Anterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 207. 52] 321 Die flucht. Donnerstag, den 20. Oktober. ( Nachdruck verboten.) Von K. Bagrynowski. Die Ruder senkten sich, und wieder begann das Boot in regelmäßigen Absätzen zu beben und das Wasser mit leisem Säufeln zu teilen. Sie fuhren schnell weiter, Schaumhügel, Gebüsch und vom Hochwasser getriebene Holzklöße hinter sich Jassend. Bald hatte der rotbraune Abhang die Aussicht auf das Dichurdschnital verdeckt und neue, unbekannte Bilder tauchten vor ihnen auf. Sie erblickten mächtige Felsen, famen an niedrigen, mit Wasserweiden bewachsenen, jetzt überschwemmten Sandbänken vorbei und an den Mündungen reißender Nebenflüsse, die von angeschwemmten Bäumen und ausgeriffenen Wurzeln verstaut waren. Sie mußten sorgfältig auf jedes Hindernis achten, auf Steine, auf übereinandergewälzte Stämme und andere Ueberraschungen, die ihnen überall in dem unbekannten Strombett auflauerten. Niehorski ließ keinen Blick von der Oberfläche des Flusses. Die Ruderer waren über und über mit Schweiß bedeckt. Die anderen sollten schlafen, um auszuruhen, ehe die Reihe an sie fam, aber niemand schlief. Alle schwiegen, denn das rätselhafte Betragen Arkanoffs war ihnen tief zu Herzen gegangen, und es war ihnen zu Mute, als führten sie einen Toten mit sich fort. Eugenie lag noch immer am Boden und schluchzte. „ Ich kann das nicht länger aushalten! Ich werde ins Wasser springen!" stieß Krassuski polnisch zwischen den zu fammengebissenen Zähnen hervor, indem er sich an Niehorski wandte. Dieser zuckte zusammen und ohne den Blick von der vor ihm liegenden Bahn zu wenden, begann er schnell und entschieden: Meine Herren, das ist umsonst! Komme, was da wolle, aber es fann unmöglich so weiter gehen. Und sollte alles scheitern, so können wir den Genossen nicht hier lassen. Wir haben kein Recht dazu!" " Die Umkehr wird uns zugrunde richten. Es ist möglich, daß man in der Stadt schon etwas gemerkt hat!" sagte Pietroff. „ Er hat selbst nicht mit wollen!" flüsterte Gliksberg. ,, Aber vielleicht will er jetzt mit; es ist auch möglich, daß irgend ein Irrtum vorliegt. Und wenn es wirklich so wäre? Können wir sein Schicksal auf unser Gewissen laden? Wir müssen ihm die Möglichkeit bieten, sich uns anzuschließen! Ich glaube nicht, daß unser Vorhaben schon entdeckt ist, aber ich bin sicher, daß die Verfassung, in der wir unsere Reise antreten, uns wirklich ins Verderben bringen wird. Ungestraft richtet man feinen Menschen zugrunde." Wenn Arnoff jeßt nicht einvilligt, dann ist's was anderes. Dann fahren wir ohne ihn weiter!" sprach Nichorski. Alerandroff nickte zustimmend, Samuel und Woronin schlossen fich den beiden an. Eugenie blickte dankbar und hoffnungsvoll zu den Sprechenden auf. Ja, Sie können recht haben! Vielleicht hat er selbst nicht gewußt, was er tut! Wir müssen uns irgendwo im Gebüsch verstecken und zwei von uns müssen ihn holen!" entschied Jan. Sie suchten nach einem Versteck und ratschlagten, wer fahren solle. Endlich wurden Samuel und Niehorski dazu erwählt. Bald fanden sie in der Richtung von Burumuk einen alten, dicht bewachsenen Flußarm, der jetzt voller Wasser war. Unter den Zweigen hindurch zogen sie die Königin" tief hinein, banden sie fest und machten den Nachen bereit. ,, Aber erst müßt Ihr mich ans Ufer bringen! Ich will gehen und das Kleinzeug noch mal umarmen!" sagte Herr Jan. ,, Um Gottes willen, komm nur schnell zurück! Halt' uns nicht auf." " Ich werd' schon wiederkommen,' s ist nicht weit von hier, keine zehn Werst! Und meinen Tabak nehm ich mir auch mit, den hab' ich vergessen!" beruhigte sie Herr Jan, indem er die„ Doppelflinte" lud. Krassuski brachte sie der Reihe nach ans Ufer, und die anderen frühstückten und legten sich dann schlafen. Die Sonne blickte durch das feine Net, das die Zweige bildeten, auf sie hernieder und wärmte sie sanft; der Wind rauschte in den Ruten über ihnen, und unten gurgelte der wasserreiche Fluß. Vom 1904 fernen Lande her drang das Pfeifen und Girren von Millionen von Vögeln an ihr Ohr, die sich des Lebens freuten und usi Futter und Liebe kämpften. Ab und zu schwebte eine rosenfarbene, gleichsam im Morgenrot gebadete weiße Möwe im fonnendurchfluteten Aether über ihnen und stieß, wenn sie die Schlafenden erblickte, vor lauter Erstaunen einen grellen Schrei aus; zuweilen flog ein brauner Adler oder ein bunter Sperber über ihren Häuptern von Fels zu Fels und warf unterwegs seinen scharfen Schatten auf die Flut. Hin und wieder sprang irgendwo ein Fisch in den Wellen auf. Nur Eugenie schlief nicht und auch Krafsuski konnte nicht einschlafen, obgleich er die Decke über den Kopf gezogen hatte. „ Herr Krassusti, sie sind da!" sagte Eugenie endlich. Krassuski stand auf, erblickte drei Gestalten am Ufer und sprang in den Nachen. Arkanoff war der erste, den er zurückbrachte. Dieser war so alt geworden, als wären Jahrzehnte vergangen, seitdem er Abschied von seiner Frau genommen. Zufammengefunken, die Wangen eingefallen, stürzte er zu Eugeniens Füßen nieder und schämte sich der strömenden Tränen nicht, die feinen Augen entflossen. Die anderen wandten sich ab von ihnen und sahen zu, wie Krassuski die zurückgebliebenen Genossen im Nachen herüberholte. Unterdessen ertönte auch Jans fecker Pfiff am anderen Ufer. 21. " Solange der Fluß nur ein Strombett verfolgte, ging es den Flüchtlingen leidlich. Von den reißenden Fluten des Hochwassers getrieben, strichen sie leicht über die Tiefen. Eine gewisse Schwierigkeit boten nur die Stiere", senkrechte, direkt aus dem Wasser aufsteigende Felsen, an die die Strömung mit furchtbarer Macht anprallte, um dann brausend zurückzuschnellen. Aber Nichorski entpuppte sich als ausgezeichneter Steuermann und die Königin" als tadellos folgsames Schiff. Nach einigen Proben getrauten sie sich, um ihre Kräfte zu schonen, so nahe an diese Felsen heran, daß die gewöhnlich auf den Gesimsen nistenden Vögel laute Warnrufe erhoben. Wenn sie vorbeigeschifft waren, umkreisten ganze Schwärme von Uferschwalben, Fischreihern und anderen unbekannten Vögeln die Häupter der Felsen, von deren Kanten sich gewöhnlich einsame Bäume hinabneigten, um ihr eigenes Spiegelbild im Wasser zu betrachten. Einmal scheuchten sie einen Bären auf, der ins Wasser sah und sich erstaunt auf die Hinterpranken stellte, als er das bemannte Bootein ihm völlig fremdes Schauspiel vor sich erblickte. Sie waren wohlgemut. Am Backbord summte der Samowar und zwei Ruderer famen alle vier Stunden an die Reihe. Sie hatten zwei Steuerleute: Nieborski, dem sie die Leitung des ganzen Unternehmens anvertraut hatten und Pjetroff, der an der Wolga geboren und nicht ganz unbewandert im Schifferhandwerk war. Krassuski und Alerandroff, die wohl mehr Talent zu solchen Dingen hatten, wurden ihrer Ausdauer und Kraft wegen an die Ruder gesetzt. Die jenigen, die nichts zu tun hatten, aßen und schliefen. Alles übrige wird in unferent Staate von der Wasserzenjur verboten. Scherze sind erlaubt, aber sie dürfen nicht unmäßig sein," Tachte Niehorski, indem er versuchte, eine wichtige Miene aufzusetzen. Nur die Ruderer erfreuten sich verschiedener Privilegien und sangen manchmal aus voller Kehle. " Still! Ihr werdet die Schläfer wecken!" wollte Aleyandroff den Sängern anfangs Einhalt gebieten. ,, Wer aufwacht, der muß zur Strafe eine Stunde länger rudern!" entschied Jan. Die Drohung hatte die erwünschte Wirkung. Alle schliefen ausgezeichnet, ohne sich vom Gesange, vom Rauschen der Wellen, vom Schaufeln des Fahrzeuges oder dem fortwährenden Herumlaufen der Wachenden, die bald dies, bald jenes holen wollten, stören zu lassen. Dabei trat ein solcher, am Bootrande entlanggehender Spaziergänger oft notwendigerweise auf einen der schlafenden Genossen. Besonders tat sich der krummbeinige Mußja darin hervor. „ Das geht mir denn doch über die Hutschmur! Ich habe geschwiegen, wenn Du mir auf dem Magen, auf den Händen oder auf den Füßen herumtrampeltest, aber jetzt bist Du mir auf die Nase getreten! Ich protestiere gegen solche Neuerungen!" fuhr Alerandroff endlich auf. Mußia mußte also stillfiben, die anderen aber durften mur auf Befehl des Steuermanns von einem Ende des Bootes zum anderen gehen. Unter allen Liedern war das energische„ Hange!" Jans anfangs am beliebtesten, da es sich dem Rhythmus der Ruderschläge genau anpaẞte. Auch wurden Bruchstücke der„ Drapeau rouge", eines französischen revolutionären Hymnus im Chore gesungen, der zu jener Zeit weder ins Russische noch ins Polnische übersetzt war, dessen sich Mußia jedoch stückweise erinnerte; dann kamen verschiedene Volkslieder an die Reihe, aber sie wurden endlich alle von dem wehmütigen Liede verdrängt, das Samuel eines Tages gedichtet hatte, und das folgendermaßen lautete: Nacht ist dunkel über die Erde gebreitet. Ruhig schlafen die Verfolger und Hasser. Auf den Wellen weiter das Schifflein gleitet. Jrres Traumlicht der Freiheit spielt auf dem Wasser. Lotse, noch frohlocke Du nicht verwegen, Noch bedroht Dich Gefahr, noch lauert Tücke, Strudel sind und Klippen noch gelegen Zwischen Dir und dem fernen lichten Glücke. Stürme lagern noch und Nebel lasten, Das Gespenst des Hungers grinst Dich belauernd. Und Dein Schifflein treibt mit zertrümmerten Masten, Um die hinabgesunkene Mannschaft trauernd. Hinter Dir, kühner Lotse, fühlst Du Schauer Hundertfältige aus vergang'nen Tagen: Auf erhab'nen Seelen lastende Trauer, Zweifel, die am Mark des Lebendigen nagen. Schiväche, die Dich wie eine Schlange umwindet, Blasse Furcht vor dem Wahnsinn, vor dem Verderben, Die Dich in der Tiefe der Nächte findet Und macht allen flammenden Mut ersterben. Drum, Du fühner Lotse, laß in die Ferne Schweifen Deine Falfen- Augen, die hellen, Neber den Gründen zu suchen leitende Sterne, Offene Wege mitten im Eise der Wellem. ( Fortsetzung folgt.), ( Nachdruck verboten.) „ Gute Werke." Von Lina Leidl. Freunderl, dies ist ein Traum gewesen, ein schöner, den der Zwidmeierbauer von Germnudelberg gehabt hat! Einen solchen hat eins nicht alle Tag! Mitten in den Himmel hat er hineingesehen, wo alles nur grad so blitt und g'funkelt hat vor lauter Gold und Edelstein und wo das ganze himmlische Gesind' in seiner ganzen Pracht und Herrlichkeit beinander g'wesen ist. Dem Zwidmeierbauer seine einzige, verstorbene Schwester, die Kathl, ist natürlich auch dabei gewesen. Er hätte sie aber schwerlich oder gar nicht rausgefunden unter dem Mordshaufen himmlischer Gestalten, wenn sie nicht das Maul aufgetan hätt'. Da hat er sie nachher freilich gleich augenblidlich fennt, an der Sprache. „ Gelt, han Steffel da schaust!" hat sie g'sagt. Was dies für eine Bracht und für eine Herrlichkeit ist, in dem Himmel heroben! Tät's Dich nit auch g'lüsten danach?" „ Schon. Freilich tät's mich g'lüften! Recht stark auch noch. Aber, daß ich halt fürcht' ich. " Im Bewußtsein seiner sündhaften Unwürdigkeit hielt der Bauer zögernd inne. Die Kathl hielt es deshalb für angebracht, den Zaghaften tröstend zu ermuntern: ,, Halt Dich nur nicht auf, Steffel!" redete sie ihm in ihrer altvertrauten, liebreichen Weise zu. Wannst alleweil recht brab bist und tust recht fleißig gute Wert', nachher fommst schon in den Himmel! Ich leg' schon eine Fürsprach' ein für Dich und heb' Dir auch ein schönes Blahl auf. Siehrt es da den Stuhl da, den hätt ich Dir vermeint!" Damit wies die Verklärte mit lang ausgestrecktem, lichtstrahlendem Finger auf einem goldenen Stuhl, der fest neben ihr stand, und der, wie der Bauer eben erst bemerkte, noch unbesetzt war. " Sternsatra, da muß aber gut sitzen sein drauf! Da muß ich mich freilich recht zusammennehmen, damit daß ich's doch g'wiß einmal probieren lann!" Mit diesem löblichen Vorsatz ist der Zwickmeierbauer aus seinem schönen Traum erwacht. Zwar, es hat sich ohnedem nig gefehlt bei ihm. Er ist eh ein solch braver, gottesfürchtiger Mensch gewesen, daß man grad' suchen hätt' müffer um einen zweiten. Das hat bei ihm überhaupt schon in der Familie gelegen. Denn seit Menschengedenten schon haben auf dem Zwickmeierhof lauter" betende" und" guttätige" Leut und guttätige" Leut gehaust. Der Weisung des himmlischen Traumgesichtes zufolge aber hat der gegenwärtige Besitzer des Hofes von jener bedeutsamen Stunde an sich eines noch tugendsameren und frommeren Lebenswandels befleißigt; vor allen Dingen ist er darauf bedacht gewesen, ja recht viele gute Werke zu sammeln. Nach wenigen Tagen schon ist er an die Verrichtung eines folchen gegangen. Da hat er sich nämlich nach Feierabend, so zwischen " Dunkel und Siehrtmichnit", ins Nachbarhäusl nüber geschlichen und hat zum Nachbarn- Sepp, der sein ehemaliger Schultamerad gewesen ist, gesagt:" Du hast g'hört, Sepp! Ich möcht' gern ein gutes Werk tun, damit daß ich recht viel Glück und Segen hab' im heiligen Ehstand, den ich jetzt alsbald anzutreten willens bin. wirst eh schon ein Wissen haben drum, gelt, ja?" Mhm!" brummt der Sepp. Weil mir nun hauptsächlich da dran gelegen ist, daß ich das gute Wert auch jemanden Würdigen und Bedürftigen angedeihen laß und weil ich Dich soweit als einen ganz richtigen Menschen fenn', drum bin ich auf Dich verfallen. Ich weiß, daß Dir Dein Vater schon lang alleweil gern das Häusl übergeben hätt' und daß Du selber auch gern heiraten tätst, wann Du eine Hochzeiterin auftreiben könntest auf Guer verschuldetes Sacherl. Paß auf, da helf ich Dir jetzt ein bißl drunter! Jch gib Dir tausend Mart, wann Du die Bachbauern- Mitterdirn heiratst!" " Huit!" pfeift der Sepp zwischen seinen gefunden, breiten Zähnen hindurch. Brauchst Dich nit aufzuhalten drüber, hast keine Ursach' dazu! Ist ein mentisch sauberes Dirndl, die Hanni! Blutjung, ein Leben wie eine frische Kranawittstauden und arbeiten mag sie wie ein Wildes! Na ja Du kennst sie ja eh, da brauch' ich mich nimmer lang' abzuschwagen!" Und ob er sie kannte, der Sepp! Die ganze Zeit her, schon seit die Hanni beim Bachbauern in Diensten stand, hatte er ein Auge auf das lebfrische Dirndl; aber das Laster, das hoffährtige, hat ja nir wissen wollen von ihm! Versteht sich, wenn sich eins auf einen großen Bauernsohn spißt, da braucht sich so ein notiger Holzknecht, wie er einer ist, nimmer anzumelden. Recht ist es ihr auch!" unterbricht der Zwidmeierbauer den Sepp in seinem Sinnieren. Ich hab' schon Rücksprach' g'nommen mit der Dirn. Sie sieht es jetzt selber ein, daß sie keine große Bäuerin werden kann, weil sie auch grad' so ein armer Häuter ist, und weil sie nicht einmal recht weiß, wo sie eigentlich herstammt. Also was ist's? Bist einverstanden mit meinem Vorschlag?" „ Na wenn's der Hanni recht ist, nachher ist's mir auch ein Ding. Ich seh's auch ein, daß ich auf feinen grünen Zweig fomm' und wann ich mich zwanzig Jahr lang schind' und plag'. Auf die Weis' geht's ein bißl g'schwinder." Sell mein ich auch! Mit tausend Mark bist nobel rausgerissen, dies wirst sehen. Die Hanni, die kriegt nachher noch extra eine Ausfertigung von mir, damit daß sie g'wiß zufrieden sein kann. Und wann Ihr einmal verheiratet seid, hr zwei, nachher nimm ich's auch nit so genau! Da geht's mir auf ein bißl was nie zusammen. Wannst Dir auch diermal einen Sad voll Erdäpfel raus tust aus meinem Acer oder wannst Dir für Deine Nuh einen Schubkarren voll Gras abmähst auf meiner Wiesen. Dies geht keinen Menschen niemand was an, und wann sich wirklich einmal wer den Schnabel weben müßt da drüber, nachher sagst ganz einfach: Der Zwidmoarbauer ist ein guter Mann, der hat ein Herz für uns arme Leut berstanden?" Der Sepp hat verstanden und hat nach ein paar Wochen die Hanni geheiratet. Bald nach dem hat auch der Zwidmeierbauer seine glanzvolle Hochzeit mit der Kerschbaumertochter gefeiert, die zwar nicht recht schwer an der Schöne", dafür aber desto schwerer an Geld getragen hat. 50 000 Mart hat sie mit in die Ehe gebracht, bare 50 000 Mark! " Ist doch nix so Zuwideres um ein gutes Wert!" hat sich der junge Bauer oft dankerfüllten Herzens denkt.„ Nit grad', daß man sich einen himmlischen Lohn erwerben kann, man hat mitunter auch schon einen irdischen davon." Denn nimmermehr hätte seine Bäuerin ihn geheiratet, wenn es ihm nicht vor der Hochzeit noch schnell gelungen wäre, mittels Geld und guter Worte seinen erblassenden Tugendglanz wieder frisch aufzupolieren. Ist eh so furchtbar eifersüchtig, das Ziefer, das wüste! Die, wenn was gespannt hätt' von dem, daß die Vaterfreuden, die der Nachbars- Sepp schon ein halbes Jahr nach der Hochzeit erlebt hat, von Rechts wegen ihrem Bauern zugestanden wären, die wär' imstand gewesen und hätt' ihm die Augen ausgefragt! Oder wenn sie davon ein Wissen gehabt hätte, daß ihr Bauer sich allemal, wenn er dem Sepp sein junges, blühend schönes Weib allein auf dem Felde oder im Holz draußen gewußt hat, hinausgestohlen hat und um die Hanni herumgeschlichen ist wie der Fuchs ums Hühnerloch. Damit ist zwar noch jemand nicht einverstanden gewesen: der Sepp. Wie dem einmal ein Licht aufgegangen ist da drüber, was der Zwickmeierbauer derselm mit seiner Red' gemeint hat:" Und wenn Ihr einmal verheirat' seid, Ihr zwei, da nimm ich's nachher auch nit so genau...", da ist der Sepp wiederum dem Bauer nach geschlichen und wie er grad unverhofft einmal drunter kommen ist, wie fich sein Weib schier nimmer zu retten hat getoußt vor den Zudringlichkeiten des alten Frömmlers, da hat er diesen hinten beim Krawatil padt, hat ihn in die Höh' geschupft, eine Weil in der Luft herumgebeutelt und dann auf den Erdboden niedergeworfen, wie| muß nit grad um das geistliche, sondern auch um das leibliche wenn einer ein junges Rahl hinwirft. " Du, gelt jetzt schaust, daß Du Deine guten Werk bei wem andern anbringen kannst, ich lang' jetzt schon!" Der Zwidmeierbauer hat diesen wohlgemeinten Rat dann auch befolgt und hat sich ein anderes, dankbareres Gebiet ausgesucht zur Verrichtung seiner guten Werke. Eine neue Kirche ist erbaut worden in Germnudelberg. Zu diesem Zwecke haben die Gemeindemitglieder sich erbötig gemacht, freiwillige Gaben beizusteuern. Der eine Bauer ließ ein Dußend schöne Bäume in seinem Holz abschlagen, der andere verpflichtete sich zur Lieferung von mehreren Tausend Falzziegeln, ein dritter wollte ebensoviele Ziegelsteine brennen, während ein vierter unentgeltlichen Spanndienst zu leisten versprach. Und ich schenk' den Sand her, der zu dem ganzen, großen Bau braucht wird!" übertrumpfte der Zwickmeierbauer die anderen alle. Dies wird g'wiß net wenig sein! Aber um ein gutes Werk laß ich mich nit anschau'n!" Vor dem Zwickmeierhof machte sich ein mächtiger Sandhügel breit, von dem der Bauer schon oft gewunschen hat, daß ihn einmal über Nacht der Teufel holen möchte, weil er ihm alleweil gar so start im Weg umgegangen ist. Abgesehen davon, daß er bei der Einfahrt in den Hof immer die große Reibe um den Sandhügel ausfahren mußte; es wäre auch sein Anwesen viel schöner und viel freier dagestanden, wenn es der Malefizsandbuckel nicht so sehr verschandelte. Schon längst hätte der Bauer ihn gern abtragen lassen, wenn er seine Roffe und seine Dienstboten nicht alleweil zu nötigeren Arbeiten gebraucht hätte. Nun wird er ihn endlich einmal los, und noch dazu auf so schöne Manier. Ohne Mühe und Kosten, ja, er hat fogar noch direkten Profit davon, da er sich mit seinen Rossen beim Abfahren beteiligt und hiefür Fuhrlohn in Anrechnung bringt. Wenn er eh den ganzen Sand herschenkt, kann doch niemand mehr verlangen, daß er auch noch unentgeltlichen Spanndienst leistet! So trug auch in diesem Falle das gute Wert seinen Lohn schon wieder in sich. Gleichwie einem der Appetit beim Essen kommt, also ist den Germnudelbergern beim Anblick der schönen, neuerbauten Kirche der Eifer zum Beten kommen, so daß der Pfarrer allein die Seel forge schier nimmer zu bewältigen wußte, und die Anschaffung eines zweiten Geistlichen zur dringenden Notwendigkeit wurde. Man stiftete deshalb einen Kaplaneifonds. Auch hier zeigte der Zwickmeierbauer sich als den großmütigsten Geber, indem er gleich 500 Mark stiftete. Gewiß ein schönes Geldl, gleich 500 Mart auf einem Fled! Bloß einen fleinen Hafen hat die Geschichte gehabt. Die 500 Mart find nämlich schon seit des alten Zwidmeierbauern Zeiten als dritte Hypothek auf das total verschuldete Schusterhäusl eingetragen gewesen und konnten gar nicht mehr oder höchstens nur durch eine Zwangsversteigerung teilweise eingebracht werden. Das wollte der Zwickmeierbauer sich nun doch nicht nachsagen Lassen, daß er die alte Schusterwittib von ihrem Häust trieb. Hätte fich auch schlecht zusammengereimt. Er, der größte Guttäter und frömmste Mann von ganz Germnudelberg und eine solche Hartherzigkeit! Wenn aber die Verwaltung des Kaplaneifonds die Versteigerung beantragte, um zu dem geschenkten Gelde zu fommen, so war das eben ihre Sache. Er, der Zwickmeierbauer, hat deswegen doch ein gutes Werk getan. Der Gemeindebauer geht mit einer Liste im Dorfe herum, um milde Gaben für arme Abgebrannte zu sammeln. Spärlich genug fließen die Gelder. Ein Fünfert, ein Zehnerl, wenn's weit geht, 20 Pfennige. Erst auf dem Zwidmeierhof gibt's einen gehörigen Nachschub. Der Zwickmeierbauer zeichnet immer markweis. Wie der Einsammler nach viel tausendmaligen Bergeltsgott und überschwänglichen Lobeserhebungen für den splendiden Bauern wieder fort, um ein Haus weiter gegangen ist, hat der Guttäter zu seiner Bäuerin gesagt: " Hast g'hört, Biker!! Grad im Augenblick hab ich 20 Mark hergeben für die Abbrannten. Gute Werk muß man tun, weißt! Aber grad' beim Hausdach oben fliegt uns die Sach' auch nit rein, gelt nein? Drum mein' ich, daß es gar nir schaden könnt', wenn Du ein wenig dran denken tätst beim Essenkochen. Kannst in die Nudl und in die Knödl, die Du für die Ehehalten herrichtest, von heut' ab bloß noch ein Ei einschlagen, statt der zwei, die Du sonst allemal aufgeschlagen hast. Und wenn Du es so anschicken fannst, daß Du gar feins mehr brauchst, nachher ist's noch g'scheiter. In den Schmarrn tust mir auch einen fleineren Brocken Schmalz ' nein, und wenn Du mir zum Mehltochmachen nochmal die Milch mit samt dem Rahm hernimmst, nachher staubt's! Du wirst Dir wohl die Weil nehmen können, daß Tu Dir die Milch abblast, eh' Du sie brauchst! Kannst sie auch diermal ein bißl wässern, von mir aus. Weißt, unsere Dienstboten, die leiden zwegen dem halber doch noch teine Not. Die können sich doch noch voll anschlampen, wenn's auch oft einmal grad' nit so gut ist, das Essen. Währenddem die armen Abbrandler gar nir haben! Und überdem, wenn Du meinen Ratschlag befolgst, tuft Du noch ein gutes Werk dabei. Schau, man Wohl seiner Untergebenen besorgt sein! Man muß auch auf deren Gesundheit eine Bedacht haben, gelt? Und so ein starkes, fettes Effen, wie Du es den Ehehalten bis dato alleweil auf den Tisch g'stellt hast, dies ist aber gar nit g'fund! Da könnt eins leicht zu viel Gall friegen, weißt!" Solche und ähnliche gute Werke hat also der Zwidmeierbauer noch einen ganzen Haufen tan, so daß er allen Grund hat, auf das ihm von seiner Schwester in Aussicht gestellte schöne Blahl" im Himmel droben ganz bestimmt einziehen zu dürfen. Kleines feuilleton. Slid e. s. Die Architektur des Kaiser Friedrich- Museums ist die bet uns für solche und ähnliche Gebäude seit Jahren übliche. Pomp, äußere Machtentfaltung, Wirkung durch verschwenderisch angewandtes Material. Kein neuer Versuch, die Frage der Museumsanlage in selbständiger Weise zu lösen. Ein Reden in den überkommenen Formen der Architektur, und jedes Lehrbuch sagt über diese Formen, daß sie einstmals schön und begründet waren. Maffige Säulen, Balajtfenster, flobige Fronten, immer ein Reden im Superlativ. Die Kunst, die in diesem Gebäude vereint ist, paßt gar nicht hierher. Immense Kuppeln liegen breit auf dem Dach, die eine ist schwarz, die andere noch rot, ganz neu. Kuppeln von so unschöner Proportion, daß man erschreckt. Und in der Rundung dieser überdimensionalen, metallenen Käseglocke ist in jedem der Abschnitte ein ganz kleines Fensterchen augebracht und der winzige Giebel dieses Fensterchens trägt jedesmal eine goldene Krone. Darunter sind die Steinmassen übereinandergetürmt, ohne eine Spur von fünstlerischer Disziplin. Wie lange noch wird dieser unaufrichtige Pseudostil, der alte, grandiose Bauten nachahmt und ihre Formentvelt billig ausmünzt, bei uns grassieren und unsere Stadt verunschönen? Weshalb sollen gerade wir immer diese Bauten bekommen, die für lange Jahrzehnte unser Stadtbild verhäßlichen? Für jeden Architekten, der nur eine einzige Fach zeitschrift liest, ist es ein Leichtes, einen Einblick in die Bestrebungen zu bekommen, die darauf ausgehen, moderne Formen für unser modernes Empfinden zu suchen. Ja, wir können darüber reden, und wenn es zur Tat kommt, müssen wir solch ein protenhaft aufgeblasenes Machwerk über uns ergehen lassen, müssen täglich daran vorbeigehen, und es wird Jahrzehnte lang da stehen. - Beginnen wir mit dem Ersten, das uns ins Auge fällt, dem üblichen Denkmal. Abgesehen von seiner unglücklich gequetschten Lage es kann gerade noch so stehen, daß es nicht ins Wasser tippt hat es den einen Vorzug, daß es so bescheiden ist, daß es faft phyfiognomielos wird. Es ist eben ein Denkmal. Sockel mit Inschrift, die Inschrift mit Emblemen verziert, theatralisch. In bestimmter Höhe sieht man dann einen Gaul stehen und dieser Gaul schreitet aus. Auf diesem Gaul figt ein Feldherr. Auch hier die übliche Bose mit dem auf das Bein aufgestützten Feldherrnftab. Der Helm ist so groß, daß man meint, er müßte über das Gefich rutschen. Schrecklich, daß ein Meiston nichts Besseres zustande bringt.t Eine Kollettivausstellung in München in diesem Jahre zeigte eine ganze Reihe tüchtiger Arbeiten. Seine kräftige, ehrliche Art ist hier ganz verblaßt. Es ist ein schematisches Wert, tein Kunstwerk. Der Reiter reitet gegen die Front des Museums, in goldenen Buchstaben liest er dort oben unter dem Sims seinen Namen. Wir treten mun ein ins Innere. Ein großes Treppenhaus nimmt uns auf. Wir überlegen: find wir in einem Balast oder in einer Stätte, die stiller Kunstbetrachtung geweiht sein soll? Breite, progige Treppen führen nach nach zwei Seiten hin In diesem Vorraum steht wieder ein in das obere Stocktverf. Durch die lebensgroßes Reiterdenkmal, diesmal ganz in Gold. sogenannte Basilika gelangt man in das hintere, fleinere Treppenhaus. Diese Basilika geht durch beide Stockwerke hindurch. Hier find Atarnischen eingebaut. Die aufgestellten Altäre kommen nicht zur Geltung. In auffallender Weise stört das faltige Weiß des Hintergrundes, auf dem alte Marmorstatuen schmutzig und angerußt erscheinen. Die breiten, schematischen Quadrate der Seitenfassaden mahnen in unangenehmer Weise an unsere schablonenhafte Bauart. Jedem Altar ist eine Nische eingeräumt, doch kommt bei feinem einzigen eine reine Wirkung heraus. Tritt man dann in den Seitenflügel, wo alte Holzschnigereien aufgestellt sind, so erregt die Wandberkleidung hier wahres Entseßen. Hier sind nämlich die Steinmauern mit grünem Rupfen bespannt und unten ist der Steinsocket noch sichtbar. Tolleres läßt sich nicht denken. In dem hinteren fleinen Treppenhaus stehen in Nischen die Generäle Friedrichs des Großen. Kein Mensch kann sagen, was sie hier sollen. In einem anderen Raum fällt eine Madonna, eine Holzstatue, besonders auf, die man vor einen knallroten Plüschvorhang gejezt hat. Kein Gobelin, fein alter Stoff war anscheinend da. Es mußte dieser lächerlich prunkende, knallige Stoff verwandt werden. In der Bildergalerie ist besonders bemerkenswert der Wandbekleidungsstoff. Da ist nämlich ein Rot imitiert, wie es in alten Schlössern oft zu sehen ist. Erstens schon: imitiert! Die Arbeiter mußten sich abmühen, daß der Stoff aussah, als sei es alter, abgenugter Brokat. Tatsächlich aber ist es Leinewand, schablonisiert Und zweitens: Rot als Hintergrund für Bilder! Es überschreit ja alle Farben und geht nie mit dem Bilde zusammen. In anderen • Sälen finden wir ein künstlich altes Grün. Mit Wehmut denkt man Körper aufgespeichert werden und durch Verbot gewisser Nahrungs da an die alten einfachen Kabinette. Freilich jetzt haben die Bilder mittel und durch Bevorzugung anderer bekämpft werden müssen. mehr Naum und das einzelne Werk kommt mehr zur Geltung. Aber Beispielsweise wird den Kranken mit chronischer Nierenentzündung wie traurig hängen alle diese Bilder da, in dieser fremden Sphäre, im allgemeinen der Fischgenuß untersagt. Bei Brightscher Krankheit wo sie zur Dekoration herabsinken. Sie sind nicht Zweck. Sie werden werden stärkemehlhaltige Stoffe, Gemüse und Früchte nur mit Auswahl genossen. Zuckerkranke sollen überernährt werden, müssen sich aber auf eine bestimmte Gruppe von Nahrungsmitteln beschränken.verwendet. Nimmt man zu all dem noch den fürchterlich leuchtenden Fußboden, rot und weiße Fliesen, die von unten heraufblinken, während weiter oben die Wand sich mit ihrer aufdringlichen Farbe immerfort bemerkbar macht, so kehrt man resigniert den Rücken. Es ist eine Mißhandlung, diese stillen und großen Werke in diese Räume gebracht zu haben. Das mag ein Prunkpalast sein, es ist kein Museum. Den modernen Museumsbau weiter zu bringen, wäre hier Gelegenheit gewesen. Hier aber sind die Sachen nur als Zwed benutzt. Ueberall große Prachtfenster, Balkons, von denen man hinabsehen kann, aber nirgends Ruhe, Vornehmheit, Stille. Der Bau erinnert in seiner Drapierung an den Kaiserkeller oder an ein Warenhaus. Zeitweilig denkt man tatsächlich an die Antiquitäten abteilung bei Wertheim. Das ist eben der Grundfehler in der ganzen Anlage. Der Architekt hat gebaut und hat sich den Teufel darum gekümmert, tofür er baute. Er hat förmlich in prozigen, palastartigen Vorstellungen Orgien gefeiert und die Kunstwerke werden erdrückt, überschrieen, ruiniert. Sie hängen und stehen und liegen da und blicken einen traurig an. Bergbau. " Schwefelgewinnung in Louisiana. Eine eigent tümliche Art der Gewinnung des Schwefels ist in Louisiana im Gebrauch und auf der Ausstellung in St. Louis, wie der Prometheus" der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure" entnimmt, int einem Modell veranschaulicht. Die Schwefellager von Louisiana wurden bereits im Jahre 1865 bei Gelegenheit von Bohrungen nach Petroleum entdeckt, aber deren Ausbeute erst im Jahre 1895 durch ein von H. Frash in Cleveland, D., angegebenes Verfahren erDer möglicht. in Schwefel kommt einer etwa 30 Meter mächtigen Schicht mit Beimengungen von Sand und Gips vor; die Sohle dieses Schachtes liegt auf rund 183 Meter unter Tage. Die schwefelführende Schicht ist jedoch von wasserführenden Triebsandschichten von großer Mächtigkeit überlagert, durch welche das Abteufen eines Schachtes bei verschiedenen Versuchen nicht gelingen wollte. Frash trieb bis zu der Triebsandschicht ein Rohr von 330 Millimeter Weite hinab und verringerte hier den Durchmesser des bis auf die Sohle des Schwefellagers hinabzuführenden Rohres Mag dieser Bau für sonst etwas gut sein und passen, ein auf 203 Millimeter. Das untere Ende dieses Rohres ist siebartig Museumsbau ist er nicht. Die Sachen kommen nicht zur Geltung. durchlöchert. In das 203 Millimeter weite Rohr wird ein 76 MilliWenn sie wirken, so wirken sie trotzdem, weil sie nicht tot meter weites und in dieses ein Nohr von 38 Millimeter lichter Weite zu kriegen sind. Es ist unerhört, daß ein Architekt es wagt, eingesetzt. Wird nun in den Zwischenraum zwischen dem 76 und so seinen Zweck zu vernachlässigen. Er baut und baut, pfropft dem 203 Millimeter weiten Rohr bis zu 160 Grad Celsius Banalität auf Banalität und Pose auf Pose; was es fostet, ist gleich überhiztes Wasser eingeführt, fo dringt dasselbe durch gültig, und der Museumsleiter kann dann sehen, wie er die Sachen die Deffnungen des Außenrohres in die Mischung von unterbringt. Wer die alten Räume kannte, wird sie zurückwünschen. Sand und Schwefel und schmilzt den letzteren. Dann wird durch Daß die Meisterwerke vergangener Zeiten hier als Dekorationsstück das den Kern des Röhrensystems bildende 38 Millimeter- Rohr Druckverwandt werden, ist kaum glaublich, aber wahr. Alles ist nur Mittel luft eingeblasen, welche den flüssigen Schwefel nach Art der Mammutzu Pomp und äußerer Machtentfaltung. pumpe in dem 76 Millimeter weiten Rohr emporhebt. Man läßt den flüssigen Schwefel in große, offene Becken fließen, in denen er nach 24 Stunden an der Luft so erkaltet ist, daß er in Würfel zerfägt oder mittels Hacke zerkleinert werden kann. Ein Bohrloch soll in der Stunde etwa 20 Tonnen Schwefel liefern und gegen 30 Tage Die Gewinnungskosten einschließlich lang ertragsfähig bleiben. Medizinisches. Humoristisches. Im zoologischen Garten. Der kleine Otto: Vater, ich denke, ein Kamel hat nur einen Buckel, und das hier hat ja zwei?" Vater:„ Na, Du dummer Junge, denkst Du denn, es gibt feine buckligen Stamele." aus!" Konzession. Ist Ihr Herz noch frei?" „ Nein. Aber ich kann's einrichten." Notizen. H ( Lustige Blätter.") ss. Die Ernährung des trauten Menschen. Die Begriffe der Ueberernährung und der Unterernährung sind in ihrer Bedeutung bekannt genug geworden. Die meisten Menschen essen zu viel, namentlich, wenn sie durch ihren Beruf zu einer vorzugsweise rstellung des Bohrlochs sollen für 1000 Kilogramm Schwefel sich fizenden Lebensweise gezwungen werden. Die Unterernährung auf rund 4 Dollar( 17 M.) stellen. andererseits kann in sozialen Gründen ihren Ursprung haben, wenn jemand nicht die Mittel hat, sich satt zu essen, oder auch in förperlichen, insbesondere nervösen Ursachen. Beim franken Menschen muß die Ernährung nach ganz eigenen Rücksichten bemessen werden. Bei gewissen Zuständen der Blutarmut in der Zeit der Genesung von langen Krankheiten sowie bei bestimmten anderen Leiden muß eine leberernährung stattfinden. Die Tuber kulösen und solche Personen, die durch erbliche oder andere VeranTagung dazu neigen, schwindsüchtig zu werden, haben eine besonders reichliche Ernährung nötig. Bei ihnen geht die Verbrennung im Eifersüchtig. Junge Frau( die die Tante erwartet, Körper lebhafter vor sich, sie verlieren infolgedessen mehr Wärme, und dies muß daher durch ein Mehr an Nahrungszufuhr ersetzt zum Gatten):„ Aber May, das ist ja die unrichtige, die Du werden. Anderenfalls leben diese Kranken auf Kosten des Grund- umarmit, und Du suchst Dir natürlich gleich die hübscheste tapitals ihres Körpers, und die Selbstaufzehrung wird allmählich zur Abzehrung. Man pflegt zu sagen, daß Schwindsüchtige eine doppelte Ration an Nahrung brauchen, eine zur Unterhaltung ihres Körpers und eine zweite als Heilmittel. Diese Kur durch Steigerung Die Akademie der Wissenschaften hat eine neue Sammlung, der Ernährung, durch Verminderung der Berausgabung des Körpers Deutsche Terte des Mittelalters, in Angriff ge: vermittelst möglichster Ruhe und durch Aufenthalt in guter, freier nommen. Die Sammlung wird eröffnet mit dem aus der Stutt Luft ist einer der größten Fortschritte der Nenzeit in der Behandlung garter Handschrift herausgegebenen Friedrich von Schwaben".der Tuberkulose. Gewöhnlich wird sie in Heilstätten ausgeübt, sie-Eine neue holländische Anstalt für planmäßige • kann aber auch im Hause bewirkt werden, jedoch sind Geduld, auf Durchforschung der Archive Italiens und zur Beschaffung von merkjame Pflege und auch einige Geldmittel dazu nötig. Umgekehrt Quellenstoff für die holländische Landesgeschichte ist in Rom verlangen manche Krankheiten die Herabsetzung der Ernährung. errichtet worden. Personen, die an Gicht, an Aderverkalkung oder an NierenPaul Ernst ist von der Direktion des Düsseldorfer entzündung Leiden, werden ihr Befinden wesentlich ver- Schauspielhauses für einen Teil der dramaturgischen Arbeiten schlimmert sehen, wenn sie sich nicht einer sehr strengen Diät und für Vorlesungen in Literatur und Kunstgeschichte an der Theaterunterwerfen, die sich nicht nur auf die Auswahl der Speisen, sondern akademie verpflichtet worden. auch auf die Verringerung der aufgenommenen Mengen erstreckt. Namentlich bei Aderverstopfung ist eine derartige Behandlung von größter Wichtigkeit. Die damit verbundene Schlaflosigkeit und die quälenden Erstickungsanfälle verschwinden oft wie mit einem Schlage, wenn die Kranken auf eine Milchfur gesezt werden. Zuweilen genügt es, ihnen das Fleisch zu verbieten, um eine erhebliche Besserung des Befindens herbeizuführen. Der menschliche Körper ist zur Erzeugung von Giften befähigt. Viele Nahrungsmittel und besonders Fleisch und Fische enthalten gleichfalls giftige Stoffe. Im gefunden Körper, namentlich bei guter Beschaffenheit der Nieren, zerstören sich die giftigen Stoffe gegenseitig. Die Milch enthält wenig Gifte und Der kunstgewerbliche Fachunterricht am Gewerbemuseum ist außerdem noch Harntreibend, und durch diese beiden Eigenschaften zu Bremen, bisher ein eng begrenzter Atelierunterricht, tritt mit wird sie zum bevorzugten Nahrungsmittel derer, in deren Körper dem beginnenden Wintersemester in erweitertem Umfange als durch krankhafte Zustände Giftstoffe entwickelt werden. Manche Kunstgewerbeschule in Kraft. dieser Kranten scheiden die Chlorverbindungen schlecht aus, Ein Flugblatt, Die Schwarzfledenkrankheit wodurch Wassergeschwulste entstehen, die durch eine Milchkur der Ahornblätter", ist von der Biologischen Abteilung des und Vermeidung von Salz beseitigt werden können. Aehnlich geht es Gesundheitsamtes herausgegeben worden. Bezugsquelle: P. Parey, mit anderen Giften, die infolge unzulänglicher Nierentätigkeit im Berlin. Die Duse hat die„ Electra" von Hofmannsthal erworben. Sie wird das Stück übersetzen lassen und die Rolle im Frühjahr in Wien und Berlin spielen. " Der lahme Hans" betitelt sich ein neues Drama von Erich Schlaikjer. Es erscheint im Verlag Entsch. - Gustav Mahlers fünfte Sinfonie erlebte im ersten Gürzenich Konzert zu Köln ihre Uraufführung. Der Beifall scheint nicht besonders groß gewesen zu sein. Das für Hamburg geplante Brahms Denkmal ist May Klinger in Auftrag gegeben worden. " Verantwortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin.- Drud und Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.