Nnterhallungsblatt des'Vorwärts Nr. 168. Freitag, den 26. August. 1904 (Nachdruck verböte».) tSi Die fhicdt. Von K. Bagrynowski. .,AH! In der Thcit, das ist ein guter Gedanke!" rief der JSPrawnik erfreut.„Ich bin bereit, Ihnen meinerseits nach Kräften beizustehen und werde den Gouverneur gleich davon benachrichtigen. Vor mehreren Jahren hat der Vater von Warlaanl Warlaamowitfch dasselbe versucht, und es fehlte nicht viel, so hätte er eine Medaille dafür bekommen. Das Getreide war aufgegangen und schon fast reif, aber die hiesigen Landwirte wollte» die Sache beschleunigen und machten au allen vier Ecken Feuer au» und haben das Getreide, scheint mir, mit Stumpf und Stiel verbrannt. Heute noch existiert das Leine viereckige Ackerfeld am Sardanach, auf dem dieser gute Mann sein Korn gebaut bat." „Er hat eine schlechte Wahl getroffen. In der Niederung, wo es seh'r feucht ist, kann das Getreide nicht reifen. Meine Genossen haben sich schon eine Stelle jenseits des Flusses am AbHange, der Berge ausgesucht," antwortete Samuel unbeirrt. Bald verschwand das Pferd, das nach Krassuskis Jurte gebracht worden war, aus dem Mittelpunkt der Stadt und wurde mit der Zeit vergessen. Außer den Eigentümern, die es liebkosten und hüteten, wie ein kostbares Kleinod, schien ihm Frau Arkanoff am herz- lichsten zugethan, und das war Herrn Arkanoff Grund genug, es nicht leiden zu können. „Was findest Du nur an dieser ungeschlachten, dickbeinigen Bestie, die zottig ist wie ein Bär?" „Es ist wohlgebaut, hat einen sehr schönen Kopf und einen wunderhübschen Gang. Kenner haben schon das Doppelle dafür geboten. Es heißt, es müsse irgendwo im Süden gestohlen worden sein, denn eS sei zu hübsch, um hier aus der Gegend zu stammen,- und der Jakut, der es verkauft hat, ist spurlos verschwunden. Tie Polizei hat- umsonst nach ihm gefahndet." „Eine schöne Geschichte! Sie werden noch in einen Kriminalprozeß verwickelt werden. Aber woher weißt Tn das alles?" „Ich weiß es schon. Ja, Tu, Tu sitzt ja immer zu Hause und liest oder redest mit Tscherewin über den Grund aller Gründe. Nicht mal zu einem Spaziergang kann man Dich bewegen. Komm', wir wollen den Schimmel besuchen. Du sollst sehen, wie klug er ist, wie sauft. Er frißt aus der Hand und geht mir jetzt überall nach wie ein Hund; und als ich das erste Mal an ihn herantrat, sprang er wie toll, stellte sich auf die Hinterbeine und guiekte vor Bosheit und Angst, wie ein Ferkel... Er hat sich sehr verändert..." Einer dunklen, inneren Warnung gehorchend, sprach sie nie davon, daß Krassuski sie gelehrt hatte, den Schimmel nicht zu scheuen, daß er ihn gezähmt und daran gewöhnt hatte, ihr Zucker und Brot aus der Hand zu fressen und den Nacken zu neigen, um sich von ihr liebkosen zu lassen. Bald war ihr das Pferd so zugethan, daß es wieherte und ungeduldig scharrte, sowie es sie von weitem erblickte. Auf dies Zeichen hin warf sein junger Gebieter die dringendste Arbeit beiseite, trat vor die Schmiede und blickte auch sehnsüchtig nach der Gegend, der das Pferd seinen.Kopf zuwandte. Alltäglich um die Mittags stunde schlug sie den Weg nach der Schmiede ein, und wenn sie über den sonnenbeschienencn, schneebedeckten See daherkam, dann wurde der Tag in Krassuskis Augen immer heller, eine unbeschreibliche Freude erfüllte ihn und die immer mächtiger anschwellende Sehnsucht in seinem Herzen, die er für Heimweh hielt, verstummte einen Arigenblick. „Sehne ich mich wirklich nur nach Frauen?" fragte er sich selbst streng. Aber sein Gewissen antwortete ihm sofort, daß das nicht der Fall sei, daß er fein Vaterland nicht um der süßesten Küsse willen dahingeben möchte. Er beschloß, der gefährlichen Neigung Meister zu werden und der Vesucherin nicht mehr zu begegnen. Eines Tages führte er seinen Vorsatz auch aus, und trotzdem er den Schimmel wiehern hörte, kam er nicht zum Vorschein, sondern hämmerte beharrlich weiter, indem seine Schläge, ihm selbst unbewußt» immer mächtiger wurden, je ungestümer sein Herz klopfte. Eugcnie hörte den entsetzlichen Lärm, und da sie glaubte, derselbe sei durch eine sehr dringende Arbeit verursacht, ging sie enttäuscht und leise erzürnt fort, ohne einen Blick in die Schmiede zu werfen. „Was ist denn geschehen, daß Du heute aussiehst, als hättest Du schon sieben Dörfer angesteckt und gedächtest, den «oten Hahn auf's achte zu setzen?" fragte ihn Niehorski beim Mittagessen. „Worüber soll ich denn so froh sein? Tie Flucht gelingt uns sicher nicht. Die Polizei weiß alles. Sie beobachten uns. Ohne Unterlaß schleichen zwei Kosaken um die Schmiede herum. Aber ich hau' ihnen die Knochen entzwei, so wie sie näher kommen." „Thu' mir schon den Gefallen und mach' keine Geschichten, Was schaden Dir die Kosaken?" „Sie schaden mir nicht, aber ich kann es nicht leiden, wenn mir innner jemand vor der Nase steht... Uebrigens, was können sie mir anhaben? Sie können mich höchstens ein- stecken und das braucht Euch nicht im geringsten au Eurem Vorhaben zu hindern. Die wichtigste Arbeit ist schon gcthan. Ihr könnt auch ohne mich gehen." Er wandte den Kopf ab, um die Thränen zu verbergen, die ihm in die Augen schössen. Alexandroff und Niehorski sahen ihn bestürzt an. Als er sich zum Fortgehen anschickte, folgte ihm Niehorski in den Flur und versuchte ihn festzuhalten, aber er schüttelte ihn heftig ab. „Krassuski!.., Stacho!... Und Deine Schwester... Und Polen?... Nimm Dich in acht. Junge, nimm Dich in acht!... Bleib' stark!" „Vor wem? Was soll das heißen?" fragte er hoch- fahrend und zuckte die Achseln, und ein gezwungenes Lächeln irrte über feine Lippen. „Oho! Ich seh' wohß's ist schlimmer, als ich dachte," flüsterte Niehorski, wagte jedoch nicht, den Jüngling zurück- zuhalten, der sich heftig abgewandt hatte und das Haus vcr- ließ. Niehorski sah ihm eine Weile nach. „Ach, diese Weiber!" sagte er laut und mißmutig, indem er sich wieder an den Tisch setzte und seine Thcetasse in die Hand nahm. Alexandroft schwieg und klopste seine Pfeife bedächtig aus. „Nimm Dich in acht... Vor wem soll ich nüch in acht nehmen?" dachte Krassnski indessen.„Er erinnert mich an, meine Schwester. Als wenn ich irgend was thun könnte... die Frau eines Genossen... eine Russin... Uebrigens liebe ich sie auch gar nicht... sie ist gar nicht hübsch... Ihre Nase ist nicht fei», ihre Bewegungen ungeschickt... ihr Herz zu wild... der Mund zu rot. Sie ist älter als ich... aber vor allen Dingen ist sie furchtbar von sich eingenommen. Sie konnte sich nicht vorstellen, daß ich sie nicht bemerkt hätte, und ist beleidigt, daß ich nicht vor die Thür gekommen bin. Das ist aber gerade gut. Wir wollen doch sehen!..." Seine Verbitterung wuchs, als er Eugcnie gegen Abend Arm in Arm mit ihrem Manne zu Tscherewin gehen sah. Die Arbeit wollte ihm nicht von der Hand, er schleuderte den Hammer zur Erde und versank in schmerzliche Grübeleien... Mnßja, der das Unglück hatte, eben in diesem Augenblick in die Schmiede zu kommen, sprang schnell wieder hinaus. „Die reinen Kinder... Ich weiß nicht, was sie an mir auszusetzen haben. Und doch wollen sie„Idealisten" und „Demokraten" sein!" brummte er. Krassuski seufzte tief, konnte nicht einschlafen, dachte lange hin und her und konnte es nicht dahin bringen, eine lange, vcrächtlich-wehmütige Rede zurechtzulegen in der Art, wie er sie in Romanen gelesen hatte. Das überzeugte ihn vollends, daß er nicht verliebt gewesen, und daß das, was er jetzt fühlte, auch nicht Liebe sei. Ilm Mitternacht schlief er be- rühigt und gleichgültig ein. Aber als er austvachte, und der Glanz des hellen, sonnigen Tages über ihn hereinbrach, übermannte ihn die Sehnsucht wieder. Widerwillig machte er sich an die Arbeit...,- Die Einwohner von Dschurdschnj indessen, die von dem warmen Hauch des eilig heranuahenden Frühlings aus ihrem Winterschlaf geweckt wurden, suchten Verschiedeue verrostete. vorsündflutliche Luntcnslinten, Gewehre aus dem achtzehnten Jahrhundert und verbogene Doppelflinten aus ihren — 6 Kammern, kamen Somit in die Schmiede und verkannten, in- dem sie den jungen Mann mit Schmeicheleien überschütteten. er solle das alles so schnell wie möglich in vorzügliche Waffen verwandeln. „Wenn Sie sich nur daran machen, wenn Sie uns Ihr Versprechen geben, dann sind wir ganz ruhig— nehmen es mit geschlossenen Augen hin. Wir wissen nur zu wohl, daß Ihre Finger Goldfinger sind"...„Geben Sie sich nur rechte Mühe, wir werden uns schon erkenntlich zeigen"...„Wir sind doch keine ganz wildeil Leute... Wenn wir hier mich in Dschurdschnj sind, so dürfen Sie doch nicht an unsrer Erkennt- lichkeit zweifeln... Wir wissen auch, was sich gehört, und werden Ihre Verdienste nach Möglichkeit belohnen!..." redeten sie auf ihn ein. Wenn er irgend ein Gewehr zurückwies, war die Vc- leidigung groß. Ten ganzen Tag riß die Prozession nicht ab. Da die Thür offen stand, hörte er zuweilen die Unterhaltungen seiner Kunden, wenn sie sich vor der Schmiede begegneten. „Nun? Hat er's Angenommen?" „Nein. Er sagt, es sei nichts mehr damit anzufangen... Der Protz... Es muß ihm jeinand was vorgeklatscht haben." „Na, ich will's mal mit meiner Büchse versuchen... Das Gewehr ist gut, aber der Hahn ist zerbrocheil." Wieder kam ein neuer Kunde, nahni die Mütze schon vor der Thüre ab und schwatzte: „Geben Sie sich nur rechte Mühe, wir werden uns schon erkenntlich zeigen..." Je näher die Mittagsstunde rückte, desto schärfer wurden die Antworten Krassuskis. So oft er Schritte auf dem Pfade vernahm, klopfte sein Herz, er wußte nicht, was zu ihm ge- sprachen wurde, und mußte sich mit Gewalt zusanimennehmell, lim nicht hinauszueilen: aber bald hatte er seinen Irrtum er- kailnt und betrachtete dann das Gewehr, das ihm ein neuer Jäger vorzeigte, mit so drohenden Blicken, daß sich dieser auf der Stelle verloren gab. „Was soll's?" „Eine Kleinigkeit... das Hähnchen... Es will nicht recht treffen..." „Stellen Sie's unier die andern!" „Kann es bald fertig sein?... Darf ich fragen?..." „Das kann ich Ihnen nicht sagen. Sie sehen ja, wie Uiel ich davon stehen habe. Immer dieselbe Geschichte... alles auf einmal... zerreißen kann ich mich doch nicht... „Aber vielleicht wolleil Sie die Güte haben.., mir zu- liebe." „Warum gerade Ihne n znliebe? Ich werd's machen, wenn die Reihe daran kommt." Ter Jäger blickte die Rüstkmnmer mit Entsetzen an. spielte verlegen mit seiner Mütze, wartete auf eine gnädige Antwort, aber da Krassuski düster über semem Schraubstock gebeugt weiter arbeitete, machte er eine linkische Verbeugung und zog sich zurück. Diese Reparaturen, die Krassuskis ausschließliches Monopol waren, warfen eiilcn bedeutenden Verdienst ab, be- sonders, da es zum guten Ton gehörte, mit seiiler Arbeit zu renommieren. Selbst Warlaam Warlaamowitsch, der, wie der Jsprawnik behauptete, ein ungeladenes Gewehr fürchtete und noch nie in seinem Leben geschossen hatte, schickte scme verrostete Doppelflinte jedesmal vor der Frühjahrssaison pflichtschuldigst in die Schmiede. Bald war die Wcrkstätte voll der verschiedensten Gewehre, aber Eugenie war nicht ge- kommen. Ter folgende Tag war trübe, von Norden wehte cm kalter Wind und es schneite in ganz feineil Flocken. Krassuski ließ die Thür der Schmiede offen stehen, obgleich es ihn voil Zeit zu Zeit eiskalt durchschauerte. Er fürchtete, sie könnte kommen und er ihrer nicht gewahr werden. Er nahm an, den Tag zuvor hätten sie die Dschurdschnjaner verscheucht; heute ließen sie sich nicht sehen, denn selbst wenn das Wetter nur vorübergehend umschlug, verhielten sich die Einwohner hier, als sollte der Frühling nie mehr kommen. Jagd und Waffen waren vergessen, und sie saßen in den Stuben und wärmten sich am flackernden Herdfeuer. Tie Unmenge von Arbeit ließ keine melancholischen Ge- danken bei Krassuski aufkomnien, der halbe Tag war schnell vorüber, und er wußte kaum, wie er verflossen war, als em Schatten an der Thür vorbeihuschte. Er blickte auf, und all sein Blut floß ihm zum Herzen: vor ihm stand Eugenie, ganz mit blitzenden Schneekrystallen übersät, und sah ihn lächelnd an: „Guten Morgen! Ach, die vielen Gewehre!" rief sie. »Schon das letzte Mal sah ich, daß Sie keine Zeit hatten. 0— Seien Sie mir nicht böse..- Aber ich habe gestern von meinem Fenster aus die Völkerwanderung gesehen und wollte gern wissen, was das bedeute. Ich fürchtete schon, es könnte damit zusammenhängen... Sind Sie krank?" fragte sie angsterfüllt und trat über die Schwelle.„Sie sind so blaß." Sie hielt plötzlich inne und schlug die Augen nieder. Der Blick, mit dem Krassuski sie ansah, und seine bebenden Lippen hatten ihr alles gesagt. Sie stand da, wie vom Blitz getroffen. Auch Krassuski rührte sich nicht, denn die Erde schwankte unter ihm. Endlich flüsterte sie etwas Unvernehmliches, wandte sich um und ging. Krassuski war es, als senke sich ein schwarzer Vorhang vor ihm herab. Eine stille, graue Traurigkeit, die kalt war wie dieser schneeige Tag, umfing ihn mit einem Mal und er- fügte ihn mit namenloser Mattigkeit. An diesem Tage mußte er noch etwas erleben, was ihm in andern Verhältnissen sehr nahe gegangen wäre; jetzt war ihm alles gleichgültig. (Fortsetzung folgt.); (Nachdruck verboten) Cm keroilebes Mittel. Von Löon Xanrof. Autorisierte Ucberfctznng ans dem Französischem I. In der unteren Etage beginnt jemand Klavier zu spielen. Fingerübungen. Langsam, schwerfällig, mit gehaltenen Noten, gleich- sam noch halb im Schlaf. R a g e o t(aus dem Bett springend):„Da haben wir die Be- scherung I Erst sieben Uhr I Und schon fängt das Geklimper an l Das geht nun so bis Mittag!... Und nach dem Mittag von neuem bis zimi Abend! Himmeldormerw... Was sagt ein Mensch dazu? I Soll ich vielleicht bei einem solchen Spektakel arbeiten? I Der ich nicht zwei Gedanken aneinanderreihen kann, wenn auch bloß die Feder kratzt I... Ich kann doch nicht schon wieder spazieren gehen wie die letzten acht Tage? Erstens regnet es. Zweitens fördert mich das nicht in meiner Arbeit. Drittens.. Das Klavier in der unteren Etage geht zu einer andren Art Training über. Es erekntiert Tonsiguren, welche hinauf und hinab steigen, wieder umkehren, ineinander fließen, sich in ganz unwahr- scheinlicher� Art und Weise verwickeln— etwa wie verschnörkelte Arabesken. R a g e o t(verzweifelt):„Wenn das noch lange so weiter geht, werde ich verrückt, ganz bestimmt! Ich werde nieine Thätigkeit auf- geben und einen andren Beruf ergreisen müssen. Aber Himmel- donnerwctter! Dazu hätte ich nicht das Doktorexamen machen brauchen I" Das Klavier in der unteren Etage widmet sich jetzt mit be- wundernLwertem Eifer der Ausführung hüpfender und tänzelnder Uebnngen. R a g e o t(wütend):„Der Hauswirt behauptet, das sei kein Grund, sofort auszuziehen I Und ich habe noch sieben Jahre Kontrakt I Sieben Jahre I(Faßt zuerst einen Entschluß, dann seinen Hut.) Mir bleibt nur ein Ausweg: ich muß meinen unbekannten Peiniger aufsuchen und dem■ unerträglichen Zustande auf die eine oder andre Weise ein Ende machen!" Er steigt in die untere Etage hinab und klingelt. Das Klavier stellt seine Thätigkeit ein. Ein Mädchen öffnet und führt Rageot in den Salon. Nach einigen Augenblicken erscheint eine dicke Dame in den Vierzigern. Rageot(wirft einen Blick auf das offen gebliebene Klavier, welches ihm die Zähne zu zeigen scheint,— einen Blick voll Haß und Verachtung):„Ich wollte mir erlauben, Madame, Sie in meiner Eigenschaft als Hausgenosse um eine kleine Gefälligleit zu bitten." Die Da ine:„Um was handelt es sich, mein Herr?" Rageot:„Um folgendes: ich habe(mit den Zähnen knirschend) da? Vergnügen, die Zimmer über Ihnen zu bewohnen. Und da ich, offen gestanden, gegen das Klavierspicl in allzu großen Quantitäten einen gewissen Widerwillen habe, so— so— möchte ich Sic bitten: wäre es Ihnen nicht möglich, etwas weniger dieses— (dem Klavier heimlich auf den Rücken klopfend mit dem glühenden Verlangen, ihm eine oder gar einige Saiten zu zerbrechen)— etwas weniger auf diesem hübschen Instrument zu spielen?" Die Dame(lächelnd):„Ich, mein Herr? Ich spiele ja gar nicht." Rageot(aufspringend):„WaS sagen Sie?" Die Dame(ihren Satz beendigend):„— sondern meine Tochter Elvira, die sich für das Konservatorium vorbereitet." Rageot(mit dem Lächeln eines zum Tode Verurteilten, dem man von der Guillotine spricht):„Ah I Fräulein Elvira? Sehr angenehm I(Heuchelt das lebhafteste Jutereffe.) Aber finden Sie nicht, Madame, daß Ihr Fräulein Tochter zu viel übt? Sehen Sie, sie muß ja kranl werden, wenn sie vom Morgen bis zum Abend spielt I(Bittend.) Ich sollte meinen, wenn man eine Viertelstunde täglich—* Die Dame(protestierend):«Eine Viertelstunde!" R a g e o t(eiitgegenkonmiend):«Meinetwegen eine halbe Stunde. Wenn Sie solchen Wert darauf legen!" D i e D a m e(lächelnd):«Umnöglich, mein Herr! Ter Lehre: sagt stets, sie soll spielen, bi-Z die Finger brechen I" R a g e o t(für sich, böse):„Ach, möchten sie doch brechen— aber gleich!(Laut:) Verzeihen Sie, Madame, wenn ich etwas zu- dringlich bin, aber ich muß Ihnen gestehen: Fräulein Elvira bereitet sich für das Konservatorium und mich sürs Irrenhaus vor!— Sie begreife», das kann so nicht weiter gehen!" Die Dame(spitz):«Wenn das Klavierspiel meiner Tochter Sie so sehr geniert, mein Herr, ziehen Sie doch aus I" N a g e o t(aufbrausend):«Und mein Kontrakt, Madame? Ich habe noch sieben Jahre Kontrakt!" Die Dame:«Und wir neun!" R a g e o t(denkt ernstlich an Mord oder Selbsiniord):«Reim I" (Sich niaßigend, bemüht, einen versöhnlichen Ton anzuschlagen):«Ich möchte Ihnen einen Vorschlag machen, Madame. Wenn Sie so liebenswürdig sein wollten, in acht Tagen aus dieser Wohnung aus- zuziehen, so—" Die Dame(entrüstet):„Mein Herr, dieser Scherz— I" N a g e o t:«Glauben Sic, mir ist nach Scherz zumute? Also ernstlich— Sie wollen nicht?(Mit Nachdruck): Ich würde natürlich sämtliche Umzugs- und sonstigen Kosten tragen." Die Dame:„Genug, mein Herr! Wenn Sie mir also weiter nichts zu sagen haben, so—" R a g e o t(wütend):„Doch, Madame I Ich habe Ihnen noch viel zu sagen! Sehr viel! Ich habe Ihnen zu sagen, daß, wenn Sie mir weiter das Leben so zur Oual, zur Hölle machen, ich Gleiches mit Gleichem vergelten werde. Sie sollen mich erst kennen lernen! Ich werde Unterricht auf der großen Tronnnel nehmen! Ich Die Dame(ruhig):„Das steht Ihnen frei, mein Herr." R a g e o t:«Unterricht im Waldbornblasen!" Die Dame(immer ruhig):«Wenn Ihnen das Vergimgen macht?" Rageot:„Ich werde mir eine Schnellfeucrkanone anschaffen und mich artilleristisch ausbilden!" Die Dame(unerschütterlich):„Ich zlveifle zwar, daß diese Art Mnsikinstrnn:ente im Kontrakt gestattet ist— aber wenn ja, darf ich natürlich nichts dagen sagen." Rageot:„Ich werde Sie auf alle nur mögliche Art und Weise chikanieren! Ich werde Ihre Dienstmädchen verführen!" Die Dame(lächelnd):„Ich werde einen Diener nehmen." Rageot:«Ich werde Ihnen die Fensterscheiben einwerfen!" D i e D a m'e(achzelzuckend):„Ich werde ans Ihre Kosten neue einsetzen lassen." Rageot:„Ich werde Ihnen Juckpnlver durchs Schlüsselloch blasen!" Die Dame(unerschütterlich):„Schön! Dann werden wir uns eben kratzen." Rageot(sieht die Unmöglichkeit ein, auf diese Weise zu einer Verständigung zu gelangen, und versucht eine andre Art):«Ich bitte tausendmal um Verzeihung, Madame I Ich habe mich von meinem Zorn hinreißen lassen. Ich sehe ein. ich bin im Unrecht. Aber ich bitte Sie, ichs.flehe Sie an: haben Sie Mitleid mit mir! Denken Sie an meine Existenz, die vernichtet, an meine Arbeit, die unmöglich gemacht, an meine Zukunft, die zerstört wir&_(mit thräncncrsticktcr Stimme) und legen Sie dein Klavier von Fräulein Elvira Zügel an!" Die Dame(ebenfalls entgegenkommend);„Ja, mein Herr, glauben Sie denn, daß es mir Vergnügen macht, meine Tochter so den ganzen Tag klimpern zu hören?" Rageot(mit einem HoffimngSstrahl):„Also—?" Die Dame: Ja, aber eS ist ihre Zukunft! Ich kann doch das arme Kind nicht um seine Zukunft betrügen!" Rageot(verächtlich):„Das Klavier seine Zukunft! Eine recht magere Zukunft, wahrhaftig! Wenn ich eine Tochter hätte, es würde mir nie rm Traum einfallen, ans ihr eine Klavicrlehrerin machen zu wollen. Ich würde sie Schneiderin, Putzmacherin, Stickerin werden lassen oder—* Die Dame(trocken):„Meine Tochter zieht es aber vor, Klavierlehrerin zu werden." Rageot(verzweifelt):„Giebt es denn nichts, gar nichts, um dessenwillen sie auf diesen Beruf verzichten würde?" Die Dame:«Nichts! Gar nichts!(Nach einer Pause) Doch l ES giebt etwas— aber das ist wenig ivahrscheinlich." Rageot(sich an den Lippen der Dame festsaugend— natürlich nur mit den Augen):„Was?— Was ineinen Sie damit? Sprechen Sie I" Die Dame:„Wenn Elvira sich verheiraten würde." Rageot(sich auf die Idee stürzend):„Aber ja I Natürlich I Selbstverständlich I Sie muß sich verheiraten l Warum haben Sie nicht schon längst daran gedacht?" Die Dame:„Weil meine Tochter keine Mitgift hat." Rageot(emphatisch):„Mitgift I Mriß man denn durchaus eine Mitgift haben, wenn man, wie Ihr Fräulein Tochter, jung, hübsch, reizend—" Die Dame(erstaunt):„Sie haben sie gesehen?" Rageot:„Nein, nie I Aber ich verpflichte mich, ihr einen Gatten zu verschaffen I Mein Wort darauf I Wollen Sie mir ihre Photographie anvertrauen?" Die Dame:„Mit Vergnügen!"(Sie reicht ihm das Bild eines mageren, reizlosen, wenig entwickelten weiblichen Wesens.) Rageot(entsetzt):„Doimerwetter I"(Er nimmt seinen Hut und steigt in seine Wohnung hinauf, während unten Fräulein Elvira sich von neuem ans Klavier setzt.) H. Einen Monat später. Rageot hat versucht, die junge Dame bei diesem oder jenem seiner Freunde an den Maim zu bringen, hat eine Unmenge Geld für Zeitungsannoucen ausgegeben— alles vergebens! Schließlich faßt er einen heroischen Entschluß. Er selbst heiratet Donna Elvira unter der ausdrücklichen Bedingung, daß sie in der ehelichen Behausung niemals das Piauino öffnen darf. Wenn sie das unüberwindliche Verlangen fühlt, Klavier zu spielen, soll sie diesem Laster außerhalb des Hauses frönen. Als die Hochzeitsgesellschaft die Kirche verläßt, bemerkt Rageot, daß seine Schwiegermutter ein sorgenvolles Gesicht macht. Rageot:„Was ist denn los? Sie sehen ja nichts weniger als entzückt aus? I(Spöttisch) Ich sollte meinen, Sie hätten alle Ursache, entzückt zu sein I Denn die Geschichte hier ist Ihnen doch ganz� unverhofft gekommen?(Bettachtet seine errötende, reizlose Galtin.) Oder habe» Sie jemals im Ernst daran gedacht, Ihre Tochter könnte einmal unter die Haube kommen?" Die Schwiegermutter:„Gerade dieser Umstand, lieber Freund, stimmt mich so nachdenklich." Rageot:„Warum denn?" Die Schivieger mutier(weich):„Weil ich jetzt ganz allein in der großen Wohnung bin. Denken Sie nur, wie traurig mein Leb eil fein wird I...(Die Augen senkend.) Und da sich woh! nicht so leicht eine Gelegenheit findet, mich wieder zu verheiraten—" Rageot(in Lachen allsbrechend):„Sie? I Wieder ver- heiraten?! Wo, zum Teufel, glauben Sie solch einen Dummen zu finden?" Die Schwiegermutter(ruhig):«Wie gesagt, mit dieser Möglichkeit rechne ich nicht. Und deshalb— weil ich nun so allein bin— und nicht weiß, was ich mit meiner Zeit anfangen soll, so—. Ich muß Ihnen ein Geständnis machen, lieber Freund. Bon morgen ab nehme ich Klavierstnnden l"— Kkincö fcmUctora. ie. Japanische Landwirtschaft. Weniger als ein Sechstel, ge- nauer IS, 7 v. H. der gesamten Fläche von Japan, wobei die Insel Formosa noch ausgenominen ist, besteht aus ackerbaufähigcm Boden. DarauS crgicbt sich von selbst, daß cS dem Land schwer fallen oder gar unmöglich sein muß, eine stark anwachsende Bevolleeung aus eigenen Erzeugnissen zu ernähren. Mehr als die Hälfte der acker-- bauenden Fanrilien bestellen weniger als 1 Hektar, ein weiteres Drittel zwischen 1 und IV- Hektar, und nur IS v. H. der ländlichen Grundbesitzer bebauen mehr als IV- Hektar. Unter Berücksichtigung der Arbeitcrvcrhältnisse stellt sich heraus, daß auf einen Mann etwa 40 Ar zur Bestellung entfallen. Es bestehen Gesetze über die Be- Wässerung, über den Schutz des Waldes, über die Beaufsichtigung der Wasserläufe, über die Bildung landwirtschaftlicher Vereine, über die Verbesserung der Entlvässerungsanlagen und über die Re- gulicrung der Grenzen zwischen den Gütern. Ter letztgenannte Punkt ist vielleicht der zunächst wichtigste. Die kleinen Landgüter der Japaner haben nämlich noch den Nachteil einer erheblichen Zer-> splitterung, indem sie aus einzelnen, nicht zusammenlügenden Feldern bestehen, deren jedes im Durchschnitt nur 7 Ar groß ist. Ein im Jahr 1900 erlassenes Gesetz hat eine Regelung auf dem Wege vorgesehen, daß benachbarte Landleute ihre Felder gegen einander austauschen können, damit der Besitz des Einzelnen mehr zusammengeschlossen wird und damit auch die einzelnen Felder solvent vergrößert werden können, daß sich eine Bestellung mit Pferden oder Maschinen verlohnt. Bis jetzt sind aber erst etwa 8000 Hektar des AckerbaulandcS in dieser Weise reguliert worden. Zur ander- wcitigen Förderung des Ackerbaues unterhält die Regierung eine staatliche landwirtschaftliche Versuchsstation mit 9 Zweiganstalten. Die Arbeit dieser Institute ist vorzugsweise rheoretisch und zerfällt in 8 Abteilungen: für Sämereien, Baumschulen, landwirtschaftliche Chemie, Insektenkunde, Pflanzenphysiologie, Tabak, Gartenbau und allgemeine Angelegenheiten. Die Ergebnisse der Forschungen werden an 38 Versuchsgütern mitgeteilt, die von den Provinzen mit Bei- Hilfe der Regierung angelegt und bewirtschaftet werden, und hier werden die Theorien vor ihrer Veröffentlichung einer praktischen Prüfung unterworfen. Dadurch ist bereits eine Verbesserung m der Qualität und Quantität der Ernten durch sorgfältigere Auswahl der Sämereien und besseres Verständnis der Varietäten und ihrer An- passung an die örtlickien Verhältnisse erzielt worden, ferner wirk- samere Mittel zur Vernichtung schädlicher Insekten, die Möglichkeit zur Bekämpfung von Pflanzcnkrankheiten, größere Geschicklichkeit in der AiNvendung von Dungstoffen und die Entdeckung geeigneter Gräser zur Anlage von Wiesen, die ein großes Bedürfnis für da»' Land waren, da bisher der ganze Bedarf an Heu aus China eingeführt werden mußte. Ter Staat gewährt ferner eine Beihilfe, — 672— zur Unterhaltung von 6 landwirtschaftlichen Schulen, wo die Söhne von Landwirten Unterricht in den allgemeinen Grundsätzen des Ackerbaues, der Landesaufnahme, der Ticrarzneikunde und ber- wandter Gegenstände erhalten. Außerdem hat die Regierung noch eine besondere Versuchsanstalt für Theepflanzungen angelegt, ein Laboratorium zur Erforschung der Bich- und Geflügelkrankhciten, eine Versuchsanstalt für Viehzucht zur Verbesserung des ein- . geborenen Viehschlags für Zwecke der Fleischlieferung und der Meierei, endlich noch zwei Gestüte, um die Einführung besserer Pferde zu pflegen. Die Bemühungen um die Schaf- und Schweinezucht haben bisher nur teilweise Erfolg gehabt, da das Klima und die Fütterung große Schwierigkeiten bereiten. Im Jahr 1901 gab es nur Lola Schafe und 300 000 Schweine in ganz Japan. Die hauptsächlichsten Erzeugnisse der Landwirtschaft sind Reis, Roggen, Weizen, Bohnen, Maulbeeren, süße Kartoffeln, Hirse, Buchweizen, Raps, rote Bohnen, Kolbenhirse, Thee, Indigo, Kartoffeln, chinesisches Zuckerrohr i(Sorghum), Tabak, Baumwolle und Hanf. Die Reisfelder nehmen etwas mehr als ein Fünftel der gesamten bestellbaren Fläche ein und liegen meist in den Niederungen, die leicht unter Wasser gefetzt .tverden können. Maulbeerbäume und Theesträucher werden ge- wohnlich in Ländereicn gepflanzt, die für wichtigere Ernten nicht tauglich sind, also auf den Gehängen der Hügel, auf sandigen Dünen und ähnlichen Plätzen. In den wärmeren Teilen Japans wird Gerste und Raps oft als zlveite Ernte nach dem Reis gezogen. Die Vieh- zucht steckt noch in den Kinderschuhen und wird wahrscheinlich nie ein wichtiger Erwerb werden wegen der hohen Bodenpreise und des Mangels an einheimischen Gräsern, von denen die meisten außerdem rzum Futter für Vieh oder Pferde nicht geeignet sind. Hafer und Mais sind als Viehfutter unbekannt. Weniger als ein Sechstel des urbaren Landes besteht aus Ebenen, und davon gehören wieder etwa zwei Fünftel dem Staat oder der kaiserlichen Familie. Das zapaiiische Volk ist an den Gebrauch von Butter oder Milch nicht gewöhnt und versteht diese Nahrungsmittel auch nicht zu würdigen. Ein allgemeiner Gebrauch von Fleisch ist bisher durch religiöse Vor- -urteile verhindert worden, obgleich die Japaner jetzt mehr Geschmack .daran zu bekommen scheinen. Die japanischen Landleute ziehen auch nicht genug Geflügel, um den Verbrauch an Eiern decken zu können. Der Obstbau hat beträchtlich zugenommen, bildet aber auch noch .keinen wichtigen Zweig der Landwirtschaft. Auch der Bienenwirt- .schaft hat man sich in beschränkter Ausdehnung zugewandt, jedoch steckt auch dieser Erwerbszweig noch in den Anfängen.— Geographisches. — Natürliche Brücken üi Utah. Die„Kölnische Zeitung" bringt nach der Aiigustnummer der amerikanischen Monatsschrift„Century" eine Schilderung dreier natürlichen Brücken, die sich im White Canon(Staat Utahi etwa unter dein 110. Längen- grab, westlich von Grecnwich und etwa 37 Grad 45 Min. nördlicher Breite, zwischen dem Colorado und den Elk-Bergen, also im Gebiete der Coloradowüste befinden. Ein Herr Horace I. Long suchte im Frühjahr 190L dort nach Edelmetallen und kam dabei mit einem Hcrdenbesitzer namens Scorup zusammen, der sein Vieh durch die bewässerten Thäler jener vegetationsarmen Gegend zu treiben pflegt. Scorup erzählte ihm von wunderbaren Felsenbögen, die von einem Manne Namens Enrory Knowlcs im Jahre 1395 zuerst gesehen worden seien, und die auch er in jenem Jahre aufgesucht habe. Long und Scorup machten sich deshalb am 13. März 1902 vom Coloradofluß, augenscheinlich in der Nähe der Mündung des Fremont, auf. Nach zweitägigem Ritt gelangten sie in den White Canon, eine 90— 150 Meter breite, 120 Meter tiefe, viclgewundcne Schlucht mit senk- rechten, ja bielfach weit überhängenden Felsen aus Sandstein, in deren Tiefe stellenweise kleine Föhren und große Pappeln standen. In dieser Schlucht stießen sie am Morgen des dritten Reisetages auf die drei Felsbrücken, deren oberste und unterste etwa 12 Kilometer von einander entfernt sind. Die oberste Brücke ist die mächtigste; mit ihrem ganz symmetrischen Bogen aus weißem Sandstein, durch- zogen von Fäden grünen und orangefarbenen Mooses ragt sie 125 Meter hoch empor, mit einem Durchlaß von 107 Meter und einer Bogenwcite von 100,5 Meter, während die Fahrweite 12 Meter beträgt. Mit ihren Maßen übertrifft diese Augustabrücke die be- rühmte natürliche Brücke des Shenandoahthales in Virginien in der Höh? um das Doppelte und in der Bogenwcite um das Drei- fache. Gleicht dieses Naturwunder Utahs einem riesigen Triumph- bogen, so hat die unterste der drei Brücken, die sogenannte kleine Brücke, die leichten anmutigen Formen einer Bogenbrückc von Menschenhand. Sie hat eine Spannweite von 63 Meter, erhebt sich 42,6 Meter über dem Wasser und hat bei einer Mächtigkeit von nur 6 Meter eine 11 Meter breite Fahrstraße; der Canon öffnet sich ebenda in ein sanft geschwungenes weites Thal, und dies gicbt dem Bilde eine Perspektive, in der die Schönheit des Baues vortrefflich hervortritt. Die dritte, mittlere Brücke, von Long Karolincnbrücke genannt, ist ein ungefüges Werk der Natur, plump und ungeschlacht, aber durch ihre Größcnverhältnisse höchst wirksam: sie bildet einen guer über den Caüon gelegten Block von 62 Meter Länge und einer Durchlaßhöhe von 60 Meter, über der sich der Felsen selber 37 Meter im Höhcndurchmcsser erhebt; die Fahrbreite beträgt 33 Meter.— Ans dem Pflanzenleben. — Eine nene durch Mutation e n t st a n d e n e Pflanzen form. Bekanntlich ist es bor einigen Jahren dem holländischen Botaniker de VrieS gelungen, von einer Nachtkerzenart (Oenotstsra I-amsrclcisiis) eine ganze Reihe neuer Formen durch sprungweise Variation oder Mutation zu erhalten. Seit der Veröffentlichung jener epochemachenden Versuche ist nun bereits mehrfach die Mitteilung gemacht worden, daß mich in andren Pflanzenfamilien neue Abarten, die offenbar durch Mutation entstanden find, aufgefunden Ivorden seien. So hat bereits im Jahre 1900 Graf Solms-Laubach über eine neu- entstaudeue Forni des HirtentäfchelkrauteS, die er Capsclla Heegeri nenut, berichtet. Neuerdings meldet der Wiener Botamker I. Wiesuer in der..Oesterreichischen Botanischen Zeitschrift", daß er bereits im Jahre 1853 in einer Au bei Brünn eine neue Form der Gattung Lysimachia(Friedlos), die der Species L. Nnrnmularia zwar nahesteht, sich aber in vielen wichtigen Punkten scharf von ihr unter- scheidet, entdeckt habe. Die neue Form, die unter dem Namen Lysimachia Zawadskii beschrieben worden ist, zeichnet sich durch länglich eiförmige, relativ stark gekerbte Blätter, durch auffallend lange Blüten- stiele, durch lanzettliche, am Grunde nie herzförmige Kelchzipfel, sowie durch lange, schmale Blmnenkronenbläiter aus. Außerdem ist ihr Habitus zivar uiederliegsud, nicht aber kriechend, wie her I-. Nummularia. Trotz unzähliger Bemühungen gelaug es niemals, die neue Pflanze au irgend einem andern Standorte anfzufindeir. Niemals ist es auch geglückt, an Stöcken von L. Nummularia, die unter den mannigfachsten Bedingungen(verschiedene LichnNtensität, verschiedene Luft- und Bodenfeuchtigkeit) in den wechselndsten Kom- binätionen gezüchtet wurden, Variationen von der Art der 1-. ZawaclLldi zu erhalten. Es hat daher in der That den Anschein. als müsse die von Wiesner- entdeckte neue Form durch Mutation entstanden sein.—(„Prometheus.") Notizen. — Eine wichtige Publikation über die reichen Wissenschaft- lichen Ergebnisse der deutschen Südpolar-Expedition ist in Vorbereitung. Sie wird 10 Bünde in Quart und einen Atlas von 3 Bänden umfassen mit Hunderten von Abbildungen und Tafeln. Der Leiter der deutschen Südpolar- Expedition Professor Dr. v. D r y g a l S k i ist auch Herausgeber und Redakteur dieses großen Werkes, dessen Verlag die Firma Georg Reimer in Berlin über- nommen hat.— —„Die Brautlotterie", Mes sagers Vaudeville- Operette, ist für das neue Ratio nal-Theater in Berlin er- worbcn Ivorden.— — Die Operette„Das Ei des C o lnm b u s" von O tt o S ch w a r tz hatte bei ihrer Uransführung in Wiesbaden einen starken Erfolg.— — Hugo Lnblincrs neues Lustspiel„Ein kritischer Tag" ist für das königliche Schanspiolhaus in Berlin erworben worden.— — Eine Ausschreibung an österreichische Künstle r. Die österreichische Gesellschaft zur Förderung der Medaillenkunst beabsichtigt, eine Plakette ausführen zu lassen, die eines der folgenden drei Themen darstellen soll:„Der Frübling". „Hundertjähriger Bestand Oesterreichs als Kaisertmn",„Donau- Weibchen und eiserner Mann", und ladet zu diesem Zwecke die österreichischen Künstler zur Vorlage von Modellen ein. Die Modelle find, mit dem Name» und der Adresse des Künstlers versehen, bis 30. September d. I. an den Präsideute» August Ritter v. L o e h r in Wie n Hl. Gärtnergasse 18, einzusenden.— — Dr. Karl A s ih o f f in Kreuznach ist es gelungen, au? dem Sinter der Kreuz u'a chcr Solquellen einen Stoff zu trennen, der starke radioaktive Wirkungen zeigt, und zwar scheinen die in den Quellen vorhandenen Baryumverbindungen die Träger dieser Eigenschaften zu sein.— Buchereinlauf. — D r. O>v l g l a ß:„Der saureApfel." Lyrik. München. Wert Langen.— — W a l t e r v. d. E l b e:„Eva" oder„Der W e g". Drama. Elberfeld. I. H. Born.— — Otto Julius Bierbau ni:„Die vernarrte P r i n z e ß". Drama. München. Albert Langen.— — J.Jobst:„Klaus W i n k l e r". Roman. München. Friedrich Rothbarth.— — Emile Zola:„N a u t a s." Novellen. München. Albert Langen.—-... — H e n n y R o s e n b a u m:„Allesamt Sünder". Novellen. München. Friedrich Rothbarth.— — S elmaLagertöf:„Christus leg enden." Novellen. München. Albert Langen.— — Guy de Maupassant:„Die kleine Roque. Novellen. München. Albert Laugen.— — Björn st jerne Björns on:„Gesammelte Er» Zählungen, 2. Band." München. Albert Langen.— — Freiherr v. Schlicht:„Der Lügenmajor.* Militärhumoresken. München. Albert Langen.— Die nächste Nummer des Uuterhaltungsblattes erscheint am Sonntag, den 23. August. Perantwortl. Redakteur: Paul Büttner» Berlin.— Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSaustaltPaul Singer Lrilo.. Berlin L\V.