Nnterhallungsblatt des Horwärls Nr. 254. Mittwoch, den 28. Dezember. 1904 (Nachdruck verboten.) 20t Ich bekenne. Roman von Clara Müller-Jahnke. Ueber die Stunden, die mm folgten: zwanzig Stunden eines Martyriums, das sich zu zwanzig Ewigkeiten voll un- erhörter Qualanstrengungen ausdehnte, last mein Herz einen Schleier breiten! Und mein Gedächtnis auch. Das ist die unendliche Barmherzigkeit der Natur— und ihre grausamste List: dast sie genossene Freude in der Erinnerung ins Un- ermessene wachsen macht, während sie die Erinnerung an er- duldete Schmerzen so schnell verwischt. Wenn die Vorstellung der erlitteneu Qualen in der Stärke der Empfindung uns er- halten bliebe, so würde kein irdisches Weib, weder durch inneren Trieb noch durch irgend eine äußere Macht, zu bewegen sein, zum anderen Male ein Kind zu empfangen. Und weil sich die deutliche Vorstellung der Schmerzen, die ich erdulden mußte, so rasch in mir verwischt hat, deshalb wünsche ich heut mit allen Kräften meiner Seele, mit allen Fibern meines Leibes: ein Kind von Dir— von Dir!— Ach! wie mich heute dies Verlangen peinigt in der Er- innerung an genossenes Glück! Denn ein Glück ist es doch gewesen, ein Glück ohne Masten nach Stunden der Qual und Kraft, nach Einsehung des eigenen Lebens: das Triumphgefühl der Siegerin! Mein Auge war klar und mein Ohr geschärft, als ich den ersten Laut meines Ltindes vernahm. „Ein Mädel," sagte Elfricdens Stimme. Die Wärterin, die am Kopfende meines Lagers das dampfende Wasser in die Wanne goß, murmelte einige Worte, die ich nicht verstand. Dann trat eine Pause so voll köstlicher, fast abgestorbener Ruhe ein, wie ich das nur ein einzig Mal in meinem Leben empfunden hatte: in den Krisisswilden meiner Typhus- krankheit. Als sie mir das Kind zeigten, das kleine, rote Gesichtchen mit dem platten Näschen, den ganzen Kopf voll schwarzer, krauser Haare, in Linnen und Betten eingehüllt,— ging ein Gefühl grenzenloser Enttäuschung durch meine Seele. Ich hatte etwas Großes, ein Ueberwältigendes erwartet, eine Empfindung, vor der mein ganzes bisheriges Leben in Staub zerfallen sollte. Und als ich das Kindchen mit den Händen berühren durfte, empfand ich nichts, nichts... nichts... Oder doch: ein Gefühl der Abneigung. Das war Vincentis Kind! Vincentis Kind— losgelöst von mir und meinem Empfinden, meinem Sinn entrückt. Mochte er sein Kind denn nehmen: ich hatte mein Teil daran reichlich abgetragen. Wenn sie mich nur in Ruhe ließen... Ich wollte mich zur Seite wenden, aber die Kräfte ver- sagten mir. Elfriede Günther beugte sich über mich und rückte mir die Kissen zurecht... „Sie dürfen sich nicht rühren. Wilma," sagte ste mit leiser Stimme, aber in sehr bestimmtem Tone zu mir.„Sie dürfen sich mindestens achtundvierzig Stunden lang nicht rühren. Sie haben sonst eine Blutung zu befürchten." Ein Gedanke durchschoß mein Gehirn.� Gut! Ich wollte mich achtundvierzig Stunden lang nicht rühren, wollte alles tun, was nötig war, damit ich gesundete. Aber vorerst: Nach- richt geben— nach Hause! „Darf ich nicht für Sie schreiben?". „Nein, nein— meine Mutter muß meine eigene Hand- schrift sehen!" �.... Sie mochte es fühlen, daß sie mir in diesem Augenblicke nicht widersprechen durfte. So schob sie mir einen Briefbogen auf einem Buche unter das Kinn und gab mir einen Bleistift in die zitternde Hand. So schrieb ich, ohne einen Biichstaben zu erkennen. Schrieb mit fliegenden Händen von der Operation, die ich bestanden habe und die glücklich verlaufen sei. Ich log an der Schwelle deS Todes. Die Adresse schrieb Elfriede. Dann trat eine tiefe Erschöpfung ein. Mer kein Schlaf. Ich blieb wachend drei Tage und drei Nächte hindurch, immer wieder emporgerüttelt durch das jämmerliche Schreien des kleinen Wesens, das ich der Welt gegeben hatte. Diese schwachen, erbarmenheischenden Laute während der langen, langen Nächte stahlen sich mir in das Herz... *• » Am dritten Tage ließen sie Lydia Nakowicz zu mir. Und noch eine andere Frau, die Vincentis Schwester mitgebracht hatte: eine ansehnliche, saubere Person mit einem gutmütigen Lächeln um die herabhängenden Mundwinkel. Sie wollte das Kind nüt sich nehmen, es pflegen und erziehen gegen ein ge- ringes Entgelt. Lydia ließ ihre ganze Beredsamkeit fluten. Sie war so erregt, daß die polnischen Brocken sich häuften in ihrem Rede- ström und ich kaum die Hälfte von dem verstand, was sie sagte. Nein, Du, ich verstand eigentlich gar nichts, ich empfand nur... empfand klar und deutlich das eine: daß ich mich nicht trennen konnte von meinem Kinde, es nicht in fremde Hände geben durfte— um keinen Preis der Welt. Angerufen, plötzlich, mit überwältigender Wucht war das Muttergefllhl da. Die Frau ging, gekränkt und verletzt, wie es mir schien. Sic mochte es gut gemeint haben mit uns beiden. Lydia schlug die Hände zusammen.„Aber, Panna! Besser hätten Sie es ja gar nicht finden können! Panna, ich Hab' gebetet für Sie und das süße Kleine. Haben Sie Nachricht gegeben an Vincenti?" Wie ein Blitzstrahl schlug der Name in meine zerrissene Seele. New. ich hatte ihm keine Nachricht gegeben, hatte kaum noch gedacht an ihn-- „Soll ich ihm schreiben, Panna? Wie hübsch und an- sehnlich das Kleine ist?" Ich wehrte mit der Hand ob. Ich wollte selber schreiben. Zwischen Vincenti und mir war jetzt ein Band geschliingen, das zu zerreißen ich nicht das Recht besaß. Als Elfriede eintrat, ließ ich mir das Kind reichen. Ich durste mich zum erstenmal ein wenig aufrichten, um das kleine Wesen aufmerksam betrachten zu können. Ja, das waren seine Augen, die Form seiner Nase. Und doch hatte ich dieses Kind lieb! Ich küßte die kleinen, zusammen- geballten Händchen und wischte heimlich die Träne fort, die auf die faltige Stirn des hülflosen Geschöpfchens fiel. Dann schrieb ich ihm. Von meinen Qualen nichts: desto mehr von seinem Kinde. Ich hoffte, sein Gefühl zu rühren, wenn ich mit der Stimme der Natur zu seinem priesterlichen Herzen sprach. Lydia bewunderte das Neugeborene:„Panna, Sie können Gott nicht dankbar genug sein. Alles so wohl überstanden— und so ein hübsches, wohlgewachsenes Kindchen!" Dann ging sie. Am Nachmittag kam Helena, die mir einige Apfelsinen brachte. Obwohl sie ruhig sprach, und ihre Worte vorsichtig wählte, erfuhr ich doch aus ihren Reden, daß Lydia sofort nach meiner Entfernung aus ihrem Hause, sowie auch am Tage nach der Geburt an ihren Bruder geschrieben hatte. Er wußte also bereits, daß ihm ein Kind geboren war, -- und ich hatte noch keine Zeile von ihm! Trotzdem machte ich mir keine unruhigen Gedanken dar- über: sein Schweigen tat mir nicht einmal weh. Die große Körpcrschwäche unterdrückte alle Regungen meiner Psyche. Sonst hätte ich auch wohl bemerken müssen, wie sorgsam meine Umgebung mit dem kleinen Wesen umging: erst nachträglich ist mir das alles ins Bewußtsein gekommen. Den einzigen starken Eindruck von allen Lauten um mich her machte daS Schreien des Kindes auf mich, das so jämmerlich und anhaltend durch die Stille der Nächte drang. Dann, nach langen, trüben Tagen, teilte mir Elfriede in schonender Form mit, daß das Mädelchen krank sei. Irgend etwas am Rückgrat sei nicht in Ordnung. Sie habe mir daS nicht früher sagen wollen, um mich nicht zu erschrecken. Jetzt aber müsse sie das Kind zum Arzt bringen. Ich war noch nicht fähig, zu erschrecken oder mich zu ängstigen: ja, ich sühlte nicht einmal das Verlangen, mir daS Kindchen genau anzusehen... erst, als sie es mir reichten vor der Fahrt zum Arzt, legte ich es einen Augenblick fest an mei» Herz. And der Arzt erklZrte das kleine Wesen, das zu früh ge- boren und darum schon hochgradig schwach sei, für schwerkrank außerdem: er hatte die Absicht, es in seine Klinik zu nehmen. Jetzt also mußte ich mich von meinem Kinde trennen. Und von Vincenti kein Wort!— Auch Lydia kam seltener, was übrigens eine große Be- ruhigung für mich war. Als sie den Ausspruch deS Arztes vernahm, verlangte sie, daß die Kleine getauft werde, ehe sie in die Klinik käme. Daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Nun aber kamen, wohl hervorgerufen durch die körper- liche Depression, allerhand Bedenken und Befürchtungen über mich. Alle mir eingeprägten Androhungen für schwere Unter- lassungssünden klangen aus versunkener Kinderzeit herauf, hallten aus Vincentis Lehren wieder. Mochten sie es denn taufen! Aber katholisch sollte es nicht getauft werden, schon aus dem Grunde nicht, weil der Vater seinem Kinde absichtlich fern blieb. Lydia stand an meinem Bett, als ich diese Meinung sehr entschieden aussprach. Das erste lebendige Kraftgefühl war er- wacht in mir. So sah ich denn auch ein blitzartiges Zucken um ihre Mundwinkel auftauchen und verschwinden... „Wie Sie wollen. Panna." sagte sie unterwürfig,„Sie sind die Mutter und haben das Recht/ darüber zu entscheiden. Was geht es denn schließlich auch ihn an?" „Ich dächte, genug." murmelte ich vor mich hin. denn ich hatte schon wieder die Lust verloren, zu sprechen oder gar ihre letzte, seltsame Aeußerung zu widerlegen. So wurde denn mein Kindchen evangelisch getauft auf den Namen der Frau, die meinem Herzen am nächsten stand. El- friede Günther und Helena Rakowicz sind Taufzeugen gewesen. Am anderen Tage trugen sie es fort. Und mir war zu Mute, als rissen sie mir das Herz aus der Brust. In diesem letzten Augenblick empfand ich es tief und schneidend: Fleisch von meinem Fleische. Blut von meinem Blut. Ich habe mein Kind niemals wieder gesehen. Der Schnee stäubt an mein Fenster. Die Luft ist un- heimlicher, heulender Dämonen voll, die mir das Lied der Er- innerung in die Seele singen... Und damals schien die klare Frühlingssonne, als ich zum erstenmal am Fenster meines Krankenzimmers stand und in den sauberen, wohlgehattenen Hof hinabsat,. Sie funkelte in den blanken Fenstern ringsum, sie küßte die lila und gelben Krokuskelche in den Blumentöpfen auf der rings um den Hof laufenden Galerie, und sie strich liebkosend einem Kanarien- Vogel, dessen Bauerchen in einem offenen Fenster stand, über das glatte, goldglänzende Gefieder. Durch das offene Fenster mir gegenüber konnte ich bis mitten in das Zimmer sehen. Da stand, dicht an ein alter- tümliches Klavier gepreßt, ein Liebespaar in innigster Um- armung. Ich mußte wieder und immer wieder dahin sehen. Das alles kam mir so lachhaft und sinnlos vor... ich hätte hin- stürzen, das Mädchen aus den sie umschlingenden Armen reißen und ihr zurufen mögen:„Die Sonne scheint, sieh doch in die Sonne!"— Und es war doch höchstwahrscheinlich ein ganz ordnungs- gemäß verlobtes, bürgerlick>es Brautpaar oder gar junge Ehe- leute, denen meine Warnung wie eine Profanatton erschienen wäre. Sie mochten auch bald bemerken, daß sie beobachtet wurden. Das Vogelbauer wurde hineingenommen, und eine schlanke, weiße Hand schloß das Fenster zu. Der Frühling aber blieb, und die Sonne ging mit jedem neuen Morgen wärmer und siegesfroher auf. Von Hause be- kam ich liebe, besorgte Briefe. Elfriede Günther umgab mich nach wie vor mit einer zarten, diskreten Anteilnahme. Am sechsten Tage, nachdem ich das Bett verlassen, erlaubte sie mir. zu den Rakowicz' hinauszufahren. Ich wollte mich nach meinen Sachen umsehen, meine Rechnung begleichen, und dann-- Ja, was sollte dann eigentlich werden? Die schwarze Wand war gefallen, aber ihre Trümmer versperrten mir jeden Ausblick. Vor dem Gange in die Klinik hatte ich eine furchtbare Angst. Feig war ich bis zur Todesfurcht. Elfriede hatte iibrigens erklärt, vor acht oder besser noch zehn Tagen dürste ich gar nicht daran denken, hinzugehen, wegen der Aufregungen, die meiner dort harrten. So hatte ich Helena gebeten, einen Besuch in der Klinik zu machen, und hoffte nun, Bescheid durch ße zu erhalten, wie es um mein Kindchen stand. Lydia Rakowicz öffnete mir die Tür. Sie schlug nach ihrer Gewohnheit die Hände zusammen, als ich eintrat, wie in helle» Verwunderung. „Panna. Panna! Die Mutter Gottes selbst hat Sie ge- schützt! Und nun ist die Helena nicht einmal da! Wie geht es denn dem lieben Kindchen, Panna? Alles wieder gut und munter?"— Ich unterbrach ihren Redestrom. Mir schlug das Herz bis an den Hals; wie eine heiße, ersttckende Woge fühlte ich das Blut mir zum Gehirn emporschießen. „Ist Helena nicht in der Klinik gewesen?" „Helena?— Das undankbare Kind gönnt ihrer alten Mutter kein Wort mehr; wie kann ich wissen? Sie mag in der Klinik gewesen sein oder nicht.— ich kann es nicht sagen. Sie mag ja jetzt eben dort sein, Panna!" Es tat mir schneidend weh, das Mädchen verfehlt zu haben. Ich ging sofort zu den Geschäften über, welche ich zu erledigen hatte. Lydia Rakowicz hatte außer dem ausbedungenen Pensionspreis noch tausenderlei nicht unerhebliche Neben- rechnungen aufgestellt,— mochte fiel Es war ja sein Geld, nun kam es eben seiner Schwester zugute. Aber meine Barschaft war bedeutend zusammengeschmolzen, als wir alle Geschäfte abgewickelt hatten. „Und was wird nun mit dem Kindchen, Panna, und was soll werden mit Ihnen selbst? Wenn es am Leben bleibt,— Gott mag es Ihnen schenken!— wo werden Sie es hintun? Ihr lauernder Ton widerte mich an.„Dafür wird der Gott sorgen, den Sie so oft anrufen, Lydia Rakowicz, und der ja auch Vincentts Gott ist." „Ach, Vincenti," das klang so harmlos wie Vogel- gezwitscher am Frühlingstag—„von Vincenti habe ich heute einen Brief bekommen. Er hat auch für die Panna ein Schreiben eingelegt." Mir stockte der Atem.„In Ihren Brief?" „Ja, Panna; er hat wohl nicht genau Ihre neue Adresse gewußt." Sie ging in die Küche hinaus, wo sie die ihr zu eigen ge- hörenden Sachen aufzubewahren pflegte, und kam mit einem zerknitterten, geschlossenen Schreiben zurück, auf dem die von Vincentis Hand geschriebene Adresse stand: Panna Guilelma. „Heute haben Sie den Brief bekommen?"— Ich sah auf das zerknitterte, unsaubere Papier hinab. „Ach— Sie meinen, weil er nicht ganz frisch aussieht? Ich babe des Bruders Brief am Herde gelesen, beim Feuer-. anmachen, da mag wohl Kohlenstaub darauf gefallen sein." Kohlenstaub war auch auf meine Seele gefallen. Mein Ich erschien mir in diesem Augenblick genau so beschmutzt und zertreten, wie dieser schicksalschwere Brief. Sie wartete darauf, daß ich das Papier öffnen sollte. Ich tat es nicht, obwohl alles in mir nach seinem Jichalte fieberte und schrie. Die Furcht, von diesem Weibe bei der Lektüre von Vincentts Zeilen beobachtet zu werden, lähmte mir jede Bewegung. So nahm ich denn kurzen Abschied von ihr, den staubigen Brief fest in der Hand zusammengepreßt. Sie versprach frei- willig, ohne daß ich ihr meinen Wunsch mit einem Worte ver- raten hätte, mir Helena bald zu schicken. „Und Gott mit Ihnen, Panna, und alle lieben Heiligen-- 1" Gott war mst mir. Wäre er nicht mit mir gewesen, so hätte ich mich unter die Räder des ersten heranbrausenden Straßenbahnwagens ge- warfen. Nur daß mein Gott anders hieß als der ihrige, als der Gott desjenigen, der einen solchen Brief an die Mutter seines Kindes zu schreiben gewagt... Der Name meines Gottes war die Kraft. Heute weiß ich den Weg nicht mehr, den ich gegangen bin, noch auch, wie ich ihn in meinem Zustande habe zurücklegen können. Einen Weg von reichlich einer halben Meile— mitten durch das Straßengewirr der Millionenstadt. Fiebernd, er- schöpft, zerrissen in den ttefsten Tiefen meines Sems— und doch so kräftig, so lebensvoll und willensfreudig— Ich! Mein gesundes Ich den Halluzinationen eines Wahn- witzigen gegenübergestellt zum letzten, entscheidenden Kampf! In diesen Augenblicken hatte ich mein Kind vergessen. Ich las Vincentis Brief auf offener Straße, während ich mechanisch meinen Weg verfolgte und mit suggestwer Sicher- heit den mir Begegnenden auswich. Mitunter hatte ich dabei das dunkle Gefühl, als ob die Leute mich auf eine merkwürdige Art anstarrten oder mir wohl vorsichtig aus dem Wege gingen. Zwei- bis dreimal mußte ich das verworrene Schriftstück lesen, ehe ich den zweifellos in einem Wutanfall liederlich mit Bleistift hingeworfenen, konfusen Zeilen einen Sinn abzu- Gewinnen vermochte. Allmählich erst wurde mir klar, waS der Rann eigentlich meinte, was er wollte. lFortsetzung folgt. ü Kleines Feuilleton. ei. Nachher— Ein trübes, graues Regenlicht schien durch die Fenster; es gab dem Zimmer ein häßliches, unfreundliches AuS- sehen. Etwas Verdroflenes, Trübseliges lag drüber her. über den Schränken, die voll« Sachen lagen, die offenbar nicht hinauf ge- hörten, über den Tischen und Stühlen, die durcheinander standen. Bielleicht kam das Unfreundliche auch von innen heraus, aus den mürrischen, übermüdeten Gesichtern. Die Mutter, die am Fenster saß, gähnte. Emmy gab dem Tisch mit dem Weihnachtsbaum einen Schubs, daß er wackelte, gerade als hätte sie ihn nicht erst vorgestern noch für den„poesievollsten Anblick der Welt" erklärt, die Schwägerin. die„über Nacht" geblieben war, band die Bestecke ein und räumte die Gläser ins Büfett; sie sah noch am fidelsten aus; Martha aber stand vor der abgedeckten Tafel und warf einen geradezu wütenden Blick bald auf sie, bald aus all den bunten Kram auf den« Schränken. „Bauen wir denn das nun etwa alle? noch mal auf? Ich tverd's man gleich wegpacken." „Was willste?" Du bist wohl dumm?" Emmy fuhr herum. „Leg' man alles noch mal hin, bis Neujahr kommen doch noch genug von der Verwandtschaft, die müssen doch sehen, was wir gekriegt haben." „Da sehen sie auch schon was Rechtes l Oder willst Du mit Deinem halben Dutzend Strümpfen Staat machen?" „Kann sie das etwa nicht?" fragte die Schwägerin.„Hört mal, Tanle Lina hat sie doch gestrickt; das ist ja heutzutage'n Schatz; selbstgestrickte Strümpfe hat nicht jeder." «Ich danket" sagte Emmy. «Hütt' sie sich lieber die Mühe gespart und für die Wolle WaS Vernünftiges gekauft," murrte Martha.„Aber natürlich, die Wolle hat sie billig und die Mühe für umsonst,—'n sehr anständiger Weihnachten!" „Und wir gaben zehn Mark für sie miSl" sagte die Mutter empört. „Und laden sie noch gestern zur Gesellschasi." «Wo sie's ganze Marzipan auffrißt I" Martha sah gen Himmel. „Na. Onikcl Franz hat auch'ne Klinge geschlagen." sagte Emmy.„Dreimal nahm er Braten. Es ist unerhört. I" „Er dachte jedenfalls, weil er uns'ne Base geschenkt hat, die könnt' er abessen," spottete die Mutter. „Jawohl—'ne Base aus'm Dreimark-Bazar,— Dreck I" Martha, die sie gerade in der Hand hatte, stellte sie mit einem „Buff" auf den Tisch. „Und wir haben acht Mark für ihn ausgegeben." berechnete die Mutter von neuem.„Nächstes Jahr bin ich ja nicht wieder so dumm l" „Nein," sagte Martha,„ich ganz bestimmt auch nicht! Also bauen wir den Krempel wieder auf. Ernas Sachen werde ich in die Mitte legen, die hat noch am besten abgeschnitten." „Ja— Erna kann zufrieden sein!" „Erna war die Schwägerin. Sie lachte fröhlich:„Bin ich auch, Erich hat mich ja so reich beschenkt I" „Ja, mein Erich ist immer nobel," nickte die Mutter, und das klang wieder sehr höhnisch. „S o n st hat er uns immer soviel geschenkt," meinte Martha bissig.„Dies Jahr, wo er'ne Braut hat, wird er wohl die zuerst bedenken." „Nu. natürlich!" sagte Emmy. „Ich— ich weiß gar nicht, wie Ihr seid..." Die Braut horchte auf, und ein befremdeter Zug glitt über ihr hübsches Gesicht: „Was meint Ihr denn?" „Ach— nichts!" Martha wandte fich ab. „Und das Kaffeeservice ist ja auch ganz niedlich," meinte bk- gütigend die Mutter. „Jawohl," nickte Martha,„ein Kaffeeservice für uns drei! Ts ist wirklich rührend von Erich." „Na ja, Ihr habt doch kein gescheites Service, und da dachten wir beide, es würde Euch allen Freude machen. Nun habt Ihr doch'n Service und nicht bloß die Nickelkanne und die bunten Tasten." „Ach, es macht uns ja auch Freude!" hohnlachte Emmy. „Furchtbare Freude," bestätigte Martha.„Es ist so ein Nied- liches Service und unter fünfzehn Mark hat er's kaum gehabt." „Ich weih nicht, was es gekostet hat." Jetzt kam auch in ErnaS Stimme ein kuhler, abweisender Ton. «Dreizehn Mark fünfzig bestimmt," sagte Martha,„soviel kosten dieselben Dinger im Bazar, und da er da nicht kauft, wird er wohl fünfundsiebzig Pfennige mehr haben geben müsten." „Wenn nicht'ne Mark," warf die Mutter ein.„Ja, eS ist wirklich riesig nobel von Erich, daß er soviel Geld für die Mutter und alvei Schwestern ausgibt, wo er doch dies Jahr soviel Ausgab«» für seine Braut hatte." „Aber was wollt Ihr denn nur?" Erna stellte das Glas, an dem ste gerade polierte, beiseite und sah von einem zum anderen: „Ihr seid so.. so.. ich weiß gar nicht. »Wir sind gar nicht"—„Nun sag' man nicht etwa Erich, wir wären was.— was soll denn der denken!" „Nee, Du, mach' keine Klatscherei," warnte Martha. „Aber wo werde ich denn Klatscherei machen!" Erna hatte Tränen in den Augen.„Und überhaupt hat mir Erich doch nur Sachen für unsere künftige Wirtschaft geschenkt, doch gar nicht mal was für'n Luxus." „Willste etwa sagen, wir hätten was gesagt über das, was Erich Dir geschenkt hat?" fuhr die Mutter aus. „Ich sage ja, das wird'n netter Klatsch werden," nickte Martha. „Aber ich Hab' ja noch keinen Ton gesagt und will gar keinen sagen!" Erna ließ sich in einen Sestel fallen und weinte. „Nu hör' bloß auf," sagte die Mutter.„Was soll denn daS nun wieder heißen? Du tust gerade, als hätten wir Dir etwas getan! Na, Kinder, solch Aerger! Macht uns die noch schließlich Aerger mit dem Erichs Und dabei soll man nun wohl immer noch sagen, daß Weihnachten'n Fest der Freude ist?"— Theater. Berliner Theater.„..., so ich Dir." Schauspiel in vier Akten von P a u l L i n d a u.— Ich sah daS Schauspiel bei der ersten Wiederholung. Der Feiertag hatte, ahne künstliche Nachhülse durch Freibilletts, die bei Premieren öfters eine so Erfolg steigernde Rolle spielen, für ein ausverkauftes HauS gesorgt. Es bedurste nicht mehr eines Abzugs von dem Beifall, um ans die wirkliche Stimmung im Publikum zurückzuschließen. Kein Zweifel, man war zufrieden, man fühlte sich gespannt und unterhalten und wird das Stück voraussichtlich den Freunden und Verwandten empfehlen. Vielleicht gibts einen Kassenerfolg. Mißt man die Arbeit nicht nach Maß» stöben, die außerhalb ihres Genres liegen, verlangt man nicht eine in die Tiefe dringende Charakteristik, eine durchgängige naturalistische Stilechtheit im Dialog, zwingende Motivierung. Be» deutsamkeit und strenge Einheitlichkeit der Handlung,— sondern nimmt sie als ein Theaterstück, das ohne großen künstlerischen Auf» wand, aber auch ohne in ganz kunstlose Banalität zu verfallen, für ein paar Abendstunden interessieren und anregen soll, so läßt auch hier die Geschicklichkeit und das Talent des einst viel gespielten Autors sich nicht verkennen. Wie leicht es ist. in Rovellenform zu unterhalten—. daS können Hunderte,— so verhältnismäßig selten ist bei den großen Schwierigkeiten der dramatischen Forin diese UnterhaltungSgabe aus dem Theater. Man sollte nicht absprechend davon reden. Am Stolze der Dramatiker liegt es gewiß nicht, wenn wir so ivenig, wenigstens so wenig halbwegs Annehm- bares in dieser Gattung haben. Die liederliche Wirtschaft bei den aus der Hofwohnung zur Bel» Etage ausgestiegeilen PreetzenS ist flott mit ein paar Strichen ge» zeichnet: der Sohn, ein Taugenichts, der, was er nicht als Lokalreporter verdient, durch Zwangsanleihen bei der hübschen Schwester ergänzt; sie selbst mit ihren angeblichen Theatereinnahmen die Erhalterin des Hausstandes, die ganze Liebe und der Stolz der glücklichen Mutter. Diese Alte in ihrer naiven Abgestumpstheit. ihrer Klatschsucht, ihrer Servilität und Renommisterei, dem Gemisch phlegmatischer Gutmütigkeit und spitzer Bosheit, tritt in � dem Gesamtbilde besonders lebensvoll hervor; im Kern kein neuer, aber doch mit. mancherlei neuen charakteristischen Einzelwendungen bereicherter Typus. Ein Herr Fredrichs, junger Großindustrieller, Konsul und Rcserveleuwant, den Lottes Liebhaber ins Haus führt, verliebt sich anscheinend ei» wenig in ihre Freundin. ein armes unerfahrenes Ding, das sich aus dem trüben Einerlei der Arbeit und dem Zwange eines aufgedrungenen Verlöbnisses nach glänzenden Sensationen sehnt und blind vor den Gefahren die Augen schließt. Ohne Bedenken, froh, daß sie einen Anlaß gewinnt. mit ihrem mürrischen und lahmen Verlobten zu brechen, ninimt ste die Einladung des Herrn zu einem Champagner- Souper in kleinem Kreise an. Sehr hübsch, eine Satire ohne jeden übertreibenden Zug, wirkt in dem zweiten Akte eine Ehrenratsvers amm lung in FredrichS Haus. ES ftagt sich, wa» soll mit einem Leutnant geschehen, der in den Cupidosälen betrunken mit dem Tanzmaitre Händel angefangen und von ihni, ohne daß er den Attentäter sofort töten konnte, eine Ohrfeige erhalten hat. Der Ort, die Betrunkenheit, die Frechheit, mit der er reizte, das alles läßt in den Augen der Herren seine erstklassige Ehre unberührt. Doch ein Schlag, ohne Niederstechen hingenommen, ein Schlag, für den man, bei der Unebenbiirttgkett des Schlagenden, sich nicht durch einen Duellmord zu revanchieren vermag— das ist ewige Schande. Der alte cholerische Baron und Oberst a. D. versteht nicht, wie man da noch einen Augenblick schwanken kann. Das Nichtigste wäre, der Her; dein das passiert ist, absentierte sich nicht bloß aus der Armee sondern gleich aus dem Leben. Derselbe Ehrenkodex gelte auch für all« anderen Erstklassigen, d. h. für alles was im Korps war und eine höhere Beamtenstellung einnimmt. Fredrichs, der dem zustimmt. Ipricht sich damit selbst sein Urteil._ Der Bräutigam des von ihm eingeladenen Mädchens ist sein Sekretär und, nach den fteilich hier sehr gekünstelten Voraussetzungen des Stückes, zugleich sein Duzfreund und Vertrauter. Aus einem Briese, den der Chef ihm diktiert, erfährt Küpper Klaras Entgegenkomineir Er eiBt zu ihr, er beschwört sie,- wenn sie ihn, den menschenscheuen Hink- fuß, schon nicht liebe, so doch sich selbst nicht wegzutoerfen an solche, die mit ihrem Gelde alles zu kaufen gewohnt sind. Seine treue Sorge scheint ihr Tyrannei, trotzig verblendet weist sie ihn ab. Nun in höchster Angst offenbart er sich: er bittet ihn, das Mädchen, seine Braut, unter irgend einem Vorwande vor dem Beginn des Soupers nach Hause zu geleiten, sie dürfe nicht in solche Gesellschaft geraten. Korrekt ivohlmeinend bedauert der Herr Konsul die fatale Verwick- lung. Jetzt sei eS leider zu spät, um ohne Blamage die Sache redressiereu zu können, und— eine Blamage ist das Herzensweh des anderen ihm in seiner Eitelkeit nicht wert. Küpper verbirgt sich, und wie das ausgelassene Treiben seinen Höhepunkt erreicht, tritt er hinein. Er sieht Fredrichs an Klaras Seite, schreit seine Anklage heraus, schlägt ihn ins Gesicht und stürzt davon. Die Rache ist ge- lungen. Schweigend wenden sich die eleganten Herren von dem Geohrfeigten ab. Auch Fredrichs hat jetzt— keine Ehre. Mit heiseren: Gruße sich empfehlend, schleicht er aus der Tür. ES wurde frisch gespielt. Herr Kuhnert gab den Groß- industriellen. Mischte den Sekretär. Klara Wenck traf aus- gezeichnet den Ton oer Mutter Preetzen. Ganz vorzüglich war Pittschau in der Episodenrolle des alten Barons.— ät. Musik. An einem 23. Dezember tut man gut, sich in einem Operetten- Theater auf manniges gefaßt zu inachen. Kommen da in eine deutsche Provinzstadt Gäste aus Afrika: Herr S. Tsching-Bum, Konsul von Bimbia, sein schwarzer Diener, seine Tochter Ruth, deren schwarze Dienerin, die dann als„Die Negerlein" holden Unfug anrichtet, und der Schutztruppenoffizier Bodo, Sohn des Zoologie- Professors Th. v. Hesekiel. Letzterer studiert menschenähnliche Affen- arten und empfängt eben die Nachricht, daß der berühmte Affe „Eonsul" aus Berlin, der sich wie ein Mensch gehabt, durch das Städtchen durchkommen wird. Sein Eifer ergibt nun, was man sich denken kann: der Herr Consul wird für den„Consul" gehalten und drei Akte hindurch als Affe gefangen gehalten, in seinem Hunger nur mit Affenkost traktiert und sonst noch so lange malträtiert, bis man endlich seiner erst für irrsinnig gehaltenen Tochter glaubt, daß er wirklich ihr Vater ist. Das war„Die N e g e r l e i n", die am Sonntag im Z e n t r a I- Theater neu aufgeführt wurde. Franz Arnold hat dieser „grotesken Operette" den Text gegeben, und er würde ihr auch„den Text gegeben haben", wenn man nicht gerade um folcher Texte willen hinginge. Waldemar Wendland hat dazu die Musik Semacht. Sie klingt wie aus einer anderen Welt da hinein. Sie hafft Melodien nicht vor, sondern nach, schafft aber Rhythmen in so selbständiger und niannigfaltiger Weise, daß es eine Freude ist. Das dauert allerdings nur so lange, bis das Operettengelärme auch diese Kunst auf weite Strecken mit sich fortschleift. Möchte sich doch der Komponist auf einem seiner würdigen Boden wieder aufrichten I Die Negerlein spielte nicht Mia Werber, sondern eine Debu- tantin: Else Tufchkau. Sie nahm durch ihre wirkungsvolle Komödicukunst sofort ftir sich ein und mag durch ihre derartigen Spezialitäten eine willkommene Abwechslung sein. Die Erstgenannte bleibt doch die Künstlerin, die sie ist. Die übrigen hielten sich gut wie immer. Zum Ertragen eines solchen Abends kommt allerdings auch viel darauf an, ob man in die Nähe von Zuschauern gerät, die über jeden llnterkalauer lachen, oder in die Nähe anderer, die über jeden wiehern. Dieses Publikum hatte nicht nötig, daß in den vollen Erfolg auch einiges Zischen hineintönte. ez. Naturwissenschaftliches. ss. Die Temperatur der Meteor st eine. Wenn ein Meteor, oder, wie man richtiger sagen muß, ein Meteorit von der Erde angegogen wird, si hat er sich den Zugang zu unserem Planeten erst durch das Luftmeer hindurch zu erkämpfen. Bei der ungeheuren Geschwindigkeit, mit der die Meteoriten sich bewegen, ist das keine Kleinigkeit. Es entsteht durch Reibung mit der Luft «ine starke Einwirkung auf die fliegende Masse, die sich auf ver- schiedene Art äußern kann, nämlich in Wärme, in Schallwellen, in Elektrizität, in chemischen Verbindungen usw. Die sicherste Folge ist die starke Erhitzung der Masie, durch die aus dem Meteor erst das wird, was man gewöhnlich eine Sternschnuppe neimt. Wem es noch nicht klar genug sein sollte, daß die Reibung mit der bloßen Luft einen verhältnismäßig großen Körper in helle Glut und bis zum Schmelzen bringen kann, der muß sich vergegenwärtigen, daß ein Meteorit gewöhnlich in etwa fünf Sekunden die ganze Atmo- sphäre bis zur Erdoberfläche durchmißt, also eine Strecke von 150 bis 200 Kilometer. Ein Mitarbeiter der„Rature" hat versucht, die Tcmperaiur der Meteorite genauer festzustellen, indem er zu- .nächst die Größe des Luftwiderstandes berechnet hat, dem sie bei ihrein Flug begegneten. Allerdings steht diese Rechnung auf etwas unsicheren Füßen, da man nicht wissen kann, ob die für geringere Geschwindigleiten bestehenden Gesetze auch noch für eine solche von Sv und mehr Kilometer in der Sekunde gültig sind. So viel ist jedenfalls klar, mag der Meteorit nun aus Eisen bestehen oder als ein eigentlicher Meteorstein aus anderen Stoffen, das Innere der Masse bleibt im allgemeinen mehr als eiskalt. DaS gilt jedoch auch nur für größere Meteorite, und auch für diese nur, wenn sie nicht, wie es häufig geschieht, während ihrer Reise durch das hemmende Luftmecr explodieren und in viele kleine Stücke zerspringen. Ein kleiner Meteorit kann sich dermaßen erhitzen, daß er überhaupt ganz verzehrt wird und gar nicht mähr bis auf die Erdoberfläche gelangt. Nach den neuen Untersuchungen gerät ein Meteorstein schon in 110 Kilometer Höhe über der Erde ins Glühen, ein kleiner Eisenmeteorit erst in 73 Kilometer Höhe. Auch in dieser Hinsicht bestehen jedoch selbstverständlich Unterschiede je nach der Gc- schwindigkeit der Masse, die beim Eintritt in die Atmosphäre zu- weilen gar bis auf etwa 330 Kilometer in der Sekunde bestimmt worden ist. Bei der Reibung mit der Lust nimmt dann die Ge- schwindigkeit sehr rasch ab, so daß sie bei der Ankunft an der Erd- oberfläche vielleicht nur noch ein Kilometer in der Sekunde beträgt. DaS merkwürdigste aber ist, daß nach den jetzigen Untersuchungen solche Meteorite, die in ansehnlicher Größe die Erdoberfläche er- reichen, in ihrem Mittelpunkt eii�, Temperatur haben sollen, die nicht viel über der flüssigen Lust steht, was nur daraus verständlich wird, daß eine solche Eisen- oder Gesteinsmasse ursprünglich die Temperatur des Weltraumes, oder, mit anderen Worten, die des absoluten Nullpunktes besitzt.— Humoristisches. — Mißtrauisch.„Vater, der Onkel hat gesagt, auf der ganzen Erde leben über anderthalb Milliarden Menschen." „Der Onkel hat es gesagt? Dann wird die Hälfte davon wahr seinl"— — Einzige Möglichkeit. Beamter(zum Bureau- diener):„Herr Meier ist heute nicht gekommen, da gehen Sie'mal gleich hin und gratulieren in unserem Namen... denn wenn der fehlt, hat er immer Familienzuwachs erhalten I"— — Unter Bauern. Sandbauer(zu seinem Freunde im Wirtshaus):„Hies', Du könntest heute a paar Maßeln Bier zum besten geben!" Freund:„Wie komm' denn i' dazu?" Sandbauer:„Na, bei Dir' hat's ja vor vierzehn Tagen gebrannt I"— („Meggendorfer- Blätter.") Notizen. — Die„Gedächtniskünstler" mehren sich. In der „Kreuz-Zeitung" wird nachgewiesen, daß ganze Absätze der Novelle „Keinen Kadosch wird man sagen...' von I. E. P 0 r i tz k y wörtlich oder fast wörtlich mit der deutschen Uebersetzung von Turgenjews „Tagebuch eines Ueberflüssigen" übereinstimmen. Turgenjews Novelle ist 1850 enstanden, PoritzkyS Werk 1396 erschienen.— — Die Deutsche Bibliographische Gesellschaft ivird demnächst ein vollständiges Sach- und Namenregister zu Barn- Hägen von Enses Tagebüchern herausgeben. Das Werk wird auch alle in, ersten Druck gelassene Lücken nach dem Original- Manuskript ausfüllen.— — In dem Wettbewerb um ein Festspiel für das Jubiläum de? RiesengebirgS-VereinS wurde eine allegorische Dichtung von Hermann Hoppe preisgekrönt. 21 Werke ivaren eingelaufen.— — Ludwig Fulda hat Hermann Bahr wegen Ehren- beleidigung verklagt. Der Linzer Hennann hatte in einer Krittk Fuli'a als„gierigen Jobber, der mit Meinungen wie mit alten Ho>en hausiert", bezeichnet. Hält der Fulda'sche Zorn vor, so kommt der Prozeß vor die Wiener Geschworenen.— — Das Defizit der Münchener Hoftheater für da? letzte Spieljahr wird auf 1 200 000 Mark geschätzt.— — Max Marter st eig übernimmt schon vom 1. Januar ab die Leitung der vereinigten Stadttheater in Köln.- — Kurz vor Weihnachten stellten sich ungeheuere Sprotten- und Heringszüge vor der Kieler Förde ein. Die Fischer fingen nach einer Schätzung in einer Nacht über zehn Millionen Fische.— — Auf der I n s e l Z a n t e ist man auf ein Petroleum- l a g e r gestoßen. Eine englische Gesellschaft betreibt jetzt die Boh- rungen nnt aller Macht.— c. In Rußland werden jährlich über zwei Millionen Rubel für Spielkarten ausgegeben.— k. Falsch geraten. Ein berühmter Bakteriologe war in seinem Laboratorium eifrig beschäftigt: um ihn herum standen alle möglichen Retorten und Gläser mit chemischen und bakteriologischen Präparaten. Da erhielt er den Besuch eines Kollegen aus dem Auslande, der seine Arbeit mit Interesse verfolgte._ Die Aufmerksamkeit des Professors schien besonders auf ein Gefäß gerichtet zu fein, das ganz in Dampf und Rauch gehüllt war.„Raten Sie, was ich in diesem Topf koche," sagte der Professor. Der Gast fing an, die ganze Skala der Milroorgamsmen aufzuzählen.„Kugel- batterien?"„Nein."„Kettenkotten?"„Nein."„Spirochaete?" „Nein."„Dann kann ich es nicht erraten."„Würstchen", lautete die Antwort. Verautwortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin.— Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckcreiu.VerlagSanstaltPaul Singer LcCo..BerlinLW,