Anterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 170. 15] Die flucht. Dienstag, den 30. August. ( Nachdrud verboten.) Von K. Bagrynowski. Der verdutzte Hausknecht wollte ihm statt aller Antwort die Thür vor der Nase zuschlagen, aber der Kosak stemmte schnell den Fuß an den Pfosten. Rindvich, was fällt Dir ein! Ich bin ganz durchfroren!.. Verstehst Du nicht: der Kaiser ist ermordet!.. Nimm das Pferd und bring' es unter Dach!" Der Hausknecht zitterte und wich zurück, denn er glaubte noch immer nicht, einen wirklichen Kosaken vor sich zu haben, bis dieser die steifgefrorenen Riemen gelöst hatte und den Capuchon abnahm. Eine Stunde später erzählten sich die Einwohner von Dschurdschnj in den verschneiten Häusern am lohenden Herde flüsternd die furchtbare Mär. Auf dem Polizei- Amte waren die Beamten, der Pope und die vornehmeren Bürger versammelt, bei Alexandroff aber die Verbannten. Draußen tobte der Sturm noch immer. „ Also es ist wahr, es ist wahr! Seit der Schlacht bei Kulikowo hat Rußland fein wichtigeres Ereignis erlebt! Meine Herren, für unser Vaterland bricht eine neue Aera an. Ihr braucht nicht mehr zu fliehen! Wir bekommen eine Verfassung... Freiheit!... Die Fesseln sind auf ewig gesprengt!" sprach Arkanoff erregt, indem er die Jurte mit hastigen Schritten durchmaß und die Hände ertatisch zusammenpreßte. „ Endlich, endlich!... Die vielen Opfer! Der Erdengott, vor dem der russische Bauer demütig im Staube lag, ist gestürzt, gestürzt!" Gewiß: das Ereignis ist für Rußland von der größten Wichtigkeit, aber wie wird es auf das Volk zurückwirken? Wer weiß, ob es aufhören wird, seine Gebieter zu vergöttern, ob es sie jetzt nicht bemitleiden und sich gegen die Thäter wenden wird? Wer bürgt uns dafür, daß es nicht eine noch trassere Reaktion zur Folge hat? Mit dem Namen des Erschlagenen ist die Befreiung von Millionen verknüpft Das Opfer ist schlecht gewählt worden. Dem Volke gegenüber war er einer der besseren Kaiser. Meiner Ansicht nach war die Ermordung eine politische Taktlosigkeit," sagte Pietroff griesgrämig. 1904 den Riemer wahrscheinlich nicht finden, der die Thürklinke erjezte. Krafsuski stieß die Thür auf. Auf der Schwelle erschien der Kosakenkommandant in Gala- Uniform, den Säbel an der Seite; den Kosaken, der ihn begleitete, ließ er draußen stehen und machte die Thür hinter sich zu. „ Der Jsprawnik läßt Sie bitten, um acht Uhr aufs Polizei- Amt zu kommen." Uns alle?" " Ja." " Zu welchem Zweck?" „ Das weiß ich nicht." ,, Sagen Sie dem sprawnik, er möchte uns eine amf liche Aufforderung schicken mit der Angabe des Grundes," jagte Arfanoff, der im Vordergrunde stand, hochfahrend: Also Sie wollen nicht kommen?" „ Wenn wir eine schriftliche Aufforderung erhalten fommen wir," faßte Samuel die Antwort in eine minder schroffe Form. Der Unteroffizier dachte eine Weile nach, dann grüßte er und ging sporenflirrend hinaus. Sie zerbrachen sich den Kopf, was das bedeuten könnte, und beschlossen, bis zum Morgen zusammenzubleiben. Alerandroff und Niehorski setzten ihren Gästen vorzüglichen Zwieback und gedörrtes Fleisch vor. Der immer wieder gefüllte Samowar dampfte ohne Unterlaß auf dem Tische. Bald kam ein Rosaf mit der offiziellen Aufforderung: Alle, die mit Namen und Vornamen genannt waren, sollten heute auf dem Polizei- Amte erscheinen, um die Eides formel, die dem neuen Kaiser zu leisten sei, zu unterschreiben. Die Ceremonie selbst sollte am andern Morgen in der Kirche stattfinden. Diese Forderung traf die Verbannten unvorbereitet. „ Die Ejel! Was für einen Wert hat mein Eid, zum Beispiel der Eid eines Menschen, der keine Religion hat," sagte Tscherewin und zuckte die Achseln. ,, Sie weigern sich also?" " Oh nein! So naiv bin ich nicht, mich in so plumper Weise auf den Leim führen zu lassen. Es ist doch klar, daß das eine Falle iſt." „ Möglich aber... ich kann nicht... obgleich ich theoretisch nichts dagegen haben kann. Aber es ist etwas Ungeheuerliches dabei... Ich kann nicht, und sollte min 3wangsarbeit deswegen drohen..." stieß Pietroff aufgeregt hervor. „ Ich denke, es unterliegt keiner Diskussion," begann „ Doch!" " Ja!" „ Nein!" ,, Einer der besseren Kaiser? Und die Waisenteile?| Arkanoff. Und die Landpolizei? Und das Chikanieren der Selbstverwaltung, des Schulwesens?.... Uebrigens . Uebrigens was bedeutet das Volk das Volk, die ungebildete, sllavische Herde, auf der eine Handvoll Beamte herumtritt," gab Arkanoff zurück. Das Volk wird sich entweder passiv verhalten, oder über die herrschenden Klassen herfallen... Jedenfalls wird's Unruhen geben," warf Alexandroff ein. Eine Verfassung werden sie vielleicht nicht geben, aber jedenfalls müssen sie Konzessionen machen," sagte Tscherewin ungewöhnlich energisch. „ Das hängt davon ab, was weiter geschieht... Ob die Partei start genug ist, sie zu erzwingen," meinte Nichorski. Die Unterhaltung wurde immer lauter, denn jeder war in dieser Hinsicht andrer Meinung und beeilte sich, dieselbe auszusprechen. Selbst Gliksberg hielt Woronin an einem Knopfe fest und redete leidenschaftlich auf ihn ein, während dieser nur wiederholte: " Ja.. ja, gewiß... Das ist richtig!" Wie richtig? So hören Sie doch!" rief Gliksberg. Endlich übertönte Arkanoffs tiefe Stimme alle andern: Meine Herren! Erheben Sie sich doch nur einen Augenblick über die Nichtigkeiten des alltäglichen Lebens, Lassen Sie die philiströsen Gewohnheiten fallen, verlangen Sie nicht, daß alles gleich bar bezahlt wird. Seit der Hinrichtung Ludwigs XVI. ist in unserm Jahrhundert..." Still! es fommt jemand Mag er kommen! Aber trotzdem schwieg der Redner vorsichtig. Im Flur dauerte das Geräusch ziemlich lange; der Eingetretene konnte zu „ Lakt ihn reden!" Die Stimmen wurden immer erregter. „ Also Ihr denkt, mein Mann wäre im stande, den Eid leisten!" rief Frau Arkanoff ganz verzweifelt. Im Gegenteil, ich denke," wiederholte Arkanoff eigenfinnig, daß ihn keiner von uns leisten wird, daß es nicht der Mühe wert ist, darüber zu reden. Die Frage ist nur, in welcher Form wir unsern Protest ausdrücken wollen." " In keiner Form! Wollt Ihr durchaus mit„ jenen Herren" reden? Die Sache ist klar genug: wir kommen nicht, also wollen wir nicht!" sagte Alegandroff. ,, Das genügt nicht! Das verstehen sie nicht!" warf Samuel ein. Sie sind im stande zu denken, daß wir Angst haben vor ihnen," fügte Krassuski hinzu. ,, Laßt sie denken! Was geht Euch das an, was der Isprawnik von Dschurdschnj von Euch denkt? Wie, mit keinem von ihnen, nicht mal mit einem Minister, würde ich über meine Grundsäße sprechen. Es ist zu komisch, sich einzubilven, daß man die mit etwas anderm überzeugen könnte, als mit dem Argument der Gewalt," meinte Alexandroff., „ Aber wir müssen doch etwas sagen; es ist nicht um ihretwillen, aber um der Massen, um der Geschichte willen," wiederholte Arkanoff. „ Natürlich! Die Massen haben ja nichts andres zu thun... Ich sag' Euch, jede Rederei schadet nur der Sache und nügt den Feinden. Jedesmal erfahren sie was Neues 678 fir aber müssen sein, wie eine Wolfe: niemand darf wissen, wann und aus welchem Punkte der Blizz fallen wird," pflichtete Niehorski Alerandroff bei. " Durchaus nicht! Wir dürfen keine Gelegenheit unbenutzt lassen, bei der es möglich ist, gerade die Regierung zu paralysieren, sie zu desorganisieren, den Einfluß der Beamten Bu untergraben!" suchte Arkanoff die Gegner zu überzeugen. Troßdem Alexandroff seinen Standpunkt energisch verfocht, wurde er überstimmt; sie beschlossen, ihre Weigerung zu motivieren und setzten die Antwort folgendermaßen auf: Wir verweigern den Eid, denn wir können uns nicht verpflichten, einer despotischen Monarchie treu zu dienen." Tscherewin bestand darauf, daß dies alles nur eine Falle sei, und daß er den Eid schwören werde. Alexandroff wies jede Erklärung mit Bestimmtheit zurück. ,, Reiner gegenüber, weder einer despotischen, noch irgend einer andern! Euch werden sie nachher nur festnehmen, und das wird das einzige Resultat sein." 21 Wenn wir nicht gehen, werden sie uns auch festnehmen!" Oh, bitte! Abwesenheit ist noch keine Uebertretung! Sie kann verschieden ausgelegt werden. Schweigen ist kein Verbrechen. Das werdet Ihr in keinem Gesetzbuch finden. Aber die Weigerung, einem Befehl nachzukommen, ist schon ein Verbrechen. Nichts ist so schwer durchzuführen, als schweigsamer Widerstand; aber der ist auch am mächtigsten. Ein Gespräch mit dem Feinde ist schon ein Kompromiß." Da sie fürchteten, ihre Weigerung könnte eine VerHaftung zur Folge haben, fanden sie es nicht ratsam, alle auf einmal auf die Polizei zu gehen. Einzeln kann's noch schlimmer werden." Wir könnten einen Bevollmächtigten hinschicken." " Das ist nicht gefeßlich. Der Isprawnik wird keine allgemeine Deklaration annehmen. Das ist nicht erlaubt." Was liegt übrigens daran? Schlimmer ist, daß ihnen niemand wehren kann, herzukommen und uns hier zu verhaften." " Ich sag' Euch, das ist eine Falle!" wiederholte Tscheremin. Niehorsti ging furchtbar aufgeregt in der Jurte auf und ab. ,, Hört," sagte er endlich, indem er mitten in der Stube stehen blieb. Wir haben einen ganzen Vorrat an Zwieback, haben Gewehre, haben für vier Mann Pulver, mit einem Worte alles, was zur Flucht vorbereitet ist. Das können wir herbringen. Die Wände der Jurte sind dick genug und mit Erde beworfen. Vom Flur aus können wir sehr gut schießen. Wir können Widerstand leisten. Bis zum Frühling können wir eine Belagerung aushalten, und wenn der Schnee geschmolzen ist, gehen wir in die Wälder. Laßt Samuel mit amserm Protest auf die Polizei gehen und die andern können indessen die Vorräte herbeischaffen." Dann setzte er seine hastige, nervöse Wanderung fort. Die Holzscheite im Ofen knisterten; der rote Schein beleuchtete die Menschen, die in bebender Erwartung um den Tisch und auf den Bänken an den niedrigen, schwarzgeräucherten Wänden faßen. " Nach dem, was in Rußland vorgefallen ist, wird das nicht den geringsten Eindruck machen, glaub' ich!" sagte Arkanoff endlich. Uebrigens, ich bin einverstanden," fügte er mißmutig hinzu, als er in die flammenden Augen seiner Frau blickte. Niehorsfi blieb vor ihm stehen. " Wir wollen niemand zwingen. Aber wir vier, die wir fliehen wollen, wir thun's gewiß. Hab' ich recht, Freunde?" Alerandroff, der neben ihm stand, nickte mit dem Kopfe. Woronin und Krafsuski traten bleich und düster blickend zu ihnen. " Das Pferd geben wir Jan, er wird dafür sorgen." In der Speisekammer und im Flur müssen SchießScharten angebracht werden." " Das wird sich schon einrichten lassen. Wir haben Zeit genug. Vor allem müssen wir Kugeln und Pulver haben." Krafsuski und Woronin gingen in die Schmiede, die Merte und Gewehre zu holen. In der Jurte herrschte schweres, peinvolles Schweigen. Fans Eintritt brach dasselbe. Er war vom Scheitel bis zur Sohle mit Schnee bedeckt. Er sah sie an und ohne ihnen einen Gruß zu bieten, machte er sich vor allem daran, seine erstarrten Hände am Feuer zu wärmen. Woher kommen Sie?" Sie haben mich rufen lassen Nun, und wie war's?" - des Eides wegen." • Ich hab' ihnen gefagt, ich hätte schon Treue geschworen den Bergen, den Thälern. und den Feldern.." brachte er mühsam hervor und schüttelte den Schnee von seiner Müße. ,, Und sie haben Dich fortgelassen?" Warum sollten sie mich nicht fortlassen? Ich hab' ihnen nichts gethan!" Er berichtete haarklein, wie es gewesen war. Ms Krassusti und Woronin mit der Munition kamen, und Niehorski gleich anfing, die Patronen zurechtzumachen, schüttelte Jan traurig den Kopf. " Ich bin zu alt dazu, meine Herren. Ich habe Kinder... Ich weiß wohl, das Leben wird mir hier nicht leicht gemacht werden " Ja, Deinen Posten wirst Du verlieren. Aber wir würden Dich nicht bei uns aufnehmen, selbst wenn Du's wollte. Wir bleiben hier, aber ohne verheiratete Leute und ohne Frauen," fügte Niehorski hinzu, indem er Eugenien von der Seite ansah; aber diese rührte sich nicht. An einer Ecke des Tisches schrieb Samuel schnell die Deklaration. Fertig! Unterschreibt!" ( Fortsetzung folgt.)] Bayreuth. ( Nachdrud verboten.) Bayreuth ist nicht nur interessant als Festspielstadt. Schon wenn man mit der Eisenbahn sich von Nürnberg aus nähert, fällt die seltsame und eigentümliche Formation des Landes auf. Die Bahn führt durch das Thal der Pegnitz, das von Höhenzügen begrenzt ist. Das Gelände verengt sich und mündet in das obere Begnigthal, das eng und gewunden sich darstellt. An Sommerfrischen, die hübsch im Grünen wie versteckt find, an Dörfern, die abseits von dem Bahngeleise an den Windungen des Flusses liegen, den die Bahn immer wieder überschreitet, vorbei, geht es sacht aufwärts. An den Hängen der Höhenzüge fällt das Gestein auf, das immer wieder unter der grünen Decke zu Tage tritt, unregelmäßige, ragende Felsblöcke, grau und verwittert. Die kleinen Berge erhalten dadurch ein seltsames, beinahe wildes, struppiges Aussehen. Nicht weit von Rupprechtsstegen liegt die Ruine Hertenstein, die in dem mittelhochdeutschen Heldengedicht Wolframs von Eschenbach Parcival" schon Erwähnung findet. Die malerischen Städtchen mit alten Stadtthoren, überragt von Burgen und Besten lohnen auch wohl, daß man nicht mit der Eisenbahn an ihnen vorbeifliegt. Eine Fußwanderung bietet des Reizvollen genug, bei dem Dorfe Krottensee liegt die Maximiliansgrotte, eine große Tropfsteinhöhle, die seit 1878 bequem zugänglich ist. Fünf große Hallen nehmen den Eintretenden auf. Brachtvoll ragende Stalaktiten entzüden das Auge, das zum Schluß von den malerischen Effekten des Kristallpalastes geblendet ift. Dann erweitert sich das Thal wieder. Die felsigen Höhen treten zurück. Wie gewunden dieses Thal ist, erfieht man daraus, daß die Eisenbahn, die möglichst den direkten Weg wählt, an zwanzigmal über die Pegnitz führt und in zehn Tunnels den sonst nötigen Umweg abschneidet. 17 D Jm sanfthügeligen Flachlande geht es nun weiter, an Kreußen vorbei, dem alten Ort, der durch seine einfach grauen und bunten Töpferwaren in früheren Zeiten bekannt war, dessen beste Erzeugnisse in unfren Museen stehen, durch das Thal des roten Mains nach Bayreuth. Bevor der Zug in den kleinen Bahnhof einläuft, fommen wir rechts an dem Wagner Theater vorbei, das auf einem kleinen Hügel über der Stadt liegt, ein anspruchs nur Steine loser Bau, ohne Zierrat, sogar ohne Butz, von einem schönen Park und Anlagen um und Fachwerk, geben. Geradeswegs steigt der Fahrweg, zu beiden Seiten von Fußwegen flankiert, hinan zu dem Hause. Ganz Bayreuth ist auf den Beinen, wenn die Anfahrt beginnt. Die Familie Wagner fährt in einer ganz einfachen, schwarzen Landkalesche zum Festspiel hause. Ein wenig höher noch liegt die Bürgerreuth, ein ländliches Haus, das in den Pausen an den im Freien stehenden Tischen die Festspielbesucher erquickt. Bayreuth liegt etwa in der Mitte zwischen dem Fichtelgebirge und der fränkischen Schweiz. Der Charakter der fränkischen Schweiz ist der eines Hochplateaus, durchschnitten von kleineren und größeren Thälern. Auch hier trifft man überall eigenartige Felsgebilde. Auf den betaldeten Höhen thronen alte Burgen, zerfallen und morsch. Das Gestein, das die Felsen bildete, ist meist Kaltgeſtein. Auffallend find dabei die seltsamen Formationen, die der Fels angenommen. Mit das Eigenartigste bilden die Höhlen, die eine Sehenswürdigkeit für sich sind. Die Höhlen der fränkischen Schweiz find bekannt und Gegenstand besonderer Untersuchungen. Tropf steingebilde finden wir in den Höhlen. In faft allen Sammlungen finden wir die Neste der urweltlichen Tiere, die hier gefunden wurden, entweder auf dem Grunde der Höhlen unter Schutt und Gestein, oder in Abdrücken im Kallstein. Diese Höhlen sie zerfallen oft in mehrere Stockwerke, die wieder 679 in verschiedene Kammern abgeteilt find, die die verschiedenen Reste| Hallen, Wasserkünften, Ruinen. Ein Sonnentomet umgiebt in halb bergen je nach der Gattung dienten den Tieren zum Schlupf- rundem Bogen das große Baffin. Die Säulen und die Seiten wintel, in dem sie verenden mußten, um nach tausend und aber wände sind mit farbigen Steinen verkleidet, der Sonnentempel selbst tausend Jahren jezt durch uns ans Licht gezogen zu werden. besteht aus Bergkrystall. In Blei getriebene und vergoldete Orna Staunend und finnend stehen wir davor und lesen mancherlei aus mente schmücken die Außenfront. Bemerkenswert ist hier noch ein diesen jahrtausendalten Zeichen. So genau sind diese Abdrücke, bis steinernes Theater, im Walde als Ruine aufgebaut. ins fleinste ist alles nachgebildet, wie bei einem galvanischen Abdruck. Die feinste Feder, der dünnste Knochen, ja jedes Härchen ist hier festgehalten, und durch diese zufällig aufbewahrten Refte fennen wir die Tierwelt jener uralten Zeit. Es ist ein seltsames Gefühl, vor einer solchen Platte zu stehen, die Jahrtausende überdauerte, die eine Tierform deutlich zeigt, die nicht mehr existiert und von der wir nichts wissen würden, hätten wir nicht diese deutliche, für fich zeugende Erinnerung. Bayreuth selbst ist voller Erinnerungen. Man merkt dieses schöne, gesegnete Alter, wenn man durch die kleinen, aber vornehmen Gassen geht. Wenn man abends auf dem Festspielhügel steht von wo aus man den besten leberblick über die nahe Umgebung hat und die Abendsonne auf den weiten Flächen der grünen Thäler liegt, die in diesem gelben Licht fanft glühen, überall, bis zum fernsten Horizont die feinen, leicht und fanft geschwungenen Linien der fränkischen Ebene, Wiesen, gelbe Felder, Dörfer dazwischen, alles ruhig träumend, endlos in der Unendlichkeit der Ebene, dann spürt man diesen feinen Reiz des Alters. Auch wenn Bayreuth kein Festspielhaus hätte, böte es so genug, um einen Besuch zu rechtfertigen. Und thatsächlich nehmen manche hier längeren Aufenthalt, durch den stillen Charakter der Stadt und die schöne Landschaft angezogen. Ernst Schur. Kleines feuilleton. Auf dem Fichtelgebirge entspringen Eger und Saale, der weiße Main, die Naab. Es ist eine Wasserscheide. Mit der Elbe, dem Rhein, der Donau ist das Gebirge damit verbunden, tt. Das Fließ. Was anderswo in gebirgigen und hügeligen weiterhin durch diese Flüsse wieder mit der Nordsee und Gegenden der Bach ist, das ist in der norddeutschen Tiefebene das dem Schwarzen Meere. Granit, und kristallinischer Fließ. O, es ist ein großer Unterschied zwischen beiden, ein Unter Schiefer bilden den Grundstock des Gebirges nebst seinen Abschied fast wie zwischen Tag und Nacht. Aber die Nacht ist ein Teil Lagerungen. Dunkle Fichten- und Tannenwälder, ein fruchtbarer des Tages, und das Fließ ist auch nur eine besondere Ausbildung Waldboden geben ihm sein Gepräge. Der Ochsenkopf( 1024 Meter) des Baches. Im norddeutschen Flachlande fehlen nicht nur die und der Schneeberg( 1058 Meter) find die höchsten Erhebungen. Auf größeren Höhen, wie in jeder Ebene, es fehlen auch die Quellen. dem Gipfel des Schneeberges das Bacöfele, eine Felsgruppe, die Gewiß sind auch Quellen mehr oder minder an Höhen gebunden. fieben Meter hoch und bequem zu ersteigen ist. Eine Schutzhütte Aber einige Hügel hat schließlich die norddeutsche Tiefebene auch. bietet Unterkunft. Die Nundsicht eröffnet den Ausblick auf das Erz- Allein das Terrain ist sandig bis zu einer gewissen Tiefe. 3war gebirge, die Thüringer Berge und die nahe Umgebung. Weiter ist giebt es unten, oft gar nicht so weit von der Oberfläche des Bodens die Aussicht vom Ochsenkopf. Der Weg geht in der Höhe auf Granit entfernt, auch Lehm- und Thonschichten, die das Wasser aufsammeln. stufen am Schneeloch vorbei, einer fünf Meter tiefen Grube, in der Die Entstehung dieser Schichten bringt es jedoch mit sich, daß sie sich im Sommer noch Schnee liegt. Auf einer Steinplatte befindet sich fast immer in gleicher Entfernung von der Oberfläche hinziehen. Sie das uralte Bild des Ochsenkopfs. Früher wurde im Fichtelgebirge treten nie zu Tage, und so kann auch das Wasser, das über ihnen lebhafter Bergbau betrieben, Gold, Silber, Blei, Zinn, Antimon. ruht, nicht zur Oberfläche hervorfließen, es bleibt gleichfalls in der Jezt ist der Bergbau überall erloschen. Nur Schutthalden zeugen Tiefe. Quellenbildung ist demnach sehr selten im niederdeutschen noch davon. Dafür werden jetzt in den Ortschaften andre Industrien Flachland. Von den Höhen aber läuft das Wasser, wenn nicht starte betrieben, Steinschleifereien, Glasschleifereien. Gewitterregen oder Wolkenbrüche sich einstellen, nicht herab, das Wasser dringt mit Leichtigkeit in den sandigen Boden ein. Hier verfickert es entweder in der Tiefe, oder es gelangt auf eine undurchlässige Schicht und läuft an dieser nach dem Thale ab, ohne indes aus den bereits angeführten Gründen zu Tage zu treten. und durch von den Höhen fließendes Wasser gespeiste Bach fast So fehlt denn hier in der norddeutschen Tiefebene der durch Quellen gänzlich, der munter plätschernde, unruhige, überaus liebliche, freundliche Bach. An seine Stelle tritt das Fließ. Es stellt meist ben Abfluß eines Sees, eines Sumpfes oder Moores dar. Da es an Höhen fehlt, der Anfang des Fließes nicht viel höher als seine Mündung liegt, so ist der Lauf träge. Das Wasser fließt langsam dahin. Und weil es langfam fließt, so lagert es viel Schlamm ab und droht, leicht zu versumpfen. Gleich dem Bach schlängelt es sich oft in zahllosen Windungen dahin. Denn wenn die Kraft des Wassers auch nicht stark ist, um die Böschungen schnell zu verändern, so halten dafür die Ufer bei ihrer sandigen Beschaffenheit auch nicht lange der Berührung mit dem Wasser stand. Sie werden unterwaschen und stürzen alsdann ein. Dadurch bekommt der Lauf des Wassers fortgefeht neue Richtungen. Man sieht aber auch sehr geradlinige Fließe, die, von Menschenhand reguliert, nichts weiter als Abzugsgräben auf Mooren, nassen Wiesen und Feldern sind. wo das Fließ sich selbst überlassen bleibt, und wo es nicht allerdings häufig der Fall ist im Hochsommer wasserleer ist, da entwickelt sich an ihm eine reiche Vegetation. Das langsam fließende Durch einen Garten von der Straße getrennt, liegt Richard und darum sehr warme Wasser und der Schlamm rufen große Wagners Haus„ Wahnfried" in der nach ihm genannten Straße. Eine Fruchtbarkeit hervor. Erlen und Weiden, wie auch Eichen wachsen Sgraffito Zeichnung schmückt den Giebel: Wotan als Wanderer an seinen Ufern, dazu eine Menge Sträucher. Der Hopfen wuchert lauscht den weisen Raben, rechts die griechische Tragödie, links hier in unbändiger leppigkeit und bildet, um Baum und Strauch die Musik. Der Knabe Siegfried daneben, die Kunst der Zukunft geschlungen, schöne buschige Lauben an und über dem Fließe. Ein symbolisierend! An das Haus schließt sich hinten ein Garten, der dichter Flor von Blumen begrenzt die Uferränder. In dem langsam an den Schloßpark grenzt. Eine fleine Gitterthür führt direkt hinein. fließenden Wasser gedeiht selbst die Calla und die schöne gelbe So fonnte Richard Wagner von seinem Garten aus ungehindert in Schwertlilie, die sonst meist an sumpfigen See- Ufern zu finden ist. den Schloßgarten eintreten. Hinter dem Hause befindet sich auch Die Ueppigkeit des Pflanzenwuchses ist fast stärker als an den das Grab Richard Wagners, eine einfache Stätte, von schattigen rechten Bächen, aber es ist mehr die leppigkeit des Sumpfes; das Bäumen umstellt; friedlich gehen die stillen Wege des Hofgartens muntere, jugendfrische, rührige, liebliche Treiben, das dem Gebirgsa daran vorbei; eine riesige, von Epheu umrantte Granitplatte liegt bach eigen ist, fehlt dem Fließe der norddeutschen Tiefebene. auf dem Grabe. Bayreuth ist voller Erinnerungen. Sie reichen nicht ins Altertum zurück. Aber sie sind gewichtig genug, uns an geistige Epochen unsres Volkes zu erinnern. Ein Brachtbau ist das alte, 1748 erbaute Rofototheater. Die Logen sind so flein, daß man nur mit Mühe hineingelangt und zu sammengezwängt fizzen muß. Reiche Vergoldung schmückt das Innere. Das Proscenium ist in vollendet schönen Linien gehalten. Die Bühne ist die größte Deutschlands. Der reichverzierte, fammetne Borhang hat ein Schidsal gehabt. Er wurde von Napoleon I. er repräsentierte ein fleines Vermögen nach Baris mitgenommen, dann holten ihn fich die Desterreicher von dort und brachten ihn für das Hofburg- Theater nach Wien. V Noch ein andrer Toter ruht hier: Franz Liszt. In der Liszt straße liegt das Sterbehaus Liszts. Auf dem Friedhofe birgt ein in romanischem Stil erbautes fleines Mausoleum die Reste. Nicht weit davon ruht Jean Paul unter einem großen Granitblock, dessen Standbild in der Stadt den nach ihm benannten Platz schmückt. Jean Paul lebte hier die letzte Zeit seines Lebens. Das Wohn- und Sterbehaus ist durch eine Tafel gekennzeichnet. Jean Paul ging oft eine halbe Stunde aus der Stadt hinaus nach einem Wirtshaus, das an der Straßenbiegung nach der Eremitage liegt: des Rollwenzels Haus. Die Wirtin, eine alte Frau mit gewandtem Mutterwig, machte es ihm hier bequem, ließ sich von ihm seine Sachen vorlesen und fritisierte sie. Hier dichtete Jean Paul" steht über dem kleinen Haus. Die Stube, in der er zu arbeiten pflegte, ist erhalten in dem früheren Zustand, ſein Bildnis, feine Büste, ein Heft mit Notizen finden sich darin. Es ist nach dem Hofe zu gelegen. Hinter dem Hause stand früher eine Gartenlaube, in der Jean Paul mit seiner Familie schöne Abendstunden verbrachte, wie er selbst sagt, die schönsten seines Lebens". Eine breite Allee führt weiter zu der Eremitage, einem Luftschloß mit schönem alten Part, Wald und Wiesen, Arkaden und " 1 was k. Kinder als Dichter. Ernest Blum teilt in seinem ,, Journal d'un Vaudevilliste" ein paar Dichtungen mit, die Kinder gemacht haben. Eines Tages," so erzählt er, fam einer meiner Freunde zu mir und brachte seinen fünfjährigen Jungen mit. Ich stelle Dir einen Kollegen vor," sagte er. Ich begrüßte den fleinen Mann freundlich, denn fünfjährige Kollegen beunruhigen einen noch nicht. Sein Bate hat ihm ein kleines Theater geschenkt und zu dessen Gro öffnung hat er ein Stück geschrieben. Das will ich Dir zeigen," er flärte der Vater boll Stolz. Dieses Opus lautete wörtlich folgendermaßen: Jujules:„ Guten Tag, liebe Cousine, wie geht's?" Die Cousine:" Dante, gut, Jujules." Jujules:„ Wenn es Dir gut geht, so geht es der Tante, die Dich sehr liebt, auch gut." Die Cousine: " Natürlich, und wie geht es Dir?" Jujules:„ Mir geht es auch gut, nur hat mich Papa heute morgen ausgeschimpft, weil ich immer die Finger in die Nase stede." Die Cousine:„ Warum steckst Du denn die Finger in die Nase?" Jujules:" Ich will sie mir wärmen, wenn mir falt ist." Die Coufine: Ah, da kommt der Schloß gärtner. Guten Tag, Gärtner." Jujules:„ Guten Tag, Gärtner." Der Gärtner: Wünsche auch Ihnen beiden einen guten Tag, Herr Jujules und Frau Cousine." Jujules:" Bringen Sie mir auch mit, " " 680 was ich Ihnen aufgetragen habe?" Die Cousine: Was hast Du nußloser Stromverbrauch statt. Bekanntlich gehen in Waschanstalten ihm denn aufgetragen?" Jujules:„ Schöne Blumen aus Zuder mit Dampfbetrieb enorme Mengen Energie bei Riemenübertragung soll er bringen, wie man sie beim Konditor kauft." Die Cousine: dadurch verloren, daß häufig einzelne Maschinen still stehen müssen; " Du liebst also Zuckerblumen mehr als die andern?" Jujules: die Dampfmaschine läuft aber trotz der geringeren Belastung weiter. " Ja, weil man sie essen kann und, wenn es dann regnet, Es sind vier sogenannte Hemdenstärker und zwei Kragen- und dann läßt der liebe Gott Buckerwasser regnen." Der Gärtner:" Ich Manschettenstärker vorhanden, welche mittels einer sechs Meter bringe sie Ihnen mit; Sie wissen, Herr Jujules, Ihnen kann ich langen Welle von einem Elektromotor mit einer Leistung von einer nichts abschlagen." Jujules:" Danke, Gärtner, was soll ich Ihnen Pferdestärke angetrieben werden. Ferner besitzt die Anlage zwei für Ihre Mühe geben?" Der Gärtner: Was Sie wollen." Jujules: Chemisette- und zwei Manschetten- Preßmaschinen, welche ebenfalls Nun wohl, dann gebe ich Ihnen die Hand meiner Tochter. Der von einem 1 Pferdestärke- Motor bethätigt werden. Sämtliche Vorhang fällt. Eines Tages gab man mir auch eine Geschichte zu Motoren gehören der bekannten Crocker- Wheeler- Type an. Die Lesen, die ein sechsjähriges Kind geschrieben hatte und die so anfing: Hemdenplätt- Abteilung besteht aus vier Reihen von Plätt- Apparaten, Es war einmal ein König und eine Königin, die hatten keine von denen jede Reihe vier Apparate enthält. Diese erhalten eine Kinder; da trafen sie eine gute Fee, die sagte zu ihnen:„ Liebet ruckweise Bewegung und zwar mittels einer von Schuhleisten um= Euren Vater und Eure Mutter, lernt tüchtig Eure Schulaufgaben, gebenen Kette, welche mit einem 1 Pferdestärke- Motor verbunden und Ihr werdet erhalten, was Ihr wünscht." Wirklich brachte ist. Die übrigen Maschinen werden ebenfalls von Elektromotoren 15 Tage danach der König einen Sohn zur Welt." mit einer Leistung von bis 1 Pferdestärke angetrieben. 21 " Aftronomisches. Humoristisches. 1 - Geliefert. Schlaumeyer frägt in einem Auskunftsbureau an:" Ist Lippmann ſenior, Getreidehändler, zahlungsfähig? Ich habe einen Wechsel auf ihn." Der Mann ist gut für jeden Betrag. Schade nur, daß er blind ist." Blind?" ruft Schlaumeyer entsetzt, dann bin ich geliefert der Wechsel ist bei Sicht zahlbar". - Niedergang des Meggergewerbes. No, Xavert, thua do Deine Brillanten runter; bei do teuern Viechpreis leid's es nimmer, daß ma oan berwurstelt!" en. Die Atmosphäre der Planeten. An der LowellSternwarte sind spektroskopische Untersuchungen an den Planeten Uranus und Neptun vorgenommen worden. Das Spektrum des Neptun erinnert merkwürdigerweise an das eines Figsterns, nämlich des Pollux im Sternbild der Zwillinge. Mit ziemlicher Sicherheit geht daraus hervor, daß in der Atmosphäre des Neptun eine erheb= liche Menge von freiem Wasserstoff vorhanden ist, der sich bekanntlich im Luftmeer der Erde nicht findet. Das Spektrum des Uranus zeigt faum eine Abweichung vom gewöhnlichen Sonnenspektrum, ausgenommen eine auffallende Linie, die sich nur auf eine Gegenwart des Elements Helium deuten ließe, aber wohl noch einer Bestätigung bedarf. Das Helium findet sich allerdings auch in der Erdatmosphäre, aber in so geringer Menge, daß sein Nachweis erst Druckfehler. Die junge Dichterin hat die Blicke der in jüngster Zeit und nur mit den feinsten chemischen Mitteln ge- ganzen deutschen Lebewelt auf sich gelenkt. lungen ist. Wenn dagegen eine Heliumlinie im Spektrum des Uranus thatsächlich vorhanden ist, so spricht sie für das Vorhandensein einer erheblichen Menge von Helium in der Lufthülle dieses Planeten. Außerdem enthält die Atmosphäre des Uranus gleichfalls freien Wasserstoff, aber nicht so reichlich wie die des Neptun. Die Schicht von Gasen über dem Neptun muß übrigens auch eine viel größere Höhe bejizen. Im Spektrum dieses äußersten Planeten des Sonnensystems finden sich einige starke Bänder, deren Ursprung bisher noch unbekannt ist. Vielleicht deuten sie auf Wasserdampf, doch meint der beobachtende Astronom, daß sie möglicherweise durch Gase veranlaßt werden, die ähnlich wie Wasserstoff und Helium, aber noch leichter als diese sein müßten. Die Thatsache, daß diese Gase bisher in den Spektren von Sternen noch niemals vorgefunden worden sind, erklärt derselbe Fachmann dadurch, daß in den FirSternen die Temperatur zu hoch dafür sei. Technisches. „ Können Sie Unter Kriegskorrespondenten. chinesisch, Herr Kollege?". " Ich nicht. Aber meine Leser werden's jetzt bald können." ( Jugend.") Notizen. - In Tientsin wird vom 1. Oktober ab die erste Tageszeitung in deutscher Sprache für China,„ Das Tageblatt für Nordchina", erscheinen. Die Tauchnig- Kollektion umfaßt nunmehr 3713 Bände. Von diesen rühren 3378 von englischen Autoren und 335 von amerikanischen her. " -D18 gerettete Benedig", ein fünfattiges Trauerspiel von Hugo v. Hofmannsthal, wird als eine der ersten Neuheiten im Lessing Theater aufgeführt werden. " V = Im Lichthofe des Kunstgewerbe Museums beginnen am 1. September wieder die Sonderausstellungen, welche auch für den Abendbesuch( wochentäglich außer Montag von 7 bis 91 Uhr) geöffnet sind. aller Zeiten. Die erste enthält Sitzmöbel c. h. Waschanstalt mit elektrischem Antrieb. ( Nachdruck verboten.) Vor kurzem ist in Washington( Amerika) von der Firma F. H. Walker eine große Waschanstalt erichtet worden, welche auf Grund der modernen Einrichtung wohl als eine der vorzüglichsten Anlagen dieser Art betrachtet werden kann. Ehe Ein deutscher Bauer", ein neues Schauspiel von man mit dem Neubau begann, wurden erst die renommiertesten Otto Vischer, soll Mitte Oktober im Wiener RaimundWäschereien des Landes besichtigt, um die neuesten Erfahrungen Theater zur Erstaufführung kommen. und Vervollkommnungen bei dem neuen Etablissement berücksichtigen zu können. Das Gebäude besteht aus einem Bauwerk von 25 Metern Länge und 45 Metern Tiefe, es besitzt drei Stockwerke mit einem Dachgeschoß und ist aus Eisen und Ziegelmauerwerk aufgeführt. Im Maschinenraum ist eine Dampfmaschine mit einer Leistung von 115 Pferdestärken aufgestellt, welche mit einer 75 Kilowatt- Dynamomaschine direkt gekuppelt ist. Das aus Marmor angefertigte Schaltbrett besteht aus drei Abteilungen und ist mit den neuesten Meßapparaten ausgestattet. An den Maschinenraum stößt der Kesselraum, welcher zwei horizontale Röhrenkessel mit einer Leistung bon 300 Pferdestärten und einem Greenschen Economiser zum Vorwärmen des Kesselwassers enthält. Das in der Anlage benutzte Wasser wird in zwei auf dem Dache aufgestellten Reservoiren mit einem Fassungsraum von je 27 000 Litern filtriert; das eine liefert heißes Wasser, indem es durch den Economiser nach einem Speisewasser- Anwärmer fließt, durch welchen der Auspuff der Dampf maschine hindurchgeführt wird. Auf diese Weise verschafft man sich ohne nennenswerte Kosten eine unbegrenzte Menge Wasser. Die gesamte Anlage ist mit Dampfheizung ausgestattet, wobei man ebenfalls den Auspuff der Dampfmaschine verwendet. Die Kosten für diese Heizungsanlage sind daher auch so gut wie Null. Bis vor kurzem betrug die größte Höhe, in die ein unbemannter Ballon gelangt war, etwa 16 000 Meter. Nener dings ist nun diese Höhe um ein Wesentliches überschritten worden. Wie aus Zürich berichtet wird, drang ein von der schweizerischen meteorologischen Centralanstalt lanciertes Registrierballonpaar bis zu einer Höhe von 19 000 Meter über dem Meeresspiegel empor, wobei sich ein tadelloses Funktionieren der Registrierungsinstrumente bis in die allerhöchsten Schichten ergab. - Der erste atlantische Turbinendampfer iſt fürzlich vom Stapel gegangen. Das Vittorian" getaufte Schiff iſt 340 Fuß lang, 60 Fuß breit und 42 Fuß 6 Zoll tief. Es ist über 12 000 Tonnen groß. Es hat acht Verdecke, von denen sechs den Reisenden zur Verfügung stehen. Die Brücke des Kapitäns befindet sich 80 Fuß über dem Kiel. Der Schornstein hat einen Durchmesser von 20 Fuß. Das erste, was dem Besucher des Etablissements in die Augen fällt, ist das Fehlen fast aller Riemen und Riemenscheiben, welche Wie die„ Augsburger Postzeitung" berichtet, hat sich fürzlich man sonst in den Arbeitssälen derartiger Anlagen antrifft. Das- bei dem Brande in Rimpar bei Würzburg ein föstliches selbe besit nämlich Elektromotoren- Antrieb, und zwar ist der Stückchen abgespielt. Es rückte auch der größte Teil der Würz Einzelantrieb zur Anwendung gekommen, jede einzelne Arbeits- burger Feuerwehr nach dem bedrohten Drte ab, um helfend ein maschine wird also von einem besonderen Elektromotor bethätigt, zugreifen. Aber die Feuerwehr von Rimpar wachte eifersüchtig während sämtliche Motoren von einer gemeinsamen Stromquelle ( Stromerzeugern) gespeist werden. Diese Antriebsweise besitzt den Vorteil, daß der Elektromotor nur so lange läuft, als die von ihm angetriebene Maschine arbeitet; wird diese außer Betrieb gefeßt, so wird auch der zugehörige Motor ausgeschaltet, und es findet kein Verantwortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin,-Druck und Verlag: darüber, daß nur sie selbst, höchstens noch eine andre Dorffeuerwehr sich am Löschen beteiligte. Als einer der Würzburger Führer sich darüber beschwerte und Arbeit für seine Mannschaften verlangte, entgegnete einer der Dorftommandanten: Ist das jest Guer Feuer oder unsres? Ihr wollt alles haben!" Vorwärts Buchdruckerei u.Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.