NnterhaltnngMatl des Horwürts Nr. 78. Mittwoch, den 20. April. 1904 (Nachdruck verboten.) 43i Bfthcr Maters. Noman von E c o r g e M o o r o. In diesem Augenblick ward Estber der Gedanke, daß er nun das Kind sehen sollte, wieder ganz verhaßt, und wie um ihm zu zeigen, daß daS 5kind ihr allein gehörte. Preßte sie es in ihre Arme, ohne ein Wort zu William zu sagen. Und rasch befragte sie das Kind über tausend Dinge, von denen William nichts wissen konnte. William stand da, blickte zärtlich auf seinen Sohn herab und wartete, daß Esther ihn ihm zuführen sollte. Aber Mutter und Kind waren beide so froh, einander wieder zu haben, und so ineinander vertieft, daß sie den elegant gc- kleideten Herrn neben sich für den Augenblick völlig vergaßen. Plötzlich blickte der Knabe ihn an, und Esther schämte sich nun ihrer eignen Grausamkeit. „Jackie," sagte sie,„weißt Du, wer dieser Herr ist, der Dich besuchen kommt?" „Nein." Sie wollte nicht, daß Jackie seinen Vater lieben sollte, aber in diesem Augenblick that William ihr dennoch leid. „Ich bin Dein Vater," sagte William. „Nein, das sind Sie nicht; ich habe keinen Vater." „Woher weißt Du das, Jackie?" „Mutter hat mir erzählt, daß mein Vater starb, bevor ich geboren wurde." „Aber Mutter kann sich irren." „Wenn yrein Vater nicht gestorben wäre, bevor ich gc- boren war, so hätte er uns doch schon einmal besucht. Komm. Mutter, komm zum Thee. Mrs. Lewis bäckt.Kuchen, die werden verbrennen, wenn wir hier stehen bleiben." „Ja. Liebchen; aber was der Herr da sagt, ist doch wahr; er ist Dein Vater." Jackie schwieg, und Esther sagte: „Ich habe Dir gesagt, daß Dein Vater tot ist; aber ich habe mich eben geirrt." „Willst Du mir nicht die Hand geben und mit mir gehen?" „Nein, danke, ich gehe imntcr mit Mutter." „So ist er immer mit Fremden," sagte Esther,„das ist nur Schüchternheit. Laß ihn nur zufrieden, dann wird er schon von selbst kommen und mit Dir reden." Sie gingen au einer langen Reihe kleiner Häuser entlang. Jedes hatte seineu kleinen Garten, und die gelben, großen Kronen der Sonucublumeu hingen über die niederen Zäune hinüber. Eines dieser Gärtchen betraten sie, und am Fenster des Häuschens sah man das große, breite Gesicht der MrS. Lewis. Einen Augenblick später stand sie schon an der Thür. um ihre Gäste willkommen zu heißen, aber ihr geschwätziger Willkommengruß wurde mitten im Besten unterbrochen, als sie William erblickte. Sie trat respektvoll zurück vor seiner eleganten Erscheinung, und erst als sie alle in der Küche waren, sagte Esther: „Dies ist Iackies Vater." „Was? Ach' ich dachte schon— aber natürlich, wir freuen uns sehr, Sie zu sehen." Dann bemerkte ste die goldene Kette, die über seiner Weste hing, den eleganten Zuschnitt seiner Kleider und den ganzen Hauch von Wohlhabenheit, der über seiner Person lag, und ihr Willkommcngrnß wurde form- lich erregt. „O, mein Herr, wir freuen usts sehr, natürlich freuen wir uns sehr, Sie zu sehen; bitte, wollen Sie sich nicht setzen?" Sie wischte einen Stuhl mit ihrer Schürze ab und reichte ihn ihm hin: dann wandte sie sich zu Esther und sagte: „Setz' Tu Dich auch hin, Liebchen, der Thee ist sogleich fertig." Und nun, obwohl mit dem Bereiten des Thecs und Kuchens beschäftigt, sprach sie mit fröhlicher Lebendigkeit weiter. „Ich hoffe, mein Herr," sagte sie,„daß wir ihn zu Ihrer Zufriedenheit erzogen haben; wir haben wenigstens gethan, was wir konnten. Und es ist ein lieber Junge. Manchmal find wir ja ein bißchen eifersüchtig aufeinander gewesen— seinetwegen—, aber wir haben ihn trotzdem nicht verzogen. Ich will ihn ja gewiß nicht loben; aber es ist ein so netter, artiger Junge, wie man sich nur einen wünschen kann. Viel- leicht ein bißchen eigensinnig, aber das ist auch sein einziger ?�ehler, und ich muß es doch wjssen, denn ich habe ihn gehabt, seit er ein Baby von zwei Monaten war. Jackie, mein Liebchen, warum gehst Du nicht zu Deinem Vater?" Jackie, ein für sein Alter großer Junge, stand neben dem Stuhl seiner Mutter und schlängelte seine dünnen Beine in einiger Verlegenheit hin und her. Sein dunkles Haar fiel in dicken, schweren Locken auf sein kleines Gesicht herab, und unter dein Schutze dieser Locken blickten seine großen, leuchtenden Augen scheu nach seinein Vater hinüber. Mrs. Lewis sagte ihm, er solle den Finger aus dem Munde nehmen, und er ließ sich auch bereden, zu William hinüber zu gehen.—- Er sagte zuerst gar nichts, aber er gestattete es, daß William ihn nahm und ans das Knie hob. Tann— mit innner noch verlegen zu Boden gesenkten Blicken— begann er plötzlich, aber sehr vertraulich: „Sind Sie denn wirklich mein Vater?" Mit dieser Frage erhob er die Augen lind blickte William fest ins Gesicht. „Ja, ja. Jackie, das bin ich; ich bin Dein Vater; gefalle ich Dir nicht? Aber ich glaube. Du sagtest. Du wolltest gar keinen Vater haben?" Auf diese Frage gab Jackie keine Antwort. Nach einem kürzen Nachdenken sagte er: „Wenn Sic mein Vater sind— warum sind Sie denn früher nie zu uns gekommen?" William blickte zu Esther hinüber, die wiederum ihrer- seits Mrs. Lewis ansah. „O! das ist eine lange Geschichte, Jackie; ich war weit, weit fort in fremden Ländern." Jackie sah ans, als ob er gern einen Bericht über die fernen Länder gehört hätte, und William wartete auf die Frage, die schon auf des Kindes Lippen zu zittern schien. Statt dessen aber wandte er sich plötzlich zu Mrs. Lewis und sagte: „Die Kuchen sind doch nicht verbrannt, wie? Ich bin ihnen entgegengelaufen, so schnell ich nur konnte." Diese kindliche Frage erregte ein allgemeines Gelächter, und so verging ein unangenehmer Moment schnell und ohne weitere Folgen. Mrs. Lewis stellte die Schüssel mit den Kuchen auf den Tisch und schenkte den Theo ein. Thür und Fenster des kleinen Häuschens standen offen, und das blasse Dämmerlicht erhellte gerade nur noch den Thcctisch, an dem die Mutter niit zärtlicher Besorgnis ihren Sohn beobachtete, dessen kleine Gewohnheiten ihr alle so vertraut waren, und au dem der Vater ihr gegenüber mit freudiger Neugierde den Knaben betrachtete, entzückt über jedes Wort und jeden Blick des 5tindes. die ihm alle ganz wunderbar und erstaunlich er- schienen. Jackie saß zwischen den beiden Frauen. Er schien zu begreifen, daß dies eine Gelegenheit war, bei der er so viele Theekuchen essen konnte, wie er nur wollte; und während er aß, verließen seine Augen keinen Augenblick den Teller, und bevor er noch das eine Stück beendet hatte, wußte er schon, welches Stück er sich nachher nehmen wollte. Es wurde nur wenig gesprochen; nur einige Benierkungen fielen über da� schöne Wetter und Anerbietnngen einer zweiten Tasse Theo. Allmählich begann Mrs. Lewis einzusehen, daß das Paar noch vieles auf den: Herzen hatte, worüber es sich aussprechen mußte, und daß es besser wäre, wenn sie von der Vildflächc ver- schwände. Sic setzte darum ihren Hut auf und nahm ihr Tuch von dem Kleiderhaken herab. Sie sagte, sie hätte versprochen. zu einer Nachbarin herumzukommen, würde aber sicher nicht länger als eine halbe Stunde fortbleiben, und bat sie, in ihrer Abwesenheit auf das Haus zu achten. William hörte ihr zu und dachte dabei schon darüber nach, was er nun zu Esther sagen wollte, wenn die Frau fort war. Er sing mit folgender Bemerkung an: „Uilser Junge ist ein reizender, kleiner Kerl, und ich kann sehen, daß Du ihm eine gute Mutter gewesen bist. Hätte ich nur etwas von alledem gewußt!" „Was nützt es, jetzt darüber zu sprechen? Geschehenes. ist eben geschehen." Die Thür des Hauses stand offen wie vorher, und sie konnten den Kleinen sehen, wie er sich jetzt draußen auf dem Gartengitter schaukelte. Es war ein stiller Abend, und d>s flemgen VorWergehend'en flogen vorbei wie Schatten; sowohl Kater wie Mutter hielten ihre Augen fest auf die kleine, schaukelnde Gestalt geheftet. Keiner von beiden konnte das erste Wort finden, denn beide fühlten, daß dies ein ent- Lcheidungsschwerer Augenblick in ihrem Leben sei. Endlich sagte William: «Eine Ehe ist eigentlich gar keine Ehe. wenn man keine Kinder hat." „Hat Deine Frau keine Kinder gehabt?" .,O nein. Und ich glaube auch nicht, daß ich mir je was vus Kindern machte, bevor ich von Dir hörte, daß ich eins habe. Ich glaube, so aufgeregt wie in dem Augenblick war ich nicht mal damals, wo ich beim Goodwood den„Feldmarschall", auf den ich vierzig zu eins gesetzt hatte, über'ne halbe Pferdelänge gewinnen sah! Nein, ich kann gar nicht beschreiben, was ich fühlte, als Du mir sagtest, daß ich ein Kind habe, ich war ganz wie benommen und habe die ganze Zeit über an nichts andres mehr denken können." „Ich habe das Kind geboren und erzogen, ich habe ihn aufwachsen sehen, und er liebt mich, und ich würde mein Leben für ihn hingeben, aber ich verstehe nicht, wie Du, der Du ihn niemals gesehen hast. Dir so viel aus ihm machen kannst!" „Ja, siehst Du, es ist mir noch eben so neu: ich stelle mir die ganze Vergangenheit so vor und bilde mir ein, daß ich ihn in meiner Weise ebenso lieb habe, wie Du in Deiner! Großer Gott! Wenn ich von seiner Existenz gewußt hätte, hätte ich meine Frau längst verlassen." „Das wäre sehr unrecht gewesen: ich hoffe. Du wirst bald zu ihr zurückgehen." „Zu ihr zurück? Sie lebt ja mit'nem andern!" „Das weißt Du doch nicht gewiß." „Ich weiß nichts gewiß: ich habe mir gar nicht die Mühe genommen, danach zu sehen; aber es schmerzt mich, daß Du immer sagst, ich solle wieder zu ihr zurückgehen: meinst Du also, daß Du nichts mehr mit mir zu schaffen haben willst?" „Nein, mit einem verheirateten Mann will ich nichts zu thun haben." „Ich kann mich ja scheiden lassen." „Tu thätest besser, zu Deiner Frau zurückzugehen. Ein- mal verheiratet, immer verheiratet; so denke ich." „Das thut mir leid, Esther, daß Du das sagst; Du meinst also, daß ein Mann, der so schlecht behandelt worden ist, wie ich, doch noch bei seiner Frau bleiben muß?" Esther vermied es, hierauf direkt zu antworten, und man sprach über die Untreue der Männer und die Treue der Frauen so lange, bis William plötzlich daran dachte, daß Mrs. Lewis gesagt hatte, sie würde in einer halben Stunde zurück sein, und daß diese halbe Stunde längst schon vorüber sei. „Wir kommen nicht vorwärts, wenn wir so viel über diese Sache sprechen," unterbrach er sie.„Nach dem heutigen Abend aber, meine ich, können wir einander nicht mehr ruhig adieu sagen auf Nimmerwiedersehen." „Warum denn nicht? Was bin ich Dir? Du hast ja eine Frau! Du kannst ruhig Deinen Weg gehen und mich den meinen gehen lassen." «Und das Kind? Für das Kind will und muß ich doch etwas thun." „Das kannst Du ja thun, ohne mich dabei zu verderben." „Dich verderben, Esther?" „Ja, mich verderben: oder glaubst Du vielleicht, daß ich meinen guten Ruf verlieren will, indem ich mit einem ver- heirateten Manne verkehre? Du hast mir schon Schaden genug gethan und solltest Dich schämen, noch mehr thun zu wollen; Du kannst den Unterricht des Kindes bezahlen, meinetwegen auch seine Pension: aber Du mußt Dir nicht einbilden, daß Du dadurch mich gleich wieder bekommst." „Meinst Du das im Ernst, Esther?" „Ja; auf der Stelle, wo ich bin, ist's nicht erlaubt, daß Männer einem nachlaufen, und Du bist ein verheirateter Mann; ich will nicht, daß Du mir nachgehst." „Und wenn ich mich scheiden lasse?" „Wenn Du Dich scheiden läßt?! Ja, ich weiß nicht, wie es dann wird.— Aber hier kommt ja Mrs. Lewis, sie zankt Jackie, weil er sich auf dem Gitter schaukelt: man hat ihm das wohl schon fünfzigmal verboten. Und es ist spät, ich muß nach Hause." Esther klagte, daß sie zu lange geblieben seien und daß sie zu spät nach Hause kommen würde. Seine Fragen bezüglich Jackies behandelte sie mit Gleichgültigkeit. Er könnte ihr ja schreiben, wenn er ihr etwas Besonderes mitzuteilen hätte. aber nie im Leben würde es ihr einfallen, mit einem ver- heirateten Mann Beziehungen zu unterhalten. Vor ihrer HauZthür nahmen sie Abschied voneinander. William schien sehr niedergeschlagen zu sein. Auch Esther war nicht glücklich, ohne daß sie eigentlich wußte, warum. Sie hatte das erreicht, was sie wollte, aber sie hatte doch keine richtige Befriedigung davon. Es war ihre Absicht gewesen. William von sich zu entfernen und ihre Heirat mit Fred zu beschleunig.,,. Aber eben der Gedanke an diese Heirat, die sie noch vor kurzer Zeit so sehr herbeigesehnt, wollte ihr kein Vergnügen mehr gewähren. Sie war voller Zweifel an sich und an allen,. Sie hatte Fred von dem Kinde erzählt. Er hatte ihr vergeben. Nun aber fiel es ihr plötzlich ein, wie sie oft schon gehört hatte, daß Männer die Gewohnheit hätten, vor der Heirat alles zu vergeben, nach der Heirat aber bei dem ersten kleinen Zwist der Frau die vorher vergebenen Fehltritte vorzuwerfen. Ach ja, so würde es wohl auch bei ihr kommen! Sie hatte nun eben mal kein Glück im Leben, und sie wollte schon lieber über, Haupt gar nicht heiraten. Dieser Besuch in Tulwich hatte sie vollkommen verwirrt gemacht. Warum hatte sie William nicht lieber gleich fern von sich gehalten?— Sie fühlte, daß er eine gewisse Macht auf sie ausübte, und sie haßte ihn deshalb. Wozu brauchte er das Kind zu sehen? Was ging das Kind ihn an? Sie war ganz stumm gewesen; nun würde er dem Kinde nachstellen: und mit aller Gewalt der Eifersucht tauchte die quälende Frage in ihr auf, wie William wohl dem kleineu Jackie gefiele und welchen Eindruck er auf Mrs. Lewis gemacht habe. Endlich wurde der Wunsch, zu erfahren, was eigentlich vorgehe, unerträglich, und sie bat ihre Herrin um Erlaubnis, ausgehen zu dürfen. In ihrem Wesen dokumenfierte sich wenig von ihrer inneren Aufregung, aber die scharfen Augen der Miß Rice errieten doch, daß das Leben chres Dienstmädchens an einem kritischen Wendepunkt angelangt sei. Sie legte das Buch nieder, in welchem sie gerade las, richtete ein paar gütige, diskrete Fragen an Esther und erlaubte ihr, den Nachmittag über auszugehen. Als Esther an dem Häuschen der Mrs. Lewis anlangte, hörte sie diese schon durch die offene Thür sagen: „Nun mußt Du aber auch artig sein und nicht in den Garten gehen und Deinen neuen Anzug beschmutzen." Als Esther eintrat, war Mrs. Lewis eben damit be- schäftigt, dem Knaben eine hübsche Krawatte umzubinden. „So," sagte sie,«nun gehst Du und setzest Dich hübsch auf den Stuhl dort, wie ein artiger Junge, und wartest, bis Dein Vater kommt." „Ah, da kommt ja Mütterchen!" rief der Kleine und ent- wand sich Mrs. Lewis' Händen.„Sieh nur meinen schönen, neuen Anzug, Mütterchen, sieh!" (Fortsetzung folgt.)! kleines feuilleton. ot. Der Geburtstag. Auguste hatte ihre vier mitgebracht und Marie ihre Jüngste und Fritz den Großen, das machte mit Luiscns vieren zusammen gerade zehn. Ein Trippeln und Trappeln vom Wohnzimmer zur Küche, von der Küche den Korridor entlang nach der Schlafftube und zurück, ein Lachen und Schwatzen, und manch- mal auch ein wütendes Gequarr. „Aber richtig wie in einer Kleinkinder- Bewahranstalt," lachte die Großmutter. Ein gutes glückliches Lachen, sie strahlte über das ganze Runzelgesicht, sobald eins der Enkelchen erschien. „Jawoll... zum Vcrrücktwcrden," sagte Marie und hielt sich die Ohren zu, und heimlich zur Mutter geneigt:„Js ja auch un- erhört, kommt die Guste hier vier Mann hoch; bescheiden is se grade nich, unsre liebe Schwägerin." „Nu laß doch man.,." Die alte Frau gab ihr einen Wink. „Was giebt's denn?" fiagte die liebe Schwägerin vom Fenster her, wo ihr Luise eben den neuen Sommcrhut zeigte. „Ach nichts," erwiderte Marie. Guste schien jedoch trotzdem irgend etwas„im Gefühl" zu haben, sie rief nach dem Korridor hinaus:„Kinder haltet doch Ruhe, Wil- Helm, krakehl' nich so l Ich bin mit der ganzen Horde gekommen. Die Kleinen konnten doch nicht allein bleiben; na und die Großen zu Hause lassen, wo Rudi Geburtstag hat?" „Das ging nicht, das hätte Rudi übel genommen," bestätigte Marie mit hühnischem Ernst. „Jh. is überhaupt ganz nett, daß man se mal so alle beisammen hat," schmunzelte die Großmutter. „Weniger wär' mehr!" Marie zuckte die Achseln.„Oder soll ich vielleicht meine anderen vier auch noch rüberholen lasten? Na, ich bin nich so aufdränglich und komm gleich mit die ganze Fannlien- kutsche." Sie warf einen spöttischen Blick auf die Schwägerin, die in die Aorridorthür getreten war und wieder mal Ruhe zu stiften suchte. »Miezchen/ warnte die Großmutter, aber auch Luisens Augen blitzten auf; sie lachte glucksend. „Nu hättest se doch alle sechs bringen sollen, die Kinder wollen auch mal Kuchen essen." „Wer Kinder... warnte die Großnmtter zum zweiten Mal. „Na Mama,'s aber auch'n Skandal. Ihre drei Jungens futtern für sechse und essen mir für bald sechs Fröschen Pfannkuchen auf, und sie schenkt Rudi bloß'ne Groschendüte." „Poplig," nickte Marie. „Was habt Ihr denn zu lachen?" fragte©liste und kam wieder an den Tisch zurück. «Ooch— wir lachen bloß," sagte Luise. „Nu setz' Dich doch mal her, damir wir'ne halbe Stunde ge- mütlich plaudern können," sagte die Großmutter, ,'s is ja zu nett, daß wir mal alle zusammen sind". «Ich sitz' ja schon," lachte Guste.„Wer Rudi is selig I" „Wo is'n der überhaupt?" Luise horchte ängstlich auf. „Er sitzt in der Küche und spielt mit dem Pferd, das Tante Marie ihm geschenkt hat," beruhigte Guste. „Is denn das nicht Fritzens altes Pferd, Mieze?" „Altes Pferd?" Mieze reckte sich:„Das is'n sehr gutes Pferd, und mein Fritz hält sich seine Sachen; wenn da'n neuer Schwanz rankommt, iS's wie neu." „Und wenn'S frisch gemalt wird, merkt überhaupt keiner, daß schon drei Jahre mit gespielt ist," meinte Luise etwas ironisch. „Merkt auch keiner. Mein Fritz ist sehr ordentlich." Marie klirrte mit dem Löffel etwas hörbar gegen die Kaffeetasse:„Paß man auf. daß bis Ding»ich hier gleich kaput geht. Der Rudi is sowieso so wüst und muß immer gleich alles verhunzen." „Mein Rudi— wüst?" Luise legte ihr Stück Kuchen hin: »Nu, so was!" „Kind is Kind. Alle Kinder sind wüst," beschwichtigte die Großnmtter. „Ne, meine Kinder sind nich wüst," sagte Marie,„aber was macht'n der Rudi neulich? Ich will ihm was»ich geben, was er haben will, da nimmt er'n Bauklotz und schmcißt'n mir nach und natürlich fliegt er ins Fenster und'ne Scheibe is kaput." „Ach je, er hat'n Dir ja gar nich nachgeschmissen, er is ihm bloß aus der Hand geflogen." Luise kani in Eifer:„Und denn erzähl' man auch, was Deine Lotte gemacht hat; die legt ihre teure Celluloidpuppe auf den Herd, daß sie gleich in Flammen aufgeht." „Das hat aber nich meine Lotte gethan, das hat Deine Liese angerichtet; laß Dir man richtig erzählen." Marie lachte. „Nee, Deine Lotte hat's gethan und will's auf meine Liese schieben." Luise sagte es sehr bestimmt. „Na, bis is ja unerhört!" Marie stemmte die Arme in die Seiten:.Gewöhn' doch Deine Jähren'S Lügen ab, wie kann den« die Liese so schwindeln?" „Dis möcht' ich Dich von Deine Lotte fragen." „Aber Kinder...." Die Großmutter legte die Hand auf LuisenS Schulter.„Kinder, des is ja doch ganz ejal, alle Kinder machen mal Dummheiten und lügen mal, sie werden wohl die Puppe alle beide auf den Herd gelegt haben." „Des i-Z ja meine Lotte nich eingefallen," rief Marie entrüstet, „meine Lotte macht niemals Dummheiten, solch zartes Kind...." „Nee hör' mal, was sie macht." Luise sprang auf. Vom Korridor her klang ein wildes Geheule, ein Tohuwabohu von allen möglichen quiekenden, weinenden, scheltenden Stimmen. Ein wilder Knäul über einander purzelnder Kinder stolperte über die Schwelle. „Mama... Mama., »Mutta..." »Der Rudi der haut mir..." „Der Fritze hat anjefangen.." „Nee, Rudi reißt's Pferd de Mähne auZ.. „Nee Tante,'s war de Lotte..." Muh— uh— uh— Ein unartikuliertes Gebrüll verschlang alles Weitere. Sechs Kinderhände krallten und ballten sich um einen alten, schmutzigen, halbzerbrochenen Holzgaul. Dann rief eine helle Mädchenstimme:„Die Lotte hat nämlich 's Pferd haben wollen, Tante Marie, und dann hat es der Rudi festgehalten, und dann hat die Lotte gehauen, und dann is die Mähne ausgerissen, und dann hat der Fritz auch gehauen, und dann..." „Und Du sagst, daß mein Rudi'n wüster Junge is?"... Luise hatte ihren Jüngsten dem Knäuel entrissen und ihre Augen funkelten vor Wut:„Da sieh' mal, wie Deine zarte Lotte oies arme Kind verhauen hat." „Was muß er denn so quatsch sein mit sein'n Schimmel I Und da soll sich der Fritz wohl nich totärgern, wenn er sieht, daß sein gutes Spielzeug so verhunzt wird." „Denn Hütt' er's doch behalten sollen, Hcrrjeses l Hab' Dir doch nich uni den ollen Gaul, hat hier'n großen Mund um so'n ollen Gaul..." „Aber Luise." sagte die Großmutter. »Aber Mama," rief Marie,„da Hörste's, wie se's macht. Immer wird se gleich ordinär, ich schenk dem Bengel'n gutes Stück." „Jawoll, was Dir nich'n Sechser kostet, und denn redste noch über Guste, daß se bloß kommt mit'ner Jroschendüte." Luise sah die Schwägerin herausfordernd an. „Was hat sie?" Auguste fuhr auf. »Aber Luise, das hast D u ja gesagt," rief Marie. »Nein, bitte, lüge nur nich. Du hast wir zugetuschelt,'s wär' poplich." »Jawohl, nachdem Du Dich drüber lustig gemacht hast, daß se herkommt, um Kuchen zu essen. Oder hast Du das etwa nich gesagt? Mania sag' mal, hat sie's gesagt?" „Kinder vertragt Euch doch!" sagte die Großmutter.„Setz' Dich doch, Gustchen I Marie setz' Dich doch I Es war doch so nett." »Ich werd' mich setzen..." Auguste griff nach ihrem Hut und warf ihren Jungens die Mützen zu.»Ich gehe. Keinen Moment bleibe ich. Ich werde bei solchen Leuten bleiben, wo man sich über de Gäste lustig macht." .Mach' daß De raus kommst." rief Luise.„Mir liegt nichts an Gäste, die bloß zum Essen kommen." „Und gleich fünf Mann hoch!" schrie Marie hinterher. „Jawohl, fünf Mann hoch." setzte Luise hinzu. „Du laß Dich noch mal sehen! Komm ja nich wieder!" Sie warf die Thür hinter der Schwägerin inS Schloß, dann wandte sie sich hoch aufatmend der Mutter und der Schwester zu:„So. nu iS mir wohler. nu ich die los bin. Das sind überhaupt bloß die Jungens von die, die unsre Kinder verdorben haben." „Ja," nickte Marie,„natürlich nichts weiter." «So, nu komm, nu wollen wir Kaffee trinken.— Und Ihr geht in die Küche und seid artig." Sie schob die Kinder, die sich schon wieder friedlich an der Hand hielten, auf den Korridor. „Ja, haltet Ruhe l" rief Luise ihnen nach,„und betragt Euch, wie es sich für Kinder von anständigen Leuten gehört."— — Aus der Gerichtspraxis. Süddeutsche Zeitungen berichten folgendes: In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde vom damaligen Landgerichte W. eine Zählung der im Bezirke vorhandenen Hengste vorgenommen. Der Gemeindevorsteher v. R. berichtete: „ H e n g st befindet sich in diesseitiger Gemeinde keiner, mit Ausnahme des Herrn von Hirsch, welcher aber inzwischen gefallen ist." Gendarm X., der an der Straße ein großes hölzernes K r u z i fix wahrgenommen hatte, das umzufallen drohte, veriah seine hierüber erstattete Anzeige mit dem Rubrum:»Einen sicherheitsge» fährlichen Herrgott betreffend." Ein in den Strafakten des bayrischen ehemaligen Bezirksgerichts W. befindliches Leumunds- und Vermögenszeugnis lautete: „Sein Leumuth ist talentvoll und betragenswert; doch lebt er in eontumaciam(gemeint war Konkubinat). Vermögensverhältnisse hat derselbe keine."— Littcrarisches. e. k. Marie Schade:„Arbeit". Roman. Berlin. Konkordia.— Der Titel des Buches erweckt Erwartungen, die ge- täuscht werden. Was dahinter steckt, ist eine simple Künstlergeschichte. Auf der einen Seite sieht eine Frau, die sich in der Ehe mit einem ungeliebten Mann unglücklich wähnt. Dieser Gatte ist Kaufmann seines Zeichens; ein„Fatzke" nach dem Urteil der jungen Frau. Er heiratete sie, um sich mit ihrem Geldc ein wohllebiges Fanlenzer- dasein zu bereiten; sie nahm ihn, weil sie ein in Liebe unerfahrenes Gänschen war. Auf der andern Seite steht ein junger Bildhauer. Natürlich ist er„schön", dazu„genial" und sonst ein in puncto.Umgangsformen" etwas tollpatschiger Mensch. Die meisten Frauen sind sich, sobald sie Romane schreiben, daran gleich, daß sie die Dichter, Maler, Bildhauer, Musiker in ncunund- neunzig von hundert Fällen als ungeschlachte, grobklotzige blond- bärttge Vorkulttirindividuen hinstellen. Kurz und gut: die kleine „unverstandene" Frau und der Plastiker werden mit einander be- kannt. Aus der anfänglichen Freundschaft wird im Handumdrehen Liebe—„moralische" Liebe versteht sich. Durch Zufälligkeiten erfährt der Künstler, daß die Geliebte in zwar friedsamer, aber doch unglücklicher Ehe leben muß. Es ist also das nächste, daß er sie auffordert, mit ihm zu„verreisen". Zu festgesetzter Stunde verfällt die kleine Dame in ein Nervcnfieber. Er wähnt nun, sie habe ihn bloß zum Narren gehalten, und sie konnte sich ihm, trotz allernächster Nachbarschaft, nicht verständlich machen, weil sie ja im fieber lag. Beide bleiben also unbewußt nebeneinander, bis die ranke gesund ist. Jetzt kommt sie selber. Im Kranksein hat zwischen den Eheleuten ein gegenseitiges Geständnis stattgefunden: daß sie sich weder aus Liebe geheiratet, noch auch als Mann und Frau geliebt haben. Sie können also ruhig auseinandergehen. Die Frau schenkt dem Exgatten ein Landgut, damit er leben kann. Arm, wie sie nun ist, kommt sie zu dem geliebten Bildhauer, um fortan in„Arbeit" mit ihm glücklich zu sein. Es ist_ eine recht alt her- gebrachte Geschichte und, wenn man absieht von ein paar abgeguckten Gouvernantenansichten über Kunst und Liebe, matt wie Luisens Limonade. Schablone ist das Motiv. Schablonen sind die Menschen. schablonenhaft ist die Schreibweise. Schade— um Papier und Druckerschwärze!— Aus dem Pflanzenleben. e?. Fuchsien als Freilandpslanzen. Die Fuchsien gehören zu unsren beliebtesten und anspruchlosesten Zimmerpflanzen. So ziemlich jede Behandlung und Nichtbrhaudlung betrachten sie mit stoischer Ruhe, fhit steter Wachstumsfreude und austerordentlicher Bereitwilligkeit zu blühen. Oft werden Fuchsien im Sommer ins Freie, auf den Balkon, vor das Fenster, in den Garten gestellt, und gewöhnlich blühen sie in freier Luft weit üppiger als in der Stube. Jedermann wird aber seine Fuchsien im Herbst wieder in das Zimmer stellen, weil sie sonst unfehlbar im Winter draußen erfrieren würden. ZInsre Fuchsien sind meistens Kreuzungen von verschiedenen Arten, idie in den Bergen Mexikos, Perus und Cl>iles als Sträucher wachsen. KcS ist nun wenig bekannt, daß einzelne Arten von Fuchsien bei uns nuch im Freien überwintern, also ganz und gar als Frcilandpflanzen behandelt werden können. Allerdings erfrieren die Triebe über dem Boden gänzlich, aber der Wurzelteil bleibt unversehrt und aus ihm schlagen dann im nächsten Jahre neue Schosse hervor, die im Sommer und Herbst ihre schönen Blüten entwickeln. Hauptsächlich sind zwei Arten und ein Bastard sehr widerstandsfähig gegen Kälte. Das ist die Scharlach-Fuchsie(kuclisio cocciuca), die auch Magcllan-Fuchsie genannt wird, und die zierliche Fuchsie(lnidisia gracilis), sodann die Kreuzung?ncIiZia Riocartoniana. Besonders die Fuchsia gracilis eignet sich zu eineni Versuche, die schöne Pslanzengattung bei uns einigermaßnr zu acclimatisieren. In den wärmeren Teilen Deutsch- lands halten sich diese Fuchsien sehr gut im Winter. Auf der Insel Mainau im Bodensee steht ein großes Beet voller Fuchsien, denen der Frost nie etwas anhaben kann. Auf der Insel Man, westlich von England, die allerdings durch ihr mildes Klima bekannt ist. errreichte eine Scharlachfuchsic die riesige Höhe von 5 Metern. Zu solchen Prachtexemplaren können sich bei uns nun allerdings die Fuchsien nicht auswachsen. Wir müssen zufrieden sein, wenn sie bei uns im Winter nicht erfrieren und im Frühjahr von neuem aus der Erde hcrvortreiben. An der Nordseeküste sollen die winterharten Fuchsien häufig in Bauerngärten zu finden sein. Und zwar blühen sie dort om reichsten in magerem Boden in sonniger Lage. Aber sie gedeihen selbst im Halbschatten, werden hier sehr hock, blühen jedoch weniger üppig. Nun haben ja die Gegenden an der See weit mildere Winter, «ls wir im Binncnlande.?lber auch bei uns ist der Versuch mit Winterhärten Fuchsien nicht aussichtslos. Nur mutz man die Sträucher ganz anders in den Boden pflanzen, als dies sonst geschieht. Man »nutz sie nämlich so tief in den Boden stecken, daß der Wurzelhals LS Centimetcr unter die Bodenoberfläche zu liegen kommt. Flach gepflanzte Fuchsien erfrieren bei uns fast ausnahmslos, selbst wenn sie gut mit Laub und Tannenreijig zugedeckt werden. Dagegen dringt der Frost doch selten so tief in die Erde, zumal wenn Be- deckungsmaicrial über ihr liegt, daß er die Wurzeln einer tief- gepflanzten Fuchsia erreicht. Der Boden darf nicht an stehender Nässe leiden, er mutz trocken sein. Ist die Fuchsia erst einmal durch den Irrsten Winter gekommen, dann erfriert sie nicht mehr so leicht. Man wird natürlich gut thun, einer solchen Pflanze einen warnicn ge- schuhten Platz in der Nähe des Hauses oder an einer Mauer anzu- weisen. Sind die Fuchsien auch als Zimmerpflanzen etlvas alltägliche, weil allgemein verbreitete Pflanze», so nehmen sie sich doch als kleine Sträucher im Freien, wo sie außerdem viel stattlichere Blüten cnt- wickeln, sehr schön aus.— Astronomisches. ie. Frühlingsmeteore. Das zweite Viertel des Jahres hflegt an Sternschnuppen arm zu sein, wenigstens berühren in diesen Monaten keine eigentlichen Meteorschauer die Erdbahn. Dagegen kommen einzelne Feuerkugeln immer vor und geben Kunde von gc- wissen merkwürdigen Metcorgruppen, die, ähnlich den Kometen von kurzer Umlaufszcit, in Bahne» mit geringer Neigung gegen die Ebene der Erdbahn die Sonne umkreisen. Würden sich mehr Menschen auf der Erde mit der sorgfältigen Beobachtung von Meteoren abgeben, so würde man wahrscheinlich schon einige dieser Metcorgruppen in Ihrer Beschaffenheit und Bewegung genauer kennen gelernt haben, so Aber werden die Massen, die sich von Zeit zu Zeit aus ihnen loslösen und in das Luftmecr der Erde geraten, nur gelegentlich in ihrem Aufleuchten wahrgenommen. Jedes Jahr fügt aber lvenigstcns etwas zu unsrer Kenntnis von diesen strahlenden Besuchern der Erde hinzu. Wer überhaupt ein Meteor zu beobachten versteht, wozu vor allen Dingen die genaue Feststellung der von der Feuerkugel beschriebenen Bahn gehört, der kann, auch ohne gerade Astronom von Beruf zu sein. wertvolle Beiträge zur Förderung der Himmelskunde liefern. Der lbcstc Kenner der Meteore, Professor Denning, hat jetzt die Angaben von mehr als Ivb Meteoren zusammengestellt, die im Lauf der letzten zehn Jahre während der Frühlingsmonate beobachtet worden sind. und hat gefunden, daß diese Himmelserschcinungcn am häufigsten in folgende Zeiten fallen: 1. bis 5., 8. bis 12., 19. bis 22. April; 2. bis 6., 11. bis 16., 24. bis 28. Mai; 8. bis 10. Juni. Man kann noch genauere Ratschläge für das Studium von Meteoren in diesen Monaten gebem In den ersten drei Stunden nach Sonnen- Untergang ist die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Meteoren größer, als in den späteren Nachtstunden. In den Tagen vom 19. bis 22. April sehe man nach der Himmelsgegend, wo das Sternbild idcr Leier steht; der Mond wird in dieser Zeit die Beobachtungen nur wenig stören. Auch für die Tage des 8. bis 10. Juni ist das Fchlen des Mondscheins in den Abendstunden der Metcorforschung günstig. Immerhin kann man auch an den Abenden der anderen bezeichneten Tage nach Sternschnuppen ausschauen, weil diese, wenn auch ver- einzelt, dann doch so glänzend auftreten, daß sie scheinbar auch den Mond in Schatten setzen. Denning hat zuweilen Meteore von so er- staunlicher Helligkeit beobachtet, daß sie selbst bei fast vollem Mond- schein durch ihren Glanz besondere Schatten warfen. Im April pflegen schöne Meteore auch aus den Sternbildern der Jungfrau und der Wage zu kommen, im Mai aus denen der Schlange, des Skorpions und des Schlangcnträgers. im Juni aus der Himmelsgegend des Skorpions. In der Regel bewegen sich die Feuerkugeln in diesen Monaten sehr langsam und in langer Bahn über den Himmel und gehen meist von Punkten in der Nähe des Horizonts aus.— Bergbau. — Der Gold- und Antimonbergbau in der Niederen Tatra wird nach Professor Dr. Partsch bei dein Dorfe Magurka, unweit des Bades Zclesno, betrieben. Im Granit des Hauptkammes treten drei Quarzgänge mit Antimonerz auf, in dessen Nähe auch der Goldgehalt am reichsten zu sein pflegt. Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts wurden diese Erze ausgebeutet, und zwar, wie am 5lrivan und an andren Stellen, lange Zeit von deutschen Bergleuten. Deutsch sind heute noch die Namen der Stollen, die technischen Ausdrücke und der BergmannSgruß„Glück auf". Sonst herrscht durchaus das slawische Idiom der Slowaken vor, die jetzt die Arbeiten ausführen. Die Gruben öffnen sich in einem Höhengürtel von 1100 bis 1400 Meter in den steilen Thalfurchcn, die bei Magurka den Berghang gliedern.. Das Ergebnis war im Vergleich zu den Aufwendungen nur so lange befriedigend, als der Preis für das Antimon, das namentlich als Lettcrnmaterial geschätzt wurde, ein hoher blieb. Mit dem Sinken der Preise und der gleichzeitigen Ver- teuernng des Holzes gestaltete sich der Bergbau indes ziemlich un- lohnend. Die Goldsörderung giebt dabei nicht den Ausschlag, da sie sich nur auf ein Pfund im Monat beläuft, also in keinem Verhältnis zu den Kosten für die 180 Mann starke Belegschaft steht, von andren Dingen ganz abgesehen. Immerhin verdankt man dem Bergbau die einzige wirklich gute Straße, welche Magurka und Zelesno über Luzsna mit der großen Thalstraße nach Rosenberg oder RozSahegY am Fuße des aussichtsreichen Choc verbindet.— (..Globus".)j Technisches. y. A n f e u ch t e r f ü r B u r e a u z>v e ck c. DaS Anfeuchten der Converts, Marken k. kann nicht unwesentlich beschleunigt und ver- einfacht werden, wenn man sich dazu eines hierfür besonders kon- strnierten Anfeuchtcrs bedient. Diese Vorrichtung besteht auS einem gut vennckelten Gefäß von etwa 12 Centimeter Länge, das im Jnneru hohl ist. Dieser Hohlraum wird durch einen versckiließbaren Aufsatz mit Wasser gefüllt. Die Vorrichtimg besitzt über dem Wasser- räum eine mit Stoff überzogene Saugplatte, die mit Hilfe eines Dochtes, der durch ein Loch in den Wasierraum hineinreicht, ständig naß gehalten wird. Ueber der Saugplatte ist eine bewegliche Klappe vorgesehen. Will man nun mit Hilfe dieser Vorrichtung Converts ie. anfeuchten, so legt man den gummierten Streifen auf die feuchte Platte, drückt die federnde Klappe herunter und hat nun den Gummi gerade genügend naß gemacht, um ein gutes Kleben ohne über- schüssiges Wasserauftreten zu erzielen. Da das Anfeuchten der Marken, Converts je. mit dem Munde eine gesundheitlich sehr be- denkliche Unsitte ist. so hat ein derartiger Anfcuchter für Comptoir- zwecke nicht nur direkt praktischen, sondern auch großen hygienische» Wert.— Humoristisches. — Kindermund. Besuch:„Daß Sie nicht mehr Klavier spielen?" Hausfrau:„Der Arzt hat es mir verboten." Der kleine Karl:„Gelt Mama, drum hat er eine Oblate drauf geklebt."— — Scherzfrage.„Wo giebt es das meiste und billigste Radium?" Antwort:„In den Münchner Bräuhäusern, da ruft alle Augenblicke jemand: Radi um a Fünferl!"— — Boshafte Aufklärung. Aelteres Fräulein: „Ein zu netter Mensch, der Herr Oberförster I Diesen Morgen be- gcgncte ich ihm auf eineni verbotenen Wege, gleich ging er aber ins Gebüsch, damit er mich nicht zu sehen brauchte." Herr:„Ja, ja, er soll sehr abergläubisch sein!"— („Meggcndorfer Blätter.") Bnchereiulanf. — K. Przerma-Tetmajer:„Melancholie". Roman. Dr. I. Marchlcwski u. Co. Preis 3 M.— — Richard v. W u r in b:„Ein B a u s p e k u l a n t Roman. Dresden und Leipzig. Heinrich Mnden. Preis 3 M.— — G. U S p e n k i j:„Novelle n". München. Dr. I. March- lewSki u. Co. Preis l.SO Di.— — S. Juschke witsch:„Die Parias". Roman. München. Dr. I. Marchlewski u. Co. Preis 2 M.— — Karl Müller-Pohritz:„Max B urkert". Drama. Dresden. E. Pierson. Preis l.SO M.— — E. Tschirikow:„DieJuden". Drama. München. Dr. I. Marchlewski u. Co. Preis 2 M.— Perantwortl. Redakteur: Paul Büttner. Berlin.— Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckcrei u.VerlagsanstaltPaul Singer LcCo., Berlin S W,