Anterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 19. 19] Donnerstag, den 26. Januar. ( Nachdruck verboten.) Der Baumeister. Roman von Felix Holländer. " Ich glaube ja auch nicht ernstlich, daß das Glück von äußerer Bracht abhängig ist," entgegnete Keßler. Ich kann mir auch vorstellen, daß man mit einem Menschen, der einem alles ist und alles gibt, in einer elenden Kammer namenlos glücklich zu sein vermag. „ Ist das Ihr ganzer Ernst?" " Ja, Fräulein Anders!" " Warum belügen Sie sich?" " Ich glaube fest daran." „ Ein Mensch, der ein Theater bauen will, muß die Pracht und Herrlichkeit von ganzer Seele lieben " ,, Man kann doch sein Berufsleben und sein inneres Glück voneinander trennen!" „ Nein, das kann man nicht. Und ein Künstler ist es vollends nicht imſtande." „ Sie halten mich also für einen oberflächlichen Menschen?" „ Das habe ich nicht gesagt. Im Gegenteil, es wäre vielleicht schlimm für Sie, wenn Sie anders wären." Sagen Sie mir, ob Sie mir ein bißchen gut sein fönnten. " רוד Bitte, fragen Sie mich nicht." " Ich lege mein ganzes Glück in Ihre Hände!" Auf, wie lange?" " Warum zweifeln Sie an mir? Und warum entziehen Sie sich mir? Ich habe gedacht, Sie müßten mich ein bißchen verstehen." Vielleicht verstehe ich Sie auch und besser als Sie ahnen." Ihre Züge wurden schwermütig. „ Wenn Sie mich verstehen, so müssen Sie wissen, daß mein ganzes Schicksal von Ihnen abhängt." Er sah sie voll Er sah sie voll Leidenschaft an und wurde befremdet durch ihr Gesicht, das ihm traurig und entsagend schien. " " Was haben Sie denn nur?" fragte er bekümmert. Warum tun Sie mir weh?" " Ich möchte Sie nicht verlegen." " Ich glaube Ihnen!" " Ich habe einen Vater," fuhr sie fort, der sein ganzes Leben hindurch wie ein strenger Künstler gerungen. Erreicht hat er freilich nichts. Immer stand er im Dunklen, und heute schlägt er sich als armer Orchestermusiker in einem Rauchtheater durch und instrumentiert für andere in seinen Muße stunden. Dieser Mensch- sagte sie langsam hat dennoch feine innere Freiheit und Heiterfeit nicht verloren. Er hat niemals über sich hinausgewollt, und kein falscher Ehrgeiz hat ihn mürbe gemacht und zerbrochen." Sie schwieg und betrachtete ihn ernst. " Fräulein Grete," entgegnete er, ich begreife nicht, was Sie damit sagen wollen." ,, Nur, daß ich auch nicht über mich hinausstrebe daß ich mir mein inneres Gleichgewicht bewahren möchte. Ich habe Angst, wenn Sie so große Worte zu mir sprechen." " Das ist freilich bitter, daß Sie so gar kein Vertrauen zu mir haben!" Grete schüttelte den Kopf und schwieg eine Weile, ehe sie erwiderte: Ich möchte mich nicht verlieren." Er nahm ihre Hand und drückte sie. " Wissen Ihre Eltern, wo Sie heute abend sind?" " Ja," antwortete sie einfach. ,, und hatten sie nichts dagegen?" „ Sie haben Ehrfurcht vor meinem Willen. Sie wissen, daß ihr Einfluß aufhören würde, wenn sie mich hemmen wollten." Ich habe mich in Ihren Vater beim ersten Blick verliebt. Er ist keine Nummer er ist ein Mensch." Das ist er!" erwiderte sie warm, und ein dankbarer Blick traf ihn. Wir wollen auf das Wohl Ihres Vaters trinken." ,, Und auf das meiner Mutter." Sie hoben die Gläser und stießen an. Er schenkte sie von neuem voll. " Fräulein Grete, wissen Sie, daß Sie mein Halt und meine Stüße sind?" Darauf schwieg sie. 1905 " Ich habe immer die Sehnsucht nach einem Menschen gehabt, dem ich rückhaltlos alles und jedes sagen könnte. Ich habe immer allein gestanden. Sie sind der erste Mensch, zi dem ich so spreche. Von der ersten Stunde an habe ich gewußt, daß wir beide eine innere und unauflösliche Beziehung zueinander haben. Ich habe gewußt," setzte er erregt hinzu, daß es mir von nun an nicht mehr fehlen könnte. Begreifen Sie mich doch! Seien Sie gütig gegen mich! Ich brauche hören Sie ich brauche Ihre Güte." " " Bin ich wirklich hart gegen Sie?" " Ja, Sie verschließen sich mir. Sie wollen nicht, daß ich stark und glücklich bin. Durch Sie könnte ich stark und glücklich sein." Nur durch sich selbst können Sie es sein." „ Das ist nicht wahr das leugne ich! Mein ganzes Selbstvertrauen, alle meine Kraft würde wachsen, wenn ich wüßte, daß eine Seele fest an mir hängt bedingungslos an mich glaubt. Und diese Seele könnte kein anderer Mensch Kein anderer Mensch als ich," wiederholte sie, in sich verträumt. sein als Sie!" Ist es denn etwas Arges und Schwächliches, wenn man den Teil sucht, der einen ergänzt?... Und wenn man ihn nicht mehr loslassen will, nachdem man ihn gefunden hat?... Sie haben so etwas Starkes und Zuverlässiges so etwas Wurzelfestes...!" Nein," erwiderte sie, ich bin nur troßig und selbstherrlich." ,, Sie sind, wie Sie sein müssen." Wieder nahm er sein Glas, und indem er es zum Munde führte, sagte er: Sch „ Ich trinke auf unsere Liebe! Nicht wahr, Sie haben mich" ein wenig lieb?" " Ja, ich habe Sie lieb." Ihr Gesicht wurde über und über rot, und ihre dunklen Augen schienen noch mehr nach innen zu sinken. ,, O," sagte er mit unterdrückter Stimme, ich möchte Dich immer nur ansehen... Deine feinen Augenbrauen, Deine Stirn, Deinen Mund und während er sie füßte, schloß sie die Augen. Sie beugte sich zu ihm hin, ohne Willen und Widerstand, Und immer wieder zog er sie an sich und wieder ließ sie es geschehen. ,, Morgen komme ich zu den Eltern!" sagte er wie trunken. Mit beiden Händen wehrte sie ab. Nein nein! Das will ich nicht!" „ Kind, was hast Du?" fragte er, erschreckt durch ihre Miene, die plötzlich wieder etwas Verstörtes angenommen hatte. Nichts nichts habe ich!" antwortete sie und versuchte zu lächeln. ich fein " Ich dränge Dich nicht... ich tue, was Du willst komme nicht eher, als Du es selber wünscheſt." Laß mich jetzt heim," bat sie. " ,, Bleibe noch," drängte er, Ich möchte, daß dieser Abend Ende nähme, ich habe Dir ja so viel zu sagen!" Sie nichte stumm, und er begann zu erzählen, von seinen Plänen und Zukunftsträumen. Das große Gefühl, das ihn erfüllte, löste seine Zunge. Er beschrieb ihr das Theater bis in das kleinste Winkelchen. Sie sah die Fassade des aus Sandstein gebauten Hauses, sie sah die marmorne Treppe, die zu den Entrees führte, sie sah die drehbare Bühne, bei der die legten Errungenschaften der Technik angewandt waren, sie blickte hinunter in den vornehmen, hellerleuchteten Zuschauerraum, dessen Decke ein Kunstwerk war und dessen Logen und Ränge eine ungeahnte Pracht offenbarten. Und dann taten sich vor ihr die eleganten Foyers auf, in denen das Publikum während der Pausen seinem Entzücken über diesen Wunderbau Ausdruck gab. Sie hörte ihm mit stiller Freude zu, und ihre Augen weiteten sich. " Ich habe Dich am liebsten," sagte sie zärtlich, wenn Du von Deiner Arbeit sprichst." ,, Du kannst Dir gar nicht vorstellen," fuhr er fort ,,, was es für ein Elend ist, wenn ein Mensch, der arbeiten will und voller Entwürfe steckt, nicht die Möglichkeit hat, sich in seinem Können auszuleben. Das ist schlimmer als Hunger. Dann kommt eine Verbitterung über einen, die alle Zuversichtlichkeit und alles Selbstvertrauen zerfrißt, die einen mutlos und mürbe macht. Man verliert alles Matz für die Dinge— man reibt sich in seiner Hoffnungslosigkeit ans." „Ich begreife das so gut," erwiderte sie,«und dennoch hast Du es tausendmal besser gehabt als die meisten anderen, die nicht nur den geistigen, sondern auch den leiblichen Hunger am eigenen Fleisch erfuhren und um den gemeinen Lebensunterhalt noch kämpfen mutzten. Etwas Jammervolleres gibt es gar nicht." järr blickte sie grotz an. „Du irrst, wenn Du meinst, es sei mir besser ergangen. Wie oft bin ich mit leerem Magen zu Bette gegangen— wie oft habe ich nicht ein noch aus gewußt. Weißt Du, wie ich es dann gemacht habe?" setzte er lachend hinzu...„Ich habe einfach die Mahlzeiten verschlafen. Mein Elend fing erst dann a», wenn ich keinen reinen Kragen mehr hatte. Hungern muß jeder Künstler, und davon soll man auch nicht so viel Wesens machen. Nur nicht der Welt zeigen, wie schlecht es einem geht— das war immer und immer mein Bestreben. Siehst Tu," sagte er lachend,„es ist noch gar nicht lange her, wo mein Mittag- und Abendmahl in einer trockenen Semmel bestand, und niemand hat davon gewußt. Jeder hätte meinem Aeußern nach geurteilt, ich lebte sorgenlos dahin. Ein paar Stunden, bevor ich Dich an jenem Abend traf, trat eine Wendung ein. Ich hatte nur noch ein paar Groschen in der Tasche, und nicht die geringsten Aussichten." l Fortsetzung folgt.) Liemes Feuilleton. tb. Tante Gnste. In höchster Aufregung stürmte Lieselotte in daS Zimmer. Mit allen Zeichen der Entrüstung schleuderte sie Hut und Pelzkragen in die nächste Ecke, warf sich in einen Sessel und brach in krampfhaftes Schluchzen aus. „Aber Lotti.. Kind,.. was ist denn, Lottichenl" Die Mutter schrie auf und eilte zu ihr hin.„Nein, was ist denn, Lotti? So rede doch nurl Ist ein Unglück geschehen?.. Ist Fritz.." „Fritz ist.. jawohl, Fritz.. ein, ein, ein Ungeheuer ist Fritz." Liselottes Stimme brach, dann schrie sie mit einem wahrhaft dramatischen Effekt:„Ich bin ja totunglücklichl" „Aber was ist denn geschehen, was macht denn Dein Mann?" Die Mutter schlug die Hanke zusammen.„Du armes Kindt Das ist ja entsetzlich I.. Hat er Dich betrogen? Ich habe es aber immer gesagt, er hält es mit den Dienstmädchen." „Nein, das ist ja aber gar nicht wahr! Wie kannst Du denn so etwas sagen, Mamal" Jetzt war Liselotte direkt empört.„Es ist ja überhaupt etwas ganz anderes... Ach, ich bin ja außer mir, ich bin ja verzweifelt I Kannst Du Dir so etwas denken? Er will — das Winzerfest nicht mitmachen!" Sie trocknete ihre Tränen und sah die Mutter an, als ver- kündete sie eine Schauermär. Die Mutter schien sie auch als solche zu empfinden, sie sank gleichfalls auf einen Stuhl.„Er will nicht mehr?.. Aber warum denn nicht?.. Was ist denn..? Lieselotte schluchzte schon wieder.„Ich wollte ein neues Kleid dazu haben und es heute kaufen, mit dem grünseidencn war ich doch schon einigemal weg, und da sagt er, das wäre ihm zu teuer, und das grünseidcne wäre ja noch wie neu, und da sag' ich, dann ginge ich gar nicht, und da sagt er, das wär' ihm das liebste, wir wären auch genug auf Bällen gewesen. Es ist unerhört!" „Unerhört I" bestätigte die Mutter. Lieselotte sah gen Himmel:„Ich weiß ja aber.auch, wer mir das eingebrockt hat. Daran ist bloß seine Tante Guste schuld." „Tante Guste I" Die Augen der Mutter begannen zu funkeln. „Tante Guste", wiederholte Lieselotte kampfbereit.„Tante Guste hat es ihm ins Ohr gesetzt. DaS unterliegt für mich gar keinem Zweifel. Er leugnet noch, hat sie seit Wochen nicht gesehen; ich weiß doch, waS ich davon zu halten habe. Sie wird schon was ge- sagt haben über Verschwendungssucht und so weiter." „Das ist ja aber ein schreckliches Weib I Das ist ja abscheulich von der Alten! Wie kann denn die solchen Unfrieden ,n Eure junge Ehe tragen? Und Dein lieber Mann läßt ihr das so durch- gehen?" „Mein lieber Mann... ja wohl, mein lieber Mann!..." Lieselotte lachte hysterisch auf.„AlS ob der nicht auf ihrer Seite wäre I Du hörst es ja. er hat sie seit Wochen nicht gesehen, er meidet sie schon tunlichst, weil wir doch„was gegen sie haben"; sie ist die beste verständigste Frau, nur ich bin die Unverträgliche. So was muß man sich sagen lassen „Und alles um dieses Weib!... Der möchte ich ja mal Bescheid sagen I" Die Entrüstung der Mutter wuchs. „DaS tu lieber nicht,— Fritz hält ja doch zu ihr." Lieselotte schluchzte schon wieder.„Das ist ja'ne Frau, dte man s o schätzen muß. er hat sie ja s o kennen gelernt, wie er bei ihr gewohnt hat! Ach er geht ja auch heimlich zu ihr. ich bin ja davon überzeugt. Er war ja vorgestern auch bei chr und zu mir sagte er, er wäre im Klub gewesen." „Es ist unerhört von der Frau l" Die Mutter schüttelte den Kopf.„DaS ist ja eine ganz gefährliche Person I Die spielt ja mit Familiengück! Was plant denn die? Die denkt wohl, er soll sich scheiden lassen und ihre alte Unke von Tochter heiraten?" „Ach... Mama!?... Aber zuzutrauen ist eS ihr." Liese- lotte setzte sich aufrecht.„Der Perfon ist alles zuzutrauen, nach- dem sie solchen siirchtbaren Unfrieden zwischen meinen Mann und mich gebracht hat I... Wer klingelt denn da draußen?... Ja, das ist ja Fritz I" „Der kommt mir gerade recht," sagte die Schwiegermutter und zog die Brauen hoch. Es war wirklich Fritz. Er blieb in der Tür stehen und sah mit einem Anflug von Humor auf seine Frau.«So hier bist Du? Das dachte ich mir. Na, hat das Gewitter ausgetobt, oder grollt's noch?" Er trat näher und versuchte ihr Köpfchen emporzuziehen. Sie stieß ihn unartig zurück. „Hohn und Spott ist bei all dem Unglück wirklich nicht an- gebracht," sagte würdevoll die Schwiegermutter. „Hohn und Spott?... Unglück?" Er drehte sich um und machte eine Art Schaisgesicht. „Sie brauchen meine Tochter nicht auch noch zu verlachen, nach- dem sie ihr all das zugefügt." „Zugefügt? Was denn? Daß ich ihr nicht noch ein Ballkleid kaufen will— wo sie schon zwei im Schrank zu hängen hat?" „Es ist unerhört," sagte die Mutter.„Sie schlagen einen Ton an Schwiegersohn." „Und alles um diese„Tante Guste", schluchzte Lieselotte. „Ach, weißt Du, mit dem Unsinn hör' jetzt auf!" Fritz wurde ärgerlich:„Ich habe Dir schon einmal gesagt, ich Hab meine Tante seit Wochen nicht gesehen, ich..." „Lüge doch nicht!— Du warst vorgestern— bei ihr. Seit vorgestern bist Du gegen mein Kleid." „Bitte, jetzt wäge Deine Worte!" Der Mann reckte sich.„Ich lüge nie, daß Du es weißt! Ich bin allein vernünftig genug, um zu berechnen, was zu teuer ist, und brauch dazu wirklich keine Tanten." „Jetzt wird er uoch grob." schluchzte Lieselotte.„Mama, Du hörst es. wie er mich anfährt! Er behandelt mich schlimmer als ein Dienstmädchen! Und alles um diese Tante Guste." „Ich muß darum bitten, nieiue Tante auö dem Spiel zu lasten I" „Dann hätte nur Ihre Tante selbst aus dem Spiel bleiben sollen. Das ist ja unerhört von der Person, solch Unglück über mein Kind zu bringen." Die Mutter stand da wie eine zornige Löwin: „Aber wir durchschauen das infame Weib I" „Die will bloß, daß Du mich verlassen sollst, um ihre Tochter zu heiraten" winnilerte Lieselotte. „Was will...? Na, da hört ja aber alles auf I" Fritz stemmte die Hände in die Seiten:„Seid Ihr Beide verdreht ge- worden?... Jetzt will ich Dir mal ernstlich was sagen, mein Kind. Jetzt kommst Du nach Hause und bist vernünftig. Ich habe es satt! Willst Du nicht? Nun, dann geh' ich voran; wenn Du wieder gescheit bist, kannst Du nachkommen." Die Tür fiel hinter ihm ins Schloß. „Fritz I" schrie Lieselotte auf.„Fritz!... Mama l... er verläßt mich!..." „Und all daS um diese Tante Guste!" Die Mutter stand wie Lots Weib, dann stürzte sie plötzlich nach dem Schreibttsch.„Aber der werde ich jetzt mal einen Bnef schreiben und chr klar machen, wie gemein sie ist I" „So, da steht es: Dank Ihrer infamen Ränke und Intrigen ist mein armes Kind tief unglücklich geworden. Triumphieren Sie aber nicht zu früh, Sie werden die Früchte Ihrer bösen Saat nicht ernten. Meine Tochter wird ihre Rechte bis zuletzt verteidigen. Pfui über eine Frau, die in so nichtswürdiger Weise mit dem Glück einer Familie spielt... „DaS wird hoffentlich ziehen. Jetzt kam ihn die Minna gleich hinttagen und bei ihr abgeben." Sie schloß den Brief und klingelte nach dem Mädchen, dann warf sie sich erschöpft in einen Sessel: „Die wird ja Augen machen, daß sie durchschaut ist."... „Na und ich lasse mich nicht scheiden um die Person," schluchzte Liselotte.„Ich mache ihrer Tochter nicht Platz; fällt mir nicht ein I... Da ist wohl die Minna schon wieder?... Ja, was soll denn das heißen? Sie bringen ja den Brief zurück!" „Man hat wohl die Annahme verweigert?" rief die Mutter empört. Das Mädchen legte den Brief auf den Tisch.„Nee.'s is über- Haupt keencr zu Hause, und der Portter sagt, Se möchten'n man mit die Post nachschicken, de Herrschaft is schon seit sechs Wochen in Bremen." Es entstand ein drückendes Schweigen. „Ja, Mama," sagte Lieselotte endlich weinerlich,„Mama, wenn sie schon sechs Wochen verreist ist, dann kann sie ja gar nicht schuld dran sein:„Mama, wer ist es denn aber dann?..." t. Flüsse im Wolkcnmeer. Eine Naturerscheinung, die von Luft» schiffern hie und da beobachtet worden ist, behandelt K. v. Bastus im neuesten Heft der„Illustrierten Aeronautischen Mitteilungen". -O 75 Vor den neueren offiziellen Bildhauern, die pomphafter aufs treten, hatte Siemering die bescheidenere Note voraus. Er schien zu wissen, daß er aus einer Zeit stammte, der die neuere Entwidelung fremd sein mußte, und diese kleinbürgerliche Tradition hielt er fünstlerisch ehrlich aufrecht. Jedoch, es ist ein übles Ding: der Künstler, der für eine größere Gemeinschaft arbeitet, muß es sich gefallen lassen, daß man ihn mit tritischem Maßstab mißt, der keine Rücksichten fennt. Und da muß man sagen, daß das Hinscheiden dieser älteren Generation für die Kunst eine Befreiuung bildet. Kulturgeschichtliches. Es handelt sich um die Abbildung von Gewässern in einer Wolfen- etwas Jovial- Menschliches. Er brachte etwas Wih in diese korpus decke. Die Photographien solcher Wolfenmeere, die vb. Bassus auf- lente Persönlichkeit, die sich auf den Krückstock stüßt, während rechts genommen hat, machen die Bedeutung dieser Wahrnehmungen voll- und links am Sockel Sprüche angebracht sind, die zum Sparen und auf verständlich. Wenn man in einem Luftballon schwebt und zum einfachen Lebenswandel mahnen. Auch die Porträtbüsten des von diesem auf eine geschlossene Wolfendede herunterfieht, so laffen Fürsten von Anhalt- Dessau und Frhrn. von Ilgen sind schlechte und fich auf ihr als eine Art von Tälern, Furchen, Löchern, als größere rechte Arbeiten eines Künstlers, der über die eigentlichen Prinzipien Lüden oder auch nur als dunklere Flede von verschiedener Größe seiner Kunst nicht nachdentt, aber bestrebt ist, etwas zu liefern, das die Lage und der Verlauf der Gewäffer erkennen, die wiederum den künstlerischen Anforderungen seiner Zeit entspricht. Das unter dieser Wolfendede auf der Erdoberfläche befindlich find. Denkmal ist von 1900. Seine lebte Arbeit war das Haydn- Mozartb. Bassus war einmal von München aufgestiegen und stand mit Beethoven- Denkmal, das einen so hervorragend schönen Platz hat seinem Ballon über dem Jfartal. Er hatte die Erde aus dem am Goldfischteich, den es nicht auszufüllen vermag. Es ist eine Geficht verloren, da unter dem Ballon eine einheitliche Wolfendede Verlegenheitsarbeit, die im fleinen die Züge bewahrt, die uns den lag. Auf dieser aber war der Verlauf des Jfartales als eine Künstler angenehm machen, der für uns eine Erinnerung aus vers Furche deutlich zu erkennen. An einer Stelle der Wolfenfurche lag gangenen Zeiten darstellt. Unglüdlich wie diese Idee der Massenwie ein riesiger Pilz eine Haufenwolfe, und zwar, wie später fest- verarbeitung von drei Komponisten, ist auch die Ausführung nichts gestellt wurde, gerade über einem etwa 10 Meter breiten Ueber- weiter als ein verlegenes Arrangement dreier Porträttöpfe, mit fallwehr bei Bullach, wo die Wasserkraft in einem Elektrizitätswerk Schwänen und Harfen und Masken und Lorbeerkränzen. benutzt wird. Die Entstehung der Haufenwolfe über diesem Punkt mußte also wohl in einem Zusammenhang mit dem Wasserfall des Wehrs stehen. Ziehen die Wolken rasch und ist ihre Lage nicht zu did, so bilden sich nur große Flüsse in ihr ab, gewöhnlich auch nur in Gestalt von Wolfenlüden, aus deren Anordnung der Verlauf des Flußtales annähernd zu erkennen ist. Je dichter und je gleich mäßiger verteilt die Wolkendecke ist, desto schwächer kommt die Erscheinung zum Ausdruck. Unter bestimmten Bedingungen jedoch, die noch nicht genau festgestellt worden sind, lassen sich sogar fleine Bäche als Furchen in der Wolkendede wahrnehmen; sogar die geringsten Krümmungen solcher Wasserläufe sind dann in den Furchen der Wolfendede genau abgebildet. Größere Bäche und Flüsse üben Eine Schulbankgeschichte. Eine interessante, einen entsprechend größeren Einfluß auf die Wolfendede aus, so daß in ihr ein richtiges Tal entsteht, in dem die Wolken nur noch das Schulwesen des 18. Jahrhunderts charakterisierende Schulbant aus einem feinen Dunst bestehen und oft so dünn sind, daß die geschichte bringt die letzte Nummer der„ Grenzboten". Erde durch sie hindurch zu sehen ist. Namentlich wenn die Sonne der Stadt Breslau hatte im Jahre 1781 die Absicht, an dem schräg auf die Wolfen fällt, wird diese sonderbare Naturerscheinung Elisabeth- Gymnasium statt der einfachen Sitzbänke bequeme Schulhöchst auffallend. Sogar kleinere Wassertümpel geben Veranlassung tische einzuführen. Der Rektor Arletius erklärte sich aber dagegen; zur Bildung trichterförmiger Löcher in der Wolfenschicht, während aus seiner Eingabe wollen wir folgende Stelle hervorheben: In die großen Sümpfe, die in Oberbayern so zahlreich vorhanden sind und dort als Moose bezeichnet werden, als dunkle, mit feinem Dunst ausgefüllte Flächen genau in ihren Umrissen in der Wolkendecke abgebildet werden. Die Annahme lag nahe, daß sich diese Einwirkung der irdischen Gewässer auf die Wolken auch von unten her beobachten ließe, und die Erfahrungen des Münchener Luftschiffers haben diese Bermutung bestätigt. Bei einem Aufenthalt in Altmühltal war eine Lockerung in der Wolkendecke deutlich erkennbar, in deren Verlauf die Wolken heller und häufiger sich darstellten als überall sonst auf dem sichtbaren Himmel. Diese veränderte Beschaffenheit der Wolfen folgte einem Bogen, der ganz einer großen, von der Altmühl dort gebildeten Schleife entsprach. Ein andermal wurde eine Furche in einer Wolkendede wahrgenommen, die eine genaue Abbildung des Würmflusses und des ihn fortseßenden Kanals darstellten. Kunft. sch. Rudolf Siemering, Professor und Mitglied des Senats der Akademie der Künste und Direktor des Rauch- Museums, gehörte der Bildhauerschule an, die von Rauch ihren Ausgang nahm. Ein Schüler Rauchs war sein Lehrer, und diese Tradition hat sich in Siemering erhalten. Es ist nicht leicht, Siemering gerecht zu werden. Er stammt aus einer Zeit, die uns schon fremd geworden ist. Am 10. August 1835 zu Königsberg geboren, stand er gerade im Mannesalter, als der Krieg 1870/71 die Erfolge brachte, die seinem Schaffen die Wege wies. Der am Sockel des Germania- Monuments, das beim Einzug der Truppen unter den Linden errichtet wurde, angebrachte Fries machte ihn in der damaligen Zeit berühmt, während er sich vorher in Entwürfen zu Goethe- und Schiller- Monumenten versucht hatte, die zwar prämiiert, aber nicht ausgeführt wurden. Auch in einigen fleineren Gruppen: Nymphe und Pan und Pan und Amor trug er der Zeit Rechnung. Das Luther- Denkmal in Eisleben, das Standbild Friedrichs des Großen vor der Marienburg und besonders das Siegesdenkmal in Leipzig gelten als seine Haupttverke, denen sich das Denkmal Washingtons in Amerika anschließt. Berlin hat folgende Werke von ihm aufzuweisen: die sitzende Statue Wilhelms I. in der Vorhalle der Börse, die Gräfe- Statue mit Reliefs in farbiger Majolika, die Geheilte und Heilung Suchende darstellen, bei der Charité stehend( von 1882). Dann folgt das folossale Bronzestandbild Wilhelms I. von 1892 in der Herrscherhalle des Zeughauses. 1896 wurde die Bronzegruppe der HI. Gertraud auf der Gertraudtenbrücke aufgestellt, die einem Fahrenden den Labetrunk reicht. Dieses Werk bringt am ehesten die Art des Künstlers zum Ausdruck. Es fehlt allerdings in der Beherrschung der architektonischen Verhältnisse. Aber das Idyllische, Ruhige, Anekdotenhafte kommt hier noch in der bezeichnendsten und angenehmsten Weise zur Geltung. Danach fam Siemering in die Bestrebungen hinein, die über Berlins Plastit soviel Unheil brachten. Allerdings war er ja durch feine früheren Siegesdenkmäler dazu prädestiniert. Er erhielt den Auftrag, für die Sieges- Allee Friedrich Wilhelm I. zu verarbeiten. Er tat auch dies in ruhiger, einfacher Weise. Denn das muß man ihm laffen, dem neudeutschen Hurradenkmal war er fremd. Seiner Kunst lag mehr das Bürgerlich- Intime. So gab er dem König 1 Der Rat Absicht auf die Nukbarkeit dieser neuen Anstalt und Einrichtung habe ich allerhand Bedenklichkeiten Einem Hochl. Magistrat ge= bührend vorzustellen. Ich weiß wohl, daß verschiedene Herren Kaufleute und Bürger sich dieselben ungemein groß und wichtig vorzustellen sich einkommen lassen. Die allereinzige nach meiner Anficht wäre die Bequemlichkeit zu schreiben oder im Nachschreiben. Da ich aber bereits oben erwiesen, daß das gut und schön schreiben zu Hause und nicht in der Schule erlernt werden könne und müsse: so bitte ich gehorsamst zu erwägen, daß erstlich durch die neuen Tische und Bänke überall der Raum und Platz eines jeden Lehrsals ges twaltig geschmälert und eingeschränkt werden muß und wird; hernach was die rasche Jugend theils aus Unvorsichtigkeit theils aus Muthwillen an den Tischen vor Schaden und Nachtheil anrichten wird, welches beständige Ausbefferung verursachen muß. Und wenn sogar, wie ich höre, Dinte- Fässer angeschafft werden sollten, was für neue Unkosten und unnöthige Unordnungen solches verursachen werde, da ein jeder Schüler so verpflichtet als gewohnt gewesen ist und noch ist, seinen eigenen sogenannten Stecher zu haben, mitbringen und zu gebrauchen. Ich sehe also fast überall weder Nothwendigkeit noch Nukbarkeit dieser neuen Anstalt und Einrichtung." " Geographisches. ch. Der größte Geiser der Welt. Eines der größten Wunder der Welt ist der gewaltige Geiser, der zu Rotura in NeuSeeland liegt und als Waimangu" bekannt ist. Der Waimangi trat vor einer Reihe von Jahren zum erstenmal in die Erscheinung. Er ist auf der Linie jener großen vulkanischen Müfte und Spalten gelegen, die durch den furchtbaren Ausbruch des Mount Tarawera im Jahre 1886 entstanden, und ist nur eine furze Strede entfernt von den einst so berühmten Terrassen von Rotomahara, deren Schön heiten durch die unheilvolle Eruption völlig vom Erdboden vertilgt worden sind. Der Strater, aus dem der Waimangu aufsteigt, ist nach einer Schilderung, die Oliver Johnson im„ Scientific American" veröffentlicht, von ungeheurer Tiefe. Bei einem Ausbruch füllt fich dieser ganz gewaltige Trichter mit einer diden Säule aus schwarzem, kochendem Schlamm und Steinen, die bis zu einer Höhe von fast tausend Fuß emporeigt. Der dabei aufströmende Dampf und Dunst hüllt diese Säule ein und steigt bei ruhigem Wetter viele tausend Fuß in die Höhe. Der Ausbruch des Geisers erfolgt mit jäher Blöglichkeit und so unheimlich wächst dieses kolossale Schauspiel aus dem Schlunde des Kraters, daß die Besucher kaum noch Zeit finden, nach einem sicheren Ort zu entfliehen. Eine ungeheure Kraft stößt diese Massen empor, kochendes Wasser und riesige Steine werden mit höchster Wucht emporgeschleudert; das Brausen und Zischen des heißen Dampfes, das Poltern und Dröhnen der Felsen erhöht noch den mächtigen Eindruck. Der Waimangu liegt im Mittelpunkte der heißen Seen und Quellen, die sich in dem Rotura- Bezirk befinden, und die der Tourist in wenigen Stunden von Auckland, der früheren Hauptstadt Neu- Seelands und dem Haupthafenplatz der Kolonie, aus erreichen kann. Da findet man fleine und größere Teiche, die alle die verschiedensten Wärmegrade aufweisen. Einige sind wie kochende Stessel, andere wie sprudelnde Brunnen von Schlamm und Schwefel, die schwere Wolfen von Dampf und schwefeligem Rauch ausstoßen, während andere wieder flar und ruhig liegen und in hellstem Grün und tiefstem, reinem Blau ihren fledenlosen Spiegel darbieten. Die heilsamen Wirkungen dieser heißen Quellen b 76 weithin berühmt und anerkannt; sie vertreiben Hautausschläge, und derselben Art auch in der Natur bisweilen an der Blüte oder Rheumatismus, Gicht und andere Leiden. Tausende von Kranken an den Staubfäden und Narben. Häufiger noch zeigen sich Vers fommen von fern und nah und ebenso strömen Scharen von zu schiedenheiten in der Farbe der Früchte oder der Samen, es sind Schauern herbei, die Heilungen zu sehen. Der berückende und rätsel- aber noch keine sicheren Untersuchungen weiter angestellt worden, ob volle Reiz dieser ganzen Gegend wird noch erhöht durch den Umstand, diese verschiedenen Färbungen einzelner Organe selbständig auftreten daß sie die Heimat der Maori, dieses von Legenden und Sagen um- oder nur Teilerscheinungen einer allgemeinen Verschiedenheit einer wobener Stammes, ist. Auch die merkwürdigen und grotesken Varietät von der Stammart sind. Formationen der Felsen und Steine, die in zerklüfteten und zerrissenen Linien einsam sich aufrichten, verleihen der Gegend um den großen Geiser Waimangu den Reiz eines bizarren und erotischen Bauberreiches. Medizinisches. Technisches. " Kesselschaden infolge eines Innenan strichs. Bei einem engrohrigen Siederohrkessel, System Mag Nicol", riß, wie der Düsseldorfer Dampfkessel- Ueberwachungsverein ie. Augenverlegungen durch Sturz. In ärzt- berichtet, während des Betriebs in der unteren Reihe ein Siedelichen Fachschriften wird jezt die Veröffentlichung eines englischen rohr unmittelbar an der vorderen Rohrwand ab. Der plöglich aus. Gelehrten viel erörtert. in der ausgeführt wird, daß ein Schädel- strömende Dampf schlug die Feuertüren auf und schleuderte das auf bruch, der durch einen Fall verursacht wird, zu einer Spaltung des dem Rost befindliche Feuer auf den Heizerstand. Glücklicherweise Augenerven führen kann. Derartige Folgen, die auf eine Beein- stand der Heizer nicht gerade vor dem Kessel, sondern etwas seitträchtigung oder gar vollständige Zerstörung der Sehkraft hinwirken, wärts, so daß er nur eine leichte Verlegung an der Hand erhielt. werden begreiflicherweise von dem Grade abhängig sein, in dem die Der Kessel war innen zum Schuhe gegen Rosten und zum leichteren Verlegung des Schädels sich auf die Augenhöhle erstreckt. In der Entfernen des Kesselsteins mit einem Anstrich versehen. Der AnTat sind schon viele Fälle beobachtet worden, bei denen dadurch eine strich hatte dann bewirkt, daß der Kesselstein bei einer Betriebseinseitige Blindheit eingetreten ist. Dabei ist es nicht einmal not- pause in kleinen Stücken abgesprungen war und sich vorne in den wendig, daß der Sturz gerade den Stirnknochen unmittelbar über Siederohren und in der vorderen Wasserkammer abgelagert hatte. dem Auge trifft. Nach Leber und Deutschmann führen Knochen- Siederohres ein und riz das Rohr infolgedessen ab. Begünstigt Infolge dieser Ablagerung trat eine übermäßige Erhihung des brüche an dieser Stelle eine Beeinträchtigung des Sehvermögens in etwa drei Fünfteln aller Fälle herbei. Wenn nes sich vielleicht wurde das Abreißen des Rohres durch eine falsche Montage der auch nicht gerade um eine Spaltung des Sehnerven zu handeln beiden Wasserkammern gegeneinander, und zwar lagen die beiden braucht, so genügen doch starke Blutergüsse innerhalb oder auch Wasserkammern nicht parallel zueinander, so daß die Löcher für die außerhalb der Nervenscheide zu einer schweren Schädigung des Siederohre in den Rohrwänden nicht aufeinander paßten, sondern Auges. Es find solche Verlegungen beispielsweise bei Radfahrern gegeneinander versetzt waren. Beim Einziehen und Einwalzen der borgekommen, die beim Sturz eigentlich nur einen Fall auf die Rohre in die Rohrwände trat somit eine leichte Knidung der SiedeSchulter verspürten, während der Kopf selbst anscheinend eine ge- rohre ein. ringe Erschütterung erhielt. Wenn sie sich dann von dem Sturz scheinbar erholt hatten, trat eine schwere Sehstörung ein, die zeitweise zum vollständigen Verlust des Sehvermögens führte. Mit dem Nachlassen der Schwellung kann auch eine Wiederherstellung der Sehkraft erfolgen, die aber doch immer unvollkommen bleibt. Allerdings muß man bedenken, daß es sich dabei meistens um sehr starke Kontusionen handeln wird, bei denen vor allem auch das Gehirn in schwere Mitleidenschaft gezogen wird. Das dürfte auch der Grund sein, weshalb man von den Verlegungen des Auges in solchen Fällen nicht allzu oft hört. Aus dem Pflanzenleben. tz. Farbenbarietäten bei Pflanzen. Bei Kulturgewächsen, besonders denen, die zur Zierde in Gärten und Parkanlagen gezogen werden, ist die Erscheinung sehr häufig, daß Individuen einer und derselben Art eine verschiedene Färbung besitzen, während sie im übrigen einander gleich sind. Was haben wir zum Beispiel für verschiedenfarbige Varietäten vom Gartenmohn, von den Astern und Georginen! In der Natur ist eine folche Farbenvariation verhältnismäßig felten, wenigstens in Anbetracht der großen Formenfülle, die sonst im Pflanzenreiche herrscht. Man darf hierher besonders nicht den Albinismus rechnen, der nichts als eine anormale Unterdrückung des Farbstoffes ist. An vielen im Freien wachsenden Pflanzen werden Varietäten mit weißen Blüten beobachtet. Diese Varietäten aber treten mur vereinzelt auf, sie sind wohl nicht konstant. Dagegen zählt Georg Bitter in einer Abhandlung Dichroismus und Pleochroismus als Rassencharakter" ( Berlin 1904) eine Reihe von Pflanzen auf, die in Varietäten von verschiedener Färbung beobachtet worden sind. Die Farbenungleichheit erstreckt sich bei einer großen Anzahl von Pflanzen auf den Stengel. So gibt es von der italienischen Spigllette eine Varietät mit grünem und eine mit rotemStengel. Die lettere hat auch rote Aeste und die Fruchthüllen sind bei ihr vor der Reife von derselben Farbe. Sie wächst rascher und vollendet ihre Vegetationsperiode in viel fürzerer Beit als die grünstengelige Abart. Beide vererben ihre Färbung, allerdings nur dann, wenn sie an getrennten Orten wachsen. Haben fie einen gemeinsamen Standort, so kreuzen sie sich unter einander. Eine solche grüne und rote Varietät wurde auch beim wilden Lattich, allerdings im Botanischen Garten zu Münster beobachtet. Auch der Gartenlattich oder Kopfsalat besitzt eine Abart mit rotem Stengel. Bitter fultiviert außerdem seit zwei Jahren zwei Rassen vom geflügelten Nachtschatten. Die eine hat einen grünen, die andere einen rot angelaufenen Stengel. Grün- und violettstengelige Varietäten, neben einander wachsend, wurden sodann von Bitter in der Nähe von Münster aufgefunden, bei der Ackerdistel, dem Rainfarn, der gemeinen Bärenflau, Waldangelika, der großen Brennessel und der Hühnerhirse. Mitimter werden bei den angegebenen Arten auch Individuen beobachtet, welche in der Mitte stehen zwischen rotstengeligen und grünstengeligen Exemplaren. Es ist aber noch nicht festgestellt, ob sie durch Kreuzung entstanden sind oder ob sie ursprüngliche Uebergangsformen zwischen den beiden extremen Nassen bezeichnen. Bei der Gartenwolfsmilch, einem verbreiteten Unkraut auf Kulturland, sind schon früher zwei Farbenrassen festgestellt worden. Die eine fann eben falls als rotstengelige Varietät bezeichnet werden, aber das Rot erstreckt sich auch auf die Blattränder, die Honigdrüsen und andere Kleinere Teile der Pflanze. Die andere Varietät hat schwefelgelbe Stengel und Zweige, und auch im übrigen ist Gelb die vor Herrschende Farbe. Farbenunterschiede zeigen sich innerhalb einer Verantwortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin.- Druck und Verlag: Bei Anwendung einer Anstrichmasse sollte man immer sehr vorfichtig verfahren, namentlich die direkt vom Feuer berührten Refsel= teile nicht damit versehen, weil sonst ein Abspringen von Kesselsteinteilchen stattfindet und diese sich dann infolge der Wasserzirkulation leicht da ablagern, wo die intensivste Wärmewirkung ist. („ Technische Rundschau".) Humoristisches. Empörend." Wissen Sie, das Stück ist aber so frivol noch dazu diese Unruhe, man kann fast kein Wort berstehen!" und unanständig, daß ich am liebsten gleich gehen möchte... und Familienverkehr. Rentier Meyer:„ Da schickt mir unser Freund Schröder eine Einladung zur Beerdigung seiner dritten Frau. Weißt Du, Antonie, wir müßten uns doch auch einmal revanchieren!" ( Lustige Blätter".) Notizen. - Nach dem„ Athenaeum" find im Monat Dezember 200000 Bände Didens in England verkauft worden. Erfolg bei der Uraufführung hatten: Fremde Leute", ein vieraftiges Schauspiel von Rudolf Havel im Wiener Raimund Theater, Alfred Kaisers Oper„ Die schwarze Nina" in Elberfeld. " J. Wertmanns neues Drama Justina Dunka" wird anfangs Februar im Raimund- Theater zum erstenmal gegeben werden. In das Programm der Nürnberger Landesausstellung 1906 ist eine telephonische Uebertragung von Vorstellungen der Münchener Hofoper aufgenommen worden. Jm Convent Garden in London werden im Mai zwei vollständige Zyklen von Richard Wagners, Ring der Nibelungen" unter Leitung von Hans Richter zur Aufführung kommen. Das Werk wird ungekürzt gegeben werden. In der Nähe der spanischen Stadt Tortosa ist eine neue Sternwarte zu Forschungen errichtet worden, die über die Beziehungen zwischen den Vorgängen auf der Sonne und auf der Erde Aufschluß geben sollen. Zwei Gebäude sind für magnetische Untersuchungen bestimmt, das eine zu absoluten Messungen des Erdmagnetismus, das andere zur Feststellung der regelmäßigen Schwankungen und der außerordentlichen Störungen des Magnetismus, die zeitlich mit Vorgängen auf der Sonne zusammenfallen. Ferner sollen die Sonnenflecken und die Ausbrüche des Sonnenkörpers beobachtet werden, auch für das Studium der Luft und der Erderschütterungen ist gesorgt worden. Eine große Tropfsteinhöhle ist nächst Markousina bei Triest entdeckt worden. Sie enthält viele Hallen, zwei senkrechte Schlünde, 35 und 22 Meter tief, führen in das Innere. Die Ausdehnung beträgt mehrere Kilometer. Die Haupthöhle wird der Länge nach von einem unterirdischen Flusse durchströmt. C. Prößdorf hat die Leuchtpetroleummarken, die in Deutschland gegenwärtig gehandelt werden, nach physikalischphotometrischen Methoden untersucht. Es ergab sich, daß die europäischen Marken das amerikanische Petroleum nicht nur an Lichtstärke wesentlich übertreffen, sondern auch einen viel höheren Entflammungspunkt befizen, also feuersicherer sind. Vorwärts Buchdruckerei u.Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW.