Hr. 265. Abennkments-Kedingungen: vbonnemeni«- Preis pränumerando: vierteljährl. 3.30 MI., monall. l.io MI., wöchentlich W Pfg. frei ins HauZ. Einzelne Nummer ö Pfg. EonnlagZ- Nummer mit illuNrlerter EonnlagZ- Betlage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 3,30 Mar! pro Quartal. Eingelragen in der Post- Zeitung»- PretZltfle für 1899 unter Nr. 7890. Unter«reuzband für Deutschland und Oefierretch- Ungarn 9 Marl, für da» übrig««uZland 3 Marl pro Monat. «rschiwl»glich«mfjet Monkig«. S** Verlinev VolKsblakt. 16« Jahrg. Die Jnserlwns-Griiilhr deträgl für die sschZgespaltene flotcnct- zelle oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und Versammlung«-Anzeigen M Pfg. „Kleine Knielgeu" jede» Wort 5 Pfg. (nur da« erste Wort fett). Inserate sür die nächste Nummer müssen bi« 4 Uhr nachmittag« in derExpedition abgegeben werden. Die Expedilton ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend«, an Tonn- und Festtagen bi« S Uhr vormittags geöfsnet. Frrnsprrchrr: Sink I, Nr. 1508. Telegramm-Adresse: „Sorlaldrmvkriit Berlin" Centralorgan der socialdemokrcrtischen Partei Deutschlands. Redaktion: STW. 19, Beuth-Straste 2. Sonnabend, den II. November 1809. Expedition: SW. 19, Beuttz-Strasze 3. Ges undheitsverhältnisse der Marine- Mannschaften. Der„SanItätSbericht über die kaiserlich deutsche Marine, für den Zeitraum vom 1. April 1895 bis 31. März 1897, bearbeitet von der Mcdizinal-Abteiluug dcS Rcichs-Mariueamlcs, Berlin 1899", bringt einige beachtensiverte Angaben, welche zeigen, unter wie mißlitben Gesundheitsverhältnissen die zur Marine eingezogenen Truppen ihre Dienstzeit bestehen müssen. Den Krankcnbestand der deutschen Marine zeigt folgende Tabelle: Der günstigste Gesundheitszustand ist also im Jahre 1895/96 erreicht gewesen und hat im letzten Berichtsjahre der Krankenstand wieder eine Steigerung um 29 pro Mille erfahren. Der tägliche Kraukenstaud stellte sich 1895 96 auf 37,2 pro Mille und 1896/97 auf 29,8 pro Mille. Das Verhältnis ivar an Bord 40,0 pro Mille bezw. 42,3 pro Mille und am Lande 33,3 pro Mille bezw. 36,2 pro Mille der kopfstärke. Die deutsche Marine wird in diesem Krankenstand von den zur Bergleichung herangezogenen Marinen nur von der englischen und japanischen Marine für 1895/96 mit 41,63 pro Mille resp. 40,88 pro Mille übertroffen. Für 1896/97 steht Deittschland an erster Stelle. Die durchschnittliche Behandlungsdauer dcS einzelnen Kranken» falle? belief sich 1894/95 auf 13,5, 1895/96 auf 14,5 und 1896/97 auf 15,3 Tage und hat seit 1890, wo sie zwischen 12 und 13 Tagen schwankte, dauemd zugenommen. Der oben angegebene Krankenstand für die letzten beiden Jahre wird nun auf den hauptsächlichsten ausländischen Stationen weit überholt und stellt sich daselbst wie folgt: Ostasien Südsee Afrika 1895/96.. 1043,2 pro Mille 1163,2 pro Mille 1240,4 pro Mille 1896/97.. 1173,4, 1494,8„ 1136,7„ Hierbei ist jedoch auch noch in Betracht zu ziehen, dah die Zahl der krankentage, an denen jeder Mann dem Dienst entzogen wurde, sür die ausländischen Stationen weit höher wie in der Heimat war. Die Zahl dieser Tage betrug in: Ostasien Südsee 1895/96 21,0 21,7 1896/97 25,6 26.1 Afrika 20,1 18.6 Heimische Gewässer 12,3 12.1 Im Durchschnitt der beiden Jahre 23,2 23,8 19,3 12,2 ES stellen sich also für die auf diese ausländischen Stationen entsandten Mannschaften die gesundheitlichen Verhältnisse bis zu circa 100 Proz. ungünstiger dar als sie in der Heiniat sind. So sagt z. B. der Bericht über die Katarrhe des Magen? und dcS DarnicS, dasj diese im Auslände weit häufiger gewesen sind, als im Jnlande. Während in der Heimat an diesen Krankheiten, am Lande 33,2 bezw. 33,8 pro Mille, und auf den Schiffen 22,4 bezw. 22,7 pro Mille beobachtet wurden, waren die VerhältniSzahlcn der aus« ländischen Nationen 65,0 pro Mille bezw. 64,0 pro Mille. Ostasien stellt hier mit 81,6 bezw. 119 pro Mille den Haupt- anteil. Dann folgt Afrika mit 99,3 bezw. 60,0 pro Mille, demnächst kommt das Mittelmeer mit 47,9 bezw. 27,2 pro Mille, dann West- indien und Amerika mit 45,9 pro Mille und zuletzt die Südsee mit 29,8 resp. 13,7 pro Mille. Die großen Unterschiede zwischen In- und Ausland sind nach dem Bericht in erster Linie auf die zum großen Teil„recht un- günstigen klimatischen und hygienischen Verhältnisse im Auslände zurückzuführen". Als ungünstige hygienische Verhältnisse kommen aber noch andere Dinge in Betracht. Durch eine labcllarische Uebersicht wird dar- gethan, daß die Brandenburgklasse in den durch die hygienischen Ver- Hältnisse an Bord besonders beeinflußten Krankheitsgruppen bei weitem den größten Zugang gehabt hat, daß dann die Moltkeflasse kommt, bei welcher der Zuwachs nur bei zwei Gruppen sehr hoch gewesen ist, dort jedoch„durch den zeitweiligen Aufenthalt derselben in dem tropischen Westamerika und Mittelmecr herbeigeführt worden" ist, und daß die Badenklasse die günstigsten Zahlen aufzuweisen hat. Dann sagt der Bericht: „Die Gründe für diese Thatsachen sind unschwer zu erklären, wenn man die ungünstigen Lebensbedingungen aus den neuen Schiffen mit ihren verhältnismäßig engen, feuchten Wohnräumen, ihrer h o h e n T em p e r a tu r i n allen Räumen, ihrer un» zureichenden Ventilation und den lärmenden maschinellen Einrichtungen vergleicht mit denjenigen auf den alten Kreuzer- fregatren und Panzerschiffen, die in größeren, besser zu lüftenden Wohnräumen mit gleichmäßig kühler Temperatur einen gesünderen Aufenthalt darboten." Die Entwicklung der modernen Schiffsbautechnik hat also die hygienischen Verhältnisse für die Besatzungen der Schiffe verschlechtert und trägt dazu bei, daß der Moloch Marinismus mehr Opfer an Gesundheit und Leben verschlingt. Aber diese Mitteilungen des Berichts streifen nur die Frage, um die es sich handelt. Die Schiffe der Brandcnburgklasie sind bezüglich der Wirkungen des Bordlcbens auf die Gesundheit der Mannschaft noch keineswegs die schlechtesten. Die neuen Kreuzer sind in dieser Beziehung noch viel ungünstiger. Daß bei diesen die Veiitilation, namentlich für die Heiz- und Maschiiienräume viel, aber auch recht viel zu wünschen übrig läßt, ist ja schon verschiedentlich bekannt geworden. Wir erinnern da nur an die Fahrten des Begleitschiffes der„Hohenzollern" auf der Jerusalcmsahrt, der„Hertha", die zu dem Ergebnis führten, daß auf den sämtlichen Schiffen dieses Typus umfangreiche Verändenmgen vorgeuommcn werden mußten. Und nicht Hur die Ventilation, sondern auch die Räumlichkeiten dieser Kreuzer sind im Vergleich zu denen der»eueren Panzerschiffe schlechtere, weil sie auf Kosten des Kohlenfassungsraumes beengt werden mutzten. Die Panzerschiffe sind in erster Linie für den Dienst in den heimischen Gewässern bestimmt, der Aktionsradius des Schiffes ist kein so großer, d.h. ein so großer Raum fürLkohlcn wird im Schiffe nicht beansprucht, wie auf den Kreuzern, die. niit für den Auslands- dienst bestimmt, in dieser Beziehung weniger an den einzelnen Hafen gebunden werden dürfen. So habe» beispielsweise die Panzerschiffe vonr Typ„Kaiser Friedrich III" bei einem Deplacement von 11 130 Tonnen, Raum für Kohlen von 650 Tons. Der Panzerkreuzer„Fürst Bismarck" bat bei 10 500 Tonnen Deplacement KohlcnfassungSranm für 1000 Tons, und der Kreuzer „Hertha" bei 5650 Tonnen Deplacement Raum für 500 Tons Kohlen. Es ist also auf den Kreuzern der Nauni auf Kosten der Be- Wegungsfreiheit der Mannschaft noch mehr beengt, wie bei den neuen Panzern. Eine Uebersicht über den Kraiikenstand der einzelnen Schiffe des Auslandes ergicbt während der beiden Berichtsjahre pro Tausend folgendes: Ostasien. 1895/96 664.9 1314.4 1140,7 1639,2 801,6 Sndsce. 875,8 838,5 2179 7 Afrika. 1165,2 1632,9 1755,8 1720,9 900,6 803,7 1360,8 1075,5 „Kaiser" „Prinzetz Wilhelm" „Arkona" „Cormoran" „Irene" „Bussard" „Falke" „Möve" „Sperber" „Hyäne" „Condor" „Seeadler" 1896/97 1185,4(älterer Panzer) 1272,7 Kreuzer 1206,8 1102,3 1267.0„ 956,8 1094,9 2533,3 Ganz besonders auffallend hierbei ist der so außerordentlich hohe Krankenstand der„Möwe". Die Ursache ist eine große Zahl Erkrankungen an Wechsclfiebcr lMalaria), deren Ursache der Bericht darauf zurückführt, daß das Schiff voin Juli 1895 bis August 1896 ununterbrochen in dem deutschen Schutzgebiet stationiert iv a r und a» zum Tcil'recht ungesunden Plätzen(Friedrich Wilhelms- Hafen, StephanSort) Vermessungen vorzunchmen hatte, während die beiden anderen Schiffe auf ihren Erholungsreisen nach Sidiieh öfter in gesunderes Klima kanien". Hatte man bei der Vermessung des deutschen Schutzgebietes nicht Zeit, auch einmal im Interesse der Gesundheit der Mannschaft gesimderes Klima aufzusuchen? Besonders auffallend auf der ostasiatischcn Station sind die verhältnismäßig zahlreichen Fälle von Hitzschlag. Während insgesamt während der beiden Berichtsjahre in der Marine 43 Fälle sich ereigneten, darunter auf den Schiffen der Heimat 10, entfielen allein auf die ostasiatische Station deren 23. Davon entfielen 13 Erkrankungen auf das Heiz- und Maschinen- Personal und zlvar kommen 11 Fälle auf die„Prinzeß Wilhelm" und 7 Fälle auf den„Cormoran". Beide Schiffe sind Kreuzer. 2 Fälle des ersten Schiffes waren tödlich. Die Erkrankungen er- eigneten sich bei einer durchschnittlichen Außentemperatur von 30 Grad Celsius und bei Temperaturen von 50—67 Grad Celsius in den Heiz- respektive Maschinenräumen.„Von den übrigen Fällen ivare» 4 durch anstrengende Landungsmanöver bei großer Hitze in Chefoo und einer durch längeren Aufenthalt in tropischer Sommer- Hitze auf der sKommandobrücke hervorgerufen", so sagt der Bericht wörtlich. In der Südsee wurden sechs Fälle an Hitzschlag, ebenfalls beim Maschinenpersonal, bei einer Temperatur in den betreffenden Räumen von 42— 65 Grad C. beobachtet. Davon entfielen fünf Fälle auf den Kreuzer„Falke". Ein Mann mußte wegen durch Hitzschlag hervorgerufener hochgradiger Herzschwäche in die Heimat gesandt werden. Von weiterem Interesse im Bericht sind noch die Mitteilungen über die Ursache der daueniden Zunahme der Ganzinvalidität in der Marine. Die Gründe sind, daß neuerdings infolge der erheblich gesteigerten dienstlichen Anforderungen der Marine, zumal auf den neuen Schiffen mit ihren ungünstigen hygienischen Verhältnissen, die Körperkonstitution bedeutend mehr angestrengt und geschädigt wird als früher." Die Höhe der Zunahme der Ganzinvalidität wird aus folgender Aufstellung ersichtlich: Der Abgang durch Ganzinvalidität betrug_ auf der Ostsee-Station Nordsee-Stat. Mithin 1396/97 mehr gegen 1839/90 pro Mille zur Kopfstärkc 8.5 2,8 8,010.6 4.8! 6.7 7.2! 9.3 6.81 9,2 12,4 8,5 13.1 14,5 14,41 16,51 + 5,9 -♦-13,7 Während so der Bericht ein recht ungünstiges Bild giebt, von dem Gcsundhcitsstande der Mannschaft, namentlich auf den aus- wältigen Stationen, ist doch das traurigste Kapitel im ganzen Bericht der sich ergebende Aufschluß über die geschlechtlichen Erkrankungen. Für den Berichtszeitraum finden wir die folgende Aufstellung über die Art der Erkrankung: Gruppe (Die Zahlen sind wieder pro Tausend der Kopfstärke.) Erkrankungen Benennung der Gruppe pro Mille 1895/96 1896/07 >n zahlreichen Erkrankungen der Gruppe XII irnppe VII(venerische Krankheiten) rubri- I. Allgemeine Erkrankungen 61,3 64,9 II. Krankheiten dcS Nervensystems..... 7,9 7,5 HI.„ der Atmungsorgane..... 94,9 105,5 IV.„„ Cirkulationsorgane.... 26,0 27,3 V.„„ Ernährnngsorgane.... 123,9 122,4 VI.„„ Harn- und Geschlechtsorgane 11,6 10,3 VIl. Venerische Krankheiten........ 137,2 129,0 VIII. Augenkrankheiten.......... 25,2 52,5 IX. Ohrcnkrnnkheitcn.......... 25,5 27,6 X. Krankheiten der äußeren Bedeckungen... 121,2 115,7 XI.„„ Beweglingsorgane.... 42,4 34,4 XII. Mechanische Verletzungeii....... 156,7 151,1 XIII. Sonstige Krankheiten und zur Beobachtung. 13,9 11,6 Also abgesehen von den i ist die Zahl der unter Gruppe eierten Krankenfälle eine solche, daß mit Schrecken dieser Stand der Dinge betrachtet iverden muß. Zu beachten ist hierbei, daß man die Erkrankungen unter Gruppe VI noch hinzurechnen muß. Bei einer Kopfstärke von jährlich 21 477 resp. 21 675 ist ein Krankenstand von 5741 unter Gruppe VII zu verzeichnen gewesen. Das sind pro 1000 Mann im Durchschnitt dieser beiden Jahren jähr- lich 133 Mann. Mit anderen Worten: jeder siebente Mann ist im Zeitraum eines Jahres einmal geschlechtlicher- krankt. Dabei ist in den letzten Jahren die Zahl der venerisch Erkrankten andauernd eine höhere geworden. Der Hauptteil der Erkrankten gehörte der Ostsee-Station mit der Garnison Kiel, wo in den Jahren 1891— 1896 eine stelige Zunahme von 64,2 pro Mille auf 114,3 pro Mille stattgefunden hat, während bei der Nordsee-Station die Zahl dieser Erkrankungen in demselben Zeitraum gesunken ist, und zwar von 92,4 auf 84,7 pro Mille. Dagegen zeigt das Jahr 1896/97 auf der Ostsee-Station eine erhebliche Abnahme von 114,3 auf 73,4 pro Mille, bei der Nordsee-Station dagegen eine kleine Zunahme von 84,7 auf 87,6 pro Mille. Diese Krankenzahlen der Heimat werden aber weit, weit über- holt durch die Krankenziffer der ausländischen Stationen. Und wieder ist die gefährlichste Station die ostasiatische mit 333,6 bezw. 339,6 venerisch Erkrankier auf 1000 Köpfe. Jeder dritte Mann ist also auf dieser Station der Krankheit zum Opfer gefallen. Und dabei, so hoch diese Zahlen nun sind, ist auf dieser Station gegenüber den beiden Vorjahren»och eine ganz beträchtliche Abnahme zu verzeichnen gewesen. Die in Betracht kommenden Zahlen sind nämlich 631,9 bezw. 376,6 pro Mille. In Afrika ivar die Krankenzahl nicht ganz so hoch, sie betrug 243,9 bezw. 274,5 pro Mille gegen 298,5 im Jahre 1894,95. In der Südsee war das Verhältnis 250,9 bezw. 262,0 pro Mille, während in Westindien-Amerika der Kraukenstand dieser Gruppe sich unter dem Durchschnitt stellte und 1895/96 111,4 pro Mille gegen 109,0 pro Mille im Jahre 1894/95 betrug. Im Mittelmeer war der Kranken- zugang 137,5 pro Mille bezw. 151 pro Mille. Die Ursache der hohen Zahl der Erkrankten gerade in dieser Gruppe ist klar ersichtlich. Die Eigenartigkeit der Dienstverhältnisse, die in der Marine gegeben sind, giebt dem Umsichgreifen dieser schändlichen Krankheit den Boden. Beachtenswert ist ferner der Hinweis, daß die hygienischen Ver- Hältnisse an Bord vielfach sehr mangelhaft sind und besonders in den Tropcngegcnden eine so hohe Zahl der Erkrankungsfällc mit ungünstig beeinflussen. Hier muß eine Aendcrung eintreten, damit der Marinisinus, der der Opfer schon genug fordert, nicht noch neue verlangt an der Gesundheit derer, die gezivungen sind, in seinem Dienst zu stehen._ A>ottkifcho Mebevfichk. Berlin, den 10. November. Kolonialrausch und Alottenpropaganda. DaS Samoa-Abkommen ruft in der kolonialfreundlichen Presse eine geradezu stürmische Begeisterung hervor, und wie bei vom famosen Karolinenkauf fehlt es auch diesmal nicht an allerlei komischen Verbeugungen vor der Genialität des Grafen Bülow. dessen diplomatische Fähigkeit„schon so manches schwierige Problem" niit Geschick gelöst hat. Allerdings ganz un- gemischt ist die Freude doch nicht, wenigstens bei den alldeutschen und antisemitisch-agrarischen Schreiern nach einer kräftigen antienglischcn„Druff"- Politik machen sich Beklemmungen geltend; denn Deutschland erkaust Sawaii und Upolu mit dem Verlust der beiden Salomons-Jnseln Choiseul und Isabel, Zugeständnissen an England im Hinterlande von Togo und Verzicht auf seine Mitansprüche an den Freund- schafts-(Tonga) Inseln, deren Gesamthandel mit deutschen Firmen in den letzten Jahren sich auf etwa 100 000—800 000 M. jährlich belaufen hat. Diesen phantastischen Träumern von einer seeromanstschen deutschen Weltmachtsbeteiligungs-Politik hat der Flotten-Rumor dermasten die Sinne umnebelt, daß sie am liebsten gesehen hätten, Deutschland hätte selbst auf die Gefahr kriegerischer Verwicklungen hin einfach kurzerhand die Schifferinseln annektiert. Daß die beiden eingetauschten Samoa-Jnseln etwas mehr wert sind, wie die für 17 Millionen angekauften Karolinen, muß zugestanden werden; aber im deutschen Außenhandel spielen sie absolut keine Rolle. Wie hoch die eigentliche Ein- und Ausfuhr nach und von beiden Inseln in den letzten Jahren gewesen ist, läßt sich kaum genau feststellen, da ein Teil des Handels mit den Freund- schaftsinseln über samoanische Häfen geht; im ganzen dürfte die Einstlhr, und ebenso die Ausfuhr sich auf nicht anz 2 Millionen Mark belaufen, wovon etwa die ä l f t e auf den Handel deutscher Firmen entfällt, und zwar 14 fast ausschließlich auf den der deutschen Handels- und Plantagen-Gcsellschaft der Südsee, die in Apia auf llpolu ihre Hauptagentur hat. Und dieser Umsatz wird sich bei der relativen Vedürfnislosigleit der eingeborenen Bevölkerung, die auf 28 MO bis 30 000 Personen geschätzt wird, kaum wesent- lich heben. Auch die Plantagenwirtschaft hat bislang nur wenig gelohnt. Von dem ausgedehnten Bodenbesitz der deutschen Handelsgesellschaft auf Upolu ist nur etwa der fünf- zehnte oder sechzehnte Teil bebaut, meist mit Kokuspalmen und Bauniwollenstauden. Und die Kaffeekultur ist kaum über einige Versuche hinausgekommen. Die Bedeutung der neuen Kolonien wird dann auch von den Exporthandelskrcisen selbst ziemlich gering angeschlagen. So schreibt z. B. der„Hamb. Korrespondent", das Blatt, das sich in letzter Zeit mit wahrhaftem Feuereifer auf die Flotten- agitation geworfen hat, daß in„hamburgischen Kreisen" die wirtschaftliche Seite und Vedcutung der neuen Erwerbung zwar nicht verkannt werde, daß aber„in erster Linie ein hocherfreulicher moralischer und nationaler Erfolg" vorliege,— und ähnlich drücken sich andere, speciell kaufmännische Interessen vertretende Organe aus. Das ist durchaus charakteristisch. Nicht aus wirtschaftlichen Gründen ist man wegen der neuen Erwerbung so rosig gestimmt, sondern weil man in ihr einen„nationalen Erfolg" sieht, d. h. weil sie einen weiteren Schritt vorwärts bedeutet auf der Verhängnis- vollen Bahn zur Kolonial- und Expansions- Politik, zu einer großkapitalistischen Handels-Weltpolitik nach englischem und neuerem amerikanischen Muster: eine Politik, von der die neuesten Flottcnpläne nur ein Teil und eine notwendige Folge find. Wie die afrikanischen Erwerbungen, die Pachtung von Kiautschou, der Karolinenkauf, so ist auch der Eintausch der Samoa- Inseln nur eine neue Etappe auf diesem vom Großkapitalismus empfohlenen Wege, der mit innerer Konsequenz zu immer weiterer Verwicklung in koloniale Abenteuer und Zwistigkeiten führen muß. und damit auch als Mittel zur Durchführung der daraus entstehenden sogenannten„neuen Aufgaben" zu immer weiteren Flotten- rüstungen. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird dem Er- werb der Smnoa-Jnseln bald der Ankauf portu- giesischen Gebietes in Afrika folgen, dann wird noch dies und jenes annektiert werden, bis wir glücklich zum Schutz der„deutschen Ehre und Interessen" zu ähn- lichen frivolen Unternehmungen gezwungen sind, wie die Franzosen in Tongking, die Italiener am Roten Meer oder die Engländer jetzt in Südafrika. Bisher hat es noch keine Kolonialpolitik ohne dauernde blutige Kämpfe ge- geben. Sie werden auch uns bei weiteren Fortschritten auf der eingeschlagenen Bahn nicht erspart bleiben. Wir werden ferner recht bald erleben, daß, wenn noch vor wenigen Tagen von kolonialfreundlicher Seite eine Ver- stärkung der Flotte verlangt wurde, um die deutschen Ansprüche auf die Samoa-Jnseln besser geltend machen zu können. nun umgekehrt gerade der Uebergang der beiden Inseln in deutschen Besitz zur Flottenpropaganda her- halten muß. Was durch die geniale Diplomatie des Grafen Bülow erreicht sei. das müsse nun gesichert und er- wettert werden. So wird einmal eine Verstärkung der Flotte verlangt zur Annexion von Kolonien, und dann wieder mit der Annexion eine weitere Verstärkung begründet— znm Schutz des Erworbenen._ Der Lordmayorstag in London» d. h. der Tag, an welchem der auf ein Jahr gewählte Lord- Oberbürgermeister der Riesenstadt in sein Amt eingeführt wird, giebt seit un- vordcnklichen Zeiten Anlaß zu einem großen Politischen Zweckcssen, aus welchem die Minister und Letter der regierenden Partei sich vernehmen lassen. Diesmal hielt Lord S a l i s b u r y, der Ministerchef, die große Tischrede. C h a m b e r l a i n wird im Telegranun nicht erwähnt— es scheint fast, er sei nicht anwesend gewesen. In der Rede Salisburys, die natürlich den stereothpen Ausdruck derartiger Schau- und Festredner hat. ist das bedeutsaniste die Schmeichelei an die Adresse der Vereinigten Staaten und die Nichterwähnung Rußlands und Frankreichs. Daß für Deutschland ein paar freundliche Worte abfielen, ist ebenso selbstverständlich, wie daß der englische Premier sich vom Samoa-Abkommen befriedigt erklärte. Uni den Transvaalkrieg, das einzige, worüber man gern etwas gehört hätte, ging der edle Lord herum, wie die Katze um den heißen Brei, und machte sogar allerhand Verlegen- heitswitze. Zum Beispiel, daß England den Boeren gegen- über nicht die starke, sondern die schwache Ratton sei; und daß nicht England den Krieg angefangen habe, sondern die Boeren. Im Ernste kann man fo nicht sprechen, nur mit A u g u r e n e r n st. Die Phrase, daß„England keine Ein- Mischung annehmen werde", war recht überflüssig, da niemand eine Einmischung versuchen Wird, so lange England in der Lage ist, sie zurückzuweisen. Der festländischen Behauptung gegenüber, daß die Habgier ehrgeiziger Lords (Chamberlain zc.) am Kriege schuld sei, nieinte der Premier: England als Ganzes wird keinen Vorteil von dem Besitz der Goldminen haben, ausgenommen insofern, als die Rcqiernng durch England eine gute Regierung für die in zener Industrie Thätigeu bringen will. England sucht keine Goldfelder, kein Gebiet, sondern es wünscht gleiche Rechte für alle Rassen, Sicherheit für die eng- lischen Unterthanen und das Reich. An diese Worte werden wir uns noch erinnern, einstweilen nehmen wir Lord Salisbury beim Wort. Uebrigens hat niemand je gedacht oder gesagt. England als Ganzes wolle Transvaal berauben. Und einstweilen gilt noch das Sprichwort: Die Nürnberger hängen keinen, den sie nicht haben. Sehr kleinlaut war, was Lord Salisbury vom Stand des Krieges sagte. Er stellte in Aussicht, daß die Engländer vor Eintreffen der Verstärkungen ihre Stellungen in Natal würden aufgeben müssen. Kurz, begeisternd war diese Rede nicht, und be- geisternd hat sie auch nicht gewirkt, obgleich viel Wein dazu getrunken wurde.— m# Aentsches Weich. National-SocialeS. Wie die„Berliner Korrespondenz", so befaßt sich auch die„Hilfe" dcS Pfarrers Naumann mit nuserem Artikel über Weltpolitik. Und zwar mischt sie dabei Loh und Tadel in einer Weise, die unS ver> anlaßt, sowohl ihr Lob wie ihren Tadel zurückzuweisen. Unsere Meinung, daß die deutsche Arbeiterklasse ihrem Lande die ebenbürtige Stellung unter den großen eivilisierten Völkern erwerbe« und erhalten wolle, nennt die„Hilfe" ein»Zugeständnis an den nationalen Gedanken" und schreibt:»Dieses offene Bekenntnis ist ein Fortschritt gegen früher und macht dem Mute des„Vorwärts" all« Ehre." Thatsächlich hat. so lange eZ eipe deutsche Arbeiterbewegung gjeht, von den Tagen der„Neuen Rheinischen Zeitung" an, die von unS aus- gesprochene Ansicht in ihrem„Bekenntnisse" gestanden. Nicht darüber, o b, sonder« nur darüber, wie der deutschen Nation die ebenbürtige Stellung in der modernen Welt erworben oder erhalten werden kami, bestehen im Proletariat Ansichten, die von dem patentierten PatriotisinilS der Bourgeoisie sehr weit abweichen. Wenn die„Hilfe" uns epochemachende und lobenswerte Fortschritte nachrühmt, weil wir ausgesprochen haben, was seit fünfzig Jahren Gemeingut jedes klassenbewußten Arbeiters ist, so muß sie merkwürdige Begriffe von der Geschichte der deutschen Socialdemo- kratie haben. Zugleich aber erteilt sie uns einen derben Rüffel wegen unseres „Idealismus" und unseres„reinen Marxismus"; weil wir gesagt haben, die kapitalistische Produktionsweise befinde sich im ab- steigenden Ast ihrer Entwicklung, sollen wir„heute schon" das Ende des Kapitalismus kommen sehen. Welche wunderbare Logik! Eine Produktionsweise tritt dann in den absteigenden Ast ihrer Entwicklung, Wenn sie mit den gesellschaftlichen Produktivkräften in offenen Widerspruch gerät; demgemäß sagten wir von der kapitalistischen Produktionsweise, die überall, wo sie besteht, die Arbeiterklasse in hellem Aufruhr sich gegenübersteht, daß sie im absteigenden Ast ihrer Entivickluiig sei. Was wir aber daraus folgerten, war nicht ihr Tod„schon für heute", sondern vielmehr nur die Thatsache, daß im absteigenden Ast ihrer Entwicklung der gesell- schaftliche Fortschritt nur in ihrer Anpassung an die gesellschaftlich revoltierenden Prodnktivkräste, an die gesellschaftliche Revolution möglich sei. Freilich erlaubt sich die„Hilfe" mit einer AuSlegnngsknnst. die man sonst nur etwa an der„Post" gewöhnt ist, die'.gesellschaftliche Revolution", von der wir iir dem Artikel über Weltmacht-Politik sprachen, dahin zu erläutern:„nach der es keine Unternehiner und keine Kaufleute und keine„Lohnsklaverei" mehr gebe". Davon haben wir keine Silbe gesagt; der Himmel beivahre uns vor der Konfusion, über die Stellung Deutschlands auf dcni Weltmarkte zu spintisieren, in einer Zukunft, wo es einen Weltmarkt überhaupt nicht mehr giebt. Was wir im Zusammenhange unseres Artikels unter„gesellschaftlicher Revolution" vastaiiden, glaubten ivir deutlich genug ausgedrückt zu haben durch den Hinweis auf die»in ihrer Art großartige Arbcitcrschutz-Gesetzgebung", die der englischen Nation Jahr- zehnte hindurch die erste Stelle aus dem Weltmärkte gesichert hat. Um dem, wie es scheint, etivas schwerfälligen Begriffsvermögen der „Hilfe" entgegen zu kommen, wollen ivir unsere Ansicht»och einmal in dieser gröber zugehauenen Forin wiederholen: Der achtstündige Arbeitstag sichert der deutschen Industrie eine achtmal so günstige Stellung ans dem Weltmarkt, als alle Mord- und Naubpolitik, die mit acht KricgSgcschwadern iuscenicrt werden kann. Wittert die„Hilfe" darin„reinen Marxismus", so mutz sie in der Ge- schichte der politischen Oekononiie ebenso bewandert sei», wie in der Geschichte der deutschen Socialdemokratie; soll das Kind einmal auf einen Vatersnamen getauft werden, so ist es etwa„reiner Smithia- nisinus", denn, tvie ivir schon hervorhoben, der Satz, daß die Arbeit den Reichtum der Nationen schaffe, rührt von Adam Smith her. Die„Hilfe" wird nun freilich sogen: doppelt genäht hält besser, wir wollen sowohl den Achtstundentag, als auch die acht Kriegs- geschivadcr, und wenn sie erst die Kunst versteht, Feuer und Walser zu mischen, so gelingt es ihr vielleicht noch cinnial, die Welt auf den Kopf zu stellen. Bis dahin aber wird es wohl bei ihrem melailcholischen Schicksal bleiben, daß sie, um mit Hegel zu sprechen, von nichts durch nichts zu nichts kommt, weil sie dje Pferde zugleich vor und hinter den Wagen spännen will.— Deutsche KoalitiouSfrcihcit. In Sachsen-Weimar wurde eine öffentliche Versammlung der Former und Metallarbeiter verboten, die am t. August dS. Js. in Apolda znm Leipziger Formerstrcik Stellung nchinen sollte. Dieses auch vom Bczirksdirektor bestätigte Verbot bestätigt gleichfalls eine Entscheidung des angerufenen Staatsministers v. Wurmb. Darin heißt e§ unter anderem: „Auch dem K 1SL der Gewerbe-Ordnung steht daS Verbot nicht entgegen, da es sich bei der angekündigten öffentlichen Ver- sammlung nicht um Verabredungen und Vereinigungen zum Ve- Hufe der Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeitsbcdmgnugen handelt. Denn in llchcreinstinimung mit der Wissenschaft und Praxis nehmen>v i r an, daß der ß 152 cit. nur solche Verabredungen und Vereinigungen meint, welche die Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen(für den Arbeitgeber oder Arbeitnehmer) durch unmittelbare Einwirkung auf den anderen Teil znm Zwecke habe», und welche sich ans die Per- önderung der Bcdingniigc» der Lohn- und Arbeitsverträge in einem bestimmten Arveitöverhältnis, oder in einem bestimmte» GetvcrbSziveia, oder an einem bestimmte» Ort beziehen." Diese Ansfassung der Iveimarische» Staats-Regiernng bedeutet eine Einschränkung deS Koalitioiisrechtcs, der mit aller Entschiedenheit entgegengetreten»verde» nmtz und die noch über die mecklen- burgischc Praxis hinausgeht. Jin gesegneten Lande der Obotriten hat man es noch nicht gewagt, gciverkschastliche Versanunlunge» mit solcher Begründung zu verbieten; vielmehr hat man selbst dort immer vorausgesetzt, baß solche Versammlungen durch die Geiverbe- Ordnung von vornherein gestattet sind. Man erklärt nur immer, die Versammlung sei nicht gewerkschaftlich, sondern politisch und des- halb sei sie verboten. Und ebenso salviert»nan sich in Sachsen bei der Vehindenmg der gewerkschaftlichen Organisationen dadurch, datz man ihre Thätigkejt«IS öffentliche Angelegenheiten bezeichnet. Erst dem neuen weimarischen Staatsminister mit dem ominösen Namen Wurmb war es vorbehalte»», eine gewerkschaftliche Be- thätigung zu entdecken, die durch den§ 1V2 der Gewerbe-Ordnung nicht freigegeben worden sei. Das wird bei der ziveitcn Beratung des ZuchthauSgesetzes im Reichstage wohl zur Sprache konnncn können. Uebrigens sind bei der verbotenen Versammlung sogar alle die Bedingungen erfüllt, die nach Herrn v. Wurmb vorhanden sein müssen, um dje Anwendung des§ 152 zu rechtfertigen. Eine Versaminluiig ist eine Bereinigung. Die Versammlung in Apolda bezog sich auf einen bestimmten Gelverbsziveig— die Former; a»lf einen be- slinmtteu Ort— Leipzig: auf bestimmte Arbeitsverhältnisse— die streikenden Former in Leipzig mid deren Unteruehnrer; und es ha»»- delte sich uu» uimiittelbare Einwirkung auf die Lohn- und Arbeits- bedinguugen durch Verweigerung der Leipziger Streilarbeit zu Gunsten der Streikenden. Selbst»venn man die eigentümliche Erfindung deS weimarischen Staatsministers geltes lasten wollte, so wäre daS Verbot der fraglichen Versammlung noch immer eiue Verletzung des§ 152 der Ge» tverbe-Ordnung.—_ Die Kaiserreise«ach England soll auf den 20. November festgesetzt sciu. Es verlautet, daß Graf Bülow den Kaiser be- gleiten»verde. Unsere englandfeindliche Agrarierpresse ist höchst erregt ob dieser Aussicht; sie behauptet, daß der Kaiser sich durch diese Reise zur Zeit des TransvaalknegcS mit»fast dem aesamteu deutschen Volke" in Widerspruch setze und von dem Respekt, den diese Monarchisten gemeiniglich von anderen Leuten gegenüber Handlungen de» Kaiser« verlangen, ist mchtS mehr zu entdecken. Wir geben allerdings zu, daß die Schwenkung seit dem viel- berühmten Telegramm in den Tagen deS Jameson-Einfalles eine vollkommenere nicht sein könnte.— Mottrn-Gnmmikes. Man weiß, baß bie Flottenwünsche der Regierung ins Aschgraue gehen, daß sie viele, sehr viele, möglichst viel neue KriegSschlsse habe» will. Aber Wie die Forderungen', tue zunächst den gesetzgebenden Körperschaften unterbreitet werden sollen, eigentlich aussehen, daS weiß noch niemand. Ob man»virllich «in« Bindung des Reichstages auf 17 Jahre verlangen oder ob man nur«ine unverbindliche Denkschrift vortragen und vorerst einige neue Schiffsbau»«» fordern will— darüber scheint die Reaiening selbst noch nicht klar zu sein. Jetzt taucht sogar in der „Münch. Lllg. Ztg." dos Gerücht auf, eS solle schon durch einen Nachtrags«tat für IvOv eine Beschleunigung der im Flotten- gesetz von 1898 vorgesehenen Bauten gefordert»verden. DaS stände im Widerspruch mit der offiziösen Versichming, daß für den Etat 1999 keine Forderungen über den Rahmen des Flotlcngesctzcs hinaus beabsichtigt seici». Doch die Geneigtheit, die sich in den biirger- lichen Parteien für die Flottenpläne zeigt, mag der Regierung Appetit gemacht haben, mehr und schneller zu verlangen als sie bisher g'eivagt hat.— Unter Victor SchweinbnrgS Taktstock wird der Flottentaintam oh«»»betäubend entfesselt. In Hunderttausende» von Flugblätter»» verkündet der Deutsche Flottenvcrcin:„Was uns not thlit". Es thnt not, datz immer neue Hundertmillionen aus den Lebensmitteln des arbeitende»» Volkes gepreßt»verde», auf daß zahllose»icue Panzerschiffe und sonstiges schwiininendeS Kriegsmaterial hergestellt »verden.„Wir brauche»»'— so deliriert die weltpolitische Trunkenheit— Ellenbogeiisreiheit zur See; gnt'.villig gesteht uns die aber niemand zu, also crzivingcu Wir, ivas unser gllteS Recht»st, d. h. bauen Ivir uns eine Flotte, die stark genug ist, Feinde und Neider in Respekt zu halten und uns die Freunde auszusuchen, die uns passen, denn jeder»vird dann unser Freund sein»vollen und unS steht die Wahl frei. Was jetzt an schwimmendem Material uiiscre Kriegsflagge trägt, ist znm Sterben zu viel, zum Leben zu wenig." Schließlich verrät uns Herr Schwcinburg, daß auch die neuen Flottenfordernngei» der Regimiilg den Uebcriee-Geschäftslenten nur als ein unzulängliches Provisorium gelte». Deutsch- la»d sei reich geimg, meint er, um«och ganz andere Auf- Wendungen für seine Kriegsflotte tragen zu können, als um die es sich heute handelt. Wenn das deutsche Volk der„Weltpolitik" die Spitze eines Fingers läßt, so wird es von ihr mit Haut und Haaren ver- schlniigen»verde»». Auf dem Wege der maritimen Wettrüstungen giebt es nie und nirgends ein Halt.— Abwarte»! Eine nationallibernle Korrespondenz teilt mit, die Regierung werde zwar die Znchthauövorlage nicht zurückziehen, aber sie habe nichts dalvider,»venn sie bei der ziveitc» Lesung gänz- lich beseitigt und„in de»» Aktci» der lmzulänglichc»» Versuche bei« gesetzt sein»vird". Auch daS(Jciitnim werde durch die von ihn» angekündigten Anträge diesen Gang der Dinge nicht anfbalteu; Dr. Lieber»verde vielmehr die Ecntrumsanträge gar nicht zur Be- ratnng der ZnchthauSvorlagc einbringen, sondern der geiverbe- politischen Kommission des Reichstages überlassen. Wir verzeichiien diese Mitteilung, ohne ihr Glauben zu schenke n. Bisher haben die Nationalliberalei» selbst nicht auf ihre Absicht, die ZnchthanSvorlage zu.verbessern", verzichtet.— Ketzergericht. In Hannover hat ain Donnerstag in einer Sitzung des La»des-Konsistorinn»S und des Synodal-AuSschuffeS die DiSciplinarverhandlung zlveiter Instanz gegen den Pastor Wcingart- Osnabrück slattgcfunden. Pastor Weingart hatte sich wegen„Vergehens gegen die Rechtglaubigkett" zu vcrantlvorten. In erster Instanz hatte daS Konsistorium auf einen V e r»v e i s erkannt, die beantragte Amtsentsetzung dagegen ab« gelehnt. Beide Teile, Ankläger»vie Verutteilter, hatten Rekurs ein- gelegt. Dem Angeklagten wird u. a. Abweichung vom Bekenntnis in der Auf erst e h u n g's fra a e vorgeworfen. Er erklärt, daß er die von ihm vertretene objektive Visioiishypothese in der Auferslehungsfrage nicht als Ablvcichnng vom Bekenntnis ziigcben könne. Demgegen- über wurde seitens der Mitglieder des Disciplinargerichts betont: die biblisch bezeugte Thatsache der Oeffnung des Grabes »md des Anblicks des leeren Grabes durch die Jünger und deö vor« resnrroxlt(„Er ist wirklich auferstanden") der Augustana nötigten dazu, die Von dem Angeschuldigten vertretene Theorie als bekenntni« widrig erscheinen zu lassen. Der An« geschuldigte vertrat im Gegensatz zu Aenberungen des Vorsitzenden den Standpunkt, daß daS Bekenntnis nicht dem Buchstaben n n d d e m Worte, sondern den» Sei st e nach aufz,»fassen fei. In seinem Schlußworte betonte der Angeschuldigte, daß seiner Ansicht nach das ganze Verfahren im letzten Grunde nicht auf den einzelnen inkriniiiiietten Punkten beruhe, sondern auf den tiefgehenden Gegensatz principiell von einander abiveichender Anschauungen hin« anslanfe. Er müsse cm dem von P. Lange, einem anerkannt ortho- doxe», Theologen, aufgestellten Grundsotze festhalte»», daß sich der Theologe»ich» auf die Einzelheiten, sondern auf den K er», II II d S i II I, der Bekenntnisse verpflichten löiine. Für ihn sei es ethisch und religiös unmöglich, ein Sakrileg an seiner Ge» „»eiilde, anders zu predigen und zu reden, als es ihm G c w i s s c n S ii b e r z e U g>» i» g sei. Der Urteil lautete ans AmtScntsctznng unter Belassung des Ruhegehalt«. �. DaoMittelaltersteigtauSdenGruftenI— Saalfcld a. d. S. Bei der gestrigen LandtagS-Stichwahl sin Schlvarzburg-Rndolstadt siegte der Kandidat der vereinigten Gegner über die Socialdeniokratie' mit 487 gegen 372 Stimmen. Unsere Partei hat»vie bisher mir einen Sitz im Landtag, dessen Zusammen- setzung noch reaktionärer ist als früher.— München, 10. November. Die Kammer der«bgeordnete» führte auch heute die Debatte über die bayrisch» Politik »och»icht zu Ende. Im Laufe der Beratung wies Staaieminifter Frhr. v. Crailsheim die scharfen Ausdrücke eimger Redner, die gegen England»vegen der TranSvaal-Anaelegenhei« vorgebracht ivurden, zurück, da dies gegen einen befreundeten Stacst parlanientarisch unzulässig sei. Was die Handelsverträge betreffe, so wirkte die bayrische Regierung stet« auf eiue Erhöhung der Getreidezölle hin. Die Vorbereitungen für den Abschluß der neuen HandelSveickräge seien derartig, daß daS Deutsche Reich wohl geivappuet in die Berhandlnngen eintreten könne.— Ten berüchtigten frauzöfischen Gtrafparagraphen über das Ausstoße»,„aufrührerischer Rufe" hat sich ,n Mülhausen ein armer Tenfel zu nutze gemacht, um,»vie er selbst angab, über den kommenden Winter Obdach und Brot zu haben. Er rief auf der Straße einigemal»Vivo I» Prsmas 1« und wiederholte diesen Ruf, nachdem er verhaftet ivorden, zum Fenster seiner Arrestzelle hinaus. Die Sühne für das schwere Verbrechen ließ nicht lang« auf sich warten: durch eine Gefängnisstrafe von 4 Monaten und g Tagen erfüllte die Strafkammer den Wunsch des Angeklagten.— «ustprevigt. Ueber die Ueppigkcit der DiuerS in Beamten- und Offizier»« familien führt das„Militär-Wocheublatt" Klage: „Die Tafel, seufzend unter Silber und kostbarem Porzellan, ist mit einer Fülle seltener Blumen geschmückt, woinöglich auch das Speisezimmer entsprechend dekoriert. Eine Schar von Lohndienern servier» und schenkt die Weine eln, zu jedem Gericht eiiw besondere Sorte. Die Gerichte nicht der Saison entsprechend, sonden» FrühlingSdelikateflen im Winter und von weither verschriebene Leckereien zu allen Jahreszeiten. Der Witt niuß ein großes Portemonnaie und der Gast einen widerstandsfähigen Magen de« sitzen,»im solchen Anforderungen zu eiitsprechei»." Auch die heutigen Bälle im Offiziercorp» ersticken unter der Pracht der Ausstatt'ung und Bewirtung. Der Attikel deS„Militär- Wochenblatts" fordert eine Reform de« gesellige»» Ver- kchrs innerhalb des Regiments und mahnt das Offiziercorps dringend zur Einkehr mit Rücksicht auf die Ausdehnung dex Soeial- demokratte: „Der biedere Offizierbursche, der ehedem zu seinem Lieutenant wie zu einem höheren Wesen auffah, er»vixd jetzt sehr bedenkliche Betrachtungen anstellen, wem» er Zeuge deS in, geselligen Verkehr getriebenen Luxus wird. Wir selbst fammeln Brennstoff zu dem Scheiterhaufen, den dje Socialdemokratie für tms ans» schichtet,»venn Wir uns vom Protzentrim imponieren lgssei, und es den Reichsten gleichzuthnn suchen." Die Buhprediger am„Militär- Wochenblatt" irren sich zwar, Wem» sie glauben, datz wir die Edelsten der Nation auf Scheiter- Haufen zu verbrennen beabsichtigen— wir haben vielmehr die Ab- sicht, Erziehungsversuch« mit ihnen anzustellen—. aber die Nichtig- kcit der Schilderung, die in dem militärischen Blatte von dem Leben und Treiben der Ossizierswclt gegeben wird� können wir nicht an- zweifeln. Darin ist das„Militär-SBochenblatt" sicherlich kompetent.— Berichtigung. Von der Direktion des Kaiserlichen Statistischen Amtes werde» wir daraus aufmerksam gemacht, daß die Berechnung der Kriminalität der Stadt Berlin für 18SS bei Gcchalt und Drohung gegen Beanite w. und gefährlicher Körperverletzung in der amtlichen Statistik keineswegs falsch, wie in Nr. 263 unseres BlatteS behauptet worden, sondern mit 186 durchaus richtig angegeben ist. Der Verfasser der Notiz»nutz nach nochmaliger Prüfung mit dem Ausdrucke des Bedauerns zugeben, daß er sich geirrt hat. Ausland. Komplottprozest. Paris, 10. November. Tie heutige Sitzung des Staats- gcrichlshofes wird um 1 Uhr eröffnet. Die Angeklagten werden so- fori in den Saal geführt. Hieraus schreitet der Gerichtsschreibcr zum Namensaufruf der Senatoren. Beim Aufruf der Zeugen kommt es zu lärmcudc« Ans- tritten. Der Vorsitzende fordert die Angeklagten mehrere Male zur Ruhe auf. Der Zeuge Paulin Mary erhebt lebhaften Ein- Ipruch, weil gestern die Zeugen nicht der Verlesung der Anklageakte beiwohnten. Ein Ecrichtsdicuer führt infolgedcsien Pauliu Mörh aus dem Saal. Beim Namensaufruf des Obersten Monteil rufen einige Zeugen:.Es lebe Guerin, es lebe Deronlöde I Nieder mit den Juden!" Untcrdesien wird drauffen vor dein Saale die Marseillaise gesungen. Ein Zeuge, der dann mit überlauter Stimme ruft:.ES lebe Dermilede, es lebe das Heer!" wird auf Befehl des Vorsitzenden verhaftet. Mehrere Angeklagte erheben sich von ihren Sitzen und protestieren heftig inmitten des allgemeinen Lärms. Um 3 Uhr ist der Aufruf der Zeugen beendet. Der Staats- anwalt erklärt, er werde gegen die Zeugen, welche die Kmidgebuiigen vcraiilaßtm, keine Strafantröge stellen. Fallieres ordnet die Frei- lassung des festgeiioinmenen Zeugen an. Hierauf verliest FalliöreS die eingebrachten Anträge, ivelche darauf hinzielen, d e n S e n a t f ü r u n z u st ä n d i g zu erklären. Sodann unterbricht der Senat die Sitzung, um in geheimer Beratung über die Zuständigkeit zu beschließen. Im Palais Luxembourg ereignete sich heute nachinittag ein enislcr Zwischenfall. Im Zenacnsaale griff ein auf Antrag Guörins geladener Camelot Namens Ninder einen anderen Zeugen, de» er für einen Sichcrheltsbeamtcn hielt, thätlich an und schlug ihn. Als die städtischen Garden ihn festnahmen, zog er einen Revolver aus der Tasche. Mit Mühe gelang es, ihn auf das Poljzeibureau zu bringen. Ocstrcich-Ungar». _ Czechische Opposition im Abgeordnetenhaus. Wien, 10, November. Das Haus beschließt die Oeffentlichkeit der Verhandlungen des Ausschusses für die Revision des§ 14. Hierauf wird die Debatte über die Beantwortung der Interpellation bezüglich der Exccsse in Mähren fortgesetzt. Nachdem die Abgeordneten Adajnck und Kozlowsli gesprochen hatten, ergreift der Minister des Innern v. Kört' er das Wort. Seine Rede wird.von Protestrnfen und wiederholten Zwischenrufen seitens der Jnngczechen unterbrochen. Vicepräsident Lupul fchwiiigt an- haltend die Glocke und ersucht wiederholt dringend um Ruhe. Der Lärm hält an. Seitens der Jungczechen werden heftige Zivischen- rufe gegen den Minister geschleudert. Vor der Ministerbank entsteht ein starkes Gedränge. Die Jungczcchcu brechen in st ü r m i f ch e AbzugSrufe aus. Der Bieepräsident versucht vergeblich, die Ruhe wieder herzustellen. Der Minister ist gezwungen, rn feiner Rede innezuhalten. Der Vorsitzende im Ministerrat. Graf Clarh, spricht darauf einig« Worte mit Körber. worauf die Jungczechen auch in AbzugSrufe gegen Clary ans- breche». Der Obmann de» Jungezechcn-KlubS Abg. Engel sucht vergeblich die Junaczechen zu beschwichtigen. Der Lärm' hält im- vermindert an. Vicepräsident Luput erklärt infolge des anbaltciidcn Tumults die Sitzung für unterbrochen. Die Erregung hält im Hause auch während der Ilnterbreckniiig der Sitzung' an. Nach 10 Minuten wird die Sitzung wieder aufgenommen. Minister v. Körber setzt seine Rede fort, die er unter lebhaftem Beifall der Linken und stürmischen AbzugSrnfen seitens der Jungezechen schließt. Afrika. Uebcr afrikanische Gisenbahucn enthält die„Revue de Ttatistique" folgende Zusammenstellung; Auf Aegypten und den östlichen Sudan konimen 3358 Kilo- meter; im Bau begriffen ist die Eisenbahn von Berber nach Kasiala und Suakim. T u n e si e n hat bereits 1050 Kilometer, wozu noch die Linien Moknine- Sfax und Saauan- Kairuan kommen werden. Algerien hat seit 1862 3303 Kilometer erhalten und mehrere Ausbauten und neue Linien sind geplant, zum Teil als Anfangs- strecken für die künftige Saharabahn. Frankreich besitzt seit 1886 in Senegambien eine 264 Kilometer lange Bahn von Dakkar nach Saint-Louis. Im französischen Sudan besteht«ine Eisen- bahn von 169 Kilometer zwischen Kay«» und Debubeba; eine Vcr- längerung um 4L0 Kilometer bis Bamako und Tulimandio ist in Aussicht genommen. Die Briten hoben in Sierra Leone eine Verbindung von 50 Kilometer zwischen Freetown und Songptown, die nach dem Innern verlängert werden soll. An der G o l d k ü st e besteht die Bahn von Scgundi nach Tarqua, 60 Kilometer, in Lagos die Stecke vom Hanptorl Lagos nach Abcoluta, 60 Kilometer. Außer der großen Eisenbahn von 3S9 Kilometer zivischen Matadi und Leopoldville besitzt der C o n g o- st a a t eine Bahn von Boma nach Liikula, 30 Kilometer, und eine Kleinbahn(2 Kilometer) von Boma nach der Anhöhe. Die Portugiesen haben die Bahn von Loanda nach Ambaca, 363 Kilometer, ausgebaut und wollen sie um 150 Kilometer bis Malangue verlängern; die Bahn von Sao Felipe bis Katimibcla ist 30 Kilometer lang. In D e u t s ch- S ü d w e st a f r i k a wird die Länge der Bahn von Slvakopmund nach Wiudhoek mit 260 Kilometer angegeben. Mit 4487 Kilometer hat die K a p k o l o n i e das dichteste Eisenbahnnetz, freilich nur wenn man die Aiifangsstreckeu der RhodeS'schen LängSbahn bis Umtali hinzurechnet; zahlreiche Strecken sind noch im Bau. Natal weist 7L5 Kilometer auf, und an weiteren Plänen fehlt es nicht, Der Oran je- Freistaat hat 960 Kilometer, Transvaal 1935; in beiden Freistaaten sind neue Anlagen in der Ausführung begriffen. Auf Portugiesisch- Ostafrika kommen 400 Kilometer. Sogar in Madagaskar sind von der Bahn von Tamatave nach Tananarivo schon einige Kilometer ausgeführt. Auf der Insel R 6 n» i o n verbindet ein Strang von 127 Kilometer die Orte St. Pierre. St. Denis und St. Beuolt. Mauritius hat 272 Kilo- meter. Das Gebiet von D e u t s ch- O st a f r i l a hat die Strecke von 90 Kilometer zwischen Tonga und Kärague aufzuweisen, während in dem benachbarten Britisch-Ostafrika von der sogenannten Ilgaudabahn bereits über 600 Kilometer befahren werden köimen. An der französischen Somaliküste reicht schon eine Strecke von 50 Kilometer ins Innere, um nach Harrar<250 Kilometer) und später uach AdiS-Abeba, der Hauptstadt Llbessinienö, fortgesetzt zu werde». Endlich haben die Italiener m E r y t h r ä a die 27 Kilomcter(uiuie Strecke von Massauah nach Saati erbaut. Im ganzen besitzt Afrika 19 126 Kilometer Eisenbahn, wovon auf die englischen Kolonien 6220. auf die französischen 3358. auf die portugiesischen 793, auf die deutschen 350 Kilometer koimueu.— Pom neuen Etat. Im Po st-Etat werden für dal Jahr 1900 folgende erste Raten zu Postbauten gefordert: In B e r l i n zur Erwerbung des Bauplatzes für ein Postgebäude in der Lothringer- straße 661850 M. und in der Magaziustraße 990 095 M., ferner für Baute» in der Köpenickerstr. 132: 120 000 M., Pallisadenstr. 90: 150 000 M. und am Tcmpelhofcr Ufer 140 000 M.— Für Bittcrfeld 70 000, für Dresden< Erweiterungsbau an der Annen- und Manen- straße) 100 000, für Düsseldorf(am Hauptbahnhof) 120000, Essen a. d. Ruhr 200 000, Fränffurt a. M. 150 000, Frciburg (Areisgau) 100000, Hagenau(Elsaß) 90 000, Jena 100 000, Kiel 200 000, Königsberg i. Pr. 200 000, Mannheim 297 000, München- Gladbach 80 000, Barmen 733 652, Bremen 300 000, Bremerhaven 117120. Breslau 179 400, Erfurt 235 000, Gleiwitz 178 000, Hameln 211 593, Magdeburg 274 500, Meerane in Sachsen 127 000, WandSbeck 127 000, Wiesbaden 132 000 und Wolgast 113 209 M. Aus Anlaß der Einführung deS Post-Scheckverkehrs ist für das Jahr 1900 bereits ein besonderer Etat aufgestellt. Danach sind die Einuahmen auf 323 000, die Ausgaben auf 413 062 M. veranschlagt, so daß ein Zuschuß von 90 062 M. erforderlich wird. Der Etat für das Schutzgebiet Kinutschon balanciert mit 9 993 250 M. und fordert einen Reichszuschuß von 9 780 000 M. Der Gouverneur, Chef der Civil- und Militärverwaltung und gleich- zeitig oberster Befehlshaber der Besatzungstruppen, erhält 42000 M., ein Civilkommiffar und ein Kommiffar für chinesische Angelegenheiten je 48 000 M.. ein Oberrichter 12000 M. Bei den Stadtvcrordncteu-Wahlcn in Remscheid erlangten die drei Kandidaten unserer Partei zwar die meisten Stimmen, aber nicht die erforderliche absolute Mehrheit, so daß sie sich noch einer Stichwahl unterziehen muffen. Ob sie gewählt werden, ist fraglich. Marx nnd Engels im Bild. Weihnachten naht, die schöne Zeit, in der nian anderen— und auch sich selbst Geschenke zu mache» pflegt. Von allen Seiten wendet mau sich an„das Publikum" mit der Einladung, doch dieses zu wählen oder jenes— Kleider, Geschmeide, Bücher. Wir wollen niemand Konkurrenz machen; es gicbt viel schöne Dinge auf Erden, und wir wünscheii all unseren Mitbürgern und Mitbürgerinnen olles erdenkliche Schöne. Das eine wird aber jeder Lefer und ganz gewiß jede Leserin uns zugeben, daß es kein schöneres Geschenk giebt als eins, das uns unsere Lieben vor Augen und ins Gedächtnis führt. Ein Engländer, C a r l y l e,„der Weise vonEhelsea", sagte einmal: Di« wahre Universität unserer Zeit ist eine Büchersammlung. Das ist gewiß ein richtiges Wort, u:ck> wer die besten, die höchsten med edelsten Geister in ihren Geisteswerken um sich ver- einigt, hat eine auserlesenere und unendlich reichere Gesellschaft von Lehrern als irgend eine Universität der Welt sie umfassen kann. Aber wenn eine Sammlung von gute» Büchern die beste Universität ist, so ist eine S a mm l un g der Bilder unserer Lieben die beste Bildergalerie. DaS wird uns niemand bestreiten. Zu den Bildern des Proletariers, der sich keine Gemälde anschaffen kann, gehören zunächst die Photographie» der Familien- Mitglieder und Freunde— und dann die der Männer, die ihm als Vorbilder und Vorkämpfer, als Führer und Bahnbrecher lieb geworden sind, die in seinem Geist und seinem Herz wohnen. Wer aber sind uns die liebsten, wer die höchst geschätzte» Vorkämpfer und Bahnbrecher? Marx, Engels und Lassalle. Da« hat die Buchhandlung Vorwärts sich gesagt, und um der Bildergalerie de» Proletariers einen würdigen Schmuck bieten zu können, hat sie von unsercn beiden unvergleichlichen „Alten" Bilder herstellen lassen. denen demnächst das Bild Lassallcs nachfolgen wird— Bilder, die de» Name» Kunstwerke im vollen Sinne des Wortes verdienen. Marx und Engel« liegen im Bild vor uns, ES sind vortrefflich gelungene Kupferradiernilgen und die ähnlichste», lebenSgetreneste» aller bis jetzt vorhandenen Darstellungen der zwei Schöpfer des wissenschaftliche» Socialisuuis. Wir könne» diese Kunstwerke um so wärmer eiiipfchkcn, als der Preis im Vergleich zu dem Wert ein außerordentlich geringer ist. vt. # Diese Kunstblätter ln Kupfcrradiernng auf chkncstschei» Papier(Platteugröße: 39 X öS Ceutimeter, Kartongrößc:«5 X 65 Cciitimctcr), von einem der ersten Berliner Radicrküustlcr ausgeführt, würden im Knusthandel pro Blatt nicht unter 15—29 M, geliefert werden; um nun auch den Arbeitern zu ermöglichen, ihr Heim mit wirklich künstlerischen Bildern zu schmücken, liefert der Verlag deS „Vorwärts" den Abonnenten des„Vorwärt«" bis Wcihuachien diese Kunstblätter zu einem Borzugspreise. Jeder Abonnent erhält die beide« Knpferradierunge» von Marx und EngelS im Werte von mindesten« 30—40 M. z« dein Vorzugspreise vou 5 M. Wir hoffen, unsere Abonnenten werden unser Bemühen, ihnen solche Kunstblätter zu diesem ungemein bittigen Preise zu liefern, durch zahlreiche Bestcllnngc» lohnen. Der Verlag hat auch geschulackvolle Rahmen mit Prima-GlaS zum Preise von 5,50 M., 7,50 M., 9 Ist. und 11 M. pro Stück an- fertigen lassen, die in nuserer Expedition zur Ansicht aushängen. Beftellungeii bitten Ivir direkt zu machen an die Buchhandlung Vorwärts, Berlin LiV., Beuthstraße 2. Gemvvkpchaftlichcs. Deutsches Reich. Gute Behandlung. Unter dieser Spitzmarke bringt die „Social-Korrespoudenz" deS Herrn Dr. B ö h m e r t- Dresden einen Rückblick �ailf die Streiks des letzten Sommers. Dabei wird auf eine Erlchdmmg aufmerksam gemacht, die dem genannten Blatt als besonders bemerkenswert aufgefallen ist, nämlich der Umstand, daß bei den Streiks die Fordcrniig einer besseren Behandlung sehr häufig wiedergekehrt sei.»Bei manchen Arbcitseiiiftcllmigcn wird augenscheinlich auf diese sogar das Hauptgewicht gelegt. Man verlangt weniger eifrig einen höheren Lohn. als eine kürzere, gut geregelte Arbeitszeit und bessere Behandlung. Diese Erscheininig verdient Beachtung. Auch sie deutet an, daß höhere Löhne allein heftige sociale Kampfe nicht ver- hindern werden, wen» nicht auch die ganze Stellung des Arbeiters in der Werkstatt wie im öffentlichen Leben eine andere wird. Sicher ist e«»iu Zeiche» stcigeuder Kultur, baß der deutsche Arbeiter nicht mehr daintt zufrieden ist. sich reichlicher zu sättige», sondern daß er auch in der Werkstatt mehr Anerkennung sem-r Meuschenwürde verlangt. Die Behandlung der Arbeiter ist in der letzten Zeit jedenfalls nicht schlechter geworden; aber da? Gefühl der Arbeiter für»ine un- muwmcssenc Bchmchllmg steigert sich. Es ist das eine Folge muereS heutigen Kulturlebens, an dem mouche Arbeiterschichte» in einer lebhafteren Weise teilnehmen, als einzelne Kreise des deutschen Bürgertmn« und der jogenaunten»oberen Zchntenlserid".— Was das flir eiire recht bescheidene Eoeialreform«intretende Blatt da sagt, ist gewiß richtig, wenn«s mich nichts Neues enthält. Auch wird es dem„Organ deS Tentralvereins für das Wobt der arbeitenden Klassen" wenig nützen, daß cS am Schlüsse seiner De« trachtuiigcn die lliitcxnehmer auffordert, den Arbeiten!„in ihrem (der Unternehmer) eigenen Interesse". bessere Behandlung angedcihcn 'zu lassen. Es wird tcknbcn Ohren predigen. Nicht mehr wird die Arbeiterschaft erhalten, als das, was sie dem Unternehmertum ab- zuringcn vermag. „Schutz der Arbeitswilligen". Nach dem Streik der Königs- hütter Puddler hat der Hüttendlrektor Ladewig«inen Ukas erlassen, in dem er Denunzianten sucht, die diejenigen Streilenden angeben sollen, die zu Beginn des Streiks die Arbeitswilligen durch Bedrohungen und B e r st e 1 1 e n des Wege s zur llnr kehr bewogen haben. Anscheinend fahndet Herr Ladeivig nach neuem Material zur Begründung der Denkschrift zur Zuchthausvorlage. Das alte Material taugte allerdings sehr wenig. �. Ei» glänzender Sieg ist bei den GewerbegerichtS» Wahlen in Höchst a. M. seitens der Gewerkschaften errungen worden. Die Arbeitiiehnier-Kandidatcu der Gewcrlschaftsliste wurden mit Majorität gewählt. Aber auch bei der Wahl der Arbeit- g e b e r trug die gemischte Liste des Gewerkschafts-Kartells einen überraschenden Sieg davon, indem auf sie 37 Stimmen entsielen. während die Kandidaten des Gewerbcvercins nur 28 Stimmen auf sich vereinigten. Unter den gewählten Arbcitgeber-Vertretern befinden sich vier ausgesprochene Socialdemokratcn. Sociate-s. Die staatliche ArbeitSvermittelung in Ocstreich. Der vom östreichifchen Arbciisbeirate angenommene Vorschlag zu einem Gesetz über die staatliche Arbeitsvennittlung lautet in Punkt 1: „Die Arbeitsvennittlung ist ein Zweig der öffentliche» Berwal- tnng und ist, unbeschadet der in den späteren Punkten anderen Korporationen eingeräumten Befugniff«. in erster Linie vom Staate und seinen Organen zu besorgen. Es sollen daher das ganze Staatsgebiet umfasfcnde Anstalten vom Staate errichtet lverden. Die Beamten sind staatlich bestellt und besoldet." Ein MinoritätSvotnm will die staatliche Veryrittlung nur er- gänzcnd eintreten lasten. Bei Arbeitseinstellungen soll von Fall zu Fall geprüft werden, ob die Thätigkcit der Vennittlnngsämter für die beteiligten Betriebe einzustellen ist. Ein Antrag, die Euistellung der VcrmittlungS- thätigkcit bei Arbeitseinstellungen obligatorisch zu machen, Wurde abgelehnt. Konzcssionen für die private gewerbsmäßige Stellenvermittlung sollen incht nwhr erteilt werden. VerwaltungSkomimssionen, zur Hälfte ans Arbeitern und zur Hälfte ans Unternehmern bestehend, sollen die Thätigkeit der Acmtcr Überwachen. Schwedischer FabrikinspcktionS-Bericht für daö Jahr 1808. Im Jahre 1898 sind revidiert worden 1132 Arbeitsstellen in: Nord« distrikt, 4301 im östlichen, 2466 im mittelsten, 2495 im westliche», 3509 im südlichen, dazu 42 vou Fabriken von Explosivstoffen, im ganzen 13 945. An Unglücksfällen sind eingetreten und zur K'eimtmS der Inspektion gelangt: im Norddistrikt 285, wovon 11 mit tödlichem Ausgang, im Ostdistrikt 566 mit 13 Todesfällen, im Mittelbczirk 214 mit 11, ini Wcsidiftrikt 304 mit 12 und im Süddistrikt 524 mit 24 Todesfälle». Aber ei» großer Teil der kleineren Unfälle gelangt gar nicht zur Anzeige. Im lclbcn Jahre sind 1526 Dainpfkeffel revidiert worden._ Der Krieg. Die englischen KricgSmacher und Kriegshetzer sind in keiner sehr angenehmen Eiinnnnng— das zeigt ein Blick auf ihre Presse, deren Ton ein sehr nüchterner geworden ist, so daß die lauernd« Sorge sich erkennen läßt. Es ist das nicht überraschend. Wenn eS je einen Krieg gegeben hat, auf den das Wort T a I l e y- randS:„Tchljunner als«in Verbrechen— ein Fehler" anzuwenden war, so ist es dieser Krieg, der auch bei glück- ljchem Ausgang de» Engländern nichts bringen kann, was sich nicht in Güte hätte weit besser erreichen lasten, und der setzt schon durch den Verlust des Prestiges England weit mehr Schaden gcrhan hat, als durch das siegreichste Ende wieder gut gemacht werde» kann. Es ist auch ivahrscheinlich, daß Ehambctta!» gar nicht an den Krieg geglaubt imd bei srincii brutalen Drohungen nur an die chinesische Taktik gedacht hat. den Gegner durch fürchterliches Brülle» und Gcslchtcrschueiden einzuschüchtern, was bei den gesunden und uervciistartcn Born» jedoch nicht verfing. Sicher ist, daß der Kompagnon des Rhodes, w e n u er ernstlich an Krieg dachte, die notwendigen Porbercilnugen stark vernachlässigt hat. Daß die Boeren aus der divlomatischcn Komödie Ernst machten uns den Engländer» so kräftige Hiebe versetzten, das»var ein ebenso untowanj event— ein ebenso niigelcgcncs Elcignis, wie vor fiiufnndvierzig Jahren die Zerstörung der türkischen Flotte durch dle NnsskN bei Sinope im Schivarzen Meer. Die Stimmimg ist für die KttegSmachcr und Hetzer um so bc- denklicher, weil das Kriegsfeucr, das Ende September ausbrach und zu dem bekannten Tumulte auf TrafalgerSgnare führte, ein t linst- l i ch e s war. Der„Arbilrator", daö Organ de«„Internationalen Schicdsgerichts-Bnndcs", stellt in seiner letzten Nummer die SensattouS-Titel auf den Reklamepkakaten der Hetzblätter zusammen. Man lese nur: Sechster Oktober.„Evcning RcwS": Bocre n-Brutal i t ä t. Frauen und Kinder beschimpft. Siebenter Oktober..Morning« Adveriiser": Boeren- Schurkerei(vlacle�uariZiLio). „Daily Telegraph": Boeren-Brutalität. Abfahrt von Truppe». Scenen in Sonthampton. „Standard": Mißhandlung von Flüchtigen. Abfahrt von Truppen. Enthnsiaftische Scenen. „Evening NelvS": Entsetzliche Boeren- G r e n ek; schmähliche Einzelheiten(«vamekul details). „St. James Gazette": Boeren-Brutalitäten. A ch t e r O k t o b e r.„New? of the World": Banern-Brutalität gegen Frauen und Kinder. „People": Britten von vöeren gepeitscht. Neunter Oktober.„Daily Mail": Feindseligkeiteil in Sicht. Brutalitätgegeu Frauen. „Daily Telegraph': Voeren-Greuel. „Morning Post": Di« Reserven einbernfeit. 50 000 Mann nach Afrika beordert. TranSvaal-Flüchlinge. Furchtbare Leiden. „Daily RewS": B o ere n- Bru t a li täte n. Tiefste E» t r ü st u n g. „Snu": Engländer von BoerenzuTodege- treten. „St. James Gazette": Boeren-Brutalität. Männer zu Tode gepeitscht uird getreten. Frauen a» g e s p i e n. Am 10. Oktober war der Krieg entbrmmt. Mit welchem diabolischen Raffinement hat aber die Preffe per Kriegsmacher und Hetzer die Brandfackel zubereitet und unter friedliche Menschen ge- ivorfen! Und alle Zeitungen, die bei dieser Schandarbeit mitgeholfen haben, stehen im Dienste der Südafrikanischen Gesellschaft und anderer Eompogmen. die in dem Gold und den Diamanten von Transvaal spekulieren. Man nniß die Engländer kennen und wissen, tvie der Vorwurf. daß jeniand Frauen und Kinder mißhandelt hat. gewirkt hat, um das ganze Raffiiiemmt dieser emvörendeii ScuicitionZlngen zu begreifen, die vou den Chamberlaiiischen Kriegs- und Aktienspenilanten m Umlauf gesetzt wrwven. Man muß sich erimiern, wie im Jahre 1850 der vste boote r Hayna»,„die Hyäne von Breöeia". d« al« östreichifcher Kelbn, arschall Italienerinnen hatte auspeitsche» lasse,,, sti Hondon von den vraiitnechtei» der Firma Barclay u. Perkiu« halb tot gelyncht wurde. Und da lieft im» das Volk an allen Straßenecken, wi« die .brutalen Schurken" von Boeren Frauen und Kind», mißhandeln, sieben Kilometer einen Schein mit dem ge die im Südosten auf dem I s i m beschimpfen und sonstige Greuel verüben! Ist eS zum Verwundern. dast bei vielen Recht und Unrecht sich vertauschte und die An- gegriffenen als Angreifer erschienen? Inzwischen haben die Engländer erfahren. dast die englischen Verwundeten. Kranken und Gefangenen von den Boeren aufs humanste gepflegt und behandelt werden. Und auch alle Berichte über Insulten gegen die flüchtigen„Cwitlanders" haben sich als Verleumdungen erwiesen, obgleich viele der„Ouitlanders" durch ihr schuftiges Hetzen zum Krieg den Haß der Boeren wahr- haftig verdient haben. • m Die Wahrheit von Ladysmith? In Londoner Offizierskreisen sieht man die Situation der englischen Truppen in Natal als völlig verzweifelt an und die offiziellen, von der Censur gefärbten Depeschen finden dort nur Achselzucken. Eine Korrespondenz schildert die Meinung dieser fach männischen Kreise über die Vorgänge in Ladysmith seit Anfang voriger Woche also: „Es ist eine alte Geschichte, die von Glencoe-Dundee nämlich nur mit einem kleinen Unterschiedi Was General Aule bei Nacht und Nebel gelang, glückte General White nur zur Hälfte. Er hatte Befehl, sich um jeden Preis nach Süden durch zuschlagen und Pietermaritzburg wenigstens so lange zu halten, bis die in dieser Woche erivartete» ersten 5000 Mann Hilfstrnppen in Durban gelandet seien. General White folgte seinen Instruktionen und versuchte den Durchbruch.— Bei B e st e r s Farm. im Wcst-Nord-West der Stadt den Feind durch angriff beschäftigend, warf sich White plötzlich samten Hauptcorps seiner Truppen auf stehenden kleineren Corps der Transvaal- Boeren....._____ h ulwang und versuchte zwischen diesem und d cm Klip flusse den Durchbruch. General I o u b e r t ließ sich durch die Scheinattacke auf der Besterstratze ebenso wenig täuschen. wie durch eine gleich zeitige Decknngskanonade im Westen; er that aber, als merke er des Gegners Absicht nicht und antwortete am ersten, nachmittags, und am Morgen des zweiten sNovember nur mit einem intermittierenden Artilleriefeucr. Getreu dem vom„Standard" verratenen Brialmontschen Plane, den Feind in einzelne Corps zu zer- sprengen, einzuschließen, wieder los zu lassen und so allmählich an die Meeresküste zu drängen, lieh der Obcrgeneral der Boeren den englischen General mit seinen Haupttruppen aus Ladysmith heraus, um dann plötzlich daö Ccntrnin der in voller Bc- wegung nach Süden befindlichen englischen Kolonne vom Jfimbnl- wana herab unter ein vernichtendes Artilleriefeucr zu nehmen und über den Klipfluß hinüberzuwerfen. Gleichzeitig fielen vom Flagstonespruit her die dort stehenden Kommandos der Oranje Boeren den Engländern in die Flanke, das Centrum wurde vollends gesprengt, und so war die Marschkolonne Whitcö cndgiltig durchschnitten. Vergebens versuchte sich der englische General durch einen verzweifelten Kavallerieangriff Luft zu schaffen und die Ver> bindung seines zerschnittenen Corps tviederbcrzustellcn. Der Dewdrop-Ritt Oberst Brocklehursts war umsonst. Es war kein Todesritt von Balaklava oder Ncichshosen, denn die Boeren zogen sich, ihrem Plane gemäß, rasch hinter den Dewdrop- spruit zurück und schnitten die ihnen folgende englische Kavallerie gleichfalls von ihrem Hauptcorps ab; sie rettete sich nur dadurch, daß sie sich rechtzeitig in die Stadt zurückwarf. Die Artillerie Jouberts verhinderte jede Wiedervereinigung der getrennten Truppenteile, die sie vielmehr durch ein vernichtendes Feuer, den «inen gen Süden auf Colcnso hinabtrieb, während der andere, mit General White selbst, nach Ladysmith hinein zurückgeworfen wurde. London, 10. November. Das Kriegsministcrium veröffentlicht folgende Depesche des Generals Buller aus Kapstadt von heute: Nach einer vom 3. d. M. datierten Meldung aus Bulawavo ist am 2. November eine zu den Truppen des Obersten Plumer ge- hörige kleine Wagenkolonne nebst Begleitmannschaften von den Boeren angegriffen worden. Sechs Mann werden vermißt. Die Wagenkolonne ist verloren gegangen. Fortsetzung des Bombardements. _ Die_ Nachrichten, welche das Preßamt passieren läßt, stellen freilich die Situation der Engländer in Ladysmith»och immer als eine leidliche dar. So besagt eine Depesche des Generals Bull er aus Kapstadt von Donnerstagabend: Eine Taubcnpostmcldung von General White berichtet, daß die Befchicsjniig von Ladysmith mit weittragenden Geschützen fortgesetzt werde. Täglich seien einige Verluste zu verzeichnen, doch werde kein ernstlicher Schaden angerichtet. Die Verschanzungcn der Engländer werden täglich stärker und der Lebensmittelvorrat sei reichlich. Das Datum der Taubenpost giebt Buller nicht an. Verstärkungen. London, 10. November. Die hiesigen Zeitungen melden, daß ln Woolwich und Davenport Befehle zur sofortigen Mobiii- ssiernng ejines Belagerungsgeschütz-Parks ein- gelaufen sind. Der Dampfer«Roslin Castle" ist in C a p st a d t mit zwei Bataillonen Infanterie und einer Abteilung Offiziere eingetroffen. Socialo Nechkspflvge. Arbeitsnachweis und Vertragsabschluß. Der Töpfermeister Albrecht verlangte von einem Arbeitsnachweis einen Arbeitsburschen, dem er einen Wochenlohn von 10 M. geben wollte. Der Arbeits« vermittler fand den Lohn zu gering, worauf Albrecht zu ihm sagte: »Sehen Sie mal zu, wenn der Mensch tüchtig ist. gebe ich schließlich auch 12 M. für die Woche." Der Vermittler schickte ihm daraus den Arbeitsburschen K.. dem er schlechtweg 12 M. in Aus- ficht gestellt hatte. Llbrecht stellte den jungen Mann ein, ohne mit ihm über den Lohn zu reden. Am ersten Löhnnngs- tage zahlte er ihm zedoch nur 10 M. K. berief sich darauf, daß ihm der Vermittler 12 M. zugesagt habe und verlangte die Differenz von 2 M. abzüglich der Versicherungs- beitrüge, die der Unternehmer zu zahlen hat. Herr Albrecht meinte indessen, daß die Leistungen des Arbeitsburschen mit 10 M. an- gemessen belohnt seien, worauf K.„Buch und Karte" verlangte und erklärte, für einen solchen Lohn könne er nicht arbeiten. Er verklagte dann den Meister beim Gewerbegericht. Außer dem Lohnrest von 1,4g M. beanspruchte er noch eine vierzehntägige Lohnentschädigung. Der Beklagte bestritt jede Zahlungsverpflichtung. Er wurde indessen ver- urteilt, dem Kläger 1,49 M. zu zahlen. Mit seiner Mehrforderung wies die Kammer III den Kläger ab. Zur Begründung führte der Vorsitzende Dr. S ch a l h o r n auS: Der Kläger habe einen Wochen- 'lohn von 12 M. erwarten dürfen, da ihm auf dem Arbeitsnachweis «in solcher Lohn zugesagt worden sei und derBeklagte nicht Gelegenheit genommen habe, K. persönlich zu erklären, daß er nur bei be- sonders guten Leistungen 12 Mark erhalten solle. Infolge dieser Unterlassung sei die Zusage deS Arbeitsvermittlers Bindend. Somit habe sich der Beklagte geweigert, den Lohn in auSbedunoener Höhe zu zahlen. Das berechtige nun zwar den Kläger, sofort die Arbeit niederzulegen und den Fehlbetrag nach« , zufordern; es begründe aber nicht noch außerdem einen EntschädigungS- anspruch. Wer die Arbeit selber niederlege, könne eine Entschädigung für die vertragsmäßige Zeit sKündigungsfrist zc.) höchstens dann verlangen, wenn ihm die Weitcrarbeit durch Ehrenlränkungen oder auf eine ähnliche Weise geradezu unmöglich gemacht worden sei. k Polizei und Arbeiterschutz. In einem Prozeß gegen Carl. der die Kammer III des Gewerbegerichts beschäftigte, kam auch in Frage, ob eS für die Kläger lebensgefährlich gewesen sei, auf einem bestimmten Leitergerüst zu arbeiten. Es handelte sich um einen Bau in Weißensee. Ein Zeuge bestätigte den Klägern, daß die sogenannte obere Brustwehr vollständig gefehlt habe. Die Kläger �behaupteten ferner, die untere Wehr sei so niedrig gewesen, daß sie sie mit demHacken berührt hätten. Beim Zurückbeugen desOberkörpers, daS die Arbeit zeitweilig erfordere, hätten sie unfehlbar rücklings vom Gerüst herunterfallen müssen. Sie seien deshalb im A m t s- bureau zu Weißensee wegen einer Kontrollierung des Gerüstes vorstellig geworden.— Der Bericht des Amtsdieners, welcher nach dem Bau geschickt worden war, lag dem Gerichtshofe vor. Dieser berufene Controleur erklärte, er selber habe Unregelmäßig- leiten nicht entdecken können, zur Ermittelung solcher wäre ein Sachverständiger notwendig. Soweit seine Ermittelungen reichten, beruhten die Angaben der Kläger auf Gehässigkeiten. Die Kläger bestritten das ganz entschieden und gaben an, daß der Beamte sich lediglich auf Auskünfte der direkt Beteiligten stütze. Sie seien bereit, ihre Behauptungen, die zum Teil ja schon von einem Zeugen bestätigt worden seien, zu beeiden.— Der Gerichtshof hielt einige andere Streitpunkte für noch nicht genügend aufgellärt und beschloß deshalb eine weitere Beweiserhebung. Gevichks �Jeikung. Abermals ehrenhafte Arbeiter wegen Erpressimg ver- urteilt! Wegen versuchter Erpressung standen gestern die Maurer Friedrich Lichtenberg. Friedrich Ebel und Her- mann Bastian vor der II. Strafkammer am Landgericht II. Die Angeklagten arbeiteten in der Zeit vom 4. April bis 8. Mai auf dem Neubau Motzstraße 72. Dort arbeitete auch der Maurer N o ßsm a n n, der bedauerlicherweise alle wohl wollenden Ermahnungen seiner Kollegen, der Organisations- Pflicht nachzukommen außer acht ließ, bis Lichtenberg und Bastian ihm sagten:„Wenn Du Deine Papiere nicht mitbringst, sperren wir den Bau I Mit Deinem dicken Schädel kommst Du nicht durch, mit jeden: Schuster arbeiten wir nicht zusammen!" Rotzmann erklärte trotzdem, er habe mit solchen Sachen nichts zu thnn. Am 23. Mai gingen nun die drei Angeklagten zum Bauleiter und erklärten, sie würden den Bau sperren, wenn Roßmann, der seine Papiere nicht in Ordnung habe, nock, weiter beschäftigt werde. Roßmann wurde entlassen. Die Verteidiger, die Rechts- anwälte Katz und Herzfeld, wiesen juridisch nach, daß eine ver- suchte Erpressung gar nicht vorliegen könne, denn die Angeklagten hätten weder sich selbst noch einein Dritten einen unberechtigten Vermögens- vorteil verschaffen wolle», sie hatten nur die Absicht, den Roßmann eines Vorteils teilhaftig zu machen, nämlich der eventuellen Unter- stütznng. Der Gerichtshof erkannte aber entsprechend früheren Ent- fchcidungcn auf je einen Monat Gefängnis. ES braucht wohl kaum erwähnt zu werden, daß die Ver- urteilten durch einen solchen Spruch in der Achtung ihrer klaffen- bewußten Kollegen nicht das geringste eingebüßt haben. In dem seltsamen BelcidignitgSprozcst gegen unseren Partei- genossen Georg Wollinann aus Berlin hat das Landgericht zu Schneidemühl am Freitag auf Freisprechung erkannt. Wollmauii ivar, wie ivir vorgestern meldeten, angeklagt worden, in einer Volksvers ammlun g den Bürgermeister v. K ol m a r be- lcidigt und außerdem zum Widerstand gegen Anordnungen der �taatSgcivalt aufgefordert zu haben. Diese Gesetzwidrigkeiten sollte» erfolgt sein, als der Bürgermeister im Widerspruch mit dem Gesetz die Entfernung der Frauen und Lehrlinge auS der Versammlung ver- laugte und die Auflösung der Versammlung aussprach, als dies un- berechtigte Verlangen nicht erfüllt wurde. Daß selbst der Ncdactenr einer Sportzeitung nicht vor Prcffprozeffen sicher ist, beweist folgender Fall: In dem Städtchen Hattingen a. d. Ruhr erließ der dortige Bürgenncister Eigen am 2. Juli d. I. eine Verfügung', wonach das Radfahren in fast allen Straßen der Stadt bei einer Geldstrafe von S M. verboten wurde. Darauf erschien am 2. August d. I. in der„Radwelt" ein Artikel mit der Uebcrschrift„Eine große Tha t". Es wurde darin die Verfügung des Hattinger Bürgermeisters in einer Weise kritisiert, daß derselbe Veranlassung nahm, gegen den Redactenr der„Nadwelt", Friedrich Merck, Strafantrag wegen Beleidigung zu stellen. Er fand es besonders kränkend, daß seine Verfügung als eine Handlung hingestellt wurde, die auf„unerhörte Ucbcrhcbung und mangelhaftes Urteils- vermögen" zurückzuführen sei. Auch ivurde auf den früheren Stand des Bürgermeisters, der Hauptmann gewesen war, angespielt. Im gestrigen Termine vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I beantragte der Staatsanwalt gegen den Angeklagten eine Geldstrafe von 200 M. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Davidsohm nahm ür den Angeklagten den Schutz des Z 103 des Strafgesetzbuchs im vollsten Umfange in Anspruch. Die Verfiigung des Bürgermeisters passe so wenig in den Rahmen der jetzigen Zeit, daß eine scharfe Kritik berechtigt sei. Der kommissarisch vernommene Bürgermeister hatte seine Verfügung damit begründet, daß Hattingen viele schmale und bergige Straßen habe und namentlich an Sonn- tagen von Radfahrern förmlich überschwemmt werde. Dieselben ge- ährdcteu den Verkehr in den Straßen in der rücksichtslosesten Weise. — Der Gerichtshof verkannte nicht, daß der Angeklagte in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe, wegen der beleidigenden Form des Artikels sei er aber zu verurteilen. Die Strafe sei auf ö0 M. bemessen worden. Ter Spielcrprozcst gegen den Agenten Franz Eichler und den Inspektor Wilhelm Hans v. P a n n e w i y stand gestern wiederum zur Verhandlung vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I an. Den Vorsitz führte Landgerichtsrat D i e tz. die Anklage vertrat Staatsanwalt R o m e n, die Verteidigung führten die Rechtsanwälte Dr. Gotthelf und Jaroscynski. Eichlcr wird des gewerbsmäßigen Glücksspiels und auch das Falschspiels beschuldigt. Er soll seit längerer Zeit die Rennplätze des In- und Auslandes besucht und im Anschluß daran mit Herren„der Gesell- 'chaft" in Hotels Glücksspiele wie„Meine Tante, deine Tante", Baccarat, Roulette und dergleichen betrieben, gewöhnlich die Rolle des Bankhalters übernommen und recht viel Geld gewonnen haben. Einige Male soll in der Wohnung zes Angeklagten v. Pannewitz gespielt worden sein, und dieser steht deshalb unter der Anklage der Beihilfe. In der Sache stand schon einmal Termin zur Hauptverhandlung an, der aber vertagt werden mutzte, weil Rechlsanivalt Dr. Gotthelf die Zulassung des Kriminalkommissars v. Manteuffel beanstandete, da dieser in derselben Sache als Polizeibeamter thätig war. Zum heutigen Termin waren etwa 40 Zeugen geladen, darunter auch olche aus Karlsruhe. Hannover. Dresden zc. Als Sachverständige waren diesmal der Sachverständige auS dem„Harmlosen"-Prozeß. Prestidigidateur Herrmann, der Hofkünstler R ö S n e r und der Direktor der Stralsunder Spielkarten-Fabrik Häuser zur Stelle. Eine große Anzahl von Zeugen, und zwar einige der wichtigsten. war nicht erschienen und hatte sich teils durch Krankheits« atteste, teils überhaupt nicht entschuldigt. Darunter befanden sich reiherr v. Schneider in Karlsruhe, ein Dr. Meyer, riseur Schnella, Herrenreiter Oelschläger.— Staatsanwalt R o m e n sprach seine Verwunderung darüber aus, daß die Zeugen von der jedem Staatsbürger obliegenden Verpflichtung, vor Gericht zu erscheinen und Zeugnis abzulegen, eine merkwürdige Vorstellung zu haben scheinen. Auch hier zeige sich die in allen Spielerprozessen sich wiederholende Erscheinung, daß sich die Zeugen von der Ablegung eines Zeugnisses„drücken" wollten. Der Staatsanwalt beantragte und der Gerichtshof beschloß, die Sache zu vertagen, die ohne Entschuldiaung ausgebliebenen e uff eninje100MarkGeld strafe zu nehmen, ihnen die o st e n des vereitelten Termins aufzuerlegen und sie zum nächsten Termin zwangsweise vorführen zu lassen. Die zu gestern vorgeladenen Zeugen und Sachverständigen sollen sämtlich zum nächsten Termin wieder vorgeladen werden. Wege» Errichtung einer behördlich nicht genehmigten Versicherungs- Anstalt war der Buchdruckereidesitzer und Zeitungsverleger H e n s e l angeklagt worden. Er hatte nämlich die Abonnenten deS Wochenblattes für GotteSberg bei einer Gesellschaft in Zürich gegen Unfälle mit töd- lichem Ausgange versichert. Schöffengericht und Landgericht sprachen den Angeklagten jedoch frei. Die Slrafkammer führte auS: Die Errichtung einer Versicherungsanstalt durch den Angeklagten sei nicht anzunehmen. Der Abonnementspreis der Zciimig sei nicht erhöht worden und nach den Versicherungs- Bedingungen sollten die Hinterbliebenen der Versicherten im gegebenen Falle direkt der Vecsicherungsgesell- schaft in Zürich und nicht Hensel gegenüber berechtigt sein. Es liege somit nur ein Vertrag zu Gunsten Dritter vor. Die hiergegen eingelegte Revision der Staatsanwaltschaft wurde vom Kammergericht zurückgewiesen. Wenn Hensel die Abonnenten seiner Zeitung bei der Züricher Gesellschaft ohne Erhöhung des Abonnementspreises der Zeirungversicherte, dann habe er damit noch keine Versicherungsanstalt errichtet. Entscheidend sei, daß nicht er sondern die Gesellschaft in Zürich das Risiko der Versicherung übernommen habe. Zfctzkv Mschvichken und Depefchene Aus dem östreichischcn Parlamente. Wien, 10. November.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus. Der Minister des Innern v. K ö r b e r giebt in seiner Rede nach Wieder- aufnähme der Sitzung eine Darstellung der Vorfälle, welche die von dem Abg. Zazek angeführten Beweise widerlegen. Thatsache sei, daß trotz aller Abmachungen die Staatsorgane geivaltthätigen An- griffeen ausgesetzt waren und das nach Anwendung der schärfsten Mittel Beschädigungen an fremdem Gute vorgekommen seien. Ter Minister bestreitet in entschiedenster Weise, daß seitens des Militärs in Prerau Schniährnfe ausgestoßen seien, ebensowenig könne von einem Dreinhauen oder einer förmlichen Attaque gesprochen werden. Bezüglich der Vorwürfe gegen die Gendarmerie stellt der Minister fest, die Gendarmen seien stundenlang den heftigsten Angriffen der erregten Menge ausgesetzt gewesen. Die Gendarmerie habe, obwohl an ihrem Leben bedroht, trotzdem die Ruhe und Besonnenheit bewahrt und von der Waffe erst im Zustande gerechter Nottvehr Gebrauch gemacht: den Gesetzen müßte Achtung ver- schafft werden, wenn überhaupl staatliche Ordnung bestehen und die Ruhe erhalten werden solle. Die Regierung werde Sorge tragen, daß die Schuldigen der Strafe nicht entgehen. Der Minister schließt, es sei tief beklagenswert, dast zu den bestehende» nationale» und politischen Gegensätzen noch andere träten, welche Leiden- schaftcn entfesseln, die nur mit den schärfsten flicpressiv- maßregeln gebannt werden können. Solchen Ausschreitungen, ivelche schärfstens zu verurteilen seien, werde die Regierung ent- schieden entgegentreten. Sie sei dazu verpflichtet als Hüterin der öffentlichen Ordnung. lZustimmung links.) Die Regierung bc- dauere die Vorfälle schmerzlich und werde alle Vorkehrungen treffen. um eine Wiederholung zu verhüten.(Lebhafter Bei- fall links. Abzngsrnfe bei den Czecheu.) Nach dem Minister führt Abgeordneter d' Elvert aus. seine Partei stimme dem An- trage auf Einsetzung einer Untersuchimgskonimijsion zu. Bezüglich der Frage des Polnner Mordes wünscht Redner, daß diese That tlar gestellt iverde, damit man sehe, daß der Ritualmord ein Märchen sei.(Beifall links.) Der Antisemit Schneider hebt hervor, die Ansschreilungen hätten einen antisemitischen Charakter gehabt und greift in heftigster Weise die Juden an. Er bespricht den Polnaer Fall, wobei er das Vorgehen der östreichischen Justizbehörden schärfstens kritisiert. Er schließt seine Rede mit den Worten:„Die Deutschen und Czecheu mögen sich gegen die Juden verbinden!" Die Verhandlung wird sodann abgebrochen. Die nächste Sitzung findet am Dienstag statt._ Komplottprozcff in PnriS. Paris, 10. November.(SB. T. 33.) Staatsgerichtshof.(Fortsetzung.) Nach Wiederaufnahme der Sitzung entwickelt der Advokat Devin seine Schlußfolgerungen und beantragt, der Senat möge sich für unzuständig erklären, da die Anklage wegen Angriffs auf die Sicherheit des Staates ausgeschieden sei und es sich nur noch uin Komplott handle. Pariö, 10. November,(W. T. T.) Drr Advokat Devin ver- liest eine große Anzahl Schriftstücke, um den Unterschied zwischen „Komplott" und„Attentat" festzustellen und giebt einen historischen Ucberblick über die von dem Staatsgerichtshof seit 1820 abgeurteilten Anklagen. Redner schließt mit den Worten, der Staatsgerichtshof werde, wenn er sich für unzuständig erkläre, der Gerechtigkeit Achtung bezeigen. Darauf wird die Sitzung aufgehoben. Nächste Sitzung morgen. Paris, 10. November.(W. T. B.) Beim Verlassen des Palais Luxenibourg veranstalteten einige Zeugen, welche erst auf erneute Vor- ladung wieder zu erscheinen haben, verschiedene Kundgebungen. Mehrere bereiteten Rochcfort eine Ovation und sangen die Marseillaise. Die Polizei zerstreute schließlich die Menge. Niüiichcn, 10. November.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die socialislische Fraktion brachte heute in der Kammer einen Antrag ein, durch den die Regierung aufgefordert wird, im Bundesrat dahin zu wirken, daß die außerordentlichen Geivalten des Statthalters der Rcichslande aufgehoben werden mögen und Elsaß- Lothringen in Bezug auf Gesetzgebung und Verwaltung volle Rechtsgleichheit mit den übrigen Bundesstaaten erhalte. Frankfurt a. M., 10. November.(B. H.) Die„Franks. Ztg." berichtet aus Bern: Der Bundesrat hat das Gesuch der türkischen Regierung um Errichtung einer türkischen Gesandtschaft in Bern be- willigt. Wien, 10. November.(B. H.) Ministerpräsident Graf Clary und der östreichische Fiuanzminiiter hatten heute vormittag eine Konferenz mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Szcll und dem ungarischen Finanzminister Lucacs ivegen der Quoten- Bestimmung. In Anbetracht dessen, daß der gestrige Be- schluß der Staatsschulden- Kontrollkommission, betreffend die Herausgabe des Geldes zu Valutazwecken, ernste Konflikte zur Folge haben könnte, wird, wie man glaubt, das Finanzministerinm die StaatSschulden-Kontrollkommission heute noch ersuchen, ihren Beschluß zu sistieren.Z Wien, 10. November.(W. T. B.) Die Subkomitces beider Quotendeputationen hielten heute nachmittag eine gemeinsame ge- meinsame Sitzung ab. Da die Erörterung betreffend die Bc« rechnungsmethode des Quotenbeitrages keine Einigung ergab, wurde beschlossen, es solle der Versuch gemacht iverden, durch Vorschlag einer bestimmten Quotenziffer von beiden Seiten eine Verständigung herbeizuführen. Zu diesem Zwecke werden beide Quotcndeputationen morgen vornnttag in gesonderten Plenarsitzungen beraten, worauf nachmittags abermals eine gemeinsame Sitzung beider SubkomitccS stattfindet. London, 10. November. Dem„Reuterschen Bureau" wird auS Auckland von gestern gemeldet: Nachrichten aus Rpia vom 31. v. M. zufolge war die Lage auf Samoa zu jener Zeit befriedigend; die Eingeborenen erwarteten das Ergebnis des Berichts der Kommissare ruhigeren Geistes, als sie vorher gezeigt hatten. Konstantinopcl, 10. November.« Aufenthalt von Menschen dienen. Die städtische Verwaltung mutet ihren Angestellten zu, jahrelang mit Kind und Kegel in Räumen zu Hausen, die teillveise nicht im ent« , Solttladeud, 11. Bmmbtt WS. ferntesten den Anforderungen genügen, welche die Polizei an öffent- liche Wirtschaftslokalitäten stellt. Auch hier mutz unbedingt Wandel geschaffen iverden; und für die städtischen Schuldi'ener darf nicht jeder Kellerwinkel gut genug als Wohnung sein, den man für andere Zwecke vielleicht auS irgend' welchen Gründen nicht verwenden kann. Selbst in den Gefängnissen legt man die Zellen, welche Strafgefangenen zum dauernden Aufenthalt dienen, über der Erde an; dieselbe Rücksichtnahme dürfte auch von der Stadt ihren Angestellten, gleichviel welcher Art, gegenüber ver- langt werden dürfen. Die heutige Weltordnung am Pranger. In der„Hilfe" be- richtet ein Berliner Lehrer:„Wieder einmal waren mir von einer fremden Schule„wegen Ueberfüllung" einige Schüler überwiesen worden. Nachdem die Knaben ihre Plätze eingenommen und meine Fragen nach Lebens- und Klassenalter beantwortet hatten, nahm ich die unterbrochene Lehrstnnde wieder auf. Nicht lange dauerte es, so sah ich die Augenlider des einen Neulings' zufallen. Ich weckte ihn,— da ich in dieser Sache Erfahrung habe, ohne ihm ein böses Wort zu sagen. Trotzdem traten ihm Thränen in die Augen, als er sich beschämt vom Platze erhob. Es entspann sich folgendes Zwiegespräch:„Wann bist Du heute früh auf- gestanden?"„Um V24 Uhr."„Mußt Du jeden Morgen um diese Zeit aufstehen?"„Ja."„Was hast Du denn morgens zu thun?" „Ich muß Frühstück austragen."„Wie lange dauert das Aus- tragen?" 2— 2'/2 Stunden."„Kannst Du nachmittags ausschlafen?" „Nein."„Wanun nicht?"„Ich muß dann für ein(kleines) Kohlengeschäft auf einem Handwagen Kohlen vom ...... Bahnhof holen."„Jeden Tag?"„Ja." Wie lange dauert das?"„Von 2 bis 7." Was thust Du nach 7 Uhr?"„Dann esse ich Abendbrot und mache Schul- arbeiten."— Den jugendlichen Industrie- Arbeiter von 14—16 Jahren schützt das Gesetz, indem es verbietet, ihn länger als 6 Stunden täglich zu beschäftigen. Unser Knabe i st kaum 12 Jahre alt. Was hat er am Tage zu thun? 2 Stunden Frühstück austragen, 5 Stunden Schulunterricht, 5 Stunden Kohlen- schleppen, 1 Stunde Schulaufgaben— 13 Stunden. Seine Nachtruhe dauert wohl selten 7 Stunden.— Armer Junge I Wenn die meisten Kinder und Erwachsenen noch schlafen, mußt du schon treppauf, treppab, von Hans zu Haus laufen, oft in Sturni und Regen l Wenn andere Kinder in der Schule frisch ihre Kräfte für die Aufgaben des Lebens üben, sinkst du müde in dich zusammen und zuckst enipor, sobald dein Name an dein Ohr schlägt. Die Freuden der K i n d h e i t k e n n st d u n i ch t. Du bist im Joche geboren und wirst darin bleiben, denn dein Körper wie d e i n G e i st ver- k ü m m e r n. Nur ohnmächtigen Groll kannst du im Herzen fassen gegen eine Gcscllschaftsordnnng, in der dein Schicksal— nicht mir bei dir, sondern bei Tausenden— möglich ist." Wohin käme es mit der menschlichen Kultur, tvenn eine Welt- ordnung, die derartiger Verbrechen zu ihrer Erhallung bedarf. nicht zugleich in der S o c i a l d e m o k r a t i e eine Macht erzeugt hätte, die solcher Ordnung den T o d e s st o ß zu versetzen den historischen Beruf hat. Tic nrnc Eiscnbahu-VcrkehrSordnung vom 26. Oktober d. I., die am 1. Januar 1900 an die Stelle der Vcrkehrsordnung vom 15. November 1892 iritt, weist verschiedene Abweichungen von den bisherigen Bcstimmnngen auf, von denen wir nachstehend einzelne hervorheben. Für die Zurücknahme und den Umtausch gelöster Fahr- karten gilt z. Z. als Voraussetzung, daß die Fahrkarte noch nicht ent- wertet ist. Mit Rücksicht darauf, daß durchweg die Karte schon beim Betreten des Bahnsteiges durchlocht wird, ist die Bestimmung dahin erweitert,„daß die Karte nocb nicht dnrchlocht ist oder nachweislich nur zum Betreten des Bahnsteiges benutzt wurde". Von der Vorschrift, daß Fahrtunterbrechungen sofort»ach dem Verlassen des Zuges bescheinigt werden müssen, können künftig Ausnahmen in den Tarifen zugelassen werden. Dadurch ist die Möglichkeit geboten, von der all- gemein als lästig enchfundenen Maßregel abzufehen. Die außer- ordentliche Zunahme des Fahrradverkchrs hat die Bestimmung not- wendig gemacht, daß„für die Abfertigung von Fahrrädern durch die Tarife besondere Vorschriften gegeben werden können." Die Haftung für Reisegepäck hat durch die neue Bestimmung, daß der Ersatz für den Verlust, die Minderung oder die Beschädigung mit Rücksicht auf besondere Betriebsvcrhältnisse mit Genehmigung der Landesaufsichts- Behörde unter Zustimmung des Reichs-Eisenbahnamts im Tarif auf einen Höchstbetrag begrenzt werden kann, eine Einschränkung er- fahren. Ein Nornial-ArbcitStag von 20 Stunden. Die Ausnutzung der Verkäuferinnen wird nach alter Erfahrung in kleinen und mittleren Geschäften meistenteils viel gewissenloser betrieben als in größeren Unternehmungen. Als gesundheitsschädlich im höchsten Grade muß man aber die Ausbeutung bezeichnen, der die jungen Mädchcn in vielen Konditoreien ausgesetzt sind. Als drastisches Beispiel mögen die Mitteilungen über Arbeitszeit und Gehälter in einer in der Gegend des Rosenthaler Thorcs belegenen Konditorei dienen. Dort beginnt die Arbeit morgens 6V2 Uhr. Ohne wesentliche Unterbrechung müssen die Ladenmädchen in täglich wechfclnder Arbeitsschicht bis abends 10 Uhr und nachts 2�2 Uhr ständig auf dem Posten fein, und das unausgesetzt Sonntags und Wochentags. Nur alle 14 Tage wird den Unglücklichen der Donners- tagnachmittag zum Ausgehen freigegeben. Diese unmenschliche Be- Handlung nmß von den Lehrinädchen unter folgenden Bedingungen er- tragen werden: Im ersten Monat giebt es nur freie Station, aber nicht einen Pfennig Gehalt. Im zweiten und dritten Monat beträgt die Entlohnung 8 M. und bleibt dann vom vierten Monat an, vorausgesetzt, daß die Mädchen es so lange ohne Erkrankung aus- gehalten haben, auf 15 M. stehen. Daß eine solche Ausnutzung der weiblichen Arbeitskraft möglich ist, zeigt, wie trostlos es im Staate der Socialreform mit dem Gesundheitsschutz bestellt ist. Die Denkmäler Lutherö und Schillers sind gestern am Geburtstage beider Männer reich mit Blumen und Kränzen ge« schmückt worden. AuS dem Reiche deS Herrn v. Podbielöki. Eine trotz allem unerhörte Mitteilung bringt ein hiesiges Lokalblatt: Die Flucht deS Geldbriefträgers Schwarz, dessen Verbleib nach tvie vor in völliges Dunkel gehüllt ist, hat für seine Berliner Kollegen eine wenig erfreuliche Dienständerung zur Folge gehabt. Ein großer Teil der Gcldbriefträger ist bereits Sonnabcndmittag mit seinem Bestelldienst fertig und war bisher von'diesem Termin an bis Montag früh dienstfrei. Das ist jetzt anders geworden. Die oberste Postbehörde hat angeordnet, daß in Zukunft alle Geldbriefträger bis Sonnabendabend dienstlich zu beschäftigen sind, auch wenn sie ihren Bestelldienst schon mittags beendet haben. Diese Maßnahme wurde mitRück ficht darauf getroffen, daß Schwarz eine solche 1l/2tägige Dienstfreiheit zur Ausführung eines Fluchtplanes benutzen konnte. Es ist wohl zu erwarten, daß diese Verdächtigung baldigst dementiert wird. Zu dem Geldfunde auf dem alten Jerusalemer Kirchhof ist heute mitzuteilen, daß die Aussagen des etwa fünfzig Jahre alten Kirchhofsarbcitcrs B 0 l l m a n n nicht sehr vertrauen- erweckend erscheinen. Er gab u. a. an. die vier Geldrollcn ohne Arg beim Zusammcnharken von Laub in der Nähe des Sachsschcn Erbbegräbnisses mit dem alten Laub in einen Korb geworfen und dann achtlos mit dem Laub an einer anderen Stelle ausgeschüttet zu haben. Erst durch das Gespräch mit dem angeblichen Kriminal- beamten aufmerksam gemacht, habe er das ausgeschüttete Laub durch- sucht und die vier schweren Geldrollen zusammen fest in Papier eingewickelt gefunden. Erst in seiner Behausung will er dann ge- sehen haben, daß sich in dem Packet 4000 M. in Gold befanden, was ebenso unwahrscheinlich ist, wie andere Einzel« Helten seiner Aussage. DaS Auftreten des falschen Kriminal« beamten läszt auch den Schluß zu, daß er früher Beamter der Kriminalpolizei gewesen ist. Bei der„Haussuchung" in der Wohnung der Witwe L. in der Bcrgmannstr. IS ist er mit solcher Sicherheit aufgetreten und hat eine solche Sachkenntnis bekundet, daß der Gedanke, es mit einem Gauner zu thun zu haben, bei der Witwe und andern Personen gar nicht aufgekommen ist. Besonders kenntlich ist er, wie sckwn kurz mitgeteilt worden ist, und worauf wir nochmals verweisen wollen, an einem warzenartigen Pickel am unteren rechten Augenlid im äußeren Augenwinkel und an seinem struppigen roten Schnurrbart. Personen, die Wahrnehmungen zu dieser Sache der Kriminalpolizei machen können, werden gebeten, sich beim Kriminal- kommissar Lazar im Polizeipräsidium am Alexandcrplatz 2 Treppen zu melden. T>r der vorgestrigen Sitzung der Berliner medizinischen Gesellschaft hielt der bekannte hiesige Arzt Professor Lassar einen interessanten Bortrag über den heilsamen Einfluß, den das Licht, das Sonnenlicht, das elektische Licht und die vielgenannten Röntgenstrahlen auf eine Reihe oberflächlich gelegener Krankheits- Prozesse ausüben, zumal solche, welche durch das Eindringen und die Entwicklung pflanzlicher und thierischer Kleinlebewesen' hervor- gerufen werden, wie Lupus(Hauttnberkulose), Bartflechte, Grind u. a. Vielleicht ist cS zum teil die bakterientötende Wirkung des Lichts, die dabei eine Rolle spielt; beim Sonnen- und elektrischen Licht sind es vorzugsweise die chemisch wirk- samen Strahlen, die zur Einwirkung gelangen. Darauf beruht daS Verfahren von Professor Finscn in Kopenhagen, dem es ge- lungen ist, den Lupuö, diese furchtbar entstellende Flechte tuberkulölcr Natur, vollständig zu heilen. Professor Lassar zeigte in der Sitzung der medizinischen Gesellschaft einige Lichtbilder von Patienten, welche durch das Finsensche Verfahren von ihren schrecklichen Leiden befreit worden waren; er hat in Kopenhagen selbst erst kürzlich vierzig teils ganz geheilte, teils wesentlich gebesserte Kranke gesehen. Das Verfahren ist umständlich und kostspielig, dafür aber auch so sicher wirksam, daß die hervorragendsten Autoritäten es anerkennen, und die Behörden selbst die Bestrebungen Finsens protegieren. Aus alle» Gegenden Dänemarks strömen die Lupuskranken nach Kopenhagen, um sich der auSsichtSvollen Kur zu unterwerfen. Eine ähnliche Wirkung zeigen die Röntgenstrahlen. Professor Lassar hat in der Klinik zweier Wiener Aerzte überraschend günstige Resultate nach Belichtung der Körperoberfläche mit Röntgenstrahlen bei verschiedenen parasitären Hautkrankheiten gesehen und auch selbst schon einige recht bc- merkenswerte Erfolge erzielt, die zu weiteren Versuchen unbedingt ermutigen. Mit Oleum vergiftet hat sich gestern nachmittag im Tiergarten in der Nähe der Hohenzollcmstraße ein unbekanntes Mädchen von 20—22 Jahren, anscheinend ein Dienstniädchen. Die Lebensmüde, die von einem Schutzmann des 33. Reviers nach der Eharite gebracht wurde, hat blondes Haar und eine ziemlich kräftige Gestalt und trug ein dunkelbraunes, kariertes Kleid und eine Schürze, da- gegen kein Jacket und keine Kopfbedeckung. Bei der Arbeit gestört wurde in der Nacht zuin Freitag ein Einbrecher, der in den Cigarrenladen von F. Hiller in der Friedrich- straße 114 einzudringen versuchte. Der Spitzbube hatte die Haus- thür und die Hintere Geschäftsthür mit einem Nachschlüssel geöffnet und war eben dabei, eine zweite Thür, die unmittelbar in den Laden führt, mit einem Friseur-Brcnneisen zu erbrechen, als der Pförtner und Hausbewohner, die heimkehrten, auf ihn aufmerksam wurden. Als der Einbrecher merkte, daß man ihn gehört hatte, nahm er ReißauS und entkam unter Zurücklassung des sonderbaren Brecheisens. Eine Entgleisnng auf dem Bahnhof Gesnndbrnnnen verursachte gestern eine kurze Verkehrsstockung. Früh um 8 Uhr fuhren drei Lokomotiven aus dem Schuppen deS Bahnhofs Gesundbrunnen nach dem Stcttiner Bahnhof zu. um dort als Vorspann zu dienen. Sie fuhren hinter einander, und dicht darauf folgte eine Schnellzugs- Maschine. Am Bahnhof Gesundbrunnen gerieten die drei ersten Maschinen, da eine Weiche falsch gestellt war, auf ein totes Geleise, und die Schnellzugsmaschine, die riickivärts fuhr, rannte mit aller Geschwindigkeit gegen einen Prellbock. Der Tender bohrte sich tief in den Sand ein. wühlte das Erdreich ringsherum auf, und die Maschine selbst fuhr in den Tender hinein. Von den drei anderen Maschinen lief die zweite auf die erste auf und sprang aus dem Geleise, während die dritte noch zur rechten Zeit halten konnte. Verletzungen sind nicht vorgekommen. Die Strecke selbst ist frei, aber die nach Stettin vom Stettincr Bahnhof abgelassenen Züge gingen mit einigen Vcr- späwngen ab, da erst neue Maschinen zur Stelle geschafft werden mußten.- ' Straßensperrung. Der Straßenzug Friedrichsgracht zwischen Roßstraße und Pettistraße wird behufs Neubaus der Noßstraßen- Brücke bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Einer jener Unholde, die in den Coupäs der Stadt- und Ringbahn junge Mädchen durch unzüchtige Redensarten oder Hand- lungen belästigen, wurde gestern auf Veranlassung des Vaters des betreffenden Mädchens auf dem Potsdamer Bahnhof verhaftet und nach der Polizeiwache in der Königgrätzerstraße gebracht. Das Mädchen, die Tochter eines Geschäftsmannes in der Mauerstraßc, welche die Schule in Rixdorf besucht und dorthin die Ringbahn benutzt, wurde seit einigen Tagen auf daS gröblichste von' dem Betreffenden belästigt. Der Bursche gab sich für einen 24jähngcn Kaufniann aus. Auf der Stadtbahn schwer dernngliickt ist gestern nachmittag um 5 Uhr der BS Jahre alte Zimmermann Paul Müller aus der Griebenowstrage 12. Müller war auf der Strecke am Kupfergrabcn mit mehreren Arbeitern dabei, in Holzschwcllen, die auf der cisemen Brücke lagen, Schrauben einzuziehen. Als um S Uhr nachmittags zwei Züge aus entgegengesetzter Richtung über die Brücke kamen, stellte er sich auf das Warnungszcichen hin zwischen beiden Geleisen auf, um die Züge vorbeifahren zu lassen. In der Hast und Un- sicherhcit verfehlte er jedoch die Mitte, kam dem einen Zuge zu nahe, wurde umgestoßen und zog sich eine schwere Schädelvcrlctzimg und einen Bruch des rechten Oberannes zu. Seine Arbcitsgenoffcn brachten den Verunglückten nach der nächsten Unfallstatton und diese führte ihn der Charitö zu. Vermißt wird seit Dienstag, den 7. November, der neunjährige Schulknabe PaulLanbsch, Sohn des Arbeiters Hermann L a iibfch, Friedrichsberg, Frankfurter Chaussee IIS. Der Kuabe wurde von seiner Mutter in der Mittagszeit zum Bäcker geschickt und ist seit- dem verschwunden; Geld hätte er nur eine Mark bei sich. Recherchen bei der FriedrichSbcrger und Berliner Polizei haben bisher zu keinem Resultate geführt. Der Knabe ist seinem Alter entsprechend groß, hat hellblondes Haar und war ohne Kopfbedeckung, als er von Hause wegging. Die Eltern bitten, ihn bei Ermittlung in Obhut zu nehmen und ihnen Mitteilung zu machen. Ei» gefährlicher Fabrikbrand, der nur durch rechtzeittges Eingreifen oer Feuerwehr auf seinen Herd beschränkt werden konnte, kam Freitagabend kurz nach 8 Uhr, Wilhelmstr. 124 zum Ausbruch. Das große Quergebäude ist durchweg mit Fabrikbctriehen besetzt und zlvar wird die erste Etage von der Holzbearbeitungsfabrik von R. Göhlich zu Comptoir- und Fabrikräumen benutzt. Zur an- gegebenen Zeit befand sich noch ein Angestellter im Comptoir, das von dem Maschinen- bezw. Arbcitssaale nur durch eine Bretter- wand getrennt ist, als er ein verdächtiges Knistern verspätte. Beim Oeffnen der Thür schlugen ihm bereits die hellen Flammen aus dem Maschinensaale entgegen, so baß er schleunigst flüchten mußte. Ms die Feuerwehr in zwei Zügen heranrückte, war der Treppenaufgang bereits so verqualmt, daß die Mannschaften mittels Hakenleitern von außen zum Brandherde vordringen mußten. Hierbei kam der Feuermann Witt vom 19. Zuge zu Schaden, indem er durch ein Oberlichtfenster deS Kesselhauses brach und sich die Hand zerschnitt. Dem energischen Vorgehen der Wehr, sowie dem Umstand, daß das Feuer rechtzeitig bemettt wurde, ist eS zu danken, daß unabsehbarer Schaden verhütet wurde, da Riesenmengen von Hölzern in dem Ge« bäude aufgestapelt liegen. Ob die Holzbearbeitungsmaschinen un- brauchbar geworden sind, ließ sich nicht sofott feststellen. Jedenfalls ist der verursachte Schaden sehr erheblich. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Sonntag, den 12. November, abends 7 Uhr, findet in den Armin- hallen, Kommandantenstraße 20. ein geselliges Beisammensein mit Votträgen und Tanz statt. Gäste willkommen. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. Der CirkuS Busch hat durch daS neue Schaustück„Die C a m o r r a" bewiesen, daß er seinem nun einmal aufgerollten Programm tteu bleiben will. Und dieses bedeutet nichts geringeres, als der dramatischen Kunst, die von ihrer bisherigen Stätte, der Bühne, mehr und mehr durch Tingeltaugellärm und Specialiiätcn- bravour verdrängt wird, im Cirkus eine neue Heimat zu schaffen. Dies neue Heim ist vielleicht ein bißchen ungewohnt, aber keines- Wegs rauh und einfach, wie es sonst Emigranten zu finden gewohnt sind. Ihrer hohen Stellung gemäß werden der dramatischen Kunst vielmehr geradezu fürstliche Empfänge zu teil. Auch das gestern zuerst aufgeführte„Große Manege- Schaustück aus dem italieuischen Leben der Jetzzcit in fünf Akten und acht Bildern" blendet in seiner Masscnwirkung durch eine Pracht und einen Aufwand, wie sie eine Bühne auch nicht entfernt hervorzaubern kann. Selbstverständlich ist der Prunk jeder tieferen Wirkung bar, wenn seine Bedeutung nicht in Geist und Gemüt des Publikums einzudringen verinag,' und so hat Direktor Busch denn in seinem Textbuch eine schöne Sitte eingeführt, indem er den realen Zusammenhang seines Dramas mit den Zeitverhält- nisten durch sociale Betrachtungen, geschichtliche Daten und politische Reminiscenzen belegt, und zwar deutlicher und eindringlicher, als dies je Herr Direktor Löwenfeld vom Schiller-Theater in seinen zivanglosen Heften gethan hat. Und nun, nachdem wir die Geschichte der Camorra von ihrcm Urbcgiiin um das Jahr 1820 an studiert, lassen wir, mit der ganzen Wissenschaft unseres Jahrhunderts bewaffnet, die neue Tragödie an uns herantreten. Sie enthüllt mehr fast, als ein Mensch von normalen GeisteSlrästen an einem Abend aufzunehmen im stände ist. Unbändig schlechte Kerle treten in den„Camorristcn" auf, und ihr Haupt, Carlo Caruzzi, ist der schlimmsten einer. Er schlägt den italienischen Carabiniett Schnippchen, wie nur je ein un- entdeckter Mörder der Berliner Polizei, raubt die schöne und schwer- reiche Carinclla aus den Armen IhreS Bräutigams, bringt in den Felsschluchten des Posilippo-Gcbirgcs eine vcritable Brücke zum Einsturz und weiß selbst am Fuße des feuerspeienden VcsnvS aus polizeilichen Ketten und Banden zu entwischen. Schließlich ereilt den Bösewicht natürlich doch sein Schicksal. Er ist so blau, die blaue Grotte von Eapri zum Unterschlupf zu wählen. Dort schmachtet auch die geraubte Jungfrau. Der Böse- wicht wird durchgcbläut und dann endgülttg unschädlich gemacht; für Carinclla aber schlägt die Stunde der Befreiung. Ihr zu Ehren stürzt ein Wasserfall aus höchster Höhe herab, vor dem sein Kollege am Kreuzberg sich begraben lassen kann, und Ballett gruppiert sich in blauer Beleuchtung im Wasser, um die Manege und dann dem Laufe des Wasserfalles entgegen beinahe bis zur höchsten Höhe des Daches empor, daß einem ordentlich schwindlig wird. Kein Sterblicher vermag diese Fülle von TricotS. elektrischen Lampen und schimmernden Farbenharmouicn zu überschauen, geschweige denn zu Papier zu bringen. Tbeater. In dem neuen Schauspiel„Der P r o b e k a n d'i d a t" von Max Drcyer, das im„Deutschen Theater" am Sonnabend, den 18. Novbr. ;ur ersten Darstellung kommt, wird die Titelrolle des Schulamtskandidaten Wtz Heitmann von Oskar Sauer gespielt.— Das Schauspiel„Ein FrllhliiigLopfer" von E. von Keyserling, das in der Matinee der„Freien Bühne" Sonntag, den 12. November, mittags 12 Uhr, zur Darstellung ge- langt, ist von der Censur zur einmaligen öffentlichen Anfsühmng frei- gegeben worden. BilletS sind daher auch für Nichtmitgliedcr an der Kasse des L> s s i n g-T h e a t e r s zu haben. Treptow-Sternwarte. Wegen der zu ermattenden Leoniden-Stern- schnuppen bleibt die„Treptow-Sternwartc" von Sonntag, den 12., bis Donnerstag, den 16. November, nachts bis 1 Uhr geöfjnet. Direltor Archenhold spricht Sonnabend, den 11. November,»achmittogs 5 Uhr über „Die Bewohnbarkeit der Welten", und am Sonntag um 8, b und 7 Uhr über den Mond und die Steruschnuppew Auch findet ausnahmsweise am Montag um 7 Uhr und Dienötag um 6 Uhr ein Bortrag über„Die bevor- stehenden Sternschnuppen fälle" statt. Bon Freitag, den 10., bis Mittwoch, den Ib. November, wird täglich der Mond von 3 Uhr nachmittags vis 10 bezw. 1 Uhr nachts beobachtet. DaS Amcrican-Theater in der DreSdcncrstr. SS wird heute, Sonnabend, abend eröffnet. Fcucrbericht. Donnerstagabend 7 Uhr drohte LandSb erger- straße 1 im Keller eine Gasexplosion, da der GaSmesicr fehlerhaft geworden ivar. Die Feuerwehr konnte jedoch dem Uebelstmide noch abhelfen, bevor sich die ausgeströmten Gase entzündeten. �Znr selben Zeit ivar Große Frank furter straße 144 ein Schoufensterbrand zu beseitigen. Ein Zimmerbrand verursachte am Freitag einen Alarm nach Lütz ow straße 86. Der angerichtete Schaden ivar nur gering. Dasselbe war der Fall bei einem Zimmerbrande, der Schivedter straße 4 erfolgte. Heide straße SV ging der Inhalt eines Hängebodens in Flammen auf. Durch Ucbcrkochcn von Teer wurde eine Marmierung nach Rathenowerstr. 33 veranlaßt. Außerdem hatte die Wehr noch»ach drei verschiedenen Stellen auszurücken, wobei es sich jedoch um«blinden Lärm" handelte._ Aus den Nachbarorten. Zu den Stadtverordnctcnwahlc» tu Spandau. Wie wenig Rücksicht der Spandauer Magistrat auf die Arbciterwähler bei der heute beginnenden Wahl der Stadtverordneten für die III. Abteilung genommen hat, lehrt ain besten die Verlegung der Wahlhandlung auf die Zeit von 10 b i S 1 U h r und 3 b i s« U h r an jedem der vier Tage I Sollte e» denn dem Magistrat gänzlich unbekannt sein, daß sämtliche Staatswerkstätten des Ottcs. außer am Soimabcnd, zumeist erst gegen und n a ch 6 U h r die Arbeit beenden? Ist es dem Magistrat' auch unbekannt, daß eine große Anzahl Span- daner Wähler außerhalb Spandaus, in Berlin und in Vor- orten in Arbeit stehen, und deshalb nicht ohne Urlaub nehmen zu müssen bis 6 Uhr abends ihr Wahlrecht auszuüben ver- mögen? Die Antwort auf Diese Frage geben wir uns selbst: Ja, dem Magistrat ist dies alles sehr wohl bekannt gcivesen, aber dennoch trifft er eine Anordnung, durch die Hunderte von Arbeitern entweder auf einen Teil ihres Tagesverdienstes, oder auf die Ausübung ihres Wahlrechts verzichten müssen! Was ist der Grund dazii gewesen, daß der Magistrat die Rücksicht auf die Arbeiter bei Seite setzte? Unsere Gegner glauben, ob mit Recht, werden die nächsten Tage lehren, daß dadurch allein noch ihre gesunkenen Chancen aufgebessett werden können, und dadurch, daß ein Teil unserer Wähler nicht zur Wahl zu erscheinen im stände ist, ihnen, der Mischmaschkoalition, der Sieg zufallen werde. Ob der Magistrat diesen Leuten für ihre Annahme Recht geben will, wiffen wir'nicht, ein» aber wissen wir, daß bei der Ersatz- Wahl am 80. August 18S7, als unserGenosse Pieper mit erheblicher Majorität gewählt wurde, der Wahlakt bis 8 Uhr abends dauette. Gleich b« der darauf folgenden Hauptwahl fühtte der Magistrat daS System der Wahl nach Alphabet in sechs Lokalen snicht etwa nach sech» Bezirken!) ein, wodurch den Arbeitern außerordentliche Unbequem- lich ketten erwuchsen. wenn sie ihr Wahlrecht au»- üben wollten. Dieses System wurde dann kürzlich vom Ober- Verwaltungsgericht als unzulässig erklätt. Jetzt folgt wieder eine Neuerung: Wahl in einem Lokale, an vier Tagen, aber nur bis sechs Uhr abends I--- Wir hoffen, daß unsere Parteigenossen kotz alledem sich nicht beirren lassen, sondern eingedenk sein werden, daß sie ihre Kräfte für den Sieg der Arbeitersache um so mehr anstrengen müssen, je mehr den Gegnern alle staatlichen Machtmittel zur Berfügunq stehen, ohne welche sie einen Sieg nicht zu erttngen vermögen.— Die Schöneberser Stadtberordnetcn- Wahlen gclanatcn gestern mit der Wahl in der I. Abteilung zum Äbschli-ß. Während jedoch in der II. und III. Abteilung die beiden bürgerli-ben Parteien zusammen gegangen waren, trat gestern in der I. Ab- teilung eine s ch a r f e' T r e n n u n g der„Unabhängigen" von der „Bürgerpartci" dadurch ein, daß die letztere in Gemeinschaft mit der sogenannten„Haberland- Partei" entgegen dem geschlossenen Ab- kommen einen eigenen Kandidaten durchzudringen suchte, der bei der Nominierung der gemeinsamen Kandidaten nicht aufgestellt worden war. Infolge dieses Vorgehens der„Bürgerlichen" hielten sich auch die„Unabhängigen" nicht mehr an daS Abkommen betreffs der gemeinschaftlichen'Kandidaten gebunden und setzten nun ihre Kraft ganz für ihre eigenen Kandidaten, d.h. alle fünf ausgelosten Stadt- verordneten, ein, welche denn auch sämmtlich gewählt wurden. Abgegeben wurden von 196 Wählern 144 Stimmen, und es erhielten davon: Rentier B e h r e n d 136, Schmiedcmeister Grix 129, Bankier Seelig 113, Rentier Knoll 83 und Baumeister K u z n i tz k y 81 Stimmen. Außerdem fielen auf den Maurermeister Koch 70 und den Sanitätsrat Dr. Henius, welcher zuvor der Kompromißknndidat der beiden Parteien gewesen lvar, nur SS Sttmmen. WaidmaunSlust. Am Sonntag findet die erste Mitglieder- Versammlung des socialdemokratischen WahlvereinS statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Genossen Dr. Wollheiin über: Die geschichtliche Entwicklung der Menschheit. Der Vorstand. Obcr-Schöncweide. Heute 8V2 Uhr findet bei Haferlandt die Mitgliederversammlung des Arbeitcrbildungsvereins statt. Gäste haben Zutritt. Für daS neue Gymnasium der Stadt Rixdorf soll nun zu Ostern 1900 mit dem Bau eines eigenen Gebäudes in der Kaiser Fttedttchstraße begonnen werden. Augenblicklich ist die Anstalt in einem neuen Schulgcbände der Lessingstraße untergebracht. AuS Rixdorf. Der 30 Jahre alte Maurer Richard Zickow aus Berlin wurde gestern nachmittag in der Nähe der Canner Chanffee an einem Bretterzaun erhängt aufgefunden. Die Leiche ward nach der Leichenhalle des Nixdorfer Friedhofs gebracht. Nahrungs- sorgen sollen Z. in den Tod getrieben haben.— Eine Zwcmgs- Jniiung für das S ch u h m a ch e r h a n d w e r k ist für den Stadt- bezirk Rixdorf errichtet ivorden. Zum Obermeister wurde der bis- berige Obermeister der freien Innung. Blankenburg, gewählt.— Der am gestrigen Freitag stattgcfnndcncii Magistratssitzung wohnte auch der neue Polizeidirektor, Landrat v. d. Gröben, bei. wobei et erklärte, daß es sein Bestreben sei, sich mit der städtischen Behörde sowohl wie mit der Bürgerschaft ins beste Einvernehmen zu setzen. Spandau contra Radfahrer. Z» diesem bekannt«» Kapitel wird folgender neue Beitrag bekannt: Die Automobilfahrcr müssen ein anderes Signal als das sonst übliche zur Anwendung bringen, wenn sie nach'— Spandau kommen. Dort wird nämlich der Feueralarm durch Hornsignale verursacht, die den WarnungS- zeichen der Autoinobilfuhriverke vollständig gleichen. Diese Gesähtte werden nun. sobald sie das bekannte Signal ertönen lassen, von der Spandauer Polizei angehalten und die Führer bchnss Bestrafung notiert; sie erhalten ein Strafmandat lvegen Uebcrtretnng einer Polizeiverordnung, ivonach«Radfahrer das Signal mittels einer Klingel geben müssen". Bei den Wahlen zum Kreistag des Kreises Niederbamiin sind gestern die von liberaler Seite aufgestellten fünf Kandidaten gewählt werden. Wcistcnscc. Die Errichtung eines GewcrbcgerichtS wurde in der letzten Gemeindcvcrtrcter- Sitzung mit 12 gegen acht Stimmen, bei einigen Sttnimenthaltnngcn, beschlossen. Von einzelnen bürgerlichen Vettretern wurde der Antrag mit den vcr- schiedenattigsten Einwänden bekämpft. Durch rein willkürlich aus- gestellte Rcchenexnnpel versuchte man diese Einrichtung als zu kost- spielig für die Gemeinde hinzustellen. Der Gcmeindevcrordnete Catenhusen glaubte das Ueberslnssige eines Gcwerbegerichts mit der Erklärung zu beweisen,„daß er, noch nie not- wendig hatte, diese Einrichtung in Anspruch zu nehmen. Das hierfür aufznwendendc Geld könne zu zweckmäßigeren Dingen verwandt werden. UcbrigcnS würden an solchem Gerichte. nur immer Arbeit g e b e r verurteilt." Den Genossen Gersten- b e r g e r und Karow war es ein Leichtes, diese und noch andere von tiefsinniger Weisheit und durchgreifendem„Verständnis" für socialpolitische Dinge zeugenden AnSführnngen zu widerlegen und auf ihren wahren' Wert zurückzuführen. Einer Kommission, der außer den Genossen Gerftenbergcr und Karow auch die Ecmcindcvcrordncten H c n n i g e r, B a s ch i n und der Schöffe Backhaus angehören, wurde iibcttragcn, die weiteren Schritte in dieser Angelegenheit zu uiiteriichmcn. u. a. auch eine öffentliche Versammlung einzuberufen, um der Einwohnerschaft Gelegenheit j?) zu geben, sich zu dieser Frage zu äußem.(!) Die Stadtvcrordnctcn-Vcrsammlung in Spandau hat dem Antrage des Magistrats. 132 Morgen städtischen Landes an der Oberhavel für 3000 M. für den Morgen an eine Berliner Bank zu verkaufen, in geheimer Sitzung zugestimmt. Als Bedingung ist ge- stellt worden,' daß das Gelände nur zu industriellen Anlagen vcr- wendet werden darf. Eine» schrecklichen Fund machte gestern morgen gegen 4 llhr ein Streckenbeamter der Nordbahn, als er die Geleise bei dem Vor- orte Hermsdorf abschritt. Zwischen dieser Station und der Haltestelle Waidmannslnst entdeckte er den völlig zerrissenen Leichnam eines jungen Mannes, in welchem später der 21jährige Arbeiter Rattermann ans Berlin erkannt wurde. Der?mgc Mann hatte vermutlich den letzten nach dem Stettiner Bahnhof fahrenden Vor- ortzng versäumt und wollte den Weg. die Geleise entlang schreitend, zu Fuß zurücklegen. Hierbei wurde R. zweifellos von der Maschine des von Strelitz kommenden Schnellzuges erfaßt und überfahren. Der Körper wurde in entsetzlicher Weise verstümmelt; der Tod deS Unglücklichen mutz auf der Stelle eingetreten sein. Die aufgehobene Spielhölle in Carlshorst dürste der Polizeibehörde noch erhebliche Schivicrigkeiren bereiten, umsomehr, als es den Spielern gelungen ist, die Karten, welche in der Spiel- Hölle benutzt wurden, zu vernichten, bevor die Beschlagnahme der- selben erfolgen koiuite. Der Tellsche„Spielsalon" war bei den regelmäßigen Besuchern der Carlshorster Rennbahn außerordentlich bekannt und die Anfhebung desselben bildete bei den Teilnehmern des gestttgen Schlußrennens in Carlshorst das allgemeine Gesprächsthema. An den Renntagen wurden ganz' riesige Umsätze erreicht, von denen 10 Proz. an Tell für Ueber- laffung der Behausung an die Spieler gezahlt wurden. Tell spielte, wie festgestellt worden ist, nur selten mit. Dagegen über- nahm er die'Verpflegung seiner Gäste. El verschänkte Bier und Spitttuosen, ohne Konzession zu besitzen, zu enormen Preisen. Eine Flasche„Echtes". welckicS wahrscheinlich einer Berliner Brauerei entstammte, kostete 75 Pf. Für Cognac und Kaffee wurden je 1,50 M. erhoben. Der unternehmende Spielsaalbesitzer unterhielt auch in Berlin ein derartiges Institut und zwar in der Lothttngerstraße. Die Polizei kannte denselben sehr gut, doch gelang eS nicht, die Spieler hier zu überraschen, da dieselben, stets rechtzeitig gewarnt, vor dem Erscheinen der Polizeibeamten den Salon vcrlasien hatten. Die Besucher der Tellschen Spielhöllen bestanden vorwiegend an« gewerbsmäßigen Spielem, au« Buchmachern, Sportsleuten, Schlächtern und jungen �auflcuten. Ob falsch gespielt worden ist, konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Vevsammlmrgen. In der Versammlung der Graveure und Ciseleure vom 7. b. M. gab Brückner den Bericht über die Streikbewegung, die im wesentlichen beendet sei. Danach befinden sich nur noch die Kollegen bei den Firmen Vollgold u. Sohn, sowie Gericke, Sebastianstraße, im Ausstand, weshalb diese Werkstätten(Silberbranche) bis auf weiteres gesperrt bleiben. Meister Gericke habe einen Streikenden wegen Streikpostenstehen denunziert. In einer Resolution spricht die Ver- fammlung dem Verhalten des Herrn Gericke ihre schärfste Mistbilligung ans. Eine ztveite Resolution lautet: Die Ver- fammlung bedauert den Ausgang des von Anfang an Aussicht auf Erfolg versprechenden Streiks der Arbeiter und speeiell der Ciseleure der Bronzefabriken. Die Versammlung giebt die Schuld nur der mahlosen Zersplitterung der Organisationen und fordert vom nächsten Gewerkschaftskongrest, dahin zu wirken, dast fortab alle Organisationen verpflichtet sind, sofern eine Speeial-Organisation besteht, diese Kollegen jenem Verband zuzuweisen. In einer fernereu Resolution erfährt;das Verhalten der hiesigen Ortsberwaltung des Deutschen Metallarbeiter-VerbaudeS während des Ciseleurstreiks eine Mistbilligung. Für die in der Färberei beschäftigten Arbeiter und Arbeite- rinnen fand am Mittwoch eine öffentliche Versammlung in Grau- mauilS Saal in der Naunynstraste statt. K o tz k e sprach über Zweck und Nutzen der gewerkschaftlichen Organisation, wobei er insbesondere Bezug nahm auf die Verhältnisse der Färberei-Arbeiter und den- selben klar machte, dast sie mir mit Hilfe einer guten Organisation ihre elende Lage verbessern können. Dem beifällig aufgenommenen llleferat folgte eine lebhafte Diskussion, in der verschiedene Redner im Sinne des Referenten sprachen. Schliestlich wurden noch die Lohn- und Arbeitsverhältnisse bei der Firma Riedel besprochen, die den Ausführungen einiger Redner zufolge ganz besonders ungünstige und verbesierungsbedürftige sind. Die Filiale der Militäressekten-Sattler hielt am 4. d. M. in den Arminhallen ihre erste Mitgliederversammlung ab, welche sich mit den Wahlen des Vorstandes und der AgitationStommission be- fastte. Auch � wurde angeregt, wegen der Entlassungen im Offizier- verein und die gleichzeitige Vergebung von Arbeiten an Fabrikanten Beschwerde bei der zuständigen Behörde zu führen. Wilmersdorf. In einer gut besuchten Mitgliederversammlung des Socialdemokratischen Vereins, welche am 8. d. Mts. in Wittes Volksgarten, Berlinerstr. 40. tagte, hielt Herr Gedicke einen beifällig aufgenommenen Vortrag über die Zähne und deren Erkrankungen. Sodann wurden Kraft als erster. Schramm als zweiter Bibliothekar, als Bezirkssührer im 3. Bezirk Schönfeld gewählt. Hierauf wurden interne Angelegenheiten erledigt. VomniMzkes» Schwarze Pocken in Schlesien. Vor einigen Tagen wanderte der Fleischer Latwa(oder Lakra) mit Familie aus Russisch- Polen nach Kattowitz ein. Da er noch keine feste Wohnung hatte, gab er seine 17jährige kranke Tochter zu seinem in W o i sS. Täglich abends von b— 10 Uhr: Sternwarte. Taubenftr. 48/49. Im Theater: Der Sieg deS Menschen über die Natur. Anfang 8 Uhr. ClsMtrÄjegter tWallner. Theater». Sonnabend, abends8UH r: vlv J unKTrau von Vrlennn. Romant. Tragödie in einem Vorspiel und 5 Alten von Fr. Schiller. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Romeo nnd Julia. Sonntag, abends 8 Uhr: Zwei glückliche Tage. Montag, abends 8 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Maehrs Theater Oranlcnstr. S4. Grüble Jungs. Gesangspoffe in 1 Akt von E l y. kugen Rcmöe, Mimtker. Elsa Messer (protongieit). Franilska Held. Certrud BUrgol. Freitags: Familienabend. Anfang 8 Uhr. Sonntags*. Eehreuslr. 55'57. Direktion: ICichard Schulz. Unstreitig das beste und amüsanteste November- Programin Berlinö. Liebreiz, Schelmerei, Kunst und Grazie vereinigen sich in Mem. Helle der reizenden Pariser Strabensäiigerin. Feiler, Temperaiilent, Leidenschaft in Cärraen Roccas der besten spanischen Tänzerin. Humor, Eleganz, Schueidigkeit tn (jrorg; Kaiser dem besten Verliner Salonhunioristcn. Gewandtheit, Knustfertigkeit, Fröhlich- >-> kcit in der Familie Klein den kleinsten und besten Radfahrern der Welt. Pracht, Schönheit, Rasse in den den besten russischen Nationalsängern und Tänzern. Unverwegenheit. Kühnheit, Sicherheit in dem italva Trio den Meistern des Drahtseils. Drolligkeit, Niedlichkeit, Folgsamkeit w dressierten Miniaturhunden. Chic. Pikanterie, Eleganz in häary Wolf der reizenden deutschen Soubrette. Um 0 Uhr 30 Minuten der Schlager der Saison: DaS l«istigste! witzigste! amitsautestc! bunteste! was Berlin gegeuwärtlg bietet! Rund um Berlin! Berliner Revue in 2 Akten. Anfang: Wochentags 8 Uhr, an Sonn- und Festtagen?»/, Uhr. Vorverlaus! Jnvalidendank und Künftlerdant. Telephon Amt I 2126. Jeden Sonntagnachmitlag 3 Uhr: Promenaden-Specialitäten- Bor- stellnng. Clrkna Bnaeh. Heute Sonnabend, abends 71/2 Uhr: Gala« Abend, vis Coniorra. Orja.-Pantomime des Cirkus Busch. Balletts arrangiert nnd einstudiert vom königl. ttakientschen Hofballett- meiste» Ottavi. Mnsit vom Kapellmeister Taubert. Kostüme und Requisiten von der Firma Hugo Baruch u. Co. Das elektrisch durchleucht. Wasscrbaseln. Der Einbruch der Halten. Diltgenre mit der 30 y»k hohen Brücke. Der Sturz ins Wasser von der 100 Fuff hohen Felsenklippe. 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Die ordentliche Generalversamm- lnitg filldet am Sonnabend, den 18. November er., abends G/z Uhr, im Lokal Amimstraße 16 im oberen Saale statt. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Hrn. Dr. Blaschfo über:„Syphilis". 2. Bericht über die Kasse. 3. Wahl von 2 Vorstaildsutitgliedern der Arbeituehnler und 2 Arbeitgeber. 4. Wahl von drei Mitgliedern zur Prütung der Kaffenrechnuug für daS Jahr 1833. 21/8 5. Aenderung deS K 13 deS Statuts. 6. Verschiedelies. Der Vorstand. I. A.: I. Söfner, Borsitzender. Berlin, den 10. Noormber 1839. U. WzellZ Theater, Vrilllneiisl raffe 16. WtgtllPrimtWijkcitltille BorsttllR«g. Sonntag:%tt 'Passaoe- Thealer. Neu: Anatomisch. Museum. Dienstags für Dame». Passage- Thealer: Vorst, v. 7-10V2. IS erstklassige Debüts. nm Croiwcten- n/. Bt., Ichsrlg, 4 echte Slegijier, » Bk., gehörig, 6 echie Register W/, Hk., mistige mi« 1» Tasten, 4 SädKeii kosten 10 Nk., mit 21 Taften nur 10,75 Mark,«kockendegk. so Pf. mehr. Verpackung nnd Schule graii«. 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DM- Zahlreiches Erscheinen ist notwendig.-ME Die Bertrauensmäuner- Konferenz für den Norde» findet nicht am 11. November, sondern am StammXumv» ven 18» Aovembov bei Dicke, Ackerftr. 123, statt. Zugleich teilen wir mit, daß BilletS zur Sternwarte in Treptow zum ermäßigten Preise von 30 Pf. noch m beschränkter Anzahl im Bureau, Annenstr. 39, erhältlich sind. DM- Die Zahlstelle 53 ist von Germer verlegt worden nach «elOl""''-------'—" HaselolT, Landsbergerstraße 9. 117/7 Die Ortsverwaltung. Ackkung: iw Mckwttül: Feilenhaner und Berufsgenossen! Sonntag, den IS. November, mittag« IS Uhr. in mu»r»at» Festsälen, Müllerstraße Nr. 7: Große öffentliche Versammlung aller in der Feilenindustrie beschäftigten Arbeiter. Tages-Ordnung: Wie stellen wir uns zu dem Streik bei den Firmen Pelaslerunl) Zfeme? 270/5 SW* Der Verwaltungsbeamte deS Deutschen Metallarveiter-Verbandes, Herr Schlegel, ist zu dieser Versammlung speciell etnaeladen. _________ Per Elnbernfer. A«»»! Buchbinder A«>m! und verwandte Berufsgenossen. Dlenstagr, den 14. November, abends 8'/- Uhr. im Saale der A!o»' Lokal befindet sich Skalißerstr. 50(Laden) und eriuche um freundlichen Zuspruch.(29932* Theodor Betzner. WGu.BMlsch-Vm-LM von[29182* Fanl Litfin, Straßmannstr. 23. Vereinszimmer.— Planlno.— Billard. Pasters Gesellscliafts-Säle Insclstr. lO, I. Den geehrten Vereinen und Gcwerk- schaften bringe meine Säle u. Vereins- zimmer in gütige Erinnerung. Jeden Sonntag u. Mittwoch: Tanz u. Gesellschafts-Äbend, wozu Freunde und Bekannte crgebcnst einladet 2398L» G. H. Paster. Heues Ciubhaus, 72, Konimandantenstr. 72. Sind noch einige Sonntage zu vergeben. 502b Lßenh-AersWemihe. Restaurant Sportshans. Emps. Vereinen, Gesellschaften m. Saal Garten. Kegelb. u Kaffeek. Dvbslav. WtmigUKöslinerHof", Küsiincrstr. 8. 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Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. i't- 2KZ. i6. mmn. 2. Keilllze des„Iminilf feiliiiet' . S'öüiiä'.riit), 11. Novembee 1899. Stadtverorduetenwahl in Spandau! Heute beginnen in Spandau die Stadtverordnetcuivahlcu für die Z. Wahlabtcili'.ng und dauern am Montac;, Dicnstap und Mittwoch täglich in der Zeit von 10 ibiö 1 Uhr vor- mittags und 3 bis 6 Uhr nachmittags fort. Wahllokal: N c st a u r a n t Z u r P a I in c". Ritter- strasze 7. _?ioch einmal. Parteigenossen:„Spannt alle Eure Kräfte a n und agitiert für die Wahl unserer Kandidaten! Rüttelt die Säumigen auf, und macht cS ihnen klar, dag es gilt. der Arbeiterschaft Spandaus das Mit- heslimmungSrecht im Stadtparlamcnt für die Dauer von sechs Ja h r e n zu erkämpfe n. Es ist Ehrenpflicht jedes klassenbewußten Arbeiters, unter allen U m st ä n d c n von seinem Wahlrecht wirksamen Gebrauch zu machen; nur durch Aufbringung aller uns zu Gebote stehenden Wählcrstiunncn wird r-Z uns möglich sein. die Herrschaft deS„Kominuualsrcisimis" zu brechen! Arbeiter Spandaus! Wahrt Eure spärliche» Rechte l Achtet darauf, daß unsere Wähler vor 6 Uhr abends sich im Wahl- lokale einfinden, um ihre Stimme für unsere Kandidaten abzugeben; s ä in tlichc Wähler, welche sich um 6 Uhr abends im Wahllokale befinden, ohne daß sie bis dahin ctiva ivegcn zu großen An- drangcs ihrer Wahlpflicht genügt hätte», können auch noch nach sechs Uhr ihre Stimme abgeben! Jeder Wähler versehe sich mit seiner Wahlciuladimg oder dem Stcuerzcttcl als Legitimation! Nun vorwärts Parteigenossen I Auf zum Kampf für die Arbeiterintcrcsscn Z Auf z u m Siege der A r b e i l e r k a n d i d a t c n: A u g ii st S ch r ö e r, Töpfermeister, BiSmarelstr. 0. Wilhelm Pieper, Tabakarbcitcr, Lynarstr. 13. Wilhelm Scholz, Bäckermeister. Nciinicisterslr. 11. E r n st R i e g e r. Rcchtskonsiilcnt, Moltkcstr. 3. Otto Hallecker, Restauratcur, Frobcnstr. 12. Als Ersahmakm: Hermann Kunkel, Schuhmachcrineister, Mittelstr. S. '_ DaS Wahlkomitce. Vevsttttrutlttttgrn. Der Streik in der Motorfahrzcng-Fabrik von Rltniann in Maricnfelde wurde in einer öfientlichen Metallarbeiter- Versammlung besprochen, die am Donnerstag im Moabitcr Gesell- schaftshanse tagte. Dieser Streik ist vor etwa drei Wochen ans- gebrochen, seine Ursache ist die hohe Bestrafung einiger Arbeiter. welche die in der Fabrik bestehenden Kontrollvorschriften angeblich nicht beachtet haben, sowie die in weiterer Folge dieser Angelegen- hcit eingetretene Maßregelung des VertraucnsmaiincS. Die Ortsverwaltung des Mctallarbcitcr-VerbandeS hat das Vorgehen der Alt- mannschen Arbeiter nicht gebilligt und dem Streik deshalb die fiiianziclle Unterstützung versagt, die moralische Unterstützung aber zugestanden. Die gegenwärtige Versammlung ist seitens der Streikenden ein- berufen worden. Mehrere Redner derselben legten die Ursachen des Streiks dar, sie mißbilligten das ablehnende'Verhalten der Orts- Verwaltung des Verbandes und ersuchten die Kollegen um Unter- srützuug der Streikenden, von denen zur Zeit noch 36 vorhanden sind. M a s s a t s ch rechtfertigte als Vertreter des Metallarbeiter- Verbandes das Verhalten seiner Organisation in dieser Angelegen- hcit. Er führte aus, nur ein kleiner Teil der Strcrkcndcn seien vollberechtigte Mitglieder des Verbandes gewesen, während ein großer Teil überhaupt nicht organisiert war. Die Arbeit sei niedergelegt ivvrdcn, ohne daß man seitens der beteiligten Arbeiter versucht habe, die Differenz im Wege der Verhandlung mit der Fabriklcitung beizulegen, auch sei die Ortsvcrivaltnng erst hinzugezogen worden, nachdem die Arbeit bc- rcits niedergelegt und Verhandlungen aussichtslos gelvordcn waren. Unter dicjcn Umständen habe die Ortsvcrwaltimg den Streit nicht finanziell unterstützen können, die moralische Uiiicrstützung sei den Streikenden zcdoch zu teil geworden.— Im wcilcrcu Verlauf der Debatte, die mitunter einen ziemlich erregten Charakter annahm, verteidigten noch verschiedene Redner das Vorgehen der Streikenden und unterzogen das Verhalten der Ortsvcrwaltimg einer abfälligen Kritik, ivobci es auch nicht an persön- lichen Vorwürfen gegen cii»cliic leitende Personen des Verbandes fehlte. Körftcn ivics dieie Vvrlvürfe ganz entschieden zurück und verteidigte die Haltung des Verbandes. Er bezeichnete es als unklug und bedancruswert, daß man von gewisser Seite diese Angelegen- hcit benutze, um einen Keil in die Mctallarbcitcr-Vcivcguiig zu treiben und entgegen der Parole:„Proletarier, vereinigt Euch", nach dem Grundsätze hnndelc:„Arbeiter, zerspaltet Euch!" Mohrickc vertrat die Ansicht, der Streik sei durchaus berechtigt gewesen. Das betveisc schon der Umstand, daß die vollberechtigten Mitglieder des Verbandes sich der Arbeitsniederlegung angeschlossen haben. Wenn der Verband den Streik trotzdem nicht gebilligt habe, so müsse das natürlich Uu- zufricdcnhcit unter den Kollegen erregen. Durch das Verhalten des Verbandes, aber nicht von anderer Seite werde ein Keil in die Bc- wcgung getrieben.— Als die Diskussion, an der sich noch mehrere Redner von beiden Seiten beteiligten, um Vel Uhr geschlossen tvurdc, hatte bereits der größte Teil der Vcrsammlnngsbcsuchcr den Saal verlassen. Nur ctlva 8» Personen waren noch aulvcscnd und diese nahmen eine Resolution an. die das Verhalten des Verbandes gegenüber dem Altmannschcn Streik nicht billigt und den Streikenden Solidarität und Unterstützung zusichert. Slrbeitcr-Täiigcrbiind Berlins und der ltiiigegeud. Vorsitz mdcr Richard Thate, Schöucberg, Grimeiualdstr. vb. Alle Aenderniigen im Vereins- lalcudcr sind zu richten an Otto Jsaack, Strelitzcrstr. 15 Hos ll Soiiiiabcnd, abends V— 11 Uhr: llcbimgsslniide und Auftiahme neuer Mitglieder.— „Lvrania", Göbcl, Landsberger Mve 1«i.„Sanges- Echo", Scholz, Naimynstr. 6.—„Jmiuergrün", Tegel, Rentner, Spandaiierstr. 1s.—„liiliick „Eintracht I", Teltow, Dertz, Zehlendorscrstr. 6.—„Siwgrrknft", Lücken- Walde, Schulze, Bcelitzcrstr. l!4.—„Frohsinn", Niuiiinelsbura, Brcwcs, Goethe- u. Kantstrabcn- Ecke.—„Echo II", MarkgrafenSpicSkc bei Fürsten- Walde, GraSnick.—„Goin. Chor", Luckenwalde, Gcrhart, Haag 5.—„Ober- Schvncwcidcr Liedertafel", Obcr-Schönewcidc. Wagencr, Edisonstr. 5.— „Vorwärts VII", RunmiclSburg, Beutling, Goethe- n. Kantstrahcii-Eckc. Arbciter-Ziaiicherbiind Berlins und der Uingegrud. Acnderungcn im Vereinskalcndcr sind zu richten an Eugen Raschkc, Rixdorf, Mahlowcr- strastc 1, 4 Tr. Soniiabend:„Angler I", Ruppert, Zimuicrstr. 5ü.— „Havana II", NowaweS-Neuendorf, Simon, Priefterstrahe.—„Glück Auf", Rndcrsdorf-Kalkbcrge, Grcve, Heinitzstr. 1v.—„Kuba".?? Pönitz, Brandenburg- straßc 54.—„Pappel", Dahmke, Vnchholzcrstr. 5.—„Arbcitcrfreuiide", Dietrich, Rnthenowerstr. 43.—„Havana I", Rirdorf, Philipp, JuliuSslr. 50.—„Blauer Dampf", Doye, Müllerstratze. Arbeiter> Turiierbund. Sonnabend: Tumv.„Fichte", Berlin. abds. 8— 10 Uhr: I. Männer- Abt. Fricdcnstr. 37.— 3. Männer-Abt. Bocckhstr. 17/20— 8. Männer-Abt. Höchstesir. 36/37.— 2. Lehrlings- Abt. Skalitzerstr. 55—56.— 4. Lchrlings-Abt. Stephaustr. 3.— 5, Lchrl.-Abt. Ackcrstr. 67.—„Freie Tunierschast Johannisthal" abds. 0—10 Uhr Senft leben.— Tnriierschäst d. V.„Nereus"(gegründet 1882), Lehrlings- Abt. 8—10 Uhr abds. N eichen bergcrstr. 131—132..—„Slrb.-Turnv." in Ablershof, Schmauser, Bismarckslr. 16 8l/z— lOßz Uhr abcndS. Gesang-, Turn- uiid gesellige Vereine. Soiinabciid: Theaterv. „Bohemia", Schulz, Beieräiiciisir. 18.— Theaierv.„Normania" jeden letzten Sonnabend iniMonat, Langiier, Gr. Frnnlsnrterstr. 116.— Vergniigungsverein „Helgoland II", jeden So»nabc»d nach dem 1. im Monat, Lehmann, Lnbbencrstr.O. — Skatllnb„Fortuna", Kratzat, Hiittenstr. 1.— stlanchklnb„Domröschen"', Krüger, Fcnnstr. 3.— Theaterv.„Nordstern", Schulz, Dunckerstr. 90.— Theaterv.„Alpenrose", Badftr. 35—36.—„Bereinigung der Tnmsrcunde", 8i/z— 10>/z Uhr abds. Demmincrstr. 56—57.— Tnriiv.„Osten", Turnhalle Vlnmciistr. 63a, 81/2—10 Uhr abds. Männer- Abt.— Zitherklttb„Erika", Müller, Hessische- und Haiinvbcrichestr.-Ecke.— Theaterv.„Othello 1", Nowack, Maiitenffelslr. 0.— S'atklnb„Hurra", Sinke, Slalitzerstr. 60. — Theaterv.„Thalia", jeden Sonnabend nach dem I. u. 15. im Monat, Lindccke, Audreasstr. 33.— Kegelklub„Kalte Nenne", Holzmarltstr. 72.— Theater-Ecsellschajt„Einigkeit", Bartz, Rheinsbergerstr. 53.—«chau- spiclklub„Goethe", Koppensir. 65.— Zilherklnb„Edelwcih", Rosenthaler- h raste 11/12.— Rad-Renn-Klnb„Allcmania". Horneh, Zorndorferstr. 20.— VcrgnügnngSv.„Frisch- Aus", Köpnickerstr. stOa.— Hnmoristischcr Verein „Einigkeit", Schulze, Chaussecsir. 54.—„Thcatcrvcrciii der Louisenstadt", Aiiiicnstr. 0.—„Schweizervercin", Alte Jakobsir. 64.—„Vereinigung solider Brüder", Krüger, Oranienftr. 173. Bildmigdvercin„Mehr Licht," Bibliothekstnnde 9—10 Uhr abdS., Gärtner, Mvlkcnstr. 12. Böhniisch-slnvischer BildnngSv.„Hnwlischcl", Rcstaur. Zur ueiicn Post, Benthstr. 21. Deutscher socialdeniolratischer Leseklnb in Paris. Cafs Le Procope, Rue de l'Ancienne-Enmedie 13. Jeden Sonnabend ösiciilliche Bcr« sanimluiig', reiche Bibliothek, Zeitungen, sranzosischer Unterricht. London. Der einzige hiesige jocialdcmolr. Verein Londons, der alte, ron Karl Marr und Friedrich Engels 184» initbcgriiudete Aomniunistische Arbeitcr-BildiingSverciii besmdct sich nach wie vor 40 Tottenhaui Street, Tottcnhniii Court Rd., W. London. Alle Anfragen in gewerkschastlichen und partcigciiössischen Angelegenheiten sind an vorstehende Adresse unier Bezeichnung:„An den 1 Sekretär" zu Händen deS Vcrcinsvorstaudcs", zu richten. Bern» Vorwärts, Johannesburg(Transvaal). Vereiuölokal Progrcst-Bierhalle, Corner os Marshall and Small Slrect. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 12. November, vorm. st'/e Uhr, im oberen Saal des„Englischen ÄartcnS", Alcpaiiderstraste 27c, Versammliiiig: Freireligiöse Vorlciung.— Um 10'/« Uhr vormitiagS ebendaselbst, Vortrag des Herrn Wilhelm Bölschc:„Tier und Pflanze". Gäste, Damen und Herren sehr willkommen. Tischlcrvercin. Heute, abends d'/z Uhr, Mclchiorstr. 15: Versammlung. Vortrag des Herrn Wagner über:„Die ärztlichen Ehrciigerichic und dl« tranken Arbeiter." Theater- imd Vergniigiliigsvercin Esmcralda, Fricdrichsbcrgcr- straste 10. Billetansgabe zum Hypnotischen Vortrag. Cciitralvercin der im Zldressciiiiicscil und verwaudtc» Brauchen Acschäftigtru. Berlin. Sonnabend, 11. November, abcndS 8 Uhr, bei Kcrnchcn, Wallstr. 57, Lcrsainmlnng. Gentral-Bcrbiiiid der Elektro-Moiitcurc und Bernfsgenosse» Deutschlands. Sonntag, den 12. November, mittags 1 Uhr, kombinierte anstcrordcntliche Gcneral-Bcrsaminlnng bei Jmmcndorscr, Sophienstr. 5. Bildungsvercin„Atchr Licht". Morgen Sonntag, den 12. Novenlber, abends 71/2 Uhr, Alexanderstr. 21c, Hofsmonnö Lokal, Versammlung; Vor- trag deck ReichStags-Abgeordnetcn Max Schippcl, über: Britisches Kolonial- reich. Nachher Tanz. Gäste willkommen.— Sonntag, den 10. November, feiert der Verein im selben Lokal sein 4. StistnngSfcst, bestehend in Theater, Festrede und Fall. AillctS k 30 Pf. sind in der Versammlung beim Kassierer zu haben. Lber-Schönewcidc. Sonntag, den 12. November, nachinittagS präcise 2 Uhr: Graste Parteioeriauiuilmig für Männer uich Franc», im Saale von Haferland. Tagesordnung: 1. Unsere politische Lage. Referent: Kutzkc. 2. Wahl cincS VertraileusmailtieS. 3. Lokalfrage— insbesondere die Mast- rcgclung mehrerer Gastwirte seitens des Herrn AmtSvorstchcrö, und wie ist dem cnigcgciiz» treten? Wahl einer Kommission. Gegründet 1879. k1 v'M-MgffiC■- —■ y..i, �>1.« a.n— f "»•'»4rv I» k.... v. Julius Lindenbaum Grosse Frankforterstr. 141, flEüLiil 0.9 Grosse Frankfurterstr. 141, Eckhaus der Fruehtstrasse. SBST" 8 grosso Schaufenstor, 18 ßoflenlampen, tageshelle olehtrlscho ßolauchtung."�»0 Eckhaus der FruChtQtrasse. Grösstes Etablissement der Bezirke Ost, Nordost and Südost für Herren® und iCnaben-BeicBeidungi . 4n»c Sämtliche Sport- II.«fasril-Artlkel. vr.. lalew«- aor elrufskieidung. 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