Mnterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 220. DieuStag, den 8. November. 1904 (Nachdruck verbolcu.) sz Oer Rite vom Berge. Nomon von GraziaDcledda. Nichts, gar nichts, nirgends. Der Hase mußte wirklich gestohlen sein. Vielleicht, weil er auch heute morgen an einen Diebstahl gedacht und sogar einen begangen hatte? Ach was! Eine Papierblume nehmen war doch etwas anderes als einen Hasen stehlen! „Niederträchtiger, der Du an mein Eigentum gerührt hast!" sagte er und ballte die Fäuste.„Heraus mit Dir, wenn Du ein Herz hast, heraus!" „Aus, aus, aus"— wiederholte das Echo. Bald darauf vernahm er Melchiors Pfiff, der ihn zum Frühstück rief; langsam und still schlich er hinauf, die Augen auf den Boden geheftet. Die Rose vergaß er. „Was hast Du?" fragte sein Herr. „Sie haben mir den Hasen gestohlen." „Den Hasen haben sie Dir gestohlen? Tann werden sie wohl auch noch anderes gestohlen haben. Das heißt also, daß Du fort gewesen bist?" „Ter Hase wird sich davongemacht haben," sagte Zio Pietro zitternd und kehrte sein Gesicht gegen Basilio, wie um ihm Stillschweigen aufzuerlegen. „Ja, er wird sich davongemacht haben," sagte Basilio schnell. Doch Melchior merkte, daß da etwas vorgefallen war; er betrachtete den Vater, dann Basilio, schlvicg jedoch, und sein düsterer Bück ging in die Ferne. Später, nachdem die Ziegen getränkt waren, fand er aus der hellen, sonnenbeschienenen Königskerze die große, brennend- rote Rose; ein Blutflecken hätte ihm nicht größeres Staunen erregt. Er nahm die Rose, betrachtete sie und pfiff Basilio, der noch immer nach seinein Hasen suchte. Als er ihn kommen sah, legte er die Hände aus den Rücken, uni die Rose zu ver- bergen. Wie er dastand im Sonnenschein, glänzten seine Augen gelblich. „Hast Du den Hasen wieder gesunden?" rief er Basilio entgegen. „Nein!" „Das heißt also, daß er gestohlen worden ist?" «Ich weiß nicht." „So, Du weißt nicht? Aber ich weiß es. Tu junger Fuchs, ich weiß, daß Du beute morgen die Ziegen allein gelassen hast. Wo bist Du gewesen? sprich und sage die Wahrheit, sonst werde ich sie Dir mit der Seele zusammen herausholen!" „Aber, Zio Melchior, ich bin nirgends hingegangen, was seht Ihr mich mit solchen Augen an..." „Wer ist denn hier gewesen? Ich will es wissen! Sofort! Die Herrschaften vom Berge vielleicht?" „Niemand, Zio Melchior, nieniand, bei meiner Seele, oder Ihr sollt mich nie wiedersehen!" „Verfluchter Vengel!" schrie Melchior außer sich,„ich werde Dir Deine Lügen austreiben! lind wer anders als Du hat diese Rose hier aufgesteckt, wer? Siehst Du sie oder siehst Du sie nicht?" Er warf ihm die Rose ins Gesicht und schüttelte ihn bei den Ohren. Da er Melchior noch nie so erzürnt gesehen, fürchtete Basilio sich; und wohl wissend, daß er von Zio Pietro nichts zu befürchten hatte, sagte er alles; die Rose aber hatte er in der Kirche„gefunden". Melchior hörte ihm begierig zu; es war ihm, als ob er noch von den bösen Träumen der lohten Stacht gequält werde; und während Basilios Ohren von seinem festen Griffe brannten, röteten sich die seinen vor Zorn und Scham.� „lind das hat mein Vater getan!" schrie er ans, und schlug sich auf die Hüften.„Gott, o Gott! ist der Alte denn verrückt? Es ist ja nicht möglich, und dieser Bcngel lügt. Sich so zu erniedrigen, rnit der da sprechen... und im Hause jener Leute sitzen und trinken. Oli Dio, Dio rnio! was widerfährt mir, in welche Grube bin ich gefallen? Sie wollen mich verderben, sie wollen mich morden. Warte nur, warte!" Er eilte fort und Basilio hinter ihm her, furchtsam und schweratmend. „Das habe ich angerichtet," sagte er sich.„Jetzt wird er seinen Vater totschlagen, dann wird er mich totschlagen und uns in eine Kluft werfen, wo uns niemand mehr sieht. Soll ich nicht lieber fortlaufen?" Doch größer noch als seine Furcht war seine Neugier und er lief hinter seinen: Herrn her, nicht etwa, um dem Alten zu Hülfe zu kommen, sondern um zu sehen und zu hören, denn er begriff noch nicht recht, was das für eine Geschichte zwischen seinem Herrn und Paska war. Ihre Gespräche iiber das Mädchen hatte er immer nur teilweise gehört; jetzt wollte er aber einmal alles wissen. Doch in seinem Laufe schien Melchior sich zu beruhigen; an der Gartenhecke blieb er stehen, kehrte sich um, ließ Basilio herankommen und sagte ihm: „Dll kennst jetzt jenes leichtsinnige Ding, wenn Dir Dein Leben lieb ist, geh' zu ihr und suche sie unter vier Augen zu sprechen; sage ihr, und ändere auch nicht ein Wort, sonst werde ich Dir Deine Augen ändern! Sag' ihr so: „Mich schickt Melchior Carla, Dein Vetter, und er läßt Dir fagen, daß Dn fortgehen sollst, verstehst Du, noch heute fortgehen und nach Nuoro zurückkehren; Du sollst ihn nicht ins Verderben bringen, sonst wird es mit Deinem Spaß vorbei sein." Weiter nichts, aber das sage ihr. Also wie wirst Du sagen?" „Ich werde sagen: Mich schickt Melchior Carla, Dein Vetter, und er läßt Dir sagen, daß Du fortgehen sollst, noch heute fortgehen und nach Nuoro zurückkehren. Du sollst ihn nicht ins Verderben bringen, sonst wird es mit Deinem Spa.ß vorbei sein." „Gut so! und sage ihr auch noch, sie solle nur nicht glauben, daß ich den Alten zu ihr geschickt habe, oder zu ihrer Herrschaft, der Teufel soll sie holen. Sag' ihr, daß ich mich vor keinem fürchte, daß ich auf ihre Herrschaft Pfeife und daß ich mit ihr noch nicht abgerechnet hätte. So, jetzt geh', laufe!" Basilio machte sich widerwillig auf den Weg, verspürte aber doch ein heimliches Vergnügen bei dem Gedanken, Paska wiederzusehen und vielleicht das Hündchen zu erwischen; er hatte indes noch keine hundert Schritte gemacht, als sein Herr ihn zurückrief. „Was wollt Ihr denn noch?" schrie er ärgerlich. „O, schreie nur nicht, sondern denke daran, daß ich auch mit Dir noch nicht fertig bin. Ninun dies und trage es dahin zurück, wo Du es„gefunden" hast." Er warf ihm die Rose zu, weil er dachte, daß dies ein passender Vortvand dafür sei, daß Basilio nochmals zu dem Kirchlein hinaufflieg. „Sucht mir doch den Hasen wieder," bat Basilio.„Sprecht ein Credo zum heiligen Antonius, daß Ihr ihn wieder findet." Melchior ging zur Hütte, einigermaßen beruhigt, und ent- schlössen, sich freundlich mit seinem Vater zu verständigen, und ihn zu bitten, solche Schritte rncht wieder zu tun. Zio Pietro saß vor der Hütte, ein blaues Taschentuch nm die Schultern geschlagen, und kämmte sich mit einem� alten, hölzernen Kamm; die silberweißen Haare glänzten in der Sonne. Melchior blieb stehen, sah ihm zu und wußte nicht recht, wie er die unangenehme Sache anfangen sollte. Was sollte er sageil? Daß Basilio alles verraten hatte? Das mußte schmerzlich sein für den Alten, der so manche Stunde mit dem Hirten allein blieb und großes Vertrauen zu ihin hatte. Sollte er sagen, er habe es von Leuten gehört, die auf dem Berge zur Messe waren? Wenn aber Basilio, nachdem er ihm alles gesagt, nun ebenso dem Alten gegenüber tat? Dann hätte dieser, dem die Lüge vor allein zuwider war, gegen alle beide Mißtrauen hegen müssen. Während er noch darüber nachsann, hörte Zio Pietro mit kämmen auf, nahm das Tuch von den Schultern und schüttelte es aus; dann sagte er:„Melchior, sieh emmal das Tuck nach, ob etwas darauf ist..." Melchior nahm das Tuch, betrachtete es aufmerksam. untersuchte auch Hals und Schultern Zio Pictros, fand aber zum Glück nichts. �. „Ihr seid so rein wie l�-old," sagte er und dachte dabei: „Was soll ich ihm sagen? Warum soll ich dem Aermsten über» Haupt etwas davon sagen.'? Er ist alt und schwach— wenn er heute morgen den Weg gemacht hat, so hat er es sicher in guter Absicht getan iind er ist gewiß bestraft genug durch die Demütigung, die sr erfahren hat." Er schwieg und kehrte zu den Ziegen zurück? seine Ge- danken wandten sich Basilio zu, dem er im Geiste mit ängstlicher Besorgnis folgte. Mit seinen flinken Beinen mußte der Hirt jetzt beim Kirchlein angelangt sein; vielleicht hatte er auch Paska schon am Brunnen getroffen und ihr die schlimme Botschaft aus- gerichtet. Vielleicht lachte sie ihn aus— wenn sie freilich, nach der Lektion der vorigen Nacht, noch zum Lachen aufgelegt war. Wenn er daran dachte, war Melchior selbst ganz betroffen über seine Kühnheit, über die Art, wie er sich davon gemacht, wie darüber, daß sie die Schläge und Beschimpfungen hingenommen hatte, ohne sie zu erwidern; er hörte es noch, wie dann die Schläge dumpf auf seine Lederjacke fielen, aber er fühlte auch noch Paskas weiche warme Wange an seiner Hand. Er lachte, schrie und fluchte in sich hinein, und ohne sich dessen gerade bewußt zu sein, suchte erlabet nach dem Hasen, schüttelte und durchsuchte das Gesträuch und murmelte: „Ich glaube an Gott den Vater, den allmächtigen.. Die erste Frage Basilios, als er mittags zurückkehrte, galt dem Hasen, der aber hatte sich nicht gefunden. „Ich habe wohl fünfzig Credos gesprochen," sagte Melchior,„und den ganzen Morgen verloren; ein Wirbelwind soll Dich fortfcgen. Dich und Deinen Hasen. Du wirst mir nicht mehr aus den Augen gehen, sonst hat der Spaß wahr- haftig ein Ende." „Wie für sie?" frug Basilio und grinste. Sein Herr warf ihm einen zornigen Blick zu und be- deutete ihm, zu schweigen, weil Zio Pietro zugegen war; Basilio machte ihm Zeichen mit Händen und Lippen und kniff ein Auge zu, um ihm zu verstehen zu geben, daß seine Sendung gut abgelaufen war. Nach dem Essen, als der Alte unter dem Baume seine gewohnte Siesta hielt, wollte Melchior genau wissen, was Basilio getan, gesagt und gehört hatte. „Als ich hinkam," sagte Basilio,„hörte ich, wie sie unter den Bäumen lachten und spielten, und habe mich herangemacht; sie war aber nicht dabei, weil ihre Herrschast ihr wohl nicht erlaubt, sich schon am Morgen zu amüsieren. Da waren Herren und Damen, die Karten spielten; andere lagen Eis bunten Lappen und Kissen und sagten allerlei Dummheiten. Einer schaukelte sich in einem Netz, das an zwei Bäume ge- dunden war." (Fortsetzung folgt.;; 1>foturml1enscKaftlid)e Geberftebt Bon C u rt Grottewitz. Kein Forscher ist so sehr auf den Zufall angewiesen wie der Paläontologe, dessen Aufgabe es ist, die Tierwelt und die Pflanzen vergangener Zeiten kennen zu lernen. Er muß es ruhig abwarten, bis ein Zufall die Ueberreste irgend eines Lebewesens aus dem Schöße der Erde zutage fördert. Und wenn er dann wenigstens ein vollständiges Exemplar einer bestimmten Tier- oder Pflanzcnart vor sich hätte. Aber in der Regel hat er irgend ein winziges Bruch- stück, ein Blatt, einen Wirbel, einen Zahn, und aus diesen gering- fügigen Bruchstücken soll er sich nun das Bild des lebenden Wesens rekonstruieren. Selbst in den günstigen Fällen, wo z. B. das ganze Skelett oder ein Abdruck des ganzen Tieres aufgefunden wird, ist es doch eben nur das Knochengerüst oder ein Abbild einer Tierart, kein vollständig erhaltenes Exemplar. Die Kenntnis der Tierwelt ver- gangener Erdperioden erstreckt sich daher nur auf die Hartteile oder die Gestalt der Wesen, von den Weichteilcn ist im allgemeinen nichts erhalten. Welche große Rolle spielen zum Beispiel die Mollusken in Erdschichten vergangener Zeiten. Aber wir kennen von diesen nicht etwa den wirklichen Körperbau, die äußere oder innere Organi- sation dieser„Weichtiere". Wir kennen nichts als ihre Schalen, die, obwohl sie ziemlich groß und ansehnlich sind, doch für den Körperbau und die Körperfunktionen der Tiere von keinem Belang sind. Also einzig auf die Schalen ist die Kenntnis, die Einteilung aller der vorzeitlichen Mollusken gegründet. Bei Tieren, deren Hartteile von großer Wichtigkeit für den ganzen Körperbau sind, wie z. B. bei Säugetieren, kann uns das Skelett, ja nur das Gebiß schon eine bessere Bekanntschaft mit den Lebensverhältnissen des betreffenden Tieres vermitteln. Und doch würden wir uns ein ganz crnderes Bild von den Säugetieren der Vorzeit machen können, wenn nns das Fleisch ihres Leibes erhalten wäre. Für die Mehrzahl dieser Tiere werden wir nun freilich die Hoffnung aufgeben müssen, je eine- genaue Kenntnis ihrer Körper- formen und ihrer physiologischen Funktionen zu erlangen. Nur der Zufall kann einmal ausnahmsweise v'vn einem Tiere auch einige Weichteile erhalten. Es gibt ein einziges Beispiel in der ganzen Geschichte der Tierwelt vergangener ZeiteM, daß ein Tier sich so gut mit Haut und Haaren, mit Fleisch und Blut erhalten hat, als wäre es eben erst verendet. In dem ewioen E'tl'e Sibiriens sind be- kanntlich Mammute, jene Riesenelefanten der Diluvialzeit, so gut erhalten, daß sie, durch irgend einen Zufall blohgelegt, noch den Raubtieren Nordasiens zur Speise dienen, daß sie, erwärmt, noch bluten, als hätte man sie erst vor wenigen Stunden geschlachtet. Schon vor nun etwas mehr als hundert Jahren fand man zum nicht geringen Erstaunen der wissenschaftlichen Welt, in der Nähe der Lenamündung einen solchen wohlerhaltenen Koloß. Seitdem sind wiederholt Kadaver des Mammuts aus dem gefrorenen Boden Sibiriens ausgegraben worden. Das letzte wurde gegen Ende 1901! mit aller Vorsicht und unter strenger wissenschaftlicher Leitung im nordöstlichen Sibirien aus seinem vieltausendjährigen Grabe auf- genommen und auf einer sehr beschwerlichen Reise nach Petersburg gebracht. Das Tier ist nun, seiner Bedeutung gemäß, nach allen Richtungen hin untersucht worden, und in diesem Sommer konnte W. SalonSky auf dem Zoologenkongreß zu Bern die Ergebnisse dieser Untersuchungen in einem Referate zusammenfassen. Obwohl nun auch schon früher Mammutkadaver beschrieben worden sind, weichen doch die Resultate, die man jetzt erhalten hat, in einigen Punkten recht wesentlich ab von den Anschauungen, die man sich auf Grund früherer Untersuchungen gebildet hatte. Diese Anschauungen sind sehr gut in einer Abhandlung von Richard Pohle zusammengefaßt, die nach einem früheren Vortrage vor einigen Monaten in der„Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" (Nr. 37) einer breiteren Oeffentlichkeit übergeben wurde. Vcrgegen- wärtigen wir uns vorher noch einmal das Bild dieses Riesentieres.. Es lvar ein mächtiger Elefant, dessen gewaltige Stoßzahne indes nicht gerade nach unten gingen, sondern in einem großen runden Bogen nach oben und außen verliefen. Sie waren 3— 5 Meter lang und wogen bis zu 5 Zentnern. Das Tier war mit einem dichten Pelz von langen dunkelbraunen bis schwarzen Haaren bedeckt. Es lebte in der Diluvialzeit und hatte da eine große Verbreitung von Südfrankreich an bis nach dem östlichen Sibirien. Anfangs hatte man geglaubt, daß das Mammut gleich unseren heutigen Elefanten- arten ein wärmeliebendes Tier gewesen sei und daß das Elfen- bein und die Kadaver vom wärmeren Asien nach Sibirien durch Wasser transportiert worden seien. Allein nachdem man die Lager- statte von eingefrorenen Tieren näher untersuchte, blieb kein Zweifel mehr übrig, daß die Tiere da verendet sein müssen, wo sie heute liegen. Die gute Konservierung der mächtigen Tierleichen ist dem Umstände zuzuschreiben, daß die Mammute, vom Tode ereilt, in die Erde sogenannter Aufeistäler eingebettet wurden Das Eis von Flüssen wurde so dick, daß es dem Wasser den Weg versperrte und dieses gezwungen war, über das Eis hinzufließen und sich auch über die Ufer weithin zu ergießen. Es setzte dabei auch Schlamm auf dem Eise ab. Und diese Bildung von Eisdecken und Schlamm?. schichten konnte sich in einer und derselben Gegend wiederholen. Verendete Tiere wurden also an den Ufern der Flüsse oder auf dem Eise selbst von Schlamm bedeckt, und so vor der Einwirkung der Sonnenstrahlen geschützt. Die niedere Temperatur brachte es mit sich, daß die Schlammschichten gefroren und wieder auftauten. So ruhten die gewaltigen Tiere, ohne zu verwesen, Tausende, Zehn- tausende von Jahren. Nun ist die Frage sehr wichtig, wovon denn diese großen Tiere in den armen Gegenden Sibiriens lebten. Da hatte man denn zwischen den Zähnen bloßgelegter Kadaver Speiseüberreste gefunden: Zweige von Koniferen, besonders Lärchen, aber auch solche von Birken, Erlen und Weiden. Lebte das Mammut noch jetzt, es würde also noch heute in der Nähe der Baumgrenze Sibiriens die genügende Nahrung finden. Allein nach dem neuesten Funde erhalten wir doch noch ein anderes Bild von der Nahrung des Mammuts. Das Petersburger Exemplar hatte noch eben erst eingenommene Speise auf der Zunge und zwischen den Zähnen. Und worin bestand die Speise? Dieses Mammut hatte sich ganz und gar nicht mit Zweigen irgend welches Baumes genährt, es hatte vielmehr Gräser und Kräuter zu sich ge- nommcn. Und manche der Pflanzen ließen sich noch bestimmen, es waren Gräser und Seggen, wie sie noch heute an der Fundstätte des Kadavers wachsen, Tymian, Alpenmohn, der scharfe Hahnen- fuß in der Varietät, die dort noch jetzt gefunden wird. Demnach war das Mammut nicht einmal an den Wald gebunden, nicht dies- seits der Baumgrenze festgehalten. Es konnte auf dem ewig ge- frorenen Boden der Tundras umherschweifen, es konnte sich bis alt die Grenze des Binneneises und der Gletscher heranwagen. Und hier auf Gletschereis hat das Tier, dessen Balg nun eine der größten Sehenswürdigkeiten des Petersburger Museums ge- worden ist, seinen Tod gefunden. Es geriet in eine Grube im Eis, zerbrach sich bei dem Fall ein paar Knochen und erlitt zugleich so schwere innere Verletzungen, daß es sein wohlschmeckendes Futter, welches es noch auf der Zunge hatte, nicht einmal in Gemütsruhe hinabschlucken konnte. Der Tod kam, und das nachpurzelnde Erd- reich, mit dem die Gletscherhöhle verdeckt gewesen war, begrub das Tier. Nun, es sollte nicht für immer begraben sein. Zum Ruhme der Wissenschaft ist es wieder aus seiner Gruft hervorgeholt worden, und nun ist ihm Unsterblichkeit gesichert. Der Repräsentant vom Mammut, den wir hier vor uns haben, war höchstens LS Jahre alt, es war also noch kein ausgewachsenes Tier. Der Kopf ist außerordentlich groß, die Ohren dagegen sehr klein. Trotzdem ist es kein direkter Vorfahre des kleinohrigen in» dischen Elefanten, da er nur vier Zehen, nicht fünf wie die heutigen Elefantenarten besaß. Der Schwanz des Mammut war spitz und lang und trug einen Büschel von 20— 35 Zentimeter langen Haaren- Auch der ganze Körper war mit 30 Zentimeter langen Borsten besetzt, unter denen noch ein kurzes Wollhaar stand. An der Unter- seite des Körpers aber verlängerte sich das Haar bis zu einem halben Meter. Das Tier konnte sich getrost aus den Schnee legen. Der dicke Pelz lieh die Kälte nicht durch. Auch die Haut war weit dicker als bei unseren heute lebenden Elefanten und unter ihr lag eine Speckschicht, die bei dem jungen Exemplar am Bauche neun Zentimeter stark war. Das Mammut ist weder durch Kälte noch durch milder werden- des Klima ausgerottet worden. Das Klima Sibiriens hat sich zum mindesten seit der Zeit, wo jenes Exemplar verunglückte, nicht geändert. Ohne Zweifel ist es der Mensch gewesen, der diese Tierart zum Aussterben gebracht hat. Aus den Speiseüberresten des Menschen jener Zeiten und den Zeichnungen, die dieser von seinem grohcn Jagdtiere auf Elfenbein und an Höhlenwänden hinterlassen hat, geht zur Genüge hervor, daß damals das Mammut von Menschen seines Fleisches wegen eifrig verfolgt wurde. So ward es nach und nach ausgerottet. Als das plumpe, sicher leicht zu fangende Mammut allmählich von der Erde verschwand, da war der Mensch unterdessen— vielleicht infolgedessen— zum Züchten von Hauttieren und Kulturpflanzen übergegangen. Das war der Mensch der jüngeren Steinzeit, der qualitativ, wenn auch nicht graduell auf der geistigen Stufe des heutigen Menschen stand. Anfangs beteiligte auch er sich noch an der Jagd des Riesentieres. Aber dann stieg er zu einer gesitteteren Kulturstufe empor. Seltsam ist, wie rasch es ihm gelungen sein muh, eine Menge von Tieren zu Hausgenossen umzuwandeln. In einer Höhle von Zachito bei Salerno im südlichen Italien ist jüngst wieder eine Niederlassung aus der jüngeren Steinzeit entdeckt worden. Darin waren Ueberreste der verschiedensten Haustiere ent- halten. Der Hund wurde in zwei Rassen, das Rind in zwei oder drei, das Schwein und Schaf in je zwei Rassen gehalten. Auch die Ziege war schon als Haustier vertreten. Allerdings fehlt hier das Pferd. Möglicherweise lassen sich die Ueberreste vom Pferd, die man sonst in neolithischen Höhlen findet, überhaupt nicht als Beweis dafür ansehen, dah daS Pferd als Haustier gehalten wurde. Man hat es vielleicht hier nur mit Jagdtieren zu tun. Nun birgt diesx Höhle aber noch eine ganz seltsame Ueberraschung: sie enthält Reste des Kamels. Wohl hat dieses Tier im wilden Zustande im süd- liehen� Ruhland während der Diluvialzeit noch gelebt, allein wie Icimut ein solches Tier in der jüngeren Steinzeit nach Süditalien? Wie kommt es unter die Haustiere des Menschen? Wir können nicht umhin, diesem eine besondere Höhe der Intelligenz zuzusprechen. Konnte es nicht auch damals einen kühnen Neuerer geben, einen unternehmenden Helden, der das Kamel aus Asien oder Afrika herüberholte? Der Plan, das Tier in Süditalien einzubürgern, war für jene Zeit das Werk eines Genies. Aber es kann auch damals schon Genies gegeben haben. Der Versuch, das Kamel zu akklimatisieren, ist allerdings mitzglückt, aber was schadet es? Die Knochenreste dieses Tieres in der Höhle von Zachito erzählen uns in ihrem armseligen Trümmerzustande doch etwas Unerhörtes, sie erzählen uns von einer Grohtat des menschlichen Geistes in altersgrauen, vorgeschichtlichen Zeiten.—. Kleines feuUleton. — liebet de» Wert des Fleisches als Nahrungsmittel spricht sich der Marburger Professor der Chemie Friedr. Beruh. Fittica in einein Auffatz.Die Chemie des täglichen Lebens"(Novemberheft der .Deutschen Revue") u. a. folgendermahen aus: Von den übrigen, täglich uns gebotenen Nahrungsmitteln verdient das Fleisch am meisten Berücksichtiaung, da es leider noch fast überall als wichtigstes und unersetzliches NahrungSinittel gilt. Ich sage: leider, denn wenn eS auch für kräftige Erwachsene verdaulich, mithin nahrhaft ist, so doch weniger für Schwache und Kinder. Die reine Fleischfaser dürfte noch eher für ein gutes Nahrungsmittel gelten, allein sehniges und fettreiches Fleisch ist derart schwer- bezw. unverdaulich, dah man es zum Essen nicht verwenden sollte. Nicht unsere Magenbestandteile, sondern auch unser Gebih lehrt es uns, dah wir im wesentlichen Obstesser sind. Gerade Obst enthält schon diejenigen Körper fertig gebildet, in die der Magen sowie Leber, Milz und Niere die Speisen, wie Fleisch, müh- sam verwandeln müssen, nämlich Zucker und zuckerbildende Stoffe: sogenannte Kohlehydrate, wozu auch die Stärke gehört. Unsere ganze Verdauung geht darauf hinaus, derartige Verbindungen zu bilden, das heiht Verbindungen, die das Blut direkt aufzunehmen imstande ist. Sind sie in diesen Zustand übergeführt, so werden sie durch Blut und Nervengewebe aufgenommen; sie dienen dann dem Wachs- tum und der Lebenserhaltung. Ebensowenig wie das Fleisch sollte auch die Fleischbrühe als hervorragendes Nahrungsmittel gelten, um so weniger, als sie in ihrem verdünnten Zustande zu- gleich eine Verdünnung der Magensalzsänre herbeiführt, die, tvie schon erwähnt, nur bei einer gewissen Konzentratton verdauend wirken kann. Suppen indes von Feldfrüchten, wie Hafer, Gerste Reis, find- deshalb zweckmässig, weil sie die in ihnen enthaltene Stärke zu einer Form aufquellen, dem Kleister, in der sie leichter verdaulich ist, als in gewöhnlicher, selbst fein zer- riebener Form. Was ferner die zu Brot und Speisen als Zusätze gebräuchlichen Fette betrifft, wie Butter, Schweine-, Rinder- und Gänsefett, so sind sie überaus schwer verdaulich, namentlich letztere drei. Man bestreut sie daher mit Kochsalz, das dem Magen etwas Salzsäure zuführen soll, um dessen verdauende Tätigkeit zu erhöhen. fette von Pflanzenstoffen sind im allgemeinen leichter verdaulich als ierfette. Im allgemeinen ist aber der Fettbedarf des Menschen nicht groß, weshalb die Zusätze zu Brot am Kaffeetisch zweckmässig Fruchtgelee sein sollten.— Theater. Lustspielhaus.„Kamerad von Zeck'. Komödie in vier Akten von Artur Zapp. Die Aufführung der Zappschen „Komödie" am Sonntagnachmittag war auf dem Theaterzettel als „Bereinsvorftellung" angekündigt; aus guten Gründen hatte die Direktion des Lustlpielhauses das zweifelhafte Experiment nicht mit dem eigenen Namen decken wollen. Das Publikum war weniger bedenklich; man konnte beinahe glauben, es sei ein wirklicher Verein versammelt, um zur Ehrung eines Mitgliedes die Kraft der Hände in dröhnenden Ovationen zu erproben. Die vier Akttchlüssc ge- nügten dem Applausbedürfnis nicht, mitten in den Szenen brach, wie auf ein Signal, wieder und wieder der Beifall los. Ein Aufwand von Geräuschen wie man ihn selten hört, nur leider sachlich ausserordentlich wenig motiviert. Das Stück ist grobsträhnig, vorstadttheatermässig, mit billigen Mitteln sucht der Verfasser die günstige Konjunktur, die augenblicklich für Soldatendramen auf dem Markte herrscht, zu nützen. Ein netter Einfall, der für ein anspruchsloses Bühnen- genrebildchen wohl zureicht, soll hier vier ganze Akte tragen I Die ersten beiden Aufzüge sind völlig physiognomielos. Ein Herr Leutnant spielt, verliert, möchte seine Schulden durch eine 5ttlgel in den Kopf standesgemäss begleichen und ent- schliesst sich auf daS Flehen seiner Braut, vorerst doch lieber statt ins Jenseits nach Amerika zu gehen. Alte, abgegriffene Geschichten, die durch den Import von der Novelle auf die Bühne gewiss nicht interessanter werden. Als Extrasensation gab es ein Kasino-Festmahl, in dessen weiteren Verlauf der Kamerad seine Künste im Couplet sowie im Cancan zeigt; die Offiziere walzen miteinander, und unter feierlichen! Grabgesang wird eine Bierleiche hinausgetragen—„intime" Schilderungen, die ganz besonders zu gefallen schienen. Endlich im dritten Akte, der ohne die voran- geschickten Garnisonsszenen genau so verständlich wäre, kommt der Autor mit seinem Einfall heraus. Man sieht den schneidigen Käme- raden a. D. als simplen Kellner in der kleinen Newyorkcr Budike des biederen Mr. Schwab hantieren. Er schinipst und flucht in sich hinein, aber er arbeitet. Der Hunger, mit dem er inzwischen sehr genaue Bekanntschaft gemacht, hat ihm einen Teil des alten Hoch- mutS ausgettieben. Der tragikomische Kontrast wird durch einen Klub ehemaliger deutscher Offiziere, die in New Jork als Schaffner, Hausierer, Abonnentensammler sich durchschlagen und diese Kneipe als ihr Stammlokal erkoren haben, ganz geschickt verstärkt. Auch das kokette deutsch-radebrechende Wirtstöchterchen, das für alles, was einst zweifarbencs Tuch getragen, schwärmt, nimnit sich in dem Milieu nicht übel aus. Damit die Sache einen Theaterschluss erhält, mutz der Leutnant Zeck dann eine reiche Erbschaft machen. nach Deutschland gehen und schliesslich, als auch dieses Geld verspielt ist, zerlumpt und hungrig wiederkommen, um in die alte Stellung einzutteten. Die Darstellung gelang nicht gleichmähig, die Kasinoszenen des ersten Aktes liehen viel zu wünschen übrig. Vorttefflich aber war Herr Lettinger in der Hauptrolle, warm und natürlich Frau Mallinger als Brant. Herr Beckmann zeichnete sich in der Rolle des gutmüttgen Wirtes aus und Fräulein W e n d t gab die verliebte Amerikanerin sehr amüsant und drollig. ckt. Astronomisches. dt. Die Geschwindigkeit der Erde. Die Schnellig- keit, mit der die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne fortschicsst, so- wie auch die Geschwindigkeit bei ihrer Drehbewegung um sich selbst ist leicht zu berechnen. Für die letztere muß man beachten, auf welchem Punkte der Erde man sich befindet; die beiden Pole nehmen an der Drehung überhaupt nicht teil, und diese wird um so schneller, je näher man an den Aequator heranrückt. Denn da jeder Punkt auf der Erdoberfläche in 24 Stunden einmal im Kreise herumgeführt wird, so muss am Aequator, dem grössten Kreise auf der Erde, die Geschwindigkeit dieser Bewegung auch am schnellsten sein. Der Aequator misst genau 8400 Meilen; diese werden in 24 Stunden oder 86 400 Sekunden zurückgelegt. Daraus folgt, daß in jeder Sekunde 468 Meter zurückgelegt werden. Der Breitenkreis, auf dem Berlin liegt, hat nur eine Länge von 32871/2 Meilen; hier beträgt die Geschwindigkeit in der Sekunde daher nur 28ö Meter. Noch weiter nach Norden nimmt die Ge- schwindigkeit weiter ab, bis sie am Pole selbst Null wird. Eine Geschwindigkeit von 468 Metern in der Sekunde, wie sie bei der Drehung am Aequator herrscht, ist eine ganz ausserordentliche. Unsere elektrischen Schnellbahnen brachten es bekanntlich nur auf 210 Kilometer in der Stunde, das ist, da die Stunde 3600 Sekunden zählt, noch nicht 60 Meter in der Sekunde, kaum der achte Teil der Drehgeschwindigkeit der Erde am Aequator. Immerhin können auch wir Geschwindigkeiten von dieser Grössenordnnng erzeugen, und zwar in unseren weittragenden Geschossen, die den Lauf des GeichützeS mit Geschwindigkeiten von 1000 Metern und darüber in der Sekundt. verlassen. Aber alle Geschwindigkeiten, die wir hervorbringen können, ver- schwinden gegenüber derjenigen, mit welcher hie Erde auf ihrer — ooo Wahn um die Sonne fortgerissen wird. Die ganze Bahn eines Jahrc-Z hat eine Länge von rund 12ö'/z Millioiren Meilen. Da das Jahr rund Zl'/z Millionen Sekunden dauert, folgt für die Geschwindigkeit in der Sekunde fast vier Meilen. Mit einer solchen rasenden Geschwindigkeit saust die gewaltige Erdkugel durch den Raum, nach jeder Sekunde sind wir bereits vier Meilen von dein Orte entfernt, an welchem Ivir soeben noch waren. Planetarische Geschwindigkeit— auch die übrigen Planeten umkreisen die Sonne mit ähnlichen Geschwindigkeiten— ist daher ein Ausdruck für die schnellste Massenbewegung, die wir kennen. Sind denn aber diese Geschwindigkeiten wirklich so ungeheuerlich, als sie auf den ersten Anblick erscheinen? Man kann die Bewegung der Erde jedenfalls noch von einem anderen Gesichtspunkt au-Z be- trachten. Geht z. B. ein hochgewachsener Mann in mäßigem Schritte dahin und führt einen kleinen Knaben an der Hmid, so wird dieser ziemlich schnell laufen und sich tüchtig anstrengen müssen, um mit dem Manne gleichen Schritt zu halten. Obwohl der absolute Wert ihrer Geschwindigkeiten derselbe ist, etwa It/z Meter in der Sekunde, werden wir doch sagen, der Knabe läuft ziemlich rasch, der Mann geht verhältnismäßig langsam. Es kommt aber nicht nur auf den absoluten Wert der Geschwindigkeit an, auf die Größe des in jeder Sekunde zurückgelegten Weges, sondern auch auf das Per- hältnis dieses Weges zu der Größe des bewegten Körpers. Von diesen» Gesichtspunkt aber stellt sich die Bewegung der Erde wesentlich anders dar. Die Erde ist eine Kugel von nicht weniger als 1720 Meilen Durchmesser. Bei einer Geschwindig- lkeit von 4 Meilen braucht sie also 430 Sekunden, das sind mehr als 7 Minuten, um eine Strecke gleich ihrem eigenen Durchmesser zurückzulegen. Eine Schnecke, der man bekanntlich eine sehr lang- same Bewegung nachsagt, braucht zu einem ihrer eigenen Länge gleichen Wege nur 5 bis 6 Sekunden. Sie übertrifft damit die Geschwindigkeit der Erde um das Siebenzigfache. In der Tat muß auch für einen außerhalb der Erde stehenden Beobachter diese den Eindruck hervorrufen, als ob sie mit äußerster Langsamkeit auf ihrer Bahn dahinkriecht—. kommt sie doch in 7 Minuten erst um ihre» eigenen Durchmesser weiter. Nun können wir uns freilich nicht außerhalb der Erde begeben, um sie zu beobachten. Aber wir erblicken am Himmel neben den Fixsternen isesten Sternen, so benannt, weil sie ihren Platz bewahren) auch eine Reihe von Gestirnen, die Planeten, welche ihre»» Ort unter den Fixsternen mit Geschwindigkeiten verändern, die derjenigen der Erde vergleichbar sind. Der größte der Planeten, zugleich das strahlendste Gestirn, das gegenwärtig unseren Nachthimmel ziert, der Jupiter, umkreist die Sonne mit einer Geschwindigkeit, die zivar uicht so groß ist als die der Erde, aber doch auch fast 2 Meilen in der Sekunde erreicht. Aber selbst wenn wir seinen Stand von 24 zu 24 Stunden feststellen, also einer Zeit, innerhalb deren er sich um 155 000 Meilen verändert hat, sehen wir den Stern kaum von der Stelle gerückt, er ist nur achtmal um seinen eigenen Durchmesser, der IS 000 Meilen beträgt, vorwärts gekommen i um ihn ein einziges Mal zu durchschreiten, hat er volle 3 Stunden gebraucht. Der andere schöne Stern, den wir gleich nach Sonnenuntergang jetzt im Südwesten erblicken, der A b e n d st e r n, ist der Planet B e n u S, welcher in seinen Dimensionen der Erde sehr ähnlich ist i die Venus ist der Sonne näher als die Erde und umkreist sie mit der größeren Geschlvindigkeit von 4,3, also fast fünf Meilen in der Sekunde. Sie bewegt sich also absolut, als auch, da sie kleiner ist— ihr Durchmesser beträgt nur 1048 Meilen— im Verhältnis zu ihrer Größe erheblich rascher als der Jupiter. Immerhin braucht auch sie 325 Sekunden, das sind 5>/z Minute, zum Zurücklegen ihres eigenen Durchmessers. Auch sie bewegt sich also am Himmel mit einer liOmal geringeren Geschwindigkeit, als wir sie an der Schnecke als langsam zu bezeichnen gewohnt sind.— Humoristisches. — Offizierskind:„Sieh mal, Mama, was der Leutnant für kraxclige Spazierhölzer hat." „Aber Emma, was für Ausdrücke!" „Nun, man kann auch schlapper Hund sagen!"— — B a u e r n st i l. Eine Bauerin. die einer Dame in die Stadt Butter lieferte, schrieb auf eine neuerliche Bestellung hin folgende Karte: Liebe Frau; Ich kann ihnen keine buter mer geben da ich keine Milch mer Habe da ich ein Kalb bekoine Gott grüst sie Aloisia Huber — Amerikanische Ehefrauen. Mrs. Green:„Als ich mich neulich mit Mrs. Nellow zankte, hat sie mir eine gräßliche Verwünschung zugerufen." MrS. Brown:„Du solltest in die Hölle kommen?" Mrs. Green:„Schlimmer, ich sollte ein Kind kriegen."— („Jugend".) Notizen. —„Die einsame Insel", Lustspiel in drei Akten von Rudolf Bern au er und Leopold Jacobson, ist vom Deutschen Theater in Hannover erworben tvorden.— — Bei Keller u. Reiner ist eine Kollektivausstellung von Interieurs nach Entwürfen von Mitgliedern der D a r in st ä d t e r K ü n st l e r I o l o n i e zu sehen.— — Zugegangen ist uns: Ein Bücherkatalog für Kunst» und Literaturfreunde. München. Verlagsanstalt F. Bruck» mann.— Wer 10 Pf. in Briefmarken einsendet, erhält— solange der Vorrat reicht— das Büchlein franko zugeschickt.— — Ernst S e g e r(Berlin) und Ignatius Taschner (Breslau) sind aufgefordert worden, plastische Entwürfe für ein Gustav Freytag-Denkmal in Breslau anzufertigen.— — Eine Statue Miltons ist im L o n d o n er Stadtteil Cripplegate enthüllt worden.— t. Rotkehlchen als Fischfänger. An einein kleinen Bache, der den Abfluß aus einein künstlichen See bildet, beobachtete kürzlich ein Naturfreund fünf Rotkehlchen, die emsig damit beschäftigt waren, zwischen den Kieseln im Bett des Baches Nahrung zu suchen. Sie flogen dann imnier wieder auf eine benachbarte niedrige Mauer, und es war deutlich zusehen, daß sie dabei etwas Lebendes in ihrem Schnabel hielten. Auf den ersten Blick glaubte der Zuschauer, daß'.sie Würmer gefangen hätten, aber als er einen der Vögel von der Mauer aufgeschreckt hatte, fand er auf dieser eine» kleinen Fisch. Der Ge- währsmann überwachte die Vögel noch eine Zeitlang aus der ge- ringen Entfernung von etwa zehn Metern und sah, wie sie die kleinen Fische aus dem Wasser holten und dann immer auf die Mauer flogen, um sie zu verzehren, was sie augenscheinlich mit großem Geschmack taten. Es hatte der betreffenden Gegend sehr an Regen gefehlt, und deshalb mochte den Rotkehlchen die Insekten- nahrung so knapp geworden sein, daß sie sich zu einer Fischkost be- kehrten.— — Der preußische Bahnfiskus wird, wie das„B. T." meldet, auf der Strecke Berlin— Breslau probeweise neue fünf- achsige Schnellzug- Verbund- Lokomotiven mit vier C y li n d e r u und v i er achsigeH e i ß d a m p f- Zwillings- Maschinen einführen, welche die schweren schlesischen Schnellzüge ohne Vorspannmaschine und ohne den sonst auf der Station Sommer- feld stattfindenden Maschinen- und Personalwechsel die ganze Route schleppen. Bisher war das in Preußen auf einer 342 Kilometer langen Strecke bei weitem nicht möglich.— — Bei der diesjährigen Pilgerfahrt nach Mekka und Medina hatten sich in den beiden Städten im ganzen 92 500 Teil- nchmer zusammengefunden.— — Eine Hochzeit vor der Trat» ung fand bor kurzem in S a l l a ch bei Gangkofen zum Gaudium� der Einwohucr statt. Die Trauung war auf den 27. Oktober angesetzt, da aber der Wirt des Ortes nur bis zuin 26.„altes B i e r" hatte und überdies einen Grund brauchte, um Frei m u s i k veranstalten zu dürfen, hielt das junge Paar seine Hochzeitsfeier dem Wirte und dem alten Bier zuliebe bereits vor der Trauung ab.— Buchereinlauf. — Dr. Max MorriF:„Klemens Brentanos Leben und Werke." Leipzig, Max Hesse. Pr. 50 Pf.— — Dr. Eduard A r o n s:„Annette v. Droste- Hüls- hoffs Leben und Werke." Leipzig, Max Hesse. Pr. 50 Pf.— — Klara Müller-Jahnke:„Ich bekenne". Roman. GoSlar. F. A. Lattmann. Preis 2,50 M.— — Edward Stilgebauer. Götz Krafft. Die Ge- schichte einer Jugend. IL Band. Im Strom der Welt. Berlin. Richard Bong. Preis 4 M.— — Gustave Fla über t. Der Roman eines jungen Manne?. Berlin. Bruno Cassirer.— — Ludwig Pietsch:„Aus jungen und alten Tagen."(Erinnerungen.) Berlin, F. Fontane u. Co. Pr. 5 M.— — H g n n s Fuchs:„Die Frau von Heute und die Liebe". Vier Einakter. Leipzig. Walter Röhnrann.— — Friedrich Adler:„Freiheit". Drei Einakter. Stuttgart und Berlin. I. G. Cotta«che Vnchhdlg. Nach f.— — Theodor Fontane:„K a u s e r i e n ü b e r T h e a t e r". Herausgegeben von Paul Schlenther. Berlin, F. Fontane u. Co. Pr. 5 M.— — Hermann M u t h e s i u s:„Das Englische Hau S". Band I: Entwickelung. Berlin. Ernst WaSmuth. Preis 5 M.— — Dr. I. H. Ziegler:„Die wahre Einheit von Religion und Wissen schaft". Vier Abhandlungen. Zürich. Kommissionsverlag des artistischen Instituts Orell Füßli. Preis 4 M.— — Sven v. H e d i ir:„Abenteuer inTibet". Illustriert. Leipzig. F. A. Brockhaus. Preis 6 M.— — Julius Feld:„Umgesattelt". Berlin. Gose u. Tetzlaff. Preis 4M.— —„Bibliothek desallgemeine nundprak tischen Wissens". Herausgegeben von Emaimel Müller-Baden. Lieferung 23— 25. Berlin, Leipzig, Wien, Stuttgart. Bong u. Co. Preis der Einzeflieferung 60 Pf.— Berantwortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin.— Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckerci u.VerlagSanstaltPaul Singer LcCo.,BerlinLW.