Anterhaltungsblatt des Horivnrts Nr. 102. Donnerstag, den 26. Mai. 1904 Die das auf (Nachdruck verboten.) «st Gftbcr Maters. Roman von George Moore. „Bist Du da, Mutter?", fragte Jackie. „Ja, mein Liebchen, und Dein Vater auch." Der Junge sprang vor. um dem Vater zu helfen. Mutter aber flüsterte ihm zu: „Laß ihn I Er will lieber allein gehen l" Williams Kräfte reichten gerade noch aus, um in Zimmer hineinzukommen.— Dann fiel er total erschöpft den Stuhl nieder, den sie ihm rasch hinstellten. Er blickte sich um und schien sich zu freuen, daß er zu Hause war. Esther gab ihm Milch mit etwas Branntwein zu trinken, und all- mählich erholte er sich wieder. „Komm hierher, Jackie I" sagte er,„ich will Dich ansehen; komm hier ans Licht, wo ich Dich gut sehen kann!" „Ja, Vater!" „Ich werde Dich nicht mehr lange sehen können, niein Junge. Aber ich wollte zuletzt noch mit Dir und Deiner Mutter gemütlich zu Hause sein. Jetzt kann ich noch ein bißchen sprechen; vielleicht kann ich's morgen schon nicht mehr." „Ja, Vater!" „Ich will daß Du mir etwas versprichst, Jackie. Du sollst mir versprechen, daß Du nie etwas zu thun haben willst mit Rennen oder Wetten oder Spielen; denn das hat mir und Deiner Mutter kein Glück gebracht." „Ja, Vater, gern." „Du versprichst es mir, Jackie? Ja? Gicb niir Deine Hand darauf und versprich es mir feierlich." „Ja, Vater, ich verspreche es Dir." „Ich sehe jetzt auf einmal alles ganz klar vor mir. Die Augen sind mir plötzlich aufgegangen. Deine Mutter, Jackie, ist die beste Frau auf der Welt. Sie hat Dich ivahrhaftig mehr geliebt als ich. Sie hat für Dich gearbeitet— aber das ist'ne traurige Geschichte, und ich hoffe. Du wirst sie nie ganz erfahren." Mann und Frau blickten einander in die Augen, und mit diescin einen Blick gab die Frau dem Manne das still- schweigende Versprechen, daß der Sohn nie davon hören sollte, wie sein Vater sie einst verlassen. „Sie war immer gegen das Wetten und Rennen ein- genommen, Jackie. Sie hat von vornherein gewußt, daß es Unglück bringen mußte; ich war einmal schon recht vermögend, aber ich habe alles wieder verloren. Geld, das man sich nicht ehrlich erarbeitet hat, bringt einem nun einmal kein Glück!" „Du hast das, was Du gewonnen hast, redlich erarbeitet," sagte Esther.„Tag und Nacht hast Du gearbeitet; bist von Rennplatz zu Rennplatz unermüdlich gelaufen, und in jedem Wind und Wetter auf diesen Rennplätzen herumzustehen, war das keine Arbeit? Die Erkältung, die Du Dir dabei geholt hast, die hat Dich erst so krank gemacht!" „Ich habe schon gearbeitet, das ist wahr! Aber es war wohl nicht die richttge Sorte Arbeit. Ich kann nicht mehr viel darüber sprechen, Esther, aber die Wahrheit weiß ich jetzt; das. was Du mir gesagt hast, ist die Wahrheit. Geld, das man nicht ehrlich erworben hat, bringt einem kein Glück." Er trank seine Milch und seinen Branntwein aus und blickte seinen Sohn an, der bitterlich weinte.„Du mußt nicht so weinen, Jackie! Höre mir lieber zu, denn ich muß Dir noch mehr sagen. Deine Mutter, Jackie, ist die beste Frau, die je gelebt hat. Du bist noch zu jung, um einzusehen, wie gut sie ist. Ich habe auch eine lange Zeit hindurch nicht begriffen, wie gut sie ist; aber mir der Zeit habe ich es doch ausgefunden, und Du wirst es auch verstehen, Jackie, wenn Du erst ein Mann bist. Ich hatte gehofft, Dich noch als erwachsenen Mann sehen zu können, und Deine Mntter und ich,»vir hatten immer geglaubt. Dir einmal ein schönes Stück Geld geben zu können. Aber ich habe das Geld alles verloren, das ich Dir hinterlassen wollte, und der schlimmste Gedanke für mich ist nun der, daß ich Deine Mutter und Dich in ebenso großer Armut zurücklassen muß, wie sie damals war. als ich üe beiratete." Er stieß einen tiefen Seufzer aus, und Esther sagte: „Was nützt es denn, von all diesen Sachen zu sprechen? Es schwächt Dich bloß unnütz!" „Aber ich muß sprechen, Esther. Ich könnte ja ganz ruhig und glücklich sterben, wenn ich wüßte, daß für Dich und den Jungen gesorgt wäre. So aber wirst Du von neuem aus dem Hause gehen müssen und für ihn arbeiten wie früher. Du wirst dieselbe Geschichte von vorne anfangen müssen." Große Thränen rollten über seine Wangen hinab; er barg sein Antlitz in den Händen und schluchzte laut, bis er durch das Schluchzen in einen Hustenanfall geriet. Plötzlich ergoß sich ein Blutstroni aus seinem Munde. Jackie lief nach dem Arzt, und alle Mittel wurden angewandt, jedoch ohne Erfolg. „Es giebt noch ein Mittel," sagte der Doktor,„wenn aber auch das versagen sollte, so müssen Sie sich auf das schlimmste vorbereiten." Dieses letzte Mittel jedoch erwies sich als er- folgreich, der Blutsturz wurde gestillt und Willianl entkleidet und zu Bette gebracht. „Er darf morgen nicht vom Bett aufstehen," sagte der Dottor noch, che er ging. „Du mußt morgen im Bett liegen bleiben, William," sagte Esther,„und kräfttg zu werden versuchen. Du hast Dich heute übermäßig angesttengt." Sie hatte sein Bett in die wärmste Ecke geschoben, in die Nähe des Feuers, und hatte für sich selbst in der Nähe des Fensters ein Bett aufgeschlagen, obwohl sie nicht viel Schlaf von dieser Nacht erwartete; denn sie wußte sehr wohl, daß sie fortwährend würde aufstehen müssen, um seine Kiffen zurechtziffchütteln und ihm Milch mit etwas Branntwein ein- zuflößen. Die Nacht verging; der Morgen dämmerte allmählich in den Tag hinüber, und etwa um zwölf Uhr mittags bestand William darauf, aufzustehen. Esther versuchte es ihm auszu- reden, aber es gelang ihr nicht. Er behauptete, nicht länger im Bett bleiben zu können, aber es blieb ihr nichts andres übrig, als Mrs. Collins hereinzubitten, die ihr beim Ankleiden ihres Mannes behilflich war. Dann setzte sie ihn behaglich meinem Lehnstuhl zurecht. Der Husten war jetzt ganz verschwunden und es schien ihm besser zu gehen. Und in der folgenden Nacht schlief er besser als er lange schon geschlafen hatte. Und als er Sonntag früh erwachte, schien er bedeutend kräfttger und wohler zu sein. Zu Mittag bereitete Esther ihm ein schönes Sttick Hasenbraten, welches ihm sehr schmeckte. Er sprach aber nicht viel, und Esther konnte sich denken, daß er beständig an sie und den Knaben und dessen Zukunft dachte. Etwa um vier Uhr rief er Jackie zu sich heran. Er bat ihn, sich vor das Licht zn setzen, so daß er ihn sehen konnte, und betrachtete ihn dann mit traurig sehnsüchtigen Augen. Dieses still- schweigende Lebewohl war so ergreifend, daß Esther sich weg- wenden mußte, um ihre Thränen zu verbergen. „Wie gerne hätte ich Dich zum Manne heranreifen sehen, mein Junge I" „O. sprich nicht so. sprich nicht so I Ich kann es nicht erttagen!" sagte der arme Knabe und brach in Thränen aus. „Vielleicht stirbst Du auch noch gar nicht." „O ja, Jackie. mit mir ist's nun zu Ende. Ich fühle es." sagte er und deutete mit den: Finger auf seme Brust, „daß hier drin nichts mehr ist, womit ich leben könnte; das ist eben meine Strafe." „Strafe? Wofür Vater?" „Weil ich nicht immer gut zu Deiner Mutter gewesen bin, Jackie." „William, aus Liebe zu mir, bitte, sage nichts mehr," sagte Efther. „O doch, der Junge soll das wissen l Es soll ihm ein Beispiel sein, außerdem bedrückt es mein Herz I" „Mein Junge soll nichts Schlechtes von seinem Vater hören. Ich verbiete ihm. Dir zuzuhören." Sie schwiegen einen Moment alle. Bald darauf sagte William, er fühle, daß er matt werde, und möchte sich lieber wieder inS Bett legen. Estber half ihm beim Entkleiden und sie und Jackie hoben ihn zusamm.-n ins Bett. Er saß aufrecht da und betrachtete sie leide mit seinen sehnsüchtigen, sterbenden Blicken. „ES wird mir sehr schwer, mich von Euch zu trennen," sagte er.«Wenn Chasuble nur gewonnen hätte! Dann hätten wir alle drei nach Aegypten gehen können; dort hätte ich doch noch leben können!" „Du mußt jetzt nicht mehr von solchen Dingen sprechen. Wir müssen alle dem Willen Gottes gehorchen," sagte Esther. Sie warf sich auf die Knie nieder. Sie zog Jackie neben sich auf die Knie herab, und William bat den Jungen, etwas aus der Bibel vorzulesen.— Jackie öffnete auf gut Glück die Bibel und las die erste, beste Stelle, auf die seine � Augen gerade fielen. Als er fertig war, sagte William, er höre ihm gern zu. Seine Stimme klinge wie eine Botschaft vom Himmel. Um acht Uhr etwa sagte William seinem Sohne gute Nacht. „Gute Nacht, mein Junge, gute Nacht! Vielleicht werden wir uns nie wiedersehen; vielleicht wird dies meine letzte Nacht auf Erden sein I" „Ich will Dich nicht verlassen, Vater." „O doch, mein Junge! Geh, geh zu Bett, ich möchte noch ein bißchen allein mit Deiner Mutter sein." Seine Stimme sank fast zum Flüsterton herab bei den letzten Worten. „Und vergiß nicht, mein Jlmge, was Du mir bezüglich des Wettens und Rennens versprochen hast I— Und sei stets gut zu Deiner Mutter! Das ist die beste Mutter, die ein Sohn je gehabt." „Sei unbesorgt, Vater; ich werde für Mutter arbeiten und sorgen!" „Noch bist Du zu jung dazu, mein Sohn. Aber wenn Du älter bist, hoffe ich, daß Du für sie arbeiten wirft. Sie hat auch für Dich wacker gearbeitet! Und nun lebe wohl, leb' wohl, mein Junge!" Der Sterbende war in starken Schweiß geraten und Esther mußte von Zeit zu Zeit sein Gesicht abtrocknen. Mrs. Collins kam herein. Sie hatte einen großen, messingenen Leuchter in der Hand, in dem ein Endchcn Licht stak. Williani machte eine Bewegung, als ob das Licht ihn genierte. So stellte sie es denn abseits auf den Tisch hin, wo er es nicht sehen konnte. „Sie werden Esther nachher helfen, mich zurecht zu machen, nicht wahr? Ich will keinen Fremden, ich mag die andern nicht um mich haben." „Ja, Escher und ich, wir werden Sie zurechtmachen; seien Sie ganz unbesorgt; nur wir beide werden Sie berühren, kein andrer," erwiderte sie freundlich. Noch einmal trocknete Esther den Schweiß von seiner Stirne. Er konnte nicht mehr sprechen, nur durch ein Zeichen konnte er ihr zu verstehen geben, wie er die Bettdecke gelegt haben wollte. Mrs. Collins flüsterte Escher zu, daß sie glaube, das Ende sei sehr nahe, und durch eine Art krankhafter Neugierde dazu angetrieben, setzte sie sich in der Nähe des Bettes auf einen Stuhl und wartete. Esther trocknete unablässig die kleinen Schweißtropfen ab, die sich beständig jetzt auf Williams Stirn zeigten. Auch seine Brust und sein Hals waren jetzt beständig mit Schweiß bedeckt, und sie mußte sie abtrocknen. Seine Augen waren auf die Dunkelheit im Zimmer geheftet, und er bewegte seine Hand ruhelos hin und her, als wenn er etwas wollte. Wer Esther verstand seinen Wunsch sofort. Wenn er trinken wollte, gab sie ihm ein wenig Branntwein und Wasser, und wenn er es nicht mehr schlucken konnte, so flößte sie es ihm löffelweise ein. Diese öfters wiederholten kleinen Dosen erhielten ihn bis etwa zehn Uhr anl Leben. Als die Uhr auf dem Kaminsims zehn Uhr schlug, wandte Esther sich wieder einmal um, um die Branntweinflasche zu nehmen. Das Lichtstümpfchen von Mrs. Collins flammte auf, flackerte noch einmal und ging dann aus; ein kleines, dünnes Rauchwölkchen stieg davon empor, und nur das kurze Stückchen schwarzen, verkohlten Dochtes blieb zurück, weiter nichts! Die Flamme war für immer verschwunden, gleichsam als hätte sie nie gebrannt gehabt. Wo vorher ein Licht ge- Wesen war, sah Esther jetzt nur noch Dunkelheit, und aus der Dunkelheit heraus tönten ihr Plötzlich die Worte der Mrs. Collins Entgegen: „Ich glaube, es ist zu Ende!" Rasch wandte sie sich um und blickte nach William hin. Sein Kopf war ein wenig zur Seite gesunken. »Was? Sie glauben, er ist tot?" »Ja. Ich weiß es immer gleich, wenn sie tot sind; man sieht das an dem kalten, erdigen Aussehen des Gesichts. Wer wir können uns ja bald vergewissern, wenn Sie einen Spiegel holen»vollen." Esther gab hierauf keine Antlvort, und Mrs. Collins sagte: „Ich werde einen von oben herunterholen." Esther blickte auf das Bett. Das Gesicht auf dem Kopfkissen, welches sie im Profil sah, schien ihr sehr klein und zusammengeschrmnpft aus- zusehen. Mrs. Collins kam zurück mit dem Spiegel in der Hand, „Nun halten Sie mal seinen Kopf in die Höhe; wenn er noch atmet, so können wir das auf dem Spiegel sehen." Esther that es. „Ja, er ist tot; es stimmt schon. Sehen Sie, auch nicht der leiseste Hauch ist auf dem Spiegelglase zu sehen." Ein ttefer, langer Seufzer entrang sich Esthers Brust.— XLVI. Sie stand auf dem Perron und blickte dem langsam dahinrollcnden Zuge nach. Eine Gruppe von Sträiichern verdeckte ihr die Eisen- bahnlinie, da wo sie eine Kurve machte.— Ueber diesen Sträuchern sah sie den weißen Dampf emporsteigen, der sich allmählich in der blaßgrauen Abenddämmerung verlor. Noch ein Augenblick und auch der letzte Wagen»vürde ihren Blicken entschwunden sein. Eine längliche, braunrot angestrichene Kiste stand auf der Bank neben ihr. Die Besitzerin dieser Kiste war eine Frau von siebenunddreißig bis achtunddreißig Jahren, etwas untersetzt, aber kräftig gebaut, mit kurzen, starken Armen und von der Arbeit gehärtete»» Händen. Sie trug ein schäbiges, schwarzes Kleid und eine noch schäbigere Jacke, die viel zu dünn war für diesen feuchtkalten Novembertag. Sie hatte scharf markierte Züge und große graue Augen, die die ganze natürliche Nüchternheit des angelsächsischen Charakters wider- spiegelten. Der Bahnhofsportter sagte, er wolle sehen, ob er ihr ihre Kiste morgen schon nach Woodview hinaufschicken könne. Ob sie den Weg nach Woodview kenne? Dort sei er, immer gerade den Feldweg entlang; gar nicht möglich, ihn zu verfehle»». Und dort, hinter jener Baumgruppe, werde sie dann schon das Gitter der Psörtnerloge sehen. Während Esther darüber nachdachte, wie sie es ermöglichen köi»nte, ihre Kiste schon am selben Abend zu bekommen, blickte sie den öden Streifen Landes an, der sich von dem künstlich errichteten Damme bis zum Meeresufer hi,»abstreckte. Die kleine Stadt mit ihrem verödeten, verlassenen Hafen glich mehr denn je dem Wrack eines Schiffes, welches in Stücke zu zerfallen droht. (Fortsetzung folgt.); (Nachdruck verboten.) ßaumhrankbcitcn. So widerstandsfähig und kraftsttotzend die Baumwelt erscheint. ist doch auch sie, genau wie wir Menschen, zahlreichen schädigenden Einflüssen unterworfen, die ihr Leben bedrohen und ihre volle E>»t- Wicklung heinmen und stören. Zu ihnen gehören in erster Linie Krankheiten. Die große Mehrzahl dieser Krankheiten beginnt ganz unscheinbar. Wohl suchen sich die Bä»ime gegen das Leiden, das sie befallen hat, zu Ivehren, indem die Natur in ihnen selbst Mittel hervorbringt, die seinem Fortschreiten entgegenwirken, und zuweilen führt diese Selbsthilfe auch zu einer erfolgreichen Ausheilung, in vielen Fällen dagegen bleibt sie machtlos. Immer mehr und mehr greift die Krankheit um sich, die Säfte verzehrend und die Kräfte vernichtend, der Baun» vermag die andauernden Verluste nicht mehr zu erschen, und so sehr er auch dagegen ankämpft, langsam, aber sicher geht er einem vorzeitigen Ende entgegen. Eine vielfach zu beobachtende Krankheit, die sich bei den Stein- Obstbäumen, den Kirschen, Pflaumen, Pfirsichen und Aprikosen, ein- stellt, ist der Gummifluß. Ten Anstoß geben kleine Rinden- Verletzungen, wie sie durch Einschnitte, Quetschungen und Reibungen! entstehen. An Kirschbäumen tritt der Gummifluß schon ein, wenn im Frühjahr sämtliche Augen entfernt werden. Infolge des mit der Verletzung verbrmdenen Reizes verflüssigen sich die Zellen der be- nachbarten Teile und wandeln ihre Stärkekörner in Gummi um, Eigentlich bezweckt dieser Prozeß, einen Wundbalsam zur Ueber- dcckung der Verletzung zu erzeugen. Gelii»gt aber diese natürliche Wundbehandlung nicht, so verbreitet sich d»e Gummiumlimndlung über iinmer größere Zellengcbiete, die Gun»miabsonderung steigert sich, als wolle der Daum durchaus die Heilung erzielen, stetig; eS werden große Mengen von Nahrungssäftcn verbraucht und schließlich schlägt der anfängliche Nutzen zum Schaden um. Denn mit der Zeit wird auch der jüngste Jahresring, die sogenannte Cambiumschicht, von der nach innen die Holzbildung, nach autzen die Bildung des Bastes und der Rinde ausgeht, vom Gunimisluy ergriffen, so daß der Baum an den erkrankten Stellen im Tickenwachstum zurückbleibt. Je länger der Gummifluß andauert und je tiefer er sich einfritzt, desto mehr wird die Nahrungszusuhr zu den gesunden Teilen be- schränkt, so daß auch diese endlich leiden und der Baum schließlich abstirbt. Große Aehnlichkeit mit dem Gummifluß besitzt der Harzfluß der Nadelhölzer. In der Rinde und dem Holz der Nadelhölzer be- finden sich teils senkrecht, teils wagerecht verlaufende Holzkanäle, die am zahlreichsten und stärksten im Holze der Schwarzkieser sind. Seltener sind sie schon bei der gemeinen stiefer und der Lärche und noch spärlicher bei der Fichte. Durch Insektenfraß, Verbeißungcn des Wildes oder Verwundungen mit Axt und Beil fließt nun der Inhalt der Harzkanäle aus. der ursprünglich aus Terpentinöl besteht. Unter dem Einfluß des Sauerstoffes der Lust wird das Terpentiilöl all- mählich in Harz umgewandelt. Terpentin hat eine fäulnistoidrige Eigenschaft, beugt daher Zersetzungen der Wundstellcn durch sich an- siedelnde Kleinpilze vor. Außerdem stellt das erstarrende Harz einen guten Wundverschluß dar. Die Absonderung des Terpentinöls und seine Umwandlung in Harz ist demnach anfänglich ebenfalls ein Akt der Selbsthilfe des Baunies. Aber sie führt auch hier nur ver- einzelt zum Ziel. Mißlingt die Heilung, so nimmt der.Harzfluß mehr und mehr zu, aber das ausfließende Terpentinöl wird jetzt nicht mehr allein von den Harzkanälen geliefert, sondern die Zellen der Umgebung der Wunde zerfallen und es entstehen große, mit Terpentinöl gefüllte Hohlräume, die Harzbculen oder Harzgallen. Schon dieser Vorgang beeinträchtigt das Gedeihen des Baumes. Noch mehr aber schadet ihm die Entziehung ansehnlicher Sästemengen, die, statt mis seine Ernährung verwendet zu werden, für die Harz- aussonderung aufgebraucht werden. Früher oder später verfällt er daher dem Siechtum und geht schon in jungen Jahren ein. In den FrüM tigsmonaten bemerkt man häufig an Stämmen. Arsten und Zweigck.i der verschiedensten Laubbäume kleinere und größere Stellen, an denen die Rinde gebräunt, zusammengetrocknet und abgestorben ist, während die andren Teile saftig und frisch sind. Es sind dann mr dem Baum, wie man es bezeichnet, Brandstellen entstanden. Sie sind die Folge der Temperaturverhaltnisie im März. Sobald die Märzsonne ihren erwärmenden und belebenden Einfluß auf die Bäume auszuüben beginnt, fängt auch der Saftstrom in den Zellen kräftiger zu fließen an, und die Zellen der Rinde füllen sich mit Saft. Geht nun die Temperatur zeitweilig bis zum Gefrier- Punkt zurück, so erstarrt der Saft der Rinde zu kleinen Eiskrystallen und Eisdrusen, die das Zellengewcbe zerstören. Infolgedessen stirbt die Rinde an diesen Stellen ab. Die Häufigkeit der Beschädigungen auf der Südseite der Bäume zeigt klar den Zusammenhang des Rindenbrandes mit den Eisbildungen des Märzes. Auf der Süd- feite wirkt die Sonne lebhafter ein als auf den andren Seiten. DaS Leben erwacht daher auf der Südseite früher und der Saftfluß in der Rinde ist reichlicher. Untersuchungen am Pflaumenbaum haben er- geben, daß Mitte März der Wassergehalt der Rinde auf der Süd- feite beinahe bll Proz., dagegen auf der Nordseite nur etwas über 48 Proz. beträgt. Je nach der Tiefe, bis zu der der Rindenbrand eindringt, richtet sich auch die Schwere der Erkrankung. Handelt eS sich nur um eine Zerstörung der äußeren Rindenschichten, so wird der Verlust bald wieder durch die Bildung neuer Rinde ersetzt. Gehen aber die Brandstellen bis in den jüngsten Jahresring, die schon er- wähnte Cambiumschicht. hinein, so leidet darunter die Entwicklung des Astes oder des ganzen Baumes. An den erkrankten Stellen stockt dann das Dickenwachstum. Wohl aber schreitet eS ringsherum um die Brandstelle fort, ja, an den Rändern des gesunden Gewebes wird es sogar lebhafter und üppiger wie gewöhnlich. An der Grenze von Holz und Bast entsteht nämlich aus den Markstrahlen des Weich- bastes ein Gewebekörper, der sich aufwulstet und die Gestalt eines Ringwallcs annimmt. Das Gewebe, das den Ringwall bildet, nimmt allmählich an Breite zu, verengert das tote Mittelfeld mehr und mehr und kann es unter günstigen Umständen völlig überdecken. Der Baum hat sich dann durch eine Neubildung selbst geheilt. Man be- zeichnet diese Neubildung als Castus. Aber der Callus ist sehr empfindlich. Bevor er das erkrankte Mittelfeld vollständig überdeckt hat, kann es daher im nächsten Winter vorkommen, daß er erfrierr und abstirbt. Im darauffolgenden Sommer bildet sich nun um den alten ein neuer Ringwall. Auch dieser kann abermals im Winter erftieren, und so vermag sich dasselbe Spiel zwei-, dreimal und noch öfters zu wiederholen. Es ist jetzt eine große absterbende Fläche ent- standen, in deren Mitte die ursprüngliche Brandstelle vertieft liegt. Hierdurch wird aber ein vorzügliches Ansiedelungsgcbict für holz- zerstörende Kleinpilze geschaffen, die sich denn auch alsbald ein- stellen und das begonnene Zerstörungswerk eiftig fortsetzen. Jetzt hat sich der sogenannte Baumkrebs entwickelt. Mehr und mehr dringt der Krankheitsprozeß in die Tiefe und gleichzeitig schreitet er auch auf der Oberfläche fort. Zuletzt ist das Innere des Baumes zum guten Teil vernichtet und der Krebs hat außerdem den ganzen Um- fang des Stammes umklammert. Hiermit ist die Ernährung durch den Säftestrom unterbunden, so daß der Tod unausbleiblich ist. Das Schlußglied bei den als Fäule bezeichneten Baum- krankheiten bilden ebenfalls Kleinpilze. Man unterscheidet mehrere Arten von Fäule. Der Beginn der Fäule ist gewöhnlich auf Wunden zurückzuführen. Bei der Naßsäule oder Rotfäule wird dann, wie schon der erste Name andeutet, die weitere Entwicklung durch Feuchtkg« keit begünstigt. Die Nahfäule setzt daher besonders an Wurzel« wunden und überhaupt bei solchen Wunden ein, die mit dem Erd« boden in Berührung stehen, oder auch an Astwunden, die eine der- artige Lage haben, daß sich in ihnen das Rcgenwasser ansammeln kann. Durch das Zusammenwirken von Wasser und Luft wird das Holz zersetzt, mürbe und bröckelig und stellt nun einen guten Nähr- boden für eine bestimmte Kleinpilzart dar, die in kurzem sich außer- ordentlich stark vermehrt und dann durch ihre Thätigkeit dem Holz einen rötlichen Farbenton verleiht, der die Veranlassung zu der Be- Zeichnung Rotfäule geworden ist. Bei einer zweiten Art von Fäule. der Weißfäule, ist das zerfallende Holz heller und erscheint blaß- bräunlich bis weih. Sie geht ebenfalls von Wunden aus. Aber die Vorbedingung für ihr Umsichgreifen sind nicht Feuchtigkeit, sondern im Gegenteil Trockenheit und ungehinderter Luftzutritt. Die Zer- setzung des Holzes befördert auch hier eine bestimmte Kleinpilzart. die gerade unter den erwähnten Umständen besonders gut gedeiht. Die Weißfäule ist namentlich bei Laubhölzern häufig anzutreffen. von denen wieder Linden, Pappeln und Weiden vorzugsweise der Krankheit ausgesetzt sind. Wie weit der Fäulnisprozeß vorschrciten kann, zeigen die Weiden, deren Stamm zuweilen so ausgehöhlt wird. daß nur noch«in dünner Mantel erhalten ist. In Nadelwaldungen begegnet man mitunter großen Strecken, wo die Nadeln der Bäume vertrocknet, gebräunt oder herabgefallen sind. Hier hat die Schütte, wie man die Krankheit nennt, Platz ge- griffen. Ter Ursprung der Erkrankung ist auf ungünstige Witterungsverhältnisse im Frühjahr zurückzuleiten. Damit die Pflanzen dem Boden genügende Mengen an Wasser und gelösten Nährstoffen entnehmen können, ist notwendig, daß das Erdreich aus- reichend erwärmt ist. Versuche ar, Topfpflanzen haben erwiesen. daß die Wasserzufuhr bereits erheblich stockt, wenn die Erde noch eine Temperatur von 3 bis ö Grad Wärme besitzt. Im Frühjahr sinkt aber die Bodentemperatur weit unter diese Grmze. Dagegen ist die Luft schon ziemlich warm. Unter der Einwirkung der Sonnen» bestrahlung verdunsten nun die immergrünen Nadeln Feuchtigkeit, die ersetzt werden muß. Aber die schwache Bodcnerwärmung ver- hindert die Wurzeln an ihre Saugthätigkeit. Sie können, selbst wenn der Boden sehr feucht ist, den Feuchtigkeitsverlust nicht decken. Hält der durch die Abkühlung des Bodens bedingte Wassermangel längere Zeit an, so leiden die Nadeln, sie vertrocknen und fallen in Massen ab. Besonders leicht kränkeln die jüngeren Kiefern, deren Wurzeln oberflächlich verlaufen. Zuweilen werden ganze Schonungen plötzlich ihrer Nadeln beraubt, so daß der Boden davon völlig über- schüttet ist. Im günstigsten Falle bedarf es einer geraumen Zeit, ehe sich die Bäumchcn wieder erholen. Vielfach ist indessen die Be- schädigung so tiefgreifend, daß die gesamte Schonung abstirbt und eine neue Aufforstung erforderlich wird.— Walter K n o r r. Kleines feuilleton. I. i. Das Geländer.„Herr Direktor, der Mann könnte einmal ausgleiten, es ist unbedingt notwendig, daß.." „Wenn während zweier Jahre nichts geschah, wird es auch weiterhin gehen, ich habe im Augeichlicke keine Zeit für die Sache, auch ist sie nicht so dringend." Ter Direktor gilt als gestrenger Herr, er weiß es immer viel besser. Im Grunde kann man ihn nicht böse heißen, bloß viel- beschäftigt; wenn einem übrigens Aufsichtsrat und Attionärklüngel beständig zusetzen, was Wunder, daß die Zeit für„derlei Neben- sächlichkeiten" zu kurz wirdl Seit zwei Jahren nahezu steht die Maschine in Betrieb; übrigens wurde ein Geländer nicht vorgeschrieben.... Ter Direktor langt nach den eingelaufenen Briefen, und ich gehe zur Thür hinaus. Trüben glänzt die Maschinenhalle, sie wird wie ein Heiligtum gehalten. Eine Fülle roten Lichtes quillt durch die hohen Fenster herein. Ringsum tragen die Wände auf Mannshöhe Holzgetäfel, über die Steinfliesen sind Teppiche gelegt, überall ist es sauber und spiegel- blank. Ter Raum birgt das Herz des Werkes, die Dampfmaschine. Eine stolze Gruppe mit dem ungeheuren Schwungrad und der blinken- den Dynamomaschine, die den Ungestüm des Tan>/es in geschmeidige. elektrische Energie wandelt. Vom Schaltbrett, an der Wand, gegen- über dem Eingange, wird der Strom an die Arbeitsstätten geschickt. die Drähte durchsetzen das Werk wie ein metallisches Geäder und führen den Arbeitsmaschinen Leben und Bewegung zu. Der Direktor ist Anhänger der elektrischen Transmission, sie läßt Raum in den Werkstätten und Luft; fort mit den Riemen, mit den Wellen. All die Kraft strömt auS dem Maschinenhaus durch die Kupfer- seelen der Kabel nach den Drehbänken, nach den Bohrmaschinen, den Fräsern und Hobclmechanismen. Tie wiederspenstigen Metalle müssen iftn tocic&en Kreischend lösen sich die Spähne von den grauen Gußstücken, die Blöcke zittern unter dem Druck des Bohrstahls, der sich in ihre Flanken wühlt, und von den Drehbänken hebt sich cm langgezogenes Stöhnen, wenn das Werkzeug zu hart in das Gefüge drmgt Es ist wie ein Wehllageu der aus rohen Formen zu Zweck und Bestimmung gequälten Mvterie Der Wärter im Maschinenhaus vernimmt mchts davon. Ev ist ein noch junger, stämmiger Mann mit blondem Bart und sprühen- !em Blick. Man möchte sagen, er sei stolz, in dem Kraftcentrum zu schaffen. Beständig müht er um seine Maschine, sieht nach, regelt und scheuert. Nun hat er die Oelvase ergriffen und besteigt den freien Teil der Grundplatte zwischen Schwungrad und Maschinengehäuse. Der Kreuzkopf schleudert sich wie zornwütend über die endlose Bewegung auf Schubstange und Welle, die mächtigen Massen schwingen und aus dem Körper der Maschine raunt es wie das höhnende, sieges- sichere Lachen des bezwingenden Dampfes.... Es ist vor Feierabend. In der Halle liegt das letzte rote Sonnenlicht wis Blut versprengt. Der Wärter denkt an sein Jüngstes, das ihm jetzt bald die Arme cntgegenbreiten wird; er steht leicht vornübergebeugt und läht das golt braune Oel ins Schmicrglas fliesten. Hinter ihm, wenige Centimeter blast, wuchtet das Schwungrad seinen Centnerleib durch die Luft, so schnell, dast es wie Sturm- wind wirbelt und die blaue Werktracht des Mannes um die Glieder preht. Das eine Tropfglas ist nun gefüllt, er wendet sich dem zweiten zu. Er hat die Oelkanne gesenkt und ein dünner Strahl ist auf die Grundplatte geflossen. Jetzt hebt er die Hand, lüftet den rechten Fuh vom Boden und will sich nach links wenden— da wirft er die Arme rücklings in die Luft, ein harter, metallischer Klang, das Anschlagen der Kanne, ein grausiges Aufklatschen blitzschnell danach— der junge, blonde Maschinist liegt zerschmettert auf den Fliehen. Er war auf der schlüpfrigen Platte ausgeglitten und in das Schlvungrad gestürzt.— Zu Hause frägt der kleine Junge nach dem säumigen Vater.... --- Aber während zweier Jahre ging es ganz gut, es hätte auch weiterhin... So dringlich war ja die Sache nicht.... Anthropologisches. — lieber den brünetten und blonden Typus in Holland hielt unlängst der Professor der Anatomie an der Universität in Amsterdam, Bolk, in der Sitzung der Naturwissenschaft- lichen Abteilung der Akademie der Wissenschaften einen Vortrag. Die„Kölnische Zeitung" berichtet darüber: In Holland ist das Gebiet dieses Teiles der physischen Anthropologie, die Verbreitung des brünetten und blonden Typus, noch vollständiger Neubruch, und Professor Bolk stand also zunächst vor der Aufgabe, sich zur Grund- läge seiner Untersuchungen das nötige statistische Material zu ver- schaffen. Dies gelang ihm dadurch, dast er an die Vorsteher sämt- licher öffentlichen und konfessionellen Schulen im Lande die ent- sprechenden Fragen richtete, und das Ergebnis war, dast über 477 200 Kinder hinsichtlich ihrer Haar- und Augenfarbe die gewünschten Be- richte einliefen, wobei indessen zu bemerken ist, dast sich die Unter- suchung auf israelitische Kinder nicht erstreckt hat. Aus dem statistischen Material, über welches Professor Bolk nunmehr verfügte, mag nur hervorgehoben tvcrden, dast in südlicher Richtung der brünette Typus zunimmt, dast er am schwächsten in Friesland vertreten ist, während er in Zeeland, Limburg und einem Teil von Nordbrabant durch- schnittlich bei 4l) und in> manchen Gemeinden bei SV Proz. der Be- völkerung angetroffen wird; austerdem konnten plötzliche unver- mittelte Uebergänge in einem und demselben Landstrich sowie förm- liche Inseln der einen Farbe inmitten der andern festgestellt werden, so dast also, wie Profestor Bolk überzeugt ist, bei keinem andern Volk in Europa solche scharfen und unvermittelten Gegensätze neben- einander vorkommen. Als Grund für diese physiologischen Er- scheinungen nimmt der Redner historische, tellurische und psycho- logische Faktoren an, die natürlich im Verhältnis der Wechselwirkung zueinander standen. Der Redner sucht auf Grund anthropologischer Thatsachen festzustellen, dast die Kelten keineswegs spurlos ver- schwundcn sind, man finde sie noch da, wo Cäsar sie gefunden habe, und gerade da, wo der Rhein das niederländische Gebiet betrete, liege die Grenze zwischen dem brünettenreichen und brünettenarmen Teile der Bevölkerung. Die Zone, wo der Linguist den fränkischen� Dialekt antreffe, falle mit dem Gebiet zusammen, in dem der Anthro- pclog die brünette keltische Rasse finde, der fränkische Dialekt sei des- halb als eine germanische, von Kelten gesprochene Sprache zu be- trachten. Daher sei es auch widersinnig, von den Niederländern als einem rein germanischen Volksstamm zu sprechen, sie seien vielmehr ein Volk von kelto-germanischem Ursprung, wobei sich die beiden Elemente wie 1:2 verhalten.— Technisches. y. Die neuen Eisenbahnbrücken bei Mainz. Die kürzlich dem Verkehr übcrgebenen beiden neuen Eisenbahnbrücken bei Mainz bilden die Vollendung der nun durchgehenden rechtsrheinischen Bahnlinie von Basel bis in die Niederlande. Die größere Brücke über den Rhein fuhrt über den linken Flußarm von etwa 300 Meter Breite mit drei Bogenfachwerkträgern, von denen zwei eine Spann- weite von je k 07,20 Meter haben, während der letzte eine solche von 93, 80 Meter aufweist. Der engere, rechte Rheinarm wird mit zwei Bogen- fachwerkträgern von je 116,80 Meter Spaimweite überführt. Die da- Zwischenliegende Insel weist eine Ueberbrückung durch sechs Parallel- träger von je 39,2 Meter Spannweite auf. Die Brücken sind zwischen den Hauptträgern 8,80 Meter breit und besitzen außerdem noch auf beiden Seiten Stege für den Fußgängerverkehr. Die Brücke über den Main setzt sich aus vier Bogenfachwerkträgern zusammen, von denen zwei eine Spannweite von je 69 Meter und zwei eine solche von je 82,60 Meter aufweisen. Die Ueberbrückung der Niederung auf beiden Seiten ist durch neun gemauerte Oeffnungen von je 23,48 Meter Spannweite und durch eine von 11,60 Meter Weite erzielt worden. Diese zweigeleisige Brücke hat zwischen den Außenträgern 8,60 Meter Breite. Die lichte Durchfahrtshöhe ist bei den Brücken verschieden: zwischen Brücken» unterkante und dem höchsten schiffbaren Wasserstande des Rhein» stromes ist ein Maß von 9,40 Meter festgelegt, während beim Main die freie Durchfahrtsöffnung nur 6,60 Meter beträgt. Beide Brücken kosten zusammen 6 320 000 M., von welchen 6,2 Millionen auf die Ueberbrückung deS Rheinstromes entfallen, während der Rest von 1120000 Mark auf die Maiubrücke verbraucht wurde.— Humoristisches. — Gut gegeben. Hausierer:»Liebesbriefsteller ge» fällig?" Aelteres Fräulein:„Brauche keinen." Hausierer:„Ja, was einem nichts nützt, braucht man auch nicht."— — Boshaft. Direktor eines Provinztheaters (zum jungen Schauspieler, der durch ein Versehen die Chronik des Theaters verbrannt hat):„Sie Unglücksmensch, da hat man durch die vielen Jahre mit Mühe alles eingewogen, und nun ist es durch Ihre Unvorsichtigkeit vernichtet!" Schauspieler:„Ach, Herr Direktor, das ist doch weiter kein Unglück, die Naive wird ja noch alles auswendig wissen 1"— („Meggendorfer Blätter".) Notizen. — Eine germanische Rundschau wird vom 1. Januar 1906 ab in Frankreich herausgegeben werden. Die Revue, die unter Beihilfe der Universitäten von Lille, Lyon und Nancy er- scheinen soll, wird sich in erster Linie mit der deutschen und englischen Litteratur befassen, aber auch Arbeiten über die skandinavischen Länder und über Holland veröffentlichen.— — Das Theater des Westens schließt seine Spielzeit am 31. Mai; die neue Saison nimmt am 1. September ihren Anfang.— — Im Amelangschen Kunstsalon, Charlottenburg, Kantstraste 164, sind gegenwärtig Aquarelle, Pastellbilder und Ra- dierungen von Mitgliedern der Berliner Künstlervereinigung„Heide" ausgestellt.— — Der Kunstverein für die Rhoinlande und Westfalen hat 106 Kunstwerke im Gesamtwerte von 46 600 Mark von der Düsseldorfer Kunstausstellung angekauft. Werke rheini- scher, namentlich Düsseldorfer Künstler, wurden besonders berück» sichtigt.— — Ein Mozart-Brunnen— drei tanzende Frauen, die den melodiösen Dreiklang der Mozartschen Tonwerke verkörpern sollen— wird in Dresden errichtet. Die Ausführung des Werkes ist dem Charlottenburger Bildhauer H e rm a nn H o säu s über- tragen worden.— z. Fuhrwerksgeleise im Straße npfla st er. Auf der Provinzialstratze Hörde— Bochum— Essen soll ein Versuch mit der Einlegung von Fuhrwerksgeleisen im Straßeiwflaster gemacht werden. Derartige Fuhrwerksgeleise sind z. B. schon auf der Chaussee zwischen Mühlheim und Berg.-Gladbach seit Jahren in Benutzung. Hier sind T-Eisen in die Chaussee eingebettet.— Büchereinlauf. — Otto Erich Hartleben:„Logaubüchlein". Lyrik. München. Albert Langen. Preis 2,60 M.— — Hans Ostwald:„Lieder aus dem Rinnstein". Zweiter Band. Leipzig und Berlin. Karl Henckell u. Co.— — I. E. Poritzky:„Die da müde sind...". Novellen. München. Dr. I. Marchlewski u. Co. Preis 1,60 M.— — Alfred v. Berger:„SemmelweiS und andre Geschichten". Berlin. F. Fontane u. Co. Preis 2 M.— — Björn st jerne B j ö r ns o n:„Gesammelte Er» Zählungen". I. Band. München. Albert Langen.— — Donald Wedekind:.Bäbö Rose". Erzählungen. Zürich. Cäsar Schmidt. Preis 2,60 M.— — C. Hadding:„Die Harmlosen". Erzählung. Seifhennersdorf i. S. Max Großmann.— — Selma Lagerlöf:„ G ö ß a Berling". Roman. München. Albert Langen.— —„Sheridans Lästerschule". Ins Deuffche über» wagen von Gustav Humbert. Berlin. F. Fontane u. Co. Preis 2 M.- — Hermann Jacobson:„William Shakespear« und Kätchen Minola". Dresden. E. Pa son.— — Julius Bab:„Anzengruber". Essay. Berlin. Gose u. Tetzlaff. Preis 1 M.— — Leo Tolstoj:„Gedanken weiser llllännet'« München. Albert Langen. Preis 6 M.— Verantwortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin.— Druck und Verlag: Vorwärts Vuchdruckerci u.VerlagsanstaltPaul Singer LcCo.,BerlinLlV.