Ur. 264. Adomttintnts-KedingANgra: KbonnemenlS-Preii pränumerando: vierleljahrr 3.Z0 Mü, monatl. l.lvMk.. wöchentlich 28 Pfg. frei in? HauZ. Einzelne Nummer 5 Pfg. Eonnlagi- Nummer mit«lluflrterier Sonntag«. Beilage„Die Neue Welt" lv Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen tn der Post- Zeitung«. PreiZliste für 1899 unter Dr. 7020k Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich allster Montag«. Vevlinev VolksblAtt. 16» Jahrg. Di« Ansertions-Glbühr beträgt für die sechsgespallene Kolonel. zeile oder deren Raum«0 Pfg., für palttif che und gewerif chaftliche Vereins- und Versammlung«-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anseigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wart fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis ä Uhr nachmittag« tn derExpedition abgegeben werden. Tie Erpcdttion ist an Wochen- tagen dt« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bt» 8 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Nmt l, Nr. 1503, Telegramm- Adresse: „VorialdemoKral Berlin" Centraiorgan der sociatdemokratischen Kartei Deutschlands. Redaktivn: 19, Beutlz-Straste 2. Freitag, den 10. November 1899. Expedition: SW. 19, Beutlz-Strafze 3. Eine Handwerker-Jdylle im Osten. Im Nachstchenden Ueröffeutlichen wir eiucu BeNrag zwischen der Gntsverivaltuug eines der großen Gutskomplcxe in der Provinz Poscu luid einem Hciudlverker iSchmiedemeister), der als sogenannter selbständiger Handwerker sich zur Unterzeichnung eines Vertrages bcrbeilasien mußte, dessen Bestimmungen den Mann zum Sklaven der Herrschaft machen, ein Zeichen für den Rultnrgrad des deutschen Ostens. Der Leser urteile selbst!| Zwischen der Gutsverwaltung Gl. und dem Schmiedemeistcr ,)-r. ails S. wird heute nachstehender Kontrakt verabredet und be- schlössen: Der Schmiedemeister Fr. übernimmt vom lt. November 1893 ab die hiesige Schmiede und verpflichtet sich mit seinem Burschen, welcher mindestens zwei Jahre bereits in der S ch in i e d e g e a r b e i t e t h a b e n muß, alle Schmiedearbeiten für Gl. nebst dazu gehörigen Vororten pünktlich und gut auszuführen. Sollte Fr. die ihm übertragenen Arbeiten nicht l.9)|J|sen können, s" m u ß derselbe sich auf eigene Kosten einen Gehilfen so lange halten, bis' die Arbeit geschafft ist. Nimmt Fr. in diesem Falle keinen Gesellen und schafft die Arbeit nicht, so hat die Gutsverwaltung das Recht, die nicht recht- zeitig und nicht gut abgelieferten Arbeiten auf seine Kosten ander- weitig ausführen zu lassen. Im Winter muß der Schmied mit seinem Burschen slj von 6 Uhr morgens an und abends so lange arbeiten, wie die Gutsverwaltung es verlangt, und im Sommer von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, sobald es verlangt wird, auch früher oder später. Gleichfalls muß Fr. auch an Sonn- und Festtagen, wenn es verlangt wird. Pferde beschlagen und andere nötige Arbeiten ausführen. Nach Feierabend hat Fr. die Schmiede gehörig zu verschließen und den Schlüssel in der Wohnung des Wirtschaftshauses täglich ab- zugeben. BeiErfüllung der zuständigenObliegenheiten (worüber zu entscheiden Sache der GutsvcNvaltuug bezichungsiveise der Herrschaft ist. D. V.) erhält Fr. für sich'und den Burschen jährlich: 240 M. bar. 1 jEinen) Scheffel Weizen. 82(Zweiunddreißig) Scheffel Roggen. SV»(Sechsundeinhalb) Scheffel Gerste. SV»(Sechsundeinhalb) Scheffel Erbsen. 4V»(Vierundeinhalb) Scheffel Hafer. 13(Achtzehn) Liter Salz. 80(Dreißig) Centner Kohlen. 4(Vier) Meter Holz. 90(Neunzig) Scheffel Kartoffeln, wie sie vom Felde kommen, V,(Einhalb) Morgen Gartenland, für zwei Kühe freie Weide und Futter im Deputantenstalle. Fr. arbeitet in der Schmiede mit herrschaftlichem Handivcrkszeug, soweit eS drängt, sonst mit seinem eignen, und ist v er- Pflichtet, bei seinem Abgange das' herrschaftliche Ha n d Werkszeugin gutem undbrauchbaremZustand zurückzulass-n. Das Handwerkszeug wird ihm laut Inventar- Verzeichnis übergeben. Abgaben zahlt Fr. selbst. Für die Umzugsfuhren hat Fr. bei etwaigem Abzüge in 1. Jahre per Fuhre S M., im 2. Jahre per Fuhre 8 M. zu zahlen und im 3. Jahre wohnt er sich frei. 0 Sämtliche Wasserleitungen Ivie Pumpen uslv. wenn sie entzwei und Reparatur bedürftig sind, ist Fr. verpflichtet, unentgeltlich zu reparieren und für Gutsleute sowie Fremde ohne Er- kaubnis der Gutsverwaltung nichts zu niachen. Trunkenheit, Unehrlichkeit oder dergleichen heben diesen Kontrakt sofort auf und behält sich die Gutsverwaltung das Recht vor, ohne jedwede Einmischung des Gerichts den Fr. aus der Wohnung zu setzen. Vorstehender Kontrakt ist in zwei gleichlautenden Exemplaren ausgefertigt, vorgelesen, genehmigt und unterschrieben. Gl., den 4. Juli 1898. (Folgen die Unterschriften.) Dieser Vertrag, den der ostelbische Schmiedemeister hier ab- geschlossen, ist ein Löwenvertrag, bei dem er alle Pflichten und die Gutsherrschaft fast alle Rechte hat. Es ist ein Vertrag, der in einem Kulturstaate als ein Vertrag wider die guten Sitten und deshalb als ungültig angesehen werden müßte. Der vertrag- schließende Schmiedemeister rangiert auf Grund der Gciverbezählung unter die„selbständigen Existenzen" und als nomineller Besitzer eines Stückes Garteuland als Inhaber eines landwirtschaftlichen Betriebes. Seiner socialen Stellung nach aber ist er in einem Zu- stände der Abhängigkeit, des socialen Druckes und der Verelendung, daß kein großstädtischer Fabrikarbeiter mit ihm tauschen würde. Dieser Vertrag, der sicherlich nicht vereinzelt vorhanden ist, sondern als Musterexemplar einer ganzen Gattung angesehen werden darf, zeigt aber auch, was es mit der Handwerkerfreundlichkeit unserer Ostelbier auf sich hat, denn westwärts der Elbe wäre ein solcher Vertrag unniöglich. Der arme Schmiedemeister ist verpflichtet, daS ganze Jahr, Sonn- und Festtage einbegriffen, seine Arbeitskraft und Zeit, man kann sagen bei Tag und bei Nacht zur Verfügung der Herrschast bereit zu halten und ebenso sein Bursche, der mindestens zwei Jahre Lehrzeit hinter sich haben muß, also schon halbe Gesellenarbeit verrichten kann. Können Meister und Bursche mit Aufwand aller ihrer Kräfte daS Verlangte nicht leisten, so muß der arme geschundene Meister einen Gesellen einstellen. THut er das nicht, vielleicht weil er keinen Gesellen findet, der sich zu einer so menschenunwürdigen Stellung degradieren läßt, so kann die Herrschast die Arbeit auf Kosten des Meisters durch andere Arbeitskräste herstellen lassen. Was die Abfindung durch Naturallieferungen betrifft, so haben wir zu wenig fachmännische Kenntnisse, um den Wert derselben ab- schätzen zu können. Vielleicht ist einer unserer ostpreußischen Partei- genossen auf dem Lande so liebeuswürdig, darüber eine Rechnung für uns aufzumachen. Allzu üppig wird der Betrag dieser Rechnung nicht ausfallen. Hervorzuheben aber ist, daß über die Qualität der zu liefernden Materialien der Vertrag kein Wort enthält. Ist diese so schlecht, daß sie zu einer Beschwerde des Schmicdemcisters Veranlassung giebt, so entscheidet die Gutsverwaltung beziehungsweise die Gutö- Herrschaft nach eigenem Gutdiiuke» und selbstverständlich nicht gegen sich selbst. Eine andere Instanz anzunifen ist durch den Vertrag ausgeschlossen. Ferner enthält der Vertrag kein Wort darüber, wer die für die Arbeit verbrauchten Materialcn: Eisen, Nägel, Kohlen, Licht zc. zu stellen hat. Der Schmiedemeistcr arbeitet mit dem Werkzeug der Herrschaft, soweit dasselbe langt, so weit es nicht langt oder nichts taugt, nniß er sein eigenes stellen und verbrauchen. Aber er ist auch verpflichtet, das Werkzeug der Herrschaft in gutem und brauchbarem Zustand zurückzulaficn, ohne daß gesagt wird, daß er es in gutem und brauchbarem Zustand empfangen hat. In all de» Differenzen, die aus diesen und sonstigen Bestinnnnugcu entstehen. cutscheidet die Gutsvertvaltung, beziehungsweise die Gutshcrrschaft, das heißt, die eine vertragschließende Partei ist, souverän und Richter in eigener Sache. Nach Keimtuisnabme eines solchen Vertrages begreift man vollkommen, daß»iisere Ostelbier und alle, welche mit ihnen synipathisieren, keinerlei Schutzmaßregeln gegen die Ausbeutung der Lehrlinge und Gehilfen im Handiverk gutheißen können. Daß alles, was nach Ivirklicheni Handwerkerschutz aussieht— und im vorliegenden Falle und allen ähnlichen Fällen müßten nicht nur Lehrlinge und Gehilfen, sondern die Meister selb st gegen eine Aus- beutung ihrer elenden socialen Lage geschützt werden— von den Konservativen und ihren Affilierten entschieden bekämpft wird. Da ergehen sich die Vertreter und Lobredncr der herrschenden Klassen in den Lbcrschwänglichstcn Lobpreisungen von der Macht ,md Herrlichkeit des Deutschen Reiches, sie bcrauschcii sich in dem Ge danken, wie herrlich weit wir es angeblich gebracht und wie wir es weiter bringen müssen durch glänzende Armeen und stolze Armaden. tvelche die gesamte Welt mit Zittern vor uns erfüllen, aber daß Hunderttausende und Millionen Deutscher mitten in diesem gefeierten Deutschland unter Bedingungen leben, die der bitterste Hohn auf unsere moderne Kultur sind, daß Ungezählte nicht wie Menschen leben, sondern untermenschlich vegetieren, dafür haben diese Lobredncr unserer Zustände keine Augen und Ohren, das ist einer ihrem Intellekt unverständlicher Begriffe. Zwischen der Hyperkultur da oben und der an Halbbarbarei grenzenden Unkultur da unten giebt es eine Kluft, die alle Schöir redner und Optimisten Deutschlands nicht wegzudisputieren ver- mögen. Wollten sie wirklich Deutschland zu einem Musterlande machen. Hie rboäus! die salta! Hier helft! Die z�olikifche Meberfichk. Berlin, den 9. November. Ein Vorschlag zur Güte. Berliner Korrespondenz" feuert einige offiziöse Geschosse gegen unseren neulichen Leitartikel über Weltmachtspolitik ab. Es versteht sich, daß sie den Gedankengang unserer Ausführungen in der korruptesten Weise wicdcrgiebt, doch nehmen wir ihr daS nicht weiter übel. Im Gegenteil, wir sehen darin eher ein Kompliment, denn wenn die„Berliner Korrespondenz" selbst den frommen und naiven Lesern, für die ihre Artikel geschrieben werden, nicht zu sagen wagt, was wir thatsächlich dargelegt haben, sondern niit den rasselnden Schlagwortcn von„gewissenloser Hetze gegen die geltende Gescllschafts- und Wirtschaftsordnung" und' von„längst brüchig gewordenen Marxschcn Formeln" darüber hinfährt, so muß sie einige Scheu vor der Logik unseres Artikels haben, und darüber brauchen wir nicht betrübt zu sein. Daneben finden sich in dem offiziösen Artikel auch ein paar bemerkenswerte Geständnisse. Unseren Satz, daß es für eine deutsche Weltmachtpolitik im großen Stile historisch viel zu spät sei, bekämpft die„Berliner Korrespondenz" mit dem Einwände, gerade um„manche Fehler und Unterlassungen der Vergangenheit auszugleichen", empfiehlt es sich, mit„nationaler Energie" in die uferlosen Aben- teuer der Wcltpolitik hiueinzurudern. Wir nehmen dies offene Bekenntnis gern entgegen, so heiter die offiziöse Geschichtsauffassung auch sein mag, die eine weltgeschichtliche Entwicklung von vier Jahr- Hunderten als„manche Fehler und Unterlassungen der Vergangenheit" registriert. In dieser Beziehung denken wir sogar patriotischer als die„Berliner Korrespondenz"; mit wie bleiernem Druck immer der Absolutismus von der Weltwende des IS. und 16. bis zur Welt- wende des 19. und 20. Jahrhunderts auf Deutschland gelastet hat. so erkennen wir doch an, daß seine„Fehler und Unterlassungen" weit mehr Wirkungen als Ursachen waren. An eine hirnlose Phantasmagorie aber, wie die Rückwärtsrevidieren der Geschichte. das Blut und Mark der Nation zu setzen, ist ein Würfelspiel, dem gegenüber das Baccarat der„Harmlosen" allerdings noch als harni- loses Vergnügen gelten mag. Ferner beruft sich die„Berliner Korrespondenz" darauf, daß die Arbeiter in England und den Vereinigten Staaten gegen die imperialistische Politik, über deren kapitalistische Tendenzen doch füglich kein Zweifel obwalten könne, nicht offen auflehnen. In dieser Allgemeinheit ist die Behauptung nichts weniger als richtig: was daran etwa wahr ist, haben wir schon in unserm Artikel über Weltmachtpolitik hervorgehoben, indem wir auf die historische That- fache hinwiesen, daß in Staaten, die überhaupt eine erfolgreiche Welt- Politik treiben könnten, der wahre Charakter des Gegensatzes zwischen Bourgeoisie und Proletariat durch die Erfolge jener Politik ver« schleiert werde. Das gehöre, wie wir meinten, zu den Gründen, weshalb das deutsche Proletariat weit eher zu seinem Klassenbewußt- sein gelaugt sei, als das Proletariat anderer Nationen, wo die große Industrie weit älter sei, oder, um im Stile der„Berliner Korrespon- deuz" zu sprechen, weshalb das deutsche Proletariat„in antinatio- naler Gesümung und in der Hetze gegen das Kapital an der Spitze der„Genossen" in aller Herren Länder marschiere. Allein so viel ist auch sicher, daß wenn in England oder den Vereinigten Staaten ein Ministerium h. Ia Hohenlohe-Miguel eine industrielle Weltpolitik präsentieren würde, eskortiert hier von dem Gespcnste des Brotwuchcrs und eskortiert dort von dem Gespensto der Zuchthausvorlage, dies Ministerimn binnen heute und morgen durch die englischen oder die amerikanischen Arbeiter von der Bild- fläche gefegt werden würde. Hoffentlich reichen die historischen Kenntnisse der„Berliner Korrespondenz" so weit, um das anzu- erkennen, und so möchten wir ihr den Ratschlag zur Güte machen: Sorge sie dafür, daß der Kurs Hohcnlohc-Miquel in dem ehrlich verdienten Dunkel des politischen Jnvalidcn-Spittels verschwindet und an seine Stelle eine civilisicrte Regierung tritt, die ein für allenial solvohl auf die Auspowerung als auf die Unter- drückung der arbeitenden Klasse verzichtet, und dann mag sie mit ihren patriotischen Predigten über Weltpolitik wieder ihr Heil bei den deutschen Arbeitern versuchen. Wenigstens den Erfolg können wir ihr dann garantieren, daß ihr Hinweis auf die englischen und amerikanischen Arbeiter nicht mehr als verächtliche Heuchelei zurückgewiesen werden wird. Bis dahin schätzt sie den Erfolg ihrer patriotischen Predigten ganz richtig ein, indem sie sagt:„Solche Mahnungen werden beim„Vor- wärts" und seinem Anhange vcrniutlich nur. taube Ohren finden. Für diese Elemente ist die gesamte Wcltpolitik eingespannt in den Rahmen der Klassenkämpfe des internationalen Proletariats." Das stimmt auffallend und liefert den tröstlichen Bciveis, daß auch ein offiziöses Huhn einmal ein Korn finden kann.— Vorlagen des Kaisers nennt die Münchener„Allgem. Zeitung" daS Znchthausgesetz, den Kanalentivurf und den Marincplan: „Wenn, so schrieb das offiziös bediente Blatt,„von äugen- scheinlich interessierter Seite die Zurückzichuiig der A r b e i r s- willigen- und der Kanal vorläge als eine pstitio priucipii für die Annahme der F l o t t c n v o r l a g e bezeichnet wird, so müssen wir doch daran erinnern, daß alle drei Vor- lagen, und insonderheit auch die die bessere Sicherung des Schutzes der Arbeitsivilligen betreffende bis zu einem gcivissen Grade s o l ch c d e s Ka i s e r s s i n d. Sollte sich der K aiser davon überzeugen, daß er mit dem von ihm erstrebten Schutz der Arbeitsivilligen auf einem nicht gangbaren Weg sich befinde, wohlan, so mag er den Befehl erteilen, die entsprechende Vorlage zurückzuziehen." Es ist klar, daß mit dieser Benennung den drei Vorlagen ein erhöhter Wert verliehen werden soll, während sie in Wirklichkeit zur konstitutionellen Bedeutimgslosigkeit hcrabgedrückt werden. Es mag ja fein und es ist sehr ivährschcinlich, daß die drei Entwürfe thatsächlich Vorlagen des Kaisers sind, daß also die Regierungen keinen Anteil an ihnen haben, sie vielleicht innerlich nicht einmal gutheißen— solche persönlichen Vorlagen des Kaisers haben aber verfassungs- mäßig kein Interesse. Für die Votksvcrtretmig giebt es nur Vor- lagen der R e g i e r u n g c n. und wenn der Münchener Offiziosus mit der ncucu Bezeichnung sagen will, daß die genannten Entwürfe eigentlich nicht Vorlagen der Regierungen seien, so erübrigt sich für das Parlament jedes sachliche Eingehen imd es bleibt ihm nur die formelle Diskussion darüber, warum die Regierungen für Vorlagen, die nicht von ihnen ausgehen, die Verantwortung übernehmen. Die katholische �.Kölnische V o l k s z e i t n n g" weist schroff diese Taktik zurück: „Den Kaiser noch mehr als bisher in die Bresche zu st e l I e n. indem nian von„Vorlagen des Kaisers" spricht. Gewiß liegt es im Sinne aller reaktionären Elemente, den Kaiser als Kugelfang zu benutzen, aber tapfer und mannhaft ist das nicht. Es ist auch politisch sehr gefährlich; mache man sich doch nur die Folgen klar. Jetzt werden von den Gesetzentwürfen, welche die parlamentarische Winter« cnmpagne beschäftigen sollen, schon drei als„Vorlagen des Kaisers" bezeichnet; erweist sich das Mittel probat, so bringt man nächstes Jahr vielleicht sämtliche Gesetz- entwürfe unter diese Rubrik. Augenscheinlich will man dem Parlamente die Opposition erschweren, da ein loyaler Unterthcm sich schwerer entschließt, dem Monarchen Widerstand zu leisten al§ irgend einem Minister. Aber es ist auch ein Maß in den Dingen, und man soll nichts übertreiben, sonst bleibt dem Parlamente gar nichts anderes übrig als zu sagen:„Wenn schon. denn schon."' Der Reichstag und der preußische Landtag sind doch nicht dazu da, alle Wünsche des Kaisers zu erfüllen, sonst könnte man sich überhaupt alles Wählen sparen. Heute vergeht im politischen Leben kaum eine Woche, ohne daß nicht für irgend eine Sache der Wunsch des Kaisers ins Gefecht geführt wird. Man macht sich nicht klar, was die Folge davon sein muß: daß nämlich die Parlamente fortan über- Haupt kaum mehr in der Lage sein werden, Wünsche des Kaisers zu berücksichtigen, wenn sie nicht selber abdanken wollen. Man denke: die Flottenvermehrung. der Mittellandkanal und da« Zuchthausgesetz sollen als Wünsche des Kaisers angenommen werden, dafür aber soll den Parlamenten unbenomnien sein, durch Ablehnung einer Budgetposition von 1000 M. oder einer Sekundärbahn von Schicvelbein nach einer Nachbarstadt ihre, „Selbständigkeit" zu beweise». Dan» schließe nm» doch lieber beide Parlameutsbude» zu. Es ist in dieser Beziehung schon sv viel gesündigt worden, daß wir nur dringend mahnen können. auf diesem Wege einzuhalten. Das Ergebnis wird schließlich kein anderes sein, als daß ausgesprochene Wünsche des Kaisers dw Annahme eines Gesetzentwurfes erschweren, nicht etiva ans Animosität gegen den Kaiser, sondern in der berechtigten Be- sorgnis der Abgeordneten, durch Jasagen dem ganzen Volke nl« rückenschwache„Nickemännchen" zu erscheinen, deren Er- sotzung durch chßinftcifoüiTC und fJDji.V.id isjcrc Mäiimr uot- luciibiii fei." Die SfiitnunSptefic hat solche Ennahniliigen gan� l>eso»dcrs «iviiii, da ja ihre Partei die Hauptschuld trägt, daß die Stellung des Parlaments durch Nachgiebigkeiten, Kuhhandel und Umfälle aller Art erniedrigt Ivorden jit. Es war dem preußischen Jnnkcrtnm vor- behalten, zu zeigen, wie man einer Regierung vom Schlage der Hohcnlohc-Miqnelschc» zu �begegnen habe.— Ielttjcyes Meich. Keine Tischrede. Der familiäre Besuch dcS Zaren bei Wilhelm II. lvird von byzantinischen Blättern wieder einmal als„welthistorisches Ereignis" ausposaunt.„Welthistorisch" pflege» »mn Fürsteubesuche überhaupt nicht zu sein und wir glauben selbst nicht, daß die beiden Herrscher sich über die Ideen des Fricdeusfestcs und die unvermeidlichen Folgen der menschlichen Erb- jiiude geeinigt haben dürsten. Immerhin bleibt auffällig, daß von dem großen Diner am Mittwochabend keinerlei rednerischer Gedankenaustausch der beiden Gebieter gemeldet wird. Hie und da ist man er- staunt, daß die traditionelle Erbfrenndschaft zwischen den beiden Kaisern nicht in schwungvollen Festreden zum Ausdruck gelangte; mancher vermutet bereits bcdentLche Verstimmung. Aber auch diese zuerst höchst befremdlich anmutende Thatsache ist tvohl ohne wcitfltcgcnde politische Kombinationen zu erklären; der Zar ist ein weniger gewandter Redner als der Kaiser und so mag auch dieser aus Hvflichkcitsrücksichtcn für seinen Gast jedes Reden unter- lassen haben.— Gegen jede Flottcnbiudung spricht sich die agrarische .Deut) che Tageszeitung" auS. Ihres„Erachtens bleibt der Rcgicruilg nichts anderes übrig, als ihre» Flottenplan in einer Denkschrift niederzulegen, dw vom Reichstage zur Kenntnis genommen wird, und dann die Bewilligung der zu diesem Flotten- plane notwendigen Schiffsbauten von Jahr zu Jahr etats- mäßig vom Reichstage zu fordern. Auf gegenseitige Bind u n g irgend welcher Art kann weder der Reichstag noch die Regierung nach den bisherigen Erfahrungen eingehen."— Die Ausschaltung deS Bundesrats. Die im g o t h a i s ch e n Landtage eingebrachte Jutcrpcllatio» Uber die Flottcufragc Wurde vom Staatsministcr v. Strenge dahin beantwortet, daß pie Regierung einer bestimmten Vorlage im Bundesrat erst ent- gcgcusehc. Bis dahin sei es ihr unmöglich, Stellung dazu zu nehmen. Das Samoa-Abkoiulncu findet in der deutschen Presse fast durchtveg Beifall; einige Blätter halten die Konzessionen in Afrika, besonders die Aufgabe von Salaga, für allzu bedeutend. Der 5r o I o ii i a l r a t hat anläßlich des AbkonmienS ein schwülstiges Danltelegramm au den Kaiser und an den Grafen Bülotv entsandt. Graf B ü l o>v, der Staatssekretär des AuStvärtigen Amtes, wird von allen Seiten gefeiert. Er hat Erfolg. Und heutzutage bc- darf es nicht einmal wirklicher Erfolge, um zum„großen Staats- mann" aufgeblasen zu werden. Nachdem Graf Bülow beim Ankauf der Karolinen einen hohen Orden gewonnen, wird ihm jetzt der Dank für Samoa in Gestalt des GroßkreuzeS zum Noten Adlcrordcn. Der Herr Graf kann es noch weit bringen. Wenn mir nicht mit jedem seiner neuen„Erfolge" das deutsche Volk einige neue Panzerschiffe und vermehrte Schntztrnppcn bezahlen müßte!— Die englische Presse spricht sich im allgemeinen über das Ab- kommen befriedigt aus.— Der Bundesrat überwies in seiner Sitzung am Donnerstag den zuständigen Ausschüssen die Vorlagen betreffend a) den Entwurf eines Gesetzes wegen Abäuderuug der Uufallvcrsicherungs- Gcsetze, b) den Entwurf eines Gesetzes über die U n f a l l f ü r s arge für Gefangene, c) die Verleihung von Korporationsrechtcn an die mit dem Sitze in Berlin gebildete„Gesellschaft Nordwest- Kamerun", ä) den Entwurf einer Verordnuiig über das V e r- fahren vor den auf Grund des Lnvalidenversiche- r u n g s- G e f e tz e s errichteten Schiedsgerichten. Tie Zustimmung wurde erteilt dem Antrag betreffend den Entwurf eines Gesetzes wegen der Kontrolle des Reichshaushalts, des Landes- Haushalts von Elsaß- Lothringen und des Haushalts der Schutz- gebiete für das Rechnungsjahr 18l)v. dem Ausschußantrag zu den Vorlagen vom t. Juli und 21. Oktober ds. Js. betr. Abänderungen und Ergänzungen des amtlichen Warenverzeichnisses zum Zolltarife, dem Ansschußantrag, betreffend die Einrichtung der Quittungstarlen für die Invalidenversicherung, dem Ausschußantrag zu dem Entwürfe von Vorschriften betr. die Entwertung und Vernichtung d e r Bt a r k e n bei d e r I n v a l i d e n- V c r s i ch e r u n g, dem Ansschußantrag zu dem Entwurf eines Gesetzes betreffend A e n d e- r u n g e n i m M ü n z w e s e n.— „Kreuz-Zeituug" und Miliz. Die kriegerischen Erfolge der Boeren bereiten den deutschen Zunstmilitaristeii unsägliche Verlegen- heiten. Man shmpathisiert mit den Boeren und freut sich ihrer Erfolge, aber— wie soll mau vermeiden, zugleich die socialdemo- kratische Miliz-Fordcrung zu fördern? Da hat die„Kreuz-Zeitung" ein famoses Recept mitgeteilt: „Daß die Socialdemokratie die Vorgänge in Natal für ihre Zwecke ausbeuten tvürde, war wohl vorauszusehen. Denn bei ihr herrscht, wie schon oft dargethan, die Phrase. So wird jetzt mit dem Worte„Miliz" dort wieder Reklame gemacht und, auf die Siege der Boeren fußend, von neuem erklärt, daß die Miliz die Ziikuiiftsorgaiiisalion der Heere werden müsse. Ein skizzenhafter Vergleich des Boeren mit dem heutigen meist in Städten beschäftigten Ar- b e i t e r möchte genügen, um die fast humoristische Ucberhcbung der Feldherren des„Vorwärts" und deren Genossen sofort klar- zustellen." Und nun zieht die„Kreuz-Ztg." einen sehr interessanten Ver- leich zwischen der Lebensweise der Boeren und derjenigen der eutschen Jndustrie-Arbeiter. Zwar ist es uns neu, daß in unserer Miliz gerade nur Jndustrie-Arbeiter. nicht auch Landarbeiter, ja selbst auch Lnndjunker dienen sollen, aber wir geben gern die Selbstverständlichkeit zu, daß der heutige Arbeiter, der industrielle wie der landwirtschaftliche, bevor er in den Militärdienst tritt, nicht ein vollendeter Soldat ist. Darum eben fordern wir„militärische Jugenderziehung", ähnlich wie sie bei den Boeren geübt wird. Wenn die„Kreuz-Zeitung" ferner, um die Minderwertigkeit der deutschen Arbeiter für militärische Leistuuisen zu erweisen, den Boeren als„selbständigen Besitzer" und als'Mann„in körper- kicher Vollkraft" preist, so erweckt sie die Erinnerung an die un- geheure Schuld der Junkerklasse, welche aus der Besitzlosigkeit der Arbeiter ihren Reichtum und ihre Privilegien schlägt und durch schändliche Mißwirtschaft unser arbeitendes Volk um seine„körper- liche Vollkraft" betrügt. Allerdings die Vorbildung einer Miliz nach socialdemokratischer Forderung wäre die Beseitigung deS Jnnkcrrcginients, das unsere Arbeiterjugend durch Hungerzölle schwächt und durch Zuchthausgesctze mn die Möglichkeit einer Entfaltung ihrer leiblichen und geistigen Anlagen bringt. Noch eins: wie denkt die„Kreuz-Zeitung". welche die Boeren- Miliz verherrlicht, über die Thatfache. daß die Bürger-Soldaten der Boeren ihre Offiziere selbst wählen?— Gocialdemokratische Pfarrer. Der zur Socialdemokratie übergetretene Pfarrer Blumhardt erklärte in einer Rede am vorigen Sonntag, daß die Z u ch t h a u s v o r l a g e ihn zum öffentlichen Bekenntnis seiner socialdemokratischeu Ueberzeugung veranlaßt habe. Dann sagte er: „Es heißt immer, die Socialdemokratie müsse ausgerottet werden. Ja. was heißt denn da?? Wohin wollt Ihr denn die Millionen von Socialdeinokraten thim? Wollt Ihr sie hin- mordcm?' Nim, iveim Ihr das wollt, dann nchliict niich zuerst! Wcnwö aufs Schafott gehen soll, ich bin bereit, greift zu! Ich gehe voran im Namen iiicincs Gottes!" Den Pastoren, die weislich bei den Fleischtöpfen hcp herrschenden Klasse sitzen geblieben sind, sind über diese Bekehrung stark erregt, weil sie die Wirkimg ans religiöse Vollskreise fürchten. So predigt der„R e i ch s b o t e": „Es muß schon ein hoher Grad subjektivistischcr Verirrunck vorhanden sein, wenn ein Geistlicher so sehr die chrisilich-sittliche Aiischaiiiing, daß alle ivahie Besfcriiiig nur durch sittliche Antriebe hcrvorgeriiscii werden kann, so sehr vergessen hat, daß er dem Wahne verfallen kann, die Zlebelstände der Zeit würden durch die llmwniidlung der bestehenden Gesellschaft in eine sociakisiische be- seitigt werden," Und das Pastorenorgan tröstet sich mit dein Gedanken, daß Blimihardts Christciitum»och mehr verduften werde, wenn er erst bei den Socialdcmokraten warm geworden.— Das leere Christen- tum der amtlich Angestellten des Christentums, gewiß: das braucht nicht eiinnal erst zu verduften, beim es müßre zuvor über- Wunden sein, ehe sich der Getsiliche zur Socioldemokraiie bekeuute.— Mit bedeuklichem Optimismus dichtet die„Perl. Ztg." dem iicucii Minister des Inner» die Absicht socialpolitischcr Thaten an, die er offenbar gar nicht hat. Sie meldet, daß auf der General- vcrsammliing des Rheinischen Verein? zur Befierimg des Arbeiter- wohiumgswesenS in Düsseldorf der Hort anwesende Ober-Rcgiermigs- rat Mniibach gesagt habe: Freiherr v/Aheiububcn bringe, den Bestrebungen des Vereins nach wie vor das größte Jntereste entgegen; den Worten würden auch bald T h a t e n folgen, Und man werde bald von Maß- n ahmen hören, welche die Regierung auf dem Gebiete des Arbeiter-WvhiiuiigswesenS treffen würde. In Wirttichkeit hat er nur einige unverbindliche Worte geredet. Er sagte»ach dem ausführlichen Bericht der„Kölnischen Zeinmg": Daß das Interesse des Herrn Ministers für die Bestrebungen Ihres Vereins nicht erloschen ist, mögen Sie auch daraus ent- iiehuicii. daß der Herr Minister sofort nach seinem Antritt mit dem Herrn Finanzminister in Antbindüug getreten ist und entsprechend Ihren Anträgen den Gemeinden Anweisung gegeben worden ist, wie sie auf dem Wege des Erlasses der Grundsteuer dazu bei- tragen köuucii, daß möglichst viele gute Wohnungen für die arbeitenden Klassen geschaffen werden. Ich glaube, es wird sich bald Gelegenheit geben, zu erkennen, daß in' Bcthätigiing warmer Fürsorge in diesen Frage» das Ministeruim des Innern nicht hinter ändern Ressorts z»rück st e h t, Sie werden bald von Maßnahmen hören, die Ihren Bestrebimgen entsprechen. Aus diesen harmlosen Worten„Thatcn der Regierung" zur Ver- besserinig des ArbeiterlvohiiuiigswescnS hcranszulesen, ist in der That etwas viel Optimismus.— Im Wahlkreise Kalbe- ZtschcrSlebe» hat der in Aussicht ge- nominelle antisemitische Kandidat Graf Reventlow die Uebernahme der Kandidatur abgelehnt uiid aufgefordert, für den iiationalliberaleu Kandidaten einzutreten. Die antisemitische„Sachsenschau" in Magde- bürg ist mit dieser Offeubariiiig ciiiverslaiidcn, erklärt aber zugleich, daß'„der Sieg des Socialdemok raten völlig ge- sichert ist." lliisere Parteigenossen werden Sorge tragen, daß diese Prophezeiung recht behält und unser Parteigenosse Albert S ch in i d t gewählt.wird.— Weimar, 9. November. sDepesche.) Interpellation über die Zuchthansvorlage. Genosse Baudcrt begründet seine Jnter- pellation, ans welchen Gründen die Regierung von Weimar der Znchthausvorlage ztigestimmt habe. Baudcrt wies nach, daß am weuigstcu die Verhältnisse im Großherzogtum Anlaß zu einem solche» Gesetz gegeben haben können. Der Minister erwiderte ans- weichend. Reichsgcsctze hingen nicht von den Zuständen in einzelnen Bundesstaaten ab.— Dresden, 9. Novbr. sTelegrawm.) Heute wurde der Landtag offiziell eröffnet. Tic Thronrede halte stark agrarische Färbung. Der Stand der Staatsfinanzen wurde als ein günstiger bezeichnet, die Reichs-Fiiinnzreform von neuem als wünschenswert bezeichnet. Die Fürsorge für Gemeindebeamte habe ein Gesetzentwurf im Angk.'welcher eine durch die bisherigen Erfahrungen gebotene Acndcruna ihrer Pensionsverhältnisse bezwecke. Ein weiterer Entwurf erstrebe die allgemeine obligatorische K r a ii t e u v e r s i ch e r u n g auch der h ä u s l i ch e n D i c n st- boten, in Anlehnung an die reichsgesctzliche Krankeiivcrsichcruiig der Arbeiter. Endlich gedenkt die Thronrede des bevorstehenden Inkrafttretens des Bürgerlichen Gesetzbuches.— Gießen, 9. Nov.(Privat- Telegramm.) Bei der heutigen Wahl im Wahlkreise Gießen- Land entfielen, von 37 zu wählenden Wahlmänuerii auf S ch e i d e m a n N(Soc.) 13. auf Hirsche!(Antis.) unh Leun(unvart.) zusammen 21. Die Wahl wird von social- demokratischer Seite angefochten werden. In Hcuchelhcim, einem sonst sicheren Partei-Ort, der drei Wahlmäiiner stellt, wurde während der Wahl die Uhr plötzlich um 10 Minuten vorgerückt durch die Buben des erkrankten Kirchendieners. Viele Wähler mußten deshalb vor verschlossener Thür bleibe», obwohl es noch nicht sieben Uhr war. Ferner wurden in Kleinlinden mehr als 30 Wähler, obwohl sie in der Liste standen, als Nichthessen ziiriickgewicsen; die gegnerische Mehrheit betrug nur 20 Stimmen. Die Wahlbeteiligung hat sich gegen früher verzehnfacht! Tarmstadt. 8. November. s„Frkf. Ztg.") Landtags Wahl. Die Socialdcmokratcn behaupten Läitgeii-Jscnbiirg tKraincr) und acwamien Groß-Gerau sBerthold). Die' Natioiialliberalen behaupten Pfiliigstadt-Ebcrstadt(Haas). In Darmstadt-Land siegten die ver- einigten Bürgerparteien(Noack). In Mainz-Land siegten die Wahlmänner des Centrums mit 35 Wahlmännern gegen 16 Socialdemokraten. Im Rcichstags-Wahlkreise Schletsstadt-Barr, wo nächsten Sonntag eine Ersatzwahl für den verstorbenen Abgeordneten Spies lklerikal) stattzusinden hat, suchen die Polizei- Organe der 'ocialistischeii Agitationsarbeit nach Kräften Schwierigkeiten in den Weg zu legen. So konfiscierte man letzten Sonntag in S.chlettstadt etwa 1000 Exemplare unseres Wahlaufrufes und gab dieselben erst nach Verlans von zwei Tagen wieder frei. Auch sonst thun Polizei und Gendarmerie so, als ob für sie das neue rcichsländischc Preß- gesetz, das in Beziehung aus die Verbreitung von Druckschriften manche Erleichterung gebracht hat, gar nicht existiere. Bon socia- listischer Seite kandidiert im Kreise Schäftefabrikant Brzostewicz- Strasburg, während die klerikale Laudespartci den Straßburgcr Rechtsanwalt Vonderscheer aufgestellt hat. Chronik der Majestätsbeleidigungs-Prozesse. Wegen Majestätsbeleidigung wurde gegen den bisher unbestraften Tischlergescllen Karl Strecke! vor der Strafkammer in Halle und hinter verschlossenen Thürcn verhandelt. Es kam zur Freisprechung des Angeklagten; in der Urteilsbegründung hieß es. Angeklagter sei sich der Traglvcite seiner bezüglichen Acußerung nicht bewußt gewesen und das Gericht habe ihm Glauben geschenkt. daß es ihm fern gelegen, den Kaiser beleidigen zu wollen. Einziger Zeuge war ei« Kriminal-Polizeisergeant. Vor der Strafkammer des Landgerichts Straßburg i. E. stand vor einigen Tagen der 18 jährige Eisenbohrer Wehrel aus Eschau unter der Anklage, im Monat März d. I. in einer Wirtschaft daselbst sich einer Majestätsbeleidigung schuldig gemacht zu haben. Räch den Aussagen der Zeugen befand sich Wehret zur Zeit'�et That im Zustand starker Betrunkenheit, sang sraiizösifche Lieder und rief mehrmals„Viva I» France!" Er wandte sich mit gezogenem Messer gegen das im Lokale hängende Bild des Kaisers uno stieß drohende, diesen beleidigende Aeußenmgen aus. Wehrel behauptet, in seiner fiiiiilosen Betrunkenheit nicht mehr gewüßt zu haben, was er that. Das Gericht ließ diesen Eiitlastimgsgrund nicht gelten, zog. dagegen das jugendliche Alter und die bisherige tadcl- lose Führung des Angeklagten als strafmildernd in Betracht. Das Urteil lautete auf eine Gefäugiiisstrafe von vier Monaten. Für unsere Frommen. Ein schweizerischer Arzt, Dr. Sonderagger, ein sehr christlicher Mann, spricht sich, wie wir dem„Grütlianer" eütnehmen, in einer seiner Schriften wie folgt aus über unser H e u ch e l- C h r i st e n t u m: „Ich sah viel Armut und Elend,. und wenn ich von Kranken- betten zurückkehrte, an denen sogar das fehlte, was� ein au- ständiger Mann seinem Tiere gewährt, und dabei hörte, wie die ToiintagSglockeu von allen Seiten feierlich erklangen: dann wurde ich nicht andächtig, sondern zornig, u u d was mau so Staat und K i r ch e nannte, erschien mir eine Heuchelei. Wir verehren Gott in Wort und Bild, wenn er aber selber zu uns kommt, nur in Lumpen anstatt im Tatar, dann geben wir ihm einen Fußtritt. Der„ch r i st l i ch e Staat" i st eine Ironie, that- sächlich herrscht nur der Stärkste, wie bei den Büffeln der Prairien. Das Interesse einzelner Personen und einzelner Gruppen, nicht der Patrioiismits führt in der Regel das große Wort in den Paria- mcuten. Wie lauge haben wir Schweizer nicht debattiert über den Drei- deciliter und den Vierdeciliter, über Jagdgesetze, über gemalte Scheiben und Ofenkacheln, während wir die großen Fragen der Kranken- kassen, der Bundesbank und der Eisenbahucii liegen ließen, weil wir zu engherzig und zu uneinig waren, sie aiifziifasseii! Es gicbt ja ganz gewiß ein persönliches Christentum, eine millionenfache und aiifvpscrnde Njichsteickiebe, gleichmäßig verteilt unter alle Kon- scffioncn, Inden ntid Parscn nicht aiisgenomnien. aber der Staat i st n o ch oft ein Heide, und iver an s e i n e i nn e r e und äußere Politik den Ri a ß st a b eines gebildeten und ehrlichen Wien scheu anlegen will» der gilt als ein Rar r." Trifft auch außerhalb der Schweiz zu.— Ausland. Ter Komplottprozeß. Paris, 9. Nobembcr. Unter großem Andrang deS Publikums wird um 1 Uhr die Sitzung des Senats als Staatsgerichtshos eröffnet, nachdem der Vorsitzende F a l l i b r e s in Begleitung der Staatsanwälte in den Sitzungssaal eingetreten ist,� Fallisres läßt dann die Angeklagten in den Saal führen. Dieselben erscheinen unter Bedeckung von Soldaten der Garde Rspublicaine. Hieraiis wird zum Nanicnsaiifriif der Senatoren geschritten, auf welchen 15 Scnatorcu nicht antworten. Dann ruft Fallieres die 14 An- geklagten auf, welche alle laut antworten. Als Dsroulöde be- zügsich seines Standes befragt wird, erwidert er, er sei Verteidiger der Rechte des Volkes. Der Gerichtsschreiber verliest dann die Ver- fÜgung, durch welche die Angeklagten vor den Staatsgerichtshos verwiesen werden, und beginnt weiter die Verlesung der An- klagc-Aklc.—_ Oestreich- Ungarn. Abgeordnetenhaus. Am Schluß der heutigen Debatte über die Jutcrpellatious- bcaiitwortuiig betreffend die Ausschreitungen in Mähren führte B e r n e r(Soc.) in fast dreistündiger Rede ans, die Ursache der Kiiiidgcbimgcn sei die Empörung des mährischen Volkes wegen seiner Aiisbenliiiig durch die Juden: die krundgebuiigen hätten keinen politischen sondern aniisemitischen Charakter. Während der Rede Berners kam es zu einer heftigen Sccne zwischen dem christlich-socialeu Prohazka und dem Socialdemokraten Rcscl. Nach Berner sprach Türk, welcher gleichfalls bestritt, daß die Unruhen in Mähren einen politischen Charakter ge- tragen hätten, sie seien antisemitischer Natur gewesen. Seine Partei werde sich mit den Czcchen niemals versöhnen; die Deutschen könnten nur das erreichen, was sie sich crkämpten: die Deutsch- Radikalen würden nie Opportunitäispolitik treiben. Die Debatte wurde hierauf abgebrochen. Nächste Sitzung heute abend 8 Uhr. Auf der Tages- orduung steht die Notstaudsvorsage.— Excefsc. Wie die„Nene Freie Presse" aus Böhmisch B r o d meldet, wurden am Mittwoch dort die Demonstrationen fort- gesetzt. Ein Reservist, welcher sich bei der Kontrollversammlung init„Zbe" meldete, wurde verhaftet und wegen Vergehens gegen die Subordination dem Militärgericht Josefstadt eingeliefert. Der- selbe mußte durch vier Gendarmen und einen Zug Dragoner zum Bahnhof eskortiert werden. Die gesamte czechische Bevölkerung gab ihm dabei das Geleite; die Frauen überschütteten ihn mit Blumen. Nach demselben Bwtt kam es gestern abend in Krakau nach einer antisemitischen Versammlung zu Straßencxcesscu. Ein Versuch der Ruhestörer, in das Jndcnviertel einzudringen, wurde von der Polizei zurückgewiesen.— Ntchlaud. Zur Wirtschaftslage. Die russische Regierung versendet Reklamenotizen über die glänzende finanzielle Lage des Reiches. Den„Nowosii" zufolge versammelte der Finanzminister kürzlich die Direktoren der privaten Kreditinstitutionell, wobei er eine Ansprache hielt, in welcher er hervorhob, daß die derzeitige Finanz« l a g e R u ß l a n L s durchaus g I ä n z e n d sei und zu keinerlei Besorgnissen Anlaß gebe; sie übertreffe sogar an Solidität die Finanzlage solcher Staaten wie Frankreich, England usw. Dw Geldteuernng sei eine Folge der allgemeinen Weltfinanzlage und wirke hinsichtlich des Diskontsatzes mir indirekt auf Rußland zurück. In Wirklichkeit herrsche in Rußland kein Geldmangel, auch die wirt- schaftliche Lage gebe zu keinerlei Lesorgnisien Anlaß. Ein weiterer Aiiff'chwuiig sei mit Bestimmtheit zu erwarten. Aus alledem folge, daß mit Zuversicht auf eine unbedingte Solidität der Finanzlage und der wirtschaftlichen Lage geblickt werden könne. Diese Versicherungen widerlegen nicht, sondern beweisen, daß es in der That im russischen Fiminzbau knistert, und die offiziellen Beschwichtigungsnotizen erhalten ihre rechte Beleuchtung durch die folgende Zuschrift, die wir über die Lage erhalten: Seit einiger Zeit ist die ganze Finanzwelt Rußlands in starker Anfregiiiig. Selbst Kreise, die sonst nichts mit der Börse und Dividendcnpapieren zu thun haben, nehmen regen Anteil an � die Geschehnisse auf dem Geldmarkte, der zetzt ein Bild der größten Ungewißheit zeigt. Rußland steht am Anfange einer heftigen finanziellen und ökonomischen Krisis. In den letzten Jahren hat die Industrie Ruß- landS einen fast unglaublichen Aufschwiiiig genommen. Rußland ist in seine Gründerperio de gekommen. Industrielle Etablisse- ments, Aktiengesellschaften schössen wie Pilze miS der Erde. Die „vaterländische" Industrie wurde seitens der Regierung mit allen möglichen Mitteln unterstützt; man erhob hohe Zölle, man unter« drückte den Arbeiter usw. Als Folge dieser liebevollen Unterstützung entstand die Spekulation mit wenigem Kapital auf hohen Gewinn. Vor allem waren es diekleineren Betriebe, die oft als Basis nur verschiedene Kreditkunststücke, nicht aber Kapital hatten. Man kann z. 83. sagen, daß die meisten Unter- nehmnngen in Lodz und Umgebung so entstanden sind und auch f->rtgeführt werden. Bei der' geringsten finanziellen Gewitterwolke. bei einer Mißernte im inneren Ltußland schmelzen diese oft wie Schneebälle in der Sonne. Nun aber geht diese Gruppe von Unter- nehmungen einem regelrechten Krach entgegen; eS wird wohl, falls nichts besonders Unerwartetes eintritt, so ziemlich ein General- zusammensturz sein, aus dem das Großkapital um so siegreicher hervorgehen wird. Die Krisis kam gar nicht so unerwartet. Russische Blätter warnten längst das große Publikum, das mit einer wahren Wut sich vuf die Börseneffelte warf. Die Dividenden der Fabriken und Sawod.en betrugen im Durchschnitt bis 13 Proz., oft stiegen sie bis 2a, 30, sogar 50 und 150 Prozent. Der kleine Mann ging zur Börse und versuchte diese Goldpapiercbcn zu erwischen; als Folge dieses An- Puffes der tkäufer stiegen die Aktien auf das Doppelte und Dreifache. Das Publikum war auf Anteilscheine wie besessen; diese Gthn- Ntung wußten Geschäftskreise sehr wohl zu verwerten. Es wurde immer fort gegründet, die Kreditinstitute schössen das Geld sehr gerne vor, besonders industriellen Unternehmungen. Die soliden, weitcingeführten Firmen machten noch immer gute Geschäfte. Der Markt verschluckte immer größere Warenmengen� ja in solcher Blasse, daß die Anfrage z. B. in Steinkohle, Naphtha und anderen nicht befriedigt werden konnte und die Preise gewaltig stiegen. Die kleineren Werke versuchten den großen Stand zu halten. das gelang ihnen aber schtver. Die großen hatten au ihrer Seite das Millionenkapital, sie vergriffen in ihren Händen die kolossalen Bestellungen des Staates für ihre Eisenbahnen, Hafen- bauten, Rüstungen usw. Ten kleineren blieben nur die Reste übrig. Sie begannen schlechte Geschäfte zu machen, das heißt, sie gaben nicht die hohen Dividenden der Riesenbetriebe, das genügte, um das Publikum zum Rückzug zu bewegen. Es kam die Enttäuschung und noch mehr— eine förniliche Flucht. Hierin spielt auch der Umstand hinein, daß die Banken stark in Anspruch genommen und die Prozentsatzsteigung auf dem aus- ländischen Geldmarkt ebenfalls zur Erhöhung des Zinsfußes gc- drängt sind. Weiter sind sie gezwungen, wegen des Preissinkens der ausländischen Börsenpapiere, was unbedingt eine Rückwirkimg anf den russischen Aktienmarkt haben mußte, ihre Finanzoperationen einzuengen und sie gegenüber weniger sicheren Unternehmungen ganz aufzuheben. Das nmßte aus eine ganze Anzahl von Geschäften geradezu niederschmetternd wirken. Alles das merkten unterrichtete Kreise sehr wohl, sie versuchten ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen und damit war das Signal für die große Menge gegeben. In wilder Hast stürzte sie davon. Es entstand eine allgenieine Panik. Selbst Aktien solider Firmen fallen in fast nie dagewesener Weise. Tie Scheine einiger Unternehmungen sind ganz entwertet. Die Regierung steht hilflos da. Womit soll sie eingreifen? Mit ihren leeren Händen? I Das Ausland hat da? innere Getriebe Rußlands deutlich vor Augen. Ein Drittel der Bevölkenmg hungert, eine starke ökonomische und finanzielle Krisis, die Leitung der Staatswirtschaft in unkontrollierbaren Händen._ z�Ävlttmenkavisches. In dein Marine- Etat für das Rechnungsjahr 1900 erfordert das Kapitel. R e ch t s p f l e g e" 71 230 M.. d. h. 35 600 M. mehr als für das laufende Jahr. Es sind infolge der am 1. Oktober 1900 in Kraft tretenden Militär-Strafgerichts-Ordnung neu angesetzt: 3 Ober-Kriegsgerichts-Räte mit 5400—6600 M. Gehalt. 14 Kriegs- gerichts-Räte mit 2400—6000 M. Gehalt, 6 Gcrichtsschreiber und 4 Militärgerichts-Boten. Dagegen kommen in Abgang 6 Auditeure und 2 Aktuare. Bei dem Kapitel„G e l d'v e r p f l e g u n g der Marineteile" treten infolge des Flottcngesetzes hinzu 1 Vice-Admiral(12 000 M.), 3 Kapitäne zur See mit je 8400 M. usw. Im ganzen belaufen sich die Ausgaben des Ordi- narinms des Marine- Etats auf 73 946 433 M., d. h. 4>493 663 M. mehr als im laufenden Jahre. Im Extra- Ordinarium werden folgende erste Bauraten verlangt: je 2 500000 M. für die Linienschiffe? und K; 2 000 000 M. für den großen Kreuzer L; je 1300 000 M. für die kleinen Kreuzer E und F.; 500 000 M. für das Kanonenboot A und 2 400 00 M. als erste Rate zum Bau einer Torpedoboots- Division. Im ganzen sind für S ch i s f S b a u t e n angesetzt 48 934 666 M., also 4348666 M. mehr als für das Jahr 1899. Für artilleristische A r m i- r u n g e n werden gefordert 17 986 000 M., d. h. 7 697 666 M. mehr als für 1899. J»t außerordentlichen Etat wird eine erste Rate von 500 000 M. gefordert zu», Bau von 2 grosse» Trockendocks auf der Werft zu Wilhelmshaven, deren Herstellung nach einem vorläufigen Voranschlage im ganzen etwa 11 000 000 M. erfordern dürfte, von ivelcher Summe 1700000 M. abgehen, welche bis zur Fertigstellung des Docks von, Norddeutschen Lloyd gegen den dauernden Verzicht auf die der Marine aus dem Staatsvcrlragc zwischen Preußen und Bremen vom 14. März 1892 erwachsenen Rechte an die Marinevertvaltung zu zahlen sind. Gefordert wird ferner zum Bau eines Bassins auf der Ho In,- Insel bei Danzig eine erste Rate von 700 000 M. Die Gcsnmtkosten der Anlage, welche ausreichende Lagerplätze schaffen soll für die auf den Werften fertig gestellten Schiffe, sind auf 3 S43 666 M. veranschlagt. Internationale Rnndfrage. Die„Petite Rspublique" veröffentlichte wieder einige Antworten auf die von ihr gestellten zwei Fragen. Wir geben dieselben im Auszug wieder. Wollmar. I. Wenn ich nicht wüßte, auf welche Weise die Streitfrage ent- standen ist, ich würde Eure erste Frage kaum verstanden haben. Wie, der SocialismuS, der die Welt befreien und humanisieren will, sollte sich nicht beteiligen, wenn es gilt, die politische Freiheit und die Hunwnität zu verteidigen? Wenn das Princip des Klassen- kampfeS wirklich verlangte, daß wir stets mit verschränkten Arnic» zusehen sollten, sobald die Arbeiterklasse an den Begebenheiten nicht unmittelbar beteiligt ist, der SocialismuS wäre niemals jene weit- bewegende Macht geworden, der die Zukunft gehört; die Socialdeinokratie wäre eine verknöcherte Sekte geworden. Aber in Wirklichkeit ist der SocialismuS weit davon entfernt, eine solche Absurd, tät zu verlangen. Im weiteren spricht sich Wollmar für volle Beteiligung der Arbeiterklasse an allen politischen Tagesfragen aus; nichts dürfe ihr fremd bleiben, sie muß das Leben des Volkes und der Menschlichkeit leben und bei allen Bewegungen sich an die Spitze stellen. II. Wie für viele andere Fragen der Praxis, so wird man auch für diese keine feste Formel zu finden wissen, die von vornherein die Lösung für alle derartigen Fälle in sich schlösse. Die Politik ist keine Mathematik; sie ist eine Kunst, bei der wohl gewisse Thesen und all- gemeine Regeln, basiert auf die Erfahrung, bis zu einem gewissen Grade Geltung verlangen können, bei der aber zu gleicher Zeit auch die pulsierenden Kräfte der Strömungen und Gegenströmungen fort- gesetzt neue Situationen schaffen, die nur selten einander ähneln. Desivegen läßt sich die Frage nicht allgemein, sondern nur eben für diesen einzelnen Fall beantworten. Es ist ganz gewiß, daß ein Socialist jede Regierung der Bonrgcoisie mit großem Mißtrauen betrachten muß; und er kann die Gefahr, die er für die socialistischen Mitglieder der Regierung darin sieht, daß sie die Verantwortung für die Maßnahmen ihrer bürgerlichen Kollegen mit tragen müssen, kaum über- treiben. Aber uuf der andern Seite schrumpft die Zahl derjenigen Socialisten, die an eine Katastrophe glauben, immer mehr zu- sammen, währenddem die st ü ck w e i s e Eroberung der politischen Macht immer mehr als der nonnale Verlauf der Dinge anerkannt wird. Ich sehe also auch gar keinen Grund, warum die Socialisten hier, wo es sich um die teilweise Besitzergreifung der ministeriellen Gewalt handelt, den veralteten Standpunkt der Abstinenz uusrecht erhalten sollten. Die Entscheidung über die Frage, ob es wünschenswert erscheint, daß ein Socialist in ein bürgerliches Ministerium eintrete oder nicht hängt davon ab, ob man glaubt, die Nachteile der Verantwortlich- keit scheuen zu muffen, oder ob man meint, die Vorteile nehmen zu sollen, die darin liegen, daß dadurch manche Schäden beseitigt werden können und daß dadurch eine gewisse Machtstellung erobert Iverden kann. Dies in dem Falle Millerand definitiv zu entscheiden vernwgen allein die französiicheu Genoffen, die eine vollkommene Kenntnis der Dinge und der Personen haben.-~ Grenlich-Zürich. I. Der Klassenkampf des Proletariats entbindet die Socialisten niemals von der Pflicht, für Ausgaben einzutreten, deren Lösung eigentlich Sache der Bourgeoisie wäre. Auch tvir in der Schlveiz müssen häufig genug bürgerliche Freiheiten verteidigen. Wo immer bürgerliche Parteien sich an der Spitze eines solchen Kampfes be- finden— die Fälle werden immer seltener—, schließen wir uns ohne Zögern an. In dem Falle Drehfus hätten wir genau so gehandelt, wie Ihr; für jedes Ringen um die Humanität hat die Arbeiterklasse einzutreten, denn sie ist es, die unter deren Vergewaltigung am ehesten zu leiden hat. II. Das socialistische Proletariat ringt um die politische Macht. Aber, da sie in keinem Lande des Kontinents die Majorität besitzt, wird sie sich zunächst mit einem Anteil an den politischen Gewalten begnügen müssen, mit einem Anteil, der ihrer Macht entspricht. Darum zögern wir keinen Moment, die Unsrigen in die Muni- zipalitäten eintreten zu lassen, obgleich auch dort die Bourgeoisie ihre Parteigänger hat. Warum sollte es also den Socialisten nicht erlaubt sein, in ein Ministerium einzutreten, dessen Majorität bürger- lich ist? Die Partei riskiert nichts, sobald sie nur stark genug ist, ihren Minister zu überwachen, und wenn der Betreffende sich' der Partei gegenüber verantwortlich fühlt. Zum Schluß drückt Genosse Greulich die Hoffnung ans, daß es de» französischen Genossen gelingen möge, eine große und starke Partei zu begründen._ Vavkei ein Mit de« Beschlüssen des Parteitages erklärten sich einvcr- standen Parteivcrsammlungen in Hamburg 2. Wahlkreis, in Harheim(Hessen), in Ehrenfcld(Kölnischer Landkreis), und in Köln(Stadt), letztere durch Annahme einer Resolution, die sich gegen eine Acußerung Bebels zur Religion wendet und eine freundlichere Stellung zur Alkoholfrage gewünscht hätte. Bei der Stadtverordneten-Ersatzwahl in Kaffel, welche gestern stattfand, wurden nach einem uns zugegangenen Privat- telegramm vier bürgerliche Kandidaten im ersten Wahlgange ge- wählt. Vier unserer Genossen st e h e n i n S t i ch iv a h l. Die Wahl zweier dieser Genossen ist gesichert, sodaß auch in der Stadtverordneten-Versanimlung in Kassel unsere Genossen ein kräftiges Wort mitzureden haben werden. GetoevKMzetftliifzes. Berlin und Umgegend. Achtung, Böttcher! In der Faßfabrik von Koch. Inhaber Levy, haben die Lagerfaß-Arbeitcr wegen Lohndifferenz die Arbeit eingestellt. Der Zuzug ist streng fern zu halten. Der B o r st a n d. Deutsches Reich. Bekämpfung der Gewerkschaften in Weimar. Welche wunderbare Blüten die Furcht vor dem Eindringen des«socialisti- scheu Giftes" mitunter zu treiben vermag, das kann man gegen- wärtig im Großherzogtum Sachsen- Weimar- Eise nach ivahrnchmen; insbesondere zeichnet sich hierin aber die Residenzstadt Eisenach aus. Schon seit geraumer Zeit wurden geradezu schabloncn- mäßig alle Versammlungen, in welcher ein auswärtiger Redner sprechen sollte, verboten. Die Leser des„Vorwärts" werden sich erinnern, daß tvir schon einigemal genötigt waren, jene durch nichts zu rechtfertigenden Maßnahmen zu charakterisieren. Eine Verfügung, welche an den Einberufer einer öffentlichen Metall- arbeiter-Versammlung. in welcher Schlegel aus Berlin über die Zuchthausvorlage sprechen sollte, gerichtet ist, lautet: E i s e n a ch, den 3. November 1899. Der Vorstand der Residenzstadt Eisenach F. 9187. Sie haben für Montag, den 6. d. M., eine Versammlung an- gemeldet, in welcher der Schlosser Friedrich Schlegel ans Berlin 'einen Vortrag über den Gesetzentwurf zum Schutze Arbeitswilliger halten soll. Da der Genannte socialdeinokratischer Agitator ist und demnach angenommen werden muß, daß sein Vortrag lediglich den Zwecken socialdemokratischer Propaganda dienen und mit Rücksicht auf das gewählte Thema einen besonders aufreizenden Charakter tragen wird, io wird die angemeldete Versammlung wegen der von ihr zu er- wartenden Geführdung der öffentlichen Ordnung hiermit. verboten. Müller. An den Drechsler H. Seidel D. B. hier. Die Heldenthat ist vollbracht, der Staat gerettet; mit weisem Scherblick wird vorausgesagt, daß der Vortrag einen besonders auf- reizenden Charakter tragen wird. Schlegel hat in E i s e n a ch gelegentlich der Reichstagswahl und auch in einigen anderen Versammlungen gesprochen, die Versammlungen sind alle ruhig, ohne Störung verlaufen und nun auf einmal toll das so ein zanz gefährlicher Aufwieg eler sein. Vielleicht aber irren wir uns auch mit dieser Auslegung der Ver- iügung, vielleicht meint die Behörde, der Gesetzentwurf bi aufreizender Natur, und da soll sie ja ausnahmsweise einmal recht haben, wenn sie auch dadurch sich noch lange nicht das Recht erwirbt, jemandem, der beabsichtigt, in objektiver Weise die Gefahren eines derartigen Gesetzentwurfs für die Arbeiter klarzulegen, das Reden zu verbieten. Oder hat die BeHorde verhüten wollen, daß unser Genosse evenwell eine Anklage wegen Aufreizung zum Klassen- haß bekommt? Welche Gründe eS aber auch gewesen sein mögen, mindestens wird durch derartige Verfügungen gezeigt, woher der Wind weht: man arbeitet mit allen Mitteln, um eine Aussprache über die reaktionären Matznahmen der Regierungen zu verhindern; unsere Genossen mögen deshalb mehr denn je auf dem Posten sein. Ein mustergültiges Dorf scheint das Dorf Farge im Regie- rungsbezirk Stade zu sein. Dasselbe zählt nur etwa 900 Ein- wohner, beherbergt nicht einmal einen Gendarme», wird aber vom 1. Januar n. I. an ein Gewerbegericht erhalten. Große Städte mögen sich daran ein Beispiel nehmen. Ueber Excefse arbeitswilliger Maurer wird dem„Hamb. Echo" aus Lüneburg geschrieben: Von den während des Maurer- streiks von den Unternehmern hierhergezogenen Arbeitswilligen arbeiten noch zwölf beim Bau der Irrenanstalt. Diese Leute, meist Trunkenbolde, haben mehrfach grobe Excesse verübt und die am Streik beteiligt gewesenen Maurer bedroht und belästigt, weshalb am Montag 88 hiesige Maurer am Bau der Irrenanstalt die Arbeit einstellten und erklärten, dieselbe nicht eher wieder ausnehmen gl wollen, bis die Arbeitswilligen entlassen seien. Bei )er darauf erfolgten Unterhandlung kam eine Einigung zu stände, nach welcher die arbeitswilligen Rowdies nach Beendigung der kontraktlich festgesetzten Arbeit, etwa in 14 Tagen, entlassen werden sollen, die Einheimischen die Arbeit aber 'ortsetzen sollten. Diese wurde denn auch von den 88 Mann wieder aufgenommen. An demselben Tage, an dem der Herr Regierungs- Präsident v. Oertzen in sein Amt in Lüneburg eingeführt wurde, er- eigneten sich diese Excesse. In ganz kurzer Zeit wird der Reichstag zusammentreten und über die Znchthausvorlage beraten. Die Re- gierung wird wohl neues„Material" zur Begründung zusammen- getragen haben. Vielleicht wird auch noch die famose Denkschrift erweitert. Es wäre doch recht ffchade, wenn die hier geschilderten Vorgänge dabei fehlten. Wir empfehlen daher dem Regierungs- Präsidenten, sich von der hiesigen Polizei genau Vortrag darüber halten zu lassen. Diese kann über das Verhalten der- ftnigen,' die nach der Zuchthausvorlage eines besonderen Schutzes bedürftig sind, noch viel mehr berichten. Sollte der Herr Regierungs- Präsident einen Bericht hierüber an den Berfaffer einer verbesserten Denkschrift einzusenden haben, würde er bor seinem Vorgänger den Vorzug haben, daß er bestimnite Fälle anführen kann und sich nicht in allgemeinen Redensarten zu bewegen brauchte. Der Ausstand der Kesselschmiede bei der Firma Siller u. I a m a st in B a rm e n ist nach eintägiger Dauer durch beider- scitiges Uebereinkommen beigelegt worden.' Die Arbeit ist bereits wieder aufgenommen. Ausland. Die Tapezierer der Firma Wolf u. Aschbacher in Zürich stehen seit dem 6. November im Streik. Zuzug ist strengstens fern- zuhalten. Die Kommission. Im Stockholmer Buchbinderstreik haben nun endlich die Meister in Verhandlung in einem gemeinsamen Ausschuß der beiden Verbände gewilligt und hat nian sich betreffs des Minimallohnes auf die vom Bnchbindergesellen-Verband im Vermittlungsvorschlag angesetzten Beträge von 20, 22 und 23 Kronen pro Woche geeignet. Auch über die Arbeitszeit und Arbeitseinteilung ist Einigung erzielt. Nur über die Extrabezahlung an Sonn- und Feiertagen schweben noch die Verhandlungen. Es zeigt sich hier, welchen Nutzen es hat. wenn sich die Arbeitgeber auf friedliche Verhandlung einlassen. Hätten sie es gleich gethan, wäre die ganze Arbeitseinstellung unter- blieben. Russische Streiks und die Staatsgewalt. Wie aus einem im Organ der socialdemokratischen nissischen Zeitschrift„Nakanunje" („An der Schwelle") veröffentlichten Bericht aus Warschau hervor- geht, muß die Schuld an dem für die Arbeiter ungünstigen Aus- gange des Massenstreiks in Polen ausschließlich den russischen Be- Hörden zur Last gelegt iverden. Die Zahl der Streikenden betrug über 30 000 und ist bisher nur einmal, im Jahre 1892, wo in Lodz 60 000 Arbeiter streikten, übertrumpft worden. In diesem Falle handelte es sich aber ausschließlich um Lohnfragen und örtliche Interessen der Lodzer Arbeiter, während der letzte Streik auf dem Boden einer organisierten polnischen socialdemokratischen Be- wegung stand und'die Arbeiter entsprechende Forderungen stellten. Die Partei hatte sich auch die erdenklichsten Mühen gegeben, um einen Zusammenstoß oder Reibereien mit der Polizei und Gendarnierie, die gleich in den ersten Tagen nach Ausbruch des Streiks die von Arbeitern bewohnten Stadtviertel mit ihren Hörden überfluteten, zu verhindern und der Haltung der Arbeiter konnte nicht der geringste Tadel zu teil werden. Anfänglich schien denn auch der Streik einen günstigen Verlauf nehmen zu sollen, da die Unternehmer die Arbeit meist zum bestimmten Termin fertig haben mußten und andererseits die herumlungernden Polizisten, Gendarmen und Kosaken sich mit der„Aufrechterhaltuug der Ordnung" begnügten. Die Unter- nehnicr waren anf dem besten Wege, nachgeben zu müssen, als die Groß- fabrikanten von deni Generalgouverneur zu einer intimen Konferenz be- fohlen wurden. Während nun der Generalgouverneur sich bei den Groß- Unternehmern ins Zeug legte, sie sollten ja keinen Finger breit den „Rebellen und Banditen"(Buntowschtschiki") nachgeben und den „Sieg der Revolution" um jeden Preis verhindern, bearbeiten die untergeordneten Polizei-Organe und die Fabriks-Jnspektionsbeamten, die stets Hand in Hand zu gehen pflegen, die„kleineren" Fabrikanten und Kleinmcister in demselben Sinne. Die Folge dieser Beratung zwischen Kapital und Staats- gewalt bildete ein an allen Ecken und Enden der Stadt angeschlagener Erlaß des Oberpolizeimeisters, in welchem den Streikenden befohlen wurde, die Arbeit bis Mittag desselben Tages wieder aufzunehmen, widrigenfalls sie„verschickt", die „Rädelsführer" und„Hauptschuldigen" aber in das Gefängnis gesetzt würden. Diesem Befehle wurde natürlich nur von den wenigsten Arbeitern Folge geleistet und als nach weiteren 24 Stunden auch noch die Mehrheit der Arbeiter in der Umgebung von Warschau Streik angekündigt hatte, griffen Polizei und Kosaken, ohne daß auch nur ein Fall einer öffentlichen Ruhestörung irgend welcher Art seitens eines Arbeiters bekannt geworden wäre, zur Gewalt. Die Arbeiter wurden mit Kosakenpeitschen und Gewehr- kolben-Schlägen in die Fabrikshöfe hineingejagt, wenn es nicht gelang, sie unter dem Vorwande, der Besitzer wolle mit ihnen unter- handeln, sie freiwillig zu bewegen, den Hof zu betreten. In den Höfen wurden die Männer in Ketten geichlossen, die Frauen und jungen Mädchen aber mit Stricken an die Pferde gebunden(!) und dann mit Hieben in das Gefängnis hineingejagt. So wurden mehrere Hunderte in den Warschauer Gefängnissen' unter- gebracht, während über 2000 unter Polizeibegleitung nach ihren Geburtsörtern, zum Teil aber nach den Industriegebieten Süd- rußlands, in denen sogenannte Leutcnot herrschte, geschafft wurden. Fluchend und zähneknirschend angesichts dieser himmelschreienden Gewaltthaten kehrten die Arbeiter' am darauffolgenden Tage zur Arbeit zurück. Auch das Schicksal des Grubenarbeiter-Streiks in Dombrowo, von dem wir seiner Zeit bereits berichteten und an dem, wie jetzt fest- gestellt worden, über 15 000 Arbeiter teilnahmen, nahm einen ähn-. lichen Verlauf. Wie ein Bergmann, der nach zweimonatlicher Ge- fängnishaft wieder entlassen wurde, berichtet, äußerte zu mehreren Arbeitern bei ihrer Verhaftung einer der Polizeibeamten, nur der Mangel an Gefängnissen im Gouvernement Petrikani verhindere es,' daß nicht alle„Aufwiegler", d. h. sämtliche streikenden Arbeiter hinter Schloß und Riegel gesetzt würden. Sociales« Die Unternehmer und die Statistik. Aus Wien wird uns unter dem 8. November berichtet: Wie die Unternehmer bestrebt sind, die Erforschung der Lage„ihrer" Arbeiter mit allen Mitteln zu hintertreiben, zeigt ein Konflitt, der sich zwischen dem a r b e i t s- st a t i st i s ch e n Amte und dem Centralverein der Berg Werksbesitzer Oestreichs entwickelt hat. Das arbeits- statistische Amt ist eine Schöpfung des ehemaligen Handelsministers Baer n reither; es wurde, da das Abgeordneten- haus die betreffende Gesetzesvorlage infolge der Obstruktion nicht erledigt hatte, im Sommer 1898 mittels kaiserlicher Ent- schließung ins Leben gerufen. Die in dem Gesetzentwürfe aus- gesprochene Verpflichtung der Unternehmer, bei den statisttschen Er- Hebungen, die von dem Amte unteniommen werden, ihre Mithilfe zu leisten, mußte deshalb aus dem Statut weggelassen werden. Nun beschloß der arbeitsbeirat— ein Beirat des Amtes, der aus Vertreteni der Unternehmer, Arbeitern und Männern der Wissen- 'chaft besteht— als erste Untersuchung eine Erhebung Iber die Lage der Arbeiter im mährisch- schlesischen Kohlenrevier vorzunehmen. Die Cr- Hebungen sollten durch individuelle Befragung der Arbeiter an Ort und Stelle erfolgen, und zwar durch Organe der Arbeiter selbst. Dazu wäre natürlich die Unterstützung der Bergwerksbesitzer not- wendig und das Arbeitspolitische Amt wandte sich deshalb an den Centralverein, der Vereinigung sämtlicher östreichischer Bergwerks- besitzer, um seine Unterstützung für diese nur der Erforschung der Wahrheit dienende Befragung zu erwirken. Die Antwort, die die Unteniehnierorganisatton auf dieses Ersuchen gab, ist ein Denkmal protzenhaften Uebermutes. Die Unternehmer erklären vorerst, den Erhebungen nur dann zuzustimmen, wenn gleiche Erhebungen auch über die Lage der Arbeiter gewerblicher, industrieller und landwirtschaftlicher Betriebe desselben Bezirkes zum Vergleich herangezogen werden, jeder Ziffer, welche über die Bergarbeiter erhoben wird, auch die entsprechende Ziffer aller anderen Arbeiter gegen- übcrgestellt wird". Was damit bezweckt werden soll, ist klar: die zärtliche Besorgnis der Grubenbarone für die landwirtschaftlichen Arbeiter ent- springt der Hoffnung, daß eine so umfassende statistische Aufnahme solche Schwierigkeiten machen und soviel Vorbereitungen erfordern würde. daß sie sich jahrelang hinziehen, vielleicht gar einschlafen würde. Noch unverschämter ist die zweite Forderung: die Bergwerksbesitzer verlangen, daß bei„gewissen Fragen", die an die Arbetter gerichtet werden sollen, die Vertreter der Berg Werksbesitzer anwesend sein können". Um die Angaben der Arbeiter evenwell.richtigzustellen", sagen sie; um sie einzuschüchtern, sagen wir. Interessant ist nun. wie sich gegenüber diesen Praktiken die staatliche Behörde verhielt. Da das arbeitsstatistische Amt diesen teils lächerlichen, teils listigen Forderungen die Erfüllung weigerte, verlegten sich die Unternehmer auf den passiven Widerstand. Ihre Direktoren erklärten dem Amt, die Fragebogen nicht ausfüllen zu Ivollen und ablehnen zu müssen, an den Erhebungen aktiv teil- zunehmen. Darauf wandte sich der Handelsminister D i p a u l i selbst an den Grafen L a r i s ch, den Präsidenten des Vereins und Besitzer des Friedhofes von Korvin, wo so viele hundert von Proletariern den in der Grube erlittenen Tod schlafen, um den Herrn für die Enquete freundlicher zu stimmen. Da die Bergwerks- bcsitzer, diese Erzmillionäre, eS nicht verschmäht hatten, auf die Kosten, die ihnen angeblich die Enquete bereiten würde, hinzuweisen, so offerierte ihnen Herr v. Dipauli einen Kredit von 10 000 Gulden. Alles das nützte nichts. Der Centralverein beantlvortete die devoten Vorstellungen des Handclsministers mit einem höhnischen Schreiben, und als das Ministerium Thun gefallen war, wandte er sich mit einer Petition an den Grafen C l a r y, dem Chef der neuen Regierung, dem als Ackerbauminister das Bergwesen untersteht und der von seiner schlesischen Statthalterschaft her bei den Grubenausbeutern im besten Andenken steht. Die Petition ist ein grobes Pamphlet gegen die Arbeiter, und dannt nicht genug, eine dreiste Insulte gegen das arbeitsstatistische Amt, dem in' echter Unternehmcrfrechheit vorgeworfen wird, daß es„mangels aus- reichender Kenntnis der thatsächlichen Betriebs- und Arbeitsverhältnisse beim Bergbau die Tragweite seiner Entschließungen ebensowenig be- urteilen kann wie der ständige Arbeitsbeirat". Die Sache gelangte in der Sitzung des Arbcitsbeirates am Sonnabend zur Besprechung und es wurde beschlossen, sich den gesamten Schriften- Wechsel— bekannt Ivar die Affaire durch eine„indiskrete" Veröffent- lichung der„Arb.-Ztg." geworden— vorlegen zu lassen und sodann die nötigen Schritte zu unternehmen. Der Verlauf der ganzen Angelegenheit ist typisch für die Feind- scligkeit, womit sich Unternehmer überall und allezeit der Erforschung der Wahrhesi entgcgenwerfen. Ihre Thatcn vertragen eben das Licht nicht, denn viele Dinge sind in der Welt nur möglich, weil man nickt weiß, wie sie sind. Goviiszkzs-Ieikuu�» Verbreche» oder Wahnsinn? Im Wege des Wieder- a u f n a h m c-Verfahrens wurde gestern vom Schwurgericht am Landgericht II ein Mann freigesprochen, der seiner Zeit zu drei Jahren Fuchthaus verurteilt worden war und auch einen Teil dieser Strafe bereits verbüßt hat. Der Angeklagte war der ehe- malige Versicherungsinspektor Ernst Hermann Lorenz W i l k e, der seiner Zeit von einem Rittergutsbesitzer adoptiert lvorden ist und sich mit Vorliebe Ernst von Wilke nennt. Hervorragende Vcr- schlvendungSsucht und unbeschreiblicher Leichtsinn haben ihni vor mehreren Jahreil eine Strafe wegen Betruges eingetragen. Er stand dann am 7. Mai 1897 unter der Anklage eines' Sittlichkcits- Verbrechens, begangen an einer verheirateten Frau, vor den Geschworenen des Landgerichts II und wurde trotz seines energischen Bestreitcns zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Revision hatte keinen Erfolg und Wilke wurde am 23. Juli 1897 in die Strafanstalt zu Brandenburg übergeführt. Schon dem Arzte des Berliner Untersuchungsgefängnisses war auf Grund seiner Beobachtungen das Benehmen Wilkcs in mancher Beziehung merkwürdig vorgekommen. Ganz unabhängig hiervon wurden ähnliche Beobachtungen auch in der Strafanstalt zu Brandenburg gemacht, und als sich zu epilcptoiden Anfällen all- »nählich Tobsucht gesellte, wurde Wilke zur Beobachtung seines Geisteszustandes der Jrrenabteilung der Strafanstalt in der Lehrterstraße überwiesen, und dort wurde durch Sanitätsrat Dr. Leppman» die Geisteskrankheit des Wilke festgestellt. Zu demselben Ergebnis kam Geh. Medizinnlrat Dr. Sanders, nach- dem der Angeklagte der Irrenanstalt zu Dalldorf Überwiesen worden >var. Es wurde alsdann� das Entmündigungsverfahren eingeleitet und dem Wilke in der Person des Lehrers Dr. Dähiie ein Vormund bestellt. Letzterer beauftragte den Rechtsanivalt Dr. S ch w i n d t damit, das Wicderaufnahmc-Verfahren durchzusetzen. Dies gelang schließlich und so stand Wilke gestern unter der Anklage der Nötznckt nochmals vor den Geschworenen. Sanitätsrat Dr. L e p p m a n u und Geh. Medizinalrat Dr. Sanders gaben übereinstimmend »hr Urteil dahin ab, daß der erblich belastete Angeklagte an chromschen Wahnvorstellungen leide und bereits zur Zeit der Begehung der That in einem Zustande krank- hafter Störung der Geisteskräfte sich befunden habe. Infolgedessen lautete der Spruch der Geschworenen ans Nichtschnldig und es erfolgte die Freisprechung des Angeklagten. Rechtsanw. Dr. S ch w i n d t beantragte, das Gesetz, betreffend die Entschädigung unschuldig Verurteilter auf den Angeklagten anzuwenden. Dem Antrage wird nicht stattgegeben werden können, da nach Ansicht des Gerichts das Gesetz nur da Anwendung finden kann, Ivo der Verurteilte die ihm zur Last gelegte That überhaupt nicht begangen hat, nicht aber in solchen Fällen, wo von der That unabhängige Momente subjektiver Natur zur Aufhebung eines verurteilenden Erkenntnisses geführt haben. Die Gräfin im Paradiese. Die Strafkammer zu Koblenz hatte sich, ivie die„Köln. Ztg." schreibt, mit einer Privatklage des Dr. Kläsgen, Badearztes in Münster a. St., gegen den Kurdirektor Dörner, die Aerzte Sanitätsrat Dr. Welsch in Münster a. Stein und Sanitätsrat Dr. Hessel in Kreuznach, sowie gegen den Prinzen zu Salm-Horstmar in Höxter als Berufungsinstanz zu beschäftigen. Die Angelegenheit erregte die Ansinerksamkeit weiterer Kreise, die für die Hypnose besonderes Interesse hegen. Der Kläger, der als Badearzt im vorigen Somnrer die Gräfinnen Karola und Mathilde zu Lippe-Biestcrfeld in Detmold und die Prinzessin Friedrich von Sachsen-Meiningcn behandelte, wurde zu ungeivöhnlicher Zeit zu Gräfin Karola, die schwer erkrankt war, gerufen. Dr. Kläsgen erkannte sofort die Erkrankung als eine typhöse und legte einen Eisbeutel auf die Stirn der Kranken, nachdem er vorher das Haar derselben mit einem Kamm zurückgestrichen hatte. Von dieser Manipulation hatte der Liurdirektor gehört und in der Annahme, Dr. Kläsgen, der sich mit Hypnose beschäftigt, habe die Kranke hypnotisiert, vcranlaßte er die Verwandten, auf die Weiterbehandlung durch Dr. Kl. zu verzichten und an seiner Stelle Dr. Welsch zu berufen. Die Kranke aber erklärte, sie wolle nur von Dr. Kläsgen behandelt sein, weil er sie eine Stunde in das Paradies versetzt. Die von den Angeklagten ausgesprochenen abfälligen Aeußerungen veranlaßten Dr. Kl. zu einer Beleidigungsklage. Das Schöffengericht zu Kreuz- nach hatte sämtliche Beklagten verurteilt: Kurdirektor Dörner zu LOO M., Dr. Welsch zu 60" M., den Prinzen Salm- Horstmar zu 300 M. und den Dr. Hessel zu 100 M. Uebev skandalöse Vorkommnisse in der Schnlstttbe des hinter dem Neuen Palais belegenen Dorfes Eiche wurde vor einiger Zeit in den Tageszeitungen berichtet. Nachdem die dortige Schule eine Zeitlang gänzlich geschlossen ivar, lveil dort kein Lehrer vor- handen, hatte man in der Person des 21 jährigen Lehrers Pflug aus Gransee einen neuen Jugenderzieher erhalten, der aber schon nach kurzer Zeit aus Eiche verschwand, weil er in der Schulstube schamlose Handlungen mit den ihm anvertrauten kleinen Mädchen beging und die empörten Eltern an ihm Lynchjustiz üben wollten. Die Wahrheit dieser damaligen Meldung wurde nun in einer an die Zeitungen ge- richteten Berichtigung bestritten und nur zugegeben, daß Pflug sich disciplinarisch vergangen habe. Welchen Wert diese angebliche Be- richtigung hatte, lehrte nunmehr die Thatsache, daß sich am Mittwoch der jetzt in Berlin»vohnende Lehrer Pflug vor der Potsdamer Straf- kammer lvegen wiederholten Sittlichkeitsverbrechens zu verantworten hatte,»vobei eine ganze Anzahl kleiner Schulmädchen als Zeugen vernommen wurden. Nur mit Rücksicht auf seine Jugend wurden Pflug mildernde Umstände zugebilligt und er deshalb zu einem Jahre Gefängnis verurteilt, auch seine sofortige Verhaftung be- schloffen._ OcrscnttMrttttgrtt. Die Metallarbeiter waren am Dienstag in den„Arminhallen" äußerst zahlreich vertreten, um Stellung zu nehmen zu dem Aus- stand bei der Firma A l t m a n n u. Co. in M a r i e n f e l d e und die Unterstützungsfrage zu regeln. Bauer schilderte die bekannten Ursachen des Ausstandes. Sodann wendet sich Redner in scharfer Weise gegen den Deutschen Metallarbeiter-Verband, dessen Verhalten gegenüber den Streikenden er und mehrere andere Redner verurteilen. Einige anlvesende Mitglieder des Verbandes suchen das Verhalten desselben zu rechtfertigen. Schließlich findet nachstehende Resolution Annahme: Die Versammlung erklärt sich mit dem Ausstande bei der Finna Altmann u. Co. in Marienfelde einverstanden. Sie ver- urteilt auf das allcrentschiedenste das Vorgehen des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes und verpflichtet sich,'für die Ausgesperrten die volle Solidarität zu wahren und dieselben mit allen Kräften zu unterstützen. Der Vorsitzende schloß die Versammlung mit dem Hinweis, daß das Streikbureau sich bei Hahn, Stralaucrstr. 48, befindet. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den Alabaster- Fabriken waren am Dienstagabend Gegenstand einer gntbesuchten Versammlung der in diesen Fabriken beschäftigten Arbeiter. Wie Schöbe! in seinem einleitenden Referat bemerkte, seien die Zu- stände in diesen Betrieben bisher wenig in die große Oeffent- lichkeit gedrungen, lveil die Alabaster-Arbeiter bisher fast gar nicht organisiert waren und mit ihren traurigen Verhältnissen sich zufrieden gaben. Die Zustände in einigen Arbeitsstätten spotten aber geradezu seder Beschreibung. Nicht nur fehle es an der durchaus notwendigen Lüftmig und Reinlichkeit, in den fortwährend von Staub erfüllten Räumen, obwohl dies längst von dem Gewerbe- Inspektor verlangt wurde, es»verde infolge der niedrigen Löhne auch noch Ueberzeit gearbeitet. Accordarbeit ist übcnviegcnd und dürfte auch leider nicht so rasch zu beseitigen sein. Die Haus- industrie und Frauenarbeit, solvie die große Zahl der ungelernten Arbeiter haben traurige Zustände und niedrige Löhne gezeitigt. In den Ankleiderän in e n müssen vielfach männliche und lveibliche Arbeiter sich gemeinsam umkleiden. Für Waschgelegcnhcit ist fast gar nicht gesorgt, so daß es die Arbeiter eben vorziehen, mit allem Staub und Schmutz behaftet die Arbeitsstätten � zu verlassen. Da nunmehr in den letzten Monaten die Organisation des Dontscken Holzarbeiter-Vcrbandes sich mit der Beseitigung dieser llcbelstände befaßt und einen Teil dieser Arbeiter zur Organisation herangezogen habe, seien auch bereits die üblichen Maßregelungen er- folgt! Redner schließt mit der Aufforderung zur Einigkeit damit durch ein gemeinsames Vorgehen aller Arbeiter und Ar beitcrinnen eine Aufbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen und der Beitritt zur Organisation erzielt»verde. Es erfolgte iinninchr eine mehrstündige Besprechung, in deren Verlauf von einer großen Anzahl Arbeitern die Zustände in den einzelnen Betrieben in sehr drastischer Weise geschildert Ivurdcn. Leider seien aber viele Ucbclstände durch die Gleichgültigkeit und Lässigkeit der Arbeiter selbst verschuldet. Einigen Werkführcrn »vurd'e Bestechlichkeit vorgclvorfcn. Ai»genblicklich handle es sich dar um, die günstige Gcsckäftskoiijunktur auszunützen und möglichst bald einen geeigneten Tarif für alle Souderarbeiten fertig zu stellen, um diesen den' Fabrikanten zur Belvillignng zu unterbreiten,»vas in den nächsten Tagen geschehen soll. Auch die 10 Proz. sogen.„Dampf- gelber", welche die betreffenden Arbeiter, Drechsler:c., für Bc- iiutzung der Maschine zu zahlen haben, sollen ermäßigt oder gänz- sich beseitigt werden. Moos, Bunte»nd S ch o b e I »varnen davor, ans eigenem Antrieb die Arbeit nieder- zulegen ohne Eiiiivillignng der Ortsvenvaltung des Verbandes. In den nächsten Tagen sollen W c r k st u b e n v c r s a m m l u n g e n einberufen und die T a r i f f o r d e r u n g e n ec. besprochen»verde»». lieber Vorkommnisse lvegen Maßregelungen und Lohn- st r e i t i g k e i t e ii in den einzelnen Betrieben ist dem Vertrauens- mann beziv. der Organisation des Holzarbeiter- Verbandes sofort Mitteilung zu machen. In einer einstimmig an- genommenen Resolution verpflichteten sich die Anlvesenden, die Arbeit in allen Betrieben sofort einzustellen, falls in diesen Tagen noch weitere Maßregelungen stattfinden sollten. Die Vauanschlägcr hielten am Dienstagabend eine öffentliche Versammlung für den Süden uild Rixdorf bei Eivald, Schönlcin- straße 6, mit der Tagesordnung:„Unsere Lohufrage" ab. Mehrere Redner erläuterten die bisher gefaßten Beschlüsse betreffs unserer Lohnbewegung und ersuchten die Rixdorfer Kollegen, sich dem an- zuschließe»'». Im Namen der Rixdorfer Bauanschläger sprach Perlin und bei der Abstimmung erklärten sich dieselben voll und ganz für Anschluß an die Berliner Lohnbeivegung. Unter Verschiedenem streifte Wegencr-Britz das Enlrepreneur-Univesen in unserem Beruf. Das- selbe fällt aber, lvie unsere Redner erläuterten, mit Anerkennung des Lohntarifes von selbst. Die Zahlstelle für Rixdorf wurde beim Restaurateur Münzer. Bcrgstr. 7, festgesetzt. Erkner. Am Sonnabend fand hier in Brodts Lokal eine öffentliche Volksversammlung statt, die»vieder sehr gut, besonders auch von Frauen, besucht»var. Eingangs sprach, oft leb- Haft zustimmend unterbrochen, Genosse Kotzte über den„Kampf gegen das Unrecht"; reicher Beifall belohnte ihn. Nach einer kurzen Diskussion ging die Versammlung zu Punkt 2 der Tagesordnung über, das heißt zu den zivei Fragen, die namens der Parteigenossen an Herrn Pfarrer Lamprecht zu WolterSdorf-Erkner gestellt werden sollten. Die erste lautete:„Wie hält es der Herr Pfarrer mit dem Begriffe der christlichen Nächstenliebe für vereinbar, in der Konfirmand'enstunde die Socialdemokratie schlecht zu machen?", während an ztveiter Stelle über den Ursprung und die Verwendung des sogenannten Vierzeitengeldes gefragt werden sollte. Genosse Karl Müller kritisierte zunächst die Taktlosigkeit, die der Herr Pfarrer dadurch begangen habe, daß er auf einen höflichen Brief des Referenten in dieser Angelegen- hcit einfach gcschiviegcn hat. Unter allseitiger lebhafter Zu- stimmung verurteilte der Redner den Thatbestand, der der erwähnten ersten Anfrage zu Grunde liegt. zumal gerade in diesem Jahre viele Kinder parteigenössischcr Eltern den Konfirmandenuntcrricht besuchten. Die Frage nach Ursprung und Verwendung des Vierzeitengeldes mußte Redner offen lassen, da eben S. Hochivürden nicht erschienen waren. Jedenfalls sei es vielen eine unaufgeklärte Sache,»varum und lvozu der evangelische Christ jährlich 50 Pf., d. h. die Arbeiterfamilie in der Regel 1 M. im Jahre, Sondersteuer außer der Kirchensteuer zahlen mutz. Aus den Wahlen gingen lHensel als Vertrauensmann und Klemovicz solvie Hermann als Lokalkommissionsmitgliederhervor. Endlich forderte Müller die Genossen, die gern tanzen, auf, recht stark Brodts Lokal oder das Kurhaus zu besuchen, denn zmn Nichtbesuchen des gesperrten Müllerschen Lokals hätte er nicht auffordern können, ohne die üblichen S M. und 1,20 M. Gerichtskosten abladen zu müsseil. Mit einem jubelnden Hoch auf die Socialdemokratie schloß die Ver- sammlung, die u. a. zur Folge hatte, daß sich 14 Arbeiter der hier bestehenden Zahlstelle des Verbandes der Fabrikarbeiter neu an- schloffen._ Der Krieg. Neue Nüstungeu. „Daily Chronicle" berichtet, daß eine bedeutsame Sitzung deS Kabinettsrats unmittelbar bevorstehe. Derselbe»vird die Frage der Mobilisierung eines oder zweier weiteren Armeecorps in Er- wägung ziehen. Eine„Herold"-Meldung aus London besagt: Augenblicklich werden im Feldlager von Aldershot Vorbereitungen für Truppen- konzentrationen getroffen. Es handelt sich zunächst um die Mobili- sierung einer Division. Die Mobilisierung eines neuen llrmeecorps ist noch nicht definitiv beschlossen. Die Lage um Ladysmith. Die Londoner Blätter geben jetzt selbst zu, daß die Erfolge, von denen neuerdings berichtet worden war, auch nicht von Be- deutung waren. Die„Times" melden vom S. d. M. aus Pieter« maritzburg: Die durch Eilboten hierher gelangten Nachrichten über die Gefechte bei Ladhsmith vom Donnerstag und Freitag solvie der amtliche Bericht modifizieren die früheren Nachrichten von bedeutenden Erfolgen der Engländer, nichtsdestoweniger »varen die Operationen erfolgreich. Ein iveitercs Vorrücken der Boeren wird noch durch die englische Streitmacht bei Ladysmith ver- hindert; die Eisenbahnverbindung ist noch abgeschnitten. Allerdings ohne wenigstens eine Sicgesfanfare geht es bei den Engländern nicht ab. Aus Estcourt wird vom S. November gemeldet: Ein gepanzerter Zug, welcher zur Rekognoscierung der Eisenbahnlinie von hier abgesandt war, traf bei Colenso auf Boeren. Er eröffnete das Feuer auf den Feind,»reicher sich mit Verlust zurückzog. Der Zug fuhr dann nach C o l e n s o hinein und es gelang ihm, vier Wagenladungen mit Geschossen, Lebensmitteln und sonstigen Vorräten von Fort Wylie»vegzubringen. Hiernach kehrte der Zug hierher zurück. Weit trüber schildert eine andere Meldung des„Reuterschen Burea»ls" aus E st c o u r t vom 6. d. M. die Lage: Der Besitzer des Eisenbahn-Hotels in Ladysmith ist hier eingetroffen und berichiet, daß die Boeren fortfahren, die Stadt zu beschießen. Kcins der britischen Geschütze scheine im stände, de» Belagerungs- geschützeu der Boeren staud zu halte». Vor allem scheint es außer Zlveifel, daß die Hauptstadt der Natalkolonie Pietermaritzburg bereits durch ein Boerendetachement unter Lucas Meyer stark bedroht ist. Paris, 9. November.„Liberts" erhält aus Amsterdam die Bestätigung der gestrigen Meldung über die Anfreibung eines englischen Kavallerieregiments bei Ladysmith am letzten Freitag. Das Regiment ist von den Frcistaat-Boercn vollständig aufgerieben. 600 englische Soldaten wurden kampfunfähig gemacht und 300 Pferde erbeutet. Paris, 9. November. Der„Tcmps" veröffentlicht folgendes Telegramm aus London: Ein Telegramm aus Kapstadt berichtet, daß General White seine sämtliche Munition verschossen hat und gczlvimgen ist, sich den Boeren zu ergeben. General French ist zu diesem Zivecke nach Kapstadt gereist, um dem General Buller die Bedingungen der Kapitulation von Ladysniith zu unterbreiten oder von ihin die Bedingungen für einen letzten ver- zlveifeltcn Ausfall einzuholen. Belagerung von Kimberley. Aus Oranjcrivcr»vird dem„Reuterschen Bureau" vom 6. d. M. gemeldet: Tie Kimberley belagernden feindlichen Truppen si»id um 2V0V Man» verstärkt worden, so daß die gesamte Streitkraft der Boeren vor Kimberley sich jetzt auf fast 6 000 Mann beläuft. Die Boeren fahren fort, die Fanneii zisi plündern und haben in der Umgebung von Kimberley befindliche, Kanfleuten aus Kimberley gehörige Güter, die auf 5400 Pfund Sterling geschätzt werden, weggenommen, mn zu verhindern, daß sie in die Stadt gelangen. Die Delagoabai. Wie», 9. November. Einer Lisiaboner Meldung der„Politischen Korrespondenz" zufolge erklärte die portugiesische Regierung auf An- frage mehrerer Mächte alle Gerüchte betreffend angeblicher Ab- mächuugen mit England über die Delagoabai für unbegründet. Letzte Meldungen. London, 9. November. Der Dampfer„Noslin Castle" ist in Kapstadt mit 2 Bataillonen Infanterie und einer Abteilung Offiziere eingetroffen. London, 9. November. Bei dem Lordmahors-Bankett erklärte Feldmarschall Wolselcy in Beantwortung eines Toastes auf die Armee, die irregulären Streitkräfte in Südaftika hätten sich würdig crlviesen, den Platz neben der regulären Armee bei der Verteilung des Reiches einzunehmen, als- dann fügte der Redner Hinz»», es sei heute der Befehl ergangen, eine weitere Armcedivision zu mobilisieren; die Verwaltung sei im stände, nötigenfalls ein zweites Armeecorps zu mobilisieren. Kapstadt, 6. November. fMelduiig des„Reuterschen Bureaus".) Die Meinung ist unzweifelhaft vorherrschend, daß die Bewunderung, welche durch den Mut der Boeren bei den letzten Kämpfen hervor- gerufen wurde, eine vortreffliche Vorbedeutung für eine künfttge friedliche Beilegung bildet. Die gefangenen Boeren sind jetzt an Bord des Kriegsschiffes„Penelope" in Simonstolvn gut untergebracht, es ist ihnen gestattet, Besuche zu empfangen. Sie drücken alle ihre Dankbarkeit für die sreundliche Behandlung aus. Netzte NNcheirtzken und Depeschen« Komplottprozcsi in Paris. Paris, 9. November. Grenadierplatz, Annenstraße, Roßstraße. Wallstraße bezw. Friedrichs- gracht, Grünstraße, Brüderftraße; Verginamistraße— Landsberger Thor durch die Camphausen-, Urban-, Gräfe-, Mariannen- straße, Mariannenufer, Schillingsbrücke, Koppen- und Friedenstraße i Kaiser Friedrich-Straße in Rixdorf durch die Urban-, Graefc-, Bvckh- und Admiralftraße im Anschluß an die bestchendc Linie Treptow— Behrenstraße; Behrenstraße von der Mauer- bis zur Fricdrichstraße im Anschluß an die bestehende Linie Treptow— Bchrcnstraße; Wilhelmstraße von Behrenstraße bis zur Straße Unter den Linden iin Anschluß an die bestehende Linie Treptow— Behrenstraße; Hochstraße (Ecke Wiesenstraße)— Moabit durch die Hochstraße, Neue Hoch-, Liesen-, Chaussee-, Boyenstraße, Fennstraßenbrücke, Quitzow-, Havclberger-, Perleberger-, Lübecker-(event. durch die Grenz-, Schulzcndorfer-'und Sellerstraße) anschließend an die Linie Mittclstraßc— Pankow; von der Dronthcimer Straße(Ecke Justusstraße) durch die Kolonie-, Ufer-, Wicseiistraße anschließend an die Linie Pankow— Mittelstraße: von der Dunckerstraße durch die Danziger, Ebcrswaldcr, Wollincrstraße, Vinetaplatz, Stralsundcr, Strelitzer, Usedomstraßc anschließend an die bestehende Linie Pankow— Mittclstraße. Begründet wird dieser An- trag damit, daß das der Gesellschaft gehörende Netz elektrischer Bahnen von zu geringer Ausdehnung sei, um bestandfähig zu sein. VoKttles. Genosse Antrick, der im Frühling dieses Jahres wegen eines Darmleidens sich einer schweren Operation unterziehen mußte, hat. da ein Rest des Leidens noch übrig geblieben war, gestern eine Nachoperation bestanden, die glücklich verlaufen ist. Die Acrzte hoffen bestimmt, daß unser Genosse dank semer kräftigen Konstitution binnen weniger Wochen im stände sein wird, den ReichStagssitzungen bei- zuwohnen. AuS der städtischen Armenpflege. Im Jahre 1898/99(bezw. im Vorjahre 1897/98) hatte die Armendirektion für den ihr zugewiesenen Zweig des städtischen Arnienwescns(namentlich.offene" Armenpflege, also bloße Unterstützung durch Geld, Nahrung, Kleidung usiv.) eine Ausgabe von 8 244 362(7 880 876) M. zu leisten. Da nur 617 084 l621 486) M. durch Einnahmen gedeckt wurden, so war ein Zuschuß von 7 627 278(7 259 390) M. erforderlich. Der größte Teil der Ans- gaben, nämlich 6 317 771(5 988 899) M., kam auf die durch die Annenkommissionen verteilten U n t e r st ü tz u n g e n, laufende und außerordentliche. Als laufend u n t e r st ü tz t e P e r s onen standen am 31. März 1893(bezw. 1897) in den Listen 28 139(27 027) Almosen- cmpfängcr und 9581(9397) Pflegekinder. Im Jahre 1893/99 (bcziv. 1897/98) wurden aufgenommen 5101(4305 Almosenempsänger und 3215(2277) Pflegekinder. Es wurden also im ganzen Jahre 33 240(31332) verschiedene Almoscneinpfänger und 12 796(11674) verschiedene Pflegekinder in den Listen geführt. In demselben Zeit- räum schieden aus von den Alniosenempfängern 4162(3193), von den Pflegekindem 2926(2093). Am 31. März 1899(bezw. 1898) standen demnach noch 29 078(28 139) Almosenempfänger und 9870(9581) Pflegekinder in den Listen. Laufende Unterstützungen wurde» durch die Kommissionen gezahlt an die Almosenempfänger 4 859 114(4 601856) M. in 341514(332 213) Monatsportionen zu durchschnittlich 14,23(13,85) M., für die Pflegekinder 732 929 (711 977) M. in 114112(111212) Monatsportionen zu durchschnittlich 6,42(6,40) M. Volle 12 Monatsportionen im Jahre bekommt nur selten ein laufend Unterstützter. 1898/99(bezw. 1897/98) bekam jeder der Almoscnempfänger durchschnittlich lOVio(10�/lv) Monats- portionen, also in» ganzen etwa 148(147) M., jedes Pflegekind durchschnittlich 9Vto(oVio) Monatsportionen, also im ganzen etwa 60(61) M. Außerordentliche U n t e r st ü tz u n g e n wurden gezahlt an ständige Almosenempsänger 138 938(123 366�/,) M. in 20 048(18 250) Portionen, an ständige Pflegegeldempfänger 61 658 (58 007) M. in 7619(7363) Portionen, an nicht laufend Unterstützte 525 082(493 692'/») M. in 54 913(53 837) Portionen. Ks Jormätts" Das sind recht stattliche Zahlen, aber sie sind eigentlich nur geeignet, ein trockenes Bild von dem Umfang der Geschäfte der Armendirektion zu geben. Sie zeigen uns, wie weit die Ge- meinde den Verarmenden und Verarmten hilft. Ob sie das weit genug thnt, das steht auf einem anderen Blatte. Die Erfahrung lehrt, daß sie es nicht thnt) daß vielmehr die Leistungen der städtischen Armenpflege noch bedeutend hinter dem thatsächlichen Bedürfnis zurückbleiben. Hinter diesen stattlichen Zahlen, auf die der Berliner Freisinn so gern mit Stolz hinweist, wenn er wieder einmal die Berliner Gemeinde- Verwaltung und besonders die städtische Annenpflege preisen zu müssen glaubt, verbirgt sich noch eine Unsumme von Not und Elend. die ungeliirdert bleiben. Zwei würdige Zeitlingsgeschwister,„Deutsche Tagesztg." und„Bcrl. N. Nachr." beschäftigen sich xost kostum mit den Stadtverordneten Wahlen. Das Organ der Krautjunker bleibt seinem Grundsatz, entweder Blödsinn oder Gemein- h e i t e n zu schreiben, getreu. Diesmal bringt es eine schäbige Denunziation: „Von den etwa 2000 Beamten der beiden Wahlbezirke er- schienen etwa 600 an den Wahltischcn, und davon stimmten gut 2/3 für die Freisinnigen. Der jüdische Stadtverordnete Ullstein, der lveitans die Mehrzahl dieser Stimmen, erhielt, wurde hauptsächlich von mittleren und unteren Bahnbcamten sowie von solchen der P o st gewählt. Selbst ein Polizeilieutcnant wählte „ans Versehen" den Besitzer der radikalen„Berliner Zeitung"; er konnte, trotzdem er es wollte, die Wahl nicht mehr rückgängig machen. Im freisinnigen Lager war man über diese Unterstützung der Beamtenschaft sehr erfreut, während die„Parteilosen" geradezu b e st ü r z t waren. In der zweiten Abteilung wählten die zur Wahl erschienenen höheren Beamten fast ausschließlich die frei- sinnigen Kandidaten." In diesem Falle dürfte die Denunziation ihren Zweck kaum erreichen, da die Regierung, von der Gleichung ausgehend: Berliner Antisemitismus— 0, wohl von vornherein de» im Grunde doch so lamnifromnien Kommunalfreisinn der Socialdemokratic gegenüber als das kleinere Uebcl betrachtet haben mag. Sie hat ja auch bei den vorjährigen Ncichstags-Stichwahlen gm! gesehen, daß Schutzleute und Hoflakaien Mann für Mann für den Freisinnigen eintraten. Dem Sckilotjunkerblatt in der Königgrätzerstraße ist allerdings auch das Nestchen Mannesmut. das sich hier und da noch im Roten Hanse gezeigt hat, in der Seele zuwider. Gewissermaßen um das Stadtvcrordnetcnkollcgiiim wegen seiner Haltung in der Denkmals- frage so recht mit Verachtung zu strafe», hat der Chefredakteur der „M Nachr." einen dieser Tage von auswärts hcrcingekonimcne» Druckerjungen terrorisiert, in Berliner Kommunal-Angclegenheiten einen Artikel zn schreiben. Da ist es denn kein Wunder, daß der arme Knirps zunächst den Portalbeschluß der Stadtverordnctcn-Vcrsaimnlung als vom Ober-Verwaltungsgcricht kassiert ausgicbt, trotzdem diese Instanz sich noch gar nicht' mit der Angelegenheit beschäftigt hat. Ferner ist unter besagten Umständen auch die nun folgende Be- lobignng des Magistrats entschuldbar, die dafür ausgesprochen wird. daß er solche Personen, die Kranken kassen-Unter st ü tz u n g beziehen, nicht an der Stadtvcrordnetenwahl habe teilnehmen lasse». Der Bcngcl hat offenbar den Wunsch und Willen der Auftraggeber seines Auftraggebers, daß im Znchthausstaat die Eigenschaft als Arbeiter an sich schon genügen soll, um politisch rechtlos zu werden, vollkommen kapiert. Häufig darf das Blatt allerdings nicht mit solchen Scherzen kommen. Die gestrige Stadtverordueten-Eitzmig bot nichts Bemerkenswertes— außer, daß sie ohne jede Debatte verlief. Die Tagesordnung war kurz und enthielt auch weniger wichtige Bcratungsgegcnstäiide. Vorsteher Langerhans sagte bei jedem Punkt sein stereotypes„Ich eröffne die Beratung— und schließe die- selbe." Einige Male sah er sich— fast verlegen— um, ob denn gar niemand ein Wort dazu sagen wollte, aber alles blieb stumm. ilnscre Stadtväter fühlten anscheinend das Bedürfnis, sich von den Strapazen der Wahlschlacht zn erholen, und beschränkten sich daher auf das Handaufhebcn. Wenn man von der knapp 2 Minuten dauernden Berichterstattung des Stadtverordneten Kalisch über die Vorlage, betreffend die Beleuchtung des Thiergartens absieht, so sprach außer dem Vorsteher überhaupt niemand in dieser Sitzung. Die öffentliche Sitzung endete bereits um 8;iß, nachdem sie samt den geschäftlichen Mitteilungen eine ganze Viertelstunde gedauert hatte. So kurze Sitzungen' sind selbst im Hochsonuner nur selten da gewesen._ Die Schuld an de» Zusamuienstöstcn, die im Betriebe der elektrischen Straßenbahn jetzt so häufig vorkommen, ist z»»i Teil auf mangelhafte Beschaffenheit der Bremsvorrichtungen zurückzu- führen. Es giebt einige ganz bestimmte elektrische Wagen, die wegen ihrer schlecht funktionierenden Bremsen von den Führern geradezu gefürchtet ivcrden. Das ist auch der Betriebsleitung nicht im- bekannt, aber diese denkt aiigenscheiiilich nicht an eine durch- greifende Abhilfe. Als ein Führer des Wagens 1120 kürzlich merkte, daß die Bremsen nicht mehr ordentlich funktionierten, meldete er dies auf dem Bahnhof. Trotzdem mußte er niit dem nicht mehr betriebsfähigen Wagen noch zweimal die ganze Tour fahren. Dann erhielt er den Wagen 1136, der von allen Führern wegen der schlechten Beschaffenheit der Bremsen geftirchtct ist. Nachdem der Führer mit diesem Wagen eine Tour gemacht hatte, brachte er ihn wieder zum Bahnhof iind meldete die schlechte Beschaffenheit der Bremsen. Inzwischen hatte ein anderer Führer, der seinen Wagen ebenfalls wegen eines Brcmscndefckts ausgesetzt hatte, den Wagen 1120, ohne daß an demselben eine Reparatur vorgenommen worden war, wieder zum Fahren erhalten. Niemand machte den Mann darauf aufnierksam, daß der Wagen erst kurz vorher wegen schlechter Beschaffenheit der Bremse ausgesetzt worden war. Der Führer, welcher so gewissenhaft ivar, die Wagen 1120 und 1186 wegen ihres mangelhaften, die Betriebssicherheit in hohem Grade gefährdenden Znstandcs auszusetzen, wurde deshalb vom Inspektor in der nächsten Jnstruitionsstunde scharf getadelt und ihm für den Fall, daß sich derartiges wiederhole, sofortige Entlassung angedroht.— Die Betriebssicherheit wird auch nicht wenig beeinträchtigt durch lange Arbeitszeit der Wagenführer. Sie ist bekanntlich durch polizeiliche Verordnung auf 10 Stunde» festgesetzt: trotzdem kommen Uebcrschreitimgen immer noch vor. Seit Einführung des neuen Winter- Fahrplanes ist der Dienst auf der Linie Schönhauser Allee— Britz derart eingeteilt, daß die Wagenführer dieser Linie)11— 13 Stnnden im Betriebe thätig sind. Dazu kommt noch, daß der Führer vor Antritt des Dienstes das Messingzeug des Wagens zu putzen, den Sandkasten zu füllen, überhaupt den Wagen in Stand zu setzen hat. So wird also aus der vorgeschriebenen lOstllndigcn eine 13- bis 14 stündige Arbeitszeit. Im Interesse sowohl der Angestellten wie auch des Publikums wäre dringend zu wünschen, daß die Verkehrspolizei der Großen Berliner Straßenbahngesellschaft etwas schärfer auf die Finger sieht und sie ver- anlaßt, nicht nur auf ihr Geschäftsinteresse, sondern auch auf die Sicherheit des Publikums und die Gesundheit ihrer Angestellten die gebührende Rücksicht zu nehnien. Der Kreis Niederbarnim hat heute zum Kreistag zu wählen. Die Wahlen vom Jahre 1397 sind nämlich von der unter- legenen Partei angefochten worden. Bezirksausschuh und Ober-Ver- waltungsgcricht haben den Beschwerdeführern insoweit recht gegeben, als sie drei Mandate für ungültig erklärten. Um diese handelt es sich in der heutigen Neuwahl. Zwar bleibt die große Masse der socialdemokratischen Parteigenossen den Kreistagswahlen fern, da die preußische Gerechtigkeit nur die erste Wählerklasse, die Groß- . sieihig, 10, swmdtt 1899. grundbesitzer als wahlberechtigt anerkannt. Dennoch ist der Kreistag nicht ohne Interesse für uns. Man erwäge, daß die Stadt- und Landgemeinden, sowie die Gutsbezirke des Kreises im Jahre 1897/98 an Kreissteilern 850 000 Mark 56 Pf. aufzubringen hatten. Von dieser Summe entfielen auf die Landgemeinden Lichtenberg 99 921,58 M.. Pankow 74 890,55 M.. Neu-Weißensee 72 597,22 M., Runimelsburg 53 562,58 M., Reinickendorf 46 154,94 M., Friedrichsfelde 22 518,94 M., FriedrichsHagcn 45 340,45 M„ Stralau 20 630,20 M., Nieder-Schönhausen 12 147,59 M. Dies macht im ganzen 446 764,05 M. aus) mithin haben die erwähnten neun Orte mehr als die Hälfte der erhobenen Steuern aufgebracht. Gleich- wohl sind diese Gemeinden als solche nur durch 6 unter 44 Kreis- tags-Abgeordnetcn vertreten. Dies Mißverhältnis wird sich bei der Entwicklung der Berliner Vororte von Jahr zu Jahr krasser ge- stalten. Bemerkt sei noch, daß im Jahre 1897 50 Proz. aller Staats- steuern als Kkreissteuern erhoben wurden. Inzwischen sind die 5trcis- steuern auf 40 Proz. herabgesetzt worden. Interessant ist, zu erfahren, wie der Kreistag wirtschaftet. Als drastisches Beispiel niöge das K r e i s h a u s ani Friedrich Karl Ufer zn Berlin betrachtet ivcrden. Liegt auch»och keine Nechnuiig über diesen im vorigen Jahre errichteten Bau vor, so steht doch fest, daß die Kosten den Voranschlag von 1 300 000 M. übersteigen. An Miethen bringt das Gebäude jährlich 2742 M. ein; die Unkosten an Steuern, Wasserabgaben, Beleuchtung, Reinigung, Unterhaltung ec. belaufen sich auf jährlich 18 450 M.. so daß alle Jahre ein Zuschuß von 15 708 M. zu leisten ist. Berechnet man den Herstellungspreis des Hauses auf 1 350 000 M.. so machen die Zinsen zn 4 Proz. 54 000 M. aus; es sind also für diesen Bau, in dem alle Jahre zwei bis drei Sitzungen stattfinden, jährlich rund 70 000 M. aus- zugeben. Dies eine Beispiel zeigt, daß für die Socialdemokratie an der Notwendigkeit, sich auch an den Beratungen des Kreistages zu be- tciligen. nicht zu zweifeln ist. Zur Zeit ist an ein Eindringen in diese Körperschaft allerdings nicht zn denken, wenn wir auch, wie in allen Bevölkeningsschichtcn, so auch unter den Grundbesitzern einige wenige Anhänger haben. Flir die Goßncrschcn Kleinkinder Vewahranstalten wird zur Zeit wieder eine Hnuskollekte veranstaltet. Da auch unseren Parteigenossen die Sammellisten vorgelegt werden, halten wir uns verpflichtet, unsere Leser über das Wesen dieser Anstalten aufzuklären. Unter der Leitung des Pastor I. Knak stehend, dienen dieielben in allererster Linie der„inneren Mission", d. h. den Bekehrungszwccken. Dafür ist namentlich bezeichnend der„Bericht über die Jahre 1397 und 1898", welcher— außer einigen dürftigen Zahlenangaben— über Betrieb der Anstalten, leibliche Verpflegung der Zöglinge, körperliches Befinden derselben und dergleichen Fragen nichts enthält, sondern fast ausschließlich Bekehrungsgcschichten im Traktätchenstil bringt. Eine dieser Geschichten ist so charakteristisch, daß wir sie hier ivicdcrgeben wollen: „Ein kleines Mädchen wurde in der Schule angemeldet und war noch nicht getauft. Ich bat die Mutter eindringlich, dies doch bald zu thnn, da sie ja ihrem Kinde daS Beste, was es nur giebt, entzöge. Sie meinte, ihr Mann hielte nichts davon, außerdem wären sie auch zu arm. Ich sagte ihr, das koste nichts; ivenn sie nur ernstlich wollten, ginge alles. Sie versprach mir, mit ihrem Mann darüber zu reden, jedoch wurde die Sache immer verschoben von Sontag zu Sonntag, von Fest zu Fest. Unsere Kinder nannten Gretche» immer„ das H e i d e n m ä d ch e n das gefiel ihr garnicht. Sie sagte zu Haus zn ihrer Mutter: „Mutter, die Kinder nennen mich innner ein Heidcnkind, Mutter, laß mich doch taufen, sonst komme ich nicht in den Himmel. So bat sie denn mehr denn einmal und es scheint ge- Holsen zu haben, denn an einem Montag sprang sie fröhlich in die Schulstube mit den Worten:„Tante, nun bin ich kein Heide mehr, gestern bin ich getauft worden!" Sie war, als sie das sagte, glückstrahlend. Der Herr gebe, daß der Segen der Taufe bei ihr bleibe!" Es kann wohl nicht bezweifelt werden, daß Kinder des hier in Betracht kommenden Alters von den Begriffen„Christ" und„Heide" eine viel zu unklare Vorstellung haben, als daß sie von s e l b st auf den Gedanken kommen könnten, ein„ungetanfteS" Kind als„Heiden- mädchcn" zn verhöhnen. Wenn das doch geschieht, dann miiß daher an- genounncn werden, daß die Leiter der Anstalten und der Geist, in welchem diese Leitung gchandhabt wird, daran nicht mr- Huldig sind. Daß die Arbeiterschaft keine Veranlassung hat, solche Institute zu unterstützen, brauchen wir danach wohl nicht erst auszuführen. Es zeigt dies aber wieder, wie schwer eS sich an den Kindern rächt, daß die Berliner Stadtverwaltung ihre Pflicht. städtische K i n d e r b e w a h r a n st a l t e n zu errichten, nicht erfüllt. Nur dadurch wird es möglich, daß Jiistitute, wie die Goßnerschcn Anstalten, überhaupt bestehen können. Sonderbare Schwärmer. Der Ausschuß für die Erhaltuug des Botanischen Gartens als Park hat jetzt an den Kaiser abermals eine Immediateingabe gerichtet, in welcher aufö neue die Verwcnduiig des Monarchen dafür erbeten wird, daß der Botanische Garten in seiner ganzen Ausdehnung vor den BebaunngSplänen des in seinem Namen handelnden Finanzministers bewahrt bleibe. Zur Unterstützung dieser Bitte ist der Eingabe die im Auftrage deS Ausschusses von' Fräulein Joscfine Freitag verfaßte Broschüre über den Botanischen Garten und nnmeutlicki seine historische Entwicklung beigefügt worden. Außerdem ist das Werk auch an die Kaiserin, an den Reichskanzler, den Kulwsministcr, sowie an eine große Zahl weiterer Persönlichkeiten und Behörden gesandt worden. Tie Große Verlincr Straßenbahn- Gesellschaft beabsichtigt eine zweigleisige Straßenbahn in der Huttenstraße bis in die Gegend der Wiebestraße auszuführen und hat dazu die Genehnngung der städtischen Verkehrsdeputation nachgesucht. Ein ueneö Theater ist einer Korrespondenz' zufolge für den Stadttheil Gesundbrunne n geplant. Wie uns mitgeteilt wird. schweben gegenwärtig Unterhandlungen wegen Ankaufs eines größeren Terrains in der Badstraße, auf welchem ein Volkstheater nach der Art des Schillcr-Theaters errichtet werden soll. Der Stadtteil hat ca. 49 000 Einwohner, besitzt jedoch bisher noch kein Theater. Zn der Festnahme eines Hochstaplers, über die wir be« richteten, erfahren wir weiter, daß der Name von Bockum« D o l f f s als der richtige Name des Verhafteten festgestellt worden ist. Mittlerweile ist noch ein zweiter Schwindler desselben Namens, ein Bruder des zuerst ergriffenen, dingfest gemacht worden. Die beiden Brüder Friedrich und Albert von Bockum- Dolffs stammen aus Kissingen und nennen sich Schau- spieler. Sie haben an Provinztheaten» Anstellungen gehabt und waren jetzt nach Berlin gekonimen, um hier Beschäftigung' zu er- halten. So wenigsten behaupten sie. In Wirklichkeit sind sie wohl nur hierher gekommen, um ein neues Feld für ihre Schwinde- leien in Angriff zi! nehmen. Beide wohnten in der Schlegelstraße und wurden hier bald festgenommen, da der Steckbrief aus Hannover schon hier war, als sie ankamen. Die Verhafteten werden zunächst der Staatsanwaltschaft von Hannover zugeführt werden. Der Geldfuud auf dem alten Jeriisalemer Kirchhofe ist noch nicht aufgeklärt, auch sind weitere Funde dort bis jetzt nicht gemacht worden. Der Arbeiter Bollmann, der bei einer Witwe L. in der Bergmannstr. 15 wohnt, ist von der Polizei entlassen worden. Neues haben sejne Aussagen nicht ergeben. Ob das Geld aus der Unterschlagung herrührt, die der Kassenbote Lcisdorf kürzlich bei der Aktiengesellschaft„Cyklop"begangen hat, steht auch noch ntcht fest. Die Annahme, daß das Geld aus einem Gelddicbstahl. Einbruch usw. herrühren könne, ist durch die Nachforschungen bis jetzt nicht be« stätigt Ivordcn, auch glaubt man nicht, das; der flüchtige Geld- Briefträger Schwarz oder der wegen lluterschlaguug bestrafte Schreiber Willy Lange mit dem flrimde in Berbinduug gebracht werden können. Der Finder des Geldes, der Arbeiter Bollmaim, ist namentlich über den Verlust seiner Ersparnisse untröstlich. Es ist, lvic schon mitgeteilt, wegen Fundunterschlagung von der Kirchhofs-Vcrlvaltuug sofort entlassen worden und hat auch noch eine Bestrafung zu gewärtigen. Nach seinen Aus- sagen inus; man als sicher aunehmen, das; der Iliibckauute das Geld auf de»; Kirchhof versteckt und es ihm dann aus seiner Wohnung, wo Bollmaim es in seinem Koffer sicher glaubte, wieder weggenomnien hat. Der der That zunächst verdächtige Leis- dorf soll inzwischen auch von anderen Personen hier in Berlin ge- sehen und erkannt worden sein, obgleich er eine Brille und feine Kleidung trug. Leider ist es verabsäumt worden, ihn auf der Stelle festnehmen zu lassen. Eine«»ifangreiche Verkehrsstörung auf den Verlin-Schone- vergcr Straßelivahnlinicii wurde gestern abend durch den Bmch ciiieS Wasserrohres vor dem Hanse PotSdamcrstraffc 82, in der Mitte zwischen der Goben- und Grobgörscheustrasze am Botanischen Garten veriirsacht. Die Reparatur nahm fast die ganze Nacht in Anspruch. Der in Vouu wegen des Verdachts, die Luise Günther in der Haseuhcide bei Berlin ermordet zu haben. verhaftete Holz- bldhauer N o n n ist gestern abend auffreien Füst gesetzt worden, weil sich der Verdacht nicht hat aufrecht erhalten lassen. Der Mißgriff der Sittenpolizei, das; eine uichtsahuende unbescholtene Frau jähre- oder monatelang in de» Liften der Prostituierten geführt wird, wird von der Polizeivehörde dadurch zii rutschuldigen und zn rechtfertige, i gesucht, dast das Mädchen das ge- uaue Nationale der Frau angegeben und das zuständige Polizei- lcvicr das Nationale bestätigt hätte. Diese Rechtfertigung, so meint die„Boss. Ztg.", kann mau fiir einen einzelnen neu auftretenden Fall gelten lassen.- Wenn dann aber iveiter dies als etwas Unvermeidliches hingestellt und gesagt wird, ein ganz ähnlicher Fall ist erst dieser Tage wieder vorgekommen und ähnliche Fälle werden auch in Zukunft nicht zu vermeiden sein, so wirst dieser fatalistische Ouictiömus auf die Rührigkeit und Findigkeit unsere Polizei doch ein so eigentümliches Licht, das; den, beschränkten Laicuvcrstande dabei um die bürgerliche Ehre und Reputation angst und bange werden könnte. Auch für die Polizei»inj; der Satz gelten, das; die Cr fahrung die Mutter der Weisheit ist. Ist ein- der- artiger Fall vorgekonnuc», der durch die bisherige Praxis entschuldigt wirb, so miis; die Polizeibehörde, in deren Hand die Sicherheit und, wenn auch in beschränktem Mähe, Ruf und Ehre der ihrcui Bezirk aiigehörigcn Bürger gelegt ist, sich doch fragen, ob nicht Abhilfe zu schaffen ist. Und sollte diese wirklich so schwer zu finden sein? Sollte es gar nicht möglich sein, das; der betreffende Sitteupolizeibcainte an Ort und Stelle, d. h. nicht bloh ans den Akten dcS Polizeireviers, sondern in der Wohnung der betreffenden Persönlichkeit sich von ihrer Identität überzeugt? Mögen diese Fälle auch nur ver- einzelt und selten vorkounnen, so dürfte die Polizeibehörde sich diese Mühe doch nicht verdrießen lassen. Es»ins; gewisscrinahen als ein günstiger Umstand betrachtet werden, das; das dieser Tage erwähnte Opfer des polizeilichen Miizvcrstäliduisscs bürgerlichen Kreisen angehört. Ob um eine Ar- bcitcrin die Eutrüstuiig so groß gewesen wäre, mutz fraglich er- fchcinen. Vermißt wird seit Sonnabend die 25 Jahre alte Buchhalterin Mcta Weyinar aus der Trcsckowstr. R. Am Smmabcnduachmittag um 4 Uhr kam sie sehr niedergeschlagen in de» Milchladcii von Waldow in der Trcsckoivstr. 35 und bezahlte, was sie an Milch und Frühstück im Laufe der Woche bckoiinucn hatte. Seitdem ivnrde sie nicht»ichr gesehen. Einer Freundin, einer Lehrerin der dänischen Sprache in der Linicustrahc, schrieb sie an demselben Tage. daß sie sich das Leben»ehme» werde. Die Freundin benachrichtigte sofort die in der Provinz lebenden Eltern der Verschwuudcucn, die am Montag hierher eilten und seitdem vergeblich ihre Tochter suchen. Man ver- mutet, daß die Vermißte ans unglücklicher Liebe Hand an sich gelegt hat. Sie ist ziemlich groß, hat dunkelblondes lockiges Haar und ein blasses, längliches Gesicht und trägt eine schwarze wollene Bluse und cincn schwarzen Rock. Wiederum ist ein Hehler verhaftet, mit ihm drei ungetreue Hallsdiener und der Portier D. im Hause Lcipzigerstr. 82. Letzterer giebt an, von den Hausdiener» zu Diebstahl und Einbruch verführt worden zu sein. Die vier Verhaftete» haben gemeinschaftlich Ein- brnchSdiebstähle in einer Weiuhandluug und in Koufckliousgcschäften begangen. D. stand dabei„Schmiere", hat sich aber auch bei einigen Einbrüchen persönlich beteiligt. Die gestohlenen Waren, deren Wert sich auf mehrere Tausend Mark bcläuft, wurden zu dein mit- verhafteten Partiewarcnhändler N. in der AnSbachcrstraße gebracht; bei diesem und den Hausdienern wurde»och ein beträchtlicher Teil der gestohlenen Waren vorgefuudcn. Zwei der Diebe waren bei den genannten Geschäften im Dienst, der dritte in cineni Mäntcl- Koufektionsgeschüst in der Äroiieiistraßc. Tragödie ciucS Kindes. Als vorgestern Abend der Wächter in Niedcr-Schöiiewcide cincii Knaben, der sich ziellos umhertrieb, fest- uchnicn wollte, rief dieser dem Beamten zn:„Zurück oder ich schieße." Dann richtete er einen Revolver gegen sich, schoß los und war auf der Stelle tot. Die ini Spritzcnhause der Gememde nieder- gelegte Leiche ist»och nicht rekognoscicrt. Der Knabe ist anständig gekleidet und mag etiva 14 Jahre alt sein. Man vermutet, daß eö sich um den wegen schweren Diebstahls verfolgten Schulknaben Otto Müller handelt. Der zweite Wisscuschaftliche Abeud. veranstaltet vom Wisieulchaft- lichen Cculralvcrei», findet morgen, Soliuabeiid. 8 Uhr abends im Frau- zöfischeueLöhiiepr.Wochc24,75M., 23.10 M. und 21,40 M.— Eine besondere Vergütung der SouiitagS- arbeit erfolgt nicht.— Wer die immer ivachfeuden Preise der Wohnungen und Lebensmittel iü Schönebcrg kennt, wird die Lohnbewegung unter den Straßcnrciiiigeru vollkommen begreiflich finden. — Es ist»och nicht bestimmt, welche Stellung der Magistrat hierzu nchmen ivird. Die Spandaner Stadtverordneten und die städtische» Ar- bciter. AuS Spandau schreibt man im»: Angesichts der bevorstehenden Stadtverordnctenivahlcn ist es iiitercssaiit zn erfahren, lvic die bürgerlichen Stadtverordneten Spandaus bisher ihr„arbciier- freundliches Herz" gegenüber den städtischen Arbeitern bekhätigt haben. Schon seit Jahren führen die städtischen Arbeiter bittere Klage über ihre ungeinem niedrigen Löhne; ganz besonders sind Klagen der F o r st n r b e i t e r in dieser Beziehung laut gcivorden, denn ein Tagesverdienst von 2 M. und weniger ist bei dieser Ar- beitcrkatcgmie nichts Nene?. Die Anträge der's o c i a l d e m o k r a- tischen' S t a d t v c r o r d Ii e t e u, welche auf eine Aufbesserung der Arbeiterlöhne abzielten, wurden bisher von den bürgerlichen Stadtvätern einfach immer abgelehnt, und selbst diejenigen Vertreter, welche aus den freisinnigen Geivcrkvereiiien hervorgegangen ivaren und vor ihrer Wahl so sehr ihre Arbeiter- frciiildlichkcit betont hatten, ivaren für eine durchgreifende Ver- bcsseruiig der Lage der städtischen Arbeiter nicht zu haben. Endlich im Januar d. I. koniitc sich die Stadtverordnetcn-Versamnilniig den Wünschen der Arbeiter nicht länger mehr vcrsckiließcn»nid nahm einen Autrag unserer Parteigenosse», ivonach für die städtischen Arbeiter durchiveg ein M i n d e st l o h» von 3,50 M. pro Tag ein- geführt iverden sollte,-»— nicht etiva an, sondern setzte eine Kommission nieder, damit diese die Frage prüfe und in ander» Städten erst cntsprcchende Erkundigungen einziehe. Jetzt. nach etwa neun Monaten, hat diese Kommission zum e r st e n male getagt< I), zn irgend ivelchem Resultat ist sie jedoch bisher nicht gekommen. Jnzivischen haben sich die einzelnen Deputationen gleichfalls mit dieser Frage beschäftigt; die F o r st d c p u t a t i o n, deren Arbeiter, wie oben ettvähilt, von alle» städtischen Arbeitern am allerelendesten bezahlt werden, lehnte die Verbesserung der Lage dieser Arbeiter im Siuiie des social- demokratischen Antrages einfach ab und bekundete damit so deutlich wie nur zu wünschen ihre„Arbeiterfrenndlichkcit" I— Kurze Zeit nachdem die erwähnte„Lohilkomniission" gewählt wurde, stand auch die Erhöh n n g von„Löhne n" auf der Tagesordnung; es handelte sich allerdings diesmal nicht um Arbeiter löhne, sondern um den„Lohn" des Oberbürgermeisters nnd des Stadtbau- rats; ohne Bedenken und ohne weitere Prüfung dieser Frage in Kommissioncir und Deputationen ivnrde die Magistratsvorlage von den bürgerlichen Stadtverordneteii ivideriprnchslos an- genommen und damit der.Lohn" dieser beide» Herren nicht etiva um einige P f e n n i g e pro Tag, wie cs die Arbeiter wünschen, sondern um je 1500 Mark pro Jahr erhöht! Auch als es sich darnin handelte, etiva 40000 Mark Straßenreinignngs- kosten von den Hausbesitzern ab und auf die Steuer- z a h l e r zu wälzen. da zeigten sich diese Herren gleich- falls von der generösen Seite,— handelte es sich dabei doch um die Interessen der Hausagrarier und nicht um die der Arbeiter I Auf zahlreichen Gebieten haben die Anträge der socialdenlokratischcn Stadtvcrordiictcn, welche eine Erleichrerung für die schwachen Steuerzahler, die Arbeiter, beziveckten, nicht nur nicht die Zustimmung der„liberalen" Mehrheit gefunden, sondern sind teiliveise sogar von ihr mit Hohn ausgenommen ivorden. Die nächsten Tage werden cs ja zeigen, ob die Arbeiter in ihrer Gesamtheit endlich begriffen haben, daß sie sich nicht länger nasführen lassen dürfen, imd daß einzig und allein die social- dcmotrattschcn Vertreter den ernsten Willen und den Mut haben, die Interessen der Arbeiterschaft nach allen Nichtungen hin unerschrocken zu vertreten. Urb er die Irrfahrt eines schwer Verletzten berichtet die „Nene Zeit" aus Charlottciibnrg. Der Arbeiter Mankotvsky war in der Nacht zum Mittwoch von eiiieni anderen Arbeiter in einem Hause der Straße 6a ans Eifersucht übel zugerichtet und hilflos, über und über mit Blut besudelt, am Morgen in seinem Belle aufgcsnndcn worden. Seine Aufnakime in das Charlotten- burger Krankenbans war mit großen Schwierigkeiten verknüpft. Von der Unfallstation ans wurde MaiikolvSky in einem Krankenwagen»i»d mit einer Bescheinigling der Station nach dem Rraillciihanse geschickt, wurde aber nicht aufgeilommen, angeblich weil keine Betten frei wären. Von dort ans fuhr der Kutscher des KrankeulvagenS den Patienten nach den» Moabiter Kranken- Hanse. Dort wurden dem Mmikomsky seine Papiere abgefordert, die er mit vor Schwäche zitternder Hand dem Beamteii überreichte. Die Ausnahme wurde aber auch in Moabit verweigert, da man dort annahui, daß der Kranke am Delirium leide. Nnn ging die Fahrt weiter nach der königlichen Charits, aber auch hier ivnrde Maiikoivsky abgewiesen, da er in Charlottciibnrg ortsgngehörig und auch in der Krattkeukasse sei. Dem Kutscher blieb nichts iveiter Übrig, als»ach der Unfallstation in der Marchstraße zurückzufahren. Der dienst- habende Arzt telephonicrte an das Polizeirevier, das den Kutscher dann vernommen hat. Vom Polizeirevier wurde der Kranke in Be- gleitiing eines Schutzmannes ivicdcr»ach dem Charlottenburger Krankenhnnse gefahren, wo plötzlich Betten frei Ivaren und endlich die Allfiiahmc erfolgte. Die Irrfahrt hat von 12 Uhr 40 Minnten bis 5 Uhr 15 Minute», also genau 4 Stunden und 35 Minnten, ge- dauert. Die Stadtperordnetenwahlen in E h a r l o t t c» b u r g fanden Donnerstag ihre Fortsetziniq in der zweiten Abteilung. Die Beteiligung war eine sehr lebhafte. Im ersten Bezirk gingen die Kandidaten der Alt-Charlottenbnrger ohne jeden Wahlkampf glatt durch. Aus Groß-Lichterfclde schreibt man uns: Große kommunal- politische Gesichtspniilte ivird man in den Lerhandlungen unseres Dorfparlanieius mit der Laterne suchen müssen, und die geistige Höhe unserer Gemeindevertreter ergiebt sich ans der in der letzten Sitzung ausgekämpften Eifersüchtelei über die an sich belanglose Thatsache. daß die meisten Mitglieder der Berwaltungskoinmifsion für das Gut Werben nicht. in Groß-Lichterselde W., sondern in Grotz-Lühterfelde O. wohnen. Einen breiten Raum in den VerHand- hingen nahm die Kritik über das Verfahren des B a n m e i st e r s und Gemeinde Vertreters Menscht.» g ein, dessen Specialitüt es zu sein scheint, bei der Allsführung seiner Bauten sich mitunter um die baupolizeiliche Erlaubnis nicht z u k ü m m e r n. Auf eine energische Borstellung des Geineindevertreters F r i e b us mußte- an maßgebender Stelle zugegeben iverden, daß Herr Mensching wieder einen Neubau ohne Genehmigung begonnen habe, daß ihm aber später die provisorische Bauerlaubnis erteilt und Mensching mit einem auf 20 M. lautenden Straflnandat bedacht worden sei. Wir zweifeln nicht daran, daß diese„horrende" Strafe aus den baulustigen Herrn abschreckend wirken wird. Baurat T i e tz e n suchte in dieser heiklen Angelegenheit über eine Hintertreppe zn entkomme», indem er meinte, daß die Dispense ja nicht der Gemeinde- vorstand erteile, sondern der Bezirksausschuß, allerdings erst dann, wenn ersterer sich darüber geäußert habe. Es sei uns aber die bescheidene Anfrage gestattet Die Auskunft oder Aeußeriiiig über Mensching seitens des Gemeindevorstandes muß doch ivohl günstig für den Herrn gewesen sein? Wie käme sonst der Bezirksausschuß zur Erteilimg eines Dispenses, wo im Orte doch genügend be- könnt ist, daß der Gemeindevertreter Mensching schon früher Bauten ohne baupolizeiliche Genehmigung auf- geführt hat?— Die öffentliche Beratung der hier mitgeteilten Angelegenheiten scheint einigen Mitgliedern der Gemeiildevertretniig etwas unbehaglich geworden zu sein, denn es machten sich Stimmen gegen die öffentliche Behandlung gewisser Fragen vernehmbar. Aber die Einivoh'ne'rschaft hat das Recht zu verlangen, daß die Gemeinde-Angelegenheiten mit Ausnahme ganz bestimmter Fälle im vollsten Lichte der Oeffentlichkeit behandelt iverden. Die im März koininciiden Jahres stattfindenden Gemeindevertreter- wählen bieten die beste Gelegenheit für die Wähler, sich dieses fiteckit soviel wie möglich zu sicher». Die proletarischen Bertrelcr iverden dann auch dafür zn sorgen haben, daß Herrn Mensching die Lust vergehe, sich dreist über das Gesetz Hirnvegzusetzen. Ein groficr Fabrikbrand, bei dem die Charlottenburger Feuerwehr nicht gerade glänzend abschnitt, kam gestern früh um 2�/s Uhr in der Thonwarenfabrik von E. March Söhne in Charlottenburg, Marchstraße 1, zum Ausbruch. Es brannte das große Fabrik-Onergebäude. wo in nenn Oefen die Thonwaren der bekannten Fabrik seit über 00 Jahren gebraiint werden. Kommerzienrat March ließ die Charlottenburger Feuerwehr alar- micren und eine Schlauchleitung von dem Fabrikpersonal vor- nchiilc». Von der benachbarten Beringerschen Fabrik wurde mit einer Schlauchleitung Hilfe geleistet. Leider war die Wirkung dieser beiden Schlanchleitniigcn wegen der Kürze der Schläuche nur sehr gering. Die Flammen griffen immer iveiter um sich und bald stand das Qnergebäude in seiner ganzen Aus- dehnniig in Flaiuinen. Weil die Charlottenburger Feuerwehr immer noch ausblieb, wandte man sich an die Berliner Feuerwehr um Hilfe. Diese lehnte das Ersuchen indcß mit dem Bemerken ab, daß sie auf privates Ersuchen nicht ausrücken könne. Dies kürnie i»lr auf ein Gesuch der �ustäiidigeil Charlottenburger Behörde, her dortigen Feuerwehr, Polizei oder des Magistrats geschehen. Nach dreiviertel Stunden erschien endlich die Charlottenburger Feuerwehe. Die Verzögerung soll durch einen Fehler in der Leitnilg des öffentlichen Feuermelders verursacht worden sein. Die Feuer- wehr nahm schnell zwei Schlanchleiwngcn vor, erzielte damit aber keine Wirkmig. Es wurden nun noch zwei und dann zusammen fünf Schlauchleituiigeii an Hydranten angebracht. Um 7 Uhr war man des Feuers so weit Herr, daß die Gefahr für die übrigen Fahrikränme, die an das Qnergebäude grenzen, beseitigt>var. Das Qnergebäude brannte um 11 Uhr noch. Es ist, trotzdem nur un- verbrcnnbare Vorräte von Thoinvaaren und keinerlei feuergefährliche Materialien dort lagerten, vollständig aiisgebrannt. Die FabrikationS- räiime, die Coniptöirc und anSgedehilteil Lagcrräuine sind fast ,»l- beschädigt geblieben. Die Entstehung des Brandes ist noch nicht aufgeklärt.' Festgestellt ist, daß das Feuer um 202 Uhr im ersten Stock in der Nähe de§ Ofens 9. ausgekommen ist. Das Spiclernest in Earlshorst. Die polizeilichen Nach- forschunge», die sich an die Anshebnug des Spieleriiestes in Earlshorst Iiijipfen, nehmen einen großen Umfang an. In erster Linie handelt es sich um Feststellungen über die Persönlichkeit des Tell. Dieser ist nirgends gemeldet gewesen, auch in Carlshorst nicht. Seine Wohnung dort war iinr vom Hofe aus zilgänglich. Auf diesem aber lag ein großer Hund des Schlächter- meisters Scheel, ein llinftand, der den Spielern sehr zu statten kam. da das Tier jedesmal anschlug, wenn ein Fremder den Hof betrat. Das Spielerhaus ist augenblicklich auf eine eigene Art gezeichnet, indem zerrissene Spielkarten in großer Menge umher- liegen. Die Spieler haben, als sie das Haus nnfreilvillig verließen, die Karten, die die Polizei nicht gefunden hatte, schleunigst vernichtet. Es scheint also bei.ihnen nicht alles in Ordnung gewesen zn sein. Außer der Berliner Kriininalpolizei sind auch die Orts- Polizei von Fricdrichsfelde, ivozu Earlshorst gehört(nicht Friedrichs- berg, wie es in dem ersten Bericht irrtümlich heißt) und die Gendarinerie mit iveiteren Ermittlniigen beschäftigt. Vevtttififjkuss Eiseubahiiunfall. Aus Düsseldorf wird gemeldet: Mittwoch- abend Vs12 Uhr stieß der nach Essen fahrende Personenzug 457 im Bahnhof Dnsseldorf-Derendorf mit einer Raiigierabteilung zusammen. Beide Lokomotivführer und ein Reisender wurden leicht verletzt, mehrere Reisende trugen Hautabschürfungen davon. Anscheinend überfuhr La. 457 das auf Halt stehende Einfahrtssignal. Die nächst- fälligen Personenzüge erlitte» geringe, Lg. 457 selbst drei Stunden Verspätung. Die Untersuchung ist eingeleitet. Ei» gräflicher Schwindler. Aus Stettin wird berichtetf: Mittivochniittag ist der frühere Vorsitzende des Aufsichtsrats der National-Hypothekcn-Kreditgescllschast, Graf A rn i m-S ch la g'e n- t h i n, aus der 1l n t e r s u ch u n g s h a f t, in die er vor einigen Wochen wegen des gegen die früheren Mitglieder der Verwaltung jener Gesellschaft schwebenden Strafverfahrens genommen war, ent- lassen worden. Die Entlassung erfolgte auf Grund ärztlicher Gut- achten, ivonach ein ernstes Leiden, niit dem Graf Arnim behaftet ist die Fortsetzung der Haft unthunlich erscheinen ließ. Wie es heißt, hat Graf'Arnim zuvor eine Sicherheit in Höhe von 200 000 M. leisten müssen. Die Heiratögeschichte der Kronprinzessin Stephanie von Oestreich läßt nach wie vor die für allerhöchste Kreise fabrizierte Salonausgabe der Moral in erbaulichen Bildern erstrahlen. Kürzlich haben ivir berichtet, daß die genannte Dame auf die„Mißheirat" mit dem Grafen Lonyay verzichten wolle, damit ihre Tochter leine Einbuße an Rang erleide. Jetzt wird gemeldet, daß die Witwe des Kronprinzen Rudolf für ihren Verzicht entschädigt werde und zlvar dadurch, daß sie den„längst angestrebten vollständigen Vor- rang vor den übrigen Erzherzoginnen" erhalte. Wie anderswo, 'o iverdcn auch gewiß in Oestreich die Prinzen und Prinzessimien dem Volke als vollendete Muster ihres Geschlechts vorgeführt werden müssen. Ten Schulstrafen in früheren Seiten widmet Auguste Renard in der„Stevue universitaire" einen interessanten Artikel. In der znten allen Zeit war die Hand recht lose, Geißel und Rute herrschten in den Schulen unbestritten. Ein Wandbild in Pompeji stellt mit einer Deutlichkeit, die nichts zu wünschen übrig läßt, die feierliche Züchtigniig eines widerspenstige» Schülers dar. Der Delinquent, der uiir mit einem dünsten Gurt bekleidet ist, wird von zwei Kameraden zchalten. Einer trägt ihn auf dem Rücken, so daß der besonders be- drohte Körperteil hervortritt, der andere hat seine Füße gepackt. Der Lehrer schwingt die rächende Peitsche. Wenn Horaz von seinem ersten Lehrer so zurechtgesetzt worden ist, begreift man, daß er ihm das Beiwort„pksgosns", der Schlaglnstige. beilegt. Wie das Altertum, so hat auch das Mittelalter mit körperlichen Züchtignngen nicht ge- knausert, ivenn man dem durchaus nicht vereinzelt dasteheiiden Zeugnis Montaigne» glaubt. Die Früchte vom Baume der Wissen- jchast müssen damals sehr bitter gewesen sein. Luther ist einmal an einem einzigen Vormittag fünszehninal mit der Rute gezüchtigt ivorden. Den Rekord auf diesem Gebiete hat zweifellos ein schwäbischer Schnllehrcr erreicht; er konnte sich rühmen,»ach einer Dienstzeit von 51 Jahren 7 Monaten eigenhändig 2 227 302 körper- liche Züchtigungen der verschiedensten Art erteilt zn haben. Im Dnrchschilitt verabreichte er an einein Tage hundert Züchtigungen. Hätte der Pädagoge sich nicht als Schinderknecht besser geslanden? Die Skopzen. Das traurigste Los nnter allen Verschickten in Sibirien trifft die Skopzen, eine freireligiöse Sekte, deren Mitglieder wegen ihrer„staatsgefährlichen" Glaubenslehre, sobald sie sich zn derselben auch nur dnrch ein Wort bekeuiieii, verschickt iverden. Die Skopzen werden zn lebenslänglicher Aiisiedelung ausschließlich nach dem Gouveriiemeiit Jakutsk verwiesen. Unter keinen Umständen darf ein verschickter Skopze dieses Gebiet verlassen, während es allen anderen Verschickten nach Abbüßung ihrer Strafe freigestellt ist, sich beliebig einer Bauerngemeinde innerhalb der Grenzen Sibiriens zuzählen zu lassen. Unter diesem grausamen Ukas kommt es unter den Skopzen- »Milien nicht selten zu Trennuiigen zwischen Marni und Frau, zur Auflösung der Familie und dem Verlust ihres letzicn Hab nnd GnteS. So berichteten dieser Tage russische Blätter wieder über einen Fall, wo ein Verschickter, der in der Zeit seiner„Strafverbüßnng" ein skopzisches Mädchen geheiratet hatte, nach abgelaufener Frist das Gebiet verließ, um in einem angrenzenden Gouvernement für seine Familie ein Heim mit ,utem Erwerb zu schaffen. Dieses gelang ihm auch. Der Mann ist dann wiedergekommen, um sein Weib und Kind in die neue Heimat zu bringen, aber die Behörden ließen es nicht zu, weil das Weib, ihres Glanbens wegen verschickt. Zeit ihres Lebens im Jakutsker Gebiet verbleiben müsse. N» dci» Albert- TockS London ereignete sich Mittwoch- abend kurz nach 8 Uhr zwischen den Decks des Transportschiffes »Canning" eine Explosion. DaS Fencr wurde nach zwei Stunden gelöscht. Der Schaden wird für beträchtlich gehalten. DaS Schiff sollte am 9. d. M. in See gehen. Milder Winter. Nach einer Mitteilung der Meteorologischen Cfentralanstalt auf der hohen Warte bei Wien an die„N. Fr. Pr." gehen wir einem warmen Winter entgegen. Die Mitteilung führt u. a. folgendes aus:„Durch verschiedene Versuche, die von Expedi- tiouen zur Messung der Temperatur des Golsstromes unteruomnrcn worden sind, hat die Annahme sehr viel an Wahrscheinlichkeit ge- Wonnen, daß die Temperatur des Golsstromes besonders auf die ihm näher gelegenen Ländergebicte einen großen Einfluß ausübe. Da nun die Wärme� des Golsstromes stets für mehrere Monate die Luft versorgt, ist es wahrscheinlich, daß das milde Wetter noch längere Zeit anhalten wird. Ucbcrdies wurde die Beobachtung gemacht, daß die genannten milden Winter. die eine warme Temperatur aufweisen, gewöhnlich mehrere Jahre hintereinander in gewissen Serien oder Cyklcn austrete». In einem solchen Chklus befinden wir uns nun seit dem Jahre 1896, da seit diesem Jahre stets milde Winter zu verzeichnen waren. Solche Serien ivurden in diesem Jahrhundert schon mehrfach beobachtet, so in den Jahren 1801 bis 1807, 1841 bis 1345. 1849 bis 1851 und jetzt seil dem Jahre 1896. In den Tages- und Monatstcmperaturen bleiben die Jahre ziemlich konstant und weisen im Gegensatze zu vereinzelten besonders abnormen Wiutcrmonatcn keine extrem ab- weichenden Temperaturen auf." Briefkasten der Redaktion. Tic juristische TPrechsiuude findet Montag, DieiiStag und Freitag von V— 8 Uhr abends statt. H. D. Der"Grobe Kurfürst" ist am 81. Mai 1878 untergegangen, die Cunbria" 1875; wann die"Elbe" untergegangen ist, wissen wir nicht. Alter Abonnent, Krankenkasse 99.(f. H. Die Rechtslage war früher dieselbe wie heute.- 2 Streitende 1900. 1. Der Vater. 2. Darüber hat daS Vorniundschaftögcricht zu entscheiden.— R. H. F. Die Pächterin ist im Recht.- Vcnsselstraste 4t. biegt Ihre Kenntnis von dein Ehebruch noch nicht 12 Jahre zurück, so können Sie die Ehe- schcldungöklagc mit Aussicht auf Erfolg anstrcngcn. Die übrigen von Ihnen angeführten Punkte reichen zu einem erfolgreichen EhescheidungSprozeh nicht ans.— F. F. 45. Zur Zeit ist die Frage strittig. Für die Zeit vom' 1. Januar 1900 ab ist die Frage zweifellos zu verneinen.— X. Nein. — O. B. 46. Eine solche Mitteilung ist nicht gemacht. Englisch können Sie in Fortbildungsschulen erlernen.— W. ft., Grabowsee. Für auf den 81. Dezember 1899 noch schwebende Ansprüche aus Invalidenrente, Alters- rente usw. finden die Bestimmungen desseuigen Gesetzes Anwendung, die die günstigeren sind. Es genügt also die Dauer von 20 Wochen zur Erlangung der Invalidenrente.— Hermann Hiulie. Sie müßten Ihre Forderung zur Konkursmasse anmelden.—(i. C. Nein. — H. Kraft. Ohne Kenntnis des Wortlauts de» Testaments und An- gäbe, wo der letzte Wohnsitz des Verstorbenen war, ist Ihre Anfrage nicht zu beantworte».— S. 00. 1. und 2. Nein.— H. R. 50. Falls Sie mit Ihrem Mann kein wechselseitiges Testament machen, würden Ihre Dchwiegereltern bez. Schwäger die Halste miterben.— Alte Abounrutlu C. Sch. Die Einzahlung kann ohne Besorgnis erfolgen.— G. K. Daß nach der Kündigung Gelegenheit zum Aussuchen eines neuen ArbeitSverhäli- nisses gegeben werden muß, schreibt das Bürgerliche Gesetzbuch vor. Dies tritt erst mit dem 1. Januar 1900 in Kraft.— E. S. 48. Ein Nicht- deutscher hat kein Recht auf Naturalisation in Deutschland. Der Antrag aus Naturalisation ist bei der Polizeibehörde zu stellen. — Grosse. Erhält weibliches Gesinde vor dem Antritt der Dienstzeit Gelegenheit zu heiraten, so steht demselben frei, eine andere taugliche Person an seiner Statt zu stellen. Ist es hierzu nicht im stände, so muß das Ge- finde in Städten den Dienst aus»/«. bei Landwirtschaften auf V- Jahr antreten. Erhält ein Dienstbote nach Antritt des Dienstes Seiratsgclcgenheit, so steht ihm sret unter Einhaltung einer sechswöchigen Frist zu kündigen; das lausende Bierteljahr muß aber ausgchalten werden. — tS. A. Rixdorf. 1. Das ist je nach der Höhe der Miete und den sonstigen Abrede» verschieden. Legen Sie daS Sachverhältnis eventuell mündlich klar. 2. Soviel ersichtlich, sind Sie rechtskräftig verurteilt, können also nichts»lehr dagegen machen. 8. Sie müssen zahlen. 4. Sie mühten die cedicrte Forderung einklage». O. P. O. O. 1. Auch wenn ein Offenbarungoeid geleistet ist, kann der- selbe und jeder andere Gläubiger immer wieder pfände». 2. Der Vertrag muß gerichtlich gcmacht werden. Er ist zwar zulässig, aber seitens jedes Gläubigers als ihm gegenüber unwirksam ansechtbar. 8. Die Kosten hängen von der Höhe des Objekts ab.— P. S. 1. Dte Rente ist nur auf Antrag des Berechtigleii an die Postanstalt des neuen Wohnorts zu überweisen. Ist der Rentenberechtigte geisteskrank, so kann die Versicheruugsaustalt formell verlangen, daß ein Pfleger diesen Antrag stelle. Eine Entmündigimg ist nicht erforderlich. Sic würden, wenn Schwierigkeiten mit der Anmeldung gemacht werden, ani praktischsten bei dem Amtsgericht beantragen, einen Pfleger zur Empfangnahme der Rente für die Rentenberechtigte zu bestellen. 2. Ob es zweckmäßig ist, auch Altersrente zu beantragen, hängt van der Höhe, die im Einzelfalle die Renten haben würden, ab. Sprechen Sie doch in der Sache gelegentlich m i t den Papieren vor. — Alter Abonnent Gleimstr. 14. Sie würden zur Zahlung verurteilt werden.— A. K. 100. In beiden Fällen liegt kein Grund zur Nicht- ctnstclliing vor.— R. R. N. Der Beitrag, den die Berussgenosseulchast von Ihnen fordert, scheint ein zutreffender zu sein, wenn die Ihnen in Ansatz gebrachten Arbeitstage usw. stimmen.— Genosse Krause, l. Nein. 2. Ja. E. G. Nach Hause.— I. D. Das Bürgerliche Gesetzbuch tritt mit dem l. 1. 1900 in Kraft. Ein Hindernis, die Schwester seiner vcr- storbenen Frau zu heiraten, besteht weder jetzt noch nach dem 1. 1. 1900. Wen man nicht heiraten kann— daran scheinen Sie gedacht zu haben � das ist die Schwester seiner Witwe.— Witterm.gSiibersicht vom 9. November I8S9. morgens 8 llhr. Stationen 8 s v S la sZ Ewinemdc Hamburg Berlin Wiesbaden München Wie» I I if Weiter C* dll i« M 753 S 751 SW 755'MST 759 SW 704 SW 700 W 3'heiter KReaen 4heiter Ibcdeckt 5,wolkenl 2, Nebel Siaiioncn Haparanda Petersburg Cork Aberdesn Paris 751 761 Wetter id S c � d" iä «5, OSO OSO 759jWNW 751W 708' SSW 2 Nebel 2bederlt lhwolkig Zheiter 3hlb.ted 1 8 9 4 8 Wetter-Prognose für Freitag, de» 10. November 1899. Etwas kühler bei ziemlich frischen westlichen Winden und veränderliche» Bewöllung; leine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Marktpreise vo» Berlin an» 8. November 18SS »ach Ermitteliinge» des tgl. Polizeipräsidtilms. 14- 13,70 13,- 14,60 13,90 13,20 3,50 4,10 25,- 25,- 30,- 5,— 1,20 von der Schweinesteisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpsei» Aale Zander Hechle Barsche Schleie Bleie Krebse IbS 60 Stück 1 kg per Schock 1,60 1,80 1,60 2, 4,80 2,20 2,80 2,60 1,80 1,80 2,80 1,40 12,- 1,10 1,- 1,— 2,- 2,40 1,20 1,20 1,10 K- 0,80 1,20 0,80 2,50 CentralsleNe der Preuß. Landwirt- �Weizen D.-Clr. 15,30 •jRoflgcii„ 14,80 Fntter-Gcrfle„ 14,— Hafer gut„ 15,20 „ initiel„ 14,50 „ gering„ 13,80 Richtstroh„ 4,- Heu„ 6,70 IjErbse»„ 40,- fjSpeisebohnen„ 50,— chjLiiiseii„ 70,— Kartoffeln, neue„ Rindfleisch. Keule 1 kg 1,60 do. Baiich„ 1,20 *) Ermittelt pro Tonne_________ schastSlammern- Notlernngsstelle— und»nigerechuet vom Polizeipräsidium für den Doppcl-Centiier. t) Kleinhandelspreise. Produkten markt vom 9. November. Im Getreideverlehr ließe» die durchweg flauen Tendenzberichte des Auslandes, insbesondere die matten Preismeldungen aus Amerika, England, Frankreich und Oesire ich- Ungarn, sowie reichliche und billige Weizcnofferten aus unseren Provinzen die Kauf- lust stark erlahmen und die Preise schlugen bei minimalem Handel eine rück- läufige Bewegung ein. Preisdrückend wirkte auch die Bestätigung der günstigen Eriiteaussichten in Argentinien, von wo bereits Weizenlieferungen sür Januar-, Februarabladungen offeriert wurden. Brotgetreide gab am Früh- markt etwa 0,75 M. nach, mittags war Weizen bis 1,50 M., Roggen I M. billiger zu haben. Haser verharrte aus seinem gestrigen Preisstande, Rüböl zog ferner 0,10 M. an. Am SpirituSmarkt wurde 70er loco mit 47 M.(— 0,10) gehandelt. Termine blieben ohne Umsatz. Für den Jubalt der Inserate »bernimmt die Redaktion dem Publik»»« gegenüber keinerlei Neraiiltoortung, —»ü ia—— am djcafcu. Freitag, 10. November. Opernhaus. Der Wildschütz. An- sang 7'/z Uhr. Schauspielhaus. Wilhelm Till. Anfang 7Vt Uhr. Deutsches. Rosmersholm. Ansang 7>/- Uhr. Lessing. Als ich wiederkam... An- fang 7r/z Uhr. Berliner. Romeo und Julia. An- fang 7»/- Uhr. Tchiller. Die Jungfrau von Orleans. Aiifana 8 Uhr. Neues. Ein unbeschriebenes Blatt. Ansang 7»/- Uhr. Westen. Der Freischütz. Ansang 7V, Uhr. Thalia. Der Platzuiajor. Anfang 7'/, Uhr. Residenz. Jagdsreuden. Vorher: Fainilien-Souper. Ans. 7V, Uhr. Luisen. Schiller. Hieraus: Die Karlsschülcr. Anfaiig 8 Uhr. Ceutral. Die Geisha. Ansang „ 7'/- Uhr Eari Weift. Der Weltuntergang. Anfang 8 Uhr. Friedrich- WilhelmstäMischeS. Eiir gesunder Junge. Anfang 8 Uhr. Victoria. Die Chansonnette. Anfang 8 Uhr. Belle- ANiance. Gastspiel des Schlierseer Bauern- Theaters. Jägerblut. Ansang 8 Uhr. Metropol. Specialitäten- Bor- stellnng. Rund um Berlin. An- sang 8 Uhr. Apollo. Frau 8mm. Specialitäten- Borstellung. Anfang 7V, Uhr. Reichshalle». Stettincr Sänger. Ansang 8 Uhr. Palast. Susanne im Bade. Speciali- täten-Borslellimg. Ans. 8 Uhr. Passage< Panoplikiini. Speciali- tälcii-Vorstcllung. Nrauta. Jnvalidenstr. 57/68. Täglich abends von 5—10 Uhr: Sternwarte. Taiibenstr. 48/49. Im Theater: Der Sieg des Menschen über die Natur. Anfang 8 uhr. Schilltr-Thtliter tWallner-Theater). Frei tag, abends 8 Uhr (Schillers Geburtstag) zum crstcnmale: vi« EiiNjxfi-«» von Orloano. Tragödie in 5 Aufz. von Fr. Schiller. Sonnabend, abends 8Uhr: Iii« Jnngfran von Orleans. So nnta g, nachmittags 3 Uhr: Itonreo nnck llinlla. Sonntag, a b e n d s 8 U hr: Xwcl glückliche Tage. CarlW eiss-Theatep Gr. Fraiiksiirtcrstrafte l.t«. Wohltbätigseits-Borstellmig zum Beste«, unserer Landsleute i» Transvaal. SW* Fest-Oavertüre."ME Dann: Prolog, gespr. com Dir. Carl Wein. Zum Schluß: ßn Mtttilntergang. Großes Ausstatluiigsstück mit Gelang in 3 Akten(15 Bildern) von Dir. Carl Weiß und Jos. Dill. Musik von M. Fall. Anfang 8 Uhr. Morgen: Der Weltuntergang. Sonnabend: Schüler- Vorstellung. Anfang 3 Uhr. Tie Räuber. Kleine Preise: Galerie 10 Pf.. II. Parkett u. II. Rang 20 Pf., I. Park. von der 17. Reibe u. I. Rang 30 Pf., L Parkett 50 Pf., Log« 60 Pf. Urania Tanbcnstrassc 48/40. Im Theater abends 8 Uhr: „Der Sieg des Menschen über die Natur". Hörsaal: Herr Franz Goerke; Streifzüge durch Mecklenburg. Invalidciistr. 57/08: Täfll. Sternwarte. Nachmittags 5—10 Uhr. 'Passaye- Theater. Neu! Anatomisch. Museum. Dienstags für Damen. Passage- Theater: Vorst, v. 7— lOVj- 15 erstklassige Debüts. CASTANS PANOPTICUM 165. Friedrichstrasse 165. IIq.,| Die heulenden lln„l IICU! und tanzenden>>VU! Derwische ! ans Ober- Aegypten! Ohm Kröger* Oreyfus Mercier* Zola. Thalia-Theater. Tel. Amt IV» 6440. Dresdenertlr. 73/73. Der Platzmajor. Thomas, Thielscher, Helmerding, Junkermann. Im 2. Akt: Gr. Mntoskop-Terzett. Aniang 7'/, Uhr. Morgen: Dieselb« Vorstellung. Apollo-Iheater. Um 3/-8 Uhr beginnt Frau L, u na mit dem Luftballett„Grlgolatis" und CUctlle Carola. Ferner: DresMlerto FUcIikc von Prof. Bonetty vorgeführt. Robert Steldl. The CiothaniH. das wunderbue New Yorker Vokalquartett. Mlle. Rosalba Eva Haller. DM- Barru-Tronpe."Wt Franklins. Kosmograph Messter, Anfang 7>/, Uhr. Vorverkauf täglich Im Theater, beim„Künstlerdank", Unter den Linden 69, und beim„Invaliden- dank", Unter den Linden 32 I. ClrknH Busch. Heute Freitag, 10. November, jaiends 7'/- Uhr: Clala-AbcaU. I>ie Camorra!! Großes Manege-Schaustück in 5 Akten und8Bildern. Lriginal-Pantomime des Cirkns Busch. Balletts arrangiert und einstudiert vom königl. italienischen Hofballett- uieister Ottavi. Musik vom Kapellmeister Taubert. Kostüme und Requisiten von der Firma Hugo Barnch u. Co. Da» elektrisch durchleuchtete WaiMl* bastln.- Morgen: Vorstellung. Metropol-Theater. Behrenstr. 55/57. Direktion; Richard Schulz. Unstreitig das beste und amüsanteste November- Prograinnr Berlins. Liebreiz, Schelmerei, Kunst und Grazie vereinigen sich in Madem Miette der reizenden Pariser Straßcnsängerin. Feuer, Temperament, Leidenschaft in Lam Roeeas der besten spanischen Tänzerin. Humor, Eleganz, Schneidigkeit in Georg Kaiser dem besten Berliner Salonhumoristen. Gewandtheit, Kunstfertigkeit, Fröhlichkeit in der Familie Klein den kleinsten und besten Radfahrern der Welt. Pracht, Schönheit, Raffe in den l'siN'tskokks den besten russischen Nationalsängern und Tänzern. Unverwegenheit. Kühnheit, Sicherheit in den: Zalva Trio den Meistern des Drahtseils. Drolligkeit, Niedlichkeit, Folgsamkeit in Vsd»>fek:s dressierten Miniatnrhunden. Ehic, Pikanterie, Eleganz in Mary Wolf der reizenden deutschen Soubrette. Um 9 Uhr 30 Minuten der Schlager der Saison: Das lustigste: «viüigstc! amüsanteste! bunteste k was Berlin gegenwärtig bietet! Rmul um Berlin! Berliner Revue in 2 Alten. Ansang: Wochentags 8 Uhr, an Sonn- und Festtagen V/t Uhr. Vorverkauf: Jnvalidcndänk und Künftlerdank. Telephon Amt I 2126. Jeden Sonntagnachniitlag 3 Uhr: Proinenadeu-Tperialititteu- Bor- stellnng. Palast-Theater früher Feen- Ralatit, Burgstrafte 22 M- Berlin amüsiert sich über das neue erfolgreiche IVovcinbcr- Programm. Berlin lacht Thränen zum 4». Mal« über die Zwerchfell- erschütternde Gesangs-Burleske Susanne im Jade. Berlin staunt um 10 Uyr über dte Meisterhochwrner_ Drei Vusilesca. Atzjang 7l/s Uhr. Ocffnung G/j Uhr. Billet-Vorverkaus von 11— 1 Uhr. Sonnabends nach der Borstellung: Gcsellschaftsabend und Tan». Be- sucher der Vorstellung: Fre>-T»n». Vorzugs- und Freikarieu sind gültig. Crtttvcil T tzrntev Direktion: öosö Ferencry. Vio Gotsha. Anfang>/z8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntagnachmittag 3 Uhr zu halbe» Preisen: Der Zigeunerbaron von Joh. Strauß._ Maehrs Theater Oranlenstr. 24. Grüne Jungs. Gesangsposse in 1 Akt von E l Y. Eugen Rossöe, Mimiker. Elsa Messer lprolougiert). Franziska Held. Gertrud Bürgel. Freitags; Familienabend. Ansang 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Vorziigskarten an Wochentage» gültig. ümefiesii sheslei'. Brcsidciicr-8trassc vv. Direktion: Em» Schnahl. Sonnabend, 11. November 1899: Eröffiluilgs-Vorsttlinng. Berlin ulkt!" Humoristisch- musikalisches Potpourri und 42 erstklassige Debüts. W. Noacks Theater, Bruiiiiensiraße 16.. Der Verschwender. Original- Zaubermärchen in 3 Aus- zügen(8 Bildem) v. Ferd. Raimund. Musik von Kreutzer. Jeden Sonntag. Dienstag und Donnerstag nach der Vorstellung: Tauzkränzcheu. Sanssouci Kottbnserstr. 4 a. Täglich außer Sonnabends Mmrihk Norddeutsche Sänger. Ansaug wochentags» Uhr. Sonntags O'/a Uhr. DonnerSlag und Freitag nach der Soiree: Tanz. Hoff mann mlt'n Leierkasten, Cirkus Alb. Schumann. GrüKMtcr equestrischer CIrkiis der\\ clt im eleganten neu renovierten Oli-hns Benz. Heute Freitag, den 10. November, abends präe. 7l/z Uhr: Große außer- ordentliche Vorstellung. U. a: Aue der blauen Grotte auf der Insel Caprt. Gr. Ballettdivertissement, 80 Damen. Die dressierte» Hengste im Kinder- garten. Good Night, das Original- Bettpserd.— Gonversano, das Pferd im Korbe. Voung Short, Schulpferd MttHund. Sämtliche Originaldreffuren des Direktors Alhert Schumann. Narrenquadrille in pompös. Kostümen. Bieyle-Polo-Team. Die urkomischen Clowns Rappo und Reade K. Sanntag: 2 Vorstellungen. Kinder bis zu 12 Jahren nachmittags alle Plätze außer Galerie, Halde Frelee. In Borbereitung: Gräfte Aus stattuugs-Pautomime, überall der gröstte Erfolg, in Hamburg 8 Monate ausverkaufte Häuser, alleS bisher Gebotene über- treffend._ Krttnze C. Jürgens Bosquet- und Kranzbinderei Kettduserstr. 3, Wasserthorstr. 69. 1 Kolberger Salon, Kolbergerstr. 23 Sonnabend, de» 11. November 1899: 3ar 8. Skiftungsfest-fsi Centralvereitts deutscher Former und aller in Gießereien beschäftigten Arbeiter(Zahlstelle Berlin). Grosscjs Konzert ausgeführt von Civtl-Berussmusikern, sowie unter Mitwirkung des geselligen Vereins„Vorwärts", des Berliner Bolkshumoristen Herrn Lewandowsky und der Origiiialduettisten Geschwister Grosselli. Nachher: �UUA» Herren, die daran teilnehmen, zahlen So Pf. nach. Anfang präcise 8 Uhr. Billet 30 Pf. Kahao-FnHhaiaoIc GernDse- und Kraftsuppen Bouillon-Kapseln Suppen-Würze______ stets vorrktig bei II. Buschke, N., Wlesenstr. 61, Ecke Kolbergerstr. CTETiTen Neichshallc». Stettincr Sänger. «Mehsel. Pietro, Britto», Ttcidl. Krone, H i r ch in a y e r. Schneider u»d Schräder). Heute zum Schluß: tine Soiree hei l.ehmsnn. Komisches Ensemble von Meysel. Ansaug präcise 8 Uhr. Tagcstaffe 11 bis 1 Uhr. Verfölgt lvird der Zweck von mir, beste Waren auch im einzelnen zu wirkliche» GngroS- preisen zu verkaufen, wovon jeder sich leicht überzeugt z. B. durch meinen T»|n(leine Essenzenware), nur wohlbelömmlicher, reiner Jamaica-Verschnitt, Vi Fl.(V« Liter) inkl. von 99 Pfg., und Ve Fl. inkl. von»9 Pf. an, ferner alten nord» hUuscr, pro Liter 59 Pf. je.«. Jguatz SeUo, Weinhandlnng a. Likörtabr., 110. Bruunenstr. 110, neben dem Straßenbahn-Depot. Filiale: Kastanie«-Allee SV. 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Bis 1b./11. erhält Jnhab. dieser Annonce Ackerstr.132 1 Loh- Tanuiubad ärztlich empf. gegen Haut-, Blut- und Frauenkrankheiten, Gicht u. Rheuma tismus, Blasenleiden, veraltete Geschlcchtstrankh. u. Folgen der Quecksilberkuren umfonft. Zu gleicher Zeit empfehle alle anderen niedtzin. sowie Dampf- und Heißluftbäder täglich für Damen u. Herrn b. abends 9 Uhr. Bäder s. Kranlenk. E. Richter, persönlich, fr. Spaudauerbr. 6. 2932L* s Tgl fürDamen und Herren. Vollständig neu eingerichtet. 3 Dampfb. 3M. Wannenb.50Pf. 7 St. 3 M. Loh-Tanninbad Charlottenburg BerUnerstr.109. PhotsgrilHischts Atelier. Adalbertstr. 67(Eckhaus an der Adaftert- Brücke). Visit 13 Stck. und 1 Postkarte mit eigner Photographie 3 M.. 7 Kabinett mit Postkarte 6 M. Bereinsausnahmen ohne Anzahlung 50 X W a Bild 2 M. 75 Pf. s3023L l! MwiMg. 2■» B1 12 H. Albrecht*« BUckerel Wrangetstr.K. Krnutstr. 19 Faldeusteinstr.»8. Lnusitzerstr. 2 Deutscher Dolzawettn-zinlia»i>. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Robert Schumacher out 6. ti. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den tl). d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle der Zions- Gemeinde in Weibensee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 278/5 Die OrtSverwaltung. Todcs-Anzcige. Am Dienstag, den 7. November, verschied nach langem Leiden unser lieber Kollege, der Bildhauer Ennst Scholz im 48. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 11. November, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhanse, Piicklcr- siraße 51, aus statt. 732b via liollsgsn der Pianoforte-Fabrik von Dobrowolski& Barsch. Neues Clubbaus, 7ft, Konimumlantcnstr. 72. Sind noch einige Sonntage zu vergeben. 502b Maurer. Sonntag, den 12. November, vormittags 10 Uhr: V ersammlung des Vereilis zur Wshtmig der Iliteresse» der Maurer Berlins n. King. im Lokal Rudolph(Borussia-Säle), Ackerstr. 0/7. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dv. Wollheim über:„Die geschichtliche Entwicklung der Menschheit." 2. Dis- kusston. 3. Vereinsangelegenheiten. DM- In der Versammlung sind wichtige Beschlüsse zu sassen und ist es Pssicht der Kollegen, zahlreich zu erscheinen. 130/2 Ter Vorstand. I. A.: 0. Herlorth. Ceiltral-KlMken- u. Tterbe- kllsse der Tischler u. anderer gewerblicher Arbeiter. Ortsverwaltung Berlin B. Sonntag, den 12. November, vormittags 10 Uhr, bei Bergmann, Pasewalkerstr. 3: Mitglieder-VkrsßMlNg. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal 1899. 2. Wahl eines Schriftführers. 3. Innere Kassen-Angclegenheiten. DM-ftHtglledsbiiohlegltimIertl�lW '34b Tie Ortsverwaltung. III. Wahlkreis!. Sonntag, den 12. November, abends G Ilhr, in Cohns Festsäle», «enthstr. 20. I:_ UM' VersQmznlung.-MZ Vortrag des Ingenieurs Herrn«veinpe. Hierauf: Tanzkräuzchen. Entree inkl. Garderobe 20 Pf. Rege Beteiligung der Parteigenossen und deren Familien erwartet 241/1 Hei? Dinberufei*. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute, Freitag, abends 8'/, Uhr, bei Cohn, Benthstr. 20-21, Sitzung der Orts- Verwaltung. UM- Uoabit."WZ Sonntag, den 12. November, vormittags 10/'? Ilhr, im Lokal des Herrn Clsehee, Beusselstrasie Nr. 9: Bezirks- Versammlung Ks Deutscheil Hlilzarbeittt-Verbilildes, zllljlstelle Berliil. Tagcs-Ordnuilg: 1. Vortrag des Kollegen Bcberl Ahrens über:„Zwangsinnnng und Kraukenkasse. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenh eitcn und Verschiedeues. Tonntag, de» 12. November, vormittags 10 Uhr, im Lokale des Herr» Sehlllei-, Rosenthalerstr. 57: Branchen- Versammlung der Hiirstrn- nnd Vixsrimacher. Ta gesordnung: 1. Vortrag über:„Arbeitszeit und Arbeitslohn". 2. DiSknssion. 3. Ver- bandsangelegcnheitcu und Verschiedenes. 278/4 Kollegen! Es ist notwendig, dag Ihr alle in dieser Versammlung pünktlich erscheint und in den Werkstellen für dieselbe agitiert. Anfragen unsere Branche betteffend, sind an P. Flegel, Ackerstr. 10 pt. ZU richten, Jnnungsangelegenheiten an Franz Bauer, Swinemünderstr. 49 pt AAung! Bauarbeiter. Achtung! Verballd der Bau-, M- u. gmerbl. Hilssarbeiter Deutschs. Zahlstellen Berlin 1—5. Sonntag, den 12. d. Mts., vormittags 10>/z Uhr, in Cohns Fesisälen, Benth strafte 19—20: Kombinierte Mitgliederverfammlnitg. Tagesordnung: 1. Ergänzungswahl deö Ausschusses. 2. Verbands- angelegenheiten und Verschiedenes. 45/11 Der Einberufer: Karl Heidemann. Tischler- Verein. Sonnabend, de» 11. November, abends 8Vz Uhr, Melchiorstr. 15: Versammlung."WU Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Wagner über:„Die ärztlichen Ehrengerichte und die kranken Arbeiter". 2. Abrechnung vom Stiftungsfest. Bereinsangelegen- heiten. Ausgabe der Urania-Billets. 199/8 Der Borstaud. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Ortsverwaltung Berlin. Sonntag, den 12. November, vormittags 10 Uhr: Ordentliche Genernl Versanimlang im Fccnpalast, Burg- und St. Wolfgangstraften-Eckc. TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht und Bericht der Revisoren. 2. Anträge auf Aendenmg des Ortsstatutö und Einziehung von Extrabeiträgen. 3. Die Streiks uni Lohnbewegungen in der Metallindustrie. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Die Vertrauensleute sind verpflichtet, allen Mitgliedern die Mitgliedsbücher auszuhändigen._ Zahlreiches Erscheinen ist notwendig."WL Orts-Krankenkasse des Zimmerergewerbes. Sonntag, den 19. November, vormittags 10 Uhr, bei Buskc, Grenadierslragc 33: Versammlttttg der Arbeitlseber, welche Bcilräge zur Kasse aus eigenen Mitteln leisten. Tagesordnung: Wahl von 20 Vertretern zur Gene ral-Versanimluug für 1900. Fn demselben Lokal und zu der- selbe» Zeit, doch in getremiteli Räumen, Versaitimlttttg der lvllhlhei'tllitigttll Aosscil- liiitglieber tArbeitiicliliittj. Tagesordnung: Wahl von 40 Vertretern zur Gene- ral-Berlammlung für 1900. Das Quittiingsbuch legitimiert und ist beim Eintritt in das Wahllolal dem Controleur vorzuzeigen. Dienstag, den 21. November, abends 8 Uhr, 7436 bei Buskc. Grenadierstrabe 33: Ordeutliche General-Versammlung Tagesordung: 1. Wahl von drei Norstands-Mit- gliedern(Arbeitgeber). 2. Wahl von zwei Vorstandsinitgliedenr(Arbeit- nehmer). 3. Wahl des Prllfungs- ausschusses. 4. Verschiedenes. Die am 19. cr. gewählten Arbeit- gebcr sowie die für 1899 gelvählten Vertreter der Kassenmitglieder werden hierzu cingladen. 1»«» Vorstand. I. Krause. E Pctermann, Vorsitzender. Schriftführer. am Die Vertrauensmänner- Konferenz für den Norden findet nicht 11. November, sondern am Scrnrnbimtr» den 18. Aonemdev bei vloh«, Ackerstr. 123, statt. Zugleich teilen wir mit, daß Billets zur Sternwarte in Treptow zum eruiäftigten Preise von 50 Pf. noch in beschränkter Anzahl im Bureau, Aunenstr. 39, erhältlich sind. 117/5 Tie Ortsverwaltung. Achtung, Bauarbeiter! Freie Btreinigmlg der Baulirbeiter Berlins n. llmgegend. Sonntag, den 12. November, vormittags 10 Uhr: Mitglieder-Versammlnng im Lokal des Herrn Wllho, Andreasstrafte 26. Tages-Ordnung: I.Vortrag. 2.Dislussion. 3. Veremsangelegenheiten. 4. Berschiedenes. 84/4 Der Vorstand. Acktunci! Skatspieler! 1 Sonnabend, ll. Nov., abds. 9 Uhr, l?reiS'8bal-7()unner Restaurant„Karpfenteich-, Treptow, Küpnicker Landstrabe. Viele wertvolle Preise! s725b Orts-Krankenkasse der VadlernndÄebmacher z» Berlin. Sonntag, den 19. November. vormittags lO Uhr, in Scholz," Restaurant, s Gr. Kranksurtcrstr. 74: General- Versammlung TagcS- Ordnung: 1. Wahl des Vorstandes(2 Arbeit- geber, 2 Slrbcitnehmcr). 2. Verlesung der Protokolle. 3. Wahl des Ans- schusscs zur Prüfung der Rechnungen deö laufenden Jahres. 4. Beschlub- sassung über den neuen Aerztcvertrag für 1900. 5. Verschiedenes. Die Herren Arbeitgeber, welche für grotzjähiige Mitglieder Beiträge aus eigenen Mitteln zu leisten haben, so- wie sämtliche großjährigen Kassen- Mitglieder werden hiennit eingeladen. I)vi' Vorstand. I. A.: W. Lehman n. 733b »»d verwandter Gewerbe. Am Sonntag, den 19. Novbr.. vormittags 9'/. Uhr, findet in den Arminhallc», Kommandaiitenstr. 20, die ordentliche Generalverfamm lnng statt. Tages- Ordnung: Neuwahl von vier Borstandsmit- gliedern, 2 Arbeitgebern, 2 Arbeit- nehmeru.(Die Wahl muß nach Z38 des Statuts für Arbeitgeber und Mitglieder getrennt geführt werden Hierauf findet um 10 Uhr die ordentliche Generalversammlung für sämtliche Vertreter statt. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht pro 1899. 2. Wahl des Rechnungsausschusses pro 1898 laut§ 54 Abs. 4 d.©tat. 3, Ge- nehmiguiig deS Aerzte- Vertrages. 4. Statutenänderung der Zz 14, 21, 54 Abs. 4, fünfter Nachttag§ 49a Abs. 5, sechste Abänderung§§ 14, 23, 25, 26, siebente Abänderung§ 13. 5. Hätten des Krankeulasseu-Gesetzes. 6. Verschiedenes. 723b Berlin, 8. November 1899. I. A.: Georg Liebcnow, Vors. Arveiter- Berufskleidung für jedes Gewcrt passend. jüLOiZL« Griisstes Lager."Ths BIT- Beste Qualitäten. Heu! Arbeiter-Scliutzliose Neu! jede Gefahr im Maschinenbetrieb ausgeschlofse». empfiehlt F. Jahrstedt, Wrangelstr. 40/41. Achtung, Sattler, Täschner, Treibriemen- u. Militäreffekten Sattler! Sonntag, de» 12. November, mittags 12 Uhr: Große öffentl. SMer-Versammllttsg in de»„Arminhallen", Kommaudantenstr. 20. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Sassenbach, 2. Diskussion. 3. Der Streik bei der Firma C. Z e n d e r. 4. Verschiedenes. 157/19 Kollegen! Da es uns hoffentlich gelingen wird, die Hochburg des Jndifferentismus zu stürmen, ist das Erscheinen sämtlicher Kollegen dringend notwendig. Erscheint darum alle Mann. Die Agitationskommission Filiale I Berlin. Verband der Van-, Erd- und gewerbl. Hilfsarbeiter Berlins. Zahlstelle s. Gruppe Rabitzspanner und Träger. Sonntag, de» 12. November, vormitt. 10 Uhr, in Feuersteins Festsäle«, Alte Jatobstr. 75: Mitglieder-Uersammlnng. Tages-Ordnung: 1. Welchen Sonntag beulen wir uissere Mitglicder-Versammlung abzu- halten? 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. 7356 Her Vorstand. Ludwig A Engel. Herrenbekleidung! . 26. Gegr. 1892. Bmmßr. ßk. I 9 |£ I s Um meine Kundschaft zu vergröhern, tiefere ich: ?trt.WliltmaIetots 1.18,00. 20,00, 22,00 bis 42 M. Nur gute Qualitäten in allen Farben, echtfarbiger Sammetlragen. waruiel, weiches Futter. Fertige FöHtll R. 0,00, 7,00-18 M. Mufftaschen, bis oben zu»! Knöpfen, für die Arbeit, Straße und Haus. fertige Rillterboieil 3,00, 5,00-12 m. gepe Näharbeit, haltbare Taschen, in soliden, praktischen Mustern. »Fertige Serreilllilfilge 18, DD, 22,00«i- 38 m., w d.n neuesten Musteni. Cheviot. Kammgarn und Streichgarn, kaum und einfarbig.[29432* Für 35 1. nach Maß Paletot,„ine Wolle. FÜr d«! Ht, nach Mab neueste Muster. KÜr Ii! M. nach Maß prattische solide Muster. Anfertigung nach Maß unter meiner persönlichen Leitung, neueste Fa?ons, nur beste Zulhaten bei billigsten Preisen. SW" m~- unter Garantie für guten Sitz. 1�3 X Kugel-Gelenk-- MM" Puppen Fabrik"MZ f P. R. 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Ktilllge iltg„Kmiirts" Kttlim NÄsdlÄ. FrMg.lo.NmMlsgg. Die Soeialdemokratie in Amerika am Vorabend der Wahlen. Man schreibt uns aus New Dork, 30. Oktober: Tie iu den Vereinigten Staaten seit einiger Zeit herrschenden Parteiwirren beginnen sich zn klären, insofern nämlich das Stärke- Verhältnis der verschiedenen Fraktionen deutlich �u Tage tritt und der fernere Verlauf der Entwicklung mit einiger Sicherheit vorausgesetzt werden kann. Drei Fraktionen socialistischer Kämpfer sind es, um welche es sich handelt. Obgleich deren gesamte Stimmenzahl im ganzen Lande, das letztjährige Wahlrcsultat als Masistab genommen, kaum die Hunderttausend erreicht, so ist es doch von Wichtigkeit, fest- zustelle», welche Fraktion bei der im nächsten Jahre stattfindenden Präsi- dcntenwahl thatsächlich die Führung übernehmen wird. Denn davon wird es abhängen, ob die socialistische Bewegung, als ein parteipolitischer Faktor betrachtet, in nächster Zukunft hier von Bedeutung sein wird, oder nicht. Die erste Fraktion, die wir betrachten wollen, ist diejenige, in deren Reihen sich fast sämtliche alte Parteigenossen von Be- deutung befinden, die ersten Propagandisten und Agitatoren für den modernen, wissenschaftlichen Socialismus in diesem Lande, wenn wir die Mitglieder der alten„Internationale" ausnehmen, die einer noch früheren, jetzt fast ausgestorbenen Generation angehören. Auch die hervorragendsten amerikani schen Parteigenossen— außerhalb New Dorks— in den großen Cciitren der Bewegung, Philadelphia, Cleveland, Chicago, San Francisco usw. haben sich energisch zu Gunsten dieser Fraktion erklärt und fechten in ihren Reihen; zu ihnen gehören u. a. auch sämtliche Mitglieder des „Board of Appeals"(des nationalen Appcllationskomitees)— der höchsten Behörde der Partei, außerdem der letzte Präsidentschafts- Kandidat der Partei, H. C. M a t ch c t t, der letzte Gouverneurs- Kandidat des Staates New Dork, Benjamin Hanford, wenigstens insofern er sich in einer feierlichen Erklärung von der feindlichen Fraktion losgesagt hat. Hanford ist Zeituugssetzcr und ein feuriger Redner. Auch I o b H a r r i m a n, der unermüdliche und hingebende Agitator der Pacific-Liüste, ivclchcr in geradezu glänzender Weise den Staat Californicn organisiert hat und dort von den Partei- genossen als Gouvernenrs-Kandidat aufgestellt wurde, hat sick in emphatischer Weise für diese erste Fraktion erklärt. Zu ihr gehören auch, um von den Deutschen ganz zu schweigen und nur bekanntere englische Agitatoren zu nennen: Tom Morgan in Chicago, Mahlon Barnes und Fred. Long in Philadelphia. An Prcßorganen stehen der Fraktion zur Verfügung:„The People" (Neiu Jork),„Workers Call"(Chicago),„Clasf Strugglc"(San Francisco),„Citizen"(Cleveland),„Proletarian"(Springfield, Mass.), drei deutsche große Tageblätter: die„New Dorker Volkszcitung", „Philadelphia Tageblatt" und„San Francisco Tageblatt", in New Jork noch eine tagliche„Jüdische Volkszcitung"*); ferner ein großes deutsches,� sehr verbreitetes Wochenblatt: der„Vorwärts" u. a. m. Es ist merkwürdig, daß die New Dorker Hauptführer der z w e it e n Fraktion, welche jetzt in erbittertem Kampf mit der ersten liegt, fast sämtlich Ausländer sind: Sanial ein geborener Franzose, Vogt, ein Deutscher, De Leon, ein aus dem spanischen Süd- ame'rika Eingewanderter, K a tz, ein Böhine. Patrick Murphy, ein Jrländer usw. An Preßorganen haben diese einen(Konkurrenz-) „People"(Wochenblatt) in New Dork, ebenda eine tägliche jüdische „Abendzeitung" und außerdem je ein lokales Wochenblatt in Buffalo und Cleveland. Ihre Stärke besteht darin, daß eine ver- hältnismäßig große Anzahl kleinerer Agitatoren, die„Politiker" der Partei, nach dem Krach auf ihrer Seite verblieben, und daß sie feriter, als die Katastrophe hereinbrach, die„Maschine" der Partei in der Hand hatten. Daraus erklärt sich, daß, obgleich, wie eine kürzlich vorgenommene Urabstimmung in beiden Fraktionen be- wies, die Majorität der Mitglieder im ganzen Lande, sowie die großen bedeutenden Sektionen sich in der ersten Fraktion befinde», eine große Anzahl von kleinen Sektionen, die oft nur aus ein paar Mann bestehen, sich noch zu der zweiten Fraktion halten und der- selben einen Schein von Stärke geben, die sie keineswegs bat. Uebrigens geht der Abfall von Sektionen sowohl wie von Mit- gliedern von Fraktion Nuinmer zwei zu Fraktion Nummer eins stetig vor sich. Die sachlichen Beschuldigungen, welche die erste Fraktion gegen die führenden Elemente von Fraktion Nummer zwei erhebt, faßte die„New Dorker Volkszeitung" neulich folgendermaßen zusammen: „Als sie im Jahre 1890 zur vollständigen Herrschaft in der Partei gelangten, war ihre Thätigkeit eine solche, daß die„Socia- listische Arbeiterpartei" von Größer-Nciv Dork, deren Votum von 1390—1895 stetig und bedeutend stieg, in den Augen des arbeitenden Volkes herabgewürdigt wurde, infolge dessen, trotz sonst günstiger Umstände, von 1890 an das New Dorker Partei-Votum fiel. Diese verderbliche Wirkung erreichten jene, jetzt glücklicherweise beseitigten Elemente: „indem sie. aus Unwisseuheit oder Bosheit, die socialistische Theorie durchaus falsch und manchmal in geradezu lächerlicher Weise aus- legten; „indem sie die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter- Körper- schaften nicht zu überzeugen, sondern zu zerstören versuchten� und sogar schmachvolle Scab-(Streikbrecher-) Dienste gegen dieselben thatcn; „indem sie, um ihre Herrschaft aufrecht zu erhalten, die in der Arbeiterklasse vertretenen verschiedenen Nationalitäten gegen einander hetzten und damit den ersten Grundsatz der internationalen socia- listischen Agitation, der in den Worten ausgedrückt ist:„Arbeiter aller Länder, vereinigt Euch I" geradezu verleugneten; indem sie jedes Mitglied und Parteiblatt, welche sich gegen diese antisocialistische, den Methoden der alten korrupten Parteien entnommene Taktik berechtigterweise auflehnten, auf jede Art ver- folgten und zu vernichten versuchten." Auf der anderen Seite warfen die abgesetzten Parteibehördcn. welche sich an der Spitze von Fraktion Nummer zwei noch imnicr als die„reguläre" Behörde ausspielen, der ersten Fraktion vor, daß sie sich nicht genügend für die„Socialist Trabes Labor A l l i a n c e", jene nationale Gewerkschafts-Organisation, welche ge- gründet wurde, um den„LlnightS of Labor"(„Rittern der Arbeit") und der„Federa'tion of Labor"(dem„Arbeits- bunde") den Wind aus den Segeln zu nehmen, ins Zeug gelegt, und daß die„New Dorker Volkszeitung" im vorigen Winter(»ach etwa dreijähriger Erfahrung mit der„Alliance") die leise Andeutung gewagt habe, daß es vielleicht besser gewesen wäre, die„Alliance" nicht zu gründen und statt dessen in der„Federation" von innen zu bohren, bis die socialistischen Elemente in derselben, welche schon eine starke Minorität bildeten, die Herrschaft erlangt hätten. Nun hat die„Alliance" neulich hier ihre jährliche Konvention abgehalten und es hat sich dabei gezeigt, daß hinter derselben noch weniger steckte, als man bisher glaubte: nämlich so gut wie gar nichts. Ob an diesem Resultat hauptsächlich die schlechte Leitung sckuld ist, oder ob die Voraussetzungen der so plausibel erscheinenden Grundidee irrige waren, ist gleichgültig. Jedenfalls hatten alle die- jenigcn recht, die in der ferneren Propaganda für die„Alliance" nur eine Quelle der Zersplitterung und Schwäche für die Partei sahen, was allerdings von den damals herrschenden Elementen als Hochverrat an der Partei angesehen und behandelt wurde und zu der schließ- lichcn Katastrophe' führte. Daß sich aus solchen sachlichen Differenzen nunmehr auch per- sönliche Feindschaften, Verhetzungen, Beschimpfungen und Ver- leumdungen der schlimmsten Art ergeben, daß die beiden Fraktionen einander erbitterter bekämpfen, als sie je den gemeinschaftlichen *) In deutscher Dialektsprache mit hebräischen Lettern— für die namentlich aus Rußland zahlreich-ingewanderten jüdischen Proletarier. Feind bekämpft haben, ist zwar traurig, aber bei a llen Konfliktelt dieser Art ist es von jeher ebenso gewesen. Die dritte, politisch organisierte, socialistische Fraktion der Vereinigten Staaten ist die„Social- d e m o c r a c yj"(D e b s). Dieselbe hat seit Jahr und Tag energisch und nicht ohne Erfolg an ihrem Aufbau gearbeitet. Seitdem sie mit den sogenannten„Kolonisten"— dem hauptsächlich amerikanischen Element, welches die sociale Frage durch Gründung von Kolonien lösen wollte— gebrochen und auch die„Farmerplanke"(Bauern- bündler-Forderung) aus ihrer Plattform gestrichen, unterscheidet sie principiell nichts von der„Socialistischen Arbeiterpartei", von deren Fraktion Nummer zwei sie allerdings noch immer wie eine grimmige Feindin behandelt wird. Um nun deutschländischen Lesern klar zu machen, unt was es sich bei den November wählen— so weit die Socialisten in Be- tracht kommen— handelt, muß erst eine kurze Erklärung über das australische Wahlsystem, welches hier seit 1890 eingeführt ist, vorausgehen. Das Wesen dieses Systems besteht nicht nur in der möglichsten Geheimhaltung des Votums, welches der Wähler ab- gegeben hat, sondern hauptsächlich auch darin, daß derselbe in dem Wahllokal— wobei wir das im Staat New Dork herrschende System als Muster beschreiben— von den Wahlbeamten einen offiziellen Stimntzettcl erhält, auf tvelchem sämtliche Parteien verzeichnet stehen, die entweder bei der letzten Wahl im Staate mindestens 10 000 Stimmen erhalten oder aber eine Applikation von so und so viel tausend Bürgern, deren Unterschriften notariell beglaubigt sein müssen, eingereicht haben. Für jede solche Partei ist eine Spalte reserviert, an deren Spitze sich der Name der Partei befindet, worauf sämtliche Kandidaten derselben für die verschiedenen Aemter— manchmal über fünfzig— folgen. Damit aber auch solche, welche nicht lesen können, ihres Wahlrechts nicht verlustig gehen, befindet sich über dent Namen jeder Partei ein sogenanntes E n b l c m: ein Adler, ein S t e r n, ein erhobener Arm mit einem Hammer(Socialistische Arbeiter- Partei), ein Wasserfall(Temperenzler f!j) usw. Eine letzte, ganz leere Spalte giebt denen, die sich das Vergnügen machen wollen, irgend beliebige Namen, vielleicht sich selbst, auf den Zettel zn schreiben, die Gelegenheit dazu. Will nun der Wähler für sänitliche Kandidaten seiner Partei stimmen,— und das thun in der Regel neun Zehntel aller Wähler, wenn nicht mehr,— so setzt er, nachdem er sich in eine der im Wahllokale befindlichen Buden begeben, wo er sich ganz mnttcrseclenallein befindet, init Bleistift ein Kreuz in einen gedruckten Kreis, der sich noch ober- halb des Enblems befindet. Damit hat er für alle Kandidaten, die in der betreffenden Partcispalte stehen, gestimmt. Will er sich die Kandidaten aus den verschiedenen Parteien aussuchen, so muß er den betreffenden Namen an den verschiedenen Stellen ein Kreuz vor- setzen, wofür Raum gelassen ist. Dann faltet er seinen Stimmzettel zusammen und übcrgicbt ihn draußen dem Wahlbeanitcn, der ihn vor seinen Augen in die Wahlurne ivirft. So oder ähnlich ist das Verfahren in den ver- schiedcncn Staaten. Es liegt auf der Hand, daß eine Partei, die nicht auf den offiziellen Stimmzettel kommt, gar keine Chancen hat, eine auch nur nennensiverte Stimmen zahl zu erlangen. Die„Socialistische Arbeiterpartei", welche im vorigen Jahre im Staate Neiv Dork über 22 000 Stimmen erhalten hat. davon etwa 15 500 in„Groß Neiv Dork"(den zu eincni Gemeinwesen vereinigten Städten Neiv Dork, Brooklyn und ein paar kleineren Orten.) steht in der dritten Spalte, gleich hinter der republikanischen und dcmokratischcu Partei. Da sie sich aber nun gespalten hat und jede Fraktion beauspruchtc, die„offizielle" Partei zu fein, so mußten die Wahlbehördcn entscheiden. Diese haben in verschiedenen Orten und Staaten verschieden entschieden. In„Groß Neiv Dork" aber, wo die Fraktion Nuinmer eins die fast allein herrschende ist und Fraktion Nummer zivci sich in verschwindender Minorität befindet, haben die Behörden — ivahrscheinlich iveil diese ihnen weniger gefährlich erschien— für die letztere entschieden. Fraktion Nummer eins befand sich nun in der Lage, bei der Wahl entweder für Kandidaten zn stintmen, die sie als anti-socialistische betrachtete und bezeichnete, und deren Unter- stütznng nach ihrer Meinung in den Augen der arbeitenden Massen eine Billigung der besonders Gewerkschaft- feindlichen Methoden der führenden Elemente in Fraktion Nuinmer zwei bedeuten Ivürde, — oder aber sich nicht allein selbst der Wahl zu enthalten, sondern auch alle Wähler, die sie bceinflusseu kann, in diesem Sinne zu dirigieren. Nach eingehenden Erwägungen hat sich die der Fraktion Numiner eins ungehörige Sektion Groß New Jork für diesen letzteren Weg entschieden. Für sie ist Wahlcnthaltnng die Parole und es wird sich nun zeige», wie viele der 15 500 Wähler von„Groß- New Dort", die im letzten Jahre für die S. A. P. (Socialistische Arbeiterpartei) stimmten. ihrem Rufe Folge leisten werden. Da die Settio» selbst nur etwa 1000 eingeschriebene Mitglieder zählt und viele Wähler gelvohnheitsmäßig für Namen und Enblem der S. A. P. stimmen, so wäre es schon ein großer Triumph für sie, wenn sie dem Gegner die Hälfte der Stimmen entreißen könnte. Aehnlich verhält eS sich an eilt paar anderen Orten, aber Neiv Dort ist der Brenn- punkt dieser Taktik. Falls sie erfolgreich sein sollte, würde der vollständige Sieg der Fraktion Nummer eins auch in den Landorten nicht lange ausbleiben, weil diese nur durch das Prahlen der Nelv Dorker Führer der zweiten Fraktion getäuscht werden. Die Wahl findet am 7. November, und zwar in elf Staaten statt. Die„Social-Dcmocracy" steht nun hauptsächlich m Massachusetts im Feuer. Sie hat dort im vorigen Jahre in Haverhill zwei Ab- geordnete für die Legislatur, eine» Bürgermeister und einige Stadt- verordnete gewählt. Es gilt nun. diew. Sitze zu verteidigen und möglichst neue zu gewinnen. Die beiden alten Parteien, die demokratische und republikanische, haben sich vereinigt, um diesmal den Socialisten den Sieg zu entreiße». Das giebt uns ein Bild davon, wie die Dinge sich auch in diesem Lande ent- wickeln werden, wo immer die Socialisten als politische Partei Be- deutung gewinnen. Die Wahlen für die Legislatur finden in Massachusetts ebenfalls am 7. November statt, die Stadtlvahl in Haverhill etwa einen Monat später. Eine Vereinigung der Fraktion Nummer eins der„Sozialistischen Arbeiterpartei" mit der„Social-Democracy", oder wenigstens ein Zusammenarbeiten dieser beiden Organisationen für die Präsidenten- wähl ist nicht ausgeschlossen. Die nationale Partei-Konvention der crsteren findet ivahrscheinlich im nächsten Januar statt, die der letzteren im März. Im übrigen werden die bevorstehenden Wahlen einen Maßstab dafür abgeben, welche Stärke die Anti-JmperialismuS- und die Anti-Trust-Bewegung im Lande gewonnen hat. Und daraus wird man dann einen Schluß auf den wahrscheinlichen Ausfall der nächst- jährigen Präsidentenwahl ziehen können. �* Vevsammlnngen. Der Arbeitervertreter- Verein hielt am 2. November seine regelmäßige Vercinsversammlung ab. Simanowski berichtete über die Verhandlungen, die aus Anlaß der Pariser Weltausstellung im Reichs-Versicherungsamt stattgefunden haben. Als die Ausstellung bekannt geworden, habe sich der Verband der Berufsgenosscnschaften an das Reichs- BersicherungSamt gewendet, um Bescheid zu erbitten, ob das Reichs- Versicherungsantt, wie bei früheren Ausstellungen, sich auch an der Pariser beteiligen werde. Das Reichs- Vcrsichernngsamt wandte sich an den Staats- sekretär. um das Einverständnis zu der Ausstellung einzuholen. Der Staatssekretär hat sich mit dem Bericht des Reichs-Versicherungs- amts einverstanden erklärt und verwies das Reichs-Versicherungsamt wegen der weiteren Schritte an den Reichskommissar. Die Ver- Handlungen haben sich der Platzfrage wegen in die Länge gezogen, deshalb hat das Reichs-Versicherungsamt es für geboten erachtet, eine Vorbesprechung mit den Vertretern der berufsgenossenschaftlichen Organisationen, sowie mit Ver- tretern der Jnvaliditäts- und Altersversicherungs-Anstalten abzuhalten, um sich darüber zu verständigen, wie wohl das Ziel, nämlich: das Wesen und Wirken der socialpolitischen Gesetzgebung in möglichst vollkommener Weise auszustellen, am besten erreicht würde. Man hat zu diesem Zwecke einen Arbeitsausschuß eingesetzt, welchem die Vorarbeiten übertragen wurden. Aus dem Kreise der Berliner Krankenkassen sei der Kollege Dähne in diesen Ausschuß delegiert, während ihm, Redner, das Mandat von der Berliner Jnvaliditäts- und Altersversicherungs- Anstalt übertragen worden ist. Wie verlautet, soll das Ansstellungsterrain so eingeteilt sein, daß die Hälfte des Raumes den französischen Interessenten dienen soll, während die andere Hälfte den Ausstellern der anderen Staaten verbleibt. Der Raum, der uns für unseren Zweck bereitgestellt ist, soll sehr beengt sein, man befürchtet daher, daß die Erzeugnisse nicht genügend zur Geltung kommen Iverden. Geplant sei, die gesamte Arbeiter-Versicherung gruppenweise zur Ausstellung zu bringen und zwar soll Gruppe I den wissenschaftlichen Teil umfassen, Gruppe II die technische Seite veranschaulichen und Gruppe III die therapeutische Behandlung beleuchten. Von der letzteren Gmppe werden photographische Aufnahmen von Unfallstationen, medico- mechanischen Instituten, sowie Skizzen von der im Bau begriffenen Lungenheilstätte in Beelitz dargestellt werden; auch der Verein vom„Roten Kreuz" und die„Leipziger Orts-Krankenkasse" werden mit ihren Wohlfahrts-Einrichtungen ver- treten sein. Redner nimmt noch Veranlassung, einige Erläuterungen zu den die Ausstellungen betreffenden Zeichnungen zu geben. Zur Diskussion bemerkt I. Meier, daß auch die Zuchthaus- vorläge als abschreckendes Beispiel der socialpolitischen Gesetzgebung zur Ausstellung gelangen möge. Betreffend die Abänderung des Unfallversichcrungs-Gesetzcs weist Simanowski darauf hin, daß dem Reichstag eine Novelle zu dem Gesetz zugehen wird und deshalb sei es notwendig, daß wir unsere Wünsche in Form cinerPetition zusammen- fassen und dent Oteichstag zur Berücksichtigung zusenden. Den Berlinern sei der Auftrag von den Vertretern Deutschlands ans der Konferenz in Halle zn teil geworden. Man müsse schnell handeln, das darauf bc- züglichc Material sei an die zu wähleitde Kommission zu überweisen. Jost als llnfallbcvollmächligtcr hat die Wahrnehmung gemacht, daß gerade die schlcchtbezahltesten Arbeitskräfte an. den gefährlichsten Maschinen be- schäftigt find, deshalb seien die Arbeitervcrtreter verpflichtet, bei den Unfallterntinen die Arbeitgeber oder deren Beauftragte auf die Mangelhaftigkeit der Schutzvorrichtungen hinzuweisen. Zur Ans- arbeitung der Petition wurde eine Kommission von 7 Mit- gliedern gewählt, und zwar: Aßmann, Schalthoff, Jost, Meyer, Püschal, Gries und Stnhlmann; in den Koni- missionssitzungen sollen die Arbeitervcrtreter im Reichs- Ver- fichcrnngsamt beratende Stintme haben. Zum dritten Punkt der Tagesordnung wird seitens des Borsitzeuden bekannt gegeben, daß am 7. Novcntbcr, abends 8V2 Uhr, eine öffentliche Versammlung sämtlicher Kassenvorstände stattfindet, in welcher die Kandidaten als Beisitzer für die untere Verwaltungsbehörde für die„Jnvaliditäts- anstatt Berlin" nominiert werden sollen. Lese- und Diskutierklubs. Freitag.„Dietzgen", Schröder, Wiesen- strahe 09.—„Karl Marx", Rauinami, Blticherstr. 42.—„Stralau", Girbig, Stralau Nr. 17.—„Reimer", Seidel, Gcrichtstr. 19. Arbeiter- Sängerbniid Berlins und der Umgegend. Vorsitzeudet Rich. Thate, Schöneberg, Gnmewaldstr. 99.— Alle Aciiderinigen im Vereins- kalcnder sind zu richten an Otto Isaack, Strclitzcrstr. 15, Hof ll.— Freitag» UebiingssNinde abends 9—11 Uhr. Ausnahme von Mitglieder».— „Kaiser scher Männerchor" Wernau, Schwedterstr. 23/24.—„Nord", Adolf Reumami, Bmnnciistr. 150.—„Unverzagt I", Vattero th, Skalitzerstr. 51/52.— „Buchbinder Männerchor", Fürsteuhos, Kövnickerstr. 137/38.—„Vereinte Sangesbttider Moabits", Psarr, Puttlitzstr. 10.—„Maiglöckchen", Sachse, Lindow crstr. 20.—„Gemütlichlett"(Putzer), Krüger, Seydclstr. 30.—„Morgen- rot l", Charlottenbiirg, Leder, Bismarckstr. 74.—„Tgpographia", Arminhallen, Komniandantcnstr.20.—„Georgiua",Dcmbictzki,Gürlitzcrstr.52.—„Rheingold", Feind, Weinstr. 11.—„Roscnthaler Vorstadt", Geike, Swinenmnderstr. 26.— „Iris", Marti«, Nannynstr. 86.—„Männer-Gesangverein", Brandenburg a. H., Mcngert, Bergstr. 6.—„Liberts", Vogel, Wrangelstr. 78.— Liedertafel„Freie Sänger", Hahn, Neue KSnigstr. 73.—„Nordwacht", Milbrodt, Miillerstr. 7.— „Sängerkreis", Nen-Weitzensce, Korostewitz, Friedrichstrabe 5.—„Ein- tracht II", Eberswalde, Restaurant„Zur Mühle".—„Völker- frühling"(Stuccatcure), Greiser, Oranienstr. 109.—„Neue Zeit", Lorenz, Watt- n. Voltastr.-Ecke.—„Liederkranz", Brandenburg a. H., Bergstr. 6.— „Klingmüllerscher Männerchor", Weibensce, Zum Prälaten, Lehdcrstr. 122.— „Karthaus- Knnnnerscher Männerchor", Göbel, Landsberger Allee 150,— „Treptow" in Treptow, Staffcldt, Baumschulenweg.—„Metallarbeiter- Osten", Tabert, Marknsstr. 14.—„Treue", Nowack, Mantenffel- strastc 9.—„Arion", Rixdorf, Eschert, Erlstrahe 8.—„Sangesbtüren", Conrad, Marstlinsstr. 8.— Gesangv.„Maurer Vlirdorf-Britz", Rixdorf, Krämer, Hermannstr. 199.— Gesangv. der„Putzer", Schiller, Roscnthalerstr. 57.— „Moabiter Liederkranz", Sprechallcu, Kirchstr. 27.—„Freie Sänger I", f cegcrmühle b. Eberswalde, Bangatz, Jagdschlöstche».—„Rosalia", Placn/ kliigöbcrgerstr. 34.—„Ruf", Manegold, Liegnitzerstr. 18.—„Sängerhort", Sander, KLpinckcrstr. 158.—„Schuhmacher Berlins", Weigmann, Andreasstraste 32.—„Alliance", Kaiser Franz Grenadierplatz 7(Restaurant).— „Borax" Knckuk, 9!a»ilyustr. 0 Arbeiter-Stenographenverei»„Stolze".(Eiingungsshstem.) Bezirk „Norden", bei Kraus c, Miillerstr. 7a, abends 87, Ulir. Arbeitcr-Nlnichcrbund Berlins und der Umgegend. Aenderungen im Bereinskalendcr sind zu richten an Eugen Raschle, Rixdorf, Mahlower- straste 1, IV. Freitag:„Germania", Kubatzki, Amdtstr. 25.—„Frohe Stunde", Gauger, Alexandrincnstr. 122. Gesang-, Turn- und gesellige Bcreine. Freitag. Athletenv. „Felsenfest", Böttcher, Krantstr. 0.— Musikv.„Arion", Gabriel 11. Jäger, Zchdcnickerstraße.— Rauchklub„Ohne Zwang", Spät, Weiustt. 28.— Turnv.„Gesundbruiliieil", abends von 87z- IG/z Uhr: 1. Männerabt., Pank- straste 9—10.— Turnv.„Osten", Blnnieustr. 63a, 87z— 10 Uhr(Lehrlings- abteilnng); Krantstr. 49, von 8— S7z Uhr(Damenabt.).— Musikvercin „Allegretto", Blticherstr. 38.— Skätklnb„Gemütlichkeit", Restaurant Patzenhofer, Lausitzer Platz 10.— Skatklub„Geschlossener Grand", Simon, Älumenstr. 46.—„Arbeiter-Turnv. Weistensee", Turnstunden abends 8—10 Uhr Albrechtshof, Parkstraste.— Berg nügungsv. der„Jnkasso-Agenten", Sitzung jeden Freitag nach dem I. und 15. im Monat, Neues Klubhaus, Kom- »landantenstr. 72.— Mnsikv.„Solo", Nanilow, Schönhauser Allee 135.— Tanzlehrervercin„Solidarität", Englischer Hof, Neue Roststr. 3. Weltfrieden-Loge Nr. 107, I. O. G. T., zur Bekämpfung des Alkohols, 87, Uhr abends, Dresdenerstr. 10, nur für Mitglieder. Arbeiter-Diirnerbund. Freitag. Turnv.„Fichte", Berlin. Abds. von 8—10 Uhr: 2. Männerabt. Stall tzerstr. 55—56. 4. Männcrabt.! Stephanstr. 3. 5. Männerabt. Ackerstr. 67. 6. Mäiinerabt. Stallschrciber- strastc 54. 1. Lehrlingsabt. Fried enstr. 37. 3. Lehrlingsabt. Bveckbstr. 17/20. I. Damenabt. Mariannen-U fer la.—„Freie Turucrschast", Rixdorf-Britz. 3. Schülerabt. von 87,— 80, Uhr. 3. Männer- und Lehrlingsabt. von 87z— IG/z Uhr abds., Hosimannf Bergstr. 151/162.— Turncrschast d. V.„Nereus" (gegr. 1382), Männerabt. von 8—10 Uhr abds., Rcichenbergerstr. 131/132 Damen-Abt. v. 8—10 Uhr abdS., Mantenffelstr. 7.— Turnverein„Eiche", Köpenick, Männer- und Jugend« biet lung von 77- bis 97, Uhr abends, Hotel Klein am Wilhelmsplatz.— Turnv.„Froh u. Frei", Groß-Lichtcrselde, Paget, Chausseestr. 104, 87,— 107, Uhr abends.—„Freie Turnerschaft", Friedrichsfelde, abends 87,-107, Uhr, Bube, Prinzen-Allee 30. Arbeiter- Schivimiucrbuud. Anfragen an E. Bratke, Schulstr. 24. Schwimmklub„Neptun", Weistensee, abends 7>/, Uhr, im Seebad Weistensee. — Schwimmklub„Vorwärts", abends 77, Uhr, Ratiborstt. 14b(alte» Swdentenbad).— Schwimmverein„Gut-Nab", Uebungsstunde jeden Freitag, abends 7 Uhr, Volks-Badeanstalt Mvabit, Turmstr. 85a. Arbeiterverein„Vorwärts", Kopenhagen. Jeden Sonnabend im Verlchrslokal, K 0 r s g a d e 49: Versammlung. Daselbst befmdet sich auch die Bibliothek des Vereins. Die nach Kopenhagen kommenden Genossen wollen dies beachten. Tocialisteuklub„Vorwä rts", Christiania. Cafö Keffer, Olas KyeS Plads 8. Deutsche Gesellschaft für volkstümliche Naturkunde. Freitag, den 10. November, abends 8 Uhr, im Bürgersaale des Rathauses. Herr Professor Dr. Plate über:„Die rudimentären Organe der Tiere und ihre ErNärung"(mit Demonstrationen�_ Eingegangene Druckschriften. Mentor, Notizkalender für Schüler 1900. Verlag von H. A. Pierer, Menburg. -—----- Dr. Mampes bittere Tropfen.----- Unter Bezugnahme auf die bisherigen Inserate, mache ich darauf aufmerksam, dass Dr. Mampes bittere Tropfen ausser von mir nur noch von der Firma F. J. M. St. echt geliefert werden, und dass die Bezeichnung für beide Firmen paftentamtlicfl geschützt ist. Die beiden Fabrikate kommen unter der Schutzmarke:„Doppel- Turm" von der Firma F. J. Mampe, Stargard in Pommern, und unter der Schutzmarke„Elefant" von der Berliner Firma Carl Mampe in den Handel. Alle weiteren im Verkehr unter obiger Bezeichnung erscheinenden Liqueurc sind als Nachahmungen zu betrachten, welche gerichtlich verfolgt werden. so?? l.Carl Mampe, Berlin. 18.ßiehu»kÄ.4.ttlass,20j.Ksl.PrtuIi.LoUttle. ijiJtiuiij bsi), a, Jiowmli« Julia, uiitiuillaiij. «m nt BCfr a«at( fl»d B.» beltDt«»-, KuBtmiri' P->i»»>dss>> , ivdu, -rn®?? 5li.71[3)al 8W 41 89« 21S 84 585 fl2 3) «Ii �.T-'3 � ä"1 8-1 275 iW auyj Sä sio äS IfO'J] 527 800 vi tri) JUia 3)4 äis ooi(SOÜUJ JJü 04 083 031S 7 3 �.735 504 743&)ä)iiX» 030 61 76 UÜOä 11000) 132 eil i 4JJ, 5K 7W01 701 062 7011 160 70 303 0 508 It K A,(Soj'Ä�.11 37 U061 14, 21 403 «v> i!KtW 110 25 U/7 208 11043 53 87 94 211 851 499 Sa3™. 52 970 1300J 37 li!2Sz 331 418 0)8 1--M 47.4? at A»,, r4?,1'77 19 I3U0J 49 02 98 849 04 931 143)1 t? fuhi 1,.,«.,?.':-'04 27 431 508 80 820 l;400J 52 781 971 W IUI« 383 689 59 53 W 029 717 13991 32 882 Ä' WÜm'}*195U74(I1W?JUU 12 �" ,Ü� «o?"3U 496 81 671 96 15991 111005 487 89 520«15 50 SStulJ 28 9/ 114 38 3-41 648 703 69 802 939 2.'IUI0 149 130091 837 179091 03 13000] 372 89 473 523 090 723 846 981 84242 93 32. 4)7� 69 83 063 801 10 W 09 83086 320 019 00 785 608»41009 89 166 119901 417 602 004 794 81 83 8 7242 69 *23 412 39 41 690 Ol 130991 790 973 79 83008 128 221 36 651 927 m l">Ui m 440 60 52 4 82 m lm'1 a> ...•jW« 411 72 537 44 09 89»90 2 28 97 9!/3 81932.1 }®o 228 332 13991 88 15901 077 810 939 88007 20 49 00 2)2 227 92 a32 777 940 8 8017 56 107 1W 201 411 65 75 95 582 020 Ol 768 8 4213 360 76 99 450 59 570 021 1300J 820 ?? 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