Ur. 269. Adennements-Kedingungra: SbonnementS-Pr«t» pränumerando: vierteljährl. 3.M M!., monall. l.loMk., wöchentlich 28 Pfg. frei in« Hau& ikinzelne Nummer 5 Pfg. Sonnlag«, Nummer mit illuNrierier Eonniag«, Beilage„Die Neue Welt" K> Pfg. PostAbonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- geilung«- Preisliste fiir 1890 unter Er. 7890- Unter Kreuzband für Deullchland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland s Mar! pro Monat. 16, Jahrg. Erscheint täglich nutzer Montag«. Devliner Volksblstt. Die Inftrtwns- Gebühr beträgt für die fechsgelpaltene Kolonsl- zeile oder deren Raum iO Pfg., für politische und gewerkfchaftlichePereins- und BersammlungZ- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anfeigeu" jedes Wart S Pfg. ldciipabi«re günstig beelnflnjste, alK diese ein dehnbares Hanfs«» >nonv für die Steigerung der Aktien der Eisen- luerke, Schiffsbau- An st alte» und Maschinenfabriken bildete, Wenn wir im AngeiMch die in die kritische Zeit fallende Nummer der„Baff, Ztg," zur Hand hätten, fo würde sich auch ans den Börsonderichten dieses Blattes selbst ergeben, dast die in Sicht stehende Flvticnborlage in der That die Kurse stark nach oben becin- flnssi hat. Wenn nun nach so und so viel Tagen die„Voff,-stg." mit der Parole kommt:„Es liegt nichts darin", d. h, die Klotten» Vorlage hätte keinen Einflnff ans die Börse gehabt, so lügt sich eben die„Voss. Ztg." in ihren eigenen Sack.— Kaual-Vortrag. Die Minister v. Miquel, Thielen. Brefeld und Freiherr v. Hammerstein sollen am Mittwoch vom Kaiser zum die Kanalvorkage befohlen wo''' Vortrag über Lebt denn Marinepliinen. die Kanalvorlage noch? worden sein. Wir krbcn doch jetzt in Schlaget d-rber! heftiger! Nehmet den Knüttel! Dieses ist allenfalls die Philo- Mannes, der Holz zu Markte als Immer s o p y i e e» n e l f ü h r e t." Dies« Knüktrl-Philosvvhle est, es Mannes, d«r Hqlz zu Markte führet, ist heute nach 12» hahrcn, im Zeitalter derZuchthan�avIagc der Inbegriff regierender Staatsweisheit, Man sieht, d Mehrheit hat e« kraft ihres EtntsrcchtS in der Hand, an diesem Gebiet eine ausgleichende Gerechtigkeit zur Geltung zu bringen." Diese anSglcichcnde Gerechtigkeit würde wirksamer geübt werden, wenn durch die Einführung einer progressiven dircltcii„Reichs- rüstungSstcncr" Militarismus und MariiiiSnmS bezahlt werden müßten.— Genosse Zllbert Schmidt, der wegen MajestätSbeleidignug drei Jahre lang im Gefängnis ausharren muß, ist niit 1980 Stimmen bei den Stadtverordneten wählen in Magdeburg wieder in den Besitz des ihm gerichtlich aberkannten Mandates gelangt. Er erhielt die höchste Stimmenzahl, die überhaupt abgegeben worden ist. Ein gutes Vorzeichen für die ReichstagSwnhl I— Untcrnchmer-TerroriömnS. Der Ring der SpirituSfabrikonten, welcher mit dem 1. Oktober seine Geschäfte begonnen hat, beherrscht augenblicklich den SpirituSmarkt nahezu vollständig und mit � tyrannischer Gewalt, So sind, wie die„Fraub furter Zeitung" berichtet, einige Finnen, die in einer Ver> sannnlimg in Frankfurt a, Main am 30. Oktober gegen die Riilgbcstrebungen in einer Resolution Stellung nahmen, mit Straf Prämien durch die SpirituSvcrwcrtungS-Gesellschast bedacht worden, die in der Wirkung einem Boykott gleichkoinmen. So wurde einer Firma mitgeteilt, daß. wenn sie sich nicht den, Ring anschließe, sie Spiritus mir mit 3 M, U«b erPreis bekommen könne, ZuchthanSvorlage gefällig?— DaS Postregal. Gegen die„Mecklenburgische VolkSzeitling hatte die Ober- Postdircktiön in gemacht. Der Verlag wurde der Post Gelder hinterzogen, Orten an die Expedienten in selbst vom Postami bis in die anders als durch die RcichSpost, Schwerin eine Klage anhängig beschuldigt. er hätte dadurch daß das Blatt nach einzelnen Postpaketen gesendet und da- Wohnungen der Einzclabomienteu nämlich anstatt durch Briefträger durch Boten der Expedienten befördert werde. Das Amtsgericht in G ü st r o lv hat nun den Antrag der dortigen Staatsanwaltschaft, gegen den Verleger dcS Blattes und den Inhaber der Giistrower Privatpost, dem der Güstrower Expedient daS AuS- tragen übertragen hat, wegen Uebertretung des PostzcitungS-GesctzcS ei» Strafverfahren zu eröffnen, abgelehnt. I» dem Gerichtsbeschluß wird ausgeführt, daß in der Art und Weise, wie die in Güstrow abonnierten Exemplare noch Güstrow hinbefördert und daselbst aus- getragen würden, ein Verstoß gegen irgend ein Gesetz absolut nicht zu erblicken sei. Der Verlag hat zugleich an die Reichstags- Abgeordneten eine Petition abgesandt und darin den Wunsch ausgesprochen, es möge in das neue Post-Zeitungsgesctz die Bestimmung aufgenommen werde», daß die Neichspost nicht berechtigt ist, zu verlangen, daß innerhalb eines Ortcö durch die Post dorthin beförderte Zeitungen nur durch Briefträger ausgetragen werden dürfen, sondern daß es vielmehr jedermann im Deutschen Reiche freisteht, in seinem Wohnort unentgeltlich oder gewerbsmäßig durch die Post ver- schickte Zeitungen sowohl an Wochen- wie an Sonntagen zu den für den Gewerbebetrieb freigegebenen Stunden auszutragen. In diesem Sinne hat bereits die socialdemolratische Fraktion einen Antrag zum Postgesetz eingebracht.— Dke Politik der Strafe. Ein Elbcrfelder Lokalblatt citiert auS einem alten Kommentar zu dem berühmten Strafrcchtswcrke des Bcccaria von dem Leipziger Professor Hommel(Breslau 1778) folgende Stelle: „ES verrät Mangel an Einsicht, wenn man durch nichts als Erhöhung der Strafen das Uebel zu dämpfen sucht. Ein Dieb weiß, daß er gehängt wird, aber er trauet seinem Vorstände, daß er sich nicht werde ertappen lassen, und ohne diesen Umstand hänget man niemand. Demjenigen, der einen Dieb will hängen sehen, rate ich wohl meynend, die Taschen zuzuknöpfen und die Uhr im Hause zu lassen. Denn cS wird unter dem Galgen gestohlen, welches nicht möglich wäre, wenn die Härte und sichtbare Strafe etwas abzuhalten im stände wäre. Wahrhaftig, wenn in Erhöhung der Strafe die Kunst der Re- gierung bestände, so könnte jedem Dorfschulzen da« Ruder anver- traut werden. Ich will, was ich hierbei denke, recht offenherzig durch folgendes Beispiel erläutern: Einer, der nicht reiten kann und doch reiten will, bekommt ein störrisches Pferd. Er schlägt eS fast zu Tode. Aber jemehr er den Stock gebraucht, jemehr geht es hinterwärts. Der andere, welcher die Kunst verstebt, wie man Pferde regieren soll, und ihre Unarten kennet, stehet dabei. Du bist ein einfältiger Manu, saget er zu dem Reiter, und verbindet dem Pferde die Äugen. Run gehet es wie ein Lamm ohne Prügel und Sporen. Eben so viel kommt darauf an, daß ein Regent sein Fuhrwerk versteht und den Ursprung des UebelS wisse. Denn eher wird er ihm nicht abhelfen. WaS soll man wohl also von fürstlichen Räten oder Rechtsgelehrten denken, die, wenn daS Gesetz dem Verbrechen nicht steuert, weiter nichts zu sagen wissen, deutschen Konsul soll die Wahrnehmung der Rechte des in Lübeck verheirateten Maschinisten übertragen sein.— Weimar» 11. November. Die vom Abg. Baudcrt dem Land- tag überreichte VcrsannntunaSrcsolntlon, in der gegen die behördliche ?andhabnng des Vercinslvesens protestiert wurde, ist demselben vom andtags-Vorstand znrückaegeben worden. Und zwar ans dem seit- sanien Grunde, weil die m der Resolution vorkommenden Worte, „mit s ch a b l o n e nm ä ßi g e r Begründung" würden die Versamnikuugen verboten, eine Welcidigiing der Negierimg eut- hielten. Der Landtags-Vorstand dcS Wcimarschcn Läiidcyens scheint cS mehr als seine Aufgabe zu betrachten, die Empfindlichkeit der Regle» rung als die Rechte des Volkes zu schützen.— Miinchcn, 14. November. lEig. Ber.) In der Specialdiöknssion berief sich heute Genosse Adolf Müller ans eine jüngst erfolgte Werwaltunasinahnahme zum Beweise, daß der Ausdruck„Klassen- iustlz" sich thatsächlich durch die Verhältulste rechtfertigt. Durch das Hervorgehen der Juristen aus der Bourgeoisie sei eine Entfremdung mit dem Volke emgelrctcu und die Rechtsprechung finde immer Weniger Anklang beim Volke. Beim letzten Justizschub sei eine merkwürdige Erschoiliung zu Tage getreten, die prinelpielle Bedenken erwecken muß. Es scheine wohl, als ob man nach preußischem Muster gewillt sei, eine bevorrechtete Staats» nwalrS- k o st e zu schaffen und Richter, die nicht Staatsanwälte waren, zu Richtern zweiter Klasse zu dcaradiercii, wodurch eine große Un- zufriedenheit hervorgerufen Werve. Jnstizininister V. Leonrod suchte vergeblich diese Beschwerde alz unbegründet zlinickzuweiscii.— Slnfstaud in Kaniern». Die früheren, dann abgelcngnctcn Meldungen über neue Kämpfe im Hinterland von Kamerun werden imn doch bestätigt. Der Tod des Lieutenants v. Q u e i s, des Sohnes des konscrvätiven Reichs- tags-Abgcordneteu, ist durch das Kolonialamt festgestellt worden. Ein Londoner Telegramm dcS„B. T." schildert die Situation also: Der Ansstand der Eingeborenen in P a t a n g a und K r i b i ist all- gcrnciu und sehr ernst. Die Eingeborenen sind vom kriegerische» B ,l l i st a>u in. Alle deutsche» und englische» Faktoreien ganz nahe an der Küste sind geplündert. 2000 Eingeborene aus dem Jiiucril drallgcu bis B a t a n g a vor, konnten aber, da sie ohne Boote waren, den Fluß nicht' überschreiten, was das Leben oer weißen Kolonisten in Batanga rettete. Der amerikanische Missionar Ford, welcher viele Buli-Häuptlinge kennt, ivollte diese überreden, ins Innere zurückzugehen, wurde aber beschosicn, als er über- setze» wollte. Die Kolonisten verlangen die schleunige Entsendung von Tnippen.— Ausland. dcS und wir der Die Ffrankreich. Die Kammerdebatte am Mittwoch bedeutet einen großen Er folg der Stegicruug gegenüber den nationalistischen Schreiern und ocii Melincscheii Jntriglleu. Besonders hatgdas erste Austreten KriegSiuiuistcrS G a l l i f f e t die Reihen der Nationalisten Monarchisten schwer erschüttert. Galliffets AnSführungen. die gestern nur kurz im Depeschentcil wiedergaben, lauten nach Kölliischcn Zeitung": Er protestiere gegen die Worte Lastet: Armee habe nicht das Recht, zu sprechen.(Wiederholter Beifall auf einer großen Anzahl von Bänken.) Er bedanre keine seiner Maßnahmen. Er trage auch ganz allein die Vcrailtwortling, er allein habe alles vorbereitet und verfügt, und er würde es ge- gebe neli falls aufS neue thun. Die emzeliien Fälle sind 'olgeude: Ich habe einen Offizier gcmaßregelt, der d,e Diseiplinlosig- feit eines Mitgliedes der Universität verherrlichte, das war mein Recht. (Finnin Faure unterbricht heftig und wird zur Ordnung gerufen mit Einschreibung ins Protokoll.) Balliffet: DeSmichelS hatte sich erlaubt,«ine Tagesordnung zu erläutern, die er nur vor- zulefen hatte— er wurde gemaßregelt. Mehrere höhere Offiziere wurden versetzt, weil sie in einer Lage waren, wo sie leicht Uilvorfichtigkeitcn hätten begehen können. Der Oberst Saxcb wurde versetzt, weil er den ÄriegSmiuister in einen Privatstreit hineinziehen wollte.(Lärm rechts, Beifall links.) General R o g e t 'prach gut, aber er redete zu viel(Heiterkeit und Beifall linkö), General Hartschmidt sprach uilvorsichtige Worte. Da er ein ausgezeichnetcr General ist, wurde er auf einen vorgeschobenen Kampfposten versetzt. General N e g r i e r(mehrere Stimmen rechts: ES lebe Negrier!) hatte einen Oberst beauftragt, seinen Ofsiziercii mitzuteilen, wenn die Negierung nicht handle, würden die Mit- glicocr des obersten KriegSratS haudeln. Das heißt Haß lmd Ver- achtuug gegen die Regierung predigen.(Beifall links.) Ich habe von Negrier Erklärungen gefordert; er wiederholte seine Berufung auf den Kriegsrat. Damit trat er auS seinen Rechten und Pflichten heraus.(Lebhafter Widerspruch rechts.) Ich habe darum 'eine Bestrafung vorgeschlagen. Der oberste KriegSrat ist deshalb nicht zusammengetreten, die Mitglieder desselben wissen, daß sie in Friedens- zeiten nicht Werzeuge des Unfnedciis, sondern der Arbeit sind. (Beifall links. Laroche-Jouvcrt, der dem Redner zuschreit: Und Sie ind das Werkzeug der nationalen Desorganisation! wird zur Orb- ilung gerufen. Grandmaisou ruft ans: Sic wollen nur die Verzeihung der Kommune erlangen!) G a l l i f f e t fährt in seiner Rede fort: Ich empfinde iveder Bedauern noch GewisienSbisie wegen meiner Handlungen. Wa» Zurlinden aiilangt, so hat die Regierimg nicht geglaubt, ihn in Paris behalten zu sollen, sie bot ihm daS 19. Armeecorps an, was Zurlinden jedoch ablehnte. Die Generäle Herv«, Giovaninelli, Pierron und LangloiS wurden versetzt oder erhielten andere Aemter. DaS Kriegsgericht in Rennes arbeitete in vollständiger Freiheit. Ich habe mich sogar chwach gezeigt, indem ich von meinen Rechten dem Negierungs- kommiffar gegenüber, obgleich er mein Agent war. keinen Gebrauch machte. Niemals habe ich einem Prätendenten meine Hilfe angeboten, damit er das Amt an sich reiße, daS die Regierung bekleidet. Man sagt, ich hätte die Beleidigungen gegen die' Armee geduldet. Man weiß aber doch, daß daS Gesetz mich in dieser Beziehung machtlos läßt. Man hat mir meinen Tagesbefehl vorgeworfen, ich würde ihn gegebenenfalls wieder erlassen. Auch meine Rede ain Sarge des Generals Drault hat man bemängelt. Konnte ich als Ehrtst am Sarge eine? Ehristen anders sprechen, als ich es gethan habe?(Sehr gut! auf mehreren Bänken.) Galliffet schließt: Ich bin Ar die Manneszucht im Heere verantwortlich, meine Handlungen 'prechen silr mich.(Beifall im Eentrum und auf mehreren anderen Bänke», die Recht« lärmt.) Holland. Wahlrcchtsbcwegnng. Die Socialdemolratische Arbeiterpartei hat die. Initiative ergriffen zu einer Bewegung für das allgemeine Wahlrecht. Aus einer Souiitag in Amsterdam abgehaltenen Dele- gierteilversamiiiluiig wurde ein Niederländisches Komitee für das allgemeine Wahlrecht ksüstssuiert. Zweihundert Organisationeii waren durch Delegierte vertreten. Das Komis«« wird gebildet aus Wer- tretern unserer Partei und lveitxr des Soejalisteubundes, des Radikalen Bundes, dcS Vereins für Fraueuwahlrecht, des Ejgarren- arbeiterbundcs, dcS Typographcnbundes, des Konsekiionsarbeiter- b, nidcs usw., während noch verschiedene Gewerkschaften unzweifelhaft nachkommen werden. Beschlossen ist, bei den Wahlen von 1901 eine Wahlorganisation für diesen Zweck zu entfalten. Italien« Rom, Ist November. Depntiertc»?gmmer. Zum Priistdevten wurde derRegierungskandidptEolombp mit 198 Stimmen gewählt; die Opposition stimmte für Biancherie, welcher 179 Stimmen erhielt. Die Majorität der NegiernugsMteieu ist also sehr gering und kauil leicht umschlagen.— Asien. _ Srmordnng zfv»ler französischer Offiziere. Admiral Courre- jolleö telegraphiert aus Kwaiigtaulchwail: Zwei Ltstzierc von der Station Montas, die sich unvorsichtigerwcise auf das jenseitige Ufer des Flusses begeben hatten, wurde» von den Chiliese» ermordet. Esurrejolles nahm den Präfckte» von Haina» gefaugen und bemächtigte sich ctnes chinesische» Kanonenboots. Der fran- zösische Gesandte in Peking erhielt den Befehl, von dem Tsiingliyamen zu verlangen, daß die Verantwortlichen Behörden zur Rechenschaft gezogen und die Schuldigen bestraft würden. AuS Tokio Wird den„Times" vom 14. d. M. gemeldet: Das Gerücht von clner Reibung zwischen Rußland und Japan ist unrichtig, da gegenwärtig teme internationale Frage zwischen den beiden Ländern besteht. Allerdinas gab es kürzlich einige Er- regung, welche mit japanischen Landkäufen im Zusammenhang stand,' die über den Kopf Rußlands hinweg in Masampo(Korea) erfolgt1 waren, aber dies waren rein private Geschäfts, welch« die japgiiische Regierung i» keiner Weise berührten.—■ lieber den Parteitag in Hannover berichtete Auer in einer Parteibersaniinlung in Meerane in Sachsen. Er verbreitete sich in anSfiihrlichcr Weise über die Bernsteinfrage. Seine Stellung zu Bernstein faßte er in die Worte zusammen: Meine Stellung zu Bern- stein ist die, die Kautsky ans dem Stuttgarter Parteitage eingenommen hat. Ich teile die Anschauungen Bernstem» nicht. aber wir könne» ihm für seine Kritik dankbar sein. Eine Debatte koniite nicht gepflogen werden, da die Versammlung wegen Eintritts der Polizeistmidc geschloffen werden mußte. Die Versammlung be- kündete jedoch ihr Einverständnis mit den Ausführnngen deS Redners durch lebhaften Beifall. Parteiversainmliingen in Durlach und in Lörrach erklärten sich mit den Beschlüssen deS Parteitages einverstanden. Auch eine solche in M ü ii che», in der die Delegierten ebenso wie Genosse Wollmar sich über verschiedene persönliche Vorgänge auf dem Partei- tage aussprachen, erklärte sich mit dem Verhalten ihrer Delegierten einverstanden. Bei den Stadtverordneten- Wahlen in Schmölln(S.« A.) siegten unsere Knudidateii mit großer Majorität über die vereinigten Gegner. Die Liste der Socialdemokraten erhielt 120. 11V und 112 Stimmen, während die Gegner es nur auf 46, V0, 60 Stimmen brachten. Die bremischen Parteigenossen veröffentlichen ibr Programm zu den Bürgeischaftswahlen. Es fordert das Wahlrecht zur Bürger- schast auf der Grundlage unseres Parteiprogramms und unter Be» scitigung der Bcscbränkung auf vereidete Bürger. Dann einjähriges Budgctrecht. Beseitigung der Privilegien des Senats. Trennung der bremischen Gemeindeverwaltung von der Staatsverwaltung, Besetzung aller städtischen Aemter durch direkte Wahl. Aufbringung aller öffent- lichen Gelder durch direkte Einkonnncn- und Vermögenssteuer, Ver» staatlichung des ganzen Transportwesens, der Hafeuai, lagen, Dock», Lagerhäuser, der Srraßenreiuiguug, des Abfuhrwcscns zc. Für alle staatlichen Arbeiter Gewerkschaftslöhne oder Minimallohn von 4 M. per achtstündigen Arbeitstag und Ferien. Weiter verlangt es nnbeschränktes KoalitionSrecht für alle Arbeiter und Beaniten, Errichtung einer Slrbeitskammer mit unent- goltlichem staatlichem Arbeitsnachweise. Beseitigung der Gesinde- Ordnung. Verstaatlichimg des Armenwesens, Verbesserung des Schul- iveseuS mit Speisung und Bekleidung der Schulkinder, und stellt ferner eine Reihe hygienischer Spccialforderungen auf. Außerdem wird gefordert, daß die Bürgerschaft das Recht habe, dem Vertreter Bremens im Bundesrat Aiiweisuiigen für sein Verhalten zu geben. Hätte Bremen das gleiche Wahlrecht, dann müßten d,« Forde» rungen der Socialdemokratie erusthast berücksichtigt werden, denn bei den ReichstagSwahlen ist sie der Mehrheit der abgegebenen Stimmen ziemlicki nahe gekommen. Unter dem gegenwärtigen Wahl- recht wird eS aber noch lauge dauern, ehe sie sich den ihr gebührenden Einfluß erzwungen haben wird. Laudagitation. Im Wahlkreise Reichenbach- Neurode wurde« an den letzten beiden Sonntagen 8000 Agitationskalender verteilt. Wie sich die Zeiten ändern. In Eisenach feierte am Sonn- tag der socialdcmokratiscke Berein sein zehnjähriges Stiftungsfest. Bei dieser Gelegenheit wurde ei» interessantes Aktenstück mitgeteilt Als der Verein im Herbst 1889 unter dem Namen Volksverein be» gründet wurde, reichte er sein Statut jetzigen Bezirksdirektor Dr. Eucken ein. Antwort: Dem Vorstand deS VolkS-Verein hier ist ein Stück des vor» gelegten Statuts nach Kenntnisnahme mit dem Bemerken zurück- zugeben, daß es einer besonderen Genehmigung meinerseits nicht bedarf und daß ich dem Verein einen gesunden Geist und eine dcmentsprechende Eutwickelung wünsche. Eisenach, den 30. Nov. 1889. Der Vorstand der Residenzstadt Der Oberbürgermeister Dr. Eucken. Heut erfreut sich die Socialdemokratie in Sachseu-Weimar einet Verfolgung, um die sie selbst die königlichen Sachsen beneiden können. Totenliste der Partes. In Mannheim starb am Montag der Stadtverordnete Genosse F. A. Sattler, der seit langen Jahren hervorragend für die Partei thätig gewesen ist Am gleichen Tage starb in Tanna in Thüringen der Genosse G. Spranger nach langem schweren Leiden. Auch er hat stets feine Kraft in den Dienst der Partei gestellt Amsterdam» Ib. November. Wie schon gemeldet, war unser Genosse Troelstra verklagt wegen absichtlicher Beleidigung des Staats- anwalts beim Leeuwarder Gericht, des Grafen Schnnmelpenninck, welche Beleidigung er begangen hatte, um bei der gerichtlichen Verhandlung einig« Zeugen, weiche oie Unschuld der Brüder Hogcrhuis bestätigen konnten, unter Eid vcrnehincii zu lassen. Das Urteil des Haagcr Gerichts lautete auf Freisprechung. Jetzt hat aber der Gerichtshof Troelstra in der Berufungsinstanz eine Gefängnisstrafe von einem Monat auferlegt. Dieses' Urteil findet auch bei einem großen Teile der liberalen Presse Mißbilligung. Der Kasfationshof, der Hohe Rat, wird noch zu entscheide» haben. bei dem Oberbürgermeister, Darauf erhielt er folgende GeivvvksrlZttfMchvs. Berliu«nd»tuiaxgrud. Achtunk. Koftümschneidev! Ueber die Airmq Löwe, Koch- straße SS, früher M?,ierstr. 26, ist wegen Verlängerung der Arbeits- 5cit die Sperre verhängt worden. Die Hrfiverwoltung des Verbandes deutscher Schneider. Deutsches Reich. Sl»s dem„Schwarzen Kabiuett" der KrihnemiiMe?.� Vor n»s liegt eine Anzahl„Schwarze Listen' des Metall- industriellen Verbandes. Diese.Rundschreiben', die an alle Ler- vandsmitglieder gesandt werden, stütze» sich auf den H LZ der Satzungen. Durch die Rundschreiben Nr. 26 und LI vom 14. Juns dieses Jahres werden die Mitglieder augewiesen, auf Antrag des vlberfelder und des Leipziger Vereins 52 bezw, 48 Former zu boykottieren. Am 15. Juni wird eine Fortsetzung der Leipziger Vsykottliste abgesandt, auf der weitere 15 Former ausgesperrt Werde». Am 14. Juni werden auherdem S ArbeiterberFirma Naeg elo, kgl. Hofwagen-Fabrikant in Stuttgart, durch das Rundschreiben Nr. 22 auf den Judex gesetzt. � Am 0. und 11. Oktober versenden die Tempergieberelbesitzer von Gevelsberg und M i l s p a in West- seile» Listen, durch die insgesamt 89 Former der Aushungerung uherantwortet werden sollen. Die letzteren hatten die Anfertigung Leipziger Streikarbeit verweigert und schließlich ihre Kündigung eingereicht. In der Resolution, welche die edlen Unternehmer der genannte» zwei Orte annahmen, ertönt natürlich auch das Lied von dem„Herrn u» eigenen Hause'. Wenn dem Verlangen der Arbeiter, die Leipziger Modelle nicht anzufertigen, nachgekommen würde, fo hieße das das„Bestimmungsrecht' in dem Betriebe' aufgeben rc. Gut! Nun kündigen die Former ordnungSgemüß! sie haben doch auch das Recht, diejenigen Arbeiten anzufertigen oder zn verweigern, die ihnen nicht passen oder nicht zusagen. Und doch werden sie in Verruf erklärt und— soweit wenigstens, als der Wunsch der Unternehmer dabei in Betracht kommt— monate langem Elend preisgegeben, damit sie mürbe werden und sich dem Unternehlncrtilin füge». Wir machen den Unternehmern daS Recht der„Schwarzen Listen' nicht streitig, wir verlangen ober auch freie Bahn für die Arbeiter: Warnen vor Zuzug ünd Streikposten ausstellen— daS sind die Mittel, von denen den a u s g i e b i g st e n G e b r a u ch zn machen den Arbeitern erlaubt sein mutz, wenn nicht das Koalitivns recht ein leerer Schein sein soll. Selbst, wenn hierin die größte Freiheit herrscht, bleiben die Unternehmer mit ihren geheimen Verfemungen und sonstigen Mitteln weitaus im Vorteil. Soviel ist zweifellos: Wer in so rigoroser Weise von seinen Kampfmitteln Gebrauch macht, wie unsere großindustricllen Scharf macher, der hat das Recht verwirkt, über Terrorismus sich zu entrüsten und nach Ausnahmegesetzen gegen die um Besserstellung 'chrer Lage ringenden Arbeiter zu schreien. Die Petition der Hirsch-Dunckerschc» Gewerkvereine gegen die Znchthanövorlage ist dem Bureau des Reichstages zugestellt worden: die Zahl der Unterschriften betrug 60 444. Der Streik der Abbrucharbeiter in Hamburg hat größere Dimensionen angenommen. Gegenwärtig streiken 106 Mann niit 203 Kindern. Fast alle Arbeiter haben im Laufe der Woche die Arbeit eingestellt. Nur ganz vereinzelt besitzen die Unternehmer einen, höchstens zwei ihrer alten Leute(sog. Bicen). Die Ursachen des Streiks sind folgende: Vor ca. 6 Wochen sandten die Arbeiter ihren Lohntarif an die Unternehmer mit dem Ersuchen um ge- fallige Rückäußerung. In diesem Tarif war für Abbruch arbeiter ein Lohn von 50 Pf. pro Stunde vorgesehen(bis jetzt wurde von 35—45 Pf. pro Stunde gezahlt), neben diesem war auch eine Arbeitszeit, wie sie sonst im Baufach üblich ist, vorgesehen. An eine Rückäußerung dachten die Unternehmer aber nicht. Auch die versuchte persönliche Rücksprache wurde abgeschlagen, die Mitglieder der Lohnkommisston entlassen. Die Unternehmer versuchen nun überall ArbeitSlräfte zu erhalten, sogar durch Anschlag an öffentlichen Landstraßen, bisher nur mit geringem Erfolg. Der Zuzug von Bauhilfsarbeitern nach Hamburg ist auf das strengste fernzu halten. Ausland. Der Streik der italienische» Arbeiter beim Bau dcS Siinplontnnnels ist so begreiflich, baß man sich nur wundern muß. wieso es so lange dauerte, bis die Arbeiter endlich gegen die ganz schlimmen Arbeits und WohnungSvcrhältnisse rebellisch wurden. Es waren ursprünglich für die Arbeiter Löhne von 3 Fr. 60 Cent, bis 4 Fr. für Mineurs, 3 bis 4 Fr. für Maurer und 3 Fr. 70 Cent, biß 4 Fr. für Schmiede vorgesehen. Statt dessen gefällt sich die Unterfirma Maternini in Auszahlung weit niedrigerer Löhne. Sie bezahlt für ISstündige Arbeit im Maximum 3 Fr. 50 Cent., viele Arbeiter verdienen nur 2 Fr. 30 Cent., also noch nicht einmal 20 Cent, per Stunde, und dazu giebt eS Arbeiter mit Nachtschichten. die nicht mehr als ö Fr. für 12 Stunden beziehen. Es ist nicht zu verwundern, wenn alle Arbeiter klagen. Die Firma sagt alsdann: „So geht doch, wenn Ihr wollt'. Einer geht— zwei andere ivarten darauf, ihn zu ersetzen. Die Arbeiter müssen sich bei ihrer Thätigleit mit Laternen versehen; für deren Oelbedarf sie selbst aufzukommen haben, für eine Schaufel, die sie von den Unternehmern beziehen, berechnet ihnen die Firma 1 Fr. 30 Cent. Ganz unverschämt verhält sich übrigens auch ein Teil der Walliser Bevölkerung gegen die Arbeiter. Diese suchen— so sagt der Mailänder„Sccolo'— den größten Profit aus den„Touristen des Elends' zu ziehen. Die Nahrungsmittel haben sich stark verteuert, so daß die Arbeiter keinen roten Rappen von ihrem Verdienst beiseite legen können. Das Petroleum kostet das Doppelte, das Holz muß fast mit Gold aufgewogen werden, und die Wohnungsmicte beträgt 25, 30, ja 45 Fr. pro Monat. Man muß diese Wohnungen gesehen haben! Es sind feuchte Zimmer zu ebener Erde, voll von'Staub und Schmutz, in nächster Nähe der Jauche- und Mistgruben. In diesen alten Verschlügen pferchen sich die Italiener ein: vier, sechs, zehn, zwanzig in ein Zimmer, zu zweien oder dreien in einem Bett. Auch das Essen ist in keiner Weise geregelt. Einige Gruppen kochen selbst und beziehen die Konsumartikel gemeinsam von der Firma Maternini, die übrigens die Preise, wie sie jetzt üblich sind, fordert. Andere— und das ist der größte Teil— benutzen die von dem Unternehmer eingerichteten Küchen, wo sie für 30 und 80 Cent, den Morgenkaffee und die Minestrie zn Mittag und Abend er- halten. Ans allen diesen Gruben befinden sich die Simplon-Bahnarbeiter in einer jeder Menschenwürde hohnsprechenden Situation. Mit Schuhe» voll Wasser kommen sie von der Arbeit, die Kleider kleben an der Haut, und iii einem solchen Zustande müssen die Armen nach Brieg hin- unterwandern, wo sie die Wirtschaften oder ihre schmutzigen und kalten Zimmer aufsuchen. Die bei dem Streik vorgekommenen Gewaltthätigkeiten ausländischer Arbeiter werden von der Scharfmacherpreffe weidlich ausgenützt, um für die geplanten Ausnahmegesetze gegen die deutschen Arbeiter Stimmung zu macheu. So benchten die „Berliner Neuesten Nachrichten" nach der als ultrarcaksionär bekannten „N. Zllr. Ztg.' wahre Schauergeschichten von den dort herrschenden Zuständen. Danach ist Mord und Totschlag an der Tagesordnung. Ein junger Italiener, der soeben über den Simplon gekommen sei und Arbeit habe suchen wollen, sei ohne weiteres nieder- geschossen worden; in den Versammlungen werde„Blut und Tod' gerufen. Inwieweit diese Schauernachrichten richtig sind, läßt sich bis jetzt nicht kontrollieren, die Quelle, aus der die �Neuesten' geschöpft, ist eine wenig saubere. Aber wenn auch alles zuträfe, was berichtet wird, so bewiese das nichts für die deutsche Zuchthausvorlage. Der Versuch der preußisch-deutschcn Reaktion, Verbrechen, die im Aus- land begangen, für Knebelgesetze gegen die deutsche Arbeiterklasse zu fruktifizieren, ist ebenso alt, als ungeschickt. Die Gewalt- thätigkeiten der italienischen Arbeiter würden, weim auch nicht zu entschuldigen, sp doch leicht zu erklären sein. Eine Erklärung bringt das Kqnonenbkstt. anscheinend recht widerwillig, j selbst bei, indem es schreibt: „Uebrigens verzeichnen wir nach dem obengenannten Schweizer Blatt auch die Meldung aus Bng, man bore i» der dortigen t... tm:».«.!«:----- � � Bauuntermhmung en sei, o. t' welche an der Halde im Freien während des Winters zu arbeiten haben, nur acht Stunden schaffen sollen.' Die schmähliche Ausbeutung, der sie unterworfen sind, macht sie erbittert gegen die Urheber derselben und auch gegen dl«, welche durch Weiterarbeiten ihre Anstrengungen für em besseres Loa« zu vereiteln drohen. Am meisten aber kömmt in Betracht, daß es sic hier um vollständig unorganisierte Elemente handelt. Organi- sierte Arbeiter führen den Kampf, den sie gut vorbereitet haben, ruhig, ohne Exzesse, und gestalten ihn so viel wirkungsvoller. Diesen wohl vorbereiteten, gut organisierten Kamp fürchten die Unternehmer am meisten, Geipaltthätigketten sind leicht nieder zu drücken. Eine Masse«a»»Ssverrqng von Dexttkarbeitern haben die Fabrikanten in Zwickau i. B. vorgenommen! es kommen 2000 Arbeiter in Frage. Die Arbeiter hatte» bi? Forderung dcS Zehn- stundeiitages gestellt. In dem größten Schuellfohlerei-Weschäft von Lang u. Steen in Zürich haben die ca. 10 Arbeiter die Arbeit«Inaestellt. Eine ihrer wichtigsten Forderungen ist die Redultian der täglichen Arbeits- leistnug von 10 auf 5—6 Paar Sohleret. Eine gemeinschaftlich von der Schuhmacher- Gewerlschaft und dem Schuhinachermeister- Berein einberufene öffentliche Schuhmacherversammlung beschloß, daß jeder Meister pro Woche 1 Frank zur Unterstützung der Streikenden bei- steuern soll. Dieser überraschende Beschluß ist auf den Haß und Kampf gegen die ruinöse Konkurrenz der Schnellsohlereien zurlletzu führen.___ Ans drv Iurnncnbrmegnng. Tie Assistentin der Gcwerbc-Jnspektion in Württemberg soll nach einer Meldung der„Irauenkorrespondenz' nicht die Ehefrau eines Fnbrikdirektors, sondern die Witwe eines solchen sein. Die Dame, Namens Marie Grüna«, sei bisher Diktatschreiberin bei der Kammer der StandvSherrcn gewesen. Damit würden ja die gegen sie erhobenen Bedenken zunächst wegfallen und es wäre abzuwarten, wie sie sich bewährt. Frauen im öffentlichen Dienste. In den Regierung«- Departements in Washington waren 1808 vierzig Prozent aller Angestellten Frauen. Während früher die Frauen fast ausschließlich leichtere Arbeiten zugeiviesen erhielte», macht man jetzt bei Zu- Weisung von Arbeit überhaupt keinen Unterschied mehr. In den letzten paar Jahren hat man Frauen sogar an die Spitze von Unter- Abteilunge» gestellt, und dieselben werden ganz zur Zufriedenheit der DcpartemcntschcfS geleitet. Bon den 70 000 Postämtern in den Vereinigten Staaten befinden sich etwa 7000 in den Händen der Frauen. Doch sind dies meist kleinere, von den 650 großen Postämtern werden nur fünf von Frauen geleitet._ Socwlvs. DaS Museum für Unfallverhütung scheint Herr v. Posa dowsky für eine ganz besondere That zu halten. Wie gestern die„Berliner Korrespondenz", so fallen heute auch die „Berliner Politischen Nachrichten' über uns her wegen der Kritik, die wir an dem Plane zu üben unS erlaubten. Hatte die„B. K.' Beschwerden darüber, daß wir uns bei unserer Kritik ihrer eigenen Worte bedienten, so machen uns die„B. P. N.' einen Vorwurf daraus, daß wir statt des schönfärberischcn offiziösen Ausdrucks„Museum für Arbeiter- Wohlfahrt" den richtigeren und weniger prätentiösen Ausdruck wählten, der auch an der Spitze unserer heutigen Notiz gebraucht ist. Unser Zweck soll sein, die Leser nicht erkennen zu lassen, daß es sich hier um eine Einrichtung von viel weittragender Bedeutung handle, welche einen Krystallisationspuukt für alle Bestrebungen auf dem Gebiete der Arbeiterwohlfahrt überhaupt bilden solle. Die„B. P. N." mögen verzeihen— wir wenden nicht gern so allgemeine Ausdrücke an, wenn wir nur von Einzelheiten reden; wollten wir von den PosadowSkyschen Bestrebungen auf dem Gebiete Arbeiterwohlfahrt reden, dann müßten wir selbstverständlich auch des Znchthausgesetzes gedenlen, das ja ein so integrierender Teil dieser Bestrebungen ist. Das haben wir im vorliegenden Falle nicht für nötig gehalten und deshalb nur von Unfallverhütung und nicht von Wohlfahrtsbestrebungen gesprochen. Die Durchführung des neue» JuvalidengcscheS verursacht noch eine ganze Anzahl geschäftlicher Maßregeln. In einer gemeinschaftlichen Sitzung der Vertreter beteiligter Behörden wurde gestern über die Geschäflsanweisung für die Vorstände der aus Grund des Jnvaldenversicherungs-Gesetzes errichteten Bersicherungs-Anstalten betreffend die Auszahlmigen durch die Post verhandelt. Der vor« gelegte Entwurf verfolgt den Ziveck, gemäß einer dahingehenden Resolution des Reichstags eine möglichste Erleichterung in dem Verkehr der Versicherungsanstalten mit der Postverwaltung und letzterer mit den Rentenempfängern herbeizuführen. Er sieht deshalb teils in der Rentenerhebung, teils in der OuittungSleistling«ine Reihe wesentlicher Vereinfachungen vor und fand, bis auf ganz untergeordnete Punkte, die allgemeine Znstinnnung. Der Vertreter des Reichs- Postamts teilte mit. daß die Reichs-Postverwaltung bestrebt sein werde, weitere Erleichterungen in der bezeichneten' Richtung namentlich auf dem Lande herbeizuführen, soweit nicht etwa die zur Zeit an- gestellten Ermittlungen die Unausführbarkeit solcher aus technischen Gründen ergeben würden. Nach offiziöser Meldung ist dem Bundesrate der Entwurf zn einer kaiserlichen Berordming zugegangen, welche in Ausführung des Z 110 Abs. 4 des neuen, am 1. Januar 1900 in Kraft tretenden ' iivalidenversicherungs-Gesetzes die Formen des Verfahrens und den leschäftsgang des Reichs- Bersicherungsamtes regelt. Die bis- heriae Verordnung hat zu Wünschen nach Aenderung keine Ver- anlassung gegeben. Der neue Entwurf unterscheidet sich von der letzteren' daher nur insoweit, als dies durch die im neuen Gesetze getroffenen und bei der Ausführung zu berücksichtigenden Modifikationen geboten ist. Er dürfte in kurzer Zeit im Bundesrate zur Erledigung gebracht werden. Banarbeiterschuh. Der Regierungspräsident in Erfurt hat ölgeude Verordnung erlassen: „Vom 15. November bis 15. März dürfen Stuccateur-, Putz- und Töpferarbeiten in Neubauten nur dann ausgeführt werden, wenn die Räume, in denen gearbeitet wird, durch Thüren und Fenster ge- chlosjen sind. Die nur vorläufige Anbringung dieser Verschlüsse ist 'iir genügend zu erachten.— In Räumen, in denen offene Cooks- euer ohne Ableitung der entstehenden Gase brennen, darf nicht gearbeitet werden. Solch« Räume sind gegen andere, in denen gearbeitet wird, dicht abzuschließen, sie dürfen vorübergehend von !ien die Coakskörbe beaufsichtigenden Personen betreten werden." Gevirtzks"Teilung. Der Kaufmann Richard Frank hat sein Dienstmädchen Johanna T i s s a t bekanntlich gezwungen, sich vor ihm völlig zu entkleiden und ihm dann mit einem Stock eine ganze Anzahl Schläge über das Gesäß verabfolgt. Frank sollte sich wegen dieser Roheit gestern vor der 131. Abteilung deS Schöffengerichts verantworten. Er gab die verübten Roheiten zu. entschuldigte sich aber mit der Ausrede, daß das Mädchen in seiner Abwesenheit vom Hause einen lieverlichen LebenStvandel geführt habe. Die Verhandlung mußte vertagt werden, da noch weitere Zeugen w der Sache vernommen werden sollen. Die Blutthat in Blumberg wird heute das Schwurgericht am Landgericht II beschäftigen. Der verheiratete Arbeiter Rehm aus Werneuchen hat bekanntlich am 23. Juki die 19 jährig» Auguste Fxädrich, mit der er ein Liebesverhältnis unterhalten hatte, dadurch ermordßt, daß er sie auf der Landstraße überfiel und ihr den Kopf abschnitt. Der Angeklagte wird vom Rechtsanwalt Fuchs verteidigt, Polizei und Axbeitervergniige». Auch in Lüneburg haben die Gewerkschaften ein Kartell geschlossen, dessen Aufgabe es ist. die Interessen der organisierten Arbeiter zu vertreten. Das Kartell hielt nun eines Tages im Lokal des Gastwirts G. ein Vergnügen ab, das sich der besonderen Aufmerlsamkeit der Polizei zu erfreuen hatte. Man hott« mit Rücksicht auf den Charakter des Festes es für überflüssig gehalten, die nur für ö f f e n t l i ch e Tauzlustbarleiten vorgeschriebene polizeilich» Erloubnis nachzusuchen. Die Behörde be- dachte G. als den Inhaber des Lokals mit eiuem Strafmandat. Sie machte geltend, daß es sich hier um eine öffentliche Tanz- lustbqrkoit handele, und daß G. deshalb gemäß der entsprechenden Vorschrift in einer Regierungs-Polizeiverordniing vorher um die polizeiliche Erlaubnis hätte einkommen müssen. G. beantragte richterlich« Entscheidung. Er bestritt, daß das Vergnügen ein ösfeiitliches gewesen sei, und führte noch aus. er wäre selbst dann Nicht strafbar, wenn man es im vorliegenden Falle wirklich mit einer öffentlichen Lustbarkeit zu thun hätte. Er habe ja nur den Saal hergegeben und sei bei der V e r a n st a l t u n g an sich ganz un- beteiligt. Schöffengericht und Landgericht verurteilten ihn jedoch, indem sie die Geldstrafe aufrecht erhielten. Das Landgericht betonte, daß an dem Vorgniiaen auch Mitglieder der verschiedenen Geivorkschaften und andere Personen teilgenommen hätten und daß daher der Kreis der Teilnehmer ein unbegrenzter geivesen sei. Damit habe aber das Fest die Eigenschaften einer öffentlichen Veranstaltung erlangt. G. legte nunmehr die Revision ein und wiederholte seine früheren Einwendungen. Der Strafsenat des KammcrgerichtS hob denn auch die Vorentscheidung auf und verwies die Sache zur nochmaligen Entscheidung an daS Landgericht zurück. Der Senat war allerdings der Meinung, daß der Vorder- richter mit Recht das Vergnügen als eine öffentliche Tanz- lustbarkeit behandelt habe; er hielt aber für mcht genügend dar- gethan, daß der Angeklagte G. als„Veranstalter" zu betrachten sei. Nur als solcher wäre er nach Ansicht des Senats st r a f b a r. Das Landgericht soll die Thatsachen nachprüfen. Wie der Arme bestraft wird. Ein Bild tiefsten menschlichen Elends entrollte die Verhandlung gegen die Eheleute M. in Elber- selb. Sie hatten ihren Mietözins nicht bezahlen können, waren von dem Hausherrn vor die Thüre gesetzt worden und irrten daher längere Zeit obdachlos in der Welt umher. Leer wie die Taschen war ihr Magen, der Hunger quälte sie, noch weher aber that das Schreien und Wiimnem des hungernden KindeS, dem die Frau erst vor einigen Wochen das Leben gegeben hatte. Da reiste in dem Manne— eS war eine kalte regnerische Oktobernacht, als sie ziel- und planlos durch die Straßen Solingens dahinschlichen— der Entschluß, sich des KindeS zu ent- ledigen, hoffend, daß sich barmherzige Leute finden würden, oie sich des Würmchens annähmen. In der Wirtschaft der Witwe R. war noch Licht, und Stimmengewirr sagte ihm, daß noch Gäste da seien. Er schlich sich in daS Haus, legte das Kind in eine Ecke und entfernte sich dann eiligst. Die Frau war schon vorgegangen. Das Kind wurde von den Gästen gefunden und zur Polizei gebracht. Die Eltern hatten sich nun wegen Aussetzung des hilflosen Kindes zu verantworten. Die Strafkammer ging weit über das Straf- minimum hinaus, sie verurteilte den Mann zu ei n e m I a h r, die Frau zu acht Monaten Gefängnis. Das Schwurgericht des Landgerichts II hat noch so viele spruchreife Strafsachen zu erledigen, daß eS nötig sein wird, noch eine außergewöhnliche Tagung im Monat Dezember einzuschalten. Voraussichtlich wird in dieser Periode auch die kürzlich vertagte Ver- Handlung gegen die geschiedene Buchdruckerei- Arbeiterin Buchwald sowie den früheren Kanzleidiätar Halm aus Schmargendorf wegen atten mordeS bezw. Anstiftung dazu nochmals zur Verhand- lung gelange». Den beiden Verteidigern, Rechtsanwälten Dr. PincuS I und Dr. Werthaner, hat sich als dritter noch der Rechtsanwalt Dr. Schöps hinzugesellt. AnS Halle a. S. meldet man uns: Im Fall H o en?- b r o e ch steht nun doch zum Donnerstag, den 16. November, vor dem hiesigen Schöffengericht Termin an. Es handelt sich um eine PrivatbeleidigungSklage, welche von dem aus der Hciratsvernntte- lungs-Affaire bekannten Herrn v. Pokorny gegen den Herrn Professor Dr. Beyschlag von hier angestrengt worden ist. Professor Bchschlag soll in den'„Deutschen Evangelischen Blättern" anläßlich der Dis- kussionen über den Fall Hoensbrocch dem v. Pokorny Erpressungs- versuche vorgeworfen und für v. Hoensbroech Partei ergriffen haben. Die Verteidigung für Professor Dr. Beyschlag führt Rechtsanwalt Dr. Keil von hier. Verlmntttfungem Der Wahlverein für den S. Wahlkreis hielt am Dienstag eine gut besuchte Versammlung bei Bickel in der Hasenheide ab. Der allgemeine deutsche Arbeiterverein" war daS Thema, worüber jerr Schütte einen geschichtlich interessanten Vortrag hielt und die Zuhörer mit besonderer Aufmerksamkeit fesselte. Gerade in der gegenwärtigen Zeit sei es wohl angebracht, die neu heranwachsende Generation daran zu erinnern, unter welchen Geburtswehen und Kämpfen die deutsche Arbeiter- Bewegung entstanden; wie versucht worden sei, sie zu unterbrücken, und wie sie 'chlietzlich bis zn ihrer heullgen Stärke gelangt sei. Sine Diskussion wurde nach dem mit lebhaftem Beifall auf- genommenen Bortrag nicht beliebt. Der Vorsitzende K u s ch k e ersnchte die Genossen, nicht nur für die fernere Ansbreitung des Wahlvereins, sondern, in anbetracht der bevorstehenden Stadt- verordneten-Stichwahlen, eine rege Agitation zu entfalten. Jakob macht darauf aufmerksam, daß für den 7. Bezirk am künftigen Sonntag eine Flugblattverbreitung stattfindet. W o l- d e r s k y bedauert, daß die an die WahlvereinS-Mitglieder gratis zu verteilenden Protokolle vom Parteitag noch nicht verabfolgt würden. Kuschke erwidert darauf, daß diese Protokolle schon bestellt und nur noch nicht eingetroffen waren. In den bekannten Zahlstellen deS Wahlvereins können w nun von den Mitgliedern am Sonnabend, den 18. November, in Empfang genommen werden. Zum Schluß wurde noch darauf aufmerksam gemacht, daß für den zum Sonn- ag, den 19. November, geplanten Besuch der Stern- warte in Treptow Einlaßkarten, gültig bis zum 3 1. D e z e m b e r d. I., reichlich bestellt und von den Mitgliedern benutzt werden mögen. Der soeialdemokratische Wahlvcrel» fiir den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis(Osten) hielt am Dienstag im Lokal „KönigSbank" eine Generalversammlung ab, die außerordentlich stark besucht war. Nach dem Geschäftsbericht, den der Vorfitzende Genosse Schneider gab, fanden im letzten Halbjahr 6 Borstandssttzungen und 5 Vereinsversammlungen statt. In den Sitzungen des Vor- stand es hat man sich vorzugsweise mit dem Ausbau des Wahl- Vereins beschäftigt; leider habe der Erfolg, wie Schneider anführt, lange nicht den'Erwartungen entsprochen, so daß eS den Parteigenossen nicht dringend genug ans Herz gelegt werden könne, in eder Beziehung agitatorisch für den Wahlverein zu wirken.— Durch den Tod verlor der Verein vier Mitglieder, deren Andenken die Versammlung durch Erheben von den Plätzen ehrte. Am Schlüsse bittet Redner, daß die Genoffen in Folge sich rühriger an dem Verteilen der Flugblätter beteiligen mögen. Ueber den Be- tand der Kasse berichtet Franke. Die Gimiahme inklusive des SarbestandeS von 252,22 M. vom 10. April betrug bis zum 23. Oktober 2354.32 M.; die Ausgabe, worunter 1200 M- für Agitation und 225 M. für die Broschüre über die ZuchthauSvorlage ignrieren, beziffert sich auf 2128,80 M., so daß ein Bestand von 225,52 M. zu verzeichnen ist. Die Zahl der Mitglieder beträgt 210S. Leider mußte ein bedeutender Teil der säumigen Zahler gestrichen werden; inklusive der Abgereisten und Verstorbenen beträgt deren Ziffer 913. Auf Antrag der Revisoren wird dem Kassierer Decharge erteilt. Aus der nun folgenden Vorstandswahl gingen folgende Ge- Nossen hervor: Als 1. Vorsitzender Schneider, 2. Vorsitzender Quinting; 1. Schriftführer Tempel, 2. Schriftführer Pohl; 1. Kassierer Thiclie, 2. Kassierer Enders; Beisitzer Lesebrö; als Revisoren fungieren Hennig, W. Schulze und Döring. Unter„Vereinsangelegenheiten giebt der Borsitzende bekannt, daß diejenigen Genossen, die pro Ok- tober ihre Beiträge entrichteten, das Protokoll der Verhandlungen des letzten Parteitages unentgeltlich in Empfang nehmen können. Zu längeren Auseinandersetzungen kam es über einen Antrag Dörings, welcher besagte, datz Beiträge für die Folge in Versamm lungeu nicht mehr entgegengenommen werden sollen. Einerseits wurde ins Feld geführt, daß das Kassieren stets die Versammlung störe und die Genossen von den Verhandlungen ablenke', auch sei es leichter, in den Zahlstellen unter den Genossen für die Partei agita torisch zu wirken. Dem wurde entgegengestellt, daß man nicht kategorisch vorgehen solle und den Mitgliedern die Gelegenheit nehmen, bequemerweise— was ja auch vor der Versammlung ge- schehen könne— ihre Beiträge zu entrichten, im übrigen, so betonte «in Redner, habe es mit dem„RestaurationS-Socia ll i s m u s � sein Bedenken. Der Antrag wurde abgelehnt. Hierauf beantragte Pankow, das vom Parteivorstand heraus- gegebene Flugblatt, welches Anleitungen und Hinweise bezüglich des Verhaltens beim Verteilen von Flugblättern giebt, den Mitgliedern zugänglich zu machen; die Versammlung stimmte diesem zu. Ein Antrag Zimmermanns, noch in diesem Jahre einen allgemeinen Be such der Sternwarte Treptow zu unternehmen, wurde abgelehnt. dielt nun Genosse Stadtverordneter Hoffmann einen Vortrag über„Auf was wir stolz sind," wofür ihm wiederholt der Beifall der Versammelten wurde. Eine Diskussion fand nicht statt; am Schlüsse ersuchte Genosse Schneider, eingedenk seiner Worte es nicht zu unterlassen, für Stärkung der politischen Organisation und regen Besuch der Versammlungen zu agitieren. Der Wahlverein für den sechste» Berliner Reichstags Wahlkreis hielt am Dienstag im Kolberger Salon seine General Versammlung ab. Das Andenken der verstorbenen Genossen Strops' Voß, Wagner, Kluwe, Richter, Jacobey, Knütler und Kube wird in »der üblichen Weise geehrt. Aus dem Vorstandsbericht, den der Genosse Kiesel erstattet, ergiebt sich, daß im verflossenen Viertel jähr je zwei Versammlungen in den Stadtteilen Moabit, Wedding. Schönhauser Vorstadt und eine Versammlung in der Oranienburger Vorstadt stattgefunden hat. Außerdem fanden' fünf Vorstandssitzungen statt und zwei Bezirksführer- Konferenzen. Drei Mitglieder haben ihren Austritt erklärt: Heinrich. Willmann und der Gastwirt Bruno Herzog. Die Gründe für den Austritt sind nicht bekannt. An Brochüren gelaugten im verflosseuen Jahr zur Verteilung: 900„Zuchthaüsvorlage im Reichstage" 600 Dresdener Zuchthausurteil, diese beiden gratis, und 200 Proto kolle vom Stuttgarter Parteitag a 10 Pf. Der Vertrieb der Bro schüren ist nicht in der wünschenswerten Schnelligkeit vor sich ge gangen; in Zukunft mögen dieselben rechtzeitiger von den Zahlstellen abgehoben Iverden, damit die überzähligen Exemplare eher an die auswärtigen Agitationskommissionen abgeführt" werden können. Die Rtitgliederbewegung war im abgelaufenen Vierteljahr im allgemeinen befriedigend. Der Vorstand empfiehlt, bei der Verteilung von Flug- blättern. Agitation ,c. in Zukunft denjenigen Genossen die Bezirke möglichst dauernd zu überlassen, die dieselben einmal bearbeitet haben. � Es hat sich das als praktisch bewährt. Nach dem Bericht des Kassierers T a u s ch e I hatte der Wahlverei» im III. Quartal inkl. eines früheren Bestandes von 73,55 M. eine Einnahme von 3037,50 M. »velcher eine Ausgabe von 2979,60 M. gegenüber steht, so daß ein Kassenbestand von 57,90 M. verbleibt. Unter den Ausgaben befinden �ich 2372,30 M. für Agitation. Insgesamt hat der Wahlverein im Laufe dieses Jahres den Betrag von 7550 M. für Agitation abge� liefert. Gleichzeitig macht der Kassierer darauf aufmerksam, daß von den 1000 entnommenen Sternwarten-Billets noch über 200 unver- lauft sind, deren Gültigkeitsdauer jedoch Ende dieses Jahres abläuft. Das Geld dafür sei dann unnütz ausgegeben. An Mitgliedern zählte der Wahlverein am Schluß des vorigen Quartals 4601; von den am Schluß desselben ca. 1600 wegen rückständiger Beiträge Aus geschlossenen hätten 22 nachbezahlt. 285 sind neu aufgenommen worden, so daß nach Abzug der Verstorbenen und Ausgetretenen ijetzt ein Mitgliederbestand von 4397 verbleibt. Eine Diskussion entwickelt sich nur über einen tfoii der Bezirksführer-Konferenz ge stellten Antrag:„Werden in den Zahlabenden Angelegenheiten er- ürtert, die den Wahlverein nichts angehen oder denselben gar in irgend einer Weise gefährden, so hat'der Vorstand die Befugnis, der Zahlstelle sämtliches Material zu entziehen." Die Berechtigung des Antrages an sich ivird von fast allen der sehr zahlreichen Redner zugegeben, dagegen wird von den Beteiligten entschieden bestritten, daß die Veranlassung zu den, Antrage eine derartige gewesen sei welche den Wahlverein in irgend einer Weise gefährde. Es habe .sich um eine simple Unterstützungssache gehandelt.' Der Antrag wird schließlich nach einer langen, zum Teil ziemlich erregten Debatte «egen wenige Stimmen angenommen. Die Wahl des Vorstandes ergiebt folgendes Resultat: 1. Vorsitzender Kiesel; 2. Vorsitzender Sternkopf; I.Kassierer Tauschel; 2. Kassierer Dobert; 1. Schriftführer K l i e s ch e; 2. Schriftführer D o l z; Beisitzer: Sauerweyer. Grolle und Heise. Als Revisoren werden gewählt: G l e i n e r t, Berge», ann und Klose. ES folgt die Wahl der Abteilungsführer: N e i tz e l für Schönhauser Vorstadt, Funk für Gesundbrunnen, K r e ck o>v für Wedding, R o g a t t ftir Oranienburger Vorstadt, Schröder für Moabit und Brandt für Roscnthaler Vorstadt. Die Wahl der Abteilungsführer wird den einzelnen Vorstädten überlasten. Bezüglich des Stiftungsfestes wird beschlossen, daß dasselbe an einem Sonnabend im März im„Feen- Palast" stattfinden soll. Es wird hierbei dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß der VI. Wahlverein sein Stiftungsfest noch imnrer außerhalb seiner Grenzen feiern muß. das läge an der Lauheit der Parteigenossen, welche in der Lokalfrage nicht konsequent genug handelten. Hierauf Schluß. Eine Versammlung dentsch-nationaler Kaufleute, die am Dienstag im Germania-Saal tagte, nahm eine Resolution an. welche den Reichstag und den Bundesrat ersucht, dem gesetzlichen Neunuhr-Ladenschluß zuzustimmen. Eine starke Meinungsverschieden- heit machte sich unter den deutsch-nationalen Handelsbeflissenen bemerkbar, als einer aus ihren Reihen beantragte, man möge dem Polizeipräsidium eine Petition einreichen, welche den dringenden Wunsch ausspricht, daß die Verkaufsstellen am Sonntag, den 24., und den 31. Dezember, wie an jedem anderen Sonntage, um 2 Uhr nachmittags geschlosten werden sollen. Der Anttagsteller verwies darauf, daß der Bund der Handel« und Gewerbetreibenden für die Offenhaltung der Geschäfte an den genannten beiden Sonntagen bis 7 Uhr abends eingetreten sei. und meinte, daß die Handlungsgehilfen einer derartigen Beschränkung der Sonntagsruhe entgegenwirken wüsten. Dieser durchaus im Interesse der Gehilfen liegende «lntrag wurde jedoch von einigen Rednern, die an der Spitze der deutsch-nationalen Handlungsgehilfen stehen, b e« kämpft. Sie meinten, die hiesige Ortsgruppe ihres Werbandes habe bereits wegen derselben Angelegenheit petitioniert, und eS geht nicht an, daß man jetzt mir einer weitergehenden Petition komme. Was die Petitton des Verbandes fordert, darüber wurde nichts Bestimmtes gesagt, es scheint jedoch, als ob die deutsch- nationalen Wortführer, bescheiden, wie sie mit Rücksicht auf den von -ihnen vertretenen Harmoniestandpuntt nun einmal sein müssen, sich darauf beschränkt haben, von dem Verlangen der Handel- und Gewerbetreibenden— Ladenschluß um 7 Uhr— eine einzige Stunde abzuhandeln. Der Antrag, welcher den Ladenschluß um 2 Uhr wünscht, wurde denn auch gegen eine kleine Minderheit abgelehnt. Vollkommen einmütig waren die deutsch-national-antisemitisch-klein- bürgerlichen Herren aber in der Annahme einer Resolution, wodurch -fich die Versammelten verpflichten, in ihren Bekanntenkreisen dahin zu wirken, daß besonders zu Weihnachten nicht in großen Waren- ihäusern und„sonstigen gemeinschädlichen Unternehmungen", sondern nur bei„deutschen Stammesgenossen" gekauft werde. Eine öffentliche Versammlung der Buchbinder und der« wandten Berufsgenossen, die sehr gut besucht war, tagte am Dienstag in der Norddeutschen Brauerei, Chausteestraße. Zunächst hielt der Stadtverordnete N. M i l l a r g einen Vortrag über:„Welche Mittel sind zur Herbeiführung höherer Löhne, kürzerer Arbeitszeit und besserer Behandlung für sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen unseres Gewerbes notwendig 1" In eingehender Weise und an der Hand eines reichhaltigen Materials erläuterte der Redner hierbei die Bedeutung und die Notwendigkeit der Organisation zur Erzielung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen. Dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrage folgte eine längere Diskussion. Es wurde festgestellt, daß im allgemeinen die Löhne sehr niedrig, die Arbeitszeit lang ausgedehnt, die Werkstätten durchwegs in sanitärer und hygienischer Beziehung viel zu wünschen übrig lassen und daß ins- besondere in der Hausindustrie, die immer mehr Ein gang findet und auch ein ausgedehntes Zwischenmeistersystem m den einzelnen Branchen gezeitigt hat. eine geradezu schamlose Ausbeutung der Arbeitskräfte vorherrschend ist. In der Lederwarenbranche z. B. haben von 83 Firmen nur 26 eigene Werk- stätten eingerichtet, während die übrigen nur hausindustrielle Arbeiter beschäftigen. Von den Zwischenmeistern werden Arbeiterinnen bei einem Wochenlohn von 5—7 M. und insbesondere ganz jugendliche Arbeiter und auch Kinder im zartesten Alter beschäftigt. In den Luxuspapier- und Kartoufabriken sind überaus schlechte Zustände zu verzeichnen, trotzdem die Konjunktur besonders in der Kartonbranche schon seit Jahren eine andauernd günstige ist. Die Bestimmungen der Gewerbe-Ordnung werden vielfach nicht innegehalten und von den Unternehmern in jeder Beziehung übertreten. Es wurden eine ganze Anzahl Unternehmer der verschiedenen Branchen namhaft gemacht die sich um die gesetzlichen Vorschriften nicht kümmern, trotzdem sie zur Beachtung derselben von der Gewerbe-Jnspektton wiederholt aufi gefordert wurden und auch schon bestraft worden sind. Unter anderm wurde behauptet, daß in der Buchdruckcrei von Schenk, Hollmann- straße, die Arbeiterinnen oftmals über die gesetzlich zulässige Zeit hinaus beschäftigt werden. In dieser Buchdruck'erei soll auch ein Fahr stuhl, und zwar auf ausdrückliche Veranlassung des Unternehmers selbst, benutzt werden, der behördlich geschlossen und auf Anordnung der Gewerbe- Inspektion längst außer Betrieb gesetzt werden müßte. Arbeiter, welche für die Abstellung der Mißstände eintraten, sind entlassen worden. Bei der Firma Jakobsohn, Landwehrstraße 11, sollen sogar jugendliche Arbeiterinnen unter 16 Jahren in den vorgeschriebenen Pausen und über die übliche Arbeitszeit hinaus beschäftigt sein. In der Buchbinderei von Vogel, Karlsbad 15, werden die Arbeiterinnen fast jeden Freitag bis 10 und 11 Uhr beschäftigt und es soll vorgekommen sein, daß Arbeiterinnen bis 3 Uhr nachts thätig waren und die anderen Nachtstunden dann gleich in der Werk- stätte geschlafen haben. Bei der Firma B l e i st e i n, Friedrich- straße 16, sollen die Arbeiterinnen ebenfalls vielfach über die gesetz- sich zulässige Zeit hinaus und zwar bis 9 und 10 Uhr abends be- schäftigt iverden. Bei L ü d e r s, Brandcnburgstr. 34, werden, wie behauptet wurde, sogar Kinder von 10—13 Jahren angestrengt bei langer Arbeitszeit beschäftigt. Aehnliche Zustände, wie die hier ge- schilderten, wurden auch noch von anderen Betrieben mitgeteilt. Von allen Rednern wurde darauf hingewiesen, daß der- artige Mißstände nur dadurch möglich sind, daß viele der ausgebeuteten Arbeiter und Arbeiterinnen der Organisation noch fern stehen und infolge dessen ohne genügenden Rückhalt, sich völlig der Willkür der Untenichmer unterwerfen. Alle Redner plaidierten für den Anschluß an den Verband der in Buchbindereien, der Papier- und Ledergalanteriewaren- Industrie beschäftigten Arbeiter und Ar- beiterinnen(Bureau: Anncnstr. 50), um solidarisch bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen erringen zu können. Eine entsprechende Reso- lution gelangte einstinmiig zur Annahme. Nach dem Bericht sind in Hamburg in der kunstgewerblichen Anstalt von Georg H u l b e 43 Arbeiter, darunter 26 verheiratete, wegen Lohndifferenzen in den Ausstand getreten. Es wurde aufgefordert, den Zuzug fernzuhalten und die Anfertigung von Streikarlicit zu verweigern. Die Arbeiter der Firma Siemens u. Halöke(Stadtgcschäst) hatten sich gestern abend zu einer Versammlung eingefunden, die den großen Saal von Martens(Friedrichstr. 36) bis auf den letzten Platz füllte. Es handelte sich, wie der Referent Schröder aus- führte, darum Stellung zu nehmen zu den stattgcfundenen Accord- Herabsetzungen, die zwischen zehn und fünfzig Prozent, für einzelne Artikel sogar noch mehr betragen. Es sei dieses hauptsächlich auf die Anregung eines neu eingetretenen Obermeisters R e h s e I d zurückzuführen. Dabei habe man aber die Abzüge nicht etwa bei solchen Artikeln gemacht, au denen bisher vielleicht verhältnismäßig hohe Verdienste erzielt wurden, sondern vielfach auch bei Artikeln, bei deren Herstellung die Arbeiter jetzt schon nur 35—40 Pf. pro Stunde verdient hätten. Wie wenig Rücksicht nian dabei auf die Arbeiter zu nehmen glauben durfte, gehe daraus hervor, daß man auf den Arbeitszettcln die alten Preise ein- ach durchstrich und die neuen, niedrigen daneben setzte. Das haben die Arbeiter lediglich ihrem Jndifferentismus zu verdanken. Der Obermeister Rchseld, der zu dieser Versammlung brieflich ein- geladen war und auch geäußert haben soll, daß er erscheinen würde, war nicht anwesend. Ebenso wenig fanden sich andere, die die genannte Firma gegen die erhobenen Vorwürfe in Schutz genommen hätten. N ä t h e r bezeichnete dies schon als einen bemerkenswerten Fortschntr gegen rüher, wo sich ja aus den Reihen der Arbeiter heraus einer noch als Verteidiger der Firma gefunden haben. Derselbe Redner ver- liest auch eine ihm zugegangene schriftliche Mitteilung, wonach einzelne Meister verlangen, daß diejenigen Arbeiter, die etwa uni Uhr statt um 6 Uhr nach Hause gehen, also keine Ueberstunden arbeiten wollen, einen Entschuldigungszettel beizubringen haben. Außer Genanntem beteiligen sich an der Diskussion noch Rein, Rühe und Unger. Es gelangt dann nachstehende von Rüther aufgestellte Resolutton zur Annahme:„Die vcrsaiiuiiellen Arbeiter der Firma Siemens und Halske erblicken in den Maß- nahmen der Fabrikleitung in Bezug ans Reduzierung der Löhne und Verschlechterung der Arbeitsverhältnisse überhaupt ein Attentat auf ihre Lebenshaltung, welches mit den angeblichen humanen Einrichtungen der Firma in schreiendem Widerspruch steht. Die Versammelten erblicken die einzige Möglichkeit, derarttgen Mißständen entgegen- treten zu können, in der Organisation und verpflichtet sich jeder Kollege, derselben beizutreten." Nach einem packenden Schlußwort Näthers wurde die imposante Versammlung geschlossen. Die Freie Vereinigung der Bauarbeiter Berlins nnd Umgegend hielt an, 12. d. M. ihre regelmäßige Mitglieder- Versammlung ab. Genosse Renter hielt einen Vortrag über: Das Recht auf Arbeit und die Zuchthausvorlage. Nach kurzer Diskussion wird in die Erörterung von Vereinsangelegenheiten eingetreten, wo« bei eine Reihe Beschwerden gegen die centralorganisierten Bau« arbeiter vorgebracht werden. Es wird der Wunsch geäußert, sich an die Leiter der Eentralorganisation zu wenden und Abstellung der Reibereien, wie sie in letzter Zeit zwischen Anhängern der beiden Richtungen auf Bauten vorgekommen, zu verlangen. •n-r Der Krieg. Die britischen Streitkräfte in Südafrika. Wiederum sind einige Transportschiffe, nämlich„Harlech Castle" und„Carisbrook Castle", in Kapstadt mit Truppen eingetroffen. Allmählich werden also sehr bedeutende Streitkräfte gegen die Boeren entfesselt werden, weit bedeutender als diejenigen, welche bisher in den Kämpfen bei Glencoe und Ladysmith beteiligt waren. Nach einer Schilderung der„Köln. Ztg." werden die britischen Streitkräfte in Südafrika, die in ihrer Gesamtheit amtlich als„South Africa Field Force" bezeichnet werden unter dem Oberbefehl des Generals Sir Redvers B u l l e r stehen, Ende November in Südafrika vollzählig versammelt sein, abgesehen von esner Division, deren Aufstellung jetzt erst befohlen worden ist und die vor Mitte Dezember nicht an ihrem Bestimmungsorte eintreffen kann; sie bleibt deshalb hier außer Betracht, zumal ihre Zusammen- setzung noch nicht genan feststeht. Die„South Africa Field Force" ist nach den Etatszahlen stark<58 000 Köpfe mit 174 Geschützen, außerdem zählt sie 14 000 Pferde und 15 000 Maul- tiere. Die Freiwilligen der Kapkolonie und von Natal, die ebenfalls zum Bestand derselben gehören, sind hierbei nicht mit- berechnet. Sie beziffern sich auf ungefähr 9000 Mann mit 27 Feld- geschützcn. Allerdings umfaßt die Zahl von 68 000 Köpfen der regulären Armee nicht lauter Streitbare, aber immerhin zählt nach den Etatszifsern die„South Africa Field Force"— ausschließlich der Freiwilligen— einschließlich der aus Matrosen und Scc- soldaten gebildeten„Naval-Brigade" in 48�l Infanterie-Bataillonen, 48 Schwadronen, 29 Feldbatterien, 2 Bataillonen berittencr Infanterie, 7 Compagnien Feldpioniere sowie den nicht in festen Verbänden gegliederten Matrosen und Seesoldaten im ganzen iu runden Zahlen 44 000 Mann Infanterie, 6000 Reiter, 1500 Mann berittene Infanterie, 4600 Feldartilleristen, 1400 Pioniere, 1000 Marinesoldaten. Solche Truppenstärke hatte weder die Armee Welling- tonS bei Waterloo— wo nur 30 000 Engländer fochten— noch die- jenige der Engländer in dem Krimkriege aufzuweisen. Man sieht, England macht für seine Verhältnisse ganz außergewöhnliche nnli- tärische Anstrengungen in dem Kampfe um die Vorherrschaft in Südafrika. Der Vollständigkeit halber müssen allerdings bei vor- stehender Aufzeichnung noch die bisherigen Verl u st e der Engländer in Natal in Abzug gebracht w erden. Dieselben stellen sich auf ungefähr 3600 Mann Infanterie, 1 Schwadron und 1 Feldbatterie,' welche beiden letzteren während der Kämpfe bei Dundee-Ladhsmith verloren gegangen sind. Ob nicht am Ende auch noch die ganze bei Ladysmith ein- geschlossene englische Truppenmacht in Abzug gebracht werden muß, läßt sich vorläufig uicht übersehen. Bon Ladysmith liegen auch heut fast keine Nachrichten vor. Nur ein Nenter- Telegramm ans Pretoria hat Interesse, obwohl es vom 9. November datiert, da es aus Bocrenquelle stammt; es meldet: Berichte aus Ladysmith besagen, heute früh bei Tagesanbruch habe eine heftige Kanonade begonnen. Einige Boerenabteilnngcn seien bis auf 1500 Aards an die britischen Verschanzungen hcran- gerückt. Das Gcschützfeucr sei sodann eingestellt worden und das Gcwehrfeuer habe begonnen. Bei M a f e k i n g und K i m b e r l e y sei alles ruhig. Aus Maseking melden die„Times" vom 31. vorigen Monats: General Cronje beklagte sich darüber, daß die Flagge des Roten Kreuzes von mehreren Gebäuden der Stadt zugleich wehe, daß Dynamitminen gelegt seien und die Eingeborenen wider die Weißen verwendet würden. Oberst Baden-Powell erwiderte, Maseking habe nur drei Rote Kreuz-Stationen, nämlich das Hospital, das Kloster und das Frauenlager, die sämtlich außerhalb der Stadt lägen, alsdann recht- fertigte Baden-Powell das Legen der Dynamitminen, indem er Präccdenzfälle seitens der Boeren anführte; bezüglich des dritten Punktes führte der Oberst an, die Eingeborenen verteidigten nur ihr Leben und Eigentum. Die Boeren beschossen infolgedessen das Hospital und das Fraucnlager weiter. In Maseking glaubt man, daß die Verteidigung bis zum Ende des Feldzuges werde durch« geführt werden können. London, 15. November. Der Korrespondent der„Times" in Makeking beschreibt in einem vom 28. v. M. datierten Bericht einen Bajonnett-Angriff der einen Schwadron des Betschuanaland- Regiments ans die Boeren. Er sagt, als die Engländer die Brust- wehr der Verschanzungen der Boeren gewonnen hatten, feuerten sie Salven auf den Feind', und griffen denselben in der Front mit blanker Waffe an, während ein Geschütz der Polizei der Kapkolonie sie durch Flankenfeuer unterstützte. Die Boeren machten einen verzweifelten Versuch, die Vordringenden zurückzutreiben, aus ihren weiter zurückgelcgencn Verschanzungen wurde ein furchtbares Feuer er- öffnet; durch das Aufblitzen der Gewehrschüsse wurde die ganze Posititton beleuchtet. Nachdem die Umgehung der Front und der Verschanzungen des Feindes ausgeführt war, zog die Schwadron sich unter dem Schutze des Flankenfeuers der Kappolizei zurück. Auf Seite der Engländer wurden sechs Mann getötet, verschiedene ver- wundet; die Verluste der Boeren werden auf 100 Mann an Toten und Verwundeten geschätzt. Gefahren im Sudan? Es scheint, als wolle der Khalif, der sich seit der großen Nieder« läge bei Omdunnan in den westlichen Oasen gehalten hatte, die Gelegenheit zu einem Offensiv Vorstoß b enutzen. Aus Kairo wird vom Dienstag gemeldet: Auf die Meldung, daß der Khalif, der jüngst nach Kordofan gezogen war. in der Nähe von Duem am Weißen Nil. 130 Meilen südlich von Khartuin, stehf, begab sich der Sirdar Kitcheuer bereits heute abend, anstatt Freitag, nach Khartum. Britisch-französischer Zwischenfall. Der französische Minister des Auswärtigen D e l c a s s 6 forderte von dem französischen Konsul in Lourentzo Marquez einen eingehenden Bericht über den Vorfall ein. wobei ein englischer Kreuzer gegen dos französische Frachtschiff„Cordoba" einen blinden Schuß abfeuerte._ Letzko Tletiizvichten und Depesägvm Komplottprozeß in Paris. Präsident F a l l i ö r e s bringt die von Guönn eingebrachten Anträge zur Verlesung, in welchen dieser verlangt, daß die Ver- brechen und Vergehen des gemeinen Rechts, wegen welcher er gleichfalls angeklagt ist, ans den gegenwärtigen Verhandlungen aus- geschieden werden. Der Advokat Faye erläutert jene Anträge und vertritt die Meinung, daß der Senat für Verbrechen und Vergehen des gemeinen Rechts nicht zuständig sei.— Paris, 15. November.(W. T. B.) Im weiteren Verlauf der heutigen Sitzung bekämpfte der Staatsanwalt die Anträge Guörin». Die öffentliche Sitzung wird dann unterbrochen und der Gerichtshof berät in geheimer Sitzung. Nach Wiederaufnahme der öffentlichen Sitzung verließt der Vorsitzende Falliäres den Beschluß des Gerichts- Hofes, der dahin geht, daß über die Anträge Guörins entschieden werden soll, wenn seine Sache abgeurteilt werden wird. FalliöreS verliest sodann die eingebrachten Anträge, nach welchen diejenigen Senatoren, welche Freimaurer sind, als Richter zurückgewiesen werden sollen. Der Anwalt Caire unterstützt die betr. Anträge in längerer Rede. Die öffentliche Sitzung wird hierauf wiederum unterbrochen und der Gerichtshof tritt nochmals zu einer geheimen Sitzung zusammen. Der Vorsitzende Fallisres verliest den Beschluß des Gerichtshofe, nach welchem die Anträge des Anwalts Caire abgewiesen werden. Falliöres verliest dann andere Anträge GusrinS, in welchen verlangt wird, daß die Beweisstücke, wie Werkzeuge, Waffen usw., dem Gerichtshof vorgelegt werden. Der Staatsanwalt fordert den Vor- sitzenden auf, diese Anträge kraft seiner diskretionären Gewalt ab- zulehnen. Guörin und hierauf sein Anwalt unterstützen die betreffenden Anträge. Die Verhandlung wird dann auf morgen vertagt._ Wien, 15. November.(B. H.) Wie in parlamentarischen Kreisen der Linken verlautet, ist die Regierung entschloffen, den Reichsrat auszulösen, sofern die Rechte ihre Agitation gegen die Regierung fortsetzen sollte, um den Ausgleich mit Ungarn zu verhindern..K Madrid, 15. November.(W. T. B.) Nach den letzten mW Barcelona eingetroffenen Meldungen hat sich die Lage dort ver» schlimmert. Die Steuerpflichtigen weigern sich, die Steuer» zu zahlen. Die Läden sind wiederum geschlossen. Liffabon, 15. November. iW. T. B.) Der hier vor kurzem all» Oporto eingetroffene Bakteriologe Dr. Pestana ist hier an der Pest gestorben. " VllstraiMvrtlichei! Mdgcteur: Paul John m P erlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb.«lacke m Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage und Unterhaltungsblatt. Nr. 269. 16. Iahrgling. WIM des Jormärts" Sttlintr pllislilnit.«-»: Exemplare. Er empfiehlt eine Nllckverweisung der Vorlage an die Kommission zwecks besserer Klärung. Dem Gedanken des Zonentarifs stehe er nicht völlig ablehnend gegenüber. Maßgebend sei für ihn dabei die Rücksicht ans die mittlere und kleine Provinz- presse. Staatssekretär v. PodbiclSki: Ursprünglich hatte die Vorlage eine Entschädigung für Selbstverpackung vorgesehen. Da waren aber auch die Tarife höher. Nach Herabsetzung der Tarife in der Kommlsfwu ist eine Gewährung der Entschädigung nicht mehr möglich und ich bitte Sie, die Anträge Müller und Pachnicke ab- zulehnen, eben so muh ich mich gegen' den Mttrag Dictz auf Herabsetzung der Zeitnngsgebühr auf 2 Pf. erklären, denn dieser Antrag wurde einen Einnahme- Ausfall von einer halben Million bedeuten. Abg. Daöbach sC.) verteidigt noch einmal feinen Vorschlag des Zonentarifs und bittet, mir die Ziffer 3 des Artikels I an die Kom Mission zurück zu verweisen. Tie Postvcrwaltung mich sich der Mühe unterziehen, unseren Vorschlag einmal eingehend zu prüfen. Die DiSkulsion über Artikel I wird geschlossen. Die Ziffern römisch I und II dcS ArkikelZ 1 werden un- berändert nach den Ko nun i ssi o ns b efchlii sse n angenommen und zwar e i u st i m m i g. Der Antrag Dasbach auf Zurnckverweisung der Ziffer III an die Kommission wird gegen wenige Stiimnen des Ccnkrnins, der freisinnigen Verelnignug und der Antisemiten abgelehnt. Der Autrag Horn(natl.), den AbonncnieutspreiS der De- rrchmlna zu Grunde zu legen, wird ebenfalls gegen eine kleine Minderheit Nationallibcralcr abgelehnt. Der Antrag Dr. Marcour(CT.) auf Einführung des Zoncii- tarifs Ivird ebenfalls abgelehnt. Der Antrag D i e tz sSoc.h die ZeitungSgebühr von 3 auf 2 Pf. herabzufetzeii wird gegen die Stimmen der Mehrheit beider konfer- vativer Parteien a n g e n o m in e n. Der Antrag Dasbach sC.), wonach der Satz in Alinea 3, dah bei Feststellung des JahrrsgcwichteS Brnchtetle eines Kilogramms als volles Kilogramm gerechnet werden sollen, gestrichen ivcrden soll, wird a n g e n o m m e n. Die Anträge Pachnickeerr Runge besitzt zlvar in Berlin Grundbesitz, wohnte auch lange .ahre hier, verzog aber vor einiger Zeit nach einem Vororte, von dem er erst vor 7 Monaten nach Berlin zurückgekehrt ift, während die Wählbarkeit eine» mindestens einjährigen Wohnsitz voraus- setzt. Ungültig soll auch die Wahl deS Socialdemokraten Millarg im 44. Bezirk der 8. Abteilung sein. In diesem Bezirk war ein Hausbesitzer zu wählen; Herr Millarg soll aber erst nach der Wahl einen Hausantcil erworben haben." ES wäre mteresiant zu erfahren, wie die„Berliner Zeitung dazu kommt, Stadtverordnctcn-Wahlen als ungiltig hinzustellen, bevor die zuständige Stelle überhaupt Gelegenheit gehabt hat, in die Prüfimg der Mmidate einzntreten. Was nnsern Parteigenoffcn Millarg betrifft, so können wir der„Berk. Ztg." die Versicherung geben, daß ihre Meldimg auf jeden Fall eine irrtümliche ist. Millarg war vor dem Wahltermin Hansbcfitzer. Den in Berlin ansässigen Rechtskonsulenten ist jede Aus- ficht auf Zulassung als Prozcßführer bei den hiesigen Amtsgerichten genommen ivorden. Räch Veröffentlichung des Erlasses des preußischen Justizministers vom 25, September d. I., wonach die Gesuche um Gestattung des mündlichen VerhaiidelnS vor den Amtsgerichten mit einem selbstvcrfaßten und selbstgeschriebene» Lebenslauf bei dem aufsichtführenden Richter des Amtsgerichts einzureichen sind, gingeil bei den Amtsgerichten eine große Anzahl solcher Gesuche ein. Sie wurden nach Einziebiing einer Polizei- lichen Auskunft dem Präsidenten des Landgerichts I zur Ent- scheidung vorgelegt. Dieser hat nun den Gesuchstellern folgenden Bescheid zugehen lassen:„Auf Ihren an den Herrn Amtsgerichts- Präsidenten gerichteten Antrag lehne ich es ab, Ihnen durch eine allgemeine Anordnung da? Verhandeln vor Gericht zu gestatten. Für die Erteilung dieser Erlaubnis liegt bei dem Amtsgericht I in Berlin kein Bedürfnis vor, weil für die Parteien ausreichende Ge- legenheit zu einer Vertretung durch Rechtsanwälte geboten ist. Die fragliche Erlaubnis wird vorläufig von mir niemandem erteilt werden. Der Präsident des königlichen Landgerichts I. gez. Braun." Wie ivir hören, beabsichtigen die Rechtskonsulenten. Beschwerde beim Kammergerichtspräsideiltcn einzulegeli. Ueber die letzte Sitzung deS EentralverelnS für Arbeits- nachwciS liegt folgende Berichterftattermeldung vor: In de» ab- gelaiifeneii 10 Monaten find von 38 270 eingeschriebenen arbeitslosen Personen 26 947 in Stellung gebracht; gegen das Vorjahr hat sich wiederum eine erhebliche Steigerung vollzogen. die sich bei den besetzten Stellen auf rund e(XX) belauft. Der Vorstand genehmigte das Statut dcS paritätischen Fach» verbands'Nachweises für die Maler-Jnnung. Nach den Mitteilungen des Vorsitzenden sind Verhandlungen mit anderen Gewerben wegen Errichtung paritätischer Facharbeits- Rachweise noch im Gange. In, Voranschlag für 1900 wurden die Ein- nahmen nnd Ausgaben mkt 23 000 M. festgestellt. Auf eine an den Minister für öffentliche Arbeiten gcrichtcle Beschiverde ivegen Hera n- ziehung v o n R e s e r v i st e n u n d L a n d b e iv o h n e r n f ü r die Arbeiten d e r E i s e n b a h n v c r iv a l t u n g ist ein Bescheid ergangen, wonach künftig der Arbeitsnachweis des Ccntralvcreins bei Bedarf von Arbeitern in Anspruch genommen werden sollte; da dies inzwischen thatsächlich in umfangreichem Maße geschehen ist, hält der Vorstand die Angelegenheit einstweilen für er- lcdigt. Der Arbeitsnachweis des Vereins hat in letzter Zeit auf Ansiichcn des Kolonialamts zahlreiche Arbeiter ftir unsere Kolonien gestellt; ein dem Vorstand augehöriger Vertreter der Arbeitnehmer bittet dahin zu wirken, daß diesen Arbeitern auch für den Fall ihrer Erkrankliiig eine geeignete Fürsorge zu teil wird. Schließlich machte der Vorsitzende Mitteilung über dle von ihm ge- thanenen vorbercitenden Schritte betreffs Errichtung eines Arbeitsnachweis-Gebäudes, welche allseitige lebhafte Znstim, nung fanden. Professor Rudolf Virchoiv beging gestern den Tag des 50jährigeil Ordniariats-Jubilämns. Den, greisen Gelehrten wurden aus diesem Anlaß zahlreiche Ehrnngeit zu teil. Bei der Freilegnng der Fnndauicnko der RatSwage am Petriplntz wurden mehrers vollständige Skelett« aufgefunden. Diese Uebcrreste stammen vom alten Petrii'irchhof, der im Jahre 1863 auf- gehoben lvurde. Durch eine Pitlvercxplosion wurden gestern nachmsttag zwei Personen verletzt. Bei dem Hofbüchsenmacher Förster, Taubenstr. 50, entzündete sich auf noch nicht aufgeklärte Wesie ein Posten Pulver. nnd dem erschreckten Personal blieb nichts anderes übrig, als sich durch die Fenster zu retten, wobei zwei Gehilfen einige nicht ge- fährliche Dchnittwimden davontrugen. Die alarmierte Feuerwehr fand wenig zu thnn, da die Feuersgefahr bereits beseitigt war. Beschädiguilg dcS Goethe- Tcnkmals im Tiergarte». Bei der jetzt seitens der städtischen Organe vorzunehmenden Wiato* eindeckung des Goethe- Denkmals hat sich herausgestellt, daß die Genien in Knabengestalt deS DenkmalssockelS am Unterleibe durch Stcinwürfe, zum Glück nicht bedeutend, beschädigt sind. Die Be- schädiguiigen müssen schon vor einiger Zeit erfolgt sein. Das Polizcipriisidinm teilt mit: Die Stromaufsicht über den VcrbindnngSkanak zwischen Spree und Plötzenseer Schleuse, soweit diese Wasserstraße zu Charlottenburg gehört, wird vom 1. Jaiiiiar 1900 ab von der königlichen Polizeidircktion zu Charlotten- bürg ausgeübt iverden. Bei der Arbeit veriinglückt ist gestern, Mitttvochnachmittag. NM 3�/4 Uhr der Formermeister I o h n in der Eisengießerei von Härtung in der Wirlrfstraße. Eine Eisenschrene fiel ihm aufsein Bein l'uid zerschmetterte ihm den Oberschenkel. Der Verunglückte wurde mit einem Koppschen Rettungsivagen in das Krankenhaus zu Moabit gebracht. Durch Aufschilctdeil der PirlSadern versuchte sich heute vor- mittag die 56 Jahre alte Aufwärterm Dorothea Müller in der Koppenstr. 56 zu röten; sie wurde in ein Krankenhaus gebracht. Selbstmord eincs Kindes. Im Hause Metzerstraße S hat Dieustagabeild in der achten Stunde ein elfjähriges Mädchen Selbst- mord begangen. Es ivar die Tochter eines Druckers Weykopf, die von ihrer Mutter gescholten ivorden war, weil sie bei einem ihr gewordenen Auftrag zu viel Zeit vertrödelt hatte. Mit den Worten: „Du siehst mich lebend nicht ivieder!" eilte das Kind in ein Neben- zinnner und stürzte sich dort aus dem Fenster der im zlveiten Stock belegenen Wohnimg. Das schwer verletzte Kind lvurde»och lebend aufgefundeil und in die nächste Unsallstation gebracht, starb aber bald daraus. Es soll schivärmerisch veranlagt und durch Lesen romaiitischcr Lektüre geistig verivirrt worden sein. Eine» Tclbstmordbcrsnch machte gestern morgen da? 1« Jahre alte Dienstmädcheir Ida Nndkoff aus der Flensburgerstr. 26. Das Mädchen kam vor vierzehn Tagen mit der Mutter von Strelitz nach Berlin und fand in der Flensburgerstr, 25 einen Dienst bei einer alleinstehenden Dame. Diese war mit den Leistungen wenig zu« frieden. Dazu kam, baß das Mädchen einmal hennlich Besuch empfing und am Sonntag beim Ausgehen unbemerkt den HauS- schliissel mitnahm und statt um 10 erst um 1 Uhr ivieder nach Hause kam. Diese Vorkommnisse berichtete die Dienstherrin an die Mutter. Als die Magd daS erfahren hatte, lief sie gestern morgeit, sobald daS Haus geöffnet wurde, weg, ging an die Spree, schnitt sich die Pulsadern auf und stürzte sich ins Wasser. Ein Schutzmann sah das Beginnen der Lebensmüden, rettete sie und brachte sie in ein Kraukeuhans. Ans dem Ba« tödlich liernnglückt ist gestern abend um 5�4 Uhr der 25 Jahre alte unverheiratete Arbeiter Karl Kieper aus der Tnlldorferstr, 17. Kieper war mit Arbeitsgenossen auf dem großen Neubau Köpnickerstr. 55 und Michaeliirchstr, 17 im dritten Hofe mit dem Auftvinden von eisernen Trägern beschäftigt Während er oben im vierten Stock stand, machte ein hochgewnndcner Träger, den ein untenstehender Arbeiter mtt emem Seil in einer bestimmten Richtung halten sollte, plötzlich eine Drehung und stieß Kieper gegen den Unterleib. Der MlvcrMntrte Stoß brachte den Mann ins Wanken und warf ihn vom Gerüst, so daß er bis in den Keller hinabfiel. Der Verunglückte lebte mir noch wenige Mimiten. Durch ciuc Verwechsclnng von Flaschen ist gestern die Auf» Wärterin Frau Agnes Müller im Fraueilasyl in der Füsilierstraße schwer zu Schaden gekommen. Ans der Waschbank, an der sie be- schästtgt war, standen zivei Flaschen, etile mit Bier, eine mit einer ätzenden Lange. Als sie nun ihren Durst stillen wollte, trank sie statt Bier die Lauge und verbrannte sich den Mund und den Rachen sehr schwer. Eine eigentümliche Erledigung hat ein Steckbrief gefunden. den die Staatsanwaltschaft am Landgericht I vor einiger Zeit hinter dem 16 Jahre alten Kutscher Georg Ranhut aus der Rostockerstr. 1 erließ. Ranhut hatte, wie wir seiner Zeit mitteilten, ein Mädchen, das er nach Hanse begleitete, zu vergewaltigen versucht u»d nach einer schweren Mißhandlung seines Wochenlohns beraubt. Während er von der Staatsanwaltschaft und der Kriminalpolizei gesucht wurde. Ivar der jugendliche Verbrecher mit dem falschen Namen Franke als Kutscher in Schöneberg beschäftigt Dieser vermeintliche Franke verunglückte, wie vor mehreren Wochen berichtet wurde, durch einen Zusaiiimenstoß seines Fuhrwerks mit einem elektrischen Straßenbahn- Wagen in der Biilowstraße und kam dabei ums Leben. Als nun zum Zweck der Beerdigung des Verunglückten und der standesamt- lichen Buchung des Todesfalles die Persönlichkeit genau festgestellt werden mußte, entdeckte mair, daß unter dem Namen Frankes ein Berliner tätlich verunglückt war. Schließlich wurde jetzt ermittelt, daß der Getötete der verfolgte Rauhut war. Durch einen Postranb in Liffabon find der Dresdner Bank vor zehn Tagen Wechsel über die Gesamtsumme von 250 000 M. ab» Händen gekommen. Die geraubteii Briefe, die Wechsel enthielten, Ivaren an eine Lissaboncr Firma gerichtet. Da die Wechsel natürlich genau gebucht sind, so konnte die Bank, die sofort benachrichtigt iviirde, unverzüglich die nötigen Schritte thnn. um die Papiere für nichtig erklären zu laffen. Ein Schaden erwächst ihr also aus dem Raube ebenso wenig wie den Räubern ein Gewinn. Das Ehepaar O. Malletz, welckes vor drei Jahren seine viel- defprochene Knn-Weltreift von Sau Francisco auS miternommen hat, tritt am heutigen Donnerstag und den drei folgenden Abenden im Theatersaal dcS Paffage-Panoptikuins auf, um in kurzen Umrissen dem Publikum seine Reisc-Erlebiiisse zu schildern. Herr und Frau O. Malley sind auf recht auleriiamsche Art verpflichtet, ganz mittellos zu reisen und dürfen ihren Unterhalt nur aus dem ErlSs der durch sie verkauften Postkarten bestreiten. Haben sie ihren Ausgangspunkt San Francisco nach fünf Jahren glücklich zu Fuss wieder erreicht fo winkt ihnen als Preis eine Summe von 300 000 Mark, welche bei einem ersten amerikanifchen BankSause sichergestellt ist. THeater. JmSchillir-Theater wird das Lustspiel„Eyprienue" in der Genosse Z u b e i l über die„Bedeutung der Kommunallvahlen sür den Arbeiter" spricht. Soctaldcmokratischer Tieg in Trebbin. Wie die Social- demolratie überall auch au kleineren Orten festen Fuß faßt, zeigt eine erfreuliche Meldung, die uns ans Trebbin zugeht. Dort haben sich unsere Parteigenossen nach neunjähriger Pause am Dienstag zum erstenmal an der Stadtverorduetcn-Wahl beteiligt und zwar mit überraschend günstigem Erfolge. In der dritten Ab- leilung waren zwei Stadtverordnete zu wählen. Während der Partei- genösse Zimmerer Karl Dornbusch glänzend über den Gegner siegte, unterlag der zweite socialdemolratische Kandidat Gastwirt Albert Rudolph allerding«; aber auch ihm fehlten nur 7 Stimmen an der Majorität. Mit Dornbusch zieht in Trebbin der erste Social- demokrat in die Stadtvertretuug ein; in fleißiger Agitation wird dahin gewirkt werden, daß bei den Wahlen im nächsten Jahre die dann in Frage stehenden drei Mandate dritter Abteilnug von unseren Parteigenossen hinzu erobert werden. Schoneberg. Donnerstag, abends V/a Uhr, in der Schloß-- brauerei, Hauptstr. 111/112, Generalversammlung der geincinsanien OrtSkrankcnlasse für Schöneberg und Friedenau. Ersatzwahl von zwei Delegierten der Arbeitnehmer. Es ist um so mehr Pflicht, in dieser Versammlung zu erscheine», als dies die erste Versammlung ist, welche in einem von Arbeitern nicht gesperrten Lokale stattfindet. Wie dcm„Sldrb. Krcisbl," aus Erkner gemeldet wird, ist unter dem Rotwild der Lb«rfvrstcreicn Etkner und Fredersdorf eine Seuche ausgebrochen, der bereits viele Tiere zum Opfer gefallen find. Acht Hirsche find in den letzten Tagen ni beiden Obersörslercien verendet aufgefundeit worden, hiervon vier an einer Stelle. Die Art der Seuche, die einen größeren Umfang anzunehmen scheint, ist selbst ältere» Forstmännelii unbekannt. Ein an der Seuche zu Grunde gegangener Hirsch ist der tierärztlichen Hochschule in Berlin zur Untersuchung übersandt worden. VersÄminlnttjgett. Tie Böttcher Berlins hatten sich am 12. November zu einer öffentlichen Versammlung im Kolbergcr Salon zahlreich eingefunden, mn Stellung zu dem Ausstand in der Fnßfabrik Koch sJuhaber M. Lewy) zu nehmen. Ter Berichterstatter führt ungefähr folgendes auS: Es wird wohl wenig Böttcher in Berlin geben, welche nicht das Idyll in der Antoustraßc keunc». Nicht ihren humäueu Ein- richtnngen hat diese Weltfirnia ihren Ruf zu verdanken, sondern dem Umstände, daß sich in diesem Betriebe, die, man möchte sagen, borfintflntlichstcn ArbeitSmethadcu. und Werkzeuge erhalten haben. In die Räume der Faßfabrik Koch hat die Technik der Neuzeit noch keinen Einzug gehalten, mn dem Böttcher seine schwere Arbeit erleichtern zu helfen. Nach alledem Ist e? sehr erklärlich, daß der Verdienst ein seh» geringer»st. 2S— M M. Wochenverdienst ist für diese Schinderei, denn mit arbeiten kann man diese Thätizkcit nicht mehr bezeichnen, nur ein Trinkgeld. Nun ist eine Lieferung Lagerfässer. 60 und 70 Hektoliter groß, für die Schultheiß» Brauereien anzufertigen. Für diese außer- ordentlich schwere Arbeit verlangte nun die zuerst damit beauftragte Kolonne eine Zulage von 10 Pf. pro Hektoliter und eine Durchsetz- mäschme. Die Zulage lvnrde rundweg abgelehnt. Betreffs der Waschine, meinte Herr Lewy, ginge es nicht so schnell, er müßte sich erst bei Geschäftskollcgen erlnudlgen; er erklärte den Leuten, wen» sie für den alten Preis die Arbeit nicht machen wollten, hätte er in diesem Falle keine andere Arbeit für sie. Daranshin legten fünf Mann die Arbeit nieder. Die anderen Lagerfaß- arbeiter erklärten sich mit ihren Kollegen solidarisch. In der Mitt- woch, den 8. d. MtS., stattgefundeuen Werkstellenbesprechung wurde eine Kommission gewählt, um mit Herrn Lewy zu verhanoeln und so auf gütlichem Wege den Frieden anzubahnen, was leider an dem Widerstand des Herrn Lewy scheiterte. Im Laufe der anderen Tage wurden uns auf die 60 Hektoliter-Fässer B Pf. bewilligt, auch wurde das Versprechen gegeben, die geforderte Maschine möglichst schnell anzuschaffen. Die Böttcher wollten nun, wenn Herr Lewy sich herbei- ließe, auch auf die 70Hektoliter-Fässer noch S Pf. pro Hektoliter zuzulegen, die Arbeit wieder aufnehmen. Auch diese? Anerbieten wurde ab- geschlagen. Am Sonnabend wurde dann in geheimer Abstimmung mit 20 gegen 5 Stimmen der Streik beschloffeu. Hieraus ist zu er- sehen, wegen welcher Kleinigkeit die Leute zum Streik gezwungen wurden. Bewundern muß man. daß Leute, welche schon 1i>--20 Jahre in diesem Geschäft arbeiten, es für unwürdig hielten, unter den Bedingungen, wie sie Herr Lewy gestellt hatte, zurückzukehren. Tie Diskusiionsredner gingen mit Herrn Lewy ins Gericht. Es wird nachgewiesen,' daß der Lohntarif um 20—20 Prozent hinter den west- und süddeutschen Löhnen zurücksteht. Ruch die sanitären Einrichtungen werden besprochen: Es ist nicht mal ein Speiscraum vorhanden. Die Böttcher, deren Ber- hältnifi» cS nicht gestatten in der Nähe zu wohnen, müssen ihre Mittagspausen in allerhand Räumen verbringen, als va sind Maschiuenstube. auf den, Dampfkessel oder in den Arbeitsräumen. Alle Redner wünschen, daß Herrn Lewy, welcher als einer der reichsten Männer des Berliner Norden gilt, beigebracht wird, daß man auch einem Arbeiter seinen wohlverdienten Lohn zukommen lassen muß. Folgende Resolution faiid einstimmige Annahme:„Die versammelten Böttcher Berlin« erklären die Fordermigen ihrer Kollegen in der Faßfabrik Koch als vollständig gerecht und ver- pflichten sich, die Ausständigen ohne Unterschied moralisch und finanziell zu unterstützen/ Eine Lohnlommission wird gewählt und besteht au? den Böttchern KlapschuS, Kroll, Pantsch, Jäger, Josephski, NehIS und Hnfiock. Der Borsitzende fordert zum festen Zusammenhalt auf uud schließt die Versammlung. Centrakdcrcin der Bureau-Angeftellte«. Donnerstas, den IS. No- veniber er., adeudS'/,!) Ahr bei Schiller, Rvsenthalerstr. S7: Mitglied er- Versaittuilun«. Vortrag deS Herrn Franz Walther über:„Der Wert der Kolifumgeuosscnschastm." Diskn'ston. Verschiedenes. Eenlralverbaiid der Louditore» �Mitgliedschaft Berlin). Heute, abends 9 Uhr präeise bei Schiller, Roseilthalechr. 57: MitgUederversaiiitu- lung. Bästc willkommen. Berltuer Naturheilverein II AbendS 8'/, Uhr, Gontardftr. S I, DlSkuisiovsabeiid. Thema: gilllkeiiniarlsschwindsucht. Giisten Zutritt frei. Deutsche(Sesetlschaft für ethische Kultur. Donnerstag, abends 8>/t Uhr, Unter de» Linden IS, Hof Hl: Disknssionsabend über„den ReligionSmiterricht in«sientlichen Schulen". Referent: Prof. Dr. Bruno M e v e r.— Nur sür Mitglieder(«v. Legitimation durch Mitgliedslarte.) Sldlershof. Donnerstag, den 16. d. M., abends 8»/, Uhr, Mitglieder- venammtnng des socialdemokratiichen Vildungsvereins im vokal« de» Herrn Schmauser. Vortrag des Genossen Max Schütte:„Attentat« in der prcuvi- scheu Geschichte. 2. DiZkUiston.— Gäste willkommen. Aufiiahiilo neuer Mitglieder.__ VevmiMkeso Eine Eisenbahu.Katastrophe mit entsetzlichen Folgen hat sich in Holland ereignet. Aus A m st« r d a m meldet man darüber: In der Nähe von Capelle an der Dffel zwischen Gonder und Rotterdam stießen Mittwochvormittag, wahrscheinlich wegen des dichten Nebels, zwei Eisenbahnzüge zusammen. Von Stotterdam sind Wagen abgesandt.»m die Verwundeten dorthin zu bringe, i. Es sind S Personen getötet und 29 verletzt worden. Die Ver« Ivnndungen von 15 der letzteren sind tödlich. Das Unglück entstand dadurch, daß der die Post von London mitführende Zug, von Vlissingen kommend, in voller Fahrt dem zweiten Zng in die Flanke fiihr. Dcm Vernehmen nach ist von den Paffagicren des Postzuges niemand getötet oder verletzt worden. In Paris hat die Gattin deS Bildhauers rrnd Graveurs 33 n p u i 8 in einem Anfall von Geistesgestörtheit ihren Mann er- schössen und darauf Selbstmord verübt. Kein Kandidatenmangek. Bei der Gemeindewahl in GermerS- heirn(Pfalz) waren bei Auszählung der Stimmen über 200 Wahlkandidaten und in Neustadt a. 5. H. bei der EtadtratSwahl gar nghczu 4M Kandidaten zu registrieren. Die Pfälzer leiden also keineswegs an Kandidatenmangel. Germersheim hat 60M und Neu- stadt 15 000 Einwohner. AnS Liverpool wird berichtet: Eine Feuersbrunst zer- störte gestern in den hiesigen Docks eine große Menge He», welches nach Südafrika verladen werden sollte. Der Schade» wird auf fünf Millionen geschätzt. Vriefkasten der Nedaklion. Tie jnrislische Sprechstunde findet Montag. Dienstag na» Freitag von«-8 Uhr abends statt. Rüßler. Eine Milliarde zählt tausend Millionen. Frauenarbeit. Das Programm der deutschen Socialdemakratie stellt keine besoudcreu Fordermigen zu« Schutze der Arbeiterinnen auf. Dageaen stellte der letzte Parteilag m Hannover besondere Forderungen auf, die Sie im Protokoll dieses Parteitages Seite KS abgedruckt finden. Luugcnkrauk. Die Direktion der Lungenbeilstiitte am Grabowsee be> findet sich Wilhelmstr. 74, Berlin. Aerztlicher Leiter der Anstalt ist Professor Dr. Gerhart, Berlm NW., Rvonstr. 8. Ä. B. 19. Dir Frage, wie es kommt, daß Sie jede Nacht träumen, kann»nmögltch von einer Zrilunzsrcdaktion beantwortet werden. Wenden Sie fich an einen Arzt. A. Z. Wcuu das Aufgebot noch vor dem 1. Januar 1900 erfolgen soll, To lst in Ihrem Fall väterlich« Einwilligung erforderlich, sonst nicht. Mfitktprcise bo» Bcrli« nin 14. Nobember ISSN nach ErmiUelniigeu des tgl. Polizeipräsidiums. »)«eizen D.-Ctr. »)Sioggen„ Futter-Gerste„ Haser gut„ „ mittel, .««ring„ Richistrvh Heu, chsEebsen f-S»eitebahnen Minsen„ Kartoffeln, neue Rindslciich, Leute lüg do. Bauch. •) Ermittelt pro 14,90 14,40 14,10 15,20 14,40 13,60 4,- 6,80 40,— N- 70,— 7,- 1,»ll 1,20 13/60 13,00 13,- 14,50 13,70 13,- 3,50 4,- 25,- 25,- 30,- 5,- 1,20 1- chweinesleisch Laibsleisch Hammelsteisch Butter Eier Äarpfe» Aale Zander Hechte Porsche Schleie Blue. Krebse tlrg: 60 Stück ikg per Schock 1,60 1,80 1,60 2,80 4,80 2,20 2.80 2,60 1,80 IM 2,80 1,20 12,- 1,10 1- 0,90 2,— 2,40 J.20 1,20 1.- 1,— OPO 1,20 0,80 3- I.>. Tonne von der Centralstelle der Preuß. Landwirt- schastSlmumern— NoUcruugsstelle— und unigerechnet vom Polizeiprästdium sür den Dvppel-Eentuer. f) Kleinhandelspreise.. Produktenmarlt vom 15. November. Getreide fetzte am heutigen' Frühmarkte fest ei« auf hShere pmerilanische Preise, bald jedoch machte sich,! infolge vermehrter russischer Angebote Abgabelnst für Roggen geltend, der, Artikel gab im Preise»ach und Weizen wurde dadurch tu Mitleidenschaft� gezogen. Roggen, welcher lebhast gehandelt wurde, büßte 0,75—1 Mark ein,! Weizen ivar etwa 0/>0 Mark billiger als gestern zn haben, wurde aber, weniger gehandelt, Mittags gingen beide Brotartikel noch um je eine; weitere halbe Mark im Preise zurück, obwohl die russischen Stoggenoffertrn, »ach bell leg Ich ylesigc» Preisstellnngnr allster Rendiment slilb. Hafer lag behauptet; Rütbl»«»ig verändert. Spiritus. Am«viritfiSluarkt wurde Loco 70er mit 47,40(— 0,10) bezahlt. Termine waren bei etwas regcrem Handel im Preise behauptet. Städtischer S ch l a ch t v i e h m a r k t. Berlin, 15. November 189?. Amtlicher Bericht der Direktion. Zum Verkauf standen: 488 Rinder. 1592 ttälber, 732 Schafe, 10 552 Schweine. Bezahlt wurden ftlr 100 Pfmio; oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark(beziehungsweise für 1 Pfuno i« PfO: Für Rinder: Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwertes, Höchstens 7 Jahre alt 00-00, b) jung« fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 00-00; o) mästig genäbrte junge und gut genährte ältere 00-00; d) gering genährte jeden Alters 52—53.— Bullen: a) vvllflenchiac höchste» Schlamiwcrtcs 00—00; d) mäßig genährte jüngere. und gut genährte altere 00—00: e) gering genährte 49—53.— Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 00-00;, b) vollfleischiae, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertcs bis zu 7 Jahren 00—00; e) altere ausgemästete Rühe und wenig gut entwickelte ilmgere Kühe und Färsen 00-00; d) mähig genährte Kühe und Färsen 51—53; s) geriiia genährle Kühe iMd Fälien 48—50.— Kälber: a) feinste Mast-, kälber(Bollmilchmaft) und beste Saugkälber 76—78, b) mittlere Mastlälber, und gute Saugkälber 72— 74, v) geringe Saugkälber 58— 62, d) ältere, geriilg genährte Frcffer 45—48.— Schaf«: a) Mastlämmer und jüngere! Masthammel«2—65, 8) ältere Masthamniel 54—58, o) mäßig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe) 46—52. d) Holfirwer Ntedermigs- schafe(Lebendgewicht) 00—00.— Schweine: a) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu IV, Jahren 50, b) Käser 00—06, e) fleischige 48—49, d) geriilg entwickelte 44—47, e) Sauen 43—45. ■ Der Riiiderauftriev wurde bis auf wenige Stücke geräumt. Der Kälber- Handel gestaltete sich glatt. Die Schafe wurden ausverkauft. Der Schweine- marlt verlief glatt und wurde geräumt. «ZitterunzSstberstcht vom 15. November 1890, morgen? 8 Uhr. Skattoncu Swiuciiid«. Hamburg Berlin Wiesbad eu München Wien AL & 768 WNW 773 W 77lte) 775 WSW 774 W 772 sW «ttter •jZ et dll iö w 3, Dunst 3 Nebel 3 wollig 4,bedeat Ihlb.bev Äwolklg 6 5 i-L 8 Stationen .e VL ß» SL e»- 7 Haparanda 6 Petersburg - Cork Aberdeen Pakls 753 762 , CO ZZ S«• SO SSW 773 NO 779 Wetter Lisi et. d" Sä «5, 2, Schnee Sbedrckt 2 bedeckt heiter 1 — 0 9 2 «Äetter-Proguose für Donnerstag, de» 19. November 1899. Etwas kühler, zeitweise heiter, vielfach wolkig bes ziemlich frischen norln westlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wettirbureau. III. Walillcrels. Areitag, den 17. November 1899, abends S1,': Uhr, bei Möhring, Admiralstr. 18«: Dersmmnlmig der Parteigettossen d. III. Wahlkreises. Tagesordnung: 1. Berichterstattung von der Konferenz für die Provinz Brandenburg sowie vom Parteitag w Hannover. 2. Diskussion. 214/17 Um zahlreiches Erscheinen ersucht v«»» Teptraiieiisinaiin. SicilillkmolirMslhtr Urtfiu ffit de» S. Vttltiirr Reichstags- Wahlllttls. Freitag. 17. November, abends 8Vz Uhr, im Reftaur.„Königssnle", Neue Königstr. 26: SfV Versa minliniif. Tagrs-Ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten vr. Ourt l-reuckenberg über: Die Prostitution als sociale Erscheinung und als Gefahr sür die Bolksgesundheit. 2. Diskussion. 3. Beretnsangelegcnheiten. Zahlreichen Besuch erwartet 245/16 ver Zorlgldkmaliratischtr Ulnlsimeiii fli den 6. Sftliiitt Reichstags- RIalillittis. Achtung! Parteigenossen! Achtung! 45. Kommunal- Wahlbezirk. Donnerstag, den IS. November, abeudS 8'/« Uhr. bei Hanl, Perlcbergerstr. 13: MF* Versammlung-MZ TaaeS-Ordnung: Die bevorstehende Stichwahl. Referent Dl». Glocke. 248/8 Der Vorstand. DW� Parteigenossen, um den Sieg in unserem Wahlkreis zu einem vollständigen zu machen, ist es notwendig, daß die Genossen bis zum Tage der Stichwahl unablässig agltteren, damit der Genosse Glocke am Tage der Wahl als Sieger hervorgeht._ D. O. Achtung, Bananschlager! Freitag, de» 17. November, abends 7 Uhr, im„Elyfinm", Landsberger Allee 40/41: Versammlung samtlicher Kollegell. Tagesordnung: L Unsere Lohnfrage. 2. Verschiedenes. 33/19 Die Liohnkomiulsslon. »Mb« Freie Volksbühne. III. Abtellnns: Ostend-Theater 8% Orr: Sonntag nachmittag; Winterschlaf. Winterfest 18. November in Keller« FestsäJen. Das Programm besteht aus einem Kunstler-Solistenkonsert and Becita- tionsrorträgen aus modernen Lyrikern. _,„) Frl. H. Kaufmann. «esancsvortrttce:) Herr E. servator. Streichquartett: Herren Oebrtder Boriach. Pianistin: Frl. Ida MOlIer. Reeitator: Herr Laurence. Zum Vortrag gelangen Werke folgender Tondiebter: Haydn, Beethoven. Schubert, Bruohmann, Claudius, Mendelsohn, Handl, Nach dem Konaert Tana. Jtnr für Hltjglleder. Festmarken in allen Zahlstellen a 50 Pt bitten wir rechtzeitig zu entnehmen. 231/17 Der Vorstand. L A.: G, Winkler. Arbeiter-Bildungsschule. Am Sonntag, den 19. November, abends 7 dir, In Fenerstelns Festskien, Alte Jakobsir. 76: Vortrag des Genossen Dr. R. Friedeberg Ober: Pflege und Erhaltung der Schönheit. Nach dem Vortrag: Gemütliches Beisammensein n. Tans. Eintritt 10 Pf. Q-arderobe 10 Pf. 6/9 Achim! Maurer. Achtung? Donnerstag, de» IS. d. M., abendS SVi Uhr, bei Zühlke, Deunewihftraße 13: 137/18 OefFentllebe Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Genossen Schubert über: Der Zweck der politischen und gewerkschaftlichen Organisation. 2. Diskussion und Ge- werkschastlicheS. _ I. II.: Karl Pemfer. ürßeiter-LenlissrMel u.Vklseds ausschlteblich eigenes Fabrikat.— Specialität: Arbeiter, BernfS- kleiduug: Blau Köper-Jacken M. 1,65, steigend se nach Grösse um 10 Pf., blau Köper-Hosen, in allen Länge», M. 1,65. Arbeiterhewden, Bluse», Maler- titlet u. Montenrhrmden. v. HVarael A Co., Wrangelstr. 17 Nerei» Watdemkrattscher Gast- und Schani'. Milte Berlins n»d Nntgeaend. Freitag, den 17. November, bei jr'ollegen«leinert, Schiilstraste: Mitgliedcr-Berfammlttttg. TageS-Orduung: 1. Bortrag. 2. DlSkusston. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. 4. Seteins, angelegenhetten.— Um zahlreichen Besuch bittet 87/1 Der Vorstand. I. A.: parcklnaad Ewald. AM«»! Bauarbeiter! MtHii»! Zahlstelle Berlin II. Sonnabend, 18. Novbr., abends SVa Uhr, im Moabttrr Klnbhans, Brufselstr. 9: 45/12 Mitglieder- Versammlung mit Frauen. TageS-OrdNNNgu 1. Bortrog über„Mann und Weib". Referentln Frl. I. Altmann. 2. Diskussion._ Nachdem: gM- Tana."75kl) Um rege Beteiligung bittet _ Die Ortsverwaltung._ 29248« Mqv VlipitiS Fest-Säle, MdA liliCIU Hasenheide 13, 14,15. 8«r Mitteilung, dass ich meinen ncne» Frstsaal. Hascnheide 13, circa 1500 Personen fassend, am 1. Weihuachtsfciertag eröffne. Stelle denselben den geehrten Bereuten, Gesellschaften jc. zu Festlichkeiten zur Ver- fügnng. Gleichzeitig empfehle meine übrigen Festsäle zu Versammlungen und Fcstlichkelten jeder Art. Der Totensonntag sowie einige Sonnabends find noch zu vergeben. IIa» Klleiu. 'Vahnn QU10 üabr» Garantie, Vollkommen schmerzloses Zahn- LaiinS L. Rl 1'eheB I M. Plomben 1,50 M. 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An- fang 7V, Uhr. Schiller. Der Richter von Zalamea. Anfang 8 Uhr. Neues. Ein unbeschriebenes Blatt. Anfang 7»/, Uhr. Weste». Der Freischütz. Anfang 7V, Uhr. Thalia. Der Platzmafor. Ansang 7V- Uhr. Residenz. Jagdfreuden. Borher: Familien-Simper Ans. 7V, Uhr. Luise». Molch CarrS. Ansang 8 Ubr. Central. Die Geisha. Anfang 7V- Ubr. Carl Weift. Der Weltuntergang. Ansang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Ein gefunder Junge. Anfang 8 Uhr. Bictoria. Die Chanfonnetie. DaS Bcrsprechcn hinterm Herd. Anfang 7 Uhr. Belle> Alliance. Gastspiel des Schlierseer Bauern- Theaters. Liserl vom Schliersee. Ansang 8 Uhr. Metropol. Specialitäten- Bor- stellung. Rund um Berlin. An- sang 8 Uhr. Apollo. Frau Luna. Specialitäten- Borstrllimg. Ansang 7Vj Uhr. Rcichshallen. Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Palast. Susanne im Bade. Speciali- läten-Borstellung. Ans. 8 Uhr. Passage> Paiiopttknin. Speciali- tnlen-Bvrstellnng. Urania. Jnvnlidcnstr. 57/(i'Z Täglich abends von b— 10 Uhr: Sternwarte. Tnubenstr. Im Theater: Der Sieg deS Menschen über die Natur. Ansang 8 Uhr. Lchilifl-Thflütl (Wallner-Theater). Donners tag, abends 8 Uhr: Itvi» Richter von Zalamea. Schauspiel in 3 Ausz. von Calderon de la Barca, bearb. v. Ad. Wilbrandt. Freitag, abends 8 Uhr: IHo Gi'osBstadtlaft. S o n n a l> e» d, abends8Uhr: Vlv dnntxl't'an von Vr-lean». Crntvnl Tlirntev Direktion: 1o»s peroncrx. Dir Gri-shK. Ansang V-6 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntagnachmittag 3 Uhr zu balben Preisen: 0ls Fl«darmau$ von Johann Straub Ui'snis VandvnWtr»»»« 48/4». Im Illsatvr adsnäs 8 Ubr: „Der Sieg den Menschen über die Katar." Hörsaal: Professor Dr. Müller: „Vom Kachtlsch." Invalldenstr. 57/0%: Tägl. Sternwarte. Nachmittags 5-10 Uhr, Passage-Theater. Ken! Anatomisch. Museum. Passage- Jjj Theater. n Das Ehepaar 0. Mallay auf seiner Hochzeitsreise um die Welt zu Fuss, and lä Debüts. 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Tartakoff. Zalva Trio. Cabaret. Mary Wolf. Die Piccolos. Um 9 Uhr 30 Minuten der Schlager der Saison: !! Rimd um Berlin.!! Anfang: Wochentags 8 Uhr, an Sonn- mrd Festtagen 7'/, Uhr. Ende II Uhr. Telephon Amt I 2126. Sonntag, den 19. November, nachmittags 3 Uhr: Promenaden-Specialitäten- Vor- stellung. Abends Vz8 Uhr: Jubiläums- Vorstellung. Zum 50. Male: Rnnd um Berlin. W. Noacks Theater, Brunnenstrabe 16. DerTrompetervonSäkkingen Romantisches Schauspiel mit Gesang in 3 Akten(7 Bildern) von Hildebrandt und Keller. Jeden Sonntag. Dienstag und Donnerstag nach der Vorstellung: Tanzkränzche». -Ämeriean-Theater. Dresdenerstr. 96. Dir.: Emil Schnabl. „Berlin ulkt!" 12 erstklassige Debüts. Zum erstenmale in Deutschland: Th« Anicrican Klneoscaph Anfang 8 Uhr. Kassencröffn. 7 Uhr. Ciroiis. AlbSchumann Gross 1 er eques Irischer Circus der Welt. , Jjh ettgctnfw /,-?/ irmtitHtt) Circus Renz Heute Donnerstag, den 16. d. M., abends präz. 7»/, Uhr: Eiite-Ahend. 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Sonnabends nach der Vorstellung: Gesellschaftsabend und Tanz� AWk-Vorzugskarten sind gültig und in allen Eigarr.-Gesch. zu haben. Maehrs Theater Oranicnstr. 24. Grüne Jungs. Gesangsposte in 1 Akt von E l y. Fugen Rossee, Mimiker. Fisa Messer iprolongiert). Franziska Held. Gertrud BUrgel. Freitags: Familienabend. Ansang 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Vorzugskarten an Wochentagen gültig Freitag, den 17. November 1899: Benefiz für Willi Uarnisch. ..Unser Helgoland.-- Liederspiel von O. Wagner. II. Grupes Tanz-Institut, Annenstr. 16(früher Klubhaus). Sonntags-Kursus per Monat 3 M., Dienstngabend-Kursus p. Monat 4M. Säle und Vereinszimmer für Ver- ammlungen u. Festlichkeiten. s2972L« Idso srtiäld lu zvsnigsa Miauten mühelos In unerreichter Schmackhaftlg'kelt und Ndhrkraft 1 0 Glnten' SäkäO in Würfeln, eis ausgezeichnetes KAKAO-FRÜHSTÜCK für. 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Nov., nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Heilig- Kreuz- Kirchhofes, Mariendorf aus, statt. s660b Dies zeigen tiefbetrübt an Tie trauernde» Hinterbliebenen OavI Buttke nebst Kindern. Reichshallen. Stettiner S äug er. Heute zum Schlub: Eine Soiree bei Lehmanns. Burleske v. Meysel. Ans. präc. 8 Uhr. fMypboit Selbsbpi elende istspietende XusiHyet\e. zum Preise»in 2QMX. aufwärts iieFern gegen Monatsraten »cdMkaii CMonate Garantie Cataloqe güailsT BiaL, Freund&.Co. Breslau. Zähne 1,50 Mk., die beste» kosten dem Zahnarzt nur ca. SV Pf., und zahle ich dem lOO Mark Belohnung, der nachweist, daß die Zähne, für die andere 3, 4 oder mehr Mark nehmen, besser sind. Reparaturen 2 Mk. Umarbeit. zerbrach. Gebisse von 3 Mk. an. Nervtöten 1 Mk. Zahnreinigen 1 Mk. Plomben 1 Mk. usw. Mk. 30SSL« Sihmtrjlch�Mjnziehm Langjährige Garantie! E.Fahrmaim, jetzt Kastanien-Allee 75, I, früher Schwedterstraße 245 a. Ulan beachte m Sonntage-lnserat l lUikLii Ii. Goldwaren neueste Mutter, billigste Preise. 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