Unterhaltungsblatt des Horwitrts Nr. 237. Freitag, den 2. Dezember. 1904 3] Ich bekenne. (Nachdruck verboten.) Roman von Clara Müller-Jahnke. Ich glaube übrigens fefk. daß die beiden mich hintergangen haben. Und wer weiß, ob Anna und ich trotz unserer rührenden Freundschaft nicht doch einander die Augen ausgekratzt hätten, wenn nicht das große Schicksal in mein Leben getreten wäre. Mein Vater starb. Unvermutet, imch kaum sechstägiger Krankheit, die er sich bei emer Leichenpredigt auf zugigem Friedhof geholt hatte, ging der kräftige Mann dahin, gerade an dem Tage, als unsere Pensionäre aus ihren Michaelisferien auf den Pfarrhos zurückkehrten. Und ein gellender Aufschrei, den der gutherzige Junge ausstieß, als er, noch auf dem Wagen sitzend, die Trauerkiinde erfuhr, war das letzte Lebenszeichen, das ich von meiner Kinderliebe empfangen habe. Als ich zehn Jahre alt war. konnte ich Körners Gedichte auswendig. Heut weiß ich, daß nicht der Patriotisnms des jungen Freiheitskämpfers eS war, der einen hypnotisierenden Einfluß auf mich ausübte, sondern seine trotzige Auflehnung gegen den großen Eroberer. Auch Schillers Räuber, Fiesco und Wallenstein haben einen unvergleichlichen Eindruck auf mich gemacht. Seine Balladen wußte ich Wort für Wort und sang sie, obwohl ich vollständig unmusikalisch bin, nach einer selbst- gefundenen Melodie stundenlang vor mich hin. Goethe habe ich nicht geliebt;»m den größten aller Revolutionäre zu be- greifen, der den Königspurpur in Fetzen riß und den nackten Menschen auf das Postament stellte, mußte ich erst wachsen und reifen, mußte durch Ströme von Leid gegangen sein und selber trotzig an des Himmels Decke geschlagen haben. So lange mein Vater lebte, war ich, trotz der mir an- geborenen revolutionäre!, Empfindungen, ein blindgläubiges Kind. Mein Vater war kein orthodoxer Mann, er verstand es aber ausgezeichnet, die für sein Amt notwendige geistliche Autorität seiner Gemeinde gegenüber zu wahren. Er hat einen merkwürdigen Lebenslauf gehabt. In einein kleinen hinter- pommerschen Dorfe als der Sohn des Gutsschäfers geboren, hat mein Vater bis zuin vierzehnten Jahre die Dorfschule besucht,— und was will dieser Besuch um das Jahr 1815 herum bedeuten? In der schulfreien Zeit, die sicherlich nicht zu karg bemessen war, hielt sich der Junge auf dem Felde auf, hütete die Schafe und strickte endlose Strümpfe aus selbst- gesponnener Wolle. In jener Zeit ergoß sich der Strom des Elends aus den russischen Steppen über die Ebenen Pommerns und begrub Tausende schwellender Knospen in seinem blutigen Schlamm. Mein Vater hat mir oft von jener Zeit erzählt, die eine unauslöschliche Spur in der weichen Seele des Knaben hinter- lassen hatte. Er hat mir erzählt von den zerlunrptcn Schwärmen der Welterobcrcr, die vor kurzem noch so reich und übermütig über die hallenden Steine galoppiert waren, und die nun verkommen, scheu und demütig wie geschlagene Hunde, sich in die dunkelst�. Scheunenwinkcl verkrochen oder am Garten- zäun um einen Bissen Brot bettelten, und die noch in all' rhrcr Schmach so unwiderstehlich liebenswürdig zu lächeln ver- standen. Und er hat mir erzählt von den Kosakenhorden, die hinter den Flüchtenden her durch die Kornfelder jagten, die den Ge- lvehrkolben auf geduckte Köpfe niederschinetterten und mit blutigen Sporen auf den Leibern der Zusamnienbrechenden ihre Steppentänze tanzten. Er hat mir von der Habgier der„guten Freunde" erzählt, vor denen die Dorfbewohner in die Wälder flüchten mußten, die keinen Brocken übrig ließen auf der Stätte, wo sie gehaust. Blasser Schrecken flog ihren geißclgcgürteten Scharen voran, und der Blutdunst der moskowitischen Felder umschmeichelte die Nüstern ihrer dampseiidcn Rosse. Aus Moskwa's Opferbrand mag damals wohl ein Funke in die stille Seele des pommerschen Hirtenknaben geflogen sein. Schäferknecht blieb er auch nach der Konfirmation. Und während er im Dämmerdunkel des Waldrandes saß und Strümpfe strickte, sah sein träumendes Auge ain Horizont ein Feuer lohen, licht, heiß und gewaltig, als wolle dort die Sonne empor. Mit achtzehn Jahren hielt er's nicht mehr aus. Aus seiuer Versunkenheit aufgestört, eines heißen Willens voll, trat er vor die Eltern hin.„Voatcr, ick hull's nich ut. Loat mi in d' Stadt." „In de Stadt? Minschenskind, wat wi'st Du da? Glöwst, dat se doa ook Scheper brukcn? De Stadtlüd hüllen keen Schoap." „Nee, Voater, Scheper wi'k nich sin. Up d' hohe Schaul wi'k goahn, lihr'n, Schaulmeester war'n." Da hat der Großvater laut aufgelacht. „Düwelsbengel! Dücht di, de Franzosen Herren een Pott vull Guld in'n Schoapstall vergroawen o'r ehr Kriegskass' hinner min' Oawen vergeten? Pots- Häunerbotter! Kiek eis nach: am Enn' fin'st wat!"— „Voater, ick will forsch lihren. Kiek eis. Du büst doch een Keerl, vör dem de Lüd d' Mütz t'irst trecken: de Schult giwwt di all, wann Du kümmst. Seg' em man, ick toal em's Up' n' Groschen trügg, wann ick irst in de Schaul sitt."— � Schulden machen um des Sohnes Witten! Diese AlV. mutung ist den: alten Manne, der ein Leben hindurch tausend- mal lieber gehungert als ein unbezahltes Stück Brot gegessen hatte, zuerst gar schwer in den Sinn gegangen. Aber Großmutter hat zu bitten gewußt und dem Alten die stolze Zukunft, in der sie beide in der Lebrerstube auf dem Sofa sitzen und ihre Mehlsuppe behaglich löffeln würden, in so brennenden Farben ausgemalt, daß er brummend und mit schweren? Herzen schließlich doch zum Schulzen gegangen ist. Und der Schulze gab. Und so ist es denn ein lichtblauer Vorfrühlingstag ge- Wesen, an dem die Lerche ihre schönsten Lieder in den auf- geschlossenen Himmel schickte, als der junge Mensch, gebaut wie ein Riese, mit einer Seele wie ein Kind, das ivohlgefüllte Ränzel auf dein Rücken, in die herrliche Welt gezogen ist, um die„hohe Schule" zu suchen, nach der sein Sinn stand, um seiner dunklen Wüilsche Ziel zu finden irgendwo, irge??dwo. Vorgeschwebt hat seinen? Geiste Wohl die Präparandie: den Namen hat er nicht geivußt. Und init einem Juchzer auf dci? roten Lippen ist er durch das niedrige Stadttor geschritten— in eine neue Welt. Aus dei? Fenstern scha??tei? lustige Mädchenköpfe, von langen Locken umringelt, herab: auf der Straße rannten Schrilknaben mit Büchern auf dein Rücken eilig vor ih?n her. Den einen hielt er an. „Ka'st mi nich segg'n, wo'k ii? d' Hohe Schaul kümm'?" Der Bengel inackte zuerst ein verblüfftes Gesicht. Dan?? grinste er.„Die Hohe Särnle? Was wollen Sie denn da?" Der Schäferjunge pfiff irgend eine uralte Melodie leise vor sich hin. „Wat scha'k denn dhaun Up d' Hohe Schaul? Lihr'n lvi'k!" Nun Platzte der Junge mit einen? hellen Lache?? heraus: „Na, ich wimsche Glück! Koinmen Sie nur mit." Und mit langen Schritten eilte?nein Vater hi??ter seinem schnellfüßigen Führer her. Der Weg war nicht iveit. Vor einem hohen weiß- getünchten Gebäude n?it zäblloscn Fensterreihen, von denen die eine immer über die andere getürmt erschien, inachte der Knabe Halt.„Das ist die hohe Schule," erklärte er stolz. „Wir haben zwar einen gi'iechischcn Namen dafür, aber den verstehe?? Sie doch nicht. Na— und hier linker Hand ist das Lehrerzimmer. Da klopft nur ai? und fragt nach dem Herrn Direktor." Zaghaft ist mein Vater dieser Weisung nachgekommen. Die hohen gewölbten Rä?ime, die Hunderte von großen ui?d kleinen Knaben, die in die Klassei?zin?iner eilten, all' dies ge- schäftige Treiben und Summen?!!n ihn her hat ihn verwirrt gemacht. Und so: venvirrt, hochrot in? Gesicht, schwer atmend stand der junge Mensch da, als die Tür zur linken Hand von innen geöffnet wurde und ein alter weißköpfiger Herr mit scharfei? und doch gütevollen?l?lgci? a?lf der Schwelle erschien. Auf die freundliche Frage des Herrn, was er wünsche, hat incii? Vater im ersten bangen Augenblick kei!?e Ai?t>?'ort gewußt. Schließlich aber faßte er seine zcrflatternden�Gedanken ge- »valtsan? zusammen und stainmelte sein altes Sprüchlein heip „Lihr'n tvi'ck." „Hier lernen?" „Joa!" „Welche Schule haben Sie denn bisher besucht? Bis zu welcher 5ilasse sind Sie denn geko?nmen?" „De Schaul in Friedrichsdörp, un bis tau d' irste Klass' -- 940 „Sa, mein lieber junger Mann,"— und der Direktor wiegte zweifelnd den weißen Kopf, während gleichzeitig doch ein vertrauenerweckendes Lächeln um seine schmalen Lippen > huschte, das dem Schäferjungen den halb verlorenen Mut schnell wiedergab,„da müssen Sie, falls Sie wirklich aufgenommen zu werden wünschen, viel guten Willen und eine angeborene Begabung mitbringen. Und— Geld schließlich auch." „Oh— Gild häv'k, Herr Direkter!"— Und stolz klapperte der Jüngling vom Lande mit den geliehenen Taler- stücken in der Tasche. „Nun, dann kommen Sie mit mir." Wie himmlische Klänge tönten diese Worte meinem Vater an das Ohr. Das Paradies öffnete langsam seine eisernen Pforten. Und durch die hohen Bogengänge, die nun verlassen und totenstill dalagen, schritten die beiden dahin. Vor einer der unzähligen Türen, hinter welcher meinem Vater unver- ständliche Laute erklangen: „Monsa, rnensae, rnensae, rnensam., blieb der Direktor stehen und klopfte. .„Bitte, Herr Doktor, einen Augenblick!" Ein blasser, junger Mann erschien. Als die Tür geöffnet wurde, erhaschte mein Vater einen Blick in das Schulzimmer. Lauter kleine Jungen saßen drinnen, wohl dreißig bis vierzig, die neugierig nach der offenen Tür starrten. „Der junge Mensch hier wünscht in das Gymnasium auf- genommen zu werden. Er hat bisher nur die Dorfschule be- sucht. Ich bitte Sie, nach Schluß der Stunde eine Prüfung mit ihm vorzunehmen." Eine lange Stunde hat mein Dater dann noch im Lehrer- zimmcr warten müssen, bis endlich der blasse junge Doktor hereingekommen ist, ihm eine Unmenge Fragen vorgelegt hat und ihil hat lesen, schreiben und rechnen lassen. Tie Kennt- nisse mögen mangelhaft genug gewesen sein, aber der offene Kopf lind der starke Wille des jungen Menschen werden sich nicht verleugnet haben. So wurde niein Vater im neunzehnten Lebensjahre Schüler der Sexta in Falkenwalde und saß auf der letzten Bank. Und nach Ablauf von sechs Jahren hat er auf eben diesem Gymnasium das �Vbiturium summa cum laucks abgelegt. Den Ehrgeiz, Schulmeister zu werden, hatte er längst begraben, mit dem Traume von der Präparandie. Dafür wollte er wieder Schäfer werden und Menschenseelen in seine treue Ob- Hut nehmen. Und Vater und Mutter sollten nicht im Lehrerstübchen auf dem harten Ledersofa sitzen und Mehlstippe schlürfen, sondern im guten Zimmer des Pfarrhauses eine heiße Tasse Kaffee trinken können. Und nun begann für den mittellosen Studenten, den oppositionslusstgen Kandidaten der Theologie eine lange leiden- volle, reich gesegnete Arbeitszeit. Unter dem Hemde trug er die schwarz-rot-goldenen Farben; Hand in Hand mit einem treuen Jugendfreund, der ihm nach langen Jahren auch die Grabrede sprechen sollte, ging er in den Kampf für seine Ideale. Nügenwaldes längst gefallene Festungsmauern sahen den kecken Burschen einziehen und hörten die lustigen Lieder, die er als Staatsgefangener auf dem grasbewachsenen Festungshofe sang. Und von ferne spielte der Meergott die Harfe dazu. Du, Herze, ich glaube, mein Vater hätte Dir gefallen. Ich glaube, Ihr beide hättet Euch verstanden und wäret Euch gut geworden im Kampf und Not. Dreizehn Jahre lang: zuerst als Student in Greifswald, Breslau, Halle, dann als Hauslehrer auf pommerschen Gütern umhergeweht, vom Sturmwind zerzaust, nie verzagt: trotzig und stark! Und dann endlich, endlich. Du: eine Diakonie in einem kleinen freundlichen, lindenumdufteten Städtchen Hinterpommerns. Neben dem Pfarrhause die Superintendentur. Und darinnen, mit langen schwarzen Ringellocken und dunkelbraunen Sammetaugen— sein siebzehnjähriges Lebensglück. Aus dem Superhiteiidentenhaujc holte an einem regen- schwülen Maienmontag, als die Pfingstglockcn läuteten, der junge Diakonus sich sein Weib. Jn's eigene Heim. Vor den Fenstern ihres Schlafzimmers blühte der Akazien- bäum. Und drunten im Garten, wild wachsend in heimlich glühender Knospenfülle: Kressenpracht... Es ist nicht wahr. Du, daß ein siebzehnjähriger Leib fühlen kann, was ich an Deinem Herzen fühle. Denn ich bin Seele. Und der siebzehnjährige Leib ist ein dunkler, dumpfer Instinkt... Ich aber weiß. Und ich will. Ich will Dich... (Fortsetzung folgt.)! funkenpkotograpdie. Ueber die Anwendung der Funkenphotographie hielt Tr. S ch w i n n i n g in der letzten Sitzung der Gesellschaft von Freunden der Photographie einen interessanten, durch viele Projektionsbilder unterstützten Vortrag. Die Ausführungen gaben einen Einblick in die llntersuchungsmethoden der von dem Concern der Pulver-, Ge- schoß- und Waffenfabriken ins Leben gerufenen wissenschaftlichen Untersuchungsstation. Wenn hier auch schon seit längerer Zeit die Photographie mittels des Mikroskops benutzt wird, um das Gefüge von Metallprobcn zu untersuchen, so ist doch die Anwendung der Funkenphotographie erst neueren Datums. Tie Untersuchung von Metallproben mit der Mikrophotographie läßt erkennen, ob das Gefüge„gesund" oder„krank" ist. Um nun ein Geschoß mit seinen Wirkungen im Fluge Photo- graphieren zu können, bedurfte es einer neuen Methode. Tie Zeit einer solchen Aufnahme darf nur 1,100 000 Sekunde betragen, da sich auch während dieses kurzen Zeitraums noch das Geschoß um etwa 1 Millimeter vorwärts bewegt. Ter Kinematograph ist also für derartige Aufnahmen unbrauchbar, da er mindestens V» Sekunde braucht. Tie zum Phoiographiercu fliegender Geschosse usw. geiroffenen Einrichtungen sind glückliche Lösungen des gestellten Problems. Es würde aber zu weit führen, wollten wir an dieser Stelle, wo keine Zeichnung das Auszuführende unterstützen kann, eingehend die dazu erforderlichen Einrichtungen beschreiben. Das Prinzip der für Funkenphotographie getroffenen Einrichtungen ist folgendes: Das abgeschossene Geschoß muß auf seiner Flugbahn durch eine Ein- richtung schlagen, die mit einer elektrischen Kraftquelle in leitender Verbindung steht. Das durchschlagende Geschoß stellt nun den Kontakt her. Dadurch springt an einer zur Beleuchtung des Ob- jektivs geeigneten Stelle ein elektrischer Funken über und erleuchtet für den Bruchteil einer Sekunde die Flugbahn so, daß der erzielte Effekt auf der photographischen Platte festgehalten wird. Die ge- samte Einrichtung zur Funkenphotographie ist in ejncm vollkommen dunklen Zimmer eingebaut. Dadurch wird der Borgang, der sich beim Aufblitzen des elektrischen Funkens gerade vor dem Objektiv abspielt, sofort aufgenommen. Ein mit diesem modernen Hülfsmittcl aufgenommenes Geschoß im Fluge zeigt folgendes Bild: Von der Spitze des Geschosses geht die zusammengepreßte und mit nach vorn gerissene Luft strahlen- förmig nach hinten. Tie Winkel dieser Kopfwellen des Geschosses sind mn so schärfer, je schneller das Geschoß dahinfliegt. Wird die Luft vor dem Geschoß komprimiert, so entsteht hinter demselben ein Kanal in der Luft. Man kann also in der Tat mit Hülfe der Funkenphotographie„das Loch, das jemand in die Luft geschossen hat", feststellen. Ter Luftkanal zeigt in seinem Innern an ciiizelnen Stellen vielfach kleine Luftwirbel. Natürlich sind die Kopfwellen und die Luftkanäle von Geschossen immer nur lvährend einer un- geheuer kleinen Spanne Zeit sichtbar, so daß unser Auge nichts davon wahrnimmt? es mutz der elektrische Funke als Belcuchtungsmittel herangezogen werden, wenn man diese Vorgänge festhalten will. Praktischen Wert haben diese Untersuchungen für die Waffen- fabrikation. Man kann damit z. B. feststellen, ob sich zwischen Ge- schoß und Mantel durch die Züge hindurch Pulvergase so hindurch- zwängen können, daß sie eher als das Geschoß das Gewehr verlassen. Schlechte Schießergcbnisse stehen vielfach mit diesem Vorgang im Zusammenhange. Zeigt sich also bei einer Aufnahme mittels der Fimkenphotographic an der Gewchrmündung, noch bevor das Geschoß den Lauf verlassen hat, starker Pnlvcrdauipf— der auch trotz deS jetzt verivendeien rauchschwachen Pulvers auftritt—, so ist das Gewehr ungeeignet und mutz repariert werden. Ein Gewehr dieser Art liefert nämlich nicht nur schlechte Schietzresultate, sondern' man hat auch mit der Gefahr zu rechneu, daß der Lauf gesprengt werden kann. Hochinteressant waren die Aufnahmen von Schußverlehungen'. Mair hatte zu diesem Zweck tierische Knochen in die Flugbahn von Geschossen gehängt. Die Funkenphotographie der Vorgänge des Einschlagens, des Durchdringens und des dann stattfindenden Aus- einanderfallens der Knochen waren deutlich im Bilde in ihren ver- schiedencn Phasen festgehalien. trotzdem in Wirklichkeit der ganze Vorgang mir einen unendlich kleinen Teil einer Sekunde ausmacht. Die vielfach anzutreffende Meinung, das aus einen Knochen auf- schlagende Geschoß biege diesen Widerstalid zunächst ein und durch- schlage ihn erst dann, erwies sich als falsch. Das Geschoß dringt glatt in den Knochen ein. Beim Auftrcffen auf das Mark wird diese Flüssigkeit so komprimiert, daß sie explosiv itsartig die Wirkung des Ge« s ch o s s e s u n t e r st ü tz t. Nachdem der Knochen durchschlagen ist, lösen ssch die zersplitterten Teile auseinander und die ganze Ver- bceruiig wird sichtbar. Knochen, die noch mit der auf ihnen sitzenden Haut versehen sind haben durch diese etwas mehr Zusammei.liuuyss kraft, so daß die Geschoßwirkung dadurch etwas, natürlich nur äußerst wenig, gemildert wird. So interessant die Bilder und Ausführungen des Herrn Dr. Schwinning auch waren, sie mußten- bei jedem denkenden Menschen die Frage auslösen: Ist es nicht geradezu Wahnsinn, daß mit die besten Kräfte der Kulturmenschheit darauf gerichtet sind.- möglichst vollkommene Mordwaffen aller Art zu erfinden und fort- gesetzt zu verbessern?—_ P. M. G r e m p e. Kleines f euilleton. a. Kuhghyer. 1499 brach zwischen Oesterreich und dem mit ihm verbündeten schwäbischen Städtebunde gegen die Eidgenossen Krieg aus, der mit einer furchtbaren Erbitterung, fast mit tiefer persön- licher Wut, zwischen den Streitenden gefuhrt wurde. Der Grund lag in den jahrelangen Reibereien und Grenzstreitigkeitcn der einstigen Stammesgenossen, vor allen Dingen aber in dem Ueber- mute und der tiefen Verachtung, mit welcher die österreichischen Ritter und ihre Knappen, sowie die Truppen und Bürger des schwäbischen Städtebundes auf die Schweizer herabsahen. Wo immer sie eines Schweizers ansichtig wurden, überschütteten sie denselben mit Hohn und Spott, vor allen Dingen wegen ihrer Beschäftigung mit Acker- bau und Viehzucht. Sie nannten dieselben nicht anders als Kuh- mäuler, Kuhghyer, und ihr spottendes„Muh, Muh— Bläh, bläh" stachelte die Schweizer zur namenlosen Wut auf. Wer ihnen in die Hände fiel, stieß kein spottendes„Muh" ikiehr aus. Doch war der Spottname so allgemein, daß sie schließlich Milde walten lassen mußten. Nach den: Streite von Hard fingen die Schweizer einen Schwaben, der sich in einem Hause unter dem Dache versteckt hatte. Als er sich entdeckt sah, fiel er jammernd auf die Knie und bat: „O, Ihr lieben, frommen Kuhmäuler, seid mir um Gottes willen gnädig!"— Die Schweizer mußten lachen und schenkten dem armen Menschen, der seine Feinde nie anders hatte nennen hören, das Leben. Das gleiche taten sie zu Randeck. Hier hatten die schwä- bischen Landsknechte unter Anführung des Pfaffen, der beim Sparten der schlimmste gewesen, auf ihren Mauern gestanden und wie roll die Belagerer mit„Muh" und„Bläh" verhöhnt. Nachdem die Mauern erstiegen, kamen die Schwaben noch glimpflich weg; sie mußten alle im bloßen Hemd, der Pfaffe mit dem Kruzifix voran, mit einem Stäblein in der Hand ohne„Muh" und„Bläh" abziehen. Für die Sctiweizer selbst aber bekam der Sammelname ihrer Feinde„Schwaben" den Beigeschmack eines Schimpfwortes. Ein„Chaibeschwob" ist durchaus kein Ehrentitel. Im Frieden von Basel mutzte das gegenseitige Schimpfen im Artikel 5 unter Androhung von Leibes- und Güter- strafen ausdrücklich verboten werden. Im Kriege selbst war furchtbar gehaust worden. Schon in Konstanz hatten die Bündischen geprahlt, man solle.sie nur mit den ohnmächtigen Krihmäulern(den Siegern von Morgartcn, Sempach, Grandson, Murten) machen lassen. Jeder von ihnen wolle deren drei bestehen und ihnen ihren alten Gott, sowie die alte M.... zu Einsiedeln, auch ein Klafter Gebete vorgeben. Etliche marketen um den Vorzug, und der Obrist der Landsknechte, Burckhardt von Randcck, drohte, er wolle im Schweizerlande rösten und brennen, daß St. Peter sich nicht getraue, den Himmel aufzuschließen und der Herrgott im Regenbogen seine Füße vor Hitze müßte an sich ziehen. Und das hatten sie denn auch redlich getan. Willibald Pirckheimer, der Chronist dieses Krieges und kaiserlicher Landskncchtoberst er- zählt, wie er im Engadin nahe bei dem zerstörten Braglio zwei alte Weiber getroffen habe, die eine Herde von fast 499 kleinen Knaben und Mädchen vor sich her trieben, die vor Hunger und Elend kaum gehen konnten. Als Pirckheimer die alien Weiber frug, was das bedeute, erhielt er zur Antwort, er solle gleich sehen, wohin der un- glückselige Haufe gehe. Kaum waren- die Kinder auf eine Wiese herabgestiegen, als sie auf die Knie stürzten und wilden Tieren gleich die Kräuter abzuweiden begannen. Nur daß sie mit den Händen rauften und nicht mit dem Maule weideten. Sie hatten die Kräuter unterscheiden gelernt, und die bitteren und unschmackhaften auszu- scheiden. Lärmcntlich aßen sie Sauerampfer. Bei diesem entsetz- lichcn Schauspiele, erzählte der ehrliche Pirckheimer, stand ich sprach- los und wie vom Donner gerührt. Eine der alten Frauen sprach: „Siehst Du nun, weswegen wir diese unglückliche Schar hierher- getrieben haben? Ihre Väter sind durchs Schwert gefallen, ihre Mütter den Hungertod gestorben, ihre Habe ward als Beute fort- geschleppt, ihre Wohnungen hat die Flamme verzehrt, wir Elende sind bloß wegen unseres hohen Alters verschont worden, um diese unglückselige Jugend Tieren gleich aus die Weide zu treiben- und so lang wir's noch vermögen, durch's Grasesscn am Leben zu erhalten. Aber wir hoffen, daß baldigst sowohl sie als wir aus diesem namcn- losen Jammer erlöst werden. Denn schon sind wir, obgleich unsere Zahl noch einmal so groß war, bis auf diese herabgeschmolzen, weil täglich einige vor Hunger und Mutlosigkeit dahinfallen." Die Bündischen hatten Wort gehalten.— kh. Die letzten Forschungen im Himalaja. Der Himalaja um- lchließt bekanntlich die höchsten Gipfel der Erde. Der berühmte Mount Evcrcst erhebt sein schneebedecktes Haupt bis zu einer Höhe von 8849 Meter. Weiter nach Osten zu liegt der nicht weniger bc- rühmte Kinschinjinga und ganz am Ende der Kette liegt der Chogori oder Mount Godwin Austin. In den letzten Jahren haben mehrere Alpinisten, von dem Reiz dos Unbekannten, noch nie Erreichten ver- lockt, wiu-ngo-«KKlionen»ach diesen Erdriefen unteriioinnien. von denen AchÄ�K�KAtSNiHäu�La Nature" g>,stu»un«nsaücnd berichtet. Wenn es ihnen allen auch nicht geglückt ist. die höchsten Spitzen dieser Berge zu erklimmen, so haben sie doch von ihren Besteigungen sehr interessante Beobachtungen über die Lagerung dieser Ge» birge, über die Eismassen, von denen sie bedeckt find, und über die Bergkrankheit mitgebracht. Im Jahre 1899 hat Douglas FresHfield in Begleitung der bedeutenden Geologen Garwood und des geschickten Amateurphotographen Vittorio Sella die den Kinschinjinga umlagernden Eismassen untersucht. Nach den Resultaten seiner Forschung legt sich das Eis in einem Umkreis von 429 Quadratkilometer um den Kinschinjinga. Auch die Gletscher, die den Fuß des Berges umgeben, haben sehr beträchtliche Aus- dehnungen. Der Gletscher von Zemu z. B. erreicht eine Aus- dehnung von 23 Kilometer; er ist also größer als der Aletsch« gletscher, dessen Länge bis zum Fuß des Fiescher Grat 24 bis 25 Kilometer nicht iibertristt. Im Sommer 1992 wurde im äußersten Westen des Himalaja, im Karakornm, ein Aufstieg unter- uommen. Sechs erfahrene Alpinisten, Engländer. Oesterreicher und Schweizer versuchten den Chogori zu ersteigen. Am 28. April brach die Expedition, die aus den Herren A. Crowley, G. Knowles, O. Eckenstein, H, Pfannl, W. Wessely und Dr. Jacot-Guillarmod be- stand, von Srinagar, der Hauptstadt Kaschmirs, auf und kam am 3. Mai nach Skardo im Tal des Indus, wobei der Zoiji-la, ein Paß von 5999 Meter Höhe, überschritten werden mußte. Zu dieser Jahreszeit, in der noch eine dichte Schneeschicht liegt und eine große Laloinen- gefahr besteht, ist dieser Uebergang schwer und gefährlich, besonders für eine Karawane von 150 Trägern, wie sie den Alpinisten folgte. Diese Kulis tragen keine genagelten Schuhe, ja sie gehen sogar ge- wöhnlich barfuß. Um sich dabei gegen das Erfrieren zu schützen und im Schnee nicht auszugleiten, umhüllen sie die Füße mit wollenem Zeug und tragen Sandalen aus Stroh, die sie sich iii_ wenigen Minuten selbst flechten. Dr. Jacot-Guillarmod hält diese Sandalen, besonders loenn sie vorher angefeuchtet werden, für ganz vorzüglich geeignet bei Schneewanderungen. Nachdem die Alpinisten das Tal des JnduS und das des Shigar hinaufgestiegen waren, kamen sie am 7. Juni am Fuße der Gletscher au. Im Karakorum befinden sich die größten Gletscher von alpinem Typus. die man kennt; der Biafo, der im Shigartal bei ASkoli mündet. und der Baltoro, der sich zwischen zwei Felswänden etwa 95 Kilo- meter laus; entwickelt. Auch abgesehen vo» der Höhe bieten die Ausstiege in diesen Gebieten viel größere Schwierigkeiten als in den Alpen. Vor allen Dingen müssen die Lebensmittel und Zelte vom Fuße zum Gipfel von Menschen hinaufgetragen werden; dazu brauchte man 259 Kulis. Zehn Tage lang ging man den Baltoro- gletscher entlang und befand sich Ende Juni an, Fuße des Chogort. Dort wurde in einer Höhe von 5799 Metern das erste Lager auf- geschlagen. Ein zweites errichtete man in einer Höhe von 6199 Metern und ein drittes in einer Höhe von 9499 Metern. Da das Wetter sehr schlecht war, sahen sich die Bergsteiger fünf Wochen lang zur Untätigkeit verurteilt. Nur einmal konnten Dr. Jacot-Guillarmod und Wessely besseres Wetter benutzen, um bis zur Höhe von 9799 Metern zu steigen. Während deS Aufenthaltes im elt litten die Bergsteiger sehr unter häufigen Stürmen und einer emperatur, die bis auf 29 Grad fiel. Einer bekam eine Lungen- entzündung, die anderen hatten Anfälle von Influenza, Malaria oder schwere Halsentzündungen; dabei hatte man zur Pflege der Kranken keine frischen Nahrungsmittel, nur Konserven. Solchen Strapazen konnten auch die Kräftigsten nicht standhalten: Dr. Jacot-Guillarmod nahm 20 Pfund ab, einer der Herren sogar 39 Pfund. Am 1. August entschloß man sich daher, den Rückzug anzutreten. Trotz- dem hat die Expedition zur Kenntnis der Gletscher des Himalaja wichtige Beiträge geliefert. Die Moränen fast aller Gletscher des Karakorum entwickeln sich sehr merkwürdig. Bis zu einer Entfernung von 49 Kilometer von, Gipfel ist der riesige Eis« ström so mit Trümmermassen bedeckt, daß das Eis nirgends sichtbar ist. Der Baltoro ist sehr interessant wegen der Gletscher- flußerscheimmgen. Auf seiner ganzen Ausdehnung befinden sich Wasserflächen, teils an der Oberfläche, teils an den Seiten, die sich am Fuß der Berge einsenken wie der Märjelensee in, Aletschgletscher. Diese Teiche verschwinden und kommen wieder. Eines' schönen Tages bahnt sich das Wasser einen Weg durch den Eisdan, rn, der eS zurückhält, und nachdem es unter den, Gletscher abgeflossen ist, tritt es mit furchtbarer Gewalt an feinem unteren Ende aus und richtet Verwüstungen an, wie sie noch von Saint Gervais-les-Bai»s her in schrecklicher Erinnerung sind. Diese Erscheinungen sind im westlichen Himalaja und im Karakorum sehr häufig und können als normale Erscheinungen der Gletscherdynamil an- gesehen werden. Interessant ist auch die Beobachtung deS Dr. Jacot-Guillarmod, daß im Jahre 1992 alle von ihm beobachteten Gletscher deutlich zurückgingen. Während diese Expedition den Cho» gori zu nehmen suchte, erforschten Mr. Workman und Mrs. Bullock- Workman den großen Tschogo Lugma-Gletscher, der in ein Seitental deS Shigar mündet, wobei die unerschrockene Bergsteigerin bis zu Höhe von 9689 Meter gelangte, während ihr Mann bis zu 7152 Meter einer Höhe vordrang. Dieser GletscherZbewegt sich mit einer Schnelligkeit von 9,97 Meter in 24 Stunden, während die Maximalgeschwindigkeit deS Mer de Glace beim Montanvert nach den achtjährigen Beob- achtungen Vallots 9,441 Meter beträgt. Der Tschogo Lugina ist 48 Kilometer lang, seine Neigung beträgt nur 2 Grad, wie über» Haupt alle Gletscher des Himalaja sehr sanft abfallen.— — Elektrizität und Brot. DaS Vermögen des elektrische» Stroms, gewisse Stoffe in ganz eigener Weise zu zersetzen, hat zu einer be- deutenden EntWickelung der Elektrochemie geführt. In letzter Zeit ist in Paris die Elektrizität auch zur Verbesserung des Brotes uer- sucht worden. In dem irrigen Glauben, daß das Weizenbrot um so besser sei, je Meitzer es erscheine, stellte die Kun'schaft der Pariser Bäcker sckiou se't Jahren nach dieser Richtung immer grötzere Anforderungen, und die Folge war eine stetig zunehmende Verfeinerung der Kunstmiihlen-Erzeugnisse. Die verlangte Feinheit des Mehls hat aber dazu geführt, datz im Laufe von kaum drei Jahrzehnten die Ergiebigkeit des Getreides an Mehl für das alltägliche Brot von 75 auf 55 Prozent zurückgegangen ist, und zwar auf Kosten der Volksernährung. Es ist nämlich eine bekannte Tatsache, datz der innerste Kern des Weizen- konis, der den wesentlichen Bestandteil des Feinbrotes bildet, zwar das weitzeste Mehl liefert, datz dieses aber auch die geringste Menge von Eiweitzstoffen enthält und mithin am wenigsten nahrhaft ist. So suchte man denn neuerdings weitzercs Brot durch Elektrizität zu erzielen. Zu dem Zwecke wurde, wie die„Köln. Ztg." berichtet, das Mehl mit elektrischer Lust in Berührung gebracht, deren Ozon ein kräftiges Bleichmittel bildet. Der Pariser Akademie der Wissenschaften liegt nun ein Bericht über die Ergebnisse vor. die ein gewöhnliches und ein elektrisch behandeltes Mehl unter denselben Umständen geliefert haben. Das elektrische Mehl war ent- schieden Meitzer, stand aber in Geruch und Geschmack dem anderen wesentlich nach. Beide Proben hatten gleichen Phosphorgehalt, wichen jedoch, was Fett und Säure betrifft, sehr voneinander ab. In dem elektrisch behandelten Mehl ertviesen sich die Fettstoffe ranzig, zäher und weniger gelb: das beim Mahlen so würzige gelbe Getreide-Oel hatte sich oxydiert und teilweise in Meitze Fettsäuren verwandelt, die sich in Alkohol lösen lietzen. Auch die Kleberstoffe zeigten sich ent- färbt und verändert. Das aus diesem Mehl hergestellte Brot endlich war bedeutend lveitzer als das bisherige, indes weniger schmackhaft. Alles in allem ergaben die Versuche, datz die Elektrizität das Mehl zwar bleicht, zugleich aber alt macht.— Aus de», Tievleben. =r— Klappert der schwarze Storch? Der schwarze Storch, der sich von seinem weitzen Verwandten durch ein dunkles Gesteder unterscheidet, ist ein scheuer Vogel, der meist weitab von menschlichen Ansiedelungen in alten feuchten Wäldern lebt. Wegen seines versteckten Ausenthaltes und weil er überhaupt viel seltener ist als unser bekannter Freund Adebar, hat man ihn tveniger beachtet. Deshalb konnte die Frage auftauchen, ob er ebenso wie dieser zeitiveilig seine Gemütsbewegung durch Klappern mit dein Schnabel kuidgibt. Da neuerdings ein Forscher berichtet, datz er trotz dreitzigjähriger täglicher Beobachtung von Horsten des schwarzen Storches diesen nie klappern gehört, überhaupt von den Alten nie einen Laut vernommen hat, so macht jetzt W.. Schuster in der„Naturwissensch. Wochenschr." Nr. 60 darauf aufmerksam, datz das Klappern des schwarzen Storches doch autzer Frage stehe. Er selbst hat allerdings den Vogel auch noch nicht jenen Laut von sich geben hören, weder im Freien, noch in Tier- gärten. Der schwarze Storch im Zoologischen Garten zu Frank- furt a. M. lietz nie einen Ton vernehmen, während seine Kameraden, der Meitze Storch, der Marabu, der afrikanische und indische ■Nimmersatt nicht zurückhaltend mit ihrer Klappermusik waren. Die älteren Autoren berichten dagegen von dem Klappern des schwarzen Storche?. Eine sehr hervorragende Autorität, Dr. Naumann, der den Vogel oft in Gesangenschast gehalten hat, schreibt:„Sein Klappern hat einen höheren Ton und tönt nicht so stark, als das des weitzen Storches; der Kenner kann es deshalb, aber nur bei vieler Hebung, leicht unterscheiden." Ein ebenso berühmter Tierbeobachter. H. O. Lang, berichtet:„Als Kind habe ich�iebst anderen Knaben einen schwarzen Storch nüt Fröschen ausgezogen, welcher ganz zahm wurde und frei umherging. Einen Franzosen, welcher ihn oft neckte, Hatzte er sehr, klapperte laut, wenn er ihn erblickte, und verfolgte ihn mit Schnabelhieben. Auch Hunde schlug er in die Flucht." Jir„Tiere der Heimat" schreiben die Verfasser Adolf und Karl Müller schlietzlich vom schwarzen Storch:„Ihm steht nur das allen Störchen eigentümliche Klappern zu Gebole, jedoch nicht in der Stärke wie seinen weitzen Verwandten. Er lätzt es gedämpft, hauptsächlich nur zur Paarzeit und vor dem Zuge beim Begegnen und Zusammenautreten mit anderen hören." Aus diesen Angäben inutz man, wie W. Schuster sagt, folgern, datz der schwarze Storch klappern kann, datz er aber nur ganz selten klappert. So erklärt es sich, datz Beobachter, die ihn selbst viele Jahre im Horste oder in Tiergärten sahen, nie einen Laut von ihm vernahmen.— Aus dem Pflanzcnlebe». — Beeinflussung des Wachstums höherer Pflanzen durch dieAnlvesenheit voit Algen und Bakterien. Eine Reihe von Versuchen, die Bouilhac und Giustiniani während der letzten Jahre angestellt haben, haben gezeigt, datz die Anwesenheit gewisser Algen des siitzen Wassers ldlostoo punctiforaie und Anabaena) und Bakterien einen Sandboden, der stickstoffhaltiger Salze und organischer Materie vollkommen entbehrt, in relativ kurzer Zeit so weit mit Stickstoff bereichern kann, datz höhere Gewächse, wie zum Beispiel Buchweizen, sich zu einem normalen Wachstum entwickeln können. Es steht diese Beobachtung im Ein- Eerantwortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin.— Druck und Verlag: klänge mit den etwa bor ein uh.zehnt unternommenen llnter» suchungen von Schloesing und ent, nach bjnca sd stanzen, wie Erdäpfel(Helianthus tuberös' Hafer und Tabak, ans stickstoff- armen Böden gedeihen könne. t a �iusgesetzt, datz das Erdreich von niederen Gewächsen überdeckt rv-Zmdlich haben noch Deherain und Demoussh beobachtet, datz dt"Vstue Lupine auf stickstofffreiem Boden, dessen Oberfläche von Al überzogen war, ein normales Wachstum entfaltete,_ ohne datz 2 J den Wurzeln die bekannten -Knöllchen der Stickstoffba�-Lien md- gewesen wären. Die eingangs erwähnten Autoren ha».. ifuiP-.chiö Reihe weiterer Versuche angestellt und zwar rniV Buchweizen, Mais, Senf und Gartenkresse. Bei allen Experimenten wurden die Gewächse in un- fruchtbaren Sandboden eingesät. Während aber bei einem Teil der Kulturen gleichzeitig für die Entwicklung einer reichlichen Algenflora Sorge getragen wurde, unterblieb diese Mahnahme bei dem Rest der Kulturen vollkommen. Die Analysen der Ernteprodukte zeigten nun, datz die gleichzeitig mit Algen gewachsenen Pflanzen durchgängig reicher an Stickstoff waren als die ohne Algen gewachsenen Kontrol- pflanzen. Es geht aus diesen Versuchen hervor, datz eine Reihe von nicht zu den Leguminosen gehörenden Gewächsen imstande ist, den durch niedere Algen und Bakterien fixierten Luftstickstoff sich nutzbar zu»lachen.— („Prometheus".) Bergbau. u, Neue Zinnlager. Das Zinn gehört zu den im häus- lichen Leben und in der Technik begehrtesten Metallen, und es war deshalb sehr ärgerlich, datz man für seine Gewinnung auf ganz wenige Stellen angewiesen war. Die Zinnlager auf Malakka und an einzelnen der niederländischen Kolonien im südöstlichen Asien hatten förmlich ein Monopol. wodurch einesteils nur eine geringe Förderung, andererseits ein hoher Preis herbeigeführt wurde. Ganz neuerdings gibt die Erde nun auch das Zinn an mehreren anderen Stellen: in Queensland sind gleich mehrere neuere Zinnlager allfgefunden worden, von denen eines, allerdings das grötzte, schon für 25 600 Pfund Sterling Zinn produzierte, ein zweites für 15 000 Pfund Sterling. Auch an einer anderen Stelle Australiens wurde Zinn festgestellt, nämlich in dem nördlichen Teil des Staates Siidaustralien, in der Nähe von Port Darwin. Hier ist ein Chinese glücklicher Besitzer einer gewaltigen Zinnader, die um so leichter ansgebentet werden kann, als das Metall direkt an der Erdoberfläche liegt, und um so lohnender ist, als das Erz 75 Proz. Zinn enthält. Schlietzlich wurden auch im Transvaal Zinnlager aufgefunden, die sich in einer Länge von 12 Meilen erstrecken, und bei denen der Zinngehalt zwischen 5 und 40 Proz. schwankt.— % Humoristisches. — D i e gerupfte Gans. Ein Bauer in nächster Nähe einer bayerischen Stadt verfeindete sich, so erzäblcn bayerische Blätter, mit seinem Nachbarn wegen eines Dachwassers. Er ging zu einem Advokaten in die Stadt: dieser sandte ihn an den Vertreter des Gegners mit einem in lateinischer Sprache geschriebenen Zettel. Neugierig fragte der Bauer auf der Slratze einen Studenten, der ihm lächelnd übersetzte:„Die eine Gans r u p f st Du, die andere r u p ff ich." Der Bauer, der sich von dem Studenten verhöhnt glaubte, fragte nun einen Professor; doch auch der gab ihm zu seinem Erstaunen die gleiche Uebersetzung. Er ging nun zum Pfarrer, der ihm das Latein auch nicht anders verdeutschen konnte, zugleich lud er die beiden ver- feindeten Bauern auf nachmittag in ein Gasthaus ein, wo sie zu dritt bei einer gebratenen Gans und einer Flasche Wein Versöhnung feierten. Als nach einiger Zeit der Advokat bei dem Bauern an- stagte, erhielt er die Antwort: Geehrter Herr I Leider sind Sie viel zu spät daran. Die Gaus haben wir u un selber ge- rupft, gebraten und verspeist.— Notizen. — Wilhelm Weigand ist aus Gesundheitsrücksichten von der Leitung der„Süddeutschen Monatsheft e", deren Mit- begründer er war, zurückgetreten.— — Eine illustrierte Chopin-Biographie erscheint noch vor Weihnachten im Verlage„Harmonie"(Berlin). Verfasser ist Dr. Hugo Lcichtcntritt.— — Die einst viel gefeierte Tragödin Fanny Janauscheck ist, arm, alt und verlassen, in New Jork gestorben.— o. T o l st o j s„A u f e r st e h u n g" a l s O p e r. Im Viktor Emanucl-Theater in Turin wird in kurzem eine neue Oper mit dem Titel„Auferstehung", deren Text aus dem gleichnamigen Roman von Leo Tolstoj geschöpft ist, zur Aufführung gelangen.— — A u g u st e R o d i n s Bronzestatue„Der Denker", ist provisorisch vor dem Pantheon in Paris aufgestellt worden.— Die nächste Nummer des Unterhaltungsblattes erscheint am Sonntag, den 4. Dezember..<•>■■"-»»»>««s« ,tts - H'jii'iiii'i"> um... Vorwärts Buchdruckerei u.jtzerlagsanstaltPauMistserSeTo�Bwlin L W.