Anterhaltungsblatt des Horivärts Nr. 53. Mittlvoch, den 22. März. 1905 (Nachdruck Wttottu.) 1] 6ine pllcfcrfahrt, Von I o h a il B o j e r. Antorisieite Uebersetzung von Adele N e n st ä d t e r. r. Die alte EntbindungZanstalt in der Ackerstraße ist ein unansehnliches. Zweistöckiges Haus, das inmitten eines bäum- armen Gartens liegt. Ein ehrwürdiges Haus, das mindestens hundertundfünfzig Jahre alt ist: und zu allen Zeiten haben Tausende von Frauen in töumnrcr oder Freude unter diesem Dach Schuh gesucht, und manche seltsame Mär würde bekannt. ivenn das alte Haus seine Erinnerungen erzählen könnte. An einem sonnenwarmen Märztage im Jahre 1878 blieb ein Ehepaar vor diesem Hause stehen und zog den rostigen Eisenring der Torklingel. Das Tor wurde geöffnet, sie schritten durch den leeren Garten und standen bald im Hof- räume, dessen Schnee und Schmutz jetzt in der Sonne dainpften und mit der Spitalluft einen unangenehmen Geruch verbreiteten. Der Portier empfing die Fremden mit einem Spaten in der Hand, wies sie, als sie nach dem Professor frugen, nach einer Tür des linken Seitenflügels und sagte:„Zu dieser Stunde pflegt er bei dem Verwalter zu sein." Der Mann ließ seine Frau im Hofe zurück und eilte die Treppe zum Vcrwaltungsburcau hinauf. Er kam jedoch sofort mit dem Bescheid zurück, daß der Professor zum wach- habenden Assistenzarzte gegangen sei. Der Portier stützte sich auf den Spaten und zeigte auf ein kleines, rotes Haus, das nahe dem anderen Flügel lag.„Dort ist der Assistenzarzt." sagte er. Der Mann rannte hin. Als er wieder heraustrat, war er ganz gereizt.„Blödsinn!" sagte er.„Er— der Professor macht jetzt gerade mit den Studenten einen Rundgang durch die K-rankensäle." „Ja. dann müssen Sie ihn oben auf seinem Bureau er- warten!" sagte der Portier und legte den Spaten fort. Er zeigte auf eine Treppe in dem grauen Steingebäude rechts vom Haustore. Der Mann stieß einen Seufzer aus. ging hin. während die Frau es vorzog, im Hofe zu warten. Dieses Mal blieb ihr Plann lange fort, und die Frau begann unruhig auf- lind abzugehen. Die Wartezeit wurde ihr lang, weil sie sehr gespannt auf den Ausfall dieses Bc suches war. Sie war jetzt in den Vierzigern und hatte schließ lich die Hoffnung aufgeben müssen, ein Kind zu bekomnien, aber sie hatten sich nun entschlossen, ein fremdes, imi geborenes Kind aus der Entbindungsanstalt zu adoptieren man konnte ja unter vielen wählen und gleichzeitig ein„gutes Werk" tun. Schon vor länger als einem Jahre hatten sie dem Professor die Sache übertragen, aber sie hatte sich nicht so leicht gemacht. Vor allem mußte das Kind gesund und wohl gestaltet sein: für die Mutter waren die gleichen Bedingungen erforderlich: drittens mußte die betreffende Mutter auf die ihr gestellten Bedingungen eingehen. Erst gestern hatte sie der Professor hierher bestellt, da er scheinbar das rechte ge funden hatte. Und jetzt lag der kleine Junge hinter diesen Fenslern. Wie sah er wohl aus? Im nächsten Augenblick würde sie ihn sehen, vielleicht sofort mitnehmen. Wenn er aber ein schlechtes geistiges Erbe in sich trug? Würde er ihr wirklich einen leib lichen Sohn ersetzen? Mit solch einem fremden Kinde, das man plötzlich ins Herz schloß, konnte viel geschehen. Sie ging im Schmutz hin und her, blickte sich um und sah ungeduldig nach der Türe, durch welche der Mann ver schwunden war. Je höher die Sonne stieg, um so schlechter wurde die Luft. Decken und Matratzen der Kranken wurden herausgebracht und im Hiutergninde zwischen den Bäumen geklopft. Und immerfort dieser bedrückende Spitalgeruch, der aus diesen großen, stillen Gebäuden sickert und förmlich ver- kündet, daß innerhalb der verdunkelten Fensler etwaS Un- knimliches geschieht. Ein schneidender Schrei ertönt rniS einem Saale deZ zweiten Stockes, erklingt wiederholt. Die Frau nähert sich dem Portier, der mit dem Spaten in eine zugefrorene Gosse schlägt, und fragt:„Wer schreit jetzt?" Der Portier stützt sich auf den Spaten, blinzelt in die Sonne und lächelt über solch eine einfältige Frage. „Wer es ist?" sagt er.„Ja, das kann ich wahrhaftig nicht wissen: hier wird das ganze Jahr hindurch Tag und Nacht geschrien." Jetzt rief der Mann seine Frau: der Professor erwartete ie auf dem Bureau. Der Hofraum bleibt einige Augenblicke leer. Der Portier ist verschwunden, der Spaten ist gegen die Mauer gelelint, die Dächer tropfen, der Star wippt auf der Dachrinne und ingt mit seinem gelben Schnabel in die Sonne hinein. Dann kommt eine Hebammengehülsin, ein junges Mädchen mit auf- gekrempelten Aermeln, rennt über den Hof und ruft:„Portier! Portier!" Gleich darauf steckt der Portier seinen grauen Kopf durch die Türe und kaneird sagt er ärgerlich:„Na, was ist denn los?" Das Mädchen bleibt stehen und dämpft unwillkürlich die Stimme:„Der Assistenzarzt bittet Sie, ans Nr. 10 zu kommen!" „Schön, aber kann ich nicht erst einen Bissen essen? WaS will er?" „Man soll eine Leiche herunter tragen." „Gut, ich komme sofort." Und der Portier zieht sich wieder zurück. Endlich kommt der grauhaarige Professor die Treppe herauf, in gemütlichem Gespräch mit dem fremden Ehepaar. Der Professor bleibt auf der Treppe stehen und sagt:„Aber wenn Sie ihn durchaus sofort sehen wollen, so müssen wir diplomatisch zu Werke gehen. Ja. Sie verlangen doch, daß die Mutter Sie nicht kennen soll?" Beide antworten:„Ja, das verlange» wir!" Und die Frau fügt ganz dringend hinzu:„Habe ich das Kind erst angenommen, so will ich es in Sicherheit für uns allein behalten. Die Mutter könnte es sonst besuchen wollen und dann hätte das Kind zwei Mütter. Vielleicht hat sie auch noch Familie, die sich in Dinge mischen wollte, und... nein, danke, wir wollen damit nichts zu tun haben." Der Professor nickte.„Ja, dann müssen Sie etwas Komödie spielen. Aber fallen Sie nicht aus der Nolle, gnädige Frau, wenn Sie den kleinen Engel erblicken." Er führte sie über den Hof. eine andere Treppe hinauf. Aber plötzlich legte die Frau ihre Hand auf seinen Arm. „Hören Sie." sagte sie leise,„noch haben Sie uns nichts über die Mutter gesagt?" � Der Professor ging noch einige Stufen hinam. dann sagte er mit gedämpfter Stimme:„Bisher hat sie sich geweigert, Namen rind Heimat anzugeben. Wir nennen sie Nr. 47." „Aber wird sie auch bestimmt wollen?" Der Professor blickte mit einent selbstzufriedenen Lächeln auf sie herab.„Ich glaube in der Beurteilung dieser Menschen eine gewisse Uebnng zu besitzen," sagte er und nickte vor sich hin.„Wenn ich nicht irre, so ist sie unter allen die Unglück- lichste. Ja, wir werden schon sehen" Er ging weiter und führte beide über einen dunklen Gang an einer Reihe numerierter Türen vorüber. Als er stehen blieb und eine Tür öffnete, sagte er unnötig laut:„Ja, wir können ja auch hineinsehen." Er ließ die Fremden zuerst eintreten. Ein eigenartiger. schwüler, süßlicher Geruch schlug ihnen cittgege». Das Zimmer lag in einem tiefen Halbdunkel, weil es nach Norden sah. Zuerst ahnte man zwei Reihen Bette» mit den Kopf» enden nach de» zlvei Seitenwänden, dann unterschied man zwer Reihen Augen und Gesichter, die sich auf die Eintretenden richteten. Drei Kinder schrien gleichzeitig, und die Mutter beschwichtigten. Jetzt sah man, daß einige im Bette saßen. einige den Kindern die Brust gaben, andere in einem Halb» schlummer lagen, bleich und entkräftet nach den kürzlich über» stairdenen Leiden. Im zunächstliegeudcn Bette lag ein Wew, laB liber das Nachtkleid Kleider gezogen hatte und sich auf- fetzte, als die Fremden kamen. Der Professor blieb stehen und wandte sich zu ihr:„Na, Wo haben Sie denn Ihr Kind?" Das Mädchen, dessen breites, volles Gesicht eine gelb- liche Farbe hatte, antwortete nihig:„Es starb ja vor drei Tagen." „Ja, ich erinnere mich, natürlich!" Und der Professor wollte weiter gehen, aber die Frau wandte sich zu dem Mädchen in interessiertem Tone:„Es ist Ihnen Wohl an- genehm, daß das Kind gestorben ist?" Das Mädchen schlug die Augen nieder.„O ja. so war's Wohl am besten." Der Professor warf ganz ungeniert ein:«Sie haben ja vorher drei gehabt." Das Mädchen blickte die Frau an und antwortete ruhig: »,Ja, drei." „Sind Sie Dienstnrädchen?" fragte die Frau mit einem Seufzer. „Nein, ich bin Buchbinderin." Sie gingen weiter, während sich das Mädchen wieder auf das Bett legte und die Handflächen unter den Nacken legte. Alle Augen kehrten sich den Fremden zu und sahen auf sie mit der eigentümlichen Mischung von Neid und Be- wunderung, womit die Bewohner einer Krankenstube auf Be- sucher blicken. Diese beide kamen ja direkt aus dem Sonnen- schein und der frischen Luft und brachten Licht und Luft herein; aber im nächsten Augenblick würden sie wieder hinaus- gehen, und konnten nach Belieben draußen bleiben. Ter Professor war an einem anderen Bette stehen ge- blieben, und die Frau dachte: Ob sie es ist! Aber als sie näher trat, sah sie zu ibrer Enttäuschung einen alten, grau- haarigen Kopf zwischen den Kissen.„Diese hat eine schlimme Niederkunft gehabt," erklärte der Professor in einem geschäftlichen Tone.„Sie ist fünfundvierzig Jahre alt und gebar zum erstenmale." Als die Fremde bemerkte, daß die betreffende Frau schlief, flüsterte sie:«Diese ist es doch nicht? Sie ist doch natürlich verheiratet?" Der Professor schüttelte den Kopf.„Sie ist un- verheiratet," sagte er wieder mit seinem seltsamen Lächeln. Aber als er bemerkte, daß dieses alte, grauhaarige Mädchen mit dem unehelichen Kinde peinlich auf die Dame wirkte, faßte er ihren Arm und sagte:„Kommen Sie, jetzt sollen Sie etwas ebenso Merkwürdiges sehen." Er führte sie zur anderen Bettreihe und blieb in der Mitte stehen. Ein Weib mit einem bleichen, verzogenen Ge- ficht lag zwischen den Kissen und lachte, lachte unausgesetzt, während sie ein kleines Kind an sich drückte. Als sie den Professor erblickte, begann sie eine Menge unverständlicher Worte zu spr«hcn, gleichzeitig quoll eine große Schaumwelle aus ihrem Munde. Aber die Augen, die großen, wässerigen Augen, strahlten in seltsamer Wonne. „Sie ist geistig abnorm!" flüsterte der Professor. Die Dame mußte sich auf den Arm ihres Mannes stiiden und halb ohnmächtig flüsterte sie:„Sie ist es doch nicht?"— Sie hatte nur einen Gedanken. Aber der Professor faßte sie wieder am Arm und zeigte wieder ein zufriedenes Lächeln.„Kommen Sie nur mit," sagte er,„ich werde Ihnen jetzt auch etwas Schönes zeigen. Wie ich sehe, schläft sie." Jetzt wußte die Fremde, daß es sich um die Betreffende handelte, und ihr Herz klopfte in voller Spannung. Ter Professor führte sie an ein Bett, nahe ani Fenster. Obgleich die Gardine niedergelassen war, brach doch eine Licht- welle durch und tauchte das Kopfkissen in rötliche Farbe, lliid die Fremden erblickten einen jungen, kräftigen Fraucnkopf. Das Mädchen schlief. Das dunkle, volle Haar war auf- gelöst und fiel über die Stirn und verschwand unter den Schultern, tvährend der Kopf sich in einer zärtlichen Bewegung gegen das kleine Kind lehnte, das an der Schulter lag und schlief. Ter Schlaf schien sie überrascht zu haben, während sie dem Kinde die Brust reichte. Das Hemd war noch offen und entblößte einen weißen, vollen Hals und eine Brust, von Milch angeschwollen. Sie schien vier- bis fünfundzwanzig Jahre alt zu sein, und das regelmäßige Gesicht wäre schön gewesen, wenn es nicht so fahl und matt erschienen wäre. Aber die Fremde blickte nur auf das Kind. Zuerst mit einem gewissen kritischen Gesü.ql, als handle es sich um eine zu erwerbende Wae. Der Kleine schlief auch. Der Verhältnis- mäßig große Kopf mit dem dünnen Haar war zugleich fein und kräftig. Tie kleine, fette Hand lag ausgestreckt gegen die Mutterbrust, und ab und zu schien der kleine Mund wie im Traume zu saugen. Die Wangen waren wie kleine Klöße. Wirklich, ein kleiner Engel, den man sofort an sich schmiegen unv liebkosen mochte. Die Frau lächelte unwillkürlich. Dieses Kind sollte ihr also gehören, obgleich es jetzt so ruhig bei seiner richtigen Mutter zu schlafen schien. Es war ärmlich mit geflickten Sachen bekleidet, es waren die alten Lappen des Stiftes, und sie sahen nicht einmal rein aus. Die Frau hätte das Kind am liebsten sofort genommen, es ordent- lich gewaschen und mit den niedlichen Sachen bekleidet, die sie in der letzten Zeit genäht hatte. Aber jetzt mußte sie auch die Mutter anblicken, die hier den glücklichen Schlaf mit einem Kinde an der Schulter schlief, und nicht ahnte, daß eine andere Frau ihr dieses Wesen entreißen wollte. Und einen Augenblick wallte das Herz der guten Frau mitleidig auf. War es nicht sündhaft, sie zu trennen? Aber sie stärkte sich sofort mit ihrem früheren Bernunfts» grund. Dieses Mädchen mußte sich ja doch von dem Kinde trennen, es würde lebenslang seinen Schandfleck bilden. Nach dem ersten Kummer würde sie es, genau wie die Buch- binderin, als ein Glück betrachten, wenn das Kind stürbe. War es also nicht ebenso gut, es ihr, die ihm eine gute Mutter sein würde, auf immer zu geben, und es als verstorben im Herzen begraben? Plötzlich öffneten sich die verschlossenen Augen, und einige Sekunden blickten die zwei Frauen einander an. Aber nach einem Augenblick wich die Fremde unwillkürlich einige Schritte zurück und blickte auf ein anderes Bett. Der Professor bewahrte die Fassung und sagte in munterem Tone:„Nun, haben Sie geschlafen! Wie geht's dem kleinen Kücken?" (Fortsetzung folgt.) (Nochdruck verboten. Oer Olaiifucds. Bon Willy Ewald Siebert. Die Familie des Kanzleiboamten Sergej Jwanowitsch Worobej tvar entschieden sehr respektabel. In allen Winkeln des soliden Haushalts wohnte der Wohlstand; das konnte man auf den ersten Blick erkennen. Den ganzen lieben, langen Tag heizte man den gediegenen Messing-Samooar für die Gäste, die nie unwillkoimnen waren. Frau Sonja Sscrafimotvna. die wohlbeleibte Dame des Hause?, verstand zu repräsentieren. Das mußte man ihr lassen. Sollte es jemanden in ganz Petersburg geben, der daran zweifelt, nun, der möge einmal an irgend einem Sonnabend nachmittag Frau Sonjas „Jour" besuchen. Nirgends an der Newa fürloahr konnte man ein besseres Französisch hören; nirgends gab es dicker bestrichene Kaviar- brötchen, nirgends eine zartere Haselhnhnpastete. Kurz, die ganze Manier der Gastfreundschaft bewies deutlich, daß man sich in einem vornehmen Hause befand. Sergej Jwanowitsch hätte an den Zerstreuungen des Jours seiner Gattin sicher gern teilgenommen. Leider war er aber ge- wohnlich gerade an den Sonnabenden von dringenden Geschäften in Anspruch genommen. Ein Beamter, der als Kanzlist im Ministerium des Innern angestellt ist, hat eben mehr zu tun und zu denken als gewöhnliche Menschen. Das wird jeder Vernünftige einsehen. Da Sergej Jwanowitsch nur k2S Rubel monatliches Gehalt bezog und nicht das geringste Vermögen besaß, so wird man zu- gestehen müsien, daß er sich ausgezeichnet einzurichten wußte. Nun hat ja ein russischer Kanzleibcamtcr verschiedene Nebcneinnahmen. Da sind zuerst die Gratifikationen. Sie leiten ihre Existenz- berichtigung aus der Bibel ab, die die Frommen mahnt, die Linke nicht wissen zu lassen, was die Rechte tut. Tann kommt die Porto- kasie in Betracht; in diesem Ressort ist es von großer Wichtigkeit, daß der russische Staat Marken zu 7 und 14 Rubel das Stück verauS- gabt. Wieder getreu der Bibel:„Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden". Die ausgiebigsten Ncbcnein- nahmen aber werfen die„Gebühren" ab. Zuerst die staatlichen. Die müssen freilich zum größten Teil abgeliefert werden; höchstens die Vergütungen für die Herren Kontrollbcamten lassen sich hier er- übrigen. Aber die freiwilligen Gebühren! Das ist etwas anderes. Ohne sio könnten Sergejs Töchter nicht französisch lernen und seine Gäste nicht Kaviarbrötchen essen. So hat alles auf Erden seinen Zweck. In der Tat: im Hause Sergejs atmete alles Behaglichkeit und Frömmigkeit. Ueber der Eingangstür fand sich in Holzbrand ein Spruch, den Sergejs älteste Tochter selbst gedichtet und„verarbeitet" hatte. Er lautete: .Wisch' erst die Stiefel ab Und dann tritt ein, Sonst bringst Du Schmutz Statt Glück herein!" Eines Tages brachte Väterchen Sergej ein..Extra-Tclegramm" noch Hause, das er soeben auf dem Newski für fünf Kopeken er- standen hatte. Es enthielt die sensationelle Nachricht, dast die Japaner„demnächst" alle jämmerlich erfrieren müßten, weil es ihnen an Winterkleidung fehle. Das Telegramm wurde mit dem üblichen Jubel aufgenommen. Nur Mamachen Sonja Sscrafimowna blieb merkwürdig still. Hatte sie sich das Unglück der Japaner vielleicht so sehr zu Herzen ge- nmnmen? Alles bestürmte sie mit Fragen. Aber es war nicht möglich, aus ihr eine Antwort herauszubekommen. Abends, als Sergej und seine nachdenkliche Ehehälfte ihr Lager aufgesucht hatten, begann plötzlich Sonja: „Sergej Jwanowitsch, ist es wirklich wahr?" „Was denn, mein Täubchen?" säuselte Sergej, der offenbar kein gutes Gewissen hatte und eine eheliche Auseinandersetzung befürchtete. .Nun, das mit den Japanern..» daß sie alle erfrieren müssen?" Sergej seufzte erleichtert auf. Die Japaner tvaren ihm im Grunde ja ganz gleichgültige Leute. Aber da er von ihnen keine „Gebühren" erheben konnte, so hatte er ein strenges Urteil über sie. „Richtig, mein Seelchen," entgegnete er mit Würde.„Sie müssen alle erfrieren und werden von den Steppenwölsen und Füchsen zcrrisien." „Ach wie schrecklich!" jammerte Sonja..Die armen, armen Menschen!" Plötzlich fiel sie in einen anderen Ton:„Auch wir werden einen sehr strengen Winter haben." „So?" sagte Sergej und gähnte. Er war zufrieden, daß er kein Japaner war und unter einem warmen Federbett liegen durfte. „Ach Sergej, mein Guter," begann Sonja wieder, indem sie tief aufseufzte,„wenn es nun auch bei uns so kalt wird! Wie schrecklich, wo ich nicht einmal einen warmen Pelz habckl" „Du hast keinen Pelz?" stammelte Sergej erstaunt.„Nun, und der Hcrinclininantcl, den ich Dir voriges Jahr gekauft habe? Den haben wohl die Motten aufgefressen, he?" „Ein feiner Hermelin, pffl" grollte Sonja entrüstet.„Lauter falsches Haarzeug, das selbst den Motten zu schlecht ist." Und mit einem Lächeln unsagbarer Verachtung um die Lippen:„Nicht einmal die Schwänzchen sind echt!" Sergej schien wenig Verständnis für den großen Kummer seiner Gattin zu haben, denn sein tiefes Atmen zeigte an, daß er einge- schlafen war. Vielleicht tat er freilich auch nur so, um Ruhe zu bekommen. Doch Sonja, die offenbar nach einem festen Plane vor- ging, ließ sich nicht abhalten, diesen Schlaf„zu morden". Und fachte zupfte sie Sergej am Aermel, bis er feine wasserblauen Aeuglein wieder aufmachte.„Nein, wie Du mich erschreckt hast!" heuchelte er.„Ich träumte schon." „Vielleicht von einem— Blaufuchspelz, wie ihn die Frau Deines Vorgesetzten trägt?" Dabei sah sie Sergej verliebt an. Sergej, der die Intensität der Wünsche seiner Frau kannte, wandte bescheiden ein:„Aber ich bitte Dich, Täubchen, so ein Pelz kostet ja dreitausend Rubel." „Tie Frau von Paivlj Wassiljelvitsch hat aber auch einen," bcharrte Sonja eigensinnig. „Patvlj Wassiljcwitsch hat auch die Beiträge für's Rote Kreuz zu Vertvaltcn und ich nicht." Danut drehte er sich entschlossen auf die andere Seite und gab so deutlich zu erkennen, daß er zu schlafen wünsche. Sonja aber überlegte noch lange, wie sie zu dem„Blaufuchs" kommen könnte. Endlich schien sie das Mittel gefunden zu haben, lind mit einem Lächeln, das sich verklärend von Ohr zu Ohr zog, schlief auch sie ein. Wenige Tage nach dieser Unterredung verließen zlvci französisch sprechende Damen den LuxuSzug in Moskau. Vom Bahnhof fuhren die beiden direkt in das„Hotel du Kremle", wo sie ein vornehm eingerichtetes Logcmcnt im ersten Stock bezogen. Die Zimmer waren für„Frau Staatsrätin Wera von Lobanow nebst Bedienung" tclcgraphisch bestellt worden. Noch am Nachmittage desselben TagcS bestellte die Frau Staats- rätin eine Equipage„mit einem Diener auf den: Bock". In eleganter Toilette nahm sie im Fond des scidengefütterten Wagens Platz und wies der Zofe, die ihr folgte, den Rücksitz an. Tann ging es im schlanken Trab nach dem Kusnezki mostj; vor dem eleganten .Pariser Modemagazin der Freies Dutellier befahl sie zu halten. Frau Staatsrätin, die das Magazin in Begleitung ihrer Zofe und vom Diener gefolgt, betreten hatte, beliebten, sich pelzgefütterte Abeudmäntel vorlegen zu lasten.„Auf den Preis käme es gar nicht an." Der Herr Geschäftsführer erschöpfte sich in Höflichkeiten. Die Staatsrätin war sehr wählerisch. Was man ihr da zeigte, sei ja ganz nett, entspräche aber nicht völlig den Ansprüchen, die sie an Eleganz und Gediegenheit stelle. Ihr läge daran, etwas ganz be- sonders Apartes zu bekommen.„Nicht wahr, mein Kind," so wandte ftr sich an die ehrfurchtsvoll ausschauende Zofe,„um einen Zobel- mantel für tausend Rubel zu kaufen, hättckl wir nicht nötig gehabt. von Warschau nach Moskau zu fahren!" Die Zofe warf einen Blick des Vorwurfs auf den verständnislosen Geschäftssührer, während die Staatsrätin aufs neue betonte, daß es auf den Preis gar nicht ankäme. Indessen war auf Anordnung des Geschäftsführers ein blauer Sammetmantcl, der mit Blaufuchs gefüttert war. herbeigeholt worden. Ein„Ah" der Bewunderung entschlüpfte den Lippen der vornehmen Käuferin. Dieses Ah kostete ihr mindestens 300 Rubel. — aber der Preis war ja Nebensache. „Was kostet der Mantel?" fragte die Staatsrätin in gleich- gültigem Tone. Ter Geschäftsführer gab sich fichtlich Mühe, seinem Blick die Unschuld der Taube zu geben.„3800 Rubel." säuselte er.„Und dabei verdienen wir selbst so gut wie nichts..." Die Staatsrätin unterbracht ihn mit der kühlen Bemerkung: „Ich habe den Preis ja noch nicht bemängelt". Damit erregte sie freilich einen neuen Sturm in der gewinnsüchtigen Seele des Ver- käufers, der nunmehr bedauerte, nicht 4000 Rubel gefordert zu haben. Er sah ganz zerknirscht aus. Die Staatsrätin machte diesen Kombinationen ein rasches Ende. Man möge den Mantel in ihr Coupe legen; sie wünsche ihn sofort zu bezahlen. An der Kaste holte sie mit einer Weltgewandtheit, die jahrelange Ucbung erkennen ließ, ein Scheckbuch auS ihrem silbernen Täschchen und wies die Moskauer Filiale des„Credit Lyonais" an. der Firma Dutellier Freies oder deren Order 3800 Rubel zu zahlen. Der Geschäftsführer, der Madame selbst zur Kasse geführt hatte,— es war das eine Auszeichnung, die er nur sehr bevor» zugten Käuferinnen zu teil werden ließ,— stutzte. Wie oft hatte man nicht von Schwindeleien gehör., die mit gefälschten Scheiss ausgeführt wurden! Und wer konnte überdies wissen, ob die Tams überhaupt noch ein Konto auf der Bank habe! Da kam ihm in rettender Gedanke. Er bat die Frau Staats- rätin,„einen Moment Platz zu nehmen". Er selbst wolle die Ver» Packung des kostbaren Stücks überwachen. Anstatt in den Emballage- räum begab er sich aber eiligst in sein Kontor und ließ sich tele- phonisch mit dem Credit Oyonais verbinden. Tie Auskunst war durchaus zufriedenstellend. Herr Staatsrat von Lobanow. Domizil Warschau, habe ein größeres Depot auf der Bank. Ter Scheck über 3800 Rubel würde jederzeit honoriert werden. Zwei Minuten später reichte der Geschäftsführer persönlich „Ihrer Exzellenz" den Karton, der den kostbaren Mantel enthielt. in den Wagen. Er hörte noch, wie die Zofe dem Kutscher zurief: „Zum Generalgouverncurl" Von Ehrfurcht geradezu zerknittert» sah der Geschäftsführer dem von bannen rollenden Wagen nach. Als der Chef des Modemagazins am Morgen des nächsten Tages jten Scheck zur Zahlung präsentieren ließ, erführ er zu seinem nicht geringen Schrecken, daß ein Scheck über 3800 Rubel bereits eine halbe Stunde nach der Anfrage der Firma von einer jungen Dame, die im Auftrage der Herren Dutellier Freres gekommen, einkassiert worden sei. Den Rest ihres Guthabens habe die Frau Staatsrätin selbst, die sich bestens legitimiert hatte,— wiederum eine halbe Stunde später— abgehoben. Die Polizei erfuhr auf ihre Erkundigung, die sie im„Hotel du Kremle" einzog, daß die Staatsrätin im Besitz eines ordnungs» mäßigen Passes gewesen sei. Bei ihrer Abreise habe sie fürstliche Trinkgelder verteilt. Ein wunderbarer Blaufuchspelz sei das Ent- zücken des gesamten Personals gctvefcn. Die Nachfrage beim Credit Oyonais brachte weitere Aufklärung. Das Guthaben war vor ungefähr einem Monat von Warschau aus auf den Namen des Staatsrats von Lobanow bei der Bank eingezahlt worden, * In der nächste» Saison sah man Sonja Sserafimowna Worobej häufig auf der Promenade. Ihr herrlicher Blaufuchspclz erregte ebensoviel Neid als Entzücken. Eines Abends, als sie mit ihrem Gatten und den Kindern allein war, rechnete sie vor. wieviel der Blaufuchspelz gekostet habe. „Also paßt auf, Kinder. Zuerst der Paß für die Staatsrätin von Lobanow: der kostete natürlich gar nichts, weil Papascha Kanzlei- beamter ist. Dann die Fahrt nach Moskau zu zweit mit Wera lDu, mein Goldkind, das so gut französisch spricht!) in erster Klasse: kostete Ivieder nichts; wir haben sie als„Dienstreise" anschreiben lassen." „Aber. aber, das teure Hotel in Moskau und der Wagen mit dem Diener auf dem Bock." drohte Vätercher Sergej behaglich lachend.„Die haben ein schönes Stück Gelt gekostet." „Gott sei Dank, Kinderchen." seufzte Sonja.„Da bin ich endlich einmal den falschen Hundertrubclschein los geworden, den Papa aus dem Klub nach Hause gebracht hat!"— kleines feuilleton. lar. Der Faulenzer. Zehn Menschen sitzen in dem Zimmer über die Arbeit gebeugt. Schwerfällig kriechen die Federn hin übers Papier, hier und da fällt eine halblaute Frage, ab und zu eine Bemerkung, farblos und jmüde, wie das fahle Licht, das durch die Scheibe» hineinfällt in* Zimmer auf Stöße beschriebenen Papiers, Briefe und staubige Bücher. „Langweilig.. sagt plötzlich jemand,.noch langweiliger, als sonst, nicht Fräulein?" Das Geklapper der Maschine verstummt, das Fräulein sieht zu dein Frager hinüber. „Ich lveis', nicht.. sagt sie berlvirrt,„eS ist so, wie immer." Dann gähirt sie verstohlen. Vom Rebenpult blickt ein alter Herr auf. „Langweilig", sagte er,„langweilig... Weil Sie nicht arbeite», weil Sie kein Geschäftsinteresse haben..." „Hab' ich nie gehabt", gesteht der andere,„nie gelärmt. Kaim's auch nicht kennen."• Er schüttelt energisch den Kopf. „Dann weist ich mir nicht", fragt der Alte,„warum Sie sich hier quälen? Ich würde mir'ne Villa im Grunewald bauen und dort Gottes Gaben geniesten.'S soll bester sein, als Bilanzen zu zieh'n." Eine Zeitlang ist'S still. Das Fräulein träumt, die anderen sitzen über der Arbeit. „Dreißig Jahre bin ich jetzt hier," beginnt der Alte dann wieder, „dreißig volle Jahre. Bin auch ander? gewesen. Gleich gewöhnt man sich nicht so dran, wenn man'S auch noch so gern will. Das lammt allmählich. Aber wollen mutz man, wollen, da? ist die Sache!" Er sieht selbstbewußt um sich.„Ich habe gewollt. Nun, und seh'» Sie, ich bin zufrieden l Aber das ist so die Jugend— die »nutz gleich Gott weiß wo hinan? und wenn'? dann nicht geht, ist's nicht recht." Nachdenklich rückt er an der goldenen Brille. „Viele sind auch Faulenzer.. Er schielt boshaft hinüber zum Nebenpult. Der Nachbar wird rot, legt die Feder beiseite und sieht den Sprecher scharf an. „Faulenzer", sagte er,„Ivas ist das—„Faulenzer"? Geben Sie jedem die Arbeit, zu der er Luft spürt und befähigt ist, da wird sie leicht und zur Freude!" „Nun. und?" „Und? Dann wird eS keine Faulenzer geben. Jeder wird seinem Arbeitstrieb folgen und tüchtig werden, wenn er den Beruf, zu dem es ihn drängt, in den« er glaubt etwas leisten zu können, ergreift l" „Sie sind sehr klug," sagte der Alte,„wirklich zu klug! Ich sage Ihnen doch— das Interesse an der Arbeit ist nichts, als Ge- Ivohnheit und kommt nur allmählich. Ich habe ebenfalls keine Lust gehabt. Kaufmann zu werden, aber inein Vater hat's gewollt, weil er auch Kaufmann ivar. Man hat doch immer sein Auskommen, hat er gesagt. Nun, und bin ich unzufrieden? Im Gegenteil! Bin ich untüchtig? Ich glaube nicht!" Er sieht den andern durch die Brille herausfordernd an. „Und meinen Sie nicht doch, daß Sie weit nützlicher sein könnten und größere Freude an der Arbeit fänden, wenn Sie Ihrer eigenen Wahl gefolgt wären?" Dem Alten reißt die Geduld.„Herr," ruft er,„was faseln Sie mir da von Freude und Nutzen? Was nennen Sie Nutzen, was ist Nutzen? Ich bin alt und grau in meiner Stellung geworden, ich habe meinem Chef stets ehrlich und treu gedient, Herr, ich habe Frau und zwei Töchter, habe stets meine Familie anständig ernährt, ist das nicht genug? Tut das ein jeder? Jeder tut's nicht..." Seine Stimme klingt selbstbewußt und zufrieden. „Sie sagen, man soll werden, loozu man Lust und Begabung spürt. Sie wollen damit Ihre Unlust entschuldigen. Gut! Ja, so sagen Sie mir doch aber. Verehrter, welcher Teufel hat Sie denn hcrgetrieben? Warum sitzen Sie hier uno brummen und knurren und gähnen, als hätten Sie nie ausgeschlafen, während Sie dort boller Freude den Nutzen bringen könnten, von dem Sie. stets schwärmen? Ich begreife nicht— warum kanten Sie hierher, warum bleiben Sie hier?" Er sieht den anderen verständnislos an. „Was hat Sie hergebracht?" „Die Verhältnisse," sagt der leise, und um seinen Mnnd zuckt ein schmerzliches Lächeln. Da wird es auf einmal ganz stille im Zimmer.-- Dann aber beginnt die Maschine von neuem zu klappern, lviedcr kriechen die Federn hinab an den Seiten, und weiter schleppt sich die Arbeit... Ans der Pflanzenwelt. ss. Ein neuer Kaffeebaum. Durch den Forschung?- reisenden Chevalier sind im Kougogebict drei Arten des Kaffee- strauchs aufgefunden worden, von' denen eine nur ungenügend, die beiden anderen gar nicht bekannt lvarcn. Die Entdeckung wird möglicherweise auch eine praktische Bedeutung gewinne», lveil eine der neuen Kaffcepflanzen eine sehr brauchbare Frucht liefert. DieS Gewächs ist überhaupt sehr merkwürdig, lveil es im Vergleich zu seinen Verwandten ein Riese genannt und eigentlich als Kaffee- bäum bezeichnet werden kann. Während die übrigen Kaffcepflanzen nur die Größe von Stränchcrn erreichen, gewimit das als Coffeo. excelsa von Chevalier beschriebene Gewächs eine Höhe bis zu W Meter. Seine Heimat scheinen die Wälder an den östlichen Zuflüssen des Schari zu seini Doch ist es auch an den Ufern des Bata, enteS Zuflusses des zum llbangi-Becken gehörigen Kotto. gefunden wo.den. Der Kaffeebaum scheint eine Meereshöhe von 5— 800 Meter zu verlangen und die häufig überschwemmten Niederungen zu meiden. Er besitzt eine graue, von Längsspalten durch» furchte Rinde, längliche Blätter nub weiße duftende Blüten, die bis zil fünf an einem Stiel zusammenstehen. Die Blüte fällt in die Monate Februar oder März. Geerntet wird die Frucht nur im Tal des Bor» innerhalb der Staaten des Sultans von Snousft. Nach den genaueren Untersuchungen wächst der Kaffeebaum mit Vor- lijbe auf einem stickstoff- und uatronreichen Boden, dem gewöhnlich KM. Phosphorsänre und Kalk fast völlig fehlen. Die Frucht besteht ans kleinen rundlichen Körnern, die in ihrer Form und Größe an gewisse Kaffeesorten von Abessynien und Mokka erinnern, Auf 100 Klibik-Zentimeter entfallen etwa 700 Bohnen, deren Gewicht etwa 70 Gramm erreicht. Es folgt daraus, daß IVO Granu» von diesen: Kaffee 120—160 Bohneir enthalten. Im wilden Zustande liefert ein fünfjähriger Stanim, der etloa acht Meter Höhe besitzt, 600 Früchte oder 1200 Bohnen, Der Gehalt an Coffein ist sehr groß. Nach den in Hartem vorgenommenen Untersuchungen gehört der neue Kaffee zu den besten bisher bekamiten Sorten. Nachdem er gedörrt ist, gibt er einen Aufguß von aus- gezeichnetem Aroma, und alle Sachverständigen, die eine Probe machten, habe!« ihm einstinimig eine sehr gute Mittelqualität zuerkannt. Uebrigcns ist dieser Kaffee den Arabern schon seit langem bekannt gewesen, zumal auch jährlich eine kleine Menge davon auS den Staaten von Snousfi nach Wadai ausgeführt wird. Bor einiger Zeit soll sogar auf den Märkten in Tripolis etwas von diesem Kaffee zum Verkauf gebracht worden sein. Die französische Regierung beabsichtigt. Versuche mit der Anpflanzung und Berbefferung des wilden Kaffeebaumes in ihrer Kolonie am Kongo vorzunehnien. Die aftikanischen Eingeborenen nehmen übrigens die Ernte in sehr rücksichtsloser Weise vor, indem sie ans die Bäume hinaufklettern und die Zweige abbrechen, waS zum Absterben des Stamme? führt: Humoristisches. — Der Berliner Dom. Zuckerbäcker zu den Lehr- lingen, denen er den neuen Prachtbau zeigt:„Seht, Jungens, da könnt Ihr noch was lernen I"— —„Arbeitslos", Ein Lehrer in der Mittelschule ersucht eines Tages diejenigen seiner Schüler, sich von ihren Sitzen zu erhebeir, deren Vater zurzeit arbeitslos sei. Unter denen, die auf- gestanden waren, befindet sich auch der Sohn eines bekannten mehr- fachen Hausbesitzers, „Warum stehst denn Du auf, Karl?" fragte ihn der Lehrer. „Mein Vater", sagte der gute Junge,„hat nie keine Arbeit nicht,"- — Unbestritten. Frau:„Siechst, alles, lvaS da iS, sogar dös Hemd, wo's d' am Leib hast, alles g'hört mei' l" Mann:„Ja, leider! Bloß Du g'hörst mir!" („Simplicissimus".) Notizen. — Recht hat er! Die Stuttgarter„Morgenpost" veröffentlicht folgende Erklärung: „Die Intendanz des Hoftheaters hat gegen mein Wissen die Erstaufführung meiner„Maria Friedhammer" in das Wilhelm a- t h e a t e r verwiesen. Da ich mein von nahezu 20 größeren Bühnen aufgeführtes bezw, erworbenes Drama gerade in meiner Vater- stadt nicht als Premiere einer Nebenbühnc gespielt sehen wollte, lvar ich gezwungen, m e i n S t ii ck zurückzuziehen. Heinrich Lilien fein."— —„Rat S ch r i in p f", eine Wiener Gesellschastskomödie von Max B u r ck h a r d, gelangt im April im Deutschen Volks- t h e a t e r zur ersten Änffülirung.— — Anfang April erscheint im Verlag F. Bruckmann in München eine wohlfeite Ausgabe des Menzel- Werkes. Preis 10 M.— c. Die vollständige Restauration der ehemaligen Bibliothek am Markusplatz in V e n e d i g, die 1536 von Sansovino für die Mareiana-Bibliothek erbaut wurde, ist jetzt begonnen worden. Die Ecke des prächtigen Gebäudes wurde, wie erinnerlich, bei dem Sturz des Eampanile am 14. Juli 1902 vollständig zerstört,— — Die Seebehörde zu Trieft hat Preise für die Erlegung von H a i f i s ch e n ausgesetzt. Für einen Menschenhai werden bis 1000 Kronen bezahlt.— — Der sächsische Staat bat 29 Hektar des berühmten Moor- lagers von Soos bei Franzensbad für das Frauenbad Elster angekauft.— — Etwas länglich. Im Verordnungsblatt des oster- reichlichen Justizministeriums vom 14. Januar ist auf Seite 15 zu lesen:-- die Ernennung des Feld Webel-Lehrgehü Ifen» a n f s i ch t s- U n t e r o f f i z i e r S Alois K. für die Männerstraf- anstatt in Pilsen.—_ Verantlvortt. Redakteur: Paul Büttner. Berlin.— Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.BerlagsaiistattPaulSiligerLrTo,.BerlinL>V.