Nnterhattungsblatt des HorwSrts Nr. 83. Freitag, den 3. Mai. 1903 lNachdvuck verboten.) 8] flammen. Roman von Wilhelm Hegeler. „Eine Viertelstunde müssen Sie jetzt still sein und essen, essen, essen. Sie müssen nach der Reise wütend hungrig sein. Nichts schrecklicher für einen Mann als ein leerer Magen, so schlimm wie für die Frau ein leeres Herz... Hier die Sardinen müssen Sie kosten. Das ist Fritzens Leibgericht. Wir wollen sie ihm rein aufessen. Wenn er die leere Büchse sieht, das wird ihn tiefer kränken, als wenn er erführe, Sie hätten mich ihm gestohlen.— Ach, aber was schwatz ich alles! Sie sollen essen." Mit einem Ruck lehnte sie sich zurück und verstummte gänzlich. Ihr selbst schien das Essen mehr Spielerei zu sein, und sie achtete weniger auf die Stillung ihres eigenen Appetits als darauf, daß ihr Gast tapfer zulangte. Als sie dann fertig waren, nahm sie die Weinflasche und ein Glas und beide saßen wieder auf ihrem alten Platz. „Nun machen Sie sich's bequem. Denken Sie, Sie wären Zu Haus. Ich wäre Ihr" Frau. Ach, wie hübsch muß das sein, so als Mann und Frau zu sitzen. Die Kinder schlafen. Tagesmüh und Plage ist vorbei. Der Regen trommelt gegen die Scheiben. Ach, Sie müssen doch sehr glücklich sein. Nicht wahr?" jffr lachte und sagte in leichtem Ton: „Man schätzt das, was man hat, immer weniger, als das, was man nicht hat. Eine undankbare Kreatur ist der Mensch." „Was machen Sie, wenn Sie abends mit Ihrer Frau zusammensitzen?" „Alles mögliche. Man liest sich vor.— Was täten Sie denn, wenn Sie meine Frau wären?" „Ich?... Am liebsten machte ich Zukunftspläne. Das wäre meine Leidenschaft. Wenn ich einen sicheren Boden unter den Füßen hätte und an morgen denken dürfte— ich lebte ganz in der Zukunft. Ich stellte Reisen zusammen. Ich baute Häuser. Ich begleitete meine Kinder auf ihrem zukünftigen Lebensweg. Ach, schön muß es sein, Zukunft zu haben." „Aber Maggie, wie sprechen Sie denn? Liegt vor Ihnen nicht die schönste Zukunft?" „Meine Zukunft— haha! Möchten Sie wissen, wo meine Zukunft liegt? Im Souffleurkasten, im Spital, im— und das wäre vielleicht noch das beste— im Bett eines alten, reichen Juden. Aber sterben werde ich da nicht. Ich werde im Elend sterben. Ou revient toujours--- Ich bin auf der Gasse groß geworden. Warum soll ich da nicht auch sterben? Wenn ich ein altes Weib mit Streichhölzern sehe, denke ich immer: Grüß dich Gott, Zukunft?" „Ach, was sind das alles für Einbildungen? Sie mit Ihrem Talent!" „Daß ich jung und hübsch bin, das ist das beste an meinem Talent.... Komm mir nur keiner mit Zukunft. Ich Hab kein gestern, kein morgen. Manchmal finde ich alte Briefe, lese sie wieder, sehe noch die Tränen auf dem Papier. Und dann denk ich und denke: ja, wer war's denn nur, der dich damals liebte? Und den du so liebtest? Um den du geweint hast. Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht. Ich kann mich nicht darauf besinnen. Ich mag's auch nicht. Ich leb im Augenblick. Was gestern war und morgen kommt, da pfeif ich drauf. Ich will nicht wissen, wie du Tage fliegen, wie ich älter werde, wie die Runzeln kommen, Fettpolster, hohle Zähne— nichts will ich wissen, als das, was ist.... Ach, und doch muß es schön sein, still sitzen und Träume spinnen zu könnm." Sie lehnte sich zurück und leicht die Augen schließend, wiederholte sie:„Ja, schön wär's. Wie ich noch als Kind oft abends auf der dunklen Hoftreppe saß, nichts hatte— alles hoffte.... Nun Hab ich alles und hoffe nichts." Es war so still, daß man nebena. die Uhr ticken hörte. „Warum erzähle ich Ihnen das alles nur? Komisch! Glauben Sie, ich hätte je mit einem Menschen so gesprochen? Mit Fritz, mit irgend'nem anderen? Nie!" Sie sprang auf. „Nie! Warum mit Ihnen?" „Vielleicht weil Sie fühlten, daß die anderen das Weib in Ihnen sahen, und ich uneigennützig bin." „Das wird's wohl sein," sagte sie nachdenklich.„Den anderen gegenüber war ich so, wie sie mich wollten, gegen Sie aber kann ich sein, wie ich bin. Ich Hab Vertrauen zu Ihnen. Drollig!" „Was ist drollig?" Aber sie schien ihn nicht zu hören, sondern summte halb- laut vor sich hin und sah ihn dabei von Zeit zu Zeit lachend mit zwinkernden Augen an. „Maggie, ich glaube fast, Sie mokieren sich über mich." „Nein! Ach nein. Wirklich nicht. Und doch ist es so drollig." Sie kam wieder näher. „Was ist so drollig? Sie oder ich?" „Wir beide! Ein uneigennütziger Mann? Sie mögen mich nicht. Sie sind in Ihre Frau verliebt. Obwohl das kein Grund wäre. Aber ich gefalle Ihnen nicht. Ich bin nicht Ihr Genre. Oder warum sind Sie so uneigennützig? Wirklich aus Uneigennützigkeit?" „Ja. Wirkbich. Aber wenn Sie noch viel reden--- Weiß der Himmel, von Stein bin ich auch nicht." „Ach!" machte sie, scheinbar grenzenlos erstaunt.„Nicht von Stein? Wirklich nicht?" Er ergriff ihre Hand und wollte ihre Hüften umschlingen. Da wand sie sich wie eine Eidechse aus seiner Umklammerung. „O, o! Nun brennt's! Hülfe, Hülfe! Das Strohfeuer brennt... Adieu Uneigennützigkeit!" Grabaus aber, leicht berauscht und erregt wie er war, stieß das Weinglas beim Niedersetzen so heftig auf, daß es zerbrach..... „Sie sind ein Satan, Maggie! Lasser Sie mich gehen. Im ersten Augenblick wollte sie aufjubeln vor Uebermut. Doch wie sie ihn da stehen sah, mit finsterem Gesicht, wurde sie plötzlich zaghaft. „Was was heißt denn das?" „Verzeihen Sie--- aber es ist doch wohl besser, wenn ich mich empfehle. Seien Sie nicht böse." „Ich— böse?" murmelte sie.„Nein, nein, nur nicht gehen. Doch jetzt nicht. Ein solcher Abgang—" stammelte sie. Ganz kleinlaut sammelte sie die größeren Scherben und holte dann von nebenan Schaufel und Besen, um alles rein fortzuwischen., �. „So— so! Weg mit den Scherben! Darum soll doch unsere Freundschaft nicht zerbrochen sein. Hier"— sie reichte ihm ein neues Glas, das sie voll geschenkt hatte—„bitte trinken Sie, zum Zeichen, datz Sie nicht mehr böse sind. Oder sind Sie noch böse?" Er sah sie kopfschüttelnd an und sagte: „Ich möchte nur wissen, was Sie eigentlich für ein Wesen sind?" „Ach. das weiß ich selbst nicht. Aber Sie müssen mir verzeihen.". �., Sie ergriff seine Hand und druckte einen Kuß darauf. „Nicht mehr böse sein!" „Ist das alles nun Spiel oder ehrlich?" „Ehrlich!" Sie sah ihn mit vollen Augen an.„Wirklich ehrlich! Ich wäre so glücklich, wenn Sie mein Freund sein wollten. Anders... ach, das wäre ja schrecklich gewesen." „Warum sind Sie denn so?" „Ich weiß nicht. Ich bin eben so. Wer Sre müssen mich deswegen nicht verachten. Sie müssen"— ihre Stimme wurde weich und wie im Traum verschleiert—«Sie müssen mein guter, uneigennütziger Freund bleiben." Er nickte, und als sie ihr Glas hochhielt, stieß er mit ihr an. Darauf trank sie lächelnd in langsamen Zügen den Wein aus. Sie nahm wieder Platz und begann ein harmloses Ge- sprach. Sie erzählte ihm von ihrer Kindheit, ihren Anfängen beim Theater, ihren Kollegen. Still und friedlich saßen sie, als wäre nie etwas zwischen ihnen geschehen. Als dann die Tür sich öffnete und Fritz Gebhard eintrat, fuhr Maggie er- schrocken aus. Zögernd ging sie ihm entgegen, ihre aufgeregt« Freude hinter Gleichgültigkeit verbergend. .Du bist'sjg So spät noch?" sei nID 5Sfel Die Sitzung zog sich endlo? bin. Vch war der erste, der ging. Alle anderen sind noch da." -„Auch Frau Platen?" ».Ja." >,WaZ, die war da?" schrie sie aufgebracht. „Der reine Zufall! Nachher will ich Dir alles erzählen. Erst gib mir was zu essen. Ich bin zum Umfallen hungrig." „Ach, Du! Betrüger! Und dabei hat er mir doch hoch vnd heilig geschworen, sie käme nicht hin." .Gebhard machte eine Hülflose Handbewegung. �.Nachher! Ich bin vor Hunger blödsinnig." -„Hast Du denn überhaupt noch nicht zu Abend gegessen?" „Ach, was man so nennt. Wie's bei diesen Leuten ist. Aristokratisches Geschirr und Plebejisches Wen. Sei gut, Maggie. Geh. schenk mir was!" Er nahm sie um die Taille und gab ihr einen herzhaften Kuß. Und als wäre mit einem Schlage ihr Zorn verflogen, rückte sie ihm gleich Teller und Messer zurecht. „So, Du armer Kerl! Nun stärk Dich." Grabaus und Maggie setzten sich mit an den Tisch. Maggie, die jetzt ganz in ihrer Sorge für Fritz aufging, hatte für Grabaus kam noch einen Blick. „Ach. Kinder, seid Ihr aber gemein!" sagte der Maler lind blickte schmerzlich enttäuscht auf die leere Sardinenbüchse. „Ich hole Dir'ne neue. Es mutz noch eine da sein!" sagte Maggie und eilte hinaus. Ter Maler stützte die Hand auf und sagte verträumt: -„Marie Luise— Marie Luise." „Wer ist das?" fragte Grabaus.- „Ach— Frau Platen! Solch eine Frau hast Du noch nie gesehen. Ach, rein vom malerischen Standpunkt. Fleischtöne und ein Haar— aber das alles-- der Mensch!— der Mensch!!" Nach diesen dunklen Worten goß er sich mit elegischer kHandbewegung Wein ein. „Ich bin verliebt! Ertrunken in'nem Meer von Liebe. Und sie— Luft bin ich für sie. Wir alle sind Lust. Sie sieht uns küum. Spricht nur mit alten Leuten.— Marie Luise— der Name allein--- Maggie, Tu bist ein Engel!" „Ach, das wäre Maruschka auch, wenn sie die Sardinen brächte," sagte Maggie lachend. Beinah mit Neid verfolgte Grabaus nun, wie Maggie sür ihn kaum noch einen Blick hatte, sondern ganz Auge und Ohr für den Geliebten war. Als die Uhr eins schlug, wollte er sich empfehlen. Sofort stand Gebhard ebenfalls auf. „Freilich, es ist die höchste Zeit. Maggie mutz auch zu Bett. Sonst verschläft sie die Probe." „Gehst Du auch schon?" Sie sah ihn an mit stumm flehendem Blick, und als er nur mit leisem Kopfschütteln antwortete, behingen ihre Wimpern sich mit blinkenden Tränen. Die Männer zogen sich schweigend die Mäntel an. Gähnend kam Maruschka, die so lange auf der Küchenbank geschlafen hatte, heraus, um ihnen gu leuchten. Grabaus verabschiedete sich zuerst. Noch einmal wollte Fritz die Geliebte zum Abschied küssen. „Adieu, Maggie." „Geh nur! Ich hasse Dich!" „Das war kein guter Abgang," murmelte er. Auf der Straße schob Gebhard seine Hand unter den Arm seines Begleiters und stieß einen langen Seufzer aus. Es war dunkel und still, nur in der Ferne sahen sie auf der kreuzen- den Friedrichstratze den hell erleuchteten Menschenstrom sich Vorbeüvälzen. Nachdem sie eine Weile schweigend gegangen waren, sagte Grabaus plötzlich: „Eigenttich hättest Du dableiben sollen." -."Hätt ich sollen? Ja, was sollte man nicht alles?! Aber in der Liebe und in der Kunst gibt es kein Sollen und Müssen. Man kann s oder kann's nicht.' „lind doch ist sie reizend." „Aber mich reizt sie nicht.— Ach, glücklich lieben ist schön. Rjossnungslos lieben, auch das geht an. Aber hoffnungslos igeliebt werden ist entsetzlich." „Und doch hast Du Maggie mal geliebt." „Wie ein Wahnsinniger,©pchs Wochen war ick von ihr oehext. Da war sie die Welt für mich. Da Hab ich die größten Dumncheiten für sie gemacht. Alle Aufträge fortgeschickt, nie- vianden gemalt, niemanden gesehen als sie. Tann war's aus." Sie traten in ein Caf6 und suchten sich einen Tisch in einer Ecke. lJortsetzung folgt. js (Nachdruck»erboten.; 6m Ondanfcbarcr, Von Michel T h i v a r S. Autorisierte Uebersetzung. Mühsam schleppte sich Vater Garreau, der Feldhüter von Francheville, die staubige Landstraße dahin. Unter den schrägen Strahlen der tiefstehenden Sonne funkelte seine große, rote Nase als wollte fie jeden Augenblick den struppigen, grauen Schnurrbart in Brand setzen. „Himmeldonnerwetter!" fluchte der Feldhüter im Gehen. Vater Garreau war nicht zufrieden. Seit einem Monat hatte er, das Vorbild, das Muster aller Feldhüter Frankreichs und Na- varras, er, in dessen Augen der Mensch nichts weiter war als ein Empfänger von Strafmandaten,— seit einem Monat hatte er keine Gelegenheit gefunden, auch nur eine einzige Anzeige zu erstattend Vater Garreau fühlte sich aufs tiefste gedemütigt, entehrt. Ein Feldhüter, der keine Anzeigen erstattet, war in seinen Augen kein richtiger Feldhüter. Und dennoch— auch heute kehrte er ohne die geringste Beute von seiner Jagd auf Kontraventtonen heim! „Himmeldonnerwetter!... Dabei find's noch mehr als zwei Meilen bis Francheville, und ich kam. nicht mehr laufen... Kreuz» Millionen.. So weit war er in seinen Betrachtungen gekommen, während er niedergeschlagen die scheinbar endlose Landstraße überblickte, als er hinter sich Räderrollen vernahm, und gleich darauf ein Wagen ihn überholte. „Guten Abend, Vater Garreau! Auf dem Wagen saß Bcrdance, der Bäcker von Francheville, ein junger Mann, den Vater Garreau von Kindesbeinen an kannte. „Du bists, m�in Junge?... Du kommst heute aber spät mit Deinem Brot!" „Glaub's schon! Mein Brot ist mir verbrannt. Ich mußte noch einmal backen und deshalb konnte'ch meine Kunden erst am Abend bedienen." „Du fährst jetzt nach Francheville zurück?" „Noch zwei Lieferungen und dann nach Hause." „Das trifft sich ausgezeichnet!... Ich kann nicht mehr gehen. Du hast wohl ein Plätzchen für mich auf Deinem Wagen?" „Aber natürlich l" erwiderte der Bäcker.„Steigen Sie auf P Ter Feldhüter stieg auf. Ter Wagen setzte sich wieder in Be» wegung. Vater Garreau machte es sich auf der Bank bequem, in- dem er mit sichtbarer Genugtuung seine schmerzenden Beine von sich streckte. „Ein unschätzbarer Dienstl" beteuerte er.„Wirklich, ein großer Dienst, den Du mir erweisest, mein Junge!... Ich weiß wahr- haftig nicht, wann ich ohne Dich nach Hause gekommen sein würde!" Als man sich einer kleinen, einsam an der Landstraße ge- legenen Schänke näherte, betrachtete Vater Garreau angelegentlich den über der Tür schaukelnden Stechpalmenzweig und gab zu ver- stehen, daß es schauderhaft heiß sei. „Einen Schoppen Äpfelwein, he?" schlug Berdance vor. Die rote Nase des Feldhüters wurde vor Vergnügen ein paar Nuancen röter. Man trat ein. Man trank einen Schoppen Apfelwein. Berdance bezahlte. „Das schmeckt!" bemerkte Garreau. „Noch ein Glas?" bot Berdance von neuem an. Der Feldhüter sagte nicht„nein". Dieser zweite Schoppen löste Vater Garreau die Zunge. Er stimmte seine gewohnte Litanei an: keine Kontraventionen, keine Strafmandate mehr! Welche Schande für einen Feldhüter, der auf seinen Beruf stolz ist! Berdance, der das Steckenpferd des Mannes zur Genüge kannte. hörte ihm höflich zu, während er langsam seinen Apfelwein schlürfte und nur von Zeit zu Zeit zustimmend mit dem Kopfe nickte. Als die beiden Männer, reichlich erfrischt, die Schenke ver» ließen, waren sie die besten Freunde von der Welt. Der Tag ging zur Rüste Berdance, der es eilig hatte, nach Hause zu kommen, stieg rasch auf seinen Wagen. „Schnell, Vater Garreau! Es ist schon spät!" Der Feldhüter hatte den einen Fuß schon auf dem Trittbrett, als er plötzlich innehielt, während sein Blick wie gebannt am Wagen» kästen hing. „Sieh! Siehl" sagte er zu sich selbst. Statt aufzusteigen, ging er dann um den Wagen herum. alS wenn er etwas suchte. Die Flügel seiner großen roten Nase blähten sich, seine Augen funkelten. Er glich in diesem Moment einem Jagdhund, der das Wild„gestellt" hat., „Na, Vater Garreau, steigen Sie auf!" mahnte der Backer un- geduldig. „Ich komme schon." antwortete der Feldhüter. Er nahm wieder seinen Platz ein. Der Wagen setzte sich von neuem in Bewegung. Den ganzen Weg über war der Feldhüter von einer brillanten Laune. Er kramte Jugenderinncrungen aus und erzählte Geschichten vom Regiment, bei dem er gedient hatte, mehr oder weniger gepfefferte Abenteuer. „DaS macht der Aepselwein," sagte sich Berdance.„Die beiden Schoppen. die werden ihm zu Kopf gestiegen fem, dem Vater Garreau l" Nach einer halben Stnnde hielt der Wagen in einem Marktflecken. „Sie kommen heute aber spät, Herr Berdance!' sagten die Kun- binnen, welche sich nach und nach einfanden. Der Bäcker erzählte das Malheur, das ihm widerfahren war, während er daS verlangte Gebäck abwog. Vater Garreau ließ kein Auge von ihm. .Sieh! Sieh 1...* murmelte er ein zweites Mal. Ms der Wagen sich abermals in Bewegung gesetzt hatte, nahm er«ins der Gewichte, deren sich sein Reisegefährte bedient hatte. „Schöne Gewichte, die Du da hast, mein Junge I" „Ganz neue Gewichte," sagte der Bäcker. „Ganz neue Gewichte, ich sehe es wohl!" Die gute Laune des Feldhüters wuchs. Er begann vergnügt zu pseifen. „Das macht der Aepfelwein I" wiederholte Berdance. Endlich näherte man sich Franchedille, dessen Kirchturm sich undeutlich vom Abendhimmel abzuheben begann. „Es fehlt wohl nicht mehr viel an 8 Uhr?" fragte Garreau. „Acht Uhr zehn Minuten präzise! erwiderte der Bäcker, nachdem erlauf seine Uhr gesehen hatte. „Das heißt— die Sonne ist untergegangen?" „Natürlich!... Hü!" trieb Berdance sein Pferd an. Er wollte die Peitsche gebrauchen, als Garreau ihm in den Arm fiel. „Höre, mein Junge!... Willst Du eine Minute anhalten?... Ich muß absteigen." „Absteigen? Warum?" fragte der Bäcker erstaunt. Doch im nämlichen Moment erinnerte er sich: - Aha! Der Aepfelwein! Und die Zügel anziehend, fügte er laut hinzu: „Beeilen Sie fich aber, Vater Garreau!" Garreau stieg ab. Kaum hatte er den Fuß auf die Erde gesetzt, als sich seine Phhsiognomie wie durch einen Zauber verwandelte. Er runzelte finster die Stirn, seine Augen blickten streng, und seine große, rote Nase wurde noch ein paar Nüancen röter, als er sagte: „Ich werde gegen Sie Anzeige erstatten I" „He?" Der Bäcker sprang in die Höhe. „Sie haben kein SchUd an Ihrem Wagen!... Ihr Namen, Vornamen..." „Nanu, Vater Garreau, Sie scherzen wohl?" „Ich scherze niemals im Dienst!... Wie heißen Sie?" Da Berdance erstaunt Mund und Augen aufsperrte und keine Miene machte, zu sprechen, hielt es der Vertreter des Gesetzes für zweckmäßig, die Fragen zu stellen und selbst zu beantworten. „Sie heißen Berdance?... Schön!... Bornamen?... Timoleon Gaspard... Schön!... Beruf?... Bäckerl... Sehr schön!... Wohmmg?... Franchedille... Ausgezeichnet!... Jetzt eine zweite Anzeige!" „He?" Berdance sprang ein zweites Mal auf. „Sie bedienen sich in Ihrem Gewerbe ungeaichter Gelöschte." „Weil sie ganz neu find!" protestierte der andere, der endlich den Gebrauch der Sprache wiederfand. „Das ersetzt nicht die Aichung!" dekretierte Garrcau kategorisch. „Zum Teufel! Welch blödsinnige Idee von mir, daß ich Sie auf meinen Wagen genommen habe!" Garreau erklärte es für im höchsten Grade unzart, den Leuten einen �erwiesenen Dienst vorzuwerfen, aber er hatte keine Zeit, fich weiter darüber zu äußern. Stoisch, mit jener unerschütterlichen Ruhe, wie sie nur das Bewußtsein der ohne Haß und Furcht er- füllten Pflicht verleiht, fichr er fort: „Jetzt die dritte Anzeige!" „Noch eine?!" „Die Sonne ist untergegangen, und Ihr Wagen hat keine Laterne!" „Aber zum Donnerwetter!" schrie Berdance erbittert.„Wenn ich mich nicht damit ausgehalten hätte. Ihnen den Wanst mit Aepfel» wein zu füllen, dort unten in der Schänke, würde ich schon rechtzeittg ohne Laterne nach Hause gekomnien sein!" Da schlug Garreau einen anderen Ton an. Seine Stimme klang freundlich, fast väterlich, als er sagte: „Sprich nicht davon, mein Junge, sprich nicht davon!... Ich werde in meinem Protokoll auch nicht davon sprechen, weil Dich das zu sehr in die Tinte hineinreiten würde... Versuchte Beanttcn- bestcchung— darauf steht Gefängnisstrafe, mein Junge!... So! Run bin ich ferttg. Fahren wir weiter!" Nach diesen Worten machte er Miene, wieder aufzusteigen. Aber das war dein guten Berdance denn doch zu viel. Er versetzte seinem Pferde einen Peitschenhieb und schrie im Davonfahren aus voller Kehle: „Altes Affengesicht 1° .Beamtenbeleidigung!" antlvortete in der Dunkelheit die Stimme des Feldhüters, der auf der Landstraße geblieben war. Berdance bekam seine drei Strafmandate, die ihm etliche Franks Geldstrafe einbrachten. Seinem Versprechen getreu hat Garrcau in seinem Protokoll den„Bestechungsversuch" und die„Bcamteiibeleidigung" verschwiegen. Aus diesem Grunde begreift er auch nicht den Haß, mit dem ihn der Bäcker verfolgt. Er ist sogar tief entrüstet darüber, und in Momenten, in denen er über dies und jenes feine philosophischen Betrachtungen anstellt— wenn er nicht im Dienst ist, wohl« verstanden!— brummt er bitter unter seine große, rote Nase: „Das der Lohn dafür, daß ich ihn vor dem Gefängnis bewahrt habe!" Empört über die menschliche Undankbarkeit hat Garreau sein Feldhüterherz gegen jegliche Regung des Mitleids für immer ver« schlössen.— kleines feuilleton. w. Schanze, Schanz— zuschanzen, schanzen. Wenn jemand die Redewendung„sein Leben in die Schanze schlagen" hört, wird er unwillkürlich an die Schanze denken, die die Soldaten in der Feld« schlacht entweder zu verteidigen oder zu erstürmen haben. Und doch ist nichts irriger als dies, weil dieser Redensart der Gedanke an Kampf und Krieg gänzlich fern liegt. Den unter den beiden Wörtern, die die Lexikographen als Schanze verzeichnen, ist das eine „Schanze" dem franzöfischen chance entlehnt. Dasselbe Wort heißt im Italienischen cacienza und hat ursprünglich im Lateinischen oackentia gelautet. Dies cadentia ist aber von den» Tätigkeitswort cadere, fallen, abgeleitet, und so bedeutet es denn auch ursprünglich das Fallen der Würfel, daS Glück oder Unglück bringt, auch den Einsatz imb endlich das Spiel selbst. In dieser Bedeutung wurde das fremde Wort schon im Mittelalter in unsere Sprache aufgenommen und zwar in rein deutscher Aussprache und Schrift. Nur in der heute noch üblichen Wendung„Chancen haben" tritt der Ursprung hervor. Hans Sachs hat das Wort noch in seiner ersten Bedeutung, wenn er erzählt, Petrus habe einst aus Mitleid etliche Landsknechte in den Himmel eingelassen: bald aber habe er eS bitter zu bereuen gehabt. denn sie hätten gleich gebettelt, und als sie etwas zusammengebettelt hatten,„fingen sie zu nmbschanzen an", d. h. zu würfeln, woraus endlich Streit und Prügelei entstand. Bald aber entwickelte sich die bildliche und übertragene Bedeutung. Man wendete eS an auf das Spiel des Lebens und bezeichnete damit entscheidende Wendung zu Glück und Unglück, Aussicht auf Erfolg, das, was man bei einem Unternehmen aufs Spiel setzt, Wagnis, Laune des Schicksals und ähnliches, wobei die ursprüngliche Bedeutung meist noch deutlich hervortritt. Bon den unzähligen Redewendungen, die früher im Schwange waren, waren die häufigsten: die Schanze gelingt, die Schanze ver- sehen, jemand auf die Schanze sehen, jemand in die Schanze fallen. Besonders Luther wendet ähnliche Redewendungen mit Vorliebe an. Alle diese Redensarten find jetzt beinahe samt und sonders aus unserer Sprache verschwunden, und mir„sein Leben in die Schanze schlagen" ist noch geblieben. Das einfache Tätigkeitswort schanzen hat jetzt die Bedeutung „Glückspiel betteiben" verloren»md lehnt sich mehr an das Wort Schanze, Erdaufwnrf an und heißt: schwere Arbeit verrichten. In« dessen in den Znsan»mensetz»mgen: znschanzci, seinem etwa? in die Hände spielen)»md etwas erschanzen müssen wir an das erste „Schanze" denken. In der verkürzten Form Schanz finden wir eS noch in dem Worte Mninmenschanz, der ursprünglich einen Wurf in den, Würfelspiel„mun»men" bedeutet. Diesem Mummenschanz wurde zu FastuachtS- zeiten von Masken gespielt, die in die Hänser gingen und dem Hans- ivirt und etwa dort befindlichen Gästen stumm und bloß mit Zeiche»- den Wurf anboten und, nachdem fie gewonnen oder verloren, wieder davongingen.»» tz. Die Lufträume im Körper der Albatrosse. Es ist bekannt. daß die Knochen der Böge! nicht massiv sind, sondern, um den Tieren das Fliegen zu erleichtern, Höhlungen in» Körper besitzen, welche mit Liist gestillt find. Aber die Vögel besitzen außerdem spezielle Lnstsäcke, die meist Erweiterungen oder Ausbuchtungen der Lnnge sind und die ihrerseits wieder sich in Berzlveigimgen durch die ver- schiedenstei, Teile deS Körpers hinziehen. Diese Lustsäcke bei einer unserer imposantesten Vogelgattimgen, bei den Albatrossen, hat kürzlich Franz Ulrich in den Wissenschaftlichen Ergebnissen der deutschen Tiefsee-Expedision behandelt. Der Albatroß hat in seinen.Knochen verhältnismäßig Ivenig ausgebildete Lusttäume. Die Knochen sind zwar schlank und dünn, aber doch sehr fest, sie müssen in den tobenden Stürmen des hohen Meeres dem Bogel die nötige Widerfiandskrast bei seinem herrlichen stolzen Flug gewähren. Andererseits aber haben es gerade so große Tiere wie d>e Albatrosse besonders nötig, möglichst geringes Körpergewicht zu besitzen, das ihnen allein einen leichten ausdauernden Flug garantiert. Denn diese gewaltigen Tiere brmgen o't den ganzen Tag lang fliegend über den Meereswogen zu. Da ist es de»m für die Albatrosse von besonderer Wichtigkeit, daß ihr Körper sehr reich mit Luftsäcken angestillt ist. Schon von dem Schlimdkopf gehen einige der Luft zugängliche Ausbuchtungen aus. Sie sind aber unbedeutend gegenüber den gewaltigen AnSsackungen der Lungen. Nickt weniger als neun solcher von den Lungen ans- gehende Luftsäcke besitzt der Albatrotz. Von ihnen zieht sich ein Paar nach der Region der Hals- und Brustwirbel, zwei andere Paare ver» sorgen die Gegend am das Zwerchfell mit Luft. DaS vierte Luftsackpaar ist besonders groß, es erstreckt fich über den ganzen Hinterleib, umgibt in zahlreichen Abzweigungen das ganze System der Ge- ein anderes Metall auf Grund deS Ausdehnungskoeffizienten zu der- drängen, sind bisher ohne Erfolg geblieben, und zwar scheiterten diese Versuche hauptsächlich daran, daß diese Legierungen sich vor dem Lötrohre oxydierten, sich also nicht mit dem Glas luftdicht verbanden. Wenn ich mich nicht täusche, haben sich sogar die mit vieler Hoffnung allgemein betriebenen Versuche mit dem Nickelstahl als vergeblich er- wiesen. In neuerer Zeit dagegen hat eine französische Glühlampenfabrik den anderen Weg eingeschlagen und es versucht, einen Kitt herzustellen, Ivelcher den obigen Anforderungen genügt und der uns in den Stand setzt, jedes beliebige Metall zu verwenden. Die Zu- sammensetzung desselben ist natürlich noch geheim gehalten.— Humoristisches. — Auch etwas. Heiratsvermittler(zur Kundin): „Eine Schönheit ist der Herr gerade nicht, aber prachtvolles Haar soll er... g e h a b t haben l"— — Monolog. Wamperl:„Da ham s' immer an' Lärm mit dem Fortschritt der Medizin— i' glaub' an kan' Fortschritt. solang s' net so weit san, daß sie mit Bier kurieren!"— — Genauer Bescheid,„'s is' die Meeglichkeit, Sie sein aus Leibzig? Kennen Sie da vielleicht zufällig einen Professor Schwertenmeher?" „Zufällig gerade nicht, aber wohl durch Schicksalsfügung.' „Ei herrjemersch, wie soll ich Sie denn das versteh'n?" „Ganz einfach: ich bin er nämlich selber!"— („Meggendorfer-Blätter"). därme und zieht sich außerdem durch Muskeln und Knochen dieser Körpergegend hindurch. Auch der unpaarige Luftsack, der die Schlüssclbeinhöhle mit Luft versorgt, hat eine sehr ausgedehnte Verzweigung. Einzelne Aeste von ihm ersttecken sich an Speise- und Atemröhre hin und einer umschließt das Herz gänzlich, andere verlaufen bis in den Oberarm und dessen Gelenkhöhle. So ist denn der Körper des Albattoß voll- ständig von Luftsäcken durchzogen, die als glashelle Blasen unter der Haut, zwischen Muskeln und Knochen verlaufen und selbst in diese ein- dringen. Die Luftsäcke erleichtern dem Vogel nicht nur das Fliegen, indem sie seinen Körper ballonartig aufblähen, sie stellen ihm auch eine große Menge Atemlu-st zur Verfügung, die ihm bei der Schnellig- keit seiner Bewegungen von Vorteil sein mag. Sie wirken auch dazu mit, die Stimme des Vogels zu verstärken, der sehr laute Töne von sich geben kann. Man hat den Luftsäcken auch einen Wert für die Transpiration beigelegt. Der Vogel besitzt nämlich keine Haut- drüsen, die Feuchtigkeit(Schweiß) absondern. Er kann also durch seine Haut auch keine überschüssige Wärme abgeben. Dagegen könnte die Luft im Innern der Luftsäcke die warme Feuchtigkeit des Körpers aufnehmen und sie je nach Bedarf an die Außenluft ab- geben, un, so die Wärme des Vogclkörpers zu regulieren. Die Luft- säcke der Vögel sind den, nach so sehr eigenartige Organe, wie sie kaum irgend eine andere Tiergruppe auch nur andeutungsweise besitzt.— Kulturgeschichtliches. gc. Der Klapper st ein. Für weibliche Lästermäuler hatte man vom Mittelalter bis ii,S 18. Jahrhundert hinein in verschiedenen Gegenden Deutschlands eine besondere Strafe: den Klapperstein. Auch der Name Schandstein und Lasterstein war für dieses Straf- gerät gebräuchlich. Seine Verwendung war folgende: Eine Frau, die überführt war, jemand durch üble Nachreden verleumdet oder beleidigt zu haben, wurde gezwungen, falls man nicht besondere Lillcksichten übte und einen LoSkauf durch Geld gestattete, im Büßer- gewande unter Vorttitt der Büttel durch die Stadt oder um die Kirche herum den 20 bis IVO Pfund schweren Klapperstein zu tragen. So geschah es am Rhein, namentlich im Elsaß, aber auch in Frankreich und Oesterreich. Die Rechtsgebräuche des letzteren Landes bestimmten sogar, daß man Weibern oder Dirnen, die mit einander„kriegten, rauften oder schlügen", oder„sich mit unziemlichen, die Ehre tötenden Worten schändeten", den„Bakstein", wie er dort genannt wurde, anzuhängen hatte;„den sollten sie tragen durch das ganze Dorf, von einem Fallthor zu dem anderen, und als oft sie rasten unterwegs, als oft zahlen sie 72 Pfennige Strafe. Dazu soll der Richter dingen einen Pfeifer und ihr eigener Mann einen Pauker." Während des RastenS legte der Richter nicht selten drei Holzbecher in ein eiinerhaltiges Faß Wein, und alle jungen Burschen des Ortes tranken es auf Kosten des Weibes leer. Zu Mülhausen im Elsaß ist der Klapperftcin noch heutigen Tages vorhanden und zu schauen. Er hängt am Rathause an einer eisernen Kette und stellt einen grotesken, kahlen Weiberkopf in na- türlicher Größe mit weit heransgestreckter Zunge dar, worunter sich folgende Inschrift befindet: „Zum Klapperstein bin ich genannt, Den bösen Mäulern wohl bekannt, Wer Lust zu Zank und Hader hat, Der muß mich tragen durch die Stadt.' Allem Auscheine nach wurde der Klapperstein in Mülhausen mit Vorliebe und sehr häufig angewendet. Zum letztenmal ist von ihm in den RathauSprotokollcn des städtischen Archivs vomJahre 1781 die Rede: „Am 28. Februar wurde eine Frau wegen ärgerlichen, lästerlichen Redens zum Klapperstein condemniert."— Technisches. — lieber einen Ersatz de? Platins in Glüh- l a in p e n schreibt Ingenieur M. Heinze in der„Elektrizität": Der wertvollste Bestandteil einer Glühlampe ist bekanntlich das Platin, welches bei den Lampen in den Zuleitungsdrähten Verwendung findet. Man ist gezwungen. Platin zu verwenden, weil erstens Platiudrähte in Glas eiugcschniolzen werden können, ohne daß das Glas nach den, Erlalten springt(toeil Glas und Platin annähernd denselben Ausdehnungskoesfizienten haben) und weil andererseits der Glasfluß sich infolge der Nichloxydierbarkeit des Platins bei hohen Temperaturen leicht mit dem reinen Metall verbindet und so den gewünschten luftdichten Verschluß bilden kann. Platin ist bekanntlich ein teures Metall, und locnn man auch nur kleine Stückchen bei jeder Glühlampe verwendet, so repräsentieren dieselben doch immerhin noch einen Wert von zirka 23 Pf. und dieser Preissatz ist je nach den Schwankungen des Plaiiiinprcises gewissen Schwankungen nach unten oder oben hin unterworfen. Ein Ersatz des Platins könnte also die Glüh- lampenpreise wesentlich herabsetzen. Es kann dies als eine Aufgabe betrachtet werden, deren Lösung die Technik immer näher rückt. Aus den Gründen, welche für den Gebranch des Platins bestimmend find, ist es leicht einzusehen, daß diese Aufgabe auf zwei Wegen ge- löst werden kann; entweder man schafft sich eine Legierung, welche denselben Ausdehnungskoeffizienten wie das Glas hat, oder man präpariert einen geeigneten Kitt, welcher das GlaS mit dem Metall luftdicht verbindet. Die Versuche, das Platin durch Notizen. — Der Schauspieler Albert Heine, der für die nächste Spielzeit vom Wiener Burgtheater weg ans Deutsche Theater engagiert worden war, kehrt zum Schauspielhause zurück.— — Die Morwitz-Oper eröffnet ihre diesjährige Spielzeit am Schiller-Theater 0. am 17. Juni.— — Bizets„Carmen" wird am 3. Juni für die Opern- bühnen frei.— — Spielhonorare. Die ersten Kräfte der Wiener H o f o p e r sind im allgemeinen besser gestellt, als ihre Kollegen an anderen Theatern. Einen großen Teil ihrer Einnahmen bilden aber die Spielhonorare. Erkrankt nun ein Künstler oder wird er wenig beschäftigt, so fällt dieser Teil der Einnahmen fort. So können unter besonders ungünstigen Verhältnissen bis zu zwei Drittel des Gesamteinkommens ausfallen. Das hat die Künstler in Harnisch gebracht. Am Dienstag hielten sie eine Versammlung ab. Zu den alten Bedingungen soll kein neuer Vertrag mehr abgeschlossen werden.— — Der Bildhauer Heinrich Epler, Professor an der Dresdener Kunstakademie, ist g e st o r b e n. Eine Wiedergabe seines Hauptwerkes„Zwei Mütter" brachte die„Neue Welt" im Jahr- gang 18S9, Heft 45.— — Nach einer in der„Revue" vorliegenden Stattstik betrug der Wert der Kun st werke, die im Jahre 1902 in den B e r- einigten Staaten eingeführt wurden, 20 094 890 Fr. und es wurden 4 518 980 Fr. Zoll dafür gezahlt; für 1903 waren die entsprechenden Ziffern 13 939 320 Fr. und 2 787 865 Fr., für 1904 14121225 Fr. und 2 824 245 Fr.— — Die Zahl der Ruthenen. Die Ruthenen(Ukrainer. Kleinrussen, Russnjaken) gehören zwei Staaten an: Rußland und Oesterreich-Ungarn und bilden gegenüber ihren Nachbarn, den Polen und Großrussen, einen wohl gekennzeichneten slawischen Stamm. In der „Ruthenischen Revue" wird ihre Anzahl für den Beginn des 19. Jahr- Hunderts mit 12 300 000 Köpfen berechnet, während sie 1900 auf 28 000 000 Seelen angewachsen waren, von denen rund 24 000 000 in Rußland, 3 000000 in Galizien, 300000 in der Bukowina, 430000 in Ungarn und 250 000 in Amerika lebten.— — Von dem Astronomen W. Pickering, Direktor des Observa- toriums des Harvard College(Cambridge, Nordamerika) ist ein neuer, der zehnte Mond des Saturn entdeckt worden. Seine Um- laufszeit beträgt 21 Tage, er steht also 1'/, Millionen Kilometer vom Hauptkörper ab.— — In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend der vergangenen Woche fand in der Schweiz und in S a v o h e n ein ziemlich starkes Erdbeben statt. In Argentiäre(Savoyen) entsprang infolge des Bebens dem Boden plötzlich eine ganz neue, starke Q u e l l e, die sich in die Arve ergoß und diesen Fluß merklich zum Anschwellen brachte.—__ Di« nächste Nummer des UnterhaltungsblatteS erscheint am Sonntag, den 7. Mai.__ Verantwortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.VerlagsanstaltPaul Singer L-Co., Berlin SW,