Nnterhaltimgsblatt des Horwärts Nr. 190. Dienstag, den 27. September. 1904 (Nachdruck verboten.) 35) Oie fluckt. Von K. Bagrynowski. „Sehen Sie, Hab' ich nicht recht gehabt?" sagte Samuel. „Ich sehe nur einen Ausweg aus diesem Dilemma: setzen Sie ein Register der nötigen Artikel auf, und ich werde die Kaufleute und Lieferauten zu mir kommen lassen, daß der Handel in meiner Gegenwart abgeschlossen wird." Mister Morley ging auf den Plan ein. Am andern Morgen fand die Zusammenkunft beim Jsprawnik statt. Die Wohnung war voll von Menschen, denn nicht allein die auf- geforderten Kaufleute, Warlaam Warlaamowitsch, Kosloff, der Kommandant und Tas waren erschienen, sondern auch Vater Akakij, der Adjunkt, der Diakonus, der Lehrer, ja, Denisoff und Panteleon: endlich, ganz zuletzt, kam auch der Doktor atemlos angelaufen, denn er fürchtete, es würde ohne sein Bei- sein getrunken werden. „Hören Sie, Herr Jsprawnik, warum haben Sie mich denn nicht aufgefordert?" „Ich habe nicht gewußt, Excellenz, daß Sie auch etwas zu verkaufen haben. Die Amerikaner wollen weder Pocken noch Scharlachfieber mitnehmen, auch nach Typhus verlangt es sie nicht." Ter Doktor lachte? der Scherz machte ihm Spaß, aber der blinkende Gläserkranz, der den„llnverfälschten-Vater- ländischen" umgab, erfreute sein Herz noch viel mehr. Die Verhandlungen gingen würdevoll von statten, das Resultat war glänzend. Die Kaufleute hatten doppelte Preise ver- langt, thaten aber trotzdem, als wären sie übervorteilt worden. Die geringeren Lieferanten und Krämer, die an dein Gc- schäft nicht teilnehmen durften, murrten laut: „Man hat uns den Ausländern ausgeliefert." Alle diese Geschäfte hatten Mister Morley so viel Zeit geraubt und ihn so erschöpft, daß er erst am dritten Tage zu den Verbannten kam. Außer Mußja und dem abwesenden Jan hatten sich alle zur bestimmten Stunde bei Alexandroff versammelt. Alle waren fieberhaft erregt, denn sie waren auf etwas ungemein Wichtiges gefaßt, obgleich sie weder das Wesen noch die Folgen dieses Etwas näher bestimmen konnten. Alle Augenblicke ging filier von ihnen vors Haus und lauschte den Stimmen des Städtchens, das seine hellen Fenster und die lohenden Flammen, die aus den Schornsteinen aufstiegen, durch die graue Nacht leuchten ließ. Die andern suchten sich indessen die Zeit mit irgend etwas zu vertreiben, aber so oft der Kund- schafter zurückkam, hoben sie alle den Kopf. „Sie kommen!" sagte endlich Krassuski und schürte das Feuer,„ich habe Samuels Stimme erkannt." Von einer wunderbaren Rührung überwältigt, sahen die Versammelten unverwandt nach der Thür. Ein hoch- gewachsener Mann in einer abgetragenen Joppe, eine Mütze aus buntem Seehundsfell auf dem Kopfe, trat ins Zimmer. sEin schöner, schwarzer Bart umrahmte sein Gesicht, aber sein Kopfhaar war nicht üppiger als das des braven Herrn Jan. Die hohe Stirn ging unvermittelt in den mächtigen kahlen Schädel über. Der Fremde legte langsam ab und be- trachtete die bärtigen Gestalten der Verbannten, die sich er- hoben hatten, um ihn zu begrüßen, mit gespannter Auf- merksamkeit. Zahlreiche Schatten verdunkelten die Jurte, die nur vom unsicheren, flackernden Scheine des Herdfeuers erleuchtet wurde. Aber trotzdem gewahrte der Fremde die dürftige Kleidung der Verbannten, gewahrte die Runzeln, die ihr Antlitz durchfurchten, die vorwiegend schmalen und hageren Gesichter— die Gesichter von Asketen und Ein- siedlern aus alter, alter Zeit. In den traurigen Augen Mister Morleys leuchtete ein tiefes Mitleid auf, ein warmes Gefühl erhellte seine edlen, kühnen Züge. Er verneigte sich vor Eugenie und schüttelte den Verbannten, die ihm der Reihe nach vorgestellt wurden, herzlich die Hand. Tscherewin hatte er schon beim Jsprawnik kennen gelernt. Sie setzten sich an den Tisch, auf dem der unvermeidliche Thee erschien. Der Fremde fragte die Verbannten nach den Einzelheiten ihrer Verbannung, nach den Urteilen, die sie be- troffen, nach dem Verfahren bei politischen Prozessen, und je länger er ihren Schilderungen zuhörte, desto größer wurde sein Erstaunen. „Und doch...übt Ihr hier einen gewissen Einfluß aus," bemerkte er mit leisem Zweifel. „Ja, aber nur. weil wir nichts zu verlieren haben und' eng zusammenhalten!" sagte Niehorski. „Und weil der Jsprawnik ein verhältnismäßig an- ständiger Mensch ist," fügte Tscherewin hinzu. „Was hat jener Herr gesagt?" fragte der Amerikaner Samuel, indem er Niehorski ansah. Die flammenden Augen und das fanatische Antlitz des Verbannten hatten augenschein- lich Eindruck auf den Seemann gemacht. Da Samuel seine Tasse eben an den Mund hob, bat er Eugenien, ihn zu ver- treten und Niehorskis Worte zu übersetzen. Mister Morley blickte zu der jungen Frau hinüber und ließ kein Auge mehr von ihr. „Dieser Aankee sieht einen an, als wollte er einen durch- bohren!" sagte Frau Arkanoff ein wenig mißmutig, indem sie bei den forschenden Blicken des Offiziers errötete. „Bittet ihn lieber, er möchte uns sagen, ob er meint, daß..." rief Niehorski. „Langsam, immer langsam voran, nicht so hitzig," be- schwichtigte ihn Samuel, der eben mit seinem Thee fertig war. „Das ist richtig," meinte Alexaudroff.„Es wäre un- vorsichtig, gleich von der Leber weg zu reden. Wissen wir denn, was für ein Mensch das ist?" „Und ist's ein ernsthafter Mann, dann wird ihn unser Leichtsinn nur argwöhnisch machen!" fügte Arkanoff hinzu. Mister Morley sah sie an und schien zu erraten, was sie sagten. Als Samuel die Unterhaltung vorsichtig auf das Thema einer Seereise längs der Küsten des Eismeeres brachte, ver- zog sich der Mund des Amerikaners zu einem leisen Lächeln. „In der ersten Hälfte des Sommers wird die Reise an der sibirischen Küste dadurch erschwert, daß der Wind vor- wiegend landeinwärts bläst und das Eis der Küste zutreibt. Aber zwischen Ufer und Eisschollen bleibt doch immer ein schmaler, freier Wasserstreifen. Derselbe ist mit einem nicht zu tief gehenden Boote zu passieren. Das Boot darf nicht zu schwer sein, damit es im Notfalle leicht aus dem Wasser gezogen und übers Eis geschleift werden kann," begann der Amerikaner gelassen, indem er sich möglichst kurz zu fassen suchte. Die Blicke der Verbannten hingen wie gebannt an seinem Munde. Er sprach fließend, als erzähle er ein Märchen. Er nannte alles, was zu solch einer Reise nötig ist, rechnete aus. wie lange sie ungefähr dauern könnte, be- schrieb die zweckmäßigen Nahrungsmittel, gab ihre Mengen au, sprach von den Kleidern, Werkzeugen und Betten. Er erwähnte die Hindernisse und Gefahren, die den Reisenden dort drohen, und sagte, wie dieselben zu vermeiden oder zu bekämpfen seien. Er sprach von der schwachen Strömung, die sich längs der sibirischen Küste von Westen nach Osten zieht. „Sie meinen also, wir müßten nach Osten, nach Amerika gehen?" fragte Niehorski plötzlich. „Ich meine nichts, ich weiß nichts. Als Reisender er- zähle ich nur von den Bedingungen einer Reise," antwortete der Amerikaner zurückhaltend. Sie fühlten seine Absicht sogleich und fragten weiter. als handle es sich um die interessaiiten Details eines ihn fern- stehenden Abenteuers. Lange nach Mitternacht ging Mister Morley von Samuel begleitet nach Hause. Er war miide, aber fieberhaft erregt. denn die heftige Bewegung der Verbannten hatte sich auch ihm mitgeteilt. 5turz vor seinem Aufbruch hatte er noch einen heißen Strauß mit ihnen bestanden, der den Socialismus und den Kapitalismus zum Gegenstand hatte. � Er stand schon auf der Schwelle, als er die Bemerkung hinwarf, der Steilermann Bartels sei ein tüchtiger Zeichner und sicherlich im Besitz von Entwürfen zu Booten und Werkzeugen, die bei jeder Seereise nötig sind: wenn sie sich dafür so lebhaft inter- essierten, würde er sie ihnen gewiß gern zeigen. Als er fort war, schwiegen sie noch eine ganze Weile und lauschten ihren eignen Träumen. „Ha! Ihr seid glücklich, wenn Ihr an den Erfolg glauben könnt! Ich beneide Euch drum!" brach Tscherewin endlich das Schweigen. „Warum sagen Sie: glauben... Es ist nichts zu glauben dabei, die ganze Sache ist sonnenklar!" rief Niehorski heftig. „Ihr habt nur vergessen, zu fragen, wie viele solcher Expeditionen an diesen Küsten verschollen sind: Admiral Prontschischtscheff, Laptjeff, Lachoff... Das wären die großen, und nun rechnet die unzähligen Kosakenboote hinzu. Ihr aber werdet überdies Verfolger hinter Euch haben! Und es ist kein einziger Seemann unter Euch, keiner weiß, wie ein Segel gehißt wird." „Nun, dann werden wir's lernen!" „Aut, ant? Freiheit oder Tod! Ein Mittelding giebts nicht!" sagte Woronin. „Da habt Jhr's! Selbst dieser Stumme findet seine Sprache wieder! Tu bist ein ganzer Kerl. Woronin!" rief Niehorski. „Nun, Gott gebe, daß es Euch gelinge!" flüsterte Tscherewin und griff nach seiner Mütze. „Was heißt das, Doktor? Sie machen also nicht mit?" „Nein, wenn ich fliehe, dann... wähle ich eine andre Richtung?" „In einer andern ist's unmöglich!" sagte Krassuski bestimmt. Tscherewin sah ihn mit halbgeschlossenen Augen von der Seite an, entgegnete aber nichts. „Ich würde doch raten, die Worte des Doktors in Er- wägung zu ziehen," meiiüe Arkanoff.„Haben Sie vielleicht ein Buch über die Expeditionen, deren sie vorhin erwähnten?" Tscherewin schüttelte den Kopf. „Dann müssen diese Bücher angeschafft und gelesen werden, ehe wir etwas Bestimmtes beschließen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!" fuhr Arkanoff fort. „Doch, was ausgeschoben ist, ist auch aufgehoben," ant- wartete Niehorski finster. Seiner Gewohnheit getreu, mischte sich Nlexandroff nicht in den Streit: ruhig rauchte er sein Pfeifchen und hörte zu, als handle es sich nicht auch um seine Zukunft, um sein Leben. Eugenie schwieg ebenfalls, aber Arkanoff las deutlich in ihren Augen, wem sie recht gab, und wollte einen passenden Moment wählen, um seine Einwände vorzubringen. Eugenie merkte feine Blicke. „Es ist doch sonderbar, daß wir nicht früher auf diesen einfachen Plan gekommen sind," sagte sie gewissermaßen her- aus fordernd. „Das.Einfachste fällt uns immer zuletzt ein. Tie mensch- liche Logik ist nun mal so beschaffen, daß sie stets mit kom- plicicrten Tingen beginnt. Das ist Naturgesetz!" erwiderte Gliksberg. „Wir fliehen also!" sagte Pjetroff, der sich bis dahin nicht gemeldet hatte. „Wir fliehen nach Amerika!" bejahte Gliksberg.„Aber ich muß sagen, daß mir dies Land gar nicht gefällt. Ich möchte lieber wo anders hin. Amerika ist das Land der materialistischen Geschichtsauffassung, da herrscht der Kampf ums Dasein, ewige Jagd nach Erfolg, der Glaube an den Dollar und nur an den Dollar. Ich habe Dickson gelesen... Ich muß gestehen, ich würde ein Land vorziehen, wo all- feitiges Wohlwollen die Triebfeder des Daseins ist." „Schluß! Schluß! Setzen Sie sich, Gliksberg!... Bitte, setzen Sie sich! Dickson ist ein abgethaner Autor? Sie hätten Tocgueville lesen sollen! Sehen Sie sich, Herr Kollege, und... schweigen Sie zur Strafe bis morgen!" unterbrachen ihn die mrdern in fröhlichem Durcheinander. «Das ist gar keine Strafe: ich geh ja gleich schlafen? Tocgueville ist sehr subjektiv und läßt sich leicht hinreißen!" entgegnete Gliksberg ernsthaft. (Fortsetzung folgt.)] freie Volksbühne. (Ibsen: Die Komödie der Liebe.) ES ist interessant zu verfolgen, wie Ibsen schon in dem Jugend» werk„Die Komödie der Liebe" sich bei aller Rhetorik, die manchmal stark an die Phrase grenzt, doch immer von strengster Logik leiten läßt. Er ist nicht so sehr Dichter und Künstler— ein solcher würde sein Hauptaugenmerk darauf richten, Menschen von Fleisch und Blut hinzustellen, Menschen, die reden, wie es ihrem Charakter entspricht, jeder nach seiner Art, er würde darauf bedacht sein, aus dem Hin- und Widerspiel der Charaktere sich eine Handlung er- geben zu lassen, so daß Personen und Idee wie eins sind, organisch gewachsen. DaS ist nicht Ibsens Art. Ibsen ist nicht zuerst Dichter, Künstler, er ist Programmatiker, Dialeltiker. Seine Umgebung, die klein- lichen Verhältnisse des Landes, die beschränkte Auffassung aller Lebensbedingungen, bot ihm reichlich Anlast dazu. Die Folge davon ist, daß ihm nicht sein Werk die Hauptsache ist, das lünstlerisch abzurunden, psychologisch unantastbar zu vertiefen seine Aufgabe wäre, vielmehr rennt er Ideen nach, stellt Forderungen, schleudert Angriffe. All dies ist bedingt durch sein Land, sein Volk, sein Klima. Und viel von dem, was in der„Frau vom Meere", in der Weib- lichen Hauptfigur dieses Stückes liegt, diese Sehnsucht ins Unendliche, richtiger gesagt, ins Nebulose, ins Jch-weist-nicht-wohin. diese specifisch weibliche Art. die loiedernm eine Folge zeitlicher Verhältnisse ist, die die Frau besümmler Kreise zum Ztichtsthnu verdammt— für thätige Naturen die ärgste Strafe, die es giebt— lebt in dem Dichter selbst. Und ebenso— neben dieser haltlos schweifenden Sehnsucht— eignet ihm etwa? Enges, Rabulistischcs, ärger- lich Tiftclndes. Der Zweifel ist gut lind kann zu einer starken Waffe werden. Aber meist sind die Gedanken der Skeptiker, zu denen auch Ibsen sich rechnet, im Grunde recht kurz. Denn sie niachcn vor sich selbst und ihrem Zweifel Halt. Der wahre Skeptiker müstte sich selbst negieren, an seinem Zweisel zweifeln, das hcistt, richtig durchgeführte Zweifelsticht müstte entweder zur Bejahung der Welt oder zur abgründigsten Verzweiflung, die stilmpf die Hände in den Schoß legt und dem Nichtsthun, Nichtswisjen und Nichtsein das Wort redet, iverden. Was will Ibsen in diesem Stück beweisen? So muß man fragen. Nicht, was»vill er schaffen, was lvill er darstellen. Er sieht als geborner Ichmensch die Welt nur von sich aus. Er steht flächen- hast, er sieht nicht körperhast. Das heißt: die drei Paare, die er uns vorführt. Lind und Stüber und Strohmann nebst weiblichem Anhang und Kindersegen, find nicht so gesehen wie sie wirklich sind, sondern so wie Ibsen sie stir seinen Zweck brauchte. Das ist BLhncnivirkilng in gewöhnlichem Sinne. Was ist mm der Zweck? Der Zweck ist: Ibsen will beweisen, daß für einen DichterSmann eine Che nichts ist. Darauf kommt es Hinaus. Nur so rechtfertigt sich der willkürlich angeklebte dritte Akt, der so voller psychologischer Ungereimtheiten steckt und so stark an Theatermache anUingt. Zu diesem Zweck wurden also Falk die drei Paare entgegengestellt. Nein— zu solchem Glück taugt er nicht. Also— würde mancher sagen— muß er anderswo sein Glück suchen. Vielleicht findet er austerhalb des Kreises der alleiilseligmacheuden Tanten, Schwiegcr- mütter und Ehemäiliier die, die für ihn pastt. Gut. Schwanhild scheint es zu sein. Und nun setzt eigentlich erst der Ibsen ein, der uns etwas zu sagen hat. Um gegen eine klatschende Theegesellschaft alter Weiber Widerwillen zu empfinden und eine Standrede zu Halten, die diese aufgeregt durcheinander scheucht, dazu gehört kein überragendes Heldentum. Das ist eine sehr äustcrliche Sache, und so logisch alles bisher war, es ist eine billige Logik. Nun aber verlegt sich der misterliche Streit in die innerliche Seele. Die Frage taucht auf: ist überhaupt ein solcher Bund für einen so jungen, unreifen Menschen, der allerlei vor sich ficht und erreichen will, geschaffen? Und hier heiht es: nein I Das heistt: die Welt, in der er lebt, ist überhaupt eine andre. Es entscheidet sich in seiner Seele der Kampf dahin, daß die Erinnerung an diesen schönen Augenblick ihm Flügel leihen soll zu hohen Gedankenflügeu, ihm Helsen soll, die Werke zu schaffen, nach denen seine Sehnsucht ringt. Seine Sehnsucht strebt nicht zur Ehe, die Geliebte ist ihm Zweck. Klarer kann eS nicht ausgesprochen werden, dast diese Frage den Angelpunkt des Stückes bildet, um den sich das übrige wie Rmikenwerk herumspinnt. Wir sehen also kernen allgemein gültigen Fall, sondern— dem Individualisten Ibsen entsprechet— ein specifisch individuelles Problem. Soll ich— ein Dichtersmann von Gottes Gnaden, der zu hohen Werken strebt— mich in Ehefesseln ketten? Nein, sagt Ibsen. Soll ich. selbst wenn ich nun die gewöhn- lichen Ehen, die eine versumpfte Gewohnheit meist versinnbildlichen. auster Betracht lasse und endlich glaube, die Erwählte gefunden zu haben, mit dieser meinen Weg vereint gehen? Nein, entscheidet auch hier Ibsen. Bleibe allein— das ist die Losung. Es ist ein starkes Wort, das er da hin ausschleudert. ES liegt darin die Warnung: Die Lebenszeit währt kurz und dauert nur einmal für Dich— nutze sie. So baut sich stufenweise auf der kleinlichen Komik der ersten beiden Akte eine tragisch anklingende zweite Entwicklung auf, die in der Absage Schwanhilds ihren AuStlaug findet. Der Titel „Komödie der Liebe" ist daher irreführend. Denn er könnte dazu verleiten, das allzu leichte Spiel der Handlung der beiden ersten Akte als Ernst und als Mttel- Punkt zu nehmen. Das ist aber nur Vorstufe. Hier findet fich der Held mit der Außenwelt ab, die puppenhaft er- scheint. Danach erwächst ihm die schwerere Aufgabe, sich nut sich selbst abzufinden. Es ist sehr fein zu beobachten, wie Ibsen diesen Plan nicht von Anfang an im Auge hat, sondern durch seine zwingende Logik all- mählich zu dem Inhalt des letzten Aktes geführt wird. Denn wären die beiden ersten Akte die Haupthandlung, so würde jeder sagen: Fall ist in der gleichen Verfassung, wie die, die er schmäht. Nur schwärmt er mehr. Darum ist er— um nicht selbst der Thorheit geziehen zu werden— gezwungen, im letzten Akt über die beiden ersten Akte zu triumphieren. In dieser krafien Art, den Ichmenschen, und im Grunde sich selbst nur in den Mittelpunkt zu stellen, liegt zu- gleich die eigentümliche Thatsache, daß wir den Worten und Be- weissühnmgen der geschmähten Gegenpartei öfters recht geben müssen. Für jeden paßt die Welt, die er sich schafft. Und in wem das Zeug zu einem Strohnmim mit zwölf Kindern liegt, der ent- wickell sich eben danach. Daher kommt es auch, daß wir, vom höheren Gesichtspunkt aus, nicht recht in die tönenden Reden des Helden mit einstimmen. Sie bleiben Reden, und es fehlen die Thaten. Es bleibt alles schließlich in der Welt der kleinen Persönlichkeit. Da- her kann man ein solches Werk wie das vorliegende schwerlich anders als zeitlich, lokal betrachten. Erschiene ein solches Werk jetzt von einem Unbekannten auf der Bühne, es würde uns vieles als un- natürlich, ja leichtfertig erscheinen. Wie anders erscheint dagegen die tiefgründige, gestaltende Dialektik eines Hebbel, von dem Ibsen viel lernte. Das führt auf eine andre Thatsache. Zu der Zeit, als Ibsen dieses Stück schrieb, herrschte das französische Thesenstück, dessen Sinn nicht künstlerisch-psychologische Gestaltung, sondern die Beweisführung irgend einer These, eines Leitsatzes, der das Leben regeln sollte, war. Was soll mit einer Frau geschehen, die ihrem Mann die Ehe bricht— usw.? Auch hier, bei Ibsen, dieses dialektische Räsonnieren. Weiterhin ist es für das französische Stück charakteristisch, daß zum Schluß der End-Räsouneur, der das Schluß- resuniee giebt, die Endentscheidung bringt. Wir erkennen ihn wieder in Goldstadt, dem reichen Großhändler, der plötzlich so weise Lebens- Worte spricht, die ihm niemand zn Anfang zutraut, und von denen er selbst wohl nichts ahnte. Er spricht sie in Ibsens Namen. Weder die Bräutigams haben recht, noch Falk hat recht, sondern ich sage es jetzt, und sage es durch Goldstadts Mund— und Du, sagt er zn Fall— geh Du Deinen Weg, und laß die andren ihre gehen. Du paßt nicht ins Alltagsleben, Du bist ein besonderer Fall. Im Zusammenhang mit dieser Thesen- reiterei steht der Mangel jeder tieferen pshchologischen Motivierung, der sich aus der Anlehnung an das französische Drama erklärt. ES entscheidet nicht der seelische Kampf im Innern des Helden, sondern der dazwischentretende— beinahe, mißte man sagen— Onkel aus Amerika, der in schlimmeren Stücken innner die Lösung bringt. Interessant ist, wie in diesem jugendlichen Werk schon allerlei Stoffe sich melden, deren Ausarbeitung und Verwertung der Dichter später vornahm. In den wenigen Worten Schwaichilds über ihre Vergangenheit meldet sich schon der Sinn für den Kampf der Frau um Freiheit. Und noch manche? andre fällt einem aus, das hier nicht ausgeführt werden kann. Falk hat nmnche Aehnlichkeit mit dem„Volksfeind". So findet man hier Keinre, die sich später aus- wachsen. Die Darstellung wurde dem Inhalt gerecht. Besser wäre eS gewesen, würde das Organ Ed. v o n W i u t e r st ei n s nicht so verbraucht geklungen haben. Gut war der Pastor tT u r n e r). Ueberrascheud fein Ivar auch die Stimmung des ganzen Stückes herausgearbeitet, und die Kostüme erfreuten durch den darin festge- haltcnen, einheitlichen Stil.— es. Kleines feirilleton. —„Wia mir Mädeln schon sau--" Von einer lustigen Gerichtsverhandlung berichtet die Wiener„Reichswehr": Fräulein Tinerl ist tief gekränkt.„So'was is mir noch nie passiert, Herr Richter," klagt sie,„mein ganzes Herz Hab' ich ihr auSg'schntt' und so a Falschheit 1" Dabei wirft das junge, hübsche Mädchen einen niederschmetternden Blick aus die ehrsame Matrone, die ihr gegen- über vor dem Richtertisch steht.„Denken S' Jhna nur: i bin nämlich Blumcnmadel; uird wia's schon so geht, Hab' i halt a mei' G'spiffi(Liebschaft) g'habt. Wann ma g'rad nöt grausli' ausschaut, Sö verstcngan, Herr Richter.—"— Ja, und da Hab' i bei der Person da g'wohnt. Und wann i a Brieferl'kriegt Hab', Hab' i ihr's vorg'lesen. Ich Hab' mir halt denkt, so a bejahrtere Frau muß doch aus an Schreiben auf an Charakter schließen könna. Da war's immer so lieb zu mir, aber wia i von ihr auszogen bin— können S' Jhna so a Genieinheit denken,— da hat©' meine Liabsbriaf', die no immer an die alte Adreß kommen san, aufg'fangen und selba g'lesen, die grausliche Person." „Aber gengan S', Fräul'n Tinerl", bittet die alte Frau, ganz niedergeschmettert von dem Redeschwall des reschen Blumenmädchens, „es ist ja nix dran. Weil S' mir die Brieserln immer vurg'lesen hab'n, war i halt neugierig, wia's weitergeht, und Hab' s' halt anfg'macht." «So/ repliziert die andre in erbittertem Tone«und meiner Muatta Harn S' es auch nur aus Neugier derzählt, was? Drei schöne Verhältnis Hab' i durch Jhna verloren." '„Gleich drei?" fragt erstaimt der Richter. „Freili', in den Briaferln war'» doch innner die Rendezvous be» stimmt, und weil die da mir's veruntreut hat, hab'i nit hinkommen kinna. und er is mir davong'gangen." „Ja, aber das ist doch nur einer?" Ganz erstaunt betrachtet die Kleine den Richter.«Ja, aber wann mir aner davongeht, nmß i mir doch au andern nehmen!" Verblüfft über diese Logik nimmt der Richter die Briefe zur Hand und blättert darin herum. Nach einer kurzen Pause:„Na. hören Sie, das ist doch ein bischen stark. Fast jeder Brief trägt eine andre Unterschrift. Wer ist denn der Karl da, der Ihnen die Millionen Küsse schickt?" „Das is a Student!" «Und der Fritz, der Sie zuckersüßes Mansi nennt?" „Das is a Einjähriger!" „Und da kommt ein Gustl vor, der Ihnen borwirst, daß Sie mit dem Franzi zu viel kokettieren. Was ist deim der?" Die Kleine legt nachdenklich den Finger an die Nase.«Der? Mir scheint, da-s ist der Feuerwehrmann." «Ja, wieviel Liebschaften haben Sie denn eigentlich?" «Ja, Herr Nichter, wisten S', wia nur Madeln halt schon san---*. Der Richter sieht sich schließlich veranlaßt, die Verhandlung zu vertagen. Beide Frauen verlassen das Bezirksgericht Josefftadt, wo sich die kleine Scene abgespielt hat. Noch auf der Treppe dreht sich Fräulein Tinerl resolut um und sagt zu ihrer Gegnerin trium- phierend':„Jetzt Hab' i an Neuchen, aber Jhna erzähl' i just nix..." — Ncdeblüten ans der bayrischen Kammer. Aus einer Sammlung schiefer oder belustigender Worte, die während der letzten Kammersession gefallen sind, bringt das„Würzburger Journal" einige Proben. Als einmal die Güte der bayrischen Staats- Hengste mit„ausländischen" in Vergleich gezogen wurde, erlviderte ein Herr voin Regierungstisch, der den mit seiner Stelle erblich ver- bundencn Beinamen„Roßoler" führt:„Mit Oldenburg dürfen Sie uns nicht vergleichen. In Oldenburg wird schon seit hundert Jahren gezüchtet, wir sind dagegen noch eine ganz junge Zucht." Ein Abgeordneter schleuderte dem Centrums- siihrer Dr. Pichler die Worte entgegen:„Was Sie hier aus den Fingern saugen, das hängt noch viel mehr in der Luft als meine Behauptimgen!" Um die Ver- längerung der M a i n k e t t e bis Schlveinfurt bat ein Abgeordneter den Verkehrsminister, indem er schmeichelte:„Ich möchte den Ver- kehrsminister bitten, die Verlängerung der Kette bis Schwcinfnrt warm im Auge zn behalten." Ein bekaimter mittel- fränkischer Bündler und Antisemir erklärte treuberzig:„Ich will es ja dem Finanzminister glauben, aber moralisch glaubt man es draußen nicht!"...' Auch der Kammerdcnrokrat erheiterte einmal bei der Waldstreudebatte seine Kollegen mit der kühnen Redewendung: „lim aber wieder auf meine Streu zurückzukommen."— Theater. Lessing-Theater. T r a u m u l n s. Schauspiel in 5 Akten von Arno Holz und Oskar Jerschke. Arno Holz, der litterarische Principienmensch»nd Stilexperimentator, wird, schätze ich, von allem, was er allein oder mit anderen zusainmen geschrieben. den Trauinnlns, der es in der Premiere zn einem durchschlagenden Theaterersolge brachte, am niedrigsten eintaxicren, vielleicht sich lustig machen über den Applaus. Seit seinem Erstlingswerke, dem jugendlich kampfsrobrn, von revolutionärer Begeisterung erfüllten „Buch der Zeit" ist er ans der Suche nach neuen Formen. Ausgangs der achtziger Jahre schrieb er mit Schlaf den„Papa Hamlet", die«Neuen Gleise", das Schauspiel„Familie Selicke", littcrarische Genrebilder, die in der minutiösen Wiedergabe des Wirk- lichen eine Fortentwicklung des Naturalismus über die bisher er- reichte Stufe hinaus, eine Potcnzierung der in dieser Stilart liegenden Tendenzen darstellen sollten. Arno Holz, dem„kon- seguciltesten Realisten", war Hauptmanns berühmtes Erstlingsdrama „Vor Sonnenaufgang" geividmet. Ans die naturalistischen Experimente, die in ihrer Eigenart vielerlei fruchtbare Anregungen boten, folgte dann, sozusagen als principielles Manifest, ein Schriftchen über„die Kunst", daö die naturalistische Methode möglichst exakter Reproduktion nicht etwa als eine Stiiart unter andern zu analysieren suchte, sondern sie mit wunderlichem Dogmenfanatisinus als den endgültigen, schlechthin vollkommenen Kunststil proklamierte. Als ob die Genauigkeit der Nachahmung und nicht vielinehr die umbildende Phantasie, die auch in jedem naturalistischen Kunstwerk mitgearbeitet hat, entscheidend lväre für den künstlerischen Eindruck I Später ist er nur einmal noch in der mit Paul Ernst zusammen verfaßten, allzu breit gesponnenen Komödie „Socialaristokraten" zu specifisch naturalistischen Fornren zurückgekehrt. Seine Hauptkraft wandte sich der Lyrik zu, auch hier wieder ur dem Gedanken, neue Ausdrncksmittel, einen neuen Stil zu finden. Der Reim, da er abgenutzt durch jahrhundertlangen Gebrauch mehr als hemmende Fessel, wie als Erreger der Stimmung wirke, sollte fallen, der festgefügte Vers sich auflösen in den Schwingungen freier, jeder Gefühlsnuance leicht sich anschmiegender Rythme». Der Ver- such in den Phantasusgedichten ist interessant genug, aber auch eres- mal wurde die neue Farm in arger Uebertreibung als die einzig Zukuiiftskräftige, als„Revolution der Lyrik" gefeiert. Das letzte Stilexperiment waren die„Lieder auf einer alten Laute", eine der- bluffend virtuose Nachahmung der drollig altmodischen, verliebten Schäferpoesie des 17. Jahrhunderts. All' diese Versuche, von einer groben, wenn auch nicht gleich» »näsiig fruchtbaren Energie des künstlerischen Wollens getragen, drangen über enge Kreise nicht hinaus. Nun scheint die Ironie des Schicksals es zu fügen, dab Holz mit einem Drama, das von jenem Ehrgeize des Erperimentierens keine Spur verrät und an dem Maß- stab Holzscher Theorie gemessen, übel bestehen möchte, noch einmal Popularität gewinnen wird. Dialog, Charakteristik, Scenenfllhrung des von Holz und Jerschke gemeinsam ausgearbeiteten Schauspiels bewegen sich im Rahmen hergebrachter Form, das Stück ist nicht ,nehr noch weniger„naturalistisch", wie etwa Drehers„Probe- kandidat". Darum könnte eS noch immer ein sehr treffliches Theaterstück sein, aber leider gelangte das Beste, was es bietet, die bedeutsamen psychologischen Ansätze, zu keiner vollen Entwicklung, allerhand Auhen- werk schiebt sich mit ungebührlicher Breite vor, und daS Schicksal, von dem Traumulus getroffen wird, erscheint, trotz seiner Selbst- vorwürfe doch nur als fataler Zufall, der mit seinem Sein und Handeln in keinem innerlich bedingten Zusammenhang steht. Der alte Gymnasialdirektor. den seine Schüler TranmuluS getauft, ist einer jener Idealisten, die mit geschlossenen Augen durch die Welt gehen, kindlich vertrauensvoll, von einer Reinheit des Gemütes, die wehrlos jeder Lüge und Verstellung gegenübersteht. Schon einmal ftrafvcrsetzt, weil er die Dnmmenjungenstreiche in der Schule nicht hindern konnte, hat er sich seinen rosigen Optimismus unverändert bewahrt. Seine junge Frau kokettiert verfänglich, sein Sohn aus erster Ehe, der Student führt ein schamloses Lotterleben, die Zöglinge in dem Internat machen nächtliche Eskapaden, gründen Schülerverbindungen und halten regelmäßig lärmende Zechereien in einem Keller nahe seiner Wohnung ab— er sieht und ahnt von allem nichts. Und als der Landrat, ein kalter, rücksichtsloser Streber, der mit instinktiver Feindschaft solche unpraktische Naturen haßt und plan- voll die Stellung des Direktors unterminiert, ihm schaden- froh erzählt, sein liebster Schüler Kurt v. Nedlitz sei nüt einer Schauspielerin in einem übel beleumundeten Nachtlokal gesehen worden, entrüstet der Direktor sich über die gemeine Ge- sinnung, die in solchen! Klatsche stecke, und will sich für beide, für Nedlitz wie die Dame, die ihm enipfohlen sei und die er kenne, der- bürgen. Vorzüglich in der Art, wie sie das Problem aufrollen, sind die Sceneu des zweiten Aktes. Die tiefe Güte des alten Mannes dringt überwältigend auf den Sinn des Schülers ein. Zur Rede gestellt, giebt Nedlitz zu, was er der Zeugen halber nicht leugnen kann, daS andre bestreitet er. Vor der Hausthür habe er sich in Ehren von der Dame getrennt. Aber das unbedingte Vertrauen, der milde Ernst, die rührende Anteilnahme deS ehrwürdigen Lehrers ruft alles Gute in der jungen Seele wach. Brennend empfindet sie die Scham der Lüge. Nedlitz will die Wahrheit bekennen, er beginnt schon, aber TraumnluS, wie immer gänzlich ahnungslos, fällt ihm ins Wort. Auch ein zweiter Versuch des Schülers, sein Herz durch eine Beichte zu erleichtern, scheitert durch das Eingreifen der Schau- spielerin, die ihn vor TraumuluS als Zeugen ihrer Unschuld anruft. Der interessante, hier angesponnene seelische Konflikt, dessen weitere Entwicklung man von dem Drama erwartet, wird aber dann im weiteren Verlauf durch allerhand Zufälligkeiten einer recht äußerlichen Lösung zugeführt, und die Figur des Nedlitz kommt über aphoristische Slizzierung nicht hinaus. Den Raum des ganzen dritten Aktes nimmt das Intermezzo einer Schüler- kneipe, dercn� ountc Possen auf die Dauer ermüden, in Anspruch. Schließlich erscheint Nedlitz, der frühere Präses der Verbindung, um sich von dem Treiben loszusagen und reuevoll die undankbaren Jungen an die Güte ihres Lehrers zu erinnern. Die Polizei, vom Landrat scharf gemacht, hebt das Nest auf. Nedlitz muß mit zur Wache. Sein nächtlicher Besuch bei der Schauspielerin wird durch Zeugenaussage festgestellt, und der unbarncherzige Direktor, der so schmählich getäuscht, kein Wort dem Schüler mehr glauben will, stößt den Bittenden verächtlich von sich. Verstört eilt Nedlitz fort. Der letzte Akt ist fast völlig ohne Handlung, eine einzige Klage des alten Mannes, das; er zu hart gewesen sei in seinem Zorn; er zittert, daß der Knabe sich ein Leid anthue. Fassungslos bricht er, als die furchtbare Ahnung ihre Bestätigung erhält, zusammen. Bassermanns wunderbar ergreifendes und wahres Spiel hielt auch in diesem letzten Alte noch die Spannung aufrecht. Eine vollkommenere Verkörperung des alten TraumuluS, als er sie bot, ist schlechterdings undenkbar. Auch im übrigen lvar die Vorstellung eine schauspielerische Glanzleistung. Kurt Stieler als Nedlitz, P a u l a E b e r t y als leichtfertiges Theaterdämchcn, Reicher als Bäckermeister Schladebach und Wirt der Schiilerverbindung, Pauli als Pedell, P a t r y als Landrat, Sauer als Assessor Mollwein gaben Kabinettstücke feiner Charakterisierungskunst; und die Liste ist damit noch nicht erschöpft. Der außerordentlich warnie Beifall, in den nur nach der Schlllerkneipcrei des dritten Aktes ein Zischen sich mischte, galt nicht zum wenigsten den trefflichen Akteuren.— _—dt Verantwortl. Redakteur: Franz Rchbein, Berlin.— Druck u. Verlag: Technisches. r. D i e neuen Hafenanlagen in Bremen. Nach vier« jähriger Thätigkeit ist jetzt der zweite große Freihafen in Bremen in emer Länge von 600 Nietern bei 100 Meter Breite fertiggestellt tvorden. Das Hafenbasstn, das ursprünglich nur 10 Meter tief sein sollte, ist doch aus Zweckmäßigkeitsgründen gleich auf 11 Meter Tiefe gebracht worden. Uin die Mauern des HafenS herstellen zu können, war es nötig, flir die Fundamente aus Stampfbeton einen Pfahlrost einzurammen, wozu nicht weniger denn 16 000 dicke Pfähle von durchschnittlich 15 Meter Länge erforderlich waren. Da große Schiffe im Hafen nicht wenden können. so hat man den Vorhafen in einer Breite von 242 und in einer Länge von 350 Metern ausgeführt. Der Borhafen steht mit der Weser durch eine 60 Meter breite Einfahrt in Ver« bindung. Sehr zweckmäßig wird sich auch die Anlage des 1.2 Kilo- meter langen und an der Einfahrt 140 Meter breiten Wcrsthafens. der sich dem Vorhafen anschließt, erweisen. Im Vorderteile des Werfthafens hat ein Schwimmdock zur schnellen und bequemen Aus- führung von Schiffsrcparatnrcn seinen Platz gefunden. Im Anschluß hieran ist eine Aktiengesellschaft mit der Herstellung so umfang- reicher Werkstätten mit allen modernen technischen Hilssvorrichtungcn beschäftigt, daß man in Zukunft im Bremer Freihafengebiet auch den Anforderungen in Bezug auf Ausbesserung und Her- stellnng der größten Seeschiffe wird genügen können. Im Süden der Werftanlage wird ein Liegeplatz von solcher Größe hergerichtet, daß bis zu 12 Fahrzeuge auf einer Fläche von 190 Meter im Quadrat für den Winter hier Platz finden können. Um diese Hafenanlagen auszuheben, sind in den verflossenen vier Baujahren nicht wemgcr denn 5233 000 Knbikineter Boden aus- gebaggert worden. Zunächst war die Beseitigung dieser großen Erdmassen leicht, da inan damit die entstehenden Hafengclände auf- höhen konnte; später mußte man die Erdniassen eine Strecke weit die Weser hinab transportieren, Ivo der bremische Staat Grund und Boden erworben hat, auf dem im ganzen ungefähr vier Millionen Kubikmecer Baggergut abgeladen werden können. Für die neuen Hafenanlagcn werden nach und nach Lager- schuppen von 2,9 Kilometer Länge mit 173 000 Quadratmeter Grund- fläche hergestellt werden. Wie bedeutend der Handelsverkehr Bremens schon gestiegen ist und mit welcher Steigerung man noch rechnet, das dürfte der Vergleich der eben genannten beiden Zahlen mit denen des ersten Bremer Hafens lehren. Für diesen im Jahre 1883 in Benutzung genommenen Hafen waren zuerst nur Schuppen von 2 Kilometer Länge und nur 80 000 Quadratmeter Bodenfläche vorgesehen. Für den Transport der Güter in den neuen Hafenanlagen kommen ausgedehnte Geleisanlagen zur AuS- führung. Natürlich erfordern derartig umfangreiche Anlagen be- deutende Mittel, so daß es kein Wunder nehmen kann, wenn bisher für die Ausführung der Bauten 15 Millionen Mark bewilligt worden sind.— Hitmoristischcs. — Bauern in München. Bäuerin: I mirk nix davoo, daß d' Stadt so a Sündenpfuhl is, wia da hochwürdi Herr alla- weil sogt." Bauer:„Dös woaß der beffa wia Du, der Hot do herin g'studiert" — AuS der biblischen Geschichte. Lehrer:„Welche Antwort gab Abraham seinem Sohne, als er ihn fragte, Ivo das Schaf zum Ganzopfer sei?" Schüler:„Das Schaf bist Du, mein Sohn l"— — D i e Heiratslustige:„Ich verstehe Sie einfach nicht, Herr Flirt! Auf den Bällen habe ich Sie Schultern und Rücken bewundern lasse». In den Bergen sahen Sie die unteren Partien und im Seebad den Rest Ja, was wollen Sic denn noch mehr?"— s. Jugend.") Buchereinlauf. — Karl Leopold Meyer:„Im Waffenrock". Lyrik. Berlin. Gose u. Tetzlaff.— — Paul Alberti:„Bath-Gabas Sünde". Drama. Zürich. Caesar Schmidt.— —„Moral von heut'". Zwei lose Blätter von„Einem Ungenannten". Dramen. Zürich. Caesar Schmidt. Preis 1 M.— — Ewald Gerhard Seeliger:„Der Stürmer". Roman. Berlin. Egon Fleische! u. Co. Pr. 3,50 M.— — Dietrich Theden:.Menschenhasser". Roman. Dresden u. Leipzig. Pr. 2 M.— — G. v. Schlippe nbach:„Subotins Erbe". Roman. Dresden u. Leipzig. Mocwig u. Hoeffner. Pr. 2 M.— — Hans O st w a l d:„ Z tv e i Gesellen". Roman. Berlin. Egon Fleische! u. Co. Pr. 3,50 M.— Vorwärts Buchdruckerei u.VerlagSanstaltPaul Singer LrCo., Berlin LW«