Ur. S67. Adomiements-Kedlngvilgen: Abonnements-PreiZ pränumerando: vterteljährl. ZLV Ml., monatl. 1,10 Ml., wöchentlich 28 Psg. frei in« Haus. Einzelne Rummer 5 Pfg. Sonntag». Nummer mit UluNrterler Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: ZLO Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung». Pretslist« für 1800 unter Et. 7,120. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrig« Ausland s Marl pro Monat. Erschelnl iiiglich nutzer Wontag». Derliner Volksbl�tt. 16. Jahrg. Die Inftrtlolis- Gebühr teträgt lur die sechSgefpaltene Koloncl. «eile oder deren Liaui»«0 Psg., sür polltische und genzerlschastliche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Psg. (nur da» erste Wort seit). Inserate für dt« nächste Nummer müssen biS t Uhr nachmittag» in derExpeditton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bt» 8 Uhr vormittag» geässnet. Fernsprecher! Ami l, Er. I50Q. Telegramm-Adreste: „Sorialdemokrat Serlin» Csntralorgan der socialdemokratisthen Partei Deutschtand s. Redaktion: SW. 19, Venth-Strasze 2. Expedition: SW. 19, Veuth-Strake 3. Der Reichstag tritt nach fünfmonatlicher Unterbrechung am Dienstag wieder zusammen; er nimmt bei sehr kritischer Weltlage sofort die unerledigten Fragen und unentschiedenen Kämpfe wieder auf, und tritt in neue Fragen ein. die in den Ferien aufgetaucht sind und die Saat neuer heißerer und entschcidungsvollerer Kämpfe enthalten. Die erste Sitzung hat sich mit der Postreform zu be schäftigcn, die den Reichstag in die eigentümliche Lage bringt, daß er auf Antrag der Regierung im öffentlichen Interesse gegenüber dem kapitalistischen Privat betrieb das Expropriationsrecht ausüben muß— ein Recht, dessen Befürwortung unserer Partei, die es an der Spitze ihres Programms hat, von der Regierung und den bürgerlich kapitalistischen Parteien als revolutionärer Umsturz und schwerstes Verbrechen vorgeworfen wird. Und doch ist zwischen uns und der Regierung in diesem Punkte nur der Unterschied, daß für uns das öffentliche Interesse die Wohlfahrt aller, mit Ausnahnie der Privilegierten, ist, während im heutigen Staat die Interessen der Privile gierten maßgebend sind— auch wenn sie den Interessen der Gesamtheit noch so schroff widerstreiten. Und nie ist dieser Gegensatz schroffer gewesen als im jetzigen Augenblick. Nach Erledigung der sogenannten Postreforrn hat der Reichstag sofort die zweite Lesung des Zuchthaus gesetzes zu beginnen— des Zuchthausgesetzes, welches die Freiheit der„Arbeitswilligen" an der Stirn trägt, und jeden Arbeiter, der nur unter menschenwürdigen Bedingungen ar beiten will, mit Zuchthaus bestraft. Die Generaldebatte des Zuchthausgesctzes, mit welcher der erste Abschnitt dieser Session im Sommer schloß, war für die Urheber des Gesetzes und deren Helfershelfer eine moralische Niederlage, wie sie in der Geschichte des Parlamentarismus wohl ohnegleichen ist. Allein>vas sind moralische Niederlagen im Lande des ScheinkonstitutionalisMus, der zum Zweck hat, den Willen des Volkes nicht zu thun. und dem die Volksvertretung nur die Hülle ist des selbst- herrlichen Absolutismus? Die Urheber und Förderer des Znchthausgesetzes sind mächtig; sie haben die langen Parlamentsferien gut ausgenutzt, und das K o a l i t i o n s recht der Arbeiter, dieses Recht, ohne das alle Social reform und aller Arbeiterschutz wertloser Tand, eitel Schwindel und Heuchelei ist, schwebt heute in höchster Gefahr. Die Ärbeitervertreter im Reichstag werden auf das Gesetz zn� Vernichtung des Koalitionsrechts mit der Forderung zur Sicherung des Koalitionsrechts antworten und in der Be ratung, falls noch eine beliebt werden sollte, nach bester Kraft ihre Schuldigkeit thun. Es wäre jedoch thöricht, der Mehrheit des Reichstags zu vertrauen. Die nationalliberale Partei hat sich zum großen Teil aus feiten des Zuchthauskurses gestellt; und das Eentruni ist Partei Drehscheibe geworden. An den Arbeitern ist es, sich um das Koalitionsrecht zu scharen und unfern Vertretern im Reichstag einen so starken und mächtigen Rückhalt zu gewähren, daß die Feinde der Arbeiter das Erfolglose ihres Unterfangens einsehen. Das Zuchthausgesetz ist aber nicht die einzige Gefahr die uns droht, und die den Reichstag, wenn anders er deni Namen: Volksvertretung nicht Schande machen will, zum Widerstand und zum Kampf zwingt. Um die Arbeiterklasse knebeln und in Knechtschaft halten zu können, bedarf die Regierung der Hilfe des näm- lichen Junkertums, das ihr vor wenigen Monaten im preußischen Landtag durch Ablehnung des Kanalvorschlags eine so demütigende Niederlage bereitet hat. Die Junker sind praktische Leute und sie beschützen„Thron und Altar" nicht umsonst; trotz ihrer brünstigen Königsliebe arbeiten sie nicht pour le roi de Prusse. Braucht der König, braucht„Kaiser und Reich" ihre Dienste, so muß dafür bezahlt werden, und gut bezahlt. Die preußischen Junker— die„Kreuz- Zeitung" mag sich noch so hartnäckig sträuben— sind nun einmal in Deutschland die Landsknechte des Kapitalismus, die Prätorianer des Cäsaris- m u s geworden. Wie weiland die schweizerischen Landsknechte das Sprüchlein hatten: Point d'arKent point de Luisse— kein Kreutzer kein Schweizer, so huldigen unsere Spruch: Keine Liebesgaben kein keine Kornzölle keine Kanäle— kein Kanitz keine Kähne. Der Termin zur Erneuerung der Handelsverträge mit Oestreich und Rußland naht heran und das ist die Gelegen- heit, wo den heißhungrigen Junkern der Preis für ihre Dienste gegen das Volk bezahlt werden soll in Gestalt erhöhter Kornzölle. Jeder Groschen mehr an Kornzoll verteuert das Brot und bringt Millionen in die Tasche des Nimmersatten Junkertums, das die ehrliche Arbeit verachtet und vom Staat so reichliches Almosen fordert, daß die Sprossen der„Edelsten" ein Leben führen können wie die Helden des Harmlosen- Prozesses es geführt haben und— mit Billigung ihrer Sippe— fort führen. Zuchthausgesetz und Großkornwucher— sind untrennbar, und noch lebhafter als um das Zuchthausgesetz wird der Kampf vermutlich entbrennen um die zu erhöhenden Korn- zölle, die das Junkertum von dem Klassenstaat als Preis für seine Landsknechtsdienste heischt. Diesem Zweige st irn der Reaktion hat sich aber ein dritter Stern hinzugescllt: Junker dem Junker— das neue Flottengesetz. Trotz bündigster Versicherung daß das Flottengesetz des Jahres 1897 nicht geändert, nicht überschritten werden solle, hat die Regierung ein neues Flottengesetz in Aussicht gestellt, das von dem chimärischen Ge danken diktiert ist, Deutschland zur See den alten Seemächten Frankreich und England ebenbürtig zu machen. Ein chimärischer Plan, der in der Jagd nach eingebildeten Vorteilen das Wohl des Volkes außer acht läßt und einzig zur Folge haben kann, daß die beiden genannten Staaten ihre Flotten noch rascher vermehren als wir, daß eine allgemeine Flotten Epidemie alle Regierungen erfaßt, und daß wir, nachdem Milliarden ins Master versenkt und geworfen, vom erstrebten Ziel weiter entfernt sind, als heute. Das reiche England weigert sich, der Last seiner Marine noch die des Militarismus hinzuzufügen, weil es sidi nicht reich genug fühlt; und das vergleichsweise arme Deutsch land soll im stände sein, neben dem Militarismus, dessen Last uns schier erdrückt, noch die gleich schwere Last einer„Kriegs flotte ersten Ranges" zu tragen! Das hieße unsere Nation in doppelt beschleunigtem Tempo zu Grunde richten. Die socialdemokratischen Abgeordneten werden den Marinismus niit der gleichen UnVersöhnlichkeit be kämpfen wie den Militarismus; sie werden nach weisen, daß der Erwerb der„Jnselsplitter", die für England und Frankreich zu wertlos gewesen sind, wie der Karo linen-, der Samoa-Jnscln usw., in keinem Verhältnis steht zu den Opfer«, die wir für diese Danaergeschenke der Kolonial- und Weltpolitik zu bezahlen haben. In der neuen Flottenvorlage offenbart sich das per s ö n I i ch e Regiment, das mit dem demokratischenPrincip der Volksvertretung nicht vereinbar ist. Der Reichstag, Ivill er nicht zu einer verächtlichen I a s a g c m a s ch i n e sich herab würdigen, wird dem persönlichen Regiment endlid) die Spitze zu bieten,— endlich) einmal die Frage zur Entscheidung zu treiben habe», ob in Deutschland der Wille des Volkes das oberste Gesetz ist, oder ob das all gemeine Stimmrecht nur eine Täuschung des Volkes, nur eine Verbrämung des Abso lu ti s m u s. Unsere Genossen im Reichstag werben dafür sorgen, daß das deutsche Volk aufgeklärt wird über den organischen Zu s amnienhang der Zuchthausvorlage, des Groß kornwuchers und der uferlosen Flottenpläne; sie werden der Reaktion rücksichtslos die Maske abreißen, und es fehlt ihnen nicht an warnenden Beispielen, die sie dem Volke vorführen können. Am selben Tag, fast zu gleicher Stunde, wie das deutsche Parlament, tritt ein anderes Parlament zusammen: das italienische. Das Königreich Italien ist unser Bunde genösse— weniger durch die Gemeinsamkeit der Interessen, als durch die Gemeinsanikeit der Politik eng mit dem Deutschen Reid)e verbunden. Tort dieselbe Politik wie in Teuischland: Schein konstitutionalismus mit Knebelpolitik, Kornzöllen, indirekten Steuern, Militarismus. Marinismns, Kolonial- und Welt Politik. Alle Ideale unserer Reaktionäre— dort hat man sie zu verwirklichen gesucht. Und die Folgen? Zwei Hunger Revolutionen in sechs Jahren— die dritte in Sicht. Eine furchtbare Katastrophe, in der die Kolonial- und die Weltpolitik elend zusammengebrochen sind. Ein parla nientarischer Staatsstreich. Die Regierung am Ende ihres Latein, der Staat bankrott, das Volk bis aufs Mark ausgesogen. Der Monarch durch das persönliche Regiment persönlich kompromittiert. Tie Monarchie in all ihren Grund- lagen erschüttert. Zerrüttung und Ratlosigkeit in allen Regicrungs- und in allen Verwaltungszweigen. Durch kurz- sichtige Zuchthaus- und Standrechts-Politik der Weg der Reform verschlossen, der gewaltsame Zusammenbruch gewalt- sam vorbereitet. Das italienische Volk ist ein fleißiges, geduldiges und hochbegabtes Volk, wie das deutsche es in höherem Maße nicht sein kann— und doch ist der Bankrott und die Katastrophe hereingebrochen. Italien ist nicht so widerstandskrästig, hat, trotz des Natnrreichtums, nicht so reiche Hilfsquellen wie Deutschland. Aber das Gift, das auf den schwächeren Körper schneller wirkt als auf den stärkeren, ist darum nicht minder Gift. Und fährt Deutschland fort auf der Bahn. die für Italien die Bahn zmn Ruin war, so können wir dem Schicksal Italiens nicht entrinnen. VestiKia terrent— die Spuren schrecken mich ab—, sagte das Tier der Fabel, als es entdeckt hatte, daß alle Spuren i n die Höhle des Löwen führten und keine zurück. Und es ging nicht ins Verderben. Aber für die Menschen, die sich in Deutschland Staats- männer nennen. bestehen nicht die Erfahrungen der Vor- gängcr, hat die Geschichte keine Lehren, und gilt Mangel an Voraussicht für Mut, staatsmännische Festigkeit, gepaart mit Weisheit._ Nolttischo Mebevficht. Berlin, den 13. November. Das Arbeitspensum des Reichstags. Der Reichstag, der morgen, Dienstag, wieder zusammen- tritt, hat wohl selten ein so'widerspruchsvolles Arbeitspensum zu erledigen gehabt, wie in diesem Winter. Das Centrnm sowohl wie die Nationalliberalen haben ihr Ansehen bei den Massen durch allerlei social- reformerische Anläufe aufzufrischen gesucht. Die- senigen Anträge, welche die Ausbreitung und die Befugnisse der G e w e r b e g e r i ch t e zu vermehren suchen, haben bö- reits die Kommissionsbcratung hinter sich. Tie schüchternen Versuche, durch Arbeitskammern oder durch Fortentwicklung der Gewerbcgerichte eine Art Arbeitervertretung— wenn auch nicht in unabhängiger Gegenüberstellung gegen die längst bestehenden selbständigen Vertretungen anderer socialen'Schichten— zu schaffen, sehen zusammen mit dem freisinnigen Antrag für Anerkennung der B e r u f s v e r c i n e noch der Kommissionserledigung entgegen. Da hierbei die Socialdemokratie selbstverständlich nach Möglichkeit ankämpfen wird, ihre alten Arbciterkammern-Vorschläge bis zur Un- kenntlichkoit abgeschwächt zu sehen, so stehen noch wichtige Verhandlungen in Aussicht, ebenso wie über das verlangte R e i ch s- A r b e i t s a ni t, den A r b e i t s n a ch>v e i S. mit denen sich die gleiche Kommission zu beschästigen haben wird. Sofort zur zweiten Lesung kann der Regierungsentwnrf betreffend die Abänderung der G e w e r b e- Ordnung kommen, der bekanntlich vor allem die Ladenschluß- frage und den Arbciterschutz in der K o n f e k t i o n s- Haus- industrie betrifft. Das alles zusammen würde für eine Reichstags-Session bisher als ziemlich reichhaltiges Menu gegolten haben. Nun soll aber weiter die von Session zu Session verschleppte Seemanns-Ordnung endlich fällig werden. Ferner ist deni Bundesrat bereits die Reform der Unfall- Versicherung— wie man sagt, in einem Bündel von sechs Gesetzen— unterbreitet; und hier thnt wahrlich Eile not. da schon 1897 die Refoim als dringlich betrieben wurde, indes zuletzt an dem Widerstände des großindustriellen Centralvcrbandes scheiterte, dessen Beifall die Kommissions- Umarbeitung noch weniger wie der Regierungsentwurf zu finden verniochte. Diese Fülle der gestellten Aufgaben hat Optimisten zu der voreiligen Anschauung verleitet, daß wieder einmal eine stärkere socialreformcrische Strömung hervorzubrechen und sich geltend zu machen beginne. Aber diese rosenrote Vertrauens- seligkeit erhält sofort den Stoß ins Herz, wenn man der Zuchthausvorlagc gedenkt, deren Schicksale noch in keiner Weise zu übersehen sind. Die noch nicht erwähnten Beratungsgegenstände— es sind nicht weniger wie 12 Regierungsvorlagen und 43 Initiativ- anträge noch unerledigt— haben sür die Arbeiter- klaffe im allgemeinen eine geringere Bedeutung. Das Postgesetz wird wahrscheinlich rasch zum Abschluß gebracht werden, da es zum 1. April in 5lraft treten soll; ans eine möglichst gerechte Entschädigung der Privatpost- Angestellten ivird unsere Partei weiter ihr Augenmerk richten. Das Fleisch b es chau-Ge setz mit seinem Gemisch von guten, wirklichen Kontrollmnßrcgeln des Fleischhandels und schlechten, agrarischen Ehikancn gegen die ausländische Konkurrenz scheint nach den Vorgängen in der Kommission wenig Aussicht ans abschließende Plenarbehnndlung zu haben. Wenig besser steht es endlich um die Novelle zum G e ri ch t s v e r f a ss u n g L- g e s e tz und zur Strafprozeß- Ordnung, vielleicht auch um das llnsittlichkcitsgesetz(die lex Heinze), obwohl auch diese Vorlagen über das Stadium der Kommissionsberatung längst hinaus sind. Neben dem ZuchthauSgcsetz ist somit nur eine politische Streitfrage von überragender Bedeutiing und sie wird sofort im Reichstag die Erörterungen beherrschen, obivohl sie erst im Januar das Parlament offiziell beschäftigen soll: die Flotten- Vermehrung— auch ein Produkt einer kaiserlichen Rede und ebenfalls einem Teile unserer Großindustrie zum Gefallen geschaffen. Um diese beiden Klippen werden die Wogen der parla- mentarischen Beredsamkeit am heftigsten branden. Mancher bisher noch opponierende bürgerliche Politiker wird daran chiffbruch leiden. Die Socialdemokratie mit ihrem festen, sicheren Kurs kann auch diesen Zusammenstoß nur willkoinmen heißen.—_ Der Gcschiistö-MariniSnmS ivird durch das typische Geschäftsgebahren der Firma Krupp grell beleuchtet. Im Inland Ivird unter gewaltigen Reklame-Ausgabcn iir Flottenverstärkung agitiert, währenddem mau das Ausland durch deutsches Kapital, deutsche Technik und deutsche Arbeit gleichzeitig in den Stand setzt, seine Flotte der deutschen überlegen zu machen oder zu halten. So äst die Firma Krupp nicht nur mit die Schöpferin der russischen, sondern bis zu einem gewissen Grade auch der n o r d a m e r i k a n i s ch e n Z u k u n f t s m a r i n e. Nutzland stützt zwar bei seinen Anstrengungen, seine Kriegs- und Handelsflotte rasch auf einen großen Futz zu bringen, auf keine finanziellen Schwierigkeiten. Wohl aber steht einer raschen Vcr- grötzerung der Marine die begrenzte Leistungsfähigkeit der dortigen Staatswerftcn entgegen. Das russische Marinennnisterium inter- essiert sich daher eifrig für die Erweiterung der heimischen Staats- werften, erreicht aber auch hier bald die Grenze des Möglichen, schon wegen Mangels an technischem Arbeitspersonal und anS anderen Gründen. In die Lücke springt nun bei anstäudigen Gewinnchancen die deutsche Industrie, vor allem auch die Firma Krupp ein. Sie ist um die Vcrgröstcrung der russische» Kriegsflotte mindestens ebenso sehr besorgt, wie um die der deutschen. Die deutsche SchiffZbmitcchni! mid Leistungsfähigkeit wird gegen klingende Münze auf rufsifchc» Loden verpflanzt. Die rnssische Regierung hat fchoit Ende vorigen Jahres mit dein Stettincr Vulkan soivie mit der Firma Krupp Verhandlungen in dieser Richtung an- geknüpft, die von den deutschen Firmen keineswegs abgelehnt worden sind. Es sollen in Rnglnnd von den genannten Firmen privat- werften angelegt werden. Verwirklicht sich das Projekt der russischen Licgicrnng, so mutz ein reicher Zustrom deutscher Ingenieure und technischer Rrbeitcr»ach Rupland statlfinden, die dort die Aufgabe finden werden, nnS den Eingeborenen allmählich ein geschicktes Arbcitspcrsonal für den Schiffbau heranzubilden. Die rnssische Rc- gicrung garantiert den deutschen Anlagen„für die erste Zeit" den bescheidenen Reingewinn von L7 Miliioncn Rubel jährlich. Eine solche Summe zieht! Während so Deutschland Rußland direkt erst in den Stand setzt, seine Flotte in raschcin Tcinpo zu vervielfachen, hat es Amerika den besten Panzcrschntz seiner Schiffe verschafft. Bor einiger Zeit lenkten die Carnegie- Stahlwerke als Vertreter der Firnia Kknipp die Aufmerksamkeit des nordameridniffche» Mnrincdepnrtcments auf das neue Kruppsche Fabrikationsverfahren von Panzerplatten und stellte» zugleich das Ersuchen, Panzerplatten, die nach demselben hergestellt ivaren, den schiversten Proben zu unterwerfen, da sie das Bcnutziuigsrccht des betreffenden Verfahrens erworben hätten. An- fänglich verhielten sich die Sachverständigen des Marincdcpartcments diesem Verlangen gegenüber nicht nur ablehnend, sondern sie er- klärten, daß es keine besseren Stahlpanzer geben könne als die nach dem Harvcyjchcn Verfahren hergestellte», nnt denen die Bundes- schiffe gepanzert sind. Schließlich gab man aber dem Drängen der indirekte» Vertreter der deutschen Firma doch nach und veranstaltete Versuche, die allerdings überraschende Resultate ergaben. Das Geschoß traf die Platte beinahe nn Centrum und drang nur LVe Zoll ein. wo es stecken blieb. Nach dem Dafürhalten der Sachverständigen hat die zwvlfzvllige Kruppsche Platte ungefähr dieselbe Widerstandsfähigkeit wie jede nudcre von 13 Vi Zoll Stärke, was für den Bau der Kriegsschiffe von wesentlicher Bedeutung ist. Die Panzmmg mit solchen Platten wird zur Folge haben, daß das Gcivicht des Panzers um etwa 300 Tonnen pro Schiff vermindert wird. Es können also entweder die Batterien entsprechend verstärkt oder da§ KohlcnfassungSvcrmögen erhöht bczw. die Leistungsfähigkeit der Maschine» gesteigert iverde». Natürlich versieht Amerika seine neuen Kriegsschiffe, so äugen- blicklich drei neue Schlachtschiffe und vier Monitors, dank dem Entgegenkoimnen Krupps mit diesen deutschen Panzern. Wenn man cuvägt, daß auf die genannte Weise gerade diejenigen Kreise, die jetzt am meisten Stimmung für eine deutsche Flottenvermehrung machen, alles thun. um die Kriegsflotte» des Auslaudcs der deutschen gegenüber überlege» zu machen oder zu erhalten, dann erscheint die in erster Linie von den Flottcnintcressenren insceuierte Flottenreklame als ein anmntigrs Bild praktische» Gcschäftösiiiues und ihr Patriotismus erstrahlt Heller tu der Aureole drS Profites. Wenn es einmal zu einer Verwicklung kommt, dann muß die breite Masse der Bevölkerung ihre Haut zu Markte trage». Die Herren Judustriellc», Reeder und Kapitalisten aber, die so patriotisch thu», liefern dem Auslände die vorzüglichsten Waffen und das beste Material, um die deutschen Mannschaften mit Erfolg bekriegen zu können. Und für die Nutznießer solcher doch sicher nicht von Patrio- tiSnmS diktierten GeschäftSmaximc» soll das arbeitende Volk noch aus seiner Tasche die ungeheuren Suminen für neue Flotten« ausgaben aufbringen.— Ientj'ches FMch. Graf Philt reist„ohne politischen Hiiltcrgnind*. so verkündete die„Nordd. Allg. Ztg.". Er treibt bei de» süddeutschen Höfen weder Flotrenpropaganda, noch soll er Reichskanzler werden. Ter Kaiser. so meldet ein anderes Blatt, ivolle den Fürsten Hohenlohe»Itter keinen Umständen entbehren. Fürst Hohenlohe wird in gewohnter Jugcndfrischc als Träger der dreifachen Last des Zuchthaus-. Kanal- und Flotteugesctzes der staunenden Mitwelt sich produzieren.— kleb er die Novelle zum Unfallgcsclie sind die osfiziösen Nachrichteuhändlcr wieder neue Einzelheiten mitzuteilen in der Lage. Danach soll die Versicherungspflicht auf einzelne Zweige des Haiid- Werks ausgedehnt werden, wie z. B. Schlogcr, Schmiede, Fenster- Putzer, Apotheker, gewisse häusliche Dienste 2c. Einige formale Aenderuiigcn, wie Erleichterung der Wahrimg des Rechtsanspruches, sollen auch geplant sein und ebenso soll der Kreis der rcnteii- berechtigten Angehörigen erweitert werden. Den Bcrufßgriiosscn- schaftcn soll die Chikanicrnng der Rciiteiiempfänger ein klein wenig erschwert werden dadurch, daß sie nach fünf« jährigem Bestehen einer Rente diese nicht mehr selbständig sollen herabsetzen dürfen, sondern erst das Schiedsgericht anuifen müssen. DaS sollte überhaupt von vornherein gelten und nicht erst nach fünf Jahren. AIS Schiedsgerichte sollen die für die Invalidenversicherung bestehenden zur Geltmig kommen. Den BerufSgenossenschaften soll das Recht erteilt werden, Ar- beitSnachweise einzmichtcn, jedoch Nur unter der Bedingung, daß an ihrer Verwaltung Arbeiter und Unternehincr gleichmäßig beteiligt seien. Wer diesen Gedanke» wohl ausgeheckt haben mag t Mit der Unfallversickernng hat das doch nicht das geringste zu thn». Will man etwa damit die Reiitcncmpfängcr unter schärfere Aussicht der BerufSgcnosscnschaften stellen?— Flottcnbegeistcning. Die Organe der Marlncliescraiitcn flunkern gern von einer allgemeinen Volksbegeistcrinig für Marine- Vermehrung und Wcltmachtpolitik. Einige Mitteilungen des Essener Ausschusses des„Flottenverein«" an seine Ver- trauenSleute, welche die„RheiiuWestf. Llrb.-Ztg." veröffentlicht, zeigen recht nett, wie es damit in Wahrheit ausgeht. Da ist eine Eingabe, die der„Vorsitzende des Telegraphic-Anöfchusses. Herr Kollege Severin", an das Präsidium des deutschen FlottcnvcreinS richtet: „Das zu bildende Koniitce setzt sich auS den Vorsitzenden der oben angeführten 20 Ortsvereine zusammen, welche ihre Thäligkeit weitgchendst ausdehne» ans die unteren Schichten des Volks- und Beamtentums, mit»vclchen dieselben, als gleichgestellte Klassen, eine bessere Verbindung haben, als die Herren Obcrpräsidciitcn der Provinzen... Einmalige Anffnfe in einer Tageszeitung verniöge» nicht hier nnten das Verständnis für die Flotte zu wecken... Welche Mühe eS hier unten kostet, ist denjenigen bekannt, die hier nnten wirken..." In einem anderen Schriftstück liest man: „Gleichzeitig teile ich Ihnen mit. daß in den nächsten Tagen seitens der Geschäftsstelle öOOO Flugblätter verteilt werden, daß von Erfurt gestern 33, von heute 60 Mitglieder eingingen. Die Bochumer Listen bringen Beamte vom Assistenten bis zum Bremser, Gepäckträger. Bahn Hofs>virt, Kellner und so weiter... ES wird zur Zeit eine fabelhafte THÜtigkeit cntwilkcltk Tie Pchördc» haben Kenntnis; laut meines Briefes erkennt die Behörde den AuS- schnß als solchen an-, dienstliche Gründe stehen nicht entgegen." Dienstliche Gründe stehen der Mitwirkung der Untrrveamte» beim edlen Flotten rmnmel nicht entgegen. Es handelt sich ja nicht darum, die Lebenslage der Unierbcamtcn zu erleichtern und ihre Interessen zu fördern. Kein Wunder, daß die Agitation da nicht auf frnchtvaren Boden fällt. Aus„Begeisterung" bringen die Flottenfcxe keine paar Hundert lluterbeamte zusammen, denen die Weltmackttmnkellheit die Sorge des Tages vergeffen machen soll.— Mit der ZuchthanSborlagc beschäftigte sich am Sonntag die Gcncralvcrsainmlung des Wahlvereins der Liberalen lFreisinnige Vcreiingnngj in sehr eingehender Weise. Die Redner folgten in ihrem ablehnenden Standpunkt ganz dem Referat des Herrn Or. zur. Freund, der durch seine Thätigkeit am Berliner Gc- wcrbcgencht und als jetziger Vorsitzender der Alters- und Jnvaliditäts- Versichcriiiigsanstalt Berlin in Arbcitcrlrciscn gut bekannt ist und infolge seiner Stellung in vielfacher Berührung mit der Arbeiterschaft sieht/ Der Redner will der Regierung nicht ohne weiteres die bona fiäes abstreiten, daß sie nur gewillt sei, die Arbeitswilligen zu schützen und das KoalitionSrrcht nickt zu beschränken. Es komme ihm aber so vor, als wenn die Berliner Tiergarteiiverlraltmig, i»n sich vor Holzdicbstählcn zu schützen, im ganzen Tiergarten Fuß» angeln lege mid ans erhobene Beschwerden nniwortrn würde: für daS Publikum ist der Tiergarten frei, die Fußangeln sind nur für die Holzdiebe gelegt. sHeiterkeit.) Er sei der Ucberzeugnng, daß die vorbandenen Strasvorschristen vollständig«nisreichen, um AuSschrctttnigen bei ArbcitcrmiSständen bestrafen zu können. Redner vertritt dann die Meinniig, daß durch solche Vorlage die Arbeiter zur revolutionären Politik thatsächlich gedrängt werden. Die Regierung könne nichts Besseres thun, als die Vorlage zurück- zuziehen. Nach diesem Redner, der unter lebhafter Zustimmung geendet hatte, nahm der Reichstag?- Abgeordnete Nöficke das Wort, desscu Stellungnahme zur Znchthansvorlaac ans seinem Au treten im Reichstag bekannt ist. Er versuchte der Socialistcnfnrcht in liberalen Kreisen eine Absage zu erteilen, üidcm er— wir wissen nicht, ob es ihm vor seinen Zuhören gelang— den Versuch unternahm, den Rackweis zu führen, daß die Social- dcmolraten nicht mehr zu den staatsfeindlichen Elementen gehören und der Liberalismus mit lhiicn eine ganze Reihe Bcrnhningspunkte habe. Rechtsanwalt Kappel kritisierte die Rechtssprechung in gewerbliche» Streitigkeiten, worauf HaiidclSkannncr» Präsident Friedrichs« Potsdam gegen die Vorlago einwendet, da man es verstehen könne, wenn ein solches Gesetz 1880 oder anfangs der SOcr Jahre eingebracht wäre. Damals konnte man allenfalls von einer Uebcrmacht der Arbeiter in gewissem Sinne sprechen. Heute haben sich die Arbeitgeber in Svndikaten mid Arbcitgcbcr-Vcrbäiidcn derartig zusaimneugeschloffen, daß die Arbeitgeber von vornherein die llebermacht haben. Im übrigen sollte man doch nicht vergessen, daß, obwohl ivir eine» lvirttthaftlichen Aufschwung haben, wie er noch nicht dagewesen, sehr wenig Ausstände vorkommen. Die Arbeitgeber'erhöhen ihre Preise, man sollte eS daher den Arbeitern nicht nnmöglich machen, auch ihre Lebenshaltung aufzubessern. Die folgenden Redner, darimter einige Fabrikanten, sowie auch die Abgg. Ricke rt und Barth bekunden ohne Ausnahme ihren ablehnenden Standpunkt zur ZnchthanSvorlage. Ter letzte Redner hebt hervor, daß er einen siegreichen Kampf gegen die Reaktion nur dann erwarte, wenn sich daS liberale Bürgertum der Social- dcmokratie annähere. Schließlich wurde eine Nesolntion angenommen, die eine unbedingte Verurteilung der Znchthausvorlage enthält und statt einer Verschärfung der vcstehendcn Gesetze eine Sicherstellniig der Koalitionsfreiheit fordert. Sic verlangt ferner den Ausbau der Gewerbegcnchte zu Einigungsämtcrn und die Erlangung der Rechtsfähigkeit für die Arbeiter-Bernfsvercinc. Den guten Eiildmck, der dmch die Stellungnahme zur Zuckt- Hans-Voriage hervorgerufen wird, hat der liberale Biirgervcrci» sofort ivicder aufgehoben durch seine Stellungnahme zur Flotten- Vorlage. Die hierzu angenommene Resolution lautet: „Die Versammlung spricht ihre Zustimmung zu den Ans- führiingen des Vorsitzenden ans und erwartet von den liberalen Abgeordneten eine unbefangene, die steigende Bedeutung unsere» überseeischen Interessen berücksichtigende Prüfung der angekündigten Flottenvorlagc. Es wäre wohl des Guten zuviel gewesen, wenn man auch der Flottenvorlagc eine glatte Absage erteilt hätte? Antisemitisches Durcheinander. Als kürzlich die Reichstags- Ersatzloahl in Pirna stattfand, fiel es auf, datz daS große Mundwerk des Herrn L i c b e r in a n n v. S o n n e u b e r g nicht in Thätigkeit trat. Herr Liebcrmann giebt jetzt in seinen„Deutsch- Sozialen Blättern" Anfklärnng über das Wunder seiner Schivcig- samkcit: „Kurz nach der Abstinnnung im Reichstage über die sogenaimtc Z n ch th a u s- V o r la g e ivar ein hervorragender sächsischer Parteigenosse an den Leiter der„Deutschen Tages- zeitnng" mit der Bitte herangetreten, er möge in seiner Zeitung erklären, die sächsischen Reformer teilten nicht den Standpunkt d e r F r a k t i o n b e z ii g- lieh des betreffenden G es e tz e s. Loyalerwcisc be- fragte der crivähnte Leiter der„Deutschen Tageszeitung" erst den Abgeordneten von Liebcrmann über dicic Angclcgenhcir und brachte auf dessen Wunsch die betreffende Notiz nicht.— Einige Wochen später las man in der„Deutschen Tageszeitung" gelegent- lich eines Stimmmigsbildes von dem Wahlkampfe in Pirna eine Bemerkung des Inhalts, daß unter den Fabrikanten die Stimmung für die Kandidatur Lotze unter der Stellung der Fraktion der deutsch- socialen Reform Partei zur ZnchthanSvorlage etwas litte. Man nahm aber an, daß Herr Lotze, der bei der Nbstimnmiig nicht mehr im Reichstage gewesen sei. eine ab- weichend« Stellung in dieser Frage einnehme. Wenn Herr v. Lirbcrmann nun im Wahlkreise Versammlungen ab- gehalten hätte, so würde er unfehlbar sowohl von den Socialdcmokraten und Freisinnigen einerseits. als auch von den Nationalliberalen und Konservativen andererseits über die Stellung der Partei zu jenem Gesetz befragt sein mid die daran anluupfciwen Erörterungen hätte» der Kandidatur Lotze unter allen Umständen schaden müssen! Der Antisemit Lotze, dessen Kandidatur von der Gnade der zilckthaNSgcsetzlüstenien Konservativen abhing, mußte also gegen die Anschammgrn seiner Partei die Wähler nasfübren. Worüber freilich sich kein Mensch wundert, denn die Herren„Reformer" haben alle Gesinnungen, die ihnen einen Hansen Wähler einbringen können, und in jedem Wahlkreise andere als im benachbarten.— RcichStagS-Ersatzwahl in Schlettstadt i. Elf. Am Sonntag fand im Wahlkreise Schlettstadt, dessen Mandat durch den Tod des bisherigen Vertreters S p i e S frei geworden war, die Ersatzwahl statt. Es siegte der von der katholischen Landcspartei aufgestellte Strnßbnrger Rechtsanwalt V o n d e r s ch e e r, der nach einem Wolff- Telegramm 6680 Stimmen erhielt; von den zwei als liberal be- zeichneten Kandidatc» erhielt Dirion 1S57, Kornmann 637 Stimmen, der Socialdemokrat Briistcwicz 1806 Stimmen. AuS mehreren Orten steht das Resultat noch ans. Im Jahre 1898 siegte Abg. EpieS mit 7294 gegen 1073 social- demokratische Stimmen. Unsere Stimmenzahl hat sich also um mehr als 700 seit dem Vorjahre vermehrt. Das ist ein ganz b e- d e u t s a m e r Fortschritt in einem noch durchaus klerikalen Wahlkreise.— Ein vornrteilsfreier Aiirst ist nach einem hiesigen Blatt der Großherzog von O l d e n b u r g, weil nach Eröffnung des Land- tags auck der nengcwählte socialistische Abgeordnete Genosse H u g mit den übrigen Abgeordneten zur fürstlichen Tafel eingeladen ward. DaS soll, wie besagtes„freisinniges" Blatt lakaienhaft meint,„von echt vornehmer Gesinnung zeugen, die auch über die Grenzen Oldcn- bnrgs UnerkcnNnng" verdiene! Der liberale Schmock scheint nicht zu wissen, daß in allen deutschen Vaterländern regelmäßig alle Abgeordneten bei solchen Gelegenheiten zur fürstlichen Tafel ein- geladen werden. Es ist dies eine Formalität, die von den Ab- geordneten auch als solche aufgefaßt wird, zu der aber socialistische Älrgcordnete sich noch niemals hergegeben haben.— Die Ablösung der Soctaldcmokratie durch die um Naumann. Man schreibt uns anS Hessen, 12. November: Die National- Socialen tragen sich bekanntlich mit der menschciffrenndlichcn Ab- ficht, die Socialdemokratie„abzulösen". Vorläufig allerdings brauchen wir uns wohl keiner allzugroßen Sorge dieferhalb hin- zugeben. Es wird noch einige Zeit iiis Land gehen, bis»nS die Nanmäuner mit Haut und Haaren vertilgt haben. Einstweilen scheinen wir noch die Näumämier„abzulösen". Nach Göhre bat jetzt ein weiterer Theologe, A l b e r t M e y e r, der eines Gehör- fchlcrs wegen ans die scclsorgcrische Thätigkeit Verzicht leisten mußte und dann als alter Anhänger Naumanns in die Redaktion der dein Herrn von Gerlach gehörige»„Hessischen Landcszcitnng" in Marburg eintrat, seinen Abschied von den National- Socialen genommen. Meyer ist„nach ernster Arbeit zu der Einsicht von der Wahrheit des demokratischen marxistischen SocialismnS gc- kommen" und hat die Konsequenzen seiner Neberzeugung gezogen. Er hat seinen Austritt ans dem nationalsocialen Verein erklärt und ist der socialdemokratischcn Partei beigetreten. Herr Naumann wird die große„Ablösung" noch ein wenig ver- tagen müssen.— Allö Sachsen- Wciliiar. Abg. B ändert überreichte dem Landtage eine aus allen größeren Orten des Landes eingegangene Resolution, in der gegen die jetzt beliebte Handhabung der Miiiisterial- berordnimgcn vom 15. Juli 1874 und 21. April 1875 protestiert wird, da durch dieses Vorgehen Versammlungen aller Art mit schablonen- mäßiger Begründung verboten werden und daS Versammlungsrecht det Arbeiter völlig aufgehoben ist. Die Resolution fordert vom Landtag ein Gesetz, welches jedem ohne Ansehen dar Person vollständige V e r s a in m l u n g s-, Vereins- und Redefreiheit garantiert.— Dast den NiiNagen wegen Majcstätsbclekdkgnng zumeist Gehässigkeit der Anzeigenden zu Grunde liegt, bewies wiederum eine Verhandlung, die' gestern vor der siebenten Strafkammer des Landgerichts I. Berlin stattfand. Die Arbeiter-Ehefrau Therese S a l c w s k i ivurde von mehreren anderen Frauen, mit denen sie früher freundschaftlich verkehrt, sich dann aber mit ihnen entzweit hatte, beschuldigt, daß sie wiederholt beleidigende Acnßernngcn mit Bezug auf den Kaiser gcthan habe. Den Anzeigenden würde der Gerichtshof schwerlich vollen Glauben geschenkr haben, die Aussagen derselben ivurden aber durch zwei andere cinwandöfreie Zeuginnen unterstützt, so daß der Gerichtshof mit dem Staalsanwatr der An« ficht lvar, daß eine Verurteilung der Angeklagten erfolgen müsse. trotzdem diese unter Thräncn versicherte, daß sie niemals eine Majestätsbclcidigimg ausgestoßen habe. Es wurden drei Fälle als erwiesen angenommen und wurde hierfür auf drei Monat Gefängnis crkaimt. Miguel und Bebel. Obgleich es keine angenehme Aufgabe ist, uns mit Personenaligelegeiiheiten zu befassen, wir werden durch die gcgneriscke Presse dazu genötigt. Auf unsere kürzlich veröffeitt- lichte,' von Bebel selbst herrührende Antwort gegen die agrarische . Tageszeitung", daß er in seinen junge» ManneSjahrcn seine politischen Ansichten gewechselt und Socialdemokrat geworden sei, aitt« wortet die„Münchner Allg. Zeitung": Finde es Bebel in der Ordnung, daß er seine politischen Ansichten geändert habe, so dürfe man auch Herrn v. Miquel den Wechsel seiner Ansichten nicht zum Botlvnrf machen. Wir erlauben uns anderer Ansicht zu sein. Bebel hat sich vom Liberalen ,',i»n Socialdemokratcii entwickelt und tritt seit mehr als drei Jahrzehnten unentwegt jür die Verwirklichung der socialdemokratischcn Ziele ein. Herr v. Miquel aber hat sich vom ehemaligen Republikancr, Atheisten und Kommunisten, zum bürgerlichen Demokraten, alsdann zum FortschrittSmann, weiter zum Nationalliberalen»nd schließlich zum Konservativen entwickelt. der für Junkerei und Mnckerci, für Lebensmittelzölle, Zuchthaus- vorlagen, Drciklasicn-Wahlsystem und alle sonstigen Niederträchttg» ketten' eintritt, die gegen das arbeitende Volk erdacht werden können. Ob aus Uebcrzengnna oder Berechnung, entzieht sich der öffentlichen Kenntnis, denn von ihm heißt es wie von Wallenstein:„Weiß doch niemand, an>vaS der glaubt?" Der Unterschied zwischen Miquel und Bebel ist also folgender: Bebel hat sich von rechts nach links entwickelt, d. h. nach vorwärts, Herr v. Rliqnel hat sich von links nach rechts entwickelt, d. h. nach rückwärts. Ist das in den Augen der„Münchner Allgem. Zeitung" dasselbe, so nur. weil sie als Schnrfmachcrorgan Herr» v. Miquel verteidigen und seine politische Ehre retten muß.— Knstand. Das Ministcrinm Clary in Nöten. -st- Wien, 13. November. Der Negiernng Clary geht es schleckst, so schlecht, daß sie bald auf die Strecke zu liegen komme» kann. Die Anfhebimg der Sprachen- vcrordilimgen hat zlvar die Obstrnkrion gebannt; sie hat abei« die Regierung' das gekostet, was östreickischc Regierungen für ihre odiosen „Staatsnotweudigleircn" nicht entbehren können: die Majorität. So kämpft das junge Mniisleriuin gegen einen wohl»»sichtbaren, dafür aber umso gehässigeren Feind, und jeder seiner Schritte stößt auf ein neues Hindernis. Die letzten Tage haben gleich zwei neue Schwierigkeiten gezeitigt. Da ist erstens der unvermutete Beschluß der Staatsfthnldcn-Kommission, der in den oktroyierten Ausgleich ein großes Loch reißt. In dem„auf Grund" de» K 14 erlassenen Ausgleich ist nämlich als Fortsetzung der im Jahre 1892 begonnenen Valutaregulierung die Einlösung deS noch im Umlaufe befindlichen Papiergeldes, der 112 Millionen Staats- uoten, in Aussicht genommen. Die Einlösung soll derart erfolgen. daß die beiden Regierunge» an die Zettelbank diesen Betrag in Gold übergeben, ivofür die Ocstreich-Ungrische Bank 80 Millionen Gulden in Zehilkroncii-Bankiiotcn— vom 1. Jnimar soll nämlich die Kronen- rcchnung obligatorisch werden— und den Rest in Silbermünzen zu 5 Kronen ausgeben sollte. Zn diesem Zweck brauchte die Regierung den Goldvorrat, der ans dem Valnta-Anlchcil vom Jahre 1892 zmnckgcbltebcn ist und über den die Staatsschuldeii-Kontroll- tommission— eine vom Rcichsrnte aus vier Mitgliedern des Avgeordiiclen Hauses und zwei Mitgliedern des Herrenhauses bestellte Kommission— die Gegcnsperre führt. Die Kommission hat es nun abgelehnt, der Regierung da? Gold auszuliefern, und zwar deshalb, weil die„Verfügung", auf ivelche die Regierung ihr Begehren stützt, nicht, wie das Gesetz vom Jahre 1392 bestimmt, „durch die Gewtzgcvilng", sondern mit dem K 14 erfolgt ist. Da in der Kommission drei anSgcsprochene Parteimitglieder der Rechten ätzen— der Präsident des Abgeordnetenhauses Fuchs, ein Jung- ezeche und ein Pole— so ist es selbstverständlich, daß der Beschluß der Komnitssio» lveiiigcr einem starken Rechtsgefühl, als dem Wunsche entsprinigen ist, der Regierung Verlegenheiten zu bereiteu. Das ist auch im vollen Umfange erreicht worden, dem, wenn es der Regierung nicht gelingt, die Kommission zu einer Uinstoßiing ihrer Eilllcheidmig zn bestimmen, so ist thatsächlich die Durchführung dieses Teils des oktroyierte» Ausgleiches vereitelt. Was das natürlichste iväre: Vom Parlament die Indemnität der Ausgleichs- verordimiigen zn erlangen, das zn erreichen ist nach der Lage der Dinge jetzt ganz unmöglich, mid so bliebe der Negiernng nichts übrig, als die Sache in der Mitte stecken zu lassen. Da es sich aber um einen Vertrag mit Ungarn handelt, so wären neue böse Rckriminationen von ungarischer Seite ganz sicher zn erwarten. Eine andere Hoffnung ist der Negiernng Clary heute in§ Wasser gefallen: Die Verhniiblimgcn der Quote, i-Dcpntattonen sind nach zweitägiger Tancr ergebnislos geblieben. Die Depntationen sind bekanntlich die ÄnSschüffe beider Parlamente, des östteichische» RcichSratcs und des»Nganschen Reichstages; ihre Aufgabe ist es, den Parlamenten über das Onotenverhältnis— das Verhältnis. nach welchem jeder Staat zu den gemeinsamen Ausgaben, denen für die auswärtigen AngelegeiiheiteiV für Heer und Marine. beizutragen hat— eiiic» gemeinsamen Vorschlag zu miterbrcite». Das ist nun nicht gelniigcn'; die Differenz zivischen de», ungarischen Gebot und der ostreichischen Forderimg beträgt noch immer etwa sieben Prozent; da eS sich um eine Festsetzung für zehn Jahre handelt, so stellt jeder Prozent einen Botrag von etwa zehn Millionen dar. Es bleibt zwar noch die Möglichkeit, daß sich die beiden Regierungen einigen und den Parlamenten einen identischen Antrag stellen; aber wahrscheinlich ist das nicht. Es dürfte aielinchr wieder zur Feststellung durch die Krone kommen— die tritt ein, wenn sich die Parka- mente auf einen geineinsainen Veschlug„nicht einigen"— aber damit ist wieder nur für ein Jahr vorgesorgt." da der Kaiser über ein Jahr hinaus keine Anordunug treffen kann. Hier kreuzt sich überdies die Quotenfrage mit einer anderen und mehrt dadurch die Schwierigkeit ins Unabsehbare. Von dem Aus- gleich ist nämlich das sogenannte Ueberweisungsgesetz noch nicht er- lassen, jenes Geietz, das die Verteilung dcS Ertrages der Produktions- sieuern zwischen Oestreich und Ungarn regelt und das, da diese Ver- tellung künftig nicht nach dem Masze der Erzeugung, sondern nach dem Mage des Konsums erfolgen soll, einen sehr beträchtlichen Vor- teil für die Ungarn darstellt. Die Oesireicher wollen das Gesetz nun erst dann herausgeben, wenn die Ungarn in eine angemessene Er- höhung ihrer Quote gewilligt haben. Wie soll jedoch das Gesetz im Neichsrat erledigt werden— es nuife am 1. Januar in Kraft treten—, wenn die Quote voraussichtlich erst am 31. De- zember vom Kaiser bestimmt werden tvird? Wie man sieht, rückt der§ 14 wieder sehr in Nähe, und wenn kein Wunder geschieht, so wird er im Januar gewig wieder in vollster Thätigkcit iei». Und das P a r l a m e»t? Ss ist so, wie es war: ohnmächtig, zerrissen, kraftlos, unfähig und widerwärtig. Die offene Obstruktion der Deutschen ist wohl verschwunden, dafür ist die geheime der Majorität auf den Plan getreten. Das Abgeordnetenhaus tagt nun einen vollen Monat, aber es hat mit Ausnahme der bescheidenen Notstandsvorlage— und dazu mnstte man extra eine Mendsitznnq abhalten— noch keine einzige Sache beraten, es stectt noch über Hals und Kopf in politischen Debatten und wird den ganzen Monat brauche», um nur seine gegemvärtige Tagesordnung „aufzuarbeiten". Nun müssen aber bis Ende des Jahres die Gesetze fertig werden; müssen: sonst werden sie mit dem§ 14 gemacht werden. Das ist neben dem genannte» Ueberiveisungsgesetz das Gesetz über die Erhöhung der Bezüge der Sraatsdiener— drei darüber erlassene Verordnung erlischt nämlich mit Jahresschluß und das Bndgetprovisorium. Natürlich liegt die Sache nicht etwa so. daß diese drei Gesetzvorlagen besonders viel Zeit erfordern wurden; im Gegenteil, es sind lo durchgesprochene Dinge, daß man eigentlich nur abzustimmen brauchte.' Aber die Unnatur dieses Parlamentes liegt darin, daß die Majorität dies Parka- >n e n t s die Regierung zur Anwendung des Z 14 treiben will. Die Geschichte konstitutioneller Staaten hat uns viele merkwürdige Situationen überliefert, aber daß die Majorität eines gesetzgebenden Körpers kein heißeres Bemühen kennt, als die Regierung zum Verfassungsbruch zu bewegen, zu einem Ver- fassuugsbruch, der das Parlament depossediert: derlei groteske Situation ist wohl noch nicht erlebt worden! Es will uns jedoch scheinen: da? Spiel wird diesmal nicht die Negierimg, sondern das Parlament verlieren. Ob die Mitglieder deS Kabinetts Clary zureichende Talente sind, ob sie also Minister bleiben sollen: das ist eine herzlich gleichgültige Sache. Weit wichtiger ist die Frage, ob dieses unsachliche, jeden Gefühls der Verantwortlichkeit bare Parlament noch existenzfähig ist, ob die Fixion dieser Verfassung die Völker noch weiter narren dürfen wird. Zweieinhalb Jahre hat man sich in Oestreich mit der Illusion beholfen, daß nur die Sprachenverordinmgen die parlamentarische Krise verschuldet haben, daß jedoch ihre Anfhebnng die Arbeitsfähigkeit des Parlaments sofort herstellen Iverde. Nun wird auf diese Ve- hauptung die Belastungsprobe gemacht, es soll sich zeigen, ob dieses Privilegienparlament noch überhaupt thätig sein kann. Versagt das Parlament auch jetzt, so muß auch dem' Einfältigsten in Oestreich klar werden, daß hier ein organischer Fehler vorliegt, daß man also, uin die Verfassung zur Wahrheit zu machen, ein emderes Parlament braucht. So wenig auch die Herren Abgeordneten zu wiffen scheinen, es ist für sie in Wahrheit die EntscheidnilgSstulide gekommen: Das Parlament wird lebendig werden müssen, oder eS wird aufhören zu sein.— Schweiz. Genf, 13. November, sPrivatdepesche.) Der Soeialist T r i q n e t wurde in der Stichwahl zum Nattonnlrat gewählt. Es sitze» nunmehr im Schweizer Naiionalrat 4 Soeialdemotraten.— Frankreich. Zola Prozcst. Aus Paris wird gemeldet: Zola ersuchte den Präsidenten des V e r s a i l l e r Schwurgerichts, für seinen am 23. November beginnende» Prozeß den' Oberst vo» Schwärt,- koppen und den Oberst Panizzardi im RequisttiouSwege als Zeugen vernehmen zu lassen. Zola hofft durch diese Zeugen endgültig Beweis führen zu können, daß Esterhazy die Dttyfus zur Last gelegten Verbreche» begangen hat.— Komplottprozest. Der Gerichtshof verhandelte am Montag zunächst in geheimer Sitzung über die Fassung, die feinem ani Sonnabend gefaßten Beschlüsse bezüglich seiner Zuständigkeit zu geben sei. Die öffentliche Sitzung wurde sodann um 21/4 Uhr eröffnet. Der Vorsitzende FallthrcS verliest zuerst den Beschluß des Gerichtshofs bezüglich der Zuständigkeit und dann die Anträge des Angeklagten Dnbue, in ivelchen dieser verlangt, daß die Papiere unberücksichtigt bleiben, die bei ihm in einer im Laufe seiner Abwesenheit vorgenommenen Haus- suchung konfiiciert wurden. Der Advokat Dövin bespricht die Anträge deS Angeklagten Dubuc und kommt zu dem Schlüsse, daß das Urteil gegen denselben aufgeschoben werden müsse. Die Sitzung wird'hierauf unter- brochen,— Nach Wiedermifiiahme der Sitzung setzt Devin sein Plaidoyer fort und legt in längerer Rede die Rechtsfrage und die Thatfrage bar. Die Länge seiner Ansführuiigen ruft nnter den Senatoren mehrfach Murren hervor. Tsronlkide und Gileriii protestieren heftig dagegen. Nach einer bieplil des Staatsanwalts, welcher Schluß- folgerinige» Devins zurückweist, zieht sich der Staalsgerichtshof in sein Beratiiiigsziminer zurück. Die öffentliche Sitzung wird auf Mittwoch vertagt. Dänemark. Sociale Frage» im dänische» Folkcthing. Vier Themata, die sociale Fragen betrafen, ftaiide» vor kurzem im dänische» Parlament zur VerhauMling. Es waren dies: Die Speisung der Schul- linder, die Reform der Altersversicherung, der Maxiiuakarbeitstag und Staatshilfe bei Arbeitslosigkeit. Der Präsident"hatte sämtliche tragen auf einmal zur Bcrarung gestellt und glaubte in einer jtzung schnell die Sache zu erledigen. Diese Absicht wurde jedoch von unseren Parteifreunden vereitelt, die die Gelegenheit nicht vorübergehen ließe», in ausführlicher Weise die Begründung zu führen. Zu der ersten Frage, die Speisung der Schuliindcr betreffend, lagen Anträge vor, einer von unserer Partei, der den Gemeinden die Pflicht auferlegt und ihneil durch Staatszuschuß es möglich macht, alle bedürftigen Kinder zu spciseil; der zweite Antrag ging von der liberalen Linken aus, die cinsiebt, daß sie diese Frage nicht völlig außer acht lassen darf, dein, die Statistil hat bewiesen,' daß bei 52303 Schulkindern ein Bedürfnis nach Speisung vorliegt; aber sie suchte die Sache durch ihren Antrag in so be- scheidenen Grenzen zu halte», daß fast nichts herausgekommen iväre. Uebrigens haben die Gemeinden ja schon ohne gesetzliche Vorschrift nahezu mehr gethan, als die Liberalen wollen, Kopenhagen hat bereits 13 330 Kronen für diese Zwecke bewilligt niid Frcdriksberg Schnlküchen errichtet. Die Linke wollte nun, daß die Genieinden das Recht erhalten, ohne Zustinnnung des Amtsrats die Bcköstignng der Kinder einzufiihrc». Unsere Parteigenoffcn Jensen und C h r i st e n s e n vertraten unfern Parteiaiitrag. Jensen ivies ans der Statistik nach, daß in Kopenhagen 7911 Kinder wären, die nicht jeden Tag warmes Essen bekämen, während 2639 nur dürftig versorgt sind. Nach ihrem Antrag köiinten bis 8832 Kinder an der Speisung teiliiehmen. Außerhalb Kopenhagens seien die Verhältnisse nicht so schlimm. Von 88333 Kindern bekomme» nur 4333 jeden zweiten Tag warmes Essen. In den Dörfern ist die Zahl sicher verschwindend, so daß durchaus nicht in jeder Landschule Kinderspeisung eingeführt zu werden brauchte. Ueber 18003 Kinder bekommen mir jeden 2. Tag warmes Esten und 4633 niemals. Christensen legte dar, daß die Sache nur dann Erfolg verspreche, wenn sie den Gemeinden zur Pflicht gemacht wird, da sonst die Gemeinden alles beim alten lassen werden. Der Min ist er des Innern stellte sich dem Antrag sympathisch gegenüber; er machte aber eine viel zu hohe Berechnung ans, um nachznweisen, daß der Antrag zu weit gehe. Auch die anderen Parteien sprachen für den Antrag der Linken. Beide Anträge kommen demnächst zur zweiten Lesung. Als zweiter Punkt stand die Altersversicherung zur Be- ratung, ein Antrag unserer Partei. In IVs ständigem Vortrag bewies unser Parteigenosse K n u d s e n, daß die durch ihn verlangte Reform jährlich 4—5 Millionen Kronen mehr erfordern würde. Außerdem werden klare Regeln für die UnterstützungS-Berechtigung, sowie Garantien für die gute Behandlung und Pflege in den Alters- Heimen, Erhöhung des StaatsznschusseS sc. verlangt. Der Vertreter der Linken sprach sich im ganzen günstig für die Reform ans. Das jetzige Gesetz würde sehr inhuman ans- geführt. Das Minimum der Unterstützung, welches der soeialdemo« kratijche Antrag haben will, sei empfehlenswert. Wenn nur ein Teil des Antrags durchgeführt wird, sei es schon erfreulich. Auch Anton Jensen von der Linken erklärte das jetzige Gesetz für unhaltbar und will dem Antrage zustimmen. Beim FoUething ist außerdem ein Antrag auf Aenderung der Arbeitszeit in Bäckereien durch unseren Partei- genoffcn I. Jens« n eingereicht, ein Antrag, der im Vorjahre vom FoUething angenommen wurde, aber im LandeSthing nicht mehr zur Beratung' kam. Die Partei hofft diesmal ans Annahme.— Italien. Die Marineschraube ohne Ende drückt auch auf das unglückliche Italien. Statt Reformen im Innern zu machen und für allmähliche Gesundung des kranken Staates und Kräftigung des ausgesogene», ausgemergelten Volkes zu sorgen, wird die Regierung des Herrn Pelloux der am Dienstag zusammentretenden Kammer einen Plan zu beschleunigter Flotte»Vermehrung vorlegen. Ganz wie bei uns! Armes Italien.— Rnstland. Graf Tolstoi über die Zukunft der russischcn VolkS- Wirtschaft. I» den Petersburger„Wiedomofti" kommt Graf Tolstoi in einem umfangreichen Artikel, der die kritische Lage der russischen Volkswirtschaft untersucht, zu dem Schluß, daß in Zukunft für Ruß- land noch nie dagewesene Not bevorstehe, der die Re- gierung nur mit der Anlage von großen Gctreibcvorräten in den Dörfern zuvorkommen könnte.„Was wird ans Rußland," sagt Tolstoi,„wenn ein Hungerjahr, wie es 1891>vnr, mit noch verheerenderer Wirkimg wiederkommen sollte? Man kann nur mit Schrecken daran denken! Was wird ans dem ausgemergelten zerrütteten Wolgagebiet? Was wird aus Sibirien, dessen Getreide- Export von der Regierung künstlich gefördert wird? Es iverden nicht 33, sondern alle 53 Gouvernements hnngern und das Hunger- gebiet wird zehnmal größer sein, als es im Jahre 1831 war. Graf Tolstoi, dessen Ausführungen bereits aus den: Grunde be- sondere Beachtung verdienen, weil er vielleicht der einzige ist, der in Rußland ungestraft halbwegs die Wahrheit sage» darf, fordert von der Regierung energische Maßnahmen, um den Bauernstand vor dem drohenden Untergänge zu beivahren.— Türkei. Konstantinopek, 12. November. Hier finden zahlreiche Ver- haftnngcn jnngtürkischcr Notabcln unter dem Verdacht eines Komplotts gegen den Sultan statt. Afrika. üinf Mauritius sind in der vergangenen Woche 87 Erkrankungen au der Pest und Git Todesfälle vorgekommen. Der RcichShanöhaltS-Etat für das Rechmingsjahr 1900 enthält zum erstenmal de» Etat für das Reichö-Militärgcricht, das infolge der neuen Militär-Strafgerichts-Ordiumg mit dem 1. Ol- tober 1933 in Wirksamkeit tritt. Der Etat ist also nur für ei» halbes Jahr, bis 1. April 1931, aufgestellt. Die fortdauernden Ausgaben betragen 243 118 M.— Es erhalten 1 Präsident. General oder Admiral mit dem Range eines kommandierenden Generals, 12 333 M. Gehalt und 18 333 M. Dicnstznlagen iaußerdem freie Dienstivohnung 2C.); 2 Adjutanten des Präsidenten, Majors, je 5853 M. Gehalt; 3 etatsmäßige militärische Mitglieder, und zwar 2 Generalniajors, je 9333 M. und 1 Oberst 7833 M. Gehalt; 12 anßeretatSmäßige militärische Mitglieder. je 633 M. Zulage; 3 Senats- Präsidenten, je 12 743 M. Gehalt; 12 Reichs- Militärgerichts- Räte, je 13 936 M.; 1 Obermilitäranwalt 12 743 M., 8 Militäranwälte je 10 985 M.— Dazu 11 Obcrsekrctäre je 2000—5000 M.'und 12 Kanzleisekretäre je 1800-3800 M, Der Militär- Etat für 1930 weicht nicht wesentlich von den Aufstellunge» des laufenden Jahres ab. Im � Extraordinarium sind erste Bnuraten angesetzt für Magazingebände in Bremen, Köln, Langsuhr, Darmstadt und Mainz; für neue BelleidungSämter in Spandan und i» Bahrenfeld bei Altona; für Kasernen in Berlin, Alexanderstr. 55; ferner für ein Telegraphen-Bataillon, sowie den ErweiternngSbau des Jntendantur-DienstgebändeS deS Gardeeorps, Außerdem neue Kasernen für Cüstrin, Wesel, Bonn. Colberg, Ludwigs- lust, Parchim, Oldenburg, Kassel, Gera. Altbreisach, Bruchsal, Mainz, mehrere Bauten für Leipzig und für Dresden. Grit der ReichStagSwahl im Juni haben die frei- sinnige Volkspartei, der bayrische Banenibund, die Welsen und die süddeutsche Volkspartei je 1 Sitz eingebüßt, die Nationallibcrale» je 1 verloren und gewonnen, während Konservative und Centruin je 1, die Socialdemokraten 2 positive Gewinne zu verzeichnen haben. Rechnet man die erledigten Mandate ihren bisherigen In- habern zu, so«rgiebt sich für den morgen zusammentretenden Reichstag folgendes StärleverhältniS der Fraktionen(die eingeklammerten Zahlen nennen die Stärke am Beginne der ersten Tagung): Centrum 103(102), Socialdemokraten 58(56), Deutsch- konservative 53(52), Nationalliberale 48(48), freisinnige Volkspartei 29(29), Reichspartei 22, Polen 14, sreisiiiiiige Vereinigung 12, Antisemiten 12(12), Elsässer 10, Welsen 8(9), Volkspartei 7(8), Bauer» lnmd 4(5), Wilde 18. Erledigt sind von den soeialdemokratischen Mandaten zwei, das von Calbe-Aschersleben (Schmidt) und von Pforzheim(Agster). ZDavtei-Aschvirtzkett. Gemeindewahlflcge. Bei den Bürgervorsteherwahlen in Lehe wurden unsere Genossen M ä d g e r und Nehlitz mit sehr großer Mehrheit wieder als Vertreter der dritten Klaffe gewählt. In Kaiserslautern wurden von den soeialdemokratischen Kaudi- baten 3 zu Stadträten und 2 zu Ersatzleuten gewählt. In Losch- >v i tz und Weißer Hirsch(bei Dresden) siegten in der Klasse der Unansäisigen die von uns aufgestellten Kandidaten mit großer Mehrheit. Die«Fraiikfurtcr Zeitung" meldet: „Die erste socialdemokratische Gcmeindevcrwaltmig in Bayern wurde am Freitag in Höchberg bei Würzburg, einem Orte mit über- wiegender Arbeiterbevölkermig, gewählt. Die Bürgerschaft war nn- zufrieden mit dem bisherigen, u»ter dem Banne der Ortsgeistlichen stehenden Bürgermeister. Deshalb siegte die soeialdemokratische Liste mit großer Majorität." Polizrilichrs, Gerichlttchrs«Nv. — Von der Anklage der SchntzmanuSbeleidignng wurde der verantwortliche Redaeteur der„Schleswig-Holst. Ztg.", Genosse Korn in Kiel, freigesprochen. Er hatte von einem Schutzmann be- hauptet, dieser habe sich Eintrittskarten zu Vercinsvergnügungen „erschmuggelt". Das Gericht erklärte in der Urteilsbegründung, daß er sich in der That die Karten unter unwahren Angaben verschafft habe; er möge als Beamter korrekt gehandelt haben, vom gesell- schaftlichen Standpunkte sei sein Verfahren jedoch nicht zu billigen. — Wegen Beleidigung eines Schnizmannes wurde der ver- aniwortliche Redaeteur des anhaltischen„Volksblatts", Genosse Günther, vom Schöffengericht in Bernburg zu 50 M. Geldstrafe ver- urteilt. Er hatte berichtet, daß der Schutzmann einen betrunkenen Arrestanten geschlagen habe, während die Beweisaufnahme ergab, daß der Betrmilene, wenn er sich sträubte, nur immer wieder aus die Karre, auf der er transportiert wurde, niedergedrückt worden war. GowevKschÄfllichvs. Berlin und ttmgcgcnd. Sattler der Militärcffektcnbranche. Bei der FirmaBccker u. Co., Alexanderstr. 27a, ist der Streik ausgebrochen. Die bescheidenen Forderungen: Aufhebung jeder Maßregelung, Einführung der früher üblichen Arbeitszeit von 9 Stunden und Verbesserung der Aecord- löhne, sind vom Fabritauten abgelehnt worden. Kollegen! Wir rechnen auf Eure Solidarität! Die A g i t a t i o n S I o m m i s s i o n. Zu dem Bericht der Versammlung der Berliner Gewerk- schaftskomlnisston erhalten wir folgende Zuschrift: „Meine Ausführungen betr. die Verhandlungen des EinignngS- amtes im Streik der Steinarbeiter sind in dein Bericht nicht ganz zutreffend wiedergegeben. Ich habe nicht gesagt und konnte nicht sagen, daß der Vorsitzende v. Schulz ausdrücklich erklärt habe,„daß nun die Haupt Verhandlung beginne". Es ist nur gesagt worden. daß man nunmehr(nachdem' die Frage entschieden, ob und eventuell auf welcher Seite ein Bruch des nnt der früheren Innung abge- schloffenen Vertrages vorliege) in die w ei t e r e n Verhandlungen eintreten würde. Wenn nun daraus. daß das geschehen, jemand ein Vorwurf gemacht werden könnte, so trifft dieser Vorwurf auch die Arbeiterbeisitzer, specicll meine Person, mit; denn als die Verhandlungen über die Frage deS Tarif- brnchcs erledigt waren und im Einig, niaSaint die Frage aufgeworfen wurde, ob man nun auch auf die übrigen Angelegen- heilen eingehen wolle, da war ich eS, der unter Zustimmung aller Beisitzer erklärte, das sei doch ganz selbstverständlich, da man den Arbeitern nicht zumuten könne, lediglich vor dein EinigungSamt erschienen zu sein, um sich sagen zu lassen, daß sie den Vertrag ge- brochen haben. Daraufhin erfolgte bann seitens deS Vorsitzenden die oben an- geführte Erklärung, ohne daß dagegen Einspruch erhoben wurde. A. Knoll. Deutsches Reich. Ans der christlichen Gcwcrkschaftsbctvegung. Die christlichen Organisatoren arbeiten im Rheiilland mit außer- ordentlichem Eifer. Trotzdem wollen ihre Unternehmungen nicht in der gchofsten Weise gedeihen. Man kam daher in Köln auf das Anskunstöiuittel. durch die Ankündigiing freier Diskussion die An- Hänger der freie» Geiverkschaste» anziilocken, was die Versammlungen natürlich interessant und stark besucht machte. Erst ließen nun die Herren Ceiitrumslente als„Referenten" ihre Sermone vom Stapel; dann gewährte man den übrigen fünf Minuten Redezeit, eine genau so lustige wie ultramontan- schlaue Auslegung des Begriffes „freie Diskussion". Dieser Tage war eine solche Versammlung wiederum in Köln einbernfeu. Die Vertreter der freien Gewerk- schaficn hatten aber nicht die Lust, sich nochmals nasführen zu lassen. Sie verlangten eine präcise Erklärung und ließen niemand zu Wort kommen, bis cinc Redezeit von 20 Minuten zugesichert war. Das verschaffte der Bersanimlung einen für die Soeialdemokratie sowohl als für die Gewerkschaften überaus glänzenden agitatorischen Verlauf. So sind noch nie ultraniontane Arbeiterverhetzer abgeführt und in ihrer bodeillose» Uinvisseiiheit und demagogischen Üiiversrorenheit vor einer nach vielen hundert Köpfen zählenden Zuhörerschaft be- leuchtet ivorde». Die ultramontaneii Redner sind nicht darauf eingerichtet, daß ihn en jemand entgegentritt. Aehiilich wie derKaplan von der sicheren Kanzel aus, behaupten sie ivas sie wollen. Die christlichen Redner be- schuldigten die Geiverkschaften des Affeiiglaubcns, des Klassenhasfes, der Religionsverspottnng und was dergleichen Unsinn mehr ist. Ja, man schämte sich nicht, den tausendmal ividerlegte» und widerrufenen „Fall Singer" a»fs Tapet zu bringen. Der Landtags- Abgeordnete Fuchs pries das Centriiin als allein wahre Arbeiterpartei, es sei schon zu einer Zeit parlamentarisch für die Arbeiter eingetreten, als es noch gar keine Soeialdemokratie gab. Unser Parteigenosse Dr. E r d»i a n n nagelte den Herrn auf seiner phänomenalen Un- kenntiiis der geschichtlichen Thatsachen fest und wies darauf hin, daß es eine Soeialdemokratie schon seit 1863 in Deutschland giebt, deren Vertreter seit 1867\m[ Norddeutschen Reichstage thätig waren. wogegen das Centrnm erst stüt 1870 bezw. 1871 im preußischen Abgeordnetenhause bezw. deutschen Reichstag vorhanden ist. Ferner geißelte Erdman» den Unfug. der mit dem vielberufenen Antrag Galen getrieben wird. Er verlas den Antrag und kennzeichnete ihn in seiner ganzeii Bedeutungslosigkeit. Genosse Gilsbach tadelte das arbeiterfeindliche Gcbahren der Ultramontanen, die durch das Hineinzerren der Religion in die Gewerkschaftsbewegung die Arbeiter in zwei gegnerische Lager spalten. Man möge lieber den Unter- nehmern daS Christeiitiim predigen, nicht zuletzt denen der eigenen Partei. Er erinnere an die Hiliigerlöhne ,! die der Eentrnmsgraf Ballestrem seinen Grubcnleuten zahlt niid wie er die Frauenarbeit ausiliitzt; ferner an den frommen Katholiken und strammen CentrumS- inann, de» Cigarreiifabrikante» Mertens in Cleve, der die Kinder im zarteste» Alter in unerhörter Weise ausbeutete und deshalb gerichtlich bestraft ist, der daS Ehristnsivort: Lasset die Kindlein zu mir komme»! so eigenartig ausgelegt hat. Genosse Hofrichter hielt dem Centrnm vor. daß gerade eS verschuldet, daß die Gefahr des Znchthansgesetzes»och über den Arbeltern schwebt, weil eS nicht für den Bebeischen Antrag stimmte. Dir„Kölnische Volkszeitung" habe die Schuld für das Alters, und JnvaliditätsversicherungS- Gesetz unter dem Hinweis abgewiesen, dah nur dreizehn seiner Leute dafür stimmten. Fuchs aber prahlte mit der Zustimmung des Centrums und»lachte den Soeialdemotraten den Vorwurf der Ab- lehinnig. Wo bleibe da die Wahrheit?!— Es soll uns wundern, ob die' nltramontanen Herren nach dieser schweren Niederlage noch einmal eine Versammlung mit freier Diskussion veranstalten werden. I» der kunstgewerblichen Anstalt von Georg Hulbe- Hamburg ist es wegen Lohndifferenzen zu einem Ausstand sämt- licher Arbeiter gekommen. Die Haltung der Streitenden ist eine vorzügliche. Zuznq auch von Ciselenren, Graveuren, Modelleuren, Bildhauern, Buchbindern, Portefeuillern und Sattlern ist streng fernzuhalten. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden gebeten, hiervon Notiz zu nehmen. Der Leipziger Formerstreik ist zwar beendet, jedoch sind noch eine große Anzahl Kollegen nicht untergebracht. Aus diesem Grunde ist Z u z u g st r e ii g zu vermeiden. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Bestimmteres über die augenblickliche Situation ist noch nicht sestzustellen. In den letzten Tagen ist ein Teil der Former wieder in Arbeit getreten. Es wird angenommen, daß in den nächsten Tagen ein iveiterer Teil folgen wird. Danach wird sich erst die Zahl der Nichteingestelltcn feststellen lassen. Die Kommission. Ausland. Die Arbeiter am Simplontnnnel haben, nachdem ihre Fordernngen von den Unternehmern abgewiesen sind, definitiv den Generalstreik beschlossen. Der belgische Kohlcnarbciter» Ausstand soll belgischen Blättermeldungen zufolge am 4. Dezember beginnen. Achtung. Damenschneider t lieber die Finna 3. 2 6 tue, Berlin. Kochstr. 55(früher Mauerstn 26) ist die Sperre verhängt. Die Ortsverwaltung des Deutschen Schneider-VerbandeS. Der Vorstand deS Vautischler-FachvereinS zu Kopenhagen bittet uns um Aufnahme folgender Zuschrift:„Wir haben in Er- fahrung gebracht, dast es vergessen worden ist. über etwa 18 M. zu quittieren, die ivir durch Pianoforte-Arbeiter Hansen-Berlin empfangen babcn. Das Geld war in der Pianofabrik von Dnysen in der Friedrichstraste gesammelt worden. Den Gebern unfern besten Dank." Socinleo. Ablaufende Jnvalidcnmarken. Das ReichS-Vcrsicherungsamt wacht bekannt, daß die bisher gültig gewesenen Marken zur Selbst- Versicherung und zur Fortsetzung des Lersicherungsverhältnisses mit Z u s a tz m a r k e n am 31. Dezember ungültig werden. Vom 1. Januar an gelten für die freiwillige Versicherung dieselben Marken, wie für die Zwangsversicherung. Soweit die alten Marken bis zum 31. Dezember nicht verwendet sind, können sie bis zum 31. Dezember 1301 bei den Marken-Verkaufsstcllen umgetauscht werden. Die neuen Jndalidcnmarkcn. Der„Reichs- Anzeiger" ver vffcntlicht eine Bekanntmachung des Reichs- Versicherungsamts über die Beschaffenheit der neuen Jnvalidenmarken. Es werden nach dem neuen Gesetze Marken für eine Woche, für zwei Wochen und für 13 Wochen ausgegeben. Die Marten für eine Woche unterscheiden sich in den verschiedenen Lohnklassen zunächst durch die Farbe des Druckes. Der Druck ist in der ersten(niedrigsten) Klaffe rot, in der zweiten blau, dritten grün, vierten rotbraun und fünften gelb. Aufgedruckt sind der Name der aus- gebenden Versicherungsanstalt, die Nummer der Lohnklnffe in lateinischen und der Geldivert der Marke in arabischen Zahlen. Außerdem unterscheiden sie sich noch durch die nach Klassen wechselnde Art, wie der Name der Versicherungsanstalt aufgedruckt isü Die Marken für zwei Wochen gleichen den erste» in der Größe, sind aber in der Zeichnung abweichend, die eine Hälfte in silbergrauer Farbe für alle Klassen gleich und tragen außer den Bezeichnungen der Ein- Wochenmarken noch den Aufdruck:„Zwei Wochen". Die Marken für 13 Wochen sind wesentlich größer ivie die beiden anderen Sorten und auch in der Zeichnung stark abweichend, ebenso zeigen sie außer dem Aufdruck der Klasse und des Geldwertes noch den Aufdruck „Dreizehn Wochen". Ihre Farbe ist für alle Klassen gleich. Säml lichc Marken tragen den Reichsadler. Die Krisiö in der Diamantcnindustrie nimmt immer größeren Ilmfang an. In Antwerpen sind 700 Schleifer arbeitslos In Amsterdam feiern wegen Mangel an Arbeit ungefähr 3000 Arbeiter. Geviclxks �Zeitung. Polizeiliche Zeugenvernehmungen. Wie die Erfahrungen bes„Harmloscn"-Prozesses bezüglich der Zeugenaussagen zu Polizei licheni Protokoll jetzt in anderen Strafsachen verwertet iverdcn, zeigte eine recht aufgeregte Verhandlung, die sich gestern vor dem Schöffengericht abspielte. Ein hiesiger Schankwirt war beschuldigt, in seinem Lokale Glücksspiele geduldet zu habe». Der Anklage lag u. a. das Protokoll über die Aussagen zu Grunde, welche zwei auf der Polizei vernommene Zeugen gemacht hatten. Danach hatte der Angeklagte nicht nur Kenntnis von dem Glücksspiel gehabt, sondern auch selbst daran teil genommen. In der Hanplvcrhandlnng machten diese Zeugen unter ihrem Eide Aussagen, die mit dem polizeilichen Protokoll schlechterdings nicht zu vereinbaren waren. Es entstand darüber eine sehr heftige Scene, in welcher der Vorsitzende imnier wieder de» Zeugen nach- drücklichst zu Gemüte führte, daß sie s 0 f 0 r t verhaftet werden könnten, wenn sie eine wissentlich falsche Aussage machten. Es half aber nichts, die Zeugen blieben bei ihrer Bekundung, daß der Angeklagte von dem Glücksspiel nichts habe wahrnehmen können. Der Widerspruch mit der polizeilichen Aussage war trotz aller Bemühungen nicht aufzuklären. Rcchtsanivalt Leopold Meyer kam den gefährdeten Zeugen dadurch zu Hilfe, daß er darauf hinwies, wie die ganze Art solcher polizeilichen Wahrnehmungen, die Verwirrung,, in welcher sich die auf die Polizei geladenen Personen befinden, die auf ein bestimmtes Ziel gerichtete Frage stellung ze. Jrrthümern Thür und Thor öffne. Wenn schon hoch gebildete Leute oft behaupten, daß sie das nicht sagen wollten, was das Protokoll ergebe, wie es im Harmlosenprozetz der Fall war, so dürfe man sich nicht ivundern, ivenn weniger gebildete Leute in der Erregung etwas vor der Polizei aussagen, was sie nachher nicht aufrecht erhalten können.— Der Angeklagte wurde frcisprochen. Am besten thun Zeugen wie Angeklagte, wenn sie in Fällen, wo ihnen die geringsten Zweifel aussteigen, sich überhaupt vor der Polizei iveigern, andere als auf ihre Personalien, d. h. auf ihren Namen, Alter ze. bezügliche Aussagen zu Protokoll zu geben. Ucber Angelegenheiten, die auf den inkriminierten Fall selber Bezug haben, verlange man, nicht auf dem Alexanderplatz oder im Rcvicrbureau, sondern in Moabit vom Untersuchungsrichter verhört zu werden. I» der Schvncbergcr Schalaffaire hat bekanntlich das Reichsgericht auf die Revision des Rechtsanwalts Hugo Sachs, als Verteidiger der Angeklagten Brüning und' Bormeng, das Urteil des Landgerichts Berlin II aufgehoben. In dein Urteil des Reichsgerichts sind einige für die P r e s s e und die An- Wendung des K 193 beachtensiverte Rechtsgrundsätze aufgestellt. Brüning war als verantwortlicher Redacteur bestraft, obivohl er unter Beweis gestellt hatte, daß er rhatsächlich die Redaktions- geschäfte in der fraglichen Zeit nicht besorgt hatte. Die Strafkammer hatte dies für unerheblich erklärt, weil die gesetzliche Vermutung der Thäterschaft des Redacteurs nach Z 20 Abs. 2 des Pretzgesetzes' nicht durch Umstände ausgeschlossen werden köune, die durch Fahrlässigkeit des Redacteurs herbeigeführt seien. Diese Ansicht hat das Reichsgericht als unzurreffeud bezeichnet. Es führte aus, daß die rechtliche Präsumtion aus§ 20 Abs. 2 des Preßgcsetzes, daß nämlich die Veröffentlichung mit Kenntnis und Verständnis des Inhalts vorsätzlich beivirkt ist, ent- kräftet und widerlegt wird, wen» der verantwortliche Redacteur den Nachlveis bringt, daß die Veröffentlichung des bestimmten in- kriminiertcn Artikels ohne sein Wissen und Wollen erfolgt ist. Aus dem Kreise der besonderen Umstände, auf die dieser(Gegenbeweis gestützt ist. können aber die Fälle der fahrlässigen Nichtkenntnis nicht ausgeschloffen werden, denn auch bei ihnen kann von gewollter Veröffentlichung nicht gesprochen werden.— Bezüglich des An- geklagten V 0 r m e n g war die Verurteilung erfolgt' iveil er den Lehrer Richard als brutalen Menschen und seine Züchtigung als überaus brutal bezeichnet habe. Hieraus hatte die Strafkanimer die Beleidigungsabsicht gefolgert, weil, wenn ein Schriftsteller und gebildeter Menfch solchen Ausdruck gebraucht, dies nur in der Absicht geschehen könne, um zu beleidigen. Das Reichsgericht wendete sich dagegen mit der Bemerkung, daß dieser Erwägung allem Anscheine nach die abstrakte Meinung zu Grunde liege, daß jemand, der vennöge seines Bildungsgrades die volle Tragweite und Schärfe eines Ausdrucks zu ermessen vermag, diesen Ausdruck »otwendigeriveise in beleidigender Absicht gebraucht haben müsse. Diese Meinung sei rechlsirrtümlich. Sie würde dazu führen, daß der ß 193 in vielen Fällen bedeutungslos wäre. Daß der An- geklagte den Vorwurf der Brutalität inhaltlich erheben durfte, räumt ihm der erste Richter ausdrücklich ein. Wollte der Vorderrichter das Vorhandensein einer Beleidigung gleichwohl annehmen, so mußte er anch angeben, mit welchen anderen Worten der an sich nicht strafbare Inhalt hätte ausgedrückt werden können. Verpcumnlungen. Der Metallarbeiter-Verband(Verwaltungsstelle Berlin) hielt am Sonntag die Generalversammlung für das Vierteljahr Juli bis September ab. Der Rendant P e tz 0 l d erstattete den Kassenbericht, aus dem folgendes hervorzuheben ist: Ende Juni war ein Bestand von 98 796,22 M. vorhanden. Im Jnli wurden eingenommen 12 770,05 M.. ausgegeben 17 959,97 M., im August betrugen die Einnahmen 14 043,65 M., die Ausgaben 8182,97 M., im September sind eingenommen 21523,40 M., ausgegeben 13 371,10 M. Am Schlüsse des Vierteljahres betrug der Bestand 107 124,28 M. — Die Zahl der Mitglieder beläuft sich auf 15 300, die ihre Beiträge bezahlt haben, es ist also, wie der Rendant hervorhob, infolge der Erhöhung des Beitrages auf 30 Pf. ein Rückgang in der Mitgliedcrzahl nicht eingetreten. Wie der Redner zahlenmäßig nachwies, trifft auch die Befürchtung, daß nach dem neuen AbrechnnngSmodus mit der Hauptkasse der örtliche Anteil nicht ausreichend sei, nicht zu.— Auf Antrag des Revisors Freithaler wurde dem Rendanten Decharge erteilt. Hierauf kamen einige Anträge auf Aenderung des OrtsstatutS zur Debatte. Rüther führte zu diesem Punkt ans, es hätten sich bei Gelegenheit der letzten Lohnbewegungen verschiedene Mängel und Lücken im Statut bemerkbar gemacht, die beseitigt werden müssen. Redner empfahl, dem 8 2 des Statuts folgende Fassung zu geben: „Bei Streis oder Maßregelungen ivird den dabei beteiligten Ver- bandsmitgliedern, sosern sie mindestens 26 Wochen dem Verbände angehören und für diese Zeit ihre Beiträge entrichtet haben, eine ivöchentliche Unterstützung von 15 M. für männliche und 9 M. für weibliche gewährt. Die verheirateten Mitglieder erhalten außerdem für jedes Kind unter 14 Jahren 1 M. extra pro Woche. Mitglieder, welche dem Verband über 13, aber noch nicht 26 Wochen angehören, und ihre Beiträge entrichtet haben, erhalten eine ivöchentliche Unter- stütznng von 12 M. Mitglieder, welche dem Verband über 2 Wochen bis 13 Wochen angehören, erhalten pro Woche 10,50 M. Unterstützung. Mitglieder, welche dem Verband erst 2 Wochen oder noch kürzere Zeit angehören, erhalten eine Unterstützung von 9 M. pro Woche. Nicht- vollberechtigte weibliche Mitglieder erhalten pro Woche 6 M. Unter- stützung. Nach dem bisherigen Statut erhielten männliche, dem Verband mindestens 26 Wochen angehörende Mitglieder 14 M., desgleicbcn weibliche 8 M. und Verheiratete für jedes Kind 1 M. extra. Nicht vollberechtigte Mitglieder erhielten, wenn verheiratet, 12 M., wenn unverheiratet, 10 M. pro Woche. Zu 8 3 des Statuts enipfahl der Redner folgende Aenderung: „Diejenigen Rkitglicder, welche dem Verband mindestens 26 Wochen angehören und für diese Zeit ihre Beiträge entrichtet haben, und auf Grund ihrer agitatorischen Thätigkeit für den Verband oder ihres sonstigen von der Organisation gewünschten Verhaltens gematzrcgelt iverdcn, erhalten 15 M. wöchentlich, so lange, bis sie in Arbeit ge� treten sind. Die verheirateten Mitglieder erhalten außerdem für jedes Kind unter 14 Jahren 1 M. extra pro Woche. Die Höhe der Unter- stütznng gemaßregelter nicht vollberechtigter Mitglieder bestimmt die Ortsverwaltung.— Nach dem jetzigen Statut wird den für ihre Verbandsthätigkeit Gemaßrcgelten ebenfalls eine Unterstützung von 15 M. und 1 M. für jedes Kind zugesprochen, nur wird dieser Satz nicht von der 26wöchigen Mitgliedschaft abhängig gemacht. Demzufolge fehlt auch der Passus, daß die Ortsvcrwaltung den Unterstützungssatz für Nicht vollberechtigte bestimmt. Den 8 1 des Statuts empfahl der Redner zu streichen, weil derselbe einen Ausnahmezustand für Berlin darstellt. Dieser Para qraph bestimmt, daß Mitglieder, welche länger als 13 Wochen mit zem Beitrage im Rückstand sind, ihre Rechte verlieren, dieselben iedoch durch Nachzahlung wieder erwerben können. Diese Bs tinnnung habe den Ucbelstand gezeitigt, daß solche Mit glieder, die schon lange im Rückstände sind, und dem Verband ihatsächlich den Rücken gekehrt haben, bei bevorstehenden Lohn- bewegnngen und sonstigen Gelegenheiten, wo sie Unterstützungen aus der Verbandskasse ziehen wollen, die Beiträge nachzahlen, um dann nach Ausnutzung des Verbandes demselben wieder fern zu bleiben. Namentlich würde sich die in Rede stehende Bestimmung beim Inkrafttreten der Arbcitsloscn-Unterstützung zum Nachteil des Verbandes geltend»lachen. Nach kurzer Debatte Ivurdcn sämtliche Vorschläge NätherS größtenteils einstimmig angenommen. Hierauf empfahl Näther folgenden neuen 8 I-!»Zur Deckung außerordentlicher örtlicher Ausgabe» erhebt die Verwaltungsstelle Berlin von jedem Mitgliede einen monatlichen Extrabeitrag von 20 Pf.(Laut 8 1. Abs. 3 des Verbaudsstatuts.) Dieser Sxtrabeitrag wird durch in das Mitgliedsbuch zu klebende Marken bei dem� betreffenden Monat quittiert. Der Extrabeitrag muß entrichtet sein, bevor für den folgenden Monat Verbandsbeiträge entgegengenommen werden. Der Extrabeitrag kann jederzeit von einer beschließenden Versammlung erhöht oder' herabgesetzt ivcrden." Zur Begründung dieses Antrages führte Rüther aus: Außer- ordentliche Ausgaben seien bisher aus dem durch freiwillige Sainm- lungen aufgebrachten öffentlichen Fonds gedeckt worden. Es stehe est, daß dieser Fonds zu 90 Proz. von den Vcrbandsmitgliedcrn aufgebracht werde, während sich die Unorganisierten»nr in ver- schwindend geringem Maße an den Sammlungen beteiligten. Trotz- dem glaubten die Nichtorganisierten, durch gelegentliche geringe Bei- träge ein Anrecht auf Unterstützung zu haben. Unter diesen Um- 'tänden sei es ratsam, alle sieiivilligcn Sammlungen einzustellen und von den Mitgliedern die vorgeschlagene Extrasteuer zu erheben.— Au diesen Vorschlag Rüthers knüpfte sich eine längere Debatte. Einerseits stinimte man dem Vorschlage zu, und beantragte sogar, den Extrabeitrag auf 30 Pf. zu erhöhen, andrerseits hielt man dafür, daß die Unorganisierten, die ja laut Ortsstatnt zinterstützt werden, auch z» den Sammlungen herangezogen werden müßten. Schließlich ivurde der Antrag NätherS angenonmien: die beschlossenen Statutenänderungen treten mit dem '. Januar in Kraft. Der letzte Punkt der Tagesordnung: Die Streiks und Lohn- bewcgungen der Metallarbeiter, wurde der vorgerückten Zeit wegen bis zu einer außerordentlichen Generalversammlung vertagt. waren ani Sonntag bei den Firmen P e i ß l e r und Zieme zu verhandeln. Ueber die Entstehung des Streiks. der seit bereits drei Wochen andauert, pab N a n g k e einige Er- läuterungen, indem er u. a. darauf hinwies, daß trotz der schroffen Ablehnung seitens der Firmeninhaber, für die sich leider einige Streikbrecher als billige und willige Arbeitskräfte gefunden haben, die Aussicht auf Erfolg für die Streikenden und Bewilligung deren Forderungen sehr günstig sei. DieS sei schon daraus zu erklären, daß die einsichtsvollen Fabrikanten die Forderungen der Arbeiter llr gerechtfertigt bezeichneten. An ein„Aushungern" sei gar nicht zu denken. Auch sei es sehr erfreulich, daß in der Provinz, von wo man Arbeiter verlangte, keine Streikbrecher sich gefunden Kaden. Im ferucren Verlauf der sehr lebhasten Besprechung wurde noch auf das Ueberwiegen derAccordarbeir hingewiesen, wobei unter an- gestrengter und gesundheitsschädlicher Thätigkeit bei oft bis elf- und zwölfftündiger Arbeitszeit kaum 27 M. Lohn pro Woche erzielt werden auch seien Löhne bis herunter zu 12 M. nichts Seltenes. Durck Ein- 'ührung der Maschinen- und billigen Frauenarbeit seien die Preise und Löhne immer mehr gedrückt worden. Auch die Hausindustrie in der Provinz und die übermäcktige Konkurrenz in Remscheid haben sich für die Berliner Fabrikation äußerst nachteilig erwiesen. Wenn aber bei alledem auch die Verbandsleitung diesen Streik nicht ge- billigt habe, so werde man bis auf weiteres doch ausharren.(Bei- fall.) Bei allen Vorkommnissen»c. aber möge man sich an die Lohn- kommission wenden. In diesem Sinne gelangte anch einstimmig eine Resolution zur Annahme, wonach alle Ausständigen sich ver- pflichten, den Streik bis auf weiteres fortzusetzen. Der Stand des Streiks bei der Firma Feibisch ist trotz der langen Dauer desselben für die Ausständigen, wie in der Ver- sammlung, die am Sonntag in der„Königsbank" tagte, berichtet wurde, durchaus kein ungünstiger. Ein große Anzahl der Arbeits- willigen, die vor einiger Zeit an Stelle der Ausständigen in die Fabrik eingetreten sind, haben die Arbeit ebenfalls bereits ivieder eingestellt und ist die Zahl der Arbeitenden gegenwärtig nicht größer, als im Anfang des Streiks. Nicht nur, daß infolge dessen zahlreiche Stühle unbesetzt sind, fehlt es insbesondere an eingearbeiteten und geübten Arbeitern. Die bessere Ware kann unter den gegebenen Verhältnisse» gar nicht her- Die Feilenhaucr und BernfSgcnosscn versammelt, um über den A u s st a n d gestellt werden, so daß die Firma den von den Amben gemachten Anforderungen unmöglich nachkommen kann. Lagerware ist nicht mehr vorhanden und neue Muster, wie sie verlangt werden, können die zur Zeit in der Fabrik beschäftigten Arbeiter nicht liefern. Gegen- wärsig sind nur noch 49 Personen ausständig und auch von diesen wird ciue größere Zahl in der nächsten Zeit anderweitig unter- gebracht werden. Für Herrn Feibisch ist die Situation demzufolge auch keine angenehme. Er hat bisher immer noch geglaubt, die alten Arbeiter würden die Arbeit bedingungslos wieder aufnehmen, und deshalb die Verhandlungen bekanntlich auch vor dem Berliner Einigungsamt abgelehnt. Wenn Herr Feibisch nun noch auf die alten Arbeiter reflektiert, so müßte er sehr bald selbst eine Einigung herbeizuführen suchen, bevor dieselben anderweitig die Arbeit auf- nehmen. In der Fabrik sind in letzter Zeit drei Unglücksfälle, darunter ein ziemlich schwerer, zu verzeichnen, die wahrscheinlich nicht vorgekommen wären, wenn in der Fabrik reguläre Verhältnisse obwalten würden. Trotzdem den Arbeitswilligen ein hoher Lohn zugesichert worden ist, sind vielfach nur 6, 9 und 13 M. pro Woche verdient worden, was verschiedene Personen veranlaßt hat, die Arbeit wieder einzustellen. In der Diskussion wurde das Verhalten eines Herrn Reim an n, der die Arbeit bei Feibisch wieder auf- genommen hat, trotzdem derselbe mehr wie andere Ausständige von der Organisation unterstützt wurde und zwar zu Unrecht, denn er hat nebenbei auch gearbeitet, einer herben Kritik unterzogen Von allen Rednern wurde die Aufrechterhnltung des Streiks befürwortet, den Ausständigen die volle Unterstützung zugesichert und zur regen Beteiligung an den Sammlungen aufgefordert. Der Krieg. Noch immer ist die Situation in Natal fast unverändert. Ein amtliches Telegramm des Generals B u l l e r meldet folgende Einzel- heiten über das Gefecht bei Belmont. von dem wir schon berichtet hatten: Oberst Gongh mit zwei Schwadronen Husaren, einer Batterie Fcldartillerie' und l'/s Compagnien berittene Infanterie stieß nenn Meilen westlich von Belmont auf eine Abteilung von 700 Boeren, niit einem Geschütz. Der Kampf wurde mit Artilleriefeucr eröffnet. Die berittene Infanterie erhielt den Auf- trag, die Flanke des Feindes zu umgehen und das Lager der Boeren aufzusuchen. Bei dieser Belvegung hatten wir die gemeldeten Ver- lusre. Nach einem Kampfe, der drei Stunden ivährte, kehrten die Truppen in das Lager zurück, ohne vom Feinde be- lästigt zu werden. Einer der verwundeten Lieutenants ist inzwischen gestorben. Ucbcr die Kämpfe um Mafcking wird aus London vom 13. d. M. gemeldet: Nach cincm amtlichen Telegramm aus Mafcking vom 30. Oktober zog sich der Feind an diesem Tage enger zusammen, um die Stadt einzuschlicße». Der Feind hat die Eisenbahn 2 Meilen nördlich von Mafcking mit Dynamit zerstört. Das Bombardement auf die Stadt dauert fort, richtet indessen wenig Schaden an.— Nach einem weiteren Telegramm aus Mafeking hat der Feind am 31. Oktober einen Angriff auf die Stadt versucht. Die Boeren habe» sehr tapfer gefachten trotz des heftigen Granatenfeucrs der britischen Südafrika- Polizeitruppe. Der Feind hat scknvcre Verluste gehabt, auf feiten der Engländer wurden zwei Hauptleute und drei Mann getötet, fünf Mann verwundet. Im Osten. London, 13. November. Die„Times" veröffentlichten in ihrer zweiten Ausgabe ein Telegramm aus Ladysmith, wonach die Stadt teit Freitagabend ununterbrochen von den Boeren bombardiert wurde. Der Schaden ist sehr bedeutend. Es fanden ebenfalls vor der Stadt verschiedene Vorpostcngefechte statt. General White hat mit General Joubert Unterhandlungen angeknüpft, dahin gehend. daß die in Ladysmith anwesenden Frauen und Kinder die Stadt verlassen sollen. Infolge dieser Unterhandlungen wurde das Bom- bardement eingestellt, so daß augenblicklich ein Waffenstillstand herrscht. Im Süden. Die„Times" melden in ihrer zweiten Ausgabe vom Montag aus De Aar: Einer von Jamesloivn aus auf telegraphischem Wege übermittelten Nachricht aus Aliival North zufolge hat man keine iveitercn Bewegungen der Boeren- Komniandos be« merkt. Das Land zwischen Aliival North und Burghersdorp Iverde ununterbrochen abpatronilliert. Die Boeren behaupteten, die Basutos würden von der Regierung bewaffnet. Wenn von den Boeren irgend eine Bewegung über den Oranje-Fluß bei Herschell ausgeführt werde, dann sei' ein Basnto-Aufstand sicher; wenn nicht, werde der Einfluß des Kommissars Sir G. Lagden hinreichen. Keine Nach- richten irgend welcher Art gelangten nach Lliwal North. Englisckie Verstärkungen. Durban, 8. Novbr. Die Kriegsschiffe setzten eine Marinebrigade mit 20 Geschützen an Land. Lotldon, 12. Novbr. Der TranSportdampfer„Roslin Castle" ist mit dem zweite» Bataillon deS West-Jorkshire- Regiments heute in Natal angekommen. Kapstadt, 12. November. Das Transportschiff„GaScon" mit dem 2. Bataillon der Coldstream-Garde und anderen Truppen an Bord, ist hier heute Nachmittag eingetroffen und geht nach Natal und der Dclagoa-Bai iveiter. Kapstadts 13. November. Die Transportschiffe„Armerian" und Rubia" sind mit 2300 Mann und 600 Pferde» eingetroffen. Der TranSportdampfer„Oriental" mit 1200 Manu britischer Truppen ist hier eingetroffen. England gicbt kleinbci. Wien, 13. November. Nach einer Londoner Meldung der „Politischen Korrespondenz" ist die Meidimg. daß England in keinem Falle die territoriale Selbständigkeit der südafrikanischen Republik zugeben werde, eine vollständige irrige. Uetzki? NschvrLzken und Depeschen« Wien, 13. November.(B. H.) Die östreichische Quotendeputation beschloß in ihrer heutigen Sitzung, ibr Siebeuer-Komitee zu neuen Verbandlungen nach Budapest abzusenden. Wien, 13. November.(W. T. B.) Die„Wiener Abendpost" meldet: Auf dem am 28. Oktober in Trieft auS Konstautinopel ein- getroffenen Dampfer„Polis Mitylene", welcher am 31. Oktober von Trieft zurückfuhr, war eiu Bootsmami mit katarrhalischen Symptomen krank angelangt Da sich Anzeichen einer JufcktiouS- kraukhcit ergaben, wurde derselbe in das Jsolierhospital TricstS gebracht, Ivo er am 4. November starb. Die bakteriologische Untersuchung ergab den Verdacht der Pestiufektion. Zu Wissenschaft- licheir Erhebungen ist Obcrsanitätsrat Professor Weichselbaum nach Trieft entsendet worden. Anderweitige verdächtige Erkrankungen sind in Trieft nicht vorgekomnien, die erforderlichen Sanitütsmaßnahincn nid getroffen worden. Prag, 13. November.(B. H.) Gegen die Aufhebung der Sprachenverordnungcn fanden große Demonstrationen in Neuhans Itatt. Die Demonstranten veranstalteten vor der Bezirkshauptmann- chaft und vor der Wohnung des Obersten Hans, des Kommandanten der dortigen Garnison, Katzenmusik und schlugen die Fenster in den Häusern der Inden ein. Paris, 13. November.(B. H.) Die syndizierten Arbeiter haben gestern Emile Zola ein Knnstiverk, den„Triumph der Wahr- heit" darstellend, als Anerkennung für den von ihm geführten Feld- zug in der Dreyfus-Angelegenheft überreichen lassen. PariS, 13. November.(B. H.) Ein Abgeordneter der Rechten hat den Kabinettschef benachrichtigt, daß er ihn über die Haus- üichnngen in der Redaktion des Blattes„La Eroix" interpelliere» werde, um Gewißheit zu erlangen, ob tbatsächlich eine Summe von 1800 000 Fr. zur Unterstützung des Komplotts vorgefunden worden sei. Pariö, 13. November./s Uhr einefgroße Verkehrs- störung au der' Ecke des Alcxanderplatzes und der Landsbergerstraße. Die Feuerwehr mußte den Straßenbahnwagen hochwinden, um das mit den Vorderbeinen unter der vorderen Plattform liegende Pferd zu befreien. Ein Geleise war eine halbe Stunde lang gesperrt. Das Pferd war nur gering verletzt. Von Herrn Karl Wald, Chcfredacteur und Vorsitzender des Vereins«Neue Menschheit", Schöneberg, Koburgstr. 16, erhalten wir die Mitteilung, daß er nicht mit dem wegen Wechselfälschung vcr- hafteten antisemitischen Redacteur Alexander Wald identisch ist. Auch teilt Herr Karl Wald unö mit, daß er gegen die«StaatSb. Ztg." Strafantrag stelle, weil dies Blalt ihn und nicht de» antisemitischen Redner als den Verhafteten bezeichnet habe. Das Amcricau-Thcatcr ist in der nächsten Nachbarschaft seines alten Platzes, im Hause Dresdencrstr. 96, wieder aufgemacht worden. Aber welch ein Wandel hat sich vollzogen! Ehrlich gesprochen, ist in dem neuen Theater gar nichts vorhanden, was an das alte Haus erinnern könnte. Zu Anfang unseres Jahrzehnts fand das Amencan- Theater»och seine unbestrittene Existenzberechtigung darin, daß eS unter Oskar Wagners forscher Beihilfe da« Berlinertum hegte und pflegte. Es war Selbständigkeit und Originalität im Hause. In der alten, verräucherten Bude paßten Künstler und Publikum wie nur je zu einander und jeder Kalauer, de» der„Urkomische" losließ, war im verständnisvollen„Au" seines Echos sicher. Das neue American- Theater will ein modernes Specialitäten- theater sein, und man muß sagen, daß es sich als Variotö- Bühne zweiten Ranges vollauf behaupten wird. Nachdem der Besucher eindringlicher als dies in solchen Theatern ersten Ranges zu ge- chehen pflegt, daran gemahnt worden ist. daß er außer dem Ein- trittsgcld noch 25 Pf. für Garderobe zu blechen hat, tritt er in einen länglichen modern ausgestatteten Saal, in dessen Mitte sich wunder- lich aufgebaut die Bühne befindet. Die hinter der Bühne liegende zweite Hälfte des langen Raumes ist ebenfalls von stattlicher Größe und dient ausschließlich zu RestaurationSzwecken. Die Bühne steht— wohl der markanteste Gegensatz zu früher— unter der Leitung eines Wieners. Herr Direktor S ch n a b l tritt elber mit auf und giebt namentlich im Liede vom Fiaker zu er- kennen, daß er in seiner uns Norddeutsche allerdings immer fremd- artig anmutende» Vortragskunst ganz Vorzügliches leisten kann. 3m ihn gruppiert sich ein buntes Artisteupoik: Txccutrics, Tnnz- üinstlsrinueu, Sonbretteiu Zauberküiutler und als Konzession an die Dresdeucrstraßc ein„Berliner Volkskoiuilcr". Am iutcressauteiten war aber das Auftreten eines MmilcrS, nicht solvohl wegen seiner eigenen durchaus tüchtigen Person, als im Hinblick auf das Pnblikui», das sich von diesem Herr» zu dem in Berliner Theatern so seltenen Ereignis einer polititischc» Tcinon- stration begeistern liesz. Herr Allison hatte schon verschiedene der semischen Darstellung würdige Berühmtheiten unter Beifall kopiert, als er Thpc» nnS dem TranSvnalkriegc ankündigte. Zuerst mimte er den englischen Kolonialministcr Chnmberlain, CisigcS Schlvcigc» im Pnbliknm, Dann den englischen General Butler. Auch dieser martialische Herr wurde mit stiller Verachtung gestraft. Dann aber, als der Vverengencrnl Jonbcrt hcranschrilr, brach gleich Gcivitterstnrm der Beifall loS, und als nun gar Ohm Krüger sich dem vcrchrnngS- Würdigen Pnblico präsentierte, kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr.„Noch mehr Bocren" brauste ein Ruf wie Douncrhall drirch den Saal. Herr Älison ivar osftnibar in Verlegenheit. Statt eines TransvaalmanncS kam der König Hnmbcrt zum Vorschein, dem, ein Bild seltener Eintracht, der Papst Leo auf dem Fnsie folgte. Animiert, wie das Publikum nun eiiimal Ivar, spendete eS in an vrkcnncnslverter Toleranz beiden einander nicht gerade grünen Männern paritätisch Beifall. Fcnerbcricht. Sonnabendabend lvnrde K a st a n i e n- A l I e. Nr. 36 der Inhalt einer Badesinbe eingeäschert, während zu gleicher Zeit K ö p n i ck erst r. 114 Papicrabfälle in einer Buchbinderei in Flammen aufgingen. Bald darauf erfolgte ein Alarm nach T a üben st r. 54, wo durch nnSgeströniteö Gas leicht eine Explosion hätte herbeigeführt werden können. In sänitlichcn Fällen erübrigte fich ein Eingreifen der Wehr, da bei Ankunft derselben überall die Gefahr bereits beseitigt war. 3liiS de» Nachbarorte». Rixdorf. Den Mitgliedern des Socialdemokratischon Vereins „Vorwärts" zur Nachricht, daß am heutigen Dienstag, abends 8'/, Uhr, im großen Saale der Vercinsbranerei, Hermann slraßc 214/219, eine Versammlung stattfindet: Vortrag des Rechts- anwalts Victor Fränkl über das Recht der Frau nach dem Bürger- lichen Gesetzbuch. Gäste haben Zutritt. Reue Mitglieder werden aufgenommen. Zugleich weisen lvir auf unser diesjähriges StiftnngS- fest hin. Dieses findet am 18. November im Apollo- Theater. Hcrmannstr. 48/66, statt. Billcts sind in der Versammlung, sowie in den Zahlstellen zn haben. Siehe Annonce und Säulenanschlag Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. In Rixdorf ist vorgestern ein natiirhistorischcs Schnlmnscnm in Gegenivart des Schulinspektors Dr. Kunicrowski sowie vieler Rck- toren, Lehrer und Pfleger des Museums feierlich crvsinet worden. Das Museum umfaßt bereits rund 36 060 Gegenstände. Es ist im Erdgeschoß des neuen Schnlhauses in der Knescbcckstraße unter gebracht. Wie der Begründer und Leiter des Museums, der Lehrer E. Fischer, in seiner Festansprache ausführte, sind die reichen Schätze der neuen Anstalt ansschließlich aus Schenkungen zusammen' gebracht. Schöncbcrg. Die von uns in Nr. 264 gebrachte Notiz, bc. treffend die Lohnbewegung der Straßcnrcinigcr SchönebergS, bedori insofern der Berichtigung, als die dort mitgctcilicn Mochenlohne '"cht genau angegeben sind. Es erhalten de» Lohn von 24,75 M. nur die vier Vorarbeiter der Kolonne, der höchste Lohn der übrigen beträgt 21,45 M.. während der niedrigste Lohn 18.15 M. beträgt. Daß dies Lohnsätze sind, bei denen ein Straßcnrcinigcr mit Familie sich aufs äußerste einschränken muß, bedarf keiner Erörterung. Spandau bewerben sich natürlich jetzt die Frcisinnsmanncn um die Stimmen derselben Arbeiter, die sie vor gar nicht langer Zeit durch die bekannten Vrandstiftnngslügen ans di'e niederträchtigste Weise verdächtigt haben. Am DienStag und Mittwoch liegt es noch immer in der Hand jedes klassenbewußten Arbeiters, sein Wahlrecht auszuüben. und dafür zu sorgen, daß den gekennzeichneten„Freisinns- männern" der Tank wird für die vorjährigen Beschimpfungen der ehrlich um ihre Existenz kämpfenden' Arbeiter. Der Sieg' der Arbcitcrkandidaten wäre die einzige richtige Antwort auf die auch jetzt wieder von nnscren Gegnern bchanplctc„freisinnige Arbeiter- frcnndlichkcit", die auch bei dieser Wahl wieder bei Militär- und Äricgervereincn um liebreiche Nntcrstützung bettelt. Bei der gestrigen Wahlhandlnng wurde folgendes Ergebnis erzielt: S ch r ö e r erhielt 177 Stimmen. Pieper 177, Scholz 164, Nieger 162, Hallecker 175, Kunkel 157 Stimmen. Die Kandidaten der Gewcrkvcreine erhielten 116 Stimmen, zcr splittert waren 46 Stümneu. Die Wahlhandlung findet statt Dienstag und Mittwoch täglich in der Zeit von 10 bis 1 llhr vormittags und S biö S Uhr nachmittags. Wahllokal: Nestaurant.Zur st r a ß e 7. Auf zum Siege der Arbeiterkandidaten: August S ch r ö c r, Töpfermeister, BiSmarckstr. 6. Wilhelm Pieper, Tabaknrbeiter, Lynarftr. 13. Wilhelm Scholz, Bäckermeister, Neumeisterftr. 11. Ernst R i c g c r, Rechtskonsulent, Moltlestr. 3. Otto H alle cker, Restauratcur, Frobcnstr. 12. Als Ersatzmann: Hermann Kunkel, Schnhniachcimcistcr, Mittelsir. 9. Das Wahlkomitce. _ AuS Teltow wird«nS vom Montag berichtet: Bei den S t a d t v e r o r d n e t e n w a h l e n am heutigen Tage ist der bis- herige Vertreter der dritten Abteilung, unser Parteigenosse Zimmerer Wilhelm leider unterlege ii und zwar dank der Mittelalter- lichen Bestimmuiia, welche das Wahlrecht von der Bezahlung eines Biirgcrrechts-GcldcS in Höhe von 18 M. abhängig macht. Die Freicht der Spießbürger darüber, daß'sie den verhaßten Hecht im Karpfenteich los geworden sind, ist natürlich groß. Böse Zungen berichten, daß sogar das Ertönen der Glocken nach Beendigung des Wahlaktes mit der ordiningSfrommen Freude in Vcr- biiidnng zu bringen sei. Lange wird diese Freude nicht dauern. Der socialdemokra tische Llgitationsberciii hal u. a. beschlossen, einen Fonds zu bilden, aus welchem Arbeitern der zur Erlangung des Bürgerrechts erforderliche Betrag unter passende» Vediiigmigen leihtvcise gewährt werden soll. Im Verein mit diesem Beschluß wird eine entsprechende Agitation schon ihre Wirkung üben. Daß hart n» der Grenze von Berlin noch Schulznständc möglich sind, vor denen das dunkelste Ostclbicn sein Bedenken haben würde, lehrt ein Blick auf den zn T c in p e I h o f gehörenden, mit Berlin aber eng verwachsenen Ortsteil H a s e n h e i d e. Für die Gemeinde- schüler der Hasenhcidc hat die Gemeinde einen Schnlrnnm gemietet, worin abteilmigsiveise nach folgender Methode gelehrt wird: Zuerst unterrichtet der Lehrer oder die Lehrerin die erste Abteilung der Schüler, dann kommt die folgende heran; jede Abtcilmig tvird aber in einem andern Fache unterrichtet. Es ist den Kindern dadurch nicht niög- lich, das Gelernte zn verdauen, weil ihre Gedanken eben durch den Unterricht in der andern Abteilung abgelenkt werden. Auch ist es vorgekommen, daß die Kinder, wenn der Unterricht zn 9 Uhr an- gesetzt ivar, um 16 Uhr wieder fortgeschickt Ivurdcn mit dem Be- merken, daß sie um 11 Uhr wiederkommen möchte». Die Verhaftung deS Oberfencrwcrkcrs Eckmann in Spandan bürste dem Vernehmen nach noch Ivette rc«reise ziehen. Eckmann war in derienigeu Abteilung der Gcschtttzgicßcrei beschästigt. Ivo die Geschosse hergestellt werden. Er arbeitete in der Revision, in der die fertigen Stücke einer genauen Nachprüfung unterzogen werden; hier werden die brauchbaren Geschosse von den fehlerhaften ialme". Ritter- gesondert. Vor etwa 14 Tagen ereignete sich nun ein merktvnrdiger Fall. Beim Abladen von Müll und Kehricht fand der Kutscher deS Müllfnhrwciks in der Grube einen schweren Gegenstand, der in Lcimvand genäht war. Er lieferte dcnihm auffällig erscheinenden Fund bei derFabri k- direktion ab; es war in die Hülle ei» scrligcs Geschoß eingenäht, das, wie man amninnit, jemand in die Müllgrube geworfen hatte, damit es bei erster bester Gelegenheit heimlich ans'dcr Fabrik ge- schafft werden sollte. Seitdem ging in der Geschoßfabrik das Gerede, daß nicht alles in Ordninig wäre, und schon seit mehreren Tagen ruhte auf Eckmann ein gewisser Verdacht. Seit DienStag, de» 7. d. M., wurde er nicht mehr an der Arbeitsstätte bemerkt, bis am Freitag seine Verhaftung erfolgte. Wie nach einer Spandaner Korrespondenz bestimmt verlautet, sollen andere in der Geschoßfabrik beschäftigte Personen in der Angelegenheit verlvickclt sein. I» nicht weniger als 49 Ortschaften dcö RcgierungS- bczirkS Potödam ist in jüngster Zeit wiever die Maul« und Klauenseuche festgestellt worden, und zwar in den Kreisen Teltow, Niedrr-Barnim, Obcr-Bnrniin, Ost- und Westhavelland, Ost- und Wcstprignitz, sowie Aiigcrmüiide. Am meisten von der Seuche heimgesucht sino die beiden erstgenannten Kreise, von denen allein der Tcltower 16 und der Nieder-Barnimcr Kreis 11 davon neu be- sallcue Ortschaften anfwcist. Außerdem ist»och in dm Fällen Milzbrand und in einem Fall die Schweincseuche festgestellt worden, während in Potsdam bei der 4. Eskadron der 3. Garde-Ulancn 26 Pferde an der Brustscuche erkrankt sind. Dei'snnrnllttttZcn. Tie Maurer des Ccntral-VcrbandcS, Filiale II Ost, hielten am Sonntag, den 6. d. M. bei Stechcrt, Andreasstr. 21, eine Ver- saniinlimg ab. Gröpler referierte über die Berliner Maurerbewegnng in der Vergangenheit und Gegenwart. Arbeiter-Sängerbiind Berlins und der Umgegend. Dorfitzender: Rich. Thate, Scbönebcrg, Grunewaldstr. 99. Alle Amderimgen im Vercinskalender sind zn richten an O. Jsaach Strelitzerstr. 15, Hof II. Tieiistag, abends 9— 11: Uebiiligsstlinde und Ausiiahinc neuer Mitglieder.—„GerrcliUgkett"(Westen), Werner, Bülowstr. 59.—„Olnmpia", Zimmer» an», Grüner Weg 29.— „Hand in Hand I", Richter, Mariamienstr. 41.—„Kreiizbcrg", Eckhardt, Maricndorferstr. 5.—„Edelweiß", Stehmann, Melchior- straßc 15.—„Echo I", Mündner, Liuienstr. 19.—„Wiederball", Schnieder, Admiratstr. 21.—„Freiheit II", Schmanscr, AdlerSbof, Bismarck- strafte 16.—„Myrtheublätter", Spät, Beorgenkirchstr. 65.—„Uuverzagt II", Moabiter Klubhaus. Bcussclstr. 9.—„Freies Lied", FriedrichSberg, Schuh- NINIIN, Franlsurter Allee 181.—„Rothe Nelke I", Obst. Schönebcrg, Grüne- waldstr. 110.—„Rothe Nelke H", Nonn, Rnppincrstr. 42.—„Vorwärts IV", Schulze, Rathenow, Jägerstr. 25.—„Alpcnglockc", Gold, Große Frank- surtrrstr. 133.—„Eichentranz I". Jean Poillo», Prenzla», Schnellestr. 67. —„Wcddinger Harmonie", Milbrodt, Müklerstr. 7.—„Vorwärts VIII", Schurbamn, Marwitz in der Mark.——„Frohsinu", Brewes, RnmmelS- bürg, Goethe- nnd Kantstraße»- Ecke.—„Akazie"(gemischter Chor), cholz, Nanuynstr. 6.—„Sangcslust H", Kalähne, Triststraße 41. „Weiße Rose", Malchin, Rcinickendarf, Residenzstraße loia.— ..Arbeitcr-Maibmid", Hicmke, Nowawes, Wallstraße.—„Glasarbetter", Zeidler, Käpenick, Müggclheiincrstr. 29.—„Esmeralda", Baay, Cothennisstr. 3.— „Kreuzberger Hanuouie", Mohring, Adnnralftr. 18 c.—„Nord-Ost", Gabel. Landsberger Allee 156.—„Licdcrtuft II", Renser, Turulstr. 69.—„Freie Feldblume", Batterroth, Skalltzerstr. 51/52.—„Freiheitsklänge", Sommer, Grünstr. 20.—„Einig", Schecre, BluiucNstr. 3«.—„Morgenroth"(gem. Chor), RunnnclSburg, Thiele, Türrfchmidt- und Mozartstraßen- Ecke.—„Cacilia"(gem. Chor), Brandenlnirg a./H., Tetteniian», Wilhelms- dockcrstr. III.—„Rixdorier Männerchor II". Ripdorf, Nilsckie, Hrrmnnn- straße- und Münchenerstraßen- Ecke.—„SchnecgtSckchcn II", Potsdam, Hahn, Spandauerstr. 33.—„Textilta", Restaurant Waldemar- straße 27.—„Froh-Hofiiunig", Faller, Pallaöstr. 16,—„Lyra II", Char- lottenlnirg, Bartsch, Secscnhcimcrstr. 11.—„Einigkeit II", Rielecke, Müller- straße 66.—„Verband Deutscher GnstwirthSgehilsen", Mörschel, Jüdenstr. 35. —„Bereinigte Sänger", Deutsch- Wilmersdorf, Witte, Berlinerstr. 40.— „SangeLlnst II", Beraemanil, Pafcwalkcrstr. 3.—„Zündholz", Abendroih, Badstr. 42/43.—„Rosenrot", Onade, Schwcdcnstr. IIa.— Männer-Quartett- Gcsangv.„Septime", Specht, Lansitzer Platz 2. Arbeltcr-Naticherbiiiid Bcrtins nnd der ttuigegeud. Acnderunge» im Bereinskalender sind zu richlen an Enge» Raschle, Rixdorf, Mahlower- straße 1, IV. Dienstag: Ranchkl.„Eldorado", Grüner Weg 120, Ebeling.—„Grüne Eiche", Urbanstr. 87, Grieger.—„Ainbalemil", Forster- straße 19, llckel.— Neuer Berliner Rauckiklnb", Reich enbcrgerstr. 146, Droggc.—„Phönix", Schäneberg, Hauptstraße 97. Donath. „Dvninigo", Waldemarftr. 16, Taucher!.—„Rote Rose", Boecklistr. 21, KrcbL.—„Äollegia", Rcichrnbcrgersir. 157, Bcrgncr.—„Einigkeit I Rixdorf, Mllnchcncrstr. 49.—„lliauchan", Simconstr. 13, Nitsche.- „Kamerun", Wcidnnveg 22, FialkowSky.—„Palmeno", Lamprecht, Kastanien- Allee 95.—„Korea" Wetdenweg 90, Junge—„Waldmeister", Martendnrger- straße 16, Götz.—„Neuer Sam", Langeubeckstr. 4, Techtmeicr.—„Bruder- bund", Grünanerstr. 5. Gallowsky.—„Blütcndnft", Cotheninsstr. 1, Fedtle. —„Nnhiga", Britzcrstroßc 46, Herzog.—„Lange Pieiie", FriedrichSberg, RnmmclSlnirgcrstr. 23, Ncttzel.—„Pseisenkopf", Caprivistr. 4, Wolf.— „Stambyl" Ncii-Weißenlee, Streustr. 3, Stegemann.—„Gemütlichkeit I Wienerstr. 7, Gläser.—„Diana", Schötz, Bremerstr. 71.—„Jinincrgrlm Manegold, Liegnitzcrstr. 18.—„Kairo", ButNnaniistr. 9, Englcr.—„Blaue Wolke IV", Putbuserstr, 30. Reimann.—„Blaue Wolle II", Rigaerstr. 126, Bogt.—„Morgenrot", Landsberger Allee 44, Rolland,—„Gemütlich keit II", Wrangelstr. 86, Ludwig.—„Nordpol", Heiinigsdorfcrstr. 25, Flicke.—„Beilcheiiblau", WtnSstr. 56, Dimke. Gesang-, Dnrn- und gesellige Bercine. Dienstag: Gesangverein Fester Wille", Alcxandrinenftr. 32, Dietrich.— Arbeitcr-Zithero.„Einiglest", Naunynstraßc 83.— Mitsiwerei»„OsiriS". Wraiigclstraßc 11, Blum.— Flugtändeiwerei»„BorwärtS-Nord", Ackerstr. 17, Reuter.— Bergnügnugsv. „Fortuna", Blumenstr. 36, Weiß.— Musilv.„Norddeutsche Klänge", Swine- »liindcrstraße 5l, Reuter.— Mufltv.„Tusch", Nebelin, Langcstr. 108.— Mnnlv. „Einiglest". Grünthalerstr. 2, Hemmerllug.—.Quartelw.„Wedding", Ehanssee- straße 72, Meißner.— Thcaterv.„Concordia", Elifabethstr. 30, Scholz.— „Wünscküscher gem. Chor", Rosenthalcrstr. 57, Schiller.— Geselliger Klub„Don Juan", Lindenstr. 106, Znbeil.— BergnügungSv.„Feldblume", Mnnteuffelftr. 8, Nowack.— Gesa>igv.„Sckiildhorn", Uiedomstr. 33, Olböter.— Tmuv.„Osten", Lchrl.-Abt. abds. S1/� Uhr, Blumenstr. 63a.— Theater».„Aichenbrödel II, Ackerstr. 144, Borst. Kasino.— Musilv.„Thalia", Skalitzerstr. 95, Jechrnv.— Mnsikv.„Preziosa", Schädler, Putbuserstr. 32.— Skatklub„Schlcchte'Karte", Kattner, Oberdaunistr. 5.— Gcsangv.„Endlich Bereint" tzsem. Chor), Schwarz, Elsasierftr. 16,— Gcsangv.„Maiglöckchen Nord", Kranz, Dnnkenlr. 8.— Arbeiter-Tbeatcrvercin„Charlottenburger Bühnenklnb". Bayer, Charlotten- bürg, Wallstr. 96.— Jhw scher Gesangverein„Humor", Schulz, Lichtenbcrgcr- strage 21.— Zithcrllub„Frohsinn". Zimmermann, Grüner Weg 29.— „Arbciter-Tumv. Weißenscc", UebmigSsinnde abends 8—10 Uhr Albrechts- hos, Parkstraße.— Orchcsterverein„Sinfonie", Rautenberg, Oranienstr. 180. — Gesangverein„Hosiming", Sander, Küpenickerstr. 158.— Neuer Berliner Schachklnb, Stralaucrstr. 3—6.— Mnsikverci»„Thalia", 9—11 Uhr, Ludwig (srükcr Jacob), Treptow, Köpeuicker Landstraße. Zlrbritcr-Schivintinerbnnd. Anfragen an E Bratke, Schnlftr. 24 DienStag: Schivimmllnb„Vorwärts", abends 7 Uhr BoltS-Vadeanstalt SchilliiigSbrückc.— Schwimmtlub„Neptun", abends 7 Uhr Bolks-Badcanstalt Moabit, Titrmstr. 85a. Arbeiter Dnrncrbniid. Dienstag: Tnrnv.„Fichte", Berlin, abds — 10 Uhr: 2. Männerabt.: Skalitzcrstr. 55/53; 4. Männcrabt.: Moabit, SicmcnSstr. 20; 5. Männcrabt.: Ackerstr. 67; 6. Männerabt.: Stallschrctbcr- straße 54; I. Lchrlingsabr.: Ariedciiftr. 37; 3. LehrlingSabt.: Bocckh- straße 17/20; 6. Lchrlingsabt.: Reichenbergcrsst. 67/70; 1. Damen- abtetlung: Marianncnuser la.— Tnrnv.„Eiche", Köpenick, Männer- u. Jugend- abtcilung: Klein'S Hotel(WilbclmSplatz), abds. 7»/,— S>/, Uhr: UcbungSst. Freie Turnerschaft Rixdorf- Britz", Wirsing, Knrsebeckstr. IIS, 6»/, biS 8'/, Uhr: 1. Schölerabteilung, 8'/,— 10>/z Uhr: 1. Mälincr- nnd LehrlmgS- abteilnng.—„Turnerschaft d. B. Nereus"(gegründet 1882), Minnerabt., Rcichcnbergerstr. 131/132, abds. 8—10 Uhr., Damenabt. Manteuttelstr. 7, abds. 8— 10 Uhr.— Turnv.„Froh il»d Frei", Groß- Ltchterfeldc, Pagel, Channeestr. 104, abendö SV, bis 10V, Uhr.—„Freie Turnerschaft" in Fricdrichsselde, abends 8'/,— lO1/, Uhr, bei Bube, Prinzen-Allee 30. Lese- und DiSknticrklnbS. DienStag:„Süden", Ewald, Schönleln- straße 6. Zlrbeltcr-Stenographenvcreine.„Stolze"(EiniglingSsystem), Luisen- städtisches Klubhaus, Annenstr. 16, abends 8V, Uhr. Aus Wien wird berichtet: Der Besitzer einer mechanischen Weberei und Scinnerei, Josef Glanz, ei» Greis von 85 Jahren, sowie dcsicn Wirtschastcrin wurden ans ihrer Besitzimg in Stcinabruckl von unbekannten Thätrrn ermordet und beraubt. Eiscnbahn-Niigliick. Aus Budapest wird vom Montag be- richtet: Bei der Station Dorog in der Nähe von Gran fuhr eine I Lokomotive mit Volldampf in cineti einfahrciiden Personenzug hinein. Der Führer der Lokomotive, Ivelchcr den Zug weiter ciitfcrnt glaubte. konnte nicht mehr bremsen. Drei Passagiere wurden schtver und mehrere leicht verletzt, drei Wagen wurden beschädigt. VevmisMes. Zu Uerdingen hat gestern in einer chemischen Fabrik eine Benzin- Explosion stattgefunden, bei welcher zahlreiche Personen beschädigt wurden. Drei Arbeiter wurden getötet; sechs wurden verwundet unter den Trümmern hervorgezogen. Ein Arbeiter wird Unwetter in Hannover. Ans den westliche» Teilen Hannovers liegen Nachrichten vor, wonach diese Gegenden von einem schwere» Unwetter mit heftigen Gewittern heimgesucht wurden. Marktpreise von Berlin am Il.NoPcinbcr 4899 »ach Erinilicliiiigen des tgl. Polizeipräsidiilms. D.-Ctr. ")Meize» »Moggen Fuiter-Gerfle, Hafer gut „ mittel« „ gering Richtstroh„ Hen. 1)Erbscii. silSpeiieVohneu„ j-ZLinlen Kartoffeln, neue tllindslcisch, Keule l\ber»i»»»t die Nedakiio» dc»i Bubliku», grgeiiübcr teinerlri Berantworliing. Tlivnkov. DienStag, U. November. Opcriihnus. Margarethe. Ansang 7>/. Uhr. Tchniispielhaus. Wie die Alten suiigen. Anfang?>/, Uhr. Neues Oper»- Theater(Kroll). Gustav Adolf- Festspiel. Ansang 7V. Uhr. Deutsches. Kollege Crampton. An- fang Uhr. Lcfsing. Als ich wiederkam... An- fang 7>/, Uhr. Berliner. Die Herren Söhne. An- fang 7l/z Uhr. Schiller. Die Jungfrau von Orleans. Ansang ij Uhr. Neues. Ein unbeschriebenes Blatt. Anfang 7'/. Uhr. Weste». Der Waffenschmied. Ansang TV, Uhr. Dhalia. Der Plntzmalor. 7V, Uhr. Ncsidriij. Jagdfreuden. Fainilien-Soiiper. Ans. Luise». Mölln Carrö. 6 Uhr. Eentral. Die Geisha. � 7V- Uhr. Carl Weift. Frau Inger Oestrot. Ansang 8 Uhr. Friedrich- Wilheluistädtisches. Ein gesunder Junge. Anfang 8 Uhr. Victoria. Die Chansonnette. Anfang 8 Uhr. Beste- ANiance. Gastspiel des Schlierseer Bauern- Theaters. Liferl vom Schliersee. Anfang 7'/- Uhr. Metropol. Specialitäten- Bor- ftellung. Rund um Berlin. An- sang 8 Uhr. Apollo. Frau Lima. Specialitäten- Borstellung. Anfang 7'/, Uhr. Reichshalleu. Stettiner Säuger. Ansang 8 Uhr. Palast. Susanne im Bade. Special!- täten-Borslellung. Ans. 8 Uhr. Passage- Pnaaptit»»,. Speciali» täten-Borstellttug. Urania. Juvalidensir.!»7/(iü. Tägllch abends von ö—W Uhr: Slcnnuarte. Daubenstr. 48/49. Im Theater: Der Sieg des Menschen über die Statur. Ansang 8 Uhr. Anfang Vorher: TV, Uhr. Anfang Anfang aus American Ifteater. DreSdenerstr. 96. Dir: Emtl Schnabl „Lerliu ulkt!" Und das sensaiion. Specialitäten- Progranim. IS erstllainge Debnts. Konzertanfang 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. Nsedrs Iliesier Oi'nni onsti'. 24. Grüne Jungs. Gesangsposse in 1 Alt von E l y. eugen fiosste, Minttkcr Elsa Messer lprolongiert). Franziska Held. Gertrud Bürgel. Freitags: Fainilienabend. Ansang hi Uhr. Sonntags/11 Der Barstand. BeerdignngS-Vcrcin Berliner Zimmerleute. Am 10. d. M. verstarb nach längerem, schweren Krankenlager unser Kamerad, der Zlurmcrer 81Sb Schulz im besten Mannesalter von 51 Jahren. Die Beerdigung findet Dienstag- nachuilttag 3 Uhr von der Leichenhalle des Gcthseuiane-Kirchhofs in Nieder- Schonhansen aus statt. Uni rege Beteiligung ersucht Itvi- FO M. Belohuttitg. Ein Lehrling verlor von seinem Zweirad am Sonnabend, den 11. d.M., nachmittags 3 Uhr, in der Zorndorier- präge einen Beutel mit 472,71 M., verpackt in 1V offenen Lohndüten. Dicicr Beutel ist fast sogleich von einem jungen Mann, welcher mit einem Handwagen der Elektricitäts- tvcrke die Zorndorferstrafee entlang- film', aufgehoben und mitgenoiumen. -r-erielbe wird ersucht, den Fund gegen obige Belohnung sogleich bei\V. Riotsch& Co., Fruchtstr. 5».. abzugeben. Obige Belohnung erhält auch derjenige, durch den der Finder ermittelt und das Geld, wenn auch nicht mehr ganz vollzählig, herbei- geschafft wird. 813d Blmttenhattdlttng und Uraiizbiuderci von 120328» Ki>i» A«!iiiira!- Strasse 19 a GemUoo» Kakao-FrUhstack und Kraftsuppen Bouillon-Kapseln Suppen-Würze stets vorrätig bei Wilhelm Germer, N., Hussitenstrasse 29. MmMcht Voliklimlt für Unbemittelte. 3034L' Sprechstunde von ö1/,— S1/» und 121';— l'/a Uhr. Chielin, Elisabethstrasie 24. � Oünther, Ecke Alte Jakobstrafie. Kaffee 10, 15 Thee, Milch, Chokolade-c., Weib- u. Bair. Bier. Warme Speisen zu jeder Tageszeit. 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Ber- schiedenes. L20b Her Vorstand. I. A.: M. Stuhlmann, Vorsijzeuder, Oderdergerftr. 37. Lldciitl.CeUrlllversllliiliililllg der Vertreter der Arbeitgeber«.Arbeitnehmer der Orts-Krankeukass e der Maschinenbau- Arbeiter ». verw. Gewerbe zu Berti» am DonnerStng, den 23. Novenibcr, abends 8 Uhr, Nllmannschen Lokal, Brunnenstr. 188. Tagesordnung: 1. Wahl von drei Ncviforen zur Prüfung der Jahresrechnung pro 1899. 2. Antrag des Vorstandes auf Niederschlagung des von dem früheren Nendanie» Scheinig unterschlagenen Betrages. 3. Verschiedenes. Nach Schluß dieser General-V«r» sauimlung findet in demselben Lo- kale und in getrennter Wahlvcrsamm- lung eine General-Bersammlung der Vertreter der arbcitgebenden und arbeitnehmenden Mitglieder behufs Vornahme der Wahlen von Vorslaudsniitgliedern statt<1 Arbeit- geber und 2 Arbeitnehmer). Anfragen und Beschwerden, zu welchen die Einsicht in die Kasten- bücher notwendig ist, müffen bis zum 19. d. M. mündlich oder schriftlich de- Hufs Beantwortung derselben in der Gencral-Versauimlung dem Vorstande mitgeteilt werden. Zahlreiches u. pünktliches Erscheinen der Herren Vertreter ist sehr erwünscht. Das Mandat legitimiert. Berlin, 14. November 1899. Ter Borftand. 825/6 Hans Zeyssig. C. Gutheit. Mtur- Heilverfahren. Haut-, Harn- und Blasenleiden. ebensolche Frauen- Krankheiten. ohne Berufsstörung.[30598* B. Wagner, Wallstr. 23. Sprechfi.: 9—2, 5—9; Sonnt. 9—2 H. Grupes Tanz-Institut, Annenstr.lG(früher Klubhaus). Sonntags-Kursus per Monat 3 M., Dienstagabeild-Kiirsus p. Monat 4M. Säle und Vercinszimnier für Ber- ammlungen u. Festlichkeiten.[29728» Fnit? I intp Zlmmerstr. 38, Fl IU l-IIIüG, Ecke Markgrafcnstrabc. Gr. Frühstücks-, Mittags- u. Abendtisch. Französisches Billard. Jeden DienSlagi Frische Blut-, Leber- und Grützwurst. 25611,» W' tW Wo> V 13 Jedes Wort: 5. Pfennig. _ Nur das erste Wort fett. 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