2S3.\/( 16. Jahrg. �W �S�iL, �»»»roll-•« «bonnement«.P«i, pränumerando- H W wil// W HB B Ml Mf � MH»etrögi sür dt- s-chsg-sp->l.°n° K°l-ml. v.-rt-li-hrl. SL0 Mr.. mon-ll. l.ioMk.. W JM\ W W M fA W BS Hi BH H f/ W ifB�/y gelle ober deren Raum 40> Mi HB■ M W»M> H IM // politische und gewerkschaflliche VerelnS- kinzeine Nummer S Psg. Sonntag»- MMA ihJSK BB DD HB MD DM lM Ml DM M HB und Versammlungs- Anzeigen Li) Pfg. Nummer mit illustrierter Sonnlag«- WMmI[ M» �D Ml DM MB Ml DD M �D ,, Kleine Anseilten" jedes Wort 5 Pfg. Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- ZT�U I I H H MRv JML\ HH\ �Mv�MV HH\ W(nur da« erste Wort fett). Inserate sür Abonnement: 3.30 Mark pro Quartal. MB I �M I DM DMV«HdX �M // B Me nächfle Nummer müssen bis 4 Uhr sss.'�.rÄ's- Ii m W-#>/■ rÄ-ÄSSÄ BieioUile sui 1809 unter Er. TUSO-"S. tagen bi»? Uhr abends, an Sonn- und Unter Kreuzband für Teutschland und �(Qyf fy-T�—--->v■/ tr�TS' Festtagen bt» 3 Uhr vormittags geöffnet. Oesterreich-Ungarn 2 Marl, sür da«________ 6)- übrige Ausland 3 Marl pro Mona,. � v--— Fernsprecher: Amt I. Nr. 120». Trscheinl täglich nuster Wonk-a«. �\ �..Sorinldemokrat verlin" Centraiorgan der sociatdemokratischen Partei Deutschlands. Rrdaktion: L�. 19. Beulh-Strasze 2. Der Feind. Es liegt in der Natur der Dinge, daß die gemeinschäd- lichen Wirkungen des Kapitalismus, welche die socialistische Bewegung für die bedrohte menschliche Gesellschaft zu einer Notwendigkeit gemacht haben, je mehr der Kapitalismus sich entfaltet, in um so höherem Maße und weite reni Unifang sich geltend und fühlbar machen. Je mächtiger der Kapitalismus luird,� desto größer muß folgerichtig auch sein Einfluß auf den Staat und die Politik sein. In Deutschland, dem politisch rückständigsten der Kultur- stauten, und dem Staat, welcher zuletzt in die kapitalistische Entwicklung eingetreten ist, konnte sich am längsten die Fiktion erhalten, daß der Staat über den Parteien stehe und keine anderen Interessen habe als die der Gesamtheit. Aber das ist schon lange her, wenn auch das Lied vom socialen König oder Kaiser, der als parteiloser Mittler in hinimlischer Aetherhöhe unnahbar für irdische Leidenschaften throne, dann und wann noch einem verspätet aufthauendcn Münchhausen- Horn entfleucht. Den F e b r u a r- E r l a s s e n ist die Zuchthaus-Vorlage gefolgt und hat die nackte Wahr- heit an die Stelle der gleißenden Dichtung gesetzt. England, wo der Kapitalismus sich am frühesten und kräftigsten entwickelte, hat mit dem Märchen von dem über- parteilichen Staat auch am frühesten aufgeräumt. Die Känipfc gegen die französische Revolution und Napoleon waren nicht „Kämpfe für eine Idee", für monarchische oder konservative Principien, sondern Kämpfe um die Herrschaft des Welt- meeres, um die Eroberung oder Erhaltung des Weltmarktes. Und schon vor fast zwei Menschenaltern— im Jahre 1841— brach England einen Krieg mit China vom Zaun in der un- verhüllten Absicht, Abnahme für das auf Rechnung derOstindischen Compagnie in Indien angefertigte Opium zu Monopol- preisen zu erzwingen. Der Kapitalismus bediente sich der Regierung und des Staats als seiner Commis und seines Werkzeugs— und Regierung und Staat übernahmen widerstandslos die unter dem goldenen Scepter des Kapitalismus selbstverständliche Rolle. Loin Opiumkrieg zum Boerenkrieg führt eine ununter- brochene Straße, die durchHunderte vonBlutlach en großer und kleiner Kriege bezeichnet ist. Lauter Kriege im Dienste des Kapitalismus, der, nachdem er die alten Kulturländer aus- geraubt hat, auf neue Beute sich stürzen, neue Märkte sich erschließen muß, und die Thore zu ihnen mit Flinten und Kanonen aufsprengt. Das nennt man Kolonial- oder Weltpolitik. Im Grunde genau die nämliche Politik, wie die der barbarischen UrVölker Afrikas und Australiens, die sengend, brennend, mordend in das Gebiet der Nachbarstämme einbrechen. Nur ein Unterschied ist: der barbarische Neger oder Australier geht auf den Raubzug, wenn der Hunger ihn treibt— es ist das wilde Tier, das in dem barbarischen Menschen wieder hervorbricht. Der Kapitalismus dagegen geht auf den Raubzug, weil er an Ueberfluß leidet,— weil er, um nicht in seinem eigenen Fett zu ersticken, für seinen Ueberfluß einen Abfluß, für das Zuviel seiner anarchischen, bloß von Profitgier geleiteten Warenproduktion Absatz braucht. So giebt es für die Barbarei, welcher der Kapitalismus verfallen ist, und in die er die menschliche Gesellschaft zurückwerfen will, nicht ein- mal die Entschuldigung des Hungers. Es ist die raffinierte, durch, alle Mittel der Kultur gesteigerte, vertiefte und ver- breiterte Barbarei der Zeit vor der Kultur. Ein Vergleich des Opiumkriegs mit dem jetzigen Boeren- krieg zeigt die Fortschritte des Kapitalismus auf seinem Wege zliriick in die Barbarei. Vor 58 Jahren wagte der Kapi- talislnus noch nicht, seine wahre Natur zu enthüllen, sich zu seinem Denken und Handeln zu bekennen. Der Zweck des Krieges wurde sorgfältig verschleiert: daß die Chinesen viviseziert und vergiftet werden sollten, um Gold in die Tasche der englischen Kapitalisten zu bringen? Bei Leibe nicht. China sollte der Civilisation und dem Christen- t u m erschlossen werden. Und wer es leugnete, war ein Verleumder. Heute ist das anders. Die Boeren sind Christen— infolge ihrer patriarchalischen Lebensweise vermutlich noch etwas christlicher als die Engländer— und als Vettern der Eng- länder stehen sie auf dem gleichen Boden der Civilisation wie diese. Nein— es ist einfacher Raub sms phrase. Das Gold, die Diamanten und die sonstigen Naturreichtümer des Boerenlandes sind von einer Aktiengesellschaft: der Südafrika- Nischen Compagnie, zum Gegenstand der Spekulation gemacht worden, und an der Spihe dieser Aktiengesellschaft stehen Rh od es,„der'Napoleon von Südafrika", und Chamberlain, der Kolonialminister von England. Der Raubzug des Schwindel- Doktors I a m e s o n vor vier Jahren war im Auftrag beider veranstaltet. Wäre er gelungen, so hätte die Südafrikanische Gesellschaft damals schon ihr Ziel erreicht und der gegenwärtige Krieg wäre unterblieben. Der Raub krieg von 1399 ist nur eine Fortsetzung des Raub z u g e s von 1895. Und damit niemand über die Triebfedern sich täuschen kann, hat ein englisches Blatt die Zahl und die Nummern der südafrikanischen Aktien ver- öffentlicht, die sich in den Händen Lord Chamberlains und seiner Sippe befinden. Ein zweiter Opiumkneg— nur ohne Feigenblatt. Donnerstag, den 9. November Expedition: SW. 19. V-uth-Skeahe 3. „Das ist das selbstsüchtige, treulose England— aber wir, wir sind solcher Praktiken nicht fähig!" brüllt es aus allen Ecken des zum Glück sehr kleinen Alldeutschland, und fromm- hochnäsig schlagen unsere christlich- germanischen Patrioten die Augen empor zum Himmel:„Wir sind bessere Menschen!" Das haben die Pharisäer von jeher gesagt. Bessere? Ist unsere Kolonialpolitik etwa besser als die englische? Sind es edle, humane Zwecke, die uns nach Afrika, nach China getrieben haben? Fing unsere Kolonialpolitik nicht damit an, daß sie auf S a m o a die Aktien der verkrachten Godefroy-Gesellschaft an der Börse hinaus- schwindeln wollte? Wie Napoleon III. den M e x i k a n i- schen Raubzug in Sccne setzte für die Aktien des Bankiers I e ck e r und Chamberlain jetzt den Boerenkrieg für die Aktien der südafrikanischen Compagnie. Und sind unsere Leist, Peters sittlicher, menschlicher, kurz bessere Menschen als die Rhodos und Chaniberlain? Bloß kleineres Format— Miniaturausgaben. Weit entfernt, weniger brutal aufzutreten als in England und in anderen alten Kulturländern, ist der Kapitalismus in Deutschland eher noch schamloser und brutaler. Es erklärt sich das aus der Thatsache, daß der Herrschaft des Kapitalismus nicht wie in England und Frankreich eine Epoche bürgerlicher Freiheit vorausgegangen ist, die gewisse höhere Gesichtspunkte in die Politik einführte. Unser Junkertum, welches seit Jahr- Hunderten das Regierungsprivileg besitzt, hat seine ganze Rückständigkeit und Roheit in den Dienst des Kapitalismus gestellt. Es offenbart sich dies in unserer gesamten inneren und äußeren Politik. Ueberall die Diktatur des Kapitalismus, ausgeübt von unserem Junkertum. Die beiden Fragen, die augenblicklich für uns im Vordergrund des politischen Interesses stehen: Zuchthausgesetz und neue Flottenvorlage, entspringen derselben Quelle: dem Kapitalismus. Der Kapitalismus muß ausbeuten und rauben. Er lebt von der Ausbeutung und vom Raub. Die Arbeiter widersetzen sich der Ausbeutung— Zuchthausgesetz I Die Völker widersetzen sich der Beraubung— Flottenvermehrung I Durch das Zuchchausgesetz sollen die Arbeiter, durch die vermehrte Flotte die fremden Völker, deren Land und Markt der Kapitalismus braucht, im Zaum gehalten werden. Die Flottenvorlage hat aber noch in anderer Beziehung einen kapitalistischen Ursprung. Unsere Großindustriellen suchen nicht bloß in fernen Weltteilen neue Absatzgebiete, sie suchen solche auch im Inland, wo man es ja viel bequemer hat. Warum sich darauf beschränken, in die Ferne zu schweifen? Die guten Profite liegen so nahe. Für ein paar Tausend Millionen Schiffe bauen, welch ein Geschäft I D a s i st s o einträglich wie ein Boerenkrieg und, hat man die Klinke der Gesetzgebung in der Hand, so einfach und leicht... Also Raub- und Geschäftspolitik. Geschäfts- und Raubpolittk. Und um sie dem Volk aufzudrängen, Zuchthaus- g e s e tz. Ein hübscherer Name muß natürlich gewählt werden. Zuchthausgesetz? Bah I Das klingt schlecht: Gesetz zuni Schutz der persönlichen Freiheit, Gesetz zum Schutz der Arbeitswilligen. Raub- und Geschäftspolitik? Pfui, wie roh! Welt- Politik. Nationale Wirtschaftspolitik. Hinter all' diesen schillernden, glänzenden Namen verbirgt sich der eine Kapitalismus. Der Kapitalismus, den der internationale Arbeiterkongreß von Brüssel vor 8 Jahren bereits als den Vater des Militarismus gebrandmarkt hat. Militarismus, Marinismus, Kolonialpolitik, Weltpolitik. Zuchthauspolitik— mit ihrem Zubehör von Liebesgaben, Großkornwucher, Brot- und Fleischverteuerung— alles Ausfluß ein und desselben Systems, alles Früchte ein und desselben Baumes: des Kapitalismus. Der Kapitalismus ist der Feind. Ihm Krieg bis zur Vernichtung! politische Mebevlicht. Berlin, den 8. November. Lösung der Samoafrage. Offiziös wird gemeldet: „Zwischen dem Deuffchen Reiche und Großbritannien ist. unter Vorbehalt der Zustimmung der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, ein Abkommen getroffen worden, wonach, unter Aufhebung der Samoa-Akte, die beiden Samoa-Jnseln U p o l u und S a v a i, sowie die anliegenden kleinen Inseln als freies Eigentum an Deutschland, die Inseln Tutuila und ihre Neben-Jnseln an Amerika fallen. England verzichtet auf jedes Anrecht auf die Samoa-Jnseln. Deutschland verzichtet auf alle Ansprüche an den Tonga-Jnseln und Gavage- Island zu Gunsten Englands und tritt die beiden östlichen Salomon- Inseln Choiseul und Isabel nebst ihrer insularen Umgebung an England a b. Die beiderseitigen konsularischen Vertretungen auf den Samoa- und Tonga-Jnseln kommen bis auf weiteres in Fottfall. Deutsch« land hat ferner dieselbe Berechtigung wie die englischen Untetthanen zur freien und unbehinderten Anwerbung eingeborener Arbeiter in der gesanlten im englischen Besitz befindlichen Salomou-Grnppe ein- schießlich Choiseul und Isabel. Gleichzeitig ist eine Vereinbarung zwischen den beiden ge- nannten Mächten getroffen worden, wonach die sogenannte neutrale Zone i in Hinterlande von Deutsch-Togo und der englischen Goldküsten-Kolonie in der Weis« geteilt ivird, daß die Grenze zwischen dem deutschen inid englischen Gebiet durch den Dakafluß bis zu dessen Schintt- punkte niit dem S. Breitengrade und von da durch eine von einer gemischten Kommission noch festzustellende Linie nach Norden ge- bildet ivird. Es besteht dabei der Vorbehalt, daß die Länder M a m p r u s i und G a m b a c a an England, die Länder N e n d i und C h a k o s i an Deutschland fallen. Endlich ist ein Verzicht auf die bis zuni Ablauf unseres Handelsvertrages im Jahre 1902 währenden Exterritorialitätsrechte in Sansibar seitens Deutschlands geinäß einem KölonialratS- Beschluß mit der Maßgabe zugesagt worden, daß dieser Verzicht erst mit dem Zeit- punkte in Kraft tritt, wenn auch die übrigen Nationen zu Gunsten Englands ihre exterritorialen Rechte in Sansibar aufgegeben haben. ' Zu dem Abkommen wird bemerkt, daß die Zustimmung der Ne- gicriuig der Vereinigten Staaten von Amerika zu dem- selben als gesichert erscheinen darf. Zugleich ist zwischen Deutschland, Großbritannien und den Ver- einigten Staaten von Amerika eine weitere Vereinbarung dahin getroffen ivorden, daß die Frage der Entschädigungsansprüche� für alle in Samoa gelegentlich der letzten Wirren erlittene Kriegsschäden einem unparteiischen Schiedsgericht unterbreitet werden soll/ Das- selbe wird darüber zu entscheiden haben, ivelche Entschädigungs- anspräche als gerechtfertigt anzuerkennen und von wem dieselben zu bezahlen sind." Die Samoakonferenz vom Juni 1883 hatte die Samoagrilppe für unabhängig und neutral erklärt; die drei Vertragsmächte hatten einen Oberrichter und den Präsidenten des Kommunalrats von Apia zu ernennen. Die fortdauernden Rivalitäten der Eingeborenen- geschlechter um die KönigShcrrschaft ließen die Zustände auf den Inseln nicht zur Ruhe kommen und die Vertragsmächte gerieten infolge dieser Streitigkeiten ebenfalls in fortwährenden Zwist. Schließlich erkannten alle beteiligten Staaten, daß nur dadurch diesen unerquick- lichen Verhältnissen ein Ende gemacht werden könnte, daß die Inseln ganz oder geteilt in das Eigentilm einer oder mehrerer Vertrags- mächte übergehen. Nach langen Verhandlungen wird dies jetzt ver- wirklicht. Eine Ursache peinlicher Zänkereien zwischen Deutschland, England und den Vereinigten Staaten ist beseitigt. Dabei ist es recht unwesentlich, welche von den Mächten bei dem Abkommen„am besten fortkommt". Denn für deutsche Interessen ist die ganze Angelegenheit höchst gleichgültig. Die neue deutsche Erwerbung im Stillen Ocean zählt eine Ein- geborenenbevölkcrung von 26 000, dazu etlva 120 deutsche und 200 Engländer; der Handelsumsatz ist ganz gering. Es ist daher nur erheiternd, wenn die bürgerliche Presse wegen dieser neuen„Errungenschaft" Jubelhymnen singt und das Auswärtige Amt mit Lobeserhebungen überschüttet. Einen Vorteil sehen allerdings auch wir in dieser Erwerbung. Siebelveist, daß unsere Weltpolitiker auch ohne neue Kriegsgeschwader das erreichen können, was ihnen als be-»' deutsame That gilt.—_ Die Lust am Wagnis. Den Ruhm, mit Karl Peters einer der heißesten Agitatoren der deutschen Wasserweltmacht-Politik gewesen zu sein, darf Herr Dr. Friedrich Lange für sich in Anspruch nehmen. Es ist nicht ohne Interesse, sich gelegeiitlich einmal diesen Vertreter einer jetzt ernstlich drohenden Politik auf seine Gemüts- Verfassung anzuschauen. Die„Deutsche Welt", die Sonntagsbeilage der von Lange herausgegebenen„Deutschen Zeitung" hat unlängst Be- trachtungen über den Harmlosen- Prozeß veröffentlicht, dick „F. L."' unterzeichnet sind, also wohl von Friedrich Lange selbst stammen. Unser alldeutscher Flottenmann ist zunächst tief empört' über die Glossen der Socialdemokratie über den Prozeß: Natürlich sei es der„Vorwärts" in Firnia Singer, Bebel, Arons, der dem gesamten Plebejertum der Welt diesen Labe- trunk kredenze. Er habe in seines Herzens Wollust Verlogen- heiten niedergeschrieben, scheußliche Pharisäerei getrieben unll stelle mit der„Kölnischen Zeitung" zusammen eine abgefeimte Gesellschaft vor, zu der sich leider auch das„Deutsche Adels- blatt" in der Rolle des eifernden Dümmlings geselle/ Alsdann entwickelt er seine eigenen Ansichten über dett Spielerprozeß: „Wir fühlten bei diesen täglichen Sensationen auch einen Schauder, aber nicht über die Sündhaftigkeit der jungen Leute vom Adel, denn wir wissen zur Genüge, daß die Spielwut sich nicht aus diesen Stand beschränkt, sondern so ziemlich in allen Ständen grassiert� Die zerrüttende Wirkung dieses Uebels darf man dann auch ganz gewiß nicht nach der Höhe der riskierten Summen messen, und Ver- arntung, Beschämung für die Verwandten hat es überall— nicht nur bei adligen Familien— im Gefolge. Und die Lust am Wagnis die sich auf bessere, auf ehrenvollere Ziele werfen würde, wen» Müßiggang und fade Geselligkeit nicht auf diesen Abweg trieben, steht überall, in allen deutschen Ständen als Entschuldigung un>- mittelbar neben diesen Lastern. Nein, die Mißempfindung, die uns auch bei dieser„großen Sensation" wiederholt kalt überlief, hat einen ganz anderen Namen. Wir fragten uns, zn welchem guten Ende eS führen kann, wem» die Gebildete»t, die verautwort- lichen Führer deS Volkes nicht Mittel finde», um diesen ewigen Opfern an den Moloch der Plebejerei ein Ende zi» machen? Ob ein Staatsanwalt und ein Untersuchnngs- richter nicht Strafe verdienen, wenn sie ohne die zloinxendste Notwcudiqkcit die Skandnlicrsncht der breitesten Oeffent- lichkeit zu Gaste laden, und nachher, wenn jcd» Falte des Privatlebens bau Angeklagten, Zeugen und ganzen Familien um und nmgckchrr ist, mit dem Erkenntnis abziehen, daß ihr Eifer blind war?,..-Das; Gerechtigkeit und Wahrheit nicht Schaden leiden, wnnschcn auch wir? aber wir sehen leider nur zn deutlich, dag bei solcher Handhabung der Justiz, insbesondere der Vor- Untersuchung, nicht der Wahrheit gedient, sondern die Heuchelei im groben gezüchtet und außerdem unser gnnzcö öffentliches Leben uu- aushaltbar n»f den Kammertou der Plebcferci gestimmt wird.,. Gicbt erst der plebejische Reidstandpnnkt:„lvie viel Arbeiter hätten uüt ihren Familien von dem Gelde leben können, das solch ein junger Lebemann in einer Nacht verlor!" den Maßstab für die Moral der Justiz, dann wehe jedem, der sich Läufer auf seine Treppen legt oder gar sich Pferd und Wagen hält! Was die „kleinen Leute" gestatten würden, weil sie es nicht für Luxus hielten, wäre ein Prokrustesbett, in dem jeder Wohlhabende Kopf«ud Beine sich abhacken lasse» niiisitc. Und die Wahrheit? O, für die Wahrheit wird aufs allerschlcchtcstc gesorgt, wenn Taufende aus allen Ständen, die auch spielten, aber diese üble Gewohnheit bisher nur ihren Leichtsinn, nicht mit schliminerein Rainen nannten, nun an den heuchlerischen Grimassen der Entrüstung sich beteiligen, weil der siisie Pöbel unter ihenchlerischer Führung aus allen Kehlen„Pfui" schreit I Es gilt—»vir können das auch bei diesem Anlaß nur in schärfster Form wiederholen— den aristokratische» Gedanken, dast Führer und Geführte nicht einerlei Mast, nicht einerlei Berns nnd Pflicht habe», bewnstt und straff cmporzuhaltc» und mit starkem Enlschlnsse von der schiefen Ebene solcher öffent- lichen Sclbsthinrichtungcn abzuspringen, die unser Volk nufchlbar in die plebejische Verseuchung gleiten läßt." Es ist ein imbestreitbares Verdienst dieser Ausführungen, daß in ihnen offen ausgesprochen wird, die Plebejer haben in den Kröcher, Kahser und Schachtmeljer die berufenen Führer der Nation zu erblicken, die nicht die Moral zu befolgen haben, die dem Plebejertum angemessen ist. Von den Niedc- rungen plebejischer Verseuchung führt iiuS Lauge in die strahlenden Gefilde der harmlosen Führer, die mit ihren Jeu-Genossen nnd Sckt-Gefährtinnen der edlen Lust am Wagnis obliegen. Wartim aber wünscht Lange diese führenden Geister Alldeutschlands einer Schanstellnng, wie sie in Moabit sich ereignet hak, dem Pöbel zu entziehen? Das ist ein unlösbarer logischer Widerspruch. Wie soll sich das Plebejertum an den aristokratischen Führern auf- richten, von seiner Verseuchung gesunden, wenn eS ihm nicht vergönnt wird, sie kennen zn lernen! Und diese aristokratische Weltanschauung, in der sich die Affen der Niehscheschen Herrcninoral als Herren spreizen, ist es, mit der unsere alldeutschen Agitatoren des Flotten- nnd Machtwesens nicht nur das deutsche Volk, sondern auch die anderen Nationen zu beherrschen trachten. Die ganze Welt ist Pöbel und Plebejertum, die nichts Besseres verdient, als unter den Lackstiefeln der germanischen Harmlösen-Aristokratie mit den Spuren einer vornehmen Lebensauffassung begnadet zn werden. Widersetzt sich aber jemand dieser"aristokratischen Propaganda, nun, wozu haben wir unsere herrlichen Soldaten und die prächtigen 5krieg8schiffc? Die Aristokratie wird den Pöbel schon zwingen, wenn er nicht gutwillig die natürliche Uebcrlegenheit und das geborene Herrenrecht des alldeutschen Jeu-Adels anerkennt. In der That, die Spielernioral, die Lust am Wagnis, die noch kein Mut zuni Wagnis ist, beherrscht auch das alldeutsche Narrentum. wenn es sich in marinistischer Weltmacht- Politik versucht. Es ist kein Zufall, wenn derselbe Mann das aristokratische Spiel der Harmlosen nnd das alldeutsche Jeu der Weltmacht-Politiker verteidigt. Sind beider Bethätignngen doch Ausflüsse des gleichen Wesens, einer nach rohem Gewinn sinnlos nnd brutal jagenden kulturfeindlichen und abenteuer- lichen Gewalt- und Unterdrückungspolitik. Die alldeutschen Bankhalter des WcltmachtspielS zeigen tn abschreckender Verzerrung, wohin eine Politik führt, die mit dem Geschick der Völker so lange hazardiert, bis die Weltgeschichte diese Harmlosen zum Gerichte ruft.— Sieg. Nach dem württembergischen„Staatsrnizeiger" erhielten bei der tlkichstags-Stichwahl im 5. ivürttembergischen Wahlkreis am DienS- tag Schlegel(Sor.) 11345 und v. Gest(natlib.) lOV�S Stimmen. Bei der Hauptwahl am 28. Oktober erhielt Schlegel 7929, b. Geß 6090, Briiizingcr(ffidd. Bolkspartcü 4982 Stimmen. MB—— i M i■ Marx-Briefe. In der„Neuen deutschen Rundschau" werden einige Briefe von Karl Marx an seine älteste Tochter Jenny, die Frau Longnets, veröffentlicht. Es sind Familienbriefe, in Vene» sich hier und da ein- gestreut politische Bemerkungen finden. Den Verehrern des großen ManneS wird durch diesen Beitrag zur Kenntnis seines persönlichen Mesens Freude bereitet. Die Wiedergabe der Briefe ist keiue genaue, da der Text aus einer russischen Uebersetzuna zurück über- uagen ist. Wir geben einen Brief vom 7. Dezember 1881 hier wieder, d. h. aus der Zeit kurz nach dem Tode von Marx' Frau und als er selbst schwer leidend war. Mein teures, gutes Jennhchen l Du verstehst, natürlich, daß ich jetzt nicht in der Stimmung bin zu schreiben, und wirst daher verzeihen, daß ich Dir nur einige Zeilen zukoinmen lasse. Da mir die Krankheit überhaupt nicht gc- stattet das Ziinmer zu verlassen, so konnte man den Doktor auf leine Art und Weise überreden,»ur zu erlauben beim Begräbnis anwesend zu sei». Ich habe mich diesem Verbot deshalb gefugt, weil die teure Verstorbene noch einige Tage vor dein Tode der Wärterin sagte, indem sie den Wunsch ausdrückte, daß bei ihrem Begräbnis kein Cereinoniell stattsinden soll:„Wir legen -keinen Wert ans die Außenseite!" Schorlemmer") ist aus eigener Initiative aus Manchester gekommen. Ich muß mich noch immer dem Tätowieren mit Jod auf der Brust, den« Rücken usiv. unterziehen, und das veranlaßt bei regel« mäßiger Wiederholung eine sehr schmerzhafte Verbrennung der Haut. Dieses Verfahren, das man dazu vornimmt, um einen Rückfall der 5trankheit während der Genesung zu verhindern(im Grunde genommen 'bis zum Nachlassen des Hustens) leistet mir jetzt einen grotzen Dienst. Gegen seelische Schmerzen existiert nnr ein Gegengift— und das ist physischer Schmerz. Nimm ans der einen Seite Welt- änschanung, nnd einen Menschen mit heftigen Zahnschmerzen auf der anderen Seite. Ich bin jetzt ungemein glücklich bei der Erinnerung, daß ich trotz allen Schwankens und aller Schlvierigkeiten beschlossen hatte nach Paris zu reisen. Es ist nicht bloß die Zeit selbst, die die Unvergeß- liche mit Dir und den Kinderchen zugebracht hat, und die kaum durch das Auftreten Deines Krakehlers von Mädchen getrübt lvurde, die eine Art von Mirabcau der Küche vorstellte jNIrabeau äs lacuisine) — sondern auch das Durchleben der Zeit selbst während der letzten Periode der Krankheit I Zweifellos, daß in diesem Zeitraum die •) Der bekannte Chemiker, ein Freund der Familie. DaS Wahlkonütce der süddeutschen Vokkspartci hatte anfgefor- dcrt, für den socialdemokratischen Kandidaten einzutreten. Trotzdem gab offensichtlich ein großer Teil der volksparteilichen Wähler ihre Slünme für den Rcaktionskandidatcn ab. Ter Sieg, den rmscre Partei in Eßlingen davonträgt, ist NM so glänzender, da noch vor wenigen Jahren alle anderen Parteien des Wahlkreises weit voran marschierten. Wenn die Feinde des Koalitionsrechts, die Vertreter der Flotten- und Wcltpolitik politischer Belehrung zugänglich sind, so kömtrN sie an dem Aus- gange der Eßlinger Wahl lernen, wohin ihr Beginnen führt.— München. 7. November. sEig. Ber.) Am ersten Tage der Generaldebatte über die allgemeine Regiernngspolitik»ahnt nach der bereits telegravhisch gemeldeten Rede dcs�Dr. Daller und des Ministers Crailsheim wegen der kirchlichen� Streitigkeiten Genosse v. Volkmar das Wort. Er unterzog insbesondere die verderbliche Ileberschnßioirtschaft des Finanzininiftcrs nnd den Mangel der Re- gicrnng an jeglicher Initiative ans socialpolilischem Gebiete einer äußerst scharfen Kritik, um sich dann der Frage d e s V c r h ä l t n i s s e s Bayerns zum Reiche und seines Anteils an der Reichspolitik zuzuwenden. In dieser Beziehung führte er u. a. ans: Vor 6 Jahren habe ich bereits Gelegenheit genommen, die Re- gicrnng wegen ihrer nnselbständigeil Haltung nnd schivächlichen Nachgiebigkeit gegenüber der Eentralrcgicrnng anzuklagen und ihr vor- zuwerfen, daß sie zwar in Etikettefragcn recht groß sein kann, daß sie aber, sobald es sich um die wirkliche Selbständigkeit gegenüber den rückläufigen Bestrebungen in anderen Bundesstaaten handelt, nichts anderes' ist, als der Zähler hinter dem Nenner Preußen. Wenn man nun die Entwicklung der Dinge seit 6 Jahren ansieht, so muß man sagen, daß die BerhWnisse sich n o ch lv e s e n t- lich verschlechtert haben. Die Zahl der volksfeindlichen imd bedrückenden Maßregeln ist gestiegen, die Politik der plötzlichen Einfälle fortgeschritten, der Einfluß des Reichstags und des Bundesrats herabgcdrückt, das verfassungswidrige persönliche Regiment noch weit schärfer geworden. Nnd was hat die bayrische Regierung gegen diese Entwicklung der Dinge gethan? Rein nichts! Ihre stete sorge war nur, um reinen Preis in Berlin in eine im- angenehme Lage zu kommen. Daß die Regierung jeden Zusammen- hang mit dem Willen und den Interessen des Volkes verloren hat, das scheint unscrn sehr konstitutionellen Ministern nichts auszumachen. Der beste Beweis für die Uncmpsindlichkcit unserer Regierung sind die Flottcnfordcrungen. Heber den Kopf des Reichskanzlers hinweg wird plötzlich ein neuer oder vielmehr cin längst vorhandener und jetzt bei guter Zeit hervorgezogener Plan in der ösfiziöseii Presse veröffentlicht nnd die Regierung wird einfach darauf festgelegt, ohne daß dem Bundesrat die Möglichkeit gegeben ist, seine Ansicht zu äußern, so daß der Bundesrat ans der Regier» n gs in aschine vollständig ausgeschaltet erscheint. Und so ist die gesetzliche RegiernngSgewalt nach und nach ans dnS Reichs oberhanpt allein nbergegange» und sind wir auf diese Weise immer»ichr in de» Äbsolntisuius hinein- gekommen. Gegen diese Entwicklung der Dinge aber hat unsere Re- gicrnng niemals einen ernstlichen Widerstand geleistet, obwohl sie dazu dem bayrischen Volke gegenüber ver- pflichtet gewesen wäre. In der a u S w ä rt i g e n P o l i t i k ist seit Jahren ein Hin» und Herschwaiiken, eine vollendete Jiikoiiseqncnz bemerkbar, nur die Schmiegsamkeit und Liebedienerei gegen den russischen Selbstherrscher scheint fest zn sein. Ein drastisches Beispiel für die Wetterwendischkeit der deutschen Politik bieten die jetzigen Vorgänge bei Gelegenheit des TranSvaalkrieges. Darüber kann doch kein Zweifel sein, daß England diesen neuen Raubzug kaum nnteniommen hätte, wenn es nicht der wohlwollenden Neutralität Deutschlands sicher wäre. Es scheint, daß die bayrische Regierung auch mit diesen Dingen einverstanden ist. Die Regierung ist dem Landtage für alle ihre Handlungen verantwortlich, aber diese Verantwortlichkeit hat erst einen Zweck, wenn die Kammer mitwirkt. Das Ccntrnm hat seit den letzten Wahlen die Mehrheit in der Hand. In allen Kundgebmigen der Centrumspresse war davon die Rede, daß das Centruni die gesamte Politik der Regierinig mißbilligt. Wenn das richtig ist, dann bleibt Ihnen sziim Cciitriiln' gewendet) jetzt gar nichts anderes übrig, als daß Sie auch die Konsequenzen ziehen und eine Regierung aus Ihren eigenen Reihen ausstelle». Ihre Wähler haben Ihnen die Macht gegeben, die Dinge umzugestalten»nd an Stelle der stockenden Regiernngs- und VcrivaltniigSmaichinerie eine Regierung einziisetzen, von der sociale Antriebe ausgehen. Heute ist es Ihre Pflickit, mit dein Gefühle Ihrer Macht auch die Verantwortung der Regierung vor dem Volke zu übernehmen.(Beifall links.) lieber die MittwochS-Sitzung des bayrischen Abgeordneten- Hauses meldet„W. T. B.": Die Kammer der Abgeordneten setzte heute die Generaldebatte fort. Dabei legte Abg. Dr. S ch ä d l e r(Centrnm) die Stellung- nähme des CentrnmS zu allen Hauptfragen der bayrischen Politik und der Reichspolitik dar. Unter anderem betonte er auch, daß bezüglich der Forderungen für die Marine das bayrische C e n t r u m trotz aller Hochachtung für den Führer des deutschen Ninvescnhcit von Dir und den Kindern sie nicht hatte so zerstreuen könne», wie die Sorge in Gedanken um Euch I Ihr Grab befindet sich ganz nahe beim Grabe des teueren Charles. Es ist für mich ein großer Trost, daß ihre Kräfte so schnell ab- nahmen. Infolge der ungemein seltenen Lage des Geschwürs(so daß sie sich beugen konnte) sind die thatsächlichen, charakteristischen, unerträglichen Schmerzen erst in den letzten Tagen eingetreten(und man konnte sie auch durch Morphium-Einspritznngen betäuben, was der Doktor vorsichtigerweise bis zur Katastrophe aufschob, da das Morphium bei aiidaucrndeni Gebrauch jede Wirkung verliert). Wie mir Doktor Donkin schon früher sagte. hatte die Krankheit den Charakter eines allniählichen Absterbens angenommen, als ob sie von Altersschwäche herrühre. Sogar in d e>i letzten Stunden— kein Kainpf mit dem Tode, ein langsameö Ein- schlafen; und die Allgen selbst— größer, schöner, strahlender als je I Apropos. Engels, der treu wie immer bei mir ist— schickte Dir ans meine Bitte eine Nummer der„Jrish World", in der sich die Erklärung des irländischen Bischofs befindet, der das Grund- eigentmn in Abrede stellt(das private), das war eine der letzten Neuigkeiten, die ich Deiner Mutter mitteilte, und sie glaubte, daß Du das vielleicht als Drohung für die französischen Klerikalen in irgend einer französischen Zeitung anbringen konntest. Das zeigt unter allen Umständen, daß dieie Herren in allen Mundarten zu pfeifen verstehen. In der„Justice" ließ am 2. Dezember irgend ein Bursch, namens Jeandre einen Artikel„Le catholicisrne socialiste en Allernagne" erscheinen, in dem er seinen Chauviiiismns dadurch zu erstellen versuchte, daß er zusammen mit Lavale die phantastische Statistik unseres Freundes R. Meyer ernst nimmt in seinem Buch„Emancipationskampf des ö. Standes". Thatsächlich haben die sogenannten k a t h o l i s ch e n S o c i a l i st e n seit der Konsti- tuierung des Deutschen Reiches nnr ein einziges Mal eine» Ab- geordneten in den Reichstag entsandt, und dieser einzige Abgeordnete hat auch sofort nach der Wahl als Mitglied des Centrums sinigiert. Andererseits was die Anzahl der Arbeiterorganisationen betrifft, so hat unser R. Meyer Frankreich mit einer unvergleichlich größeren Zahl derselben beglückt als Deutschland. Eben habe ich die Nummer der„Justice" vom 7. Dezember er- halten, und ich finde da unter der Rubrik.Saaett« du Jour" eine nekrologische Bemerkung, in der unter anderem gesagt ist: „t)n dsvine que son(U-s'agit de votre rnöre) mariage avec Karl Marx, Als d'un ayocat|de Treves ne se fit pas saus peine. 11 y avait k vaincre bien dea prejuge», la plua fort de toua Ceiitrums, Neichstags-Abgeordneten Dr. Lieber, sich niemals verbieten lassen dürfe, seiner eigenen Ueber- zengiing.Folge zn geben.. Smatsininister Freiherr v. C r a r l s h e r m erörterte eingehend die Stellimgnahiiie der bayrischen Regierung zur Reichspolitik und bc- tonte dabei, daß die bayrische Regierung bei ihren Abstimmungen im Bniidesrate stets in gleicher Weise die Wohlfahrt Bayerns und die des Deutschen Reiches im Auge behalte. Bezüglich der Anteilnahnie des deutschen Kaisers an der deutschen Politik sollte das deutsche Volk dankbar sein, daß das erlauchte Oberhaupt des Deutschen Reiches keine Mühe scheue, um seiner hohen Aufgabe gerecht zu werden. Abg.».Volkmar täusche sich, wenn er behaupte, daß die bayrische Regierung von dem neuen Flotte n plan vor Erscheinen des Artikels der„Nord- deutschen Allgemeinen Zeitung" nichts gewußt habe. Deutschland brauche eine starke Flotte. Wenn die neue Flottenvorlage an den Reichstag komme, werde es Ausgabe der maßgebenden Faktoren sein, nachzuweisen, daß die Verhältnisse sich während deS Flottengesetzes geändert haben. Die Leitung unserer auswärtigen Politik fei in ausgezeichneten, bewährten, besonnenen, ruhigen und durchaus vertraneiiswiirdigen Händen und das einzige Ziel der auswärtigen Politik sei die Äusrcchterhaltuna des Friedens und die Machtstellung des Deutschen Reiches. Von einer Schmiegsamkeit Rußland gegen- über sei keine Rede. Man sollte sich freuen, mit Rußland freund- schastliche Beziehnngen zu haben. Die Rede des Freiherrn v. Crailsheim beweist, eine wie tiefe Klnst die Anschanuiigen der bayrischen Regierung� von denen des bayrischen Volkes treiint. Die bayrische Regierung hat dem Zuckithausgesetz zugestimint, sämtliche Parteien der Volksvertretung haben das Gesetz zurückgewiesen. Jetzt er- klärt sich die bayrische Regiermig für den neuen F l o t t e n p l a n. tvährcnd die große Mehrheit des Abgeordneten- Hauses diesen Plan ablehnt. Ebenso dürfte Herr v. Crails- heim mit seiner Meimmg über das persönliche Regiment völlig ver- einsanit bleiben. Schließlich bat der bayrische Minister bei der� Ans- zählnng der Ziele der auswärtigen Politik neben der Aufrecht- erhaltnng des Friedens und der Machtstellung des Deutschen Reiches das neueste Hauptziel vergessen, das Phantasma der Weltmachtspolitik nnd Seegellniiq, des Einietzeiis an allen Pinikten des Erdballs. � Die Ansführmigen des Herrn Dr. Schädler sind iiitcressant durch das Mißtrauen, das er der Festigkeit seines Parteigenossen Lieber gegenüber den neuen Flottenplünen erweist.— • Deutsches Weich. Tic Spötterei der„Nordd. Allg. Ztg." über de» Zaren, der„weit über die Grenzen Rußlands hinaus das politische Leben nnd Denken aller Völker des Erdballes an der Grenzscheide zweier Jahrhunderte mit neuen verheißungsvollen Anregungen befruchtet hat", erfährt Verschärfung durch ihre Aufnahme in den allerofsiziellstcn„ R e i ch s- A n z e i g e r". Hoffentlich werden die russischen Offiziösen nicht mit der Berherrlichung des Ge- dankens von der„Erbsünde", aus der die Notivendigkeit des Kriege? erwächst, als einer„verheißungsvollen Neuerung" ant- Worten.— Viel Mut beseelt die preußische Regienntg, wenn die� Mit- teilnilg der„Natioiialliberalcn Korrespondenz" richtig ist, daß das preußische Mimsteriuni mit dem Vortrag des Herrn Tirpitz über die neue Flottenvorlage einverstanden sei „soivohl hinsichtlich des Zeitpunktes des Vorgehen?, wie der finanziellen Voranssetzuiig der Flottenerweiterung, wie über den Hauptpunkt, schon jetzt auf dem Wege der G e s e tz g e b n n g die Schaffung einer Flotte in der nach den bisher veröffentlichten Mitteilungen tn Aussicht ge- «ommenen Stärke nnd Zeit sicher zu stelle»!. Will die preußische Regiermig wirklich eine neue Bindung des Reichstages für einen längere aJJ e i t r a u m fordern, so kann das den prineipiellen Gegnern deij�Flottcnvermehrung nur willkommen sein. Die Ungeheuerlichkeit der Forderung bringt sie um so leichler zu Falle.— Tie EinheitSbriesiuarke gescheitert. Herr v. Crailsheim teilte in ber bayrischen Kammer mit, er habe dem St.aats- sekretär deS Reichs-Postamts erklärt, daß Bayern nicht geneigt fei, auf die EtulicttSmarke cinzngehen; der Staats- sekretär habe in loyalster Weise erividert, daß damit die Sache für das Reichs-Postamt abgethan sei. Die bayrische Regierung ist, tvie es scheint, nur dann für Ber« liner Wünsche zn haben, wenn etwas RückwärtSlerischeS gewünscht wird.— Die„Germania" widmet dem„Vorwärts" einen aus- gewachsenen Leitartikel, weil er die staatsanwaltliche Abweisung der �Ulk"-Klage gebilligt hatte. Es ist eine alte Geschichte, wenn jemand die Heuchelei deS Christentnins geisclt, so fühlen sich die Urfrommen in ihren heiligsten Gefühlen gekränkt, und wenn jemand Ursache hat, die etait encore se prejugö de race; On sait, que l'illustre 4co- nomiste est d'origlne israelite."[Man mutmaßt, daß ihre(es handelt sich um seine Mutter) Heirat mit Karl Marx, dem Sohne eines Advokaten in Trier, nicht ohne Schlvierigkeiten zu stände kam. ES gab da viele Vorurteile zu überwinden, deren stärkstes das Vor- urteil der Raffe war. Man weiß, daß der berühmte Oekonom israelitischer Abkunft ist.) Das ist alles nichts iveiter als eine einfache Erfindung. Ich glaube mich nicht zu irren, ivenn ich diese litterarischen„Schön- färbereicn" dem erfinderischen Genie von X. zuschreibe. Derselbe Schriftsteller sagte in einer anderen Nummer der„Justice", als er über die Verkürzung des Arbeitstages und über die Fabrik- gesetzgebting sprach:„Lassalle und Marx,'die früher über die erörterte Frage nie ein Wort gedruckt und gesagt haben'... Ich werde X. sehr dankbar sein, wenn er in seinen Schreibereien meinen Namen nie erwähnen wird. Die Anspielung auf die zufällige und anonyme Korrespondenz Deiner Mama(im Grunde genommen— wegen Irving) ist im höchsten Grade unbescheiden. Zur Zeit, als sie in der„Olazette de Fx-ancfort" schrieb,[sie schrieb nie im„dournal de Francfort"(wie sie die„Justice" nennt) eine einfache reaktionäre und philisterhafte Zeitung), stand diese(Gazette) in mehr oder weniger freundschaft- sicher Beziehung zu der Arbeiterpartei. Was die„von Wesiphalen" anbetrifft, so waren sie rheinischer lind nicht brauiischtveiglscher Abkunft. Der Vater des Vaters Deiner Mutter war das Faktotum des berühmten Herzogs von Braun» schweig(zur Zeit des„Siebenjährigen Krieges"). In dieser Eigen» schaft lvurde er von der britischen'Regieruiig durch Gnaden über» häuft imd heiratete eine Verwandte' der Argyles. Seine Werke über den Krieg und die Politik wurden von dem Mi- nister von Westphalen veröffentlicht. Von der anderen Seite „par sa rnere" stammt Deine Mutter von einer kleinen preußischen Beamtcnfamilie ab. Das braucht man ja nicht alles zu wissen, doch, wenn man keine Ahnung davon hat, sollte man keinen An- spnich einer Verbesserung„d'autres biograplxies" machen. 1 Und jetzt, mein teures Kind, schicke mir eine genaue Beschreibinig der Thaten von Johnny nnd Co. Ich bedaure noch immer, daß Henri nicht zu uns gelassen wurde, zur Zeit, als er so gerne damit einverstanden tvar. Das ist ein Kind, das von einer ganzen Familie gepflegt sein will, die sich ausschließlich mit ihm beschäftigen würde, und jetzt ist es eine Last bei den vielen Kindern, die Deine Pflege brauchen.> Viele Küsse für Dich und Deine»kleinen Leute' Dein ergebener Bater K. M. Preßfreihcit zu fürchten, nennt er sie Presifrcchhcit und fordert ihre Ausrottung. Nebenbei sollten sich gcrndc die Vertreter der beiden christlichen Konfessionen nicht allzu cuipfindlich stelle», da ihre ganze polemische Littcratur au gegenseitigen Verhöhnungen und Verletzungen alles Denkbare leister. Sollen wir ein wenig citieren, z'artfühligc .Germania"?— Die„Kreuz- Zeitung" und die Miliz der Bocren. In ihrem Leitartikel über die äußere Politik der Woche, erörtert die .Krenz-Zeituiia" in ihrer Morgen- Ausgabe vom Mittwoch auch die Vorgänge in Transvaal- sie beschwert sich bitter über die Unznbcr- lässigkeil und Unwahrhastigkeit der englischen Mitteilungen vom Kriegsschauplatz und fürchtet, daß die schweren Stunden für die tapfere Armee der Boercn erst beginnen werden, wenn General Buller seine Truppen beisammen habe.„Aber es ist ein ungeheures Gebiet, das er erobern muß und in der Defensive dürste die Zähigkeit der Boeren nicht geringer sein, als sie sich bei ihrer kühnen Offensive gezeigt hat. Sie sind— wenn wir von den Spaniern absehen— die ersten Weißen, die den neuen Geschützen gegenüber igestanden haben; die Probe, die diese, vor Ausbruch des Krieges von den Engländern so verächtlich ge- schölte ne„Miliz" bestanden hat, verdient aber die höchste Bcwuudcrnng. Im weiteren meint die„Kreuz-Zeitung", daß, wenn Oestreich über AXZ 000 Mann geschulter Truppen brauchte, um Bosnien zu bewältigen(in dem damals auch nur eine Miliz vorhanden lvnr), General Buller mit 70 000 Mann der aufs äußerste entschlossenen Bocren nicht so rasch Herr werden dürfte, als eine ungeduldige und nervöse öffentliche Meinung in England verlange." Die„Kreuz-Zeitung" die Miliz verherrlichend— ein reizvolles Schauspiel I— Ccntrum und Flottcupläne. Aus dem Rheinland wird uns geschrieben: Die CentrumSprcsse hat sich gegen die Flottcupläne ausgesprochen. Aber wir wissen, wie man' die Er- tlärungen einer Partei zu bewerten hat, bei der der Umfall zum Grundsatz geworden ist. Genau so nmtig wie heute kam es aus den Centrumsblättern, als im Jahre 1897 die damaligen Flotten- Pläne auftauchten; und das Ende ist doch der Verrat des Volks- ivillcns und der eigenen Worte gewesen. Es ist denn auch so weit gekommen, daß man dem Centrum in den eigenen Reihen nicht mehr traut. So � schrieb dieser Tage das Aachener Centrums- blatt„Der Volksfreund" auf eine mannhaft klingende Auslassung der„Kölnischen Volkszeituug": „Brav, brav gesprochen, edle Kollegin. Und nicht wahr, wir werden auch diesen Standpunkt weiter einnehmen und der dies- jährigen Marinevorlage bis zum Ende Widerstand entgegen- setzen?" Aus dem spöttischen Ton des Aachener Centrumsorgans geht herbor, daß es mit uns darin einig ist, daß. wie allemal, auch letzt wieder ein Umfall dem tönenden Gerede folgen wird.— Ei» begnadigter Schutzman». Man schreibt der„Volks- Zeitung" aus Hannover: Der vor einigen Monaten wegen Mißhandlung einer Handelsfrau zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilte Schutzmann Hauschild ist j e tz t' b e- g n a d i g t und zu der neu eingerichteten königlichen Polizei- Verwaltung nach Rixdorf bei Berlin versetzt worden.— Wie der„Vorwärts"„eitiert"- also erbost sich die „Germania", weil uns ein Abschrelbefehler unterlief. Wir hatten geschrieben: �„Die Germania" meint heute: Die Aussichten dieses Gesetzentwurfs haben sich inzwischen erheblich verbessert." Statt „verbessert" mußte eS heißen„verschlechtert". Unsere nachfolgenden Worte mußten der„Germania", wenn sie lesen könnte, zeigen, daß ein Verschen vorlag.— Marineplan und Gveknlatton. In unserer Notiz über die KurSbewegnng der Aktien der Stettiner Schifisbaugesellschast „Vulkan" war irrtümlich in Klammern Schichau hinzugefügt worden. Die Schichau-Werft liegt bei Elbing und hat mit dem Stettiner „Vulkan" nichts zu thun.— Drnckfehler-Berichtigung. Die Verhältniszahlen der Kriminalität im gestrigen Leitartikel beziehen sich nicht auf 10 000, sondern auf 100 000 der strafmündiaen Civilbevölkerung. � Bei dieser Gelegenheit sei gleich ein Fehler der amtlichen Statistik richtig gestellt. Die Kriminalität der Stadt Berlin für 189S(Nr. 3 a und 14 b des abgekürzten Verzeichnisses) beträgt nur 178 und nicht 186. wie die Erläuterungen� zur Kriminalstatistik für 1896 II, 43 angeben. DaS ist insofern wesentlich, als Berlin dadurch von der dritten an die zweite Stelle rückt und nur noch von Schleswig- Holstein Übertrossen wird. Atisftmd. Oestreich-Ungarn. Der Prager Professor Masaryk hat eine Broschüre über den Polnacr Mädchenmordprozest verfaßt, in der er den Nachweis siihren will, daß das ermordete Mädchen nicht in dem Walde, wo die Leiche gefunden wurde, sondern in ihrem Geburtsort Klein- Wesnitz getötet worden sei. Diese Broschüre ist, wie aus Prag telegraphiert wird, am Dienstag von der Staatsanwaltschaft konfiseiert worden. Der„Fr. Z." wird über den Inhalt der Broschüre folgendes aus Prag mttaeteitt: Professor Masaryk von der hiesigen czechischcn Universität veröffentlicht eine Broschüre über die Notwendigkeit der Revision des Polnaer Mordprozesses. Der Verfasser erklärt in der Einleilung, er wolle durch die Analysierung des Prozesses die Schande gut machen, die den Czechen von ihrer Journalistik bereitet wurde, welche durch lügenhafte und« hetzerische Schilderungen eine czechische und östreichische Dreyfus- Affaire bereitete. Der ganze Polnaer Prozeß sei unter antisemitischem Druck und unter dem Aberglauben vom Ritualmorde durchgeführt worden. Die Ehre des czechischen und östreichischen Richterstandes und der Juristen lverde hoffentlich von denjenigen verteidigt Iverden, welche die Sache in erster Linie angehe. In der Be- sprechung der Polnaer Affaire seitens der czechischen Oeffentlichkcit liege so viel Widersinniges, Undenkbares, leidenschaftlich Ueber- reiztes, ja geradezu Unmenschliches und Grausames, daß eine solche Erichcinniig sich nur mit der nervösen Ueberreizlheit und dem an- uorlnalcn Zustande des czechischen und des östreichischen Lebens überhaupt erkläre. Für diejenigen, welche den Stand der Dinge einigermaßen aufmerksam beobachten, sei der Polnaer Prozeß em blutiges Mcmento. Masaryk zweifelt nicht daran, daß eS zur Revision des Prozesses komme und kommen muffe.— Reue Demonstrationen. In Neubidschow erzwangen die Czechen die Freilassung eines wegen der.Zde"-Meldu»g verhafteten Reservisten; es fanden große Demonstrationen statt. In der Nacht vorher wurden die Auf- schrift-Tafeln der Aemter sowie die Reichsadler herunter- gerissen und in einen Brunnen geworfen. In Böhmisch-Brod verweigerte die Stadtvertretung ihre Mitwirkung au der Kontrollversammlung. Als sechs Reservisten wegen„Zde"-Meldung zu 7 Tagen Arrest verurteilt und der Bezirks- hauptinannschaft eingeliefert wurden, forderte der Bürgermeister die Freilassung derselben, da er andernfalls nicht für die Ruhe einstehen könne. Darauf erschienen auf telegraphische Requisition 30 Gen- darmen und eine 100 Mann starke Abteilung Dragoner. Die Geineindevertretung weigerte sich, für die Einquartierung des Militärs zu sorgen. In Eisenbrod, Jasomier, Landskron. Böhmisch« Skalitz, Reu- stadt a. Mettau, Hohenbruck, Rakonitz, Humpoletz. Chrudim und Böhmisch-Brod fanden in den letzten Tagen Kundgebungen statt, bei welchen jüdischen Einwohnern die Fenster eingeschlagen wurden und an einigen Orten die Geildarmerie mit Steinen beworfen wurde. In einigen Orten mußte Militär einschreiten, um die Ruhe wieder herzustellen. ES wurden mehrere Verhaftungen vor- geuommen.— Amerika. New Dork, 8. November. Nach den bis heute vorliegenden Berichten über die Wahlen in de» cinzelnen Staaten der klliiou werden republikanische Kandidaten in Ohio, Massachusetts, Iowa, Pcnnsylvanicn, Kentucky, Süd-Dakota und New-Aerscy, demokratische Kandidaten in Maryland, Mississippi und Virginia gewählt werden. In Nebraska wird ein Fusionist siegreich sein mit einer Mehrheit von etwa 10000 Stimmen. In der Stadt New Dork ist Mazet, der republikanische Kandidat für das Unterhaus der Staatslegislatur, unterlegen. DÄvkei-MKchvitszteno Socialdcniokratischc Erfolge bei Stadtvcrordnctenwahlcn. In Forst(Lausitz) siegte bei der heutigen Stadtvcrordnetenwahl in der 3. Abteilung die locialdemokratische Liste mit 700 gegen öOO gegnerische Stimmen: 7 Genossen wurden gewählt. Auch in Görlitz halten wir, obgleich keine gründliche Vor- bereitung der Wahl möglich war, erhebliche Erfolge, wir erzielten für unsere Kandidaten 678—714 Stimmen. Die Freisinnigen be- fleißigtcn sich einer möglichst unanständigen Kampfeswcise. Bei den Stadtverordneten- Wahlen in Ohligs kamen zwei unserer Kandidaten in eine aussichtsvolle Stichwahl. Arnstadt, 8. November.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Bei der heutigen Nachwahl zur Stadtverordneten-Versnmmlung erzielten wir wiederum glänzenden Sieg. Von der Partcipresse. In die Redaktion der„Leipziger Volkszeituug" ist der Genosse Ad. Lnbnow, bisher in der Redalllon des Braunschweigischen„Volksfreundes" thätig, eingetreten. Er tritt an die Stelle des Genossen Dr. Morgenstern, der sich mehr litterarischen Arbeiten widmen will. Der Verlag der„Reußischen Tribüne" in Gera ist in eine offene Handelsgesellschaft verivandclt morden. Der Zweck der Maßregel ist die Erweiterung und Vervollkommnung des Parteiblattes. Einen interessanten Bericht gab in einer Parteiversammlnng in Königsberg der Vertrauensmann. Danach hatte die Partei an Einnahmen 3074.91 M. und Ausgaben 2899,73 M. Unter dieser Ausgabesumme befinden sich 1513,77 M. für die Provinzial-Agitation und für Unterstützungen gematzregelter Parteigenossen in der Pro- vinz Ostpreußen. 44 Anklagen wurden im Berichtsjahre gegen einzelne Parteigenossen erhoben, von denen 11 mit Freisprechung der Angeklagten etledigt wurden. 12 mal wurde auf Freiheits- strafe erkannt und zwar in Höhe von zusammen 76 Wochen. In 17 Fällen wurden Geldstrafen ausgesprochen und zwar in Summa 321 M. In weiteren drei Fällen wurde das Verfahren eingestellt und einmal auf Dienstentlassung(bei einem Gemeindevorsteher) er- kannt.— Zehn Anklagen wurden im Berichtsjahre allein gegen unfern Parteigenossen Rakutt, den verantwortlichen Redakteur der „Volkstribüne", erhoben.— GemevKMnftlifTzes. Berlin und Ningcgend. Sattler und Gerber! Bei der Firma C. Zender. Alexandrinenstr. 25, haben die 61 dort beschäftigten Kollegen die Arbeit niedergelegt. Die Firma ist bei den Berliner Sattlern so bekannt, daß es niemand wundern kann, daß den dort beschäftigten Arbeitern endlich der Geduldsfaden gerissen ist. Zender ist dafür bekannt, daß er seine Arbeiter weit schlechter behandelt, als irgend ein anderer Berliner Arbeitgeber. Der Streik ist nur deshalb aus- gebrochen, um eine bessere Behandlung zu erringen. Gleichzeitig soll indessen eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 9Vs Stunden und eine Erhöhung des Lohnes erstrebt werden. Es wird für gelernte Arbeiter ein Minimallohn von 19,50 Vi., für ungelernte bis 18 Jahre 15 M. und für ungelornte über 18 Jahren 17,50 M. verlangt. Zuzug ist streng femzuhalten. Die Kommission. Achtung, Ctseleure! Der. Streik bei der Firma Frisier(Jnh. Engel und Hegewald) ist beendet, desgleichen ist mit dem heutigen Tage die Sperre von sämtlichen in Betracht kommenden Bronze- lvaren-Fabri kanten aufachoben. Bei der Firma Vollgold u. Sohn, Silberwaren-Fabrik, Köpnickerstr. 72, sowie Gerike, Scbastianstr. 20, dauert der Streik unverändert fort und ist deshalb Zuzug nach wie vor fernzuhalten. Ebenfalls ist Zuzug fernzuhalten von den Ciseleuren G. Roß- muffen, Adalbertstr. 65, Retzlaff, Ncanderstr. 15, Pfndel, Dresdenerstraße 117, und Kalische in der Silberwaren-Fabrik von Schneider, Stallschreiberstr. 52, da bei denselben Streiiarbeit angefertigt wird. Die Kommission. Der GesellenauSschnst der Berliner Steinsetzer-(Zwangs-) Innung ist am Sonntag im Rathanse gewählt worden, und zivar wurden sämtliche von den Steinsetzern vorgeschlagenen Kandidaten gewählt. Achtung, Tapezierer! Der Ausstand bei dem Jnnungs- meister H. Brandt, Hollmannstr. 22. dauert unverändert fort. Zuzug ist streng fernzuhalten. Zligleich weisen wir darauf hin, daß sich der Arbeitsnachweis jetzt im Restaurant Simonis, Beuthktr. 21, befindet. Die AgitattonSkommifsion derTapezierer Berlin? und Umgegend. Die Bautischler von Pcekel, Weißensee. Rölkestraße 180, haben am Montag, den 6. d. Mt«., die Arbeit wieder ausgenommen. Unter Mitwirkung de» Ganvorstande« kam eine Einigung zu stände und verpflichtete sich Herr Tischlermeister Peekel, die bei der letzten Bewegung vereinbarten Preise weiter zu zahlen. Die Ortsverwaltung Weißensee deS deutschen Holzarberter-Berbande». Deutsches Reich. Zur Bergarbeiter- Bewegung in Oberschlesien wird uns geschrieben: Wie bereits telegraphisch gemeldet ist, hat das Streiken im oberschlesischen Jndustriebezirk nun doch wirklich begonnen. Es ist allerdings noch nicht gesagt, daß der Ausstand der hundert Puddler auf der Königshütte das Signal zum Ausbruch eines großen allgemeinen Streiks sein wird. Die Berg« arbeiter der fiskalischen Königsgrube, deren Forderung(25 pEt. Lohn- erhöhung) Bergrat D o b e r's in sehr unkluger Weise— er sprach von Faulenzern l— ablehnte, haben sich noch in einer Petition an den Handelsminister selbst gewandt. Ihr Verhalten wird sich nach dessen Bescheid richten. Dasselbe thun die Arbeiter der fiskalischen Luisengrube, denen ebenfalls keine Lohnerhöhung zugestanden worden ist. Die Bewegung greift jetzt schneller als bisher um sich. Positive Forde- rungen sind gestellt u. a. aus der Donnersmarckhütte, Baildonhütte, Gieschegrube und auf Silesiahütte in Lipine. Die Schiedsgerichte können als Einigungsämter nicht fungieren, da in den großen Jndustrie-Orten Gewer begerichte nicht bestehenl Selbst Königshütte, eine Stadt von fast 550 00 Einwohnern, besitzt kein Gewerbe- g e r i ch t 1 1 Luch die Vermittclung der Gelverbe-Jnspektoren ist nicht angerufen worden. Die Arbeiter haben zu ihnen kein Vertrauen. Die Leitung der Bewegung liegt in den Händen des Vorstandes de« Beuihener christlichen Bergarbeiter- Verbandes. Ein spätere? Schreiben desselben Korrespondenten bringt bereit« die Nachricht von einer Niederlage der Arbeiter: Der Streik der Puddler der hiesigen Königshütte ist zwar noch nicht beendet, wird eS aber binnen ein oder zwei Tagen sein und zwar Gl einem für die Arbeiter ungünstigen Sinne. Der Streik war von vorn- herein nur ein partieller; die besser gelohnten ersten und zweiten Puddler ließen die schlecht bezahlten dritten und vierten Pnddker im Stich, gegen die Verabredung. Trotzdem mußten gestern dreiviertel der Puddelöfen stehen bleiben. Die Hauptschuld an dein Miß- lingen des Streiks tragen das Eingreifen der Behörden und der Maiigel einer Streikleitung. Sofort nach Beginn des Ansstandcs wurde die Hütte mit Gendarmen, Polizisten, nnifor- micrten und nichtuniformicrten, angefüllt, die oberschlesischen Pinkcr- tons, die sogenannte Hiittenfenerivehr, trat in Aktion, und viele der Streikenden ließen sich einschüchtern. Elf Streikenden ist bereits ge- kündigt. Ein Streikkomitee oder etwas dergleichen gab es überhaupt nicht. Die Leitung des Beuihener Verbandes, an deren Spitze ein Herr Dombck steht, hat nicht das geringste dazu gethan. daß der Streik ordnungsmäßig durchgeführt wurde, und die Streikenden wußten deshalb nicht,»voran sie waren. Es hat sich gezeigt, daß die Leitung des Benthener Bcrgarbeiter-Vcrbandes einem Unter- nehmen, wie es ein Streit in Oberschlesien ist, nicht im mindesten gewachsen ist. Die Nachricht von der Beendigung deS Streiks in den Leipziger Musikwerken(Lachmann) bestätigt sich.— Auch die Arbeiter der A d I e r- M u s i k w e r k e haben beschlossen, den Streik zu beenden. Eine der Hauptforderungen, Wiedereinstellung der Geinaßregelten, hat sich insofern erledigt, als die Gemaßregeltcn anderweitig Arbeit erhalten haben resp. aus Wiedereinstellung ver- zichteten. Von den 73 Streikenden sind noch 47 lstersonen im Aus- stand gewesen; die übrigen sind teils abgereist, teils arbeiten sie an anderer Stelle. A«s dvv FrKurnbewegung. Die Agitation für den gesetzlichen Arbciterinncuschutz wird in Anknüpfung an die Beschlüsse des Hannoverschen Parteitages in der„Gleichheit" erörtert. Es wird darauf hingewiesen, daß vor allen Dingen das System der Vertrauenspersonen ausgebaut werden muß und solche selbst dort zu wählen sind, wo noch keine selbständige Arbeiterinnen- Bewegung besteht. Die Vertrauenspersonen müssen stete Fühlung mit den Arbeiterinnen ihres Bezirks und auch unter sich halten. Sie müssen vor allem versuchen, möglichst viel Material über die Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen namentlich bei be- sonders schädlicpen Bcschäftigl'chgSarten zu sammeln, um auf diese Weste solvohl Agitationsniaierial als auch Grundlagen für die zum Schutze der Arbeiterinnen erforderlichen Maßregeln zu gewinnen. Es wird dann weiter auf die Wichtigkeit der Agitation durch kurze Flugblätter auf Grund des gesammelten Materials hingewiesen und aufgefordert. Mitteilungen über die Arbeits- und Existenzbedingungen an die Redaktion der„Gleichheit" gelangen zu lassen, damit sie in dem Blatte veröffentlicht werden können. Die„Gleichheit" ivird dem- nächst auch ein Verzeichnis der Schriften und Abhandlungen ver- öffentlichen, die zum Studium der Frage des Arbeiterinnenschutzes geeignet sind. Ei» weiblicher Professor. Zum ordentlichen Professor am italienischen Gymnasium in Fiumc(Ungarn) ist ein Frl. Dr. Barbara Tedeschi ernannt worden. Sociales. Zur Baukontrolle. Eine Anzahl erschreckender Baunnfälle in Bayern und speeirll in München haben die maßgebenden Faktoren ans ihrer Gleichgültigkeit aufgerüttelt und zu Maßregeln dagegen angeregt. ES hm in München eine Konferenz zwischen staatlichen und stadtischen Baubeamten, Anfsichtsbeamten, Unternehmern und Arbeitern getagt, in der auch der Minister des Innern erschien und in der eine lebhafte Diskussion über die gccignctste Art der Bau- kontrolle gepflogen wurde. Es wurde schließlich beinahe Einhelligkeit erzielt über folgende Vorschläge: r 1. ES sollen Baucontrolcure angestellt werden. 2. Die An- stellung soll dauernd sein. 3. Die Controlenre sollen aus den Reihen der Arbeiter entnommen werden. 4. Die Bauarbeiter können die Borschläge für die Eontrolcure machen. 5. Die Kosten dieser Einrichlinig trägt die öffentliche Baukontrolle. 6. Die Einrichtung ist durch gesetzliche Vorschriften zu ordnen. Die Vorschläge sind sehr vernünftig und entsprechen den Forde- rungen der organisierten Arbeiter. An der Regierung und der Volksvertretniig Ivird es nun liegen, sie baldigst in geeigneter Weise zu verwirklichen. Kapitalgcwinne. Die Bergwerksgesellschaft H i b e r n i a in Herne macht im laufenden Geschäftsjahre glänzende Geschäfte und die Aktionäre werden am Schlnssc des Jahres Rieseiigewimie ein- stecke». Wie in der gestrigen Anfsichtsratssitzimg mitgeteilt wurde, betrug der Bruttogewinn in den neun Monaten Januar bis mit September 5 643 900 M., das sind 1 189 316 M. mehr als in der gleichen Zeit des Jahres 1898. Und auch die letzten drei Monate des Jahres lassen dasselbe günstige Resultat erhoffen, so daß man auf das gegen bisher um 10 Millionen Mark erhöhte Kapital dieselbe Dividende verteilen Ivird wie 1898, nämlich 12 Proz. Die armen Arbeiter aber werden gezwungen, erst zu Ber- zweiflungSthaten zu greifen und sich zusammenschießen und ins Zucht- Haus stecken zu lassen, um von diesen Millionen ein paar Pfennige mehr Loh» für sich zu erlangen. Der Londoner Schulrat hatte vor einiger Zeit ein Komitee eingesetzt, das die Frage der mangelhaft ernährte» Schulkinder genauer untersuchen und Vorschläge zur einheit« lichen und wirksameren Bekämpfung dieses Uebels ausarbeiten soll. Der Bericht liegt jetzt vor und wird in diesen Tagen verhandelt. Nach ihm kommen im Durchschnitt mehr als zwölf Prozent der Kinder in den Londoner Botksschulen— 55 050 von rund 450 000— hungrig oder ungenügend ernährt in die Schule. in der großen Mehrheit der Fälle infolge wirklicher Armut und Not der Eltern, wenngleich natürlich auch Fälle strafbarer Vernach- lässignng vorkommen. Die heute vielfach geübte private Abhilfe— eS iverden jährlich durchschnittlich eine und«indrittel Million„Mahl- zeiten" irgend welcher Art an Londoner Schulkinder verteilt— hat sich als unzulänglich erwiesen, vornehmlich wegen ihrer Unregelmäßigkeit und Unglcichmäßigkeit. Die Konimission schlägt daher die Einsetzung eineS ständigen Konntees für die untcrernährten Kinder vor, das die Beaufsichtigung und einheitliche Regelung der Versorgung der Kinder zur Aufgabe haben soll. ES soll dabei nach dem Princip der Pariser Schulkantincn verfahren werden, d. h. die dargebotenen Mahlzeiten sollen alle» Kindern ohne Ausnahme gegen Marken zur Verfügung stehen, die ihnen, sei es gegen Bezahlung oder unent« geltlich, vorher derart zuzustellen sind, daß kein Unterschied zwischen unterstützten und nichtuntcrstützten Kindern gemacht werden kann. In Fällen, wo Eltern ohne genügenden Grund in sträflicher Vernachlässigung ihre Kinder unterernährt lassen, soll das Komitee bezw. die Schrnbehörde Vollmacht haben, wegen Grausamkeit straf« rechtlich gegen sie vorzugehen. Es ist ziemlich sicher, daß die Vorschläge, die ja noch sehr vor« fichtig gehalten sind, Annahme finden werden. Kriminelle Bestrafung deS Kontraktbruches. In Rußland soll demnächst ein neues Arbeitergesetz in Kraft treten, demzufolge die Arbeiter für Verletzung des Ärbeitsvertrages hohe Gefängnis- strafen treffen sollen. Dieses Gesetz wird damit begründet, daß besonders landivirtschaftliche Arbeiter häufig die Arbeitsverträge brechen sollen. Arbeitersreundliche russische Blätter wenden sich aber gegen die neue Gesetzesbestimmung mit aller Entschiedenheit»nd weisen mit Recht auf den Umstand hin, daß, wenn auch derartige Kontraktbrüche häufig vorkommen, die Schuld viel weniger den Arbeiter als die Unternehmer trifft. Viele Gutsbesitzer, schreibt u. a. eineS dieser Blätter, betrachten den Arbeitsvertrag einfach als eine Gelegenheit zum Wuchergeschäfte; sie mieten Arbeiter, die sich in bedrängter materieller Lage befinden und oft nicht wissen, wie fie den Winter durchleben sollen, im Winter, sogar auch schon im Herbst zu Feldarbeiten für den nächsten Sommer und geben daraufhin Handgeld, worauf es dem von der Not bedrängten Arbeiter einzig ankommt. Die im Winter angebotenen Löhne sind, weil damit ja mir eine Ausbeutung bezweckt wird, spottgering, aber weil der Arbeiter Handgeld eingehändigt erhält, so geht er dieses Vorteils wegen jeden Vertrag cur Durch das Gesetz würden die Arbeiter gezwungen sein, sich von den tvucherischen Landwirte», in deren Hände sie nun ein- inal gefallen sind, bis anfs Blut ausbeuten zu lassen. Es sei daher »nindestens für die Gerichte das Recht zu fordern, die Arbeiter in den Fällen von der Erfüllung von Verträgen zu entbinden, wo diese in ausbeuterischer Absicht zur Ausnutzung der Notlage des Arbeiters abgeschlossen sind._ Gvvrchks»Zeikung» Eine» unerwarteten AuSgang fand ein Strafprozeß, der gestern vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I gegen den Kellner Josef Kulaszewski verhandelt wurde. Wie erinnerlich, ivnrde von demselben Gerichtshof am 19. Mai der Kanzlist Willi Lange, der als Angestellter der Brüerh'chen Buchhandlung 49 999 M. unterschlagen hatte, zu ö- Jahren Gefängnis verurteilt. Lange versteckte das Geld znnr weitaus größten Teil in drei Flaschen, die er im Grunewald vergrub. Der Polizei ist es ge- lungcn. auf Grund von Mitteilungen, die Lange später im Ge- fängnis einem Mitgefangenen machte, zwei Flaschen mit Geld zu ermitteln, während die dritte Flasche noch fehlt.— Von dem ge- raubten Geldc hatte Lange 14 Hundertmarkscheine in Gold und Silbergeld umgewechselt und diese Summe von 1499 M. seinem Freunde, dem jetzigen Angeklagten, ohne dessen Wissen in die Konnnode gelegt. Kulaszewski fand dort das Geld, erfuhr, daß es von Lange herrührte, und verausgabte 399 M. davon in seinem Nutzen, während der Nest von 1199 M. bei ihm beschlagnahmt wurde. Der Verdacht, daß er die fehlende Flasche mit 13 999 M. Papiergeld im Grunewald ausgegraben und sich angeeignet habe, hat in der Voruntersuchung keine Bestätigung gefunden, und so war er nur wegen Hehlerei an den 1490 M. angeklagt. Diese Anklage konnte der Staatsanwalt ini Termin nicht aufrechterhalten, da das von Lange geraubte Geld aus Papiergeld be- standen hatte, die bei dem Angeklagten vorgefundenen 1499 M. sich dagegen ans Gold und Silbergeld zusammensetzten. Nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts ist Hehlerei nur an denjenigen Sachen möglich, welche selbst den Gegenstand des Diebstahls oder der Unterschlagung gebildet haben, nicht aber an denjenigen, welche durch Uniwechselung an deren Stelle getreten sind. Dagegen hielt der Staataauwait den Angeklagten der strafbaren Bo- günstigung des Lange schuldig, weil Kulaszewski bei seiner Vernehmung durch den Kriminalinspcktor Braun jede Vcr- bindung mit Lange in Abrede gestellthatte. Der Staatsanwalt beantragte Zwei Jahre G e f ä n g u i ß. Dem gegenüber nmchte Rechts- anwalt Dr. S ch w i n d t geltend, daß Kuiaszcwski seine Verbindung und Bekanntschaft mit Lauge nicht deshalb geleugnet habe, um dem- selben den iin Grunewald vergrabenen Raub zu sicher», sonder» um nicht selbst in die Gefahr zu kommen, wegen der von den 1499 M. bereits verbrauchten 399 M. zur Rechenschaft gezogen zu werden. Da Lange, als Zeuge vernommen, erklärte, es sei möglich, daß er dem Angeklagten gesagt habe, er habe ihm ein Geldgeschenk in die Kommode gelegt, so führte der Verteidiger weiter aus, daß be- z ii glich dieser 1499 M. nur ein civilrcchtlichcr Anspruch der Firma Brücr bestehe, weil Lange durch Umwcchselnng der 14 Hundertmark- scheine � juristisch Eigentiimer des gewechselten Geldes geworden sei und also auch darüber habe verfügen können. Somit liege auf feiten des Kulaszewski auch eine Unterschlagung der von ihin verausgabten 399 M. nicht vor. Der Gerichtshof folgte diesen Ausführungen und sprach den Angeklagten, der seit Mai in Untersuchungshaft gesessen, V o l t k o m m e n frei. Ein kleines Bild ans dem Straßcnlebcn beschäftigte gestern die Berufnngsstrafkammer des Landgerichts I. Der Kaufmann Jakob D o I l e r, welcher vom Schöffengericht wegen schwerer K örperverletzung zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt worden ivar, hatte hiergegen Einspruch erhoben. Am Nachmittag des 21. Februar ging der bekannte Drnckschriftcnhändler A e u in a n n ivie alltäglich an der belebtesten Stelle der Friedrichstraße auf und ab, den Passanten seine antisemitischen Druckschriften entgegenhaltend und dabei ausrufend:„Anarchisten, Juden und Socialdemokraten! Reeept gegen freche Inden! Der ein- pfindsame Angeklagte nahm als Jude hieran Aergernis, er wandte sich an einen Schutzmann und forderte von ihm die Sistierung Neu- manns, den er wegen Beleidigung anzeigen wolle. Obgleich der Schutzmann ertviderte, daß er dieVersonalien desNenmann genau kenne, eine Sistierung demnach überflüssig sei, beharrte der Angeklagte dennoch so hartnäckig auf seinem Verlangen, daß der Beamte, schon um einer Ausdehnung des Auflaufs vorzubeugen, die Sistierung vornahm. Doller mußte ebenfalls mit zur Wache, er ging zwei Schritte hinter dem Sistierten, der den Schutzmann zur Seite hatte. Plötzlich erhielt Neumann von dein Angeklagten mehrere heftige Stöße »nt der Krücke des Regenschirms ins Genick. Der Angeklagte ergriff darauf die Fluckit, der Schutzmann holte ihn aber ein und brachte ihn zurück. Auf dem Flur des Polizeireviers angekommen, ergriff Doller noch einmal die Flucht, diesmal gelang es erst auf dem Werderschen Markt, seiner wieder habhaft zu werden. Vor der Berufungsinstanz verteidigte der Angeklagte sich höchst ungeschickt, nnstatt zuzugeben, daß er sich in Erregung über die ihm zugefügte Beleidigung zu weit habe hinreißen lassen, behauptete er, daß er sich im Zustande der Notwehr befunden habe. Er habe auch keineswegs fliehen, sondern sich nur so schnell wie möglich nach den: Alexanderplatz zum Polizeipräsidinni begeben ivollc». Der Verteidiger, Rechtsanlvalt Wronker, bedauerte, daß der Angeklagte sich durch solche Ausflüchte zu retten suchte, er wies darauf hin, daß nicht bloß Inden sich durch das Geschäfts- Gebahren des HändlerslNeumnnn beleidigt fühlen könnten, und hielt die unerlaubte That des Angeklagten mit einer Geldstrafe von 39 M. hinreichend gesühnt. Der Ttaitsanivalt trat dem Verteidiger im wesentlichen bei, meinte aber doch, daß eine Geldstrafe von 199 M. am Platze sei. Der Gerichtshof verwarf das erste Urteil und erkannte auf eine Geldstrafe von 149 M. Die beleidigte„Mordbahn". Eine originelle Beleidigungs- klage spielte sich dieser Tage vor dem Schöffengericht in Hannover ab. Der Bäckermeister Kuhn hatte auf dem Vcrbandstage der Hannoverschen Bürgervereine die elektrische Straßenbahn der Stadt Hnnnnvcr als Mordbahn bezeichnet. Darüber hatten sich Direktion und Beamte der Bahn so geärgert, daß sie sich beleidigt fühlten; und ein Staatsanwalt nahm sich auch wirklich ihrer Schmerzen an. In der Verhandlung mußte der Vertreter der An- klagebehörde selber die Freisprechung des Angeklagten bean- tragen, da nichts vorlag, woraus sich schließen ließ,' daß Direktion und Beamte der Bahn haben beleidigt werden sollen. Der Ge- richtshof erkannte nach dem Antrage des Amtsanwalts. Ein für die ostclbischen Polizciznstände bezeichnender Prozeß findet am 19. d. M. in S ch n e i d e m ü h l statt. Es handelt sich um eine gegen den Parteigenossen Georg Wollmann in Berlin gerichtete Anklage wegen Beleidigung des Bürgermeisters Dam- deck in K o l in a r; außerdem wird Wollmann beschuldigt, die Be- sucher einer Versammlung aufgefordert zu haben, einer Anordnung des Bürgermeisters nicht uachzukonmien. Dieser Herr hatte nämlich eine öffentliche Versanunlung zu überwachen, in der das Monstruni der Z u ch t h a u s V o r I a g e besprochen werden sollte. Vor den» eigentlichen Beginn der Versammlung richtete der Bürgermeister an den Versammlungsleiter die ungesetzliche Aufforderung, dafür zn sorgen, daß die Frauen und Lehrlinge entfernt würben. Diese Aufforderung lvurde nicht befolgt. Als der Bürgermeister wirk- lich die Versammlung auflöste, richtete Wollmann eine tele- graphische Beschwerde an den Minister bes Innern, der denn auch die Auflösung als unberechtigt anerkennen mußte, waS zur Folge hatte, daß weitere Verfamnilungen in jener politisch noch rück- ständigen Gegend ungestört stattfinden konnten. Wollmann soll nun, als er auf das ungesetzliche der angedrohten Versammlungs-Auflösung hinwies, die anfangs erwähnten Straf- thaten begangen haben. Wie wir vernehmen, ist er sich nicht der geringsten Gesetzwidrigkeit bewußt. Verantwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Vevfammlungem Die Vorstände der Krankenkassen Berlins hatten am Dienstagabend in der Brauerei Friedrichshain eine gut besuchte Versanimlung, um Kandidaten für die gemäß§ 63 zc. des neuen Jnvaliditätsversicherungs-Gesetzes demnächst vorzunehmenden Wahlen aufzustellen. Es Handell sich bei der Versicherungsanstalt Berlin um bie Wahl von 29 Vertretern für die untere Verwaltungs- behörde, welche Wahlen durch die Vorstände der Krankenkassen er- folgen. Die Kassen mit 69 versicherten Mitgliedern habe dabei eine Stimme, die mit 69 bis 199 haben zwei, die mit 199 bis 299 haben drei Stimmen, und für jedes weitere Hundert versicherungs- Pflichtiger Mitglieder kommt eine Stimme hinzu. Da bei der Versicherungsanstalt Berlin annähernd eine halbe Million Personen versicherungspflichtig sind, so wird jeder der zu wählenden 29 Beisitzer für die untere Verwaltungsbehörde etwa 25 999 Versicherte ver- treten. Die meisten der in Betracht kommenden Berliner Krankenkassen waren in der Versammlung durch Vorstandsmitglieder vertreten, nämlich 47 Orts-Krankenkassen, 16 Betriebskassen, 9 Jnnungskassen und 8 freie Hilfskassen. Simanowski gab zunächst einen kurzen Ueberblick über die Funktionen der zu wählenden Vertreter. Die- selben haben in zweifelhaften Fällen bei der Rentenfestsetzung mitzusprechen, sie sollen gehört werden bei der Uebernahme des Heilverfahrens erkrankter Versicherter, bei der Rückerstattung von Beiträgen k. Ferner haben sie die Ausschußmitglieder für die Jnvaliden-Versichcrungsanstalt zu wählen und manches dergleichen. Die Versammlung ist' nun zu dem Zweck einberufen, eine Einigung über die von den Krankenkasscn-Vorftänden zu wählenden Vertreter herbeizuführen. In der kurzen Diskussion wird mehrfach betont, daß es notwendig sei, Vertreter der modernen Arbeiterbewegung, die am besten mit den Interessen der Arbeiterschaft vertraut sind, in die Kommission zu wählen, und man beschließt darauf— freilich nicht ohne den Widerspruch einer größeren Zahl der erschienenen Kassen- vorstände— die Kandidaten zu fragen, ob sie gewerkschaftlich und politisch organisiert seien. Aus der größeren Zahl der durch Zuruf aus' der Versammlung vorgeschlagenen Namen werden nunmehr die folgenden zwanzig Personen, die sämtlich Vor- standsmitglicder von Krankenkassen sind, gewählt: Koblenzer, Tischler; Gries, Maschinenbauer; Günther, Zimmerer; Moos, Cigarrcnmacher; L ö f f I e r, Schlächter; Rätebusch. Tischler; H e r r m a» n, Schuhmacher; Spann, Weber; K e lp in, Maurer; Möbius, Schneider; Lohse, Gürtler; Lüning, Schlosser; Albrecht, Bäcker; Meyer, Freie Hilfskasse 61; K e r st e n, Gastwirtskasse; L i e b e r s. Strumpfwirker; L ö b e, Allg. Orts-Krankenkasse; Stumpe, Freie Hilfskasse 27; Aß mann, Maschinenbauer; N o a ck, Bildhauer. Die Liste dieser Personen wird den Krankenkassen-Vorständen als Kandidatenliste für die endgültigen Wahlen zugestellt werden. Die Versammlung der centralistischen Maurer vom Diens- tag, deren wichtigste Belchlüsse wir bereits gestern mitteilten, erklärte sich damit einverstanden, daß von jetzt ab die Bureaustnnden der Lohnkomniissionsmitglieder um 7 Uhr beendet sein sollen.— Alle Kollegen, die Feierabend bekommen, weil die Unternehmer sie durch A c c o r d maurer ersetzen wollen, Iverden vorläufig unter- stützt, und zwar bis zur Dauer von drei Wochen. Sie haben sich jedoch jeden Tag bei der Lohnkommission zu melden und die Jnvalidenkarte mitzubringen.— Nach den neuen Festsetzungen der Achtzehncrkonimissio» bilden folgende Orte die Grenze für das Gebiet, wo der Vertrag mit dem Arbeitgeberbunde gilt: Zehlendorf, Lichterfclde, Mariendors, Britz. Johannisthal, Schöneweide, Karls- Horst, Friedrichsfelde, Hohen-Schönhausen, Weißensee, Heinersdorf, Nieder-Schönhausen, Reinickendorf, Tegel, Haselhorst, Westend, Grüne- wald, Dahlem und Zehlendorf. Diese Grenzorte selbst zählen noch mit zum Vertragsgebret. Eine öffentliche Versammlung der Maurer lokaler Rich- tnng, welche sehr stark besucht war, tagte am Dienstagabend m Cohns Festsälen. Dieselbe beschäftigte sich mit der Frage: Wie weit werden die Arbeitsbestimmungen von feiten der Unternehmer inne- gehalten und welche Stellung nehmen wir für die Zukunft ein? Die Diskussion hierüber war eine sehr lebhafte. Es wurde in der- selben teilweise der Standpunkt vertreten, daß die Unternehnier vielfach die vor dem Einignngsamt eingegangenen Bedingungen bis jetzt noch nicht erfüllt hätten und daß es in dieser Beziehung vielleicht besser aussehen würde, wenn man sich auf den„Einigungs- rummel" nicht eingelassen hätte. Demgegenüber wurde jedoch von anderer Seite betont, daß im allgemeinen die Zu- stände sich doch gebessert haben. besonders sei es nicht mehr nötig gewesen, wegen der Lohnfrage Sperren zu verhängen. Und was in' anderer Beziehung heute noch nicht durchgeführt ist, das würde man sicher auch noch erlangen, wenn die Maurer energisch auf ihre Rechte bestehen. Es gelängt sodann folgende Resolution gegen eine Stimme zur Annahme: „In Erwägung, daß nach dem von den einzelnen Bauten ein- gelieferten Material über die Jnnehaltung der Vertragsbestimmungen in Bezug auf Baubuden usw. festgestellt ist, daß dieselben noch nicht überall zur Durchführung gelangt sind; in fernerer Erwägung, daß selbst nach wochenlanger diesbezüglicher Vorstellung der Bau- deputierten diesem Wunsche nicht Rechiumg getragen ist, beschließt die Versammlung: 1. Bei allen Unternehmern, welche sich bisher nicht an die Be- stimmungen der Achtzehner-Kommission bezüglich Baubuden zc. hielten, ist am Mittwoch, den 8. d. Mts., früh die Einführung der Be- stimmungen unverzüglich zu fordern. 2. Wird dieser Forderung nicht unverzüglich Folge geleistet, so ist sofort die Lohnkommission, Grenadierstr. 33. zu benachrichtigen; diese ist oerpflichtet, die gemeldeten Fälle zu untersuchen. 3. Handelt es sich um Bauten von Bundesmitgliedern, so ist der im Einigungsvertrag vorgeschriebene Weg einzuhalten; bei Nicht-BundeSmeistern ist dagegen im Einverständnis mit der Lohn- kommission am Freitag, den 19. d. Mts., früh auf allen Bauten die Arbeit niederzulegen." Eine sehr lebhafte Debatte rief auch das Verhalten einer Anzahl Unternehmer hervor, welche die Lohumaurer durch Accordmaurer ersetzt haben. Es handelt sich um die Firmen Zaar u. Fahl, Dräger, Leist. Alle Redner stimmten darin überein, daß es sich hierbei um einen Bruch des eingegangenen Vertrages handele. Es soll hierüber noch in dieser Woche eine Entscheidung in der Kommission herbei- geführt, eventuell das Gewerbegericht angerufen werden. Ein Antrag Sch o ch, daß die Kommisston der Maurer sich an die Lohnkommission der Zimmerer und Bauarbeiter wenden solle, um sich mit diesen dahin zu verständigen, datz auf Bauten, wo Accordmaurer eingestellt werden, die Zimnierer und Bauarbeiter die Arbeit verweigern, wurde abgelehnt. Unter Gewerkschaftlichem wurde die Frage aufgeworfen. ob gegen den Unternehmer Walter- Halensee das Strafverfahren eingeleitet sei. Es konnte hierüber keine bestimmte Auskunft ge- geben werden; daS Verfahren soll noch schweben. Metzle citiert sodann einen in bekannter gehässiger und tendenziöser Weise ab- gefaßten Artikel der„Märkischen Volkszeitung", nach welchem ans einem Magistratsbau, den der Unternehmer ileberholz auszuführen hat, die organisierten Maurer erklärt haben sollen, daß sie mit den „Christlichen" nicht zusammen arbeiten. Als erstere dann entlassen worden, sei eS zu Excessen gekommen, wobei ein Maurer Schulz zwei der Christlichen geschlagen haben soll. Dieser Fall sei von der Komnlission ganz genau untersucht worden und dabei habe sich die absolute Haltlosigkeit der von dem katholischen Blatt aufgestellten Be- hauptungen nachweisen lassen. Allerdings habe es auf dem Bau mehrfach Differenzen gegeben, daS läge aber daran, daß hier Mißstände in außerordentlich großer Anzahl vorgelegen hätten. Als die Maurer auf Abstellung derselben drängten, habe Herr Ueberholz erklärt: „Sämtliche Hallunken, die hier auf dem Bau beschäftigt sind, sie fliegen alle herunter, wenn sie nicht wollen." Es sei nicht der Schatten eines Beweises erbracht, daß jemand geschlagen habe. Der inhaftiert gewesene Maurer Schulz sei aus der Untepuchungs- haft entlassen worden. Redner wünscht, daß der„Vorwärts" dieien «tenteil verantwortlich: Th. Glocke w Berlin. Druck und Verlag von Max Fall strikte zurückweisen solle. Nachdem noch einige Fälle angeführt, welche die Jnnehaltung des Vertrages durch die Unternehmer in einem wenig günstigen Licht erscheinen lassen, erfolgt der Schluß der Versammlung._ Der Krieg. Ueber die Ereignisse in den ersten Tagen dieser Woche um Ladhsmith giebt es keinerlei Meldungen. Alle Nachrichten beziehen sich noch auf die Kämpfe in der vorigen Woche, von denen bereits berichtet wurde: Aus Estcourt(Natal) kommt folgende Meldung des „Reuterschen Bureaus" vom 6. November: lieber das Gefecht vom Freitag südlich von Ladysmith ist heute folgende, die früheren Nachrichten bestätigende Meldung eingegangen: Eine britische Division unternahm eine Rekognoscierung zn dem Zwecke, die vom Feinde angegriffene englische Abteilung in Colenso zu ent- setzen. Die Infanterie griff die auf dem Groblers Kloof-Hügel in fester Stellung befindlichen Boeren an, und trieb sie in der Richtung nach dem Tugela-Flusse in die Ebene herab. Danach führte die Kavallerie eine vorzügliche Flankenbewegung aus und unternahm gegen den Feind einen nahezu vernichrenden Angriff. Ueberall in der grasbewachsenen Ebene liegen gefallene Boeren. Zur Wiederherstellung der Bahnlinie ist ein gepanzerter Zug von Estcourt noch Colenso abgegangen. Am Sonnabend ist, wie man annimnit, kein Gefecht gewesen, da keine Schüsse gehört wurden. Aus Durban wird gemeldet: Angenzeugen des Kampfes bei Ladysniith am letzten Donnerstag berichten folgendes: Eine Abteilung Boeren habe, nachdem sie offenes Feld gewonnen, weiße Flaggen emporgehalten, worauf eine britische Abteilung, ohne zu feuern, herankam. Als diese in nahe Schußweite gekommen war, hätten die Boeren eine Salve gegen sie abgegeben(?); über diese Verräterei empört, machten Ulanen, Husaren und Dragoner und hinter ihnen Infanterie mit gefälltem Bajonnet einen Angriff ganz durch die Reihen des Feindes hindurch. Der Erfolg war groß, viele wurden gefangen gemacht, auch viele Beute gewonnen. „Daily Telegraph" berichtet aus Pietermaritz- bürg vom Sonnabend, General I o u b e r t � zog heute seine Truppen anS der Umgebung von Colenso zurück, woselbst die Boeren gegenwärtig nur Außeuposten haben. Die Zurückziehung der Truppen wird den schweren Verlusten von Ladysmith zu- geschrieben. London, 8. November. Das„Nentersche Bureau" meldet aus Estcourt vom 6. ds. Mts. 11 Uhr vormittags: Die Ratalartilleri« verliest das Lager, eskortiert von Abteilungen britischer Karabiniere zu Pferde und der Feldabteilung der Natalpolizei. Die Bestimmung derselben ist noch unbekannt. Heute früh ist in der Richtung ans Colenso Geschützfeucr vernommen worden. Ter Feind hat zweifellos die Vcschiestung von Ladysmith wieder ausgenommen. Boeren im Zululand. Man glaubt in Durban, daß der Einmarsch der Boeren in das Zululand nicht auf den Jngwavuma-Bezirk beschränkt bleiben werde, daß vielmehr auch andere Bezirke in gleicher Weise überfallen Iverden würden. Schalk Burger ist mit 1399 Mann aus Swasiland in Vryheid eingetroffen. Man glaubt, er beabsichtig» ebenfalls in Zululand einzumarschieren. Die Vorkehrungen für die Verteidigung von Pieter- maritzburg nehmen einen raschen Fortgang. An der Südgrenzc. London, 3. November. Wie dem„Reuterschen Bureau" vom 6. d. M. aus Colesberg gemeldet wird, ist dort die Nachricht ein- gegangen, daß 3899 Boeren, begleitet von einer starken Artillerie- abtrilung mit Tchnellfeuergeschützen schweren Kalibers von Pretoria zur Sicherung der Südgrenze des Oranje-FreistaateS nach dort aufgebrochen sind._ Vetzke Nnlhrichken und Depeschen. Landtagswahl in Hessen. Darmstadt, 8. Novbr.(Privatdepesche deS„Vorwärts", Vorläufiges Resultat. Im 14. Wahlbezirk Landkreis«roß- grrau siegte unser Kandidat. DaS östreichische Parlament. Wien, S. November.(B. H.) Der Finanzminister legte heute dem Abgeorduetenhause den Staatsvoranschlag für das nächste Jahr vor. Derselbe schließt mit einem Ueberschuß von 497389 Kr. ab. Das für dasJahrl999 festgesetzte Jnvestitiouspräliminar belauft sich auf 67,82 Millionen Kronen, denen eine Einnahme von 1,14 Millionen gegenüber steht. Zur Deckung des erforderlichen Nestes �in Höhe von 66,68 Millionen, erhielt der Finanzminister die Ermächtigung, eine 4 Proz. Kronenrente auszugeben. Wien, 8. November.(2B. T. 8.) In der Debatte über die Jnterpellations-Beantwortung betreffend die Excesse in Mähren er» klärte der Czeche Zacek, daß die Juden dort deswegen die Opfer der Excesse geworden seien, weil sie politisch immer zu den Deutschen gehalten hätten. Die böhmische Bevölkerung sei nicht antisemitisch, und wenn die Juden sich auf ihre Seite stellen würden, könnten sie mit ihr in vollem Frieden leben. Von Rassen- oder religiösem Haß könne bei den Böhmen keiick Rede sein. Das Haus nahm darauf einstimmig den Antrag Dascynski an, den Berich! des Ausschusses betr. die Aufhebung des Zeitnugs- stcmvels auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu stelle«. Nächste Sitzung morgen. Berlin, 3. November. lW. T. B) Der Kaiser hat dem Staats« sckretär, Staatsminister Grasen v. Bülow das Großkrcuz des Roten Adlerordens verliehen und ihm die Jnsignien vor dem Festmahl zu Ehren des russischen Kaiserpaares persönlich überreicht. Düsseldorf, 8. November.(W. T. B.) Heute fand hier die dritte Generalversammlung des Rheinischen Vereins zur Besserung des Arbeiterwohiiungswcseiis statt. Aus eine Begrüßungsansprache des Vorsitzendeii. Landrats Brandts, erwiderte Geheimer Ober- Regierungsrat Manbach, der Minister des Innern, Freiherr v. Rheinbaben, bringe den Bestrebungen des Vereins nach wie vor das größte Interesse entgegen; den Worten würden auch bald Thaten folgen, und man werde bald von Maß- nahmen hören, welche die Regierung auf dem Gebiete des Arbeiter- Wohnungswesens treffen werde. Nach einer Reihe von Borträgen wurde die Versammlung geschloffen. Frankfurt a. M., S. Nov.o» Berlin am?. November tSSS nach Ermittelniigen des kgl. Polizeipräsidiums. ")Weizen D.-Ctr. 15,30 »Monge»„ 14,85 Fnilcr-Äetfle„ 14,— Haser gut„ 15,20 „ mittel„ 14,50 „ gering„ 13,80 Richtstroh. 4,— He»» 7,— s)Crbsen„ 40,— fsSpeiiebohuen. 50,- f)Linien. 70,— Kartosfclii, neue„ 7,— Rindsteisch, Keule lüg 1,60 do. Bauch„ 1,20 ) Ermittelt pro Tonne 14- 13,60 13,- 14,60 13,90 13,20 3,50 4- 25,- 25,- 30,- 6.- 1,20 1- Schweinesteisch Kalbsleisch tammelfleisch utier Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse lüg eo Stück 1 üg per Schock 1,60 1,80 1,60 2.80 4,80 2,20 2,80 2,60 1,80 1,80 2,80 1,40 12- 1,10 1,- 1,- 2,- 2,40 1,20 1,20 1,10 1,- 0,80 1,20 0,80 2,50 von der Centralflelle der Preust. Landwirt- Nevmipkzkes. Tie amtlichen Erhebungen über die letzten Hochwasser- sch ä d e u in Bayern schlietzen mit einem Gesamtschaden von rund 121/4 Millionen Mark, den Private, Distrikte und Getneinden erlitten haben, ab. Die Staarsbeihilfe beträgt etlva b9/* Millionen Mark. Tie Weberei und Zwirnerei der Firma Richter in Warns- d 0 r f bei Görlitz ist toial Niedergebra nut. Der Material- schaden ist bedeutend. Gas-Explosio» in Wie». In Wien ereignete sich Mittwoch- abend inn 6 Uhr eine gewaltige Explosion im Gasrohr- netz des neuen städtische n Gaswerkes, das am 1. November feierlich eingeweiht nnd dann durch die städtischen Vchördeu in Betrieb gesetzt wurde. Der Knall wurde im grötzten Teil der Stadt veritommcn. Die Arbeiter hatten sich bereits vor 0 Uhr aus der Baugrube entfernt, daher wurde niemand ernstlich vorletzt. Ein Monteur hat leichte Verwundungen erlitten. Die Fensterscheiben der nahen Rudolf- Kaserne zersprangen sämtlich in- folge des starken Luftdruckes. Ein Stück des eisernen Rohr- verschlusses wurde durch das Fenster des zweiten Stockwerkes eines benachbarten Hauses in ein Zimmer geschleudert und zertrümmerte dort einen Tisch. Nrbeitcrrisiko. Die vor einigen Jahren in Gernsheim ge- gründete Rheinische Zuckerfabrik hatte am Sonnabend drei Unfälle zu verzeichnen. Zwei Arbeiter stürzten beim Nnbcntragcn ans einem Schiff in den Rhein nnd ertranken. Ein dritter Arbeiter geriet in die Maschine»nd wurde buchstäblich zermalmt. Thraterskandal. Aus Paris ivird gemeldet: Gegen den Direktor des Theatre Fransais, Claretie, ivnrde Dienstagabend im Theater wegen der Haltnyg Claretics in' der Dreyfnssache eine feindselige Knndgcbung veranstaltet. Im zweiten Alte riefen mehrere Ztischaner:„Nieder mit Claretie," „Nieder mit den Juden, Hoch die Armee!" Andere Zu- schatter nahmen für Claretie Partei. Die Theaterleitung mutzte den Beistand der Polizei anrnfett, um die Ruhe wieder herzustelleit. Der Hauplschreier wurde verhaftet. schaslskitnimcrti— NolicntiigSflrllc— inid mngercchttet vom Polizeipräsidium für den Toppel-Ceniner. t) Kleinhandelspreise. Produkten markt vom 8. November. Roggen nnd Weizen liehen nach. Nach äustcrst stillem Verlauf des Geschifftes schloffen beide Artikel um 0,50 M. billiger als gestern. Haser lag ruhig, inc Preise kaum ver- ändert; Rüböl auf sleigettden Konsum begehr 0,20 M. anziehend. Spiritus war weichend, da sich etwas mehr Angebot geltend machte. Loco 70cr 47,10(— 0,20); Termine gleichfalls leicht abgeschwächt. Städtischer S ch l a ch t v i e h m a r i t. Berlin, 8. November 1899. Amtlicher Bericht der Direllton. Zum Berkauf standen: 313 Rinder, 1574 Kälber, 435 Schafe, 7816 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark(bcztehtiitgSweise für 1 Pfund in Pf.): Für Rinder: Ochsen: 0) vollflenchige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerteß, böchsteits 7 Jahre alt 00—00, b) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 00—00; 0) mästig genährte jitnge und gut genährte allere 00—00; ä) gering genährte seden Atters 00—00.— Bullen: a) vollflenchige höchsten Schlachtwertes 00—00; b) mästig genährte jüngere und gut genährte ältere 00—00; c) gering genährte 47—50.— Färsen nnd Kühe: a) vollfteischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 00—00; b) vollsleischtge, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 00—00; c) allere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Lühe und Färsen 00—00; ä) mäßig genährte Kühe und Färsen 50—52; 0) genug genährte Kühe und Färsen 46—48.— Kälber: a) feinste Mastkälber(Bollmilchmast) und beste Saugkälber 75—78, b) mittlere Mastkälber nnd gute Saugkälber 71—73, 0) geringe Saugkälber 53—6«, 6) ältere, gering genährte Fresser 40— 43.— Schale: a) Mastlämmer nnd jüngere Masthammel 61—64, b) ältere Masthammel 53—57, c) mäßig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe) 44—50. ck) Holstciner Nieoennigs- schafe(Lebendgewicht) 22—30.— Schweine: a) vollfleischige der seineren Reiße» und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1'/« Jahren 49— 50, b) Käser 00—00, 0) fleischige 47—48, d) gering entwickelte 44— 46, e) Sauen 43-44. Verlauf und Tendenz. Vom Kälberaustrieb blieben ungefähr 40 Stück niiverkauft; der Kälberhandel gestaltete sich langsam. Bei de» Schafen fanden etwa 330 Stück Absatz. Der Schweinemarkt verlief ruhig und fest und wurde geräumt. Notiz: Der auf den 22. d. M. fallende Schlachtviehmarkt wird des Busttages wegen am Dienstag, den 21. d. M. abgehalten werden. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montag, Dienstag und Freitag von k— 8 Uhr abends statt. Zinke. Kein verständiger Mensch wird unter normalen Umständen die Bezeichnung„56,00 M." als 56 Pf. deuten. Graunstraste. Ameisen vertreibt man anS der Küche durch Einspritzen der Wände, Fußböden-c. mit Petroleum. Im Zimmer benutzt man bestes Jnsettenpulver. Auch empfiehlt es sich, große befeuchtete, mit Zucker bestreute Schwämme hinzulegen, in denen sich die Ameisen zu Tausenden fange». Man brüht die Schwämme nachher mit kochendeat Waffer aus. D. 4«. Oleyko ist«in KreiS im Regierungsbezirk Aumbinnen. Ein Dorf Klein-Oletzko bei Marggrabowa zahlt 598 Einwohner. Marggrabowa ist Sitz des Landratsamtes und zählt 4887 Einwohner. Steglitz. 1. Fragen Sie den betreffenden Herm selbst. 2. Hängt sprachlich mit dem Ausdruck Bauer zusammen. N. H. Erhalten Sie bei Scholz hier, Wrangelstr. 110, pari. «littcentigviibersicht vom 8. November 1809. morgens 8 Uhr. Stationen Swinentd«. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien 761 S 758 SO 762 Still 761 Still 765[SSW 767 Still Wetter 2 Nebel 3 bedeckt 0 Nebel 0, bedeckt 2woMg 0 Nebel d»& e* -» II «s, Stationen Haparanda Petersburg Cork Aberdeeu Paris £e s e i« s| es— M 2 Sf 758,313 734 SSW 757$ W-ller wolkenl 5 Ab. beb 5 wolkig 4bedeckt es »3 c« w?, 11 8 13 BSettet.Prognose für Donnerstag, den 0. November 1800. Warm und zunächst ziemlich trübe mit Regensällen und frischen slldwest- lichen Winden; nachher atifklarend und etwas kühler. Hiermit die traurige Nachricht, daß «m Montag unser lieber Vater Karl Porst «ach schweren Leiden verstorben ist. Di« Beerdigung findet am Freitag- nachmittag 3 Uhr, vom Krankenhause am Urban nach dem Thomaskirch- hos« statt. 720b Die trauernde Tochter und Schwiegersohn. Herzlichen Dant allen Freunden und Bekanitteii, besonders dem Per- sonol der Druckerei Wilhelm Möller, für die zahlreiche Teiluahute bei der Beerdigung meines innig geliebten Solmes und einzigen Bruders f7löb Wilhelm Wirsing. Witwe Wirsing, Ernst Wirsing. topphid Der unentgeltliche Unterricht in der ganz vercinsochten ArrndSschcn BolkS- Kurzschrift beginnt am Doiiuerstag, den 9. November, abends 9 Uhr, im Restaurant Kub c, Alte Jakobstr. 38, wozu crgebenst einladet s718b Verein Stenographen-Schule. Orts-Krankenkasse der Gürtler. Zu der am Sonntag. 12. d. M., vormittags 10 Uhr. Nannhn- straste 27, stattfindenden ordentlichen General-Nersanlmllmg werden die Herren Vertreter der Kassen- Mitglieder iind der Arbeitgeber hier mit ergebenst eingeladen. Tages-O rdniing: 1. Wahl einer Kommission zur Prüfung der Rechmlitgen des laitscnden Jahres. 2. Verschiedenes. 707b Nach Schluß dieser Verfauimlmig siudct daselbst eine Gelleral-Vtrsaiilliiliitig für die Mitglieder der Jnvalidenkaffe der Gürtler statt. 708b Tagesordnung: Wahl einer Kommissioit zur Prüfung der Rechnungen des laufenden Jahres. Berlin, den 9. November 1899. Der» Poi-tttund. _®. Knciff, Vorsitzender. Achtung! Vidpkpp. Achtung! Sotlaldemokrntjscher Wahlverein für den 5. Berliner Reichstagg- Wahlkreis. Am Sounabeud, den 11. November d. I., abends 8»/, Uhr, flndet hie Feier deS in dm Sälen des 8ehUtn«nh»H«e«, Linieuftr. 5, statt, bestehend in Gesang, humoristischen Vorträgen und Tanz, und sind die Parteigenossiimen und Genoffen hierzu eingeladen. BilleiS find bei allen Abteilungs-, Bezirksführern, sowie anf den unten bezeichneten Zahlstellen zu haben. Die Zahlstellen sind: O. Wendland, Marienburgerstr. 32; R.Richter, Neue Königstr. 90; W. Knötzsch, Hirtenstr. 10; Wilh. Ludwig, Land- wchrstrabe 11; E. Wtttchow, Kleine Hamburgerstr. 2?; E. Gründer, Johannisstr. 9; Emil Jäckel, Monbijouplatz 10; I. Reul, Barnim- tiraße 42; Wilhelm Spaet, Wetnstr. 23, und beim Kassierer M. K o h n k e, Ehrisiburgerstr. 4. 245/15 Freitag, den 10. November, abends 5V, Uhr: Oeffeutliche Versummlmtg der Töpfer Berlins und Umgegend bei T t c ch e r t, Audrcasstraffe 21. Tagesordnung: Abrechnung vom Streik.— Wie können wir die Errungenschaften unseres Streiks aufrecht erhalten? 194/5 In dieser Versammlung können die Kollegen die neuen Lohntarife in Empfang nehmen._ Die Lohnkommission. Freie Volksbühne. 11. Abtcllang;: Ostend-Theater 8% Uhr: Sonntagnachmittag: WM" Winterschlaf. Achtung! Kistenmacher. Achtung! Donnerstag, den 0. November, abends 8Va Uhr:_ ANtgliedrr�VcrlÄittittlnnq'�U im Lokal„Arminhallen", Kommandantenstraste 20. Tages-Ordnung: 1. Di« Arbeitsniederlegung w der Kistmfabrik von Drechsel, Barnim- straße 22. 2. Verschiedenes. 95/18 tm Dtechfet ist hierdurch zu dieser Verfamuilimg eingeladen. ahlreiches Erscheinen erwartet _ Ter Vorstand. I. A.: Karl luekol. AAum! Lauallsoffläger. Aldtung! Am Freitag, den 10. November er., abends 7 lthr, findet bei delnert, Schnlstrafte 29, eine 33/18 V ersammlung sämtlicher Kollegen statt. Tages-Ordnung: Unsere Lohnfrage und Verschiedenes. ____ Die Lohnkommission. Ächtung! Aktien- Brauerei Friedrichshain vorm. Lips Am Königsthor. Sonnabenb, de» 11. November 1800: 50. Stiftungs» Fest m SesiUlgtereills„Lyrania" m.».«.-S.-«.) Großes Vokal- und Justrumeutal- Konzert, unter Mitwirkung des berühmten Berliner Ulk-Trios. Nach den: Konzert Ball. Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. Ansatig 8-/, Uhr. Programm 30 Pf. Mitglieder des Arbeiter-Sänzer-BnirdeS haben freien Eintritt und legi- timieren sich durch die Bnndeskarte. 57Sb ES ladet ergebenst zu dem Fest Freunde u. Gönner ein: Das Komitee. Ordnci'-SUxung Sonnabend, den 11. November, bei Ladosvig. Zahlstelle 22, Kommandantenstrasse 05. Winterfest 18. November in Kellers Festsälen. Das Programm besteht aus einem Könstler-Solistenkonzert und Eecita- tion»Vorträgen aus modernen Lyrikern unter freundlicher Mitwirkung dos Horm Laurence. Nach dem Konzert Tanz. Nur für iMitg;Iiedur. Festmarken in allen Zahlstellen a 60 Pf. inkl. Tanz bitten wir rechtzeitig zu entnehmen. 231/15 Der Vorstand. I. A.: C. Winkler, H. Grupes Tanz-Institut, Annenstr. 16(früher Klubhaus). Sotintags-Kursus per Monat 3 M., Dieiistagabcttd-Kiirsuö p. Monat 4M. Säle mtd Bereittszimmer für Bcr- sauimlnitgeit u. Festlichkeiten.[29722» «mpfehle allen Freunden n. Bekannten vmein Weiss-, Da.vrlsehdler- mid gr. Speisegeseliitft. Reichhaltiges Frühstück von 30 Pf., Mittag mit Bier 50 Ps, sowie Abendtisch ä la carte von 30 Pf, a». 2 BereinSzimmer mit Klavier für 20— 50 Personen.* H. Strainni, Rest., Ritters, r. 123. Steppdecken m bikigstttt w der zabrik»'w Lmil Iivlevre, Derlla S., Oranieustraste 138. 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Ans. 7>/, Uhr. Luisen. Mvlly Carro. Anfang 8 Uhr Central. Tie Geisha. Ansang 7V, Uhr. Carl Weiss. Ter Weltuntergang. Ansang 8 Uhr Friedrich- WilhelinstättischeS. Ein gesunder Junge. Anfang � 8 Uhr. Victoria. Die Ehansonuette. Ansang 8 Uhr. Belle> Alliance. Gastspiel de? Schlieefeer Bauern- Theaters. Liserl von Schliersee. Anfang 8 Uhr. ivictropol. Specialitätcn- Vor- steNnng. Mund um Berlin. An- fang 8 Uhr. NPvIIo. Kran Luna. Specialitäien- Vochcllnng. Anfang?>/, Uhr. Neichshntle». Stettiner Sänger Ansang 8 Uhr Palast. Susanne im Bade. Spcciali- räien-Vorstelllnig. Ans. 8 Uhr. Pajiagc< Panoptikni». Specitili tälcn-Vorstclliing. Ilrania. Invalide, tstr. ü?/««. Täglich abends von S— Iii Uhr: Sternwarte. Tanbenstr. 48/ckS. Im Theater: Ter Sieg des Menschen über die Natnr. Anfang 8 Uhr. Cchilitl-Thentel (Walliicr- Theater). Donnerstag, abends 8 Uhr Viel l.iirmen um nicht». Lnstspicl in 5 Akten v. W. Shakespeare. Freitag, abends 8 Uhr (Schillers Geburtstag) zum erstenmale: vi« van Velen»». Sonnabend, abendS8Uhr: I>iQ.Iiinxtr»»» v«n Velen»». Metropol-Tiieater. Behrenttr. 55,57. Direltlon: Itlchned SchnlB. Unstreitig das beste und amiisanteste November- Prograini» Berlins. Liebreiz, Scheluwret, Kunst und Grazie vereinigen sich in Mslleui. Welle der reizenden Pariser Strabensängerin. Feuer, Temperament, Leidenschaft in tae« Roccas der besten spanischen Tänzerin. Humor, Eleganz, Schncidigleit in Geoi'K Kaiser dem besten Berliner Salonhumortslen. Gewandtheit, Kunslsertigkeit, Fröhlich- keil in der Familie Klein den kleinsten und besten Radfahrer:: der Welt. Pracht, Schönheit, Raffe in den IT 21 Ht Stoffs den besten russischen Nalionalsängeru und Tänzen:. Unverwegeuheit. Kühnheit, Sicherheit in dem Zslvs Trio den Meistern deS Drahtseils. Trolliglelt, Niedlichkeit, Folgsamkeit in dressierten Miniaturhunden. Chic, Pilanterie, Eleganz in lioBf der reizenden deutschen Soubrette. 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AmtlVa 6440. Dreedenerstr. 72/73. Ter Pllchmajor. Thomas, Tldelscher, Helmerding, Junliermann. Im 2. Alt: Gr. Ptlltoskop-Terzett. 2infang 7V, Uhr. Morgen: Diejelbc Vorstellung. %IIo-ta!ei'. Um'/«8 Uhr beginnt FratiiLrimn� mit dem Lnftballett„Crioolatls" und C'ilcilie Curolu. Feiner; Dressierte Füchse von Prof. Bonetty vorgeführt. Robert Stelfll. The Ciothni»», das wunderbare New Yorker Vokalquartett. Mlle. Rosalba. Eva Haller. SBnrra-Troupe."-JB® is. Kosmograph Messter. Anfang?>/, Uhr. Vorverkauf täglich Im Theater, beim„Klinstlerdank", Unter den Linden 69, und beim„Invaliden- dank", Unter den Linden 82 L Palast-Theater IM- früher-g« Feen• Palant. Bnrgstraste LK ZM- Berlin amüsiert sich über das neue erfolgreiche Kovcniber- Prograniin. Berlin lacht Tsträncn zum 4Ä. Male über die Zwerchfell- erschiitientde Gesangs-Burlcsle Suslltttte im Bade. Berlin staunt um 10 Uhr über die _ Meislerhochiurner ZM- Drei Vasilcscu."9(2 Aniang 7*/, Uhr. Oeffnung 6*/, Uhr. Billet-Vorverkauf von 11— l Uhr. Sonnabends nach der Vorstellung: Gescllschaftsnbend und Tanz. Bc- such« der Vorstellung: Frcl-Tanz. Vorzugs- und Freikarten sind gültig. CIrh»» Unsch. Donnerstag, den 9. November, abends V1/, Uhr: Gala-Premiere. Zum erstenmal: IM« CsBiuorra!! Grobes Manege-Schaustück ans dem italienischen Leben der Jetztzeit in 5 Akten und 3 Bildern. Original-Pantomiiiie des EirknS Busch. Balletts arrangiert und einstudiert vom königl. italienischen Hofballet- meisterOttavi. MusikvomKapellmerster Taudert. Kostüme und Requisiten von der Firma Hugo Baruch u. Co. (Mus Aib. Schumann. t-iröMster equestrischer Cirkus der V, elt im eleganten neu renovierten Öirkus Renz. Heute, Donnerstag, den 9. November, abends präc.?:/, Uhr: Gala-Programm. Austreten der besten Kunstkräste. Aus der blauen Grotte auf der Insel Caprl. Grobes Balletldiverttffement in Prachikostümcn, 80 Damen.— Vor führung der wunderbare» unerreicht dastehenden Onginaldreffuren des Direllors Albert Schumann. In Vorbereitung: Graste 9T«s< stattungs> Pantomime, welche überall den gröstten Erfolg errang. erst jebt in Hamburg IM- drei Monat« Tjsrj ausverkaufte Häuser erzielte und alle« bisher Gebotene bei weitem übertrifft. laelirs Tiieater Oranicnstr. S4. ©tüiic Jitttgs. Gesangspuffe in 1 Alt von E l y. Eugen Rosste, Mimiker. Elsa Kesser lprolongiert). Eranilska Held. Gertrud BUrgel. Freitags: Familienabe«». Anfang fe Uhr. Sonntags tt Uhr. VorzugSIarten an Wochentagen gültig. iHseflui Idesiei'. Dre»dene.r-hitrn»»e SO. Direktion: Em» Lcbnadl. Sonnabend, 11. November Aße'Anäs Tnnlbenstrnsse 48/40. Im Theater abends 8 Uhr; „Der Sieg des Menschen über die Natur". Hörsaal: Prof. Dr. Müller:„Die Früchte des Feldes". Invaüdciistr. 57/0«: . Sternwarte. Nachmittags 5-10 Uhr. Tassage- Theater. Ken! Anatomisch. Museum. TienötagS für Damen. ?a88age- Theater: Vorst, v. 7-10V,. 16 erstklassige Debüts. CASTANS iPANOPTICÜMi 165. Frlsdrlchstrasse 165. Neu! JSÄÄ Neu! 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Für de» JuseratenteU veranttoottltch: Tb.«lock« in Berlin. Druck und Verlag von Mar Badina in Berlin.