Nnterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 1. Sonntag, den 1. Januar. 1905 (Nachdruck verboten.) 0 Der Kaiimeifter. Roman von Felix Holländer. Erstes Kapitel. Es war bereits elf Uhr nachts, als Keßler in das über- füllte„Cafä des Westvns" y-mc lich- o(t.«oipi)are, wre zum Zerschneiden, drang ihm entgegen und lautes Stimmengewirr von den dichtbesetzlen Tischen. Er lächelte verächtlich und geringschätzig. Diese aufgeregten Kaffeehausmenschen mit den banalen Gesichtszügen reizten und langweilten ihn. Das grelle Licht der elektrischen Birnen schien ihre Gesichter noch mehr zu verzerren. Es lieh ihnen in jedem Falle einen kalten, ungesunden, gelblichen Ton. Der Kellner war ihm beim Ausziehen behülflich. Keßler war tadellos gekleidet, seine Leibwäsche glänzte vor Sauberkeit. „Bringen Sie mir eine Schale Braun!" sagte er und sehte sich ein wenig erschöpft nieder. Dann ließ er seinen Blick über die vielen Menschen schweifen, die in lautem Ge- spräch sich unterhielten. Eine buirt zusammengewürfelte Gesellschaft fand sich allabendlich in diese« niedrigen Räumen bis in die späte Nacht hinein zusammen. Hier saßen ein paar.Komödianten, die in überlautem Ton und mit gespreizten Bewegungen auf ihren Direktor schimpften; dort unterhielt ein dicker Herr mehrere Grundstück- Makler über die Aussichten der Charlottenburger Terrains. Keßler horchte interessant auf, aber seine Aufmerksamkeit wurde durch den laugen Stammtisch dicht am Eingang ab- gelenkt, an dem ein paar Bildhauer, Maler und Schriftsteller jede Nacht sich einfanden. Ein dünner, kleiner Karikaturist, der das dunkle Haar glatt gescheitelt trug, eine unmögliche Nase und eine Pfeifende, knarrende Stimme hatte, gab mit schmetterndem Organ Anekdoten zum besten. Keßler sah einen flüchtigen Aligenblick geärgert hinüber, dann schielte er wieder zu den Grundstückmaklern hin. „Wenn ich Ihnen sage, das Terrain ist spottbillig! Sie können mir's glauben— ein Vermögen ist zu verdienen. klebrigens habe ich munkeln hören, es soll ein Theater hin!" Keßler legte das Zeitungsblatt aus der Hand. Er riß die wasserhellen Allgen weit auf. „Lassen Sie sich doch keinen Sums vormachen," er- widerte ein kahlköpfiger Herr, der mitten auf der krummen Nase einen Kneifer trug,„sobald ein Terrain unverkäuflich ist, wird ein Theater projektiert; darauf fallen wir nicht mehr 'rein!— Alter Zimt!" Die Tür ging wieder, und zwei schwarzhaarige, dunkel- augige Mädchen mit ausgesprochen orientalischen Zügen traten ein. Sie hatte« etwas Auffallendes und Herausforderndes in ihren Bewegungen, so daß sie die Aufmerksamkeit der Gäste auf sich zogen. Keßler beachtete sie nicht. Er starrte immer nur zu den Grundstückmaklcrn hin. Das Stimmengewirr um ihn her wurde immer lauter. Die Makler waren bereits bei einem neuen Terrain. Keßler winkte dem Kellner und wollte zahlen. Auf seinen Gesichtszügen arbeitete eine leise Unruhe. Er selbst fühlte es zu seinem Unbehagen. Mit einer kurzen Bewegung feiner schmalen, langen Hand fuhr er sich wie glättend über das Gesicht, das etwas Strenges und Abweisendes hatte. Es war ihm die Maske, hinter der er seine unruhigen Tränaie verbarg. Das größere von den beiden Mädchen blinzelte ihn i cr stöhlen an. Er warf deil Kopf hochmütig zurück.„Zahlen!" rief er von neuem und schlug an sein Glas. Der Oberkellner kam eilig heran. Keßler öffnete ein elegantes brannledernes Portenioimaie und entnahm ihm ein Zweimarkstück. Es war das letzte Geld- stück, das er besaß. „Fünfundzwanzig Pfennig!" sagte der Oberkellner. Er gab fünfzehn Pfennig Trinkgeld, ohne die Miene des Gargon zu beachten. Dann ließ er sich den Mantel halten, der mit Seide gefüttert war, und setzte den Zylinder auf. Seine elegante Figur zog die Blicke auf sich. Man konnte ihn ' einen Aristokraten halten, für einen Offizier in Zivil. Auf diesen Eindruck, den er hervorzurufen pflegte, legte er den größten Wert. Bei allen seinen Plänen rechnete er damit. Draußen in der kühlen Nachtluft atmete er tief auf. Noch eine Mark sechzig!" brummte er vor sich hin. Eine kurze Verwünschung folgte diesen Worten. Unter dem hellen Schein der Bogenlampe verzerrte sich seine Miene. Er äibri? lÄst�Äer'chn�und hüel't ihn gleichsam fest. „Das kann ja gut werden!" sagte er in gedämpftem Selbstgespräch. Er schrak auf. „Ist's die Möglichkeit!" rief jemand mit tiefer Stimme dicht neben ihm und beklopfte ihn dabei. Es war ein untersetzter Herr mit breitem Rücken und kleinen Augen, die unter einer goldenen Brille scharf und spöttisch hervorlugteir. „Ah, Drenkwitz, Du bist's! Herr Gott! Wie lange habe ich Dich nicht gesehen!" „Stinimt!" entgegnete der andere.„Ich bin auch erst seit vierzehn Tagen wieder in Berlin, und das Wiedersehen wollen wir feiern. Komm, wir trinken noch eins!" „Ich wollte eigentlich nach Hause— ich bin furchtbar müde und abgespannt!" „Unsinn! Wir trinken eine Flasche Wein! Du bist mein Gast!" Und ohne weiteres schob er seinen Arm in den Keßlers und zog ihn mit sich fort. Und kaum zwei Minuten später saßen sie in der Wein- stube von Steinert und Hansen, und Assessor Drenkwitz schenkte Rüdesheimer ein. Aber bevor er das Glas zu Munde führte, betrachtete er Keßler eine flüchtige Weile mit seinen klugen, durch- dringenden Augen. „Mensch— Du gefällst mir nicht!... Komm, wir wollen anstoßen!" Keßler tat, als ob er es überhörte. Die Gläser klangen. „Was treibst Du denn eigentlich?" fragte Drenkwitz langsam. „Ich warte mit aller Energie auf mein Glück!" „Hm!" machte Drenkwitz.„Deinem noblen Aeußern nach müßtest Du ja arriviert sein!" Keßler schloß halb die Augen und lachte plötzlich heiter auf. „Gott sei Dank, daß die Rechnung wenigstens in dem Punkte stimmt!" sagte er. „Wie meinst Du das?" Seine Züge bekamen etwas Schmerzhaftes. „Ich meine," sagte er langsam,„daß es mir im Gegen- sah zu anderen doppelt elend geht. Ich habe nichts zu beißen und zu brechen und muß nach außen hin tun, als ob ich nur so im Fett schwämme." Drenkwitz kniff die Augen zu und sah ihn von der Seite an. „Hm, weißt Du— mit dieser Politik kann ich mich nicht befreunden. Du streust mit anderen Worten den Leuten Sand in die Augen?" „Stimmt in gewissem Sinne— nur daß ich die Objekte erst suche! Im übrigen— was willst Du eigentlich? Wem geschieht ein Unrecht, wenn ich, statt mich satt zu essen, einen sauberen Kragen trage?" „Solange es dabei bleibt— niemandem! Aber schließlich hast Du doch einen Zweck im Auge, der nicht lauter ist. Ich verstehe auch offen gestanden nicht, wie es einem Menschen von Deinen Anlagen schlecht gehen kann!" „Verstehen tue ich es auch nicht— aber es ist leider Gottes der Fall!" „Du hast Deinen Baumeister gemacht— warum meldest Du Dich nicht bei der Regierung?... Ein Mensch wie Du muß doch auf anständige Weise sein Fortkommen finden!" „Bah!" machte Keßler,„an meinem Fortkommen negt mir nicht so viel. Wenn ich erst so weit bin, kann ich stehlep gehen! Ich bin kein Kuli, ich kann mich nicht in ein Joch spanne» lassen!" „Das muß doch in gewissem Sinne jeder. Willst Du lieber verhungern?" „Was ich will?" Seine Augen funkelten.„Bauen will ich!... Meine eigenen Pläne ausführen!... Ins Große gehen— aus dieser Misere herauskommen— und endlich frei werden!" Drcnkwih trank sein Glas aus, dann sagte er ganz trocken:„Ich wünsche Dir viel Glück!" „Ich danke schön!— Nur nützt mir das verdammt wenig! Ich wünschte. Du könntest mir eine Viertelmillion zur Ver- fugung stellen; Tri darfst es mir glauben— das Geld würde Dir Zinsen tragen!" Ich glaube, in Dir' neÄr">mrt!?�5 eine"zÄi � Betätigungsmöglichkeiten hätte, etwas leisten könnte. Und doch rate ich Dir: Hüte Dich vor Dir selbst! Du hast so einen krampfhaften Ehrgeiz, der einen erschrecken kann!" Keßler machte ein spöttisches Gesicht. „Mir scheint. Tu siehst mich schon in Untersuchungshaft! — Uebrigens— was treibst Tu eigentlich?" „Ich bin als zweiter Staatsanwalt nach Berlin versetzt." „Prosit!" sagte Keßler,„das betrachte ich als emen Glücksfall für mich; nämlich. Du, wenn ich auf der Anklage- bank sitze, mache es gnädig mit mir! Du verstehst mich ja ein Wenig— wirst schon die Milderungsgründe für mich heraus- finden!" „Ich werde mir Mühe geben... Uebrigens, lassen wir daS— das sind schlechte Späße! Um aber auf etwas anderes zu kommen: Bist Tu in Verlegenheit? Kann ich Dir aus- helfen?" Keßler sah ihn groß an. „Tu bist doch ein famoser Kerl! Aber ich danke Dir bestens... Mir geht es zurzeit glänzend: ich besitze noch eine Mark sechzig!" Trcntwitz holte seine Brieftasche hervor und reichte ihm drei Hundertmarkscheine. „Es geschieht weniger in Deinem als im Staatsinteresse," sagte er kurz.„Ein Mensch ohne Geld ist ein gefährliches Individuum'-."' „Im Interesse des Staates nehme ich das Geld an! Ich darf Dir wohl eine Quittung..." „Ich verzichte!" Eine kleine Weile schwiegen beide. „Wer weiß," nahm Keßler das Gespräch wieder auf, „was Du mit Deinem Leichtsinn für ein Unglück angerichtet hast!" Als ihn Drenkwitz fragend ansah, fuhr er fort: „Ich fühle, wie diese blauen Scheine meine Tatkraft ins Grenzenlose steigern. Weißt Du, es gibt Momente, in denen man eine Willenskraft in sich spürt, die vor nichts zurückschreckt. Ich glaube, wenn jetzt der reiche Jude vor mir stände, ich schlüge ihn ohne Besinnen tot, um zu meinem Ziele zu ge- langen." „Komm, wir wollen austrinken!" antwortete Drenkwitz. Ter Ton des Gespräches fing an, ihm peinlich zu werden. Er glaubte hinter diesen scheinbaren Scherzen einen unheimlichen Ernst herauszuhören, der ihn erschreckte. Als sie wieder auf der Straße ivaren, sagte Keßler: „Hast Du noch eine halbe Stunde Zeit, Drenkwitz?" „Meinethalben!" „Gut, dann sollst Du einen historischen Moment erleben." „Was hast Du mit mir vor?" „Du wirst es schon sehen." Der elektrische Wagen in der Richtung nach Steglitz hielt vor dem Casch „Komm, hier steigen wir ein," sagte Keßler,„in ein paar Minuten sind wir ani Nollendorfplatz." Sie sprachen kein Wort, bis sie angelangt waren. Keßler nahm Drenkwitz unter den Arm und führte ihn schweigend vor den mächtigen Bauplatz, da, wo der Nolleudorf- Platz und die Motzstraße zusammenstoßen. „Sieh Dir mal die Stelle genauer an. Was ist das?" Und als Drenkwitz nichts erwiderte, sagte er langsanr und feierlich: „Das ist mein Bauplatz. Hier muß ich bauen oder ich gehe elend zugrunde!" „Was willst Dti denn bauen?" „Ein Theater— ein Caf6— und mächtige Hinterhäuser; gotischer uird romanischer Stil bunt durcheinander. Hier konunt ein großer Garten hin— und da ein Seiten- gebäude, dessen Oberstes Stockwerk ans mächtigen Ateliers be- stehen wird. Die Pläne sind bis in alle Einzelheiten fertig. Es fehlt nur noch am Geld, um den Grund und Boden zu er- werben. Und dabei ist jetzt," fuhr er erregt und hastig fort, „eine Konstellation, wie sie nie wiederkehrt. Man kann den Grund für einen Spottpreis erwerben, und wenn die Menschen nicht so wahnsinnig dumm wären, so müßten sie es einsehen und sich mit mir verbinden. Ich wäre der Mann, den Westen groß zu machen! Das schönste und prächtigste Theater würde ich bauen! Eine Augenweide, sage ich Dir. Das wäre erst der Anfang. Und begreifst Du denn nicht, was es heißt, den Kopf voller Pläne und Entwürfe zu haben und müßig dastehen zu müssen... nicht die Hände rühren zu köv"-"' Ü'T weil es einem an dem elenden socammon fevlt!... Und wie wurde my lm.«,..: P�it an Palast— nickt diese entsetzlichen Mietskasernen, durch die man Berlin als Stadtbild unmöglich gemacht hat... Du ahnst ja nicht, was sich hier machen ließe! Das Geld liegt tatsächlich auf der Straße— und man darf sich nicht bücken, um es auf- zuheben! Dabei muß man hungern und elend zugrunde gehen!" Drenkwitz sah verdutzt in das aufgeregte Gesicht des Freundes, der die Worte unaufhaltsam hervorsprudelte und an ihrer Buntheit sich berauschte. „Kerlchen, sei auf Deiner Hut!" sagte er in seinem breiten ostpraißischen Dialekt.„Und jetzt oute Nacht!— ich muß morgen in aller Früh in den Dienst. Ich habe keine Zeit, Luftschlösser zu bauen." Er drückte ibm die Hand, winkte einer Droschke und war davongefahren, ehe Keßler sich's versah. tFortsevung fotflt.* f�ationalfcft. ,Vcni feiner Redaktion oder seinem Brot- Herrn auf den Schauplatz bedeut'amer, wichtiger öffentlicher Ereignisse, seien es kriege, ische oder friedliche, heiiere oder lrauerseiiliche, peieudet zu werden, um darüber den Leiern der betreffende» Zeitung zu berichten, gehört für jeden noch lebe iie frische» Journalisten immer zum ivilltomnieusten und angenehmsten, was ihm widerfahren kann." L. P l Das Schillerfest, in dem die bürgerliche Welt zum nächsten Mai den bürgerlichen Revolutionär ins Gemeine der geiättiglen Bourgeoisie bändigen wird, ist überflüssig geworden. Bereits in der letzten Woche des scheidenden Jahres feierte Alldeulsckland einem lebende» Führer und Meister ein Rationalfest, das bew.e'en hat, wie das Boll und seine geborenen Führer noch immer würdig den Geist zu ehren veriiehen. L. P. ist achtzig Jahre alt geworden! Der Mischpokenr chm stieg zur Springflut. Die dankbare NaUon quoll über vor Eni- zückung. Em fcherzfamer Tifchredner bat Bei dieser Gelegenheit mit Reckt gesagt: Daß die Unterschrift„W. G." Wolfgang Goethe bedeute, iver sollte das ahnen. Was aber hinter„L. P." stecke, das weiß jedes Kind in der gebildeten Welt. L. P. also erdielt vom Kaiser einen Ehrensold und folgendes Telegramm:.Herzlichste Glückwünsche und Gottes reichsten Segen dem lichtvollen Historiographen und alten treuen Kriegskame- rade» meines Vaters zu seinem 8v. Geburtstage. Möge der Himmel ihm einen gesegneten Lebensabend bescheren." Beim Festmahl zu Ebre» L. P/s brachte der Schwager des Kaisers Herzog Ernst Günlher den Kaisertoast ans; et hatte dem teuren Manne sogar seine durch die VorbereiUlng der angedrohten Pomniernbankklage sicher stark in Anspruch genommene Zeit geopfert. Alle soliden Dichter und Künstler der Zeit hatten L. P. gedankenschwere Reime und Kuitstgaben geschickr. Er wurde mit Geschenkeu und Bluinen überschüttet. Und in klassischem Versmaß dichtete ein Gönner ihn Aug' in Aug' an: Das hast, Freund, Du bewiesen in herrlichen Tagen von einsttnals, Als Du die Helden des Volks sähest im feindlichen Land, Wie ans zerbeuleten Schild sie den Kaiser der Deutschen erhoben Und des einigen Reiches heiliges Banner enttollt. Darum preisen wir Dich mit jubelnden Zungen als Führer Durch die Gebiete der Kunst, durch die Ge- schichte der Zeit. Unter den Barbaren des Proletariats aber ist vielleicht doch noch einer oder der andere so roh, daß er nicht weiß, wer der HeldengrciS von achtzig Jahren ist, der L. P. sich nennt. Diesen Un- glücklichen sei also gesagt, daß der L. P.- Führer durch die Ge- biete der Kimst. durch die Geschichte der Zeit 40 Jahre lang ein flinker und fleißiger Berichterstatter der„Vosfischen Zeitung" gewesen ist. wo er, wie es scheint, mehr grüne als goldene Lorbeeren ge- sammelt hat; denn der Verlag von Lessings Erben ist erzieherisch genug veranlagt, um seine Angestellten nicht durch den Mammon zu verderben, unter dem er selbst so schwer leidet. Nach dem Adreß- buch heißt L. P,. der mit jubelnden Zungen gepriesene Führer. Ludwig Pietsch, von Haus ein Maler, dann der unerschöpfliche Ball- und Reiiedichter der„Bossischen Zeitung". In dieser Eigenschaft hat L. P. fast ein halbes Jahrhundert zahllose Herden strahlender Schönheiten, genialer Köpfe, edel ge- formier Stirnen„bemerkt". Kein Wunder, daß all die Bemerkten, soweit sie»och lebten, fich dankbar erwiesen und nun auch ihrerseits den achtzigjährigen Herold ihres Ruhines bemerkten. So ward dieser Geburtstag zu dem Familienfest aller derer, die mit zäher Energie fich untereii, ander ibre Bedeutung verfichern. L. P. hat mit un- ermüdlicher Geduld die Ruhmeshalle der talentvollen«»«rgciriste „ f. N, i) Eheeilsaat, autgefchichtet. Indessen so gleichgültig der Jubelgreis stets gewesen, er ver- körpert doch ein Stück der Emtoicklwig der deutschen Bourgeoisie, insbesondere in ihrer Berliner Abart. L. P. geht aus von dem ge- bildeten, schöngeistigen, kleinbürgerlichen, liberalen Bürgertum, das in der Mitte des vorigen Jahrhunderts gedeiht, das 1848 und in der Konfliktszeit ein wenig aufbrandet, das ein paar Männer und sehr viele wilde Philister erzeugt hat. Während der Reaktionszeit fitzt man in politisierenden Tee-Zirkeln und Literaten-Klubs bei- sammen. L. P. kennt alles, was Namen hat. An jeden und jedes hat er„Erinueruugen". Buch an Laflalle hat er sich erinnert, aber der Tischdichter de-? Achtzigjährigen fügt gottlob hinzu, daß ihm der Stürmer nicht gefährlich geworden: Aber der Hecht Irnichs mit in dein Teich und bedrohte die Karpfen, Ob auch Haschisch Tu geraucht mit Laflalle und Tische gerückt hast, Dennoch verführte er nicht Dein rohalistisches Herz. Das royalistische Herz l>erfettete sich in L. P. ebenso wie in dem reicher werdenden Bürgertum. Die blassen Tee-Jdeale schwanden bald völlig, und die Ereignifse des bürgerlichen Daseins bestanden in Subskriptionsbällen, Theaterpremieren, Ausstellungseröffnungen, Wohltäligkeilsbazaren. lebenden Bildern, Sommcrreisen. Für L. P. wurde das Erdendasein mehr und mehr zu einen, ewigen tbeätrs parö, ob er nun die Greuel des Krieges, eine Zaren« krönlnig, ei» Ballfcst. eine Bildersammlung berichterstattete. Das Geheimnis seines Erfolges und seiner Beliebtheit war ieine über- rniellende Lobcsfähigkeit Auf einem einzigen Balle entdeckte er mehr strahlende Schönheiren, als die gesamte ästhetische Freigebigkeit der Weltgeschichte spendet. Er wurde der bezaubernde Stilist weiblicher Reize und Toilcttengeheimnifle; er beherrschte die Fachausdrucke der Textilindustrie wie ein gelernter Konfektionär. Er schwelgte in der süßlichen lüsternen Siniili-Art des seligen Clauren. und das sitten- strenge Publikum der Vossin, die eine ernste Abhandlung über Prostitution mit einer Maflenkündigung der AbonneinentS beaiu- wortet hätte, bewunderte diesen Fleisch- und Konfektionsenthusiasmus. Von L. P. in einen, Bericht mit Namen, Chiffre oder auch nur andeutlnigsweisr erwähnt zu werden, war das Ideal der guten und besten Gesellschaft. Den Ausschnitt des Lebens, den des Künstlers Teniperamcnt nach Zolas Wort gestalten soll, der- wechselte L. P. 40 Jahre lang mit dem Ausschnitt an iveiblichcn Hälsen. Roch heute sieht man den Greis auf allen Beraiistaltmigen der Gesellschaft, stets in der Nähe weißer nackter Fraucnarme und juwelenstarrender Brüste; in der Sprache des NationalfcsteS nennt man das jngendfrisch und schönheitsdurstig. So huldigte L. P. verzückt Tag fiir Tag allem, was Macht, Reichtum, Namen hat. Er fiihrte das Prinzip des Inseratenteils der Dossin in de» redaktionellen Text ein. Kein Inserent kann seine Vorzüge laut Tarif höher anpreise», als es L. P. tat. Niemand schätzte deshalb auch die Künstler, die den Markt beherrschten, höher als diesen Kritiker, der den gesamten Bilderkatalog mit lobenden Bemerkungen als Vossischen Kunstbericht reproduzierte. Nur das Häßliche war den, Manne zuwider! denn er war em Idealist. Und wenn er auch für die revolutionäre Eigenart in den Anfängen einer Künftlerlanfbahn nur Spott übrig hafte— das schadete auf die Dauer nicht; denn da er sehr alt wurde, hatte er immer Zeit, schließlich, wenn eS nicht anders mehr ging, falsche Einschätzungen zu korrigieren. L. P. schuf in Wahrheit die weiblichen und männlichen, die ge- malten und gemeißelten Werte der bürgerlichen Dekadenz, der kom- mandierende Generalreporter der liberalen Bourgeoisie, die vom Extrablatt der Freude über den Märzsieg von 1848 bis zu dem nn- bezwinglichen Ehrgeiz fich entwickelt hat, die Tischkarten der kaiser- lichen DinerS nachzueflem Dennoch klang in das L. P.-Nationalfest vernehmlich ein Totenglöcklein. Auch wem, L. P. noch weitere achtzig Jahre lang für Lessings Erben weibliche Reize fachverständig darstellt, diese bourgeoise Epoche ist bereits im Sterben. Die alte Garde, die sich seit 40 Jahren L. P. ergibt, und immer noch nicht sterben will, war es. die sich in dem Fest scharte. L. P. und die Seinen lasen doch bisweilen immer noch ein ernstes Buch, sie wußten mancherlei, und bemühten fich, deutsch zu schreiben. Schon aber zieht die neue Zeit herauf. Um Lesfings Erben wird es einsam. August Scherl ionzentriert die bürgerliche Oeffentlichkeit, die von Idealen nicht ein- mal mehr redet. Das nächste Nationalfest wird nicht mehr irgend einem L. P. gelten, sondern die dankbare Nation wird fich deren, st nm den SO. Geburtstag jenes Genius vereinigen, der so vielen ge« nützt hat— wenn auch ohne die Pedanterie der Grammatik. A. H. ist die trmmphierende Chiffre! Bon Pieffch zu Holtzbock— das ist der Weg.—.Toc. kleines Feuilleton. — Bon jenen, die man nicht sehen soll, erzählt das„N. Wiener Tageblatt": Zitma ist das letzte Dorf vor Nertschinsk, dem ge» fürchtetsten aller sibirischen Verbannungsorte, wo sich die Gold- minen befinden. Keinem Menschen hat je der Name Zitma so tvohl geklungen als jenen Unglücklichen, die Zeit ihres Lebens nach Nettschrnsk verbannt� sind. Ihr ganzes Sinnen und Trachten, das Ziel ihrer Wünsche, ihr einziger Hoffnungsschimmer ist, jenes kleine Dörfchen zu erreichen, denn ist es ihnen gelungen, soweit unbemerkt zu enttommcn, so sind sie sicher, dort Nahrung, vielleicht auch Ob« dach zu finden. Sie wissen, daß sie nur wenige Meilen locit von Jrkutsk entfernt und auf der Straße nach Europa sind. Meistens warten die Sträflinge die wärmere Jahreszeit ab, ehe sie einen Fluchtversuch tvagen, doch ivenn sich zufällig eine günsttge Gelegen« hcir hierzu im Winter bietet, so wird sie begreiflicherweise ohne Zaudern ergriffen, obwohl sich dann kein Flüchtling der Hoffnung hingeben� darf, vor Einbruch des Frühlings Europa zu erreichen. In den seltensten Fällen wage» es die Flüchtlinge, in irgend einem Hause um Obdach zu bitten,»ist) selbst die Erlangung von Nahrnngs» mittel» wäre mit großen Schwierigkeiten und Gefahren verbunden. mitunter auch ganz unmöglich, wenn ihnen nicht von unbelannter und ungesehener Hand der nötigste Lebensunterhalt auf ihrer Flucht gespendet loürde. Wie sich«ine solche Speudung vollzieht, schildert ein Schriftsteller, de, ihr einmal zur Weihnachtszeit beiwohnte. In einem Hause am Ende des Dorfes war die Gornitza(jener Wohnraum, der nur bei besonderen Festlichkeiten benützt wird), hell erleuchtet, und der große Kachelofen sprühte. Die Familie hatte sich vollzählig versammelt, um den Weihnachtsabend mit einem Festmahle würdig zu begehen. Knapp unter dem Fenster stand ein gedecktes Tischchen mit einer helllenchtende» Lampe, einem Kruge Wasser und einem Stück Brot, und bei jedem frisch aufgetragenen Gerichte stand die Tochter des Hauses auf und setzte eines der besten Stücke auf den Nebentisch. Das Mahl war bereits zu Ende, und man hatte die gebräuchlichen Choralgesänge angestimmt, als Plötz- lich eine Stimme von draußen klar und deutlich die Worte rief: „Gott sei mit Euch!" Wie mit einem Schlage verstummte der Ge« sang, und der Hausvater, von seinem Sitze aufstehend, ohne sich jedoch von seinem Platze zu rühren, antwortete in feierlichem Tone: „Und mit Dir. Wir haben Dich erwartet. Dein Teil ist bereit."' Draußen vor dem Fenster vernahm man nun das Geräusch knarrender Schritte im festgefrorene» Schnee, das Fenster wurde ein wenig geöffnet und eine Hand erschien in dem Spalte, tastete etwas umher, griff dann das Brot und verschivand. Alle Anwesenden! hatten sich ernst und schweigend erhoben und standen mit gefalteten Händen und zu Boden geschlagenen Augen da. Jetzt erschien die Hand zum zweitenmal und nahm den Krug.„Nirmn ihn hin!" sprach der Muschik, ohne den Kopf zu wende,».„Heute ist ja der Heilige tlbend. Willst Du»och etwas?"—„Betet für mich!" kam die Antwort zurück. Man hörte, wie der Krug in langen, gierigen Zügen ge» leert wurde, und dann verhallten allmählich die sich entfernenden Schritte im krachenden Schnee... In allen Häusern Sibiriens. wo wohlmeinende Menschen wohnen, steht jahraus, jahrein ein gc- deckter Tisch mit Lampe, Brot und Wafler beim Fenster bereit für jene, die man nicht sehen soll, das heißt für Flüchtlinge.— ie. Was einen, auf einer Reise in Indien passieren kann. schildert ein Beamter des Rcgierungsmnseums in Madras. Dieser Gelehrte hatte im letzten Jahr eine längere Reise durch das Gebiet von Maisur zu völkerkundlichen Zwecken und namentlich zur Fort- setzung seiner Untersuchungen über die körperlichen Eigenschaften der Canaresen unternommen. Seine Arbeiten vollzogen fich unter fast unglaublichen Schwierigleiten, die ihm durch die panikartige Angst der Eingeborenen bereitet wurde. Diese hielten ihn nämlich für einen geheimen Werbe-Offizier und flohen bei seiner An- Näherung von Stadt zu Stadt. Die Furcht der Eingeborenen wurde noch besonders verstärkt durch die Art, wie der Forscher für seine wissenschaftlichen Zwecke Schädelmesfimgen vornahm. Er machte nämlich, um die Lage der Naht zwischen Siirn und RaseNbci» an- zuzeigen, auf die Haut einen kleinen Strich mit weißer Farbe. Die Leute aber glaubten, daß diese Behandlung als Erkennungszeichen für eine„ahbcvorstehende Aushebung gelten oder sonst unangenehme Folgen haben könnte. Als nun in einer Stadt in unmittelbarer Nähe des Forschers ein Mensch starb, wurde dies dem Einfluß seines „bösen Blickes" zugeschrieben. Der Reisende kam auf diese Weise mitunter in eine peinliche und merkwürdige Lage, namentlich alle Greise. Weiber und Kinder ergriffen vor ihm die Flucht. Ivenn sie nur irgend konnten. Die Verkäufer von Nahrungsmitteln schlugen ihre Preise auf, um überhaupt nur ein Geschäft zu mach.», und ein Missionar beklagte sich bei dem Gelehrte», daß er den Preis sur die Butter nicht mehr bezahlen könnte. In einer bedeutenden Stadt war gerade, als der Forscher ankam, der Tag eines Tempel» festes, aber es fanden sich nicht einmal genug Manner, um den Tempelwagcn in der Prozession zu ziehen. Das Haupt einer anderen Stadt entschuldigte sich bei der Begrüßung des Reisenden wegen seiner struppigen Erscheinung; der Barbier des Ortes wäre geflohen. Ein Mann, der zur Messung seiner körperlichen Eigenschaften heran- gezogen war, wurde von plötzlicher Angst ergriffen, warf dem Gc- lehrten seine Kleider vor die Füße und rannte fort wie vom Teufel besessen, ein anderer weinte während der Messung bitterlich.— Astronomisches. t. W i e ein Sternbild auseinander geht. Wenn wir uns in einer klaren Nacht den Himmel betrachten, und zwar längere Zeit, so sehen wir nur die Planeten, die etwa sichtbar sind, ihre Stellung zu einander und zu den übrigen Sternen verändern, während die Fixsterne nur die ihnen durch die Erddrehung erteilte scheinbare Bewegung ausführen, gegeneinander aber genau dieselbe Lage und denselben Abstand beibehalten. Demzufolge war es durch- aus natürlich, daß man in den Anfängen der tzimmelssorjchuug und überhaupt bis in die neueste Zeit hinein alle Sterne mit Ausnahme der Planeten für fest fixiert hielt, weshalb sie den Namen Fixsterne erhalten haben. Heute wiffen wir, daß alle großen Sterne, also auch diese Fixsterne, eine mehr oder weniger große und meist ungeheuere Geschwindigkeit besitzen. Von diesem Gesetz ist auch unsere Sonne nicht ausgenommen, die vielmehr mit all ihren Trabanten in einem Tempo von etwa 2ö Kilometern in der Sekunde oder 80» Millionen Kilometern in einem Jahre durch den Weltraum rast. Da nun andere Fixsterne sich in ähnlicher Bewegung, zuweilen mit noch viel größerer Geschwindigkeit, befinden, so folgt daraus, daß die Stern- karten, wie wir sie heute haben, mit ihren teilweise schon im Alter- tum konstruierten Sternbildern nicht für die Ewigkeit richtig bleiben können. Innerhalb eines Sternbildes, das wir am Himmel als ein zusammengehöriges Ganzes zu betrachten uns gewöhnt haben, be- wegen sich die einzelnen Sterne mit ganz verschiedenen Geschwindig. leiten nach ganz verschiedenen Richtungen, so daß also die Stern- bilder mit der Zeit auseinandergehen müssen. Dieser Vorgang ist freilich wegen der ungeheueren Entfernung, in der sich die Fixsterne von uns befinden, trotz der Schnelligkeit ihrer Reise für unser Auge überhaupt nicht bemerkbar. Rur die äußerste Vervollkommnung der Fernrohre und der astronomischen Meßinstrumente hat die Möglich- keit gegeben, im Verlaufe von Jahrzehnten und Jahrhunderten an einem Teil der Fixsterne deren Eigcnbewcgung zu erkennen und innerhalb einer gewissen nicht sehr großen Genauigkeit nach Richtung und Schnelligkeit festzustellen. Am weitesten sind diese Arbeiten bisher mit Bezug aus die Sterngruppen gediehen, die in dem Stern- bild des Stiers zusammengefaßt werden. Eine wichtige Forschung hat auf diesem Gebiete Dr. Wccrsma in Groningen über die Be- wegungen der Hyaden veröffentlicht, die nach der alten Auffassung den Kops des Stiers bilden, als dessen Auge der mächtige Aldebaran erstrahlt. An diesen Hyaden, in denen 66 Sterne gezählt werden, ist das allmähliche Auseinandergehen eines Sternbildes schon etwas genauer zu erkennen. Der Forscher hat auf Grund, seiner Unter- suchungen diese Sterne in drei Hauptgruppen nach dem Betrage und der Richtung ihrer jährlichen Bewegung unterschieden. Die erste Gruppe begreift 33 Sterne in sich, darunter die hellsten, aber mit Ausnahme des Aldebaran, die in der Richtung nach Nord zu Ost um etwa eine Zehntel Bogensekunde jährlich fortschreiten. Der zweiten Gruppe gehören der Aldebaran und drei schwache Sterne an, die eine noch um die Hälfte schnellere Bewegung besitzen. Die dritte Gruppe geht fast in der entgegengesetzten Richtung davon, aber mit sehr viel geringerer Geschwindigkeit. Es ist daher anzunehmen, daß die zu ihr gehörigen Sterne von unserem Sonnensystem erheblich weiter entfernt sind als die übrigen.— Meteorologisches. .— Das regenreichste Gebiet Europas ist nach den Untersuchungen, die Professor Dr. K. K a s s n e r im letzten Heft von Petermanns Mitteilungen zusammenstellt, die Ge- birgSgcgend nördlich von den Bocche di Cattaro, insbesondere das Gebiet von Crkvice(10S7 Meter über dem Meere). Das Mittel der Niederschlagsmengen für den Zeitraum von 1891—1906 steigt dort auf 4556 Millimeter. Allerdings sind die Schwankungen in der Jahresmenge außerordentlich groß, bei den Monatsmengen des Untersuchungszeitraums wachsen sie zu kaum glaublichen Be- trägen an; selbst im trockensten Monat, dem Juli, hat man schon 129 Millimeter gemessen, d. h. nur im Jahrzehnt 1891— 1900, jedoch 1888 sielen 174 Millimeter. Was will das aber besagen gegen Monatsmengcn von 1000 Millimeter und mehr. Allein in dem Jahrzehnt von 1891 bis 1900 kamen zu Crkvice 1000 Millimeter und mehr im Oktober einmal, im November viermal, im Dezember drei- mal und im Januar zweimal vor, davon kam allein in dem Winter 1896/97 je eine Menge von über 1000 Millimeter auf den Oktober, November, Dezember und Januar— insgesamt fielen in diesen vier aufeinanderfolgenden Monaten nicht weniger als 4568 Millimeter I Die größte bis jetzt bekannt gewordene MonatSmenge war die vom November 1891 mit 1704 Millimeter, wovon der größte Teil im letzten Drittel gemessen wurde. Allein in den drei Tagen vom 26. bis 28. fiel mehr als in Berlin durchschnittlich im ganzen Jahre. Dieser Niederschlag war allerdings ziemlich lokal, da zwar auch Jankov Vrh noch 1628 Millimeter ausweist, aber das im Regen- schatten liegende Goli Vrh nur 240 Millimeter empfing. Weniger ungleichmäßig war die Verteilung im November 1396, wo in Punta Verautwortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin.— Druck und Verlag: dOstro 289 Millimeter, im Castelnuobo 489, in Cattaro 509, Goli Vrh 671, in Jankov Vrh 1051 und in Crkvice 1143 Millimeter fielen. Weitaus größere Gegensätze als die örtlichen zeigen die zeitlichen Unterschiede. In Crkvice folgte dem nassesten aller November, dem November 1891, mit 1704 Millimeter der November 1892 mit nur 168 Millimeter— also weniger als zehnmal kleiner— umgekehrt dem November 1899 mit 40 Millimeter, der des folgenden Jahres mit 1292 Millimeter, d. h. 30mal größer. Im Februar 1891 fielen nur 7 Millimeter, aber im nächsten Jahre 925 Millimeter, mithin 132mal mehr! Dabei sind die Tagesmaxima gar nicht so absonderlich groß, denn das größte in Crkvice erreichte nur 323 Millimeter(1901 etwa 354 Millimeter), d. h. nur 7 Prozent der Jahresmenge, während der Wolkenbruch vom 14. April 1902 zu Berlin fast 29 Prozent der nor- nialen Jahrcsmcnge lieferte. Auch hier bestätigt sich die alte Er- fahrung, daß regenreiche Gegenden den Niederschlag in der Regel nicht so sehr durch ganz ungewöhnliche Güsse, als vielmehr durch starke und dabei häusige Rcgensälle erhalten. Ebenso sind„tropische Regengüsse" nicht s»«-.»gez-tehnet durch ihre Dichte ld. b. die Menge durch die Zeit dividiert), als durch die große Dauer einer den ürnrch- schnitt nicht allzuviel überschreitenden Dichte. Die riesigen Nieder- schlüge fallen nun meist in der Form von Regen(im Sommer durch- schnittlich an 6— 10 und im Winter an 12—15 Tagen) und sind häufig von Gewittern begleitet. Die Zahl der Gewittertage ist zwar im Sommer am größten, aber sie sinkt in keinem Monat auf Null herab— wenigstens im mehrjährigen Durchschnitt. Sie scheint am kleinsten im Dezember und April zu sein und hat zwischendurch eine nierkbare Zunahme. In dieser Zeit, d. h. im Hochwinter, ist die Zahl der Hageltagc am größten, und am kleinsten im Hochsommer, ent- sprechend der geringen Luftfeuchtigkeit sowie der hohen Lust- tcmperatur, die Hagclbildungen schon im Beginne aufheben würde. Schnee fällt sehr reichlich, so daß in einzelnen Wintern hochgelegene Ortschaften tagelang von jedem Verkehr abgeschnitten sind.— („Köln. Ztg.") Hninoristisches. — Ein Philosoph.„Ja, was tun Sie denn, Herr Schlückerl, wenn Ihnen die Frau solche Szenen macht?" „O, da red' i' ka Wort— aber i'— trink' mein' Teil!"— — Schlagfertig.„Lina, was muß ich sehen, Sie tragen ja dieselben Hüte und Kleider wie ichl Wo soll denn da der Unterschied zwischen Frau und Köchin liegen?" „Im Kochen!"— — Unbegreiflich.„Warum mögen S' denn loa' Fleisch?" „Weil man so ein höheres Alter erreicht!" „Warum trink'n S' denn nacha loa' Bier und koan' Wein nct?" „Weil das Leben dann länger dauert!" „Und warum rauch'n S' denn loa' Pfeif'n?" „Weil man so länger lebt!" „Ja— aber, wenn S' loa' Fleisch essen, koan' Wein trinken und koan' Tabak rauch'n— warum woll'n©' denn nacha länger leb'n?!"—(„Fliegende Blätter".) Notizen. —„I ch bekenn e", Roman von Clara Müller- I a h n k e, ist im Verlage von F. A. Lattmann in Buchform erschienen. Preis: brosch. 2 M. 50 Pf., geb. 3 M.— — Die Halbmonatsschrift„Aus fremden Zungen" er- scheint von Neujahr ab im Verlag von Demker, Berlin W. Die Redaktion hat Richard Schott übernommen.— — Gustav Wied hat mit seinem neuen Stück„Der Stolz der Stadt" im Nationaltheatcr zu Christian ia einen durchschlagenden Erfolg errungen.— c. In Dublin wurde dieser Tage ein irisches literarisches Theater eröffnet.— — Der erste Preis(1000 Kronen) beim Libretto» Preisausschreiben des Theaters an der Wien ist der Arbeit „Prinz Don Juan" zugefallen. 110 Werke waren ein- gelaufen.— — Die Vach-Gesellschaft hat Sebastian Bachs Geburts- Haus in Eisenach angekauft und wird es zu einem Bach-Museum umgestalten.— — Zur Erlangung eines künstlerischen Plakates für die Große Berliner Krinstaussiellung 1905 sind drei Preise von 600, 500 und 300 M. ausgesetzt worden. Ablieferungstermin: 1. Februar 1905. Alles Nähere durch das Bureau der Kunst- ausstellung: Berlin I41V. 40.— k. Ein neues Observatorium wird auf dem M o u n t Wilson(Kalifornien), 6000 Fuß über dem Meeresspiegel, ge- baut.— t — Das Stauwerk der S a a l e- T a l s p e r r e, zu der die Bermessungsarbeiien bereits festgestellt sind, wird 50 Millionen Kubikmeter Wasser fassen. Die Staumauer wird 50 Meter hoch.— — Vor einigen Tagen ist ein großer deutscher Dampfer mit einer Fischbeute von 300 Zentnern aus den marokka» nischen Gewässern zurückgekehrt. Die Ausbeute bestand hauptsächlich in Adlerlachs, Seekarpfen und Blaubarsch,—_ Vorwärts Buchdruckerei u.VerlagSanstalt Paul Singer LrCo., Berlin 2 W.