AnterhaltungsMatt des Hsrwärls Nr. 196. Mittwoch, den 5. Oktober.. 1904 (Nachdruck verboten.) «i Die flucht. Von K. Bagrynowski. Das Innere der Jurte, das von dem Glänze des lodernden Feuers erhellt wurde, machte, den Eindruck eines aben- teuerlichen. Phantastischen Schlachthauses. Die Verbannten waren, blitzende Messer in der Hand, um einen großen blutigen Fleischhaufen beschäftigt, der auf dem Tische lag, während andere hart gefrorene Fleischstücke an den Wänden standen und in der Wärme tauten, bis sie an die Reihe kamen. Sie riefen ihm ein Willkommen zu und schwiegen dann. Er legte den Pelz ab und trat auf sie zu, indem er den Blick seiner Frau aufzufangen suchte. „Suchen Sie Ihr Messer? Da ist es!" sagte Samuel, indem er ihm eine blitzende schmale Klinge entgegenstreckte. „Ich hab's genommen, denn es ist das beste von allen, aber wenn Sie wollen, will ich's gleich schleifen lassen. Krassuski, zieh es doch über den Wetzstahl," wandte er sich an den jungen Mann, der im Schatten des Ofens stand und die Konserven- büchsen gleich an Ort und Stelle verlötete, damit sie nicht durch die Stadt getragen zu werden brauchten und die Neu- gierde der Dschurdschujaner nicht unnütz weckten. Arkanoff nahm das Messer nicht. „Meine Herren", sagte er,„heut haben wir den 19. Fe- bruar, den Tag, an dem die Leibeigenschaft in Rußland auf- gehoben wurde." „Richtig!" riefen sie,„heut ist der 19. und wir haben das ganz vergessen." „Ja, wir haben's vergessen, denn wir sind seit einiger Zeit zu sehr mit uns selbst beschäftigt. Ich habe etwas Mund- Vorrat mitgebracht, der noch aus besseren Zeiten herstammt, und schlage vor, wir machen uns heute einen Feiertag." Eugenie sah ihren Mann dankbar und verwundert an. „Natürlich. Das versteht sich. Gleich sind wir fertig; schnell, Jungens!" riefen alle fröhlich. Arkanoff nahm das Messer, das Krassuski geschliffen hatte und krempelte die Aermel auf. Das Messer war haarscharf, die Arbeit ging allen flink von der Hand und fröhliche Ge- spräche flogen von Mund zu Mund. „Schade, daß Alexandroff und Jan nicht dabei sind." „Wahrhaftig, wenn sie fehlen, wird das Fest nicht recht freudig werden!" „Aber wißt Ihr, wir könnten Mußja holen. Hör' mal, Glückchen, geh' und befreie ihn— um des heutigen Tages willen." „Er schläft wohl schon!" sträubte sich Gliksberg. „Dann mußt Du ihn wecken! Denn an diesem Tage gebührt auch llbn Bonapartisten eine Mitleidsträne." „Unterwegs aber könntest Du bei Tscherewin antreten." Aber Tscherewin kam von selbst. „Doktor! Doktor! Sie haben sich ja eine Ewigkeit nicht sehen lassen I Wie schön, daß Sie da sind I Heut haben wir ja den 19. Februar I" riefen sie, ihm die Hand drückend. „Ich weiß; deshalb bin ich gekommen. Vielleicht berauscht Ihr Euch wenigstens heute nicht an Eurer Flucht und laßt vernünftig nüt Euch reden." Er sah die Jurte, die blutigen Hände der Genossen, die ungeheuren roten Fleischstücke mit düsteren Blicken an. „Ein Extrabote aus der Gouvernementsstadt ist da I" fügte er Plötzlich hinzu.„Er hat wichtige Papiere mit- gebracht. Der Jsprawnik hat den Adjunkten kommen lassen und nun sitzen sie im Polizeiamt." In der Jurte wurde es mäuschenstill. „Ich will hin," sagte Samuel nach einer Weile,„die Briefe und Zeitungen holen, vielleicht erfahre ich etwas." Weder Briefe noch Zeitungen waren gekommen, denn die letzte Post, der der Bote vorangegeilt war, hatte alles mit- genommen. Samuel brachte nur die Nachricht, Mister Morley kehre mit einigen Seeleuten ans Meer zurück und würde in einigen Tagen in Dschurdschnj eintreffen. Mußjas Anwesen- heit schloß jede Erwähnung der Flucht aus, und zum großen Vergnügen Tscherewins verging der Abend wie ehemals unter Liedern, Späßen und philosophischen Diskussionen. „Opportunismus!" ruft Ihr verachtungsvoll,„Opportu- nist!" Aber was findet Ihr schlimmes am Opportunismus? Ist der Stillstand Eurer Meinung nach besser, als der Opportunismus?" rief Tscherewin spät in der Nacht.„Der Opportunismus ist nichts anderes als die Form, in der das Gesetz der Anpassung, das uns in der Biologie so sehr ent- zückt, auch in der Soziologie zutage tritt." „Na ja! Aber die Anpassung hat auch ihre Grenzen. Es ist zum Beispiel unmöglich, daß ein Adler, selbst wenn er auf den Opportunismus schwüre, zum Ferkel wird!" meinte Samuel. „Richtig!" erwiderte Tscherewin.„Aber was wollen Sie damit sagen?" „Lassen Sie das sein, Doktor! Erzählen Sie uns lieber noch etwas mis der Biologie," rief Eugenie. „Eigentlich kennt das Leben gar keinen anderen Weg, Gestalten und Ereignisse zu verknüpfen, als den Opportunis- mus. Es ist das eine alte Taktik, die darauf beruht, seinen Platz Schritt für Schritt zu erobern." „Oder... Schritt für Schritt zurückzuweichen!" „Ja! Ihr behauptet aber, es sei besser, alles auf einmal hinzugeben. Nein, und tausendmal nein! Wenn wir auch nur ein winziges Bruchstück festhalten, können wir immer noch hoffen, über kurz oder lang alles zurückzuerobern. Irgend eine Arbeit läßt sich immer finden; ich seh' nicht ein, warum man die Hände nur deshalb in den Schoß legen soll, weil nicht alles getan werden kann." „Aber wenn sich nichts tun läßt?" „Das hängt einzig und allein von uns selbst ab. Sind Wjr gezwungen, müßig zu sein, dann sind wir nicht gewandt genug, die jeweiligen Verhältnisse zu beherrschen. Den Lehren der Biologie gemäß sind solche Individuen dein Untergange geweiht. Und in der Soziologie wiederholt sich dasselbe." „Ach, das haben wir schon oft Hörm müssen. Hören Sie auf, Doktor. Sie sind ein unverbesserlicher Optimist. Darin übertreffen Sie uns alle— aber Sie sind's auf anderem Ge- biete. Erzählen Sie uns lieber etwas von Ihrer Praxis unter den Bauern." „Die Canaillen! Sie haben mich verraten. Sie haben's dem Stanowoj*) hinterbracht, daß ich ihnen außer Arzeneien auch Bücher gab. Sie sind schuld daran, daß ich hier sitze und Euretwegen Kummer und Sorgen habe. Mußja, ist meine Pfeife fertig?" „Nein, denn ich weiß nicht, was ich darauf schreiben soll." „Schreib: Herr, nimm meine Seele in Frieden auf!" „Nein, die Sentenz paßt mir nicht. Bin ich etwa ein Küster?" „Die Inschrift, die Dir paßt, Mußja, wird Wohl lauten: Ich bin Gliksberg, Dein Herr, der ich Dich aus Äegypteu- land, aus dem Diensthause geführt habe!" sagte Samuel. Mußja sah ihn argwöhnisch mit weitgeöffneten Augen an; die Verbannten zuckten erschrocken zusammen. „Wer weiß, was noch passieren kann; es ist möglich, daß er mich noch mal zum Befreier haben wird!" lachte Mußja geheimnisvoll. Es stürmet und sauset Und leise rauscht der Regen, begann Tscherewin zu singen. Ach, wer wird mir armen Dirnlein Wohl's Geleite geben, fielen die Verbannten im Chore ein. „Ach, Schnaps! Was gäbe ich nicht für einen Schluck!" Erlaubt mir, ein Fläschchen auf meine Rechnung holen zu lassen," rief Tscherewin. Spät in der Nacht, fast schon gegen Morgen, machten sich Arkanoffs auf den Heimweg. Dichte Finsternis hüllte das Städtchen ein; von den dahergewallten Wolken verschleiert, waren die Sterne am Himmel verschwunden, der Frost hatte nachgelassen und der Schnee fiel in feinen Flocken herab. „Siehst Du, Liebste, die Flucht ist solch'ne Sache-. flüsterte Arkanoff, seine Frau stützend. „Ach, hör' auf! Es ist so dunkel, daß uns jemand Mh> •). Kommissar der Landpolizei. Vemerkt belauschen könnte. Wart' damit, vis wir zu Hause find," antwortete sie leise. „Siehst Du, Genia, mir liegt nichts daran, ob ich in Amerika bin oder hier, wenn ich nicht in der Heimat sein kann," begann Arkanoff zu Hause, indem er sich aufs Bett setzte und seine schwarze Löwenmähne zurückstrich.„In Amerika ist uns jeder Wirkungskreis ebenso verschlossen wie hier! Ich bin sogar lieber hier, denn ich fühle wenigstens, daß ich im Grabe bin, daß es mir unmöglich ist, etwas zu tun. Dort werde ich mich ewig peinigen und mir meine Untätigkeit vorwerfen, und dem Verhängnis doch machtlos gegenüber- stehen. Wir werden in ein uns völlig fremdes Milieu ge- raten. Es ist unmöglich, in ganz unbekannten Verhältnissen irgend eine Tätigkeit zu entfalten, in einem Lande, dessen Sprache wir nicht kennen, dessen Gebräuche uns fremd sind. Uebrigens hat mich das Schicksal zum Russen bestimmt, und das legt mir die Pflicht auf, vor allem für das Wohl der russischen Bauern zu wirken, denen ich Hab und Gut und mein ganzes Geistesleben verdanke." „Wir könnten mit der Zeit insgeheim nach Rußland zurückkehren," unterbrach Eugenie ihren Mann. „Zu solcher Arbeit tauge ich ganz und gar nicht. Liebste. Ich Hab nicht das geringste konspiratorische Talent. Außer- dem habe ich während meiner langen Gefangenschaft und in- folge der Verbannung jede Fühlung mit den revolutionären Parteien verloren: die letzten Fäden, die mich mit jenen Menschen verbanden, sind zerrissen.... Unsere Mittel sind erschöpft. Ich fühle die Kraft nicht mehr, alles wieder von vorn anzufangen. Und Du mußt doch auch wissen, daß in Rußland Menschen unseren Schlages nur dann lange ver- borgen bleiben tonnen, wenn sie den Behörden unbekannt sind; uns aber haben sie ja haarklein beschrieben, wie giftige Schlangen, und unzähligemal in den verschiedenen Gefäng- nissen photographiert: wir werden auf der Stelle eingefangen. Dann sind wir selbst verloren und ziehen andere mit ins Unglück. Amerika hat also insofern einigen Wert für mich, als nian dort ruhiger und bequemer leben kann. Aber im Grunde genommen ist weder das eine noch das andere von Bedeutung. Ich fliehe, weil Tu es willst." „Ach ja, ich will! ich will! ich muß!" Sie kniete vor ihm nieder, stützte die Arme auf seine Kniee und sah ihm wieder in die Augen, wie sie es einst getan. „Dein Wunsch soll erfüllt werden. Ich sage Dir das nur, damit Du weißt, warum ich mich zuweilen gegen die Flucht sträube und mir der Gedanke daran einen großen Widerwillen einflößt. Du sollst nicht denken, es seien nur sinnlose Hirn- gespinste oder boshafte Ausfälle. Es tut mir leid um Dich, um alle. Den Tod fürchte ich nicht. Aber wenn ich daran denke, daß Du irgendwo aus dem Grunde des Meeres im Schlamme liegen könntest, daß langes Seegras Deinen Körper umwinden. Deine Hände unischlingen, Blutegel in Deinen geliebten Augen herumkriechen und Krebse und Krabben sich an Deiner Brust festklammern, Fische in Deinen Mund beißen und Deine teliren Augen zernagen könnten..." „Hör auf! Ich kann es nicht ertragen." „Ich auch nicht." „Und wenn wir wirklich nicht mitgehen, dann gehen sie allein. Und sie werden ertrinken, während wir einsam hier zurückbleiben. Ach nein, nur das nicht, dann will ich schon lieber, wir sterben alle zusammen! Glaube mir, Arth, auch hier wird die Furcht wie Blutegel über uns dahinkriechen. die Selbstsucht wird sich wie Krebse und Krabben an unseren Körper klammern und die Gewohnheiten werden uns wie langes Seegras umstricken. Der Becher der ewigen Kon- zessionen und Erniedrigungen, den wir bis auf die Neige werden leeren müssen, wird bitterer schmecken als das bitterste Seewasser. Und dann kommt endlich ein Tag, an dem auch unsere Selbstachtung dahin ist... und das ist schlimmer als der Tod." „Daher sage ich auch nichts mehr, daher willige ich ein, aber ich wiederhole Dir, Du mußt meine Bitterkeit und die Verzweiflung begreifen, deren ich nicht immer Herr werden kann. An das Gelingen der Flucht glaube ich nicht und habe auch keine Lust dazu, denn ich wiederhole Dirs, es ist mir einerlei, wo ich leben soll, wenn's nicht in der Heimat sein kann." Eugenie senkte den Kopf. .„Es ist geschehen. Wir haben zugesagt. Wir werden doch nicht zurücktreten, Artemij? Arty, ich habe Dich lieb! Ja, ich will Dich lieb haben!" (Fortsetzung folgt.)) (Nachdruck verdotm.) Oer Staub als I?rankbeitserreger. Merorten Wer dem Erdboden sind Verunreinigungen körper- licher Natur in der Luft verbreitet, nur Wer der Meeresfläche in einer Entfernung von mindestens 1000 Kilometern vom Ufer ist die Lust, abgesehen von staubförmig feinen Wasserteilchen, die durch Windstöße in die Atmosphäre getragen werden, frei von fremdartigen Bestandteilen. Selbst in unbewohnten Gegenden ist die Atmosphäre nicht völlig rein, aber je dichter bewohnt eine Gegend ist, je fleißiger und ausgiebiger sich Industrie und Gewerbe regen, um so größere Mengen staubförmiger Verunreinigungen enthält die Luft, und um so mehr von einander unterschieden sind die einzelnen Bestandteile inbezug auf ihre Herkunft und ihre Natur. Die Hauptmasse des Luftstaubes, ungefähr% davon, stammt vom Erdboden; sie ist das Produkt der langsamen Verwitterung der oberen Gesteinsschichten und ihrer Austrocknung bei höherer Temperatur und trockener Atmosphäre. Sobald stärkere Winde wehen, werden diese Massen vom Boden aufgenommen und weit- hin in andere Gegenden getragen; die größten StaWmassen finden sich darum in der Luft tropischer Gegenden, in der Sahara, in Aegypten, im Pentschab. Außer den Abkömmlingen des Erd- bodens, die nicht nur den größten, sondern auch den gewichtigsten Teil des Luftstaubcs darstellen, finden sich noch in der Atmosphäre Ruß- und Kohlenpartikelchen als Produkte der Heizung und in- dustrieller Anlagen, ferner feinste, außerordentlich leichte Teilchen, die selbst in unbewegter Luft sich schwebend erhakten und bei ge- ringfiigiger Bewegung weithin getragen werden, die sogenannten Sonnenstäubchen. Sie bestehen aus feinsten Woll- und Baum- wollfasern und aus pflanzlichen Mikroorganismen, namentlich aus den Dauerformen der- Schimmelpilze. Keime pflanzlicher Orga- nismen bilden wegen ihrer Bedeutung für das Leben der höheren Tiere einen wichtigen Bestandteil des Luftstaubes; in einem Kubikmeter Luft finden sich bis zu 1000 lebensfähiger Keime, allerdings gehören die meisten den Schimmelpilzen an, nur 100 bis 200 sind Organismen anderer Art, Bakterien. Unter den letzteren Werwiegen an Zahl weitaus die Gärung und Fäulnis hervorrufenden Organismen, Krankheitserreger versaMiicken ihnen gegeuWer an Menge. Die hygienische Bedeutung des Luftstaubes ist natürlich eine ganz verschiedene je nach seiner Herkunft und Eigenart. Die Hauptmenge des Staubs, die grob mineralischen Äbbröckelungs- Produkte der Erdoberfläche, können keinen besonderen Schaden an, richten, wenn sie nicht in abnorm großer Menge die Atmosphäre erfüllen. Sie werden wohl mit der Luft eingeatmet, und die Lungen jedes Menschen lassen Spuren davon erkennen, in der Regel ist aber höchstens eige vorübergehende Reizung der oberen Lustwege, der Nase, des Rachens oder der Luftröhre die Folge solcher Ein- atmung; die meisten fremdartigen Partikel werden schon an den Eingängen oder im Verlauf der luftzuführenden Kanäle zurück- gehalten, und diejenigen Staubpartikel, die trotzdem in das Innere der Lunge gelangen, werden bald aus dem Bereiche der atmenden Flächen entfernt, von den Saftbahnen arifgenommen und in diesen bis zu den nächsten Lymphdrüsen transportiert, ivo sie für die ganze Lebenszeit liegen bleiben können. Die dunkle, schiefcrgvaue Färbung der'Lunge des Erwachsenen, die mit Kohlenpartikelchen angefüllten Lymphdrüsen in der Umgebung der Luftröhren sind Erscheinungen, die man fast normal nennen könnte, und die sich beinahe regel» mäßig als Zeichen der staubförmig verunreinigten Atmosphäre, in der der Betreffende gelebt hat, wiederfinden. Nur dann, wenn unge- wöhnlich große Staubmassen eingeatmet werden, namentlich also bei gewissen Gewerben, bei Steinhauern. Metall- und Kohlen- arbeitern, in Webereien, Spinnereien und ähnlichen industriellen Werken können schwere Folgen eintreten. Es kann durch den Reiz der eingeatmeten Fremdkörper allmählich zu einer schleichenden Ent- zündung der Lunge kommen, die ihren Ausgang in narbige Schrumpfung mit teilweiser Zerstörung oder Einschränkung der atmenden Lungenflächen nimmt. Es kann aber auch auf dem weniger widerstandsfähigen Boden, den die dauernd« Existenz in einer staub- reichen Atmosphäre geschaffen hat, echte Tuberkulose der Lungen sich entwickeln: namentlich Arbeiter, die mit mineralischem und metallischem Staub in vielfache Berührung kommen, sind, wie die statistischen Untersuchungen lehren, gefährdet. Es kann hier nicht ausführlicher auf die Art und Weise ein» gegangen werden, wie man die Arbeiter vor solchen Gefahren zu schützen hat. Oberstes Prinzip muß sein, alle Arbeiten, die sich unter Anfeuchtung, dem wirksamsten Schutz gegen Staubauf- wirbelung, ausführen lassen, in dieser Weise auszuführen, für anders Mahnahmen, soweit es möglich ist, geschlossene Apparats zu ge» brauchen und im übrigen durch besonders ausgiebige Ventilation und durch Schutzvorrichtungen das Einatmen größerer Staubmassen nach Kräften zu verhüten. Die lebenden, pflanzlichen Organismen» die einen großen Teil des Luftstaubes bilden, haben in hygienischer Beziehung eine ganz verschiedene Bedeutung, je nachdem es sich um einfache SchimmelpAzkeime, um Gärungs- und Fäulniserreger oder um Krankheitserreger handelt. Die letzteren, die natürlich an sich die bedeutungsvollsten sind, bilden nur eine sehr bescheidene Minder- zahl; mn verbreitesten sind die Schimmelpilzsporen, die von be» sonderer Leichtigkeit sind. Der geringste Windstoß genügt, um sie von dem Mutterboden abzuheben und in die Atmosphäre zu tragen; auck> vom leuchten Erdboden aus aelanoen sie in die Luftströmung» weil die sporentragenden Teilc der Pilze über den Erdboden weg in die Lust ragen. Ganz anders liegen die Verhältnisse bei den Spaltpilzen oder Bakterien. Die große Mehrzahl der Bakterien gelangt direkt oder auf den verschiedensten- Umwegen auf den Erdboden, wo viele von ihnen lange Zeit lebens- und fortpflanzungsfähig bleiben; andere Keime haften em Kleidungsstücken, an Gebrauchsgegenständen, am Fell der verschiedenen Haustiere usw. All diese verschiedenen Keime kommen, wie die Beobachtung lehrt, nur verhältnismäßig selten isoliert in die Lust, sie haften gewöhnlich an den größeren Staub- Partikeln, an den mineralischen Massen oder an den Fasern der Kleidungsstücke, der Wäsche usw.. und sie gehören darum nicht zu den leichtesten Elementen des Luftstaubes, sondern gerade zu den schwereren, die sich, sowie die Luftbewegung zur Ruhe gekommen ist, sehr bald niederschlagen. Da also die Mehrzahl der Bakterien nur mit Partikeln ihre Unterlage in die Atmosphäre erlangt, ist es natürlich, daß die am Boden lüftenden Keime, die die große Mehrzahl bilden, nur dann in die Luftströmungen getragen werden können, wenn sie selbst und der Erdboden bis zu einem gewissen Grade trocken sind. Wenn nach länger anhaltender, trockener Hitze die Luft wieder bewegt wird, ist die günstigste Gelegenheit geboten zur Verbreitung der Bakterien. Die damit verbundene Gefahr ist aber nicht so groß, wie es auf den ersten Eindruck wohl scheinen möchte. Die Mehrzahl jener Produkte sind nur Gärungs- und Fäulniserreger, sie werden durch die Wind-strömungen überall hingetragen und können so überall die zum Aufbau der Pflanzenwelt und dadurch mittelbar zur Erhaltung des tierischen Lebens notwendigen Gärungen und Zersetzungen organischer Substanzen anregen. Jener ewige Kreislauf des Stoffes vom Tier zur Pflanze und von der Pflanze zum Tier ist nur mög- lich durch die Tätigkeit jener Fäulniserreger, die also eine hoch- wichtige Aufgabe zu erfüllen haben. Die krankheitserregenden Keime sind an Zahl so gering und werden überdies noch im Freien durch die Windströmungen so weit nach allen Richtungen hin verbreitet, daß es sicher zu den seltenen Ausnahmen gehört, wenn auf diesem Wege eine Ansteckung erfolgt. Nimmt mmi in dem Kubikmeter Luft 10t) Bakterien an, so würde, wie man ausgerechnet hat, der Mensch bei einer Lebenszeit von 70 Jahren ca. 25 Millionen Bakterien einatmen; genau dieselbe Menge kann er aber schon in einem Viertel- liter ungekochter Milch zu sich nehmen. Es geht aus dieser Be- trachtung hervor, daß für die Entstehung von infektiösen Er- krankungen die Luft als Transportmittel der Krankheitserreger, im Freien wenigstens, nicht in nennenswerter Weise in Betracht kommt. Außerdem erleiden die meisten krankheitserregenden Bakterien im ausgetrockneten Zustande eine bedeutende Abschwächung, sie gehen teils zugrunde, teils büßen sie ihre krairkheitserregende Kraft und ihre Fortpflanzungsfähigkeit ein. Nur die sogenannten Dauer- formen, die Sporen, und einzelne Krankheitserreger, z. B. Typhusbazillen halten sich längere Zeit lebensfähig; jedenfalls spielt die Ansteckung durch Nahrungsmittel und durch unvorsichtigen Verkehr mit Kranken eine viel wichtigere Rolle als die Luftinfektion. In geschlossenen Räumen, also in Zimmern, aber auch in engen Gayen und Höfen mit träger Luftzirkrrlation liegen aber die Ver- Hältnisse doch ivesentlich anders; hier können sich durch den Aufenthalt von Kranken oder durch den Transport Krankheitserreger in größerer Menge ansammeln, und die Luftmasse wie die Luftströmung genügen unter diesen Verhältnissen nicht, um eine solche Verdünnung hervor- zurufen, daß jene schädlichkeilen nicht zur Wirkung kommen können. Für gewöhnlich schweben nun, wie wir schon oben erörtert haben, die Krautheitserreger nicht in der Luft, sie gehören ja zu den schwersten Elementen des Luftstaubes und lagern ruhig am Boden, an den Möbeln und Gebrauchsgegenständen; wenn aber durch irgend welche Einflüsse Staub aufgewirbelt wird, dann kommen die Krankheitserreger vorübergehend in der Luft der Zimmer, der Höfe und Gassen und können dann in solcher Menge eingeatmet werden, daß sie Krankheiten hervorrufen. Es geht also aus unseren Betrachtungen hervor, daß im Freien, in bewegter Luft, der Staub weder durch seine mechanischen Eigenschaften noch als Träger krankheitserregender Bakterien von besonderer Bedeutung ist; gefährlich kann er nach �"iden Richtungen hin in geschlossenen Räumen werden, di-cch>«:ne physikalischen Eigenschaften in Fabriken und Werkstc'tn als Träger von Krankheitserregern außerdem noch in Wohnrä�n-ci und engen Gassen. Der wirksamste Schutz vor diesen Gefahren liegt in der Ver- meidung von Stauberregung, wie wir es für die gewerblichen Betriebe oben geschildert haben, und in der gefahrlosen Beseitigung des Staubes in den Wohnungen. Wir haben gesehen, daß das Auf- wirbeln des Staubes die meisten Gefahren in sich birgt, darum muß die Reinigung der Zimmer immer auf nassem Wege geschehen, wenn sie loirksam sein und nicht direkt Schaden anrichteil soll. Wenn man außerdem noch in allen bewohnten Räumen für stete Reinhaltung der Luft, für häufige Lufterneuerung sorgt, wenn man dort, wo ansteckende Kranke verpflegt wurden, die Mikroorganismen durch Desinfizicntien abzutöten sucht, dann hat man sich, soweit es in menschlichen Kräften steht, vor den Erregern ansteckender Krankheiten geschützt. Die Hauptsache bleibt also auch hier wieder, wie für die Gesundheitspflege überhaupt, die Reinlichkeit, die Vermeidung von Staub und seine schleunige Entfernung. Damit führen die Ergebnisse der mühevollen, wissenschaftlichen Untersuchung in ge- läutertcr Erkenntnis wieder auk iencn Standpunkt zurück, den ein- sichtige Beobachter von jeher, längst ehe man an Bakterien dachte, eingenommen hatten.-— Dr. F. Bernhart, kleines feiiiUeton. — Der Staat soll eingreifen. Aus Wien berichtet daS dortige »Extrablatt"; Der staatsanwaltliche Funktionär eines Wiener Be-- zirksgerichtes fitzt in seiner Stube und erhebt schriftliche Angaben wegen allerlei Ueberttetungen. Da wird plötzlich die Tür auf» gerissen und ein elegant gekleideter Herr stürmt in das kleine Amts» zimmer. Der Herr(aufgeregt):„Habe ich die Ehre, den Herrn Staatsanwalt?" Funktionär(ohne aufzublicken):„Jawohl. Bitte, in welcher Sache erscheinen Sie?" Der Herr(dramatisch):„O. in einer schrecklichen Sache." Der Staatsanwalt(ist gespannt. Mit einer Hand- bewegung lädt er den Besucher ein. Platz zu nehmen, der jedoch aus der Brusttasche ein Kuvert zieht, das- er dem Funktionär ent- gegenhält):„Da lesen Siel" Der Funktionär(nimmt den Brief, der die Aufschrist einer bekannten Wiener Modefirma trägt, dann zieht er eine— Rechnung heraus und liest):„Einen Damenunterrock 40 Kronen, ein Neglige 200 Kronen, zusammen 240 Kronen. Ja..." Der Herr(immer heftiger):„Ja, erraten Sie nicht?! Ich bin seit acht Tagen verheiratet. Großartig verheiratet. Da kommt mir vor vier Tagen dieser Brief ins Haus. Meine Frau, der ich ein Neglige abgeschlagen habe, schwört nun, daß ich eine Geliebte besitze I O I Denken Sie, eine Geliebte nach acht Tagen!" Der Funktionär:„Ja... ich verstehe nicht.. was kann ich mit der Sache zu tun haben." Der Herr:„Ja,. gewiß. Da muß eben der Staat ein- greifen I" Funktionär:„Geschätzter, der Staat ist nicht dazu da, Ihre Familien-Angelegenheiten zu ordnen." Der Herr(verlegt sich aufs Bitten):„Herr Staatsanwalt, ich bin ein Kind des Todes. Mein Haus ist eine Hölle geworden. Meine Frau will ins Wasser gehen, ich muß mich erschießen.- Das können Sie unmöglich zugeben. Und dann, Sie sind ja auch ein Mensch! Als Mensch bitte ich Sie, flehe ich Sie an. Raten Sie, helfen Sie mir I" Der Funktionär(verlegen):„Ha... Hm... Nun, das ist ja ganz einfach. Gehen Sie doch einfach zu der Firma hin. Klären Sie sie auf, daß ein'verhängnisvoller Irrtum passiert ist, und ersuchen Sie die Firma, dies Ihrer Frau aufzuklären. Da ist die Geschichte doch ganz einfach gelöst." Der Herr(tonlos):„Ja, das wär' ja recht schön, aber daS Schrecklichste an der Sache ist, Herr Staatsanwalt, daß— s i e wahr i st I" Der Staatsanwalt hat keinen Rat erteilt.— Kunst. o. Bon Aug» st e Rodin, dem stanzösischen Bildhauer, er» zählt Georg Treu in dem neuesten Heft von„jstmst und Künstler" allerlei interessante Dinge. Der greise Bildner so vieler Werke, die eine ungeheure Krast und leidenschaftliche Größe atmen, ist noch immer unerschöpflich im Ersinnen und Formen neuer Schönheit. Unaufhörlich schafft er an seinem größten und vielgestaltigsten Werke, an dem„Höllentor", das der Unterstaatssekretär für die schönen Künste, Tnrquet ftir die Union lüenirolo des Arts bestellt hat. Eine ein» fache breite Pforte bildet das Gerüst fiir eine unendliche Menge von Gestalten, die die Pfosten und Gebälke umfluten, im gräßlichen Reigen die Qualen der Hölle darstellen. Wie hat Dantes unsterbliches Werk, dessen eherne Terzinen Visionen einer übermenschlichen Anschauungskrast sonnen, durch die Jahrhunderte alle die großen Schöpfer der bildenden Kunst ergriffen und zum Neugestalten gezwungen! Seit Signorelli und Michelangelo sind neue Welten gewaltiger, sich windender und bäumender Leiber aus den Gesängen der Hölle erstanden. Doch wie blutlos und blaß sind die Zeichnungen der deutschen Nazarener gegenüber diesem grausigen Zug, der aus Rodins Tor hervorfliegt und taumelt, müh» tarn sich aufreckt und krampfig sich hebt, von der gleichen zähneknirschenden, beißenden Wut erftillt, wie die Ver» dämmten auf der„Dantebarke" von Delacroix. JnS Un- geheuerliche, Grandiose und Ueberwältigende sucht Rodin diese seine Visionen zu gestalten. Er beabsichtigt jetzt, die Tür, die ursprünglich etwa 3,60 Meter hoch werden sollte, auf 15 Meter zu vergrößern. Dann würde der ganze Ausbau die Höbe eines vier- stöckigen Hauses erreichen und die Möglichkeit einer Aufftellung, die nach der Beendigung im Pavillon Marfan des Louvre geplant ist. äußerst schwierig werden. Doch solche äußeren Hemmnisse können den Künstler in seinem Schaffenswunsch nicht auf- halten. Diese in wütender Liebe und mordendem Haß zusammengeballten Körper, diese verschlungenen Knäuel schreiender, stürzender, kämpfender Menschen, aus denen sich eine Geberde tiefsten Wehs, eine Linie grenzenloser Erschlaffung, gespanntester Erregung erhebt, sie können nur in Riesengröße geschaffen tvcrden Rodin ist der Gestalter der unbewußten feinsten Seelenregung im harten Gestein, seine Plastiken haben die vibrierende, im Lichte zitternde Lebendigkeit impressionistischer Bilder, und diese höchste Ungezwungenheit, diese Freiheit im Beobachten des Körpers verdankt der Künstler seiner Unabhängigkeit dem Modell gegenüber. Treu erzählt, wie er die Modelle sich frei und ungezwungen bewegen läßt, und dann plötzlich mit ein paar schnellen Strichen eine Stellung aufs Papier wirft, die ihm aufleuchtete unter tausend anderen; so hält er das Leben selbst fest, die momentane Bewegung, die feinste Nuance, in der eine bestimmte Linie am reinsten, am schönsten zum Ausdruck kommt. Eine Menge solcher Skizzen, deren einzelne Striche belebt sind durch einen gelbrötlichen Fleischton, durch braunschwarze Haarfarbe, konnte man in der Ausstellung der Berliner Sezession 1903/04, dann auch in der diesjährigen Dresdener Ausstellung sehen. Die unermüdliche Hand Rodins formt ebenso kleine plastische Ge- bilde, die gewisse Situationen hastig auffangen und zu Tausenden, in Gips gegossen, große Schränke füllen. Nodin ist vor allem, wie alle großen Künstler, ein Anbeter deck Nackten. Das Faltenwesen, erklärte er, sei ihm durch die vielen„Draperien" verleidet worden, die er in seiner Jugend für Carrier-Belleuse habe bilden müssen. Selbst in den verwelkenden Formen des Alters leuchtet dem Künstler eine ehrwürdige Schönheit entgegen. Rodins ganz» Art des Schauens ist in jenem tieftten Sinne antik, daß sie ewige Beziehungen des Menschen zu der Natur aufsucht. Zwei weibliche Gestalten, die sich umschlingen, »Verden ihm zun, Blond, der die Nacht im Scheiden'küßt, oder in zwei Liebenden sieht er Sonne und Erde, die einander sich zuneigen. Seine Vorliebe für die Antike bezeigen auch die antiken Marmortorsen, die unter den Bäumen seines Gartens stehen. Wenn er solch' ein Meisterwerk erwerben kann, ist ihm nichts zu teuer. Einem englischen Kunstfreunde bot er für einen griechischen Frauenkopf aus Chios, wenn er ihn bei Lebzeiten behalten dürfe, eine beliebige Anzahl seiner eigenen Werke. Einen unerlöschlichen Eindruck haben auf ihn die olympischen Giebelgruppen nach der Rekonstruktion Treus im Dresdener Albertinum geinacht. Und dost der Geist dieses unruhigen, an keiner Stätte rastenden Mannes a..s seiner Welt der Leidenschaft und Erhabenheit auch nach Weltentsagung und Stille sich sehnt, beweist eine Buddhastatue, die auf seiner Be- sitzung zu Meudon von einem Gartenhügel weit über die Laude sieht.— Völkerkunde. — Die Rechtsanschauungen der B a k w i r i(Kameruns über das Grundeigentum stellt der Missionar Lutz in Bus« in einem Gutachten dar, das im„Kolonialblatt" abgedruckt worden ist, und dem der„Globus" das Folgende entnimmt: Das Stammes- gebiet zerfällt in Eigentum der Dorfgemeinschaft und in Privat- cigentum. Letzteres beschränkt sich nicht nur auf innerhalb des Dorf- zaunes gelegenes Land oder auf angebautes Gebiet, sondern dehnt sich auch auf unbebaute Waldgcbiete aus. Auf dem Allgemeinbesitz des Dorfes darf jeder, ohne jemand zu frage», seine Hütte bauen und seine Farm anlegen, und der Ertrag der auf dem Dorfland stehenden Nutzbäuine steht allen zu. Hinsichtlich eines besonderen Vcrwaltungs- und VerfügnngSrechts über den Dorfbesitz kommt die Person des Häuptlings— jedoch nur im Verein mit den Dorfältesten— nur in solchen Fällen in Betracht, wo etwa ein Dorf dem anderen einen Teil seines Besitzes streitig macht, oder auch vielleicht das Wasser- oder Fisch- recht. In den Prozessen, die daraus entstehen, wird das Dorf durch den Häuptling und die Aeltesten vertreten. Der größte Teil des von den einzelnen Dorfbewohnern als Privateigentum bezeichneten Landes kann als von den Vätern überkommenes Erbe betrachtet »verde,,; daher kommt es, daß nicht nur bebautes, sondern auch längst wieder verwildertes und nun mit Busch bestandenes Farm,- land Privateigentum ist. Selbst wenn der Besitzer das Dorf verläßt und sich anderwärts ansiedelt, bleibt ihm sein Eigentum; ist es »vährend seiner Abwesenheit von einem anderen bebaut worden, so muß es dem Besitzer zurückgegeben»Verden, wenn dieser zurückkehren sollte. Auch die Kinder behalten das stete Anrecht. In einzelnen Dörfern hört allerdings dieses ererbte Wirecht auf,»venu das Land nicht mehr belvirtschastet lvird. Jeder hat das Recht, sich dadurch Privateigentum zu eriverben, indem er ein Stück Dorflaud reinigt und bebaut. Hervorgerufen lvird diese Einrichtung durch die unbedingt nötige Wechselwirtschaft der Neger, nach der nur einige Jahre auf ein und demselben Lande ge- pflanzt lvird. In ganz seltenen Fällen lvird Privateigentum auch durch Kauf erworben; etwas häufiger geschieht es durch Schenkungen. Es koiimir auch vor, daß Privateigentum sür etliche Jahre verpachtet »oird. Bei den Baklviri herrschte bis vor wenigen Jahren die Sitte, daß ein Angehöriger des Stammes, der sein Dorf verließ, um sich in einen, anderen Bakwiridorfe anzusiedeln, dort eine Abgabe zu ent- richten hatte, gleichsam um sich das Bürgerrecht und Anteil an Ge- mcingnt zu erwerben. Die Abgabe bestand gewöhnlich in einem Schweine, einer Ziege oder einem Schafe. Heute sind bei solcher Uebersicdelung keine Abgaben mehr zu entrichten, wie Stattonsleiter Lellschner im Anschluß an das Lutzsche Gutachten erwähnt.— Aus dein Pflanzeuleben. — Die braune Verfärbung der Weinblätter. Die Braunfärbung der Weinblätter hat man bislang auf die ver- fchiedensten Ursachen zurückgeführt. Unter anderem hat man in den veränderten Blättern mehrere verschiedene Schmarotzer entdeckt, die sich aber hinterdrein als Reste der Chlorophyllkörner oder des sonstigen Zellinhaltes erwiesen haben. Auf eine ganz andere Ursache weisen die Versuche hin, die von L. Ravaz neuerdings angestellt worden sind. Nach dem„Prometheus" zeigte es sich dabei zunächst, daß die Verfärbung der Blätter um so stärker eintritt, je mehr Fruchterttag von dem betreffenden Stocke ver- laugt wird; Reben dagegen, denen die Blütenstände voll- ständig genommen waren, zeigten auch nicht eine Spur der Krankheitserscheinung. Des weiteren hat sich herausgestellt, daß auch der Einfluß der Witterung mit in Bettacht kommt. Weinstöcke, die auf einer Seite andauernd beschattet gehalten wurden, bekamen die Ver« färbung der Blätter nur auf der dem direkten Sonnenlichte aus» gesetzten Seite. Aus diesen Beobachtungen dürfte hervorgehen, daß die Bräunung der Blätter nicht auf eine Jnfektton durch schmarotzende Organismen zurückzuführen ist; sie ist vielmehr eine Folge der über- mätzigen Beanspruchung der Produkttonskrast der Pflanzen. Die Mittel zur Vermeidung der Krankheit ergeben sich damit von selbst; sie bestehen in einer Einschränkung der Produktion, in Vergrößerung der Laubmasse und in reichlicher Düngung.— .Humoristisches. — Vor dem Leihhause. Eine Frau(zur anderen)' „Wenn ich nur meinen Mann versetzen könnte, den Versatzzettel tät' ich g'wiß verlieren."— — Mißtrauisch. Bäuerin:„Koane Summaftischler mag i nimmer. Die tean grad spionier'n, wia dick daß d' Milli is, bals von der Kuah kimmt l"—(„Simplicissimus".) Notizen. — Im Deutschen Theater beginnen die Nachmittags- Vorstellungen nächsten Sonntag um 2>/z Uhr. Gegeben wird „Lady Windermeres Fächer" von Oskar Wilde.— — Das Wiener Burg-Theater bringt Fuldas„Maske- rade"„och diesen Herbst heraus.— — Eine deutsche Zenten ar-Ausstellung, die uns die Geschichte des letzten Jahrhunderts deutscher K u n st ent- rollen soll, wird von kunftgelehrten Persönlichkeiten und reichen Leuten geplant. So berichtet wenigstens„Kunst und Künstler".— — Mit den Worps wedern kann man sich jetzt von Berlin aus für 1 Mark telephonisch unterhalten.— Wird das ein Bilderbestellen geben!— — Der Direktor der Wa e n e r Kunstgewerbeschule, Felician Freiherr v. Mirbach befindet sich seit März in Amerika und verlangt einen Nachurlaub nach den, anderen. Das Kultus- Ministerium meint, er komme überhaupt nicht wieder und hat ihm in Professor Oskar Beyer bereits einen Nachfolger gegeben.— — Renntiere auf der kurischen Nehrung. Wie das„Memeler Dampfboot" meldet, ist dem Wildbestande auf der kurischen Nehrung noch eine neue Wildfamilie beigegeben. Der Dampfer„Phönix" brachte ein Pärchen junger Remitiere. Die Tiere wurden von. Königsberger Tiergarten an den Oberförster Mortzfeld in Rossitten auf die Nehrung übersaudt und am Perwelker Leucht- türm ausgesetzt.— t. Um das Wesen des gelben Fiebers genau zu untersuchen, wird sich eine von der Schule sür tropische Medizin in Liverpool ausgerüstete Erpedition nach dem Amazon en st rom begeben.— — � i n neues feuerfestes Material für die chemische ur.'l meto, lurgische Industrie hat Acheson, der Entdecker des Karborund. hei stell/'. Er nennt es Siloxikon. Seine Haupteigenschast ist nach der Köln. Ztg." außerordentliche Feuerbeständigkeit, indem es weder dura, Feuergase„och durch flüssige Metalle,„och durch saure oder basische Schlacken angegriffen wird. Es hat eine graugrünliche Farbe, mäßige Härte und eine Dichte von 2,4S. Es ist chemisch äußerst in- different, nur Flußsäure wirkt sehr langsam darauf ein. Bei einer Temperatur von 1470 Grad zersetzt es sich in der sauerstoffhaltigen Atmosphäre nur an der Oberfläche; bei Temperaturen von über 2800 Grad zerfällt es in Silicium, Karborund und Kohlenoxyd. Achcson fand es zufällig in ungenügend geheizten Karborund-Oefen und stellt es gegenwärtig fabrikmäßig dar aus feinem Sand, Koks und Sägespänen.— — Wunderliche Erfindungen. Unter den in letzter Zeit geschützten Erfindungen befinden sich folgende: Heizbare Schuhe, einen Badeschurz mit Geldtasche, einen Bieruntersatz, der selbsttätig die Zahl der darauf gestellten vollen Seidel anzeigt, einen Stab zum Umrühren von Limonade(nur einmal zu gebrauchen), eine Wanzenfalle ic.— Werantwortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin.— Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.Verlagsanstalt Paul Singer L-Co., Berlin 55 W,