Anterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 60. Freitag, den 24. März. 1905 (Nachdruck verboten.) st Sine PUgerfakrt. Von Johan Bojer. Autorisierte Uebersetzung von Adele Neustädter. Plötzlich fetzt sie sich auf. greift nach der Uhr der Nach- barin und hält sie unter die Nachtlampe. Ach. erst zwei Uhr. Würde denn diese Nacht nie ein Ende nehmen? Sie legt sich wieder hin, zieht die Decke über den Kopf. kneift die Augen ein:„Schlafe, schlafe!" Aber bald wandert sie wieder auf der kleinen Insel umher. Jetzt saßen die alten Eltern in dem kleinen Leuchtturmhaus und ahnten nichts. Sie wirft sich zur Seite und stöhnt. Jetzt sieht sie sich als vierzehnjähriges Mädchen und springt zusammen mit den Fischerkindern auf der Insel herum. Das Meer lärmte von allen Seiten. Gegen Westen rollte es in den Himmel. Gegen Osten gewahrte man das Festland, wie einen schwarzen Strich zwischen Himmel und Meer. In den Klüften briiteten allerlei Seevögel, die ihre guten Freunde waren. Oft näherte sie sich einem Eidervogel, klopfte den Rücken, ohne daß der Vogel davon flog. Und sie folgt der Mutter zur kleinen Kirche, der Weg führte über kleine Torfsümpfe und Berge und auf der ganzen Insel gab es. außer einer kleinen verkrüppelten Birke in ihrem Garten, keinen Baum. Sie lernte zusammen mit ihren beiden Brüdern beim Vater. Er hatte eine große Bibliothek, und sie lernte schnell Bücher in fremden Sprachen lesen. Aber die Eltern waren so verschieden, die Mutter streng religiös, der Vater saß bis tief in die Nacht hinein bei einer Flasche. Er hatte durch ein Miß- gcschick seinen Abschied als Seeoffizier erhalten und konnte es nicht überwindm. Dann kam das Unglück mit den Söhnen. Der Aelteste kam durch einen falschen Wechsel ins Gefängnis, der andere verlieb seine gute Stellung in der Hauptstadt und brannte mit einer Zirkusdame durch. Die Mutter trug es wie ein Kreuz, vom Himmel verhängt, der Vater bekam weiße Haare. So war sie wieder allein und ging zwischen Vater und Mutter wie zwischen zwei Kranken, die alles von ihr erwarteten. Es schien ihr auch natürlich, daß sie den Eltern an Glück wieder zuführen müsse, lvas die Söhne durch Kummer geraubt hatten. Freilich schritt sie mit zwehindzwanzig Jahren noch ganz planlos zwischen den zwei Alten einher. Nie kamen Fremde zu Besuch, auch bot sich keine?lussicht fortzukommen, und deshalb erschien ihr diese Einsamkeit mehr lind mehr wie ein lebens- längliches Gefängnis. Da lud sie die reiche Tante, die ein großes Gut bei Mjösen hatte, zum Sommer ein. Der Vater biß in seine Pfeifenspitze und brummte:„So, so. man erkennt uns also doch noch an!" Also endlich eine Gelegenheit, aus dem Käfig zu entschlüpfen! Und schließlich gab der Vater nach. Vergangenen Frühling war's. Ja, wirklich, erst vor einem Jahre. Aber jetzt fährt sie wieder auf und faßt sich an den Kopf: „Herrgott,»veShalb kann ich nicht schlafen?" Bald darauf liegt sie wieder mit halbgeöffneten Augen. Und sie kommt auf das große Gut, erfüllt von den Eindrücken eines mehrtägigen Aufenthaltes in der Hauptstadt. Die Häuser lagen auf einem Hügel und spiegelten sich in dem großen Land- see, der von Kirchspielen und Fichtenwäldern begrenzt war. Juni war's, der Garten stand voll blühender Apfelbäume, die Wiesen wallten im Sommerwinde. Die frische Meerluft, woran sie gewöhnt, war jetzt in trockenen Gras-, Laub- und Blumenduft vertauscht. In ihrem kleinen Zimmer konnte sie stundenlang am Fenster liegen und sich in der warmen Nacht- luft baden. Ein gelber Mond stand über dem See, leuchtete jedoch nicht, da die Nacht zu licht war. Wieso kam es, daß sie von Anbeginn einen gewissen Widerwillen gegen die Tante und die ztvei Cousinen empfcknd? Befürchtete sie wohl, sie könnten um des Vaters und der Brüder willen auf sie herab- sehen? Diese Gedanken schmerzten sie stets wie ein wunder Fleck, vor dessen Berührung ihr bangte. Bald wurde ihr die Gewißheit, daß man mitleidig auf sie herabsah. Stich auf Stich fiel auf den wunden Fleck, durch Blicke, Andeutungen, den Tonfall einer Stimme, vielleicht galten die Blicke auch ihren Kleidern und Manieren. Sie verschluckte den Grimm. Denn sie wollte noch nicht nach Hause reisen. Und well sie den Zorn verbergen mußte, verwandelte er sich bald in Haß. Tropfenweise sammelte er sich! in ihrem Gemüte. Aber alles mußte geheim bleiben. So> lernte sie heucheln. Weil sie die Eltern nicht verletzen wollte. schrieb sie nach Hause fröhliche Briefe. So lernte sie lügen. Viele Gesellschaften fanden im Hause statt, und sie be» merkte bald, daß man sie schön fand, schöner als die zwei gleich- alterigen Cousinen. Ein reicher Landwirt und ein Tierarzt hielten um ihre Haird an. Beide wurden abgewiesen. Sie begann von hohen Zielen zu träumen, nicht allein um die Eltern glücklich zu machen, nein, sie wollte höher als die Cousinen stehen, um sich zu rächen. Da kam er— ein Verwandter des verstorbenen Mannes« ihrer Tante. Er war gerade mit dein medizinischen Doktor fertig geworden und man sagte, er sei reich, sehr reich. Als sie bemerkte, daß er sich auffallend für eine der Cousiiien interessierte, begann sie ihn schön zu finden. „Ich will ihn ihr abspenstig machen," dachte sie,„abep es müßte fein eingefädelt werden." Er brachte Leben ins Haus. Ausflüge ins Gebirge. Waldfeuer, Gläserklingcn, Gelächter und wgrme Augen. Welch' ein Sommer! Bisher hatte sie täglich ihr Abendgebet verrichtet. Jetzt vergaß sie daran. Aber er hatte wohl bemerkt, daß sie von gemeinerer Rasse ivav. Denn er wäre wohl kaum zu einer der anderen hinein- gegangen, in jener Nacht, als sie allein zu Hause waren. Am nächsten Tage hatte sie die Empfindung, daß sie mehr als verlobt seien. Sie waren gewissermaßen getraut. Jetzt blickte sie ohne Haß auf die Cousinen. Jetzt wollte sie sich nicht rächen, nur triumphieren. Sie trafen sich im Walde, und Wochen der Wonne der- strichen. Sie war warm und fröhlich und glückselig. Und! wenn sie jetzt an die Eltern dachte, hatte sie lichte, liebe Träume, wie gut die Alten es haben sollten, wenn sie zu ihr ins Haust kamen. Dann reiste er plötzlich ab. Sie hatte ihn vor der Abreise nicht gesprochen und fühlte sich beunruhigt. Sie wartete auf einen Brief, dann schrieb sie. Aber es kam keine Antwort. Da hört sie eines Tages bei Tisch, Dr. Folden sei schon lange mit einer Dame aus der Hauptstadt verlobt und werde dcmnächsij heiraten. O, dieser Tag!... Dieser Tag! Sie fährt wieder im Bette auf. streicht sich über die Stirn und flüstert:„O, ich werde verrückt, wenn ich jetzt nicht schlafen kann!" Die Nachbarin liegt auch wach, es ist das grauhaarige Mädchen, und sie flüstert zurück:__- „Glauben Sie, Sie seien die einzige?" Sie antwortete nicht. Und während sie den Kopf mit den Händen festhielt, sah sie wieder jene Nacht vor sich, als sie in den Feldern umher- irrte. Die Herbstdämmerung begann, und das feuchte Gra-j durchnetzte sie. Sic empfand eine entsetzliche Ahnung. Als der Morgen graute, schleppte sie sich heimwärts. Und, tagsüber war sie in den Zimmern, verrichtete ihre Arbeit, trällerte und scherzte und lachte. Sie sollten nichts merken« nein, den Triumph sollten sie nicht erleben. Endlich wurde ihr alles klar, das Entsetzliche wurde zur Gewißheit. Sie fühlte sich Mutter. Aber in den Zimmern ging sie immer noch trällernd um- her. Nicht der geringste Argwohn durfte entstehen. Die Not lehrte sie lachen, statt weinen, sie machte sie erfinderisch und kaltblütig. Es mußte ein Ausweg gefunden werden, und sie mußte ihn schaffen. Aber wo sollte sie jetzt hin? Nach Hause? Unter keinen Umständen. Sollte die Eltern auch noch dieser Schlag treffen....., Eines Tages schrieb sie einen glückstrahlenden Brief nach Hause und bat um Geld, um die Haushaltungsschule in Christiania zu besuchen. Das Geld kam, obwohl der Vater murrte. Und damit die Tante und die Cousinen sie in der Stadt nicht aufsuchen sollten, entzweite sie sich absichtlich mit ihnen, ehe sie abreiste, sie schieden in völliger Feindschaft. Wie ein verwundetes Tier versteckte sie sich in der großen Stadt. Auf die Haushaltungsschule ging sie einen Monat, dann wagte sie es nicht länger, um keinen Argwohn zu erregen. Tann mietete sie sich in der Vorstadt bei einem Nähmädchen in einer Dachstube ein und nähte tagelang grobe Säume, um Kost und Logis zu verdienen. Ihre kleine Geldsumme schwand hin. In die Stadt wagte sie nicht zu gehen, sie konnte ja einen Bekannten aus dem Hochland treffen. Ihren Eltern schrieb sie fröhliche vergnügte Briefe, und eine Unwahrheit zog immer eine andere nach sich. Es wurde ein langer Winter. So kam der Abend, da sie sich längs der Hausmauern in die Entbindungsanstalt schlich. Und während die ersten Wehen sie durchzogen, saß sie im Bureau und verhandelte mit dem Arzte. Er verlangte Aufklärung, wollte ein Protokoll auf- nehmen, aber sie weigerte sich hartnäckig, Namen und Stellung anzugeben. Tann zwang man sie zu baden und endlich brachte man sie im Entbindungssaale in ein hartes, schlecht riechendes Bett. Großer Gott, niemals hätte sie geglaubt, daß ein Mensch in so hohem Grade unglücklich und allein sein könne. Und jetzt kam das schlimmste. Zwei Studenten begannen sie zu untersuchen. Zuerst glaubte sie, sie müsse vor Scham vergehen, dann wurde sie rasend und rief:„Genügt es nicht, wenn Einer untersucht?" Ein Student antwortete fast spöttisch:„Sie müssen entschuldigen, Fräulein, aber wir Studenten sind hier in der Anstalt, um unser Fach zu lernen. Sie scheinen sich übrigens in der letzten Zeit zu wenig Bewegung gemacht zu haben." Sie dachte:„Man hält Dich natürlich für eine Dirne." Fünfzehn Stunden lag sie in Geburtswehen. Und so oft sie die Schmerzen durchschüttelten, rief sie immerzu nur: „Mutter, Mutter!" Zwischen jedem Anfall starrte sie nach der bemalten Saal- decke, wo die Gasflammen brannten und einen unangenehmen Geruch verbreiteten. Spät am Abend kamen zwei Hebammen-Elevinnen, um die Nachtwache zu übernehmen. Sie sollten sie auch unter- suchen, um zn lernen. Später riefeil sie einige andere Mädchen herein, die auch untersuchen mußten. Es kamen immer mehr Leute, Studenten und weibliche Eleven. Sie wurde nicht mehr als Mensch, sondern als Allgemeingut behandelt, woraus man gedankenlos Nutzen zog, selbst wenn man dadurch ins innerste Mark traf. Und sie lag still und konnte nicht protestieren. Es war entsetzlich. Während der Nacht wurde eine neue Wöchnerin herein- gebracht. Eine Stunde später folgte eine zweite. So lagen dort drei schreiende Frauen, je durch einen Bettschirm ge- trennt. Das Schreien der anderen ging ihr durch Mark und Bein. Während der Nacht wurde der Assistenzarzt geholt? er sollte auch untersuchen, die wachhabenden Elevinnen umstanden ihn und er dozierte über diesen speziellen Fall. Sie verlor das Bewußtsein. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) Rasier-Apparate. ES ist eine recht sonderbare Empfindung, wenn man bei starkem Bartwuchs am Halse mit einem nicht ganz einwandfreien Messer gegen den Strich rasiert wird. Nun ist aber nicht genau zu sagen, was man unter„gegen den Strich" bei jedem einzelnen nennen darf. Der Begriff als solcher ist unzweifel- Haft? die einzelnen Haare wachsen schräg aus der Haut heraus. wobei es jedoch nicht bestimmt ist. nach welcher Richtung die Spitze steht, nach vorn(nach dem Kinn) oder nach hinten. Ein vorsichtiger Barbier wird sich freilich jedesmal erst überzeugen, ehe er anfängt, indessen gibt es auch genügend solcher, die es nicht tun, und der Leidtragende ist dann immer der Kunde. Für jeden, der unter dieser Kalamität leidet, ist die Parole: „Rasiere dich selbst." Das ist aber viel leichter gesagt als getan, denn eS gehört dazu, wenn man sich mit einem Messer rasieren will, eine nicht zu unterschätzende Geschicklichkeit, da man das Meffer ebenso sicher mit der linken Hand führen muß wie mit der rechten, und da hapert es bei den meisten Menschen; eS haben infolge dessen viele, die dem heroischen Entschluß gefaßt hatten, sich fortan selbst zu rasieren, schon Seifcnnapf, Pinsel, Messer, Streichriemen:c. sc. angeschafft hatten, nach ersten, meist verunglückten Versuch ihr Vor- haben wieder aufgegeben. Warum muß eS aber auch ein Messer sein? Die moderne Industrie liefert sogenannte Rasierapparate, mit dem jedes Schneiden, jede Verletzung der Haut so gut wie aus- geschlossen ist. Technisch lassen sich diese Apparate in drei Typen einteilen. Erstens solche, die das altbekannte Tischlerwerkzeug, den Hobel, als Vorbild hatten, deshalb auch stellenweis„Barthobel" genannt werden; zweitens solche, welche die bei landwirtschaftlichen Maschinen, wie Häckselschneid-, Rasenmähmaschinen sc. zur Anwendung gebrachte Idee kopieren; und drittens solche, die eine Tuchschermaschine im kleinen darstellen. Beim Tischlerhobel steht aus einer Oeffnuna, welche das Hobel- holz in der unteren Fläche hat, ein scharf geschliffenes Eisen in einem ungefähren Winkel von 43 Grad eine Wenigkeit hervor. Wird nun der Hobel unter Anwendung von etwas Druck auf einem Brett entlang bewegt, so schneidet da? Eisen einen dünnen Span ab, dessen Stärke von dem mehr oder minder weiten Vorstehen des Eisens abhängt. Beim Rasieren mit dem Messer wird das letztere ebenfalls so aufgesetzt, und auf der Haut entlang bewegt wie das Hobel- eisen; der Effekt muß also derselbe sein, wenn man ein Rasiermesser in einen Behälter bringt, wie es das Hobelholz dar- stellt und nun auf der Haut entlangfährt. Ein Schneiden, wie es mit dem bloßen Messer vorkommen kann, ist jedoch ausgeschlossen, da die Schneide nicht tiefer eindringen kann, als die beiderseitig daneben stehende Führung es gestattet. Die eigentliche Form des Messers kommt hiebet weniger in Betracht; es werden solche von der gewöhnlichen prismatischen Form angewendet, es ist aber auch ein Apparat be- kannt geworden, welcher ein aus einem flachen Stahlband bestehendes einseitig angeschliffenes Messer von zirka einhalb Ällllimeter Stärke hat. Dieses Messer ist dann natürlich zwischen Halterplatten fest- geklemmt. Würden nun diese Apparate genau nach dem Prinzip des Tischler- Hobels hergestellt werden, so müßten dieselben beim Rasieren den die Haare weich machenden Seifenschaum»nt der vorderen Führung schon wegschieben, ehe das Messer die Haare zum Schneiden erreicht. Dadurch würde aber die Leichtigkeit des Schnittes sehr stark beeinflußt werden, so daß man das Gefühl wie von einem nicht tadellos scharfen Messer erhalten würde. Diesem Uebelstand zu begegnen, sind verschiedene Konstruktionen ausgeführt worden, derart, daß z. B. das den ganzen Mechanismus aufnehmende Gehäuse keine eigentliche Vorderwand hat, welche den Schauin wegwischen kann; an ihrer Stelle ist nur eine kammartige Schutzvorrichtung angebracht. Der Verschluß ist bei diesem Apparat so ausgeführt, daß er sich beim Gebrauch nicht unbeabsichtigt öffnen, andererseits aber bei etwas größerem Kraftaufwand in möglichst einfacher Art gelöst werden kann, somit ein schnelles und sicheres Reinigen sowohl des Messers als auch der Schutzvorrichtung gestattet. Wegen seiner konsttuktiven Eigentümlichkeit ist dann noch ein Rasierhobel zu erwähnen, an welchem eine kegelförmige Walze an- geordnet ist, die mit einem oder mehreren Gewindegängen bezw. mehreren in einander liegenden Schraubenscdern versehen ist, so daß infolge der kegelförmigen Gestalt der Walze ein bogen- förmiger Weg des Hobels, ähnlich demjenigen des durch die Hand geführten Meffers herbeigeführt wird. Manche aus der anfänglich naturgemäß etwas unprakttschen Be- festigung des Messers resultierende Unbequemlichkeit ist an einem neueren Rasierhobel beseitigt worden, auch die Einrichtung, daß der Hobel an der einen Seite des Gehäuses drehbar ist und an der anderen einfach infolge der Federung des Gehäuses gehalten und durch einen Druck gegen dasselbe gelöst wird, während er durch einfaches Zurückdrücken wieder in die Gebrauchsstellung gelangt. Beim Oeffnen wird gleich- zeitig das Messer in der Weise ftei gestellt, daß es herausgenommen werden kann, ohne daß Schrauben und dergleichen zu lösen sind, während es bei geschlossenem Messerhalter durch Federn gestützt wird, welche das Messer soweit nach vorn drücken. wie eS die das Meffer haltenden Klammern gestatten. Durch diese einfache Einrichtung, bei der zum Lösen des Messerhalters und deS Messers selbst nur ein Druck gegen die Gehäusewand erforderlich ist, kann jederzeit die schnelle und gründliche Reinigung der letzteren sowie des Messers erfolgen. Denselben Zweck sucht eine andere Ausführung dadurch zu erreichen, daß die Klinge oder diese samt der Schutzvorrichtung m eine Ebene mit dem Heft gelegt werden kann, so daß z. B. zwecks Schleifens beide Seiten der Schneide dem Riemen oder Stein zu- gänglich sind und ein flaches Auflegen der ganzen Vorrichtung durch keinerlei vorstehende Teile gehindert wird. Zu diesem Zweck sind die einzelnen Teile um solche Achsen drehbar, welche mit der Längsachse des Stteles in einer Ebene liegen. Ein in keiner ftüheren Vorrichtung zum Ausdruck gebrachter Gedanke wird in einem Barthobel zur Anwendung gebracht, dessen Messer mittels eines Hobels hin- und herbewegt werden kann, wo- durch ein ziehender Schnitt und infolgedessen eine bessere Schneide» fähigkeit des Messers beim Haarabhobeln erzielt werden soll. Die zweite Gruppe ist nicht so zahlreich vertreten; eS gibt da eigentlich nur zwei erwähnenswerte Repräsentanten. Als besonders unterscheidend von den vorher besprochenen Apparaten wird den- selben nachgerühmt, daß eine Verletzung auch bei ungeschicktester Handhabung dadurch ausgeschlossen sein soll, daß die von einem Federmotor getriebenen roticrenyeii Rasiermesser, die durch eine Spalte in das Innere dcö Apparatgchäuses hereinstehenden Haare erfassen und daher keinerlei Wirkung außerhalb des Gehäuses ausüben können. Die Messer sind rundhohl und schräg geschliffen. Die zweite, in England erfundene Form kennzeichnet sich der erster«« gegenüber durch einen sogenaimten Spirallvellenanttieb. Die dritte Gruppe endlich, welche den in der TextilvcredelnngS« industrie sowohl zum Scheren von Tuchen, wie auch von Sammeten und Plüschen allgemein angewendeten Lang- und Ouerschermaschinen nachgebildet ist, stammt auS Amerika. Die hierher gehörige, in Deutschland patentierte Maschine kann eigentlich als Erfindung nicht mehr be- zeichnet werden, da dieselbe nur eine geringfügig abgeänderte Imitation der Urforn» ist. Diese letztere hat nämlich einen Antrieb derart, dafi die Schneidewelle nur in einer Drehungsrichwng schneidet. Die nach dem deutschen Patent hergestellte Maschine läßt eine Rück- wärtsdrehung der Welle zu. Eine Analogie der beiden letzten Gruppen finden wir noch in der Holzbearbeitungs- Industrie, speziell an Hobel- oder Fräs- Maschinen. Hier vertritt auch die Messerwelle das ursprüngliche Hobeleisen. Wie hier aber bezüglich der Sauberkeit die Messerwelle mit dem feinen Putzhobel nicht konkurrieren kann, so wird auch im Nasierap'paratebau das Hobelprinzip die Oberhand behalten.— Gustav Strahl. kleines feinUeton. — b. Zucht.— Es ist ein alltägliches Vorkommnis, daß uns Sozialdemokraten von den Liebhabern und Bewunderern der jeweiligen Zustände, mögen sie nun sein wie sie wollen, alle mög- lichen Gebrechen vorgeworfen werden. Wurde man wegen der Sicherheit und Witzigkeit seines Urteils von diesen Leuten bewundert, so ändert sich das sofort, wenn sie hören, daß man der sozialdemo- kratischen Partei angehöre oder ihr beizutreten gedenke. Von diesem Zeitpunkte an beginnt eine geistige Minderwertigkeit von dem neuen Bekenner Besitz zu ergreifen. Mindestens wird es von diesen Leuten als unbegreiflich hingestellt, wie dieser oder jener befähigte Mensch der Partei des Umsturzes beitreten könne. Man macht ungefähr dasselbe Gesicht, als wenn plötzlich die Nachricht einliefe, dieser oder jener gute Bekannte sei ins Irrenhaus gebracht worden. Aber nichr nur die geistigen Fähigkeiten erfahren einen bedauer- lichen Niedergang— was noch viel schlimmer»st, die unsterbliche Seele des Menschen beginnt an einem fresiendcn Schaden zu leide». War sie vorher licht und weiß wie eine Perle im Selterser Wasser, die unaufhaltsam in die Höhe strebt, so ist sie jetzt schwarz wie Kohle, die in der schaurigsten Tiefe ihr rnssiges Dasein fristet. Dadurch, daß er begriffen hat, auf welche Weise Kapital entsteht, und daß die Kapitalbildung, auf einer gewissen Stufe angelangt, den Fortschritt der Menschheit hindert, ist er zum Verbrecher ge- worden, dem alles zuzutrauen ist. Man sehe sich vor, ihm die Führung einer Kasse zu übergeben, denn ein Gegner des Eigentums handelt mir folgerichtig, ivenn er von seinen langen Fingern Ge- brauch macht. Vor allen Dingen aber ist er der Inbegriff aller Unmoral auf dem Gebiete der Literatur und Kunst, und von diesen zum gemeinen Leben hin ist der Weg nicht weit. Die Sozialdemokratie nährt die Zügellofigkeit in jeder Hinsicht, auch auf dein Gebiete der geschlechtlichen Moral. Wie stimmt aber dazu die folgende kleine Gefchichte. für deren Wahrheit ich nnch verbürge, weil ich sie selbst erlebt habe? Vor etlva zehn Jahren besuchte ich oft eine Restauration nahe der Greifswalderstraße, weil ich mit dem damaligen Inhaber persönlich bekannt war und noch bin. Eines Soniitagabends mm komint gegen acht Uhr eine lustige Gesellschaft hereingestürmt, die aus vier bis fünf jungen Männern und drei blut- jungen frischen Mädchen bestand. Während die letzteren in das Sinterzimmcr geleitet wurden, blieben die jungen Männer am chenktisch stehen, bestellten Bier und begaben sich darauf auch nach hinten. Nach einer Weile kamen drei von ihnen wieder vor, ge- nehmigten am Schenktisch einen Kognak, ließen allerlei zweideutige Redensarten fallen und äußerten unter vielsagendem Gelächter: „Die machen wir besoffen rmd dann verschleppen wir sie." Ich hatte von meinem Platze aus alles beobachtet und erlaubte mir plötzlich die Bemerkung:„So etwas aber tut kein Sozial- demokrat I" Ich hatte das Richtige getroffen, denn diese Aeußernng wirkte wie ein augenblicklich wirkendes Ernüchterungsmittel. Die jungen Leute ließen sofort von ihrem Vorhaben ab. behandelten die jungen Mädchen in der anständigsten Weise, wiesen sie zurecht, da sie mit der Gegend gänzlich unbekannt waren und ließen sie gehen. Bemerken muß ich noch, daß die jungen Männer mir und dem Restauratcur völlig fremd waren.— tt. Au der Albufcra von Valencia. Eine schöne Haffvildung, Khnlich denen, wie sie an der preußischen Küste in typischer Form vorkommen, findet sich in der Nähe der spanischen Stadt Valencia. Albufera, das heißt„kleines Meer", haben sie schon die Mauren genannt. Wo heute Valencia und die fruchtbare weite Küstcncbenc. die orangcnreiche„Guerta" von Valencia liegt, da zog sich eine Bucht des Mittclmccrs zwischen zwei weit in die See vorspringenden Gebirgswänden tief ins Land hinein. Aber die Flüsse, die in diese Bucht mündete», vor allem der Jucar und der Guadalaviar, füllten die Bucht mit ihren Stinkstoffen ans, sie schütteten die heutige Küsten- ebene auf und nur ein Teil der alten Bucht,— eben die Albufera •— blieb erhalten. Durch einen langen schmalen Damm— an der preußischeil Küste sagt man Nehrung— ist sie vom Meere getrennt. Der abgesetzte Schlamm bildete draußen im Meere eine lange Barre, die sich vor die noch nicht ganz ausgefüllte Bucht legte und sie nach dcr Seeseite zu abschloß. So entstand ein Binnensee dicht am Meer. Bei der Bildung der Albufera wirkten also dieselben Kräfte wie bei derjenigen der Haffe. Allein die Natur ist am Mttelmeer doch eine ganz andere als an der preußischen Ostseeküste. Der sandige Boden und der heftige Wind begünstigte hier Flugsand- und Dünen» bildung, und machte die Umgebung des Haffs im ganzen unfrucht- bar. Dagegen besteht die ganze Küstenebene von Valencia, so auch die Ufer dcr Albufera— allerdings mit Ausnahme der Nehrung— aus einem überaus fruchtbaren schweren Boden, der diese Gegend zu einer der üppigsten von ganz Spanien macht. In der Nähe der Albufera selbst ist freilich der Wasserstand sehr hoch, so daß hier nur eine Frucht, der Reis, mit Borteil angebaut wird. Es macht einen sehr eigentümlichen Eindruck, wenn man sich jetzt am Ende des Winters diesem großen, etiva zwanzig Kilometer langen und vier bis fünf Kilometer breiten See nähert. Schon eilte Stunde vorher verspürt man den Sumpfgeruch, den dieses seichte Haff aushaucht. Noch befindet man sich mitten zwischen Oraitgenplantagen, zwischen fußhohem Weizen und blühenden Pusfbohnen, da sieht man schon die mit Segelbooten bedeckten Kanäle, die hinein in die Albufera führen. Schreitet man weiter, so verändert sich plötzlich das Aussehen des Geländes. Man hat vor sich links und rechts die ausgedehnten Reis- felder, aber es sind nur die grauen Stoppeln, die die tiefliegenden, mit kleinen Dämmen eingerahmten Felder bedecken. In ganz regel- mäßigen Abständen ragen diese Halmrcste aus dem fruchtbaren Boden hervor. Es sind aber nicht einzelne Halme, sondern sie stehen immer büschelweise zusammen. Auf einem schmalen Damm zwischen Reis- feldern und einem nach der Albufera führenden Kanal geht marr dahin. Je weiter man geht, um so feuchter werden die Fluren, und schließlich bedecken sie sich gänzlich mit Wasser. Auch die Halmreste stehen unter Wasser, und nur die kleinen Randdämme, welche im Sommer die Berieselung erleichtern, gucken ein wenig aus dem Wasser hervor. Wenn nun dcr Wind geht, so flutet die ganze Land--' schaft in zitternder Bewegung. Auf dem schmalen Damm, auf den» einer dem anderen kaum ausweichen kann, geht man fast unsicher durch die wogende Wasscrlandschast dahin. Rechts auf dem Kanal ziehen die Segelboote vorüber, die mit Fischereigeräten besetzt find. Mm glaubt, im Wasser zu wandeln. Nun ist die Albufera nicht mehr Iveit, nur eine Wand von hohem, grauem Schilf verbirgt sie noch dem Blick. Erst wenn man ganz nahe herankommt, sieht niair durch schilffreie Strecken die weite, weiße Wasserfläche des Hasses. Drüben auf dem anderen Ufer, dem schmalen Damme, dcr die Albufera vom Meere trennt, stehen dunkle, nicht gerade hohe See- strandkiefern in langer Kette. Der Damm ist sandig, und für solche sandige Meeresküste gibt es im Süden einen vortrefflichen. Baum. eben diese Kiefer. Nun hätte das Bild mit seinen tveitcn Wasser» flächen, seinen langen Echilfwänden und Kicsernreihen etwas Nordisches, wenn es nicht belebt wäre von unendlichen Scharen von Wasservögeln, die über und auf den, Wasser ein überaus reges Treiben entfalten. Aber noch großartiger gestaltet sich die Land- schaft durch ihre Umgebung. Im Süden erhebt sich eine gewaltige Gebirgsmaucr, die direkt aus dem Wasser der Albufera emporzu- steigen scheint. Unbewaldet, erglänzt ihr Gestein im Schein der Sonne in märchenhasten Farben. Ringsum im Halbkreise, wenn auch niedriger und ferner, zieht sich eine Bergwand dahin. Sie bezeichnet die Grenzen, bis zu denen die alte Dteeresbucht einst reicht«. Ganz im Norden wiederum, wo die Wand das Meer erreicht, erhebt sie sich zu größerer Höhe. Hier liegt auf steilem Felsen das Kastell von Sagunt— der alten Stadt, um deren Besitz einst Hannibal und die Römer kämpften. Wie lange ist das Herl Der Glanz der Karthager und Römer ist längst verblaßt. Aber auch heute noch hat diese wunder» bare Guerta von Valencia ihre alte Schönheit bewahrt!— g. Elektrisch leuchtende Menschen. Au-Z Amerika wurde vor einiger Zeit gemeldet, daß eine Reisegesellschaft in der südlichen Kordillere von einem hesttgen Schneesturm plötzlich überfallen wurde. und die Teilnehnier zu ihrem großen Erstaunen bemerkten, daß sie selbst wie auch ihre Reit-«nd Packtierc in einen, sanften Licht wie in einer Aureole strahlten; das Licht ging von den Spitzen der einzelnen Haare, auch denen der Pelzkleider aus. Die Erscheinung hat durchaus nichts Unbegreifliches an sich. An hohen Schiffsmasten, Leuchttürmen und spitzen Kirchtürnien bemerkt man nicht selten, weint die Umgebung sich in einer stärkeren elektrischen Ladung be- findet, das sogenannte St. Elmsfeuer, ein Glimmlicht, in dem die Elektrizität sich allmählich entlädt, und so werden auch jene Reisenden auf eine stark elektrisch geladene Bodenstelle geraten sein, die die Elektrizität in die auf ihr sich Bewegenden entsandte, von wo sie auf dem bequemen Wege durch die zarten Haut- und Pelz- haare in die Lust entwich, äußerlich bemerkbar durch die dabei entstehende Leuchterschcinung. Aber, könnte man vielleicht meinen. warum zeigt sich dieses interessante Vorkommnis nur in Amerika? Sind dort die Bedinglmgen für sein Enffteheit besonders günstig? Diese Annahme ist jetzt dadurch widerlegt, daß Aehnliches sich auch ans unserem Kontinent begab. In dem jetzt beendeten Winter wurde ein nahe der böhmisch-mährischen Grenze wohnender Arzt in der Nacht zn einen, Krankel, über Land gerufen, ivährend gerade eii, furchtbarer Schneesturm tobte. In diesem Wetter verlor der Fuhrmann den Weg, und ivährend sie über die Weiterfahrt berieten. bemerkte der Arzt seitwärts ein Licht? er nahm an, daß dies von irgend einer menschlichen Behausung käme und entsandte den Fuhr- mmm dorthin, damit er sich Rats einhole über den iveiter ein» zuschlagenden Weg. Aber nach kurzer Zeit kam dcr Fuhrmann voll Angst und Schrecken zurück und sagte noch stotternd und staunend« dort sei keine menschliche Wohnung, sondern er habe nur einen Baun, gesehen, der brenne, aber dabei doch nicht verbrenne. Noch während dieser Erklärung sah er. daß auch der Arzt, das vor den Schlitten gespannte Pferd und der Schlitten selbst ebenfalls brenne, ohne daß das Pferd irgend welche Schrecken erkennen ließ, wie es doch sonst bei einem brennenden Pferde natürlich ist, oder ohne daß der Arzt etwas von Hitze oder Feuer entsandte. Der abergläubische Fuhrmann glaubte, der Teufel treibt hier sein Spiel, und so groß war sein Entsetzen, daß der doch sonst robuste Mensch tatsächlich vor Aufregung in eine Krankheit ver- fiel. Der naturwissenschaftlich gebildete Arzt sah natürlich sofort, daß es sich um eine sehr interessante elektrische Leuchterscheinung handle und freute sich, ein so seltenes Naturphänomen erlebt zu haben. Tatsächlich muß, um dies lebhafte Busströmen von Elektrizität entstehen zu lassen, die Elektrizität stärker anacsainmelt sein, als es gewöhnlich der Fall ist, und diese starke Ansammlung wird wohl durch einen Umstand erklärt, der sowohl bei jenem Fall in Südamerika als auch bei dem in Mähren zu konstatieren tvar. Beide Vorfälle ereigneten sich nämlich an Stellen, in deren Nähe sich Eisengruben befinden. Jedes Metall bildet ja einen guten Eleklrizitätsleiter, und so mag durch das vorhandene Erz die Elektri« zität einer großen Vodenstrecke in besonderer Stärke gerade dorthin geleitet sein, wo die zufällig erscheinenden Menschen ihr die Ge- legenheit dazu boten, elektrisch leuchtende Lebewesen erscheinen zu lassen.— — Erdpyramiden und verwandte Bildungen in den Alpen zeigen nach L. Sauer(Progr. d. Friedrich-'Wilhelmsschule in Stettin, 1804) stets in ihrem Material eine lockere Beschaffenheit. Fast immer sind es Konglomerate, aus denen sich die seltsamen Formen herausgeschält haben. In den meisten Fällen haben wir es mit dem Schutt der diluvialen Gletscher zu tun, welcher das Material zum Aufbau lieferte. Die wirkende Ursache für die Entstehung der einzelnen Gestalten ist das rieselnde Wasier, welches einerseits durch seine mechanische Kraft in Verbindung mit den fortrieselnden Ge- steinsirümmern, andererseits durch sein« lösend: Wirkung und seinen Gehalt an Kohlensäure bald schneller, bald langsamer in die steilen Gehänge Rinnen einnagt und die Säulen von der Bergwand trennt. Die Steine auf den Spitzen sind alle einmal der Boden gewesen, über den die Gewässer hinabstürzten. Diese, aus unlöslichem Material gebildet, waren die Veranlassung, daß ihre nächste Unter. läge nicht aufgelöst und weggespült wurde, daß aber auch an ihrem Hinteren, das heißt der Hochwand zugekehrten Rande das Wasser Gelegenheit fand, zu lösen und fortzuspülen. War der erste Schnitt hinter dem Steine geschehen, dann wurde dieser selbst als Schutz überflüssig; daher ist es auch gleichgültig, ob der krönende Stein groß oder klein ist. Statt des anfänglich schützenden Steines kann sogar auch eine kleine Rasendecke denselben Erfolg auslösen. Daß der Stein auf der Spitze zur Erhaltung der Säule nichts bei- trägt, ergibt sich daraus, daß die Verjüngung des Kegels ohne Unter- brechung bis an den Stein heranreicht. Auch das Herabfallen oder Herabnehmen des Steines läßt die Säule ebenso fest und lange stehen wie ihre Nachbarn. Für die Höhe und Schlankheit der Säulen ist die Beschaffenheit des Materials maßgebend. Meist findet man einen starken Gehalt an Kalk. Eine weitere Bedingung für die Entstehung der Erdpyramiden ist die, daß sie an steilen Gehängen stehen oder gestanden haben. Die herabrieselnden Regenwasser müssen eben eine ausreichende Geschwindigkeit ausweisen, rnn den abgespülten Schutt auch sofort weiterzuführen. Ueberall finden sich die Pyramiden an Stellen, welche unter gewöhnlichen Umständen- nicht der Einwirkung des Wassers ausgesetzt sind; die einmal ge- bildeten Säulen müssen erst wieder trocknen und sich mit einer Art Rinde überziehen können. Auch der Kohlensäure dürfte ein tvescnt- licher Einfluß bei der Bildung dieser Figuren zukommen. Ein durchgreifender Unterschied in bezug auf die Lage der Ocrtlichkeit der einzelnen Pyramiden ist nicht festzustellen; sie liegen nach allen Himmelsrichtungen; am seltensten ist toohl ihre Lage nach Norden, aber die schönsten, die von Euseigne, sind beispielsweise aus der nach Norden gerichteten Talseite herausgeschnitten. Dem Wind will Sauer gar keinen Anteil an der Schaffung dieser kleinen Natur- wunder beimessen: höchstens trägt er dazu bei, nach feuchter Witterung die Oberfläche der Säulen und Pyramiden schneller zu trocknen.— („Globus".) Medizinisches. — Die Arteriosklerose, eine Entartung der Arterien- wände, die dadurch an Elastizität verlieren und dein Blutdruck nicht den genügenden Widerstand leisten, so daß sich die Adern verlängern, eine gcschlängelte Form annehmen und sich gleichmäßig oder sack- artig an einzelnen Stellen erweitern, ist eine bei älteren Leuten häufig vorkommende Krankheit, deren Gefahr darin besteht, daß die brüchigen_ Blutgefäße leicht reißen und namentlich im Gehirn Schlagflüsse herbeiführen. Die Arteriosklerose entwickelt sich langsam und zeigt sich zuerst in einer übermäßigen Spannung der Gefäßwände, mit deren Fortschreiten die Gefahr zunimmt. Bisher hat man kein zuverlässiges Heil- mittel gegen diesen Prozeß, und eS wäre ein großer Fortschritt, wenn die Mittcilimgen, die Mouticr der französischen Akademie der Medizin dieser Tage unterbreitet hat, den Beifall der Fachleute fänden. Nach Musters Untersuchungen läßt sich die Spannung der Arterien durch Anwendung starker elektrischer Ströme beseitigen. Es sei sogar möglich, die Spannung unter das normale Maß herabzudrücken. Dieser schädliche Einfluß, der bei der Krauken» Behandlung stete Aufmerksamkeit zur Pflicht mache, lasse sich indessen durch Einwirkung auf das Rückgrat aufheben. Danach sei man im- stände, die Arterienspannung nach Belieben zu regeln. Der phyfio- logische und therapeutische Wert dieser Untersuchungen liegt auf der Hand.—(„Köln. Z.") Technisches. i o. Brüchiges Gold. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Gegenwart winziger Mengen fremder Stoffe die Eigenschaften der Metalle und Legierungen wesentlich verändern kann. Das Gold macht keine Ausnahme von dieser Regel und wird in solchen Fällen brüchig, während es sonst das am leichtesten hämmerbare und streckbare unter den Metallen ist. Durch den Gehalt an Verunreinigungen verliert es also seine Zähigkeit und bricht schon unter einer schwachen mechanischen Einwirkung. Sogar wenn es mit reinem Kupfer gemischt wird, weist das Gold diese unliebsamen Eigenschaften auf, und eine solche Le- gierung wird zur Herstellung von Schmucksachen, zum Schlagen von Medaillen und Münzen und anderen industriellen Verwendungen unbrauchbar. In der Pariser Münze wurden die ersten genaueren Untersuchungen über diesen wichtigen Punkt angestellt. Im Jahre 1868 veranlaßte der Leiter dieser Anstalt langwierige und feine Experimente, um festzustellen, welche anderen Metalle außer Silber und Kupfer an der Herbeiführung dieser Verschlechterung des Goldes schuldig sein könnten. Man sani'melte brüchige Münzen und stellte ihre chemische Zusammensetzung genau fest. Es wurde ermittelt, daß das Kupfer und Silber in der ftaglichen Hinsicht weit weniger schädlich ist als Blei und Eisen. In brüchigen Goldmünzen wurden nur je Va Tausendstel Blei und Eisen gefunden, und diese winzigen Mengen genügten bereits, die Hämmerarbeit des Metalls zu beeinträchtigen. Da sich in den Münzstätten immer von Zeit zu Zeit mißliebige Erfahrungen mit brüchigen Goldlegierungen wiederholten, Wurden in den letzten Jahren von den Chemikern wieder neue llutersuchungen in dieser Frage vorgenommen. Die Ergebnisse haben bestätigt, daß hauptsächlich Blei und Eisen, daneben auch Tellur, vermieden werden müssen, da sie schon in den geringsten Beimischungen verderblich auf die Eigenschaften des Goldes ein- wirken.— Humoristisches. — Konsequenz.„Siehst Du, Eduard, hätten wir nur noch ein zweites Dienstmädchen genommen... eben sollte mir Minna zehn Mark leihen und hat s e l b e r nur f ü n f."— — Unangenehme Schlußfolgerung. Protz:„Ich sage Ihnen, meine Töchter gehen ab, wie warme Semmeln." Sanitäts rätin:„Darum liegen sie auch den Schwiegersöhnen so schwer im Magen!" — Ein Trick. Chef:„Wiffen Sie, Mahnbriefe an ganz faule Kunden lasse ich von meinem Buchhalter immer schreiben, wenn es schon etwas über Bureauschluß ist... dann ist er in der richtigen Stimmung dazu.— („Meggendorfer-Blätter.") Notizen. — Zugegangen ist uns Heft 2 der von Hanns Heinz Ewers geleiteten Monatsschrift„Heim der Jugend". Das reich illustrierte Blatt erscheint im Verlage von Siegftied Cronbach, Berlin. Preis des Heftes 75 Pf.— — Eine neue Zeitschrift für Naturfreunde„Aus der Natur" beginnt soeben zu erscheinen. Herausgeber ist Dr. W. S ch o e n i ch e n, Schönebcrg-Verlin, Verleger Erwin Nägele in Stuttgart. Jährlich erscheinen' 24 illustrierte Hefte. Bezugspreis für das Vierteljahr 1 M. 50 Pf.- — Die„elf Scharfrichter" wollen im Herbst nach Berlin kommen und hier verbleiben.— — Die Berliner Cabarets gründen einen Schutz- verband.—§ 1. Die halbe Flasche Wein darf nicht unter 5 M. verkauft werden.— — Der Schlick f che Schiffs-Kreisel, der die Noll» bcwegungen von Seedanrpfern verhindern oder doch bis aus ein Minimum einschränken soll, wird jetzt in Stettin ausgeführt und in einen Dampfer eingebaut. Die Versuchsfahrten werden im Monat Juni oder Juli beginnen.— — Die„Großen" unter den Berliner Aerzten. In Berlin gibt es zlvei Acrzte mit einem Einkommen von 140 00« bis 160 000 M.. drei von 160 000 bis 180 000 M.. einen bis 220 000 M.. einen bis 240 000 M. und einen mit einem Ein- kommen von 330 000 M.— Die nächste Nummer des llnterhaltungsblattes erscheint am Sonntag, den 26. März. Bcrantwortl. Redakteur; Paul Büttner, Berlin.— Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.Verlagsanstalt Paul Singer S:Co., Berlin S W.