Ur. 266, Abonnements• Krdingnngrn: «bonnementZ- Preis pränumerando: iSierteljährl. 3,30 Mr., monall. l.IVMl., Ivöchenllich 28 Pfg. frei ins Haus. Sinzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuNrtcrlec Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3.30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für lvSS unter»r. 7UL0. Unter streuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn S Marl, für da» übrige«uiland S Marl pro Monat. «rfcheink»glich nuster Zvonilig». Verlinev Volksbl�tt. 16. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonsl- »eile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschaflltchc Verein»- und Versammlung»- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Zinfeigeu" jede» Wort S Pfg. (nur da» erste Wort seir>. Inserate für die nächst« Nummer müsten bi» s Uhr nachmittag» in derExpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen dt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen biSSUHr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: vml l, Nr. 1508, Telegramm-Adresse: „Sorialdrniakrak Verlln" Centraiorgan der sociatdemokratischen Vartei Deutschlands. Kedalttion: SM. 19, Veuth-Skraste 2. Sonntag, den 1Ä. November Expedition: 19, Veutlz-Stra�e 3. Die Einheitsmarke. Der lecke Husarenritt, den Herr v. PodbielSki nach Stuttgart und München unternommen hat, um eine einheitliche Postmarke für das Dentsche Reich zu erobern, hat in Stuttgart zum Ziele geführt, aber nicht in München. So weit man sich in München ans Gründen des guten Geschmacks und Takts gegen die borussisch-hohenzollernschen Embleme gewehrt hat, mit denen die neuen Marken verziert werden sollen, verstehen wir den Widerstand schon, aber wir bewundern keines- Wegs das triumphierende Gegacker, das der bayrische Patriotismus in Frack und Kutte über den eiligen Rückzug des ungeschickten Angreifers erhebt. Am vernünftigsten scheint unS bei der ganzen Affaire die württembergische Regierung abgeschnitten zu haben, die sich im Interesse eines dankenswerten Verkchrsfortschritts über alle dogmatischen und Partikularistischen Empfindlichkeiten hinweggesetzt hat, auch wo solche Empfindlichkeiten ihrem besonderen Staudpunkte sehr nahe liegen mochten. So bald wird die Frage der EinhcitSmarke nicht wieder auf tauchen, aber ehe sie für absehbare Zeit vom Schauplätze verschwindet, möchten wir ihr noch einige Lehren ablesen, die unter den gegen- wärtigcn Zeitläuften einmal wieder zu betonen ganz gut sein mag. Neu sind diese Lehren keineswegs; spcciell den deutschen Arbeitern sind sie schon vor einem Menschcnaltcr recht nachdrücklich eingeprägt ivorden. Gerade jetzt vor drcifeig Jahren, zu einer Zeit, wo sich die preußische Junkerwirtschaft noch unausstehlicher machte, als gewöhnlich. hegten manche Arbeiter die Hoffnung, der preußische Despotismus werde sich von dem freiheitlicheren Boden eines deutschen MittelstaatcS ans erfolgreich bekämpfen lassen. Darüber sind innerhalb dcS deutschen Proletariats mehr oder minder heftige Känipfe geführt worden, die unter den damaligen Verhältnissen auch ihren guten Sinn hatten, so wenig sie heute verstanden werden würden. Denn der deutsche Mittclstaat, durch dessen liberale Einrichtungen dem Ncbcrlvuchcrn des preußischen Junkertums ein Paroli geboten werden sollte, war kein anderer, als— das Königreich Sachsen. Die seitdem aufgewachsene Generation wird das kaum begreifen, aber trotzdem war es so, und es war auch dazumal viel vernünftiger, als wenn heute behauptet werden sollte, hinter den Wällen der bayrischen Rcservatrechte ließe sich dem Vordringen des preußischen Juukcrtnnls ein siegreicher Widerstand entgegensetzen. Wir sind weit entfernt, zu behaupten, daß irgend ein deutscher Socialdcmokrat diesen Aberglauben hegt, allein es läßt sich nicht leugnen, daß gerade in denjenigen bürgerlichen Parteien, die der Socialdcmokratie noch am nächsten stehen, schon seit Jahr und Tag eine solche Meinung um sich greift, und zwar aus keineswegs»nverstäud lichcn Gründen. Je unverantwortlicher und nuverschämtcr es die preußischen Junker treiben, um so näher liegt die Schlußfolgerung: Gegen diesen gemeingefährlichen Landschaden müssen Bundesgenossen angeworben ivcrdcn, wo sie irgend zu finden sind; lieber noch der Regen der bayrischen Reservatrechte, als die Traufe der preußischen Junkcrprivilcgicn. Allein mit solchen verärgerten Stimmungen macht man keine Politik, was gerade der sozusagen radikale Spießbürger aus tausendfältiger Erfahrung wissen sollte, und es wäre sehr zu beklagen, wenn seine verdrießliche Laune in diesem Punkte je auf Arbcitcrkreise abfärben würde. Gerade der Zwischenfall mit der Einheitsmarke ist außcrordcnt- lich geeignet, klarzustellen, was mit den bayrischen Reservatrechten gegen die preußischen Jnnkcrprivilcgicn oder, um die Frage all- gemeiner zu fassen, was mit den mittel- und kleinstaatlichen gegen den großstaatlichen Partikularismns auszurichten ist. Der groß- staatliche Partikularismns, der, eben weil er großstaatlich ist, sich den Vcrkchrsbcdürfnissen der modernen Welt eher fügen muß, als der mittel- und klcinstaatliche Partikularismns sich ihnen zu fügen braucht, plant einen erfreulichen Ver- kchrs- Fortschritt, behängt ihn aber nach seiner Art mit allerlei partikularistischen Schnurrpfeifereien. Wollte der mittclstaatlichc Partikularismns nun sein Einspruchsrecht in volksfrcundlichcr Weise gebrauchen, so müßte er sagen: Schön, den Verkehrsfortschritt nehme ich dankbar an, aber weg mit euren partikularistischen Schnurr- Pfeifereien I Statt dessen sagt er: So gut wie ihr euere Parti- kularistischen Schnurrpfeifereicn habt, will ich meine partikularistischen Schnurrpfcifercien haben, und che ich darauf verzichte, vereitele ich lieber den Vcrkchrsfortschritt. Für diese heroische That sich zu begeistern, können nur deutsche Spießbürger fertig bringen, denen im dcmo- kratischcn Mannesbusen bei alledem ein königstreues Herz schlägt. So aber. Ivie der bayrische Partikularismns gehandelt hat, mußte er feiner Natur und seinem Wesen nach handeln. Die bayrischen Reservatrechte sind niemals eine Charta der bürgerlichen Freiheit, sie sind immer nur dynastisch- partikula- ristische Vorbehalte gewesen. Als Bismarck im Jahre 1868 die Behauptung aufstellte. Preußen sei für die Süddeutschen zu liberal, erweckte er allgei.icines Hohngelächter, allein die bayrische Regierung hieb ihn zwei Jahre darauf einigermaßen heraus, indem sie bei den Versaillcr Verhandlungen auch nicht den kleinen Finger rührte, um die so ungemein spärlich bemessenen Volksrcchte in der deutschen Reichsverfassung zu«weiten, wohl aber mit beiden Händen daran arbeitete, das dürftige Maß von Freiheit, das der preußische Partikularismus zu gewähren bereit war, zu Ehren und Gunsten des bayrischen Partikularismus zu beschneiden. Bekanntlich wollte der damalige Kronprinz, der in seiner Art ein bürgerlich- deutscher Ideologe war, den bayrischen Widerstand durch den Druck einer nationalen Bewegung brechen, ollem Bismarck war dagegen und bewilligte lieber die bayrischen Rcservatrechte, aus dem triftigen Grunde, daß der eine Partikularismus nur auf die Gefahr des eignen Unterganges eine nationale Bewegung gegen de» andern Partikularisnius entfesseln kann. Diese Entstehung der bayrischen Reservatrechte zeigt zur Genüge, tvaS der mittelstaatliche Partikularismus gegen den großstaatlichen Partikularismus ausrichten kann und was nicht. So lange der Handel zwischen Partikularismus und Partikularismus steht, kann er einen gewissen Widerstand enthalten, selbst wenn, wie im Falle der Einheits- marke, der großstaatliche Partikularismus das historisch beffere Recht auf seiner Sette hat. So wie aber die Frage zwischen PartikulariS- mus und Nation gestellt ist, kann der mittelstaatliche Partikularismus immer nur der getreue Gefolgsmann des großstaatlichen PartikulariS- mus sein. Was die einfachste Logik lehrt, das bestätigt die alltägliche Erfahrung. Man nenne uns aus der unzähligen Reihe der Attentate, die der preußische Partikularismns seit dem Bestehen des neuen Deutschen Reichs auf die Freiheit und das Recht der deutschen Nation gemacht hat, auch nur eines, bei dem sich der bayrische oder überhaupt irgend ein mittelstnatlichcr Partikularismus ernsthaft widersetzt hätte. ES giebt nicht einen Fall dieser Art, und wird auch nie einen geben. Dabei versteht sich von selbst, daß, soweit in den deutschen Mittel- und Kleinstaaten freiheitlichere Institutionen bestehen, als in Preußen, diese Institutionen auch von der socialdcmokratischcn Partei geschützt und nach Kräften in freiheitlichem Sinuc weiter entwickelt werden: die Arbeiterklasse verschmäht keine Handhabe, die ihren Enianzipatious- kämpf fördern kann. An dieser Taktik wäre höchstens dann etwas auszusetzen, wenn man darüber vergäße, daß der entscheidende Kampfplatz nicht in Dresden, München oder Stuttgart, sondern in Berlin liegt, daß die Wcttermacher des großstaatlichen PartikulariS- mus den etwaigen Sonnenschein des mittel- und kleinstaatlichen Partikularismus sehr bald in rabenschwarze Nacht verwandeln können. Man denke an die schnelle Metamorphose des Königreichs Sachsen aus dem sozusagen freiheitlichste» in den reaktionärsten Staat Deutschlands I Je gefährlicher der preußische Partikularismus ist, umso weniger darf man ihn: den Rücken kehren. Aber man darf auch nie den mittclstaatlichen PartiknlariSinus gegen ihn ausspielen; kann man den Teufel nicht durch Beelzebub austreiben, so noch viel weniger Beelzebub durch den Teufel. Die bayrischen Rcservatrechte sind in ihrer Art nicht minder reaktionär, als die preußischen Junkcrprivilcgicn, nnd die Arbeiterklasse vertritt allemal die großen Interessen- der Nation gegen den dynastischen PartikularismuS, niag er nun schwarzweiß oder blauweiß oder sonst- wie gefärbt sein.—_ z?oUkifihe Mvbevficht» Berlin, den 11. November. Warum neue Flottenbewilligungen notwendig sind. Außer von den Offiziösen der„Berliner Korrespondenz", der„Norddeutschen Allgemeinen" und dem galizischcn Herrn Schtveinburg wird das deutsche Volk noch von einer ganzen Anzahl geheimer Agitatoren für die Flottcnvorlage bearbeitet. Ein eklatantes Beispiel dafür liefert ein im Verlage von Hugo Steinitz zu Berlin erschienenes Werk eines Herrn K. v. Alveuslebcn:„Was muß man von der Kriegsmarine wissen?" Wer sich das Heft in der naiven Meinung kauft, eine objektive Darstellung der Verhältnisse unserer Kriegs- marine zu erwerben, wird zu seinem Schmerze schon bei den ersten Zeilen merken, daß er sein gutes Geld für die Agitationsschrift eines Aegir-Euthusiasten geopfert hat. Es heißt da gleich in der Einleitung:„Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser", hat unser Kaiser gesagt und das deutsche Volk hat ihm zu- gejauchzt. Diesem Enthusiasmus für die deutsche Kriegsflotte kommt das vorliegende Buch entgegen". Das ist zwar sehr schön von dem„vor l i c gcnden Buche", die Sache mit dem Enthusiasmus stimmt aber deshalb doch nicht ganz. Herr v. Alvensleben freilich mag wohl nur ein Ohr haben für den Wasser-Enthusiasmus; deshalb sagt er auch bei der Erwäh- nung der Heldenthaten von Kiautschou, wo„die Chinesen keinen Widerstand leisteten":„Seitdem machte sich eine große Begeisterung für die Flottv im ganzen Deutschen Reich geltend, der gegenüber dieGegncr schweigen niußte n". Nachdem dann der Verfasser ein Klagelied darüber angestimmt hat, daß Deutschland auch nach dem Flottengcsetz von 18!)8 noch viel zu wenig für seine Kriegsmarine thäte, meint er kurz entschlossen:„Irgend welche finanzwirtschaftlichen Bedenken gegen die Vermehrung der deutschen Kriegsflotte liegen nicht vor, während die hohe Bedeutung und fortgesetzt rasche Steigerung unserer Sce-Jnteressen solche Verstärkung unabweislich fordern und scheint ein rascheres Tempo in Ausführung des deutsche» Flottengesctzcs dringend geboten". Trotz der grausamen Mißhandlung der deutschen Sprache kann man dem letzten Satze das begeisterte Eintreten seines Urhebers für den allcrneuestcn Flottenplan entnehmen. Dabei ist aber sehr interessant, das; das Werk spätestens Mitte Oktober bereits herausgegeben worden ist, also noch vor der Hauiburgischen Kaiscrrede. Eine Erklärung dieser mindestens recht auffälligen Vor- ahnung dürften vielleicht die folgenden Zeilen enthalten. Der Verfasser spricht davon, daß die Slaatswerftcn mit leichter Blühe mehr Schiffe herzustellen vermöchten, und führt dann fort: „Auf unseren Privativcrften l!) ist a»ch nicht Ueberfluß an Arbeit. Das große Etablisjenicut des Stettin« Vulkan ist schon seit Monaten nicht mehr am deutschen Kricgsschisssbau beteiligt. nachdem der letzte Kreuzer„Hansa" zur Ablieferung an die Marincverwaltung gelangte. Die G c r m a n i a- W e r f t der Firma Krupp wird demnächst nur einen kleinen Kreuzer aus Stapel haben, sobald in einigen Wochen der Ersatzban für den „König Wilhelm" zu Wasser gelassen sein tvird. Die Werften von S ch i ch a u zu Danzig und Bloh m u. V o ß in Hamburg beschränken ihre ganze Thätigkeit im Flottcnbau gegenwärtig auf die Fertigstellung je eines Linienschiffes auf der Helling, und die letzte große deutsche Werft, die für den deutschen Kriegsschiffsbau in Betracht kommt, die der Aktiengesellschaft„W e s e r", hat seit dem vorigen Frühjahr auch nur einen kleinen Krenzcrbau in Arbeit. Die zweite Rate des FlottengesetzcS sieht nur weitere fünf Neubauten vor, unter denen-sich zwei kleine Kreuzer befinde», während acht große Werften mit Leichtigkeit zum mindesten je einen Neubau in Arbeit nehmen können, selbst wenn dicS sämtlich große Kreuzer oder Linienschiffe wären. Dabei kommt von der Elbemündnng die Nachricht, daß der„Vulkan" unweit Brunsbüttel neue Werftanlagcn zu schaffen beabsichtige, während die Gcrmania-Werft der Kruppschen Werke in den letzten Jahren fortgesetzt eine Entwicklung des Etablissements bei Gaarden in die Wege geleitet hat."(sie!) Wer nuii noch nicht von der Notwendigkeit vermehrter Schiffsbautcn überzeugt ist, dem ist nicht zu helfen! Un- genierter und ungeschickter sind die Pläne der industriellen Interessen noch nicht ausgeplaudert worden, als von diesem Herin v. Alvensleben, der mit vollendeter Naivetät die Ge- schäste der Krupp, Schlutow und Konsorten besorgt.— An de» Präsidenten des deutschen Flottcnvereins hat Kaiser Wilhelm II., wie Wolfis Telcgraphcn-Burcau mit- teilt, folgendes Telegramm geschickt: Letzlingcn, Schloß. 16. November. Fürst zu Wied Durchlaucht, Berlin. Für die zur Erlverbnng der Samoa-Jnseln namens des Kolonialrats mir dargebrachten Glückiviinsche spreche Ihnen und sämtlichen Mitgliedern des Kolonialrats meinen innigen Dank ans. Mit Befriedigung können ivir auf das Erreichte blicken und das Bewußtsein erfüllt uns mit freudigem Stolze, daß die braven Seeleute, die dort im Dienste von Kaiser und Reich ihr Leben dahin- gegeben, nicht nnisonst das Opfer gebracht haben. Es soll dies aber zu- gleich für uns eine Mahnung und einAnsporn sein, nnnanch»nsrerscits die Opfer nicht zu scheuen, die notwendig sind, um unsere Wehr- kraft zur See so zu starken, wie es zu einer fruchtbringenden Entwickclnng unseres kolonialen Besitzes und zur Hebung unseres nationalen Wohlstandes unerläßlich ist Ich weiß, daß ich hierbei auf den treuen Beistand des Kolonialrats rechnen kann. Wilhelm II. Die Offenherzigkeit, mit welcher der deutsche Kaiser die Erwerbung„des Bißchen" Samoa mit der drohenden Flotten- Vorlage in Verbindung und Zusammenhang bringt, kann von den Gegnern der uferlosen Flottenpläne nur begrüßt werden. Der Kaiser bestätigt, daß die winzige Erwerbung im Stillen Ocean zur Begründung der neuen Flottenfordcrungen dienen soll, die hundertmal mehr Kosten bereiten werden als der wirtschaftliche Vorteil von Samoa für alle Zeiten ausmachen kann. Dazu kommt, daß die Annexion von Samoa Wirt- schaftlich keinerlei Vorteile bringt, die wir nicht auch ohne Annexion gehabt hätten, nnd Politisch bringt sie nicht nur keine Vorteile, sondern positive Nachteile, insofern sie bestimmt ist, einer uferlosen Welt- und Flottenpolitik Substanz und eine gewisse materielle Grundlage zu geben. Alle unsere sogenannten Kolonien zusammengenommen fügen der Macht und dem Nationalreichtnm Deutschlands nicht einen Mann und einen Groschen hinzu. Im Gegenteil, sie legen uns schwere Opfer auf, und würden, ivenn sie unseren Marinisten die Verwirklichung ihrer durch und durch reaktionären, nur dem Zuchthauskurs dienen- den Pländ ermöglichte, unserem Vaterlande schwere Ge- fahren bereiten. Unsere Vertreter im Reichstag werden dies zum Ausdruck bringen. Sie werden das dentsche Volk vor der Gefahr warnen und es zum äußersten Widerstand aufrufen gegen ein System, das die schweren Mißstände im Innern über Scheinerfolgen nach außen vergißt. Nicht auf dem Wasser liegt unsere Zukunft. Sie liegt auf dem Land, sie liegt in unserem deutschen Land; und wenn es nicht eine Zukunft der internationalen Verwick- lungen und Gefahren sein soll, müssen wir unser Vaterland von dem System der Kolonial-, Flotten- und „ Arbeits lvilligen"- Politik befreien.— «« » Deutsches Weich. Die Verhandlung gegen Dr. Arons, die am 13.»or dem DiScipliiiarhosc für nichl richterliche Beamte stattfindet, hat nicht, ivie vielfach angenommen wird, den Charakter einer entscheidenden Gerichts Verhandlung höherer Instanz. Das Disciplinargesetz für nicht richterliche Beamte stammt nuS der Zeit der krassesten Reaktion, aus dem Jahre 18ö2 und ist seiner Zeit gegeben worden, ganz bc- sonders zu dem Zwecke, die Verwaltnngsbenmten auf Gnade und Ungnade der Regierung zu unterwerfen und ihnen keine selbständige Regung zu gestatten.' ES hat neben manchen anderen Absondcr- lichkeitcn die, daß als entscheidende Behörde zweiter Instanz nicht«in unabhängiger Gerichtshof, sondern das Staats- Ministerium selbst fungiert, also dieselbe Behörde, gegen deren Willen die Anklage nie erhoben werden kann, und die in alle» wichtigen Fällen die Anklage direkt veranlaßt haben muß. Die alte Jngriisitionsmaximo also, die man aus deni gerichtlichen Verfahren glücklich hcransgcbrncht hat, daß Ankläger und Richter eine Person find, ist in diesem vortrefflichen Disciplinarvcrfahrcn ausdrücklich aufrecht erhalten. Aber einen Schein von Garantie einer unabhängigen Rechts- Pflege hat man auch den diesem Gesetze unterworfenen Beamten ge« lassen. Er besteht in der Einrichtung dcS Disciplinar- hofeS. Diese Behörde ist zusammengesetzt aus einem Präsi« denten und zehn Mitgliedern, von denen nach dem Gesetze mindestens vier Mitglieder des preußischen Obcrtribnnals sein müssen. Seitdem durch die Rcichs-Justizgesetze dieser Gerichtshof aufgehoben ist. miisscn die vier richterlichen Mitglieder dem Kammer- gerichte angehören. Die übrigen Mitglieder sind VerwalttuigS- fccmirtc Jtv.b ibncu ist bei der Zuscinmiensetzimg des Gerichtshofes von voniherein dio Majorität sictichert. Der Disciplinnrhof lsi nnm- lich bcschllchföhiji, ivenii einschließlich des Präsidenten sieben Mit- Glieder anivcsend sind, von denen mir zlvci dem Nichtcrbernf nu- gehören miisssn. Man brnncht sich nur zu vergegenwärtigen, welche Nolle das Preußisch e Obcrtribnnal in der Ncnktions- und Konfliktszeit in poli» tische» Prozessen gespielt hat, um sich klar zu machen, daß die Ncgicrnng ihre unbedingte Herrschaft über die Beamtenklasse nicht im geringsten gefährdet zu sehen brauchte, als sie die Teilnahme einiger richtcr- lichcr Mitglieder an dem DiSciplinarhofe zugab. Dieser Diseiplsnarhof entscheidet in gcivisscn Fällen als Gericht erster Instanz; dann ist das Staatsministcriuni die BcrnsiinMtistanz gegen sein Urteil, In dem Falle aber, wo andere Behörden als Gericht erster Instanz gcurteilt haben, ivie cS auch bei Stronö tvnr, bei dem nach dem Privatdoccntcu-Gcsctze die philosophische Fakultät der Universität Berlin die erste Instanz- bildete, bat der Diseiplmnrhof lediglich die Aufgabe einer begutachtenden Behörde, Es findet vor ihm eine mündliche Verhandlung statt, bei der ein Mitglied der philosophischen Fakultät daS Recht hat, die Ansichten des Gerichts erster Instanz persönlich zu ver- treten. Auch der Angeklagte und sei» Verteidiger gelangen dabei zmn Wort, Der Diseiplinarhof flieht dann ein Gutachten ab, daS Staatsmiiiistcrimn aber fällt das'Urteil, Dabei ist min daS Staats- ininisterinm insolveit an das Gutachten des DisciptiiiarhofcS gc- Hunden, als es auf Amtseirtsetz n u g nur erkennen darf, wenn dcr� DiScipliiiarhof sich dafür ausgesprochen hatte. Hat der DiSciplinarhof ans Freisprechung oder ans Wnnnmg oder Verweis votiert, so kann das Staats»ii»isten>ini, wenn es den An- gcschnldigten strafbar findet, auch mir eine der geringeren DiSeipkinar- strafen verhängen. Zur Zeit sind die Mitglieder dcS DisciPlinarhofS folgeiide: Der Präsident, Wirklicher Geh. Rat Meinccke, UiiterstnatSsekrctär uii FinanzniiiilstcriNs», Wirklicher Geh. Obcr-Negicriaigsrat und Direktor im Kultusmiuistcriuiu Dr. v, Bartsch, Landforstmeister und vortragender Nat iin landiviltschastlichcn Ministerium Wächter. Geh. Ober-Justizrat und vortragender Rat iiii Jnstizmiiiisterii»» Dr. Holt- greve». Geh, Ober-Negicriuigsrnt und vortraipiuder Rat in> Ministerium des, Innern Dr. Lindig. Senatspräsident des Kammergerichts Groschuss und die Kamniergerichtsrätc Dr. Peters, Thielninim und Stork. Ob alle diese an der Verhaiidlumz über Arons iiiitivirken werden, oder ob mir sieben von ihnen, wisscii>vir noch nicht. Ausgeschlossen erscheint nns bloß die Mitwirkung deS Dr. Bartsch, der im Knltnsmiiiislcriinil die Anklage gegen Arons vorbereitet und eingeleitet hat, und der deshalb unmöglich als geeignet betrachtet werden kann, als Richter in dersolbeu Sache zu stingiereir.— Gras Philipp Culcnbnrg, Begleiter des Kaisers bei den NordlandSsahr-teii und Botschafter in Wien, bereist jetzt die s ü d- deutschen Höfe, Die einen meinen, er propagiere dort die Fkottcupläur, anders lombiuicren, Graf Phili stelle sich dort vor als valdi'gc» Ncichökanzlcr.— Aufhebung der Hofsperre. Herr v. Kroch er. der Präsident de? Abgeordiictenhauses, ist mit einer Einladung zur Hofjngd in Lctzliiigeu bedacht worden. Da Herr v, Kröchcr hartnäckiger Kanal- rcbell ist— er stimmte in allen drei Lesungeu gegen die RegicrungS» vorläge, die als eine der„kaiserlichen Vorlagen" gilt—,'so scheint es, als seien versöhnlichere Stimmimgeu zwischen Hof mid K'o>'- scrvativen eingekehrt, Das Kr»«ppsche Kanonenblatt bcniüht sich neben der Propa- gniida für prositversprccheiide Flottenfordcnmgen eifrig um die Rettung der ebenso profitversprechrnden ZuÄthanSvorlagc. ES setzt keinen schärfenden Schleifstein in hurtige Drehung: „Sich aber thatsächlich einen grundsätzlichen Verzicht ans jede weitere Repressivgesetzgebmig gegen den socialdcmokrntischc» TerrorisnniS anfzivingen zu lassen, dazu ist sie(die Rcgicnmg) schlechterdings außer stände. Vielmehr bleibt ihr, wie die Dinge liegen, nur übrig, ans einer befriedigende» Er- »edignng ihrer Vorlage mit allen Mittel» zn bestehen. Wir sind überzeugt, daß. wenn hinter der Arbeitswille en- vorläge ein ebenso entschiedener und unzweideutiger Wille stände, wie man daS bei de» Wehrfragcn gewohnt ist.' am Ende aller Enden eine solche befriedigende Erledigung ebenso sicher sein würde, ivie bei der Flottenvorlage, Die bürgerliche Opposition im Reichstage täuscht sich nicht darüber, daß eine ivirksamere Gesetz- gcbnng zur Abwehr des socialdemokratischcn TcrroriLmus in den weiteste» Kreisen als eine Notwendigkeit empfuiidc» wird; sie rechnet nur aus die Schwäche der Regier»« g. Davon s o l l t e a b e r doch keine Rede sein können!" Wir sind einverstanden: man riskiere eü, die weitesten Kreise, also die NcichStagswähIer über die ZnchthauSvorlage zn befragen, Daß man dann mir nicht einen Rcichstng bekommt, der auch lein einziges Panzerschiff mehr beivilligt!—' Zur Unterstützung dcr„Weltpolitik" hat das Bibliographische JiiUitut in Leipzig eine„Koloniale Zeitschrift" begründet. Die Art oder Unart dcr neuen Zeitschrift offenbart hinreichend der eine Satz des Prospekts, das„cuiS dem Volk dcr Dichter und Denker mm Knltitrbilder ans Schlesien. Von H a ii S Wandrer. XV. Ein Schlafhau S-Jdhll. ES gicbt nur wenige, die von sich sagen können:„Für mich sorgen andere!" Aber hier und da findet mau doch einmal solche BcncidciiStvcrtcii. Und dann muß mau wirklich unwillkürlich ein- gestehen:„die guten Menschen sind noch nicht ausgestorben?" Wer wird denn das nicht thim, wenn er erfährt, daß die großen Schlcsisckien Hüttenwerke ihren iniverhrirateten. oder ohne Familie nach dem Ort der Arbelt gekommeiien Arbeitern eigens große Häuser«cfmn* haben, m denen die Arbeiter für eine Mark und fünfzig Pfennige den ganzen Monat eine Schlafstelle finden. Für fünf Pfennige ein Nachtlager. Das ist doch mehr als halb geschenkt... Was kann auch die fruchtbare, zwischen dcr Oder, dcr ösireichischen Grenze und dcr Webergegend liegende, dicht mit wohlhabenden Dörfern und Giitshvfen besetzte' Hochfläche leisten gegen den sich bis in Rußland hiiicinziehcndcii Grubenbezirl? Ist hier doch ein Stück der schlechttrogenden Erdkruste mehr wert, als weite Strecken deS festen Hochlandes. Ja, da können die Besitzer der Silesiahiitte*) in Lipinc— einem 15 000 Ein- lvohner faffenden Dorf zwischen Kviiigshntte und Zabrze ffprich Sabschc)— leicht den Freigebigen machen. Aber wenn man be- rechnet, daß sie allein Millionen in Gebäuden, Förderivcrken, Wasser- kkinsten, Zinkhütten, Maschinen und Kesseln angelegt haben, dann wird man es zu würdigen wissen, daß sie auch was für ihre Ar- bcircr übrig haben, daß sie ihnen Schlafstellen gewähren, pro Monat 1,50 Mk,— „Ach, gewiß, ein solcher Herr Ivie Sie, dcr besichtigen will das Schlashaus, wcrd' ich nicht weisen zurück;" sagte der Verwalter des *) Die Silesiahiitte besteht aus mehreren Betrieben, die teils Nohzink, teils Zinkblech, Schwefelsäure und schweflige Säure pro- duzicren. Alle Betriebe gehören dcr Schlesischen Aktiengesellschaft für Bergbau und Hüttcnbetrieb in Lipine, die jedoch nicht allein in Lipine Werke besitzt, sondern auch an einer ganzen Reihe anderer Orte Werke hat und an mehreren Gruben be- teiligt ist. In Lipine selbst beschäftigte sie im Jahre 1833: 1660 Männer und 243 Frauen. Diese erhielten bei dem gesamten Geldwert dcr Produltion von 16 605 077 M. einen Gesamt-Jahreslohn von 1 498 950 M. Der Johrcsverdieiist des einzelnen Arbeiters betrug also im Durchschnitt 734,72 M, In den Lipmer Werken veriiiiglückten 1893: 181 Arbeiter, Im Jahre 1895 waren in Lipine beschäftigt: 1625 Männer und 230 Frauen. Sie verdienten insgesamt 1 410 705 W, bei einem Gesamtproduktionswert von 11 702 195 M,, also pro Kopf im Jahresdurchschnitt allgemach ein anderes Volk zu werden beginnt, das mit be-� rcchtigtcm Selbstsiim sich seinen Platz in dcr Sonne zu sichern gc- denkt,'" Die neue Zeitschrift tvird ohne Zweifel den Beweis liefern, daß das Volk der Weltpolitiker lein Volk der Denker ist.— Ter nationallibcrale NeichötagS-Abgcordnete Bürger- meistcr O.nenti», dcr den Wahlkreis Herford-Halle vertritt, hat die Erklarimg abgegeben, daß er gegen die Zucht Hausvorlage und auch gegen Kommissionsberatiing stimiiien werde. Eine interessante Tischkarte lenlt gcgcnivärtig in einem Schniifciistcr Unter den Linden die Aufmerksamkeit des Piiblikiims auf sich. Diese Tischkarte ist nach dcr„Br. Ztg." geziert mit dem Bildnis des bis vor kurzem noch von der Einkommeiisteiicr befreiten Freiherr ii Konrad von Wangen heim, des Vor- sitzenden d e Z„ Bundes der Landwirte"; dcr Text kantet: Bund der Landwirte. Provinz Pomincrn. Berlin, den 13, Februar 1899, Speisenfolge: Ochsenscknvanz-Suppe, Krafibrühe mit Mide nnark. Frischer Hniiimcr mit Remoulade, Hammel- rücke», garniert ans königliche Art. Rinderbrust mit Meerettig, Pastete ans Toulonsor Art, Haselhuhn in Cnjscrole. Franz. Poularde. Salat und Kompot, Prinz Pückler-Bombe. Käse. Früchte. Arme„Notleidende" I— Anö Schwarzburg-Niidolstadt.(Eig, Bcr) Während unfcrc Genossen in Preußen bei den Landtagswahlcn ob des Drciklasten- Wahlunrechis grollend beiseite stehen und sie froh Wären, ivcnn es ihnen möglich Ware, mittels des geheimen direkten Wahlrechts sich erfolgversprechend an den Wahlen beteilige» zu köimen, zeigen uns die soeben auch in ihrem letzten Teile beendeten schwarzburg- rudolstädter Landtagöwnhlcn, daß cS mitten im Herzen Deutsch- lands noch ein Land gicbt, in welchem sonst in ihrer Mehrzahl ganz brave Partcigcnosscii durch nichts ans ihrer Lethargie mid Gleich- gültigkeit zn erwecken sind, wenii es gilt, sich praktisch an den Landtags- Wahlen zu beteiligen— trotz geheimen, trotz direkten und lbis zu ciiicin gewissen Grade) allgemeinen, gleichen Wahlrechts. Brav schlugen sich mir die Fraiikenhänser Genossen, die ihr von jeher in unscrm Besitz befindliches Mandat tapfer verteidigten: dagegen gingen wir in allen weiteten 11 Kreisen leer aus und selbst die am Donnerstag im Königseer Wahlkreise stattgehabte Ttichivahl brachte uns eine nicht mir unerwartete, sondern angesichts der Verhältnisse geradezu klägliche Niederlage. In jenem Wahlkreise erhielten wir nämlich bei letzter NcichStags-Stichwah! 814 Stimnien gegenüber 474 Kartellstiinmen, und sind mm doch nnttt- legen, trotz eifrigster Agitation! Wir brachte» es hier auf nur 372 Stiimiicn, während der Gegner, ein politisches Ehamäkeon, noch 13 Stimmen mehr als die Höchftziffer dcr Kartellstimmen bei der ReichStngSstichwahl 1893 erhielt. Hier beschönigen zn wollen, wäre ein Verbrechen! Die Dinge liegen so, daß wir mit Leichtigkeit uns sogar in den Besitz dcr Majorität im Landtage setzen könnten, wen» die Genosscii auch nur einigermaßen auf dem Damme wären, den» als für uns hosfiniiiaSlose Kreise sind von den 12 eigentlich nur 2 zu bezeichnen. Auch die Gegner beteiligen sich ja in denkbar lauester Weise an den LaiidwgSlvnhkc» und werden die Abgeordneten mit oft geradezu lächerlicher Stlnimenzahlgelvähkt; gerade das aber ermöglichte esja. ohne weiteres in den Besitz der Mehrheit der Mandats zu konimm. Außer der gemdezn unbegreiflichen Lauheit der Parteigeiioffen spricht bei dem Ausgang der Wahlen natürlich auch noch mit. daß dw meisten Arbeiter ihren Verdienst oft stiindenweit entfernt von ihrem Wohn- orte suchen inüsien. deiin dcr„Wald" hat nur an einigen Orten Industrie,_ Da aber bei unseren thüringischen„Großsiuatcu" die Greiizen vielfach in tollster Weise sich durcheinander schieben, gehört cS gar nicht zur Unmöglichkeit, daß jemand in Schwarzburg ivohnt lind wahlberechtigt ist und in seiner drei- oder vierstündigen Wanderung zur Arbeit drei oder vier„Vater- lnndcr" vaisicrt. Dabei sind die Löhne denkbarst niedrig, und ferner folgte die Woche nach dcr Wahl noch ein nnsroiwilliger Feiertag, das Resorinokioiisfest. DaS mag ja Hunderte iniscrer Wähler von dcr Urne ferngehalten haben, die in ibrer Mehrzahl einen Tag Lahm aiiSfnll nicht gut ertragen kvimcii, und doch kostet's eben meist einen ganzen Tag für auswärts Wrbcstcndc. wenn sie sich an den Wahlen beteiligen wollen, den» die Wahlzcit bcgiiuit erst um 10 Uhr und endet bereits nnchinittags 3 Uhr: diese beschränkte Wahlzcit ist ja auch dcr rcak- lionärcPfcrdcfußbeiallersoustigciiAnncbmbarkeitdcsWahlrcchts.Jnfolgc des Wahlansfalls hat dir Reaktion wieder vollstes Oberivasser und nngcmerlcr als im Vorjahre wird die Regierung ihren Gemeinde- Gesetzentwurf wieder vorlegen, dcr anstatt des bisherigen gleichen WabttechtS zn den Geuiein'devertrctnngcn da» Dreiklasse»- Wahlrecht einführen will; an letzterer Bestimmung scheiterte die Vorlage im vorigen Jahre, heute aber wird dieselbe kein Hindernis mehr sein, denn wieder sitzen zivei von den drei überhaiipt vorhandenen Landrätcn als„Volksvertreter mit im Landtage. Wollte man die Parteizngehörig- keit dcr Gewählten definieren, so würde man sich eine unlösbare Ausgabe stellen Außer unserem Parteigcuosseu Franz Winter und dem Demokraten W. Richtcr sind die übrigen(mir Einschluß des ebenfalls gewählten Vorsitzenden des liberale» Wahlvereinü l) nichts als politische Fragezeichen, die unbewußt oder bereitwillig dcr Regiernng Schlcppenträgcr-Dienste leisten. Sollte eS möglich fein, all zn reaktionären Maßnahmen der Regierung Paroli zu bieten, SÄlafhauses.„Sie ivcrden erlauben, daß ich mir erst die Schlüssel hole," Mit entschuldigender Geberde ging der Ivohlgeiiahrtc, unter- setzte Mann zurück in seine links vom Hansfliir liegenden Zimmer. Der Hausflur mochte etwa zwei Meter breit sein, vorn, am Ein- gang führte eine Treppe nach den oberen Stockivcrkcii. Im Hinter- grund stand eine Thür offen; ein gelbbraun gestrichener Tisch und ein Stück kahle Wand war zu sehen. An dcr Längsseite, die dcr Treppe gegenüberlag, hingen mehrere gedruckte HanSordmiiigcn, etile in polnischer, eine in deutscher Sprache, Ich hatte genügend Zeit, sie zu studieren und kann hier folgende Proben, die hanpt- sächlichste» Paragraphen, daraus mitteilcii: Jeder Bewohner deS Schlashanses ist verpflichtet, regelmäßig und rechtzeitig die Schichten zu befahren und den Aiiweisiingeu des Hausmeisters unbedingt Folge zu leisten. § 6, Die Arbeiter müssen beim Einzug in daS SchlafhanS nach- weisen, daß sie außer der Arbeitskleidmig noch einen reinen Anzug besitzen. 8 13. FraneiiSpersonen dürfen mir bei Tage, wenn sie sich melden und Lebensmittel bringen, ins Schlashaus, sonst müssen sie sich auch gleich wieder eiitferucn. 8 Für Beschädigung der Fenster, der Betten, der Wasch- einrichtimgcn usw. haftet, wenn der Thäter nicht gefunden ist, die ganze Stubcnmaniischaft. Für fehlende Handtücher und andere Sachen kommt auch die Stubcimiannschaft auf, wenn sich dcr Dieb nicht findet. 8 16. Wer Zänkereien oder Prügel veranlaßt, wer sich betrinkt, sich Unsittlichlciten zu schulden komme» läßt oder an einer Krankheit 760,49 M. 1895 verunglückten 155 Arbeiter. In den folgenden Jahren hob sicki die Produktion natürlich mit dcr Ge- samtprodiiktion. Auch die Arbeiterzahl erhöhte sich. Die Löhne gingen aber trotz des gewaltigen Aufschwungs kaum empor, Ja, in der Schwefel- und Schwefelsänre-Fabrikation gingen sie sogar zurück, ivie die„Statistik dcr oberschlefischen Berg- und Hüttenwerke", herausgegeben im Auftrage des Oberschlefischen Berg- und Hütten- mäiwischen Vereins von Dr. H, Volz, Kattowitz, nachweist.— Die Schieß Akt.-Gcs, f. Berg- und Hüttcnbetrieb ist unter anderem auch beteiligt an dcr Grube Cäcilie, Mitbesitzer: die Grafen Hugo. Lazy und Arthur Hcnckel von Donnersmapck, und an der Grube Scharley. Mitbesitzer: Bergwerlsgesellsckmft Georg von Giesches Erben; Frau Gräfin Schaffgotsch; die Grasen Hugo, Lazy, Arthur Henckel von Donnersmark; Fürst Hohenlohe, Herzog von Ujest; Ritterguts- besitzcr von Baildon.-- dann geschähe das höchstens unter Mitwirkung von zwei von den vier h ö ch st b e sie u e r te n Abgc- ordneten. Jedenfalls eine eigene Thatsache!— Will unsere Partei sich nichi noch eine solche Schlappe holen, dann muß sie eben sofort aii_ eine Revidicriiug ihrer Organisation gehen, freilich ein schweres Stück in einem Lande, wo im Polizciknüppel noch der Schluß aller Regieriiiigsiveisheit gesehen wird. Zlns Hessen. Die Wiederwahl unseres Genoffen Cramer im 15, hessischen Londtagswahlkreis bedeutet einen glänzenden Sieg für unsere Partei. So weit bis jetzt festzustellen war, wurden 42 social- demokratische und mir 4 illtramontan-iiationalliberale Wahlmäiincr getpählt. Vor 6 Jahren brachten es unsere Parteigenossen nur auf 17 Wahlmäiincr, während die Natioiiallibcralen und die Freisinnigen je 13 Wahkmäniicr hatten. Efflinge», Ii. November,(N ei ch S t a g S- W a h l r e s u l t a t.) Bei dcr Reichstags-Stichivahl im 5. Ivürttcmbekgischen Wahlkreis jEßliiigcn-Kirchhcim) am 7, d. M. fielen nach amtlicher Feststellmig von 22 606 gültigen Stiniineii 12 585 ans Lonis Schlegel, Wirth in Eßlingen jSoc,), 11 021 ans Ncichsgerichtsrgt a. D. von Geß in Eßlingen(natl,). Erstercr ist somit gewählt. Was für unnatürliche Verhältnisse das gegenwärtig in Baden bestehende Wahlgesetz zn Tage fördert, dafür legt Zeugnis ab folgender Wahlanfrnf, den unsere Genossen für eine ErgÄlZUNgs- wähl von Wahkinäiiiiern im Wahlkreis' Offeiiburg veröffentlichten. Derselbe lautet: Zur LandtagSwahI in Offenburg-Stadt. GesiiiiiimgSgenoffcn 1 Am Sonntag, den 4 November, vollzieht sich hier keine Neu- Wahl unseres LandtagsvcrtrcterS durch die Ur Wählerschaft. Es handelt sich nur um die vorschriftögemäße Ergänzung des alten, vor 2 Jahren erkorenen Wahlmäimer-Äollegiiiiiis, aus welchem durch Tod und Wegzug 6 Mitglieder ausschieden. Durch diesen Wahlakt kann an der parteipolitischen Zusammeu- sctznng deS Wahlkörpers, d, h, an der Mehrheit der vereinigten demotratischen und EentrninSpartei nichts geändert werden, wenn selbst die sämtlichen sechs Ersatzmänner auS miseren Reihen gewählt würden, Sodann Huben wir es mit einem in der badischen Landtagslvahl- Geschichte wohl einzig dastehenden Fall zu thim: Die demokratisch- ultramontaiicu Sieger bei der Urwahl von 1897 verpflichteten ihren Kandidaten Dr. Heimbiirger. schau nach Ablauf der Halste der gesetzlichen Waudattzest die Vertretung dcr Stadt Lffenbnrg in der Ii. Kammer wieder niederzulegen, damit, die dazu verpflichteten Wahlinäiiner beider Partcieis dem präsumtiven Kandidaten mid sriihercu Abgeordneten nach zweijähriger Pause daS Mandat wieder übertragen köiincn. Ein derartiges Handelsgeschäft verträgt sich nur mkt dem UN- demokratischen volksseindtichen indirekten Wahlrecht. Darum verzichten wir darmif, Zeil imd Opfer für eine» zwei» und anSsichtSlofe» und anfoctroyicrtsu Wahtkampf zu vergeude». Wir bitten unsere GesinmiugSgenoffen, am Sonnabend von der Urne tv e g z u b l« i v s n. Wer sich, um persönliche Nachteile zu ver- M c i d c n, a n d e r W a h l beteiligen muß. gebe einen weißen Zettel jZ e t t e l mit' d u r ch st r i ch e n e» Vor- s cht ä g e n) a b. Wir befinden ii»S mit diesem Verhalten nicht im Widerspruch zn de» Bcschtüsieii der Tnrkacher Konferenz, da durch unsere Passivität dcr Kampf für das direkte Wahlrecht nicht beeinträchtigt wird. Aus Wiedersehen bei der Hanptivahk in 2 Jahren. O f f c n b u r g, 1. Novevibcr 4399. Für die socinidemokratrsche Partei. Dcr Vorstand deS Nahlvcreins Vorwärts. Mönche», 0. November. jEig. Ber.) Abgeordneteiisamincr. Die Negiornng hat«inen Gssetzentwurf betreffend die Beschafstmg von Wohnungen für Aeaurte. Bedienstete, und Ar- bcitcr der StaatSeiseubahnen vorgelegt. Aus der Be- grisndnug geht hervor, daß im Eiscnbahndienst, außer 7500, vorüber» gebend beschäftigten Arbeitern, 39 928 Beamte, Bedienstete und Arbeiter beschäftigt sind, für welche 8000 Dienstwohnungen vorhanden sind. Neu errichtet werden 450 Dienst- oder Mietwohnungen, an 100 Stationen, für mittlere Beamte und Bedienstete, wofür rund 4 000 000 Mark verlangt werden. Von dieser Summe soll die Hälfte zur Gewährung von Baudarlehen an Baugenoffeiischaften Aerwcndung finden. � Außerdem ist dein Landtag die Notstands- Vorlage für die durch die, jüngste Hochivasser-Katgstrophe Geschädigten zugegangen. Der den Privaten und Gemeinden erwachse Gesa'nits'chadcn ist aus 12 217 698 M. veranschlagt; der dem Staat durch Zerstoriiiig und Beschädigung von Brücken, Straßen, Eisen- bahnen. Forsten ic, erwachsene Schaden ist noch nicht ermittelt. Zur Linderung der Not von Privaten und Gemeinden werden vom Land- tag 5 650 000 M. gefordert, wovon 3000 000 als nicht rückzahlbare Ziischüffe und die übrige Summe als Darlehen mit mäßiger Ver- zinstmg a» die Geschädigten verabfolgt werden soll. Die Diskussion über den Etat des Ministeriums des A e u ß e r n wird noch bis Ende dcr Woche dauern. Finanzminister leidet und dies verheimlicht, wer sich Widersetzlichkeiten gegen ven Hausmeister erlaubt, bat gerichtliche und diSeiplinorische Strafe ztt gewärtigen; auch lomt über ihn Ausweisung verstigt werden. § 17. Jeder, der das SchlafhanS in Anspruch nimmt, hat pro Tag 6 Pfennige zn entrichte», die von der Hiittenverwaltung durch Lohn« abzüg iimebehalicn werden. § 13- Bcschwerdcn über den Hausmeister, über daS Essen usw. sind sämtlich an den Hiitteniuspektor zu richten. 8 19, Wer die HlniSordmmg wiederholt übertritt, oder sich grobe, böS« willige Sachbeschädigungen zu schulden kommen läßt, Wer den Hans« meister oder dessen Frau bedroht, ihn beschimpft oder ihn thätlich angreift, kann sofort ausgewiesen werden, hastet jedoch für dcu au- gerichteten Schaden mit seinciii stehenden Lohn. s 20, Im allgemeinen werden Zuwiderhandlungen gegen diese HauS- ordmmg mit 50 Pf. bis 3� Mark und darüber geahndet. Draußen lärmte die elcttrische Straßenbahn vorbei, die Kinder spielten aus dem breiten, allerdings ungepflasterten Bürgersteig vor dem Schlafhaus, das niftteu in der Hauptstraße des Dorfes liegt,— Die Thür nach der Straße stand offen, von den Fabriken drang daS Gefauche der Maschinen, das Rasseln der Triebwerke und das Ge- kuatter der Gießereien gedämpft durch das Geräusch deS lcbhastcn Ortes— ich war wirtlich im modernen Leben, in einem„freiwillig" gewählten, offenen Aufenthalt. Und doch diese HauSordnimgeu I Sie waren allerdings schon mehrere Jahre alt und von dcni früheren Direktor der Hütte, einem Herrn Scherlenig nnterschricbcn. Aber sie hingen ja jetzt noch an der Stelle, die jedem Eintretenden sofort bemer'tbar werden mußte und waren trotz ihrer Vergilbthcit die einzig gültigen Verordnungen. Aber vielleicht lauteten die Paragraphen mir so scharf, weil die Einrichtung des Schlashanses gar zu prunkvoll war. So einer reichen Gesellschaft konnte es ja gar nicht darauf ankommen. Sie setzte ge- wiß ihren Stolz darin, ihre Arbeiter mit allen Errungenschaften dcr Ncnzeir, mit allein nwdcriicn Komfort zu beglücken. Sic fühlte wobl die Aufgabe, als größte Wirtin des Ortes vorbildlich, erzieherisch zu wirken... Aber was ich auf dcr Treppe sah, die ich nun mit dem Bcr, Walter hinaufging, schien nicht komfortabel zu sein. Die mit Holz belegten Treppen' hatten jene schlvarzgraue Farbe, die das Holz an- nimmt, wenn cS mit kohlen- und rußhaltigem Straßenschmutz, Maschincnschmicre, Speiseresten und ähnlichen Dingen durchtränkt und einer nicht zu häufigen Reinigung ausgesetzt ist.' Dcr Verwalter 'tampfte mir seinen derben Holzschuhen darüber hin und klirrte mit feinem Schlüsselbund— wie ein GefängniSwürtcr. oder nichtiger, Mitbürger gegen diesen Angriff auf ihre Rechte in Schutz nehmen dadurch, daß wir in der zweiten Lesung mit dieser Vorlage kurzen Prozeß machen und sie ohne weitere Um- st ä n d e„bachab" schicke n" Die„Strasibnrgcr Post", die sich von Anfang an alö eine warme Verteidigerin der Zuchthansvorlaye erwiesen, zieht es vor, in dem ausführlichen Bericht, deit sie der Rrffschen Versamm- lung widmet, über die obigen Ausführungen„ihres" Abgeordneten mit einigen wenigen Zeilen hinwegzugehen.— Uebcr das afrikanische Telegraphen- und Eisenbahn- Abkommen zwischen Deutschland und Euflland gab der Direktor der Kolonialabtciluug Dr. v. B u ch l a im Kolonialrat eine Iciiißcre Information. Zwischen der deutschen Regierung und der African Transcontinental Telegraph Company.ist ein Vertrag abgeschlossen, welcher der Gesellschaft gestattet, den Telegraphen, der Kairo mit der Mpstadt, � also den ganzen Erdteil von Nord nach Süd durchziehen soll, durch die deutsche ostafrikanische Besitzung zu legen. Die Fertig- stellung soll in 5 Jahren erfolgen. Die Regierung hat das Recht, eine beliebige Anzahl Stationen einzurichten und diese mit dem Telegraphen der Gesellschaft zu verbinden. Nach 40 Jahren hat die deutsche Regierung das Recht, innerhalb ihres Gebietes die Linie unentgeltlich zu übernehmen. Die Gesellschaft ist verpflichtet, über ihre Linien alle ihr zugehenden Telegramme auS und nach Ostafrika zu dem allgemeinen Tarif zu befördern und hät sich bereit erklärt, allen Dritten gewährte Ermätzigmigen auch auf Deutschland zu übertragen. Das Abkommen mit der British South African Compagnh vereinbart, daß von den englischen Gebieten Rhodesia oder Betschuanaland eine Zweiglinie nach der Grenze von Deutsch- Siidivest-Afrika gebaut werden soll. Erst wenn diese Linie fertig- gestellt, darf eine weiter nördlich gelegene hergestellt werden. Die Absicht ist, daß die erste Eisenbahn- Verbindung»ach der Westküste ans dem Hinterlande durch eine deutsche Juterestensphäre geht. Die„Times" bemerken zu dem letzteren Vertrag:„Hinsicht- lich der projektierten Bahn durch Deutsch-Südivcst-Afrika würden soivohl Deutschland wie England Vorteil haben für die Entwicklung ihrer Besitzungen; es würde der Boden weiter vorbereitet werde» für dys friedliche Zusammenwirken in der ganzen südlichen Hälfte des afrikanischen Kontinents, welches erivartet iverden darf, wenn Ereignisse eintreten, die in dem deutsch-englischcn Abkommen vom vorigen Jahre vorgesehen sind," Tic letzte Bemerkung der„Times" bezieht sich auf die Auf- teilung der portugiesischen Besitzungen in Südafrika.— Ausland. Pestfitlle. Paris, 1!. November.„Matin" und„Eclair" melden, daß in der Provinz Consta ntine(Algier) vor kurzem die Pest auS- gebrochen sei. Zuerst seien in Philippeville, dann in Bougie towohl nuter der Civilbevölkerung wie unter den Truppen mehrere Todesfälle an der Pest vorgekommen. Db. Chantemesse sei vor einigen Tagen nach Constanttne abgereist, um den Verlauf der Seuche zu studieren. Von anderer Seite wird bestätigt, daß die Post vor drei Wochen in Pbilippevill», jedoch in sehr milde»Form auf- getreten ist. Die Krankhejt hat sich bisher nicht ausgebreitet. sondern blieb auf einige Fälle beschränkt. Di« Regierung hat mst vollem Erfolge umfassende Vorsichtsmaßregeln ge- troffen und insbesondere in großem Maße Schutzimpfungen vornehmen lasse». Durch die sofort getroffenen umfassenden Maß- nahnien ist einem weiteren Umsichgreifen der Seuche Einhalt aethan. sd daß seit 14 Tagen kein verdächtiger Fall bekannt geworden ist. Ob die Pest ans Indien oder ans Oporto eingeschleppt worden ist, hat noch nicht festgestellt werden können. Trieft, 11. November. Die Generaldirektion des„Oestrcichischen Lloyd" teilt mit, daß an Bord deS auf der Rückreise von Brasilien befindlichen Lloyddampfers„Berenice" drei Personen an der Pest gestorben seien. Weitere Erkrankungen an der Pest seien an Borp nicht vorgekommen, Schiffsoffizicre und Mannschaft befänden sich wohl.—'_ Frankreich. Paris, 11. November. Der Untersuchllngsrichtcr Fabre ordnete zahlreiche Ilutersnchnnge» it, Part»«nd r» der Provinz an bezüglich der Umtriebe des Vereins Justice«t Egsüits, welcher eine Aonderung der Rcgienmgsform herbeizusührc». bczlveckt. Nament» lich wurden solche Nachsorschungeii bei dem Blatte„La Cryix" an- gestellt. Paris, 11. Novbr. Der heutige Miuistcrrat im Elisee ge- nchnngte einen— gegen den Klerikalismus gerichteten— Gesetz» entlvun, welcher verlangt, daß Bewerber um ei» Staatsamt zuvor eine bestimmte Zeit eine staatliche Schillanstalt besucht haben müssen; ferner einen Gesetzentwurf, durch welche» der Witwe des Obersten Klobb eine Pension von 6000 Franks ausgesetzt wird. Endlich erhielt die Zustimmung ein Gesetzentwurf, betreffend Abänderung der Kriegsgerichte in FriedcnSzeiten, durch welchen den gewöhnlichen G e r i ch t e n die Aburteilung von V e r- b reche.» und Bergeheu des gemeinen Rechts über- tragen wird. Paris, 11. slkobember. Die vom Untersuchungsrichter Fabre angcorbneten Untersuchungen richten sich gegen die Assimiptiomsten- Patres wegen unerlaubter Vereinigung. Komplottprozeh. PariS, 11. November. In der heutigen Sitzung des Staats« gerichtshofeS hielt nach dem Namensaufruf der Senatoren Staats- an w alt Pcruard eine Rede, in welcher er die gestrigen Aus- sührungcn des Advokaten Devin widerlegte. Bernard legte in seiner Rede dar, daß für die Aburteilung der Angeklagten der Staats- gerichtshof zuständig fei, weil dieselben, selbst wenn sie keinen rniff gewaltsame: Aendermig der Staatsform gerichteten Angriff be- gangen hätte», sich doch Verbrechen schuldig gemacht hätten, welche einem solchen Angriff sehr nahe verwandt wären. Der Staats- anwalt fordert am Schluß seiner Ausführungen den Senat auf, sich für zuständig zu erklären. Daraus wird die Sitzung unterbrochen.— V VnrlttmenkÄVifchrs. Der Kolonial- Etat für das Ncchmmgsjahr 1V00 unterscheidet sich nicht wesentlich von dein Etat des laufenden Jahres. Für das o st afrikanische Schutzgebiet balanciert er mit 9 839 500 M. Beigefügt ist eine Denkschrift über die Bedeutimg einer Eisenbahn von Dar-es-Salaam nach Miogoro, zu deren Vorarbeiten 100 000 M. eingestellt sind. Der Etat für Kamerun beziffert sich aus 2 379 700 SR, der für Togo auf 750000 M., der für das sü d w e sta frika nisch e Schutz- gebiet auf 8 774 300 M. Angefügt ist hier ein Bericht des Oberst- iicutenauts G e r d i n g, betreffend den Bahnbau Swalop- mund— Wiudhoek. Danach ist der Geleischau auf 120 Kilo- nreter angenommen und der regelmäßige Betrieb bis Jakals- Ivatcr(98 Kilometer) eröffnet. Der Bahnbau wird in diesem Bau- fahre bis Okongava gelangen und die Strecke biö. dahin noch vor dem 1. April 1900 eröffnet werden. An Frachtgut wurden durch- schnittlich monatlich 875 bis 1000 To»? befördert, wovon ungefähr die Hälfte RegiernngZ- und die andere Hälfte Privatgut ist. Der Etat für N e u- G u i ii e a bglanziert mit 923 500 W.. der Etat für die Berwaltiilla der Karolinen, Palau-Jusel» uud Marianen mit 370 000 Mi Da die Thätigkeit der Verwaltung soeben erst hc- govnen hat, mnße von der Aufstellimg eines speciqlisierten Etats noch abgesehen und mit einem Bauschqnantmn gewirtschaftet werden. Der Krieg. Noch immer kein« Entscheidung. Zwar sind die Engländer selbst überzeugt, daß ihre Truppe« L a d y s m i t h nicht hatten können. aber noch immer Hütt General White dem Boerenansturm tapfer stand. Nach einer Meldung aus Laur enzo- Marquez bombadiert Erueral Jvndert sortgrsctzt Ladpsintth. Die englische Garnison antwortet nur schwach auf das feind- liche Feuer. Jonbert hat, nachdem er weiter» Truppen- verstärknngrn und nnu> Munition«chatten hattr, eirw Abteilung seiner Armee nach Süden abgesandt, um Colenso in Per- teidigimgSznstand zu setzen. Das Pordruigcn gegen Picter- maritzburg hat begonnen. Die Boercn besetzten paS Eifenbatzn- gclände. Im Westen und Tilde». Kapstadt, 8. November. Eine hierher gelangte Depesche au» Pretoria meldet, daß der allgemeine Angriff auf Kimberlry von den Boeren am 7. November morgens mit der Beschießung der Stadt eröffnet worden ist. London, 1l. November.(W. T.©.) Da»„Rruterfche Buremi" meldet aus Barkly West vom 6. November: General Cronje sandte an Oberst Kekewich in Äimberlcy. die Aufforderung, vor 6 Uhr heute morgen sich zu ergeben. Widrigenfalls werde die Stadt be- schössen. Frauen und' Kinder bleiben W der Stadt auf Ver- antwoptung des Obersten Kck>:ivich. Die Boere» halten Kimberlcy in großer Starke eingeschlossen und besitze» schwere Artillerie.— Eine Depesche des Generals Buller aus Kapstadt vom 11. November derichtet demselben Bureau zufolge, daß Oberst Kekewtch unter dem S. d. Mts. nbcp die Beschießung vom 7. d. Mts. gemeldet habe, die- selbe habe keinen Schaden verursacht.. London, 11. November. Ein amtliches Telegramm des Generals B n I l e r lautet: Am 10. d. Mts. Halle eine Nckogiioscierimgs- Abteilung aus O raufe River Station vier Meilen östlich von Belmont ein Scharmützel mit den Boeren. Oberst Kcith- Fal- coner von den Northumverkand- Füsilieren wurde getöteß drei Lieutenants und zwei Mann verwundet. London, 11. November.(W. T. B.) Wie dem„Neukerschen Bureau" aus Kapstadt gemeldet wird, ist daselbst eine Depesche aus Mafeking ohne Datum«ingclauscn. welche sich wahrscheinlich auf die Vorgänge der letzten Woche bezieht. Dieselbe lautet:„Die Boeren o. R i c d e I wandte sich in der Hauptsache gegen die Socias- demokvatie und suchte die Ueberi'chußwirtschaft'und das indirekte' Steuersystem gegen die wuchtigen Angriffe des Genossen v. Volkmar zu verteidigen, unsererseits wird noch Genosse E h r h a r t das Wort ergreifen.*..,,; München, 11. November.(W. T. B.) In der Kammer der Abgeordnete» wurde hcicke die Generaldebatte über die bayrische Regierungspolitik zu Ende geführt und schließlich der Etat des Mi- nisteriumS des Auswärtigen genehmigt. Ein reichsländischer Bassermann. Ans Straßburg i. E. wird uns geschrieben; Als ent- sch iedcner Gegner der Zuchthnusv'orlage hat sich der von den vereinigten„Ordmmgsparteicn", Natioiiakliberalcn, Klerikalen und Freisinnigen, gewählte Reichstags- Abgeordnete für Straßbnrg- Stadt, Jnstizrat Dr. Riff, in einer am Donnerstag' adgchältencn Wählerversammlung bekannt. Seine diesbezüglichen Ausführungen erscheinen ans einem doppelten Grunde besonders beachtenswert: einmal, weil sie aus dem Munde eines im übrigen durchaus re- g i e r u n g s f r e u n d l i ch e n, bei seiner Bewerbung um das Straß- burger Abgeordnctcnniandat selbst von der streng gouvernenientalen „Straßburgcr Post" nach Kräften unterstützten, erfahrenen I u r i st e n kommen, und dann, weil sie als ein neuer Beleg dafür betrachtet werden können, daß die er- z w u n g e ne Rücksichtnahme auf e i n e st a r k e bei einer K e u>v a h l als gefürchtet» Gegnerin in Betracht konimende socialistische Wählerminderheit unseren Volksvertretern bei ihrer Stellungnahme zu reaktionären Anschlägen' der Regicruiig selbst in solchen Fällen den Nacken zu steifen imstande ist. wo dies durch das Klaffeninteresse nicht ohne weiteres geboten erscheint. Unter dem lebhaften Beifall der lediglich ans Angehörige» der bürgerlichen Parteien bestehenden Versammlung führte Abg. Riss ungefähr das Folgende aus: „Noch selten hat eine GesetzeSvorlage einen solchen Unwillen in den weitesten Kreisen hervorgerufen, wie die Zuchthausvorkage, weil sie eben dem NechlSbewußtsein unseres Volkes direkt zuwider- läuft. Jeder, der es mit der allmählichen Ausgleichuug unserer socialen Gegensätze ehrlich meint; jeder, der die berechtigten Bestrebungen innerer Arbeitcrwelt nach wirtschaftlicher und moralischer Besser- stellung anerkennt und gleichzeitig wünscht, daß diese Bestrebungen sich in gesetzlichen Bahnen bewegen, muß verlangen, daß dieser»in- glückselige Gesetzentwurf baldigst, womüglich ohne Tang»ind Klang, von der Tagesordnung verschwinde. Der Zweck des Ge- fctzeS soll sein: Unterdrückung der Mißbräuche des Koalitionsrechtes der Arbeiter und Arbeitgeber; der Erfolg aber würde sein: Unterdrückung deS biffchens KoalitiouSrechteS der Arbeiter� Da» Gefährliche bei der Borlage in dieser Hinsicht ist, daß die darin ansgenommeuen strafrechtlichen Begriffe äußerst dehnbar sind. Es würde überhaupt keinen Arbeiteransstand mehr geben, bei dem nicht Gelegenheit vor- Händen wäre, diese Strafbestimmungen zur A» w e n d u n g zu bringen. Die Folge davon wäre: Einschränkung d»? Rechtes der Arbeiter zur Arbeitseinstellung. Eiiffchränknug des kümmerlichen, auf dem ß 152 der Gewerbc-Ordnung beruhenden Koalitionsrcchtö. Das Recht der«rbeitseinstcllnng wird erst wirksam, ivenn es durch Mehrere ausgeübt wird; die Koalition der Arbeiter ist daher ein Recht, das der Staat zu schützen hat, gerade so gut, wie da? anologe Recht der Arbeitgeber. Das Koalitwiisrechl der Arbeiter geht aber verloren, wenn bei einer Arbeitseinstellung jedes unbesonnene Wort als Drohung. Ehrverletzung:c. von den Gerichten aufgefaßt werden und den Arbeiter ins Gefängnis, ja ins Znchtbaus bringe» kann. Ich bin der Ansicht, daß es vielmehr zur Herstellung des socialen Friedens beitragen wird, wenn die Regierung uns einen Gesetzentwurf brachte, der das Koalitionsrecht der Arbeiter ga- rantier,t, pS von den Fesseln befreit, die ihm trotz des§ 152 der Gewerbe-Ordnung durch die Strafbestimmnngen der einzelnen L a u d e s g e s e tz e. auferlegt sind. Dazu würde auch gehören die Ein os.U N g. d es Versprechens, das der R c i ch s i a n z l e r bei Beratung de« Bürgerlichen Gesetzbuches im Reichstag abgegekicii hat. Dies Versprechen betrifft das Recht für die Vereine jeder Art, unter sich in Verbindung zu treten, und die Aufhebung aller entgegenstehenden landesgesetzlichc» Bestimmungen auf dem Wege eines ReichSgcseyes. Zu etwas wird hoffentlich die Znchthausvorlage nützlich sein, wenn auch nur durch ihre Ablchmmg, ich meine zur Hebung des g e in» k e n e n Ansehe Iis des d c u t ch e n R e i ch s t a g e s. Dem gleich s tag wird zuweilen seitens der Regie- rnngeine Behandlung zuteil, die kein anderes Parlament sich g e f a l l e n I a s s e n w ü r d e. Das muß anders werden I Der Reichsing muß wieder mit dem Bundesrat ein gleich- wertigcr gesetzgeberischer Faktor werden, gleichwertig an Macht, Ansehen und Einfluß l Dazu wird es beitragen, ivenn der Reichstogl bei Beratung der Znckithansvorlage Rückgrat zeigt. In seinem Beharren ans der Ablehnniig hat der ReichSiag die weitaus überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes hinter sich. Ich erachte es als eine heilige Pflicht, daß wir unsere wirtschaftlich schwächeren wie ei» Schatzbewahrer. Was für kostbare Möbel und Hausgeräte die Zimmer enthielten, daß sie so wohlverschlossen uud bewacht werden mutzten I— Die Treppe mündete auf einen halbdunkleii, nach beiden Seiten laufenden Borflur. Jede Wand war von einer Thürrcihe durchbrochen. Der Verwalter schloß die erste auf— ein beißender, mufflger Dunst wehte imS entgegen, wie er stets in Räumen herrscht, wo schlecht- gereinigte, von erschöpfender Arbeit schwitzende Menschen in zu großer Zahl schlafen müssen und keine aiiSdcicbcnde Lüftung für Ersatz der verbrauchten, bnrchatnielen Atmosphäre sorgt. Die Stube war etwa vier Meter groß und ebenso breit und drei Meter hock. Zwei einfache Fenster ließen, ohne den Luxus einer Gardine oder eines Vorhanges aufzuweisen, das Tageslicht hinein, das dafür um so deutlicher die Großartigkeit der Stubciieinrichtüng be- leuchten konnte.� An der einen Seitenwand standen vier eiserne Bettstellen— eiserne-Bettstellen sind ja jetzt das feinste. Nur daß diese Bettstellen gar nichts Feines an sich hatten, wollte man nicht ihre jämmerliche, rohe Einfachheit für Vornehmheit ausgeben. Auch standen sie nicht, wie bei gewöhnlichen Menschen, neben- einander, sondern je zwei und zwei übereinander. Der im unteren Bett konnte sich also mit einiger Phantasie leicht vorstellen, er schlafe in einem Himmelbett— die Luftlnappheit dieser Prachtbcttcn halte er jedenfalls. Tie Bettstücken, schmale bunte Lcinwanddecken, waren flüchtig übereinander gelegt. Ich faßte sie an. Sie waren klebrig und die eingestopften Federn hatten sich zu festen Klumpen zusammengeballt, wie wenn die Bcttstückcn nie ordentlich durchgeklopft würden. An der Thürseite standen einige schmale Spinden, deren gelb- branne Grundfarbe mir noch an wenigen Stellen aus dem schwarzen Schmutz blinkte, nnt dem sie überzogen war. An der anderen Seite standen wieder zwei Betten und zwischen den beiden Fenstern erhob sich ein Tiich. wacklig und grau, wie mehrere Schemel. die am Fenster und in den Ecken standen. Vom Fußboden war nicht viel zu sehen. Schwarzer, festgetrampelter Schmutz breitete sich wie ein schöngemustertcr Teppich durch die Stube. An den Fenstern lagen niehrere Häufchen Holzspäne. Die erblickte der Verwalter sofort und, wie wenn sie sein Schönheitscmpfindcn schwer gekränkt, wie wenn sie den Prunk des Zimmers zerstört hätten, fuhr er loS:„Schweinebande verdammte I haben wieder geschnipselt hier! Kann man reden, so viel man will, es nützt nicht!" Da aber sah er, daß einer der Schemel, die nicht einmal für die sechs Stubenbewobncr ausreichten, da nur vier oder fünf vor- Händen waren, ei» frisch geschnitztes Bein hatte. Einen anderen Schemel, der nur noch auf zwei Beinen stand, hatte der Schnitzer sich schon zur Erneuerung der fehlenden Beine bereit gestellt. Das alles versöhnte den Venvalter sofort. „Na. wenn sie mackjen Beine, kann man ia nichts sagen". meinte er zufrieden.„Hier muß aber ausgefegt werden. Die sollen sich machen das selbst, die Kerle; aber dazu ist das zu faul. Kommt das von der Hülle, gleich schmeißt es sich auf das Bett und läßt alles liegen. Oh, ich fege schon ans, doch bin ich heute nicht dazu gekommen. Und eigentlich sollen sie sich das selbst machen!" Ich sah mir die Wände an. Auch sie waren mit demselben Ucberflnß ansgestattet, wie alles andere. Wandmalerei ist ja wrmer feiner als Tapete und schließlich auch gesunder. Aber wenn die Schmutz- und Schmierbilder, die von der Kleidung der von der Arbeit Kommenden gepinselt werden, nicht alle Jahr den ihnen notwendigen Ucbetzug durch Tünche bekommen, dann gicbt das solche abschreckenden Freskomalereien, wie sie in allen Räumen der Silesia- hülle zu finden sind.'■ j■..■■ Daß bei solchem außergewöhnlichen Prunk die Arbeiter verwöhnt werden und einem faulen Schlemmerlebcn verfallen, ist ganz selbst- verständlich. Sie kommen von den Puddelofen, Röstlverlen und Schlackenberge» in dieser Tracht selbst fast geröstet und geschmort und sollen dann noch Kraft übrig haben, noch Lust bekommen, den überquellenden Luxus durch Reinigungswut zu zerstören? Dann führte mich der Verwalter in ein anderes Zimmer, das zwar bedeutend kleiner war. in dem aber nur zwei Betten standen. „Hier schufen„Bessere", für die wir eigentlich eigene Zimmer geben", erklärte er.„Doch haben wir jetzt keinen Raum für einen allein. Aber sie brauche» auch nur fünf Pfennige zu zahlen. Na, die andern brcuiche»'s auch nicht besser!" fügte er hinzu und schloß ein» drille Thür auf. Hier schliefen verschiedene in den Betten, von denen diesmal sogar acht im Zimmer standen— erhöhter Luxus! Andere kämmten sich und einige speisten Brot und Käse von Papier, das neben öligen Grubenlampen, Kämmen und Seife auf dem Tisch lag. Als ich beim Eintreten meinen Hut abnrbmcn wollte, sagte der Verwaltcr:„Aber Sie werden doch nicht! Das ist nicht nötig!" Und er ging nnt der Mütze auf dem Kopf hinein. Beim Weitergehen sagte er:..Sehen Sie, daS waren Galizier. Die halte» ihre Stuben sauberer, als die andern— sie parieren besser. Die sind vom Lande nud sind das Gehorchen noch ge- wohnt." Er schien sie wegen ihrer Unterwürfigkeit ordentlich zu lieben. Die nächste Thür war verriegelt. Er donnerte mit den Fäusten gegen und fluchte. Endlich wurde sie geöffnet. Ein kleiner, ver- schlafener Mann stand innen— er war eben auS dem Bett gesprungen. Der Verwalter fragte ihn- herrisch, warum er nicht auf Schicht sei. Der Mann antwortete polnisch.„Ach so", sagte der Verwalter be- friedigt.„er hat Nachtschicht gehabt". Es störte ihn gar nicht. daß er den müden Arbeiter aus seiner, Ruhe gerissen hatte. In dieser Stube und in allen rmdrm.' die tr'mir zeigte. sah es so ähnlich aus. wie in den ersten. Uebcrall derselbe Ucber- fluß an starrendem Schmutz, an Dürftigkeit und Mangel und er- bärmlicher Vernachlässigung. Wohl an zwanzig solcher Zimmer sah- ich. Beim Hinabgehen aus dem zweiten Stock WS untere Geschoß erzählte der Verwalter:„Bcki. die verdienen sehr schön— 2.75. bis 3 M. pro Tag. Ja, bis auf ö M. kommen siel Ra, und teures Leben haben' sie hier nicht. Fürs Mittag geben sie 45 Pfennige. da könne» sie docki kommen zurccht. Bessere geben 50 Pf., dafür haben sie mehr Fleisch." Wir gingen durch den Speiseraum, der am hinteren Ende des Hausflurs lag. Kahle Wänhe! ein paar roh gestrichene Tische uud Bänke— neben dein die Küche und den Speiseraum verbindenden Gang lag eine leere. Ncine Küche. Der Galizier lobte wieder die Gallzier,-die stch, ihr Essen selbst in dieser Küche kochten. In der großen HanStüche zeigt« cr mir die Portionen, die er an die Arbeiter ouöteilt. Zwei Näpfe voll Kartoffeln, Suppe und Fleisch oder Gemüse uud Fleisch. Die Portionen ganz reichlich, ober nicht zu kräftig aussehend. Auf dem Gänge nach seinem Waschkeller klagte er mir, daß er nicht- noch mehr Arbeiter aufnehmen könne. Jetzt drückten sie sich in den Kellerwohiningen herum bei ihren Kollegen— und er habe doch nur die 1.50 Mark, die ste für» Schlafen zahlten. Am Essen und am Bier, das er flaschenweise ver- laufe, sei nicht viel. Er hätte jetzt mehr als Hundert untergebracht, Iber er- dürfe— leider— nicht mehr aufnehmen. Wohnung hätte er ja auch umsonst aber die Kinder kosteten so viel. Der Aelteste, der im Comptoir der Verwaltung arbeite, verbrauche seine 20 Mark Wochcngehalt als Taschengeld.— Er könnte doch eigentlich ganz gut noch Leute unterbringen. Die Hüttenverwaltung hatte sich die Sorge um daS Gehalt des Verwalters also abgewälzt, und auf diese Weise dafür gesorgt, daß er möglichst viel Arbeiter für sie bereit hielt; je mehr er unter- bringen konnte, je mehr verdiente er. Er klagte auch noch, daß die Arbeiter so gut zusammenhielten, ihre„eigenen Gebote" hätten. Wenn einer nicht zur Schicht wolle, gebe er ihm kein Essen. Da unterstützten sie sich, so lange es ginge. Er fand das einfach unmoralisch. Dann erklärte er mir die Waschkücheneinrichlling. Da, wo er seine Wäsche kochte, würde auch das Wasser für den Waschraum der Arbeiter gewärmt. Er füllte etwas ans dem Kessel. Es sah bräun- lich aus, wie Spülwasser. Doch meinte cr, das sei weiß. Als ich auch den Waschraum der Arbeiter sehen wollte, wehrte er ab. DaS wäre nichts, den könne er mir nicht zeigen. Wahrscheinlich war der so luxuriös eingerichtet, daß zu be- fürchten war, ein Fremder hätte schon mit den Augen die Eleganz verletzen können. Ich vermute, daß dies Prächtigste deS Prächtigen mir nur darum vorenthalten wurde.— mif Mafeking mit einem die Verteidiger hatten nur wurden bei einem allgemeinen Angriff Verluste von Sl) Toten zurückgeschlagen; geringen Verlust". Truppcnnachschub. In Ermangelung jedweder Nachricht vom Kriegsschauplatze begnügen sich die Londoner Morgenblätter vom Sonnabend damit, die Rede Lord Salisburys und die Ein- berufung weiterer Armeekorps zu kommentieren. Die liberalen Blätter deuten auf die Schwierigkeiten hin, welche augenblicklich die Einberufung eines oder zweier Ärmeccorps hervorrufen würde. Ein Armeebefehl macht bekannt. daß die einberufenen Reserven sich noch vor dem 20. d. M. bei den Fahnen zu stellen bnben. Ein weiterer Armeebefehl ordnet die sofortige Mobilisierung der 30. Infanterie- Division für den Dienst in Südafrika an. Die Königin hat in den Schloßanlagen zu Windsor das aus der Garde zu Pferde und aus der Leibgarde zusammen- gesetzte Regiment besichtigt, welches nach Afrika geht, und an die Truppen eine Ansprache gerichtet. England muß also bereits die Leibgarde der Königin nach Afrika entsenden. London, 11. Nov.(W. T.B.) Die Admiralität erhielt die Nachricht von der Ankunft dreier Truppenschiffe mit 3676 Mann in Kapstadt; zwei der Schiffe werden nach Durban weitcrgesandt; die Truppen des dritten Schiffes dürften in Kapstadt landen. Internationaler Konflikt? England kann den Krieg in Südafrika nur fortführen, wenn in seinen übrigen Besitzungen Ruhe bleibt. Die Konstellation der europäischen Mächte scheint auch dafür zu sprechen, daß Eng- land vor größeren Schwierigkeiten bewahrt bleibt. Thatsachc ist aber, daß in russischen Militärkreisen lebhafte Erregung herrscht; diese Kreise wünschen, daß der Zar die günstige Gelegenheit benutze und in Afghanistan einfalle, um bis zum indischen Ocean vorzudringen und so England an seiner wundesten Stelle zu treffen. Es geht bereits das Gerücht einer russischen Truppen- bewegung nach der afghanischen Grenze. Jedoch ist nicht anzunehmen, daß Rußland ein solches Unter- nehmen plant, das den Krieg mit England sofort entfesseln müßte. Der russische Finanzminister ist über das, was Rußland jetzt wagen darf, anderer Meinung als die militärischen Draufgänger. Immerhin ist es bezeichnend, daß man in London das be- freundete Japan vorschickt. Aus Shanghai wird den„Times" vom Freitag telegraphiert: „Es seien alle Anzeichen einer zunehmenden Reibung im Norden zwischen Rußland und Japan vorhanden. Japans Thätigkeit in Korea und den Peking-Provinzen habe eine ausgesprochene Vorherrschaft zum Ergebnis, die von den einheimischen Beamten durchaus anerkannt werde. Der Präsident des japanischen Oberhauses Prinz Konoye sei von den Vicckönigen von Kanton, Wutchang und Nanking mit allen Ehren- bczeugungen empfangen worden; auch habe der japanische Gesandte in London Kalo kürzlich zusammen mit dem japanischen General- Konsul in Shanghai Otagiri Peking besucht. Von beiden Sendungen nehme man an, daß sie Japans politisches Ucbcrgewicht ge- stärkt haben. Zu den tröstenden Gedanken an japanische Freundschaft kommt die Freude der Engländer über die Freundschaft mit den Vereinigten Staate». Der amerikanische Botschafter C h o a t e hielt in Edinburgh eine Rede, in welcher er ausführte, die hochherzigen und herzlichen Worte des Premierministers Lord S a l i s b u r y bei dem Lordmayors- Bankett würden in Amerika eine aufrichtige Erwiderung finden. Die feste Freundschaft, die jetzt zwischen Amerika nnd Groß- britannicn bestehe, sei der größte Sieg der Engländer, der den Frieden unter allen großen Nationen bedeute. GemvLkfdzctf'klidivs. Vcrlin und Umgegend. Die Erfolge der letzten Berliner Mctallarbcitcrbcwcgung wurden bekanntlich von dem Kruppschen Scharfmachcrblatt„Berliner Neueste Nachrichten" angezweifelt. Wir überließen es der Ver waltung des Metallarbeiter-Verbandes, darank zu antworten. Da nun das genannte Blatt nochmals darauf zurückkommt und nach der Antwort frägt, wollen wir den„Neuesten" doch verraten, warum die Verbandsverwalter sich nicht herauslocken lassen werden. Die Angaben der Streikleitung über die Zahl der Betriebe und die Zahl der Arbeiter, die zu den neuen Bedingungen arbeiten stimnien mit den Thaffachcn ganz genau überein. Nur wird sich die Streikleitung hüten, den neugierigen Sibarsmachern die Namen der Firmen zu nennen, da sie keine Ursache hat, die betr. BctriebSinhaber der terroristischen Vcrfolgnngssncht der Kühnemänner preiszugeben Soweit geht die Macht des Untcrnchmcrvcrbandcs über seine Mitglieder, daß des Einzelnen Herrschaft im„eigenen Hanse" fast vollkommen aufgehoben ist, daß er sich scheuen muß. den Arbeitern offen das zn bewilligen, was er selbst als berechtigte Forderung anerkennt, Wurden doch diese Forderungen der Arbeiter im Untcrnehmcrvcrband mit nur 72 gegen 64 Stimmen abgelehnt. Mag also auch bei der Umfrage, Ivelche bei den Betrieben veranstaltet wurde, ein anderes Resultat herausgekommen sein, mag nicht alles formell, nicht durch„nnterschriftliche An- erkennung" bewilligt sein, erreicht ist es darum doch durch die Bewegung der Arbeiter. G» s» Das Scharfmacherblatt läßt es sich auch angelegen sein, alle die Ausfälle zu registrieren, die in den letzten Metallarbeiter-Vcrsamm- lungcn von einigen unzufriedenen Elementen gegen den Metall- arbeiter-Verband vorgebracht wurden, und man merkt dem Blatt die Schadenfreude darüber an. Mögen die Betreffenden daraus er« keimen, wessen Geschäfte sie mit ihren Angriffen besorgen. Achtung, Damenschneider! Die Firma I. Löwe, Hochstraße 55, die im Laufe der verflossenen Woche bereits die Hälfte der Arbeiter entlassen hatte, kündigte den übrigen Arbeitern am Sonnabend bei der Lohnzahlung an, daß die seit April 1896 be- stehende tzstündige Arbeitszeit in Zukunft aufgehoben sei und an deren Stelle die 10 stündige trete. Herr Löwe sucht in der„Volks- Zeitung" bereits Damenschneider, wahrscheinlich, um die Ver- schlechterung mit neuen Gehilfen um so leichter durchführen zu können. Hoffentlich wird es ihm nicht gelingen, Leute zu sindcn, die bereit sind, ihre Kollegen dadurch herauszudrängen, daß sie unter schlechteren Bedingungen zu arbeiten gewillt sind. Sattler und Gerber! Der Streik in der Fabrik von C, Zender hat nach drei Tagen mit einem vollständigen Siege der Arbeiter geendet. Sämtliche Forderungen wurden bewilligt und auf den ge- forderten Minimallohn für jugendliche Arbeiter bis 16 Jahren wurde verzichtet. Es muß ausdrücklich betont werden, daß Herr Zender in sehr anerkennender Weise den Streikenden entgegen gekomnien ist und mit ihnen unterhandelt hat. In dieser Beziehung könnte sich mancher Unternehmer an ihm ein Beispiel nehmen. Es liegt nun an den dort beschäftigten Kollegen, durch festes Zusammenhalten das Errungene hochzuhalten,— Trotz der Beilegung des Streiks findet die Versammlung der Sattler heute, Sonntag, doch statt. Die K o in m i s s i o n. An die GesellcnanSschüssc der Innungen in Berlin und dem Regicrnugsbezirk Potsdam! Die Vorarbeiten für die Errichtung der Handwerkskammer im Regierungsbezirk Potsdam sind soweit gediehen, daß die Wahlen der Mitglieder zur Kammer voraussichtlich bald erfolgen werden. Am 1, April 1900 tritt die Kammer in Thätigkeit. Die Mitgliederzahl des Gesellenausschusses zur Handwerkskammer be trägt 14 und sind ebensoviel Ersatzmänner zu ernennen.— Die zur Wahl berufenen Gesellcnausschiisse wollen aus den verschiedenen Gewerben Vertreter vorschlagen. Zu dem Zweck soll eine Verständi gung sämtlicher Gesellenausschllsse der Sladt Berlin und des Regierungsbezirks Potsdam angebahnt werden, um einen Geselle» ausschuß in die Handwerkskammer zu wählen, welcher auch der Ar beiterschaft des Bezirks würdig ist. Am 27. Oktober haben die in Berlin versammelten Gesellen ausschüsse eine Kommission gewählt, welche die erforderlichen Vor bereitungen zu dieser Wahl zu treffen hat. Die Konimission beruft nunmehr zum Sonntag, den 26. November, vormittags 10 Uhr. nach den Arminhallen, Komman dantenstraße 20, eine Konferenz, in welcher über die zur Wahl zu stellenden Personen eine endgültige Regelung herbeigeführt werden soll. Sämtliche Gesellen-Ausschüsse des Regierungsbezirks Potsdam sind hiermit eingeladen. Sämtliche Gewerkschaftsorganisationen sowie GewerkschaftSblätter werden für die weiteste Bekanntgabe ersucht.— Auch wollen sämt- liche Gesellenansschüsse ihre Adressen an den Unterzeichneten sofort einsenden. Die Kommission der Gesellenansschüsse Berlins und Umgegend, I. A.: Johannes Wilk, Elisabeth Ufer 5/6. Deutsches Reich. Tie Hamburger und Altonacr Maurer beschlossen, zum Frühjahr gemeinschaftlich in eine Lohnbewegung einzutreten zwecks Erreichung' der neunstündigen Arbeitszeit und 70 Pfennig Stunde» lohn. Der Leipziger Formcrstreik ist für beendet erklärt worden, Vor genau 21 Wochen war der Kampf ausgebrochen; die Unter nehmer hatten den bekannten Beschluß gefaßt, die Former 2 Jahre lang auszusperren. 800 Former und Hilfsarbeiter legten daraufhin die Arbeit nieder. Die Leipziger Unternehmer sandten ihre Modelle nach auswärts; deren Anfertigung wurde vielfach verweigert und kamen zurück. Nach und nach aber konnte die Gußznfuhr nicht mehr verhindert werden; teilweise haben die Leipziger Fabrikanten aber auch ihre bisherige Kundschaft verloren, Die Unternehmer haben in der That größeren Schaden als die Arbeiter, so daß sie eine ähnliche Brutalität ein zweites Mal wohl kaum begehen werden. Eine Weiterführung des Streiks jedoch hatte unter solchen Umständen keinen Zweck mehr. Zuzug von Formern ist von Leipzig aber noch streng fern zu hallen; ein großer Teil der Ausständigen wird noch lange auf dem«traßen Pflaster bleiben. Ausland. Die Wiener StorkdrcchSlcr führen einen erbitterten Kamp um den N e u n st li n d e n t a g. Die Unternehmer haben die Ge Hilfen ausgesperrt. Nachdem die Aussperrung schon einige Wochen andauert, haben die Unternehmer jetzt beschlossen, am 4. Dezember die Betriebe zu öffnen, aber unter Bedingungen, auf welche die Arbeiter nicht eingehen können. Die Unternchmer verlangen von den Arbeitern nichts weniger als die Erklärung, ans der Organi- sation auszutreten. Die Arbeiter halten ihre Forderungen aufrecht und haben beschlossen, im Ausstand zu verharren. Die Textilarbeiter Ocstrcichs halten am 24. und 25. Dezember einen allgenieincii Kongreß ab. Es soll über die beste Au§ brcitnngsmöglichkeit sowie über die beste Form der Organisation verhandelt werden. Als die erstrebenswerteste Organisalionsform wird die G e w e r k s ch a f t s- U n i o n hingestellt, die einzige, die den Verhältnissen in der Textilindustrie entspreche. Ans Zürich wird bürgerlichen Blättern gemeldet, daß am Simplon-Tunnel 500 Arbeiter wegen Lohndiffcrcnzcn die Arbeit ein- gestellt haben. Allgemeiner belgischer Arbciter-Ansstand. Einige bürgcv liche Blätter bringen alarmierende Nachrichten über den angeblichen Beschluß des Geu'eralrats der belgischen Arbeiterpartei, einen neuen allgemeiiien Kohlenarbeiter-AuSstnud„hervorzurnfcii". Ein solcher Beschluß ist natürlich nicht gefaßt; nur findet am 27. November ein Grnbenarbeiter-Kongreß in La Louviöre statt, der erst entsprechende Beschlüsse zu fassen hat._ GevilszLs-Seikung» Zur höheren Ehre deS ZuchthauSkurseS. Wohl selten ist die Stellung, ivelche die Polizei bei Streitig leiten zwischen Unternehmertum und Arbeiterschaft einnimmt, so drastisch illustriert worden, als durch einen Fall, mit dem sich gestern das Gericht zu beschäftigen hatte. Der Fabrikarbeiter Schwarz erhielt eines Tages einen Strafbefchl, weil er entgegen der Aufforderung eincS Schutzmannes auf dem Bürgerftcig der Fehrbellinerstraße stehen geblieben sei und durch lautes Skandalieren einen Auflauf verursacht habe. Gegen diesen Strafbefehl erhob Rechtsanwalt Sonnen- f e l d Einsvruch, mit welcbem sich die 145. Abteilung des Schöffen gcrichts gestern zu bcsckiäftigcn hatte. Zum Termin waren drei Polizcibeamte und 2 Civilpcrsoncn geladen; letztere entlasteten, crstere belasteten den Angeklagten. Als Ergebnis der Beweis aufnähme stellte sich folgender Sachverhalt heraus: In cincr in der Fehrbellinerstraße belegenen Fabrik war ein Streik ausgebrochen. Zum Schutze etwaiger Arbeitswilliger hatte das Polizei Präsidium die Fehrbellinerstraße unter die Obhut einer größeren Zahl von Polizeibeamten gestellt und diesen die Weisung gegeben, nicht zu dulden, daß die Arbeircr oder andere Personen auf der Straße stehen bleiben. Nun wohnt derAngeklagtc in der Fehrbellinerstraße und kam etwa um 12 Uhr mit einem Arbeitögenossen vor seinem Hause an. Während letzterer nach dem Hofe deS HauscS ging, um dort aiis> zutreten, wartete der Angeklagte— wie dieser und die Civilzeugen behaupteten, in der Hausthür, wie die Polizeibeamten dagegen be- kündeten, auf dem Bürgcrsteige. Der Schutzmann Pctzold trat sofort an den Angeklagten mit den Worten heran:„Scheren Sie sich fort, hier wird nicht gestanden, s o n st arretiere ich Siel" Als der Angeklagte erwiderte, daß er dort wohne, stieß ihn der Schutzmann mit den Worten: „Dann scheren Sie sich hinein!" in das Haus hinein. Der Angeklagte, der sich nun die Nummer des Schutzmanns aufnotieren wollte und diesen damit besonders erregte, beschwerte sich nun über den Schutzmann bei dem herankommenden Wachtmeister K ü st e r, dieser erwiderte aber kurz,„der Schutz- mann werde schon recht haben", und ließ den Angeklagten „wegen Skandalierens" sofort zur Wache abführen.— Völlig einmütig ging die Ueberzeugung des Staatsanwalts, deS Rechtsanwalts Sonnenfeld und des Gerichtshofes dahin, daß der An- geklagte freigesprochen werden müsse. Der Versitzende begründete den Freispruch etwa wie folgt: Den Schutzmann Petzold treffe kein Vor- wurf, weil er nur nach der Weisung seiner vorgesetzten Behörde gehandelt habe. Trotzdem entspreche sein Verhalten nicht den Gesetzen. Nach Gesetz und Verordnung durfte der Schutzmann das Weitergehen nur dann fordern, wenn der Angeklagte auf der Granitbahn gestanden nnd den Verkehr gestört hätte. Dies war nicht der Fall und das Einschreiten gegen den Angeklagten daher unberechtigt. Das Auf- notiere» der Nummer war das- gute Recht des Angeklagten und der Beamte hatte keinen Anlaß, sich hierüber aufzuregen. Der Wacht- meister handelte inkorrekt, indem er dem Angeklagten auf dessen Be- schwerde erwiderte:„Es werde wohl der Schutzmann recht haben", wie wenn im Streit zwischen Polizei und Civil nicht auch der Civilist recht haben könnte. Wenn hierbei der Angeklagte laut und erregt wurde, so sei dies kein Wunder; jedenfalls habe er nicht den Auflauf verursacht. Wir zweifeln nicht daran, daß unsere Parteigenossen km Reichs« tage bei der nächsten Gelegenheit, wo es gilt, die Stellungnahme des heute noch herrschenden Regimes in Arbeiterfragen zu charak- terisiercn, auch diesen Fall als willkommenes Material benutzen werden. Für die organisierte Arbeiterschaft haben die Maßnahmen dcZ Zuchlhauskurses trotz allem übrigens einen hohen moralischen Wert. Denn nie vorher ist die Erkenntnis, daß die Streikbrecher ei vom sittlichen Standpunkte aus eine der verabscheu ungs- würdig st cn Handlungen ist, nicht allein in allen Arbeiter- schichten, sondern selbst bis weit in bürgerliche Kreise hinein so ge- fördert worden, lvie unter der gegenwärtigen Vergötterung der für den Staat besonders nützlichen Elemente. Wie der Kampf gegen die Zuchthausvorlage auch ausfallen möge, die organisierte Arbeiterschaft trägt aus ihm Dank ihrer nach jeder Richtung hin mustergültigen Haltung einen gar nicht hoch genug zu veranschlagenden moralischen Gewinn davon. Auch hier wird sich wieder zeigen, daß alles, was die Arbeiterfeinde beginnen, dem proletarischen Befreiungskampfe zum Besten dienen muß. Schmiegt sich die Taube kosend an Dich an... Mit einer interessanten Rechtsfrage, den Taubeiifang betreffend, hatte sich kürzlich die Strafkammer des Landgerichts il in der Berufungs- instanz zu beschäftigen. Der Tischlergeselle Böhme, welcher in der unmittelbaren Nachbarschaft des Abgeordneten Max Schulz wohnt, hält sich einen Taubenschlag. Auch Herr Schulz besitzt einen solchen. Im Mai er. flog dem Böhme in seinen Taubenschlag eine fremde junge Taube, ein sogenannter euliger Weißschwanz, zu, welche sich in dem Taubenschlag einnistete und stets wieder dorthin zurück- kehrte, obgleich der Taubenschlag den ganzen Tag offen stand nnd die fremde Taube von Böhme zusammen mit den eigene» Tauben und auch allein aus dem Schlage gescheucht wurde. Wie sich später herausstellte, gehörte diese fremde Taube dem Groß- destillatcur Max Schulz. Dieser wandte sich mit der Anfforderuug zur Herausgabe zunächst an Böhnie selbst und nahm, als letzterer die Herausgabe verweigerte, die Hilfe seines Polizei- Reviers in Anspruch. Auch dem abgesandten Polizeibcamtcn gegen- über lehnte Böhnie die Herausgabe der Taube ab und schließlich wurde ihm dieselbe zwangsweise wieder abgenommen und ihrem ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben. Außerdem zog die Aneigung der Taube und die Weigerung, sie herauszugeben, dem Böhme noch eine Anklage wegen Unterschlagung zu. Das Schöffen- gericht verurteilte ihn deshalb zu einer Geldstrafe von 30 M. In der Bcrnfnngsiiistanz bestritt Rechtsanwalt Dr. Schöps die Ver- urtcilung aus folgenden Gesichtspunkten: Nach den Bestimmungen des Allgemeinen Landrcchts I 9 Z 107 gehören Tauben zu denjenigen Tieren, welche im allgemeinen dem Eigciitumserwcrbe durch Occupation unterliegen. Ausgeschlossen sei diese Art des Eigen- tumserwcrbeS nur. wenn die Tauben an den ihnen bestimmten Ort zurückzukehren pflegen. Dies sei im vorliegenden Falle nicht ein- getreten, vielmehr sei die Taube des Herni Schulz, obwohl der Tanbciischlng des Angeklagten stets offen stand, immer wieder in diesen Schlag zurückgekehrt. Hierzu komme aber, daß der ß 112 I 9 des Allgemeinen Landrechts bezüglich des Rechtes, Tauben zu halten, auf die Provinzialgesctze Bezug nehme, und daß die für Berlin maßgebende Bestimmung des kur- märkischen ProvinzialrcchtS Personen ohne Ar und Halm das Halten von Tauben überhaupt nicht gestatte, vielmehr nur solchen, welche tragbare Aecker in der Feldflur eigentümlich besitzen oder benutzen. Herr Schulz wäre daher nach diesen Bestimmungen gar nicht befugt. Tauben zu halten. Die von ihm gehaltene Taube sei Gegenstand freien TicrfangeS und auch aus dieiein Grunde die Ancigiiung der Taube durch den Angeklagten keine widerrechtliche. Die Berufnngskammer sckiloß sich durchweg diesen Ausführungen an und erkanutc unter Aufhebung des ersten Urteils auf Frei» s p r e ch u n g des Angeklagten. Wegen Kindeömords hatte sich gestern die 22jährige unver« ehelichte Helene Rudolf vor den Geschworenen des Landgerichts II zu verantworten. Die Angeklagte, die sich einem leichten Lebens- wandet zuneigen soll, wird beschuldigt, ihr zweites von einem Post- assistentcn erzeugtes uneheliches Kind, ein Mädchen, das am 19. August v. I. in der Charito geboren wurde, am 6. September auf dem Thomaskirchhof dadurch getötet zu haben, daß sie ihm einen Wattepfropfen in den Hals steckte nnd es so erstickte. Den Leichnam de? kleinen Wesens hat sie dann unter dem Hügel eines Kindergrabes ver- charrt. Dadurch, daß die Charitöverwaltung die Geburt des Kindes dem Vormundschaftsgericht anzeigte und dieses Nachforschungen nach dem Verbleib desselben anstelllc, wurde die That entdeckt. Die Angeklagte gab in der Voruntersuchung zu, das Kind vorsätzlich und mit Uebcr- icgnng getötet zu haben. In der Verhandlung, zu der 13 Zeugen und drei Sachverständige geladen find, nahm sie das Geständnis urück und behauptete, sie habe das Kind nur aussetzen wollen. Damit es nicht schreie, habe sie ihm einen Wattepfropfen in den Mund gesteckt und durch einen unglücklichen Zufall sei eö dann erstickt. Die That hat die Angeklagte in bitterer Not begangen. Beim Anblick ihres als Zeugen geladenen Vaters, der sie keiner Beachtung würdigte, fiel die Angeklagte in Ohimiacht. Als der Sachverständige, SanitätSrat Gustav Rindt. bei seiner Vernehmung dabei blieb, daß er es für unmöglich halte, daß der Wattepfropfen ohne Druck von aiißen in den Kehlkopf geraten kömte, beantragte der Verteidiger. Rechtsanwalt Gumpert. die Ladung eines zweiten Sachverständigen, da ihm bekannt sei, daß selbst Gummi- pfropfen in den Hals eines Kindes hinabrutschen konnten. Der Gerichtshof glaubte diesen Antrag nicht ablehnen zu können. die Verhandlung mußte vertagt werden. Vor dem nächsten Termin ioll ein Obcrgulachten deö Mcdizinalkollegiums der Provinz Branden- bürg eingeholt werden. Uetzke Mschvtrlxken und Depeschen. Komplottprozest. PariS, 11. November. sW. T. B.) Staatsgerichtshof.(Fort- etziing.) Bei Wiederaufnahme der Sitzung nimmt der Advokat Devin zu einer Erwiderung das Wort und richtet au den Senat die Aufforderung, das Gesetz streng einzuhalten. Der Staatsgerichtshof tritt dann zu einer geheimen Sitzimg zusammen und erklärt sich mit 157 gegen 91 Stimmen für zuständig. Sowohl in den Wandel- gängen des Palais de Luxembourg wie vor den Zugängen zum Palais herrschte heute völlige Ruhe. PariS, 11. November. sW. T. B.) Im Kloster der Affumptio- nisten-Nomicn wurde ebenfalls eine Haussuchung vorgenommen. Ein Rcdactcur der„Revue Catholique", Ivclcher gegen die Haus- suchung Einspruch erhob, wurde verhaftet. Der„Libertö" zufolge konfiscierte der Untersuchungsrichter Fabre in der Kasse der Assump- tionisten 1800 000 Franks._ Böhmisch-Brod, 11. November.(©. H) Die Einquartierung der Hierselbst zur Aufrechterhaltung der Ordnung eingetroffeiicii Compagnie Infanterie wurde vom Stadtrat verweigert. Das Militär mußte daher zwangsweise in einem Gasthofe untergebracht werden. Lissabon» 11. November.2.„.«»»«. Tie Soeialdemokratie auf dem Lande. dem Daß den Gegnern die Erfolge der Socialdemokratie auf Lande im Verlaufe der letzten Reichstagswahlen stark .m Magen liegen, läßt sich begreifen. Denn wenn die Agrar- Proletarier sich vollends mit den städtischen Arbeitern �»- sammenschweißen, dann fällt auch die letzte Doniäne der rück- ständigsten Reaktion. Wie diesen Einigungsprozeß aufhalten? Das ist die große Frage, die unsere Gegner bewegt. Die ostprcnßischen Junker sind mit der Beantwortung derselben schnell fertig. � Sie empfehlen Ausnahmegesetze, Auf- Hebung der Freizügigkeit, sie appellieren an die Ge- walt. Mit diesen Rezepten ist freilich nur einem minimalen Theile unserer Gegner gedient. ES giebt auch hier solche, die uns nnt geistigen Waffen und daneben mit der Salbe verdünnter Socialrcsorm entgegentreten wollen. Zu ihnen gehört ein neuer Stern unter den modernen Agrar- Politikern, der soeben den Büchermarkt mit einer Schrift„Die Socialdemokratie auf dem Lande" beglückt. Hugo Böttger, der Verfasser der Schrift, hat sich durch einige tüchtige Arbeiten über Handwerkersragen einen guten Ruf gemacht, in dessen Interesse er weise gethon hätte, wenn er seinen Beitrag zur deutschen Agrarpolitik, den er als eine Gegenschrift zu Knuts khs Agrarfrage einführt, ungeschrieben gelassen hätte. Wir wollen auf den Teil seinerSchrift, woersichmitLIautSky aus- einaudersetzt, nicht eingehen, die bemerkenswerten Ausführungen über die Wahlerfolge der Soeialdemokraten auf dem Lande beiseite lassen, dafür möchten wir einige Worte über die Prograimnvorschläge zur Hebung der Lage der ländlichen Arbeiter verlieren, durch deren Verwirklichung Böttger die Socialdemokratie auf dcm Lande überwinden will. Wir gehen um deswillen auf Böttgers Vorschläge ein, weil wir in ihm einen Typus des agrarischen Socialrcformers erblicken, der die Berechtigung unserer Kritik an den herrschenden Zuständen auf dem Lande halb und halb zugiebt, aber nur äußerst zag- baft„das Messer der Gesetzgebung" gegen die vorhandenen Mißstände anwenden will. Böttger führt ans:„Es kann dem politischen Radikalismus nicht an Zulauf namentlich dort fehlen, wo niau den Landarbeiter in geistiger Knechtschaft und Uumündigkeit gehalten, wo man nicht Zeit und Mittel übrig hatte, seine geringsten Wirtschaft lichen und socialen Bedürfnisse zu befriedigen." Sintemal und alldieweilen man nun überall auf dem Lande gegen die Arbeiter nicht Jahrzehnte, sondern fast ein Jährhundert lang gesündigt hat, so ist überall Nährboden für den socin listischen Bacillus vorhanden. Daß dagegen auch eine Gegen inipsnng durch das Programm der agrarischen Socialresoruier nichts nützt, dafür ist Böttger ein schlagendes Beispiel. W i r stellen in erster Linie als eine Hauptforderung für die ländlichen Arbeiter auf: Abschaffung der Gesinbe-Ordnung, rechtliche Gleichstellung der Landarbeiter mit den städtischen Böttger fällt es nicht ein, die glatte Aufhebung dieser heutzw tage unmotivierten Tegradiernng der ländlichen Arbeiter zu verlangen. Er begnügt sich mit der Vegünsti gung der Koalitionsfreiheit der ländlichen Arbeiter als ob nicht die völlige Gleichstellung derselben mit den Industriearbeitern eine unerläßliche Aufgabe wäre. BeachteuSwert ist dabei noch, daß Böttger zwar in jenen Ev örtcrunaen die Forderung der Koalitionsfreiheit begründet, in seinen Leitsähen aber diese Forderung nicht einmal frank und frei aufzustellen wagt, sondern nur alle Bestrebungen, die auf eine Beschränkung der Freizügigkeit und der Koalitionsfreiheit der Landarbeiter abzielen, als Ausfluß eines einseitigen KlaffeninteresseS verurteilt. Warum stellt er hier nicht wenigstens kategorisch den Satz auf: Beseitiguiig deS Gesetzes vom 24. April 1854, das Dieustbvtcn, land- und forstivirtschaft- lichen Arbeitern die Koalition verbietet? Glaubt er im Ernste. mit solch schwächlichem Eintreten für. die Arbeiter auf dein Laude gegen die Socialdemokratie aufkommen zu können? Er vermißt bei uns ein eigentliches, ausreichendes Agrar Programm und komnit doch selbst nur mit Vorschlägen, die weder uns nvcki den Landarbeitern tmponiercn können. Mit großer Schreibtischgelehrsanikeit erörtert er die Arbeitszeit verhültuissr der Landarbeiter und verwirftdcnNormal> arbettStag. Warum? Man höre und sage es draußen auf dem Laude in allen Agitativueversaiiiinlimgen: Weil die Arbeit durchiveg gesund ist niid von llcbcrnnstreiigung kein« Rede sein kann, er(der Norinalarbcitst.ig) ist nicht einheitlich zu regeln, weil die örtliche» Vcrhttlluisse verschieden, ivcil es keine Kontrolle gtebt. Mit der strenge» Sonntagsruhe auf dem Lande ist es auch so eine Sache; bei der große» Lcutcnot wird man im Drange der Erntearbeiten ei» Ueberschreiten der SonntagSrnhe verstehen und verzeihen können. Die Landarbeiter und das Gesinde selbst sehe» hierin keine AnSboutung ihrer Arbeitskraft. Hat der Manu eine Ahnung von der Arbeit auf dem Lande an Werk- und Sonntagen I Es muß ja geradezu eine Lust sein, im feuchten Regenwetter wie im glühenden Sonnen- schein von früh bis abends sich zu mühen und zu quälen I Was braucht man da Zeit zur Ruhe, zur Erholung zu haben, was Zeit, um überhaupt einmal Mensch sein zu können. Und gar erst die S 0 n n t a g S a r b e i t l Warum nicht gar auch noch einen Ruhetag in der Woche bei der gesunden Arbeit. Es ist ja geradezu ein Skandal gegen die ländlichen Arbeiter, daß behördlicherseits gegen die Ausbeutung der Arbeitskraft am Sonntag vorgegangen wird. Der L a n d r a t für den Kreis Oschersleben, v. d. Schulcnburg, hat vor kurzem in einer Bekanntmachung an die Polizei- Verwaltungen und Amtsvorsteher auf die überaus bc- drohliche Zunahme der Sonntagsarbeit auf dem Lande als unverträglich mit der Gesundheit des Volkes an Leib und Seele hingewiesen und im Anschluß an diesen Hinweis namentlich die Ernte- Arbeiten am Sonntag bei andauernd gutem Wetter sowie das Dünger- fahre» mit Zugtieren endgültig verboten. Böttger wird sicherlich diesem Landrat jede praktische Kenntnis der länd- lichen Verhältnisse abspreche»», da doch ein derartiges Vor- gehen direkt die Bestrebungen der Socialdemokratie auf Verkürzung der Arbeitszeit unterstützen muß. Wo ein gründliches Mittel für den Landarbeiter am Platze ist, da versagt die Agrar-socialpolitik Böttgers. Dafür tischt er uns eine ganze Menge niedlicher Sachen auf, die draußen ans dem Lande große Heiterkeit hervorrufen werden. Da ist namentlich das Kapitel der Wohlfahrtspflege. das die ländlichen Arbeiter zufrieden stellen soll. Die staat- lichen und kommunalen Organe sollen für lohnende Neben- ErwcrbSzweige(Korbwcidenkultur, Teppichkniipsen, Holzschnitzen), für gute LebcnSbedarfs-Anstalten, Sparkassen. Obsb vcnvertuiig, Kinderbewahr-Anstalten, Gesundheits-und Kranken Pflege, Gcmeinde-Diakonie, Bekämpfling der Trunksucht, Muster Wirtshäuser, hauswirtschaftliche Ausbildung der Mädchen und Frauen der Landarbeiter sorgen: lauter nette Sachen namentlich daS Milster-Wirtshans wird Anklang finden. Daß unter den vielen nichtssagenden und halben Fordes riinge» noch einzelne sich finden, denen wir zustimmen könnten. das hindert nicht, daß das agrar-socialpolitische Programm Hugo Böttgers zum mtudesten harmlos ist. Uns schadet es bei unserer Agitation auf dem Lande gewiß nicht, höchstens geniert es durch teilweise Zugeständnisse an uns die ländlichen Arbeitgeber. Das geht schon daraus hervor, daß die„Deutsche Tageszeitung" gegen Böttgers Programm schon mobil»nacht. Wir haben keinen Grund, diesem Programm scharf ent gegenzutreten, da hier das nämliche zutrifft. ivaS sich für die Jndustrie-Arbeiter erfahrungsgemäß schon ergeben hat: Die Socialresorm schadet nicht nur dein Wachstum der Social dernokratie. sie begünstigt sie vielmehr, selbst wein» diese Resonn so energisch betrieben würde, wie Böttger sie schwächlich vorgeschlagen hat. *) Engen Diederichs. Leipzig 1900. Mit dr» kvcschlilsse»» dcS Parteitages erklärten sich die Parteigenossen in Mittiveida im allgemeinen einverstanden. In der Diskussion wurde besonders der persönliche Ton, der zeitweise ans dem Parteitag herrschte, desgleichen die Haltung dcS Partei tagcS betreffs der Alkohol- und Jinpffrage lebhaft bedauert. In Schwabach referierte Genosse Rohkopf über den Parteitag. Was die Angriffe auf die bayrischen Genossen an- betrifft, so äußerte sich Redner dahin, daß die Borwürfe gegen die Taktik bei der LandtagSwahl ihm unnötig erschienen, denn was die Bayern aethan haben, das werden die Preußen nachmachen müssen, die Badenser habe» es vor zwei Jahren schon gcthan. Nicht durch das Kompromiß mit uns ist daS Ceutrum zur Mehrheit gelangt: aber wenn es davon gc- kommen wäre, so wäre eS auch nicht schab. Wir haben jetzt ein in seiner Mehrheit oppositionelles Parlament gegen eine bolkSfeindlicho Reichspolitik. Es ist notorische Thatsachc, daß alle volksfeindlichen Unternehunnigen in Berlin ihre Auferstehung feiern: das Cocialisten- gesctz, die llmsturzvorlage. die ZuchthauSborlage kamen von Berlin. kurz und gut alle Bersuche, Rechte und Freiheiten dem Bolle zu »ehnren und ihm zugleich alle Lasten dcS Staates anfznhalscn, haben ihre Wiege in Berlin gehabt. Dazu kommt der immer mehr hervortretende Absolutismus. Solchen Zuständen gegenüber mnß Föderativ- Politik getrieben werden. Die bayrische Regierung tvird nicht mehr so bedingungslos sich zy Attentate» gegen die BalkLrechte hergeben, tvic bei der ZuchlhauSvorlage, Iveun ihr'cin oppositionelles Parlament auf dem Nacken fitzt. Die Wahlrcchtösrnge wird ailch jetzt greifbare Gestalt bekomme». Die Dislnssioii beivegte sich im Sinne des Referats und dem entsprechend gelangte eine Resolution zur Annahme. Die Redaktionen der politischen»»»d geiverkschaftlichen Parteiblätter werde» in» schleunige BcnnUvortnng und Riickseiidnng der Fragebogen ersucht, die ihnen Anfang dieses Monats zugegangen sind und welche die Aiisarbcitnng des BcrbandSstatuts betreffen. Die Kommission muß schon im Laufe der nächsten Woche die Ziisammeiistellung dcS cingelanfenen Materials besorgen. Die Briefe sittd an A d. Thiele.„Bolksblatt", Halle a.©., zu adressieren. VsktÄlles» Die Parteigenosse» des vierte» Reichstags- Wahlkreises haben einen schweren Bcrlnst erlitten. Genosse Rudolf von F l e in m i 11 g, ein Mann, der seiner Thätigkeit nach unter die ältesten Mitkämpfer gezählt werden muß, ist an» 9. November im Airer von öl Jahren gestorben. Flemmlng ivnr schon in den siebziger Jahren als Mitglied des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins für die Partei thätig und hat mich noch im letzten Dcceiniiin» alS stiller Genosse die Ausbreitung der soeialdemokratischen Ideen zu fördern gesucht. Sein Andenken tvird in Ehren gehalten werden. Die Beerdigung findet heute nachmittag 3 llhr von der Leichenhalle des städtischen Ccnteal-Fricdhosrs in Friedrichssclde ans statt. Die Paricigcuossnt werden gebeten, sich zahlreich zu beteiligen. Im Wahinerein für den zweite» Netchskags- Wahlkreis spricht TIenStogabend S'/u Uhr Herr Schütte über den Allgemetne» deutschen Acbeitelverein. Die Parteigenosse» worden zu dieser bei Pickel. Hascnheide öS, stattfindende» Bersammlmig hiermit ein- gcladc». Dritter ReichStagS-WahlkrelS. Heute abend 0 Uhr findet in Cohns FcstsnleN, Veuthstr. 20, i eine öffeiitilche Versammlung statt. in der Ingenieur G r e m p e einen Bortrag hält. Hieran schließt sich ein Kränzchen. Rege Beteiligung erwartet Die Wer- trancnSperson. Vierter Berliner ReichötagS-WahleeiS, Osten. Den Mitgliedern des Wahlvcrei»« zur Nachricht, daß»mscre Bersaimnlung am DicnStag stattfindet; da dieselbe eine Gencrnlvcrsanimlnng ist, so ist cS Pflicht cincS jeden Genossen, zu erscheinen. Ort und Tages- ordnunn fichc Inserat. Ferner teile» wir mit, daß daS Protokoll den Mitgliedern, welche die Beiträge bis Oktober bezahlt haben, unentgeltlich von DicnStag an verabreicht wird. Der Vcrstaild. Freie Polköbiihne. Die Ausführmig„Winterschlaf" für die II. Abteilung findet heute unchinlttag 23/i llhr im Carl Weiß-Thcater statt. Zum Winterfest, am 13. Nvvember. sind in allen Zahlflellen Fcstnmrken a 60 Pf. erhältlich mir für Mitglieder. (Siehe heutiges Inserat.) Der Vorstand. I. A.: G. Wiuklcr. Arbeiter-Vildmigöschule Der Vortragsabend in Natrir- Erkenntnis kann wegen Verhinderung deö Vortragenden am Montag, den 13. d. M. nicht stattfinde». Derselbe findet am Dienstag, den 14. d. M., statt. Die Teilnehmer»vollen dies gest. beachtet». Der Vorstand. DaS Sth»»lerbartverbot in« dentschen Reichstag. Der neue Pächter des RcichStagS-RestanrantS. Herr Hoflieferant Schaurtö, Inhaber des Hotel Monopol hier, hat bei der Einstelluna derKellner mir solche berücksichtigt, die sich verpflichteten, auf das Tragen eines Schnurrbartes zu verzichtcu. Es ist dies da» erstemal, daß im Restaurant de« vcutschen RcilbStag« ein solches Verbot ergeht. Ge- chieht dies ans höheren Wunsch, öder soll die Würde dcS Parlaments, die von den RegicrungSvertreler» und de» Junkern schon häufig genug verletzt worden ist, durch die glattrasierten Kellner wieder hergestellt iverdcn? Zu Ehren der Mitglieder des deutschen Reichs- tageS, die schon mehrere Mißstände in dein Restaurant ihres Hauses abgestellt haben, darf man wohl annehmen, daß sie dem Versuch. ihr Heim auf eine Stufe stellen zu wollen mit den Restaurants, wo die„Hannlosen" zu verkehren pflege», ganz energisch entgegen- treten. für 2 799 800 Mark Liindeeeie« hat der Berliner Magistrat egcler und Dalldorser Gebiete angekauft, um später eine a S a 11 st a I t darauf zu errichten. Zünftelei. Gegen die bevorstehende Eröffnung einer Sprech- stunde für Lungenleidende in der medizinischen Universitäts-Polillinik hat der GcschäflSansschuß der Berliner ärztlichen StandeSbereine Stellimg genommen und de» Vorstand beauftragt, geeignete Schritte zur Verhinderung dieser Neueinrichtung zu thnn.— Die Aerzte sollten konsequent sein und die Verstaatlichung der Krankenpflege fordern. Maßnahmen wie die„geeigneten Schritte" nützen ihnen nicht das geringste»nid stinunen mir das Publikum bedenklich. Der Weihnachtö-Heiligabeud»nd der 94. Dezember fallen dieses Mal, ivie schon mehrfach hervorgehoben wurde, auf einen Sonntag. Infolge dessen haben viele Vereine und Körperschafte» petitioniert, die gesetzlich ztilässigen zehn Arbeitsstunden an diesen Tagen über? Uhr abends auszudehnen. Durch einen gemein« sanien Erlaß der preußischen Minister für Handel und Gewerbe, für Kultus und Unterricht und des Innern(als Urheber des hierbei in Frage kommenden Erlasses von 1892) sind»>un, wie der„Kons." er« fährt, die höheren Vcrivaltungsbehvrden ermächtigt worden, die Geschäftszeit an diesen Tage» im Bedarfsfälle in demselben Umfange. Ivie 1894 und 1895, nämlich auf die Dauer von 10 Stunden unter Ausschluß der für den HaiiptgotleSdicnst bestimmten Zeit und spätestens bis 7 Uhr frei zu geben; weitergehenden Anträgen könne zur Zeit nicht stattgegeben werden. Das' ist auch vollkommen ge- »ügciiv. Preußischer Bußtag»lud Totenfest. Nach den gesetzlichen Bestimmungen über die Heillghaltnng der Sonn- und Festtage dürfen am Vorabend des auf Mittwoch, den 22. November, fallenden Bußtages, soivi« an» Totenfest, Sonntag, den 26. November, weder östentliche noch private Tanzmusiken, Bälle und ähnliche Lustbar« leiten veranstaltet werden. Konzerte sind»ur gestattet, lvenn das Programm der zuständigen Polizeibehörde rechtzeitig eingereicht ist und von dieser genehmigt tvird. Am Bußtage selbst dürfen außerdem öffentliche theatralische Vorstcllnngcn und sonstige Lustbarkeiten nicht stattfinde». Der Geldsimd ans dem alten Begräbuisplatz der Jeru- salemer Kirche ist«immchr vollständig aufgeklärt. Der flüchtige Kassenbote F. Lcisdorf, der mit 15 000 M. der Aktiengesellschaft „Cyclop" am Donnerstag, 26, v. Mtö., verschwand, hat die Geld« rollen ans den» Kirchhofe vergraben und auch die von dem Kirchhofs« Arbeiter Bollmann gefniidenen 4000 M. ans dessen Wohnung wieder gestohlen. Lcisdorf hat sich. ivie jetzt festgestellt ist, während der ganzen Zeit in Berlin aufgehalten. Nach den polizeilichen Ermittelmigeii hat er sich den Vollbart abnehmen lasse» lind sich eine goldene Brille gekauft. mn sein auffallendes Augen- zwinkern und die Warze am rechten Augenlid zu verbergen. Es ist scrner festgestellt worden, daß er mit einer Frau in der Brunnen« straffe, der er schon vor längerer Zeit die Ehe versprochen hatte, Aezirhimgeil nnlerhalten und sich ihr gegenüber„Meißner" genannt hat. Am 26. Oktober kam LeiSdors zu dieser Frau und fragte sie, ob sie ihn nun heiraten ivolle, ivas die Frait bejahte, da ihr von der Ehe dcS Lrisdorf nichts bekannt war. LeiSdors erzählte nun der Frau nntcr Vorzeigung großer Aarinittck. daß er für ein hiesiges Lokalblatt thätig sei und 400 M. inonatlich verdiene. Die leicht« gläubige Frau schenkte den Angaben dcS Mannes Glaube»»nid kaufte mit dem Gclde dcS„Cyclop" Möbel. An» letzten Donnerstag erschien LeiSdors wieder bei der Frau und teilte ihr mit. daß er für sein Blatt nach Tamsel bei Kiistnn reisen nn'isse. Der Frau übergab er einen Brief an einen„Freund"»nit der Bitte, den Bvies erst heute(Sonnabend) zu befördern. Der Brief»var an Herrn Engstmann, Disponenten der Nklieiigescllschast„Cyclop", gerichtet. Einem Bekannten der Frau, der für Leisdorf Kleider ans- gebessert»lud nntcr anderen» in seine Beinkleider recht lvcite Taschen eingesteppt hatte, war daS Benehme» des Lcisdorf aufgefallen. Er hatte van den» Golds und auf dem Jcrnsalemer Kirchhof gelesen und brachte unwillkürlich den Knuden„Meißner" damit in Verbindung. Den Brief an den Disponenten Engstmann überbrachte er gestern früh der Polizei, die ihn öffnete. I» den» Brief, der mit dem Namen LeiSdors»MterzcichnSt war, teilte dieser init, daß er nnr 12 000 Mark linterschlagen habe. Diese Summe habe er ans dein Jcrusalcmer Kirchhof bei dein Grabe dcS Knaben Erich Jordan vergraben. Der Arbeiter Bollinann habe die Summe dort gefiindeil. Trotzdem er diesem gedroht habe, ihn mit dem vor- gehaltenen Revolver zu erschieße», habe Bollniann das Geld nicht herausgegeben. Wie ganz richtig in den Zeitungen stehe, habe er dann ans der Wohnung des Bolluiail». Bergmanustr. IS, 4030 M. geholt. Bollinann aber müsse noch 8000 M. besitzen. Die Polizei hat gestern früh den Friedhof nochmals eingehend durch- sucht. Bis mittag Ivarct» aber außer 1000 Mark in Gold in einer Rolle, die von der Berliner Straßenbahn-Gesellschaft her- lammte und gestern abend vom Aufschcr Gerling und den» Ber« Walter Roloff zwischen welken» Laub gefniiden worden ist, keine weiteren Gelofnnde gemacht worden. LeiSdors hat de» Brief am Donnerstag jedenfalls inii" geschrieben, damit dem Bollmann daS Geld wieder abgenommen werden könne, wen» er selbst sich in Sicherheit befindet. Deshalb sollte der Brief erst gestern befördert »verden. Er tvird sich schwerlich nach Tamsel gewandt haben. künstliches Augenlid. Ein Operations- Meisterstück wurde dieser Tage in der königlichen Klinik ausgeführt. Dem Musiker Peters ans Landsbcrg a. W. war da» krebsartig erkrankt« linke Augenlid entfernt worden. Jetzt galt es aber, den» Auge einen Schutz zu schaffen»md für das schiende Lid ein neues zu besorge». Kurz enlschlosscii»vnrdc a»S der Stirnhaut ein neues Augenlid ge« chuiücn»nid dieses daun an Stelle des beseitigten Lides eingesetzt. AlSdann schnitt man ans dem rechten Oberarm ei» Stückchen Haut aus und belegte damit die freie Stelle in der Stirn. Diese Opera- tion ist de» Aerzten ivunderbar gclnngen. Voraussichtlich»vird P. ein neues Augenlid nach Verlauf ves HeilungSprozeffeS»vie sein alteS benutzen iöiinen. „Meii»e liebe Mutter kann die Schande nicht überleben!" Diese Worte waren die einzige Erklärung, luelche von der 21 Jahre alten Verkäuferin Elsa B. zu erlangen waren, als sie in ihrer Wohnung Müllerstr. 174 mit ztvci Schußbcrlctziingcii am Kopf auf- gefunden Ivurde. Ans den» Tisch lag ein Revolver, dessen Trommel »och vier Patrone» enthielt, während die Lebensmüde zwei Schüsse gegen ihren Kopf nbgefencrt hatte. Neben dem Revolver lag ein Brief mit der Anfschrift„An meine liebe Mutter.... in Branden- bürg a. H.". daneben ein Zettel mit den Worten:„Wer mich als Leiche findet, bitte meiner liebe» Mutter diesen Brief zu schicken oder zu telegraphieren. Meine Mutter glaubt, ich wäre noch in Potsdam." Die Verwundete wurde mittels Koppschcn Krankenwagens in die Charitö gebracht. Ihre Verletzungen sind keine schlvcren, da die Patronen des Revolvers nur schwaches Schrot enthielten. Nach den Angaben ihrer Wirtin ist die B. bor einigen Tagen von Potsdam nach Berlin gekommen; sie hatte hier keine Stellung. Furcht vor Bestrafung, der sie infolge einer in Potsdam begaugeiien Unredlich- keit entgegensah, hat das Mädchen zu dem Selbstmordversuch ver« anlaßt. Et» Naubaufall a»»f der Haustreppe ist Freitagabend auf dem Grundstück Marstliusstr. 23 verübt worden. Eine Frau Daniel, die bis zum Frühjahr in der Alexanderstr. 12» ein Antiquitäten- »eschäft betrieb und dort noch»vohnt, ging gestern abend in der rcbcnten Stunde nach dem Hause MarsiliuSstr. 23, wo sie zu thun hatte. Dort wurde ihr von einem jungen Mann, der etiva zwanzig Jahre zählte und dunklc Kleidung trug, auf der Treppe ihre Hand- tafche entrissen. Die Tasche enthielt ein kleines zwciklappigeS Portemonnaie mit 9 M. 70 Pf. und Hausschlüssel zu den Grundstücken Alexanderstr. 12» und MarsiliuSstr. 23. Der Räuber ist ent« komnien. Ein von der europäische» Kultnr angesteckter Perser ist offenbar der Student Mirza Maiisznr. Er hat in der Leipziger- traße eine schwarze Leder- Brieftasche verloren, in der sich neben einem persischen Passe und anderen wichtigen Schriftstücken auch eine Anzahl— Pfandscheine befanden. Die Heiligkeit der Ehe. Bürgerliche Blätter melden: Eine Vcrcircltc Hochzeit wird in Börsenkreiscn viel besprochen. Ein hiesiger Börseiininklcr verlobte seine Tochter mit eine»? Näbbincr ans Koblin in Böhmen. Am Mittwoch sollte die Hochzeit sein. Alles war darauf schon vorbereitet, der Bräutigam uud seine Mutter waren iil Begleitung seines Bruders nach Berlin gekommen. Dieser Bruder sollte die geschäftliche Seite der Angelegenheit regeln und kam zu diesem Zweck denn auch eine halbe Stunde vor der Zeit, auf die die staudcsamtlichc Trauung angesetzt war, zu dem Börsenmakler, um die Mitgift von 35 000 M.. die die Braut erhalten sollte, in Empfang zu nehmen oder lvenigstenS die Auszahlung zu sichern. Der Mäkler weigerte sich jedoch, das Geld bar auszuzahlen, lvollte es viel- mehr bei der Reichsbänk hinterlegen und seinem Schwiegersöhne cinstwcilcu nur den Genuß der Zinsen zugestehen. Darauf ließen sich jedoch der Bräutigam uud sein Vertreter nicht ein?uid die Hoch- zeit ging in die Brüche. 150 Gäste, die geladen waren, wurden in aller Eile noch tclcgraphisch und tclephoinsch abbestellt. Für das Hochzeitsmahl jedoch, das in einer Nestauration bestellt und zum Teil schon vorbereitet war, mußte der Schwiegervater die Kosten bezahlen. In heftiger Feindschaft trennte man sich, und der Rabbiner dampfte ohne Fran mit seinen Angehörigen nach Böhmen wieder ab. Seine Gemeinde, die mit Spannung die Fran Rabbiner erivartct hatte, war sehr enttäuscht. Konfiöcicrt wurde gestern die Nr. 41 der anarchistischen Zeit- schrifc„N cucs Lebe u". Wie es heißt, sieht die Polizei ein Ge- Vicht von Shelley als koufiskabel an, das sich gleich einem Bilde der am 11. November 1886 in Chicago umgebrachten Märtyrer auf der ersten Seite des Blattes bcsiudct. Der englische Poet mag sich trösten; schon andere grwße Dichter haben von der preußischen Polizei auf diese Weise ihre Bcdcutruig attestiert erhalten. Ferusprcch- Verbindung Petersburg- Berlin. Russische Blätter melden, daß die russische Regierung endgültig die Errichtung einer Ferusprech-Verbindpug Petersburg— Warschau— Berlin be- fchlpst'cn hat. Die Beratungen in dieser Angelegenheit zwischen den zuständigen russischen uud deutschen Behörden finden in kürzester Zeit statt. Eine längere Betriebsstörnug verursachte gestern das Herab- fallen eines SberleitungSdrahies aus der elektrischen Straßenbahn Georgcnstraße— Pankow. Als um 9'/z Uhr vormittags ein Wagen von der Gcorgciistraße kommend über die Ebcrtsbrücke fuhr, loste sich an der Luisenschule ein Draht und fiel auf die Straße. Durch eine Fcuergarbe erschreckt, verließen die wenigen Fahrgäste den eine Zeitlang in Rauch eingehüllten, aber weiter nicht beschädigten Wagen. Der Kaufmann Gustav Martendorf aus der Friedbergstraße zu Char- lottcnburg erlitt Abschürfungen am Schienbein, die einen starken Blut- erguß und große Schmerzen verursachte». Der Verunglückte erhielt auf der Hanptlvache� der Nettungsgescllschaft in der Ziegclstratzc die erste Hilfe. Das Pferd eines Möbelwagens, das zu Falle kam, zog sich unbedeutende Brandlvundcn zu, Ivurde aber vorsichtshalber der Tierärztlichen Hochschule zugeführt. Die ganze Oberleitung senkte sich, so daß das Fuhrwerk nur mit Vorsicht verkehren konnte. Der elektrische Straßcnbahnvcrkchr wurde auf der Strecke Georgenstraße— Gartcnstraßc eingestellt, bis man gegen 2 Uhr nachmittags von zwei Turmwagen ans den Schaden wieder gut gemacht hatte. Ein Schutzmann wurde Freitagabend nach 10 Uhr an? Wörther Platz, an der Ecke der Weißenburgcrstraße, von sechs Männern, die sich dort ungebührlich benahmen und der Aufforderung des Schutz- mauus, sich ruhig zu verhalten, nicht nachkamen, angegriffen und üüerivältigt. Der Schutzmann verteidigte sich so gilt er konnte. Die Männer hatten ihn? aber gleich den Säbel entrissen und warfen ihn schließlich zu Boden. Frauen und Kinder waren Zeuge davon, ivie man mit Füßen auf den Schutzmann herumtrat.' Der frühere Oberbootsmauusmaat Schivabe kam endlich hinzu uud suchte die Angreifer von dem Schutzmann abzuwehren. Inzwischen waren noch andere Schutzleute herbei gekommen, von denen die sechs Leute fest- genommen und nach der nächsten Polizcilvache gebracht wurden. Urania. Streifzüge durch Mecklenburg nannte sich ein Vortrag, den Herr Franz Görke an? Freitag in der Urania hielt. Herr Görke hat sich schon früher rm? das Verständnis für die land- schaftlichei? Reize der Mark hochverdient gemacht?ind seine Dar- stcllnngen vom Freitag sind geivissermaßcn als Fortsetzung in der Serie zu betrachten. Bis vor kurzem konnte man bei Leuten, die sich zu derartigen Wanderungen aufmachten, eigentlich von Entdeckungsreisen reden, dem? in der That hat in Norddeutschland die»lagere Heimat früher so geringe Beachtung gefunden, daß nur wenigen ihre Schönheit bekannt war. So ging's mit der Mark, so mit Mecklenburg, lind doch haben beide eine Fülle von lieb- lichci? Landschaften aufzuiveiscu, die in ihrer Intimität nicht selten so malerisch sind, ivie nur je ein berühmter Ort im Gebirge. Herr Gocrke inachte uns in vortrefflichen photographischen Lichtbildern zunächst mit Neubraudenburg bekannt, dessen mittelalterliche Größe namentlich in den vier gothischci? Thoren der Stadt zur Geltung kommt; ivir wanderten dam? an seiner Hand an den von bewaldeten Hügeln tlmkränzten Landsccn vorbei, um schließlich an die Ostsee zu gelangen, Ivo Rostock, Warnemünde, Wismar, Heiligen- dämm und andere Orte in ihrer Nähe die erhabene Majestät des Meeres und die liebliche Ruhe des Waldes miteinander vereinen. Ein Ausflug nach der Insel Möm? erschloß neue Schönheiten in Wald und Felsenbildnng, Schönheiten von einer Seltsamkeit, wie sie schwerlich vermutet werden. Alles in allen? verdient der Vortrag uud das Streben des Hern? Gocrke, dem Norddeutschen die Heimat zu erschließen, lebhafte Au- erkemiung.. Im Theater der Urania wird am Sonntag, Montag und Freitag der Vortrag dcö Herrn Gehcimrat Frilkch„Ueber Transvaal" und„Der dunkele Erdteil" wiederholt werden. Am DienStag, Donnerstag und Sonnabend finden Wiederholungen des dekorativen Vortrags„Der Sieg des Menschen über die NnMr" statt und am Mittwoch wird der sünite Eemenar- Vortrag gehalten werden und zwar wird Herr Geheimrat Professor grltsch sprechen über„Ein halbes Jahrhundert der Lichtbildkunst". Im Hörsaal finden folgende Vorträge statt: Montag: Herr G. Witt,„Spektralanalyse der Gestirne". Dienstag: Herr Dr. G. Nah„Die Kohle". Donnerstag: Herr Professor Dr. C. Müller„Vom Nachtisch". Im Cirkus Busch finden heute zivei Vorstelluitgei? statt. Zu der ersten um 4 Uhr hat jeder Erwachsene ein Kind frei. Die Abend- Vorstellung beginnt 7va Uhr. Im Cirkus Schumann fangen hente die Vorstellungen 4 Uhr und 7l/2 Uhr• an, Nachmittags hat jeder Besucher das Recht, auf das von ihm gelöste Billct auf allen Plätzen ein Kind bis zu zwölf Jahrei? frei einzuführen. Jedes weitere Kind zahlt auf allen Plätzen(außer der Galeric) halbe Preise.(Abends jedoch volle Preise.) Straßcnspcrrnng. Die Briickcustraße von der Holzmarkt- bis zur Ruugestratze wird behufs Ausführung von Känalijationsarbeiten bis auf weiteres für Fuhnverke uud Reiter gesperrt. Der südliche Teil der Gitschiucrstraße von den Häusern 1—11 bis zur Alexandriii enstraße wird behufs Ausführung von Bauarbeiten für die elektrische Hochbahn vom 13. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Ans de» Nachbarorten. Die Stadtvcrordnctenwahlen in Spandan haben trotz der behördlichen Maßnahmen, welche den Arbeiten? die Betcllig?mg erschwerten, a»? gestrigen ersten Tage der Wahlhandlung mit einen? glückvcrhcißendei? Erfolg abgeschlossen. Es erhielten am Sonnabend an Stimmen: Schröer 288, Pieper 275. H a l l e ck e r 270, S ch o l z 260. R i e g e r 255, K u n k e l 230 St. Auf den Mischmasch fielen 130, auf die Freisinnigen 40 Stimmen. Um zu zeigen, daß trotz aller künstlich aufgetürmten Hindernisse es nicht möglich ist, die Arbeiterschaft ihres Rechtes auf Vertretung in? Spcmdauer Stadtparlameut zu berauben, bedarf es während der komiueudrn Wahltage vom Montag bis Mittwoch einer un- ausgesetzten Agitation. Mit aller Gewalt arbeiten die Gegner der Socialdcmokratie entgegen. Die Arbeiterschaft wird Opfermut genug besitzen, um die Maßnahmen ihrer Feinde zu Schanden zu machen! Die Wahlhandlung fiudel statt Montag, Dienstag und Mittwoch t ä g l i'ch in der Zeit von 10 bis I Uhr vormittags uud Z bis 6 Uhr nachmittags. Wahllokal: Restaurant„Zur Palme", Ritter- st r a ß e 7. Auf zum Siege der Arbeiterkandidaten: A u g u st Schröer, Töpfermeister, Bismarckstr. 6. Wilhelm Pieper, Tabakarbeiter, Lyuarstr. 13. Wilhelm Scholz. Bäckermeister, Ncumeisterstr. 11. Ernst N i e g e r, Nechtskousulent, Moltkestr. 3. Otto Hallecker, Restanrateur, Frobenstr. 12. Als Ersatzmann: Hermann Kunkel, Schnhmachermcister. Mittelstr. 9. Das Wahlkomitee. Johannisthal. Zur L o k a I l i st e geben wir bekannt, daß das Lokal der Witwe Rand, Parkrestaurant, der Arbeiterschaft nicht mehr zur Verfügung steht. Es sind am Orte nur � die Lokale vo» Senftlcbei? uud Martins frei. I. A.: Der VertraueuSmauu. Die Stadtverordneten- Wahlen in Charlottenburg fanden gestern ihren Abschluß durch die Wahlen der ersten Abteilung. Von 250 eingeschriebenen Wählern gaben 165 ihre Stimme ab. Von den Kandidaten der„Unpolitischen" erhielten: Realgymnasial- Direktor Hubatsch 109 Stimmen, Fabrikbesitzer Mann III, Geheimer Medizinal- rat Professor Dr. Rose 105, Handelsrichter Börner 105, Korvetten- kapitäu a. D. Hildcbraudt 100, Rentner Olbrich 101, Justizrat uud Rechsauwalt Wagner 101. Rentner Bruns 104, Fabrikbesitzer March 104 Stinimen, welche sämtlich gewählt wurden. Neugewählt sind der Fabrikbesitzer Mann. Handelsrichter Börner, Justizrat Wagner, Rcutuer Bruns und Fabrikbesitzer March. Die Stichwahlen zu den Stadtverordnete» Wahle» in C h a r l o t t e n b u r g sind vom dortigen Magistrat auf Montag, den 27. November festgesetzt worden. Erforderlich ist eine Stichwahl im vierten, fünften und sechsten Bezirk der dritten Wähler abteilung. Unsere Parteigenossen werden es nicht au unlfasseilder Agitation fehlen lassen, um den schönen Erfolg, den sie in der Haiipb wähl am 7. November errungen, zu vervollständige??. Ans Weiffensec wird?ms berichtet: k Mit der Neuen Berliner Pfcrdebnhiigesellschaft soll ein neuer Vertrag eingcgaugeu werden. Die Gemeinde fordert n. a. die Einführung des elektrischen Bc- triebes bis spätestens Ende 1900. Die Bestimmung, daß bei BctriebS-Uutcrbrcchuugci? der Gemeinde das Recht eingeräumt werden soll, den Betrieb auf Kosten der Gesellschaft fortzuführen, daß aber durch höhere Geivalt oder durch von der Gesellschaft nicht verschuldete Ursachen herbeigeführte Betriebsunterbrechungen als Entschuldigung gelten sollen, erfuhr den Widerspruch des Genossen G e r st c i? b e r g'e r. Unter„von der Gesellschaft nicht verschuldeten Ursachen" könne bei einer evcnt. eintretenden Lohnbewegung der Angestellten der Gesellschaft auch der Streik ange- sehen werden. Die beantragte Streichung des letzten Teiles dieser Bestimmung wurde abgelehnt. Ebenso wurde von G. beantragt, d i c Bestimmung dcs'Vcrtrages zu streichen, nach welcher die Gesellschaft verpflichtet' werden soll, der Gemeindebehörde d i e Gehälter ihrer Beamten und Angestellten anzugeben. Auch dieser Antrag wurde gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt. Durch die notwendig gewordene Errichtung neuer Schul- klassen ist wiederum die Unterbringung dieser Klassen in M i e t s- räumen erforderlich geworden. Um diesem Ucbclstande abzuhelfen, soll der geplante Bau des neuen Schulhauses in der Goethe- uud Gustav Ädolfstraße möglichst beschleunigt werden. Die bis jetzt noch nicht erfolgte Eiuführnng des Geiueiudeverorduetcu Grobe, dessen Wahl von den unteren Justauzeu für ungültig, vom Ober- Per- waltuugSgcricht aber für gültig erklärt worden war, führte zu einer scharfen Ausciuaudcrsetzuug zwischen dem Genossen Karow lind dem Gemeindevorsteher. Letzterer erklärte, ihm sei das in dieser Sache ergangene Erkenntnis des obersten Gerichtes noch nicht zugestellt worden. Die Sache interessiere ihn mir sehr wenig. Obcrfcucrwcrker Eckinan» in Spandau ist wegen Verrats militärischer Geheimnisse verhaftet worden. Derselbe ge- hörte seit längerer Zeit dem technischen Personal der königlichen Gcschiitzgießcrci an und galt für sehr tüchtig. Da war aber bemerkt worden, daß er Zeichmingci? von Geschützkonstruktionen beiseite ge- schafft hatte. Dem Vernehmen nach behauptet er gegenüber der er- hobeiicn Beschuldigung, daß er zum Zwecke von Privatstudien Zeich- nungei? mit nach Hause genommen habe. Der Verhaftete ist verheiratet und hat ein Kind. Der Vorfall erregt in Spandau großes Aufsehen._ Nus drv Lsvcnirttbewegttng. Vcrciu für Frauen uud Mädchen der Arbeiterklasse. Sonntag, den 12. November, in den Arminhallen, Kommandanten- straße 20, geselliger Abend. Montag, den 13. November, Vortrag von Frau Wally Zepler über:„Die Frau im öffeutliche» Leben." Dieser Vortrag sindct in Moabit bei Psarr, Putlitzstraße 10. statt. Gäste sehr willkommen. Der Vorstand. Parteigenossinnen! Ein Jahr, reich an Arbeit und Kämpfen, liegt hinter nns, und es ergeht an Euch der Ruf, iviederum Vor- bereitungen zu treffen, für neue KampfeSarbeit gemeinsam den neuen FeldzugSplai? zu beraten, nachdem ivir Kenntnis genommen haben werden von den bisherigen Arbeiten der Vertraucnspcrsoi?. Parteigenossin»««, immer noch sind es verhältuisinätzig wenige Frauen des socialdcmokratischen Berlins, die sich außer bei großen Aktionen der Partei an der Agitationsarbeit beteiligen. Der größte Teil der Geiiossmncn verhält sich abwartend, was für sie, für die Frauen, geschehen wird; und doch wäre es die heiligste Pflicht jeder Genossin, in erster Linie für die Aufklärung unter dem Frauen imd Mädchen mitzuarbeiten, denn täglich höre», sehen und fühlen wir, wie sehr es dem ganzen weiblichen Geschlecht noch an der so nötigen Aufklärung mangelt. Diese Erkei?nt?ns ist es gewesen, die Euch zu Gciiossiiiiien gemacht! Und weil Ihr das crkaimt, müßt Ihr mit doppeltem Eifer den Kampf gegen Gleichgültigkeit, Träg- hcit und Mutlosigkeit in den eigenen Reihen führen helfen! G e n o s s i n n e n, A r b e i t e r i n n e n. folgt unserem Rufe, er- scheint vollzählig Mittivoch, den 15. ds. Mts., abends 8Vz Uhr, in der B e r s a m m l u n g bei Stechert, Andreasstr. 21, wo die Berichterstattuiig unserer Vertrauciispcrsoncn und die Neuwahl der- selben erfolgen wird; ein Referat der Genossin Emma Ihrer über „Die Frau in der Socialdemokratie" lvird sich daran anschließen. Thut Eure Pflicht! Die VcrtrauenSperson. Wird nicht viel helfen. Der„Kreuz-Ztg." ist es interessant, daß die„Gleichheit" den Geiiossiimen Anweisungen zur Förderung der proletarischen Frauenbewegung und zur Propagierung der Arbeiterinneiischutzforderuiigei? unseres Parteitages giebt. Sie be- schäftigt sich mit diesen Forderungen und dem Aufrufe� in einer Weise, die wiederum uns iilteressant ist. Indem sie nämlich die Forderliilg des Achtstundentages als überspannt und nur zur Agitation bestimmt bezeichnet, zeigt sie nur, daß sie den Thatsachen gegenüber blind ist, denn diese iveisen beut- lich auf den Achtstundentag als eine Ernrngenschast der nächsten Zukunft hin. Daß sie am Schlüsse ihrer „interessanten" Betrachtung sagt, es wird nicht viel helfen, was die„Gleichheit" zur Förderung der Frauenbewegung vorschlägt, bc- stärkt auch nns in der Vermutnng, daß es nicht viel helfen wird— nämlich die Art, wie die.Kreuz-Zeitungs"-Ritter mit der Frauenbewegung fertig werden zu können hoffen. Es wird die Zeit kommen, wo die„Krcuz-Zeitung" in der Franenbewcgung etwas mehr als cin interessaiites Objekt sehen wird und dann wird es uns interessant sein, uns ihrer heutigen Auffassung zu eriiincrn.' VvvmiMkes- Wieder cin Baunufall in München. Bei dem Nenbai? des k. Jiitendautur- und Baurates Robert Ochsner in M ü u cki c i? an der Plateustraße stürzte am Freitagnachmittag kurz nach i'/i Uhr eine au der Rückseite bis zur Höhe des zweiten Stockwerks ausgeführte sogenaimte„Loggia"(offener Erkerbau) ein; dabei stürzten drei oben st ehe» de' Arbeiter ab und erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Es ist dies binnen kurzen? das ziveite Bau-Unglück in München. Diesmal ist der Erbauer»och ein königlicher Baurat. AuS Leipzig wird gemeldet: Die 24jährige Dicnstmagd Deuts Iber in Delitzsch tötete ihren Sohn aus furchtbare Weise, indem sie ihn lebend im Sande verscharrte. Die Mörderin wurde verhaftet. In Livorno wurde Freitagabend ein sehrj starkes Erdbeben verspürt. Die Bevölkerung flüchtete erschreckt auf die Straßen und die Plätze. Auch Sonnabend früh wurden hier zwei leichte Erdstöße verspürt. Ein früherer Offizier verhaftet. Nach dem Brüsseler„Soir" verhaftete die Kriminalpolizei in Brüssel in einem Hause der Rue St. Michel einen früheren deutschen Offizier, der von Dentschland aus wegen Unterschlagung belangt seilt und auch Spionage getrieben haben soll. Andere Blätter wissen zu berichten, der Verhaftete habe erklärt, Spionage für Frankreich betrieben zu haben und aus Deutschland entflohen zu sein, weil man ihn dieserhalb streng überwacht habe. Die Unterschlagung soll er be« streiten. Er sei seinem Regiment nur ein Pferd schuldig, und deutscherseits habe man ihn nur eines Verbrechens bezichtigt, um seine Auslieferung zu erreichen. Näheres bleibt abzuwarten. Ein furchtbares Eiscnbahn-Unglück, dem 32 Menschen zum Opfer fielen, berichtet der Draht aus Neio Dork vom 10. November: Bei der Station L a s s a l l e entgleiste gestern ein Personenzug der Michigaii-Centralbahi?, wobei 32 Personen getötet und 60 verwundet wurden. I» Straßburg im Elf. sind zwei Personen wegen Verdachts der Spionage verhaftet worden. Beide Verhastete sind Reisende. Der eine, Dubais, ist Schweizer, der andere, Lohr, Elsässer. Die Verhaftung erfolgte hier auf offener Straße. Eil« beliebter Aufenthaltsort der Kreuzottern ist die Gör- l i tz e r Heide. Trotzdem man der Kreuzotter dort eifrig nachstellt, ivurdei? in der Zeit vom 15. April bis Ende Oktober d. I. doch wieder nicht weniger als 285 alte und 105 junge Kreuzottern ge- fangen und die gelöteten gefährlichen Reptilien bei der Ablieferung mit 67,50 M. Prämie bezahlt. Im Jahre 1893 sind 109,80 M. für Präniien entrichtet worden._ Marktpreise von Berlin am 10. November 18SS nach Ermittelilligeii des tgl. Polizeipräsidiitilis. )We!zeil D.-Ctr. 15,10 13,80 )Noggen„ 14,60 13,60 Futtcr-Äerste„ 14,20 13,— Hafer gut, 15,20 14,60 „ mittel„ 14,50 13,90 „ gering, 13,80 13,30 Michtstroh. 3,82 3,50 Heu, 7,— 4,— shErbsen. 40.- 25,- s-)Speiseboh»eli„ 50,— 25,— t)9iiifcii„ 70,— 30,— Kartoffel», neue„ 7,— 5,— Rindfleisch, Keule 1 kg 1,60 1,20 do. Bauch„ 1,20 1,— •) Erinitlclt pro Toinie von der Schiveinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse 1kg «0 Stück 1 kg per Schock 1,60 1,80 1,60 2,80 4,80 2,20 2,80 2,40 1,80 1,80 2,80 1,40 12.- 1,16 1,- 1,— 2,- 2,40 1,20 1,20 !:- 0,80 1,20 0,80 2,50 Ceiitralslelle der Preuff. Landivirl- schaflSlammern— Nolieruiigsstclle— und umgerechnet vom Polizeipräsidinui für den Doppel-Centner. st) Kleinhandelspreise. Produkten markt vom 11. No vember. Die Tendenz im Getreide- verkehr wurde auch heute durch die durchweg matten Auslaudsuieldungen niedergehalten. In New Jork und Chicago sind die Versuche, eine Be- sestigung des Marktes herbeizuführen, stets vergeblich; auch London bleibt flau und lu Paris ist Weizen zu 140 M. zu haben. Einen starken Preis- druck üblen auch bedeutende Weizeuverschiffungcn Argentuiiens aus. Weizen uud Roggen waren für alle Schichten 75 Pf. bis 1 M. billiger zu haben; nur Dezember- Roggen konnte sich auf Deckungen behaupten. Haser lag preishaltend auf besserem Äoiisumbegehr; Rüböl durch Realisierungen 0,20 M. gedrückt. S p i r i t u s. Am Spiritusmarkt blieb der PreiS für loco 70er un- verändert 47,30. Tennine umsatzlos. Städtischer Schlachtvieh markt. Berlin, 11. November 1899. Amtlicher Bericht der Direktion. Zum Verkauf standen: 2920 Rinder, 948 Kälber, 6606 Schafe, 7002 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark(beziehungsweise für 1 Pfund in Pf.): Für Rinder: Ochsen: a) voll fleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtivcrtcs, höchstens 7 Jahre alt 62—66, d) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 57—61; c) mäbig genährte junge und gut genährte ältere 54—55; d) gering genährte jeden Alters 50— 53.— Bullen: a) vvllfleischiae höchsten Schlachtwertes 59—63; b) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 54—57; o) gering genährte 50—53.— Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 00—00; b) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 55—56; c) ältere ausgemästete Kühe und wellig gut entwickelte jüngere Kühe nnd Färsen 53—54; d) mäßig genährte Kühe und Färfeu 51—53; e) gering gcnäbrte Kühe und Färsen 48— 50.— Kälber: a) feinste Mast- kälbcr(Volliiillchmast) und beste Saugkälber 75—78, d) mittlere Mastkälber und gute Saugkälber 71—73, c) geringe Saugkälber 58— 66, d) ältere, gering genährte Frcfler 45— 53.— Schafe: a) Mastlämmcr uud jüngere Masthammel 62—65, b) ältere Masthammel 54—53, c) mäßig genährte Hammel und Sckafe(Merzschase) 46—52. d) Holsteiner Niederungs- ichafc(Lebendgewicht) 22—32.— Schweine: a) vollslcifchige der feineren Rassen und deren Kreuzniigen im Alter bis zu IV« Jahren 51, b) Käser 00— 00, o) fleischige 49— 50. d) gering entwickelte 46—48, e) Sauen 44— 46. Verlauf und Tendenz. DaS Riudergeschäft wickelte sich rege ab, es wurde aniiähernd ausverkauft. Der Kälberhaudcl gestaltete sich ruhig. Bei den Schafen war der Geschäftsgang ziemlich glatt, es wurde ausverkauft. Der Schweinemarkt verlief, da gestern Abend die Ausfuhrsperre aufgehoben worden war, ziemlich glatt und wurde geräumt. Der auf den 21. ds. MtS. stattfindende Schlachlviehmarkt findet des Bußtages wegen am 22. ds. MtS. statt._ Briefkasten der Redaktion. Montag. TienStag uud für Hautkrankheiten, Tie juristische Sprechstunde findet Freitag von ti— 8 Uhr abeudö statt. Nolvack. Gehen Sie zur Charlls-Poliklintk Dienstags nnd Freitags 12—1 Uhr. F. H. Schädlich. Ein Arzt wird Ihnen sagen, daß solche„Heilmittel" nur Verrückte anwenden. H. Zulch. 28 000 Eiliwohlier. X. T. 1 und 2. Ohne Einsicht in den Wortlaut des Testaments sind Ihre Fragen nicht zu beantworten. Sprechen Sie eventuell mit der Ab- schrist in der juristischen Sprechstunde vor. 3. Das ist verschieden, etwa zwischen 90 und 150 M.— H. K. und H. M. 1. Es liegt nach Ihrer Darstellung Diebstahl vor. Die Strafandrohung für einen solchen geht auf 1 Tag biS zu 5 Jahre». In Ihrem Fall können etwa 6 Monate oder noch mehr als angeincfien erachtet werden, da der Diebstahl einer Armeil gegen- über in hinterlistiger Weise vorgenommen ist. 2. III. Klaffe.— O.<£. 66. Ja.— K. R. SS. Wenn Sie Ihren Betrieb nicht abgemeldet haben, so sind Sie zur Zahlung verpflichtet. Zvtticrnnzöndcrsicht vom II. November I8SS. morgens 8 Uhr. Stationen Swineiude Hamburg Berlin Wiesbade» München Wie» L S ~ S 1? s- 754 W 758'ätz s® 758 W 768 SW 768 ,W 762 W Wetter 5 wolkig 6hlb.beb. 5 heiter Md.bed 6wolkig 3, wolkig L B SE s| s- 7SIISW 758, SSO 7S5WNW 748:IW 7703 Weller 2wolkel?l 1 Regen 4, wolkig 2hlb.bed. 2lvollenl aL S � s" 5 a Wi 1 5 11 4 5 Wetter-Prognofe für Sonntag, den IS. November 18»». Teils heiter, teils wolkig mit etwas Regen, frischen westlichen Winde», kühlerer Nacht und wenig veränderter Tagestemperatur. Berliner Wetterbureau. Redactenr» CJ esssela. Die Stelle eines dritten politischen Eedacteurs für den „Torwarts" soll möglichst bald besetzt werden. Bewerber werden ersucht, ihre Offerten an das Parteibureau, Adresse: J. Auer, Berlin S.W., Katzbachstr. 9 I, einzusenden. Affoelterseltretär» bestich. Süt daö Arbeitcrsekrctariat Bremen ist pro Januar oder l. Februar 1900 die Stelle eines ersten Sckrctäi's zu besetzen. Bewerber um diese Stelle, welche eine vollständige Kenntnis der socialpolitifchen Gesetzgebung besitzen müssen, werden ersucht, unter Beifügung ihrer bisherigen Thätigleit und Stellung innerhalb der Arbeiterbewegung, aus 4 Seiten Grob-Ottav über die Bedeutung sowie zweckmäßige Geschäftsführung der Arbcitcrselrctariate einen Aufsatz niederzuschreiben und diesen möglichst bald an die Adresse A. Schrvclda, Bremen. Kaulsir. 75 c, cinzuseuden. Dauauschliiger! Todcs-Anzcige. Den Kollegen zur Nachricht, daß Vilser Kollege Ulbert tole am 10. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung sindct am Sonntag, den 12. d. M., nachm. 3 Uhr, vom Lazarus-Krankcnhause aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 33/20_ Der vorstand. Danksagung. Hiermit sage ich allen Freundeu und Bekannten für die zahlreiche Bctei- lignng bei der Beerdigung mcineö lieben Mannes, des Tischlers Rodert Lodumaeder insbesondere dem Holzarbeiter- Ber- band, sowie de» Kollegen der Arnhcim- scheu Fabrik, dem Verein„Mephisto" und dem Deutschen Musikverbaud für die zahlreichen Kranzspenden meinen herzlichsten Dank. sSOLb Wwe. Martha Schumacher u. Tochter nebst Eltern u. Geschwister. PhotMphischcs Alelier. Adalbert st r. 67(Eckhaus an der Adalbert-Brücke). Visit 1Z Stck. und 1 Postkarte mit eigner Photographie 3 M.. 7 Kabinett mit Postkarte 6 M. Bcreinsaufnahmcu ohne Anzahlung 50 X 60 a Bild 2 M. 7ö Ps. l3O2Zt Reell ; CigMkll. Reell! Billigste Beziigsaucllc Verkäufer. 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Carl Weist-Theater: Winterschlaf.(Freie Volksbühne.) Metropol-Theater: Specialitäten-Vorstellung. Achtung! Achtung! Umm dkl Ulättklinntn Derlins. Sonnadend. den 18. Novemhe? 1800, abends O Uhr, In Kiefts Flora-Siilcn, Weberstr. 17: Grosses Herbst-Vergnügen. Billets sind zu haben im Arbeitsnachweis bei Tesckincr, Gollnowstr. 6, für Herren inkl. Tanz 75 Pf., Damen 25 Ps. Recht zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. 158/4__ I. St.: Carl Porth, Gcorgcnkirchstr. 14, v. IV. Ca. äCC Elektromonteure wurden von mir persönlich ausgebildet. Glänzende Resultate. Vorbildung in allen Fächern der Elektrotechnik. Abendkurse, Beteiligung aller Berufs- zweige. Stellennachweis. Anmeldung 11—1, 3—9, Sonntag 3—1. Beginn des neuen Kursus Dienstag, den 14. November, abcndS 8 Uhr. Andrcscn, Ingenieur, Leiter des s3019L« Htolta-OSßrtnQteOkmEcum, _ Fischerstraßc 10, nahe dem Köllnischen Fischmarkt._ Wer es noch nicht weiss! 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Kür den Anicratcntcil verantwortlich! Tb» Glocte in Berlin/ Dmik mw Del�a'a vbü IVIar Vildlng in Berlin. 110(4,3® 220 415« 785 97« 111IZ7 84 262 3« 69S 112.579 633 1135,0 w 61« 114312 410 180001 84 584 (3000) 603 97 113191 214[3000] 587 734 1141010 110 2S 271 316 33 575 717«62 117120 419 550 7 W 801 916 118243 tlOOO) 81 493 793 11»2I1 59 91 517[10001 070 708 4« 1)08 120975 93 281 505 651 792 1 21119 228 3)0 122163 «27 51:m 72[1000] 128200 319 408(800) 501«1 848 917 124014 63 378 1 2710,0 844 523 656 12O014 1®[300] 5*2 017 1500] 78« 024(3060J 50 1 27100 12 71 540 730 46 899 l 10001 900 13000] 40 1 28322 423 99[3)00] 670[10001 75 121*386 401 502 50 618 11000] 180030 307 505 751 908 1 8 1 060 Zw(900] 300 505 48 918 182981 717 1386.50«9»40 658[3000] 94[36»] 806 [500] 911 134351 600 31[3000] 710 62 912 1 33101 407 742 836 130152 098 715 65 76 87 964 127)19 179 111)00] 308 [1000] 014 908 138218 76 636 773 907 1 33239 313 412 44 722 804 144*672[360] 745 54 877 1 41197 279 478 827 941 50 142170 456 678 91 719[500] 855 1431® 4.56 501 9U 144039 11009] 81 192[3060] 331 382 003 925 1 43,] ,6 322 471 5-53 737 821 909 47 82 14«, 55 623 736 147328 416 22 «04 76[500] 95 740 66 97? 145(168 2® 336[3)001 873 099!t»l 827 23 956 1BO031[56)1.161 724[3000] 72[300] 813 081 15116! 219 418[1666] 751 152289 711 98 836 9® 1639® 408 500 8(>,i 932 1 64091 286 313 546 59[1660] 613 9® 253213 091 854 1541094 5® 616[300] 754 1 57149 4 17 81 819 16801!! 425 328 35 667 1 5!*6>6 266 509 623 42 773 14(4*002 709 89 965 14*1222 470 976 1 4(2113 291 981 407 663 708 5-5 937 06 1 4*3226 53 62 515 671 980»1078 91 113 316 497 558 11*2167 7® 985 1 03(179 83 267 314 53 69 11000] 458 508 315 53 58 043[8001 10 4273[560] 88.8 425 673 789 11*5147 404 050 065 100104 695 7® 11)7069 230 306 73 117 11)1*023 720[1000] 200493 5® 791 201110 830 449 880 717(1000) 81 033 71* 202038 4®[1000] 545 008(300) 14 203171 97 1500] 248 [300] 87 590[300] 204125 52 66 059 805 949 205138 234 43 305[300] 517 72 7® 800 947 2003)9 427 830 81[lOOUJ 978 207008 219 81 19000) 303 664[300] 741 2US13u 419 24*1,135 170[900] 532 695 781 8*7 921 32 210479 535[500] 44 631«18[300] 968. 211033 133 260 78 819 212654 651 760 95 837 908 1500] 2*3119 6*9 04 674 76 81 771 84 893 214219 215169 232 73 356 579 097[300] 21 4*075 193 296 527 638 807 91»60 217197 355 [3000] 78 711 93 2«4067 104 262 87 607 2 10161 507 R 2201,» 585 787 2210,18 212 483 587 772.910 51[3001 18 222132 415 18 7» 507 14[300] 223376 99 363 496 22 4046 134 57 434 57 628 706 78 2 2 50® 350 11000] 453 t4»g, 12. Nmmber 1899. Mxtnft und LVlst'enMzÄft. Schiller- Theater.„Die Jungfrau von Orleans. l!ine roinantische Tragödie in einem Vorspiel und fünf Akten von Friedrich Schiller.— Alljährlich, wenn der dunkle November .ins Land zieht, naht den Deutsche» ein Tag der Freude, der 10. November nämlich, au deni Schiller geboren wurde. Wie die kranke Nation in den Schriften Goethes die niilde Ruhe und Klar- bcit finden kann, die ihr abhanden gekommen ist, so kann sie in den Schriften Schillers ihren Geist von all' den: Staub des Mifzimits reinbaden, der heute auch dem Besten aufliegen kann. Schillers Idealismus ist wie ein frischer Quell, der hell sprudelt und dem lvegemüden Deutschen noch lange ein Labsal sein wird. Wir denken hierbei weniger au eine bestimmte theoretische Weltanschauung, als vielmehr an den un- erschrockenen Flug seiner Gedanken, air den freien und frohen Glauben, in dem er der Idee diente. Wenn heute die Hoffnung die Schwingen breiten will, hat immer ein Sckmft ein hämisches Lächeln bereit. Die Welt ist so eminent„praktisch" geworden. In den Tagen deS allgemeinen Schachers ist auch die Idee dem Schacher verfallen. Sln allen Gasseneckcn stehen die Leute, die mit sich handeln . lassen. Man kann alles von ihnen haben, alles, alles, wenn man nur den richtigen Preis zu zahlen geneigt ist. Und leider handeln sie nicht mit alten Hosen und derartigen be- scheidencn Gütern der Menschheit, sondern mit Litteratur. Man ist verbindlich nach rechts und verbindlich nach links. Man dienert vor jedem Verleger und möchte es mit keinem Direktor verderben. Man lächelt sühsaner zu den ödesten Kapriolen der Aftcrkunst, weil nian den„praktischen Erwägungen" der Theaterkapitalistcn doch nicht zu nahe treten möchte und erreicht schliehlich, daß der littcrarischc Markt eine Börse wird, die zwar alle niög- lichcn und unmöglichen Laute zu Gehör bringt, nur nicht den Laut der deutschen Kunst. Das hindert freilich nicht, daß man am 10. November auch Schillern seine Reverenz erweist. Man bringt es sehr wohl fertig, für Blumenthal den Tam- kam zu schlagen, den seichte» Herrn Lindau begeistert zu fördern und daneben in schöner Objektivität den Genius Schillers zu feiern. Leider aber beweisen solche„Huldigungen" nichts, oder doch nur, daß ihre Urheber mit allem Ucbrigen auch die Scham verloren haben. � Zu den Leuten, die Schiller feiern dürfen, ohne der Heuchelei zu verfallen, gehört das Schiller- Theater, das in den fünf Jahren seines Befichens alle großen Dramen Schillers— bis auf„Fiesco" und die„Braut von Messina"— zur Aufführung gebracht hat. Gestern, am 10. November, wurde die„Jungfrau von Orleans" gegeben, und von dem ausverkauften Haus init er- frenlichcr Wärme aufgenommen. Wir wollen den vergeblichen Ver- such nicht machen, über das Stück selbst etwas zu sagen, das nicht schon irgendwo gesagt worden wäre. Die Aufführung muß im allgemeinen eine durchaus gute genannt werden. Im besonderen wären Gregori, Alwine W i e ck e, P a e s ch ke und P a t e g g zu nennen. Fräulein Wulf als„Jungfrau" genügte nicht. Es fehlt ihr für die Rolle vor allem die innere Größe und dann auch die schauspielerische Reife. Schließlich haperte es auch noch mit deni Organ.—_ E. L. VevlÄmntlnngen. Berliner Gcwcrkschaftökommission. In der am Freitag ab- gehaltenen Delcgiertcnversammlung stand als erster Punkt der Bericht der zur Prüfung der Bcamtcnfrage eingesetzten Kommisston auf der Tagesordnung. Der Referent Dublin gab namens der Kommission bezüglich der Kündigung Millargs folgende Erklärung ab: Die Kommission hat nach eingehender Prüfung der Gründe, welche zur Kündigung des Sekretärs des Gewerkschafts- bureaus führten, sich davon überzeugt, daß Millarg— wohl infolge freiwilliger Uebernahmc zu vieler Neben- ämter— nicht in der wünschenswerten Weise die ihm obliegenden Aufgaben erfüllte und dadurch unliebsame Situationen für den Ausschuß herbeiführte. Erschwert wurde das Verhältnis zwischen Ausschuß und Sekretär»och dadurch, daß direkte Au- ordnungen des crsteren teils unbeachtet blieben. Die infolgedessen stattgefundcnen persönlichen Auseinandersetzungen zwischen beiden Teilen haben zu einer solchen Spannung geführt, daß die Kommission die Ueberzeuguug von der Unmöglichkeit eines ersprießlichen Zusammenarbeitens des Ausschusses mit dem jetzigen Sekretär gewonnen und sie im Interesse der Sache sich auf den Boden der gcgebcuen Thatsachen stellte. Jedoch hält die Kommission den Sekretär Millarg keineswegs für ungeeignet, im Interesse der Arbeiter in ähnlicher Stellung weiter zu wirken. Ucber die fernere Gestaltung des Gcivcrkschaftsburcaus sagte der Referent: Bisher loaren in der Gewerkschaftskommission 82 Gewerkschaften mit 64 7gg Mitgliedern vertreten. Abgegangen sind 23 Gewerkschaften mit S86ö Mitgliedern, es bleiben also noch bg Gewerkschaften mit 54 934 Mitgliedern. Wenn im Bureau 2 Beamte angestellt werden sollten— was einen Kostenaufwand von jährlich 7öOOM. verursacht— so müßten die jetzt uoth der Kommission angehörenden Gewerkschaften pro Kopf und Jahr einen Beitrag von 14 Pfennig leisten. Die Neunerkomntission sei zu der Ansicht gekommen, daß, nachdein durch das Ausscheiden eines Teils ocr Gewerkschaften die Arbeiten des Gewerkschaftsbnrcaus sich vermindert haben, vorläufig ein Sekretär zur Bewältiguiig der Arbeiten genüge, und daß dann ein Beitrag von 10 Pf. pro Kopf ausreichend sei. In absehbarer Zeit werde jedoch die Anstellung eines zweiten Beamten notwendig sein. Ferner habe sich die Netmer- kommission dafür erklärt, daß von allen durch das Bureau gehenden, auf Listen gesammelten Geldern 3 Proz. als Beitrag zu den Unkosten in Abzug gebracht werden. Ohne Debatte stimmte die Versammlung der vom Referenten abgegebenen Erklärung zu und beschloß, daß es vorläufig bei einem Sekretär und einem Jahresbeitrag von 10 Ps. bleibt, und daß von den auf Sammellisten eingehenden Geldern 3 Proz. einbehalten werden. Als Revisoren wurden Maaß, Kohn und Haffncr gewählt. Hierauf erstattete Hagen Bericht über den Verlauf des Töpfer- streiks. Unter anderem wandte er sich gegen die in der Sitzung des Gewerkschaftskartells ausgesprochene Behauptung, wonach die lange Dauer des Generalstreiks nur den Zweck haben solle,.die Lokalorganisierten an die Wand zu drücken. Eine solche Behauptung sei Unsinn. Der Generalstreik sei eine taktische Not- wendigkeit gewesen. Mit dem Resultat des Streiks seien die Töpfer zuftiedcn, sie danken allen denen, welche den Streik unterstützt haben. Trapp gab einen kurzen Ueberblick über die kürzlich vor dem Einigungsamt zum Abschluß gekommene Lohnbewegung der Weiß- gcrber. Schauerhammer berichtete über den Streik der Stein« arbeiter. Der Redner meint, seine BerufSgenosscn seien von dem Ausgang des Streiks nicht befriedigt, denn sie hätten eigentlich nichts erreicht. Die Verhandlungen vor dem Einigungsamt seien ganz anders ausgefallen, wie es die Stcinarbeiter erivartet hatten. Sie seien zu einer Vorbesprechung eingeladen worden, die zu nichts verpflichte. Diese Vorbesprechung sei aber, ohne daß die ver- handelnden Arbeiter davon wußten, zu einer Hauptverhand- llung geworden, und so seien sie von dem Schieds- sprach überrascht worden. Sleinarbciter M i t s ch k e schloß sich diesen Ausführungen seines 5lollegcn an. Es habe deiz Steinarbeitern schon leid gethan, daß sie den Streik beendet hatten. Wenn sie noch 14 Tage ausgehalten hätten, dann hätten die Unternehmer nachgehen müssen. 'Knoll, der als Beisitzer im Einigungsamt beim Streik der Stcinarbeiter fungierte, ivies die dem Gewerbcgericht und dem Vorsitzenden v. Schulz gemachten Vorwürfe entschieden zurück und erklärte dieselben für ganz unbegründet. Nachdem die Vor- besprechung beendet war, sei ausdrücklich gesagt worden, daß nun die Hauptverhandlung beginne. Die Stcinarbeiter machen ihre forntellen Einwendungen nur deshalb, weil sie darüber unzufrieden seien, daß nur der eine Punkt, welcher die Forderung der Lohn- arbeit betrifft, vom Eiuignngsamt nicht anerkannt worden sei. Man solle doch nicht durch solche unbegründete Einwendungen dem Gewerbe- gericht und besonders dem Vorsitzenden v. Schulz die Thätigkcit bei Lohnbewegungen, mit der die Arbeiter alle Uriache zur Zufrieden- heit hätten, nicht erschweren. Tischendörfer, Döblin, Schneider Schulz, Trapp, Hagen und Millarg wiesen gleichfalls die von den Stein- arbcitcrn erhobenen Vorwürfe zurück, indem sie ausführten: Da bei einer Einigung natürlich beide Parteien nachgeben müssen, so sei eS begreiflich, daß keine Partei von dem Resultat einer Einignugsverhandlung ganz befriedigt sei. Einen eigentümlichen Eindruck niache es, wenn die Vertreter der Stein- arbeiter jetzt, nachdem sie nicht alles, ivas sie forderten, erreicht haben, einen Sündenbock suchen. Wenn ivirklich die formellen Ein- Wendungen der Steinarbeiter zuträfen, so habe es doch in ihrer Hand gelegen, die EinigungSvorschläge resp. den Schiedsgerichts- spruch anzunehmen oder abzulehnen. Da sich die Stein- arbeiter dem Schiedsspruch unterworfen haben, sollen sie auch de» Mut haben, die Folgen auf sich zu nehmen, und die Führer müßten das, was sie gethan habe», auch vertreten. Es müsse hier ausgesprochen werden, daß die von den Stein- arbeiter» ausgesprochene Ansicht, das Einignngsamt habe die Ar- beiter hineingelegt, von der Berliner Arbeiterschaft nicht geteilt werde. Die Berliner Arbeiter hätten vielmehr alle Ursache, der Thätigkcit des Gcwcrbcgerichts als Einigungsamt volle Anerkennung zu zollen. Besonders müsse betont werden, daß man dem Herrn v. Schulz als Vorsitzenden des Gcwerbcgerichts und Leiter der Einigungsvcrhaudlnngcn keine arbeiterfeindliche Tendenz nachsagen könne, man müsse vielmehr seine Sachlichkeit und Unparteilichkeit anerkennen. Hierauf besprachen W c y k o p f und Schubert den Ausstand der Formstccher Deutschlands und ersuchten die Delegierten, in ihren Gewerkschaften für Unterstützung des Ausstandcs zu wirken. Link macht darauf aufmerksam, daß sich die Formstccher der Gewerkschaftskommission nicht angeschlossen haben. Sie haben sich seiner Zeit vom graphischen Kartell abgesondert nnd nun sehen wir, daß sie ihren Streik nicht aus eigenen Mitteln durchführen können. Dieser Umstand lehre, daß es für die kleinen Organisatiönchen zweckmäßiger ist, wenn sie sich den großen Ver- bänden anschließen. Döblin bemerkt, er könne zu seinem Bc- dauern den Formstechern keine Sympathie bekunden. Sie hätten sich vom graphischen Kartell abgesondert, um, wie ihr Ver- tretcr hier sagte, mehr für die Verbesserung ihrer Lage thun zu können. Jetzt, wo sie in einer Lohnbewegung stehen, zeige sich, daß sie ihre Lage doch nicht ohne Hilfe der anderen Gewerkschaften verbessern können. Nachdem sich die Formstccher vom graphischen Kartell abgesondert und die„Buchdrucker- Wacht" unterstützt haben, könnten die Buchdrucker keine Sympathie für die Bewegung der Formstecher empfinden. Wer sich absondert, der möge so lange allein gehen, bis er zu der Einsicht kommt, daß einem geeinten Unternehmertum eine geeinte Arbeiterschaft gegenüberstehen muß. Hagen iveist darauf hin, daß nach den geltenden Bestimmunge» die Delegicrtenvcrsammlung sich nicht mit der Angelegenheit der Formstechcr befassen könne. Die Formstecher iverden an den Ausschuß verwiesen. Droschkenkutscher Schulz bespricht den neuen Tarif der Freien Vereinigung der Civil-Berufsn.usiker und führt aus, die Sätze seien bedeutend erhöht ivorden, die Preiserhöhung erscheine aber nicht be- gründet und die Musiker würden deshalb die Unterstützung resp. die Kundschaft der Arbeiter dnrch ihr Vorgehe», welches in ihren eigenen Kreisen nicht einmal allseitig gebilligt werde, verscherzen.— Da kein Vertreter der Musiker anwesend ist, soll diese An- gelegenhcit in der nächsten Versammlung besprochen werden. Eine voni Vertreter der Barbiere vorgebrachte Angelegenheit, den Arbeitsnachweis betreffend, wird an den Ausschuß verwiesen. Tischendörfer regt die Frage an, ob es nicht zweckmäßig sei, daß durch die Gewerkschaftskommission ein Kassenbote angestellt werde, der für die einzelnen Gewerkschaften die rückständigen Beiträge der Mitglieder einzieht. Gewerkschaften, die weniger als 1000 Mitglieder haben, könnten sich für diesen Ztveck keinen eigenen Boten halten, es würden den Gewerkschaften aber sehr viele Mit- glieder erhalten bleiben, wenn die rückständigen Beiträge einkassiert werden, deshalb liege die Anstellung eines Boten im Interesse der gewerkschaftlichen Beivcgung.— Verschiedene Redner halten die von Tischcndörfcr empfohlene Einrichtung nicht für durchführbar, sie verweisen darauf, daß eine Anzahl von Gewerkschaften durch Einsetzung von Bezirkskassierern, die die Beiträge in den Wohnungen der säumigen Mitglieder erheben, sehr gute Erfahrungen gemacht haben, und daß diese Einrichtung auch von den Gewerkschaften, die eine solche noch nicht haben, getroffen werden könne. Tischcndörfcr ist dagegen der Ansicht, daß seine Anregung doch einmal verwirklicht werden müsse. In dieser Versammlung fehlten die Vertreter der Böttcher, Dachdecker, Gold- und Silberarbeiter, Möbelpolicrer. Musiker, Putzer, Porzellanarbeiter, Rabitzputzer, Schriftgicßcr, Tapezierer, Xylographen. Die Töpfer hatten sich am Freitagabend in den Andreas- Fcstsälen zu einer ungemein stark besuchten Versammlung ein- gefunden, um zunächst die Abrechnung vom Streik entgegen zu nehmen. Wie Nickel mitteilte, könne die Abrechnung nur eine provisorische sein, da es wegen der Kürze der Zeit noch nicht möglich gewesen sei, die Abrechnung definitiv fertig zu stellen. Es wurden folgende Summen au Unterstützung ausgezahlt: Erste Streikwoche an 980 Mann 13 426 M.. zweite Woche 1060 Mann 15 613,50 M., dritte Woche 1091 Mann 16 414,50 M. Die Mitglieder der Kommission haben an Entschädigung erhalten 377 M., so daß insgesamt 45 830 M. verausgabt worden sind. Von dieser Summe sind 135,37 M. in Kreisen der Kollegen gesammelt oder von sonstigen privaten Gebern freiwillig gespendet worden; alles übrige sei durch die beiden Organisationen aufgebracht und zivar sei die Lokal- orgauisntion mit einem Fünftel daran beteiligt. Die übrigen Gelder entfallen auf den Verband. Kronfeld fragt, wer das Berliner Gewerkschaftskartcll veranlaßt habe, für den Töpfer-Streik Samm- lungen einzuleiten. Der Verband habe das nicht nötig gehabt. G l'a ß beantwortet diese Frage dahin, daß die Lokalorgauisation nicht über die Mittel verfügt habe, um daS ihr auferlegte Fünftel der Streikkosten aus eigener Kraft decken zu können, deshalb habe man sich an die übrigen Lokalorganisationen gewandt. Es wird dann mitgeteilt, daß sich in dem'zur Ausgabe gelangten Lohntarif einige redaktionelle Fehler befänden, die aber zu keinerlei sachlichen Differenzen Veranlassung geben könnten. Es sollen aber trotzdem die be- treffenden Positionen fehlerfrei nachgedruckt und den Töpfern aus- gehändigt werden, damit sie dieselben in das Tarifheft einkleben können. Ucber den zweiten Punkt der Tagesordnung:„Was haben die Töpfer zu thun, um die Errungenschaften des Streiks dauernd zu erhalten?" entspann sich eine äußerst lebhafte Diskussion. wobei es teilweise auch zu Auseinandersetzungen zlvischen den Vertretern der beiden Richtungen kam, die sich aber im allgemeinen in sachlicher Weise vollzogen. Es be- teiligten sich an denselben, zum Teil widerholt. David, M. Hoffmantt, Hagen, Meinke, John, Kronfeld, Münzapost, Glaß.'Drunsel, Hielscher und L o t h e r. Von Vertretern des Verbandes wurde betont, daß der Verkauf des Streiks gezeigt haben müsse, daß zwischen den Berliner Töpfern doch eigentlich keine trennenden Momente und folglich auch keine Notwendigkeit für das Weiterbestehen zweier Organisationen vorhanden seien. Von einem Redner der Lokalorganisation wurde das bestätigt mit dem Hinzufügen, daß eine ganze Anzahl der bisherigen Lokalisten daraus die Konsequenz ziehen würde, nunmehr ungesäumt ihren Uebertritt zum Verbände zu vollziehen. Glaß meinte, das Weiterbestehen der beiden Organisationen läge gerade im Jntcr- esse der Töpfer: denn die beiden Organisationen sähen sich so gegen- seitig auf die Finger, daß keine Dummheiten gemacht werden könnten. Lebhaft protestiert wurde von scitcn verschiedener Verbands- Mitglieder gegen die im Berliner Gewerkschaftskartell von Thieme mid Arendsee vertretene Behauptung, der Verband habe den Generalstreik so lange aufrecht er- halten,»in durch denselben den Lokalverein an die Wand zu drücken, bezw. die Lokalisten z» sich herüber zu ziehen. Einig waren sich alle Redner darin, daß ein Zusammengehen der Töpfer, wie es während des Streiks stattgefunden hat, auch fernerhin notwendig ist, sollen die Errungenschaften desselben nicht verloren gehen. Schon jetzt, nachdem kaum der Friedensschluß erfolgt, beginne man schon wieder mit Versuchen, von den Beivilligungen abzubröckeln. Leider fänden sich vereinzelt sogar Kollegen, die unter Bedingungen die Arbeit ausnehmen, die als tarifgemäß nicht zu bezeichnen seien. Es sei auf Bauten die Arbeit aufgenommen worden, die nicht ver- glast waren, trotzdem in dieser Beziehung der Tarif an Klarheit nichts zu wünsche» übrig lasse. Doppelt bedauerlich sei das, da es an Arbeit jetzt durchaus nicht mangele; wen» sich die be- treffenden Kollegen an die Kommission Ivenden, � so erhielten sie solche sofort nachgewiesen. Um solchen Vorkommnissen in Zukunft vorzubeugen, sei es notwendig, eine ständige Tarif-UcbcrwachungS- kommission zu bilden, wie solche ja die Meister auch anerkennen wollen. Von Drunscl wird noch besonders darauf hin- gewiesen, daß auf seiten der Unternehmer die Neigung besteht. eine» paritätischen Arbeitsnachweis zu errichten. Redner befürivortet denselben unter andern bannt, daß durch diese Einrichtung der Zuzug nach den Großstädten in geregelte Bahnen gelenkt iverden könne. Es gelangen dann eine Anzahl Resolutionen und Anträge gegen wenige Stimmen zur Annahme: I.„Die Versammlung beschließt: In Erwägung, daß der Lohn- kämpf der Berliner Töpfer nur_ dadurch zu einem siegreichen Ende geführt ivorden ist, daß dieselben Schulter an Schulter ge- Ichlossen für ihre gerechten Forderungen eingetreten sind und die materielle Unterstützung durch ihre Organisation prompt erfolgt ist; in fernerer Erwägimg, daß es durchaus notwendig ist, für die fernere Zukunft gewappnet zu sein, weil nur in einer starken Organisation die Gewähr liegt, daß der Friede ein dauernder ist und das Er- rungene erhalten bleibt, verpflichten sich sämtliche anwesende Kollegen, dem Ceutralverbande der Töpfer Deutschlands beizutreten und für die Interessen desselben wie für ihre eigenen einzutreten." II.„Die bisherige Lohnkommission wird aufgelöst. An Stelle derselben tritt der Vertrauensmann für die Oeffcntlichkeit wieder in Funktion, welchem zwei Kollegen zur Seite gestellt werden, die gc- meinschaftlich mit erstercm eine Tarif-Ueberwachmigskommission bilden." sDiescr Antrag wurde dahin interpretiert, daß in Zukunft der Ver- trauensmänn ständig anzustellen und zu besolden sei, um die not- wendige Kontrolle zu jeder Zeit ausführen zu können.) Iii. Jeder Kollege hat neben seinem Beitrag zur Organisation pro Woche 50 Pf. Extrasteuer zum allgemeinen Fonds zn ent- richten, für diese Woche jedoch nur diejenigen, die mehr als 20 M. verdient haben." IV.„Die im Berliner Gcwerkschaftskartcll zum Ausdruck gebrachte Meinung des Töpfers Thieme. daß die Fortführung des General- streiks vom Verbände befürwortet sei, um die Lokalorgauisation lahm zu legen, bezw. die Ansicht de§ Herrn Arendsce, um die Lokalisten zum Verband herüberzuziehen, dagegen die Gewinnung des Streiks Nebensache sei, erklärt die Versammlung für eine infame Unterstellung." Auf eine Anfrage, wann denn der rechtsverbindliche Abschluß des Vertrages vor dem Gcwcrbegcricht geschehen würde, wurde erklärt, daß dies wahrscheinlich am Dienstag geschehen wird. Die Festlegung des Vertrages durch das Gewerbegcricht wurde all- gemein als zweckmäßig und notwendig anerkannt. Es werden dann die Kollegen John rind Schünemann gewählt, welche mit dem Vertrauensmann die in obigem Antrage angeführte Kommission zu bilden haben. Die Kommission hat das Recht der Kooptation, besonders für den Fall, daß die für denselben Zweck zu bildende Kommission der Meister stärker sein sollte. Nachdem der Vorsitzende noch auf eine am 15. November in der Gambrinusbrauerci in Charlottenburg stattfindende Töpfcrversammlung hingewiesen hatte. erfolgte nach einem kräftigen Schlußworte der Schluß der Ver- sammlung. Eine öffentliche Ballschuhmachcr-Vcrsainiiilung, welche am 8. d. M. bei Haberecht tagte, beschäftigte sich mit der gegenwärtigen Lage und der Frage der Organisation innerhalb der Ballschuhbranche. Der Referent H e r r ni a n n führte zunächst aus, wie sich die Ballschuh- Industrie als ein besonderer Fabrikationszweig entwickelte und wie dnrch die einseitige Aus- bildung der betreffenden Arbeiterin dieser Specialarbeit es möglich gc- worden sei, ein Produkt von besonderer Eleganz herzustellen, aber auch den Arbeitslohn dafür bis auf die äußerste Grenze herabzndrücken. Die Ballschnhmachcr seien in hohem Maße der Saison unterworfen und sei deshalb der Durchschnittsverdienst derartig ungenügend, daß er nicht ausreicht, die bescheidensten Lebensbedürfnisse zu befriedigen. Redner bedauert, daß nach dem siegreich durchgeführten Streik von 1896 der größte Teil der Kollegen der Organisation den Rücken gekehrt habe und fordert die Anwesenden auf, in erster' Linie das Interesse für dieselbe zu erwecken, da nur durch eine starke Organisation eine dauernde Bcssergestaltung der Lage der Ballschuhmacher zu erwarten sei. Nach kurzer Diskussion wird beschlossen, regelmäßige Branchenvcrsamm- lungen der Ballschuharbeiter einzuberufen, und wird die Wahl einer Bräuchenvertretung befürwortet. Eine längere Diskussion rief dann noch die Berichterstattung über den Verlauf des Streiks bei der Finna Reinhold Gräf hervor. DaS Verhalten des Herrn Gräf seinen Arbeitern gegenüber wurde einer zwar herben, jedoch bercch- tigten Kritik unterzogen. Ferner wurde es getadelt, daß nach Aus« bruch des Streiks ein Teil der Ausständigen anderweitig in Arbeit trat, wodurch das gcschlosiene Zurückkehren in den Betrieb nach Beendigung des Streiks illusorisch gemacht wurde. Für die Zimmerer der Vertrancnömänner-Centralisatio» tagten zwei Versammlungen: am 3. November für Wedding und Gesnndbrunnen im Wedding-Kasino und für Moabit am 9. November im Moabitcr Klnbhause.' In beiden Versammlungen referierte M y l e r über die Beschlüsse des Arbeitgeber-Bundes für das deutsche Baugewerbe und die Vereinbarungen der Berliner Zimmerer mit ihren Arbeitgebern. Der Redner erörterte eingehend die arbeiter- feindlichen, den Fortschritten der Civilisation zuwiderlaufenden Be- strebungen der Arbeitgeber im Baugewerbe und die sich daraus resultierenden Aufgaben für die Arbeiter. Pflicht der Zimmerer ist es, durch massenhaften Beitritt zur Organisation die richtige Autwort zu geben. Ganz besonders müssen aber die Berliner Zimmerer dafür Sorge tragen, daß die für Berlin getroffenen Vereinbarungen zur Geltung kommen. Der Redner erläutert hierauf die in der letzten Sitzung der Achtzehner-Kommission angenommenen Anträge, die Regelung deS Fahrgeldes betreffend, nnd verliest ein auf Antrag der Arbeitnehmer seitens des Bundes an die Inhaber dcrHolzplätze gerichtetes Schreiben, in welchem dieselben aufgefordert werden, die in dem Vertrage enthaltenen vorschriftsmäßigen Buden auf ihren Plätze» einzuführen. In der Diskussion wurden' die Ausführungen von de» Kommissionsmitgliedern Päsler und Schäffer ergänzt und verschiedene noch vorhandene Mißstände zur Sprache gebracht. So wird in dem unter den organisierten Zimmerern berühmten Baugeschäft von Müller, Hochstraße, gewöhnlich Sonntags und auch Ueber» stunden gearbeitet und in einigen anderen ist noch die berüchtigte, ülKx daS Maß der körperlichen Leistungsfähigkeit hinaus» gehende' Schin.sxjjftinicht beseitigt; und doch war gerade dies ein Hauptfaktor mi.,«.» die Zimmerer für die Vereinbarungen zu ge« Winnen. In der 5?crfniv.mlimn in Moabit wurde besonders das V«r- battcn der Zinmirrcr dct der Firma Glascnapp getadelt. Die« selben, obwohl alle organisiert, Verivcigeru das Zahle» der Beiträge zum Streikfonds aus dem Grunde, weil sie Gegner der getroffenen Vereinbarungen sind. Fischer führte den auch in der Bcrsammlung Anivcsendcn das Ungerechte ihrer Handlungsweise vor Rügen und erinnert daran, das; mit dem I. Aauuar die erhöhten Lvhne von de» Unternehmer» gezahlt werde» müsse»,»»d_ voraussichtlich bei einzelne» derselbe»»och ei» harter Kampf zu erwarten ist. Pflicht der Znnmcrcr sei cS, das; bis dahin jeder seine Karte in Ordnniig halte. Nachdem noch bekannt gegeben, das; am Mittwoch, den IS. November, eine Versammlung der freien Hilfskasse stattsindct, zu welcher jedes Mitglied erscheinen müsse, ersucht Jnppcnlatz die im 43. Kommunal- Wahlbezirk wohnenden Zimmerer, sich Mann für Mann au der Stichwahl sowie an der Flngblattvcrbrcitnng z» beteiligen. � Tic Kleber(Tapezierer) hielten mn 8. November bei Paster, Insclslr. 10, ihre Versammlung ab. A!S Nevisorcn Ivnrden Hopel und Berkholz gewählt. Beschlossen wurde, einen Streikfonds zu gründen und wöchentlich 10 Pf Beitrag zn erbeben. Straffer teilt mit, dag bei dem Untcrnchnwr Stiller, Bau Nfcrstr. 12/13, Lohn- oiffercnzcn stattgehabt haben; nach Verhandlung mit der Kommission erklärte sich Herr Stiller bereit, den Press von 17 Pf. ans 19 Pf zu erhöhen. Er fordert ans, datz die Kollegen ivcgcii Avsiellnng von Mibstäiiden sich an die Kommission wenden.' Die Bureau- frage rief eine lebhafte Debatte hervor. Es wurde beschlossen, das; der NrbcitSiiachweis nach wie vor bei Pinzcr, Schüvenstr. 18/19, bleibe und wie bisher gchnudhabt werde. In die Kommission werden neu gewählt Wolter, Pctkc und Fleischer. Burcanstunden Wiiitcr 8—9'/- Uhr vormittags, Sommer 7—3'/- Uhr vormittags. Tie Freie Vereinigung der Civil-Bcrufömnsiker verhandelte in ihrer letzten Versnmniluiig über die Gründung eines FachorganS. Der Borsitzende I n ck o erläuterte den von ihm entworfenen Plan. Nach längerer Diskussion wurde beschlossen, dem Kollegen Jucko 20 M. für die Agitation für das Fachblatt aus der Vcreinskasse zu bcivilligen. Tie HaudrlS-Hilsöarbciter slolale Richtung) hielten mn Soun tag, den 5. November, in Bolzinanns Fcstsälcn eme gut besuchte öffentliche Versammlung ab. Paul Iah» hielt einen mit Beifall ans- gcnomniencn Vortrag über:„Das nienschliche Glück und die sociale Frage". Von einer Diskiissivii wurde Abstand gcnanunen. Sodann inacht Freude ans den am Mittivoch, den 22.'d. Mts.(Busitag) in Kellers Fcstsälcn, Koppcnstr. 29, stattfiiidendeii Vortrag des Direktors F. S. Archenhold von der Treptoivcr Sternwarte auftnerksam. Der Verein der Pliittcrinnen hörte an; 8. d. M. einen mit Beifall anfgenomnieiicn Vortrag Jahns über Max Stirners„Der Einzige zc.". Sodann wurden noch einige Vcrciiisaiigelegcnhciten erörtert. Die Musikinstrumenten- Arbeiter centraler Richtung hielten am 3. November eine von clwa 300 Personen besuchte öffentliche Versammlung ab. T h. G l o ck e hielt einen Vortrag über: Die gewerkschaftlichen Bestrebungen und die Zuchthausvorlage. Dem mit gros; ein Beifall aufgcnommciic» Vortrage folgte eine kurze Dis- knssion, an deren Schlus; folgende Resolution nngcnoimncn wurde: Die Versammlung erkennt an, das) die Lage der Arbeiter mir durch die gewerkschaftliche Organisation verbessert werden kann, und protestiert ganz entschieden gegen die im Reichstag vorliegende Zuchthansvorlage. Sie erkennt aber auch an, das; der beste Protest hiergegen der Anschluß an die Organisation des Dcntschcn Holzarbcitcr-VcrbmidcS ist. Sodann erstattete Schumann den Bericht über die Werkstätten. ES habe» sich leider nur 52 Werkstätten oder L8�/s Proz. an den llntcrsilchniigcn beteiligt. Der Vorsitzende ermahnt die Kollegen und Kölleginne», nun auch im Sinne der Resolution zn handeln und an dem Ausbau der Organisation mitzuarbeiten. Grosi-Lilkittpfcldo. Dil socialdmlokratische Ägltationsvercin hielt am Mittwoch eine Versammlung ab, in welcher Hopf über die „Entwicklung des Kapitalismus" einen beifällig anfgcnomincnen Bortrag hielt. Von einer Dismfsion wurde Abstand genommen. lieber die bevorstehenden Konimimallvahlen in Groß-Lichtcrfclde, Lankwitz und Zchlciidorf referierte Wenzel eingehend und wurde eiustiinmig die Wahlbeteiligung für Groß-Lichtcrfclde beschlösse»/ dagcgcil von einer solche» fnrLaiikwitz vorläufig Abstand genommen. Bezüglich der Gcmciiidcwahlcn in Zchlendorf wurde beschlossen, erst die dortigen Parteigcnossclsizn hören. Die Wahl der Kandidaten soll in einer' öffentlichen Kommnnalwählcr- Versammlung erfolgen. Ferner wurde dem Vorstande aufgegeben, die Errichtung einer VcrciiiSbibliothek ins Auge zu fassen.— lieber die dem Vorstande überwiesene Angelegenheit, die Aeußermtgen dcS PolizeikommissarS Mohr über den Vorsitzenden dcS Vereins betreffend, referierte der zweite Vorsitzende Hopf. Die Versammlung trat dem Vorstauds- bcschluß, daß von einer Erhebung der Privatklage ans Koste» dcS Vereins gegen Mohr abzusehen sc;, weil man kein Vertrauen zu unserer Rechtspflege habe, bei. Nachdem noch Wenzel die für den Vorstand maggebenden Gründe in längeren AuSführiliigcn er- läutert hatte, erfolgte Schluß der Versammlung, Maricndorf- Tcmpclhof. In dem Bericht der öffentlichen Vcrsanimlinig vom 22. Oktober er. ist irrtümlichcrlveise die Thätig- kcit der VertranenSleiite fortgclasicii worden. Für Tempclhof kommen folgende Zahlen in Betracht: Einnahme 331,10 M.. Ans- gäbe 318,73 M., Kassenbestand 62.33 M. An den Kreis abgeliefert 294,90 M., am Ort verbraucht 23,85 M. Für Maricndorf: Ein- nähme 273,30 M., AuSgabe 237,93 M., mithin Bestand 33,53 M. Ter Franc»- und Mädchcn-BildmigSvcrein RixdorfS hielt am 2. November im Apollo-Thcatcr seine Mitglieder-Versamnilung ab. Herr Dr. Fränkl hielt einen Vortrag über«Die Frau nach dem neuen Bürgerlichen Gesetzbuch". Dem sehr lehrreichen Vortrag schloß sich eine längere Diskussion an, in welcher von verschiedener Seite zum Ausdruck gebracht wurde, daß es notwendig sei, daß sich namentlich auch die Frauen recht eingehend von der neuen Rechts- läge unterrichten. Unter Verschiedenem wurde noch auf die Konsumgenossenschaft Bcrlin-Rixdorf aufmerksam gemacht. Rummcisbnrg. Hier tagte am 3. d. M. eine Parteiversamni- lnng, welche das geräumige Lokal„Bcllcvue" bis auf den letzten Platz stillte. Reichstags- Abgeordneter W n r m erörterte in einer zweistündige» Rede das Programm der socialdcniokratischcn Partei, ivostir ihm die Versammlung reichen Beifall spendete.— Sodami erstattete der Vertrauensmann Gebauer Bericht über seine Thätig- kcit im letzten Jahre. Danach betrugen die Einnahmen 712,32 M., die Ausgaben 674,70 M. Versammlungen fanden statt 7 am Orte und eine außerhalb, Flngblattvcrtcilnugcu drei am Orte und drei zur Landagitation. Die Landagitation hatte zur Folge, daß wir ans dem Lande in einem Ort mit der Gründung einer politi- scheu Organisation in nächster Zeit vorgehen können. Tann forderte Gebauer die Genossen auf, noch mehr wie bisher sich an der Agitation und Aufbringung von Geldern zu beteiligen. Die Rc- visorcn bestätigten die Abrechnung und wurde hierauf den; Vcr- traucnsmann Decharge erteilt. Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Vertrauensmann Gebauer: als Revisoren Juckcl, Günther, Tornow. Lokalkonmiission Bergcr, Pitz. Habcrmann. Genosse Ritter empfahl noch den Genossen, welche»och nicht Mitglied des Social- demokratischen Vereins sind, sich demselben anzuschließen, und schloß die Versammlung. Arbciter.Tüngerbund Berlins und der Umgegend. 1. Vorsitzender: Rich. Tdate, Schüncberg, Grunervaldsir. ÄS. Alle Aciidcruliacn n» Vereins- kalendcr sind zu richten an O. Jsaack, Strelitzerstr. 15, Hof II. Montag, abends 9— 11 Uhr, llebuugöslnnde und Aufnahiuc neuer Mitglieder.—„Zulinift II", Steglitz, Kaiserballen, Aibrechtstr, 139,—„Harniönie", Schulz, Höchstesir. 30- —„Tonblttte", Grolniisch. Oppclucrstraste 19.—„ Liedessrcibeit II", Strausberg. Magnus, Wilbeliusirastc.—'„Freba 13"(gcuiischtcr llhor), Rusch, Fichtestr. 19.—„Solidarität". Leonbardt, Benthstr. 16.—„Berliner Dainen- chor Harniouie", Rosin, Schöiiholzechw, 42.—„Vorwärts III", Lichtenberg- FricdrichSfcldc, Schulz, Priuzcu-Allee 6.—„Concordia", Henkel, Holluiann- straße 33.—„Alpenblume", Neu-Weihensce, Sturm, Lolbriltgenstr. 33. —„Rote Rose", Prüizen-Allee 44.—„Liedeslust III", Alt-6Kic»icke, Saß, Erituauerstr. 19».—„Vorwärts IX" Charlolteuburg, Bcicr, Wallstr. 94.— „Scnefeldcr I", Schiller, Roscntbalcrstr. 37.—„Ter Sattler", Conrad, Marsiliiisstr. 8, Ecke Vlankcnfcldcrstrahe.—„Eintracht HI", Nicdcr-Schönc- weide. Streiter, Granaucrstr. 5. Arbeiter-Rauchrrbuild Berlins und der lliiigegeiid. Aenderuugcn im VereiuStalelidrr sind zu r!cl>!eil an Eugen Raubte, Rirdors, Mablower- strastc 1, 4 Ttcvpeu.— Sonntag:„Wally". Schütte. BicinNhalerstr. 19 (varni. 19 Uhr).— 91!o»tag, nbds. von 9�11 Uhr: Klub Abend und Aus- nähme neuer Mitglieder:„Mrrilauer", H. Baatz. EvlheniuSsir. 3.— „AbgilS II", Schulz, Höchsiestr. 33.-„Freundschaft Vonvnrtö", Kartze, Dmickerslr. 2.—„Fldele Kolmiisuu" Kliuae, Kolvnlcstr. 137.— J8lauc Schleife", Dombliitzti, Görlitzcrstr. 32.—„Grüne Linde", Kascda, Dront- hcimerstr. la. � Olcsang-, Turn-»nd gesellige Vereine. Sountag. Tbcaiervercin „Crescendo", Linienstr. 73.— Dramatischer Klub„LiebeSglück", Crcmmcner- strage 1.— Verguygungsv.„Jngwelde", Schulz, Dnliclcrstr. 99.— Thcatcrv. „Vorwärts", Jonas, Gr. Fraiiksurterstr. 42.— Theaterv.„Schiller", Garbrics, Wildeuowslr. o.— Geselliger Klub„Neplllu", Nostsir. 3.— Thcatcrvcrenr „Amorclla", Britzcrstr. 19.- Pr.-Tbeatrr- U. Sp.-Vck.„Alpenrose", Weist. Fiivalidliislraste 149.— Verguiigmigsv.„Alemannia", Englischer Hos, Nene Noststr. 3.— Tbeaterv.„Snrmua", Bcnse, Frnchlstr. 93. Montag: Tbcaterv.„Wclsie Rose", Reicheiibergerstr. 19.— Vergnllgnngs v.„Bavüria", Schulz, Tinickrrstr. 99.— Ranch kl.„PoriorikS", Bülowsir. 49.— Gcsangv. „Männcrkiang", Pinzer, Schllyclisir. 18/19.— Slalll.„HarmloS", Burg, Wrnugclstr. 131. Lese- und TiSkiitierklubS.„Polnisch. DlSklitieril.„JaroSlaw Dom- bibwSlt) in Rirdörf", Prcstlcr, Zielhenstr. 99, tagt Icdcn Sonntag nach dem lS., llachin. 3 Uhr.— Montag i„Leopold Jakobip'.Zippte.Markusstr 14 (ENtgang Grüner Weg), jeden Montag nach deui l. u. 15. im ivtonat.— „Norsknnte", Franz Gleinert, Schulsw. 29. Arbeiter- Durnerbuns. Sonntag: Durnv.„Fichte", Lichtenberg, Asche, Weitzenscrer Weg; jeden Sonntag von 3 Uhr an vollsthümliches Turnen.— Montag: Turiw.„Fichte", Berlin, abends von 8—19 U�r, 7. Männer- Abt., Rcichcnbcrgcrstr. 131; 2. Tameu-Abt., Ackerstr. 67.; 7. LehrlinaS-Abt.. Wast'crthorstr. 31.„ Arbeiter- Schwiinmerbliild. Montag: Schwinunkl.„Vonvarts", Damcn-Abt., abends 7 Uhr, BolkSbadcanstalt, Schillingöbrückc.— Schwimm- klub„Nord", Tauien-Abt., abends? Uhr, Boltsbadeanstalt Moabit, Turm- straßc 83». Saiiiaritcr-KnrsilS für Arbeiter und Slrbciterinne». Montag. abends 9 Uhr, UebnngSsinnde in der Filiale Bnninenstr. 139: Vortrag des Herrit vr. mos. Wcol über: Verletzungen, Wundbehandlung und Bliltmllnrg. Nachher praktische Uebmigen. Aligeineine Fo»lilic»>Slcrbe/z Uhr: Fnhrmanil Henschel. Montag: Hcdda Gabler. Lefsing. Als ich wiederkam... An- fang 7-/, Uhr. Munlag: Im weihen Röhl. Verliner. Dl« Herren Söhne. An- fang 7>/z Uhr. Nachm. L'/z. Uhr: Götz von Berlichlngen. Montag: Faust.(1. Teil.) Schiller. Zwei glückliche Tage. Ansang 8 Uhr. Nachm. 3 Ubr: Romeo und Julia. Montag: Die Jungfrau von Orleans. Neues. Ein uiibeschrlevenes Blatt. Anfang 7>/, Ilhr. Nachm. 3 Uhr: Kilpito. Montag: Ei» unbeschriebenes Blatt Mellen.(Lii Tiaviata. Ansang 7'/, Uhr., Nachm.; Die lustigen Wclber von Windsor. Pwntag: Der Barvier von Sevilla. Thalia. Der Platzingjor. Ansang 'V- Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Nesldpnz. Jchchfreuden. Borher: Faunlieii-Soliper. Ans. 71/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Schlafwagen- Controlenr. Montag: Jagdsrendeit. Familien' «-ouper. Luisen. Molly Carr». Ansang 8 Uhr. Nachi». 3 Uhr: Die Karlsschüler. Montag: Graf Essex. Central. Die Geisha.> Aiifang ?'/- Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Zigeuner- baron. Montag: Die Geisha. Carl Weift. Der We.ltlmtergang. Anfang v/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich. Wilhclmstädtisches. Ein gesunder Junge. Anfang 6 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Wilhelm Tell. Montag: Ein gesunder Junge. Victoria. Die Chansonncite. Anfang 8 Uhr. Nachm.: Die weihe Henne. Montag: Die Chansöiinette. Bclle-AIiiance. Die Jvnrnalisten. Slnfang 7>/i Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Protzcnbauer von Tegernsee. Montag: Liserl vom Schlicrsce. Mctropol. Spcclalltäteii- Bor- stelllltig. Nund mn Berlin. An- sang 7>/- Uhr. Nachm. 3 Uhr: Spccialitäten-Vor stcliung. Montag: Rimd INN Berlin. Apollo. Frau Lima. Spccialitätcn- Vorstellung. Anfang ll/2 Uhr. Ncichshalieii. Stettiner Sänger. Ansang 7 Uhr. Palast. Susanne im Bade. Spcciali- täten-Vorslellinig. Ans. 8 Uhr. Passage< Paiiapiiknm. Spcciali- läien-Vorstelliiug. ilrani». Jnvalidenstr..37/62 Täglich abends vvn 3—19 Uhr: SIeniwarle. Taiibenslr. 418/4lS. Im Theater: Der Sieg des Menschen über die Natur. Slnfang 8 Uhr._ WllMheckr tWallner-Theiticr). Sonntag, nachmittags 3 Uhr: lkomo« i»n«I Julia. Trauersp. in 5 Anfz. v. W.Shakespeare. Sonntag, abends 8 Uhr: Xtrei elilcklicho Tage. Schwank in 4 Akten von Franz von Schönthan und Gnst. Kadelbnrg. Montag, abends 8 Uhr: vi« Jirnffft-an von Orlean». Dienstag, abeudö.8 Uhr: IM« Jnnefra« von Orleans. Ernkvnl Dlientev Dtreklion: Jots Feranezy. Nachm. 3 Uhr zu halben Preisen: Der Ziaeuuerbaron. Operette in 3 Akten von I. Strauft. Abend-?'/, ilhr: Dtv G vis litt. Operette in 3 Akten v. Gidneu Jones. Morgen u. folg. Tage: Die Geisha. SsrlHV«llKs-Ikestei' Gr. Nrantfiirtcrstrafte i:t». Nachm. 23/4 Uhr: Freie Volksbühne. Winterschlaf. Abends 7-/, Uhr: Der Meltuntergang. Grobes AuSstattnnnSstiick mit Gesang In 3 Akten(13 Bildern) von Dir. Carl Weib»nd Jos: Dill. Musik von M. Fall. Volksbühne, ��«uffübr.: Frau Inger auf Don H. Ibsen. Mittw. u. folg. Tage: Der Welt- Untergang. Kütroiiol-Tlieathi'. Bohrenstr. 55/87. Direktion: Jlichnrd Schulz. Unstreitig daS beste iind amiisanteste November- Programm Berlins. Liebreiz, Schelmerei, Kunst und Grazie vercinigen sich in Madeiu. Miette der reizende» Pariser Strabensängerin. Feuer, Temperament, Leidenschaft in Cannen Roecas der besten spanischen Tänzerin. Humor, Eleganz, Schncidigscit in Keorx Kaiser dem besten Berliner Salonhumorlsten. Gewandtheit, Kunstfertigkeit, Fröhlich- keit in der Familie Klein den kleinsten und besten Radfahrer» der Weit. Pracht, Schönheit, Rasse in de» Tart&koflfs den besten ruffifdien Nationalsängern und Tänzern. Uuverwegenheit. Kühnheit, Sicherheit i» dem Zalva Trio den Meistern des Drahtseils. Drolligkeit, Niedlichkeit, Folgsauüelt in vsdsns'ts dressierten Miniaturhundc». Chic, Pikanterie, Eleaanz in Msnx ffloif der reizenden deutschen Soubrette. Um 9 Uhr 30 Minuten der Schlager der Saison: Das lustigste k witzigste! amiisantestc'. bunteste! was Berlin gegenwärtig bietet! Rulid um Berlin! Berliner Revue in 2 Alten. Ansang: Wochentags 3 Uhr, anSonn- unb Festtagen 7»/, Uhr. Borverkälff: Jlivalidendailt und Künsilerdanl. Telephon Amt I 2126. Jeden Sonniagnachmittag 3 Uhr: Promenaden-Speeialitäten- vor- stellnng. Unsnis TmiliQustrass« 48/1!). Im Theater abends 8 Ilirr: „Transvaal." Vorher: Öcr dnnklc Erdteil. Montag im Theater dasselbe.. Hörsaal: G. Witt: rSpcktial- Analyse der Gestirne." vS Itivalidcnslr. li7/sel. Picao, Brilton. Ttcidl, Krone, K i r ch m n h e r, Schneider und Schräder). Heute zum Schlnb: SUiches Pflngstfahrt. Burleske von Meysel. Anfang Sonntags 7 Uhr. TageS- taste 1t— 1. Emree 39 Pf., Nmn. Balkon 73 Pf., Balkonloge 1 M., Orchesterloge 1,39 M., Fremden- löge 2 M. Die BilletS zu den nmn. Sitzen sind stets 8 Tage lang vorher rfii haben. Sanssouci Kottbnscrstr. 4 a. Täglich auber SoiniabendZ »ossMSNllS«Ll'lt- lieulsehe Sin�r. Ansaiig wochentags 8 Uhr. GonntagS«>/, Uhr. Donnerstag und Sonntag nach der Soiree: Dann. Hoffmann mit'n Leier- kästen. American-Tlieater. DreSdeneistr. 86. Dir.: Emil Schnabk. Croßer Erfolg! Lerlin ulkt!! Artistische Revue von O. Klein. � Und se»slltis«t?ts SvttlMttll- Progrouli». 12 erstklnssille vehuls. Anfang l/,8 Uhr. Kasseneröffn. 6 Uhr.' Vorverkauf 19—2 Uhr. Kriegers Festsäle Wasserthorstrafte vtj r« empstchlt seine Säle für Privatfestkich- keiten, Kränzchen Vereinen und zu Bersammlnngen.— Jeden Sonntag,- Dienstag».Donnerstag: Gr. Ball. W. Hoacks Theater, BruiiiienflMe 16. Der Mkithklitzer Schauspiel in 5 Akten v. Erich Uiicck. Jeden Gonntli,;. Dienstag und Tuiiiicrstag nach der Vvrsiellung: Tanzkränzche». Montag: Der HüttciibesiUer. ■ Ctrcüs Heute, Sonntag, 2 gr. aukerordentl Vorstellungen, nachni. 4 Ustr u. abends ?>/- Uhr. In beiden Vorstellungen gleich reichst. Progr. U. a.; Aus clor blauen Grotte auf der Insel Capri. Gr. Ballettdiv., Prachttost, Lll Danieu Gooä ftlgbt, das Original-Bettpserd. Gonversano, das Pferd int Korbe. Grand fontalne hlppiquo. Pferde als Akrobaten.„Scdusterdud", Schul- pferd, höchst originell. Sänitl. Orig.- Dressuren deS Direkt. Alb. Schumann. Mist Ella, Taubenköuigin. Sullivan Rappo u. Reade. Clown Armaudo. Bicyclisten-Affen. Gefchw. Hodgtni, Doppeljongl. The 7 Eugens- AKod. Parforce-Hirschjagd mit ertra dazu dress. Edelhirschen. Bicycle. Polo. Team jc. Nachm.: Ein Kind frei aus allen Plätzen. Jedes weitere Kind bis zu 12 Jahren halbe Preise(auher Galerie), abends jedoch volle Preise. Cfrltns Bnsch. Heute Sonntag, 12. November: Zwei grobe Vorstellungen. Nachm. 4 Uhr und abends 7l/z Uhr. Nachm. 4 Uhr hat jeder Erwachsene ein Kind unter 10 Jahren srei, wettere Kinder uilter 10 Jahren zahlen aus allen Plätzen mit Ausnahme der Galerie halbe Preise, abendS jedoch volle Preise. Nachm. 4 Uhr: Olymp. Spiele aus der Zeit des Kaisers Nero. Schwimmende u. tauchende Elefanten. Die Nitter-Tourniere des Mittelalters. ?jn beiden Vorstellungen: Auftr. der vorzügl. Reittiinstter und Reitkünstle- rinnen. Zluftr. des grobart. Clowns Misko mit singendem Pony und ball- spielender Dogge. Die außergewöhnl. Dressuren deS Dir. Busch.— Abeuds 7 V, Uhr: Zum 3. Male: Die Camqrra. Moabiter CmejjM Kirch-Strasze 27. LSSIL-f- Empfehle meinen Saal zu'Ver- sautnilmigen und Festlichkeiten. Totensonntag frei. Jeden Sonntag Vall. Entree srei. R. Hnbe. Meine neueröffnete Ncstanratiou besuldet sich 77vb < Friedrichsfelde am Bahnhof I-lodtenbörw, Wilhetmftr. 84. OesiD.(Der lange Franke.) Ih'snea Wrangclstrasse 10/11. Jeden Sonntag: s241SL*j Lnossen Lsll. Ans. 4 Uhr. Siehe Anschlagsäulen. I Empfehle mein Lokal zu Fest- j lichkettcn uud Versammlungen. Großes Schlachtfest. Frische Blut- und Leberwurst am Busitag bei Senft- lebon, Johannisthal. 7856 MT" Vereinen und Herrenpartien bestens empfohlen. ICöslinei* Hof KUsIlncrstr. 8. Empfehle meine Säle an Dereine. Soiiuabends u. SvinitägS. s3048L. Gesellschaftshaus Swilteniiinderstr. 42. Säle 150—800 Personen fassend zu Versammlunge» und Festlichkeiten zu vergeben. WObnei'.[24168 Ailltiülg! Vereine. Zonnabelid 13., 27. Januar. M- Saal frei!"TSBQ 3Ü10S*) Alexandersir. 27c, Eiitrllschet1 Garten. Reftanrant ..Kur Börse" Oranlensti'. 184. ■ Vw Lagerbier für 10 Pfennig. Ausschank von Hilscbcina Edclbriiu und Veraanilbier. Unentgeltliche Vermlttelung fUr astaurationsvetkäufa aller Art. RQ278*_ A. Voigt. Saal empfehle den Parlctgcnossen für Versammlungen, Gesellschaften und Vereine. A. Mnsckow, Krautstr. 6. S068 Telephon VII, 3555. H. Grupss Tanz-Institut, Anncnstr.lß(früher Klubhaus). SonntagS-Kursus per Monat 3 M., Dienötagabend-Kursus p. Monat 4M. Säle und Vereiuszimmer für Ver- sammlnngcn u. Festlichkeiten.[2g72L» Jims Clubbaus, 72, Kominandantcnstr. 72, Sind noch einige Sonntage zu vergeben._ 5026 imlenbrinks Fcstsuie, Franksurterstrasse 58. Empfehle meinen Saal mit Theater- Bühne für 250 Personen zu allen Festlichkeiten und Versammlungen, sowie grobe und kleine Bereinszimmen Auch sind noch Sonnabende ru ver- geben. Jeden Mittwoch und Sonn- tag Tanzimterricht, nachdem Ge- sellschastsstunde. 27558* Pl'lict I lOP Alte Jakob- Llllbl LlCl, strabe'Nr. IIS. Fenisprecher Amt 4a. 6860. Empfehle meine Restauration und Bierverlag, sowie drei Vereiuszimmer, 20— 60 Personen, für Vereine und Zahlstellen geeignet. 27478* Sensationell. 27508* Sensationell. Sobncks Festsäle, Schönhauser Allee 101. .eröffnet mit glanzvoller Ausstattung. Vereinszimmer und Kegelbahn sind noch für einige Tage zu vergeben. Jedtil Eoiliitag großer Ball. .Jeden Mittwoch gr. Tanzunterricht. Haltestelle der Straseenbahnen. Johannisthal! BB Park-Reslaurant! Jeden Sonntag: Gr. Ball. Tanz-Abonnement 60 Pf. Die Kaffeekitche ist geöffnet. >V,ve. Illlse Itaü, früher Skalitzerstr.>26. l- llrk-llrsi»ieiills»e der Schneider, vem. Gmerlie zu Berlin. Die Vertreter der Orts-Krankenkasse der Schneider, Schneiderinnen und verwandter Gewerbe zu Berlin werden zu der aiu Dienstag, 21. Novbr. abendS 8 Uhr, im Neuen iftltib haus. Kolniiiaudankenstr. 72, stattfindend eu 757b ordentliche« General-BersamMlnug hierdurch eingeladen. Tagesordnung: In getrennter Wahl-WersammlUug: Nemvahl von 3 Vorstandsmitgliedern und 1 Stellvertreter derselben aus den Reihen der Arbeitgeber sür das Jahr 1900 und 1901. Der Wahlakt beginnt um 8 Uhr und werden von da ah die Thüren geschloffen. Um 8>/z Uhr in getrennter Wahl- Versammlung: Neuwahl von 6 Vor- standsmttgliedern und 2 Stellvertretern für das Jahr 1900 und 1901, und 2 Stellvertretern sür dag Jahr 1900 aus den Reihen der Kassenmitglieder. Der Wahlakt beginnt um sv- Uhr und werden von da ab die Thüren geschlossen. . Uur 9 Uhr: Gemeinschaftliche General-Versammlung» Tagesordnung: 1. Bericht d.Nachprüsuiigs-Kommifstoil behufs des Jahresberichts pro 1898 und Erteilung der Decharge. 2. Wahl eines Ausschusses von 6 Mit- gliedern zur Vorprüfung der Jahres- rechnung(2 Arbeitgeber u. 4 Kassen- Mitglieder). 3. Bericht der Fünfer-Kommtsston in Sachen des Rendanten. 4. Vorlage des Kontrakts behufs Ein- führung der freien Arztwahl. 5. Gesuch der Beamten behufs Er- höhung des Gehalts. 6. Festsetzung der Entschädigung für Ueberschreibung der Bücher. 7. Abäiideriing des Statuts. § 56, Absatz 4 zu streichen, dafür zu setzen: Abnahme der Jahresrechnung, welche den Delegierten gedruckt vorher zuzustellen ist und die Bestellung eines aus 6 Mitgliedern bestehenden AuS- fchusses zur Vorprüfung derselben. ß 57. Den letzten Satz zu streichen, dafür zu setzen: Welcher vom Vorstände vorbehaltlich einer destnitiven Genehmigung der Generalversamm- lung mit einer dreimonatlichen Kündi- gung angestellt wird und nicht Mit- glied der Kasse zu sein braucht. Die von demselben zu stellende Kaution, sowie Festsetzung des Gehalts wird vorläufig vom Borstande, defimtiv jedoch von der Generalvetsammlung festgesetzt. Bertreterkarte pro 1899 legitimiert. H. Wegener, Vorsitzender. H. Möbius, Schriftführer. Vvrd. aller i, d. Kürschnerei besch. Arb. u. Arbeiterinnen Berlins n. üuig. Ütontog, den 13. Kovernhcr abends SV, Uhr Im Rest. Feind. Welnstr. 11 Ritglieder-Sllsmmliiiigs Tagesordnung: 1. Bvrtr. d. Gen. Kotzke über Unter nehmer-Kartelle, Trusts u. Syndtlate. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom II. Quartal 4. Jahrg. 4. Berschledenes. Um zahlt. U. pllnktl. Ersch. ersucht 93/16 Der Vorstand Ordentliche GtliNlil-Vfrsaiiiiiilmig der Orts-Rranleenleasse der Hutmncher, Hiitfouriiituren und Filzware»- Verfertiger zu Berlin am Sonntag, den 10. November 1800. vormittags 10 Uhr. im Restaurant des Herrn Feind, Wein straffe II, wozu die Delegierten hier- mit eingeladen werden. Tagesordnung: ft> In getrennter Versammlung: 1. Ersatzwahl eines Borstandsmit- gitedes der Arbeitgeber. d) In gemeinschaftllcher BersantM- lung: 2. Wahl der Revisoren zur Prüfun der Rechninigen pro 1899(§ i' Absatz 1 des Statuts). Antrag des Vorstandes auf Al Snderüng des ß 12, Ziffer 2 deS Statuts.(Erweiterung der Kranken- Unterstützung von 13 auf 26 Wochen.) 4. Antrag des Vorstandes auf Ein führung der freien Arztwahl. 5. Verschiedenes. 763b Eintritt nur gegen Vor- zeigung der Postkarte gestattet. Der Vorstand." (gez.) Karl Kü m m e r t, Vorsitzender, Pankow, Florastr. 48. 3. MffE Ü&S YtVO; Yereinsbrauerei-Äusscbank Rixdorf Herrlicher Garten und grosse Säle Mittwochs und Sonntags Gr. Frel-Konzart._____________ m n Vorzügliche Küche, Wurstpavillon, **............. Schieffstand, Kegelbahnen u llHy.VllI'* sonstige diverse Belustigungen. Kasfeekiiche von 2 Uhr ab geöffnet.'VA 2417L*j Pferdebahn vom Moritzplatz für 10 Pf. bis zur Brauere II. Mörschel, Y,®ie,iusI,»»s ~ Jüdenstrasso So,'36. Telephon: Amt IV 8023. Empfehle meinen groben frühstücke-, Mittags- u. Abendtisch. Echt Msinchener, Helles Lagerbier, ff. Weisse ze. Franz. Billard. Vereinszimmer, 40-80 Pers. fassend, noch eulige Tage frei. Jed. Montag: tr. Glut-u.I.ederw»rst, gr.WelUlelschessen. Max Kliem3 29248* Hasenheide S3, 14,15. Zur Mitteilung, baff ich meinen neuen Festsaal, Hasenheide 13, circa 1500 Personen fassend, am 1. Weihnachtsfeiertag eröffne. Stelle den- geehrten Vereinen, Gesellschastcn ze. zu Festlichkeiten zur Ver- ......'"' übrigen Festsäle zu Versammlungen selben den I fügung. Gleichzeitig empfehle meine und Feftlichleiteil jeder Art. Der Totensonntag sind noch zu vergeben._ sowie einige Sonnabende Max liliom. Gustav Schmidt �ieNLtl'. 61a, Gorm�nftrassel «smmsmo auaai«« Rosenthaler- u. Schönhauserstraffe, empstehlt Freunden und Bekannten feine Restauration. Reichhaltigen Früh- stücksttsch, Schnltheiff-Vcrsand, Pilsener, ff. Wetffbier. Tel.-Amt III. Ho. 2419. Seil Z Luna-Pracht-Säle Neu I neu 100- Empsehle den geehrten Vereinen und Gesellschaften meine renovierten 831« und Verclnsalmmer auch mit Bühne sür -500 Personen unter de» eoulantesten Bedingungen.[27918* Oristav Ooldgrübe, stra�?"�' NB. Die Eröffnung findet Tonnabend, den 18. November, statt. Oranmanns Festsäle, friher Renz, LdKUniznlkva�e S7. i Bäle, 900 Personen fassend(auch mit Bühne), z -rsammlungen. Einige Sonnabende sind noch frei für ü [25048* zu allen Vereint- Empfehle meine Sake, Festlichkeiten u. Versannnlungen..____ Jede» Sonntag und Donnerstag: Grosser Ball, Alle übrigen Tage steht weil» Lokal zu Versammlungen zur Verfügung. Der Toten-Sonntag ist frei geworden! Orts-Krankenkasse der Schuhmacher zu Berlin. Dienstag, de» 14. Nov. er. finden im E n g l t s ch e n G a r t e ii Aleranderstr. 27o, folgende Ver» sammlnngcn statt: 1. Abends 7'/- Uhr: General verfaniinlung der Arbeitgeber, welche Kaffcnmitglieder beschäftigen und Beiträge ans eigenen Mitteln leisten. Tagesordnung: Ergänzungs wähl von 9 Vertretern pro 1899/1900. 2. Abends 8 Uhr: General- versaninilung d.Kafienuiitglieder. welch« groffjährig sind und die bürger- lichen Ehrenrechte besitzen.(Mitglieds- buch legitimiert.) Tagesordnung: Ergänziingswahl von 4t> Vertretern pro 1899/1900. 3. Abends 8t/, Uhr: General. versanimlnug der Bertretor der Arbeitgeber.(Bertreterkarte legt timiert.) Tagesordnung: 1. Wahl eines Mitgliedes zum Ausschub zur Vorprüfung der Jahresrechnung pro 1899. 2. Wahl von 2 Vorstandsmitgliedern pro 1900/1901. 3. Event. Wahl von 2 Vorstandsmttgliedern pro 1900. 4. AbendS 9 Uhr: General- Versammlung der Vertreter der Safsenmitglieber.(Bertreterkarte legitimiert.) Tagesordnung: 1. Wahl von 2 Mitgliedern zum Ausschnff zur Vorprüfung der Jahresrechnung pro 1899. 2. Wahl von 4 Vorstands- Mitgliedern pro 1900/1901. 5. Abends 9'/, Uhr: General versamniluiig der Vertreter der Arveitaeber u. Kassenmitglieder Tagesordnung: 1. Antrag auf Er- höhung der Beamtengchäller. 3. Jßtt schlug über Anstellung von Kassen- ärZten. 3, Verschiedenes.' . längs, Vorsitzender, Dragonerstr. 15. Das Kaffenlokal befindet sich Königs- grade» 8. 7916 Orts- Krankenkasse der KorbmacbBr. Montag, den 20. Vovbr. abends 8'/, Uhr In den„Arminhallen" Kommnndanienstraffc 20 Ordentt.Generalversammlung Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. Wahl von 4 Vorstandsmitgliedern (2 Arbeitgeber, 2 Arbeitnehmer). 3. Wahl einer Kommisston zur Prüfung der Rechnungen pro 1899, 4. Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Er- ■chclnen erwartet 270/7 Der Vorstand. I. St.: Karl Schw-dle�' LrtökmkeMe der Weber und verwandter Gewerbe. Die Herren Delegierten, Arbeitgeber und Mitglieder werden hierdurch zur einer ordentlichen GBueral-Versaininluiig auf Sonntag, den 10. November, vormittags 10 Uhr, in Wolfis Lokal (früher Thiel), Frnchtftr. 30» er- gebenst eingeladen. Tages-Ordnung: a) In getrennter Versammlung: ErgänznngSwahl des Vorstandes von den Arbeitgebern nach KS 37 und 38 deS Statuts für 1900/1. d) In getrennter Versammlung: 1. Ergänzungswahl deS Bor- stau des von den Miigliedern nach§§ 37 und 38 des Statuts für 1900/1. 2. Ergänziingswahl des Vorstandes von den Mitgliedern nach K 39 des Statuts für 1900. c) In gemeinschaftlicher Bersamm lung: 1. Wahl von 3 Revisoren zur Vorprüfung der Jahres- rechnung pro 1899. 2. Verschiedenes. 772b Berlin, 12. November 1399. vor Vorstand. l.silssmsler, Vors., G. Berndt, Sdiriftf. Wrangelstr. 6._ Höchstestr. 5. Orts-Krankenkasse d.Mechnmker, OMer »nd verwandte» Gewerbe. Dlcnstas, den 21. Xovhr. abends präcise S1/, Uhr in den„Arminhallen" Kommandantenstr. 20 LrbellttZtllel'alvtMMmlililg shmtUchcr Vertreter. Tagesordnung: In getrennter Wahlversammlnng. 1. Für die Vertreter der Arbeitgeber: Wahl von 1 Mitglied zum Vorstand. 2. Für die Vertreter der Arbeitnehmer: Wahl von 3 Mitgliedern z. Vorstand. In genieinschaftl. Versammlung. 1. Wahl des Ausschusses zur Prüfung der Jahresrechnung pro 1889. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Antrag auf anderweitige Festsetzung von 2 Beamtengehältern. 4. Verschiedenes. Berlin, II. Nov. 1899. 270/6 Her Vorstand. freie llolksbülme. II. Abteilung: Ostend-Theater SV« Uhr: Heule nachmittag; WinleB*scltlaf. WlntcrfCBt 18. November in Kellers Festsälen. Des Pro. gramm besteht aus einem Künstler-Solistenkonzert und Kecita.» tioasvortiägen aus modernen Lyrikern. —„...„.1 Frl. H. Kaufmann. Gcsangsvorträget} Herr Ei 88rvator. Streichquartett: Herren Gebrüder Borisch. Pianistin: Frl. Ida Mtllter. Kccltator: Herr Laurenoe. Zum Vortrag gelangen"Werke folgender(Tondlcliter! Haydn, Beothoven. Scltuliert, Bruclnnaun, Claudius, MendelsolüivHändl, Schumann; Lyril:er: Gdttff. Keller. Arno Holz, Richard Dehme!, Julius Hart, Ada Negri, Otto Erich Hartleben,. Clara Müller, Detlef v. Liljonkron, Otto Julius Bierbaum. ■Naeh dem Konzert Tanz. Nur für Mitglieder. Fest* marken in allen Zahlstellen a 50 Pf. bitten wir rechtzeitig zu ont< nehmen. 231/16 Der Vorstand. X. A.: C. Wlnkler. Kranken-ünterstötzumjs- m\ Begräbnis-Verein °°°'. für Frauen unä Mädchen, 1892. Heute im Lnisenstiidtifche» Konzerthans» Alte Jakobstr. 37» ÄbeO-Ülltel'hMllltg. VkAvatvI'. Hierzu ladet ein DaS Komitee, i. A.: Gcrlach, Van«. dalbertstr. 23, HI. Koppeustrasse LS. Sonntag, den 12. November: IM" Grosse Kolre« sowie Steinmek-SK».qer 30478» «1er Grosses' Konzert. Zwei Kapellen. Dirigcut k. Uetz. Nachdem: Gr. Ball. Goals Keller. J olta imistlisiil er V olki�g, arten Johannisthal, KUpnlcker- n. Fricdrlchstrassen-Eclce. Empfehle meinen neucrbautcn Saal. Jeden Sonntag: Tanz. Kasfeeküchr und Ausspannung. 30358* Aug.»ienf tlehen. BildllWsvereill„Mehr Licht!" Heute Sonntag, den IL. November 1809, abends l/z8 Uhr, im„Englischen Garten", Alexanderstrasse S7o: Met* Sammlung Vortrag des Neichstags-Abgeorduetcn Max; Scbippel über: DaS britische Kolonialreich. 120/19 Nachher: Tauz."TSSQ KP" Gäste willkommen. Nächsten Sonntag in demselben Lokal: Viertes iStiftnugsfest.> Ichtunö! Zimmerer! Ächtung! Central-Kranken- u.Sterbckasse der Zimmerer (Gert liehe Ver«v»ltuug Berlin). Mittwoch, 15. November, abends SVs Uhr. in den„Armiuhallen". Kommandantensir. Lv: 259/11 Wkikgliedor'-VevkÄMnrlung'WV Tagesordnung: 1. Abrechnung vom HI. Quartal 1899. 2. Innere Kaffeiiaugelegeuheiten.— Mitgliedsbuch legitimiert. Der Borstand. Donnerstag, den in den Amulnhalien, Orts-KrlUlkenkasse für d. Tapezierer-Gemerde zu Berlin. KS. November er., abends 8V, TIhr, u, Kommandantenstr. 20: General- Versammlung.'HW Tages- Ordnung: Ii RechnnngSbericht. 2. Bekanntmachung der Be- schlüsse des Vorstandes. 3. Wahl von 6 Vorstandsmitgliedern(4 Kassen- Mitglieder, 2 Arbeitgeber). 4. Wahl des Ausschnsses zur Prüfung der JahrcS-Rechiiung. 5. Beschlnßsassnng über die Anstellung eines Bureau- Hilfsarbeiters und Krankeu-Controlcurs. 6. Verschiedenes. 178/12 Der wichtigen Tages-Ordnung wegen ist das Erscheinen dringend er- forderlich.- W. Oest, 1. Vorsitzender, Charlottenburg, Kaiser Friedrichsir. 53. 0rt8'Ki'lmkeiite8e der Stellmacher. Sonntag, den 19, November 1899, vormittags 10 Nhr, im Rvsenth. Hof, Rosenthakerstr. 11/12: Dr»lentllelle venersiversnuiniiung. TageS-Ordn ung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Ersatz- wähl emeS BorftaiidömitaiiedeS(Ar- beitnchmer). 3. Wahl eiitcä Revisors für das Jahr 1899. 4. Verschiedenes. Da m dieser Versammlung s(hr wichtige Frage» in betreff unserer Kasse in Betracht kommen, ist daS Erscheinen sämtlicher Mitglieder notwendig. 794b)- Der Vorstand- ls»M.MchIi»»g. Am Donnerstag den 9. d. Mts, MB vischen » 3-4 ___.....„ Uhr, ist zwis Station Charlvttenbnrg bis Börse der Stadtbahn tn einem Abteil III. Klasse ein kleines Paket O-uittnugskarteu verloren gegangen. Der Finder wird ersucht, gegen obige Belohnung d. Karten im Bureau des �Unterzeichneten abzuliefern. Rani Dielltz, gerichtlicher Konkursverwalter, Burgstr. ib. 782b liefere elegante Mir 30 und Paletots nach Mab, hochfeine Aus- ühruug, tadelloser Sitz garantiert. J. Weyer, Rosenthalerftr. 6/7. Fernspr. Amt III. 8524. HÄrial iitt Zimmerer. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unsere regelmäßige Versammlung häute, Sonntag, den 12. d. M., ausfällt. Ferner werden die Kameraden daran erinnert, daß jedes Verbandsmitglied verpflichtet ist, seine alte Klebekarte bis zum 15. November zur Kontrolle vorzulegen und die neue in Empfang zu nehmen. Der Schlußstcmpel ist am Kopf der neuen Karte zu finden. Wir ersuchen die Kameraden, bei der gegenseifigen Kon- trolle auf den Arbeitsstellen obiges zu beachten. 255/10 Die Verhaudsieltuug. I. A.: H. Knüpfer. Helmmttmachnng! Euibsehle den Bereineu und Gesellschaften meine neu renovierten vergröfterten Säle und Vereinöziiittiicr für SU-Z00 Personen. unter den eoulantesten Bedingungr». 30138* M«x Xe�«e�, Nsnlenllelstr. ö. ND. Jeden Sonntag: Grosses Familtcn-Krllnjcheu._ Gesnvdljeit ist Peichtnm! Wampt- nnü Slelssluft-ISilcler wirksamstes, erfolgreichstes und billigstes Mittel gegen ürlKLiltuo?. vlolrv nvÄ RtioiiMKUswus. Lieferung an sämti fisssllslii'i 12« Gr.rranhfdrterstr.ia« e. SOOL-, IKUIE-, 8CHWfFa> \FIOHIENNAWt- che Krankenkassen. 24231,* Ritter- Bad 18. Ritter-Strassp 18. Speol alltut: Russ. bezw. Dampfkasten-, Riim. bezw. Heisslnft-, Lohtannin-, Sool- und Schwefelbäder täglich für Dame» und Herren. 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Iii. Wahlkreis. Donnerstag, den 16. November 1899, abends 8V- Uhr. bei Möhring, Admiralstr. 18«: ■Deusmiimhimi der Parteigenosse» d. III. Wahlkreises. Tagesordnung: 1. Berichterstattung von der Konferenz für die Provinz Brandenburg sowie vom Parteitag in Hannover. 2. Diskusston. 214/17 Um zahlreiches Erscheinen ersucht ve« TertFanensmann. Sonaldelnokratischer Wahiverein für deu L Derl.Rejchstagg-Mah!kreis(Osten) Dienstag, den 14. November, abends 8 Uhr, bei LFtta«F, .> Grohe Frankfnrterstr. 117: General-Versammlung."HWj Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Neuwahl des Vorstandes. 3. Wahl der Revisoren. 4. Dortrag. B. Diskussion. 6. Verschiedenes. 243/16, Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Toratanil. . Sotiaidemokraiischer Verein für den 5. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Freitag, 17. November, abends 8'/- Uhr, im Nestaur.„Äönigssäle", Neue Köiiigstr. 36: � Versaminluiig."lüg Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten l>r. curt preuäondorg über: Die -Prostitution als sociale Erscheinung und als Gefahr für die Volksgesundheit. 2. Diskusston. 3. Vcreinsangelegeuheiten.- Zahlreichen Besuch erwartet 245/16 Der Torstaml. Sotialdenwkratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags-Wahlkreis. CJeneral- Versa mmiimg am Dienstag, 14. November, abends 83/j Uhr, im Kolberger Salon, Kolbergerstr. 33. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Kassenbericht und Bericht der Revisoren. S. Wahl des Vorstandes. 4. Anträge. 5. Stellnngnahine zum Stiftungsfest. Mitgliedsbuch legitimiert. 248/7* Der Vorstand. Der gemeinsame Ansslng nach der Sternwarte Treptow findet Sonnabend, den 18. November, abends 8 Uhr, statt. BilletS sind bei Tausche!, Wiesenstrnße 29, zu haben. D. O. Verdand der an Rolzbearbeitungs-Maschinen defchiiftigten Arkeiter Berlins und der|lmg. Montag, den 13. November, abends S1� Uhr, im„Englischen Garten", Alexandcr-Ttraßc 27 c: Mitglieder-Bersammluna >'- T a g.e S- O r d N U n g:... 1. Vortrag des Herrn Dr. W o l l h e i nr über„Die Lust, die wir atmen«. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Beitragssammlers für Moabit. 4. Die Notwendigkeit einer Werkstatt-Kontrollkommission event. Wahl der- selben, ö. Gewerkschaftliches. 82/12 Der Vorstand. (E. G.� m. b. H.) Montag, den SO. November, abends 8'/» Uhr, bei Lauckncr, Bergstraße 151/152 in Rixdorf: Geueral- Versammlung Tages-Ordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Kasienbsricht und Erteilung der Decharge. 3. Wahl von drei Mitgliedern zum Aufstchtsrat(§ 18 des Statuts). 4. Wahl dreier Ersatzmänner zum Aufsichtsrat.- b./ Festsetzung der Dividende. 6. Festsetzung der Entschädigung-für- den Vorstand und Aussichtörat. 7.-Wahl eines Mit- gliedes zur Prüfung der abgelieferten Marken. 8. Antrag S ch m i d t auf Aendemng der§K 14 und. 26 des Statuts. 9. Antrag Schmidt auf anderweitige Festsetzung der Geschäftszeit in den Verkaufsstellen. 10. An- .träge aus den Reihen der Mitglieder(§ 13 Abs. 2 des Statuts). 11. Be- sprechung und eventl. Aenderung des ß 8 des Statuts. AMT* Mitgliedsbuch legitimiert. 270/8 Der Vorstand: Wtlh. Jäger. Wilhelm Conrad. Deutscher Holzarbeiter-Verband. DM" Moabit.-WS Sonntag, den 13. November, vormittags 101/, Uhr. im Lokal des Herrn Vlseder, Bensselstrahe Nr. 9: Bezirks- Versammlung bes Deutsche» Holjarbeiter-Verbllilbes, zahlsteile Berlin. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Robort Ahrena über:„Zwangsinnung und Krankenkasie. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Sonntag, den 13. November, vormittags 16 Uhr, im Lokale des Herrn Sei, liier, Rosenthalerstr. 37: vrauedell- Versammlung der Kürsten- und Pinselmacher. Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Arbeitszeit und Arbeitslohn". 2. Diskussion. 3. Ver- bandsangelegenheiten und Verschiedenes. 278/4 Kollegen! Es ist notwendig, daß Ihr alle in dieser Versammlung pünktlich erscheint und in den Werkstellen für dieselbe agitiert. Anfragen unsere Branche betreffend, sind an 8. Riegel, Ackersir. 10 pt. zu richte», Jnnungsangelegenheiten an Rranr Bauer, Swineinllnderstr. 49 pt Montag, den 13. November, abends 8'/« Uhr: Bezirks- Versammlungen. Wedding und Gesundbrunnen: im Lokale deS Herrn Raaire(Kolberger Salon), Kolbergerstr. 33. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Unfallversicherung und die Arbeiter." Referent: Kollege Rudolph Mlllarg. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Beitragssammlers und Schriftführers. 4. Verbands- und Wcrkstattangelegenheitcn. 5. Er- gänzungswahlen zur Kommission. Zur Benachrichtigung! Der Obmann W i e g n e r wohnt Bernauer straße 99. Rosenthaler und Schonhanser Vorstadt: bei HVernan. Schmedterstr. 33. Tages-Ordnung: Vortrag des Genoffen»lotrnor über:„Das Handwerk muß gehoben werden, kann es gehoben werden?" Diskussion. Wahl von Werkstatt Kontroll-Kommissionsmitgliedeni. Verbandsangelegenheit. Verschiedenes. Osttn und Rordosttn: � �-»»n, �0»�»««�. 3. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Rodert Schmidt über:„ZwangSinnunacn." 2. Diskusston. 3. Wahl von Mitgliedern zur Werkstatt-Kontrollkommission. 4. Verbandsangelegenheit und Verschiedenes. Der Obmann für den Osten, Kollege Paul, wohnt FricdrichSbcrgcr- straße 5, Seitcnfl. 2 Tr. Süden und Südosten: Tages-Ordnung: 1. Dortrag des Genossen i)r. Rathowskl über:„Stoffwechsel und Er- nährung." 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Nichtmitgliedcr und Frauen haben als Gäste freien Zutritt. Da die Versamnilnng um 3Vz Uhr pünklich eröffnet wird, werden die Kollegen ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Westen n. Südwesten: beieiossmann, Krenzbergstr. 48. Mittwoch, de» 15. November, abends S1/4 Uhr, im Lokale der Brauerei vo» Habel, Bergmamtstraße 5 7. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen A. C. Täterow über:„Die Bedeutung der Arbcitcrbewegnng für die sociale: und politische Entwicklung. 2. Verschiedenes. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Franm haben Zutritt. Deii Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Versannnlungen stets in Habels Brauerei stallfinden; es wird ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Am Montag, de» 13. November, abends 8 Uhr, im Lokale des Herr» P a n t h e n, Frankfurter Allee 174. Tagesordnung: I. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Wahl eines BcitragsammlerS. 4. Ver- bandsangelegenheiten..' Da die Tagesordnung eine wichtige ist,' ist eS Pflicht eines jeden Mit- gliedes, in der Versammlung zu erscheinen. Achtung, Bauanschläger! Dienstag, de» 14. November, abends 7 Uhr, im„Elhsinm", Landsberger Allee 40/41: Nerfammlung sämtlicher Kollegen. Tagesordnung: 33/19 �_ 1. Unsere Lohnsrage. 2. Verschiedenes. Die Liolinkoniniission. ZalMMchk WWM 30342* für Unbemittelte. Sprechstunde votTS1/.— 91/. und Illsz—!>/, Uhr. Cluelin, Clisabrthstraste 24. Genossinnen und Genossen! Mittwoch, den 15. November, abends S'/s Uhr: Uolks- Uersammlnng in Stech erts Festsälen, Andreasstr. 21, Tages-Ordnung: 1. Bericht der Vertrauensperson und Neuwahl derselben. 2. Vortrag der Genossin Emma Ihrer über: Die Frau in der Socialdemolratie. 1/17 3. Diskussion. Uni zahlreiches und pünktliches Erscheinen besonders der Frauen ersucht _ Die Vcrtraiiensperson. Rixdorf! SomIiXMkrat. Patin Jormärtr Dienstag, den 14. November 1899, abends SVj Uhr: Mitglieder-Bersam mlnng in der Bermshrlimei, gr. Ceal, Hemilililstr. Tages-Ordnung: i. Vortrag des Rechtsanwalts Victor Fraenkl über:„Das Recht der Frau nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch." 2. Diskussion. 3. VereinSangelegenheitcn und Fragekasten. Gäste haben Zutritt. Nene Mitglieder werden aufgenommen. Zahlreichen Besuch erwarter_[232/14]_ Der Vorstand. CharlottenUmi*�. Dienstag, den 14. November, abends 8V2>lhr, in der Gambriuus- Brauerei, Wallstr. 94: Ctrosse öft'entlicli© OewerlvSchafts-VersaniMilnng. Tagesordnung: 1. Die Gcwerkschafts-Bewcgung und die Zuchthaus- Vorlage. 2. Diskussion. 3. Die Delegierten-Wahlen zu den Orts-Sranken- kaffcn eventuell Nominieruiig derselben. 204/18_ Der Vertrauensmann hiesiger Gewerkschaften. Jimmerer! (Vertraucnsmänncr-Centralisation.) Dienstag, den 14. November 1899, abends 8 Uhr. in Wernaus Festsälcn, Schmcdterstraste 33/34:, VeZioKs�DerfÄllnzttlung �für den Norden und Nordosten. Tagesordnung:. 1. Die Beschlüsse des Arbeitgeberbundcs für daS Baugewerbe und die Veccinbarnugen zwischen den Berliner Zimmerern und ihren Arbeitgebern. 2. Diskussion und Verschiedenes.: 4 266/20_ Die Bezlrksvcrtran e Achluiig! Schneider! Ällitung! Borstenbergersche Sterbekasfe. (Nr. 31.) Aufnahme von Mitglicdem an jedem ersten Sonntag im Monat nachmittags von 4— 7 Uhr bei Kummer, Acker- straße 13, Männer wie Frauen, lvclche das 45. Jahr nicht überschritten haben, können der Kasse beitreten. Jährlicher Beitrag 3,20 M., Einschreibegeld inkl. Buch 1 M., Ehepaar 1,75 M. Sterbe- geld 45-90 M. 765b Der Borstand. Wir geben hiermit zur Kenntnis, daß sich unsere gefl. IVfoalbit. Veveitt fitu JTimucn und WtÄdltzvn der MrdeikerlrlsNo. Montag. 13. November, abends 8 Uhr. bei Pfarr, Putlitzstr. 19: Bortrag von Frau Wally Zepler über: »»Vie Fran im öfsentlithon Ueden." Gäste sehr willkommen. 55/16 Der Borstand. Lnedärnokerei jetzt Dren�lanerVlIee ÄS (nahe Heinersdorferstraße) befindet.]7066 Golm A Taubmann. !>]*. Itelirich. Specialarzt f. Haut- u. Harnld., Beingeschwnrc und Lupus. �n der Stadtbahn 34, (am Bahnhof Alexanderplatz.) Sprechst.: 9—12 und 3—6. Freitags keine. 24022* Sonntag, den 19. November, vormittags präcise 10 Uhr stt US Ictzusß-Sitzttng in der Brauerei Friedrichshain. Tagesordnung: 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Antrag des Vereins„Maiglöckchen" betr. Mitwirkung Hei Arbeitersestlich leiten.— Prüclse 18 Uhr; iOST rioliuttgsNunde Geübt werden.:'„Zukunftsblüten",.„Sängergmb"/«Freiheit".— Die Vere erscheinen.— Bundesniitgliedskarte legitimiert. Vereine sind verpflichtet, voll] Der Voratan zu Tapezierer! Dienstne, den 14. Vorcmber 1809, abends S'/t Ilhr: Verfammlnng beider Filialen. Vlllale St o r d, Drnnnen-Strasse 188 bei VUmann. Tagesordnung: 1. Der Ausstand der Kollegen bei Brandt. 2. Diskussion. 3 Verbands- angelegenheiten. Filiale 8 U d, Markgrafon-Strassc 83 bei ILorcnis. Tagesordnun g: 1. Der Ansstand der Kollegen bei Brandt. 2. Diskussion. 3. Vereins- angelegenheiten. 178/13 Der Arbeitsnachweis ist nach Beuthstr. 21, Restaurant Schultheiß, verlegt; daselbst findet Mittwochsabends 8:/, Uhr auch der Polsterkursiis statt. Tie Ortsverwaltuugen._ Große öffentliche Versammlung aller selbständigen Herren- und Kuaben- Koufektious- Schneider am Montag, den 13. November, abends 8>/z Uhr, bei Haberecbt, Gr. Fraokfurterftr. 30. Einberufen vom Verein der Herren- und Knaben-Konfektlons-Schnelder, Tages-Ordnung: 1. Die Lage der Herren- und Knaben-KonfcktionS-Schneiber in der HauS» industrie. 2. Die Uebelständc in den Konfektions-Geschäften und wie stellen sich die Kollegen dazu 2 3. Diskussion. 4. Verschiedenes.__ 793b Kein Husten mehr! Aihkungl"MI KW" Achtung! Böttcher! Sonntag, 12. November, nachm. D/i Uhr. im Kolberger Salon, Kolbergerstr. 23: 39/8* Große öffentliche Versammlnng. Tagesordnung: 1. Der Ansstand in der Fabfabrik von Koch(Inhaber Lewy). Es ist drmgend notwendig, daß sämtliche Kollegen in dieser Versammlung erscheinen. Der Elnbcrufcr. Verein deutscher Schuhmacher. Montag, den 13. November, abends H'/s Uhr: Imei MitgUeder-Uersammlmlgen. Im Osten, bei Stechert» Andreasstr. 21: Fabrikschuhmacher. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Paul Jahn über: Max Stirner, Der Einzige»nd sein Eigentum. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Im Westen:„Zum alten Dessancr", Artillericstr. 32. Schostschnhmacher. Tagesordnung: Vortrag des Kollegen Dankonr. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 170/18 Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltung. Verein dctNthogrWhkn.Stkiiij>rlilIlkr «ud Berufsgcu. Deutscht. Zahlstelle Berlin III.(Uthographen.) Dienstag, de» 14. d. M., abends 8 Ilhr, Dresdenerstr. 45, Versauiniluiiif. g: 1. Geschäftliches. 2. Das moderne Zci eitungS- WWW DaS Verhalten der Kollegen irnien Mießler, Littauer und Böhlen. 4. Verschiedenes.' 778/b Tages- Ordnung Wesen. Resercnt: Redatteur Velnhau-en bei den Firmen Mießler, Littauer und Ben DM- Alle Lithographen, iiisbewndere die Mitglieder, sind freundlichst MAeWWWWWWWW ringet und um pünktliches Erscheinen gebeten. Die Heilkraft o. Oeorg Röhl, Brom» beerwcin ist erprobt bei Asthma, Athemiiot, Lungenleide». Bronchialkatarrh.Heiserkeit.Aus wurf, Zlerschleininiig, Kehlkopf- leide», Kratze» im Halse, Nacht- schweift, Influenza, Erkältung»nd Schlaflosigkeit, welcher ärztlich empsohlcn ist. Preis per Fl. 1 M, 10 Fl. 9 M. Für Kinder empfehle gleichzeitig meinen 2644L* Brombecrsaft"HAZ gegen Keuchhusten, Schlaflosigkeit,-in Fl. zu 60 Pf..und 1 M. 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(Auch bar Kassa billigste Preise.)* Der Stadt- Auflage unserer heutigen Ausgabe liegt ein Pro- fpekt der illustrierten Zeitschrift „lloderne Knnst", zu beziehe» durch die Buchhaudluug, A. Dochow, Eharlotteustrnfte Nr. 5, bei. Verantwortitcher Nedacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th.«lo-ke in Berlw. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. ilr. 266. 16 . mw 3. KkilM k'i Jotmiirtö" Wim WMM Sountllg, 12. Novmbn 1899. die Ausfuhr um ungefähr 36l/2 Millionen Mark zugenommen hat. ES bciveift das den weiteren Aufschwung unserer Eiseuiudustrie, denn die Einfuhr bestand grövteuteils aus Roheisen und Halb- fabrikatcn, die Ausfuhr dagegen in der Hauptsache aus fertige» Fabrikaten. Die hier sich vollziehende Entwicklung ivird noch beut- licher, wenn man zum Vergleich die Ansfnhrzisfern der Rubrik „Jnstrilineute, Maschinen und Fahrzeuge" heranzieht. Gegen das Vorjahr ist in diesen Branchen die Ausfuhr nur 32ll» Millionen Mark gewachsen, gegen 1897 um IT'/e Millionen und gegen 1836 gar nm etiva 63 Millionen Mark, eine Steigerung innerhalb vier Jahre um ca. 57 Proz. Noch ein anderer Produktionsziveig, der in obiger Aufstellung nicht mit berücksichtigt ist, iveist eine bedeutende Entfaltung ans. die Kautschuk- uud Guttapcrchabranche. Die Ans- fuhr in dieser Warengruppe, die in den drei ersten Quartalen des Jahres 1896 noch nicht 231/a Millionen Mark betrug, stieg im folgende» Jahr auf 27�,, in 1808 auf 41 und in diesem Jahre auf beinahe SSVe Millionen Mark; seit 1896 eine Zunahme von etiva 128 Proz. Hingeiviesen sei noch auf den Rückgang der Getreide- Einfuhr. Von 653 Millionen Mark im vorigen Jahre sank sie auf ungefähr 596 Millionen Mark in diesem Jahre, wahrend umgekehrt die AliSfnhr von 78 Millionen auf 82 Millionen Mark stieg. Der Rückgang ist in erster Linie der vcrhältiiismnßig guten Ernte in diesem und dem Vorjahre zu danken. Die Entwicklung dcS Handels der deutschen Schutz- gebiete. Wie wenig sich die Hoffnungen auf ein rasches Wachstum des deutschen Handels mit unseren Kolonien erfüllt haben, illustriert treffend eine kürzlich vom Legationsrat Dr. Zimmemiann in der .Kolon.-Ztg." gemachte Zusauuuenstellnug. Da erst seit 1892 die Verwaltung der drei tropischen Besitzungen' in Afrika so weit organi-� sicrt ist, daß eine zuverlässige Ein- und AnSfnhrstatistik aufgestellt werden konnte, erstrecken sich die Angaben für diese Gebiete nur auf die letzten sieben Jahre. Für Dcntsch-Südivest-Afrika existiert sogar eine einigermaßen brauchbare Statistik erst seit 1897. Der Gesamtumfang des deutschen Handels mit den Schutz» gebieten, cinschlicstlich Dcntsch-Nen-Gnincas, stellte sich: 1892 1893 1894 1895 1896 1897 1898 auf 13 331 666 M. . 10 227 000. „ 10 270 000„ . 8 975 000, . 11 348 000, „ 14 245 000„ 16 868 000 B Oon diesem Gesamthandel entfiel auf D c n t s ch« O st a f r i k a 1892. 1893. 1894. 1895. 1896. 1897. 1893. 1832 1893 1894 1895 1896 1897, 1893. Einfuhr ans Deutschland . 384000 M. . 558 000„ . 1 342 000. . 373 000, , 750 000„ . 702 000. . 732 000„ Ausfuhr nach Deutschland 2 288 000 M. 2 100 000„ 1828 000. 1910 000. 1456 000„ 1845 000. 8 408 000„ Einfuhr ans Deutschland , 4 018 000 M. 4 084 000. 2 919 000„ 2 993000„ 3 651 000. 3 562 000» 3 714 000. Ausfuhr nach D eutschland 3 396 000 M. 3 218 000. 3 452 000. 3 432 000. 5 004 000. 4 485 000. 5 133 000« D e u t sch-Südlvestafrika Einfuhr aus Ausfuhr nach Deutschland Deutschland 1897.. 209 000 M. 2 868 000 M. 1893... 184 000„ 8 015 000. Von einem stetige» gleichmästigcn Wachsen des deutschen Handels» Verkehrs kann, wie die obigen Zahlen beweise», absolut keine Rede sein, vielmehr ergicbt sich ein stetiges Hin- und Herfchwanken. Und zweitens zeigt sich, daß als Absatzgebiet für deutlche Industriewaren nur Westafrika in Betracht kommt, Dcutsch-Ostafrika uud»Südwest» Afrika sprechen kau», mit. Aber auch in Westafrika ist die Ein- fuhr gefallen; während sie sich in den Jahren 1392 und 1893 auf über 4 Millionen Mark belicf, erreichte sie in den letzten drei Jahren »»r gut S'/a Millionen Mark. Zu einen, richtigen Verständnis des Wertes unserer afrikanischen Kolonien gelangt man jedoch erst, wenn man»eben die. Ein- n»d AnSsuhrziffern die Summen stellt, die daS 1" K' Deutsche Reich alljährlich zu den VerwaltnngSkosten zuschießen muß. So betrug z. B. für Dentsch-Ostafrika: der R e i ch s- Z u s ch u ß 4 301 000 M. 4 339 000, 8 805 000, der Gesamthandel mit Deutschland 2 206 000 M. 2 607 000. 4140 000. H. C. 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Daß vor ungefähr 14 Tagen. als die ersten übertriebenen Berichte über die Niederlagen der Boereu bei Glcncoe und Elnndslnagte in London eintrafen. die Kurse der Mincnwcrle beträchtlich in die Hohe schnellte», ist sicherlich nicht verwmidcrlich, merkwürdig aber ist, daß selbst jetzt, nachdem die Vorstellniig von dem fröhlichen SiegcSzug nach Pretoria sich längst als lächerlich erwiesen hat, der Kurs der südafrikanischen Minenwcrte sich noch immer im ganzen aufwärts bewegt. Ab- sioßungcn von GoldfhareS finden fast mir von französischer Seite statt, und finden die Werte sofort englische Käufer. Die anfänglichen Verkäufe von deutscher Seite— der in deutschen Händen befindliche Gcsamtbcsitz an südafrikanischen Minenwerten wird auf 500 bis 600 Millionen Mark geschätzt— habe» fast ganz aufgehört; im Gegenleil auch bei deutschen Kapitalisten macht sich erneute Kanslust geltend. Das ist außerordentlich bezeichnend. Es spiegelt sich darin die englische Meinung über den wahrsckcinlichen Ausgang de? Krieges mit Tranö- vaal wieder. Gewiß spielt bei dieser Erscheinung auch die Spckn- lation eine Rolle mit, doch in der Hauptsache kommt darin nur die fest eingewurzelte Ansicht der englischen Poliiiker zum Ausdruck, daß. wenn Transvaal auch augenblicklich siegt, doch infolge des lieber gewichts der englischen Heeres», acht und der enormen Hilfs quelle» Englands der Sieg schließlich de» englischen Waffen zilfallc» muß. Uud in dieser Auffassnng der Sachlage wird sich die Londoner Börse, die für derartige Fragen so oft ein feines Verständnis bewiesen hat, kaum allzusehr täuschen,— vorausgesetzt nainrlich. daß nicht ein Eingreife» fremder Mächte stattfindet: eine Möglichkeit, die trotz der gegenwärtigen Haltung der deutschen Regicrung keineswegs als ansgeschlosicil gelten kann. Zu diesen, Vertrauen anr den schließlichen Sieg kommen die ganz außerordentlich günstigen Rcsnltate der Goldproduktion Süd- afrikas in den ersten acht Monate» dieses Jahres. Man sagt sich, daß nach Bcciidignng des 5rrleges, wem, die Minendistriktc unter englischer Herrschaft siehe» und damit die heurigen Abgaben nnd Beschränkungen sollen, die Minen noch ganz andere Erträge und Dividenden abwerfen werden, wie bisher. Besonders wenn es gelingt, durch Nachschub schwarzer Arbeiter aus den übrigen südafrikanischen Besitzungen Englands de» Lohn der schwarzen wie der weißen Mincnarbertcr � die Zahl der in den Minen beschäftigte»„Schwarzen" betrug schon 1897 über 70 000— noch weiter herunterzudrücken. Bei dieser mit Sicherheit zu nlnortciidn, Steigerung der Ertragofähiglcit glaubt man in den Kreisen der Aktieninhaber selbst die durch das er- zivnngene Stillstehe» der Betriebe hervorgerufene Schädigung der Mine» nicht allzu hoch anschlagen z» sollen. Werfen wirtlich in den nächsten zwei oder drei Jahren die Minen keine Dividenden ab, so später»»bedingt»m so reichlichere. Nicht wenig dürste zu dieser Auffasinng der jüngst veröffentlichte Jahresbericht der„Eonsylidaled Goidsields of Svnlh Asrica" bei- getragen haben, der i», letzten Jahre einen Reingewinn von 1006 312 Pfd. Stcrl. nachweist gegen mir 477214 Pfd. Sicrl. im Vorjahr. Doch nicht nur dieses Ergebnis, das bei näherer Bc- kracht, mg der einzelnen Posten sich noch günstiger hcranSgestellt, als di« Gestnntgcwinttsttuimc veranschaulicht, hat die AnfwärkSbewcgnng der Kurse begünstig,, mehr noch hat in dieser Richtmig gewirft die gleichzeitig von Mr. Joh» HatzS Hammond, einem anerkannten Eackwer« ständigen, veröffentlichte Gesamlübcrsicht über die Lage der Randminc». Nach Dieser Darlegung wurden in, Jahre 1887, als die eigentliche Arbeit i», Raiidmiiien-Dislrikt begann, nur 80 397 Pfd. Stcrl. Gold gewönne», in 1897 stellte aber die Goldproduktion des Rand sich schon aus 15 141 376 Pfd. Stert., die Gesamtproduktion bis August 1899 bat 76 720 000 Pfd.«lerl., also über 1565 Millionen Mark betragen. Die„Dcep-Lcvel Minen" begannen ihre Thätigkcit im Jahre 1896' sie lieferlcn in diesem Jahre bereits nicht weniger als 3 328 686 Pfd. Sterl. Gold. Im lausende» Jahre wurde diese Ausbeute aber bei- nahe schon in den ersten acht Momite» erreicht; sie stellte sich nämlich ans 3 053 874 Pfd. Sterl. Gold. Die von den Goldmincn-Gesellschaflcii in 1898 gezahlten Dividenden bcliesen sich ans 4847505 Psd. Sterl., so daß die Dividende pro Tonne zerstampften Erzes sich von 8 Shilling in 1892 auf 13 Shilling 2 6 in 1893 erhöht hat. Diese Dividenden pro Tonne sind auf den gesamte» Toiinengchalt des im Distrikt vcr- pochten Erzes berechnet mit Einschluß der teine Dividenden zahlenden Mincn. Zieht man nur jene Minen zur Berechnung heran, die Dividenden gezahlt haben, so ergicbt sich eine Durchschnittsdividende von 17 Shilling 6 ä pro Tonne. Trotz des ArbeitcrniangclS»nd anderer Nachteile sind»ach HammondS Angabe die Betriebs- tosten dermaßen verringert worden, daß i in I a h re 1898» i ch t w e n i g e r a l s 32 P r o z c n t des gewonnenen Goldes hat als Dividende verteilt werden kön neu gegen 19 Prozent im Jahre 1892. Von ganz bewiidereni Jntcrcssc ist die Berechnung, die Mr. Hainmond darüber anstellt, inwieweit sich bei einem Fortfall der beute der Goldproduktion von den Boercn aufgeleateu L a st e», durch?l r b c i t s v c r b i l l i g n n g lrichligcr Lahndrnckerei infolge Erleichterung der Kafferi,- Einfuhr)»ud Unterdrückung des Diebstahls an Amalgam„nd Gold eine„Er- fparniS" an ProdliitionSkosten erzielen läßt. Er schätzt diese Ersparnis ans mindestens 6 Shilling per Tonne, wodurch sich allein im Rand die zur Dividendenzahlung disponible Summe nm ungefähr 4 826 536 Psd. Sterl. erhöhen würde; d. h., nach den Dividenden von 1898 berechnet, um beinahe 100 Proz. Mm, lernt ans dieser Berechnung besser den Beweggrund erkennen, der die englischen Minenbcsitzcr zn ihrer Aufhetzung der englischen öffentlichen Meinung gegen daS BoereNrcginient trieb, als ans elleu- langen politischen Abhandlungen; ein jährliches Mehr an Dividende von 100 Millionen Mark ist sicherlich keine Kleinigkeit. Deutschlands Ein- und Ausfuhr in den ersten neu» Monaten dieses Jahres. Für die drei ersten Quartale 1399 liegen die statistischen Ausweise über Deutschlands Außenhandel vor, die erkennen lassen, daß entsprechend der allgemeinen geschäftlichen Prosperität der Handelsverkehr des Jahres 1399 den dcS Vorjahres noch bei weitem überflügeln wird. Verglichen mit de» Ziffern für den gleichen Zeitraum des Vorjahres zeigt die Einfuhr bereits ein Mehr von beinahe 21 Millionen Mark, während die Anssnhr gar die des Vorjahres nm über 171t- Millionen Mark übersteigt. Stellt man die Ein- nnd Ausfuhrziffern für die Monate Januar bis September der letzten vier Jahre iiebeneiiiander, so ergiebt sich folgende Steigerung: Einfuhr 1 n.n ei dflS�oHo fir (öligen,»bei in 1000 M.) Abgerundet in MM. Mark) 1893.. 3 342 336 000 M. 221 Rill. Mark. 1897.. 3 538 894000. 108,„ 1808., 8 969 488 000. 431„. 1809,. 8 900 566 000„ 21„„ or« t.. n, Zunahme /_*■,_ i,Mn.Srt4 i AAn cm% ocQCtt d ß v-J o r t n t) r (al'gcnmdct in 1000 M.) Abgerundet in Mill. Mary 1896.. 2 763 808 000 M. 287 Mill. Marl. 1897.» 2 820 545 000„ 57, 1898.. 2 885 728 000. 65. 1899.. 3 057 334 000. 172„ Gegen die beiden Vorjahre zeigen diesmal die Ein- und Ans- fuhrzifftrii ein umgekehrtes Verhältnis. Während»ämlich in 1897 und 1398 die Einfuhr ungleich stärker gewachsen ist, als die Ausfuhr und z. B. im letzten Jahr der Uebcrschnß der Einfnhrznnnhine über die AnSfnhrznnnhmc nicht ivcnigcr als 366 Millionen Mark betrug, übersteigt im lanfeiidcn Jahr die Zunahme der AnSfnhr jene der Einfuhr um mehr als das Achtfache: eine Verschiebung, die im weseutlichc» durch die güiistige Eutwickeluiig der Exportindnstrien verursacht ist. Für die wichtigsten Warengruppen stellt sich in den letzten drei Jahren(für Januar— September) die Einfuhr folgender- maßen: 1392 1393 1897 M. 9». M. Getreide ic.. Ii:. 589 802 000 653 257 000 537583000 Material- und Spczcrci» waren...... 480 738 000 486 203 000 480 905 000 Wolle und Wollwarcn. 379 310 000 347 759 000 812 052 000 Baumwolle und Bann,- wollwarcn.... 237301000 243741000 428228000 Erzc.Erden.cdleMctallczc. 309 482 000 345 819 000 214 946 000 Holz n. and. Schnitzstoffe 293 789 000 288 063 000 284 834 000 Drogerie-, Farbwarcn, Chemikalien ze.... 191 197 000 175 899 000 179 478 000 Ocle und Fette... 139 284 000 139 677000 107 547 000 Seide nnd Scidenwaren 129 905 ijOO 128 115 000 107 880 000 Hänte und Felle... 124 795 000 142187 000 137 419 000 Vieh....... 119 307 000 117 644 000 118 357 000 Kohlen...... 105 574 000 96103 000 91874 000 Eisen»nd Eisenwaren. 73 294 000 49 127 000 50 939 000 Die hauptsächlichsten Warengruppen der Ausfuhr waren hin- gegen: 1899 1393 1397 M. M. M." Eisen nnd Eisenwaren. 310 208 000 273 779 000 245 385 000 Drogerie-, Farbwarcn«. 272 334 000 245 969 000 231179 000 Material-, Spczcrei», Konditortvareu-c... 261 504 000 270 954 000 294 770 000 Wolle nnd Wollwnre». 237 949 000 235 975 000 251 319 000 Baiq,„volle und Bai,»,» wollwnre».... 192017000 176411000 177932000 Instrumente, Maschinen. Fahrzeuge.... 180 639 000 148 044 000 133 091 000 Erze. Erden, edle Metalle 169 387 000 197 605 000 181 460 000 Lkder und Lederwaren. 119 916 000 108 733 000 108 498 000 Seide und Seidcnivarci, 128 679 000 117 842 000 105 178 000 Kohlen...... 152 882 000 150 8)2 000 124 263 000 Kurzwaren..... 94 484 000 90522 000 96 200 000 Die vorstehende Zusanmieiistrlliing gestattet, wenn man sie einer näheren Betrachtung mitcrzieht, manche lehrreiche Einblicke in die Entwicklung nniercr Industrie während der letzten Jahre. So ist z. B. die Einfuhr von Eisen und Eisenwaren gegen das Borjahr nm mehr als 24 Millionen Mark gestiegen. während gleichzeitig 4/. Brünn �Vahuhof Börse) Hackescher Markt 4 Wegen meiner Gcsckzäsbiköw»« gelange» giotz« Lager- bestände memer 29301!* TcjpjpSclte!€riii*(lineii! Steppdeeken! Portieren! Ttsclidecken! liäufer�tolfe! w sehr biilige« Preisen Ansverlranf!! rate jedem, der«ine VI,,- taufen will, der kaufe »ur vom gelernte» Uhrmacher, der gute Ware führt. 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