Nnlerhattmgsblatt des Horwärls Nr. 72. Dienstag, den 11. April. 1905 lNachdmck verboten.) isz Eine pilgerfakrt. Von I o h a n B o j e r. Autorisierte Uebersetzung von Adele Neustädter. Um zu schlafen, griff Regina nach einem Schlafmittel. Am nächsten Tage tvar sie bleich und schlaff, blieb bis gegen Mittag im Bette liegen, und allmählich vermochte sie sich überhaupt nicht mehr zu beherrschen, ihre schreckliche Laune trat inuner sichtbarer hervor. Aber Flaten ertrug es mit gewohnter Nachsicht. Er wußte, daß junge Frauen zu Beginn einer Schwangerschaft fast gemütskrank werden können und erhoffte, daß hierin der Grund liege. So erwartete er den seligen Augenblick, wo sie ihm ins Ohr flüstern würde, daß er Vater werde. Diese Nachsicht begann sie zu irritieren. Ihr graute vor jeder seiner Liebkosungen, weil sie befürchtete, sie könnten ihr zu Herzer. gehen und sie wieder machtlos machen. Die Nacht im gemeinsamen Schlafzimmer wurde ihr zur Marter. Und wenn er seine gewohnten Reisen nach Gotenburg machte, er- tappte sie sich auf dem Wunsche, ein Unglück möge ihm zustoßen. Sie saß dann mit geschlossenen Augen und malte sich den Augenblick aus, wo sie frei wurde... Eine Woche darauf würde dann das Ltind auf ihrem Schöße liegen, und sie würde ein neues Leben beginnen, diese widerliche Maske abwerfen und ihr wahres Gesicht zeigen können. Aber Flaten kam unversehrt zurück, lächelnd und voller Ungeduld, sie in die Arme zu schließen, und brachte immer irgend ein Geschenk mit. Dieser Mann, der im Verkehr mit Männern so tüchtig und klug tvar, wurde einer jungen Gattin gegenüber plötzlich blind. Seine Geschenke bedrückten wie neue neue Bande, neue Demütigungen. Aber sie nahm sie an und lächelte, um nicht in Tränen auszubrechen: sie dankte, um sie ihm nicht ins Gesicht zu werfen. Und die Zeit verstrich. Sie dachte und überlegte und grübelte den lieben langen Tag. Aber alle Wege führten über Flatens Glück hinweg. Ihm alles offenbaren, der Gedanke war lächerlich. Aber dieses Leben fortsetzen... dieses Leben fortsetzen!... Sie begann sich vor ihren eigenen Träumen zu fürchten. Sie waren finster, sie tropften von Blut. Und sie ertvachte im Angstschweiß, freute sich dann, daß alles nur ein Traum ge- wesen. Und sie schmiegte sich dann liebkosend an ihn, als wolle sie alles sühnen. Als er eines Morgens auf dem Bettrande neben ihr saß, ehe er aufs Bureau ging, machte er sich endlich Luft:„Höre," sagte er,„Du hast jetzt verdächtige Anzeichen." Sie erbebte. Hatte sie im Traume gesprochen? Erriet er ihre Gedanken? Da beugte er sich herab und flüsterte in ihr Ohr: „Bereitest Du uns wohl gar einen kleinen Erben vor?" Sie brach fast in ein Hohngelächter aus. Weiter fehlte nichts. Ja, das fehlte noch gerade. Da kam sie auf den Ein- fall, ihn zum Narren zu halten, und sie zwang sich zum Lächeln und sagte:„Du errätst doch auch alles." Er preßte sie an sich und tanzte förmlich hinaus. Von jetzt an arbeitete er noch emsiger, er mußte ja seinem Erben ein Vermögen sammeln. Und immerfort sprach er von dieser glücklichen Hoffnung. sEr wurde noch nachsichtiger, noch verliebter. Und sie ließ sich in die Unterhaltung über-dieses Kind mitschleppen, weil sie ihre Unwahrheit jetzt nicht zugestehen vermochte, und weil es sie mittlerweile amüsierte, ihn zum Narren zu halten. Doch einmal würde es ja entdeckt werden? Aber zuvor kam es vielleicht zu einer Lösung, und sie mußte kommen, sie mußte kommen! Sie begann wie im Schlafe herumzuwandeln. Sie fühlte, daß sie dem Finsteren entgegentrieb, und sie versuchte, sich zu wehren. Wenn sie allein durch die Zimmer schritt, konnte sie oft stehen bleiben und eine Handbewegung machen, als verjage sie etwas Unheimliches vor den Augen. Und je mehr sie sich sinken fühlte, umsomehr klammerten sich ihre Gedanken an ihr Kind. Sie sah es krank, und nie- mand Pflegte es. Sie sah seine Arme um den Hals einer Frau gelegt, die von ihr gehaßt wurde. Sie erlebte die Szene, da sie eintreten und es wiedernehmen würde, sie begann die Stimme des Kindes zu hören, dessen Gesichtszüge zu sehen, dessen Lächeln, die Hände, die sich ihr entgegenstreckten.—> Aber sie streckten sich vergebens aus— sie ging ja hier umher, Des Nachts begann das Kind auf ihren Schultern zu liegen, tagsüber kroch es auf dem Boden herum, es wurde so unheimlich lebendig, daß sie sich beim Durchschreiten der Türen plötzlich umblicken konnte, um zu schen, daß seine Finger nicht geklemmt würden. Die Wintertage nehmen ab, Weihnachten nähert sich, die Sonne dringt bisweilen noch durch und bestrahlt Schnee» Ebenen und weiße Wälder: ein Eisenbahnzug eilt weit unten im Tale dahin, und weiter oben kreuzen sich die Straßenwege der Fabrikbetriebe am Flusse. Die Gartenbäume sind weiß und beugen sich unter funkelnder Schneeschicht. Es kommen keine Besuche, weil die Hausfrau niemand empfängt und nie ausgeht. Ein Tag gleicht dem anderen. Flaten arbeitet länger und länger in den Abend hinein: es ist zu Hause nicht mehr so gemütlich. Wiederholt steht sie des Morgens auf und denkt:„Nein, heute muß es geschehen. Dies halte ich nicht länger aus." Sie konnte davonlaufen, ober dann mußte sie von vorn be» ginnen. Sie konnte um Scheidung bitten, aber solche der» wickelte Dinge konnte sie jetzt nicht in Gang� bringen. Zuweilen. dämmerten Gedanken auf, daß sein Geld nicht not- wendig sei; aber sie ahnte, daß späterhin Reue und wiederum eine ganze Revolution folgen würde, so daß sie wieder von vorn beginnen müsse. Das vermochte sie nicht. Auf den ersten Schritt hatten sich so viele Schichten gebildet. Das Ganze umwerfen— nein, sie vermochte es nicht. Am besten blickte man gar nicht zurück. Gar nicht denken, nur vorwärts eilen, vorwärts. Sie ertappte sich auf Gedanken über die verschiedenen Todesursachen, und jedesmal erschreckte sie sich weniger.� Ein bestimmter Gedanke setzte sich ganz fest und gewann immer mehr Macht. Er begann:„Begehe ich nicht besser ein Ver- brechen, um loszukommen und mein Kind zu finden, so daß ich mich dann sofort bekehren kann. Denn jetzt? Jetzt be- gehst Tu ja nutzlos Verbrechen ins Unendliche." Eines Tages überraschte sie Flaten vor dem Bilde seiner Frau. Es hing jetzt ohne Trauerflor in seinem Privatbureau, und wie er es stehend anblickte, war seine Miene nicht miß- zuverstehen. Regina blickte ihn spöttisch an, und der alte Herr er- rötete, als werde er auf einem Verbrechen ertappt. Aber jetzt bemerkte sie, daß er außerordentlich blaß und! daß die runde, korpulente Gestalt ganz erschlafft war. Wie war er gealtert! Das Haar war so dünn und weiß und das! Gesicht war so fahl geworden. Einen Augenblick wurde sie gerührt.„Du guter Gott," dachte sie,„wie mußt Du diesen Mann gequält und gepeinigt haben." Und an diesem Tage mußte sie wieder gut und liebe- voll gegen ihn sein. Da tritt etwas ein, was ihr die ganze Zeit hindurch als unmöglich erschienen war. Sie entdeckte, daß sie wiederum Mutter werden solle. Und mehrere Tage blieb sie jetzt im Bette liegen, wie gelähmt durch einen Feind, der sie hintere rücks überfiel.* Wohl war sie tief gesunken, aber bisher war ihr Mutter- gefühl heilig und unbefleckt gewesen, der Gedanke an ihrem Sprößling war ihr zu einem kleinen Tempel geworden, worm sie Schutz suchte. Aber jetzt? Jetzt? Und dieser Mann, gegen den sie sich versündigte, der ihr böses Gewissen war, den sie zu töten bereit tvar! Er zwang sie, einen neuen Flaten zu gebären, vielleicht einen, der sich eines Tages erheben und seinen Vater rächen würde! Wev konnte es wissen! Und dieses Kind sollte sie jetzt gebären, für dieses Kind sollte sie leiden, es sollte vielleicht ihr erstes Kind beiseite schieben und füt's Leben an Flaten fesseln!� Sie warf sich im Bette hin und her. Die letzten Wärme» reste schienen sich in Eis zu verwandeln, und ein ungeduldige j Haß begann sie wie ein Fieber zu erfüllen,'' � � KV. Ms sie wieder ciufstand, sah sie blaß und überwacht aus, war aber seltsam ruhig. Die ganze Welt war für sie ertötet, sie sah nur ein Ziel und starrte ihm entgegen. Wer wollte ihr jetzt Einhalt gebieten? Sie ging während des ganzen Vor- mittags mit zusammengekniffenem Munde umher und faßte sich zwischendurch an die Stirn. Beim Mittagessen war sie jedoch guter Laune, sodatz Flaten sich ganz glücklich fühlte, und sie plauderten über alles Mögliche und lachten und aßen und tranken. Plötzlich unterbrach sie die Unterhaltung und heftete ihre Augen auf ihn. Er stockte, blickte sie an, schien etwas zu erwarten. „Höre," begann sie dann,„jetzt werde ich Dir etwas sagen, was Du nicht weißt." „So— o?" Er richtete seine Augen auf sie. „Ich habe ein Kind gehabt, ehe ich zu Dir kam." Die Worte fielen tonlos mit starrem Lächeln. Flaten ließ den Löffel auf den Teller fallen, sprang vom Stuhle auf und erblaßte. „Was?!" rief er endlich und stierte sie an.„WaS sagst Du?" Er begann zu zischen:„Liebling, was sagst Tu?" Und er versuchte zu lächeln, als halte er alles nur für Scherz. Aber sie schien kalt wie Eis und wiederholte: „Ich sage, ich habe ein Kind gehabt, ehe ich zu Dir kam." Er starrte sie unverlvandt an. Und als er endlich Arg- wohn schöpfte, es könne wahr sein, sank er plötzlich zusammen und blickte sie stumpf an, als sei sie weit, weit entschwunden. Eine längere Pause entstaird. Endlich stand er auf und wankte hinaus. Sie hörte seine Schritte auf dem Wege zu seinem Privatbnreau verklingen. Regina hielt sich plötzlich die Ohren zu, als erwarte sie einen Knall zu hören. Aber sie vernahm nichts. Dann stand sie auf und ging in ihr Zimmer, wo sie sich eine Zigarette ansteckte. Einen Augenblick darauf kam die Hausmamsell und frug, ob die Herrschaft nicht weiteressen wolle. „Nein," sagte Regina ruhig, während sie sich mit der Zigarette beschäftigte.„Decken Sie nur den Tisch ab." Die Hausmamsell verschwand, und Regina legte sich auf die Chaiselongue und begann den Rauchwolken nachzublicken. Ihr ganzer Körper zitterte. Was hatte sie getan? Was würde jetzt geschehen? Sie fühlte einen Schwindel, wie am Rande eines gähnenden Abgrundes, llnd wieder klammerte sie sich an die Geschichte ihres Kindes, sie nahm es auf den Schoß, sie sah es lächeln, sie erlebte den Augenblick, da sie es endlich sehen, auf ihre Arme heben konnte, llnd wie gewöhnlich lenkten diese Bilder ihre Vorstellungen ab, so daß sie schließlich voller Zärtlichkeit hier lag und nur das eine dachte, sah und fühlte, nur dieses eine von der Welt wußte. Es war furchtbar still in dem großen Hause. Die Diener- fckwft hatte wohl auch in der Küche den Drang, zusammen zu flüstern. Die Dämmerung sickerte in die Räume, füllte die Winkel, wischte die graue Beleuchtung von den Tapeten, lind hier lag sie. Was hatte sie getan? Das Kind? Jawohl, doch was hatte sie getan? lFortsttziing folgt, x 8alutologie. Unter Snlutologie versteht man nicht etwa die jüngste Kunst, auf den Zaren Salut zu schießen, sondern es handelt sich um eine neue Wissenschaft, deren Erfindung oder wenigstens deren amtliche Aktenluiidigleit ein Verdienst des mit Unrecht als rückständig ver» fchriencn preußischen Abgeordnetenhauses darstellt. DaS Abgeordnetenhaus hat eine Zentralkommission für Volks- Wohlfahrt angeregt, und die Wissenschaft von dieser preußischen Volkswohlfahrt, die alle Dinge zwischen Himmel und Erde und einige kosmische Vororte darüber hinaus umfaßt, ist eben in dem Kommissionsbcricht des genannten Parlaments Salutologie genannt worden. Die Salutologen des Abgeordnetenhauses bearbeiten die Gesamtheit der Aufgaben der menschlichen Kreatur in der Gesell« schaft, von dein wohltätigen Sainmeln von Bleistiftenden und dem Verein für Lieferung unentgeltlichen Benzins für die unbemittelten Automobilbesitzer besserer Klassen bis zur radikalen und endgültigen Lösung der sozialen Frage— alles gehört gleichermaßen ins Bereich der Salutologen-Kommission. Eine erste Wirkung der jungen Einrichtung sind die vielfach miß- »erstandenen Beschlüsse der Abgeordnetenhaus-Kommission über das Berggesetz, insbesondere über die Arbeiteransschüsse. MerdingS hat man sich überzeugt, daß diese Beschlüsse der ersten Lesung noch nicht den salutologiichen Ideal entsprechen, und wir können verraten, daß man in der bevorstehenden zlveiten Lesung Beschlüsse fassen wird, welche die ganze zivilisierte Welt in Staunen und Entzücken ver- setzen werden. Mit den kommenden Beschlüssen aber wird das Drciklassenhaus zugleich die Horde ihrer Verleumder demütigen und niederschlagen. Es wird sich zeigen, daß dieses Parlament an sozialer Einsicht und organisatorischen Kraft der ganzen übrigen Welt ebenso überlegen ist wie an Einkommen und Christentum. Das Abgeordnetenhans, d. h. die konservativ-nationalliberale Mehrheit verschließt sich längst nicht mehr der Einsicht, daß die so- genannte Sozialpolitik des Reiches jämmerliches Stück- und Flick- werk ist, ein wirres Gemengsel elender Almosen und bureaukrathcher Knechtschaft, ohne Einheit und Universalität, willkürlich und finnlos. Demgegenüber wird der salutologisch aufgeklärte Landtag mit einem Schlage in einem kurzen, logisch aufgebauten Gesetzentwurf alle Wünsche des Proletariats, ja sogar mehr als auch die Radikalsten sich zu fordern erkühnen, erfüllen. Es klingt unglaublich, aber die Abgcordnetcnhaus-Mehrheit wird in der Bergkommission einen Gesetzentwurf einbringen, der die Selbstverwaltung der Arbeiter grundsätzlich und in vollem Umfange ans allen Gebieten einführt. Der Wille der Arbeitcrausschüsse soll— natürlich innerhalb der ge- sctzlichcn Schranken— das höchste Gesetz für die Gesellschaft werden. Diese Ausschüsse sollen auf Grund des allgemeinsten, geheimsten, direktesten und glcichcsten Wahlrechts von den Arbeitern ge- wählt werden. Sie haben über alle Fragen und Verhältnisse in Betrieben jeglicher Art und Größe nicht nur mit- zuberatcn, sondern auch zu entscheiden. Die Tätigkeit der frei gewählten Arbeiterausschüsse tritt an die Stelle sämtlicher das Arbeitsverhältnis und den Arbeiterschutz berührender Gesetze und Verordnungen. Und diese absolute Selbstverwaltung, um nicht vom Absolutismus der Selbstverwaltung zu sprechen, gilt nicht etwa nur für die Industrie, sondern— und das wird besonderes Aufsehen hervorrufen— auch für die Landwirtschast. Zu solcher Selbst« Verleugnung haben sich die verleumdeten Gesetzgeber Preußens empor- geschwungen. Statt aller weiteren Erörterungen geben wir den Wortlaut deS Enttvurfs, wie er in der zweiten Lesung der Bergnovelle eingebracht wird: Salntologischer Eni w urf betr. Arbeiterausschüsse. § 1. In jedenr Betriebe, ohne Unterschied des Umfangs und der Art, wo Lohnarbeiter(einschließlich Lehrlingen, Gesinde) tätig sind, sind Arbeilerausschllsse zu wählen. Der Ausschuß besteht aus tv Proz. der tätigen Arbeiter. In Betrieben von 1— 10 Personen bilden sämtliche Arbeiter den Ausschuß. 8 2. Die Mitglieder des Ausschusses werden gewählt von allen beschäftigten Personen, ohne Unterschied des Alters und des Geschlechts, auf Grund des allgemeinen, direkten, gleichen und geheimen Wahl- rechts. Die Wahlen finden jährlich statt. 8 3. Das passive Wahlrecht haben alle gegen Lohn augestellten Arbeiter. 8 4. Die Ausschußmitglieder erhalten Tagegelder in der Höhe von 25 M., die der Unternehnier zu tragen bat. 8 5. Der Arbeiterml'schnß hat zu beraten und Beschluß zu fassen über alle di: Art, Ort und Zeit der Arbeit, Lohn, Schutz von Gesundheit und Leben, Sicherstellung im Alter und bei Invalidität, Entschädigung bei Unfällen, Krankheit und Arbeitslosigkeit betreffenden Fragen. Die Arbeiterausschüsse entscheiden selbständig, ohne Hinzu« ziehung des Unternehmers, der sich den gefaßten Beschlüssen zu unter- werfen hat. Die Obliegenheiten der Arbeiterausschüsse beziehen sich inSbe- sondere auf die Regelung der nachfolgenden Verhältnisse: 8 6. Der ArbeiterauLschuß haftet dafür, daß der Tageslohn der im Betriebe Angestellten nicht über eine Mark auf dem Lande und ',50 M. in der Stadt beträgt. Kinder dürfen nur ein Viertel, Frauen die Hälfte dieser Summe erreichen. Der Ausschuß ist ver- antwortlich für alle Mehrforderungen. ß 7. Der ArbeiterauSschuß hat die Arbeitszeit so einzurichten, daß sie auf dem Lande in der Regel nicht unter 18. in der Stadt nicht unter 12 Stunden beträgt. Für Minderarbeit haftet der Ausschuß. 8 8. Der ArbeiterauSschuß trifft die Verfügung darüber, daß oie gelieferte Arbeit in jeder Hinsicht einwandfrei ist und den höchsten Anforderungen entspricht. Für schlechte Liefening haftet der Ausschuß. § 9. Der ArbeiterauSschuß hat Streiks zu verhindern, widrigenfalls er für alle daraus erwachsenden Schädigungen einzustehen hat. Z 10. Dem Ausschuß liegt die Verantworwng ob für alle Unfälle im Betriebe. Für alle dennoch eintretenden Unfälle hastet der Aus- fchuß der Berufsgenossenschast gegenüber. Der Ausschuß hat das Recht, de« Beschluß zu fassen, daß in solchen Fällen die betroffenen Arbeiter oder die Gesamtheit der Arbeiter die Rente aufbringen. 8 11. ES ist die vornehmste Aufgabe des Ausschusses, darauf hinzuwirken, daß die Arbeiter des Betriebes weder dem Alter noch der Invalidität verfallen. Geschieht daS gleichwohl, so geht die pflichtgemäße Sorge auf den Ausschuß über, der seinerseits das Recht hat, die Alters- und JnvaliditätSlasteu auf die Arbeiter des Betriebes abzuwälzen. 5 12. Der Ausschuß hat jede Krankheit zu verhindern. Zuwider« Handlungen hat der Ausschuß zu verantworten. Z 13. Wird in Akkord gearbeitet, so dürfen Todesfälle nicht vor Abarbeitung etwa erhaltener Vorschüsse eintreten, andernfalls haftet der Ausschuß für die Rückzahlung des Vorschusses. H 14. Im Interesse der sachgemäßen Erledigung ihrer Auf- gaben dürfen die Mitglieder des Ausschusses weder Zeitungen lesen, noch Versammlungen besuchen, noch sonstwie sich politisch betätigen. 8 IS. Der Ausschuß hat zu verhindern, daß die Arbeiter des Betriebes sich Vereinen anschließen, Versammlungen besuchen, sozial- demokratische oder anarchistische Zeitungen und Schriften lesen oder ihre Kinder in bessere Schulen schicken. Ueberhaupt hat der Aus- schuß dafür zu bürgen, daß die Arbeiter sich eines nüchternen, strengen, soliden, nur der Arbeit gewidmeten Lebenswandels be- fleißigen. § 16. Im Interesse der Arbeiter übernimnit der Ausschuß die Verpflichtung, daß die Arbeitsprodukte zu höchstmöglichen Preisen Absatz finden. Wird das nicht erreicht, so sind für den Schaden der Ausschuß bezw. die von ihm vertretenen Arbeiter verantwortlich zu machen. 8 17. Der Ausschuß hat auf dem Lande den Wegzug von Arbeitern nach der Stadt zu verbieten. Für Uebertretungen des Verbots haftet der Ausschuß. m§ 18. Die Erlernung von Lesen, Schreiben, Rechnen seitens landarbeitender Personen auf dem flachen Lande ist durch den Aus- schuß zu verhindern. 8 19. Bei politischen Wahlen übernimmt der Ausschuß die Ver- sorgung der Arbeiter mit Wahlzetteln. Die Wahl ist frei, ihre Ans- Übung Pflicht. Sozialdemokratische und anarchistische Zettel dürfen nicht abgegeben werden. Weitergehende Verbote kann der Landrat erlassen. 8 20. Zuwiderhandlungen gegen die 88 6—19 werden außer der zivilrechtlichcn Haftung bestraft a) durch Auflösung des Ausschusses, d) durch Entziehung der Diäten. c) durch Geldstrafen von mehr als IlXI M. und Hast von sechs Wochen bis drei Monaten. Die Strafen können kombiniert werden.«Joe. kleines feuilleton. — Eine Pariser Straßenszcne. Im„Neuen Pester Journal" schildert Joseph Siklosy eine amüsante Pariser Stratzenszene in fol- gender Weise: Ort der Handlung: der Platz vor dem Ostbahnhof mit der großartigen Perspektive des Boulevard de Strasbourg. Vom Bahnhos her schreitet bedächtig ein langbärtiger älterer Herr, eine Reisetasche in der Hand tragend. Er winkt mit der anderen Hand einem träge vorbeizottelndcn leeren Wagen, den er mit dem Ruf besteigt: „Kutscher, fahren Sie mich zur nächsten Metro-Stationl" Der Kutscher schmunzelt. Denn in der Zeit von kaum einer Minute ist die Station der Untergrundbahn an der Ecke des Boulevard Barbes erreicht. Lächelnd dreht sich der Kutscher zu dem erstaunten Passagier zurück, der aber ebenfalls witzig ist, indem er beim Aus- steigen sagt: „Nun, das war schnell, meiner Treu; es wird daher auch außer- ordentlich billig seinl Wieviel zeigt der Taxametre?" Der Kutscher runzelt jetzt die Stirne.„Bourgeois," lautet seine Gegenfrage,„wo sehen Sie denn an meinem Wagen einen Taxametre? Mir gebührt die Taxe für eine„Course"; macht il Frank 50, das Trinkgeld nicht gerechnet." „Trinkgeld will er auch noch," ereifert sich der Fahrgast, wäh- rend sich bereits Neugierige ansammeln;«dieses Stücklein hätte ich doch auch zu Fuße laufen können." „Bourgeois," entgegnet der Kutscher, jetzt sehr wohlwollend, «falls Sie nicht etwa zum ersten Male in einer Voiture sitzen, müssen Sie wissen, daß eine Course eine Course bleibt und 1 Frank 50 kostet. Für dasselbe Geld hätte ich Sie natürlich auch bis zum anderen Ende von Paris fahren müssen." „Wirklich?" repliziert der Langbärtige, feuerrot' werdend; «wollen Sie mich belehren über die Pariser Fiakcrtaxen, die Anno dazumal bestanden? Wenn Sie mir auch ansahen, daß ich in einem Grenzdepartcment lebe und schon seit etwas längerer Zeit nicht in Paris war, so weiß ich darum doch, was für Neuerungen in unserer geliebten Metropole ins Leben treten."(Sich pikiert an die Um- stehenden wendend:)„Sie lachen; offenbar weil es Ihnen Spaß macht, den Kutscher zu unterstützen, der einen aus der Provinz prellen Willi Aber es wird ihm nichts nützen, daß er den Taxa- mötr« versteckt hqtl"(Erneutes Gelächter. Ter Provinzler mit dem langen Bart ereifert sich daher noch mehr.)„Ja. den Taxa- metrel Oder eigentlich Taximetrel Die Akademie hatte Recht. indem sie nachwies, daß der Ausdruck richtiger: Taximetre lauten mutz. Glauben Sie nur immerzu, daß wir anderen nicht ebenfalls alles mit Interesse verfolgen, was Paris angeht— mit mehr Aufmerksamkeit vielleicht, als die Pariser selber allen ernsten Dingen gegenüber zu bekunden pflegen..." Die Heiterkeit der Menge nimmt überhand. Der Kutscher schüttelt sich vor Lachen. «Aber, Bourgeois," ruft er auS, seinen Bauch haltend,„wenn ich wirklich einen Taxametre oder Taximetre hätte, so würde er ja bei Ihren überflüssigen, endlosen Gesprächen mein Guthaben bei Ihnen zu einer ungeheueren Summe anwachsen lassen.... Mer, so sehr ich nun bedauern muh, ich habe diese Maschine nicht; weder Taxametre noch Taximetre. Darum bleibt es, zu Ihrem Glück, bei den 1 Frank 50. die Sie mir schulden, und dem kleinen Trink- geld, das ein anständiger Mensch zu geben nie unterläßt.... Weiß Gott, das Geschäft ging schon schwer genug, bevor noch der Taxa- metre aufkam— der ja nur ein Versuch ist! Die meisten Wagen, wie der meine, haben ihn noch nicht. Also bezahlen Sie mich— oder steigen Sie wieder ein, damit wir zum nächsten Polizeibureau fahren. Das kostet Sie aber dann eine neue Course, wie Ihnen der Kommissär selbst bestätigen wird..." Der Kutscher hatte noch nicht ausgeredet, als der Fremde schon eiligst in die Tasche griff. DaS Wort„Polizei" schien auf ihn Eindruck zu machen. Jedenfalls wollte er nicht weitere Scherereien haben. � „Da sind zwei Frank," sagtg, er,„hol' Sie der Teufel!" Ter Kutscher bedankte sich, sprang aber im nächsten Augenblick mit einem Flricbc vom Bocke herab, um dem davongehenden Fremden nachzueilen. Dieser hatte sich vergriffen— anstatt eines Zwei Frankstückes, das er aus seiner Tasche zu holen meinte, eine der neu- artigen Nickelmünzen im Werte von fünf Sons dem Kutscher gc« reicht. Dessen Wut war daher begreiflich. Da der Fremde ihm nicht Rede stehen wollte, packte er ihn— beim Barte und der erwies sich„nachgiebiger", als der Mann selbst sich vorhin gezeigt hatte. Der lange graue Bart blieb dem verblüfften Kutscher in der Hand. Der Mann selbst aber entkam, und zwar mit so raschen Schritten, daß er'auf einmal ein junger Mann geworden zu sein schien.... War er am Ende gar der Bankkassierer aus Nancy, auf den gefahndet wird? Aehnlich sieht es schon einem französischen Desraudanten, eine Million zu stehlen und sich wegen einiger Centimes herumzu- streiten.«.." Geographisches. k. Forschungsreisen durch das unbekannte Innere Neu-Gnineas schildert A. E. P r a t t im„Wide World Magazine". Die erforschten Gebiete dieses Landes reichen nicht weiter als 20 englische Meilen von der Küste.„DaS Innere ist vom Fuße des weißen ManneS noch gar nicht betreten, und die Geheimnisse, die zivischcn den dichten Urwäldern lauern, find noch nicht enthüllt." Pratt verbrachte zwei Jahre unter den wilden Kannibalen und lernte dabei Land und Leute genau kennen. Er war vor allem damit beschäftigt, seltene Schmetterlinge und Motten einzufangen und wurde bei diesem Tun von seinem sechzehnjährigen Sohn und einer Anzahl Eingeborener unterstützt.„Eine Ueberfnlle von Vögeln und anderem Getier lebt in diesen Wäldern. Mit dem ersten Morgengrauen erhebt sich ein wundervoller Chor unzähliger Stimmen. von dein Krächzen der Papageien bis zum gellen Schrei des Paradiesvogels hört man es in tausend Tönen durch die einsamen Wildnis hallen. Oft erhob sich ein Geräusch, das mich wähnen ließ, ich hörte einen Schnellzug herankoinmen. Es kam ein Rauschen, Brausen und Dröhnen zu mir herüber, daß ich unwillkürlich ver» meinte, mich in der Nähe einer Bahnstation zu befinden. Doch war dieser merkwürdige Lärm nichts anderes als das Schlagen und Flattern von Vogelschwingen. Das Rauschen wurde lauter, und plötzlich flogen über das Feld zehn oder zwölf große schwarze Nashonivögel. Dies« Vögel, deren gewaltiger, langer Schnabel ihnen ein groteskes Aussehen leiht, haben sehr breite schwarze Flügel. In scharfem Gegensatz zu den, regen Treiben und Gelärm des Vor» mittags steht die tiefe Stille' des Nachmittags. Gegen drei Uhr lischt alles Leben aus. Schlaf senkt sich auf Tier und Baum. Schweres Schweigen liegt über die Natur gebreitet,„so schwer, daß man sich zu sprechen fürchtet". Nur dann und wann dröhnt aus einer tiefen Felsenschlucht ein Krachen und Splittern herauf, wenn ein Baum niederstürzt, vom Alter gebeugt, oder Aeste brechen. Pratts tägliches Aufspüren von Schmetterlingen. sein nächtliches Suchen nach Motten erregte den Unwillen eines benachbarten Häuptlings Ka-fu-lu, der eine Zeitlang die Expedition mit Sago und anderen Lebensmitteln versorgt und dafür reichliche Geschenke an Messen,, Tabak, Kalliko bekommen hatte. Der drohte nun, er würde meine Leute mit dem Speer erlegen, mein Lager plötzlich überfallen und auch und meinen Sohn töten. Als ich darauf meinen tüchttgsten und zuverlässigsten Mann Ow-bow zu ihm sandte, brachte er ihn zwar nicht um, aber er nahm ihm alles weg, was er am Leibe trug, seine Kleider, seine Messer, seinen Tabak, seine Bambnspfeife, so daß der Arme ganz„aus- gezogen" zu mir zurückkam: nur sein Gewehr hatte er noch, vor dem der Häuptling eine große Angst hatte und um desscnttvillen er ihn hatte ziehen lassen. Ich ging nun selbst zu dem„Ehrenmann", der sich zunächst'auch gegen mich hartnäckig verstockt zeigte, nach einem zweistündigen Gespräch aber die gestohlenen Sachen wieder heraus- gab. Einen bezwingenden Eindruck hatte auf ihn endlich die Drohung gemacht, ich würde ,hn nach Port MoreSby hinunterschicken und dort ins Gefängnis setzen lassen. Mein Sohn hatte schwere Gefahren bei den Madms zu bestehen, als er mit nur wenigen Leuten einen Ver- proviantternugszug unternahm. Die Maduis hatten gerade einen Menschen getötet und verspeist und waren dadurch ans den Ge- schniack dieses nicht oft zu erlangenden Bratens so erpicht, daß sie meinen Sohn zwingen wollten, ihnen einen seiner eingeborenen Leute zu überlassen. Mein Sohn war gut be- Wasfnet und Wichte auch die Maduis von ihrem Begehren abzubringen, ober er verbrachte die ganze Nacht schlaflos und stets ängstlich auf der Hut vor diesen hinterlisttgen Wilden.... Einmal verlor ich einen meiner eingeborenen Leute, der von dem Stamme der Kowaka getötet ivurde. Der Häuptling dieses Stammes war ein Fürst, dessen Höflichkeit und weltmännisches Benehmen darin bestand, dast er mir sagen ließ, wenn ich in sein Dorf käme, würde es ihm ein Vergnügen sein, unsere Köpfe zu braten und zu essen. Auf diese Botschaft hin war ich die ganze Ikacht wachsam und liest mein Lager mit einem Kreis von Lagerfeuern umgeben. Die Kowakas wagten sich auch nicht heran, aber einer meiner Leute war unvorsichtig genug, in den Wald zu gehen und wurde hier getötet.' Neben seltenen Schmetterlingen hat Pratt auch mehrere schöne Exemplare von Paradiesvögeln gefangen.— Geologisches. ro. DieFortsetzungdeSSaarbruckenerKohIen. r e v i e r s. Bor einem halben Jahre etwa wurde durch Bohrlöcher auf französischem Gebiete nahe der deutschen Grenze festgestellt, dast das Kohlenrevier von Saarbrücken sich bis nach Frankreich erstrecke. Wie L. Bailly jetzt in»La Nature' mitteilt, ist die Idee, in dem IDepartemcnt Meurthe et Moselle, das an der deutschen Grenze liegt, nach Kohlen zu suchen, schon wiederholt aufgetaucht. In den Jahren t1836 bis 1330 wurde ein Bohrloch in der Nähe von Luneville her- gestellt, das indes nur bis SOI Meter tief geführt wurde und das das Perm nicht durchdrang, unter dem man erst auf Kohlen hätte stosten können. Damals war indes die Technik noch nicht so weit borgeschritten, dast sie die Schwierigkeiten einer so tiefen Lage der Kohl« hätte leicht überwinden können, noch war damals das Material so wertvoll, dast sich die Ausbeutung besonders gut rentiert hätte. Erst im Jahre ISVO hatten sich die Verhältnisse soweit geändert, dast das Interesse für Nachforschungen nach neuen Kohlenlagern sehr lebhaft geworden war. Inzwischen war auch das Terrain auf dem- schem Gebiet nach der französischen Seite hin geprüft worden, und man hatte Kohlenflötze an verschiedenen Punkten erbohrt. Es wurden nun auch auf französischem Boden Bohrversuche angestellt, und diese führten um die Mitte vorigen Jahres zu dem Resultat, dast bei Eplh, direkt an der Grenze(südlich von Metz) das Kohlen- terrain von Saarbrücken in weniger als 700 Meter Tiefe aufgefunden wurde. Kohle hatte man allerdings noch nicht gefunden, aber die Entdeckung, dast sich die Ablagerung aus der Steinkohlewiest unter- irdisch von Saarbrücken her bis nach Frankreich hin fortsetze, war an und für fich sehr wichtig, und sie berechtigt zu weiteren Hoffnungen. Aus einer Tiefe von S80 Metern wurden graue Massen mit Pflanzen- abdrücken zu Tage gefördert, durch die man in den Stand gesetzt wurde, die Ablagerung mit ewcr der ergiebigsten von Saarbrücken zu identifizieren. An dieser Stelle waren allerdings die Kohlen- ädern, auf die man stiest, zu dünn, als dast sich ihre Ausbeutung lohnen würde. Bald darauf stiest man vier Kilometer weiter nord- westlich in einer Tiefe von 800 Meter'auf denselben Steinkohlen- Horizont. In beiden Bohrlöchern werden die Arbeiten weitergeführt. sie erfordern indes sehr viel Zeit, da die Untersuchungen bei der Wichtigkeit der Sache sehr genau geführt werden müssen. Gegen- wärtig sind ein Dutzend Bohrversuche im Gang«, alle haben das Ziel, wenigsten? 1200 bis 1300 Meter tief in die Erde einzudringen. Diese Versuche kosten den vereinigten lothringischen Kohlenberg- Werks-Gesellschaften 3 Millionen Frank, sie müssen also grostc Reich- tümer hier zu erbeuten hoffen. Ob sich die Hoffnung freilich erfüllt, ist noch sehr fraglich. Kürzlich ist man zwar im Bohrloch von Pont i Mousson in einer Tiefe von 820 Meter auf ein 70 Zenti- meter mächtiges Kohlenflötz gestosten. Indes find an einer Stelle in der Nachbarschaft schon 1400 Meter Tief« erreicht worden, ohne dast man Kohle in besonderer Qualität gefunden hätte. Man ist hier also bereits 600 Meter ttef in die Ablagerungen der Steinkohlenzeit ein- gedrungen, ohne das wertvolle Brennmaterial in einer mächtigen Schicht anzutreffen, welche die Ausbeutung lohnen würde. Bei der grasten Tiefe, in der sich hier der Kohlenhorizont befindet, könnte nur eine grotze Ergiebigkeit, die der des deutschen SaarrevierS entspräche. die Förderungskosten ausgleichen. Eine besondere Schwierigkeit bildete die graste Wasierschicht. die sich bei 400 bis 500 Meter in dem Ton der Trias befindet und die eine Temperatur von 30 Grad besitzt.— Humoristisches. — Kleines Gespräch. ST.:»Können Sie mir den Unter« schied zwischen dem früheren und dem jetzigen preustischen Militär- Verfahren erklären?' B.:»Gewist I DaS kann ich Ihnen ganz genau erklären: Bei dem früheren Verfahren war die Oeffentlichkeit von vornherein ausgeschloffen und bei dem jetzigen wird sie von vornherein aus- geschloffen.'— — Der Fünfjährige. Fritzchen kommt durch Zufall grade hinzu, als Vater und Mutter in der Küche beim Zank handgreiflich werden, wobei verschiedene Töpfe in Scherben gehen. Erstaunt bleibt er an der Türe stehen, sieht einen Augenblick dem Handgemenge zu und wendet sich dann kopfschüttelnd ab mit den Worten:»N a, d a bin ich ja in eine schöne Gesellschaft geraten.' Berantwortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin.— Druck und Verlag: — Das Zeitalter der Reklame. Herr Huber und seino reizende Frau sind jetzt auch in einem Warenhaus angestellt l Zu tun haben sie weiter nichts, als den ganzen Tag in einem zwei« schläfrigen Bett zu liegen, damit es die Interessenten im G e» brauch sehen können.—(»Jugend.') Notizen. — Der Züricher E r z i e h u n g S r a t hat für die Volks- schullehrer ein Preisausschreiben für eine Arbeit über»Die sozial- pädagogischen Forderungen der Gegenwart' er« lassen.— — Rosa Berten? hat sich bis zum Schluß dieser Spielzeit dem Lessing-Theater verpflichtet.— —»Grotzstadtkehricht', ein Schauspiel von Alois Wohlmuth hatte bei der Uraufführung im Bolks-Theater zu München Erfolg.— — Die Sommersaison im Neuen königl. Operntheater (Kr oll) wird am 1. Mai mit„Jung-Heidelberg', Operette in drei Akten von Karl Millöcker eröffnet.— I. Die Sängerin A ck t ö von der Pariser Großen Oper tritt am 8. Mai im Opernhause als Elsa in.Lohengttn' auf.— — Joseph HellmeS berger hat eine neue Operette .Mutzt' vollendet.— —»Maria Stuart', eine symphonische Dichtung von Paul Eitel, fand bei der Erstaufführung in Plauen beifällige Aufnah», e.— — Liebermanns Bild»Raffenbleiche' ist von einem Berliner Sammler für 40 000 M. gekauft worden. Der Künstler hatte eS seinerzeit für 2000 M. weggegeben.— — Die Wiener Gesellschaft für vervielfältigende Kunst erläßt ein P r e i S a u s s ch r e i b e n für ihr nächstes Prämien» blatt(Originalradierung, farbige Lithographie oder Algraphie). Der Preis besteht einschließlich deS VcrvielfälttgungSrecht» in 2000 bis 3000 M.— — Der S o e mm e ri n g- P r e i S, der alle vier Jahre dem- jenigen deutschen Naturforscher zuerkannt wird, der die Physiologie ,m weitesten Sinne deS Wortes in den, verflossenen Zeiträume am meisten gefördert hat, ist diesmal dem Profeffor Dr. G. tz a b e r- landt in Graz für seine Arbeit„Ueber die Sinnesorgane im Pflanzenreiche' verliehen worden.— — Der Bauanenhandel von Jamaika nach Eng- l a n d � nimmt inmier größere Verhältniffe an. Ein regelmäßiger Dampferdienst von Manchester und ein anderer von Bristol nach der Insel sichern gegenwärtig eine Versorgung von 80 000 Bananen- büschcln wöchentlich; dieser Tage ist ein neuer Dampfer für den Briftoler Dienst vom Stapel gelaufen, der allein auf den Transport von 60 000 Büscheln eingerichtet ist. In England ist die Banane seit mehreren Jahren Volksnahrung.— — Aus der guten alten Zeit. Als im Jahre 1332, so schreibt man dem»Giestener Anzeiger', die Bürgermeistereien von den Kreisämtern zum Bettcht wegen der Choleragefahr aufgefordert wurden, berichtete der poetisch veranlagte Bürgern, eister von..... au folgendes: Hier in..... au Gibt's keine Cholerau, Dies bettchten soll Der Bürgermeister Stall. Darauf erhielt er folgende Antwott vom KretSamt: Im Dienst da gibt's kein Spaß Es kost' ein' Taler. Knast.— Vuchereinlauf. El o ess er, Artur: Heinrich v. Kleist. Mit elf Voll- bilden». Berlin. Bard, Marquardt u. Co.(Sammlung»Die Literatur'.)— — Bie, Oskar: DaS Ballett. Mir drei mehrfarbigen ftunstbeilagen und vierzehn Bollbildern in Tonätzmig. Berlin. Bard. Marquardt u. Co.(Sammlung„Die Literatur'.)— — Wize, K. F.:»In der Stunde der Gedanken'. Ueber die schönen Künste. Berlin. R. Trenkel.— — Grautoff, Otto: Moritz von Schwind. Mit dem Bildnis Schwinds und dreizehn Vollbildern. Berlin. Bard, Marquardt u. Co.(Sammlung»Die Kunst'.)— — Morgernstern, Christian: Galgenlieder. Berlin. Bruno Cassirer.— — Dolorosa: Da sang die Frau Troubadour. Leipzig. Leipziger Verlag. Geb. 3 M.— — ffl r 6 Ruth: Ecce Mater! Roman. Leipzig. Felix Dietrich. Preis 3 M.— — Tovote, Heinz: Klein Inge. Novellen. Berlin. F. Fontane u. Co. Preis 2 M.— — M ü h s a m, Erich: Die Psychologie der Erbtante. Zürich. Cäsar Schinidt. Preis 1 M.— — Rothgießer, Georg: Eine Automobilfahrt i> die Zukunft. Berlin. Verlag dloo sinit. Preis IM.— Vorwärts Buchdruckerei u.VerlagSa,'.statt Paul Singer chEo., Berlin S W,