Anterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 172. DIG 17] Die flucht. Donnerstag, den 1. September. ( Nachdrud verboten.) Von K. Bagrynowski. In der Stadt und in den benachbarten Ebenen war der Schnee verschwunden, aber Wälder und Berge waren noch mit einem weißen Mantel zugedeckt. Angesichts der tiefverschneiten Berggipfel durfte noch an feine Reise gedacht werden. Hauptsächlich mußte der Aufbruch aufgeschoben werden, weil es noch kein Futter für das Pferd gab. Die hellgrünen jungen Gras hälmchen wagten sich kaum aus der kalten Erde. Jetzt konnten sie jedoch ruhig warten. Das Eis auf den benachbarten Seen war mürbe und mit tiefen Rissen bedeckt, die Winterwege, die darüber führten, verschwunden, und die Sommerstraßen waren noch unbrauchbar, denn die Flußbette, die Hohlwege und Schluchten waren voller reißender, schäumender Bäche. Und wer in das verräterische Netz der steigenden Gewässer geraten war, der mußte, abgeschnitten von der Welt, auf hohen trockenen Hügeln von den Wassern belagert, oft wochenlang warten, bis der Weg frei war. Dann litten die Menschen Hunger und Kälte, ein Pferd fiel nach dem andern, und für gewöhnlich wagte es weder die Post, noch ein Bote, die Menschenwohnungen zu verlassen, in denen sie das Tauwetter ereilt, und in das Labyrint von Bächen und Seen vorzubringen. Die Nacht war vorbei. Morgen- und Abendrot folgten einander auf dem Fuße, wie die Flügelschläge eines Vogels. Am Horizont war der rote Schein von einem wunderbaren Nimbus von rosigen Nebeln umgeben, im Zenit aber glänzten funkelnde Sterne. Und die Nächte waren lautlos, denn mit Sonnenuntergang hörten die Winde auf zu wehen, die kleinen Bäche verstummten vor Kälte, die größeren aber dämpften ihr Brausen. Die Vögel verkrochen sich im Röhricht, und nur die Gänse, die auf den Sandbänken übernachteten, schnatterten leiſe. Wenn die Sonne aufging, war es, als berühre eine Hand vielstimmige Saiten: alles erwachte zu heißem übersprudelndem Leben. Auf der Erde setzten die filbernen Bäche ihre Wanderung plätschernd fort. Vergessene Schnee- und Eisreste schmolzen. Aus dem Schlummer geweckt, sang, schrie, tämpfte die Vogelwelt, als wollte sie, des langen Winters eingedenk, Freude, Leid und Liebe bis auf die Neige auskosten. Bitternde, sanfte Winde brachten immer neue unzählige gefiederte Scharen vom Süden herbei, die Luft war überfüllt von den flüchtigen Gästen, die ängstlich daherflogen, wie eine Handvoll Blätter, die ein unsichtbarer Sturm vor sich hertreibt. Trotzdem behielt jede Gattung die ihr eigne Schwarmbildung und ihren eigentümlichen Flug. Die weißen Schwäne flogen in langer Reihe niedrig über der Erde, daß es aussah, wie Schnüre großer Perlen. Die Gänse bildeten einen spizzen Winkel und schnatterten ohne Unterlaß. Die Enten schlangen unruhige bewegliche Kreise, einem Rosenkranz gleich, den eine mächtige Hand in den Aether geschleudert, oder sie flogen in dichtgedrängten, lärmenden, flachen Scharen vorüber. Die kleinen Vögel zogen regel- und führerlos ihren Weg. Vor dieser Frühlingswoge, die von Wärme, Feuchtigkeit und Leben überströmte, flohen Tod und Schnee, von der Sonne gehegt, vom Wasser bedrängt gegen Norden; in ihrem Gefolge aber brachte sie zierliche krause Wölfchen, der gelbe„ Niurgussun" blühte auf den Wiesen und am Waldesrand, der samtne Rasen schillerte sanft, die Lärchen bedeckten sich mit goldig- grünem, duftendem Flaum, und der Sommer fündigte seine heiße Herrschaft an. Eugenie, die den arktischen Frühling zum erstenmal in ihrem Leben sah, war bezaubert von seinem überströmenden Leben. Ihr Herz strebte den leichtbeschwingten Vögeln nach, und voller Neid dachte sie an die vier Menschen, die bald fortziehen sollten. Endlich barst auch das Eis auf dem Flusse mit lautem Krachen. Und bald darauf machten sich die Verbannten auf den Weg. Die Nacht war nicht mehr rosig, sondern golden, denn die Sonne ging nicht mehr unter. Das Städtchen schlief in den grauen Wolfen der Rauchkessel, die vor jedem Hause glommen. Woronin stand Wache auf dem Dache, während Krassusti 1904 das Gepäck vorsichtig aus der Schmiede holte und es durch die Sträucher an den See brachte, an dessen Ufer ein kleines Boot schaukelte. Der langgestreckte See schlummerte schwarz und unbeweglich im grünen Rahmen des Lärchenwaldes. Unzählige Mücken tanzten über dem Boote und stachen die arbeitenden Menschen unbarmherzig. Ein Schwarm begleitete Krassuski stets bis an die Jurte und erwartete ihn dort mit blutgierigem Gesumm. Aber der Jüngling, den die Vorsicht und Eile erheischende Arbeit ganz in Anspruch nahm, fühlte ihre Stiche nicht. Große Schweißtropfen standen auf seiner Stirn, denn das Gepäck war in große, schwere Ballen gebunden. Er atmete erst auf, als er sich im Boote niedersetzte und es mit dem Doppelruder abstieß. Woronin ging in der Richtung des Städtchens fort, um die Gegend auszufundschaften, denn nur von jener Seite her konnten sie von zufällig vorbeigehenden Leuten bemerkt werden. An der andern Seite erstreckten sich unzugängliche Sümpfe und Gewässer. Im Schutz der herabhängenden Bäume und des niedrigen Röhrichts führte Strafsuski das Boot mit leisen, aber fräftigen Ruderschlägen vorwärts. Er gelangte glücklich ans Ende, wo eine schmale, mit spärlichem Weidengesträuch bewachsene Landenge den See von dem Hohlwege trennte, der zum Flusse führte. Hier sollten ihm Alexandroff und Niehorski erwarten, aber sie waren nirgends zu erblicken. Auch Woronin war verschwunden, denn der Sumpf zwang ihn, einen Umweg zu machen. Krassuski wartete eine Weile; dann ließ er einen langgezogenen Pfiff ertönen. In der Nähe antwortete ihm ein andrer, aber noch immer fam niemand zum Vorschein. Er stand also im Boote aufrecht und lauschte, ans Ruder gelehnt, als plöglich Niehorski aus dem seitwärts stehenden Gesträuch auftauchte. ,, Es ist überall sumpfig hier herum. Wir können das Pferd nicht an den See bringen. Die Sachen müssen wir selbst hinübertragen und das Boot mitziehen." ,, Ach, das wird viel Zeit kosten, und im Städtchen kann's jeden Augenblick lebendig werden." ,, Samuel, Pietroff, Arkanoff werden uns helfen..." ,, Also sind sie da? Alle?" Niehorski nickte. In Krassuskis Gesicht zuckte es nervös, er bückte sich schnell und hob ein mächtiges Bündel auf. Sie brauchten sich hier nicht in Acht zu nehmen, wie mitten in der Stadt, aber die aufgeweichte Erde, das Wasser ringsherum legten ihnen Hindernisse in den Weg, und die Eile machte sie nervös. Und jeden Augenblick konnte sie irgend ein Jakut, ein Wanderer, ein Mädchen aus der Stadt überraschen, die eine verirrte Sub suchten oder einfach sehen wollten, was der ungewöhnte Lärm bedeute. Das war umso wahrscheinlicher, als Die Fischer gewöhnlich diesen Weg nahmen, um an den Fluß zu gelangen, denn hier war er am nächsten und bequemſten. Alle Verbannten, Gliksberg mit einbegriffen, machten sich daran, die Sachen in aller Eile hinüber zu schaffen, aber außer Alexandroff und Krafsuski war niemand im stande, einige der Ballen von der Stelle zu bewegen. Der erstere mußte jedoch den Schimmel halten, denn die hastigen Bewegungen der Menschen machten ihn scheu, er zerrte am Zügel und bäumte sich, der andre hatte das Boot ausgeladen und versuchte es aus dem Schlamme zu ziehen. ,, Laßt alles liegen und stehen und helft mir, zum Teufel!" rief er ungeduldig, denn die unzähligen Mücken machten ihn nervös; die Hilflosigkeit der Menschen machte sie fühn, sie tanzten in der stillen Luft summend um ihn herum, blendeten seine Augen und ließen ihn kaum atmen. Als sie das Boot endlich mit vereinten Kräften aus dem Röhricht des Sumpfes auf einen freien Platz gezogen hatten, riet Krassusti eine Schlinge aus dem Lasso zu machen, und Alexandroff spannte das Pferd vor den Kahn, in dem das zurückgebliebene Gepäck untergebracht wurde. Der Schimmel zog frisch an, aber als er die würgende Schlinge am Halse ver spürte und das Knarren des hinter ihm gleitenden Fahrzeuges hörte, sprang er schnaubend zur Seite, schlug aus und knickte die Zweige um sich. Strafsuski konnte sich kaum beherrschen, er zerrte gewaltsam an der Leine und seine Hand fuhr von Zeit zu Zeit an den Gürtel, von dem sein Messer herabhing. Da erblickte er von der andern Seite Eugenie, die ganz bleich vor Schrecken war. Ganz von seiner Arbeit in Anspruch genommen, hatte er nicht einmal Zeit gehabt, ihr einen Gruß zu bieten. Jetzt zudte er beim Anblick ihrer weit geöffneten 686 Augen und ihres schmerzerfüllten Gesichts zusammen. Sanft strich er dem Pferde, das sie einst so gern gehabt, über Stirn und Hals und suchte es mit schmeichelnder Stimme zu beruhigen. Das Zier legte ihm wie früher den Kopf zutraulich auf die Schulter und zitterte nicht mehr. Als sie es wieder eingespannt hatten, wiederholte es seine Sprünge, lief aber vorwärts, und bald war das Boot an Ort und Stelle. Nun mußten sie dasselbe noch von dem hohen lehmigen Abhange hinunterbringen, auf den breiten grauen Fluß, der von hellen jonnigen Streifen und langen Morgenschatten durchkreuzt war. Hier bereitete ihnen der Schimmel wieder Schwierigkeiten: er wollte den steilen Pfad nicht hinabsteigen. Alerandroff und Krajjusti riß erfolglos an der Kandare, es bäumte fich und zerrte sie über den Abgrund hin und her. Die unten verfammelten Kameraden konnten einen Schreckensruf nicht unterbrücken. Krajjuski mußte es auf einem weiten Umiveg den sanfteren Abhang hinabführen. Alexandroff brachte indessen das Gepäck Niehorskis, Woronins und Samuels im Kahne herüber; der lettere wollte sie bis an die Berge begleiten. Als Krassusti tam, fand er nur noch Pietroff, Glitsberg und die beiden Arkanoffs am Ufer. „ Schnell, schnell!" rief der im Boote stehende Alerandroff ihm zu. Die Mücken, die in dichten Schwärmen umherflogen, bergällten ihnen den Abschied. Doch traten allen die Thränen in die Augen, als sie diesen lezten der Genossen umarmten, die wie sie überzeugt waren, dem sicheren Tode entgegengingen. Auf Wiedersehen! Auf Wiedersehen! Kommt zurüd, wenn's nicht gelingt. Wir werden suchen Eure Abwesenheit so gut es geht, geheim zu halten! Kommt zurüd!" „ Lebt wohl, lebt wohl!" antwortete er, ohne die Augen und die umwölfte Stirn zu erheben. Als er Eugenien schüchtern die Hand entgegenstreckte, bot ihm diese, wie den andern die Wange zum Kuß. Erschüttert sprang er ins Boot, mit dem Alexandroff alsbald abstieß. Der Lasso strammte sich, das Pferd zog an, wollte aber nicht ins Wasser gehen, bis ihm Pietroff einen tüchtigen Hieb mit der Gerte versetzte. Da sprang es hinein, watete einige Schritt und schwamm dann mit fliegender Mähne davon. Der reißende Strom hatte bald das Boot samt dem Pferde ergriffen. Die zurückgebliebenen Verbannten warteten, bis die Freunde am jenseitigen Ufer landeten. Dann ließen sie ihre Tücher wehen und riefen: „ Hurra, hurra!" „ Was giebt's?" " Nichts von Bedeutung. Wir haben beschlossen, jeden Morgen der Reihe nach bei Euch in der Jurte zu heizen, da mit niemand was merft." „ Eh! laßt das doch! Ihr werdet Euch dadurch noch was einbrocken. Erwischen sie uns heute Nacht nicht, dann erwischen sie uns überhaupt nicht mehr, und wenn sie morgen anfangen zu suchen! Der Teufel selbst würde nicht dahinterkommen, welche Richtung wir eingeschlagen haben. Die Wildnis hat das für sich, daß sie keine Spuren hinterläßt." ( Fortsetzung folgt.)) ( Nachdrud verboten.) Heskulapjünger. Von Wladimir Kirjalo to. " Was fehlt denn Ihrem Kleinen, Marja Stepanowna?" Ich weiß wirklich nicht. Er hat immer solche Hize, flagt über Kopfschmerzen. Dabei schrecklich launenhaft, weint, will feine Medizin nehmen." Wer behandelt ihn?" " Dr. Saweljew. Er weiß noch nicht, um was es sich handelt." Nehmen Sie doch Dr. Offenberg! Ein ausgezeichneter Kinderarzt! Wie der mit Kindern umzugehen versteht! Jedesmal bringt er den fleinen Batienten Spielzeug mit. Natürlich warten sie schon sehnsüchtig auf ihn und gehorchen ihm gern, wenn er den Hals, die Bunge oder dergleichen sehen will. Dann macht's Dr. Offenberg so: er verschreibt dem Kinde eine Medizin. Wenn die Medizin fertig ist, fommt er wieder und nimmt in Gegenwart des Kindes selbst davon ein. Der fleine Patient thut es dann natürlich auch ohne Weigern. Offenberg hat eine ungeheitre Bragis." Ja, dann muß er doch aber tagsüber eine folossale Menge Medizin schlucken?" Gott ja! Das gehört eben zum Geschäft! Und dann, wissen Sie, folche Kindermedizinen wirken ja bei Erwachsenen nicht fehr start." Wie fühlst Du Dich in der Ehe, Lisa?" Offen geftanden, nicht besonders! Sehr langtveilig, weißt Du. Mein Mann hat sich doch als Nachtarzt eingetragen und " Nachtarzt? Was ist das?" " Wie? Das weißt Du nicht? Nach dem neuen Gesetz scheiden fich die Doktoren in Tag und Nachtärzte so etwa wie die Droschkentutscher. Die Tagärzte dürfen nur am Tage praktizieren, Bom jenseitigen Ufer wurde ihnen mit einem leisen Schreibon 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends, die Nachtärzte umgekehrt von 9 Uhr abends bis 9 Uhr morgens. Mein Mann hat sich als geantwortet und Müzen flogen in die Luft. Darauf grüßten Nachtarzt eingetragen, weil es von der Sorte natürlich viel weniger Die Flüchtlinge noch einmal und verschwanden. Als die andern giebt, und das Honorar bei allen Leistungen größer ist. Unten an auf dem Heimwege nach jener Seite hinjahen, erblickten sie der Hausthür hängt des Nachts eine rote Laterne mit der Aufschrift nur noch eine Furche zwischen den im Didicht schwankenden Nachtarzt." Also am Tage schläft er, steht um 8 Uhr abends auf, Wipfeln und den weißen Fleck des Pferdes, der von Zeit zu trinkt Thee und fährt Krankenvifiten machen. Um Mitternacht früh Zeit dazwischen auftauchte. Unten in der tiefen Schlucht 30g ftüdt er, um 6 Uhr morgens ist er Mittag, legt sich um 12 Uhr die stahlfarbene Stromschlange mit dumpfem Brausen vor- wieder hin und schläft bis 8 Uhr des Abends." über. In ihren Klaren Windungen zitterten die Spiegelbilder des gelben Sandes, des hellgrünen Weidengesträuchs am Ufer, der dunkeln Abhänge und blauen Gipfel der fernen, waldbewachsenen, leichtbeschneiten Berge, die sich in unabsehbaren Massen vom azurnen Himmel abhoben. 10. " Run, und wie machst Du's? Führst Du dieselbe Lebens weise?" „ Selbstverständlich nicht! Wir haben sogar zwei Köchinnen: eine" Tagföchin für mich und eine Nachtföchin für meinen Mann. Wir sehen uns nur sehr wenig, weil ich gerade aufstehe, wenn er sich schlafen legt. Und wenn er Mittag ißt, schlafe ich. Nur an den Abenden, an denen er keine Visiten zu machen hat, gehen wir zusammen ins Theater. Nach dem Theater esse ich Abendbrot und er Frühstück. Am häufigsten wird er gegen zwei mitten in der Nacht holen zu lassen. Mein Mann hat ja auch bei Uhr nachts gerufen. Das Publikum scheint den Arzt mit Vorliebe seiner Niederlassung annonciert:„ Dr. Serapionow, fommt sofort zu jeder Nachtſtunde. Was willst Du? Er muß sich doch auf irgend eine Weise Patienten verschaffen! Später, wenn er erst bleibende Bragis hat, wird er natürlich Tagarzt." * Zwischen dem Waldstreifen am Ufer und den Bergen er. streckten sich weite, dichtbewohnte Wiesen. Als die Flüchtlinge an ihrem Saume hielten, stieg schon aus zahlreichen Hütten Rauch auf, und in den Gehöften wurde es lebendig. Sie mußten die Nacht abwarten, denn sie wollten auf keinen Fall eine Spur davon zurüdlassen, welchen Weg fie nach den Bergen eingeschlagen hatten. Alexandroff zog die Sense hervor, stedte sie auf den Griff und mähte Futter für das Pferd. Sie gaben dasselbe nicht frei, denn sie fürchteten, es würde über den Fluß zurückschwimmen; es stand die ganze Zeit über im Rauche, der es gegen die Müden schütte und knusperte an den ſaftigen ist so zart, so delitat, daß er mir von einem Special- Frauenarzt be Was das schadet? Oh! sehr viel! Der weibliche Organismus Kräutern, fie aber schliefen bis über die Ohren in Hafenfell- handelt werden darf!" decken gehüllt. Es war heiß und schwül, die Insekten hätten„ Aber ich habe ja bloß einen ganz gewöhnlichen Husten! Was ihnen sonst keine Ruhe gegönnt. brauche ich dazu einen Frauenarzt?" fich „ Sind Sie aber sonderbar, Natalie Jurjetna! Wie kann man von einem gewöhnlichen praktischen Arzt behandeln lassen!" „ Aber warum denn nicht? Was schadet das?" Ein heftiges Krachen im Gebüsch weckte sie jählings. Ent-„ Ganz gleich! Wissen Sie denn, welche Komplikationen sich im fekt sahen sie, daß der Schimmel fort war. Sie sprangen auf, weiblichen Organismus aus einem Husten entwidein tönnen? Sogar beruhigten fich jedoch bald, als sie sahen, daß auch Alerandroff ein weiblicher Schnupfen muß ganz anders behandelt werden, als fehlte. Sie ahnten, daß er das Pferd zur Tränke geführt ein männlicher, weil eine Damennafe viel delilater und wie foll hatte. Der gute Kerl hatte auch den Theekessel mitgenommen, iffen Sie, wie wir es machen? Mein Mann hat seinen Arzt, und ich ich mich gleich ausbrüden? viel verfeinerter ist als eine Männernase. um ihn mit Wasser zu füllen. Es blieb ihnen also nichts ben meinigen. Ich kann Ihnen meinen Arzt nur sehr empfehlen. weiter übrig, als sich in einer benachbarten Lache zu waschen, Er heißt jazeslaw Xawerewitsch Sbrjetosti. Sie müssen sich auf Holz aufs Feuer zu legen und zu warten. Alexandroff fam mich berufen, wenn Sie ihn holen lassen. Bu ganz fremden Leuten mit Samuel zurück, der in der Stadt gewesen und jetzt wieder pflegt er nämlich nicht zu gehen. Billig ist er freilich nicht über den Fluß gekommen war. nimmt pro Bisite zehn Rubel; aber dafür ist seine Behandlung auch -er so wunderbar angenehm l Wie chik er immer gekleidet ist! Und welch feine Manieren! Salbe verschreibt er stets mit einem Parfüm- zusatz. Verstehen Sie, man befolgt dann seine Vorschriften gerne, weil die Salbe so schön duftet. Selbst zu gewöhnlichen Kompressen verschreibt er irgendein wohlriechendes Wasser! Sogar lflüstert ihr etwas ins Ohr) auf Ehrenwort! Und Pillen giebt er stets mit Ehokoladenüberzng. In ganz Petersburg existiert nur eine einzige Apotheke, die solche Pillen liefert! Ich empfehle Ihnen dringend, meine Liebe, konsultieren Sie Dr. Sbrjewsti I Sie sehen, ich bin absolut nicht eifersüchtig I" � „Nun, wie steht's mit Ihrer Gesundheit, Nikolai Wladimirowitsch 1" „Wie soll's damit stehen? Bald besser, bald schlechter. Ich habe ja ein chronisches Leiden— und dann das Alter—. Da muß man schon—* „Wer behandelt Sie?" „Dr. Iwanow. Ein alter Freund von mir. Ich sage Ihnen, wie der„Wint" spielen kann I Geradezu großartig 1" „Wint" mag er wohl spielen können, aber als Arzt taugt er nicht viel." „Nein, sagen Sie das nicht. Ich urteile so: wenn jemand gut „Wint" spielen kann, ist er ein kluger, begabter Mensch. Ich lade die Beamten meines Ressorts häufig zum Wintspielen ein, um zu sehen, wen ich befördern soll." „Das ist doch etwas ganz anderes! Mt seiner Gesundheit aber darf man nicht so leichtsinnig umgehen. Wenden Sie sich lieber ein- mal an irgend eine Autorität! Fahren Sie z. B. zu Dr. Fertig! Er hat zweimal wöchentlich des Abends Sprechstunde. Das ist ein Doktor, sage ich Ihnen! Wie der die Kranken behandelt! Man muß sich, verstehen Sie, vollständig entkleiden, und so läßt er dann die Patienten an der Leine in seinem Sprechzimmer herumlaufen. Das soll die Erfindung eines berühmten deutschen Arztes sein." „Na, tvissen Sie! In meinem Alter und bei meinem Rang im Adamskostüm wie ein Cirkuspferd herumlaufen I" „Aber es geschieht ja zu Heilzwecken! Dafür sagt er Ihnen dann auch ganz genau, was Ihnen fehlt, und macht Sie gesund. Da fällt- mir eben ein Beispiel ein. Sie kennen wohl den Börseaner Adriauow? Na, der läßt sich drei Jahre auf Leberleiden behandeln und Dr. Fertig stellt bei der ersten Konsultation fest, daß er Würmer hat." »* „Ich komme auf Veranlassung meines Onkels Konstantin Jwa- nowitsch. Wenn Sie so freundlich sein wollten, mir aus dem reichen Schatz Ihrer Erfahrungen ein paar Winke für die Praxis zu geben. Ich gedenke, nuch in nächster Zeit als Arzt niederzulassen und—" „Ein paar Winke? Sehr gern! Zeigen Sie mal Ihre Uhr!" „Hier, bitte—"(zieht die Uhr heraus). „Die taugt nichts. Als junger Arzt, der in die Praxis tritt, brauchen Sie vor allen Dingen eine goldene Uhr. Und der Deckel muß so dick wie möglich sein. Das wirkt auf die Patienten immer ganz besonders, floßt ihnen Vertrauen ein. Gehen Sie in ein besseres Uhrengeschäft und verlangen Sie eine sogenannte goldene Doktoruhr! Ferner müssen Sie eine Brille tragen." „Aber ich habe ja sehr gute Augen! „Thut nichts. Nehmen Sie doch eine Brille mit Fensterglas! Eine Brille giebt Ihnen solch einen Anstrich von Solidität, während Sie jetzt, entschuldigen Sie, noch gar zu jugendlich aussehen. Weiter wüßte ich Ihnen nichts zu sagen. Das andre muß Sie die Praxis lehren. Sie werden sehr bald heraushaben, wie man mit diesem oder jenem Patienten umgehen muß. Die Kaufleute z. B. wollen vom Arzt geängstigt werden— sonst glauben Sie ihm nichts. Die Damen haben kein Vertrauen zu dem Arzt, der ihnen billige Mcdi- kamente verschreibt. Einige Patienten verlangen, daß der Arzt ihnen Witze und Anekdoten erzählt. Am besten— wählen Sie sich irgend eine Specialität! Z. B. die Influenza. Das ist eine Krankheit, die niemals vollständig erlischt und mit ihren Komplikationen für den Arzt ungeheuer dankbar ist."— Kleines Feuilleton. —„Gnädige Frau." In der„Schwäbischen Tagwacht" finden wir folgende nette Plauderei: In der Beletage eines vornehmen Hauses spann sich folgende Scene ab: Ein fremdes Dienstmädchen mit einem Paket:„Grüß Gott! Sind die gnädige Frau zu Hause?" Der Herr, der eben geöffnet hat, echauffiert:„Meinen Sie weine Frau?" Das Dienstmädchen:„Wenn Sie Herr N. sind." Der Herr, noch aufgeregter:„Meine Frau ist momentan gar Nicht gnädig, sondern sehr ungnädig." Das Dienstmädchen, verlegen:„Ist sie zu Hause?" Der Herr:„Nein, sie ist aus dem Häuschen!" Der Dialog wurde durch die Erscheinung der„Gnädigen" unter- krochen, die wie eine Furie heran geschossen kam, den Mann wütend zur Seite schob, dem Dienstmädchen das Paket aus der Hand riß und mit ihm in der Wohnung verschwand. Im dritten Stock wurde ich von der Frau meines Freundes, den ich besuchen wollte, empfangen:„Wo ist denn der gnädige Herr Gemahl, wenn man fragen darf, gnädige Frau?" Sie sah mich mit ihren Vergißmeinnichtaugen verdutzt an und schlug dann ihr silbernes Lachen an.„Wollen Sie mich zum Besten haben, Sie loser Spott» vogcl, daß Sie mich gnädige Frau titulieren? Ich bin doch keine Kommerzienrätin." Ich erzählte ihr nun das unten Vorgefallene, und meinte ironisch, es würde ihr doch auch wohl thun. Aber da geriet sie ernsthaft in Harnisch.„Sie halten mich also auch für so eine Gans, die sich von so abgeschmacktem Schnickschnack gekitzelt fühlt I Ich kann's Ihnen freilich nicht verdenken, da so viele meines Geschlechts sich unbändig freuen, wenn sie z. B. im Putzgeschäft oder in der Möbel- Handlung vom Inhaber oder Kommis per„Gnädige!" angeredet werden» und nicht merken wollen, daß da auf ihre Eitelkeit spekuliert wird." „Thun Sie Ihrem Geschlecht nicht Unrecht, gnädige— pardon Frau X?" erwiderte ich,„ich kenne viele simple Individuen mas- culini generis, die sich mit großem Behagen„Herr Doktor l" an den Kopf werfen lassen. Nur einen einzigen habe ich in meiner Bekannt- schaft, einen Schriftsteller, der dagegen protestiert und sogar einmal, als jemand trotz feines Protestes damit fortfuhr,„Sie Rindvieh!" replizierte. Und wie gerne hört sich z. B. ein Präzeptor„Herr Pro» fessor!" titulieren, ein Sekretär„Herr Rat!" und dergleichen. Wir plauderten weiter über das Thema und die kluge Frau meines Freundes moquierte sich köstlich über die Damen, die ihre dienstbaren Geister dressieren, sie nie anders als gnädige Frau anzureden.„Wenn ich nur wüßte," meinte sie,„woher die dumme Redensart kommt?" „Das kann ich Ihnen, glaube ich, sagen. Euer Gnaden ist die in der Fcudalzeit geprägte Titulatur für Grafen und Bischöfe, wie Majestät für Kaiser und Könige, Durchlaucht für Fürsten. Der Sinn(„des Unsinns", warf sie ein) ist freilich dunkel, vielleicht sollte damit gesagt werden, es sei eine Gnade des Vornehmen, daß er den Betreffenden empfängt und ihm Gehör schenkt. Transponiert ins Feminine wird daraus die gnädige Frau, das gnädige Fräulein, oder die Gnädige schlechtweg." „Eineweg dumm!" grollte sie,„so dumm wie Wohlgcboren, Hochwohlgeboren auf Adressen an Leute, deren Ahnen mit alten Hosen, Hasenfellen und Schweineborsten geschachert oder Schuhe geflickt und Cigarren gewickelt haben." „Was ereifern Sie sich so, gnä— pardon, Frau£., die Titelsucht steckt nun einmal dem deutschen Bürgertum noch im Blut, das Gleich- heitsbewußtsein will den Wenigsten in den Schädel. Wer mehr hat oder mehr zu sein meint als die andern, fühlt sich auf höherer Rang- stufe der socialen Pyramide und will das anerkannt wissen. Ucbrigens wird das manchem erst suggeriert durch speichellecke rischc Geschäfts- leute. Wie oft wollte ich schon des Teufels werden, wenn ich Empfehlungen und Offerten von Firmen bekomme mit der Adresse: Seiner Hochwohlgeboren. I» der Regel werfe ich sie ungelesen in den Papierkorb." „Und wie oft," fiel Frau X. ein,„wollte ich schon des Teufels werden, wenn ich in Romanen und Novellen von sonst ganz ver- nünftigen Autoren las, wie eine Professors- oder Beamtenfrau von hochgebildeten und sehr respektablen Personen immer als Gnädige angesprochen wird. Es wäre doch endlich an der Zeit, daß helle Autoren mit diesem Unfug aufräumen. Da sehen Sic." Sie holte aus der guten Stube mehrere Nummern einer angesehenen demo- kratischen Zeitung und zeigte mir eine Menge Stellen dieser Art im Feuilleton, die sie mit Blaustift markiert hatte. „Ach," erwiderte ich und griff vorsichtig nach meinem Hut, „Sie ärgern sich nur, daß Sie nicht auch gnädige Frau sind. Adieu, gnädige Frau!" Sie langte nach ihrem Staubbesen, während ich schleunigst ReißauS nahm.— c. fc. Die Unsicherheit von Zeugenaussagen. Uebcr„Ent- stchung und Wert von Zeugenaussagen" spricht Dr. Fr. Mohr im Septemberheft der„Deutschen Rundschau" und teilt einige Fälle mit, die recht deutlich beweisen, wie ungewiß und schwankend die Beobachtungen und Wahrnehmungen des Einzelnen sind. Die Un- sicherheit kindlicher Zeugenaussagen illustriert folgender Fall: Eines Tages vermißt der Lehrer seine Berlocke. Ein Schüler meldet sich und erklärt, der Lehrer habe das Medaillon vorhin noch gehabt, als er nach der Pause den Ueberzieher abgelegt habe. Von 35 Schülern der einen Klasse gaben 6 auf das bestimmteste an, die Berlocke an dem fraglichen Vormittage gesehen zu haben. In andren Klassen, in denen der Lehrer am gleichen Vormittage unterrichtet, fragte er auch nach, und da ergab sich, daß von 343 Schülern 88, also 38 Proz., bestimmt die Berlocke gesehen haben wollten. Schließlich fand man den vermißten Gegenstand in einem Gasthauözimmer, das der Lehrer am Tage vorher besucht hatte. Ein Experiment, das be- absichtigte, Zeugenaussagen über einen im Affekt wahrgenommenen Vorgang zu erhalten, ward im kriminalistischen Seminar der Universität Berlin vorgenommen. Zwei Mitglieder, die mit ein- ander im Einverständnis waren, ohne daß die andren Anwesenden etwas wußten, führten eine sehr erregte Scene auf, bei der starke Beleidigungen fielen, ja sogar ein Revolver gebraucht wurde. Da Zeugen sehr oft auch durch falsche Zeitungsberichte beeinflußt werden, wurde, nachdem die Scene vorgefallen, noch ein„Zeitungsbericht" verlesen. Dann notierten zehn Herren den erlebten Vorfall auf, und zwar zwei am gleichen Abend, einer am Tage darauf, einer sechs Tage, drei eine Woche und drei fünf Wochen nach dem Versuch. Keiner von den Herren gab einen völlig genauen Bericht deS Ge-. lchchcnen. DaS beste Resultat wieS ein Herr mit vier, das schlechteste 688 1 wiesen zwei Herren mit zwölf groben Fehlern auf. Wie leicht es erreicht, liegt daran, daß oftwärts dieser Flüsse die Lebensbedingungen möglich ist, daß man auch gar nicht vorhandene Dinge zu sehen für den Nadelwald, westwärts die für den Laubwald günstiger sind. glaubt, beweist eine andre Geschichte: In einer größeren Stadt Direkt nach der Eiszeit allerdings trat die Kiefer auf, noch bevor befindet sich das Denkmal eines Gelehrten, der sißend den rechten Laubhölzer erschienen. Später aber offupierten diese den guten Arm auf den Oberschenkel stützt und in der Hand einen Griffel hält, fruchtbaren Boden Westdeutschlands, während die Kiefer, die auch so daß man glaubt, er wolle zu schreiben beginnen. Da kommt nun mit trocknerem Sandboden vorlieb nimmt, auf den Osten beschränkt eines Tages ein Stadtvater ganz aufgeregt in die Magistratssitzung wurde. Nur einzelne kleine Gebiete des Westens blieben aus lokalen und meldet, daß frevlerische Hände" das erzene Buch, in das der Gründen der Kiefer erhalten. Beim Auftreten des Buschwaldes in Gelehrte geschrieben und das auf dem Knie der Statue gelegen, fort- vorhistorischer Zeit verlor also die Kiefer ein größeres Terrain, seit genommen hätten. Eine allgemeine Entrüstung entsteht, und man jener Zeit aber mag sie ihr Gebiet, in dem sie allen andren Waldstreitet sich darüber, wie lange das Buch wohl schon fort sei. Einer, bäumen überlegen ist, wohl unverändert behauptet haben. der täglich an dem Denkmal vorbeiging, erklärt, das bronzene Buch sei auf den Knieen befestigt gewesen und es könne nur mit großer Technisches. Soheit losgeschlagen worden sein. Ein andrer erinnert sich, daß das Buch ein besonderes Gußstück darstellte und mit drei Schrauben am Beine der Figur befestigt gewesen sei. Doch eine genaue Untersuchung ergab, daß auf dem Knie der Figur überhaupt nie ein solches Buch sich befunden habe. -0Aus dem Tierleben. " ( Ornithologische Monatsberichte.") Aus der Pflanzenwelt. Holzdestillation mit überhittem Wasser= dampf. In den„ Nachrichten für Handel und Industrie" berichtet der land- und forstwirtschaftliche Sachverständige beim Generalkonsulat von Kopenhagen über das von Ingenieur Elfström ausgearbeitete Verfahren zur Holzdestillation und gleichzeitigen Ter= pentinölgewinnung mit überhittem Wasserdampf. Neu ist das Ver= fahren an sich nicht, aber während es bisher wohl nur angewendet wurde, um Holzkohle von ganz bestimmter Beschaffenheit zur Pulverfabrikation herzustellen, also zur Verkohlung von bestimmten Laubhölzern mit der Holzkohle als Hauptprodukt, hat der Genannte das Verfahren im Laufe der letzten Jahre dahin entwickelt und ausgebildet, daß er harzreiches Nadelholz zur Gewinnung nicht nur von Holzkohle, sondern in erster Linie von Holztheer und Terpentinöl mit überhittem Wasserdampf destilliert. - Die Legekräftigkeit des schwarzhalsigen Lappentauchers. Ein bemerkenswertes Beispiel für die außer ordentliche Legekräftigkeit des schwarzhalsigen Lappentauchers ( Podiceps nigricollis) beobachtete F. Henrici im Mai 1903 auf dem Karrasch- See in Westpreußen. Bei Annäherung des Bootes an ein fleines Inselchen bemerkte unser Gewährsmann, wie etwa 40 Stück der genannten Taucher- Art eiligst vom Rande der Insel nach dem nächsten Rohr zu entkommen fuchten. In der Nähe der Brutstätte Der Prozeß spielt sich in der vorläufig noch kleinen Anlage der selbst bot sich nun ein überraschender Anblick dar: Das Inselchen Nowiska Trädestillations- Aktiebolag in umea, Schweden, fol= war an einer Seite am Rande mit Eiern des Schwarzhals- Lappen- gendermaßen ab: Aus einem kleinen Dampffefsel wird Wasserdampf tauchers geradezu übersät. Die Eier lagen regellos neben und über in eine liegende Retorte von 15 Kubikmeter Fassungsraum geleitet, einander, viele auch im Wasser auf dem Grunde. Allein auf dem nachdem er in einem Ueberhibungsapparat auf eine Temperatur von Inselchen konnten über 300 Eier gezählt werden, dazu kamen noch mehreren hundert Grad gebracht ist. Die Retorte ist vorher mit die im Wasser liegenden. Dicht an der Insel waren bereits wieder harzreichem Nadelholz, z. B. Stockholz von Kiefern gefüllt und dicht neu gebaute Nester des Vogels, die ebenfalls mit Eiern belegt waren, verschlossen worden. Alsbald beginnt die Destillation des Holzes, und zwar befanden sich darunter zwei Nefter mit je 8, eins mit 6, bei der der Holztheer mit Kondensationswasser gemischt sich am Boden zwei mit je 5 Eiern. Auch späterhin wurden an derselben Stelle der Retorte ansammelt, während die flüchtigen Produkte mit dem noch Gelege von 6 und 7 Eiern gefunden, obwohl die Tiere sonst, ursprünglichen und dem aus dem Wassergehalt des Holzes sich neu wenigstens den Literaturangaben zufolge, nur 4 bis 5 Eier legen. entwickelnden Wasserdampf in eine oben an der Retorte angefeste Die ungeheure Eiermenge auf dem Infelchen erklärt sich ungezwungen Röhrenleitung gelangen. In dieser passiert der mit Destillationsdurch die Annahme, daß ein Sturm und der mit diesem verknüpfte produkten beladene Wasserdampf einen zweiten Ueberhizer und tritt Wellengang die erste Brut der Vögel vernichtet und die Eier ent- dann in die zweite Retorte ein, wo der Prozeß aufs neue beginnt weder ans Land oder auch ins Wasser geworfen hatte. Krähen, die und genau wie in der ersten Retorte verläuft, also mit Ansammlung senst arge Gierräuber sind, hatten sich an die Eierspeise" offenbar des Holztheers am Boden und Uebergang des neu hinzukommenden deswegen nicht herangewagt, weil auf demselben Inselchen noch zwei Wasserdampfes und der flüchtigen Produkte in eine Röhrenleitung, Nester der Lachmöve angelegt waren, deren Besitzer jeden Angriff der die in der nur mit zwei Retorten arbeitenden Elfströmschen Fabrik Krähen energisch zurückwiesen. nun in die Abkühlungsschlangen mündet. Die Vorteile des Verfahrens gegenüber der gewöhnlichen Retortenverkohlung mit direkter Feuerung bestehen in der Hauptsache darin, daß die gewonnenen Destillationsprodukte weit bessere sind. Dies gilt namentlich von dem Verbreitung der Kiefer. Um eine genaue Ueber- Terpentinöl, das dem besten französischen nichts nachgeben soll. sicht über die Verbreitung der Kiefer in Nord- und Mitteldeutschland Ebenso zeichnet sich der gewonnene Holztheer durch hervorragende zu erhalten, wandte sich A. Dengler an 335 Forststationen, Ober- Güte aus, und dasselbe gilt von der Kohle, die einen sehr flingenden förstereien mit der Bitte um Ausfüllung eines Fragebogens. In Bruch und hohen Glanz auf den tiefschwarzen Bruchflächen hatte. diesem wurde vor allem Aufschluß verlangt über das natürliche oder Dazu kommt, daß das Verfahren eine Ausbeute von 70 Proz. Kohle künstliche Vorkommen des Baumes. Die Ergebnisse dieser Umfrage hat giebt, was bei dem gewöhnlichen Verfahren bei weitem nicht erreicht A. Dengler in einer Schrift„ Die Horizontalverbreitung der Kiefer" wird. Die Ursache dieser Ueberlegenheit des Elfströmschen Ver( Neudamm, 1904, J. Neumann) veröffentlicht. Um festzustellen, fahrens ist darin zu finden, daß die Destillation in den Retorten ob ein Bestand ein natürlicher oder erst von Menschen angelegter überall sehr gleichmäßig verläuft und daß Hizegrade vermieden fei, war es nötig, ihn bis in alte Beit geschichtlich zu verfolgen. werden, die dem Terpentinöl einen schlechten Geruch und mangelhafte Dazu bedurfte es einer großen Anzahl von Dokumenten, und der Beschaffenheit verleihen. In der Güte des gewonnenen Terpentinöls Verfasser der Schrift hat ein äußerst umfangreiches Material be- liegt aber insbesondere die Stärke des Verfahrens. arbeitet, alte Erlasse und Urkunden aller Art benußt, aus denen die Ursprünglichkeit der Kiefernwaldungen eines Bezirks oder die Zeit der Einführung des Baumes hervorgeht. Die Dokumente lassen ertennen, daß es in Nord- und Mitteldeutschland ein großes zusammenEine Geburtstagsüberraschung. Der„ Han hängendes Gebiet giebt, auf dem die Kiefer seit Anfang an heimisch noversche Courier" berichtet über eine artige Geburtstagsüber ist. Dieses Gebiet liegt im Osten, während im Westen nur einige raschung: Ein in der Bödekerstraße in Hannover wohnender Nentier Inseln gewissermaßen als Vorposten des großen Kiefernbezirkes auf- hatte am Donnerstag in seinem Staminlokal den Vorabend seines treten. Dieser lettere füllt den ganzen Osten Deutschlands aus, Geburtstages gebührend gefeiert. In fidelster Stimmung kehrte er seine Westgrenze verläuft etwa von Wismar an der Lübecker Bucht später als sonst in seine Wohnung zurück. Es lag ihm nun daran, in füdlicher Richtung über Hagenow nach der Elbe. Sie begleitet daß seine bessere Hälfte nicht erfuhr, um welche Zeit er die Bierbank nun diesen Fluß eine lange Strecke bis zur Einmündung der Saale. mit dem Bett vertauscht hatte; er zog deshalb, wie es rücksichtsvolle Von hier an folgt sie diesem Flusse, auf dessen östlichem Ufer fie und vorsichtige Ehemänner wohl zu thun pflegen, schon auf bis zum Saalefnie bei Rudolstadt verbleibt. Alsdann zieht sich die dem Vorplatz seine Stiefel aus und that noch ein übriges, Grenze über den Fluß nach Westen hin und umfaßt in zwei zungen- indem er nicht vom Flur aus in sein Schlafzimmer ging, artigen Ausbuchtungen zur Hälfte den hohen Thüringerwald auf sondern einen Umweg durch die„ beste Stube" machte. seinen nördlichen und südlichen Vorbergen. Schließlich nimmt sie als er nun diese Thür geöffnet hatte, traten seine Füße auf ihre alte Nordsüdrichtung wieder auf und zieht sich zwischen Koburg etwas Weiches. Haha", meinte er schmunzelnd,„ das ist der und Sonneberg nach Bayern hinein. Es ist sehr merkwürdig, daß Teppich, den ich mir gewünscht habe, und mit dem mich meine diese ursprüngliche Grenze der Kiefer auch zugleich die alte Land- liebe Frau überraschen will." Ihm gefiel das Mollichweiche unter scheide zwischen Germanen und Slawen ist. E. H. 2. Krause, dem seinen Füßen so sehr, daß er mehrere Mal auf dem Geburtstagsdiese Thatsache zuerst auffiel, ist der Meinung, daß das Verbreitungs- geschenk hin- und herpromenierte. Dann legte sich das Geburtstagsgebiet der Kiefer ursprünglich viel weiter nach Westen reichte, daß find befriedigt schlafen. Eine Stinime, die er schon im Halbschlaf aber die Germanen die Bestände zerstört und statt dessen den Raub- als die seiner treuen Gattin erkannte, ipeckte ihn. Als er nun die wald begünstigt hätten. Im Gegensatz hierzu hält Dengler die an- Augen aufschlug, stand seine Frau vor seinem Bett. In den Händen gegebene Grenze für die natürliche und ursprüngliche. Die Ger- hielt sie einen Gegenstand, der Aehnlichkeit mit irgend etwas hatte, manen konnten von den Slawen nur soweit zurückgedrängt werden was er sich nicht entsann, in seinem Leben je gesehen zu haben. als die Kiefer reichte. Das Laubwaldgebiet war für die Lebens- Hier ist Dein Geburtstagsgeschent," sagte sie lächelnd," Dein gewohnheiten der ersteren viel günstiger als der monotone Kiefern- Buttertuchen, auf dem Du heute Morgen in aller Frühe wald. Daß aber die Kiefer bei der Elbe und Saale ihre Westgrenze spazieren gegangen bist!" Berantivortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin.-Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. („ Technische Rundschau.") Humoristisches.