Ilnterhaltungsblatt des'Vorwärts Nr. 93. Mittwoch, den 11. Mai. 1904 001 (Nachdruck verboten.) SstKer Maters. Roman von George Moore Am Tage des Rennens kam Sarah um drei Uhr nach- inittags nach dem„ftings Head"; aber es war noch keine Nach- richt vom Rennplätze eingetroffen. ,„Willst Du nicht lieber hier in mein Zimmerchen kommen, wir sitzen da viel bctzagltclier?" sagte Esther. „Nein, danke« Liebchen: es lohnt nicht, ich kann ja doch nicht lange bleiben. Ich wollte nur eben mal hören, wer ge- Wonnen l,at." „Hast Du viel drauf gesetzt?" „O nein: nur fünf Schilling. Aber ich habe einen Freund, der'ne ganze Menge drauf hat. Du hast ja ein neiles Kleid an, Esther, wann, hast Tu es bekoinmen?" „Ich habe das Zeug schon längere Zeit liegen gehabt: ich habe es aber kürzlich erst machen lassen: gefällt es Dir?" Sarah sagte ja, sie fände es sehr hübsch: aber Esther konnte ihr ansehen, das; sie dabei an ganz andre Dinge dachte. Plötzlich sagte Sarah: „Jetzt ist das Reimen schon vorüber: um halb drei hat's begonnen." „Ja, aber sie sind ja nie so ganz pünktlich: es kann sehr Wohl auch'ne Verzögerung eingetreten sein." „Du weiht jedenfalls alles gcnan darüber, nicht wahr? Man hört ja hier von gar nichts anderm sprechen." Esther fragte Sarah, wann ihre Herrschaft in die Stadt zurückkehre. Darauf nahm Sarahs Antlitz einen andern Ausdruck an. „Wir erwarten sie morgen zurück: warum fragst Du?" „Ach, nichts, kein besonderer Grund, nur so, um etwas zu sagen." Beide Frauen schwiegen und blickten einander an. In diesem Augenblick hörte mau eine Stimme in der Strohe laut rufen:„Das Rennen! Das Rennen!" „Ich werde daS Blatt holen," sagte Esther. „Nein, nein: lieber nicht: wenn er nun doch nicht ge- Wonnen hätte!" „Na, das ist ja ganz egal!" „Nein, Esther, nein: laß es lieber sein: es wird schon Irgend jemand kommen, der uns die Nachrichten bringt." Tie Stimme des Ausrufers draußen in der Straße wurde schwächer und immer schwächer, bis man nur noch ganz aus der Ferne das verhängnisvolle Wort:„Die Rennen! Die Nennen!" ertönen hörte. „Nun ist's zu spät," sagte Sarah,„er ist schon über alle Berge. Es wird schon irgend jemand herkommen, der uns erzählt, tver gewonnen hat: ich glaube überhaupt gar nicht, das; das ein Blatt war. Diese Jungen sind so niederträchtig: die rufe» aus lauter Ulk so etwas auS." Wieder hörte man den Ruf:„Die Reimen! Die Nennen!" Und die Stimme näherte sich tvieder dem Hause. „Wenn er gewonnen hat." flüsterte Sarah,„will Bill mich heiraten: aber ich habe so'ne Ahnung, als ob er nicht ge- Wonnen hat." „Die Rennen!" ertönte es von draußen. „Wir wollen doch gleich sehen." Esther nahm einen halben Penny aus der Tasche. „Wollen wir nicht lieber noch ivarten? Die Wahrheit kann ja jetzt noch gar nicht gedruckt sein: und wenn es nun nicht richtig wäre!" Esther antivortete ihr nicht. Sie gab Charles das Geld. schickte ihn hinaus, und wenige Sekunden später kam er zurück mit dem Blatte in der Hand. „Tornado der Erste, Ben Johnson der Zweite, Wood- craft der Dritte," las er lauter. „DaS ist gut für unfern Herrn. Ich glaube, es haben sehr wenige nur auf Tornado gesetzt. Der Herr kann also nicht viel verloren haben." Sarah war totenbleich geworden „Also er war nur der Zweite! Und alle behaupteten Koch, er müßte sicherlich' gewinnen." „Ich hoffe, daß Dil nicht viel verloren hast; �aber hier Hei uns hast Du doch nicht gewettet?" „Nein, hier nicht? ich habe überhaupt nur ein paar Schillinge drauf stehen: das schadet nichts. Kannst Du mir etwas zu trinken geben?" „Was willst Du trinken?" „Ein Glas Whisky." Sarah trank das Glas in einem Zuge leer. Csthev sah sie verwundert an. Esther wußte, daß während der nächsten zwei, drei Stunden das Lokal leer bleiben würde: sie woNe diese Zeit für sich benutzen, um einige Einkäufe zu machen� und forderte Sarah uns, mU tyr zu gehen. Aber Sarah be- hauptete, müde zu sein, und wollte lieber hier sitzen bleiben, bis Esther zurückkäme. So ging Esther denn allein. Sie blieb etwas länger fort. als sie geglaubt hatte, und als sie zurückkain, sah sie mit Eilt- setzen Sarah im Gastzimmer umhertaumeln und Charles um noch ein Glas anbetteln. „Blödsinn!" sagte sie mit heiserer Stimme,„wer sagt, daß ich betrunken bin? Ich denke nicht daran: ich denke nicht daran: ich bin nicht betrunkener als Sie oder ein andrer. Das Pferd hat nicht gewonnen, sagt Ihr? Ich aber sage, es hat gewonnen: es muß gewonnen haben. In diesen Zeitungen steht nur verdammter Blödsinn." „O, Sarah, Sarah, was ist denn los mit Dir?"''''' „Wer ist das? Was wollen Sie? Lassen Sie mich los?" „Mr. Stack, bitte, helfen Sie mir doch, sie oben hinauf zu führen." „Hinauf? Ich will nicht hinaufgehen. Ich lasse mich nicht dazu zwingen: ich bin ein freies Weib. Sagen Sie mir doch," sagte sie, während sie sich hin lind her schaukelte und Esther mit stumpfen, glanzlosen Augen ansah,„bin ich ein freies Weib oder nicht? Wozu soll ich denn oben hinauf- gehen?" „Du sollst Dich oben ein bißchen hinlegen, Sarah: Du sollst so nicht hinaus auf die Straße gehen." „Ich will nach Hause gehen, laßt mich los: laßt mich los!" sagte sie und schlug auf Esthers Hand, die ihren Arm fest- zuhalten versuchte. Und dann begann sie zu singen. „Denn gestern nacht waren wir alle betrunken, Und betrunken die Nacht vorher, Und wenn wir uns heute nicht wieder betrinken, So betrinken wir uns niemals mehr!" „Das haben wir früher immer gesungen, wenn wir zu- sammen spazieren gingen: ja. da sahen die Mädchen schön aus niit ihren Federn und Bändern, und waren so lustig und tanzten den ganzen Weg entlang. Da hat man sich amüsiert! Mädchen und Jungen, alle zusammen,"— und noch einmal sang sie: „Denn gestern nacht waren wir alle betrunken, Und betrunken die Nacht vorher, Und wenn wir uns heute nicht wieder betrinken, So betrinken wir uns niemals mehrt"' Esther hatte ihr ganz entsetzt zugehört. „Sarah, so höre doch, was ich Dir sage." „Hören? Ich will nicht hören. Wir wollen noch eins trinken." Sie taumelte an den Schanktisch heran. „Nur noch ein Glas, ein letztes, das soll Glück bringen," murmelte sie. Und bevor Charles noch die Hand ausstrecken konnte, hatte sie ein eben eingeschenktes Glas Whisky ergriffen und es leer getrunken. „Das war mein Glas!" rief Journeyman: aber es war zu spät, und Journeyman schien so entsetzt über den Verlust seines Whisky, daß unwillkürlich alle in lautes Gelächter aus- brachen. Aber plötzlich fiel Sarah vorn über und gerade in seine Arme hinein. Er und Esther trugen sie zusammen die Treppe hinauf und legten sie in dem kleinen Fremdenzimmer aufs Bett. „Die wird morgen keinen schlechten Kater haben!" sagte Journeyman. „Wie konnten Sic ihr nur so viel zu trinken geben?" sagte Esther vorwurfsvoll zu Charles. Und der ganze Vorfall schien sie so peinlich zu berühren, daß aus Rücksicht auf sie keiner mehr davon sprach. Esther hatte das Gefühl, als ob etwas Entsetzliches passiert sei. Sie fühlte, daß Sarah sich absichtlich betrunken hcäte. Und warum sollte sie dies geihan haben, wenn sie nicht irgend ein schweres Unglück oder tiefer Kummer bedrückte? William� der inzwischen zurückgekommen, war der gleichen Nnsicht. Es müßte etwas sehr Ernstes passiert sein. Als sie abends in ihr Zimmer hinaufgingen, sagte Esther zu ihm: „Das kommt alles bloß von diesem furchtbaren Wetten; die ganze Stachbarschaft ist schon ruiniert; einer nach dem andern verliert sein Haus und seine Möbel, und schließlich wird man uns noch die ganze Sache zur Last legen." „Weißt Du, Esther, es macht mich nachgerade wild, Dich so reden zu hören. Die Leute wollen doch nun mal wetten; wer kann sie davon zurückhalten? Ich bestehle sie doch nicht; ich nehme nur ihr Geld an, wenn sie's mir bringen. Und da behauptest Du nun, ich hätte schuld daran, wenn sie nachher ihre Vtöbel versehen und ihre Kleider verkaufen." Esther gab hierauf zuerst keine Antwort, endlich sagte sie: „Ich mutz nun mal nach Sarah sehen." Sie ging hinein, faßte die Schlafende beim Arm und rüttelte sie leise. Endlich erwachte Sarah. „Wo bin ich? Was ist passiert?" fragte � sie.„Nehmt das Licht fort von meinen Augen; o, wie thut mein Kopf weh!" Ihr Kopf fiel schwer auf das Kisfen zurück, und Esther glaubte schon, sie sei wieder eingeschlafen. Aber gleich darauf öffnete sie die Augen, stützte sich schwerfällig ans einen Ellbogen und sagte: „Wo bin ich denn eigentlich? Bist Du das, Esther?" „Ja, Du bist bei mir: weißt Du das nicht mehr?" „Nein; ich weiß überhmlpt nichts mehr. Ich weiß nur noch, daß das Pferd nicht gewonnen hat. Aber weiter weiß ich auch nichts. Und dann— dann Hab' ich mich betrunken. nicht wahr? Es kommt mir wenigstens so vor." „Ja, als Du hörtest, daß das Pferd nicht gewonnen habe, hast Du zu viel getrunken; das war sehr unrecht von Dir, Dich so gehen zn lassen." „Mich gehen zu lassen? Betrunken? Was schadet das alles? Mit mir ist's nun doch zu Ende!" „Hast Du denn wirklich so viel verloren?" „Es handelt sich nicht um das, was ich verloren, sondern uni das, was ich genommen habe. Ich habe Bill das ganze Silberzeug zum Versetzen gegeben; es ist alles fort, alles; und morgen kommt die Herrschast zurück. Sprich lieber gar nicht darüber. Ich habe mich nur betrunken, um es zu vergessen." „O, Sarah! Das ist ja schrecklich! Aber wie ist das denn alles gekommen? Nun sage mir doch endlich alles." „Ich will lieber nicht darüber sprechen. Ich will auch uicht daran denken. Sie werden bald genug kommen, um mich zu holen. Außerdem kann ich mich jetzt auch auf gar nichts besinnen. Mein Mund brennt so fürchterlich. Gieb mir doch zu trinken. Nein, kein Glas, die ganze Karaffe!" Gierig trank sie von dem frischen Wasser und schien sich dadurch ein bißchen zu erholen. Esther bat sie noch einmal, ihr zu erzählen, welche Bewandnis es mit dem versetzten Silber- zeug habe. „Du weißt doch, daß ich Deine Freundin bin, so sage mir doch nun alles. Ich will ja versuchen. Dir zu helfen." „Mir kann jetzt keiner mehr helfen; mit mir ist's zu Ende; laß sie nur lieber kommen und mich holen,, ich werde ruhig mit- gehen, werde kein Wort mehr sagen." Sie brach in lautes Schluchzen aus. „Für wieviel ist es denn versetzt worden? Weine doch uicht so," und sie nahm ihr eignes Taschentuch und trocknete Sarahs Thränen damit.„Für wieviel ist es denn versetzt worden? Vielleicht leiht mir mein Mann das Geld, damit wir es auslösen können." „Das nützt nichts, mir kann keiner Helsen, Esther; ich kann ja nicht darüber sprechen; ich werde sonst wahnsinnig." „Sage mir doch nur, wieviel Du darauf bekommen hast?" „Dreißig Pfund." Esther begann sie jetzt auszukleiden, aber das war eine schwere Aufgabe. Alle paar Minuten schien sie in Bewußt- losigkeit zu versinken. Dann raffte sie sich wieder auf und streifte ein paar Kleidungsstücke ab. Als Esther in ihr Schlaf- himmer zurückkam, schlief William schon; sie stellte sich neben rhn hin und rüttelte ihn an der Schulter. „Die Sache ist noch viel schlinimer, als ich glaubte!" schrie sie üjm ins Ohr.„Ich will es Dir erzählen." „Was denn?" fragte er und öffnete schläfrig die Augen. „Sie hat das Silberzeug ihrer Herrschaft für dreißig Pfund versetzt, um auf das Pferd setzen zu können!" „Welches Pferd?" „Ben Johnson." „Der ist zum Glück kurz vor dem Ziel zusammengebrochen, sonst wäre ich ruiniert gewesen. Die ganzen Leute hier herum hatten ja auf ihn gesetzt! Und um auf den zu wetten, hat sie das Silberzeug versetzt? Das hat sie sicher nicht für sich selber gethan; den Gedanken muß ihr jemand anders eingegeben haben." „Ja, gewiß; Bill Evans." „Aha, der verdammte Schurke! Das sieht ihm ähnlich; aber ich dachte, sie hätte ihn endgültig verlassen? Sie hatte uns doch versprochen, daß sie nichts mehr mit ihm zu thun haben wollte!" „Ja, aber sie sagt, sie liebe ihn so sehr, daß sie nicht anders könne. Es giebt viele solche Frauen." „Wieviel hat sie denn auf das Silberzeug bekommen?" „Dreißig Pfund." William stieß einen lauten Pfiff Zwilchen den Lippen hervor, dann setzte er sich mit einem leichten Ruck empor und sagte: „Sie darf hier nicht bleiben'; hier nicht; denn wenn die Sache rauskommt und man hört, daß sie es des Wettens wegen gethan hat, so kann uns das eklig in die Bude regnen. Man hat ja ohnehin schon Verdacht auf uns. Dein früherer Liebhaber, der Kerl aus der Heilsarmee, der sucht ja schon überall nach vereidigten Aussagen gegen uns." „Sie wird morgen in aller Frühe fortgehen. Aber ich dachte. Tu könntest ihr vielleicht das Geld leihen, um die Sachen auszulösen." „Was! Ich! Dreißig Pfund?" „Es ist viel Geld; ich weiß es; aber ich dachte. Du würdest es vielleicht im stände sein; Tu hast doch bei diesem Rennen sicherlich viel gewonnen?" „Na ja, aber vergiß doch nicht, wieviel ich den Sommer über verloren hatte. Das ist seit langer Zeit wieder mein erstes bißchen Glück gewesen." „Aber vielleicht könntest Tu es doch thun," wiederholte Esther. Sie stand neben dem Bett und blickte auf ihn herab. Es wollte ihm in diesem Augenblick scheinen, als gäbe es keine bessere Frau als sie auf der ganzen Welt; und er sagte: „Wenn Du es willst, Esther, so haben dreißig Pfund nicht mehr Wert für mich, als ein Penny." „Und ich bin doch keine verschwenderische Frau, nicht wahr, Bill?" sagte Esther liebkosend, setzte sich aufs Bett und schlang ihre Arme um ihn.„Ich habe Dich doch noch nie zuvor um Geld gebeten: und sie ist meine Freundin und Deine auch; wir kennen sie nun schon so viele Jahre. Wir können sie doch nicht ruhig ins Gefängnis gehen lassen, ohne nicht wenigstens einen Versuch zu machen, sie zu retten. Nicht wahr, Bill?" lFortsetzung folgt.). (Nachdruck verboten.) Die Balzzeit. Der Ausdruck„Balzen", der ja auch in scherzhafter Form auf den liebeglühenden Jüngling angewendet wird, der vor seiner An- gebeteten„herumschwänzelt", kommt in der Jagdsprachc nur den Vögeln zu. Er bezeichnet das Liebeswerben deS Hahns um die Henne, daS sich in Tänzen, Sprüngen, zärtlich llingenden Tönen usw. äußert und bei manchen Vögeln sogar bis zu einer Art Verzückung führt, die sie gegen äußere Eindrücke unempfindlich macht. Leider respektiert der Jäger, der doch sonst so eifrig sein Wild hegt und pflegt, die Balzzeit einiger Vogelarten gar nicht. Er schießt abends und morgens die ziehende Waldschnepfe auf dem Anstand, er stellt dem Auerhahn und dem Birkhahn nur in dieser Zeit nach. Die Erklärung dafür ist nicht leicht gegeben. Bei dem Auerhahn kann ja als Entschuldigring angeführt werden, daß er zu andern Zeiten des Jahres kaum zu erlegen ist, weil seine große Vorsicht ihn- vor den Nachstellungen des Jägers bewahrt. Bei Schnepfe und Birkhahn kann aber diese Entschuldigung nicht gelten, denn diese Wildartcn sind auch im Herbst auf der Suche ohne allzugroße Schwierigkeiten zu erlegen. Es handelt sich da wohl um eine von Alters her über- komniene üble Gewohnheit, die schwer zu bekänipfcn sein wird. Denn es giebt kaum eine andre Jagdart, die von der Natur selbst mit so großen Reizen umkleidet wird. ... Zwischen den Spirding und den Warnoldsee schiebt sich weit hinein eine breite Landzunge, die in eineni undurchdringlichen Rohrdickicht endigt. Davor liegen schwimmende Wiesen, die noch nie eines Menschen Fuß betreten hat, über unergründlichem Moder. Noch weiter zurück bedeckt niedriger Buschwald den schwarzen Boden. TaS ist ein Dorado für alle Vögel, die in Sumpf und Ried nisten. Dort brütet an unzugänglichen Stellen der stolze Schwan, der wachsame Kranich, die scheue Rohrdommel, der Reiher, dort findet man den seltenen, schwarzeni Storch und das kleinere Getier, wie Enten, Taucher, Scharben, Schnepfen usw. Dort balzt auch der Birkhahn. Der Grünrock, zu dessen Revier dies Dorado der Vögel gehört» 371 ertönen hütet es wie feinen Augapfel. Da darf sich kein Fuchs zeigen, sonst das weiße Untergefieder sichtbar ist, die Flügel halb ausgebreitet, ist er nach wenigen Tagen weggefangen. Die Rohrweihe, diesen den Hals weit vorgerect Dazu lassen sie ein dumpfes Stullern schlimmen Nefträuber, erlegt er mit der Kugel oder mit sicherem Schrotschuß, wenn sie zum Horft zurüdfehrt, um die Jungen zu aben. Und dort weilt er am liebsten, wenn das Liebesleben der Vögel beginnt. Auf einer höher gelegenen Stelle, die mit dichtem Eichengeftrüpp bestanden ist, hat er sich eine Rasenhütte erbaut als Unterschlupf für die Nacht. Der Boden ist mit Stroh und einer alten Belzdece belegt genügende Bequemlichkeit für einen Waidmann, der so manche Nacht im Walde kampiert. In diesem Wiefenhotel", wie der Besizer es getauft hat, war ich für einige Nächte eingekehrt. Es unterscheidet sich vorteilhaft von allen andern Hotels, die ich kenne. Zwar giebt's darin keine elektrische Beleuchtung, aber dafür leuchtet der Mond, und ganz kostenlos wird dem Gast die köstlichste Schlummermusik bereitet. Sie wiegt ihn in sanfte Träume und empfängt ihn beim Erwachen mit füßen Melodien. " Jezt erscheint der dritte Hahn auf dem Play, ein alter Kämpe, dem ein ungeschickter Schüße einen Ständer abgeschossen hat. Komisch sieht es aus, wie der Bogel auf dem einen Fuß daherhoppst. Doch sein Ansturm ist so unwiderstehlich, daß die Nebenbuhler weichen. Der eine stiebt davon... Nun ist es Beit, das Gewehr an die Backe zu bringen. Ein doppelter Knall- das Spiel ist aus. Die Sonne war schon über den Horizont emporgestiegen, als ich den Schirm verließ; geschoffen hatte ich nicht mehr, obwohl noch ein Duhend Hähne rings um meinen Stand ihre Kämpfe ausgefochten hatten. Da hatte ich auch die Hennen zu Gesicht bekommen. Dicht an den Boden geschmiegt, von dessen wechselnder Färbung ihr unscheinbares rostbraunes und gelbliches Gefieder wenig absticht, saßen fie still da, nur ab und zu hob eine den Kopf; vielleicht wollte sie dem Sieger einen verheißenden Blick zuwerfen. Friz Stowronnet. Kleines feuilleton. Am Abend hatten wir die Birkhähne„ verhört". Das heißt, wir hatten aus sicherem Versteck beobachtet, wo die Hähne am Abend einfielen. Dorthin tehren sie am nächsten Morgen zurück, um ihre Liebestanze aufzuführen. Nach dem Abstreichen der Hähne wurde der nächste Busch mit Hilfe einiger Tannenäfte zum Schirm" her gerichtet, der dem Jäger Dedung gewähren soll, dann schnurten" wir gemächlich dem Wiesenhotel zu. Ein dienstbarer Geist hatte Konzerte im Warenhause. Richard Strauß hat in New allerlei gute Dinge in fester und flüssiger Form dorthin geschafft. York im Warenhause von John Wanamaker zwei Konzerte veran Bald lagerten wir an einem hellfladernden Feuer und labten uns ftaltet. Der Frankfurter Zeitung" liegt eine Einladungskarte, mit an Speise und Trank. der Herr Wanamaker seine Kundschaft auf die musikalische GeAch, wer doch die zauberhafte Schönheit solch einer Frühlings- legenheitsware aufmerksam machte, vor; in deutscher Uebersetzung nacht mit Worten erschöpfen könnte! Im Westen, über dem Warnold, lautet sie: von dem das unermüdliche Geschnatter der Enten herübertönte, stand Das Warenhaus Wanamaker zeigt an, daß zwei glühend das Abendrot. Fächerförmig schossen die Strahlen bis zum Richard Strauß Konzerte Zenith empor. Allmählich verblaßten sie zu einem hellen Schein, Samstag d. 16. April und Montag d. 18. April der nicht ganz berblich, sondern über den nördlichen Himmel nach abends 84 Uhr Often wanderte, bis das wiederkehrende Tagesgestirn ihm neuen stattfinden werden. Glanz verlieh.. Aus dem Moor ringsum stieg der Nebel. Hier wir werden die Ehre haben, der Kundschaft unsres New Yorker Ge lagerte er dicht geballt über der Wiese, dort zog ihn ein leiser Lufthauch zu langen Schleiern aus, die zwischen den niedrigen Birken und Kiefern zerflatterten. Ein feiner Dunst stieg aufwärts( der das Drchester bei allen seinen eigenen Kompofitionen persönlich und verhüllte die Sterne, sodaß es ausfah, als blingelten fie schläfrig wie ein müdes Auge.. " Stummt, ergriffen hatten wir dem Leben und Weben der Natur gelauscht. In solchen Augenblicken scheut man sich, die weihevolle Empfindung durch ein Wort zu stören. Denn man fühlt, man erlebt es mit, dieses Pulsieren der neu erwachten Lebenskraft. Das Feuer war heruntergebrannt. Einen Augenblick hatten die getrockncten Aleste rotglühend gestanden, bis sie zusammenſanken zu Asche, in der nur ab und zu noch ein Fünfchen aufbrannte. Da nickten wir uns zu und schoben uns ein in das weiche Lager. Erst nach Mitternacht war das Getier verstummt. Doch kaum für eine Stunde wird es still im Moor und Nied, denn sobald sich im Osten die lichten Wolfen rötlich zu färben beginnen, erwacht auch das Leben wieder. Zuerst werden die kleinen Meisen munter; fie weden die Buchfinken und Drosseln. Die Lerche ist mit unter den ersten. Wie aus weiter Ferne hört man ihr Lied: sie ist hoch gestiegen in den blauen Wether hinauf, um früher als alle anderen von den Strahlen der aufgehenden Sonne getroffen zu werden. schäfts auf Grund besondrer Abmachung zu präsentieren: Dr. Richard Strauß dirigieren wird) Mme Strauß de Ahna Sopranistin Leopold Lichtenberg Violinisten die Sinfonie- Kapelle von Wehler ( hundert Musiker). " Von den Und dazu das vielstimmige Konzert! Dicht vor uns stand gleich einer Säule ein Mückenschwarm. Ein leise summender Ton ging von ihm aus, wie von einer Saite, die sanft nachklingt. Wie der Grundton des Basses flingt es jetzt dazwischen Das ist ein großer Käfer, der um den Lichtschein summt. Hoch über uns ziehen Enten mit pfeifendem Flügelschlag vorbei. Jetzt hört man deutlich, Sodann werden die Kunden des Warenhauses des näheren bewie sie auf den See einfallen, von vielstimmigem Schnattern der deutet, in welcher Weise sie sich Billets für die beiden Strauß- Konzerte Gefährten begrüßt. Einen Augenblick verstummt alles, denn nun fichern können. erklingt das dumpfe lump, uump" der Rohrdommel, das schauerlich k. Schottischer Humor. Einige hübsche Blüten schottischen genug fich anhört, um abergläubischen Gemütern Schrecken einzu- Humors entnehmen wir dem soeben erschienenen zweiten Bande der flößen. Und nun ein neuer Ton: ein deutliches Meckern. Das ist" Erinnerungen" des Dr. John Korr. Warum ein Pfarrer seine die Bekassine, die der Voltsmund„ Haberbod" und" Himmelsziege" Gemeinde verläßt, geht aus folgender Erklärung hervor, die ein getauft hat. schottischer Licentiat, dem gegen ein kleines Gehalt eine Missionsstation unterstand, an dem letzten Sonntag, den er in seinem Pfarrbezirk verbrachte, seiner Gemeinde abgab. Vor der Predigt teilte er mit, daß er zum Gefängnisprediger ernannt sei und sagte, er hätte drei Gründe, um seine Gemeinde zu verlassen:„ Erstens berlasse ich Euch, weil Ihr Gott nicht liebt, denn nur sehr wenige von Euch tommen regelmäßig in die Kirche; zweitens weil Ihr Euch einander nicht liebt, denn während der drei Jahre, seit ich Euer Prediger bin, hat es feine Heiraten unter Euch gegeben; und drittens liebt Ihr mich nicht, den Ihr habt sehr wenig zu bem fleinen Einkommen, das ich beziehe, beigetragen. Ueber diesen Gegenstand habe ich weiter nichts mehr zu sagen schottischen Schauspielern werden nicht weniger humoristische Züge erzählt, als von den Predigern, tas z. B. folgende Geschichte von dem Schauspieler Alexander vom Noyal- Theater in Glasgow beweist, der ein„ kläglicher Schauspieler, aber ein guter Theaterdirektor war". Einmal spielte er als alter Mann noch die Rolle des Romeo Es war noch dunkel, als wir uns zu unsren Ständen begaben. neben einer jungen Julia. Als er das Gift genommen und tot da Der Birkhahn liebt es, früh aufzustehen. Er kommt nicht selten so lag, flatschten die Galeriebesucher bei der grotesken Situation Beifall, zeitig auf seinem Balzplatz an, daß man das hastige Schlagen seiner aber Alexander fühlte, daß das nur spöttisch gemeint war. Da stand Flügel vernimmt, ohne den großen, dunklen Bogel zu erblicken. So er auf, trat vorn an die Rampe und sagte: hr denkt, ich kann ging es auch mir. Der Hahn mußte dicht vor mir eingefallen sein, Romeo nicht spielen, aber ich kann Romeo spielen. Ich habe ihn doch auf dem schwarzen Boden blieb er unsichtbar Das sind vor( er führte einige bekannte Schauspieler an) gespielt und werde Minuten höchster Aufregung, noch verschärft durch den Zwang, sich ihn wieder spielen." Dann legte er sich hin und starb zum zweitenregungslos zu verhalten. Wenn jetzt ein Reiz zum Husten oder mal." Die Elasticität dieses Schauspielers, der in seinem hohen Niesen aufsteigt, wenn die Mücken dem Jäger ums Geficht und die Alter noch den jugendlichen Liebhaber spielte, wäre dem schottischen Hände summen oder gar ihren Rüssel in seine Haut senten er Sänger Wilson sehr zu statten gekommen: Als Wilson sich im darf nicht die geringste Bewegung machen, nicht einmal laut atmen... Gefang ausbildete, fang er ein Liebeslied mit vorzüglicher Stimme, aber Das Auge bohrt sich in die Dunkelheit. Dort der schwarze Fleck nicht mit genügend Leidenschaft und Ausdruck. Sein Lehrer sagte sollte das nicht der Bogel sein? Ganz unmerklich wird es heller. ihm, er müsse gefühlvoller fingen, so, als ob er thatsächlich verNirgends ist der Vogel zu erblicken. Sollte er zu Fuß weggewandert liebt wäre, worauf er trübselig erwiderte:„ Aber Mann, wie kann fein? Da plößlich: ein scharfes Flügelrauschen ein Moment ich als verheirateter Mann das thun?" Strenge Ansichten über der Stille... jetzt das erste" Pschiuuuh", das Schleifen der herab- die Kleiderfrage hatte ein Lehrer in Banffshire: In der Zeit, als hängenden Flügel auf dem Boden. Nun meldet sich auch der erste die Krinoline modern war, kam ein Mädchen mit einer sehr weiten Hahn. Dicht vor meinem Schirm hat er gesessen. Mit furzen Krinoline in die Schule, die viel größer war, als der Raum zwischen Sprüngen eilt er auf den Nebenbuhler los, wütend fahren sie mit dem Bult und der Bank, auf der sie saß. Als der Lehrer das sah, aufgesperrten Schnäbeln auf einander ein Die Federn stieben sagte er zu ihr:„ Geh' nach Hause und zieh die Reifen aus und Ein prächtiger Anblick! Den leierförmigen Schtvang, vom fomme wieder in die Schule so, wie Gott Dich geschaffen hat." Waidmann das Spiel" genannt, haben sie steil aufgerichtet, sodaß' Ob das Mädchen diese etwas weitgehende Aufforderung des Lehrers . 372 Befolgte und nun wirklich im Evakostüm in der Schule erschien, wird wenden, welches mit dem, was wir als„ Lad" bezeichnen, auch nur nicht hinzugefügt. eine entfernte Aehnlichkeit hätte. Die neuere Wissenschaft hat unter Idem Namen Natürliche Firnisse" eine Reihe von Pflanzen Die Goldwäscherei am Rhein behandelt Bernh. Neumann in fäften der Zeitschrift für Berg, Hütten- und Salinenwesen". zusammengefaßt, die in tropischen und subtropischen Der " Globus" teilt daraus mit: Daß der Rhein mit seinen Nebenflüssen, Bäumchen gewonnen werden. Gegenden durch tünstliche Eingriffe in das Leben der wie einige französische Flüsse( Rhone), ganz gewaltige Goldmengen weißer Färbung, ziemlicher Konsistenz und einem eigentümlichen Diese Säfte von grau- oder gelbgeliefert haben muß, beweist der Umstand, daß die nach der Gr- weißer oberung des Keltenlandes nach Rom fließenden Massen dieses Edel- Geruch, giftig, oder doch mindestens mit für die menschliche Haut metalles ein starkes Sinken des Goldpreises veranlaßten. Die älteste schädlichen Wirkungen, besigen die Eigenschaft, sich an der Luft zu und einfachste Methode war zweifellos dieselbe, welche untultivierte bräunen, beim Zusammenbringen mit eisenhaltigem Wasser zu Völkerschaften noch heute verwenden, nämlich das Verwaschen in einem schwärzen, in sehr dünnen Schichten und unter der gleichzeitigen Siebertroge; die Formen dieser Gefäße wechseln ungemein, meist Einwirkung von Feuchtigkeit auszutrocknen und hohen Glanz anaber haben sie löffel- oder schüsselähnliches Aussehen. Die Methode zunehmen. In dieser Weise getrocknet, besigen die Ueberzüge, von aber ist unwirtschaftlich, weil nur wenig Sand verwaschen werden denen eine größere Anzahl über einander gelegt wird, eine fast kann und sehr viel Gold verloren geht. Später kamen Waschbretter und 600 Jahren gefertigt wurden und heute noch tadellos unvergängliche Dauer es giebt Lackfarbeiten, die vor 400 mit rauhem Boden oder mit Schaffellen bezogen auf, auch wurden find, Härte und Elastizität sowie eine Widerstands Duerrinnen in das Holz geschnitten, um das Edelmetall auffähigkeit heißes gegen bis kochendes Wasser, trockene zufangen. Bereits 1849 lieferte der Rhein an Waschgold 2,6 Kilogramm, 1850 waren es 3,8 Kilogramm, im Jahre darauf belief sich Firnisses" von Rhus vernicifera werden die japanischen Lackarbeiten Hige und selbst gegen die Flamme. Mittels solchen natürlichen die Ausbeute auf 9,4 3 ramm, 1850-1859 wechselte der Ertrag von 7 bis zu 20,5 und 1860-1869 gar von 8,9-115 Kilogramm. ausgeführt; und als Rhuslacke bezeichnet man auch die seit etwa Slit der ganz außerordentlichen Steigerung der Weltproduktion fünf Jahren, wenngleich des hohen Preises halber selten in Europa Diese, aber auch nur an Gold in den letzten 50 Jahren und der damit verminderten zur Verwendung gelangenden Pflanzenfäfte. Kauffraft dieses Edelmetalles steht der Niedergang der Gold- Produkte, welche unter ähnlichen Bezeichnungen in den Handel ge allein, führen mit Recht den Namen„ Rhus"; alle andren wäscherei am Rhein in engem Zusammenhang. Auch hat die zu bracht werden, sind Lacke in unsrem europäischen nehmende Stromregulierung sie zweifellos unergiebig gemacht. Mechanische Mittel aber, die Einführung von Maschinen anstatt der haben mit Japan und der sorgfältig gepflegten und auf Lad ausMenschentraft, müssen alle fehlschlagen, da die Lagerung der gold- gebeuteten Pflanze Rhus nichts zu thun. reichen Schicht eine so eng eingegrenzte ist. Deshalb ist auch an („ Technische Rundschau".) Laugerei oder ähnliche Gewinnungsmethoden nicht zu denken. Ebenso ist der stetige Wechsel der Goldgründe störend.Musik. . Humoristisches. Sinne und - Berechnend. Freund( zum Schriftsteller):„ Deine Frau muß Dich doch recht lieb haben, sie hat Dir ja zum Geburtstage eine Schreibmaschine getauft?" Ein noch ungedrucktes Streichquartett in cis- moll, das wir am Sonnabend zu hören bekamen, bedeutete nicht bloß eine inhaltsreiche Schriftsteller: D, es ist nichts als Raffiniertheit von ihr, Unterbrechung der Zeit, in welcher die sogenannte Saison für die denn wenn sie jetzt in meinem Schreibzimmer eine Weile nicht Konzerte vorüber ist und hauptsächlich nur noch die Lektionenfabriken, flappern hört, ist gleich der Teufel los!" vulgo Konservatorien, mit ihren Schülerleistungen anrüden. Der Scherzfrage. Wann setzt sich ein Historiker zur anscheinend noch junge Komponist, wohl ein Niederländer, heißt Nuhe?" Benoit Hollander. Sein neues Werk zeichnet sich dadurch Wenn er die Geschichte satt hat. aus, daß, entgegen dem gewöhnlichen Gebrauch von zwei bis drei schnellen, tanzmäßig beschwingten Säßen, die einen oder zwei Langsamere, getragenere umfassen, vielmehr die der letzteren Art vorherrschen. Drei solche Säge der dritte mit einigen Verschärfungen des Beitmaßes schließen zwei schnellere ein, von denen der eine ein energisches Losstürmen, der andre ein freundliches Scherzen mit halb verhaltenem Humor zeigt. Jene für den Charakter der Komposition entscheidenden Säße verraten zwar einen Mangel an Fähigkeit, der ganzen Fülle Herr zu werden, mit der sich die Erfivmg ergießt; sie sind aber jedenfalls eine so echte und innige Sprache mit so vornehmem Behandelit alles Einzelnen, daß man dem Komponisten gern auch in seinen anspruchsvollen Breiten folgt. Und dies erst recht dann, wenn so feine Spieler, wie das Holländische Streichquartett", das Werk vorführen. " " Der Berliner Tonkünstlerverein" war es, der fein Eintreten für neues, musikalisches Leben auch dieses Mal bewährte. Darum ist allerdings noch nicht alles, was er bringt, ein Mester. Zwei Creichquartettsätze von Leone Sinigaglia waren mehr nur hübsche Einfälle, und sieben Lieder für Sopran und Klavier von Willem H. Felzer, dem zweiten Geiger jener Quartettgesellschaft, enthielten so viel sagen wir Landesübliches, daß sich der ihnen gewordene Erfolg, zumal gegenüber dem geringeren des Streichquartetts, zwar erklärte, aber nicht rechtfertigte. Im übrigen steckt immerhin so viel gut Gesangliches in ihnen, daß fie für primitivere Ansprüche ein bequemes Material abgeben. Die Sängerin, die sie vortrug, Elisabet Dhlhoff, möchten wir gern wieder hören. Ihr sonorer Mezzosopran ist verhältnismäßig gut gebildet und dem Stimmklang wie der Deklamation nach entschieden sympathisch. Egoistische Begeisterung. Redner:„ Ja, meine Herren, wenn das so weiter geht, lohnt es sich gar nicht mehr, daß unsre Landwirte sich noch mit dem Obstbau abgeben. Unsee Obsteinfuhr muß daher beschränkt werden" Schauspieler( begeistert flatschend):„ Bravo! Bravo!" ( Meggendorfer Blätter.") Notizen. Die Freie Voltsbühne läßt sich am Himmelfahrtsnachmittag die Schmetterlingsschlacht" vorspielen.Das Lessing Theater bringt im Laufe dieses Monats noch einen Novitätenabend; gegeben wird:„ Ein pietätloser Mensch" von Julius Schaumberger und„ Das Fest des Sankt Matern", eine Komödie von Ernst Welisch. - Das Ensemble des Neuen und Kleinen Theaters wird in der zweiten Hälfte des Mai in Budapest ein Gastspiel geben. Zur Aufführung gelangen:„ Kabale und Liebe",„ Schwester Beatrir"," Mutter Landstraße" und" Pelleas und Melisande". Ein Teil der Münchener elf Scharfrichter wird am 26. Mai, abends 9 Uhr, im Künstlerhause eine Vorstellung geben. Der Verein für thüringische Urgeschichte zu Jena will ein Archiv einrichten und die Universität zena zum Mittelpunkt für die vorgeschichtliche Forschung machen. Erhaltung der Volkstrachten. Der preußische Regierungspräsident zu Minden hat eine Verfügung an die Lebrer Die Geschichte der Bereicherung unsrer Musik mit fremdnationalen der Kreise Minden und Lübbecke und des Amtes Delbrück erlassen, Momenten hat den vorzeitigen Tod eines Mannes zu beklagen, der dahin ihren Einfluß geltend zu machen, daß die Eltern ihre Kinder auch dann bedeutend bleibt, wenn man die an ihn geklammerte, in volks- und ortsüblicher Tracht zur Schule schicken. Im Herbst fünstliche Treiberei mit seinem Ruf abzieht. Anton Dvorschat, sollen in Lübbecke, Minden und Paderborn Ausstellungen von Boltsder vor kurzem im 63. Lebensjahre gestorben ist, hatte sich vom trachten veranstaltet werden. „ böhmischen Musikanten" zum weltberühmten Stomponisten und Konservatoriumsdirektor( erst in New York, dann in Prag) emporgeschwungen. Vom Herzen seines Volkes, zwar nicht zum Herzen der Völker, aber doch zum Herzen derer gehend, die einen Parademann brauchten, um andre zurückzudrängen, hat er sich in zahlreichen, zumal instrumentalen Kompositionen trop vieler recht derber Züge doch als ein wirklicher Künstler bewährt, der aus einem frischen Inneren heraus thatsächlich etwas, und in der That manches Wohlgefällige, zu sagen hatte. Technisches. SZ. Japan- Lade. In einer Betrachtung über den Gebrauch des Wortes„ Japan" für europäische Lackerzeugnisse weist L. E. Andes in der„ Chemischen Revue der Fett- und Harzindustrie" darauf hin, daß weder die Chinesen und Japaner, noch indische Völkerschaften ( Birmanesen, Singhalesen usw.) für ihre Arbeiten ein Material verVerantwortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin.-Druck und Verlaa: " - Gin Kegelgrab ist auf der Feldmark des Dorfes Bredentin bei Güstrow i. M. durch den Schweriner Altertumsforscher Dr. Belt freigelegt worden. In einem von zwei Seiten durch Mauern abgeschlossenen Grabe befand sich noch ein zweites Grab. Man stieß auf Ueberreste eines männlichen und eines weiblichen Leichnams, auf Bronzewaffen und Schmucksachen aus Bronze. Einen Preis von 3500 Frant schreibt die Stiftung Schnyder von Wartensee aus. Gestellt ist( für das Jahr 1906) folgende Aufgabe: Das Klima der Schweiz, zu be arbeiten auf Grundlage der jegt 37jährigen Beobachtungen der schweizerischen Wetterwarten sowie älterer Beobachtungsreihen." Der Wetts bewerb ist international, doch müssen die Arbeiten in deutscher, französischer oder englischer Sprache geschrieben sein. Letzter Einlieferungstermin( an den Vorstand des Konvents der Stadtbibliothek Zürich) ist der 30. September 1906. Vorwärts Buchdruckerei u.Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.