Nr. 261. Abaimrments-K«dingungea: vbonnemint«- Pril» pränumerando! vierleljährl. 330 SJlt., monatl. 1,10 Mk.. wöchenllich 28 Pfg. frei inj Haus. Oinselne Nummer 5 Pfg. Sonnlags- N Ummer mit Ulufiricrier Eonnlags- Beilage„Tie Neue Well" 10 Pfg. Post- Slbounement: 3.30 Wart pro Quarial. Singciragen in der Post- Zeilungs- Preisliste für 1890 unier Er. 7820. Unier Kreuzband für Deullchland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monai. 16. Jahrg. Erscheint täglich außer Zvonkags. Devltnev Volksblstt. Die Jastrttons. Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. zeile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Zinfeigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer inüffin bis s Uhr nachmittags in derikxpedtiion abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abend», an Sonn- und Festlagen biSSUHr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Er. 1500, Telegramm-Adresse: „Soeialdemostrat verlin» Centraiorgan der sociatdemokratischen Uartei Deutschtands. Redaktion: SW. 19. Bentlz-Striche 2. Dienstag, den 7. November Expedition: SW. 19, Beuth-Stra�e 3. Das nnverantwortliche Versteckspiel der verantwortlichen Regierung. Der neueste Flottenplan hat einmal wieder zur Evidenz bewiesen, daß noch so feierlich abgegebene Erklärungen von feiten der Regierung wertlos sind, und damit das Vertrauen selbst der bürgerlichen und regieningsfreundlichen Parteien zu der heutigen Politik stark erschüttert. Als seiner Zeit die socialdcniokratische und auch die freisinnige Presse alle jene Versicherungen, daß die Regierung keine uferlosen Flotten Pläne verfolge, mit berechtigtem Mißtrauen aufnahm, da fühlte man sich in den betroffenen Kreisen so unangenehm berührt, daß man den„Reichs- Anzeiger" zum Schutze der Regierung zu Hilfe rief und an„das deutsche Volk und die patriotische Presse" den Appell richtete, sie möchten doch den Versicherungen„der verantwortlichen Regierung! stellen höheren Wert beimessen als den grundlosen Andeutungen über uferlose Pläne, von denen sich die maß gebenden Stellen fern wissen." Daß die Andeutungen über immer weitergehende Flottcnpläne nicht grundlos sind und waren, das zeigen ja nunmehr die jüngsten Vorkommnisse. Darüber kann also kein Zweifel mehr bestehen, daß den Versicherungen vom Ministertische mit Recht das Gegenteil von Vertrauen geschenkt werde. Aber es werden in einem Teile der Presse für die Staatssekretäre und den Reichs kanzler mildernde Umstände geltend gemacht, da sie ja nicht die Herren der Situation seien. Als sie seiner Zeit die Versicherungen und Erklärungen abgaben, die heute schon nicht mehr gehalten werden können, da hätten sie in gutem Glauben gesprochen und selbst an den Ernst ihrer Versiche rungen glauben müssen. Teils der Gang der auswärtigen Politik, teils das neuerliche Eingreifen des Kaisers hätten sie nun in die wenig angenehme La versetzt, ihre Worte dem Reichstag gegenüber nicht einhalten zu können. Man dürfe daher der Regierung nicht kurzer Hand das Vertrauen entziehen. Gegen diese Beschönigung des Verhaltens der Regierung dem Reichstag gegenüber muß denn doch kräftig Verwahrung eingelegt werden. Die Minister- Haben speciell in der Marinefrage dem Reichstag nie klaren Wein eingeschenkt. Das ist deswegen um so schlimmer, als die Minister sehr wohl in der Lage gewesen wären, dies zu thun; denn sie mußten die Anschauungen des Kaiser über die Ausgestaltung der deutschen Kriegsmarine kennen, die immer und von jeher darauf hinausliefen, eine der deutschen Armee an Weltstellung ebenbürtige Kriegsflotte zu schaffen. Wenn in. der Presse gesagt wird, daß die Minister über die Absichten des Kaisers nicht unterrichtet waren, daß vielmehr auch der Kaiser in Bezug auf die Entwicklung der Kriegsmarine zu verschiedenen Zeiten verschiedene Auffassungen ge- habt und ausgesprochen habe, so stimmt dieser Versuch der Ver- teidigung eben mit der Wirklichkeit nicht überein. Richtig ist, daß der Kaiser seine Absichten in Bezug auf die Kriegsmarine nur soweit in die Oeffentlichkeit dringen ließ, als es sich gerade mit dem Stande der gesetzgeberischen Arbeiten vertrug. Aber daß der Kaiser schon seit seiner Thronbesteigung in engeren Kreisen über sein weitgehendes Flottcnprogramm sich offen aussprach, darüber besteht kein Zweifel, das weiß man innerhalb des See- Offiziercorps, das konnte man jedenfalls auch in den niaßgebenden Regierungskreisen wissen. Es ist vielleicht. gerade im gegenwärtigen Augenblick von Interesse, festzustellen, daß der Kaiser schon im April 1891 in der Marine-Akademie zu Kiel vor einer Versanim- lung des See-Offizierscorps sein Flottenprogramm mit einer Deutlichkeit entwickelt hat. die jeden Reichskanzler und Staats- sekretär immer hätte hüten sollen, Versicherungen abzugeben, die er nicht halten konnte, da er ja doch nur die„Befehle seines Monarchen" auszuführen hat. Die Versicherungen deckten sich nie mit den Intentionen des Kaisers in Bezug auf die Vergrößerung der deutschen Kriegsflotte. Ueber den genannten Vortrag ist die Oeffentlichkeit authentisch nicht unterrichtet worden, trotzdem sind aber die wichtigsten Ge- sichtspunkte in die Presse hindurchgesickert. Der Kaiser führte also damals schon aus, daß auch bei der deutschen Marine das altpreußische, zur energischen Offensive dringende Element zur vollen Geltung kommen müsse. Wie die Kavallerie beim Landheer müßte die Flotte in ihrem zur Schlacht bestimmten Teile in konzentrierter Kraft ihr Alles einsetzen, um in wuchtigem, den Nahkampf suchenden Chock den Feind zu vernichten. Die Kriegführung zur See, wie sie bisher in den Manövern geübt wurde, müsse einer veränderten Handhabung entgegengehen. Bisher traten die Geschwader zu den notwendigen Einzel- und Geschwaderübungen im Sommer zusammen, an deren Schluß gewöhnlich eine vor- wiegend gefechtstaktische Uebung, bestehend in einer sogenannten .Hauptfestungs-Kriegsübimg" sich anschloß, deren Aufgabe es war. Einnahme oder Verteidigung eines befestigten, durch Flotten- teile verteidigten Seehafens zu üben. Daß daneben Seegefecht- Übungen vorhergegangen waren, ändert nichts an der Thatsache. daß unsere Friedensmanövcr sich vornehmlich auf dem Boden der Taktik bewegten. In Zukunft wird nian in jenem neuen System der Kriegsverwendnng der Flotte, welches seit t883 den jährlichen großen Seemanövern Englands zu Grunde liegt und auf die besten nautischen Perioden der Vergangenheit zurück- greift, das wahre Wesen der Kriegsführung zur See erblicken und dasselbe zur Geltung bringen. Die Strategie wird mit der- selbe» Bedeutung auf den Seekrieg übertragen werden, welche sie im Landkriege seit jeher besessen. Nicht Gefechtsmanöver allein und taktische, den Kampf selbst betreffende Schulung, sondern die Dirigierung der Flottenteile nach einem die gesamten See- streitkräfte ins Auge fassenden einheitlichen strategischen Plane, ihre Verlveiidnng auf diesem oder jenem maritimen„Kriegs- theater", d. h. hier also z. B. auf dem Flügel unserer Meere, oder in dem dieselben verbindenden natürlichen Engpaß, ja unter Umständen die Entsendung eines kompakten, aus„besten Schiffen" bestchendeii Geschwaders dem Feinde weit entgegen auf dessen Anmarschlinie, inn seine Dispositionen bereits im allerersten Be- ginn seiner Initiative zu zerstöre», das werden die maßgebenden Gesichtspunkte sein. In diesem Vortrage— das war auch der Eindruck der anwesenden See-Offiziere— lag das Flottenprogramm des Kaisers ganz klar und deutlich eingeschlossen, es war und ist die Triebfeder aller bisherigen und künftigen Flottcnvorlagen. Um die Dispositionen dcS Gegners zur See von vornherein mit besten Schiffen stören und zerstören zu können, braucht nian eine große Angriffsflotte, um bald auf diesem bald auf jenem Kriegstheater anwesend sein zu können, braucht man eine vielfache Angriffsflotte, kurz, schon damals wurde für die deutsche Flotte ein total anderes Lebcnsprincip, nicht nur in Worten betont, sondern ihm auch wirklich direkt dadurch freie Bahn geniacht. daß der Kaiser die bisherige Art der Kriegführung zur See, die für Deutschland bis dahin auf dem Princip der Küstcnvcrteidigung beruhte, aufhob und an seiner Stelle Seekricgs-Manöver nach englischem Muster an- ordnete. Das war aber der Bruch mit der bisherigen Tradition und bedeutete den festen Entschluß, aus der deutschen Marine eine Kriegsflotte in großem Stile zu machen. Diese Programmrede des Kaisers datiert mehr als acht Jahr zurück. Die Regierung jedoch erhielt den Reichstag noch jahrelang in der Meinung, daß keine Kreuzer- flotte geschaffen werden solle, ja selbst heute noch giebt nian nicht offen zu. wohin die Reise geht. Im Lichte der historischen Thatsachcn erscheinen die Versicherungen und Erklärungen dem Volke und seiner Vertretung gegenüber in einem ungleich viel ungünstigeren Lichte, als das bisher der Fall war. Es wird Aufgabe des Reichstages sein, dem Volke mit aller Deutlichkeit zu zeigen, in welcher Weise mit seinem Ver- trauen und seinem guten Glauben von den Herren da oben umgegangen wird!_ zSolikifche Mebevfichk» Berlin, den 6. November. Tic deutsche Weltflotte hat nun endlich auch das preußische Ministeiinm beschäftigt. Am Sonnabend hat der Staatssekretär Tirpitz den Herren Vortrag über den Marineplan gehalten. Eine neue Kundgebung des Kaisers zu Gunsten der Flotte veröffentlicht der„Reichs- Anzeiger". In Ostpreußen hat sich ein Flottenvercin gegründet, und der Kaiser hat aus diesem Anlaß ein Telegramm an den Oberpräsidenten Grafen BiL- marck gerichtet, in dem er die Hoffnung ausspricht, „daß es mit Hilfe des„Deutschen Flottenvercins" gelingen möge, das deutsche Volk immer mehr und mehr von der Not« wcndigkcit einer starken, leinen Interessen entsprechenden und sie zu schützen vermögenden Flotte zu überzeugen." Ganz besonders habe es scincin Herzen wohlgethan,„daß die Provinz Ostpreußen, trotzdem ein großer Teil ihrer landwirtschaftlichen Bevölkerung mit bedeutenden Schwierigkeiten zu kämpfen hat, in altbewährter Treue, wenn es das Wohl des ganzen Vaterlandes gilt, mit freudigem Herzen Opfer zu bringen bereit ist, wie sie einst Vorbild war in schwerer Zeit am Anfang des Jahrhunderts." Das Vertrauen zu den Agrariern Ostpreußens haben die Junker bereits in dem Kanalhandel auf ihre Weise gewürdigt.— Politik und Spekulation. Die„Kons. Korresp." wies dieser Tage darauf hin. in welcher Weise durch die Entwicklung der Kanal- Angelegenheit die Kursbewegung der Ecineut-Aktien beeinflußt worden ist: So standen Adler- Cement(14 Proz. Dividende) am 2. August ISO, am 12. August(nach der Dortmttndcr Kaiserrede) 804— jetzt stehen sie 264; Alfen- Portland stand am 2. August 332, nach der Kaiserrcde 340— jetzt 309; Höxter"Golde l). 147,75, bezw. 156,25, bezw. 135,50; O b e r s ch l. Portland-Cement 200, bezw. 208,75, bezw. 183,30; Oppelner Cement 203, bezw. 209, bezw. 187,10; P o r t l. Cement H e m m s o r 243,25, bezw. 253, bezw. 216; S ch l e s. P o r t l. C e m. 254,75, bezw. 262,50, bezw. 234,50; Stettin-Gristow 171, bezw. 178,50, bezw. 154,90; W e st- falia am Tage nach Dortmund 320— heute 281.50. Diese Liste zeigt deutlich, in welcher Weise Geschäftsinteressen und Politik zusamnienhängen. Man kann sich also eine Vorstellung davon machen, wie sehr das Unternehmertum an der Flottcnvorlage beteiligt ist; es rentiert sich schon für die Grotzindnstrie, durch bc- zahlte Agenten und bezahlte Preßorgane„nationale" Flotten« begeisterung im Volke zn entfachen. Auch die Kursbewegung der Aktien der an Schiffslieferungcn beteiligten Firmen hält gleichen Schritt mit den politischen Geschehnissen. Die Stcttiner Vulkan- Aktien(Schichan) standen am 17. Oktober, dem Tage vor der Ham- burger Rede des Kaisers, 225,80, am 18. Oktober 226,50, am 13. Oktober 228,50, am 20. Oktober 229,50. Am 28. Oktober, wo der Flottenplan veröffentlicht wurde, hatten sie eine Höhe von 239,75, und am 30. Oktober 245,50 erreicht. Heute stehen sie 244,75; die Papiere sind also in den letzten beiden Flotteuwochen um 20 ge- stiegen. Das ist der reale Hintergrund der„idealen" Ueberseepolitik.— Das Ergebnis der badischcn Landtagswahlen. Karlsruhe, 5. November. Die Hoffnungen, welche von oppositioneller Seite auf den Ausfall der gestern stattgehabten Wahlmännerwahlen zum badischen Landtag gesetzt wurden, haben sich nicht erfüllt. Die Fraktion der nationalliberalen Regierungspartei dürfte nach den bis jetzt vorliegenden Resultaten in der alten Stärke in die zweite Kammer zurückkehren. An eine Zweidrittelmehrheit zu Gunsten des direkten Wahlrechts ohne die Eiscnlohrschen „Kautelen" ist unter diesen Umständen nicht zu denken. Die Schuld hieran trifft in erster Linie die bürgerlich- demokratische Opposition, die ihre im Laufe der letzten Jahre eroberten Positionen gegen den Anstnnn der Gouverne- nientalen nicht zu halten vermochten. Zwei der drei zur Neuwahl stehenden frcisinn-demokratischen Sitze, Konstanz und R a st a t t, gingen an die Nationalliberalen verloren, während diesem Verlust nur der Gewinn des Mandats von Bruchsal gegenübersteht, das den Nationalliberalen abgenommen wurde. Auch dem Centrum scheint es nicht gelungen zu sein, den Nationalliberalcn Abbruch zu thun. Die einzige Partei, die sich das Verdienst zuschreiben darf, den Nationalliberalen schwere Niederlagen beigebracht und damit ihre Pflicht im Kampf gegen das reaktionäre Ministerium Eisenlohr in vollem Unifange erfüllt zu haben, ist die Socialdcmokratie. Sie hat nicht nur ihre beiden zur Neuivahl stehenden Mannheimer Mandate mit 6100 gegen etwa 4000 nationalliberale Stimmen behauptet, sondern auch den Bezirk Pf orz heim-Stadt, sowie aller Voraussicht nach auch D u r l a ch- Stadt, wo ani Montag noch Restwahlen stattzufinden haben, den Nationalliberalen zum erstenmal abgenonunen. Im erstercn stehen 96 socialiftische gegen 70 nationalliberale Wahlmänncr, im letzteren ist nach dem Ausfall der gestrigen Teilwahlen, die eine Verdoppelung der socialistischen llrwählerstimmen gegenüber der Wahl von 1893 ergaben, unser endgültiger Sieg außer Zweifel. Auch die ländlichen Bezirke in der Ningebung der Residenz Karlsruhe weisen sehr erfreuliche Fortschritte der Socialdemokratie auf. In einer ganzen Reihe von Landorten, die vor ivenigen Jahren noch klerikal oder konser- vativ gewühlt haben, sind gestern bei starken socialistischen Urwahlerniehrheiten sämtliche Wahlmänner unserer Partei zu- gefallen. Mit den beiden neucrobertcn Mandaten von Pforzheim und Durlach zählt diesocialdemokratischeFraktion im künftigen Landtag nunmehr sieben statt der bisherigen fünf Köpfe. Neugewahlt sind unsere Parteigenossen Opifizius, Chemiker in Pforzheim und F e n d r i ch, Redacteur des „Volkssrcnnd" in Karlsruhe. Außerdem verbleiben in der Fraktion Adolf Geck und S ch a i c r(Karlsruhe), K r a m e r (Mannheim) und die ncubestätigten Abgeordneten D r e e s b a ch und Geiß(ebenfalls Vertreter von Mannheim, das ins- gesamt 3 Abgeordnete zu wählen hat). Die endgültige Gelvinn- und Verlustrechnung der einzelnen Parteien des Landtages dürfte sich nach Vollzug der Abgeordnetenwahlen voraussichtlich folgendermaßen gestalten: Die Nationalliberalcn(bisher 26 Mandate, von denen 16 zu erneuern waren) g e lv i n n e n drei Sitze(2 von den Freisinn-Demokraten, 1 von den Antisemiten), verlieren drei(2 an die S o c i a l d e m o k r a t e n, 1 an die Freisinn- Demokraten); künftige Stärke also wieder 26. Das Centruin(bisher 21 Mandate, wovon 9 zu er- neuern) behauptet seinen Besitzstand ohne Gewinn und Verlust. Die Soeialdcuiokratie(bisher 3 Mandate, wovon 2 zu erneuern) gewinnt ohne Verlust zlvei Sitze, beide von den Nationalliberalen: künftige Stärke also 7. Die Freisinn-Demokraten(bisher 7 Mandate, wovon 3 zu erneuern) gewinnen 1 Sitz von den National- liberalen, verlieren 2 Sitze an die Nationallibcralen; künftige Stärke also 6. Die Ztntiscmiten(bisher 2 Mandate, wovon 1 zu er- neuern) verlieren diesen Sitz, ohne zu gewinnen, an die Nationallibcralen; künftige Stärke also 1. Außerdem dürfte das zur Neuwahl stehende Mandat des einzigen konservative» Abgeordneten nach dem Ergebnis der Wahlmännerwahlcn bestätigt werden. Die Anhänger des direkten Landtags- Wahlrechtes ohne die Eisenlohrschen Interessenvertretungen setzen sich also zu- sammen aus 21 Klerikalen, 7 Socialisten, 6 Freisinn-Demokratcn und 1 Antisemiten, zusammen 35, während die verfassungsmäßig erforderliche Zweidrittelmehrheit 42 Stimmen beträgt. Die Gegner verfügen über die Stimmen der 26 National- liberalen, soivie über je eine konservative und„wilde". Damit dürfte die Frage der Wahlresorm auf längere Jahre hinaus auf dem tobten Punkte angelangt sein. Die für den Herbst 1901 anstehenden Erneuerungswahlen für die Hälfte der Landtagssitze eröffnen der Socialdemokratie die Aussicht auf die Eroberung einer Reihe weiterer Mandate. Es wird dann die auch bei dem heurigen Wahlausfall ge- machte Erfahrung ihre Bestätigung finden, daß in dem Kanrpf gegen die reaktionären Bestrebungen der derzeitigen Regierung und ihrer parlamentarischen Gefolgschaft, in welchem diesinal die bürgerliche Opposition total versagt hat, einzig und allein auf die socialdemokrafische Partei mit Sicherheit gerechnet werden-kann. Aeutjches Weich. Dcml»zia»te»l>v«t. Der„Ulk" hatte nach dem Ncnncser Urteil ein Gedicht gebrachte in dem er derb den Geist des Christentums mit de» Werken seiner Gläubiffrn tvntrasticrte. In der katholischen und auch evangelischen Muckcrprcsse drach daraus ein erstaunliches Geheul los; man sprach von Gottcslasternug und Veschinipfung der christlichen ReligionS eicmciuschaft. Endlich fand sich auch ein DcmmistmiU der den dicdactcur des Witzblattes dem Slaatsauloalt»vcge» angeblichen Ärr- gchens gegen 8 IM anzeigte. Der Erste� Staatsanwalt beim Landgericht I Berlin hat diesen Strafantrag zur ü ckg e iv i e s en und dieses dem Antragsteller nntcr dein'ltl. Oilober»S. IS. mittels folgenden Schreibens mitgeteilt: Ich teile Ihnen ergcbeust niit, dast ich wegen de? Gedichts „Tic feige Thal in Nenucs" von Erhebung der ö f f e n t- I i ch c n K I a g e A b st a n d genommen habe, da dieselbe nach Lage der Sache keine Aussicht auf Erfolg bietet. Eine Vcr- nrtcilnng des Beschuldigten würde nur dann zu erwarten sein, wenn ihm nachgewiesen werden konnte, dast durch den Inhalt dcS Gedichtes eine der christlichen Kirchen als solche oder ihre Ein- richtnugc» und Gebräuche beschimpft werden sollten, und dast er sich in diesem Sinuc dcS beschimp senden Charakters seiner Knud- gcbnng beivustt gewesen sei. In einer seitens der Redattion des „Ulk" in Nunnner 38 des Blattes vom 22. September 1899 veröffentlichten Erklärung wird als Kvcck deö Gedichtes bezeichnet, dast dasselbe nur den„nnchristlichcn" Charakter des Rcuucser Urteils und derjenigen geisteln sollte, welche ihr„Christentum" nur in Ceremonien bethätigcn, im übrigen aber gleichgültig blieben, wenn, wie in dem Dreysusfall, dem wahren Geist der christlichen Religion und ihres Stifters ins Gesicht geschlagen werde. Dieser Einwand ist dahin zu verstehen, daß der Angriff nicht gegen ein derchristlichen Kirchen als solche, sondern nu gegen die Gedankenlosigkeit einzelner An Hänger derselben sich wendet. Mag letztere Auslegung auch anfechtbar sein, so ist sie doch nicht zu widerlegen. Damit entfällt aber die Aussicht ans ein erfolgreiches Einschreiten wegen des beanstandeten Gedichtes. Man sollte denken, dag diese verständige Auffassung dcS Staats amvalts von einem EcutrnmSorgan auch dann gelobt werden»lügte. wenn cS wirklich daS Gedicht als eine Kränkung katholischer Gefühle empfunden hätte; man stellt sich doch sonst so gern als Hüter der Prcszfreihcit vor. Aber die„Germania" ist empört über den Mist erfolg der Denunziation, und die„Deutsche Tageszeitung" meint, wenn„Lästerungen so verletzender Art nach dem hcmigcn Stande unserer Strafgesetzgcbuitg ohne Sühne bleiben müssen, dann ist cS nubcdiiigt nötig, dast die klaffende Lücke im Strafgesetzbuche ans gefüllt werde." Mache man also schleunigst ein Spccialgesetz, eine„lex Ulk die folgende Bestimmimg cuthält:„Fühlt sich irgend jemandes Gemüt durch irgend eine Aensternng irgend jemandes verletzt, so wird letzterer mit Zuchthans nicht unter fünf Jahren bestraft." Dann kann» nicht mehr fehlen.—_ Byzaiitinische Verrücktheiten. Das„Kleine Journal" der Harmlosen nud Ballhansaimas mistt der Znsammenknnft des Zaren mit Wilhelm II. eine lveltbistorische Bedeutung bei. Wie gros; die deutsch-russische Freundschaft sei, gehe daraus hervor, dast die deutsche Staatsleitmig auf dem Haagcr Kongrest die Ideen Nicolaus II warm verteidigt habe. In Wirklichkeit haben die deutschen Vertreter genau da? Gegen teil der in, FricdenSmanifest entivickcltcn Anschauungen befürwortet, und die deutsche Regiernng hat mit vermehrten Kräften die vcr- häuguisvolle Wctt-Nüstungspolitii fortgesetzt. Uebrigens hat das zaristisch begeisterte Blatt vor drei Jahren. als der Zar den Empfang des Grosthcrzogs von Baden ablehnte. die Anslvcisniig Nikolaus II. aus Deutschland anempfohlen, weil er eilten deutschen Bmidesfürsten brüskiert habe. Jetzt hat man byzantisch umgelernt. Der Zickzackkurs gehört eben auch zu den Eigentümlichkeiten eines DlattcS, das de» Ehrgeiz bat, den jeweiligen Spuren der Regierung, niemals errötend, zu folgen.— Tic Novelle zu den Ulifallbcrsichcrmigö-Gcsctzc», welche dem Bundesrat zugegangen ist, enthält, wie eine Korrespondenz mit- teilt, in vier Anlagen die vorgeschlagenen Abänderungen für das Gcwerbe-Uitfallvcnichcrlmgs-Gcsctz, dcS Uiifallvcrsichernngs-Gcsctzcs für Land- und Forstwirtschaft, des Bau- und des Sce-Unsallversiwe rungs-Gesetzes. In praktischer Weise ist. wie im vorigen Jahre bei der Vorlage des Jiivalideiivcrsicherungs-GcsetzcS, der ganze Text der bisherigen Gesetze mitgeteilt und daneben die neue Fassung gesetzt. Der Novelle ist eine umfaiigreiche Begründung, ein allgemeiner und ein besonderer Teil, beigegeben. Es wird darauf hingewiesen, dast seit Erlast der UnfallvcrsicherungS- Gesetze praktische Erfahrungen gesammelt und Bedürfnisse hervorgetreten sind, welche eine Ab- anderung dieser Gesetze und eine Erweiterung ihres Wirknngskrcises angezeigt erscheinen lassen. Deshalb ist bereits 1896 den, Reichstage eine Novelle zugegangen, die zwar nicht zur Verabschiedung gelangte, aber einer eingehenden Beratung in einer besonderen Kommission imtcczogen ivnrdc. Die gegemvartige Vorlage knüpft an die damals geschaffene tocrtvolle Vorarbeit an und übernimmt eine groste Anzahl der Kommissionsbeschlüsse. Von einer Verschmelzung der verschiedenen Zweige der Arbeiterversicherung: Kranken-, Unfall-, Invaliden- Vcr- ftchcrung ist Abstand genommen. Eine Zusanmieiilcgung der genannten Versicherungszwcige ist zwar im Grundsätze wünschenswert, doch ist es bisher nicht gclimgcii, dafür annehinbarc Grundlagen aufzufinden. Den Beschlüssen derReichstagskommission. welche sich auf eineUingestaltniig der Fürsorge für die Verletzten während der ersten drcizchn'Wochen nach Eintritt des Unfalls beziehen, ist in der Novelle nicht Folcze ge- geben worden. Im einzelnen wird in den Motiven die Erweitening der Unfallversicherung begründet auf den ganzen Umfang der Gc- tvcrbebetriebe, welche sich auf Bauarbeiten erstrecken(Tischler, Schlosser, Schmiede, Fensterputzer), auf das gesamte Fleischergewerbe, auf die handwerksmästiczen Betriebe der Brancreien usw. Besondere Abschnitte behandeln die Erweiterung der Leistungen der Bcrnfs- gciiossenschaftcn, Entlastung der Versicheruiigsäinter und die Bei- behaltung der Karrciizzcit. Iii einem besonderen Gcsetzcntivnrf ist schliehlich, wie bereits mitgeteilt, einem Bcschlnsse, den der Reichstag auf Anregung seiner Kommission gefastt hat. Rechnung getragen und eine Regelung der Unfallfürsorge für Gefangene in Vorschlag ge- bracht worden. Tie„Krenzzeitimg" schäkert. In unserer Mitteilung, dast der Finanzminister dem Eiscnbahnminister 018 Stellen für Eisenbahn- sckretäre gestrichen habe, hatte ein Blatt bemerkt: .Vermutlich wird Herr v. Miguel sich gesagt haben, dast in Anbetracht der kommenden Flotte nforderungen ein spar- sames Wirtschaften doppelt not thuc." Darauf schreibt die. K r e u z z e i t u n g": „Was ist daS wieder für eine gedankenlose Verdächtigung! Die Sorge um die Kosten der Flottcnvorlage liegt doch zunächst nicht dem prenstischen Finanzminister ob. Wohl aber hat er bei Aufstellung dcS prenstischen Staatshaushalts allen Grund, sparsam zu sein. Der Mittellandkanal kostet recht viel Geld, und dast er jemals dem Staate Ueberschüsse liefern werde, daran denken doch wohl auch die hitzigsten Äanalschwärmer nicht. Da er aber ein- gestandenemtahen die Einnahmen der Eiscnbahnverwaltung be- einträchtigen wird, so ist es gar nicht zu verwundern, dast gerade bei dieser die notgedrungeue Sparsamkeit einsetzt." Die Bosheit ist nicht übel. Lästt das Blatt den Herrn v. Miqnel bereits fiir den Mittellandkanal sparen, für dessen Nicht zustande- kommen der Minister doch auch fürderhin Sorge tragen wird.— Ein Organ Bassermaims soll die Berliner„Tägliche Rundschau" werden; mit Bassermann hat, dem«Hamb. Korr." zufolge, Frhr. v. Hehl das Blatt angekauft. Schade nur, dast diese beiden Socialpolitiker keine Truppen hinter sich haben.— Die Kunst, ein genialer Staatsmann zu sein, lehrt die neueste Nummer des„Simplicissimus" in einem Satz:„Man must in der auswärtigen Politik Dummheiten machen, um die Aufmerk samkcit von der inneren abzuleuken, und dann must man in der inneren Politik Dummheiten machen, um die Ausmcrksamkeit von der auswärtigen abzulenken.— Das ist das ganze Geheimnis der NegicruiigSkuns:.'— OrdnuiigSkämpfcr. Zwischen zwei Einjährigen des 169. In fanterie-RegimentS fand gestern ei» P i st o l e n d u e l l statt, wobei ciiicr so schwer andere wurde verhaftet. Wortwechsel liegen.— verwundet wurde, dast er mittags starb. Der Die Ursache soll in einem geringsügigcn Zlgraricrtvüuschc. Ans Dresden wird uns geschrieben: Hier hielt die ausgeprägteste agrarische Jntcrcffeuvertretuiig Sachsens, der L a n d e s k n l t u r r a l, seine Jahresversammlung ab. Fast durchweg Agrarier vom reinsten Wasser gehören dieser Körperschaft au, und Leute wie Graf Köniicntz, Äammcrhcrr v. Frege, der Viccpräsideut des Reichstags, Rittergutsbesitzer Jnitizrat Opitz ec geben den Ton an. Und was diese Leure sagen und wünschen, findet bei der Regierung immer geneigtes Ohr. Der früher manch- mal gegen die Negicruiig angeschlagene agrcssive Ton ist den» auch ganz' verklungen. Die Agrarier geben jetzt selbst zu, dast die Regie- rung alles nur mögliche ihnen zuliebe thut. Der LaiidcSkuItnr-Nat befastte sich diesmal unter anderem mit der Frage der Nciibclcbuiig der Fideikommissc. Das neue Bürgerliche Gesetzbuch bietet die Möglichkeit, dast in den einzelnen Bundesstaaten das Fidrikommistwesen neu geregelt werden kamt. Die sächsische Regierung hat einen solchen Gesetzciiiwurf in einer den Agrariern entgegenkommendsten Weise ausgearbeitet, der zur Bcautachtuiia vorlag. Sehr interessant ist nun, wie im Landes- iiiltur-Rat speciell vom Justizrat Opitz die Anfrechterhaltuiig und Neubelebimg dieser mittelalterlich» feudalen Einrichtiiiig begründet wurde. Es sei Pflicht jeder Regierung, vor allem einer monarchischen, im Jitteresse ihrer Selbst- erhaltung alle Einrichtungen der Staat und Gesell- schuft stützenden Kreise zu schützen. Umsomehr, als sich in der heutigen Zeit die st a a t L u n t e r g r a b c n d e n Tendenzen so sehr bemerkbar machten. Die Fideikoimiiisse dienten auch dazu, den Zweck. Glanz, die Würde des HauscS und Familie aufrecht zu erhalten. Von anderer Seite ivnrde darauf hingewiesen, dast man alles thim müsse,«nl die jetzigen„bäuerlichen" Befitzverhättnisse zu kon- solidicrcn. Aus politischen Gründe n müsse iiian auch die kleineren Grundbesitzer dabei nach Möglichkeit berücksichtigen. DeS- halb müsse auch die Grenze des Reinertrags, welche mastgebend für Gründung von Fideikoinmiffeii ist, niedrig gehalten werden. Der Gesetzentwurf kommt diesem Wunsche entgegen. Er bestimmt, dast als Minimalgrenze der jährliche Reinertrag eines Besitztums von 7209 M. gellen soll. Mastgebend ist nur Grundbesitz, nicht mobile» Kapital. Bon einer Seite wurde vorgeschlagen, die Grenze anf 12 999 M. zu erhöhen, da mit 7500 M. nickt„staiideSgemäs;" gelebt, der»Glanz dcS Hauses" nicht aufrecht erhalten werden könne. Wie dreist man andererseits die allgemeinen B i l d n n g s- und V o l k s i ii t e r c s s e n mit Küsten tritt, zeigte sich bei einer anderen Gelegenheit. Die Herren verlangen zum souiidsovielsten Male die Hcrabsctznug dcS FortbildungS-SchnlnntcrrichtS von drei auf zwei Jahre. Man„begründet" diese Forderung mit der„L e u t e n o t anf dem Lande". In geradezu einfältiger Weise wetterte man auch bei der Gelegenheit gegen die S o c i ä I d e in o k r a t i e. So lauge die Socinldemokratte durch Wort und Schrift Gelegenheit habe, ihre„verhetzende und vergiftende Thäligkcit zu entfallen. so lange habe der Fortbilduiigs-Schuluiilerrichl mir einen problematischen Nutzen. D i e A r b c i t e r haben viel zu schrankenlose Freiheiten— die Freizügigkeit uiirsi eingeschränkt, für die A r b c i t s z e n g n i s s e must der B e l c u m u n d u u g s z w a n g eingeführt werden. Man miist die Kasernen statt in die Städte ans das Land bauen, damit die jungen Leute beim Militär die Fühlung mit dem Lande nicht verlieren. So haben sich die sächsischen Agrarier wieder einmal im besten Lichte gezeigt. Weimar, 6. November. Heute wurde der Landtag eröffnet. Staatsiiiiiiistcr Rothe Verla? daS Regicrungsprogrmnm, das in der Ankündigiiiig gipfelte, dast der s o c i a l i st i s ch e n Agitation scharf entgegengetreten werden solle. Abg. B a n d c r t(Soc.) brachte eine Interpellation ein. weshalb die Regie rung der Zucht- hauövorlagc im Bundesrat zugestimmt l?abe.— Samva. Ter„Reichs-Anzeiger" schreibt: Gegenüber fortgesetzten irrigen Angaben sind wir in der Lage, nochmals auf das'bestimmteste versichern zu köiiiicn. dast der Staatssekretär G r a f v. B ü l o w den von ihm in der Samoa- Frage von Anfang an ciiigeiionmicneit Standpunkt, wie man ihn ans seinen Erklärimgcn vor dem Reichstage kennt, während der ganzen Dauer der schwebenden diplomatischen Verhandlungen festgehalten hat und dciiigcmäst jetzt so wenig als früher gewillt ist, d i e d e u t s ch e S t e l l u n g in Samoa a n f z n g c b c u. Ausland. Ezechischc Temoustratioiien. -st- Wien, 3. November. Die Borgänge, die sich in den böhmischen Landstädten seit etwa zwei Wochen abspielen, sind ein politisches Unikum: sie beginnen als politische Versammlungen und endigen mit Fcnftereinschlagen bei den Juden. Es wird bald keine czechische Stadl gebe», in der nicht den Inden die Fenster eingeschlagen worden sind; an vielen Orten ist es auch zu weit ärgeren Dingen, zu Plüiidermigeu und Brand- tiftimgen gekommen. Was diese halb grotesken, halb abscheulichen Exccsse als so traurige Symptome der östreichischen„Kultur" erscheinen lästt, ist der Umstand, dast sie nicht irgendwo im Osten, sondern im iiidnstriell entwickeltsten Teile des Reiches teschchen, dast sie sich in Böhmen ereignen, ivas man cigcnt- lich zu Europa gezählt hat. In Ocstrcich freilich hat man sich an Slrastcnexzesse schon sehr gewöhnt; neben den Staatsanwälten 'ind Polizisten und Gendarmen die eigentlichen Hüter und Bewahrer dieses Staates geworden. Man würde sich«um sehr irren, wenn man die sich immer wieder erneuernden Exzesse auss Conto der Aufhebung der Sprachen- Verordnungen setzen ivolltc. Das ist nur der Anlast, der die Er- regung in' Thai umsetzt; in Wirklichkeit wirkt dabei der berüchtigte Polnaer Mordprozest viel mehr mit als da? verletzte nationale Gefühl. Der Antisemitismus ist in dem czechischcn Kleinbürger« und Bauerntum immer lebendig; jede politische Bewegung endigt dort mit Q�zeffen gegen die Inden. Das alberne Blutmärchen hat die Bevölkerung zudem in eine Art Wutrausch versetzt; eine Stimmung, die von der den Jungczechcn nachrückenden Schichte, den sogenamtten Radikalen", aufs stärkste geschürt wird. Die Aufhebung der Sprachenverordnungen ist nun der Anlast zu Dcinoiistratioiicn geworden, und die Dcmoiistrationen wieder sind die Gelegenheit zu Angriffen gegen die Juden. Die Czechcn geben sich zwar gern als ein sehr freisinniges Volk aus, die den Antisemitismus verabscheuen; aber ihr Freisinn hat sich mit Judenhetzeu seit jeher trefflich ver- tragen. Er begnügt sich aber damit; dast die jungczechischen Blätter antisemitisch schreiben, den Juden die Fenstcr eingeichlagen werden, das hindert nicht, dast in der Partei selbst Inden eine ganz auffällige Rolle spielen können. Es ist eben kein reflekliver Enderfolg, sondern ein ganz urwüchsiger. Die Abneigung der Czechcn gegen die Juden hat zwei Ur- ächen: eine nattonale und eine wirtschaftliche. Die Juden gehen zwar im czechischcn Gebiete mit den Czechcn durch dick und dünn, sie sind sogar stramme Parteigänger, aber sie sind und bleiben Fremdlinge. Im Innern der Familie wird trotz aller Anfeindungen deutsch gesprochen, die Kinder werden deutsch erzogen und ihren Er« werb suchen sie in deutschen Gegenden. Der Czechistcriings-Prozest hält kaum für eine Generation vor; was der Pater in der kleincn Landstadt in einem Menschenattcr zusammengerafft bat. das ver- zehren die Kinder schon im deutschen Wien. Diese Thatsacheu er- klären das unausrottbare Mitztrmicn dcS Czechcn gegen die vcr- sprengten jüdischen Elemente; Jude nud Deutscher gilt im czcchi'ichcn Gebiete für synonym, ivcim sich auch die Juden bei ihrem Aiipasiiingstaleiite sehr stark„ezechisch" zu drapieren wissen. Der zweite Grund, der die Juden in einem Lande, das sie seit Jahrhunderten bcwohucii. noch immer als Fremde erscheinen lästt, ist ökonomischer Art. Die Juden sind nämlich in den Dörfern und den. kleinen Landstädtchcn die wirtschaftlich Stärkeren; sie sind die Kanfleiite. die Makler, sie verkörpern die UeberMacht des Geld- kapitals gegenüber dem, der den Boden bebaut; mit anderen Worten, sie beherrschen das Land wirtschaftlich und sind die Träger des Ausbeiittnigsprozeffcs. So seltsam sich also diese ewigen Inden- Hetzen inmitten des civilisicrtcn Europas ausiichincil, sie sind trotzdem die Revolten gegen den Druck, den eine kleine Minderheit auf die groste Mehrheit ausübt. Die Exzesse werden natürlich von den Gendarmen und dem auf- gebotenen Militär erstickt, aber ihre Ursachen wirken weiter und bei nächster Gelegenheit— die ist ja in Oestreicki immer rasch gegeben— treten sie wieder hervor. Auch in der.Jiidcnfrage" leider dieser misclige Staat daran, dast er zu sehr an de» Osten grenzt und der miuntcrbrocheiic Zuflnst von Inden an keiner groste» staatlichen Gemeinschaft seinen Widerstand findet. Kurz gesagt: Der Ans- sangniigsprozcst ist hier langsainer als der Zuflnst, und so entsteht eine Störung in der Eiitivicklinig, die eben der Antisemitismus er- zeugt. Auch diese groste Landplage wird Oejtreich nicht mehr los werden.—_ Ocstvcich-Nngavn. Abgeordnetenhaus. Wien, 6. November. Auf der heutigen TageSvrdnniia steht die Fortsetzung der Debatte über die Trtnglichkcit0a»iträge betreffend die Aufhebung beztv. Revision dcö K 14. M i l c w S ki erklärt im Namen des Polenklubs, er werde gegen den Antrag Daszhnski ans Streichung, aber für den Antrag von Kaiser und Pcrgelt aus eine möglichst weitgehende Revision des§ II stimmen. (Beifall.) Im Lause der weiteren Debatte giebt der Vorsitzende im Ministerräte Graf C l a r y die EikläruNg ab, dast die Beibehaltung dcZ§ 14 nötig sei. dast gerade in der anSiinhiiiswciscn lieber- tragimg der gesetzgebenden Gewalt an die Regierung bei scharfer Begrenzung der Äusnahmefälle und bei genauer Anwendung der Vo'raiiSsctznngc» ein wirksamer Schutz für die Verfassung selbst ge- legen ist. Tie Regierung werde im AnSschnsse ihre Stellung zu etwaigen AenderuiigSvorichläge» des K 14 präcisicren.— Die Dringlichkeit für den Autrag Taszynski wird mit 151 gegen 61 Stimmen beschlossen. Nach einer längeren erregten Geschäfts- ordiiimgS-Dcbalte wird der Antrag DaszyiiZli auf Streichung dcS Z 14 bei Anwesenheit von 277 Abgeordneten abgelehnt, da nur 167 dafür und 119 dogcgcn stimmen, somit die qualifizierte Majorität nicht erlangt wurde. Die Dringlichkeit des Antrages Kaiser auf Abäiidermig dcS 8 14 wird' hingegen einstimmig an- genommen und einem zu wählenden' 48 gliedrigcn Ansschust noch dem Antrag des Abgeordneten Kaiser der Auftrag erteilt, bimic» 14 Tagen Bericht zu erstatten. Damit ist dieser Gegenstand erledigt, und die Sitzung wird geschlossen. Budapest, 5. November. Wegen der Verordnung de? gemein« sainen KriegSmiinsterS, betreffend die Meldung der Reservisten bei de» Koiitrollvcrsammlungcn, wiederholten- sich heute abcndljdie Knud- gcbnngc» der Studenten; letztere zogen auch vor die Wohming des Ministerprästdeiiteu Koloman Szcll. Die Polizei zerstreute die Menge und nahm 5 Vcrhaftniigeil vor.— Wien, 6. November. Der Arbcitöbcirat nahm einen Gesetz« cntwnrf betreffend Arbeitsvermittlung an, nach welchem dieselbe vom Staate zu besorgen ist.— Prag, 6. November. Gestern fand am Weißen Berge eine öffentliche Versammlung statt, welche wegen tnninltnartschrn Vcr- lanfcö aufgelöst ivnrdc. Die über 799 Personen zählende Bolls- inenge versuchte hierauf in geschlossenem Zuge nach Prag zu gehen, Ivas'die Polizei verhinderte.— Frankreich. PariS, 5. November. Wie verlautet, haben die Anwälte der Aiigcllagteii in der itomplottaffairc beschlossen, keine Obstruktion durch Masseiwerndhimlnaeii von Zeugen zu machen. Sie werden sich daraus beschränken, für jeden Angeklagten 19—12 Personen zu verhören, so dast im ganzen 129—159 Zeugen zu vernehmen sind. Die ganze Berhaiidlung dürfte daher in 5—6 Tagen beendet werden. Unserem Parteiorgan, der„Münchcner Post", ist folgende Erklärung zugegangen: Berlin, den 5. November 18S9. Werte Genossen! Sie greifen mich wegen einer Aeustcrmig in meinem ersten Artikel an:„Das Ceutrum und daS allgemeine Stimmrecht", worin ich tadele, dast Misere Genossen im bayrischen Landtage in ihrem WahlrechtSantrage nicht das jetzt in Bayern gülttge WahlfähigkeitS« alter forderten. Sie verweisen feiner auf die Rede des Genossen Bollmar, in der dieser ausdrücklich betonte, dast selbstverständlich daS jetzt geltende Wahlfähigkeitsaltcr festgehalten werden müstte, und schließen aus diesem angeblichen Ueberschen meinerseits auf eine Flüchtigkeit in meiner Arbeit in diesem Pmilte. Mit Unrecht. Meine Artikel sind Montag, den 39. Oktober, fertiggestellt worden; der erste Artikel erschien Mittwoch, den 1. November, d. h. zu einer Zeit, wo mir die Rede Vollmars erst im AnSzug vorlag, der keine Aenstening über das Wahl« fähigkcitSnl'ter enthielt. Der stenographische Bericht der Vollmarschen Rede, mit der in Betracht kommenden Stelle über das Wahlfähigkeits« alter, kam mir durch Ihr Blatt erst Freitag zu Gesicht, also nach« dein mein erster Artikel schon zwei Tage veröffentlicht ivar. Sie ersehen daraus, daß Ihr Vorwurf, ich habe mir eine Flüchtigkeit zu schnldcn kommen lassen, nicht gerechtfertigt ist. Aiidrerfcits gebe ich mit Vergnügen zu, dast auch mein Augriff wegen des vermuteten Mangels in dem Autrag der bayrischen Genossen im Landtag nicht gerechtfertigt war und nicht veröffentlicht worden wäre, hätte' mir bei Abfassung nieiner Artikel bereits das Stenogramm der Vollmarschen Rede vorgelegen. Eine Berichtigung durch mich selbst wäre auch schon erfolgt. wäre ich nicht durch die Fertigstellung einer drängenden Arbeit so stark in Anspruch genommen geivcsen, dast mir darüber die Sache wieder aus dem Gedächtnis kam. Mit bestem Grust Ihr _ A. Bebel. Vnvlnnrcntctvisrszrs. Eine Novelle zum Gemclude-Wahlgcsey ist unter Berück« sichtiguug der in voriger Session in der Kommission geltend ge- inachten Wünsche ausgearbeitet und unterliegt zur Zeit der Bc- gutachtung des StaatSministeriums. Die Borlage soll dem Landtag schon im Januar zugehen. Varkei-Rschvichten. Mit de» Pcschlüffen des Parteitages erklärte sich die Kreis- Parteiversammlung des Kreises Solingen einverstanden. Ebenso einverstanden erklärten sich die Genossen in Osnabrück in ciiier Parteiversammlung. Eine Parteiversammlung in Hagen erklärte sich mit allen auf dem Parteitage gefasttcn Bcschlüffen einverstanden. Eine erregte Debatte über den Fall Liitgenau wurde durch Schlust« antra q Bccirtrtflt. In einer weiteren Bcrfammlnng Wollen sich die Genossen schlüssig werden, od sie eine» eigenen tiiepfblnU-Ükdaeleur anstellen sollen. Die Genossen in Jena nahmen nach lebhafter Dik-knssion folgende Resolution einstimmig an: ..Die am 3. November tagende Parteiversammlnng erklärt unter Bezugnahme auf die in früheren LZersmnmlmigen gefaxten, jede derzeitige Aenderung in Prinerp und Taitit der Partei durchaus ablehnenden Resolutionen ihre volle Zustimmung zu den diesbezüglichen Beschlüssen des Parteitages von Hannover. Die Versammlung erbliikt im besonderen in der einmütigen Annahme der Resolution Bebel die absolute' Ab- lehmnig aller von Bernstein und seinen Anhängern angestrebten Aenderungen, sowie die erneute bindende Zustimmung zu der bis- herigen proletnrisch-revolutionären Taktik der Partei! Totenliste der Partei. Von einein schlveren Verlust wurde die Partei in Harburg betroffen. I» der Blüte seiner Jahre bat eine_ Sungenentziiitdnug den Vorsitzenden des soeialdemokraiischen Vereins, Maschinenbauer Friedrich Hertha, aus der Mitte seiner Freunde gerissen. Die Partei, der soeialdemokratische Verein und der Metallnrbeiter-Verbaud erleiden durch den zu frühen Tod des unermüdlichen Genossen einen schweren Verlust. Bei den Stadtverordnetemvahle» in Stettin errangen unsere Parteigenossen einen Stimmenziiivachs von 303 gegen das vorige Jahr, während die Freisinnigen 530 Stiminen verloren. Gewählt wurden die realtionnren Mischmaschleute, genannt Un- abhängige. Ein Socialdemokrat.. Ratsherr. Dieser Fall wird sich demuächst in Kopenhagen ereignen. Der Kopenhageirer Magistrat besteht ans dem„Oberpräsidenten", der von der Rcgierung eingesetzt wird, den vier Blirgerineistern und vier„RakSherren". Von diesen gehen demnächst zwei Groszhäudler ab. Der Oberpräsident erläfft eine Bekanntmachung, daff sich Veiverber melden möchten. Jeder Kogenhagener Bürger darf sich uämlich bei der Bürgerrepräsentation. dem das Wahlrecht für diesen Beamten zusteht, nach dem Gesetz darum bewerben; aber natürlich stellen die Parteien der Bürger- repräsentatioii sGemeinderatS) ihre Kandidaten ans. Die radikale linke Majorität hat sich verlmndeii, diese beiden Posten mit Männern ihrer Parteien zu besetzen und soll eine Stelle den Liberalen und eine den S o e i a l d e m o k r a t e n zufalleit, so daff sie also damit ihren Einzug in die höchste toinnumale Behörde halten. Alts Etlgland. London, den 2. Nobember. Der betäubende Schreck, den die vorgestern eingetroffene Nachricht von der Kapitulation zweier Regimenter hier verbreitet hatte, hat sich so ziemlich gelegt. Man empfindet eine gewisse Erleichterung darin, daff die Kapitulation erst erfolgte, als den Söldnteii nach mehrstündigem hartem Kampfe die Munition ausgegangen war, und daff der Verlust der Munition einem quasi elementare» Ereignis zugeschrieben werden konnte, daff es nicht die britischen Soldaten, sondern die Maultiere waren, die ausrissen. In- des verhehlt man sich nicht, daff dies im Grunde doch nur ein Trost von sehr bedingtem Wert ist. Die beiden Regimenter und die ihnen beigegebenen Kanoniere bleiben darum nicht weniger verloren, und die am gleichen Tage eingetroffenen Verstärkmigsinaimschaften haben vielleicht diesen Verlust ausgeglichen, aber an der bedrängten Situation der bei Ladysmith konzentrierten Truppen nichts Weseut- liches geändert. DaS bedeutsamste Faktum der Katastrophe vom 30. Oktober ist nicht so sehr die Kapitulation der zwei zusammen- geschossenen Regimenter, als die Thatsache, daff es General White nicht gelang, in Fühlung mit ihnen zu bleiben. Sie weist entweder auf einen fast unbegreiflichen Verstoff gegen die elementarsten Kriegs- regeln oder auf einen verhängnisvollen Mangel im OrganisationS- Wesen der englischen Armee hin. Selbst das Durchbrennen der Maultiere mit den Munitionslvagcn kann nicht als ein unverineid- barei Elementarereignis betrachtet werde». Solche Borkoinmiusse, wie das Schculverden von Zugtieren lönnen sicherlich voranSgeiehen und durch entsprechende Vorkehrungen in ihren Wirkimgeii auf ein Mindestmaß reduziert werden. NebrigenS herrscht gerade über die nähere» Umstände dieses Vorfalles noch ziemliches Dunkel. llebeichaupt laufen die Nachrichten vom asrilanifchen Kriegsschauplatz hier wieder äufferordentlich spärlich ein. Die Eensur der britischen Militärbehörden ist nach jedem Mißerfolg doppelt streng, und die offiziellen Depeschen sagen zwar nichts dieelt Unwahres, täuschen aber durch das, was sie nicht jagen. Ueber eine ganze Reihe wichtiger Thatsache», wie#g. B. die faktische Stärke der zur Zeit General White zur Verfügung stehenden Truppemnacht, ist die Presse auf ziemlich vage Schätzungen angewiesen, das erhöht aber selbst- verständlich noch die Unruhe. Vis die Masse der von England nachgesandten Truppen an Ort und Stelle sind, können ja immernoch gut zwei Wochen bergchen. Bestenfalls haben die Engländer den Krieg bis jetzt mit einer Verschwendung von Menschen und Material geführt, die bei leidlicher Voraussicht sehr wohl hätten vermieden iverden köimen. Was die militärische Führung und die Soldaten bis jetzt positiv geleistet habe», rcdueiert sich ans teilweises Gutmache» der falschen Position, in der sie sich zu Beginn der Feindseligkeiten befanden. Lord Rosebery meinte gestern in einer zu Edinburg gehaltenen Ansprache. das sei der traditionelle Verlans der englischen Feldzüge. «Zufolge eines gewissen mysteriösen, üblen Einflusses, der unsre Vorbereitungen beherrscht", sagte er,.fangen wir gewöhnlich ziemlich schlecht an. aber wir ertragen diese Dinge und finden am Ende, daff sie doch noch gut auslaufen". Indes unterließ der Ex-Fiihror der Liberale» nicht, hinzuzufügen, daff eines Tages„selbstverständlich Untersuchung angestellt werden wird, welches die Vorbereitungen zu diesem Kriege waren, welches die Stärke der Truppemnacht war. die wir in Südafrika hielten oder nach Südafrika schickten, wo die Verhältnisse stets bedrohlich und zuweilen sogar beunruhigend waren und wir uns einer relativ starken Militärmacht gegenüber und in- mitten einer holländischen Bevölkerung befinde», die jedenfalls aufgerüttelt Iverden konnte. Die unmittelbare Aufgabe aber sei. mit aller Kraft und Energie zu denen zu stehen, welche die Führung der Geschicke des Landes haben." Dieser letztere Appell hat Lord Rosebery den lauten Beifall der Regierungspresse eingetragen. Anders beurteilt ihn ein Teil der radikalen Presse. Die liberale Partei ist durch den Krieg nahezu in zwei feindliche Lager gespalten worden. Der eine Flügel, dessen Organ die„Daily News" sind, geht in der TranSvaalsrage durch- ans mit der Negierung, der andere, dem Blätter wie das .Daily Chronicle", der„Star"-e. als Mundstück dienen, opponiert zwar nicht der energischen Führung des nun einmal ent- brannten Krieges, macht aber nach wie vor die jetzige englische Regierung und speciell Lord Chamberlain und Sir Alfred Milner für ihn verantwortlich. Gewiff. schreibt das„Daily Chroniele", werde die von Lord Rosebery bezeichnete Untersuchung stattzufinden haben, aber sie werde nicht halb so wichtig sein, als die Untersuchung, die ihr logischerweise werde voranöziigehcn haben.„Um einen Krieg als ein vermeintliches Jnteresie des Reichs zu buhlen und zu angeln und es einige» unserer besten Bataillone und unserer misgezeiÄnetsten Offiziere zu liberlassen, die Wucht eines plötzlichen Angriffs von einem Volk in Waffen auszuhaltcn, mag späterhin als Grund für etwas Ernsthafteres als eine bloffe Untersuchung betrachtet Iverden. Aber daS Buhlen um den Krieg fällt jchwerer ins Gewicht als das Verrechnen in Bezug ans Zeit, Hilfsquellen und Möglichkeiten." Zur Bekräftigung dieser scharfen Beschuldigimg fahren„Chroniele",„Star" je. fort. Aklenstücke je. z» veröffentliche», we'chc die Genannten im denkbar schlechtesten Lichte erscheinen lassen. Eine Rede, die Rosebery vor einigen Tagen in Bath gehalten hat, hat auch die Frage wieder zur Sprache gebracht, ob Gladstone richtig handelte, als er 1881 unmittelbar nach der Niederlage von Majüba Hill Frieden mit den Boeren schloff. Die boerenfreundliche Fraktion der Liberalen bezw. Radikalen antwortet ja, die andern bestreiten eS oder stellen es als jedenfalls zweifelhaft hin. � Es liegt ans der Hand, daff beide Parteien ans Thalsachen und Erklärungen zur Bekräftigung ihrer Anschauungen verweisen können. Vertreter der Boeren haben bald Gladstones Groffmnt gepriesen, bald sich gebriistet, daff sie 1881 den Engländern eine Lektion erteilt »nd sie gezwungen haben, ihnen nachzugeben. Aber die Goldfunde und die von ihnen bewirkte Auhmifiing von Einwanderern in Trans- vanl haben so völlig andere Verhältnisse geschaffen, daff sich die Weisheit der 1381 getroffenen Maßregel» gar nickit nach den in den letzten Jahren erfolgten Konflikten benrteile» läfft. Diese wären auch dann kaum ausgeblieben, wenn Gladstone 1381 erst daS Trans- vaal hätte militärisch besetzen lassen, bevor er mit den Boeren Frieden schloff. Die bezeichnete Gegenüberstellung hat nur deshalb Bedentnng, weil sie überhaupt die zwei Strömungen kennzeichnet, die zur Zeit durch die liberale Partei Englands ziehen, von denen die eine die des imperialistischen LiberaiiSnms ist, wie ihn lltosebery genannt hat, während die andere die altliberalen Traditionen hockiznhalten sucht, wie Gladstone und Bright sie zu verschiedenen Zeiten vertraten. Wirtschaftlich lassen sich die beiden Fraktionen schwer charakterisieren, es hat hier loie dort sehr weit nach links stehende Soeiatpolitiker und ziemlich manchesterlich gesinnte Bourgeois. Zeigen sich korrespondierende Meinungsverschiedenheiten doch selbst in den Reihen der englischen Soeialisien, wenngleich in der Transvaalfrage die llberwiegende Mehrheit der hiesigen Genossen nicht nur erklärte Gegner des Krieges sind, sondern auch die Schuld an seinem Ausbrechen durchaus der englischen Regierung zur Last legen. Eine abweichende Meinung vertritt u. a. der Redakteur des „Clarion", Robert Blatchford. Er erklärt, die Schuld am Krieg treffe beide Seiten, nachdem der Krieg aber ausgebrochen fei, singe auch er, Blatchford.- Rule Britannia. Daff die Masse der nichtsoeialistische» Arbeiter ähnlich denkt, steht auffcr Zweifel. Bei ihr kommt noch hlnzu, daff der Krieg in einer ganzen Reihe von Geivcrbe» gesteigerte Thätigkcit und erhöhte Löhne zur unmittelbaren Folge gehabt, die anderen vorerst ivenigstens nicht geschädigt hat.' Er spielt stcki in zu weiter Ent- fcvmtiig ab, um die Sicherheit des englische» Marktes zu gefährden, und England ist zu reich, um sonst wirtschaftlich unter ihm zu leiden — so lange er nicht größeren Umfang als jetzt mmmirnt... Der Krieg. Die spärlichen Nachrichten ans dem Kriegsgebiete erzählen von allerlei für die Engländer erfolgreichen Ausfällen und Gefechten. Doch so zweifelhvft diese Meldungen sind, so sicher ist es. daff es den Engländer» bisher nicht gelmigc« ist, sich in ihrer bedrängten Lage auch mir ein»venig Luft zu schaffei»: vielmehr wird' die Ilm- schlieffimg durch die Bocrc» stets enger»»d gesabrvoller. C o l e n s o, welches die wichtige Eiseiibahnbrncke über den Tugelafliiff beherrscht. dürfte wahrscheinlich bereits in den Händen der Boeren sein, jeden- falls ist es in höchstem Maffe bedroht und eS faiiden heftige Kämpfe iim diese Position in de» letzte» Tagen der vorigen Woche statt. Wir verzeichneii die beinerkensivertefte» Nachrichien. Die Londoner Blätter veröffentlichten am Soimtag in Sonder- ausgadr» folgende Depesche ans Ladysinith vom'3. November 2 Uhr nachmittags: Während der Beschieffnng, die heute morgen stattfand, überriniipelte eine Rbteilnug unserer Kavallerie und Freiwilligen eines der B o e r e n l a g e r. Soeben! hat eine englische Bombe ein schweres Geschütz der Boeren gelrosse» und dasselbe völlig zer- schmettert. Das„Reutersche Bureau" meldet ans Ladhsmith vom 2. d. M. 10 Uhr vorm.: Heute früh um 6 Uhr begann ein Artilleriekampf, der»och andailert. Der Feind richtete bis jetzt im eliglischen Lager keinen Schaden an. Das Feuer der Engländer verhinderte die Boeren, die Geschütze zu richten. Man hört Geschützdouiier in der Richtimg ans Colcnso. Kampf»im Colcnso. Das„Reutersche Bureau" meldet miS Colenso vom 2. November 11 Uhr 15 Min. vormittags: Der Feind begann dir Beschieffnng von Colenso. Sein Feuer richtet sich gegen das Fort W y l i e, welches der Tngelabrücke als Deckung benntzte. Ferner meldet das„Reutersche Bureau" ans Colenso von» 2. d. M.: Heute gingen die Boeren gegen die Stadt vor; sie kamen von L a d y s ,» i t h her i»id stellten ihre Batterien ans G r o b l e r s Kloos Hügel. Alsbald eröffneten diese ein Feuer, sowohl aus Ladhsmith»vic auf Colcnso. Die Boeren bedienen sich Kanonen grotzen Kalibers gegen Colenso und zielen haupliächlich ans das Fort Wylie: allein, da die Geschütze zu weit tragen, fallen die Geschosse sämtlich diesseits der Stadl.— Ci» Telegramm BnIlcrS. Das britische KriegSministerinm hat am Sonntag ein Telegramm des Generals Bnller empfangen, in welchem derselbe eine ans Lady- smith vom 3. d. M. datierte, ihm vermittelst T a n b e n p o st zu- gegangene Depesche übermittelt. Danach war am Tage vorher General Freiich mit Kavallerie imd Artillerie ausgerückt und hatte ei» Boerenlager wirksam beschossen. Ans englischer Seite waren leine Verluste zu verzeichnen. Am 3. d. Sil. griff General Brocklehnrt den Feind mit Feldartillerie und Kavallerie südwestlich von Ladhsiiiith an. Der Kampf dauerte mehrere Stunden, die Verluste waren auf englischer Seite gering. Das Bombardement dauerte am 2. und 3. November fort. Es fielen viele Granaten in die Stadt. Die Truppe» sind gesund und die Verwundeten in gilter Versassmig. Vormarsch der Boeren im Süden. ' Wie„Daily Mail" aus B» r g h e r s d o r p in der Kaplolonie vom 2. d. M. meldet, ist das britische Lager bei Stormberg Jnnetioi» an dem genamite» Tage 50 englische Meilen südöstlich nach OiieeilStowu verlegt worden. Man ist der Meiiunig. daff die Verlegung deS Lagers eine groffe Anzahl der Boereil der Kaplolonie veranlassen wird, sich dcm Feinde aiizuschlieffen. Ein weitere Abteilung vo» 3500 Oraiijeboeren hat demselben Blatte zufolge mit einer Anzahl von Geschützen die Brücke bei Bethulie überschritte». Ein Telegramm ans Kapstadt vom 1. November besagt, daff der Feind gestern die Eisenbahnbrücke bei NorwalSpont überschritten hat und CöleSberg ohne jeden Wider stand besetzte. Ein kleines Polizeikvmmando unter Führung eines Sergeanten, das die Garnison darstellte, streckte die Waffen. Jtitcrventio» der Mächte? Amsterdam, 4. November.(„Franff. Ztg.") Dr. L e y d s teilt mit, daff ei» Dazwischentreten Dentschlands, Frankreichs und Rusflandö in der TranSvaalsrage gesichert sei. Paris, 5. November. Die portugiesische Siegierimg hat. wie bcrlantet, nochmals der hiesigen Regierung die Mitteiliiilg zugehen lassen, daff sie im Transvaalkriege die strengste Neutralität beob- achten, die Telagoabat in keiner, wie auch irgend gearteten Form, an England abtreten und keine Truppe ndiirchgänge von englischer Seite durch portugiesisches Gebiet in Südafrika dulden werde. Vormarsch der Boeren im Süden. London, 6. November.(B. H.) Die„Times" veröffentlichen in ihrer ziveiten Ausgabe ein Telegramm, wonach das Vordringen der Bocrc,» in der Kapkolonic schncllc Fortschritte macht. Es bestätigt sich, daff der Plan des Generals Bnller der ist, die Boeren von der südwestlichen Grenze des Lr-anjefreisiaates anzu- greife». Im übrigen werden alle Bewegungen der englischen Truppen geheim gehalten._ GemeekslsMftlitszes. Berlin und Umgegend. Achtung, Metallarbeiter! Der Streik um den Neunstuiideiitag ist beendet. In 44 Be- trieben mit 1000 Arbeitern sind die Forderungen bewilligt. In 12 Betrieben mit 900 Arbeitern ist die Bewegung resultatlos der- laufen. Die Zahl der Streikbrecher war besonders in den letzten Tagen erheblich gestiegen; dazu kommt, daff die Saison mit diefem Monat in der Bronzewarensabrikalion ihrem Ende zuneigt. � Mit Rücksicht auf diese Verhältnisse haben die Streikenden den Kampf abgebrochen, un» zu geeigneter Zeit daS nachzuholen, was gegenwärtig nicht zu erreichen>var. Die Fabrikanten haben versprochen, sämtliche Kollege», soweit dieS überhaupt noch durchführbar ist, wieder einzustellen imd keinen Kollegen tvegen seiner Belhätiguiig am Streik zu maßregeln. Gleichfalls wurde von allen Unternehmern die Regelung der neimstündigen Arbeitszeit für daS nächste Jahr in sichere Aussicht gestellt. Inwieweit die Jiidiistriellen ihre gcgebeiicn Bersprcchuiigen halten werden, muff abgewartet iverden. Vorläufig sind noch 200 Kollegen zu unter- stützen, welche nicht sofort eingestellt ivorden sind. Hierbei weisen wir darauf hin, daff laut Beschlnh in den Werk- statten nur Sammellisten und Marken cirknlieren dürfen bezw. zu zeichnen sind, welche vom Vertranensmaim der Metallarbeiter abgestempelt und herailsqegeben find. Die O r t s v e r w a l t n Ii g des deutschen Metallarbeiter-Verbandes. Tapezierer! Die Kollege» der Werkstatt des JmiimgsuieisterS Heinrich Brandt, Hollmannstr. 21, der die Arbeite» für die Finna Heinrich Jordan, Hoflieferant, Markgrafensir. 105— 107 hat, haben wegen Maffregelnng eineS Kollegen einmütig die Arbeit niedergelegt. Die Berhandliing der Agitatioiiskominission mit Herrn Brandt sind gescheitert. Zuzug ist fern z» halten. Zugleich tveisen loir daraus hin, daff mit dein heutigen Tage der Arbeitsnachiveis nicht mehr Schiitzenstraße, sondern Beulhstr. 21 bei Simonis sich befindet. Die A g i t a t i o n s k o m»i i s> i o n der Tapezierer Berlins nnd Uingegend. Achtung, Töpfer! Die Kollegen werden darauf anfinerksam gemacht. daß laut Bcschliiß der Vertammlnng am 4. November die Kollegen nur dort in Arbeit treten dürfen, wo sie vor Ansbrnch deS Streiks gearbeitet haben. Ilmschanen ist verboten niid haben sich die Kollegen betreffend Arbeitsvennitteliiitg mir an die Lohnkommisflvn zu tveiide». Zur Aufrechlbaltnng der Kontrolle ist letzlereS»nbediiigt »otiveiidig imd kommen die Kollegen durch die Kommiision jedenfalls in geregelte Arbeitsverhältnisse. Am Freilagabend findet eine öffent- liche Veriaiiinlllnig statt. Alles iveitere hierzu siehe Amionee in der Doniierstag-Nnnnuer des„Vorwärts". Die 2 o h ii k o m m i s j i o n. Iii dcm Streik der Teppichweber bei der Firma Feibisch, in Berlin, Kaiserstraße, der jetzt bereits die 11. Woche andaliert. ist noch keine iieiiitenSwerw Aenderung eingetreten. Tie Streikenden. welche immer noch fest ziistmimenhalteii, widerstehen energisch dem von den Angestellieil des Herrn Feibisch an sie gestellten Ansinneil, in die Fabrik znrückzllkehren. Täglich, ja, so oft diese Herren einen Arbeiter oder eine Arbeiterin zu sehe» bekomme», suchen sie die Slrcikeiiden zu bewege», die Arbeit niltcr den günstigsten Bedmglingen wieder aufzunehmen; doch vergeblich! Bei dieser Gelegenheit werden den Streitrndei» Löhne versprochen, die mit den bisherjf. bei_ Feibisch gezahlten in krassem Widerspruch stehen. Mit der Streikkoiuinission, an die man diese Leute vertue ist, will Herr Feibisch bekanntlich nichts zu thun haben, ivie er ja auch die Verhandlung mit dein EinigiingSamt des Berliner Gewerbcgerichls, das von den Streitenden angerufen ivorden ist, abgelehnt hat. Arbeitswillige haben sich leider auch hier durch die schönen Versprechililgen amverbeii lasse». Sie könne» 25—30 3)!. verdienen. wem» aber»ach einigen Wochen dieser bei Feibisch nicht gekmiute Verdienst ausbleibt, so ziehen die Leute wieder von damieil; ja auch die ans NoivaiveS; trotzdem man ihnen noch 3,60 M. Fahr- geld gegeben hat. sind die meiste» von ihnen wieder abgezogen. Streikbrecher sind hier noch ans Forst, Griiuberg, Soran, Bernau, Friedrichsberg bei Berlin und nnch einige Berliner. Es vergeht keine Woche, in der nicht UiiglückSsällo vorkommen. Das kommt daher, weil es monnte- ja jahrelang dauert, ehe ein Arbeiter mit diesen gefährlichen lllkaschiuen umzugehen versteht. Die S t r c i k k o m m i s s i o n. Achtung, Cisclcnrc k Der Streik bei der Firma Spiiili u. Sohn, Wajserthorslr. S, ist beendet und die Sperre ausgehoben. Die K o in m i s s i o>». Der KescllciianSschiist der ZwangSKmnng der Kupferschmiede ist am Sonntag gewählt worden. Die Kandidaten der Organisation sind fast einstimmig gewählt. Ein Lohnkampf der R i x d o r f e r W e b e r. so berichtet eine bürgerliche Korrespondenz, droht anszubrechen. Schon seit einiger Zeii ivird von dc» Gehilfen laut, daß sie höhere Löhne haben tvolle». Eine vor einigen Tagen tagende Versammlung der Gehilfen wählte eine Kommission. die eine» Lohntarif ausarbeitete. Dieser Lohn- tarif wurde dem Obenneister der Weber- Jniinng Herrn Schneider zugestellt, welcher daraufhin sämtliche selbständigen Weber behnss Besprechung und Beratling deS LohntarifeS am Sonntag nach dem GrLpplerschen Salon. Bergstraße 147. eiiilud. Die Gehilfen fordern dnrchschiiitllich 20 Pf. mehr. Fürs Vorrichten verlangen sie pro Slimde 25 Pf., und dauert diese tzlrbeit länger als einen halben Tag. dann ivollen sie 3Ä>t. pro Tag haben. Außerdem stelle» sie die Forderung: Eiiisührmig des OVe fliiiibigeii Arbeitstages. Unter den selbständigen Webern war mir eine Stiiiiure. daß es:o nicht Iveiter gehen laiin, sie selbst würden zu Grimde gehe», wenn die Geichäftc nicht mehr zahle». Das Schreckgespenst, die Ware ans Sachsen niid an deren Orten bezogen, sei bedentend billiger. verfing»ichi. Der OberineifterHerr Schneider erklärte ganz einfach:„Wir würden so oderso sterben, wenn wir aver doch einmal sterben müssen, dam» ziehen ivir den schnelleren vor dem laugsamen Tod vor." An die Beioilligiliig der Forderung der Gehilfen sei vorläufig gar nicht zu denken, bevor nicht die selbständigen Weber höhere Preise erzielt haben. Ein Beschluß wurde nicht' gefaßt, sondern soll dieses in einer Versmiimlinig, die am 11. d. M. in demselben Lokale statt- findet, geschehen. TcnlscheS Reich. I» der gel her Kinderwagen- und Holzwarcnfabrik von E. A. N ä t h e r haben infolge Löprozelitiger Lohnreduzierimg. nach vormisgegailgeiier 14tägiger Äündigmtg, 26 Lackierer die Arbeit eingestellt. Ter durchschnittliche wöchentliche Arbeitsverdienst betrüg bei einer tägliche» Arbeitszeit vvn 10'/» Stnnden 18 bis 20 Mark. Bei einer weiteren Firma dieser Branche Opel u. Kühne haben edensalls infolge Lohnabzuges elf Main» die Arbeit eingestellt. Bei letzterer Firma lvurdcu bis jetzt für sogenannte„Kindersportskarren" für die Lackierarbeit 10 Pf. bezahlt»nd nun soll für die Zukniift mir noch 5 Pf. für dieselbe Arbeit bezahlt iverden, also eine öOprozentige Lohiiredlizierung. Die Arbeiter wollten sich ans einen 20prozentigen Abzug einigen, jedoch die Firma hält an den SO Proz. fest. Zuzug ist fern zu halten. Ter Krcfeldcr Färbcrstrrik ist nach achtwöchcntlicher Dauer beendet. Die Arbeiter haben ihre berechtigten Fordennigen leider nicht durchsetzen können. Immerhin ist seit iiiid mit dem Streik eine Erhöhung der Löhne eiugetrete». ES hatten sich auch aus den eigenen Reihe» schließlich eine so große Anzahl Streikbrecher gc- fluiden, daff sich der Streik nicht mehr länger aufrecht erhalten ließ. Gegen 200 Persoilen sind noch ans einige Wochen hinans z» unter- stützen; später hofft man sie in Betriebe uiiterbmigen zu können, welche neu errichtet werden. JK Frankfurt a. M. sind am Montag 1200 Maurer „arbeitslos" geworden, wie ein bürgerliches Blatt sich melden läßt. E» ist also uiibestimmt, ob cs sich um einen Streik oder Aussperrung handelt. Der Ausstand der Schuhmacher der Hehmannschen Fabrik in P a s r n g- M ü n ch c n dauert bereits sechs Wochen. Lllit dem Iluternehiner haben zahlreiche Unterhaiidlmigen stattgefunden. ohne daff sie bis jetzt zu einem Resultat geführt hätten. Der Vor- sitzende des Deutschen Schuhmacher- Verbanoes hat allein drei Tage mit dem Fabrikanten verhandelt und ist schließlich unver- ridjtctcr Cache wieder al'gcrcisl. Was Herr Heyniaim den eine»» Taji verspricht, zieht er am nächsten Taqe wieder zurmck: ivie es scheint, wird er dabei stark von seinem Werkmeister und Buchhalter bceinflnht i mit ihm allein iväre vielleicht eine Einifltinq zu erzielen. Der Sieg der Arbeiter dürfte sicher sein, da sich Streikbrecher noch gar nicht gefunden haben und da der Schuhmacher- Verband hinter ihlieil steht. Ausland. Die Maschiucnstrickerinnen in Christiania haben die Arbeit niedergelegt. Sie hatten einen Vorschlag zu einem Lohntarif ans- gearbeitet, der von den Arbeitgebern abgelehnt wurde, aber ein Ver- mittclnngskomitee von je drei Vertretern der Arbeitgeber und Arbeiter eingesetzt, die gemeinsam einen Tarif ausarbeiteten. Die Arbeiterinnen nahnten ihn an und ebenso sechs Fabrikanten, von denen einer so- gleich die Bezahlung einführte. Die Übrigen weigerten sich aber unter dein Vorwand, das; der 7. Fabrikant nicht unterschreiben wolle. Derselbe bezahlte aber längst höhere als die Tarifpreise. Der Arbcitcrinncnvcrband wartete mehrere ivionate auf Entscheidung und stellte schließlich die Forderung, daß der angenommene Lohntarif am 21. Oktober in Kraft treten müsse. Da die Fabrikanten aber an der alten thorichtcn Forderung fcsthicllen. haben die Arbeiterinnen nun die Arbeit niedergelegt. Der norivegische Verband bittet, daß auS- ländische Arbeiterinnen keine Arbeit nach Christiania annehinen. Arbeiter, Parteigenosse» Charlottenburgs! Nur heutigen Tage finden von morgens IV bis abends 8 Uhr für sämtliche Bezirke die Stadtverordnetcnivahlen statt. Wahlberechtigt sind alle diejenigen, die t» der W ä h I e r l i st c st e h c n, auch wenn sie seit Auf stellung der Li st e aus Charlotten bürg verzogen sind. Pflicht der Parteigenossen ist es. allüberall, wo sie' mit Arbeitskollegen zusammentreffen, auf die Bedeutung der Wahlen hinzuweisen und die Säumigen anfziiinnnlcrn, daß sie von ihrem Wahlrechte Gebrauch machen. Nur durch kraftvolle Anstrengung wird es uns möglich sein, der Bourgeoisie den Sieg streitig zu machen. Unsere Kandidaten sind für den: 1. Bezirk: Gastwirt Ferdinand Paasche. 2. Bezirk: Schriftsteller Curt Bnakc. 8. Bezirk: Schriftsteller Paul Hirsch. 4. Bezirk: Spediteur Gustav Scharubcrg. ö. Bezirk: Cigarrcnhändlcr August Sellin und Schrift steller Dr. Bruno Borchardt. ll. Bezirk: Drechslermeister Ernst Neiuke. 7. Bezirk: Gastivirt Alliert Lcder. Wie bei allen Wahlen, so brauchen wir auch diesmal am Wahl- tage zahlreiche Kräfte, d i e s i ch o p f e r w i l l i g in den Dien st unserer Sache st e I l e n. Wer gewillt ist. mit lhätig zu sein, der möge sich, womöglich schon morgens vor IV Uhr, sonst aber sicher des Nachmittags in den»achbenannten Lokalen zur Vcr- sügirng halten. Für den: 1. Bezirk bei Ferdinand Paasche, Potsdamerstr. 44. 2-„ Leder, Bismarckstr. 74. „ Dörre, Wallstr. 90. „ Kant, Pestalozzistr. 65. » W e r>l i ck e, Bismarckstr. 34. „ P r i l l. Goethe- und Grolmanstraße- Ecke. „ B r c d l o w, Ansbacherstr. 81. Auf z» r Agitation! Vorlvärts zu K am ps und Sieg! 8. 4. 5. 6. 7. Becker-, Bega?- und Hedwig-, Menzel-, Kandidat: Spediteur Arbeiter Schöuebcrgö! Am 8. Roveinber, von niittags 12 bis abends 7 Uhr, finden in unserer Stadt die Stadtverordneten- wählen statt. Unsere Gegner, ganz gleich welcher Partcischatliernng, haben sich zusannnengethan, um, ivie s i e angeben, in Ruhe und Frieden die Interessen der jungen Stadt durch gemeinsames Handeln zu fördern, in Wahrheit aber nur deshalb, um die Wahl von Arbeitern zu verhindern. Wie peinlich nmß es denn auch diesen Herren Millionären und Hausagrariern sein, ivcnn sie bei ihrem Thun inid Treiben ans Schritt und Tritt beobachtet werden. Die Mehrheit unserer Bürgerschaft besteht ans Arbeiter» und Handwerkern. Schon ans diesem Grunde haben wir ein Anrecht einer größeren Vertretung. Deshalb Parteigenossen und Arbeiter Schöncbcrgs, benutzt die vorhandene Zeit zur fleißige» und energischen Agitation. Von Hans zu Hans, von Familie zu Familie müßt ihr gehen, um alle unsere Arbeits- und Klasscngcnossen aufzurütteln, sie zu beraten und ihnen die Wichtigkeit unseres Eintretens bei de» Stadtvcrordnctcnivahlen vor Augen zu führe». Nur so ist es möglich, unsere Gegner zu besiegen!'Also auf zur A g i t a t i o n! Folgende Bezirke kommen' für uns in Betracht: Der 5. Bezirk umfaßt: Bnrbarossastr. 78—81, Glcditschstrnße, Grunewaldstr. 12—116. Heinrich Kieperlstraße, Klixstraße. Kandidat: Klempner Friedrich Masnch. Der 12. Bezirk nmfaßt: Bahnstr. 25— 33, Erdmannstraße, Hanptstr. 1— 22d und 136—153, Hclmstraßc, Stubcnrauchstr. 1—3. Kandidat: Buchdrucker H. Schubert. Der 13. Bezirk umfaßt: Bahnhof- Cranachstrnße, Türerplatz, Frcgc-, Hanf Rcmbrandt-, Rubens- und Wiclaudstraßc. W. Bäumlcr. Die aus diesen Bezirken innerhalb Schöncbcrgs verzogenen Wähler wählen in ihrem alten Bezirk. Wahlberechtigt ist jeder Preuße, welcher da? 24. Lebensjahr erreicht hat, ein Jahr in Schöncberg tvohnt, mindestens zur zweiten Stcncrstnfc sOVV— 9VV M.) veranlagt, mit seinen Stenern nicht im gtiickstande ist und keine Armenuntcrsliitzung aus öffentlichen Mitteln im letzten Jahre erhalten hat. Heute abend 8 Uhr findet in der Schloßbraucrci eine Versamm- lung statt. Referent: A u g u st Bebel. '_ D as Wahlkomitee. Stadtverordneten- Wahlen in Spandau. Ans Spandau schreibt nian uns: Nachdem die socialdemokratischen Wähler bereits am 24. Oktober die Kandidaten für die dritte Wählerabteilung in der Person der Genossen Schröer, Pieper, Hallecker. Rieger und Wilh. S ch o l z aufgestellt haben. sind nun auch die Hirsch- Dunckerschen Gctverkvereine mit ihren Kandidaten an das Licht der Oeffcntlichkeit getreten. Ganze 3V Freisinnsmannen waren es. welche in der betreffenden Sitzung acht Kandidaten auf die engere Wahl stellten. Der„freisinnige" Stadtverordnete Lantprecht bc- schwerte sich bei der Gelcgenhcir darüber, daß ihn der„Vorwärts" seiner Zeit„Mischmaschkandidat" genannt habe, diesmal solle es anders werden. Hinterher berief sich der Herr aber sofort auf die den Gewerkvereinen vom Grundbesitzervercin. vom Gast- ivirtsvcrein und vom Städtischen Verein zugesagte Unterstützung. Ein anderer Freisinnsmann, Fischer mit Namen, sprach der social- demokratischen Partei rundweg das Recht ab, sich an den Stadt- verordncten-Wahlen zu beteiligen, zudem sei die Masse der Spandauer Arbeiter auch nicht socialdemo'kratisch gesinnt. Nun, hoffentlich werden diesmal unsere Parteigenossen besser auf dem Posten sein, uin die Spandauer Steuerzahler davor zu bewahren, daß freisinnige Kopfnickec- und Jasage-Maschinen in das Stadtparlament gewühlt werden. Die Chancen stehen für uns sehr günstig, sofern jeder Arbeiter seine Pflicht thut und thatkräftig darauf'hinarbeitet. daß an den Tagen der Wahl, dem 11., 13., 14. u n d 15. N o v e m b e r. der Sieg unseren Kandidaten zufalle. Durch diesen Sieg würde den„unent- wegten Freisinnsmannen", welche ihre» von der Socialdemokratie zur Genüge gekennzeichneten Brüdern in Berlin aufs Haar gleichen, einmal die verdiente Lektion zu teil werden. Wie sehr diese„tapferen Streiter" die Wahrheit und die Aufklärung der Steuerzahler über ihren tvahren Wert fürchten, beweist aufs neue die Thatsache, daß die Herren„Freisinnigen" von der ihrerseits einberufenen„öffent- lichen Kommunalwähler-Versammlung" ausdrücklich Sorialdemokraten ausschließen. Echt freisinnig l DaS Arbcitcrsckrctnriat für Bremen ist nunmehr als ge sichert anzusehen. Die Gcwerkschaftskarlclle und Geiverkschafls vorstände von Brenien und Hastedt haben in gemeinschaftlicher Sitzung Beschlüsse über Fnndiernng, Organisation und Thärigkcirs beginn gefaßt. Es soll möglichst am 1. Februar 1900 eröffnet werden. Ei» städtisches Arbeitsamt wird in Hanau errichtet werden Das Amt soll auch Auskunft in Rechtsfragen erteilen und an seine Spitze soll nach einer Aeußcrung deS Oberbürgermeisters von Hanau in der Stadtverordnctcn-Sitznng ein Mann gestellt werden, der das Vertrauen der Arbeiter besitzt.'Die Aufsicht' soll dem Gewerbegcricht übertragen werden._ Der Mordprozcst gegen den früheren Kanzleidiätar Gustav Hahn und die geschiedene Buchdruckerei-Arbeiterin Auguste Vuchwald verfiel am Montag nach mehrstündiger Verhandlung der Vertagung. Die Bnchivald räumte in der Verhandlung ein, zu der am Sonntag von uns geschilderten That von ihrem Mit- angeklagten verleitet worden zu sein, doch sagte sie, daß sie am Abende der That den Mordgcdankcn schließlich aufgegeben habe und der Frau Hahn nur in Abwehr eines Angriffs Verletzungen mit dem Messer beigebracht habe. Der Angeklagte Hahn bestritt, seine Ge> liebte zu einer Mordlhat angestachelt zu haben. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Wcrthauer, stellte mehrere Beweisa»träge, wodurch dargcthan werden soll, daß der Angeklagte Hahn keinen Glauben verdient. Der Gerichtshof glaubte diesen Antrag nicht ablehnen zu können und mußte die Verhandlung deshalb vertagt werden. Ei» Druckfchlcrkobold war der Anlaß zu einer Beleidignngs klage, tvelckic der Stadtrat Rudloff zu Schöneberg als Inhaber der„Illustrierten landtvirtschaftlichen Zeitung" gegen Verleger und Redacleur der„Deutschen Jnspektoren-Zeitung", Obcrstlieutcnant a. D. v. Riedel und Redacteur Trampe angestrengt hatte. In einer Sitzung zur Begründung des„Hauptverbandes Deutscher Land wirlschaftsbcaniten-Vercine" in Berlin kam es zu heftigen Ans einandersetzungen zwischen dem„Deutschen Jnspekloren-Vercin" und einem Breslancr Verbände. In deni Berichte, welchen die„Illustrierte Landwirtschaftliche Zeitung" über diese Sitzung brachte, wurde es versehentlich so dargestellt, als ob die Differenzen zwischen dem Breslancr Verband und dem Berliner Verband entstanden seien. Der Jnspektoren-Vcreiu verlangte eine Berichtigung. In der letzteren wurde aber das Versehen nicht verbessert, sondern noch vergrößert, indem an Stelle des Breslauer Verbandes der Jnspektoren-Berein gesetzt wurde und es nun so erscheinen mußte, als ob die Uneinig- keit zivischcn dem Jnspektorcn-Verein und dem Berliner Verbände bestanden hätte. Dies gab der„Jnspektoren-Zeitung" Anlaß, der „Jll. Lmidw. Ztg." eine„grobe Lüge" und„bcivnßre Unwahrheit" vorzuwerfen. Wegen dieser Beleidigung wurden die Herren v. Riedel und Trampe zu je 100 Mark Geldstrafe verurteilt. Im gestrigen Berusungstermin hielten die Angeklagten, vertreten durch Rechtsanwalt T r'a p p, daran fest, daß der Privatkläger die Bc- richtigung wissentlich falsch dargestellt habe, um den Anschein zu er- wecken, als od die beiden Berliner Vereine in Zwietracht mit einander lebten. Deni gegenüber führte R.-A. Dr. Lubszynsky für den nicht erschienenen Stadtrat Rndloff ans, daß von einer bewußten Unrichtigkeit nicht die Rede sein könne, da schon m dem ersten Artikel gerade die Einmütigkeit der beiden Berliner Vereine besonders betont sei. daß ferner sein Mandant, der seine Hanptkraft der Gemeindevertretung Schönebcrgs widme, von den Artikeln gar keine Kenntnis gehabt habe. Event, berief er sich auf das Zeugnis des Rcdacteurs Graf zink von Finkenstein, daß nicht einmal die Redaktion eine Schuld treffe, da nur ein Versehen deS Setzers vorliege. Das Berufungs- gcricht»ahm ohne weitere Beweisaufnahme an. daß es sich in der That uur um ein solches Versehen handle. Die Berufung wurde deshalb vcrivorfen und mit Rücksicht auf die Schivcre der Beleidi- gnng auch das Strafmaß der ersten Instanz bestätigt. Ei» erster, aber recht schwer liegender Fall des Dienst- Vergehens eines Gesänge neu-Aufsehers, der aus dem neuen Gefängnis zu Tegel zu melden war. tvird am 16. d. M. zur gerichtlichen Verhandlung kommen. Die Anklage richtet sich gegen den Hilfs-Gefangenenanfseher M e y l a h n und den Strafgefangenen Paul K roh in, welch letzterer der Bestechung beschuldigt ist. Durch einen Strafgefangenen ivurde die Anstaltsdirektion benachrichtigt, daß Krohm einen Fluchtversuch machen wolle und sich schon daran gemacht habe, die Eisenstäbe vor dem Fenster seiner Zelle mit einer Feile zu durchfeilen. Als man infolge dessen seine Zelle unter- suchte, zeigte cS sich, daß die Fcnstcrtraillcn thatsächlich schon stark durchschnitten waren, außerdem wurde» in Krohms Bett eine Feile und ein Fensterschlüssel vorgefunden. Krohm, der eine mehrjährige Gefängnisstrafe abzumachen hat, gab die Absicht der Flucht unumwunden zu und hatte anfänglich ein Geständnis dahin abgelegt, daß er den Gefangcnen-Aufsehcr durch Versprechungen aller Art dazu bewogen habe, ihm die Feile und den Fensterschlüsscl zu überlassen, um damit seine Flucht zu bc- wcrkstclligcn. Krohm hat das ursprüngliche Geständnis später ivicdcr zurückgezogen. Ter Aufseher Meylahn hat jede Schuld seinerseits bisher entschieden bestritten und dem Dr. Schivindt für den Hanptvcrhandlungstermin das einem umfassenden Entlastungsbeweis unterbreitet. Rechtsamvalt Material zu Vevfkttnmlnngen. Tie Kupferschmiede hielten am Sonnabend eine öffentliche Versammlung bei Feind, Weinstraße ab. in der Rechtsanwalt V. F r ä n k l über:„Vor den Kämpfen" referierte. Eine Diskussion über den die hauptsächlichsten politischen Fragen behandelnden und mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag wurde nicht beliebt. Ueber die Vorkommnisse in der Berliner Gewerkschaftskommission. den neuen Abstimmungsmodns betreffend, berichtete der Ver- trauensmann Fritz. Der Redner gab der Meinung Ausdruck, daß es unter den gegebenen Umständen angebracht sei, aus der Gewerkschaftskommission auszutreten, sich aber auch nicht dem neu- gegründeten Kartell anzuschließen. Nach einer längeren Debatte, in der sich die meisten Redner gegen den Austritt aussprachen, gelangte eine Resolution gegen 2 Stimmen zur Annahme, nach der die Vcr- trctung in der Gcivcrkschaftskonnnission aufrecht erhalten werden soll, und der Delegierte beauftragt ist. die Rechte der kleinen Gewerkschaften in der Kommission energisch zu wahren. Außerdem soll der Delegierte gegen den Antrag ciutretcn, daß von den Geldern, die bei dcr Getverkschafts- kommission als Streikunterstützung eingehen, 3 Proz. für Bureau- Unkosten in Abzug gebracht werden. Sodann ivurde beschlossen, daß estgestellt werden soll, tvelcbe Beträge die Kupferschmiede zur Unter- iützung anderer Gewerkschaften in den letzten Jahren geleistet haben. Nachdem Gröschel, L. Schmidt und Schiebe als Revisoren gewählt waren, ivurde noch beschlossen, den ausständigen Kupfer- ichmieden in Flensburg 30 M. als 1. Rate zu überweisen. Die Ziuinicrer hielten am Sonntag in den Anninhallen eine öffentliche Versammlung ab. in welcher B r i n g m a n n aus Ham- bürg über die Ziele des Arbeitgeberbundcs und die Aufgaben der Zimmerer Deutschlands referierte. Der Referent erläuterte die Zwecke und Ziele der gewerkschaftlichen Bewegung der Arbeiter und kam dann auf die Bestrebungen des Arbeitgeberbundes. Es solle den Arbeit- gebern das Recht der Organisasion durchaus nicht bestritten werden, aber der Arbeitgeberbund sei in seiner gegenwärtigen Form und mit den von ihm erstrebten Zielen keine wirtschaftliche Not- wendigkeit, sondern er stelle eine Vereinigung zu politischen, und zwar reaklionären Zwecken dar. und betrachte es als seine haiipt- ächlichste Aufgabe, die Bestrebungen der Arbeiter nach Verbesserung ihrer Lage niederzuhalten und deren Organisation zu unterdrücken. Auf dem Karlsruher Verbandstage des Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe sei dieie arbeiterfeindliche Tendenz besonders schart hervorgetreten. Diese Haltung deS Bundes zwinge die Arbeiter natürlich, sich kampsbereit zu halten, um den Bestrebungen des Bundes entgegenzutreten inid den Arbeitgeberbnnd zur Anerkennung der Organisation der Ar- heiter zu nötigen. Es müsse dahin kommen, daß sich die Korporationen der Unternehmer und der Arbeiter als gleich- berechtigte Faktoren gegenüberstehen, die miteinander Verträge be- Hufs Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse abschließen. Wenn die Zimmerer Teutschlands fest und geschlossen zusammenstehen, dann sei an der Erreichung dieses Zieles nicht zu ziveiseln. Nach dem beifällig aufgenommenen Vortrage sprachen noch einige Redner in gleichem Sinne, dann wurde eine Resolution folgenden Inhalts angenommen: In Erwägung, daß in Unternchmerkreisen von einflußreichen Personen unausgesetzt eine scharfe Agitation betrieben wird, ivclche dahin geht, den Arbeitgeberbnnd für das Baugewerbe zu bestimmen. daß derselbe die mit den Arbeitern getroffenen Vereinbarungen über Lohn- und Arbeitsverhältnisse ivieder rückgängig macht und das Einvernehmen mit den Organisationen der Bauarbeiter bricht: in fernerer Erwägung, daß die Generalversammlung des Deutschen Arbeitgeberbundcs für das Baugeivcrbe Absichten enthüllt hat. die schivcre Kämpfe in ganz Deutschland gewärtigen lassen— beschließt die Versammlung der Zimmerer Berlins und der Vororte: mit allen Kräften dafür zu wirken, daß der Centrnlvcrband der Ziimnerer Deutschlands jederzeit kampfbereit und schlagfertig ist. Hierauf erstattete K übe einen kurzen Bericht über die be-- kannten Vorgänge in der Geiverkschastsloinmission. Die Versamm- lung erklärte sich mit der Thätigkeit des Delegierten einverstanden. Zum Schluß machte K u b c eimge Mitteilungen über die letzten Beschlüsse der Achtzehiierkonimission. In derselben sei auch die Bau- budenfrnge zur Sprache gekommen, und auf Anregung der Arbeiter- Vertreter habe der Vorstand des Arbeitgeberbundcs an die Besitzer der Holzplätze, aiif denen die Zimmermeister ihre Hölzer abbinden lassen, ein Rundschreiben gerichtet, lvorin der die Baubuden bc- treffende Passus des Einigungsvcrlrages den Holzplapbesitzcrn zur Kenntnis gegeben wird und dieselben ersucht werden, eine den Vor- schriftcn des Vertrages entsprechende Baubude ein- für allemal ans ihren Plätzen aufzustellen. Die Versammlung nahm von dieser Mitteilung Kenntnis. Die Gold- und Silbcrarbcitcr und verwandten Berufs- genossen tagten am 31. Oktober Drcsdcnerstr. 45. Brückner er- läuterte nochmals in kurzen Zügen die Motive, ivelche sie verau- laßtcn, aus der Organisation auszutreten und sich dem Deutschen Metallarbeiter- Verbände anzuschließen. Brückner solvie Näther führten dann aus, daß den Ausgeschiedenen beim Uebertritt die bis- herigen Rechte bleiben, ebenso behalten sie ihren Arbeitsnachiveis. Die Redner empfehlen den Mitgliedern, sich nicht als Sektion zu or- ganisiercn, sondern sich der hiesigen Ortsverwaltung anzuschließen. Die Versammlung stimmte dem zu. Der Vorstand wird mit den Ar- beiten der Liqnidalionsloumiission betraut. In die Agitatioiiskom« Mission wurden gewühlt: Brückner, Almcndinger, Tschentscher, Becker, Raabc, Feistel, Heyiicmann. Näther ersucht die Uebertretendcn, sich an Tschentscher zu wenden und vom 15. Oktober ab die Beiträge zum Metallarbeiter-Verband zu entrichten. Mitglieder, welche mit vollen Rechten übertreten wollen, haben dieses bis zum 30. November zu belverkstelligcn. Tie Stuccatcure Berlins und Umgegend hielten am 30. Oktober eine außerordentliche Generalversammlung ab. Den ersten Punkt der Tagesordnung: Unsere geschäftliche Lage, leitete der Vorsitzende ein, indem er die einzelnen Punkte detaillierte, wp- durch unser Geschäft so zurückgegangen ist. Redner betonte unter auderni, daß vor allein der übergroßen Lehrlingszüchterci abgeholfen werden müßte, denn viele Lehrlinge müssen schon, nachdem sie der Unternehmer vier Jahre ausgebeutet hat, einen anderen Beins ergreifen, oder zum Lohndrücker an ihren eigenen Kollegen werden, einesteils weil sie nicht ge- nügcnd gelernt haben, zweitens wegen zu großem Arbeitsmangel. Es folgte eine längere Diskussion und gelangte folgende Resolutton einstimmig zur Annahme: Die heutige Verbandsversammlung erklärt wiederum� daß für uns nur die Lohnarbeit als erstrebenswert gilt, und daß sich alle Kollegen dem Verband anschließen müssen, um zu gegebener Zeit etivas erringen zu können, und daß sich alle Kollegen verpflichten, allen ihnen vom Verband auferlegten Pflichten pünktlich nachzukommen. Unter Verschiedenem wurde ein Antrag für die Stadtteile Berlin SO. und N. eine Zahlstelle zu errichten angenommen. Für die Kommission zur Baukontrolle wurden 35 M. bcivilligt. Ferner wurden den Hinterbliebenen der ver« uiigliickten Kölner Kollegen 100 M. übeviviescn, welche durch Listen wieder eingebracht werden sollen. Zum Schluß wurde das Betragen einiger Stettiner Kollegen, welche hier bei der Firma Kühne feit Mai arbeiten, scharf getadelt; dieselben haben in Stettin den Vorstand geführt und sind Delegierte zum Verbandstag gewesen, haben sich aber bis dato noch in keiner Versammlung blicken lassen. Tie Bauauschläger hielten am Freitag eine öffentliche Ver« ammlung in Schöncberg ab. Dieselbe hatte den Zweck, die Meinung der im Westen und in Schöneberg wohnenden Anschläger über die iir das nächste Frühjahr geplante Lohnbewegung zii hören, beziehungsweise die noch fernstehenden Kollegen für die Be- wegung zu interessieren. Verschiedene Redner besprachen die Arbeitsverhältnisse der Bauauschläger und bezeichneten dieselben als dringend verbesserungsbedürftig, auch sei eine Aufbesserimg der'jetzt bezahlten Löhne durchaus notwendig, und die geplante Bewegung daher mit Freuden zu begrüßen. Die Schöneberger Anschläger beschlossen einstimmig, sich der Lohn- bewegung'anzuschließen, zum Streikfonds beizutragen, und über- Haupt die Bewegung nach Kräften zu fördern.— Die nächste Vcr- ammlung mit derselben Tagesordnung findet am nächsten Dienstag bei Ewald, Schönleinstr. 6 statt. Tie Gctreidcträger, Speicheret' und Bodcnarbeiter hielten am Donnerstag eine öffentliche Versamnilung in den Borussia-Sälen in der Ackerstraße ab. Rein sprach über die Arbeitsverhältnisse so« wie die Schäden der Accordarbeit in unserem Beruf". Der Redner beleuchtete in sehr verständlicher Weise die für jeden Arbeiter so chädliche Accordarbeit und wies darauf hin, daß gerade die Spcicherei-Arbeiter darauf achten und für eine geregelte Arbeits- zeit kämpfen müßten. Der Redner erörtert sodann in eingehender Weise die schon mitgeteilte Arbeitsniederlegung bei der Firma Möbius. In der Diskussion sprachen einige Kollegen und ergänzten die Ausführungen, besonders wurden den Arbeitern von den andern Speichern der Dank ausgesprochen, daß sich auch nicht einer als Streikbrecher her- gegeben habe. Auch in anderen Speichern sei eine Aenderung notwendig und lasse sich dieses nur durchführen, wenn die Arbeiter zur Organr- sation halten. Ein Teil kam dieser Aufforderung nach und elwa 45 Man ließen sich in den Verband ausnehmen. Es wurde dann Buchholz als Vertrauensmann der Speicherarbeiter gewählt, welcher die Agitation leiten soll. Ferner wurde eine Resolution angenomnien, durch welche sich alle Anwesenden verpflichten, dem Verband der Handels- und Transportarbeiter sBureau: Kommandantenstraße 25) beizutreten. Des weiteren beglückwünschte die Versammlung die au- wcsenden Kollegen der Firma Möbius, Lehrter Speicher, zu ihrem glänzenden, nur durch einmütiges Znsammenhalten errungenen Siege. „Cciitralvercin der Bildhauer Deuischlmids"(Verwaltungsstelle Berlin). Heute, Dienstag, den 7. Novbr., abend 8% Uhr, Köpnickerstr. 62: Vortrag deS Herrn Dr. Bruno Wille. Frnnenvcrein„Daheim". Dienstagabend 8 Uhr, Prenzlauerstr. 41: Bereinssitzung. Kartenansgabe für den huuwristischen Abend am 14. d. M.> zum Besten der Wcihnachtsbcscheerung. „Magnetische Gesellschaft"(Naturheilvcrein) Ripdorf, Verein». brauerei, Hermannstr. 214. Mittwoch, de» 8. November, abends SV, llhlü Bortrag des Naturarztes Canitz über:„Der Mord ini Dienste der Wiste»- schaft. Neue ärztliche Mingsissc und Epperiincnte an kranken Menschen". Konsnin- Genossenschaft Moabit. Dienstag, den 7. Novbr., abend» 8V, Uhr: Versammlung bei Gundlach, Waldenserstr.2Z/24. Ausnahme neuer Mitglieder. Gäste willlommen. Verantwortlicher Redacteur: Paul Joh» in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Dh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bnding in Berlin. Hierzu 2 Beilagen und UnterhaltmigSblatt. 8t. 261. 16. Mtzaiig. 1. KtW Ks Jotiuäite" Wim WsIilM. Pitnslnj, 7. Dormlitt 1899. UokAles. Die Parteigenossen deS fünften Wahlkreises machen wir darauf aufmerksam, daß am kommenden Sonnabend, den 11. d. M,, der Wahlverein sein drittes Stiftungsfest im Schützenhktise, Linien- straße 5, feiert._ Ein wichtiger Gedenktag in der Geschichte der deuischen Socialdemokratie ist der hcutiac 7. November- Es sind nämlich heute dreißig Jahre verflossen, seit der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein mit der berühmten.Konzerthaus- s ch l a ch t" den Anfang zur Eroberung Berlins machte. Von der Fortschrittspartei, die damals noch die Hauptstadt beherrschte, war auf den Vormittag eine BoltSdrrsaillMlnng in das lkürzlich abaebrochene) Konzerthaus in der Leipzigerstraße berufen, auf deren Tagesordnung der AbriistungSantrag stand, Vonr frühen Morgen an sanmielten' sich unsere Genossen vor den Eingängen und erfüllten, sobald die Thüre» erschlossen waren, sofort den gctvaltigcn Saal. Als Löwc-Ealbe die Versammlung eröffnet hatte, wurde Bureaulvahl verlangt, und zur Bestürzung der Fortschrittler Genosse Tölcke zum Vor- sitzenden gewählt. Lowe und die übrigen Einberufer ver- lorcn darüber derartig den Kopf, daß sie schleunigst den Saal verließen. Stvrungsversuche der Fortschrittler wurden durch Hiuausbcfvrderung der Tnniultuantcn schnell erledigt, und so konnte die Bersammluiig ihren glatten Verlauf nehmen. Nach gründlicher Diskussion gelangte mit großer Majorität eine Resolution zur Annahme, welche sich scharf gegen die Forlschrittler und im Sinne der Socialdemokratie aussprach. Damit war der erste Schritt zur Eroberrmg Berlins gethan, und fortan blieb die Partei auf diesem Wege siegreich. Kampf gegen die Anstellung weiblicher Kvankenkassett- Gontrolcure'# Bon parteigenössischer Seite erhalten wir folgende Zuschrift: .Die am heutigen Tage stattsindende Generalversamm- In ir g der Orts-Krankenkasse für den Gewerbe- betrieb d e r K a u f l c u t e erheischt das lebhafteste Interesse der Parteigenossen. Auf der Tagesordnung steht u, a, ein Autrag der Delegierten Schultzke und Genossen:«Sind die Mitglieder der Lrls-Krnukenknssc resp, deren Vertreter bereit, im Prineip zu erklären, daß sie als Controlcuce weibliche Personen anstellen wollen? Der Antrag sieht sehr unschuldig aus. Sein Zweck ist aber, die A n st c l l u n g weiblicher Controlenre unmöglich zu machen, ein Versuch, den die Gesiiinungsgeiiossen der Antragsteller schon an anderer Stelle gemacht haben. Und dies bei einer' Kasse, die 1ö 543 weibliche Mitglieder zählt I Wo bleibt hier der so laut betonte SocialiSmus der Antragsteller, wenn sie gegen die Gleichstellung des weiblichen Geschlechts Opposition machen? Wir hosicn zuversichtlich, daß die Delegierten den Antrag Schultzke dorthin verweisen, wohin er gehört— in den Papierkorb, und den Herren süchtig ihre Meinung sagen für ein Verfahren, welches ein Schlag ins Gesicht für die organisierte Slrbeiterschaft bedeutet.— Eine Bckränznng deS Scncfeldcr-Denkinals hat gestern, om Tage der Hinidertjnhrfeier der Erflndnng der Lithographie, statt- gefunden. Die städtische Gartenbau-Deputation halte das am Platz an der Wcißcnbiirgcrslraße und an der Schönhauser Allee belegene Denkmal in würdiger Weise schmücken lassen. Das Gitter war mit Gnirlaiidcn umzogen, und im Hintergründe der mit Lorbeerkränzen geschmückten Figur erhob sich ein Hain von Topfgewächsen. Die Lithographen und Steindrncker Berlins hatten sich in großer Anzahl eingefunden und am Denkmal Aufstellung genommen. Es waren ferner Deputationen des Vereins für graphische Künste, der Stein- druckereibesitzer, des ScnefeldcrbnndcS zc, erschienen, die unter kurzen Ansprachen prächtige Kränze am Denkmal niederlegten. � Zur Sittengeschichte der Edelste» und Beste». Wie gc- meldet wird, hat der ans dem Harmkose»« Prozeß bekannte RegierniigSreferendar von Kayser seine Entlassnna ans dem Dienste nachgesucht und erhalten. Aus dem Kreise der„Harmlasen" berichtet ferner das Leibblatl dieser Gesellschaft, das„Kl Journal": In der vorigen Woche ereignete sich ein Vorfall, dessen Tragweite bc- dentend über den Begriff leichtfertigen und frivolen Glücksspiels hinausgeht. Zwei Landsleute des Herrn v. Galt, also Ungarn, wurden durch einen A r i st o I r a t e n welcher Zeuge im Prozeß der„Harmlosen" war, in eine aristokratische Spielergescllschaft in der Jägcrstraße eingeführt. Ein H e r'r v, G. und ein Herr v. D.. gegen welche augenscheinlich der Feldzug organisiert war. verloren an die beiden neu eingeführten Ungarn beträchtliche Snnvncn, so Herr v. D. WOOV M,, welche er in barein Geld? bei sich führte und auch bar bezahlte. Der Vermittler, ein gänzlich mittelloser A r i st o k r a t, dessen Zahlungsuiifähigleit in dem jüngsten Sensationsprozesse auch Anlaß zu Erörterungen gegeben hatte, kanfte am nächsten Tage einer bekannten Berliner Lebedame einen Schmuck für sechstausend Mark. Selbstverständlich haben die beiden Ungarn— einer derselben hieß angeblich Freiherr v. B.— bereits Berlin verlassen. Polizeilich beschlagnahmt wurde am Sonntag die Nr, 6 des Wochenblattes„Der Satyr", Diese Beschlagiiahimmg soll veranlaßt sein durch die Abbildungen, die den BaudaliSnmS in der Siegesallce behandeln,»ud den daran geknüpften Tept. Tie nlte Witwe KapS, die am 27. September in ihrer Wohnmig in der Lnisenstratze 4 von ihrem Neffen Wegener über fallen und schiuer verivimdot wurde, ist so weit wiederhergestellt, daß sie gestern als gebessert ans der Chants entlassen»verde» konnte. Durch zwei Schusse in die Brust versuchte sich in der Nacht zum Montag der 31 Jahre alte Masseur Max Buchholz aus der Nolleudorfstraße lö zu töten, Bnchholz. der seit vier Jahren ver- heiratet isl, lebt mit einer Schivcstex in Unfrieden. Um sich mit ihr auszusöhnen, besuchte er sie am Sonntagabend mit seiner Frau. Der Versuch niißlang jedoch, ,md Bnchholz, der vorher schon mehrere Schautivirischaften besucht hatte, befand sich seitdem in einer großen Aufregung. In der Nacht bekam er einen Wlitanfall. Während seine Fra» Nachbarn z» Hilfe holte, schoß er sich mit einem Revolver zweimal in die linke Brust. Zwei Aerzte legten ihm einen Verband an und beließen ihn einstweilen in seiner Wohnung. Gestern vor- mittag verschlimmerte sich jedoch der Znstand des Verwundeten so sehr, daß man ihn mit einem Niinzelschcn Rettnngsiuagen in ein Krankenhaus bringen mußte. Hier liegt er hoffnungslos danieder, DicbeSgnt. Ein größerer Silbirfund wurde vor einiger Zeit im hiesigen Vereinshanse christlicher junger Leute gemacht. Der Fund bestand aus einer Anzahl silberner Bestecke, welche die Firma eines Mainzer Restaurants trugen. Durch telegraphische Anfrage in Mainz wurde festgestellt, daß die wertvollen Gegenstände im Laufe des letzten SoimncrS von einein ungetreuen Hansdiensr, der dort beschäftigt war. gestohlen worden waren. Der Dieb hat das geraubte Gut gel'egeiitlich'cincs Besuches in dem Lereinshanse versteckt, Ivo es durch Zufall entdeckt Ivurdc. Durch Verbrühen schwer venmglückt ist gestern mittag die ein Jahr alte Tochter Charlotte des Arbeiters Dracbe ans der Sedanstraße 33» zu Nen-Weißensee, Das Kind spielte mit einem Feuerhaken und riß damit einen Topf mit frisch mifgebrühtei» Kaffee von der Maschine. Der heiße Inhalt ergoß sich ihm über den ganzen Körper, so daß es mit Wunden über und über bedeckt war und schleunigst in ein Krankenhaus gebracht werden mußte. Durch de» Znfanimenstost eines Wagens der- elektrischen Straßenbahn mit einem Rollwagen, der am Sonntagabend i» der AndreaSstrahe stattfand, hätte leicht größeres Unheil hervorgmifen werden können. Der Rollwagen kreuzte an der Breslauerstraße die Schienen der Straßenbahn, wobei der Hintere Teil desselben von einem daherkommenden Straßcnbahnzng»och erfaßt wurde. Zwei kleine„Rollmöpse", die hoch oben auf den aufgetürmten Kisten thronten, wurden mit einigen Gepäckstücken hinabgcschlcndcrt, kamen aber so glücklich auf diese zu liegen, daß sie keinerlei Schaden ge- uainmen. Soweit, so gut I Und da größeres Unglück vermiede», so interessiert hier auch die Frage tveniger, wer die größte Schuld daran getragen. Dagegen wurde von der umstehende», nach Hunderten zählenden Menge, mit Recht die Frage ventiliert: Wie kommt der Spedisioilsivagcu am Sonntag ans die Straße? Nach der bekannten Polizciverordmmg, welche die„äußere Heilighaltung" des Sonntags regelt, dürfen Last- und Frachtivagen aller Art deS Sonntags Nur bis 10 Uhr morgens in den Straßen Berlins verkehren. Der betreffende Wagen trug das Schild der Firma:„Berliner SpeditiouSvercin" Blüchcrplatz 1. Wagen Nr. 33, Der Schutzmann, der den Vorfall notierte,»vird seiner Behörde boffciitlich auch die Ucbertrctung der Soimtagsruhc-Vcrordmmg zur Ncmitnis bringen. DaS American-Tbcater, Dresdeners«?, 96, Direktion Emil Schimbl, wird min definitiv im Laufe der nächsten Woche crossnet werden. Apollo-Theater. Das Ideal gewisser FriedenSenthusiasten haben ivir, iveim auch noch nicht in der scharf darauf losschießenden Menschheit, so doch ivenigstcns in einem Falle in der Tierwelt ver- wirklicht gcfiiiidcii. Im Apollo-Theater tritt zur Zeit ein Herr Boiincty ans, der eine wunderliche Menagerie zur Schau stellt. Der Herr führt Füchse vor. die zunächst friedfertig über Hunde hinweg- turnen. Dann läßt der seltsame Tierbändiger allerhand Federvieh, Gänse, Hähne und Hennen, soivie einen Starmatz aus ihren Käsigen los, um sie einträchtig zwischen Schakalen, Hunden und Füchsen umhcrivatschcln zu lasten. Ja, er verrichtet an den Bestien das Werk gcniciiisaincr Fütterung, ohne daß auch diese eisersuchterregende Arbeit die Eintracht des TiervolkeS im geringsten zu stören ver- möchte. Mittlerweile sind andere Todfeinde zu friedfertigen Künsten vereint ivorden. Prächtige Katzen balancieren über ein Heer von Mäusen und Ratten hinweg, ohne diesem Ungeziefer das geringste zu leide zn thu», und werden, sobald dies überwunden, mit kleinen Kanarienvögeln zu unnatürlicher Harmonie in ein Bauer gesperrt. Unter allen Leuten, die sich mit der Dressur von Tieren abgegeben haben, dürste Herr Bonneth ans jeden Fall der erfolg- reichste sein. Das Programm des Apollo-Thcaters weist im übrigen noch eine Reihe tüchtiger Kräfte ans, von denen besonders die ExcentricS Gothain und die Barratruppe, sowie vor allem Herr Stcidl zu nennen sind. Daß die Ansstattnngsoperctte„Frau Luna" auch in der tciliveise vcräiidcrtcu Besetzung immer noch zieht, braucht wohl kaum erwähnt zu werden. Die Rolle der Mondgöttin ward von Cäcilia Carola gespielt. Die Dame steht ihrer Borgängerin kaum nach nnd würde auch schanspiclerisch nicht so uneben sein, ivcnn sie sich die Unart, das„R" rasselnd auszusprechen, abgeivöhncn könnte. Ein Künstlcrkonzcrt im besten Sinne des Wortes>var es. daS der Turnverein Fichte am Sonnabend in den Räumen der Brauerei Fricdrichshain zum Besten seiner Uiiterstützungskasse für verunglückte Turner veranstaltet hatte. Es erübrigt sich, auk die einzelnen Nummern deS geschmackvoll znsamnicngcstellten Programms einzugehen; wir erwähnen nur, daß das Berliner Sinfonie- Orchester unter Leitung des Kapellmeisters Zimmer als auch Herr Organist Kurz und das Berliner Müimergnariett Harmonie im vollen Maße ihre Schuldigkeit thnten. Das volle Hans spendete den Millvirkenden reichen Beifall. Aus den Viachbarorten. Parteigenosse« SchöncbergS! Am heutigen Abend S Nhr müssen sämtliche Parteigenossen im Lokal von E, Obst. Gnmewald- straße 110, anwesend sein, um wichiige Mitteilimgen entgegenzunehmen. Nachher Besuch der V o l k s v e r s a m m l u n g. Das Wahlkomitee. In Charlottenbnrg findet heute abend Uhr in der Gambrinusbrauerei, Wallstr. 34, eine Volksversammlung statt. Tagesordnung: Vcröffentlichnng des Wahl- r e s u l t a t s. Abermals hat ein Nelrnt der Potsdamer Garnison Selbst- Mord verübt und zwar der Gardcjäger Ernst von der 4, Kompagnie. welcher sich am Sonnabend ans dem Abort in der Kaserne erhängte. Nach Mitteilung des Polizeipräsidiums ist am 4. d, M„»ach- mittags gegen 2 Uhr, der Schachtmeister N e u.ni a n» im Walde bei K a l a u üversallen und b e r a u b t und durch mehrere Revolver- schüsse»nd zahlreiche Messerstiche tödlich verletzt ivorden. Geraubt sind 300 M. in banrem Gelde. Der Thäter wird als ein etwa 25—26 Jahre alter Mensch beschrieben. Er trug Helles Jackett, helle Mütze und graue, anscheinend von einem Hunde zerrissene Hose. Ein Unfall mit tödlichem Ausgang ereignete sich abermals Sonntngnachmittng gegen 2 Uhr auf der elektrischen Straßenbahn Georgcnstraße— Pankow, Der dreijährige Sohn Franz der Arbeits- Icnte W ü ns ch aus der Soldinerstr. 83 ging mit seiner kleinen Schivestcr, die etivas einkaufe» sollte, nach dem Hause Prinzen- Allee 36 und sollte vor dem Hanse stehen bleiben, bis die Schivestcr im Laden fertig sei. Er lief aber plötzlich, als gerade ein Straßen- bahmvngen kam, ans den Damm und nnmittelbar vor die Räder. Ohne daß der Wagenführer den kleinen Knaben gesehen hatte, ivurde dieser überfahren und wohl zwanzig Schritte fortgeschleift. Erst durch das Geschrei der Passanten wurde der Führer, dem nach Aussagen von Angenzeugen übrigens keine Schuld trifft, auf den Unfall aufmerksam und brachte den Wagen zum Stehen. Der Verunglückte ivar aber bereits tot. Wilmersdorf. Am Mittwoch findet bei Witte, Berlinerstr. 40 jVolksgarten), die Versammlung des Socialdemokratischcn Vereins statt,'Genosse Gcdicke halt einen Vortrag über Zähne und deren Erkrankungen._ VevtniMjkeSs Ju Dresden ist, dem„Berl, Tgbl," zufolge, der auch in Berlin bekannte antisemitische Schriftsteller Karl Alexander Wald ans Grund eines von der Staatsanwalischaft in Hamburg wegen Wechsel- fälschungen und Uulerschlaguiigen erlassenen Steckbriefes verhaftet ivorden. Neber ei« Eisnibahn-Niigliick»vird ans Chemnitz berichtet: In der Nacht zum Montag stießen in Grmihainichen zwei Eisen- bahnziige zusammen. Ein Bremser ivurde getötet und ein Reisender leicht verletzt. DaS Dorf Hördinghansen ist, ivie aus Osnabrück gemeldet »vird, fast vollständig abgebrannt. Kinder, die mit Zündhölzern spielten, sollen an dem Unglück schuld sein. Ein Unfall hat sich bei dem Einlaufen deS DcmipfcrS„Belgica" in Antwerpen ereignet, an dessen Bord sich die von Adrien de Gerlachc geführte Südpolar-Expedition befand. Beim Einlaufen in den Hafen stieß die„Belgica" mit einem Kutter zusammen,»vobci erstcre eine Segclstange des Großniastcs verlor. Eine» seltenen Fund machte dieser Tage die Frau des Landwirts Lorenz Graf in Leutershausen beim Graben eines Rübenloches. In einer Tiefe von etiva einem halben Meter fand sie einen steinernen Krug, der mit 424 Münzen aus dem 14,, 15,, 16. und 17. Jahr» hundert gefüllt war. Ter St, im im Kanal hielt auch noch am Sonntag an. Der Postdanipserdienst zlvijchen England und Belgien, soivie zwischen England nnd Frankreich ist unterbrochen. Von der französischen Küste»verden ebenfalls mehrere Schiffsnnfälle gemeldet. Unter anderen Fahrzeugen ivurde auch ein französisches Torpedoboot durch eine furchtbare Welle gegen ein Kohlenschiff geschleudert, wodurch das Torpedoboot größeren Schaden erlitt. Weite,--Prognose für Dienstag, den 7. November 1809. Ein wenig kühler bei schwachen südlichen Winden und zunehmender Bewüllung: nachher etwas Rege». Berliner Wetterbu rea». In Sachen der Loliiivcivcgiuig der Leder- arbeilcr Acrlius wird in Geuiäfi- Veit des tz tiC des Gesetzes bclresiead die Geweebegerichie vom 20. Jmi li-ÖO Ulli,§ 76 des Ortsstatllts für die Stadt Berlin vom 1892 2. November betreffend das Geiverbegericht zn Berlin hierdurch Lffcntlich bekannt gemacht, daß in der Sitzung deS so- ivohk von den Arbeitgebern als auch von den Arbeitnehmeril als Eliii- guligsamt aiigenisrnen Gewerbe- gcrichls vom 26. Oliobcr 1899, a» welcher tcilgenouuncu haben: 1. Gewerberichter v, Schulz als Bor- fitzender, 2, Lederwarenhändler Mayer, 3, Wollgariifabrilani Maas (Arbeitgeber alS Beisitzer), 4. Weißgerber Schneider, 5. Töpfer Hagen sArbcnüehmer als Beisitzer) ein Vergleich nachsteheuden Wort- lauts geschloffen worden ist: 1. Den in der nasjell Werkstatt am so- geiimmteu Baum beicbästigtea Arbeitern wiid an Stelle des bisher gezahlten Wochenlohnes von 24 M <— pro Stunde 40 Pfeiiniz) ein Wochenloha von 26,89 M.(— pro SMudc 420, Pf,) bewilligt, 2. Tie Zurichicr erhalten einen Stück- lohnzuschlag voll 30 Pfennigen für alle diejenigen Feste, für welch« bis- her ein Lohnsatz b>s 7,50 M. inkl. pro Hundert gezahlt wird. Ein Lohnzuschlag von 69 Pf. wird ge- währt für Felle, deren Bcarbeitling bisher mit mehr als 7,69 M, vro hundert Stück entgolten ist. Für Schmaschen wird ein Zuschlag von »6 Pf, pro hnndert Stück zu dem bisher gezahlten Lohne bewilligt, 3, Die bisherige Arbeitszeit bleibt unverändert. 4, Alle in diesem Vergleich getroffenen Abreden haben GUiigkeit bis zum 1. Oktober 1901. Der Vertrag gilt von Jahr zu Jahr als verlängert, sobald die Kuudigiliig desselben bis zum t.Sep- tcmber t99t resp, bis zum 1. Scp- tembcr deS jeweiligen Jahres weder van den Arbeitgebern»och Arbeitnehmern erfolgt. Es soll den Parteien freistellen, innerhalb deier Monate vor Ablauf des Ver- träges über Aenderungen der Ar- beitsbedingungen in Verhandlung zu treten, Arbeitgeber sowie Ar- bcitnchmer verpfüchlen sich hiermit ausdrücklich, falls leine neue Ver- einbamng bis zum Ablauf dieses Vertrages zu stände kämmt, beider- feits umgebend das Etnigiingsamt des Gewerbegerichts zur Beilegung der Differenzen anzurufen. Bis zur Entscheidung des Einigungs- amtS darf weder eine Anssperrimg noch ei» Ausstand stattfiiiden. Die Parteien verpflichten sich, über- Haupt bei allen zulünftigen Streliig- leiten, besonders ans diesem Ver- trage, daS EtnigungSamt zur Schlichtung anzurufen, 6, Dieser Vergleich tritt mit Montag, den 39. Oktober d. I, in. Kraft. Gez.-, o. Schulz, Gez.: Emmanuel Meuer. Gez.: Eyck, Gez.: F, Strauß. Gez.: I, MaaS, Gez.: S, Herzberger. Gez.: W, Brinkmann. Gez.: H, Beiß- iveiigcr. Gez.: W, Gaßmaun, Gez.: Richard Hagen. Gez.: Mäher, J,-No. 480 d«S Gew.-Ger. liedstcteur■ Creisracli. Die Stella eines Eedacteurs kür den politischen Teil des „Vorwärts" soll möglichst bald besetzt werden. Bewerber werden ersucht, ihre Offerten an das Parteibureau, Adresse: J. Auer Berlin S.W., Katzbachstr. 9 I, einzusenden. Cafe-Kiolkal � � Rittevstr.»4. Ecke«ltc Jakobstraße. Kaffee 19, IS; Schee, Misch, Ebokolade sc., Weiß- u, Bair, Bier~ Speisen zu jeder Tageszeit. Billard. Warme tun de 49 Pf,, große ZeitungS-Auswahl, Gliiten>Kakao GemUse> und Kraftsuppen Bouillon*Kapseln Suppen-Würze stets vorrätig bei Otto Itenscl», NW., Rostockarstrasae 17, CM �nltnn ft fti 1° Jahre Garantie. Vollkotninen»chmerzloee» tatin- ZlillilS �«Vi ziehen I Iii. Plomben 1,50 M. Tellz. wSchnetl. IM. buiiuw m. i(i. �ahnarat Wolf, Leiprlgerttr. 130. Spreehst. 9-7. Stempel- Fabrik ■ von 124782' Robert Ilcrliii(!>.. Lrautriistr. 14S, liefert fchneN und billig alle Arten Stempel in bester _______ ÄilSfllhruiig. 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Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8, November, von der Leichenhalle des Neuen Emiuauö-Kirchhofeö, nach- mittags 3 Uhr aus statt, 67öb Die Kollegen der Firma Stock& Comp., Zeughosslr, 7._ Busstag: Grosses Schlaclktefest. Frische Blut-»nd Leberwurst. wozu crgebenst einladet 678b» 'Heinrich Sass, Alt-Gli, ticke. Grünauerstraß« 19. 39042» Möbel" Stoffel! nü Resit!""ÄÄ,?"" Gelegenheitskauf t Mocquet- Plüsche, 130 Etm, breit, p, Mtr, 6 M, 36 Pf. Muster b. näherer Zlngabe franco. Emil Leffcvre. CeMS-Eröftilng. Mein»eu eingerichtetes Weist- imd Bayrisch-Bier- Lokal befindet flch Sfalisterstr. SS(Laden) und ersudic um freundlichen Zuspruch, jL99gL» Vheockor Hetaiser. Knabcnauzüge u, Paletots. Mädchenkleider u,-Mäntel preisw, 2S16L») 0, Hostmann, Veteranenstr. 14. Danksagung. Den innigsten Dank für die mir in so reichem Maße bewiesene Teilnahme bei ber Beerdigung meines lieben Mannes, unseres unvergeßlichen BaterS allen Verwandten, Fremiden und Bekannten, insbesondere allen Vereinen und Korporationen für die schönen Kranzspenden und dem Arbeiter- Gesangverein Hoffnung(Friedrichs- bcrg) nochmals unseren herzlichsten Dank, 676b Die traucnide Witwe Hertha Mühle ncbst Kindern._ Danksagpnnjp. Fstr die überaus zahlreiche Be- teiligung an dein Begräbnis meines Bruders, des Böttchers Aiicost lliiaptmann, sage hiermit allen Freunden, Bekannten und Kollegen des Verstorbenen im Namen der Hinterbllebcnen meinen herzlichsten Dank: Gustav Hauptmann, Forst(Lausitz.) Hanhsaipims. Zurückgekehrt vom Grave meines Mannes, unseres guten Vaters, deS Hutniachers Frans Zaworskl, sage ich allen, die demselben die letzte Ehre erwiesen haben, insbesondere dem In- haber nnd Personal der Firma C. Adler, sowie allen Kollegen und der hingebenden Behandlung des Herrn Dr. nred. Hirschberg, meinen tnmasten Dank, 673b vis trauernde Witwe nebst»Indern l auf Teilzahliiilg, l»J. Kellennann. Aump. 97, Für!>ni Inhalt der JaseriUe Übcriiimmt die Nedaklioii de», Publik»»! gegenüber keinerlei Periinilnorinng. �ljvnkov. Dienstag, 7. November. Qpcrnhans. Der Barbier von Sevilla. In Afrika. Anfang 7V2 Uhr. Schmispielhans. Der Herr im Hause. Anfang 7V2 Uhr. Deutsches. Ein Gastspiel. Anfang 7V- Uhr. Lessing. Als ich wiederkam... Anfang 7-/2 Uhr. Berliner. Die Herren Söhne. An- fang 7r/z Uhr. Schiller. Iphigenie auf Tauris. An- fang 8 Uhr. Neues. Ein unbeschriebenes Blatt. Anfang 7r/z Uhr. � Westen. Zar und Zimmermann. Anfang 7�/2 Uhr. Thalia. Der Platzmajor. Anfang 71/2 Uhr. Residenz. Jagdfrenden Borher: Faniilien-Sonpcr. Ans. 71/2 Uhr. Luisen. Molly Carro. Anfang 8 Uhr. Central. Die Geisha. Anfang 7i/z Uhr. Carl Weist. Der Weltuntergang. Ansang 7Vz Uhr. Friedrich- Wilhelnistädtisches. Ein gefunder Junge. Anfang 8 Uhr. Victoria. Die Chansonnette. Anfang 8 Uhr. Belle- Alliance. Gastspiel des Schlierseer Bauer»- Thcatcrs� Liserl von Schliersee. Anfang ö Uhr. Metropol. Rund um Berlin. Im Reiche der Secession! Anfang 71/2 Uhr, Apollo. Frau Lima. Specialiiäteir Barstcllung. Anfang 7�2 Uhr. Neichshallcu. Stcttiner Sanger. Ansang 8 Uhr. Palast. Susanne im Bade. Spceiali- taten-Borstellung. Auf. 8 Uhr. Passage- Panopllrnni. Special!- liiten-Vvrsiellnng. Urania. Jnvalidcnstr. c»7/I>fZ. Taglich abends von b— tO Uhr: Sternwarle. Diinüeitsti-. 48/49. Im Theater: Der' Sieg des Menschen Über die Nalnr. Anfang 8 Uhr. Urania Tnuboiistraoac 48/49. Im Theater abends 8 Uhr: „Der Sieg des Menschen über die Natur". Hörsaal: Dr. Nass:„Schwefel und Phosphor." Invnlldcnatr. 57/08: Tagl. Sternwarte. _ Nachmittags 5—10 Uhr. ÜT (Wo II 11 c r-Theate r). Dienstag, abends 8 Uhr: � Iphigenie anf Tauris. Schauspiel in 5 Aufz. von W. Goethe. Mittwoch, a b e u d s 8 U h r: «« r« a. Donnerstag, abends 8 Uhr: Viel i.tiemei! um nichts. Metropol-Tbeater. Behrenstr. 55/57. Direktion: Kichard Schulz. Unstreitig das beste und amüsanteste November- Programm Berlins. Liebreiz, Schelmerei, Kunst und Grazie vereinigen fleh in Madera. Welte der reizenden Pariser Strabensiingerin. Feuer, Temperament, Leidenschaft in Carmen Roccas dem besten spanischen Tänzerin. Humor, Eleganz, Schncidigkcit in Greoi'g; Kaiser den besten Berliner Salonhumoristen. Gewandtheit, Kunstfertigkeit. Fröhlich- keit in der Familie Klein den kleinsten und besten Radfahrern der Welt. 'pasZAije-TlieAter. Xcn! Anatomisch. Musetim. Dienstags für Damen. ?R88Sge- IMer: Borst, v. 7-IOV2. 15 erstklassige Debüts. CASTANS«»« 1PAN0PTICÜM 165. Frledrlchstrasse 165. Uqii I Die heulenden il»,,I IlCU; und tarnenden"CU! I> erwische ! ans Ober-Aegypten! Ohm Kri •» Dreyfus lyicnciki' Zola. CrntvAl Chrntvv Direktion: losö Ferencrv. Div Ovi-shxr. Anfang 1/28 Uhr. Morgen: Dieselbe Borstellung. Sonntagnachmiltag 3 Uhr zu halben Preisen: Der Zigeunerbaron von Ich. Straich Pracht, Schönheit, Rasse in den TartalurfFs den besten russischen Nationalsängern und Tänzern. Unverwegenheit. Kühnheit, Sicherheit in dem Zalva Trio den Meistern des Drahtseils. Drolligkeit, Niedlichkeit, Folgsamkeit in ÖsKsfS'tS dressierten Miniaturhunden. Chic, Pikantetie, Eleganz in Mary Wolf der reizenden deutschen Soubrette. Um 9 Uhr 30 Minuten der Schlager der Saison: Das lustigste k tvistigste! amüsanteste! bunteste! was Berlin gegenwärtig bietet! Rund um Berlin! Berliner Revue in 2 Akten. Anfang: Wochentags 8 Uhr, anSoun- und Festtagen 7>/z Uhr. Borverkaus: Jnvalidendank und Künstlerdank. � Telephon Amt I 2126. Jeden Svnntagnachmitiag 3 Uhr: Pvomeuaden- Speeiäiitäten- Bov- ftellnug. Osri W eiss-Ihoater Gr. Fraiikfiivlerstraste lüÄ. Der Wettnntergaug. Großes Ausstattuugsstürk mit Gelang in 3 Akten(15 Bildern) von Dir. Carl Wein und Jos. Dill. Musik von M. Fall. Anfang 8 Uhr. Sonnabendnachinittag: Schüler- Borstellung: Tie Nänber. Freitag, 10. November: Graste WohlthätigkeitS-Borslelluiig zum Besten unserer deutscheu Brüder in Transvaal: Der Welt- iintei'gung. Vorverkauf zu dieser Borstellung schon von heute an. üMm-l'IlkAter. Tel. AmtIVa 6440. Dresdenerstr. 72/73, Der Platzmajor. Thomas, Thielscher, Helmerding, Junkermann. Im 2. Akt: Gr. Mntoskop- Terzett. Anfang 7i/z Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Apollo-Iheatei'. Um'/j8 Uhr beginnt Franliima mit dem Luftballett„Grlgolatls" und Cücilie Carola. Ferner: Dressierte Füchse von Prof. Bonetty vorgeführt. Robert 8t ei dl. The Gothnnis. das wunderbare New Yorker Vokalquartett. Mite. Rosalba. Eva Haller. Franklins. Anfang i/28 Uhr. Ende 11 Uhr. Vorverkauf täglich Im Theater, beim„Künstlerdank", Unter den Linden 67, und„Invalidendank", Unter den Linden 34 I. Cirkns Dusch. Heute Dienstag, den 7. November, abends 7i/z Uhr: Sports-Zlbend. Olympische Spiele aus der Zeit des Kaisers Nero. Die See- löwen. Wunderdressur des Kapitän Webb. Unsere ftlarlne. Gr. Ballett. 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Berlin staunt um 10 Uhr über die _ Meisterhochturner gSjT" Drei Vasilescu. Anfang 71/2 Uhr. Oeffnung 6V2 Uhr. Billet-Borv erkauf von 11— 1 Uhr. Sonnabends nach der Vorstellung: Gesellschaftsabend und Tanz. Be- sucher der Vorstellung: Frei-Tanz. Vorzugs- und Freikarten sind gültig. Ameriean Theater. Direktion: Emil Schnabl. Dresdenerstraße 96. Eröffnung diese Woche. �ans soiiel Kottbuserstr. 4 a. Täglich au her Sonnabends MmAiill8 Nord- deutsche Sänger. Anfang wochentags s Uhr. Sonntags Ol/2 Uhr. Donnerstag und Freitag nach der Soiree: Tau«. Hottmann mlt'n Leierkasten. Ncichshallen. t e t t i n c r Sänger. , Mensel. Pietro, Brilton, Sleidl, Krone, K i r ch m a st c r. Schneider und Schräder). Heute zum Schlnh: Burscdentierrliclikeil Studentenbild von Meysel. Ansang pröcise 8 Uhr. Tageskasie 11 bis 1 Uhr. ciräus Aid. LcinimAllll. Driisstcr cqucstrisciier Oirhus der D clt. Ii» eleganten neu renovierten Oirhus Deuz:. Heute, Dienstag, den 7. d. M., abends 7l/2 Uhr: . Pflicht jeder Werkstatt ist es, cincu Vertrauensmann zu entsenden, welcher dafür Sorge zu tragen hat, dab sobald als möglich ein Lohntarif der Kommission eingehändigt wird. US. Sonntag, den 12. November, findet eine Besichtigung deS Gcwerkschaftöhanfes statt, wozu wir sämtliche Drechsler Berlins freund- lichst einladen. Treffpunkt bei Herrn Bieberstein, Adalbert st rabe 60, früh 10 U h r. 278/2 Die Kommissio». Zur Beachtung! Als Ausschuftmitglied ist Kollege Diiske gewählt. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Ortsverwaltung Berlin. Mittwoch, den 8. November, abendS 8Vs Uhr, in den„Armiu-Hallcn", Uommandanten-Ttraßr Nr. Allgemeine Uertriluknsmjiiintr-Vkrsiliiliiilililg. Tagesordnung: Anträge auf Abäiideruiig des Ortsstatuts. lA?" Ohne Karte uns ohne Nltglledshuch kein Zutritt, 117/4 Die Ortsverwaltung. Verein Mittwoch, der Kleber.(Tapezierer.) den 8. November, abends s'/z Uhr, bei Paster, Jnselstr. 10: LV*" V e r• a m 111 I n n g. Tages- Ordnung: C726 1. Vereinsangelegenheiten. 2. Bureaufrage. 3. Tarisberaratuiig. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung Erscheinen sämtlicher Mit- glieder notwendig. Der Borstand. Verantwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für deu Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke w Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. nt. 261, i6. mm. 2. Kilaze des Dmilltö" KMitt DMölilM. 7�?">«»« t8ss. Vesulknko der Vklliiitr ZKütveieidiicteil-Uiililkil. In 21 Wahlbezirken standen wir gestern im Kampf. Von diesen 21 Bezirken haben wir in 12 einen Sieg errungen, in 3 Bezirken stehen wir in Stichwahl und 6 Bezirke fielen den Freisinnigen zu. Unter den 12 uns zugefallenen Wahlbezirken waren 6, die wir zu behaupten hatten und auch glänzend be- hauptet haben, 6 sind neu hinzuerobert worden. Von diesen waren 4 neugebildete Bezirke, 2 hingegen haben wir den freisinnigen Gegnern abgewonnen. Gewählt sind unsere Parteigenossen: Tolksdorf, Frendenberg, Wilke, Ewald, Heimaun, Millarg, Hoffmann, Hiuhe, Koblenzer, Zlngnftiit, Gleinert, Pfanuknch. In Stichwahl stehen: Ewald, Lankow, Glocke. Insgesamt sind gestern nach borläufiger Zählung in allen LI Wahlbezirken abgegeben 26877 socialdemokratische Stimmen, 15069 freisinnige„ 4 519 konservative„ Zum ungefähren Vergleich lassen sich die Zahlen von 1893 heranziehen, wo die gleichen Stadtgegeuden, wenn auch in anderer Vezirkseinteilung zu wählen hatten. Damals wurden abgegeben 12111 socialdemokratische, 10 832 freisinnige und 2513 konservative Stimmen. Somit ist neben dem glänzenden Geivinn an Mandaten für uns eine Verdoppelung der Stimmenzahl zu verzeichne». Der Wahltag. Mit einem vollen Siege schließen wir den 6. November ab, einen Sieg, der ebenso den Fehlern unserer Feinde, wie der eigenen guten Sache und der opferwilligen Arbeit unserer thätigen Genossen zu danken ist. Wochen und Monate hindurch war der Weckruf in die Proletariermassei« hineingeworfen worden, die im Kampfe voranstehenden Genossen hatten nicht Mühe und Arbeit ge- scheut. Noch am letzten Sonntagmorgen hatte eine wohl- organisierte Flngblattverteilnng stattgefunden und mittags wurde dann in einer großen Zahl von Volksversammlniigcn das letzte an- feuernde Wort zu den massenhaft erschienenen Arbeitern und Bürgern gesprochen. Hatte doch allein der sechste Wahlkreis zum Sonntag sieben solcher Versammlungen einberufen! Aber alle Arbeit und alle Organisation hätte nichts genützt, wenn sich nicht die Mehrheit des Bürgerparlamcnts im Noten Hause im Laufe der Jahre ein so voll gerüttelt und geschüttelt Maß von Begehungs- und Unterlassungssünden aufs Haupt geladen hätte, daß auch der einfachste Mann zu dem Entschlüsse kam: Bis hierher pnd nicht weiter! Das Volk hat gerichtet. Fast auf der ganzen Linie, solveit die Entscheidung in den einzelnen Wahlbezirken überhaupt von der Arbeitcrbevölkerung gegeben iverden konnte, sind die socialdemokratischcn Kandidaten gewählt worden, und wir haben gute Hoffnung, daß sich hie Stadtverordnetenwahlen späterer Jahre für uns nicht nngünsiiger gestalten werden. Die auf die Förderung des Arbciterwohls gc- richtete Thäligkeit der alten und der neu ins Note Hans ziehenden Genossen ivird dafür sorgen, und nicht minder natürlich die Thatcn der kaum je zu belehrenden Mehrheit des Stadtparlamcnts. Daß die Agitation für die Wahlschlacht und die Organisation des Kampfes am Wahltage selbst nicht geringer war, als während der mühevollen verflossene» Wochen, versteht sich von selbst. Schon in früher Morgenstunde strömten zahlreiche hilfsbereite Genossen zu den Sammelstellen, um sich— unentgeltlich natürlich, nicht wie die Helfer der bürgerlichen Parteien gegen klingende» Lohn— in den Dienst der gute» Sache zu stellen. Dje Folge war. daß kcins unserer Wahlkomitees über Mangel an Hilfskräften zu klagen hatte, und es ivaren außer den Centralbnreaus in den verschiedenen Wahl- bezirken 23 solcher Koinitces eingesetzt worden, von denen der Kampf geleitet ivurde. An der Wahl waren diesmal fast alle Stadtgegeuden beteiligt; im äußersten Westen wurde ebenso gewählt, wie im hohen Norden gnf dem Gcsundbrnuncn, im äußersten Osceu ebenso lvie in Moabit, jm Süden der Stadt wie im Ceiilrum. Die Physiognomie der Wählerschaft war freilich sehr verschieden. Jm reichen Westen gc- hören zur dritten Wählerllasse noch Personen, die im Osten oder in anderen Arbeiterbezirken in der ersten oder zlveiten Wählerllasse er- fcheine» würden. Aber überall erwiesen sich die vom Magistrat getroffenen Ein- richtunge» für die diesmalige Wahl als ganz praktisch. Z» Wahllokalen hatte man größere Räume oder Säle von Nestaurants unscrsehen, und zwar Ivaren die Tische des Wahlvorstandes durch eine Art von Barrierepailfban gegen den übrigen Rann» abgesondert, so daß die Wähler nur durch schmale Thüren einzeln an die Wahl- tische herankommen konnten. Es wurde durch diese Einrichtung ein zu plötzliches Bedrängen der listcnführenden Beamten verhindert, das in den Abendstunden vielfach unvermeidlich gcivesen wäre. Tags über freilich und auch in der Mittagstunde ist kaum irgendwo ein besonders starker Andrang zu bemerken gewesen; das„Geschäft klapperte nur so einigermaßen", wie wir an einem Wahltische scherzhaft sagen hörten. Abends aber wuchs die lBeteilignng, namentlich in den ferner gelegenen Arbeiterdistrikten, plötzlich an. Die Stadtbahnzüge und die Pferdebahnen brachten Trupps von Arbeitern, die von der fern gelegenen Arbeitsstätte herbeieilten, um der Wahlpflicht z» geniigen. Vielen sah man es an, daß sie direkt vom Arbeitsplatz an den Wahltisch traten. In mehreren Wahllokalen, so am Andreasplatz, wo wir den Schluß des Wahl- und Waffenganges beobachteten, waren um 8 Uhr abends noch eine große Menge unabgefertigter Wähler vorhanden, und da angeordnet worden war, daß die bis 8 Uhr Erschienenen! noch wählen konnten, so währte die Wahlhandlung eine gute Weile! in die neunte Stunde hinein.» Tann das Zusammenstellen der Wahlresullale. Die Nabler sausen mit den wichtigen Zahlen in der Tasche zu den Ccntralstcllen, von dort mit den Gesamtzahlen nach unserer Redaktion. Andere bringen die Siegesbotschaften den abends tagenden Volksversamm- lungen, wo die laut verkündeten Resultate die zahlreich erschienenen Genossen zu lauten Ausbrüchen des Stolzes und der Freude hinrissen. " Nach langer Arbeit wieder ein großer Erfolg I Die Genossen hatten Ursache, sich in gehobener Stimmung ihres Sieges zu freuen. 1. Wahlbezirk. Bisher Jordan(Lib.). Wahllokal: Neuer Markt 8—12. Zahl der eingeschriebene» Wühler 2239. Abgegebene Stimmen 1273. Es erhielten: Fritz Prcuff(Soc.) 202, Jordan (Lib.) 792, Bürgerpartei 276. Gewählt: Jordan(Lib.). L. Wahlbezirk. Bisher Dr. Hermes(Lib.). Wahllokal: Lindenstr. 192. Zahl der eingeschriebenen Wähler: W393. Abgegebene Stinmien 1212. Es erhielten: Friedrich Lutz(Soc.) 229. Dr. Hermes(Lib.) 862. Zersplittert 127. Gewählt: Dr. Hermes(Lib.), 6. Wahlbezirk. Bisher Försterling(Lib.) Wahllokal: Demiewitzstr. 13. Zahl der eingeschriebenen Wähler 6398. Ab- gegebene Stimmen 1362. Es erhielten: Ferd. Ewald(Soc.) 499, Nichard Barth(Lib.) 677. Zersplittert 284. Stichtuahl zwischen Etvald(Soc.) und Barth(Lib.). 7. Wahlbezirk. Bisher Ullstein(Lib.). Wahllokal: Tcltowcrslr. 3. Zahl der eingeschriebenen Wähler 6293. Abgegebene Stimmen 1866. Es erhielten: Karl Lankow(Soc.) 529, Ullstein(Lib.) 816, Viirgerparlci 521. Stichwahl zwischen Lankow(Soc.) und Ullstein(Lib.). IS. Wahlbezirk. Bisher Tolksdorf lSoc.). Wahllokal: Forstcrstr. 11—12. Zahl der cingcschricbcncn Wähler 7126. Abgc- gcbcne Stimmen 3948. Es erhielten Lndtvig Tolksdorf(Soc.) 2786. Schneider(Lib.) 262. Gctvählt: Tolksdorf(Soc.). 16. Wahlbezirk. Bisher Herb ig(Lib.). Wahllokal: Alexan- drinenslr. 119. Zahl der eingeschriebenen Wähler 2766. Abgegebene Stimme» 2929. Es erhielten: Theodor Metzner(Soc.) 887, H e r b i g(Lib.) 1131. Gewählt: H e r b i g(Lib.). 19. Wahlbezirk. Bisher Nosenow(Lib.). Wahllokal: Kvpcuickcrftr. 96/97. Zahl der eingeschriebenen Wähler 2369. Ab gegebene Stimmen 1842. Es erhielten: A. Körsten(Soc.) 249, Nosenow(Lib.) 1283. Gewählt: Nosenow(Lib.). 29. Wahlbezirk. Bisher T o e r in e r(Lib.). Wahllokal: Wallncr-Theatcrstr. 12. Zahl der eingeschriebenen Wühler 2871 Abgegebene Stimmen 2133. Es erhielten Tr. Friedeberg(Soc.) 999� Toermer(Lib.) 1143. Gewählt: Toermer(Lib.). 21. Wahlbezirk. Bisher Fritz Wilke(Soc). Wahllokal: Andrcasstr. 2l. Zahl der eingeschriebenen Wähler 6243. Abgegebene Stinnncn 2279. Es erhielten Fritz Wilke(Soc.) 1282. Wegfraß (Lib.) 682. Gewählt: Fritz Wilke(Soc.). 26. Wahlbezirk. Nengebildcter Bezirk. Wahllokal Lands- berger Allee 24—27. Eingeschriebene Wähler 8191. Abgegebene Stimmen 2869. ES erhielten: Hugo Heimauu(Soc.) 1896, Schmclzpfciinig(Lib.) 648. Bürgerpartei 496. Gewählt: Hciyiau» iSoc). 27. Wahlbezirk. Bisher Meißner(Lib.). Wahllokal: Am Friedrichöhni» 22—29. Zahl der eingeschriebene» Wähler 6162. Ab- gegebene Sciimncn 2196. Es erhielten: Lldolf Hossmann(Soc.) 1224, M c i ß n e r(Lib.) 784. Bürgerpartci 63. Gctvählt: Hoffmann(Soc.). »9. Wahlbezirk. Bisher S n t t e r(Lib.). Wahllokal: Sophien- straße 12. Zahl der eingeschriebenen Wähler 6347. Abgegebene Stimmen 212l. Es erhielten: Johannes Tasspubach(Soc.) 423, Satter(Lib.) 1145, Bürgerpartei 523. Gewählt Satter(Lib.). 33. Wahlbezirk. Bisher Gießhoit(Soc.). Wahllokal: Kastanicn-Allee 7—9. Zahl der eingeschriebenen Wähler 6394. Ab- gegebene Stimmen 2336. Es erhielten: Karl Koblenzer(Soc.) 1282, Her in a n n s(Lib.) 632, S t ö ck e r(Antis.) 339. Gewählt: Koblenzer(Soc.). 318. Wahlbezirk. Bisher©lciuert(Soc.). Wahllokal: Swinemünderstr. 42. Zahl der eingeschriebenen Wähler 6523. Ab- gegebene Stimmen 1!>32. Es erhielten: Gleinert(Soc.) 1293, Dr. I u t r o s i» s k i(Lib.) 223, Bürgerpartei 168. Gewählt: Gleinert(Soc.). 49. Wahlbezirk. Nengebildcter Bezirk. Wahllokal: Chaussee- straße 23. Zahl der eingeschriebenen Wähler 2943. Abgegebene Stimmen 2194. Es erhielten: Tr. Cnrt Frendenberg(Soc.) 1442. L c n tz(Lib.) 266. Bürgerpartei 182. Gewählt: Tr. Frendenberg(Soc.) 43. Wahlbezirk. Ncngcbildetcr Bezirk. Wahllokal. Alt- Moabit 47—48. Zahl der cingeiHricbenen Wähler 6851. Abgegebene Slimmen 3192. Es erhielten Ferdinand Ewald(Soc.) 2296, N ö h r e ck e(Lib.) 286. Zersplittert 13. Gewählt: Ewald(Soc.) 44. Wahlbezirk. Neugebildetcr Bezirk. Wahllokal Turin» straße 26. Zahl der eingeschriebenen Wähler 7334. Abgegebene Stimmen 2272. Es erhielten: Nud. Millarg 1349, Bredereck 297, Bürgerpartei 72 l Stimmen. Gewählt: Millarg lSoc.). 4S. Wahlbezirk. Neugebildetcr Bezirk. Wahllokal: Perle- bergerstraßc 26. Zahl der eingeschriebenen Wähler 6287. Abgegebene Stimmen 2279. Es erhielten: Theodor Glocke(Soc.) 892. G o e- r o l d t(Lib.) 624, Ullrich(Antis.) 893, zersplittert 3. Stichwahl zwischen Glocke(Soc.) und Ullrich(Antis.). 46. Wahlbezirk. Bisher Vogtherr(Soc.). Wahllokal: Köslinerstr. 8. Zahl der eingeschr. Wähler 6763. Abgegebene Stimmen: 2329. Es erhielten: August Hintze(Soc.) 2379, Walter lLib.) 376, zersplittert 92. Gewählt: August Hintze(Soc.). 47. Wahlbezirk. Neugebildeter Bezirk. Wahllokal: Schul- straße 29. Zahl der eingeschriebenen Wähler 4899. Abgegebene Stimmen 1969. Es erhielten: Rich. Allgustin(Soc.) 1292, Gries (Lib.) 433, zersplittert 26. Gewählt: Rich. Augustiu(Soc.). 48. Wahlbezirk. Bisher Jacobey(Soc.). Wahllokal: Bad- straße 32/36. Zahl der eingeschriebenen Wähler 6213. Abgegebene Stimmen 2760. Es erhielten W. Pfaunkuch(Soc.) 2922, Thieme(Lib.) 795. Gewählt: Wilhelm Pfaunkuch(Soc.)« Sociale Uleilzksvflege. Ueberanstrengung alS VetriebSuilfall. Ein vernünftiges Urteil füllte das vteichs- Versicherungsamt vor kurzem unter Vorsitz des Geh. Mat Gerstel in der Neiitenklagesachc, die von der Witwe des verstorbenen Braucrci-Arbeiters Fr. Vicklcr in Koburg wider die Brauerei- und Mälzerei- Bernfsgenossenschaft erhoben worden war. B. war erweislich liingenleidend und erlitt beim Aufheben eines 22 Kilo schweren Sackes eine Lnngenblutnng, die drei Monate nach dem Unfall, am 19. Juni)898, seinen Tod zur Folge hatte. Die Bernfsgenossenschaft wie auch später das Schiedsgericht entschieden dahin, daß der Verstorbene bei seinem Leiden jederzeit dem Eintreten eines Blutsturzcs ausgesetzt war und das Auf- heben des Sackes als gewöhnliche und gar nicht besonders anstrengende Arbeit anzusehen sei. Nunmehr entschied das Reichs- Versicherungsamt im Reknrsverfahren zu Gunsten der Klägerin. Es wurde der Beweis erbracht, daß B. während seiner lOjährigcn Zugehörigkeit zu einer Krankenkasse diese nur einmal 14 Tage lang in einem imbcdeutendcii Falle in Anspruch genommen hat; ferner hatte er noch am Tage vor dem Unfall 139 Pfiind schwere Säcke getragen. In der Nrtcilsbegründnng des NcichS-VcrsichemiigSanils heißt es: Der Gerichtshof hat die Ueberzengung erlangt, daß mit Wahrschein« lichkeit der Tod durch den Unfall hervorgerufen, zum mindesten aber wesentlich beschleunigt ist. da höchst wahrscheinlich B. noch er- heblich länger gelebt hätte und in alter Weise hätte weiter arbeiten können, wenn die'diu-ch das Tragen des Hopsenstickcs hervorgerufene Lniigeiiblntiing nicht eingetreten wäre. Steht aber hiernach mit Wahrscheinlichkeit fest, daß der Tod des B. oder doch die Bc- I schleniii.qnng des Todes eine tvenn auch mir mittelbare Folge seines Unfalls ist, so ist der Neiitenansprnch der Klägerin an sich be- gründet. Zu der Sache waren zwei Termine erforderlich. CS ist für die Praxis mancher Vorsitzenden bezeichnend, daß im ersten Termin Gch.-R. Graf als Vorsitzender de» Vertreter der Klägerin, Genossen Goetz, bcjm Vorbringen seines wichtigen Materials ersuchte, sich kurz' zu fassen. Ans dessen Einwand bemerkte der Vorsitzende weiter: „Wir können doch hier nicht bis Nachmittag fitzen l" Der Vertreter entgegnete jedoch, daß das Material so erheblich wichtig sei, daß er davon nichts zurückbehalten»verde, womit sich der Herr Vorsitzende dann wohl oder übel zufrieden geben»inßte. Die gefährdete Diseiplin. Der Bronze-Arbciter K., der in der Fabrit von A n e r b a ch u. Co. in Rot he»brück(Bayern) nahezu 19 Jahre beschäftigt war, hatte das Verlangen gestellt, man möge den Arbeitern nicht die Feiertage vom Lohn ab- ziehen, sondern, lvie es früher Gebranch war, gewisse Tage weiter bezahlen. Da mm der Arbeiter bei seiner Entlassung forderte, man solle ihm ein Zeugnis über seine Leistungen ausstellen, händigte die Firma dem gcmgßxcgclten Arbeiter folgendes Schreiben aus: „Ter Bronze-Arbciter M... K... war bom 23. Juli 1883 bis 1. Juli 1898 in unserer Fabrik in Rothenbrnck beschäftigt. Er war ein tüchtiger, fleißiger Arbeiter, dessen plötzliche Entlassung nicht erfolgt wäre, wein! er picht in seiner Eigenschaft als Ver- tranensniaim der Verwaltungsstelle Mosenberg des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes eine derartige Thätigkeit entfaltet hätte, welche die n int mg än glich notwendige Di-3 ei p Ii» eines FabrikbctriebeS gefährdet c." Natürlich war es dem Arbeiter iimnöglich, ans dieses Zeugnis Arbeit zu bckominen imd er beschritt schließlich den K l a g e w e g. Das Amtsgericht in Fürth Ivies ihn mit seinen Ansprüchen ab und erst auf erhobene Bcrnfimg verurteilte das Landgericht die Firma zur Tragimg der Kosten des Verfahrens und zur Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 76 Mark für e n t- g a n g e n c n Arbeitsverdienst, Entscheidend für das Urteil war, daß der Kläger ei» Zeugnis ans Grund§ 113 der Gcwcrbc-Ordnniig verlangte mit der ausdrück- liehen Veiperklmg, cS solle über seine Leistung, sowie Art und Dauer der Beschäftigung Auskunft geben. Er hatte nicht die Ausdehnung ans die Führung verlangt, die nach ß 1l3 der Gewerbe- Ordnung gleichfalls znlässig ist. Das Zeugnis selbst sprach sich aber über die Führung nnS und das Gericht mußte zugeben, daß diese Angabe geeignet>var, dem Kläger die Auffindnng einer Arbeit unmöglich zu machen. Das Urteil ist sehr beachtensivert. es wäre geeignet, dem U n- fuge d e r il n t e r n e h in e r, durch AnSstellnng derartiger Zeug- nijse den Arbeiter» das Aufsuchen von Arbeit zu erschweren, ja fast immöglich zu machen, endlich einen Riegel borznschieben. Uchte Z�Äifzcichkett«nb Depeschen. Durliich, 6. November.(Privaldepcsche des„Vorlvärts.") Die Rcslwahlcn in Durlach-.Stadt ergaben den erwarteten socialistischen Sieg. Es wurden weitere 32 socialistische Wahlmänner gegen 13 Nationallibcrale gewählt. Köln a. Rh.» 6. November,(B. H.) Die„Köln. Ztg." meldet aus Berlin: Eine Amsterdamer Meldung verbreitet, das; der Ge- sandte Dr. Lcyds erklärt habe, in der Transvaalfrage sei jetzt ein Dazwischentreteil Deutschlands, Frankreichs und Rußlands ge- sichert. Wir wissen nicht.ff was Tr. Leyds geäußert hat, aber das wisse» wir. daß der Inhalt dieser angeblichen Aeußernng nach> jeder Richttnig hin zalsch ist. Weder Frankreich noch Rußland haben bisher die geringste Geneigtheit erkennen lassen, mit oder ohne Dcntsck'lluid die südcisrikcinischc Frage auf die Tagesordnung zu setzen. Wien, 6. November.(B. H.) In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhanses gab Ministerpräsident Graf Elary bei der Debatte über den K 14 die Erklärung ab, daß die Regierung de» Anträgen ans Aushebung dieses Paragraphen ihre Zustimmung nicht geben könne, weil sich derselbe bei Geivährnng staatlicher Unterstützung aus Anlaß von Notständen oder bei Staatsbeiträgen zu dringenden gemeinnützigen Arbeiten wiederholt als äußerst förder- tich erwiesen habe. Die Negiernng stehe indessen nicht an, neuer- diugs zu betonen, daß sie von dem ihr durch die gesetzlichen Be- stimmungen vorgezeichneten Wege unter keinen Umständen abweichen werde. Der Krieg. Brüssel, 6. November.(W. T. B.) Nach hier vorliegenden Meldungen ans London begegnet die Nachricht von einem am letzten Donnerstag stattgehabten erfolgreichen Gefecht der englischen Truppen bei Ladysmith dort großem Mißtrauen. Dagegen ver- lautet, daß infolge des Bombardements von Ladysmith und Colenso am letzten Donnerstag die zur Verteidigung der Tugclabrücke aufgestellte» englische» Batterie» vo» de» Voeie» zmu Tchwoige» gebracht, und daß die Truppen, welche diese Stellung verteidigten, zum schlrunigcu Rückzug genötigt wurden. Da die Boeren die die Nückzngsliiiie nach Ladysmith beherrschenden Punkte besetzt hielten, habe die flüchtige Truppen« abteilnng einen Weg nach Süden einschlagen müssen, iv elcher ebenfalls bereits in Händen der oerentr Uppen war. Man zweifle in Natal nicht daran, dast die Trnppcnabtoilnng abgcschnittcu und de» Bocreu in die Häude gefallrn sei, da auch in Durban keinerlei Nachricht über die selbe vorlag. Auch geht das Gerücht, daß Lebensmittel und die- Munition der Garnison von Ladysmith nahezu erschöpft und daß es undenkbar sei, die Garnison zu verproviantieren. Turban, 3. November.(W. T. B.) Der„Natal Advertiser" meldet: Die Garnison von Colenso rettete alle Vorräte, Zelte, alles Handwerkszeug usw. Der Feind war etiva 2999 Mann stark, darunter eine ncuhinzugekommene Abteilung Freistaatboeren. Ein gepanzerter Zug leistete glänzende Dienste, indem er eine Abteilung des Dublin- Regimentes zum Entsätze eines von Freiwilligen gehaltenen Außen- forts herausbrachte. Bezüglich der Lage von Pietermaritzbura sind beruhigende Nachrichten eingelaufen. amtniis!«°«°»�'° AAung! Sonnabend, den lt. November 18SS, tQ üvQ Gesamtraumen des Etablissements: Winter"Fest der Berliner Gürtler und Bronzeure. Grotze humoristische Soiree, ousgeführt vom beliebt«, Berliner Ulk-Trio, der Chansonnette Irina Barcarola, des Liedcrsängers Herrn Bnilolk Steinliardt. Wahrend und nach der Vorstellung: CUfofjCr PttÜ. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen b0 Pf. nach. Während der Paulen- des Reuen Berliner Konzert- -mayreno oer Pausen. AUvUzerr Orchesters(Dirigent Herr n.TMt). llmaug 8>/z Uhr. Programm 30 Pf. Um zahlreichen Bestich bittet sKSöbs Das Komitee. N.«Zün-°,. votdrlulimslr. 52. WWUAi va st alle, Piarxzc.lii Cigarrenspiven, Pfeifen, Stadeln, Brochen, Knöpfen, Büsten Bildern». dgl., sowie jede Drcchölerwaarc u. Rcpar.(Man Verl. Preisknrant. Vleddln�l Großer Frauen-Bortrog im„Zkenen«atnrlieilverein„Ukarlottendnrs-Berlin (Vorsitzende M. Kube) im..Kösliner Hof", Berlin Zs., Köslinerstr. 8, IVIitt«ovk, den 8. November 1899 abends 8V2 Uhr, spricht FvL M> Kube» Naturheilkandige, über Weniger Menschen, aber glücklichere! Künstliche Beschränkung eines allzureichen Kinder segens für kranke geschwächte und arme Frauen. Kar für verheiratete Franen. 67/6 Entree 18 Pf. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Annieldungen zum Beitritt d. Vereins: Geschäftsstelle, Berlinerstr. 125. 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