Stieftochter ist, sagt er. ich nmß hier bleiben, ich sei alt genug, um mich selbst zu ernähren; aber ich meine, daß das zu viel verlangt ist, ich bin doch eben erst sechzehn. Und darum bin ich hergekommen und hatte meiner Schwester gesagt—" «Ja, mein gutes Mädchen, ich verstehe nicht, was Sie eigentlich von mir wollen? Ich kann Ihnen keine zwei Pfund geben, um nach Australien zu reisen: ich vergeude bloß meine Zeit, wenn ich hier stehe und mit Ihnen rede." „Aber so lassen Sie mich doch ausreden. Missis, ich will ja nur, daß Sie meiner Schwester sagen sollen, wie Sie ihr 'ne Stelle als Amme besorgen können, wo sie ein Pfund pro Woche verdient. Ich Hab' ihr gesagt, daß die Ammen meistens so viel verdienen, aber sie will es mir nicht glauben: wenn Sie es ihr aber auch noch sagen, will sie inir zwei Pfund geben. und ich kann dann mit Vater nach Australien gehen, wo, wie alle Leute sagen, ein Mädchen gute Chancen hat." Die Oberin blickte etwas verächtlich auf den zerrissenen, beschmutzten Rock, die zerlumpten Stiefel und den schiefen Hut des Mädchens und zog rasch ihre Schlußfolgerung bezüglich des moralischen Wertes dieses unverschämten Wesens. �„Ich meine." sagte sie dann,„daß Ihre Schwester sehr unrecht thun würde, Ihnen ihr Geld zu geben." „O Missis, wie können Sie das sagen?" „Woher weiß ich denn überhaupt, daß Sie die Wahrheit sprechen? Vielleicht gehen Sie schließlich gar nicht nach Australien!" „Nein, vielleicht geh' ich nicht nach Australien?! Das sürcht' ich eben auch. Aber daß Vater geht, das kann ich Ihnen beweisen. Ich Hab' einen Brief von Vater hier; ich Hab' ihn mitgebracht, hier ist er; na, ist Ihnen das nun genug?" „Bitte, bitte, nur nicht unverschämt, sonst lass' ich Sie aus dem Hospital hinausfuhren." „Ich wollte ja gar nicht unverschämt sein," sagte Jenny sehr demiitig,„aber man braucht sich doch nicht ins Gesicht hinein sagen zu lassen, daß man liigt, wenn man die Wahr- heit spricht." „Nun ja." sagte die Oberin,„ich sehe, daß Ihr Vater Vach Australien gehen will;" und sie reichte Jenny den Brief zurück—„und Sie wollen nun von Ihrer Schwester wirklich das Geld haben, um mitgehen zu können?" „Ich will Sie nur bitten, meiner Schwester zu sagen, daß Sie ihr'ne Stelle als Amme besorgen können: dann wird sie mir vielleicht daS Geld schenken!" „Wenn Ihre Sckiwester als Amine gehen will, ist es sehr wahrscheinlich, daß ich ihr eine Stelle mit einem Pfund pro Woche besorgen kann." „Aber." sagte Esther,„dann müßte ich doch Baby in Pension geben." „Das wirst Du auf alle Fälle thun müssen," sagte Jenny rasch,„Du kannst doch nicht neun Monate lang von Deinem bißchen Geld leben und Dir all das gute Essen kaufen, das Du brauchen wirst, um die Milch zu erhalten." „Wenn ich Ihre Schwester wäre, würde ich Ihnen was husten, aber kein(Md geben! Was für'ne Frechheit! Lionimt zur Schwester nach Geld, uni damit nach Australien zu gehen. wo ein Mädchen Chancen hat, und die Schwester bleibt hier allein zurück mit'nein Kind an der Brust! So was ist mir noch nicht vorgekommen!" Jenny und die Oberin wandten sich plötzlich um und sahen die Frau in dem andern Bett an. welche diese Worte gesprochen hatte. Sofort geriet Jenny in Wut. „Was geht Sie das an, möcht' ich wissen?" schrie sie. „Sie haben Ihre Nase nicht in meine Angelegenheiten zu stecken." „Ruhe, Ruhe," ermahnte die Oberin,„ich erlaube hier keinen Zank." „Zank? Wer zankt denn? Ich möcht' nur wissen, was die daS angeht?" „Ruhe, sage ich: ich erlaube Ihnen nicht, meine Kranken hier aufzuregen. Roch ein Wort und ich lasse Sie zum Hospital hinausführen." „Mich'ranswerfcn? Warum denn? Wer hat denn an- gefangen zu zanken? Nein, Missis, Sie müssen gerecht sein: meine Schincster hat mir noch nicht geantwortet." „Nun, dann nmß sie es schnell thun, ich habe nicht Zeit, hier den ganzen Tag heniinzustehen." „Wenn Sie mir eine Stelle als Anime verschaffen können. so will ich meiner Schivester das Geld geben, damit sie nach Australien gehen kann." „Ich glaube, daß ich es Ihnen versprechen kann. Sie haben mir vier Pfund fünf Schilling zum Aufbewahren ge- geben: ich entsinne mich genau der Summe, weil, so lange ich hier bin, noch keine Wöchnerin mit so viel Geld hierher- gekommen ist. Wenn sie fünf Schilling in der Tasche haben, glauben sie meistens, sie können halb London damit kaufen." „Ja. meine Schwester ist eben sehr sparsam," sagte Jenny. Tic Oberin blickte sie scharf an und sagte: „Nun kommen Sie mal mit mir, ich werde das Geld' Ihrer Schwester holen: ich lasse Sie nicht hier, sonst zanken Sic sich noch niit meinen Kranken." „Nein, Missis, ich werde keinen Ton sagen!" „Sie haben zu gehorchen: kommen Sie mit." Jenny warf der Frau in dem andern Bett einen wütenden Blick zu und ging hinter der-Matrone zur Thür hinaus. Als sie zurückkam, waren ihre Blicke so gierig auf die Hand der Oberin geheftet, als ob sie die Goldstücke ihr mit Gewalt hätte entreißen möge». „Hier ist Ihr Geld." sagte die Oberin,„vier Pfund fünf Schilling— Sie können Ihrer Schwester davon geben, soviel Sie wollen." Esther hicl die vier Goldstücke und die zwei halben Kronen einen Augenblick zögernd in der Hand, dann sagte sie: „Hier, Jenny, sind die zwei Pfund, die Tu brauchst, um nach Australien zu gehen: ich hoffe, daß sie Dir Glück bringen werden, und daß Du manchmal au mich denken wirst." „Gewiß werd' ich das. Esther. Tu bist mir'ne gute Schwester gewesen, wahrhaftig, das warst Du: ich werde Dich nie vergessen und ich werde Dir auch mal schreiben. Es ist 'ne schwere Trennung!" „Na, schon gut. schon gut!" sa�te die Oberin,„die Thränen sind überflüssig. Ihr Geld haben Sie. nun sagen Sie Ihrer Schwester adieu und machen Sie, daß Sie fort- kommen." �.... „Seien Sie doch nicht so herzlos." sagte Jenny, die jetzt auf einmal in Rührung zerfloß.„Haben Sic denn gar kein Gefühl, wissen Sie nicht, was eS heißt,'ner Schwester adieu sagen, vielleicht für immer?" Jenny warf sich in Esthers Arme und weinte bitterlich. „O Esther, ich Hab' Dich so lieb; Tu bist so gut zu mir ge- Kesen� ich werd' Dich nie vergessm. Und ich werde mich so nach Dir bangen; schreibe mir manchmal, ja? Ich möchte doch wissen, wie es Dir geht, und wenn ich mich draußen verheiraten sollte, dann werde ich es Dir schreiben, dann mutzt Du zu mir kommen� und das Baby bringst Du dann auch mit." „Glaubst Dil vielleicht, daß ich ohne ihn kommen würde? SSieb ihm noch einen Kutz, bevor Du gehst." „Adieu, Esther, adieu!" Jenny ging und Esther blieb allein zurück; sie wußte, daß sie nun ganz allein in der Welt war, und sie mutzte an den Abend zurückdenken, wo sie von dem Hospital nach Hause ge- gangen war; wie grau und kalt und hart und fremd ihr da die große Stadt erschienen war! Nun war sie ganz allein in dieser großen Wildnis mit ihrem Kinde, für welches sie viele, viele, lange Jahre würde arbeiten müssen! Würde ihr das möglich sein? Würden ihre Kräfte dazu ausreichen? Hatte sie eigentlich recht daran gethan, Jenny das Geld zu geben, welches doch ihrem Kinde gehörte? Nein, sie hätte es ihr nicht geben sollen; aber sie wußte ja kaum mehr, was sie that, sie war noch so schwach und die Nachricht von dem Tode ihrer Mutter hatte sie so überwältigt! Nein, sie hätte des Kindes Geld nicht hergeben dürfen! Aber vielleicht würde doch noch alles gut werden! Wenn die Oberin ihr nur eine Stelle als Amme besorgte! Dann würde sie schon durch- kommen. Sie beugte sich herab über das schlafende Baby. „Also uns wollen sie trennen," flüsterte sie ihm zu,„ja, mein anner Liebling, es wird schon so sein müssen, es wird nicht anders gehen!" » Am nächsten Tage konnte Esther vom Bett aufstehen, und sie verbrachte einen Teil des Nachmittags in einem be- quemen Lehnsessel. Mrs. Jones kam sie besuchen, und die kleine, alte Frau erschien ihr jetzt wie eine gute, alte Freundin. Esther erzählte ihr alles von dem Tode ihrer Mutter, von der projektierten Abreise ihrer Familie. Nur noch eine Woche etwa lag zwischen ihr und dem Beginn des fürchterlichen Kampfes, vor dem sie Angst empfand. Sie hatte gehört, daß die meisten Wöchnerinnen nur vierzehn Tage in dem Hospital behalten wurden, und in der That kam drei Tage später die Oberin eilig in ihr Zimmer hinein. „Es thiit mir sehr leid," sagte sie,„wirklich sehr; aber wir erwarten eine Reihe neuer Patienten, ich muß Ihr Zimmer frei bekommen. Es thut mir leid, denn ich sehe, daß ihr beide noch sehr schwach seid!" „Was? Ich auch?" rief die Frau in dem andern Bett. „Ich kann ja noch kaum stehen� ich kann noch nicht durch das Zimmer gehen." „Es thut mir sehr leid, aber es kommen neue Patienten und die Zimmer müssen gereinigt werden. Wißt Ihr schon, wohin Ihr gehen werdet?" „Ich habe nur eine Schlafstelle," sagte Esther—„und nur noch zwei Pfund fünf Schilling in der Tasche." „Wozu nehmt Ihr uns überhaupt auf, wenn Ihr uns auf die Straße rauswerft, bevor wir noch kriechen können?" sagte die andre Frau;„ich wünschte, ich hätte mich lieber er- tränkt Ich war schon nahe daran; hätte ich es gethan, so wäre es für mich und das grme Kind jetzt am besten." „Ich bin an diese Art Undankbarkeit schon gewöhnt," sagte die Oberin ruhig.„Sie haben Ihre Entbindung be- haglich und unter guter Pflege überstanden, und Ihr Baby ist vollkommen gesund: versuchen Sie nur, es auch so zu er- halten! Haben Sie Geld?" „Nur vier und ein halb Schilling." „Haben Sie Freunde, Verwandte, zu denen Sie gehen können?" „Nein." „Dann müssen Sie eben ins Armenhaus gehen." Tie Frau erwiderte hierauf nichts; und in diesem Augen- blick kamen schon zwei Schwestern herein und begannen sie mit Gewalt anzukleiden. Von Zeit zu Zeit fiel sie ihnen halb ohnmächtig in die Arme. „Herr Gott, ist das'ne Arbeit," sagte die eine Schwester, „da hängt sie einem nun wie ein Klumpen Blei im Arm. Aber wenn man aus das Gerede hörte, so müßte man sie alle mindestens einen Monat hier behalten." l Fortsetzung folgt.), pkachdruck verboten.) Simäermamis Glück und Snde. Von Karl Busse. Den Fuhrwerksbesitzer und Spediteur Gundermann liebte in der ganzen Stadt niemand so recht. Doch war er weit und breir bekannt und wenn er, gleichsam widerwillig, vor jemand die Mütze zog, so beeilte sich der so Gegrüßte, recht höflich zu danken. Vor zwanzig Jahren war er als simpler Knecht nach Polajewo ge- kommen, schon damals mürrisch und verschlossen. Einen Sonntag gab es für ihn nicht; er arbeitete in einer heftigen Art weiter, ab wäre alles und jedes, womit er zu thun hatte, sein Feind. Wie andre pfiffen und sangen, so fluchte und schimpfte er. Und genau so unfteundlich wie gegen die Menschen war er gegen das Vieh. Er liebte seine Pferde nicht, er schlug sie und quälte sie unnütz. Aber er hielt sich zu ihnen, weil sie ihn weniger genierten als die Leute. Niemals sah man ihn auf dem Tanzboden, niemals im Wirts- Haus. Und wenn andre sich Sonntags putzten, trug er mit einer Art zorniger Freude seinen schmierigen Alltaaskittel und die fettige Mütze durch die Straßen. Er stand im Dienst bei einer Witwe, die nach dem Tode ihres Mannes das Fuhrgeschäft übernommen hatte, aber nur wenig davon verstand und vor allem die Knechte kaum bändigen konnte. Wilhelm Gundermann war auch ihr gegenüber nicht liebenswürdig. Aber sie sah so viel, daß er am meisten arbeitete und sich weder um die Weibsleute, noch um den Brannt- wein kümmerte. Was that er da mit seinem Lohn? Sie schüttelte den Kopf und wollt' einst ein Gespräch über seine Privatverhältnisse mit ihm anfangen. Doch er schnitt es sofort ab. Als er zwei Jahre bei ihr in Dienst stand, verheiratete sie ihre Tochter nach dem Rheinland hin, und in der nun folgenden, schwer getragenen Einsamkeit bekam sie Lust, selbst auch wieder in die Ehe zu treten. Sie war üppig und umfangreich, stand im Anfang der Vierziger und war sich klar darüber, daß nur ein tüchtiger Mann das Geschäft zur alten Höhe bringen könne. Doch wie sie sich auch umschaute— sie fand nichts Passendes. Eines Tages sah sie durch das Fenster auf den Hof, wo Wilhelm Gundermann gerade die Pferde vor den schwerfälligen Rumpelkasten spannte. Der Rappe mochte unruhig gewesen sein, denn der Knecht lästerte schrecklich und schlug das Tier dann. Es hieb aus. aber der Knecht war bei seite gesprungen. Und plötzlich ging durch den Körper der Frau ein Zucken. Sie sah nur die eine Hälfte des Gesichtes von Wilhelm Gundermann, diese aber war verzerrt in grenzenloser Wut. Im nächsten Augenblick schlug der Knecht blind und toll drauf los, in einem Jähzorn, der nichts mehr von sich selbst wußte und der eignen Gefahr nicht achtete. Einen Augenblick hatte die Witwe das Fenster aufreißen und den rüden Patron anfahren wollen. Dann zitterten die fleischigen Hände nur, starr und seltsam sahen die Augen hinüber. Sie fürchtete sich vor dem Knecht, sie selbst duckte sich vor dem elementaren Ausbruch solcher blindwütiger Leidenschaft. Und seitdem war alles Befehlende aus ihrer Stimme' verschwunden, wenn sie dem Manne Aufträge gab. Immer öfter blickte sie nach draußen, als müsse sie das An- und Abschirren überwachen. Wenn sie seinen Schritt hörte, hatte sie ein leises Gruseln, daL sie merkwürdig erregte.„Der weiß, was er will." dachte sie stets von neuem. „Gegen den würde selbst der Ungefügigste nicht zu mucksen wagen." DaS ging eine geraume Zeit. Äeußerlich veränderte sich gar nichts. Und innerlich? Je nun, die Witwe überzeugte sich stets mehr davon, daß dem Geschäft eine tüchtige Kraft fehle. Dabei dachte sie an Wilhelm Gundermann, wie er das Pferd geschlagen. Und sie dachte weiter, ein wie merkwürdiger Mensch er sei... ganz anders als die übrigen... nie betrunken, kein Schürzenjäger... eigent- lich also solide und doch gar seltsam. Es war ihr. als verberge sich etwas hinter ihm, ein Geheimnis, etwas Schreckliches. Vielleicht hat er gar einen Menschen erschlagen. DaS Gruseln und die Neugier ward immer größer. Da trat der Knecht eines Sonntags früh aus dem Stalle. Die andren waren längst fort. „Frau Franken," rief er mit seiner heiseren Stimme hinüber. Und als sie hörte, meinte er auch, eS sei ein Schade in, Stalle, der repariert werden müsse. Sie war schon im Staat, aber sie besann sich keinen Augenblick, sondern nahm das gute Kleid auf und be- trachtete den Schaden gründlich. Da warf der Wind die Stallthür zu. daß es leise dämmerig im Ramne ward. Das kleine, spinnwebüberzogene Fenster oben ließ nicht viel Licht ein. Und die Witwe hatte mit einemmal wieder das seltsame, aus Furcht und Neugier, Scheu und Bewunderung gemischte Gefühl. Wenn er sie jetzt schlug, wie er das Pferd ge- chlagen? Ihr Atem ging kurz, sie war rot. „Frau Franken." sprach der Knecht dann und knüpfte einen Knoten in die Peitsche,„was denken Sie wohl, was Sie haben wollten, wenn Sie daS Geschäft verkauften... mit allem drum und dran!" Ueberrascht sah sie ihn an. „Wollen Sie's denn kaufen?' „Ich? Wer sagt das? Wer redet davon?' Seine Augen ftmkelten böse; wie zum Schlage hatte er die Peitsche in der Hand. Sie ftihlte die Schwäche in den Knien. „(Sötte doch... es sagt ja keiner. Und das Geschäft... warum soll ich das denn verkaufen?" „Weil's sonst ganz auf den Hund kommt," erwiderte er grob und höhnisch.„Hier gehört ein Mann'rein und kein Frauen- zimmer I" „Und wenn schon... ich kann ja einen'reinsetzen." Dabei strich sie über den guten Rock. Sie wagte ihn nicht anzusehen. „Oder glauben Sie etwa, Willem, daß ich schon zu alt zum Heiraten bin?" Ihr ganzes Gesicht brannte. Llber jetzt hob sie die Augen: sie wollte sehen, was fiir eine Miene er dazu machte. Halb lauernd guckte er sie an. Dann pfiff er durch die Zähne. „Bläst der Wind so?" Er schien jetzt wirklich gespannt.„Bin neugierig, den Ihren kennen zu lernen, hol's der Deubell Jugend wärmt am besten, Frau Franken!" Er lachte. Sie hatte noch nie so wie jetzt empfunden, wie viel Stechendes in seinen Augen war. „'s braucht vor allem einen tüchtigen Mann, der das Geschäft versteht. Ob er zwanzig Fahre jünger ist wie ich oder älter, soll mich nicht scheren." „Aber fein muß er sein— he? Lumpen und Larve glatt... anders wie unsereins, Madame?" Er ließ die Augen nicht mehr von ihr. „Man bleibt im Stall nicht fein," erwiderte sie schwer atmend. Ihr war, als könne sie nicht weggehen und die Augen nicht ab- wenden, so lange die seinen so auf ihr ruhten. „Fürs Geschäft wäv ich nicht der Schlechteste," sagte er plötzlich. „Oder meinen Sie nicht, Frau Franken?" Die letzteil Worte packten sie an, wie Fäuste. Sie duckte sich unwillkürlich. „Ja... ja." sprach sie stockend.„Und wenn Sie nichts da- wider haben. Willem..." Lichter brannten in seinen Augen auf; die Muskeln spannten sich. Die Gäule sahen sich um, eine Schwalbe flog durch den Thür- spalt und wandte sich erschreckt. „Davon reden wir übermorgen, Madam." stieß er heraus. Die Stimme schien noch heiserer. Und er bog die Peitsche in den Händen, als sollt' sie kurz und klein brechen. Die Witwe ging zwei Tage lang in lnühsam verhaltener Erregung umher. ES war ihr manchmal, als renne sie sehend ins Unglück, aber als könne sie nichts dawider thun. Dabei wurde sie ordentlich rot und jung, als Wilhelm Gundermann ihr an dem Dienstag sagte:„Dann können wir's meinetwegen so halten, Frau Franken. Aber was ich mach', mach' ich bald. Je früher man in die Mäuler der Lente kommt, um so früher kommt man wieder'raus!" In der Stadt begriff man die Wahl der Witwe nicht.„Liest sich den Dreckfink aus, als gäb's keine properen Menschen im Lande",— so pfiff's von allen Dächern. Es that nichts. Nach ein paar Wochen war aus Frau Franken eine Frau Gundermann und aus dem Knecht der Besitzer eines Fuhrgeschäfts geworden. Aber auch in dieser neuen Stellung that er die schmierige Joppe so wenig ab wie die speckig glänzende Mütze. Er arbeitete für vier; der Geiz hatte ihn gepackt. Er. der gewiß eine furchtbare, bittere und verprügelte Kindheit und Jugend hinter sich hatte, schien nur ein Ziel zu kennen: reich zu werden, andre zu treten wie er einst getteten worden, Groschen um Groschen zusammen- zuscharren, um einst die Thaler rollen zu lassen. Er führte ein ganz neues Regiment im Hause ein. entließ alle Leute bis auf einen Knecht, schränkte die Ausgaben ein. wo er nur konnte, und setzte sich mit so zäher Verbissenheit hinter die Arbeit, daß sich das Geschäft wirNich langsam hob. Um seine Frau kümmerte er sich gerade so viel, daß er ihr Pfennig für Pfennig das Wirtschaftsgeld vorzählte, mit dem sie auszukommen hatte. ' Das arme Weib, das vordem behaglich im Speck gesessen, wollte die große Wandlung erst nicht begreifen. Sic hatte ihm alles über- geben, und nun war's eine Not, daß sie sich überhaupt satt effen konnte. Er zwang sie zur Arbeit; es war vorbei mit den schönen Kleidern und der alten ruhigen Behaglichkeit. Ruhlas mußte sie sich in der Wirtschaft und auf Geschäftsgängen abhetzen. Ihre gc- diegene Fülle schwand, damit aber auch die zweite Jugend. Sie magerte ab, wurde alt. Eine furchtbare Enttäuschung lähmte jede Kraft. Sie war nicht mehr neugierig, sie hatte nicht das Gruseln mehr vor ihrem Manne, sondern nur noch eine feige Angst. Es steckte kein, aber auch kein Geheimnis hinter dem allen, Roheit blieb Roheit, blind- wütiger Zorn blieb Zorn. Sie fiel sichttich zusammen.„Die Ruthen, Nachbarin," sagte sie einmal und nickte vor sich hin,„die man sich selbst gebunden hat, thun am we heften." Zehn Jahre jedoch gingen noch hin, ehe sie starb. Ihr Mann begrub sie. wie es in der Stadt hieß,„zwischen zwei Geschäftsfuhren", den» der Betrieb durfte natürlich nicht darunter leiden, am wenigsten der Omnibusvcrkehr. Dieser„Omnibus" war für Wilhelm Gunder- mann alles, das einzige, was er in seiner Art liebte, war seine Goldgrube, sein Glückswagen. Eine zwei Meilen von Polajewo entfernte Stadt hatte nämlich nicht lange nach dem großen Kriege Bahnanschluß erhalten. Wilhelm Gundermann hatte das sofort ausgenützt und ließ dreimal des Tages einen Omnibus'rübcrgehcn, der die Polajewocr zu und von den Zügen brachte. Früh um sechs Uhr, wenn alles noch schlief, bimmelte schon die Glocke durch das Rumvcln der Räder, bimmelte durck die Straßen und rief jeden, der mitfahren wollte. Mittags und abends hörte man die Klingel noffl einmal. Vorn auf dem Sitze des Rumpelkastens hockte Wilhelm Gundermann in seiner schmierigen Tracht, schrie mit heiserer Stimme, peitschte die Pferde. Wie gesagt, es liebte ihn niemand, doch jeder, der sich nicht für teures Geld einen eignen Wagen mieten wollte, war gezwungen, mit ihm zu fahren. So war der Omnibus fast immer voll, und der Fuhrherr kassierte die Markstücke ein. fühlte jedes einzeln cm und betrachtete es, ob es auch echt sei und jagte dann schimpfend los. Er trug jetzt einen verwilderten Backenbart, durch den er das Geld für den Barbier ersparte. Seine Schulter war von jeher schief gewesen, seine Augen lauerten, und um seinen Mund spielte stets ein Zug, als verhöhne er alle andern und wäre doch dabei voll von innerem Zorn. Es hütete sich auch jeder, ihn zu reizen. Denn man kannte ihn und wußte, daß die aufgespeicherte, gleichsam sich selbst immer wieder erzeugende Wut oft bei geringer Veranlassung hervorbrechen, ihn sinnlos machen, ihn in blinde Raserei versetzen konnte. Seine Frau, seine Knechte, seine Pferde hatten das er- fahren, ja es war passiert, daß er alles, was in ihm gärte, auch an leblosen Gegenständen misgelassen und sie zertrümmert hatte. Uni» man verstand, daß der Gedanke einem kommen konnte, dieser Mensch hätte einen Totschlag auf dem Gewissen. So lief das Leben hin, und Wilhelm Gundermann konnte sich fast schon ausrechnen, wann er ein reicher Mann durch seine Gold- grübe, seinen Glückswagen sein würde. Alles andre hatte er beinahe aufgegeben— die Spesen waren zu groß, und seine Habgier war mit jedem neuen Thaler gewachsen. Nur einen Stallburschen hatte er noch, der ihm half; auch der Knecht war entlassen, denn er selbst machte alles. Und immer weiter bimmelte die Glocke.„Hü, Moische Rotzers, hü!" schrie die heisere Stimme, die Peitsche knallte. „Moische Rotzers" nannte der Fuhrmann seine Gäule, wenn sie wild ausgreifen sollten. Die wußten, daß die Peitsche dazu die Begleitung schlug, spitzten die Ohren und legten sich ins Zeug. (Schluß folgt.) kleines foriUetou. — Der versteinerte Wald von Arizona soll nach einem Kongreß- antrag in einen Nationalpark von 369 Quadratkilometer aufgenommen und künfttg gegen Abbau und Vandalismus geschützt werden. DaS geologische Amt hat vor einiger Zeit durch einen seiner Paläonto- logen, Prof. L. F. Ward, eine» Bericht über den versteinerten Wald oder Chalzedonischen Park anferttgen lassen, dein die„Kölnische Zeitung" das Folgende entnimmt: Der Wald liegt 24 Kilometer östlich des Zusammenflusses des Little Colorado und des Rio Pnerco, etwa 42 Kilometer südlich der Santa Fs- Eisenbahn(Atlantic and Pacific) und wurde 1853 beim Bau der Bahn entdeckt. Während die versteinerten Wälder in Wyoming iZellowstone Park) und Kali, formen(Calistoga) der Tertiärzeit angehören, reichen diejenigen der Triasformation in Arizona, Nen-Mexuo und Utah um viele Millionen Jahre weiter zurück. Hier im Trias der genannten Staaten kommen diese Wälder an Hunderten von Plätzen in großen Massen und selbst in aufeinander getürmten Stämmen vor, aber nirgends ist das Farbenspiel so anmuttg, sind die Lagerungen so interessant, ivie in dem Walde, der zum Nationalpark erhoben werden soll. Die Ver- steinerung ist hier so weit gegangen, daß die Stämme zum großen Teil fast in Edelsteine verwandelt wurden. Nicht nur Chalzcdone, Opale und Achate finden sich unter ihnen, sondern manche nähern sich dem Charakter des Jaspis und Onyy. Sie sind so hart, daß es von ihnen heißt, sie gäben einen vorzüg- lichen Schmirgel. Auch die landschaftlichen Bilder sind sehr anziehend. Es gedeiht dort zwar nur ein kurzes Büschelstras, aber die Auswaschungen haben seltsame Gebilde erzeugt. Die Gegend stellt nämlich den Ueberrest einer einstigen Ebene von 1719 Meter Höhe dar, die durch Erosionen bis zu 219 Meter tief durchschnitten und in zahllose Rücken, Felstiirme und Mesas(Tische) zersetzt wurde. Die Ablagerungen bestehen aus wunderschönem Ton in Purpur, weiß und blau, und aus schiefrigem und massigem Sandstein in Rotbraun und Grau. Der massige Sandstein, der in verschiedenen Lagen da ist, widerstand der Auswaschung und bildet infolgedessen die Mesas und Türme. Im Mittelpunkt der Partte liegt der berühmte Lirhoden- dronbach, nach Süden abfließend, aber meistens trocken. Anr untern Ende dieses Wasserlaufs zerklüftet sich die Gegend außerordentlich, und hier liegen die versteinerten Stämme zahllos umher, oben auf den MesaS wie in den Schluchten, und der ganze Boden ist bedeckt mit Edelsteinen in allen Farben, den abgebrochenen Stücken der Bäume. Diese bc- sondere Fläche dehnt sich mehrere Kilometer aus, und an einer Stelle liegt ein 39 Meter langer Stamm quer über einer 19 Meter langen und 7 Meter tiefen Schlucht, eine natürliche Brücke bildend. Die Bäume sind fast alle Cedern, nur einer ist eine Karolina-Pappel (Cottonwood). Die Bäume des LithodendronbacheS haben nicht den llebcrzug von Sandstein, der ihnen anderswo fest angekittet ist und sich: erst nach Tausenden von Jahren ablöst. Teils ihre Lage, teils der Umstand, daß sie alle keine Aeste aufweisen, deutet daraus, daß die Bäume ein Flußthal heruntergeschwemmt Ivaren, wobei die Aeste abbrachen. Sie waren dann hier in die Mesozoische See gelangt und init Sand zugeschüttet worden, wo sie blieben, bis die tertiäre epeirogenische Bewegung daS ganze Land um IS— 1S00 Meter hob. worauf dann die Erosion langsam begann.— Medizinisches. ie. Greisenwahn. Obgleich das Alter auch einen Nieder- gang in den geistigen Fähigkeiten mit sich bringt, so ist diese Ver- änderung doch ein allmählicher Vorgang und nicist nicht von ernsten Geistesstörungen begleitet. Unter Greisenwahn versteht man die Form von geistigem Verfall, der nach dem fünften Jahrzehnt des Lebens eintritt und verschiedene Arten von geistiger Störung von oft schwerem Charakter mit sich bringt. Vor dem 50. Jahre ist sein Eintritt selten, dagegen ist festgestellt worden, das; wenigstens zwei Drittel aller Geisteskranken von mehr als 50 Jahren, die in die Irrenhäuser gebracht werden. Fälle von Greisenwahn darstellen. Dr. Pickett, ein hervorragender Sachverständiger auf dem Gc- biete der Jrrenheilkunde, hat jetzt eine ausführliche Arbeit über den Greiscnwahn auf Grund von Beobachtungen an 200 Fällen, und zwar ebenso viel männlichen wie weiblichen, erscheinen lassen. Andre Formen als eigentlicher Blödsinn sind selten. Wenn sie vorkommen, so äusiern sie sich in Verfolgungswahn oder in Melancholie und in verhältnismäßig frühem Alter, nämlich zwischen 45 und 50 Jahren bei Frauen und zwischen S0 und 55 Jahren bei Männern. Der gewöhnliche Greisenwahn zeigt folgende Merk- male: Schwächung der Aufmerksamkeit und Langsamkeit der Ideen- Verbindung, ungenaue Wahrnehmungen bezüglich der räunilichen Verhältnisse in der Umgebung und der Zeitverhaltnisse, ein merkliches Nachlassen des Gedächtnisses für eben erst vergangene Ereignisse, Ideenarmut. Abstunipfung der Gefühlsregungen, Reizbarkeit mit Steigerung der Ansprüche an die Umgebung und mit tyrannischen Neigungen. Das Wesen des Greisenwahns besteht in einem quanti- tativen, aber unregelmäßigen Nachlassen der geistigen und sittlichen Fähigkeiten, und der Vorgang der Entartung wird gewöhnlich be- gleitet von Anfällen der Erregung, tiefer Niedergeschlagenheit und Sinnestäuschungen, so daß die Merkmale von Tobsucht, Melancholie und Verrücktheit vorhanden zu sein scheinen, obgleich diese Arten der Geisteskrankheit in hohem Alter selten vorkommen. Geistige Verwirrung findet sich in gewissem Grade bei allen Arten des Greisenwahnö und tritt in zwei Dritteln aller Fälle periodisch auf. Es entsteht dann die häufige und sonderbare Erscheinung deS unstäten Hin- und Herwanderns solcher Kranker in den Straßen. Eine ergreifende Beschreibung eines solchen Kranken hat Dickens in seinem berühmten„Cnriositz� Shop" sRaritätcnladens gegeben. Die Zunahme der Körperschwächc geht mit dem Fortschreiten des Leidens gewöhnlich Hand in Hand. Eigentliche Tobsucht kommt im Greisen- alter wahrscheinlich nie vor. Dr. Pickett hat die 200 von ihni er- forschten Fälle nach den Acußerungen der Krankheit zusammengestellt. Die Merkmale sind darin angegeben als unstäteS Umherivändern, Hallucinationcn, Schwindel, Kopfschmerz, nächtliches Herumstreifen, Selbstmordversuche. Erregungszustände, Wahnvorsiellungen mit Rückficht auf Vergiftung oder Verschwörung oder sonstige Verfolgung, auch auf eheliche Untreue.— Aus dem Tierleben. — DaSLaufen c i u e s H u n d e S auf drei B e i n e n hat Wohl schon manchem Hundebesttzer Aerger bereitet, ohne daß derselbe eigentlich erfahren konnte, warum sich der Hund zu solchen Extra- vaganzen bequemt und wie denselben abzuhelfen ist Tierarzt Hccker, dem die Beantwortung derartiger Anfragen im Kleinticrarzt des „Lehrmeisters im Garten und Kleinticrhof", Leipzig, obliegt, äußert sich darüber wie folgt: Diese Untugend, wie man es wohl nennen darf, finden Ivir bei kleinen und mittelgroßen Hunden sehr häufig, besonders habe ich sie. bei Foxterriers beobachtet. Ohne irgend welche äußere Ursachen, ohne daß .wir eine Bcivegnngsstörung oder einen Schmerz an dem be- treffenden Hinterbein feststellen können, schonen die Tiere stets den einen Hinterlauf. Vielfach habe ich bei derartigen Hunden eine mangelhafte Bauart des Sprunggelenkes oder eine chronische Eni- zündung der Kniescheibe feststellen können. Sehr häufig liegt aber ein krankhafter Zustand durchaus nicht vor. Die Hunde haben durch irgend welchen Zufall diese üble Kunstfertigkeit erlernt. Mancher Hund treibt die Virtuosität so weit, daß er erst einige Zeit den einen, dann aber plötzlich den andren Hinterlauf schont und vergnügt auf seinen übrigen ihm genügenden Pedalen einher- trollt. Eine Abgewöhnung oder Besserung ist nur sehr selten zu erzielen. Da die Hunde gewöhnlich nur bei schneller Gangart den Schenkel anziehen, so hilft oft ein dauerndes Führen an der Leine. Bei einem meiner Foxterriers, welcher eben- falls einen Hinterlauf zuviel hatte, wurde durch einen Zufall eine Heilung erzielt. Der Köter trat sich in die cutgegcnqcsetzte Vorderpfote einen Scherben ein, so daß der Fuß längere Zeit ver- Kunden werden mußte. Das Auftreten machte ihm auf diesem Fuße Schmerzen, auf zwei Beinen ist aber für einen Hund nicht gut gehen, es blieb ihm also nur übrig, die Hinterpedale ordnungs- mäßig zu gebrauchen. Später habe ich oft versucht, bei Hunden, welche ständig ohne Ursache einen Hinterscheukel emporzichcn, durch Umwickeln einer Vorderpfote Heilung zu erzielen; manchmal ist mir dies gelungen, leider nicht immer. Zu versuchen ist das Mittel immerhin. Das geschonte Bein ist häufig zu massieren, damit nicht Muskelschwund und somit eine Schwäche in demselben entsteht.— Humoristisches. — Aus der Schule. Ein Lehrer prüft in der~?ittelklaffe in der Interpunktion und schreibt folgenden Satz t ie Tafel: „Als die Römer frech geworden zogen sie nach Deutschla».torden." Lehrer:„Was gehört hinter„geworden?"(Kein...nd weiß zu antworten; schließlich erhebt doch einer den Finger.)„Nun, Moritz?" Moritz:„Simserimsimsimsimsim."— — Treffender Ausdruck. Miß Ducan tauzte zum ersten Mal im.Kaimsaal in München. Eine der Garderobieren>var sehr gespannt, warum die Tänzerin so berühmt sei und beschloß, heimlich in den Saal hineinzusehen! Die übrigen Garderobieren und die wartenden Dienstboten waren äußerst neugierig auf ihre Beschreibung. Nach einigen Minuten kam sie mit unendlich ent- täuschtem Gesichtsausdruck zurück und sagte achselzuckend:„I w o a ß net,— ivia si ein ig' schaut hob, hat f grab Fliegen g* f a it g t."— — I m Litterate n-Cafs.„Nun, was giebt'S neues?" „Ich habe einen Gedanken, der nicht von mir ist. Ich werde darüber ein Gedicht schreiben, das auch nicht von mir ist. Aber cS wird darüber eine günstige Kritik erscheinen,— und die wird von mir sein!"—(„Jugend".) Notizen. — Max Hqfpauer wurde zun;' Direktor des Stadt« theaters in Riga gewählt.— — A n a t o l e F r a n c e s neues Drama„Die Glieder- puppe" fand bei der Erstaufführung im Renaissance- Theater in Paris wenig Beifall.— — Ein Feuersicherhcits-Modelltheater wird in Wien nach einem Projekt der Theater-Landeskomniission hergestellt werden. Es wird mit großen Essen versehen sein zum Abführen des Rauches und der Stickluft; die Zahl der Stehplätze soll stark verringert, die jetzige Notbeleuchtung durch elektrische ersetzt iverden. Alle Räume des ganzen Hauses erhalten telephonische Verbindung miteinander. Zu den Verbesserungen gehört auch, daß auf der Rück- seitc de? Theaterzettels ein Orientierungsplan täglich abgedruckt wird.— — Das Denkmal des jungen Goethe in Straß- bürg wird am 1. Mai enthüllt.— — Die Wiener S c c c s s i o n eröffnet noch in diesem Monat ihre z w a» z i g st e Ausstellung, die diesmal nur Arbeiten öst- reichischcr Künstler enthalten wird. Die Ausstellung dauert bis Ende Mai.— — Professor Curie in Paris hat die Kurverwaltung von B a d g a st e i n aufgefordert. ihm zur Untersuchung der Radioaktivität des Gastciner Thermalwassers den Quellen entströmende Gase und feste Bestandteile, die sich im Laufe der Zeit spärlich abgesetzt haben, zu senden. Eine Untersuchung in gleicher Richtung wird auch die Wiener Akademie der Wissenschaften vor- nehmen.— — Eine wissenschaftliche Expedition wird in diesen Tagen von Petersburg nach Abesst; nie» abreisen. An ihrer Spitze steht der Bergingenieur Kurnakoff; als ihr Hauptzweck wird die Erforschung der goldführenden Bezirke in der Umgebung der Quelle des weißen Nils bezeichnet.— a. Ein neuer Gardinenschoner. Um das uu- angenehme Hängenbleiben und Zerreißen der Gardine» beim Oesssien der Fenster zu vermeiden, ist eine sehr praktische Erfindung gemacht. die gewiß bald eine ausgedehnte Anwendung finden wird. Der Gardinenschoner, welcher mit Leichtigkeit mittels einiger kleiner Schrauben oder Nägel von jedermann leicht in kurzer Zeit an den beiden oberen Ecken der unteren Fensterflügel angebracht werden kann, besteht aus einem 4,5 Ccntimeter im Durchmeffer haltenden gut vernickelten Drahtring. Er wird an das Fenster so angeschraubt. daß die Ringfläche horizontal liegt, also diese und nicht die scharfen Fcnsterecken mit der Gardine oder dem Vorhange in Berührung kommen.— t. D e r U r s p r u n g des Name n S P o r t A r t h n r. ES dürfte wenig bekannt sein, nach welcher Persönlichkeit der jetzt vicllcickt von allen Plätzen der Erde am häufigsten genannte Hafen- platz Port Arthur seinen Namen bekommen hat. Der Verfasser eines jüngst erschienenen Werkes, worin eine Beschreibung der schon in den Jahren 1850— 1802 ausgeführten Reise des englischen Schiffes „Actäon" in Ostasien gegeben wird, erteilt darüber Auskunft. Der „Actäon" hatte am 8. Dezember 1857 an dem Bonibardement von Kanton teilgenommen, das den bis 1800 währenden Krieg Englands und Frankreichs gegen China eigentlich eröffnete. Während' dieser Wirren in Ostasieu geschah es, daß das englische Kanonenboot „Algerine" als erstes fremdes Kriegsschiff in die treffliche Bucht an der Spitze der Halbinsel Liantung ciulicf. Der Befehlshaber deS Schiffes hieß Captain W. Arthur,' und nach ihm erhielt der Platz seinen heutigen Namen.— c. Eine Piaiiistin, w i e sie in der B i b e l st e b t. In einer Pariser Gesellschaft ermüdet eine anspruchsvolle Pianistin die Zuhörer durch ihr jämmerliches Spiel.„Das ist eine Pianistin, wie sie in der Bibel steht", bcnierkt jemand.„Was meinen Sie damit?" „Nun, ihre linke Hand weiß nicht, was die rechte thut."— Berantwortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin.— Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.VerlagSanstaltPaul Singer LrCo..BerlinSW.