ZlnterhaltMgsblatt des Horwärls Nr. 209. Sonntag, den 23. Oktober. 1904 tNachduic! verboten.) 54] Die flucht. Von K. Bagrynowski. „Das rechte ausgesetzt, mit dem linken gestoppt!" ertönte Plötzlich das Kommando. Die Ruder tauchten in das brodelnde Wasser und bogen sich, wie schwanke Gerten. Ehe die Ver- bannten begreifen konnten, was geschehen war, drehte sich das Boot fast im Kreise um, neigte sich, krachte, streifte den Felsen, bog zur Seite und eilte aus dem Rebel heraus durch das riefen- große Tor, an zwei hohen Felsen vorbei, in eine breite, sonnen- tiberflutete, vom blauen Himmel überdachte Ebene. Zu beiden Seiten grünten Wälder. Ter ganze Fluß schien goldig im hellen Lichte des heiteren Tages, und ergoß seine Wasser fröh- lich plätschernd weithin, als freue er sich, und seufze nach den bestandenen Mühen erleichtert auf. Rechts waren die Berge weit nach Westen geflohen, links aber waren sie zusammen- geschrmnpft, abgerundet und traten fast glattgestrichen bis an den Fluß. „Helft inir!" sagte Krassuski Plötzlich. Erst jetzt sahen sie, daß Niehorski nicht mehr am Steuer stand, daß er in Krassuskis Armen lag, und ein Blutstroin aus seinem Munde quoll. Sie suchten ihn in? Bewußtsein zurück- zurufen und seine Stelle nahm Pjetroff ein. Bald Mug Niehorski die Augen auf und lächelte, als er den blauen Himmel und die Sonne über sich sah. „Hat mir aber daS Steuer einen Schlag versetzt! Die „Königin" muß auch etwas abbekommen haben. Seht mal zu, ob nicht viel Wasser eingedrungen ist!" sagte Niehorski leise. Sie legten ihn auf die Kissen und überließen ihn Eugeniens Pflege, während sie sich selbst an die Pumpe stellten, denn das Wasser drang gewaltsam durch die Ritzen im Boden ein. Krassuski kroch unter das Deck, zog die dort unter- gebrachten Sachen und die Brettcrbekleidung weg und suchte nach der Oeffnung. „Wir haben ein gutes Boot gebaut!� Das war tagend- hafte Arbeit! Jedes andere Schiff wäre in Splitter gegangen!" prahlte Fan.„Wir brauchen keine Verfolger mehr zu fürchten." „Bah! wenn sie von diesen Stellen wissen, dmm können sie sich links halten, und das Boot an der gefährlichen Stelle vorbeischleifen," meinte Alexandroff. „Ach? was Verfolger! Das Meer ist ganz nahe! Wenn sie uns bis jetzt nicht gefaßt haben, dann fasseir sie uns auch nicht mehr! Stechen wir in See, dann ist's vorbei, dann verbergen wir uns zwischen dem Eise und nicht einmal ein russischer Polizist spürt uns dann auf!" riefen sie. „Kein russischer Polizist spürt uns auf," wiederholte Mrißja lachend. „Gut, gut!" Ich will's gern glauben!" schmunzelte Alerandroff.„Ich sag's nur/ um die Trägheit zu verscheuchen." • Am Ufer fanden sie schon hier und da Fischerdörfer. An cincni derselben landetm die Flüchtlinge, um Erkundigungen einzuziehen ,V»ber sie fanden keinen Menschen. Die Einwohner waren geflohen und hatten alles im Stiche gelassen. Sie fanden aufgeschnittene, halb ausgenonimene Fische auf den Hackt brettern, gefüllte Töpfe auf dein Herde,' umherliegende Kleidungsstücke, die augenscheinlich eben erst abgelegt worden waren. Einen-Teil der Fische nahmen sie mit, indem sie reichlich Tabak und Tee dafür zurückließen. Weiter fahrend, erreichten sie einen Fischer und dieser sagte ihnen, es sei'nicht mehr weit, höchstens noch 200 Werst bis an die See. Sie kamen an einem großen Dorfe vorbei, mit einem Kirchlein auf einer Anhöhe; das Dorf war fast leer, denn es kam ihnen niemand entgegen; dann sahen sie ein anderes, kleineres Dorf, aus dem eine Menge Menschen und Hunde bis ans llfer ge- laufen kamen, um das Schiff zu bewundern. Zwei Fischer in hübschen Pirognen kamen auf Schußsveite heran und luden sie ein, ins Dorf zu kommen, aber sie folgten der Einladung nicht, und gaben vor, ihre Sprache nicht zu verstehen, Amerikaner zu sein. Der mächtige, breite Fluß, dessen Wasser so tief war, daß es ganz schwarz schien, zog majestätisch an lachenden grünen Ufern vorbei. Die Berge verschwanden, und dann die Wälder, und bald darauf teilte sich der Fluß wieder und floß in gleichen, unend lich langen Streifen über die Tundra. Der niedrige Horizont erglänzte von den ausgetretenen Wassern, der Fluß verschwand in perlgraue» Fernen, und iminer wieder glaubten die Flücht« linge das Meer bereits vor sich zu sehen. Hier rangen wieder furchtbare Stürme mit ihnen. Sie versuchten das Boot am Schlepptau zu ziehen, aber infolge der ungeheuren Wellen schaukelte es so heftig, daß Niehorski wieder einen Blutsturz bekam. Sie landeten an einem alten Fischerschuppen, brachten den Kranken ans Ufer, machten au einem geschützten Ort Feuer au und umlagerten es im Kreise. Die Wärme und das frisch gekochte Essen gaben ihnen bald ihre gute Laune und ihre Kräfte wieder. „Ich halte Euch wieder auf!" klagte Niehorski. „Ach, Unsinn! Wir werden alle ausruhen und dann das Versäumte bald nachholen!" tröstete Eugenie. „Wenn Sie nicht dabei sind, geht alles nicht halb so gut." Krassuski war auf die Jagd gegangen. Die andere» flickten ihre Kleider oder legten die Hände in den Schoß. Samuel kochte Tee tind amüsierte sich damit, Mußja Angst zu machen. „?lch, Mußja, für einen Walfisch ist unser Boot nur ein elknder Happen, denn er schluckt ja große Schiffe, als wären's Nußschalen, llnd Jonas, der so und so viele Tage in seinem Bauche gelebt und sich da ganz häuslich niedergelassen hatte?, Aber das ist alles noch Kinderspiel! Haben Sie von der Sceschlange gehört?" Mußja schüttelte den Kopf und sah die Kameraden der Reihe nach an, um sich zu überzeugen, ob sie ihn zum Besten hielten oder nicht. „Wenn sie den Kopf über den Wellen erhebt, dann ist sie größer als der höchste Kirchturm, lind wie lang muß sie erst unter dem Wasser sein! All die Stürme und Wirbel verursacht sie. wenn sie beim Schwimmen mit dem Schwänze schlägt. Ich Hab' sie nicht gesehen, aber sie ist in allen Zeitungen beschrieben worden." erzählte der Dichter ernsthaft. „Na, da haben Sie's! Hab' ich nicht immer gesagt, wir sollten das Boot zum Teufel schicken, die Sachen in Bündel ver- teilen, jeder eins davon nehmen und dann: heidi!... Zu Lande ist's immer sicherer. Ha! ha! Ich Hab' recht! So dunuu ist der Franzose auch nicht," lachte Mußja. „Wir wissen nur zu gut, was das heißt: zu Lande; faseln Sie nicht, Mußja," sagte Niehorski. Im Eismeer gibt's keine Schlaugen und die Walfische kommen den Ufern nicht so nahe, wie Sie glauben! Schwatz' ihm keine Dummheiten vor!" wandte er sich englisch an Samuel. Die Unterhaltung brach ab, aber Mußja sprach nicht mehr so gerne vom Meere, wie früher. Sie erblickten das Meer an einem schönen, sonnigen Mittag. Sie verfolgten den östlichen kleinereil Flußarm, in den sie gebogen waren, um die Fischerdörfer au der Mündung zu vermeiden und ihre Fährte z» verwischen. Der schmale aber tiefe Kanal schlängelte sich zwischen torfigen Inseln. Schwarze, feuchte, von schnmtzigeiil Eis durchsetzte Ufer verdeckten ihnen nach allen Seiten hin die Aussicht. Plötzlich, als sie eine der unzähligen Biegungen hinter sich gelasseil, sahen sie das Land enden, verschwinden, sahen sich am Rande eines tiefblauen Abgrundes, in dein hie und da kleine dunkle Inseln umher- schwammen, als wären es winzige Bruchstücke des Erdballs. Der Abgrund war ganz von den goldenen und blauen Schuppen der schillcriiden Welleil besät, die immer kleiner wurden, immer mehr erblaßten und endlich mit der Luft zu einem linermeßlichen, lichtdurchtränkten Ozean verschwamineu. In der Ferne— ob's über dem Masser oder über der.Erde war, konilten sie nicht ergründen— lagerte ein langer, glatt ab- geschnittener Streifen von weißen durchsichtigen Wolke». An einigen davon blitzten Funken oder feurige Fäden auf, schwankten eiiie» Augenblick hin und her und erloschen. „Eis!" riefen sie ergriffen...... Eis!" Sie beschlossen, eine der Insel» zu erreichen, die in der Nähe der Mündung lag, um süßes Wasser unter der Hand zu haben, dort einige Tage zu rasten und sich zur Seefahrt vorzubereiten. Die„Königin" sowohl als mich der Steuer» mann und selbst einige der Matrosen waren reparatur- bedürftig...... Sie faildcn eine kleine Bucht am hohen Ufer, an das die .Flut nicht heranreichte; dort landeten sie und. warten den Anker aus. Das Voo't wurde sofort ausgeladen und ans Land gezogen, und Alexandroff und Krassuski gingen un- verzüglich daran, die Beschädigungen auszubessern, die Ritzen zu verstopfen und die Fugen zu verteeren._ Sie beschlossen, den Vootraud unverändert zu lassen, aber einen bedeutenden Teil der Kohlen hinauszuwerfen. Auf diese Weise würden sie zwar nicht kochen können, aber der Ballast werde bedeutend geringer. Uebrigcns versicherten die am Ufer wohnenden Jakuten, sie würden überall angeschwemmtes Holz genug vorfinden, um ein Feuer machen zu können. Jan ging, von Arkanoff und Woronin begleitet, auf die Jagd. Samuel und Gliksberg musterten die Sachen, hängten alles, was feucht war, zum Trocknen an die in Pyramiden aufgestellten Ruder und deckten das Uebrige mit den Segeln zu. (Fortsetzung folgt.), (Nachdruck verboten.) Ihre Gage. Bon Seou Aianrof. Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen. I. Der Theaterdirektor(mit zuvorkommenden« Lächeln einen würdigen, alten Herrn begrüßend):„Wollen Sie die Güte haben, mein Herr, mir den Zweck Ihres Besuches auseinander- zusetzen?" Der alte Herr(wie ein Backfisch errötend und verlegen hustend):„Mein Gott, Herr Direktor! Ich fürchte, Sie werden iiber eine... eine'Schwäche lachen, welche in Anbetracht meines Alters vielleicht..." Der Direktor(kühl):„Sie wollen mir ein Stück zu lesen geben? Verzeihung, aber man erwartet mich momentan auf der Probe und..." Der alte Herr(lebhaft):„Nein, Herr Direktor I Nein I Kein Stück!„.. Ich mochte Ihnen ein Geschäft vorschlagen... oder richtiger gesagt, eine finanzielle..." Der Direktor(noch kühler):„Ich bitte, mein Herr, fassen Sie sich kurz!(Wichtig.) Ich darf die Herren Autoren nicht lvarten lassen, weil mir irgend ein Börsenmakler Vorschläge bezüglich der Anlegung meiner Gelder zu machen hat." Der alte Herr(protestierend):„Ich bin kein Börsenmakler, mein Herr! Und ich bm auch nicht gekommen, Sie um Geld zu bitten 1" Der Direktor(etwas freundlicher):„So, so.. Der alte Herr:„Im Gegenteil I" Der Direktor(dessen Gesicht wieder von einem vergnügten Lächeln erhellt wird):„Im Gegenteil? Ach, wollen Sie nicht die Güte haben und Platz nehmen?" Der alte Herr(sich setzend):„Danke, mein Herr I... Uebrigcns will ich mich kurz fassen, da die Herren Autoren Sie er- warten." Der Direktor(mit einer wegwerfenden Handbewegung): „Ach, die Autoren! Die können mir...(sich verbessernd) das hat absolut keine Eile!" Der alte Herr(erstaunt):„Was Sie sagen! Also der Zweck meines Besuches...(Er spielt mit seinem Hut, um seine Verlegenheit zu verbergen) Ich habe... ich habe eine Freundin... eine junge Dame voll Herz, Gemüt und allen edlen Eigenschaften des Geistes und des Körpers...(zieht eine Photographie aus der Tasche und reicht sie seinem Gegenüber) Hier ist ihr Bild. Urteilen Sie selbst!" Der D i r e k t o r(mit Kennermiene):„Donnerwetter! Famos!" Der alte Herr(befriedigt):„Nicht wahr? Aber dabei zart und empfindlich!" Der Direktor(erstaunt das Bild betrachtend):„Nanu? Sie sieht doch wie die personifizierte Gesundheit aus?" Der alte Herr(lächelnd):„Sie haben mich mißverstanden. Ich meine, empfindlich— was die Moral betrifft! So möchte ich ihr z. B. gern eine kleine monatliche Pension geben— sie nimmt nichts!" Der Direktor(erstaunt):„Wirklich nicht?" Der alte Herr(mit Nachdruck):„Nein I Sie erklärte mir: „Wenn Sie mir Geld geben, würde ich immer die Enipsindung haben, daß Sie mich verachten!" Der Direktor(neugierig):„Aber... wovon lebt sie denn? Der alte Herr: Gott, ich habe ihr eine Wohnung gemietet «nd möbliert, und die Lieferanten haben ein für allemal Auftrag, ihre Rechnungen an mich zu schicken." Der Direktor:„Ach so!" Der alte Herr:„Bleibt noch die Taschengeldfrage. Da habe ich nun ein Mittel gefunden, ihr dieses Geld zu geben, ohne daß sie fich dadurch verletzt zu fühlen braucht. Dazu bedarf ich jedoch Ihrer Hülfe." Der Direktor(erstaunt):„Meiner Hülfe?" Der alte Herr:„Ja. Schon öfters hat Klara— meine Freundin heißt Klara— mir gestanden, daß es ihr gliihender Wunsch fei, zum Theater zu gehen, um von ihrer Gage zu leben, um mir nicht länger zur Last zu liegen und.. Der Direktor(mißtrauisch):„Ja. aber die Gage einer Debütantin.. Der alte Herr(lebhaft unterbrechend):„Einen Augenblick. Herr Direktor! Einen Augenblick! Ich weiß, was Sie sagen wollen: die Gage einer Debütantin deckt noch nicht einmal die Omnibuskosten.(Lächelnd.) Schön! Hier will ich eben helfend ein- greifen." Der Direktor(neugierig):„Wie denn?" Der alte Herr:„Sie engagieren meine Klara, geben ihr Gage— und ich bezahle diese Gage." Der Direktor:„Wem?" Der alte Herr:„Ihnen. Und Sie lassen ihr bann das Geld durch Ihren Kassierer auszahlen. Sie verstehen? Das wird Klara sehr schmeicheln, weil es ihr in den Augen ihrer Freundinnen einen gewissen Mmbus gibt, und gleichzeitig kommt sie dadurch zu ihrem Taschengeld. Dabei machen auch Sie, Herr Direktor, eiir gutes Geschäft, indem Sie ganz umsonst eine Schauspielerin voll Grazie, Geist und Talent für Ihr Theater gewinnen." Der Direktor(mit skeptischer Miene):„Davon wollen wir lieber nicht sprechen. Und welche Gage soll ich Fräulein Klara zahlen?" Der alte Herr:„Was Sie beansprucht, natürlich I Ich bin Sanz unbesorgt! Sie ist so verständig, daß sie gewiß keine unver- hämten Forderungen stellen wird. Also abgemacht?" Der Direktor:„Aber, wer garantiert mir die Bezahluna der Gage?" Der alte Herr(ein Stcmpelpapier aus der Tasche ziehend): „Wer? Dieser von mir unterzeichnete Verttag. Sie sehen, ich habe die Ziffer noch nicht hineingeschrieben, aber wie gesagt, ich bin ganz unbesorgt!" Der Direktor(nachdem er das Papier gelesen hat):„Aus- gezeichnet! Ausgezeichnet!(Es sorgsam zusammenfaltend, dann eine wichtige Miene auffetzend.) Schön, mein Herr! Bringen Sie Fräulein Klara her— vielleicht gelangen wir zu einer Verständigung.(Den alten Herrn zur Tür geleitend.) Nach dem, was Sie mir gesagt haben, ist Ihr Vorschlag für mich absolut nicht beleidigend, trägt vielmehr so edlen Enipfindnngen Rechnung, daß er ernstlich in Erwägung gezogen zu werden verdient." Der alte Herr:„Also morgen, Herr Direftor, morgen um drei Uhr werde ich mit Klara hier sein...(sich verbeugend) Herr Direktor!" Der Direktor(ebenso):„Mein Herr!" Zwei Stunden später führt der Theaterdiener eine junge Dame herein, in welcher der erstaunte Direktor ans den ersten Blick das Original der Photographie erkennt, die ihm der alte Herr gezeigt hast Der Direktor(ihr einen Stuhl anbietend):„Gnädiges Fräulein wünschen?" Klara(mit dem bestimmten Ton einer hübschen Frau, welche gewohnt ist, nirgends ans Widerstand zu stoßen):„Herr Direktor, Sie können mir einen großen Gefallen tun." Der Direktor(lächelnd):„Ich wette, Sie wünschen von mir engagiert zu werden, he?" Klara(erstaunt):„Wie? Was? Woher wissen Sie? Aber ganz egal, Sie haben es erraten. Erstens ist es schon lange mein sehnlichster Wunsch zur Bühne zu gehen. Und dann... hm... nämlich... ich kenne einen alten Herrn, der mir... recht zu- getan ist..." Der Direktor(lächelnd):„Ei sieh mal an I" Klara(fortfahrend):„... und einen jungen, der auch sehr nett ist..." D er Direktor(ärgerlich):„So, so! Auch einen jungen?" Klara:„Ja. Da ich aber von dem einen nichts annehmen kann, ohne daß es der andere merkt, bin ich auf folgenden Gedanken gekommen: Sie engagieren mich... gegen hohe Gage natürlich! Gegen sehr hohe Gage I Worüber sich meine lieben Freundinnei» halbtot ärgern werden." Der Direktor(protestierend):„Ja, aber erlauben Sie mal!" Klara(ihn unterbrechend):„Warten Sie doch! Ich werde meine Gage nicht abheben. Es ist nur so pro forma..." Der Direktor(sehr neugierig):„So, so... Sie werden Ihre Gage nicht abheben?" Klara:„Nein. Mein Freund, der junge— Sie verstehen?— wird sie mir direkt bezahlen. Bloß für den anderen— den alten— muß es heißen, ich bekomme die Gage hier vom Theater. Ist Ihnen das recht?" Der Direktor(entzückt):„Ob es mir...(Sich besinnend, ruhiger) Ihre Idee mißfällt mir im Prinzip nicht, aber ich muß überlegen und..." Klara(sich erhebend):„Ach Unsinn! Schlagen Sie ein! Morgen um drei Uhr werde ich mit dem mrderen wiederkommen. Verraten Sie mich dann nicht! Ich bin Ihnen natürlich vollkommen fremd, nicht wahr?" Der Direktor:„Natürlich I" Klara:„Und hohe Gage, verstanden? Die Geschichte kostet Sie ja keine Centime I" Der Direktor(mit Nachdruck):„Seien Sie unbesorgt!" Hl. Am nächsten Tage um drei Uhr führt der alte Herr Klara inS Theater und stellt sie feierlich dem Direktor vor, welcher tut, als sähe er sie zum erstenmal. Begrüßung. Allgemeine Redensarten. Lächeln. Man einigt sich rasch über die sonstigen Engagements- bedingungen. Schließlich handelt es sich nur noch um die Gage. Der alte Herr �gönnerhaft lächelnd):„Es ist selbst- Verständlich, daß das Fräulein auchjGage beansprucht?" Der Direktor(lebhaft):„Selbstverständlich!" Klara(ebenso):„Und zwar eine anständige Gage! Sonst danke ich überhaupt I" Der alte Herr(sie väterlich beruhigend):„Sei unbesorgt, «ein Kind! Der Herr wird Dir geben, was Du verlangst.(Vor- schlagend) Willst Du fünfzig Frank?" Klara(wütend):„Fünfzig Frank I" Der Direktor(entrüstet):„Das ist doch wohl nicht Ihr Emst?" Der alte Herr(erstaunt):„Fünfzig Franks scheinen Ihnen nicht genügend? Sagen wir also fünsundsiebzig l" Klara(die Arme zum Himmel erhebend):„Fünfundsiebzig Frank! Mir!" Der Direktor(ebenso):„Bei soviel Schönheit, Grazie und Anmut I Bei solchen Toiletten und... I" Der alte Herr(etwas unruhig):„Ich dachte, diese Summe wäre als Taschengeld...? Und außerdem bist Du doch erst Debütantin, nicht wahr?" Klara:„Was will das sagen, wenn der Herr doch der Meinung ist, daß ich Talent habe?" Der Direktor(lebhaft):„Viel Talent I Ganz enormes Talent!" Der alte Herr(immer unruhiger werdend, zu Klara): Kurz, was glaubst Du denn beanspruchen zu dürfen, mein Kind?" Klara(den Direktor ansehend, furchtsam):„Ich dachte, tausend Frank..." Der alte Herr(entsetzt):„Sie ist verrückt! Sie.. Der Direktor(ihn lebhaft unterbrechend):„Vollständig verrückt! Sie ist viel mehr loert als tausend Frank!" Klara(ermutigt):„Dann also fünfzehnhundert Frank?" Der alte H e r r(heulend):„Das werde ich niemals zu- geben I" Der Direktor(ebenso):„Er hat recht, Fräillein! Voll- kommen recht! Sie sind das Doppelte wert!" Klara:„Schön! Meinetwegen also dreitausend!" Der Direktor(befriedigt):„Ja; das scheint mir an- nehmbar." Der alte Herr(sich die Haare raufend und dem Direktor verzweifelte Zeichen machend):„Dreitausend Frank monatlich! Einer Debütantin! Aber das ist ja unerhört! Un— er�hört!" Der Direktor(den Kontrakt ausfertigend):„Was wollen Sie? Für solches Talent ist mir kein Opfer zu groß!" Der alte Herr(leise zum Direktor) t«Das ist eine Gemein- heit I Eine Gemeinheit I" Klara(unterzeichnet den Vertrag und schüttelt dem Direktor die Hand):„So! Das wäre also erledigt! Adieu, mein liebes Direktorchen I(Sie nimmt den Ann des alten Herrn, der noch ganz starr vor Entsetzen ist.) Komm!(Sie gehen.) Dreitausend Frank monatlich I Du bist hoffentlich zufrieden, was?(Gefühlvoll.) Und siehst Du, was mich bei der Geschichte besonders glücklich macht, ist, daß ich von Dir kein Taschengeld mehr anzunehmen brauche I"— kleines Feuilleton. en. Blütenpflanzen ohne Erde und ohne Wasser. Zahlreiche Pflanzen brauchen zu ihrer vollständigen Entwickelung nichts anderes als Wasser. Es sind das die Zwiebelgewächse, also Narziffcn, Krokus und Hyazinthen, die daher auch oft einfach in Glasgefäßen mit reinem Wasser gezogen werden. Diese Pflanzen haben eben in deu� Geweben ihrer Zwiebel soviel Nährstoffe auf- gespeichert, daß sie sich davon bei genügender Wasserzufuhr durch die Wurzeln vollauf unterhalten können. Es gibt aber noch be- dürfnislosere Gewächse, die außer der Erde sogar noch das Wasser entbehren können. Auch dies sind Pflanzen mit Zwiebeln, deren Blüte gewöhnlich im Herbst, seltener im Frühjahr stattfindet. Etwa in> August haben die Zwiebeln soviel Saft gesammelt, um die Eni- Wickelung der Blüte herbeiführen zu können. Tie Blüte tritt deshalb auch ziemlich gleichzeitig ein, ob man die Zwiebel nun einfach irgendwo im Trocknen liegen läßt oder sorgfältig einpflanzt, nur daß sie im crstcrcn Fall weniger schön ausfällt. Eine dieser Pflanzen ist die Herbstzeitlose. Man kann sie im August aus dem Boden nehmen, irgendwo in der Wohnung auf ein Fensterbrett oder auf einen Schrank stellen, und sie wird im September ihre lila Blüte ent- wickeln. Von anderen Gewächsen, die sich ebenso verhalten, ist die im Kapland heimische Herbst-Amaryllis oder Belladonna zu nennen, die ohne Erde und Wasser oft Stiele von 50 Zentimeter Länge mit zwei oder drei großen, schönen Blüten treibt. Dasselbe tut ihre Schwester, die Jakobslilie(.Amarxllis'kormissima) aus Südamerika, ferner die weiße römische Hyazinthe in der sogenannten südlichen, schnell blühenden Spielart, sodann Berlins Begonie(Begonia Bertini). Viel Redens wurde im vorigen Jahre von einer anderen merkwürdigen Pflanze gemacht, die man gar als achtes Welt» lvundcr bezeichnete. Sie gehört zu der Familie des sogenannten Aaronstabcs, stammt aus dem Himalaja und wird.Arum cornutum K oder auch Sauromatum guttatum genannt. Bei ihr erscheinen die Blüten im Frühling vor den Blättern und erregen das Staunen jedes Beschauers schon durch ihre bizarre Gestalt, die einem großen Horn gleicht. Die Blüte ist von außen olivengrün, im Innern gelblichgrün mit großen, unregelmäßigen Flecken in dunklem Purpur. Es läßt sich kaum ein sonderbarerer Anblick denken als diese seltsame Blüte, die unvermittelt aus einer dunkelbraunen, abgeplatteten Zwiebel hervorwächst. Alle genannten Gewächse haben übrigens das gemeinsam, daß sie die Blüten vor den Blättern entwickeln. Nachdem die Blüte vorüber ist, tut man die Zwiebeln am besten in die Erde, damit sie sich erholen. Zu einer neuen Blüte darf man sie unter jenen ungewöhnlichen Bedingungen nicht vor Ablauf eines Jahres zu veranlassen suchen. Die Arten, bei denen der Versuch am besten gelingt, sind die Herbstzeitlosen und die Vertreter der Gattung Amaryllis. An den übrigen Pflanzen sind die betreffenden Beobachtungen erst kürzlich gemacht worden, und es unterliegt kaum einem Zweifel, daß sich bei weiterer Nachforschung noch andere Gc- wüchse finden würden, die ihre Blüten ohne Wasser und ohne Erde zu entwickeln vermögen.— Theater. Neues Theater.„D ie lu st igen Weiber von Win d so r." Komödie von Shakespeare.— Daß„Die lustigen Weiber" im Neuen Theater ausgezeichnet inszeniert und gc- spielt werden würden, ließ sich bei den künstlerischen Kräften, die dem hochstrebenden jungen Unternehmen zu Gebote stehen, von vornherein erwarten. Mit erstaunlicher Liebe und Sorgfalt war alles abgewogen, ausgefeilt bis in das kleinste Detail,— eine Musterleistung der Regie und Darstellung. Aber was hätte bei diesem eminenten Aufwand an Kosten, Arbeit und Talent erreicht werden können, wenn man ihn statt fijzj„Die lustigen Weiber'" für eine der großen, phantasiedurchwobcuen Shakespcare-Komödien eingesetzt? Scheute man den Vergleich mit den Aufführungen im Schauspielhaüse? Ließ man sich oei der Auswahl davon leiten, daß gerade dieses Lustspiel Shakespeares so selten,—- in den letzten zwei Jahrzehnten wohl noch kein halbes Dutzend Mal auf deutschen Bühnen— gespielt ist? Glaubte man, daß Engels und die Sorma die inneren, dem Stück anhaftenden Wirkungshemmungen im wesentlichen überwinden könnten? Oder sah man die Hemmungen nicht? Sehr lustig sind, im Anfange wenigstens, die Liebesabenteuer des weltberühmten dicken Ritters, hat er auch nicht mehr ganz unvermindert den alten sprudelnden Witz der Falstaffteden in Heinrich IV. Der graue, eitle Sünder, dem die Gelder ausgehen, will sich an dem Beutel zweier reicher Bürgersleute schadlos halten. schreibt schmachtende Licbcsbrieflein und läuft arglos, ein geprellter Prcller, in jede Fall, die die llebcrmütigcn ihm stellen. Seine ungeheure Leiblichkeit muß er, cingcängstigt beim Rendezvous, in eine Waschkorb flüchten, sich„wie ein starker Aguavit mit Leinen- zeug, das in seinem eigenen Fette gor, verkorken" und dann „glühendheiß wie ein Hufeisen" mitsamt der schmutzigen Wäsche in die Themse werfen lassen. Und zum zweiten und zum dritten Male gehts ihm ähnlich/ Erst als die fröhliche Gesellschaft. phantastisch als Elfenschar vermummt, ihn im Walde höhnend um- tanzt, steigt dämmernd seiner Seele die Erkenntnis auf, daß man aus dem schlauen Sir John„einen Esel gemacht hat". Schlichlich freilich ermüdet auch in diesen Szenen die Wiederholung des Motivs, da sie die Komik der Waschkorbaffäre nicht mehr zu überbieten vermag. Vor allem aber, es fehlt uns das lebendige Verhältnis zu dem, waS Shakespeares Zeitgenossen vielleicht als einen Hauptreiz empfunden haben, zu dem— Milieu. Die großmäuligen Pistol und Nym in dem cGfolge Falstaffs, der Friedensrichter, der: händelsüchtige französische Arzt, der sanftmütige, radebrechcnds Wallisesche Pfarrer, die hier so breiten Raum in Anspruch nehmen. sind damals wohl flott hingeworfene Lokal- und Zeittypen gewesen. von starker, aktueller Wirkung: wie denn diese bürgerliche Komödie Shakespeares überhaupt im Gegensatz zu seinen anderen, ein ganz bestimmtes kulturhistorisches Gepräge trägt. Heute, losgelöst von jeder gegenständlichen Beziehung, die interessieren könnte, erscheint uns jenes Aktuelle großenteils kalt, gesucht und leer. Breit legt sich das Fremde um den Kern der Handlung und unterbricht, kaum hier und da zu einem halben Lachen stachelnd, den Ansatz einer unbe- fangenen Heiterkeit. Ter lang ausgcsponnenc Duellspaß zwischen Arzt und Pfarrer z. B., mit einem doppelten Szenenwechsel ver- knüpft, wirkte trotz trefflichen Spieles auf der Bühne abgeschmackt. Man versteht nicht das Warum. Wozu. Herr V a l l e n t i n, der geschickte Bearbeiter und hervorragende Regisseur, hätte ungeachtet aller literarischen Pietät vor energischen Streichungen nicht zurück- scheuen sollen. Einiges wäre auf diese Weise schon zu gewinnen gewesen. Ter Beifall— man hätte ihn nach manchen Szenen noch lauter und wärmer wünschen mögen— galt jedenfalls in erster Reihe und mit vollem Recht der Tarstellung. Agnes Sorma, die die Rolle der Frau Fluth hatte übernehmen solleu, war leider immer noch nicht hergestellt. Ein glücklicherer Ersatz aber als Fräulein L u c i e Höflich hätte sich nicht finden lassen. All die schnippische Munterkeit, durch die die junge Schauspielerin als Franziska in der„Minna von Barnhelm" bezauberte, kam auch in der neuen Rolle, nur noch durchtriebener, ausgelassener zum Vor- schein. Aus dem hüpfenden Gange, aus jeder Bewegung und Ge- berde schaute prickelnder Uebermut heraus. In Frl. Heims be» saß sie eine gleichgestimmte Partnerin. Es war ein ansteckcndcZ i• Duett des Lachens und der Fröhlichkeit. Den Falstaff spielte Georg Engels sehr eindrucksvoll, ivcnn auch Wohl nicht völlig dem Charakter der Figur gctnctsz. Er war behaglich, und so köstlich in dieser sprudelnden, wohlwollend blickenden Behaglichkeit, daß man den Lumpen und gemeinen Gauner fast darüber vergaß? Prachtvoll in ihrem elegischen Humor gelang die Erzählung, in der er dem verkleideten Fluth sein nasses Abenteuer schildert. Sehr stilgerecht mit einem eckigen Naturalismus gab K a i ß l c r diesen blinden Draufgänger der Eifersucht. W a ß m a n n, der Baron des„Nachtasyl", brillierte als semmelblonder Junker Schmächtig, P a g a y setzte seine Kraft für den Walliser Pfarrer ein. Auch die kleineren Rollen— nur Hedwig Wangels exzellente Frau Hurtig sei hier erwähnt— lagen in guten Händen. Die von S l e V o g t entworfenen Dekorationen wirkten in ihrer Einfachheit vorzüglich, ebenso überzeugend echt wie malerisch.— »—dt, Kunst. c. s. Zu den bei Cassircr ausgestellten Bildern, über die schon berichtet wurde(Monet, Manet, Eorinth), ist jetzt noch eine Kollektion kleiner Gemälde von St. P o p c s c o hinzugekommen. Popesco ist Rumäne. Allen seinen Bildern haftet ein trüber Ton in der Gesamtsarbengebung an, etwas Schwermütig-Weiches, das ci» die Melodien der Rumänen erinnert, etwas Gehaltenes, Ge- tragcncs, Moll. Dann plötzlich setzt er grelle bunte Töne hin, wie etwa eine traurige Melodie plötzlich schluchzend aufjauchzt, aus Trauer in Taumel umschlägt. Er liebt die weiten Ebenen, Wicsenflächcn, die sich unendlich dehnen; er bringt keinen auffälligen Reiz hinein. Ein Baum, noch dazu alt und knorrig. Ein Dach. Das ist alles. Sein Pinsclstrich ist breit und weich, lyrisch getragen. Darum meint man mehr zu sehen als dargestellt is� eine unaufhörliche Linie, eine fließende Farbe. Dieses Malerische drängt sich in den Vordergrund. Auch fällt auf, daß Popesco trotzdem es liebt, einen Gesamteindruck zu konzentrieren. Das Seavisch-Weiche zerfließt nicht. Er gibt Bilder. Er strebt nicht zu dein Reiz des Unfertigen, der Skizze. Ja, im ganzen haftet seiner Kunst etwas ausgesprochen Architektonisches an. D. h. er will sich aussprechen. Er unterstreicht Gegensätze und setzt sie bewußt gegeneinander. Gegen ein breites Wasser einen fest und großflächig aufstrebenden Turin. Das ist bewußt herausgearbeitet. Dieses Feste, Energische kommt speziell dem Porträt zustatten, wo er bcstiinmte Linien zieht, ohne ins Platt- Aehnliche zu verfallen. Er erhöht damit die Gegenwart, das ist das Künstlerische. Und sieht man von hier aus zurück auf die technischen Mittel, so ist nicht zu verkennen, daß eine vornehme Art überall anklingt. Nie ein Protzen, nie ein Kokettiere»— ein Beherrschen, ohne diese Fähigkeit dem Beschauer faustdick unter die Augen zu halten. In dem W e r t h c i m s ch e ii Kunstsalon, der augenblicklich wegen der Umbauten ein kümmerliches Dasein in dem Seitenflügel fristet, ist eine kleine Ausstellung eröffnet. ES ist naturgemäß, daß iiiaii hier nicht die Pioniere trifft, die Maler, die neue Wege führen und weisen. Darüber ist also kein Wort zu verlieren. Alle die, hie zumeist hier ausstellen, sind gute Schüler, sie sind bestrebt, zu- vcrlässige, ehrliche Arbeiten zu geben.' Sie suchen, die Tatsächlich- kciten wiederzugeben, eine Landfchaftz ein Porträt, ein Interieur. So wie es aussah, wollen sie es farbig und zeichnerisch festhalten. So gibt A. v. Brandis Gartenhäuschen, Bauernstuben, eine Hütte im Sonnenschein, eine Bauernküche— alles lebendig und malerisch gesehen. Von Gertrud Kilz sind Interieurs da in Gotik, Renaissance und Rokoko, von S i e b c l i st Freilichtstudien, die noch reichlich schwer sind, von Z e h in e, der einen leichteren Blick fürs Malerische einer Erscheinung hat, ein paar flüssig gemalte Bilder, Landschaften und Porträts.— Medizinisches. _ss. D e r Arsenik i NI gesunden Mens ch e n k ö r p e r. Es ist jetzt sicher festgestellt, daß der Arsenik als normaler Bestand- teil im menschlichen Körper vorkommt. Daraus entsteht nun die Frage, wie der Stoff in unseren Leib hineingelangt, und die Ant- wort kann nur durch möglichst genaue Ilntersiichung der verschiedenen Nahrungsmittel gegeben werden. Der Pariser Chemiker Gautier hat zusammen mit Clausmann eine große Zahl von Nährstoffen daraufhin untersucht und teilt in einer Liste deren Gehalt an Arsenik mit, der allerdings so gering ist, daß er nur in Millionstel Teilen des Gewichts angegeben werden kann. Am höchsten ist er in Krebsen, wo er über 45 erreicht; die Eier und das Fett dieser Tiere haben noch 36 Arsenik und die Schale, die freilich niemand essen wird, sogar 164. Einen ähnlich hoben Gebalt hat graues Salz(45), dann folgen Englisches Salz mit 15, Steinsalz mit 14, Staßfurtcr Salz mit 2.6, Fische sind durch verhältnismäßig viel Arsenik aus- gezeichnet, die Makrele erreicht bis gegen 4 Millionstel Geivichts- teile. Kartoffeln enthalten lvcuig über 1, Weißbrot 6,7, frisches Rindfleisch ebenso viel, Milch weniger als 6,65, Bier 6,61. Gautier Licht aus seinen Untersuchungen insgesamt folgende Schlüsse: Die Muskeln enthalten im Vergleich zu anderen Organen sehr Ivcnig Arsenik, auch ist die in ihnen befindliche Menge sehr großen Wechseln unterworfen. Die verhältnismäßig große Menge von Arsenik in den Fischen stammt aus dem See Wasser, das an der Oberfläche ■1,1 und in 16 Meter Tiefe 2,5 Arsenik besitzt. Da einige Nahrungs- mittel keine Spur von Arsenik enthalten, beispielsweise Eiweiß und Bohnen, so läßt sich nicht behaupten, daß der Stoff überall gegen« wärtig oder überhaupt ein ständiger Bestandteil der lebenden Zelle sei. Auf Grund zehnjähriger Untersuchungen kann man sagen, daß ein erwachsener Mensch täglich etwa einundzwanzig Tmisendstel Milligramm oder im ganzen Jahr 7,7 Milligramm Arsenik in sich aufnimmt. Wo der Verdacht einer Aresnikvergiftung vor- liegt, können nur solche Organe einen Beweis liefern, die sonst den Giftstoff kamn enthalten, wie die Leber, die Milz, die Misteln oder der gewaschene Darm.— Bergbau. — Aus einer Mitteilung der Italienischen Geologischen Landes- anstalt gelegentlich der Weltausstellung in St. Louis ist zu ent- nehmen, daß der gesamte Bergbau Italiens einschließlich der Torf- und Mcersalzgewinnung im Jahre 1962 Werte von 132 Millionen Lire förderte und 112 668 Eintvohner beschäftigte. Der eigentliche Bergbau stellte einen Wert von 88 Millionen Lire dar und ist in beständiger Zunahme begriffen. Auf die Gewinnung von Schwefel, die vier Fünftel der Produktion auf der ganzen Erde betrug, kommen 55,3 Millionen Lire, davon in Sizilien mit 696 Schwefclgruben 49,3 Millionen. 96 Proz. des Schwefels Iverden erportiert, davon ein gutes Drittel nach Nordamerika. An zweiter Stelle steht Marmor im Betrage von 16 Millionen Lire. Hier- von treffen vier Fünftel die Gegend der Apuanischen Alpen(Massa und Carrara). Der Wert des verarbeiteten carrarischen Marmors, der zum Export kam, kann auf mehr als 35 Millionen Lire gc- schätzt werden; unter den Exportländern steht an erster Stelle Deutschland. Gegen Schwefel und Marmor treten die übrigen Produkte des Bergbaues in den Hintergrund; zu erivähnen sind Zink(Sardinien) mit 11,7 Millionen, Blei(Sardinien) mit 5,7 Millionen, Eisen(Insel Elba) mit 3,8 Millionen. Kupfer(Toskana, Ligurien, Friaul) 2,3 Millionen, endlich Kohlen(Toskana) mit nur 3,2 Millionen Lire.—(„Globus".), Humoristisches. — Verblümt. Sie:„Ach, Karl, es gab eine Zeit, da streicheltest Du mir häufig das Kinn I... Das tust Du jetzt gar nicht mehr!" E r:„Ja damals hattest Du auch bloß c i n s I"—_< — Dilemma Beamter:„Jetzt weiß ich faktisch nicht, was ich tun soll! Arbeit' ich den Rückstand nicht auf, so werd' i ch gerüffelt; arbeit ich ihn aber auf, dann wird der V o r st a n d gelobt!"— — I ni Seebad.„Jsidorl Isidor!" „Was hast De denn?" „Isidor, ich Hab' kein' Grund!" „Na, was schreist De denn, wenn De hast kein' Grund?"— — Was anders. Dorfschmie diu(die erst vor kurzem geheiratet hat):„Schön is mein Alois! frcili net— aber als Feuerwehrkommandant— d a kann er si' seh'n l a s s' n l"— („Fliegende Blätter".) viotizeu. — Der Schriftsteller Oskar Pa n izza, von Hause au? Irrenarzt, mußte in eine Irrenanstalt gebracht werden. In München lief er im Hemde auf der Straße umher.— — Der italienische Untcrrichtsminister will für den Dichter C a r d u c c i, der als Professor an der Universität Bologna seine Versetzung in den Ruhestand verlangt hat, eine National- Pension wie seinerzeit für Alessandro Manzoni beantragen; es würde sich um ein Ehrengehalt von jährlich 12 666 Lire handeln.— —„Narren der Lieb e"; ein vicraktigcs Lustspiel von M. C. d c l l c G r a z i c, wird im Deutschen V o l k s t h c a t e r zu Wien zur Aufführung gelangen.— — Die Aufführung des„Roland von B e r l i n" ist v c r- schoben worden. Ende November soll's losgehen, wenn nicht wieder verschoben wird.— — Im Institut für Meereskunde finden in der Zeit vom 8. November 1964 bis zum 22. Februar 1965 wieder öffentliche Vorträge statt.— — Eine großartige Reliefkarte von Japan, die von dem Japaner Kainase hergestellt worden ist, erregt auf der Weltausstellung in Saint Louis Aufsehen. Die Karte ist etwa 36 Meter lang und 15 Meter breit und gibt in dieser Größe eine klare Vorstellung von der Bodcngestaltung des japanischen Reiches, obgleich die bei den Gebirgen angewandte Ueberhöhung im Ver- gleich zum Flächcnmaßstab nur eine dreifache ist, während die meisten Reliefs fünf- bis achtmal erhöht sind, wodurch eine bedenk- lichc Verzerrung entsteht. Die Karte ist in der japanischen Stadt Fukuoka hergestellt worden.— — Die Weltproduktion an Seide betrug im ver- gaugcncn Jahre 18 135 666 Kilogramm.—• — In Queensland sind bedeutende W o l f r a m e r z» f e l d e r entdeckt lvordcn.— — In einer Brauerei in Regen(Bayern) wurde in diesen Tagen die Hochzeit eines Oekonomen gefeiert. An dem Mahle beteiligten sich 145 Personen, lvobei 7 Zentner Rindfleisch, 6 Zentner„Schweinernes", 626 Knödel, 366 Paar Leberwürste und „Blunzen"(Blutwürste) nebst vielem Backwerk vertilgt wurden.— Eerantwortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin.— Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagsausialtPaul Singer ÄCo., Berlin LVV-