Anterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 231. 20] Donnerstag, den 24. November. ( Nachdruck verboten.) Der Alte vom Berge. Roman von Grazia Deledda. buod n and 1904 Wichtigkeit bei, obgleich, wie gesagt, die betreffende Person sehr glaubwürdig ist. Aber jetzt höre wohl, was ich sage, Melchior. Ich habe Dir meine Tochter versprochen, weil ich weiß, daß Dut rechtschaffen, arbeitsam und gut bist." " " Und wohlhabend!" stieß er hervor. odd hoit Wohlhabend auch. Man lebt nicht von der Lcce auem." „ Na, Liebe!" sagte er bei sich. Und mit gekreuzten Armen, stolz aufgerichtet, blieb er stehen, um die Frau zu Ende zu hören. Sie milderte ihre Stimme, daß sie fast demütig klang, doch das milderte die Herbe ihrer Worte nicht: ..... Und ich bin bereit, mein Versprechen zu halten. Aber wenn Du... Dich nicht ganz ruhig fühlen solltest... wenn Du vielleicht... am Ende sind wir ja alle Menschen und dem Irrtum unterworfen Weib," sagte er bitter, ich bin fein Dieb!" Und wenn ich dem armen Alten nicht schon Summer genug gemacht hätte, so würde ich nach diesen Euren Reden weggehen und nie mehr einen Fuß in dieses Haus setzen." Durch andere Ursachen gereizt, behauptete Melchior ungerechterweise, daß die Schweine ihm die Weide verdürben; er forderte den benachbarten Hirten auf, seine Herde nicht mehr auf seine Tanca zu lassen. Der andere versprach dies, hielt aber nicht Wort, und als Melchior eines Tages einige Ferkel unter den Steineichen antraf, jagte er sie fort. Auf der Flucht zerstreuten sie sich und einige stürzten ab und blieben tot. Der Schweinehirt brannte vor Zorn und fing mit Melchior Streit an; sie schimpften einander, warfen sich hunderterlei eingebildete Vergehen vor, und es schien, daß es zu Tätlichkeiten kommen würde. Das unterblieb zwar, doch von jenem Tage an waren ihre nachbarlichen guten Beziehungen abgebrochen und sie boten einander nicht mehr den Gruß. Das erbitterte Melchior vollends. Jeden Sonntag ging er nach Nuoro hinab, um seine Verlobte zu besuchen, die ihm immer mehr zuwider wurde. Nach der anfänglichen, heuchlerischen Zurückhaltung zeigten Mutter und Tochter sich ihm so, wie sie wirklich waren: fückisch, Melchior bebte innerlich. Von neuem überfiel ihn die fleinlich, geizig bis zum Schmutz und voll dummen Hochmuts. instinktive Furcht vor unbekannten Gefahren, und zwischen In vier Monaten war nicht ein süßes Wörtchen zwischen den diesen beiden Frauen, die er nicht liebte und die ihm mißtrauten, beiden Verlobten gewechselt worden; die unförmig dicke Gestalt fam er sich wie von Feinden umgeben vor. Ganz im Grunde der Mutter wachte stets neben dem Herde, an dem sie saßen- indes verspürte er ein Glücksgefühl, das ihm die Bitterfeit jener Melchior verlangte aber auch gar nicht nach einem vertrauten Augenblicke wieder fühlbar machte. Gespräch. Eines Abends hingegen fand er die Alte allein vor. ,, Und sie?" fragte er, zu Boden blickend. " Sie ist ausgegangen, wird aber bald zurückkommen," erwiderte die Frau, ihn aufmerksam betrachtend. Da wir gerade allein find, will ich Dir etwas sagen." „ Was?" „ Höre, Melchior, mein Sohn. Du weißt, daß ich Schwazereien nicht leiden mag. Wenn also das, was ich Dir jetzt sagen will, eine Kleinigkeit wäre, jo hätte ich mich nicht darum gefümmert; aber es handelt sich um Ernstes. Also: eine zuverlässige und gute Person ist gekommen und hat mich gefragt: Auf Treu und Glauben, ist es wahr, daß Ihr Eure Lochter dem Melchior Carta gebt?" ,, Dem ist so!" ,, Ueberlegt wohl, was Ihr tut, denn der ist auf schlechtem Wege und es wird nicht lange dauern, so fällt er dem Gericht in die Hände. " Zum Teufel auch!" schrie Melchior, mehr erbost als erschrocken. Fängt das Spiel wieder an?" " Was meint Ihr damit?" fragte die Alte aufmerksam. " Fahrt nur fort!" „ Gut. Nachdem ich sie lange gebeten, ja beschworen, machte die Person mir einige Andeutungen. Es scheint, daß Deine Base Paska etwas ausgeplaudert hat. Du weißt, Paska ist die Magd und sie sagen... ich behaupte nicht, daß es wahr ist, Gott behiite! Nun, sie sagen, die Magd und etwas mehr bei einem Richter. Es scheint, daß man Dich denunziert hat, Du beherbergtest Banditen und man sehe mitunter gestohlenes Vieh in Deiner Tanca." Melchiors Lippen wurden weiß und zitterten; aber er sagte kein Wort. Er biß die Zähne zusammen, um vor den scharf aufmerkenden Augen der Frau seine Aufregung im Baum zu halten, " Ich wollte Dir nichts sagen, aber seit Paska weiß, daß Du mit meiner Techter verlobt bist, hört das Geschwäß nicht auf. Sie hat jogar gesagt, wenn sie mur gewollt, so hättest Du fie geheiratet, statt des Ungeheuers... Meine Tochter nennt sie ein Ungeheuer.. " Jetzt lächelten Melchiors Lippen und in seinen Augen leuchtete es. Weshalb lächelte er, wenn er an Benturedda dachte, und weshalb glänzten seine Augen, wenn er an Paska dachte? ,, Sie sagt auch, wenn sie es gewollt, so wärst Du jetzt schon verloren, daß es aber imuner noch an der Zeit sei, weil die Gerichtsbarkeit Dich schon aufs Korn genommen hätte. Nach dem allen dachte ich, daß sie vielleicht das Gerücht von den Denunziationen ausstreut, damit Deine Heirat mit meiner Tochter zu Wasser würde; darum lege ich demselben keine große ,, Du hast mich mißverstanden!" rief sie aus und suchte ihn zu begütigen, als die Tochter eintrat und die Rede auf gleichgültige Dinge fam. Baska also hatte gejagt, daß wenn sie es gewollt, er lieber ihr angehört hätte, als dieser Verlobten. Sie hatte also doch an eine Vereinigung gedacht? Sie war eifersüchtig? Alles andere verschwand für ihn: Troß, Haß, Schmerz, Drohungen, Niederträchtigkeit, alles. Es blieb nur die schmeichelnde Süßigkeit dieser Worte zurück in die sich freilich ein Verlangen nach Rache mischte. Er fühlte, daß er Paska verachtete und sie nicht mehr heiraten konnte; doch wenn er sich mit einem anderen Mädchen, mit Benturedda zum Beispiel, verband, so würde seine größte Freude die Reue und der Aerger der ehemaligen Braut sein. Ganz erregt ging er zu Zia Bisaccia und erzählte ihr alles. " Ich möchte ein paar Worte mit meiner Base wechseln," sagte er dann. Ich will wissen, was an diesem Gerede ist." Zia Bisaccia überlegte. Wenn Du mir versprichst, keine neue Torheiten zu begehen, so kann ich Dir dazu verhelfen, sie noch heute abend zu sprechen. So geht! Jene Zeiten sind vorüber," sagte er gereizt. Sie hing ihre Tunika um und ging. Der Abend sank hernieder. Melchior saß beim Feuer, das Gesicht in den Händen vergraben. An dem Abend, an dem Zio Pietro hingegangen war, für ihn um Bentureddas Hand zu werben, da hatte er nicht in so beklemmender Unruhe gewartet. Zia Bisaccia wußte, wo Paska zu finden war: sie spazierte den Korso auf und ab, mit anderen Magden und aufgeputzten Kindern, die sich über Moden unteróielten und über andere flatschten, wie große Damen. Pasfas junger Herr, immer noch fümmerlich und das blasse Gefichtchen in dem unechten Pelzfragen seines Ueberziehers vergraben, ging neben ihr her; das schwarze Hündchen mit seinem ewigen Schellengeflingel und dem blanken Halsband folgte. Die flare, winterliche Dämmerung sentte sich mit foltem Glanze über den westlichen Horizont; hinter dem Orthobene im Osten stieg der Vollmond auf und warf sein Licht auf den ziemlich belebten Korso. Mit ihrem gewohnten, festen Schritt fam Zia Bisaccia daher; die Herren und Damen und ganz besonders die Mädchen, die da umherspazierten, erweckten ihre vollste Verachtung, der sie für sich hin murrend Ausdruck verlieh. Endlich sah sie die, welche sie suchte. Finger. Sss...!" zischte sie und machte ein Zeichen mit dem Was wollt hr?" fragte Paska herankommend. „ Dich. Willst Du einen Augenblick mit mir kommen? In meinem Hause ist jemand, der Dich sprechen will." Wer?" " Dein Vetter." " Bia Caterina!" stieß Paska hervor und blickte sie halb erstaunt, halb erschrocken an. ,, Du brauchst keine Angst zu haben! Er ist in meinem Hause, das ist genug." " Dann komme ich gleich. Euretwegen!" " Jawohl meinetwegen!" erwiderte die Frau höhnisch und ging davon. Und Melchior harrte. In der Küche verdichtete sich das Dunkel, und bei dem flackernden, roten Schein der Herdflamme zitterten große Schatten an den Wänden. Noch bevor Zia Bisaccia heimkehrte, vernahm er leichte Schritte im Hofe und das leise Geklingel des Glöckchens; alsbald erschienen drei Gestalten: das Mädchen, der Knabe, der Hund. " Paska," sagte Melchior aufspringend, weshalb hast Du den jungen Herrn mitgebracht?" Der junge Herr riß seine Augen auf und horchte gespannt auf. Pasta bedeutete Melchior, vorsichtig zu sein und entgegnete: " „ Er wollte mit mir kommen, Zia Caterina wollte mich gern sprechen. Wo ist sie?" Sie ist noch nicht zurück; Ihr seid wahrscheinlich schneller gegangen als sie." ,, Wahrscheinlich. Seze Dich hierhin, Efes." Paska ließ den Knaben auf einem plumpen Stuhl niedersitzen und setzte sich auf einem Schemel in das volle Licht. Das Hündchen lief in der Küche umher und beschnupperte alles. Melchior stand aufrecht vor dem Herd und sah gierig auf seine Base; er beherrschte sie mit einem Blick, in dem hundert verschiedene Leidenschaften flammten. Er begriff, daß Paska den Knaben zu ihrem Schuße mitgebracht hatte; ohne dessen verhaßte Anwesenheit würde er wahrscheinlich wieder über seine Base hergefallen sein und seinen gerechten Zorn an ihr ausgelassen haben Wenn er dann aber ihren frischen, roten Mund vor sich sah, dessen kindlicher Ausdruck das ganze Gesicht so anmutig und jugendlich erscheinen ließ, dann gedachte er mit innerem Beben, mit sehnsüchtiger Zärtlichkeit, mit tollem Verlangen der Küsse, die er mit dem rosigen, warmen Munde ausgetauscht, der ihm jetzt so nahe war und doch so fern! Weshalb fern? Ach, wenn sie allein gewesen wären, 10 hätte er Pasta gepackt aber statt sie zu schlagen, hätte er sie gefüßt im rasenden Ausbruch seiner ganzen Leidenschaft, jeines Schmerzes, seines so lange unterdrückten Zornes. Aber jener Junge! Zum Teufel jener Junge mit den Händchen in den Taschen, der ihn immer mit dem gleichen starren und mißtrauischen Blick betrachtete; zum Teufel auch der Hund! Er hätte sie gegen die Wand schleudern mögen. Ist das der Sohn Deines Herrn?" " Ja," erwiderte fie lachend und begegnete mutig dem Blick, der sie verschlang. Warum lachst Du?" ,, Weil ich Lust habe." „ Kleiner," fragte er dann den Knaben, ist es wahr, daß die da Dein Pferd ist und daß Du sie peitschest?" " Das ist nicht wahr," entgegnete das dünne Stimmchen entschlossen. Melchior empfand eine wohltuende Erleichterung, Paska aber fühlte sich beleidigt und sprang auf. " Ich bin nicht hierher gekommen, um mich beschimpfen zu lassen! Ich gehe... Komm, Efes.. Zum Glück trat eben Zia Bisaccia ein und hielt sie zurück. Sie steckte eine Lampe an und sagte zu dem Knaben: Komm, Kleiner, Tante gibt Dir etwas Gutes." Efisio blickte auf Paska. ,, Geh nur, wenn Du magst," sagte diese, durch die Anwesenheit der Frau beruhigt. Zia Bisaccia führte den Knaben in eine Kammer, die einen sonderbaren Geruch an sich hatte und ihm überaus geheimnisvoll vorfam: ein mächtiges, viereckiges Bett überragte ein Himmel aus gelbem Zeug; an den Wänden hingen große und kleine Körbe mit Asphodill; schwarze geschnitte Truhen standen auf plumpen Füßen die Wände entlang. Von der Decke hingen kleine gelbe Käse herab, Weintrauben, Birnen und Quitten. Die beklommene Verwunderung des Knaben schwand, als die Frau den Deckel einer Truhe in die Höhe hob und er große Kränze aus getrockneten Feigen erblickte, prächtige Rosinen und einen ganzen Topf voll goldgelben Honig. Bon all diesen guten Dingen durfte er kosten. wolle. Als sie allein waren, fragte Paska, was Melchior von ihr Ja, was wollte er? Fast hatte er's vergessen. Es ist spät," sagte sie hinausblickend, beeile Dich, meine Herrschaft wartet auf mich." Herr?" Dein Herr wartet auf Dich? Sagt er Dir alles, dieser " Hol' Dich der Teufel! Fängst Du wieder davon an? Bin ich deshalb hierhergekommen?" " Ja, deshalb!" sagte er und faßte sie beim Arm.„ Ist es wahr, daß Du das und das und das gesagt hast?" Er hielt ihr alles vor. Ist es wahr oder nicht? Sprich jetzt, sofort, sonst werde ich Dir einmal zeigen, wer ich bin! Ich habe es jetzt fatt! Du willst mich verderben " Ich bin es nicht, die Dich denunziert hat!" entfuhr es ihr. „ Es ist also wahr? Rede, Du Teufelsmädchen! Wer sagt Dir diese Dinge?" Er pacte auch ihren anderen Arm und schüttelte sie. Ganz ruhig ließ sie es geschehen. " Niemand sagt es mir. Ich fühle es. Ich will Dich gar nicht verderben. Was liegt mir an Dir? Ich habe es nur gesagt, weil ich jenes tückische, falsche Ungeheuer nicht ausstehen kann Kopf. 11 ,, Und warum nicht?" Sie wußte nichts zu erwidern; aber bewegt neigte sie den ,, Warum kannst Du sie nicht ausstehen...? Wenn Dir doch nichts an mir liegt. Warum? Keine Antwort. Er dachte gar nicht mehr an das, weshalb er sie hatte kommen lassen; auch nicht an seine Gefahr; er fragte nicht mehr, was sie von den Anklagen wisse, die ihn bedrohten. Nur das letzte Warum hatte Bedeutung für ihn alles übrige war nichts. Auch an seinen Vater dachte er nicht. Einen Augenblick noch wartete er gespannt; dann fragte er mit veränderter Stimme: zu ,, Hast Du keine Angst vor mir?" " Weshalb sollte ich?" " Ich kann Dich töten." „ Töte mich. Er verspürte wirklich ein bertangen, sie zu töten, sich selbst töten. " Und weshalb hattest Du einmal Angst vor mir?" ,, Damals mochte ich nicht sterben." ,, Und jetzt möchtest Du's?" " " 1 sa." Warum?" Weil ich unglücklich bin." Warum unglücklich?" Weil die Welt voll von Lügen, Verleumdungen und Gemeinheiten ist." Diese Worte genügten ihm, zu glauben, daß auch alles über sie Gesagte Lüge und Verleumdung gewesen. " Pasta," sagte er und hob ihren Kopf zu sich empor,..ist das auch Verleumdung, daß Du mit meinem Hirten liebelſt?" Armer Junge!" sagte sie, doch ohne in die Augen zu fehen, die sie wie toll anblidten. " Armer Junge!" wiederholte er für sich. mich an!" Sie sah ihn an. -„ Sieh " Paska!" rief er wie in Verzückung und drückte sie bebend, wild an seine Brust, hob sie in seinen Armen empor und preßte seine Lippen auf die ihren. Trotz ihrer Schlauheit merkte die wieder eintretende Zia Bisaccia nicht, welches Unheil sie ihrer Nichte zugefügt. Efisio hielt einen kleinen Kranz getrockneter Feigen in der Hand. Paska legte ihm den Pelz um den dünnen Hals und 30g ihn mit sich. Kaum waren sie draußen, so fragte er: ,, Wann kommen wir wieder her?" " Bald, wenn Du stillschweigst. Das hast Du mir ja versprochen." Sie beeilte ihren Schritt, weil sie Felig, Zia Bisaccias Sohn, sah, der betrunken nach Hause fam. Melchior dachte endlich an Zio Pietro, der mit Unruhe auf ihn warten mußte, und sagte zu Zia Bisaccia: „ Es scheint, daß die Sache wahr ist und sogar sehr ernst. Es sind Leute, die mir übelwollen. Ich weiß nicht, was das für ein Ende nehmen wird. Ich bin zwar ganz ruhig, denn ich habe ein reines Gewissen; auf jeden Fall aber muß ich vorfichtig sein und werde deshalb sobald nicht wieder in die Stadt kommen. Sagt also in Eurer Schwester Haus, daß sie mich fürs erste nicht erwarten sollen." Rede!" drängte Zia Bisaccia auf ihn ein und packte ihn am Mantel. 〃 ,, Was ist das mit den nominen Briefen? Was hat der Fraz gesagt? Ob es auch wahr ist?" Wenn Ihr nicht glaubt, warum ließt Ihr sie denn meisten nicht flar. In der Tat bezeichnen wir und darauf kann tommen?" sagte er rauh. ,, Du wolltest es ja!" " Still! Da kommt Euer Sohn nach Hause, und nicht allein, wie es scheint..." Felix trat schwankend ein; die Augen fielen ihm fast zu. Ich lasse Euch in angenehmer Gesellschaft," sagte Melchior und machte sich fort, während Zia Bisaccia sich umdrehte und den Trunkenen von Kopf bis zu Fuß betrachtete. Melchior hörte noch das Geschrei, mit dem die Mutter den Sohn empfing und dachte bei sich: Mag sie doch den ihrer Nichte geben! Er war zu Fuß herabgekommen und trat ebenso den Heimweg an. Der hochstehende Vollmond warf ein schneeiges Licht über die niedrigen Moosdächer und grasbewachsenen Gassen; die Bäume und Sträucher in den Gärtchen und Höfchen bei Sant' Ussula streckten ihr fahles Geäst vor dem klaren, blauen Himmel; rauher Gesang trunkener Zecher erscholl in der Ferne. ( Fortsetzung folgt.) Kleines feuilleton. e. w. Wohltätigkeit. Vor einigen Jahren hatte ich bei meinen morgendlichen Wanderungen durch die Straßen der Stadt Gelegen= heit, Zeuge eines Vorganges zu sein, der sich meinem Gedächtnisse für immer fest eingeprägt hat. Als ich mich auf dem Gendarmenmarkte befand, ging ein Mann in reinlicher Arbeiterkleidung, in grauem Jackett und aufgekrempelter Hose, rüstigen Schrittes eine fleine Strecke vor mir her. Augenscheinlich war er auf dem Wege nach seiner Arbeitsstelle. An der Bedürfnisanstalt, die sich an der Ecke der Charlotten- und Französischenstraße befindet, wendet er sich plötzlich links, geht auf einen dort ruhig stehenden Mann in Arbeiterkleidung zu, faßt, ohne ein Wort zu sagen, in die Seitentasche seines Jacketts und reicht ihm die von Muttern in Zeitungspapier eingewickelten Stullen. Mechanisch streckt der andere die Hand aus, ergreift das fleine Paket und sieht dem ohne Aufenthalt Weitergehenden in stummer und gleichsam erstarrter Haltung nach. Denn genau so wie er die Stullen mit der ausgestreckten Hand genommen hatte, blieb er stehen, offenbar von der unerwarteten Wohltat aufs höchste überrascht. " Aha," dacht ich,„ arbeitslos, aber das hättest du dem Manne nicht angesehen." Denn aus der Kleidung und dem Schuhzeug, die sauber und ganz waren, konnte man das nicht schließen, auch nicht daraus, daß er zufällig müßig an der Straßenecke stand. Und doch mußte der unbekannte Wohltäter aus den Mienen und der ganzen Haltung des Dastehenden mit Sicherheit wahrgenommer haben, daß es so war. Vielleicht schärfen das Gefühl der Zusammengehörigkeit und Standesgenossenschaft, auch wohl die eigenen bitteren Erfahrungen den Blick für die Not des darbenden Bruders. Wie dem auch sei, zerbrechen wir uns den Kopf nicht darüber, sondern würdigen wir bor allem die Größe und die Art der Gabe. Wahrscheinlich hat der Brave, ohne darum gebeten worden zu sein, alles, was er hatte, weggegeben, in dem Bewußtsein, daß er, da er doch noch sein Mittagbrot vor sich habe, auch einmal des leidenden Bruders wegen sein Frühstück ausseßen könne. Und wie gibt er? Er gibt ohne Kränkung, er fragt nicht, wer der Notleidende ist, ob er auch der Wohltat würdig ist, er wartet nicht den Dank ab, schimpft nicht, wenn ihm mit dem Munde keine Dankesworte gesagt werden, sondern geht ruhig seines Weges, in dem Bewußtsein, als Mensch mehr als seine Pflicht getan zu haben. Und gern gibt er denn wäre es nicht so, so würde er nicht das einzige geben, was er mit sich führt und was er sich selbst so schwer durch seiner Hände Arbeit verdienen muß. gar nicht eindringlich genug hingewiesen werden die Vorgänge und Erscheinungen als selbstverständlich, die wir von Kindesbeinen an wahrzunehmen gewöhnt sind, jene aber als wunderbar, die wir zum ersten Male wahrnehmen. Es jei erinnert an die Entdeckung der Röntgenstrahlen. Ein ungeheures Erstaunen durchlief die ganze Menschheit; Strahien, die durch Papier, Holz, Leder usw. hindurch gehen! Unglaublich! Unfaßbar! Wunderbar! Daß aber die gewöhnlichen Strahlen durch Glas, Gelatine, hunderterlei Kristalle hindurchgehen nein, das ist nicht wunderbar; das ist ja ganz selbstverständlich! Und worin liegt, wenn wir genauer zusehen, der ganze Unterschied zwischen beiden Erscheinungen? Doch nur daran, daß wir an die eine gewöhnt sind, an die andere nicht. Erklärt ist von einem neugeborenen Kinde würden alle im gewöhnlichen Sinne die eine so wenig wie die andere. Stellen wir uns einmal vor, des Wortes durchsichtigen, festen Störper sorgfältig ferngehalten! Dann würde sich in der Vorstellung des zum Bewußtsein erwachsenden Kindes der Begriff der Festigkeit mit dem der Undurchsichtig= feit so fest verbinden, daß ihm die eine Eigenschaft als durch die andere bedingt erscheinen würde. Wenn nun jemand dem Erwachsenen ein Stück gewöh:.lichen Glases zeigen würde, so wäre sein Erstaunen über den festen Körper, der für Lichtstrahlen durchlässig ist, sicherlich ein unbegrenztes. Kaum geringer ist das Erstaunen des Schülers, der in der Themiestunde zum ersten Mole farbige Gase sieht; durch seine bisherigen Erfahrungen hatte sich eben der Begriff der Luftförmigkeit mit dem der Unsichtbarkeit fest verbunden. Nichts in der Natur ist eben wunderbarer als etwas anderes! Theater. Deutsches Theater. Maskerade. Schauspiel in vier Aufzügen von Ludwig Fulda. Das neue Stück von Fulda hatte einen starten, unbestrittenen Erfolg beim Publikum. Der erste Aft freilich schillerte bedenklich in ein gewisses Gartenlauben- Romangenre hinüber so viel Verzwicktheit in der Situation, so viel Edelmut und so viel schönes" Echriftdeutsch gab es da. Hätte Fulda etwa versucht den Hauptaccent des Dramas auf die psychologische Entwickelung zu legen, so wäre, nach der Probe dieser Einführung zu schließen, wenig Erfreuliches herausgekommen. Aber der sentimentale Auftact leitet zu einer drastisch amüsanten amüsanten Gesellschaftsfatire hinüber, die mit ungewöhnlichem Theatergeschick auf den im ersten Att skizzierten Voraussetzungen sich aufbaut. Gewiß, ein gut Teil der Satire auf die Maskerade der Heuchelei war nicht gerade neu, vieles, der Form nach wenigstens, stark übertrieben, und doch hielt sie durch einen frischen Zug in Atem. Man konnte an die Art Brieur erinnert werden, aber nirgends außer in der„ Roten Robe" ist es wohl dem Franzosen gelungen, zu seinen moralisierend- satirischen Tendenzen eine so rasch und sicher fortschreitende, so pointierte Handlung zu erfinden. Die plößliche Verwandlung der armen Geliebten in einen heiratswürdigen Goldfisch hat Fulda ohne sonderlichen Zwang geradezu epigrammatisch auszunuzen verstanden. Der Ein reicher Diplomat, der die Geliebte mit dem Kind verlassen, um eine Standesehe einzugehen, kehrt als Witwer reuig in die Heimat zurück, um an der Tochter seine Schuld so weit als möglich gut zu machen. Voller Stolz weist Gerda ihn zuerst zurück. Als er bittet, ihm zu gestatten, daß er sie durch Adoption legitimiere, bekennt sie offen ihr Verhältnis zu einem jungen vornehmen Mann. Sie sei nicht mehr die unberührte, die sie scheine. Freiherr hält sein Anerbieten aufrecht. Er kennt den Vater des Assessors und will den Bund, was ihr der schönste Traum war, durch eine Ehe festigen. Die Eltern follen fie fennen lernen, sie würden, wenn sie erfahren, daß Gerda seinen Namen trägt und seine Güter erbt, den Widerstand schon fahren laffen. Der zweite Aft spielt in dem Hause von Geheimrats. Der Alte, ein Karrierenstreber und Schürzenjäger, der seine Eskapaden hinter einer ehernen Maske der Scheinheiligkeit verbirgt und mit seiner eigens dazu dressierten armen Frau bor Fremden meisterhaft die Komödie glücklichen Familienlebens spielt, fühlt Hiermit vergleiche man die widerwillige bürgerliche und offi- fich durch den Besuch des Freiherrn, des ehemaligen zielle Wohltätigkeit, wie sie sich bald wieder beim Herannahen des Universitätskameraden, hochgeehrt. Exzellenz läßt einige Worte Winters breit machen wird. Man geht ins Konzert, in den Bazar, über seine Tochter fallen, die den jungen Herrn bereits kennen ge auf den Ball, veranstaltet eine Verlosung, um dem unangenehmen lernt, und ladet die Schellhorns dringend zu sich ein. Triumphierend Geschäft wenigstens eine kleine Würze zu geben. Außerdem merkt beglückwünscht der Geheimrat seinen Sohn. Kein Zweifel, irgendwo man es so am wenigsten. Denn es ist sehr schmerzlich, von dem auf einer Gesellschaft, wenn er sich darauf auch nicht befinne, muß das ganze Jahr hindurch mühsam zusammengestohlenen Gewinn auch der Schlingel mit dieser Baroneß zusammengetroffen sein und Einnur den kleinsten Teil abgeben zu müssen. Dafür könnte man sich brud auf ihr Herz gemacht haben. Ihretwegen sei Erzellenz ge lieber eine bunte Schleife oder eine neue Hutfeder zulegen. Und kommen! Nun gilt es unbedenklich zuzufaffen und die glänzende dazu bekommen es gewöhnlich nur Unwürdige: die Leute haben es ja Partie zu sichern. Schellhorn jun. spricht von Gerda; das Mädchen gar nicht verdient, sie sind ja selbst schuld an ihrer schlimmen liebe ihn aus boller Seele, er könne da nicht los. Lage." bißchen Pathos, dann bor dem grinsenden Zynismus Zynismus und den Drohungen des Vaters ein feiges sich Ducken und Zusammenlappen. Nicht einmal einen Aufschub billigt der würdige Erzenger dem würdigen Sprößling zu, gleich morgen, vor dem Besuch bei seiner Erzellenz, soll der Abschiedsbrief geschrieben werden. So kommt der schlagende, satirische Kontrast heraus, daß dasselbe Mädchen in feiner Doppelrolle im gleichen Augenblick von einem und demselben Mann verstoßen und umworben wird. ,, Selbstverständliche" Erscheinungen. In einem gedankenreichen Vortrag hat Dr. F. Meisel die Forderungen umschrieben, welche Naturwissenschaft und Technik an den Schulunterricht stellen. Wir wollen daraus, schreibt die„ Technische Rundschau", nur die entschiedene Betonung der ungerechten Wertung herausheben, die wir auf die mannigfachen Beobachtungen der Naturerscheinungen anzuwenden pflegen, je nachdem sie uns vertraut oder neu sind. Wir halten der Fall eines nichtbefestigten Körpers, der schwerer als die Luft ist, für selbstverständlich", weil er ja von der Erde angezogen" wird. Daß diese Anziehung" aber leine Erklärung, sondern nur ein Wort zur Bezeichnung der Tatsache des Fallens ist, wird den " Ein Die alten Herrschaften erscheinen in der Freiherrlichen Wohnung und fündigen das Konumen ihres Sohnes an. Sie überbieten sich in Lobpreisungen auf das hübsche Fräulein Tochter. Da wird Gerda herausgerufen, die Zimmerwirtin bringt ihr den vom Hause Edmunds eben eingetroffenen Brief. In wilder Empörung stürzt sie zurück in Waldungen des östlichen Schleswig- Holsteins gefunden, selten vera die Gesellschaft und schreit den glatten Heuchlern die Wahrheit ins irrt er sich nach dem Mittelrücken. ( Nerthus".). Gesicht Die Aufführung bot keine besonders hervorragende EinzelLeiftung, aber ein wohldurchgebildetes und flottes Ensemble. Medizinisches. dt. Technisches. Schellhorn sen. und jun. Haben Kriegsrat gehalten und schreiten, um die Partie zu retten, den Skandal zu dämpfen, zu einem letzten bu. Der Schlid'sche Schiffskreisel. Zu den unt Angriff. Aber Gerda bleibt standhaft. Als Edmund nochmals die angenehmsten Beigaben einer Sercise gehört bekanntlich di Sees Tiefe seiner Liebe zu beteuern wagt, jagt sie ihn mit der Drohung, krankheit. Hervorgerufen wird sie durch die Schwankungeit des daß sie des Freiherrn Namen und Geld nicht annehme, in schmähliche Schiffes, die auch dem größten und modernsten Ozeandampfer bei Flucht. Aber den Water wird sie nicht verlassen. Seine freie Güte hohem Seegang durch die Bewegungen der Wellen aufgezwungen tröstet sie und weckt in der Enttäuschten das tief verborgene werden. Am lästigsten für die Passagiere, auch für die Glücklichen Gefühl findlicher Liebe. Eine Reihe satirischer Episoden ergänzt das unter ihnen, die von der Seekrankheit verschont bleiben, sind die Bild. Vorzüglich ist des Freiherrn Bruder, der ängstliche Minister, fogenannten Rollbetvegungen des Schiffes; das sind die Pendelungen der nirgends, nicht einmal im eigenen Hause Macht befigt, ab- des Schiffsrumpfes um seine Längsachse. Das Bestreben der Schiffs fonterfeit. bauer ist daher schon von jeher darauf gerichtet gewesen, diese Bende lungen durch allerlei Vorkehrungen zu mildern und abzudämpfen. Als wirksamistes Mittel hierfür erwies sich bis jetzt das Anbringen von Rollfielen. Die Rollfiele bestehen aus zwei hervorspringenden Längsrippen an der Unterseite des Schiffsrumpfes, und ihre Wirkung beruht darin, daß sie bei der Pendelung des Schiffsrumpfes im Wasser starke Reibung hervorrufen, wodurch die Bewegungsenergie Verfahren zur Abdämpfung der Rollbewegung hat in jüngster Zeit des pendelnden Schiffes vernichtet wird. Ein ganz originelles D. Schlick, der Erfinder des nach ihm benannten Ausgleichsverfahrens der Rollbewegung einen im Schiffsinnern rotierenden, in einem für Schiffsmaschinen, ersonnen. Schlick will zur Verminderung Rahmen drehbar aufgehängten schweren Kreisel verwenden. Der Kreisel besteht aus einem schweren Schwungrad aus Stahl, das um eine senkrecht stehende Achse mit großer Geschwindigkeit rotiert, an getrieben durch einen Elektromotor. Schwungrad und Motor find Querrichtung des Schiffes liegenden Achse schwingen kann. Fängt das an cinem straffen Rahmen befestigt, der um eine horizontale, in der Schiff nun an zu rollen, so antwortet nach den Gesetzen der Kreifelbewegung des Rahmen mit dem rotierenden Schwungrad sofort durch Diese Pendelungen des starke Pendelungen um die Querachse. Rahmens werden durch Bremsvorrichtungen abgebremst und dadurch vird auch die Bewegungsenergie des rollenden Schiffes vernichtet. Die Rollbewegung stirbt also dann sehr schnell ab. Ob sich die Cinrichtung in der Praxis bewähren wird, soll demnächst durch ein Versuchsschiff festgestellt werden. Theoretische Untersuchungen, die von Professor Föppl sehr eingehend durchgeführt wurden, geben die besten Hoffnungen auf einen guten Erfolg. ie. Ein genähtes Herz. Die Operation des Herzmuskels, der so lange als ein Rührmichnichtan gegolten hat, wird jetzt immer häufiger. Der„ Lancet" bringt wieder eine Beschreibung einer solchen seitens eines Arztes, des Dr. Somerville. Dieser wurde zu einem Kranken gerufen, der in einem öffentlichen Lesesaal einen Selbstmordversuch gemacht hatte, indem er sich ein Taschenmesser ins Herz stieß. Er gab selbst an, da er plötzlich beim Lesen einer Zeitung den unwiderstehlichen Trieb empfunden hätte, sich das Leben zu nehmen. Er öffnete die Weste und fühlte nach seinem Herzschlag, dann nahm er sein Messer, öffnete die große Klinge, befestigte das Messer am Griff des Zeitungshalters und stieß es sich dann mit ganzer Kraft in die Brust. Er ließ das Messer in dieser Stellung etwa eine halbe Minute, während er in Schweiß ausbrach und gleichsam eine warme Welle über seinen ganzen Körper gehen fühlte. Ueberrascht und unbefriedigt, daß er noch am Leben wäre, zog er das Messer heraus und stieß es dicht über der ersten Wunde nochmals hinein. Jetzt fühlte er, wie es bei jedem Herzschlag auf und nieder ging. Auch diesmal konnte er nicht ganz gut getroffen haben, er drehte daher das Messer noch zweimal in der Wunde herum. In diesem Augenblick wurde er überrascht und in Gewahrsam genommen. Der Arzt sah in fünf Minuten nach der Berlegung und fand ihn blaß und sehr schwach. In weniger als einer Stunde wurde die Operation begonnen, und es stellte sich Heraus, daß das Herz in seinen äußeren Teilen verletzt war und stark blutete. Schon während die Wunde vernäht wurde, zeigte sich eine Besserung der Herztätigkeit. Die Operation dauerte im ganzen Dreiviertel Stunden und das Allgemeinbefinden des Kranken war sehr schlecht, zumal er keine Nahrung annehmen wollte, weil er -" Jost Seyfried", ein neuer Roman von Cäsar sonderbarerweise nunmehr Furcht davor hatte, vergiftet zu werden. Während die Wunde sichtlich gute Fortschritte in der Heilung machte,& laischlen, erscheint Anfang Dezember im Verlage von Egon wurde der geistige Zustand des Kranken immer schlechter. Er litt leischel u. Co. in Berlin. are Sinnestäuschungen und an Schlaflosigkeit, und nur zuweilen - Sven Lunges Drama„ Die stillen Stuben" ist Die Eysoldt war ihm etwas Nahrung beizubringen. Fünfzehn Tage nach der die nächste Neuheit des Kleinen Theaters. Operation wurde es deshalb für nötig befunden, ihn in ein Frren- spielt die weibliche Hauptrolle. haus zur weiteren Behandlung überzuführen. Die Herztätigkeit war Wolzogen hat für die Zeit vom 1. tai bis 15. August damals bereits wieder ganz regelmäßig geworden, und der Puls fommenden Jahres das Thalia Theater gepachtet. Cr zeigte nur achtzig Schläge in der Minute. Etwa zwei Wochen will hier das Deutsche Singspiel" pflegen. darauf durfte der Patient aufstehen. und wenig später konnte er Eine neue Oper von Mascagni, als völlig geheilt entlassen werden, wenigstens was den Zustand März in Montecarlo die Uraufführung erleben. feiner. Verwundung betraf. Sein geistiger Zustand schien weitaus In London wurd. das Bühnenwert einer Schriftdas bedenklichste in seinem Befinden zu sein, wie ja auch die eigen- stellerin bei der ersten Vorstellung ausgepfiffen. Dichterin tümliche Geschichte des Selbstmordversuchs deutlich bewies. und Direktorin geben nun eine Freivorstellung, um die " richtige" Meinung des Publikums zu erfahren. no Aus dem Tierleben. Die Storch kolonie in der Treeneniederung ( Schleswig- Holstein). Stürzlich wurde berichtet, daß in dem Dorfe Seeth bei Friedrichstadt an der Eider noch etwa 200 Storchnester zu finden wären und daß die Zahl der Störche nicht abnehme. Dies entspricht nicht den Tatsachen. Die Zahl der Störche ist in den lezten Jahrzehnten hier wie in den Niederungen der Eider und Treene überhaupt, ständig zurückgegangen, und in dem Dorfe Seeth findet man in diesem Jahre höchstens noch 80 Nester, während im borigen Jahre noch 100 gezählt wurden. Der Rückgang der Zahl der Störche mag einesteils darin begründet sein, daß man bei der Erbauung der ländlichen Gebäude mehr von der weichen zur harten Bedachung übergeht und so dem Storche die Niftgelegenheit raubt, andernieils darin, daß auch der Landwirt den Storch feineswegs mehr zu den nüßlichen Vögeln rechnet. Der Storch tut in der Jagd großen Schaden und vernichtet die Eier und die Jungen zahlreicher nützlicher Singvögel, die an der Erde nisten. Immerhin rechnet man die Zahl der Störche in Stapelholm einschließlich der Jungen im Herbst auf 1000. In diesem Jahre dürfte die Zahl. der Nester also in Seeth gegen 80, in Hollingstedt an der Treene gegen 40, in Bergenhusen gegen 20, in Wohlde gegen 15, in Norderstapel gegen 20 sein. Eine geringere Zahl von Nestern findet sich in Meggerdorf. Süderstapel, Drage, Tielen, Erfde und Friedrichstadt. In Seeth befinden sich einige Nester auf den Bäumen, welche die Wohnstellen umgeben. Außer dem Dorfe Seeth waren früher in Holstein die Dörfer Wede, Steinbek usw. in einzelnen Gemeinden an er Landstraße zwischen Segeberg und Lübeck wahre Storchfol 1. Der schwarze Storch wird nur ganz selten in den Verantwortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin.- Drud und Verlag: Notizen. Mica", wird im Gagen. Ein Berliner Variété bot der Hansi Niese für ein Gastspiel von einem Monat ein Honorir von 30 000 M.Der Münchener Kammerfänger Se no te hat eine Gastspielreise nach Amerifa angetreten. Sein viermonatliches Gastspiel wird ihm rund 150 000 M. einbringen. - Preisausschreiben. Zur Erlangung von Fassadenentwürfen zu einem neuen Aufnahmsgebäude im Bahnhof Karlsruhe wird unter den in Deutschland anfässigen deutschen Architekten ein Wettbewerb eröffnet. Die Preise betragen 5000, 3000 und 1500 M. Der Ankauf von weiteren Entwürfen zum Preise von je 800 m. wird vorbehalten. Ablieferungstermin: 1. März 1905. Adresse: Generaldirektion der badischen Staatseisenbahnen in Karlsruhe. en. Ein sonderbarer Patient war der Gegenstand einer Mitteilung zweier Aerzte an die ärztliche Gesellschaft der Krankenhäuser in Paris. Es handelte sich um einen Kranken, der auf seine besondere Bitte nicht weniger als dreimal einer schweren Operation, die eine Deffnung des Leibes bedingte, unterworfen worden war. Wegen heftiger Schmerzen und Störimgen des Allgemeinbefindens hielt er sich überzeugt, daß er von einer tuberkulösen Bauchfellentzündung ergriffen wäre, und wurde daraufhin 1896, 1898 und 1901 operiert. Der Mann erwies sich aber als geradezu unerfättlich in seinen Ansprüchen und verlangte jetzt vor kurzem die vierte Operation. Diesmal aber widersetzten sich die Chirurgen, nachdem sie jedesmal festgestellt hatten, daß die Klagen des Patienten unberechtigt und wahrscheinlich nur die Folge einer eigentüml.chen hysterischen Vers anlagung waren. 750000 Rebhühner sollen jährlich in Deutschland an Telegraphendrähten zugrunde gehen. Vorwärts Buchdruckerei u.Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.