NnterhaltungMatt des Vorwärts Nr. 230. Mittwoch, den 28. November. 1904 (Nachdruck verboten.) 19] Der Hlte vom Berge» Roman von GraziaDcledda. An einem der letzten Maitage nahm Melchior die acht letzten jungen Ziegen, band ihnen die Füße zusamnien und hing sie, vier an jeder Seite, über dm Sattel seines Pferdes. Er schickte den Hirten damit in ein Dorf, wo dieselben bestellt waren. Basilio zog singend ab und trieb das beladene Pferd vor sich her. Durch den blühenden Wald führte der Weg, dann durch ein tiefes, mit goldenem Ginster bewachsenes Tal, über einen Bach, an dem der Hollunder feine weißen Blütendolden aus- breitete, und wieder aufwärts, über Schiefergestein, wo die wilde Rose in Bliite stand. Auf einer Heide, zwischen dichtem Mastixgebüsch, sah Basilio ein graues Fohlen mit gestutztem Schwänze weiden. Vom Westen Weg ermüdet, nahm er die an den Sastel seines Pferdes gebundene Schnur, warf sie um den langen Hals des Fohlens und bestieg dessen Rücken, in der Abficht, es bei der Rückkehr wieder dort zu lassen. Und lustig ging's über die Heide fort, die ihm wie ein grünes, wogendes Meer erschien. Nur des Kuckucks Ruf tönte durch die unendliche Stille. Und Basilio träumte, daß das Fohlen sein sei und das Pferd und die Ziegen und das ganze weite Land, das er durchritt, und daß er das alles verkaufen könnte und dann mit vollem Beutel vor Paska hintreten und sie heiraten. In dem Dorfe angelangt, verkaufte er die Ziegen. Mau frug ihn, ob auch das Fohlen zu verkaufen sei. Er sah auf den jetzt leeren«attel seines Pferdes und dachte, daß er den Heimritt natürlich auf diesem macheu würde, statt auf dem nackten Rücken des Fohlens. Und er verkaufte es. Als er wieder iiber die Heide ritt, dunkelte es; noch ver- nahm er den gleichmäßigen, immer wiederkehrenden Ruf des Kuckucks durch die schtwigende Einsamkeit: die Mastixbäume glänzten im schrägen Strahl des Neumonds. Und nach dem ersten, so merkwürdig gelungenen Schritt — das Fohlen hatte ein Fremder gekauft, der die Gegend gleich wieder verließ— fand Basilio seinen Weg. Als er zur Aus- Hebung beordert wurde, brachte er sich durch Waschungen mit Branntwein eine Augeneistzintduiig bei; er litt furchtbare Schmerzen, doch bei der ärztlichen Untersuchung wurde er wegen unheilbarer Ophtalmie ausgemustert. In wenig mehr als Monatsfrist war er genesen. Der Sommer verging. Aeußerlich war nichts verändert in der Behausung der Earta, aber dennoch war in den kleinsten Dingen eine Wandlung vorgegangen. Basilio war groß und ernst geworden, sein Blick unstet. Zio Pietro blies noch immer das Feuer an, kehrte die Hürde, bereitete die Mahlzeiten, betete und erzählte Geschichten. Sein Gemüt war ruhiger: Die kleine Lilie vom Berge hatte sein Gebet erhört und die Wolken am verdunkelten Horizont seines Alters zerteilt. Als sie eines Tages allein waren, sagte Melchior: „Hört, Vater � Zia Bisaecia möchte mich verheiraten." „Wenn das Mädchen gut ist, so nimm es. Aber hast Du die andere vergessen?" „Das Mädchen ist gut," antwortete Melchior, ohne die zweite Frage zu beachten.„Es ist ihre Nichte. Untersetzt, dick, braun, nnt Katzenaugen. Eine gute Haushälterin." „Wie heißt sie?" „Benturedda." „Hat sie etwas?" „Viel! Ein Haus, einen Weinberg, einen Acker, eine Stute." „Wenn sie rechtschaffen ist, nimm sie. Aber hast Du die andere vergessen, ja oder nein?" „Ich habe sie vergessen," erwiderte Melchior ärgerlich. Nachdem Zia Bisaccia die Sache eingeleitet, bestieg Zio Pietro an einem Herbstinorgen das Pferdchen und ritt, vom Sohne geführt, nach Nuoro hinunter. Dort angelangt, wechselte er die Kleider, wusch sich, kämmte sich den Bart, setzte die sardische Miitze auf und ging dann mit Zia Bisaccia, um Bentureddas Hand zu fragen. Diese war, wie Melchior an gedeutet, klein, dick, mit mächtigem Busen und Hüften, oliven farbenem Teint und tiefliegenden, blaßblaucn Augen unter dichten schwarzen Brauen. Die niedrige, behaarte Stirn ver» schwand unter dem weit vorgezogenen Kopfstiche; aus zwei dicken, spöttischen Lippen kam eine Stinune von tiefem, rauhem Ton, und die Augen blickteic strepg, ja stechend. Die Mutter, Zia Bisaccias Schwester, eine ganz un- geheuer dicke Frau, empfing Zio Pietro höflich, doch mit einer gewissen Herbheit: obschou sie längst auf des Alten Frage vor- bereitet war, tat sie. als ob sie von nichts gewußt hätte, nickte nur und würde Bedenkzeit verlangt haben, wenn Zia Bisaccia sich nicht ins Mittel gelegt hätte. „Ach was, Bedenkzeit, Schwester! Höre auf mich, auf Deine Schwester. Deine Tochter ist reich, Melchior ist reich, worauf zuni Teufel sollten wir warten? Sie haben ein Haus" — und sie erzählte in gewohnter Weise alles an den Fingern auf—„sie haben Ländereien, Vieh, Brot, Wein, Wolle, Oel ... Teufel, die Gelegenheit kann gar nicht besser sein! Warauf also willst Du noch warten?" Die Witwe ließ sich überreden und antwortete ja. Am Tage Allerheiligen würde sie Melchior den Zutritt ge- währen. Das Mädchen brachte Zio Pietro zu trinken, war aber sehr schweigsam. „Auf Eure Gesundheit und die Erfüllung unserer Wünsche!" sagte Zio Pietro und erhob sein Glas mit bebender Hemd. Auch sein Herz erbebte und die Furche auf seiner Stirn vertiefte sich. Eine unbestimmte, unendliche Traurigkeit über- kam ihn, diesen zwei weiblichen Wesen gegenüber, die ihm falsch und tückisch vorkamen. Das Lachen und die männlich tiefe Stimme derjenigen, die Melchior ihm als gut und rechtschaffen bezeichnet hatte, waren ihm besonders zuwider. Er wußte nicht weshalb, doch er mußte derer gedenken, an die er lange nicht gedacht, Paskas, mit ihrer siißen Stimme und dem Kinder- lachen, das Freude verbreitete, lvo es nur erklang: und sein Herz schmolz vor Liebe und Kummer, denn er fiihlte, daß Melchior nicht vergessen hatte, nicht vergessen konnte. Dieser stand unterdes unter Zia Bisaccias Haustür, rauchte eine sardische Zigarre und wartete in Geduld. Als er Zio Pietro zurückkehren sah, nahm er die Zigarre aus dem Munde, spuckte aus und fragte mit vollkommener Ruhe: „Na, haben sie Euch eine cunifica(Korb) gegeben?" „Ja." antwortete der Alte,„siehst Du nicht, wie schwer ich daran trage?" Er beugte sich, als ob er wirklich eine schwere Last auf den Schultern triige: er versuchte zu scherzen, beide versuchten zu scherzen, während sie doch im tiefsten Grunde ein Gefühl von Bitterkeit erfüllte, das sie sich gegenseitig zu verhehlen trachteten. Zia Bisaccia lachte ihr seltsames plumpes Lachen, bei dem sich nicht ein Muskel ihres groben Gesichts verzog. Sie nahm Melchiors schwielige Hand und zählte auch ihm an den Fingern her: „Ihr habt Vieh, Ihr habt ein Haus, Aecker, Oel, Milch. Wolle, Wein. Meine Nichte paßt für Euch, weil sie... meine Nichte ist. Zu Allerheiligen habt Ihr Eintritt, llnd nun setze ein anderes Gesicht auf, Melchior Earta, und gedenke immer Zia Eaterinas, die Dir zu Deinem Glück verholfen hat." Er ließ sie reden, rührte nicht die Hand und lächelte dumm. „Wolle, Oel, Milch. Käse, Vieh, Wein, Honig"— sprach sein Herz in bitterer Aufwallung.„Genügt das, um glücklich zu sein?" „Allerheiligen?" fragte er dann.„Da müssen wir über- legen, lvas ich ihr geben soll. Ein Tuch? Oder Geld?" „Geld, mein Sohn, Geld! Ein Tuch nutzt sich ab, aber Geld nicht. Ich habe einen halben Goldfuchs"), den wechsle ich Dir gegen Papier, und das... ohne Aufgeld." „Gut," sagte er und dachte an Paska und das erste Ge- schenk, das er ihr gemacht. Sie hatte ihm dagegen ein Taschen- tuch geschenkt mit einem gestickten roten Herzen. Vater und Sohn stiegen still bergan. Grauer, trostloser Herbstnebel tropfte von den trockenen Blättern und verschleierte den Wald. Niedergeschlagen zogen sie unter den feuchten *) Zwanzigfrankstück, Marcngo genannt, weil sie- zuerst Napoleon I. zur Erinnerung an die Schlacht von Marengo präge« ließ: noch heute beim Pferdehandel übliches Zahlungsmittel. Schleiern dahin, als ob sie eine traurige Pflicht erfüllt hätten. Sie ahnten ihre beiderseitige Unzufriedenheit, doch sie teilten sie einander nicht mit. Melchior fühlte sich stark: der Schritt war geschehen, und obwohl er nur mit Widerwillen an die neue Verlobte dachte. war er doch entschlossen, sie zu heiraten. Eine Leere, eine Oede, grau wie der nebclverhüllte Horizont, senkte sich in sein Inneres: seine Seele war von düsterer Hoffnungslosigkeit er- füllt, er wollte nicht mehr kämpfen noch denken. Und dennoch dachte lind kämpfte er. Während ihn zur Zeit von Zia Bisaccias Unterhandlungen das trotzige Verlangen aufrechterhalten hatte, Paska durch seine neue Verlobung zu kränken, drangen jetzt alle Erinnerungen auf ihil ein und er- weckten in ihm einen Streit zwischen sehnsüchtigem Verlangen — und Verachtung gegen sich jelbst, weil er nicht zu vergessen vermochte. Paska war ja schlecht, boshaft, leichtsinnig, vielleicht der- loren: doch da sie ihm nicht mehr als Frau angehören konnte, so bereitete das alles ihm weder Zorn noch Schmerz. Er dachte nur an das schöne, bezaubernde Geschöpf, das die Verhängnis- volle Macht besaß, allem die ihm nahekamen, den 5lopf zu ver- drehen: und in dieser krankhaften Erinnerung verlor er sich, mit dein sehnenden Heimweh dessen, der ein heißersehntes Glück besessen und für immer verloren hat. Basilios Gegenwart war ihni nicht unangenehm, sondern er hatte Miteid mit ihm. Er hörte, daß Paska jetzt jenes großen Kindes spottete, wie sie seiner gespottet hatte, lind daß sie ihn wohl bald aufgeben werde. Vielleicht verkehrte sie, die so bösen Sinnes wie schön war, gerade mit Basilio, lim ihm zu trotzen und ihm dadurch Schmerz zu bereiten. Er aber behielt den Hirten bei sich, damit dieser im äußersten Falle Zeugnis für ihn ablegen könne: denn diesem mußte man ja eher glauben als jedem anderen. XI. Anl Tage Allerheiligen stieg er nach Nuoro hinab, um der Verlobten den ersten Besuch zu machen. Er wurde in der Küche empfangen und setzte sich weit ab von dem Mädchen, ohne nur den Mut zu haben, sie anzusehen. Sie sprachen von gleichgültigeil Dingen, von den Ziegen, den Banditen, den Söhnen Zia Bisaccias, die zum Teil noch im Gefängnis waren, zum Teil ein tolles Leben führten. Melchior hörte nur die tiefe, fette Stiinme des Mädchens; die Hand in der Tasche betastete er die kleine Goldinünze und dachte mit Widerwillen: Was soll ich nur tun, wenn die Mutter uns zufällig allein läßt? Die Gefahr trat nicht ein und er konnte kalt und steif wieder fortgehen wie er gekonunen war, nachdem er die kleine Goldmünze auf Bentureddas Hand gelegt hatte. Als Basilio erfuhr, daß sein Herr sich verlobt habe und binnen klirzein heiraten werde, empfand er brennenden Neid. „Laß uns auch heiraten," sagte er bittend, sobald er Paska sprechen konnte,„laß uns auch heiraten I Ich habe Geld genug, um dreißig Ziegen zu kaufen." „Dreißig Ziegen! Ach, zum Heiraten gehört mehr, mein Schatz!" „Laß uns heiraten, Paska! Ich kann so nicht mehr leben! ..." Er verschmachtete vor Liebe und bedeckte sie mit Küssen. „Ich werde eine Torheit begehen, wenn Du mich nicht heiratest!" „Ich werde Dich schon heiraten... Wie oft habe ich es Dir gesagt," erwiderte sie, um ihn zu beruhigen. „Aber wann? Aber wann? Sogleich? Noch vor meinem Herrn?" „Heiratet Dein Herr?" fragte sie bestürzt und drängte ihn zurück. „Er ist doch verlobt, ja, er ist verlobt. Wußtest Du das nicht? Laß uns nun auch heiraten»Paska..." „Mit wem denn?" „Mit wein? Ich mit Dir, Du mit mir." „Ich frage, mit wein Melchior verlobt ist," entgegnete sie rauh, und ihre Lippen zuckten, als sie jenen Namen aus- sprach. Warum? Warum kräuselt sich ein See, wenn der Wind darüber hinstreicht? Warum ist eine Frauenseele solch ein geheiinnisvoller See, in dessen Tiefe seltsame Ungeheuer schlummern, die ein Hauch zu erwecken vermag? Melchior heiratete eine andere; er liebte jene andere also, und weil er sie liebte, vergaß er ihrer, und daß er ihrer vergaß, war eine Kränkung für sie, die geglaubt, stets volle Macht über ihn zu haben, seinen ganzenHaß und seine ganzcLiebe zu besitzen. und der es deshalb Freude bereitet hätte, ihm das Herz zu zer- reißen. „Benturedda. die Nichte Zia Bisaccias. Sie ist häßlich. aber sie ist reich," sagte Basilio und lehnte seine Stirn an Paskas Schulter. „Und er liebt das Iwgeheuer?" fragte sie zerstreut.„Das ist nicht niöglich. Das ist nicht wahr. Du lügst!" „Ich weiß nicht, oder doch, ja, er liebt sie, sie lieben sich und sie heiraten sich. Laß uns auch heiraten. Wir haben uns doch auch lieb!" Ganz von diesem Gedanken beherrscht, stöhnte er wie ein kleiner Junge und schmeichelte und rieb seine Stirn an ihrer Schulter:„Sage doch ja, versprich es mir, Paska, meine gute Paska, sag doch ja: ich gehe nicht eher fort, bis Tu mir ver» sprichst..." „Ich weiß nicht," sagte sie zerstreut.„Was Du hast, ist zu wenig zum Leben." „Zuwenig? Zuwenig! Und wenn es nun doppelt, drei- mal so viel wäre?" „Ja, dann...," murmelte Paska: und wie Melchior. als er sich einer anderen verlobte, an sie dachte, so dachte sie an ihn, als sie sich Basilio versprach. Ach nein, dachte sie in ihrem tiefsten Gemüt— es lohnte sich ja nicht der Mühe, ihn zu verraten, wenn ich am Ende die Frau seines Hirten werden sollte. „Ja, dann!" rief Basilio aus und richtete sich auf. „Denke daran, daß Du mir das versprochen hast und hüte Dich! Wenn Tu Dein Versprechen nicht hältst, so töte ich Dich!" „Wie er mich getötet hat!" sagte sie bitter zu sich selbst und dachte wohl, daß ihr Melchiors Haß lieber wäre, als sein Vergessen. Basilio, der sie weit überragte, biß ihr in die Haare und sagte scherzend: „Ich bin größer als Du: wenn wir nun Mann und Frau sein werden, wie willst Tu mich küssen, da Du doch nicht herauf- reichst?" „Du wirst Dich bücken, denke ich!" erwiderte sie, ohne die Augen aufzuschlagen. Ihre Stimine klang spöttisch. Cr bückte sich wirklich und küßte sie; aber ihr schöner Mund blieb kalt und überließ sich seinen leidenschaftlichen Küssen mit der Gleigültigkeit je- mandes, der an weit Entferntes denkt. Er ging, überlegend, wie er das in seiner Fuchshöhle ver- borgene Kapital schnell verdoppeln könne; und böse Gedanken flatterten wie verweste Blätter in dem Wirbel seiner Leiden- schast. Der Winter kam; strenger als der vorige. Ständiger, dichter Nebel hüllte die Hütte ein und fast täglich schneite es. Die Hirten waren genötigt, Schutzhütten für die Ziegen her- zurichten, lind sie selbst verließen die eisigkalte Hütte und zogen sich in eine nahegelegene, ziemlich geräumige Grotte zurück; die Oeffnung schützten sie durch ein Geflecht von Zweigen, gegen das der Wind mit dumpfem Geheul stieß. Der Rauch schwärzte bald die unregelmäßige granitene Wölbung der Grotte; vor dem mächtigen Feuer sitzend, die Hände auf dem Stock gekreuzt, erschien Zio Pietro wie eine biblische Figur, die geschlossenen Auges von prophetischen Geschichten träumt. Und draußen zogen die Wolken daher gleich Ungeheuern. In den Nebeln ani Horizont schien das Chaos zu dampfen, und Felsen und Bäume erschienen und verschwanden gleich phantastischen Trugbildern. Wenn dann in den langen Winter- nächten Ruhe eintrat und der winterliche Mond wie ein tränen- verschleiertes Auge durch den Nebel und die lichten Cyrrhus- Wölkchen blickte, dann lag die Grotte wie in einem Bann un- säglicher Trostlosigkeit, übermenschlicher Einsamkeit. Man hörte das Rauschen der Bergwasser, nichts anderes. Und die geheimnisvolle Melodie dieses Rauschens verstärkte noch das Gefühl der Einsamkeit. Es war, als ob über dem feuchten, schweigenden Walde die Göttin der Nacht mit ihrcnr luftigen Gefolge vorüberschwebte. Die Hirten schliefen in der Grotte, die Füße am Feuer. Basilios Schlaf war leicht und unruhig geworden. Bei jedem kleinen Geräusch erhob er den Kopf und horchte mit geschlossenen Augen. Manchmal stand er auch auf, trat hinaus und spähte umher. Die hohe schlanke Gestalt mit dem schönen Kopf er- schien wie Endymion, der am Rande des Waldes die heimlich Geliebte erwartet. Er erwog die unliebsamen Ucberraschungen, welche die Nacht ihm bereiten könnte, dachte an seine Diana, nach der er ein beständiges, wahnsinniges Sehnen empfand. Statt mit der Zeit und der Gewißheit, sie zu erlangen, ruhiger zu werden, wurde ihm seine Liebe zur Pein. Paska konnte ihren Endymion nicht im Walde besuchen, aber er stieg fast täglich zu ihr hinab, und seine Leidenschaft war jetzt allen bekannt. In Nuoro verweilte er auch manchmal bei Felix, dem vierten Sohne Zia Bisaccias, mit dem er sich befreundet hatte. Da ein gutes Eicheljahr war, so trieben viele Schweinehirten ihre grunzenden Herden in den Wald. Obwohl die Ziegen mit ihrem feinen Spürsinn weder die Eicheln anrührten, noch auch das Gras, über das die Schweine gegangen waren, hatten sie so reichliche Nahrung, daß die Milch zu dick war und die zarten Zicklein vor überreicher Nahrung ertränkten. (Fortsetzung folgt.), (Nachdruck verboten.) Scbmipfm Er ist meist mehr eine Unbequemlichkeit als ein wirkliches Leiden, der Schimpfen, aber lästig wird er trotzdem doch genug. Zumal wenn er in jeuer abscheulichen Form austritt, wo für die Nase das Taschentuch ununterbrochen nötig wird, die Augen tränen, wütend» Kopfschmerzen sich einstellen, und ein dumpfer Druck das Denken fast unmöglich nracht. Man greift dann bald zu diesem, bald zu jenem Hausmittel, um sich schließlich, wenn sie sich erfolglos erlveisen, darin zu fügen, daß der Schnripfen von selbst vergehen wird. Er tut es ja allerdings auch vielfach, oft zieht er sich aber auch recht in die Länge oder niinmt sogar eine dauernde Form an. Hiermit erhält er aber einen ganz anderen Charakter, und nicht am wenigsten insofern, als er leicht den Boden vorbereiten hilft zur Ansiedelung bedenklicher Krankheits- erreger. Man sollte daher einen Schnupfen nie zu gering ein- schätzen, sondern jederzeit besttebt sein, sich so schnell als möglich wieder von ihm zu befreien. Der Schnupfen ist ohne Zweifel ein Krankheitsprozeß, an dessen Ausbildung Mikroorganismen beteiligt sind, wenn es sich dabei auch kaum um eine bestimmte Form handeln dürste. Den ersten Anstoß geben, wie bekannt, nieist Erkältungen, sei es, daß sich die Abkühlung unmittelbar auf die Nasenteile und den Kopf erstreckt, sei es, daß entferntere Körperstellen davon betroffen Iverden und sich eine Be- einträchtigung der Nasenschleimhaut erst aus einer Rückwirkung des übermäßigen Wärmeverlustes jener entlegeneren Körperbezirke ein- stellt. Vielfach schiebt man die Schuld für die Entstehung des Schnupfens auf Durchnässung und Kaltiverden der Füße. Und mit Recht. Durch genaue Messungen hat sich nachweisen lassen, daß, wenn ein Kältereiz auf die Füße einwirkt und infolgedessen ihre Blutgefäße sich zusammenziehen und verengen, auch eine Zusammen- ziehung und Verengung der Blutgefäße im äußeren Gehör- gang und in der Nase auf reflektorischem Wege sowie ein Sinken der Teinperatur an diesen Stellen erfolgt. Ist der Kälte- reiz sehr stark und dauert er längere Zeit an, so entlvickelt sich ein Krampfzustand der Kopfblutgefäße, der dann eine Ernährungsstörung der Gefäße in der Nasenschleimheit nach sich zieht. Es tritt damit, als erstes Anzeichen des Schnupfens, eine reichlichere Absonderung der in die Nasenschleimhaut eingebetteten Drüsen ein. Die möglichste Bernieidung von Erkältungsgelegenheiten, besonders aber die Vorbeugung einer starken und langen Abkühlung der Füße, wie sie Durchnässungen mit sich bringen, ist daher ein allgemeines Schutzmittel gegen die Erwerbung des Schnupfens. Allerdings lassen sich Erkältungen nicht immer leicht vorhersehen und umgehen. Wohl aber ist die Abkühlung, die einer Durchnässung der Füße entspringt, unschwer zu vermeiden. Man unterschätzt durchlveg den Wärmeverlust, der mit der Durchfeuchtung der Fußbekleidung verbunden ist. Die Wärme, die die Füße hergeben müssen, um ein Paar wollener, mittelmäßig durchfeuchteter Strümpfe zu trocknen, würde ausreichen zur Schmelzung von gegen zwei Pfund Eis. Dieser Sachverhalt verdeutlicht klar die Höhe des Kältereizes, der aus einer Durchuässung der Füße hervorgeht. Die praktische Nutzanwendung, die sich aus diesen Verhältnissen ergibt, ist die, das Struiupfwerk, besser aber noch auch das Schuhwerk alsbald zu wechseln, sobald eine nur einigermaßen stärkere Durchfeuchtung stattgefunden hat. Der Nasenschleim besitzt im normalen Zustande eine bakterien- abtötende Eigenschaft, lvie die Untersuchungsniethodcn durch Färbung und Züchtung gelehrt haben. Diese für die menschliche Gesundheit wertvolle Einwirkung auszuüben, ist dem Nasenschleim reichliche Ge- legenheit geboten, da gegen 80 Proz. der in der Lust vorkommenden Bakterien infolge des Baus der Nasenhöhle und gewisser Vor- richtungen der Schleimhaut aufgefangen und zurückgehalten Iverden, so daß sie in den Schlundkopf nicht einwandern können. Die große Mehrzahl derjenigen Mikroorganisnien, welche Erkrankungen der Attnungsorgane herbeiführen, unterliegt der Einwirkung des Nasenschleims bereits nach drei Stunden. Aber diesen Einfluß äußert, wie schon angedeutet, nur der normale Nasenschleim. Ist der Schnupfen im Anschluß an eine Erkältung im Entstehen begriffen und wird die Absonderung der Schleimhautdrüsen eine regere, so verliert der Nasenschleim durch die wässerige Verdiinnung seine bakterienabtörende.ittaft mehr und mehr, so daß nun in der Nasenhöhle ein für die mit der Atemlust eindringender Mikroorganismen günstigerer Nährboden entsteht. Sie vermögen sich jetzt hier zu erhalten und bringen nun durch die Ausscheidung und Mitwirkung ihrer Stoffwechselprodukte den Schnupfen zur vollen EntWickelung. Das äußere Kennzeichen für diesen Vorgang ist die Beobachtung, daß die Schnupfenfliissigkeit anfänglich wässerig ist, später aber eiterig wird. Denn es gelingt sobald der Nasenschleini seine bakterienabtötende Eigenschaft ein» gebüßt hat, jetzt den überall verbreiteten Eiterbazillen, in der Schleimhaut Fuß zu fassen und ihre Tätigkeit zu entfalten. Aehnlich verhalt es sich aber auch mit anderen Mikroorganismen. sowohl belanglosen als auch solchen, die Erreger von Krankheiten der Atmungsorgane sind. Verweilen sie längere Zeit ungeschädigt in der Nasenhöhle, so ist auch die Möglichkeit eines Weitertransportes in die tieferen Abschnitte der Atmungswege vorhanden. Dieser Um- stand fordert, auch wenn die Störungen, die der Schnupfen an sich bereitet, imr unbedeutend sind, um so mehr zu seiner frühzeitigen und wirksamen Bekämpfung auf. Vielfach stellt sich während eines Schnupfens eine entzündliche Reizung des Naseneingangs ein. Gemildert wird das unangenehm brennende Gefühl durch leichtes Einfetten mit Lanolinsalbe. Sind durch die ätzende Schnupfenflüssigkeit wunde Stellen an der Nase entstanden, so kann mau auch für sie Lanolin gebrauchen. Vesser aber noch wirkt eine Salbe, die man sich aus 20 Teilen Lanolin und zwei Teilen Peru- Balsam herstellen läßt. Derartige kleine Wunden am Naseneingang soll man nicht unbeachtet lassen. Denn erfahrungsgemäß bilden sie oftmals die Eiulaßpforte für die Krankheitserreger der Gesichtsrose. Ein Unterstützungsmittel zur schnellen Unterdrückung des Schnupfens ist ein häufiger Wechsel deS Taschentuches. Es wurde erwähnt, daß die Stoffwechselprodukte der in der Nasenhöhle sich ansiedelnden Bazillen zur Steigerung des Schnupfens wesentlich bei- tragen. Diese Stoffwechselprodukte mischen sich natürlicli auch dem wässerigen Nasenschleim bei und verhindern, wenn sie mit den Taschentüchern immer von neuem an die Nase gebracht werden, die baldige Zurückbildung der Schleimhauteutziiudung. Auf jeden Fall aber vermehren sie die Reizung des Naseneinganges, so daß schon aus diesem Grunde stetig fiir den Gebrauch reiner Taschentücher zu sorgen ist. Ferner empfehlen sich Gurgelungen mit lauwarmem Salzwasser. Man nimmt auf ein BierglaS voll Wasser ungefähr einen halben Kaffeelöffel Kochsalz. Diese Lösung ist eines der besten bakterienfeindlichen Gurgelmittel, das der Weiterverbreitung des Schnupfens in den Rachen vortrefflich entgegenwirkt. Endlich sind Schwitzkuren oder Ableitungen durch heiße' Fußbäder und Senfteige auf Brust und Nacken wohl geeignet, dem Schnupfen ein rasches Ende zu bereiten.— Theo S e e l m a n n. kleines feiriUeron. kh. Die Spiele der japanischen Kinder haben vieles mit denen unserer Knaben und Mädchen gemein. Blindekuh, Verstecken, Reifen- spielen find sehr beliebt. Ist der Winter günstig, so wird auch ein eifriges Schneeballen angefangen oder, ganz wie bei uns, ein Schneemann aufgebaut und ihm Kohlenaugen, Nase und Bart gemalt. Der heißt daim nach Daruma, dem dicken Anhänger des Buddha.„Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann?" ist den Japanern höchst vertraut wegen ihrer Angst vor Dämonen und der „Oni", der Teufel ist es, vor dem alle ausreißen. Solche Spiele sind gar oft auf Zeichnungen und Holzschnitten dargestellt, und fabelhaft ist die Geschicklichkeit, mit der dabei die Lauf- bewcgungen, das momentane Haschen, die plötzlichen Wendungen gegeben sind. Im Kreiselspiel ist der japanische Junge früh Meister. Sie find aus Bambusholz gemacht, oder auch aus Muscheln, die mit Wachs gefüllt sind und surren mit rasender Geschwindigkeit herum. Mannigfache Stelzenspiele bilden ein Haupt- vergnügen; diese grotesken und ungeschickten Instrumente werden mit höchster Geschicklichkeit benutzt und sie heißen„Sangiash", nach den langbeinigen weißen Reihern, die in den nassen Reisfeldern herumstolzieren. Wie eine Anzahl von Festen, so begleitet auch eine bestimmte Anzahl von Spielen, die ein Artikel des„Strand Magazine" schildert, den Umlauf des japanischen Jahres. Zu Neu- jähr legen die Mädchen ihre besten Roben und Gürtel an, bemalci sich bunt und leuchtend, pudern das Gesicht und dann spielen sie Federball, nicht zu zweien oder dreien, sondern in großen Parteien gegeneinander. Wundervoll ist eS dann. im Sonnenglanz dieses Meer strahlender Gewänder wogen zu sehen, wenn die kleinen goldenen gefiederten Bälle wie bnnte Blütenkronen auffliegen und die geschmeidigen Gestalten hervor- tauchen. Im Februar und März, wenn die Winde tüchtig blasen, dann blüht der Lieblingssport deS Javaners, das Drachenstcigen. Die japanischen Drachen bestehen aus festem Papier auf einem feinen Bambusgestell; doch haben auch manche die Gestalt von Kindern und Menschen, Vögeln und Drachen, oder aus dem Papier sind Bilder der alten Helden, von Dämonen und Ungeheuern aufgemalt. Große Wettspiele werden veranstattet, welcher Drachen wohl am höchsten steige, und jeder versucht dann, den Drachen des anderen zu vernichten; die Stricke sind nämlich mit Glassplittern beklebt und durch ein geschicktes Manöverieren zerschneidet man damit den Drachen des Gegners. Und an solchen„kindischen Spielen" erfreuen sich auch ganz alte Leute.— Kunst. e. s. Ausstellung deutscher Künstler bei Schulte. Die Sucht, sich gegenseitig zu überbieten, verführt die KunstsalonS dazu, ihre Säle immer mehr mit Bildern vollzustopfen. Auch be) - 3. Schulte gibt es wieder eine Art Kunstausstellung im Kleinein Dies- mal sind nur deutsche Namen vcrtrctcir Namen von bestem Klange. Theodor Alt zeigt sich hier von einer Seite, die ihn über- rasche II d nahe nach Leibi hin rückt. Es ist ein Stillleben hier, Aepfel rot und gelb, auf grauem Teller und grauem Tisch, das zum Verwechseln einem gleichen Stillleben von Leibi ähnelt, das auch hier hängt. Die blassen, grauen Töne liebt Mt, die auch ein Helles Not, ein leuchtendes Gelb dämpfen. Gleichmäßig liegt diese ab- schattierende Nuance über den einzelnen Farben, macht die Ucber- g iiiige weich, und löst die Härten. Diese Beleuchtung bringt in seine Bilder eine vornehme Harinonie. Um das schlichte Haar einer alten Frau legi er noch ein schwarzes Tuch, um den Hals ein weißes, so daß das Gesicht mit den lebhaft sich schürzenden Lippen und den scharf blickenden Augen klar und ruhig sich aus diesen beiden Gegensätzen, die in ihren Nuancen gemildert sind, heraushebt. Frisch, zart, leicht ist der Studienkopf eines jungen Juden. Alles ist warmes Leben darin. Ein Maßhalten in den Farbentöucu, dann wieder ein schnelles Aussetzen, ein Auihellen. Auch Leibis Atelier hat er gemalt, eine feine Jnterieurstndie, ein grauer Tisch, auf dem ein braunes Tuch liegt und Zeichenblätter, mit sparsamen Mitteln einen Raum gestaltend. Wir können hier L e i b l durch einen Zeitraum von über dreißig Jahren verfolgen. Als erstes ein Porträt von 1866. Ein schmales, geistvolles Gesicht: das Bild sieht wie ein alter Lenbach aus, ist goldigbraun im Ton. Aus dunklem Grunde hebt sich das Gesicht heraus. Niemand würde Lcibl solch ein Bild zumuten.„Der Spar- Pfennig" weist in das Jahr 1876. Bauer und Bäuerin in ihrer kleinen Stube, der Bauer schiebt den Sparpfennig in die Börse: er sitzt, sie steht ihm gegenüber. Es ist noch alles scharf ausgemalt. Aber einzelne Iveichere Töne heben sich doch schon heraus. Ein helles Fenster gibt Licht von der Rückwand her. 18V1„Die neue Zeitung". Ein Bauer ini Vordergrund. Hinten zwei Mädchen, wie Bäuerinnen sitzen, steif, starr, betrachtend. Auch hier öffnet sich hinten ein Fenster. Dasselbe Motiv gibt er skizzenhaft ähnlich noch einmal. Nur ist alles loser in Beziehung gebracht, freier hingesetzt. Der Bauer raucht vorn die Pfeife, die Mädchen, die hier näher an- einander gerückt find, stricken. Ausblick aus dem Fenster. Durch- Wegs sind hier weichere Töne. Ueberall Tupfen und Lichter, alles ist aufgelöst. Das Porträt des Malers Schuch ist schwarz auf weiß flüchtig angelegt, Schultern und Hut skizzenhaft, das Geficht ans- geführter. Namentlich die Augenpartie mit dem Brillenglas malerisch brillant. Ein Totenkopf mit dunkelgrünem Schlapphut und braunem Mantel ist ebenfalls in weichen Tönen gehalten. Das schon oben er- wähnte Stilllebeu. Pflaumen. Aepfel, Birnen, ist flockig und warm gemalt. Ein schönes Rot und Gelb liegt auf den Schalen des Obstes. Es ist mit ersichtlicher Freude hcruutcrgemalt, auf grauem Teller liegen die Früchte. Dann komnien ein paar prachtvolle Hände, die sich in einander legen, aus schwarzen Aermeln heraus- ragend. Nur ein paar Hände, weiter nichts. Aber sie find so gemalt, daß man nichts vermißt. Die Form ist hier so schön herausgeholt. Das Gewebe, die Muskeln, die Gelenke, alles ist gefühlt und ge- gebe», und die Haut umkleidet das Skelett weich, mit sanften Tönen. Dagegen berührt das Bild der Frau Roßner-Heine slllOO) zuerst eigentümlich. Es ist wieder ein anderer Leibi, gemäßigter. Die Farbe ist nicht mehr so tnpfig. flockig, sie ist gesammelter. Pracht- voll ist der aufgeschlagene Jackettkragen mit den bunten Sammet- streifen, der die Spitzen des Kleidkragens freigicbt, wobei sich Leibi wieder in feinster, lebendigster Detailarbcit bewährt. Wenn man zurücktritt, übersieht man das Ganze. Sich nähernd, sieht man die weichen Töne im Fleisch. Der Hintergrund ist leicht und duftig behandelt. Den echten Leibi, wie nian ihn in den letzten Jahren kennt, sieht man auf einem großen Damenportrait, schwarzes Klcid, weiße Halskrause, leuchtend frisches Gesicht, alles in einzelnen Tönen leicht hingesetzt. Den Genannten schließt sich noch T r ü b n e r an mit zwei weib- lichcn Studienköpfen, in denen er die Weichheit des Pelzes betont, die Schwärze des Sammtstoffcs, von dem sich das Gesicht abhebt. Ein Meisterwerk ist das Bild„Wildschwein mit HrmiT, eine vornehme Farbenharmonie in grau und grün. Der Hund grau, schwarz- gefleckt, der Boden grünlich, mit grauen Blättern, die dicken Stämme grau. Und auch über dem dunklen Fell des toten Tieres liegt ein grauer Schimmer. Denselben Hund benutzt Triibner noch einmal und stellt eine Dame in Lilakleid dazu, auch hier den Gegensatz der Farben leicht dämpfend. Als letzter Nachzügler in dieser Schar erscheint S p e r l, Leibis Jagd- und Malgenosse. Er hat ein paar gute Jntericurstudien hier, aus Bauernhäusern, dunkel, warm. Daun eine schöne, zarte Winter- landschaft, mit dickem Schnee, dünnen Zweigen an den Bäumen, leuchtenden, bunten Bauernhäusern und grünem Höhenzug im Hinter- gründe. Du FrSnes,„Hopfenlcscrinnen", gehört auch noch hierher. Alte Frauen in verschossenen Gewändern gegen eine gelbliche Wand, sehr farbig und leicht gemalt. Eine andere Linie deutschen Schaffens geht von T h o m a aus. Von ihm sind meist bekannte Bilder hier.„Eine Tauuuslandschast", in der der Horizont schön leicht verschwimmt.„Adam und Eva".„Ein Hirt mit Ziegen im Gebirge". Ihm ähnelt Karl Haider. Eine träumerische Note ist in seinen� Farben. Trübe Farben liebt er, die er in feste, zeichnerische Umrisse hineinsetzt. Alten, deutschen Klängen lauscht er. Hirten- KJ- mädchen mit Herde auf weiter Wiese träumend. Ein See bei Mond» schein im Gebirge. Immer dieselbe Stille und Ruhe und Ab- geschlossenheit. Das stille Abendlicht über weiten Wiesen liebt er. Zuweilen versteigt er sich auch in phantastisches Land und malt uns dann die Begegnung Dantes mit Beatrice, diese, in leuchtenden, hellen Farben. Er gibt alles ganz genau, bis ins kleinste Detail. Auch S t e p p e s malt ähnlich. Das Grün seiner Landschaften, da? wie aus alten, deutschen Bildern entnommen scheint, zeigt den archaistischen Ton ins Blaue. Diese Maler sind bestrebt, bildmäßige Eindrücke in letzter, länge durchdachter Vollendung zu geben. Auch Frobenius geht auf den bildmäßigen Eindruck aus. Er will nicht Skizzen geben. In Gebirgsgegenden setzt er phan- tastische Schlösser. Am eindrücklichsten wirkte das Schloß am Meer, zwischen Wasser und kahlen Bergen eingeklemmt. Frobenius müßte die phantastisch-romantische Note noch mehr unterstreichen. Dann würde der Gehalt der Bilder und sein Können, das aus Eigenem schöpft, eindringlicher hervortreten. Die Bilder hängen außerdem sehr schlecht. Noch sind einige großzügige Landschaften von Stein Hausen zu erwähnen, in den leisen, sanften Tönen, wie sie ihm eigen sind, weithin verklingend und mit jener zarten Stille ausgestattet, Ivie sie sonst nur alte Gobelins oder verblaßte Fresken haben. Diese beiden Linien deutschen Schaffens, die mehr malerische, die mehr romantisch-innerliche— Alt, Leibt, Trübner, und Thoma, Haider, Steppes andererseits— sind hier deutlich zu verfolgen. Die einen gingen ins Ausland und schulten das Auge. Die anderen blieben im Lande und lauschen ans ihr Herz.— Humoristisches. — Mißverständnis. Tourist sauf einer Bergtour): „Wo kann man denn hier den schönsten Almen rausch kriegen?" Führer:„Da droben im Unterkunftshaus!"— — Mathematik auf dem Lande. Tourist:„Was, das soll ein Gansachtel sein?" Wirt:„Ratürli, ivas verstenga denn Sie von da Kuchel- geometrie!"— — E i n Münchener K i n d l. Die Mutter erzählt dem kleinen Peperl von den inneren Organen des Menschen und erwähnt dabei, daß im Halse die Luftröhre und dahinter die Speiseröhre sei. „Du, Mammi," fragte der kleine Weltbürger,„wo ist denn dann die Bierröhre?"—(„Meggendorfer-Blätter") Notizen. — Arno Holz hat den Theater-Schriftstellcrn, die künftig mit dem Wiener Burgtheater in Verbindung treten werden, einen großen Dienst erwiesen. Sein„T r a u m u l u s" war von Schlenther angenommen worden, und nun sollte er den„Tantiemen- ReverS" unterschreiben. Der vorsichtige Rorddeuffche aber las sich das aus dem Jahre 1872 stammende Burgtheater-Regulativ auf- merksam durch. Und da fand er manches, das ihm nicht gefiel. Was, die Direktion sollte das Recht haben, nach eigenem Gutdünken den Zeiftiunkt der ersten Aufführung seines Stückes festzusetzen, ihm als Autor aber sollte nur zustehen, mit seinem Manuskript weiterzugehen, wenn binnen Jahresfrist sein angenommenes Werk nicht aufgeführt worden sei? Holz sagte nein. Und er las weiter. 8 2 des Regulativs lautet:„Der Verfasser hat den Anspruch auf die Tantieme von allen wäh- rend seines Lebens stattfindenden Aufführungen seines Werkes. Nach seinem Ableben steht dieser Anspruch seinen Erben noch durch fünf» zehn Jahre von seinem Todestage gcreckmet zu."— Das kam dem Ostpreußen noch komischer vor. In Oesterreich besteht ja eine dreißigjährige Schutzfrist! Jedes Theater muß sich darnach richten. Und das reiche Burgtheater? Und wieder sagte Holz nein und blieb fest. Jetzt wurde es Schlenther, der sich einen Schlager entgehen sah, ungemütlich, er machte sich auf den Weg zu seiner vorgesetzten Hofbehörde. Und er und sie gaben nach.„Traumulus" wird im Januar im Burgthcater aufgeführt, ohne daß Holz den „Revers" unterschrieben hat.— — Erfolg hatten bei der Erstaufführung:„ I o s e p h a", ein vierakttges Drama von E r n st Zahn im Stadtthcater zu Z ü r i ch; „Die Komödie der Herrscher" von A n n i e Neumann- H o f e r auf der Bühne des Deutschen Theaters in London.— — Felix P h i li p p i s neues dreiaktiges Schauspiel„Eine F a u st- S i n f o n i e" wird am Deutschen Schauspiclhause in Hamburg die Uraufführung erleben.— — Der Verwaltungsrat der deutschen Schiller-Stiftung in Weimar hat dem Bühnenschriftsteller Karl C o st a in Wien in Anerkennung seines dramatischen Schaffens, mit besonderer Rücksichtnahme auf dessen beide Volksstücke„Bruder Martin" und„Franz Schubert", ein Ehre»Honorar zugesendet.— — Im K u n st g e w e r b e- M u s e u m sind gegenwärtig Proben von künstlichem Marmor sLitolit) ausgestellt. Die in allen Farben herstellbaren, durch besondere Härte sich auszeichnenden Produkte eignen sich bei mäßigen Herstellungskosten sowohl für Fußboden- lind Wandbekleidung, wie auch für technische Zwecke ver- schicdener Art.— Eerantwortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin.— Druck und Verlag: Vorlvärts Buchdruckerei u. VerlagsanstaltPaul Singer LiCo., Berlin LVk.