Nr. 270, Kblnmtments• KedtnMngrn: «bonnementS- Preis pränumerando: vierteljährl. Z,N SRC., monatl. 140 SRC., wöchenllich LS Pfg. frei in? HauZ. Einzelne Nummer K Pfg. Sonntags- Nummer mit Illustrierter SonntagZ- Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Singetragen in der Post- ZeitungS- Preisliste für 1889 unter Nr. 7820. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für das übrig« Ausland S Marl pro Monat. Erscheint täglich austrr Zvonlag». Devliner Volksblatk. 16. Jahrg. Die Jnstrtions- Gebühr beträgt für die fechSgespaltene Koloner. zcile oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlung«- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Zinicigen" jedes Wort 5 Psg. (nur daS erste Wort fett). Inserats für die nächst« Nummer müssen biS 4 Uhr nachmittags inderExpeditionabgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abendi, an Sonn- und Festlagen bis ö Uhr vormittags geöstnet. Fernsprecher! vmt l> vr. 1508. Delegramm-Adresse: „Sorialdrmokrat verlin" Centraiorgan der sociatdemokratischen Partei Deutschlands. Krdaktivn: SM. 19. Beuth-Strasze 2. Freitag, den 17. November 1869. Expedition: SW. 19, Beukh-Strasze 3. Das halbe Zuchthaus. Von 24 Mitgliedern der nationalliberalen Neichstagssraktion— i>. h. genau von der Hälfte der Fraktion einschließlich der vier Hospitanten— unterzeichnet, sind die aiigekiindigten Anträge zum Zuchthausgesetz im Reichstage eingegangen. Sie lauten: Der Reichstag ivolle beschließen: I. Au Stelle des§ 1 des Entwurfs zu setzen: Artikel I. Inländische Vereine jeder Art dürfen mit einander in Ver- bindung treten. Entgegenstehende landcsgesetzliche Bestimmungen sind aufgehoben. Artikel II. Die ZZ 1S2 und 1S3 der Gewerbe- Ordnung erhalten folgende Fassung: 8 152. Alle Verbote und Strafbestiinmungcn gegen Gelverbctreibendc. gewerbliche Gehilfen, Gesellen oder Fabrikarbeiter wegen Vcreini gungen oder Verabredungen, die eine Einwirkung ans Arbeits- oder Lohnverhältnisse bezwecken, insbesondere mittels Einstellung der Arbeit oder Entlassung der Arbeiter, werden aufgehoben. Jedem Teilnehmer steht der Rücktritt von solchen Vereinigungen oder Verabredungen frei und es findet ans letzteren weder Klage noch Einrede statt. 8 153. Wer durch körperlichen Zwang, Drohung, Ehrverletzung, Verrufs- erklärung oder rechtswidrige Wegnahme, Vorenthaltung oder Bc- schädignng von Arbeitsgerät, Arbcitsmaterial, Arbeitscrzeugnisscn oder Kleidungsstücken 1. Arbeitgeber oder Arbeitnehmer zur Teilnahnie an Vereinigungen oder Verabredungen der im§ 152 bezeichneten Art bestimmt oder zu bestimmen versucht oder von der Teilnahme an solchen Vereinigungen oder Verabredungen abhält oder abzuhalten versucht, 2. zur Herbeiführung oder Förderung einer Arbeiteranssperrung Arbeitgeber zur Entlassung von Arbeitnehmern bestimmt oder zu bestimmen versucht oder an der Annahme oder Heranziehung solcher hindert oder zu hindern versucht, 3. zur Herbeiführung oder Förderung eines ArbeiteransstandcS Arbeitnehmer zur Niederlegnng der Arbeit bestimmt oder zu bestimmen versucht oder an der Annahme oder Anfsuchung von Arbeit hindert oder zu hindern versucht, 4. Personen, ivclche nicht oder nicht dauernd an einem Arbeits ausstand oder an einer Arbeitsaussperrung tcilgciiommcn haben, aus Anlaß dieser Nichtbeteiligung aus dem Arbeits- Verhältnis herauszudrängen oder sonst zn schädigen sticht, wird mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft. Sind mildernde Umstände vorhanden, so ist ans Geldstrafe bis zu dreihundert Mark zu erkennen. � Eine Verrufserklärung oder Drohung liegt nicht vor, wenn der Thätcr eine Handlung vornimmt, zu der er berechtigt ist, ins- desondere wenn er befugtcrweise ein Arbeits- oder Dienstverhältnis ablehnt, beendigt oder kündigt, die Arbeit einstellt, eine Arbeits- cinstellung oder Aussperrung fortsetzt, oder wen» er die Vornahme einer solchen Handlung in Aussicht stellt. Der Drohung wird es gleich geachtet, wenn jemand in un- gehöriger und belästigender Weise Arbeitgebern oder Arbeitnehmern auf Straßen und Wege» folgt, oder Wohnungen, Arbeitsstätten Wege. Straßen, Plätze. Bahnhöfe, Wasserstraßen, Hafen- oder sonstige Verkehrsanlagen oder den Zugang zu denselben bewacht oder besetzt hält. Straffrei ist das Warle» oder der Aufenthalt an diesen Ocrt- lichkeitcn oder in deren Nähe lediglich zu den: Zwecke, Nachrichten oder Auskünfte zu geben oder einzuziehen. II. Die KZ 2 bis 11 des EutwnrfS zu streichen. Berlin, den 16. November 1899. Büsing. Möller(Duisburg). Dr. Sattler. Boltz. Dcpkcn. Dr. Eudemann. Dr. Esche. Dr. Hasse. Dr. Heiligen stadt. Hilbck. Hische. Horn. Hosang. Kahlcke. v. Kaufmann. Kettner. Kracmcr. Dr. Lehr. Dr. Paasche. Rimpau. Schulze> Steinen. Tönnics. Uhlcniann. Wamhoff. Die nationalliberalen Anträge gehen in den Spuren, welche Professor van der Borght in seiner kürzlich von uns besprochenen Schrift vorgezeichnet hat. Sie unterscheiden sich von den Vor- schlügen des parteigenöjsischen Professors nur dadurch, daß sie von dessen Vorbedingungen behufs Sicherung des Koalition Srechts die bedeutsamsten nicht übernehmen. Die juristische Höherstcllung und Sicherung der Berufsvereine, welche der Professor forderte, wird von den praktischen Preisfechtcrn des Jndustrie-Despotismus beiseite geworfen. Unverhüllt und bar der Scham tritt der Anschlag gegen das Grundrecht der arbeitenden Klasse auf den Plan. I» den nationalliberalen Anträgen ist allcS Wesentliche der Zuchthausvorlage enthalten. Auf den Zuchthausparagraphen, der sich nur aus bekannten Gründen in das Gesetz verirrte, hat die Regierung längst verzichtet. Aber alles Gefährliche, alles, was geeignet ist, die Erdrosselung des Koalitionsrechts herbeizuführen, haben die Herren um Möller und Hilbck sich zu eigen gemacht. Das AuSnahmegcsctz des§ 153 der Gewerbe- Ordnung. dessen Beseitigung eine Lcbensnotwendigkeit für die arbeitenden Klassen bedeutet, wird um eine Unzahl neuer, verschärfter, zu tausend rabulistischcn AnSlcgnugskünstcn verführenden Ansnahmc- bcstimmnngcn vermehrt.: Zahllose neue strafbare Dhatbestände werden konstruiert, auf daß keine Arbeiterorganisation, die sich gegen Unternehnierübernint wehren oder eine Hebung ihrer Lage will, die Möglichkeit habe, ihren Willen auch nur einen Schritt weit in die That umzusetzen, ohne sich sofort hundert- fältig in den Falleisen der nationalliberalen Arbeiterpolitik zu ver- fangen.'>> ,( Wir erwarten, daß die Brutalität des nationalliberalen Be- ginnens um so schärfere Absage in der Volksvertretung herbeiführen wird. Das deutsche Volk fordert vom Reichstag, daß er diese �nationalliberalen Anträge mitsamt dem Znchthauscutwurf selbst ohne jedes Federlesen mit kräftiger Hand in den Orkus versenke.— Nolikifcho Mebevfichk» Berlin, den 16. November. Der Reichstag beschloß heute mit großer Mehrheit, den Beschlüssen der Kommission gemäß, das B ri ef- m onopol 1 der Post auch für die Briefbeförderungen innerhalb der Gemeinde grenzen. Damit ist das Schicksal der Privatposten besiegelt. Vom 1. April des nächsten Jahres giebt es im Deutscheu Reich keine Privat- Posten mehr. Es versteht sich, daß ein solcher Beschluß nicht ohne lebhafte Debatte gefaßt wurde, und nicht ohne daß die prineipielle Frage der Verstaatlichung und der Rechte des Privateigentums zur Erörterung kani. Die mauchesterliche Auffassung, daß der Staat der Privatindustrie und dem Privatbetrieb freien Lauf lassen muß, wurde selbstverständlich mit mehr oder weniger Schärfe von den bürgerlichen Parteien vertreten, wohingegen die Socialdeniokratie. deren Sprecher Genosse Singer war, demStaat das Recht der Monopolisierung solcher Betriebe, bei denen sie im öffentlichen Interesse ist, schon in der heutigen Gesellschaft zuerkennt. Besonders warm verfocht der freisinnige Abgeordnete Müller(Sagau) den manchesterlichen Standpunkt; er verstieg sich zu dem gc- flügeltcn Wort: der Beschluß bedeute„die absichtliche Erdrosselung der Privatposten, wobei er sich auch einige, nicht sehr glückliche Witzeleien über den Hannoverschen Parteitag und das„verschobene Endziel" leistete. Das mag er wohl nach der Abfertigung, die ihm durch Singer zu teil wurde, bereut haben. Wir wollen hoffen, daß Herr Müller das ihm zur Verfügung gestellte Parteitags-Protokoll gut durchstudieren wird. Ganz unbegreiflich ist, wie er cS eine „Erdrosselung" der Privatpostcn nennen kann, daß ihnen das achtfache des Ertrages als Entschädigung Angeboten wird! Zutreffend bemerkte Singer, daß viele Industriezweige und Privatgeschäfte sich gern unter gleichen Bedingungen„erdrosseln" lassen lvürdeu. Der 3. Artikel des Gesetzeutivurfs, der vom 1. April 1966 an den Betrieb von„Anstalten zur gewerbs- mäßigen Einsamnilung, Beförderung zc. von unverschlossenen Briefen, Karten, Drucksachen und Warenproben verbietet, gab dem Genossen Herzfeld Gelegenheit, den bekannten Mecklenburger Vorfall(Verhinderung der privaten Spedition und Beförderung einer socialistischen Zeitung) zur Sprache zu bringen. Er geißelte wirksam und gründlich das Verfahren der Postbehörden, die der Polizei Handlangerdienste gcthan. Herr v. Podbiclski bestritt die Richtigkeit der Darstellung Herzfclds. Dieser widerlegte ihn jedoch so schlagend, daß der Reichstag nüt großer Mehrheit unser» Antrag annahm, welcher derartigen Praktiken vorbeugt. Der zlvcitc Teil unseres An- träges, betreffend den Mißbrauch, der mit den Sonntags- g e s e tz e n gegen die Verteilung von Zeitungen und Flug- blättern getrieben wird, fand jedoch leider keine Mehrheit. Das von den Manchcsterleutcn vorgebrachte Argument, die Post werde, sobald ihr die Konkurrenz der Privatpostcn vom Halse geschafft sei. sich jedem Fortschritt widersetzen, ist des- halb nicht zutreffend, weil die Post dem Reichstage unter- steht, der es in der Hand hat, sie zu Fortschritten zn zwingen. In der bezüglichen Debatte fiel auch der erste Ordnungsruf, und zwar auf das Haupt Singers, der dem Herrn v. Pod- bielski für seine Verteidigung der mecklenburgischen Praktiken eine„Pose des Biedermanns" zuerkannt hatte. Singer ließ die Pose" fallen, und ließ es beim einfachen„Biedermann". Auch Artikel 3 wurde mit großer Mehrheit angenommen. Da man in die E n t s ch ä d i g n n g s f r a g e, die den meisten Staub aufwirbeln wird, heute nicht mehr eintreten wollte, wurde die Sitzung um 3 Uhr vertagt. Morgen 1 Uhr Fortsetzung der Debatte.— Die Antwort auf den deutschen �lottcnplan. Noch ist die neue Flottenvorlage des Herrn Tirpitz in den ersten Stadien der Vorbereitung. Aber die Ankündigung, daß eine solche geplant werde, hat genügt, um das Wett- rüsten der Nachbarstaaten erneut zu entfesseln. Die„Nordd. Allg. Ztg." meldet: Wie Pariser Privatmcldungen hervorheben, ist der Marine- minister de Lanessan mit der Ausarbeitung cincö Flottenplancö beschäftigt, den er der Kammer demnächst vorzulegen gedenkt. Soviel darüber bekannt wird, ist eine Anzahl von grosic» Neubauten vorgesehen, sowie eine Beschleunigung des Ausbaues der Panzer und Kreuzer, die zur Zeit aus den verschiedenen Werften in Arbeit gegeben sind. Soweit bisher der Plan der im Bau befindlichen und in Auftrag gegebenen Schiffe fest- gelegt ist, sind zu liefern 1000: 32 Schiffe, nämlich 2 Panzerschiffe, 1 Panzerkreuzer, 1 Kreuzer 1. Klasse, 3 Kanonenboote, 1 Torpedojäger, 6 Torpedoboote, 0 erstklassige Torpedoboote. 1 Turbineuboot und 3 Unterseeboote; 1901: 19 Schiffe, nämlich 1 Panzerschiff, 5 Panzerkreuzer. 9 erstklassige Torpedoboote, 4 Torpedoboote; 1902; 13 Schiffe, nämlich 3 Panzerkreuzer, 4 Torpedojäger, 6 Unterseeboote; 1903: 3 Panzerkreuzer. Zusammen also sind bisher zu liefern: 67 Schiffe. Der Marine- minister will nichtnurdieLioferzcit dieser Schiffe beschleunigen, er wiiuscht auch im künftigen F l o t t e n p l a n im allgemeine» eine kürzere Bauzeit vorgesehen. Der Plan des französischen Marinechefs ist der Wicderhall I der Hamburger Kaiscrrede und der offfziösen Ankündigungen. Deuffchland will die für 6 Jahre vorgesehenen Kriegsschiffs- bauten schneller durchführen als das Gesetz von 1898 festsetzt. Herr de Lanessan antwortet mit der Beschleunigung des Baues der Panzer und Kreuzer, die sich bereits in Arbeit befinden. Deutschland denkt an neue Flottenvermehrnng über das Flottengesetz hinaus. Der französische Marineminister antwortet mit der Unterbreitung neuer Schiffsforderungen vor der Deputiertenkammer und verlangt den Ausbau dieser Schiffe in kürzerer Baufrist als bisher üblich war. In Deutschland kürzere Baufrist und mehr Kriegsschiffe, in Frankreich mehr Schiffe und kürzere Banfrist. Bald werden wir ähnliches aus England, aus Rußland und Amerika, aus allen ans ihre Wasserehre bedachten Staaten vernehmen und der Flottenplan des Herrn Tirpitz ist veraltet, ehe er noch fertig gestellt ist. Eine wahrhaft fürsorgliche und wcitausschaucnde Regierung wird darum gut thnn, nüt ihrem jetzigen Flottenplan sogleich einen zweiten, allcrncuesten Flottenplan der Volksvertretung vorzulegen.— Wo die Roheit blüht. Der Erste Staatsanwalt in A l l c n st e i n erläßt folgende Bekanntmachung: „Die Messerstecherei nimmt in der letzten Zeit im dies- scitigcu Bezirk trotz der schweren vom Gericht stets verhängten Strafen in einer Weise zu, daß sie eine ernste Gefahr für Leven und Gesundheit, sowie für die öffentliche Sicherheit bedeutet. Ilm thuulichst die Strafe für solche Roheiten auf dem Fuß folgen zu lassen und dadurch auch nachdrücklicher zu machen, erwarte ick von allen Polizeibehörden, insbesondere von den Gendarmen, daß jeder Messerstecher gleich nach der That fest- genommen und dem zuständigen Amtsgericht zur Verhaftung vorgeführt wird." Ter neunte Kreis des Regierungsbezirks Königsberg (Allonstein-Rösscl) ist im Reichstage durch den Domherrn Hcrrmann vertreten; für diesen CentrumSmann wurden 9322 Stimmen abgegeben. Ein polnischer Kandidat erhielt bei den letzten Reichstagswahlcn 3667 Stimmen, der Social- dcmokrat nur 154. Dieser Messerstccherkrcis ist demnach eine der socialistcn- frciestcn Gegenden des Deutschen Reiches. Von 166 ab- gegebenen Stimmen entfallen bloß 1,63 auf den Umstürzler; nur einige dreißig Kreise sind noch uinsturzreiner. Ja, dieser Kreis ist sogar mit der Zeit noch reiner gewörde», da bei den 1896er Wahlen der Prozentsatz der socialdemokratischen Stivtmen immerhin schon 2,71 betragen hatte. Dieses gesegnete Allcnstcin hat eine durchaus gläubige kirchlich-frommc Bevölkerung. Sie rüttelt nicht an den Grund- sänlen des Staates, nicht an Thron und Altar, nicht an Ehe und Familie. Keine zügellose Begehrlichkeit macht dieses Revier deS treuen, anspruchslosen Patriarchalismns unsicher. Und die paar Umstürzler sind nur leise, kaum sichtbare Spritz- flecke auf dem spiegclhellcn Schilde der landesüblichen besten Gesinnung und Gesittung. Kurz das Eden unserer herrschenden Klassen ist in diesem Kreise zur Erde gestiegen. Das ist das Land, in dem sich die Sehnsucht unserer Staatsretter, Scharfmacher, Patrioten und Kirchenhörigcu er- füllt. Wird es also unseren Ordnungsleuten in den social- demokratisch verseuchten Strichen des Reiches gar zn unHeim- lich, so mögen sie in dieses Paradies der Gntgesinntheit auswandern, wo noch die alte Zucht und Sitte herrscht, wo kein Arbeitswilliger von ruchlosen Streikbrüdern terrorisiert wird und die Jugend noch nicht derVerrohung derJndustriebevölkerung verfallen ist. Fühlen sich dann die Flüchtlinge vor der Umsturzpest gelegentlich im Besitz einiger ländlich- sittlicher Messerstiche, so werden sie lächelnd auf diese Gaben als schöne Bcthätigungcn einer von der socialistischen Verseuchung ver- schont gebliebenen urkräftigen Musterbevölkerung hinnehmen und preisen.—_ Ohne Majorität. -st- Wie». 15. November. DaS Netz zieht sich immer dichter über dem Haupte der 3le- gieruug Clary zusammen, und es ist nicht abzusehen, wie sie den vielen Anschlägen der Majorität entrinne» soll. Daß diese zn einem entscheidende»' Vorstoß ausholt, ist gestern sichtbar geworden. Im Abgeordnetcnhause, das die Debatte über die traurigen Vorgänge in Mähren noch immer nicht beendigt hat, stellte gestern der Abg. I a>v o r s k i, der Chef der Rechten, den Antrag, die Ans- gleichLvcrordnnng einem Ausschüsse zur Berichterstattung zuzuweisen. Der Antrag verfolgt ersichtlich den Ztveck, die Regierung an die Wand zu drücken. Der Kaiser soll mit der Furcht erfüllt worden, der oktroyierte Ausgleich könnte am Ende die Indemnität nicht erlangen und a»S dieser Besorgnis zn einem„SystciMvcchscl" schreiten, der natürlich wieder die Majorität ans Ruder bringen müßte. In engstem Zusammenhang mit diesem Antrage steht der Beschluß der Staatsschntden-Kommiision, die gestern das Begehren der Regierung ans AnSfolgung des Goldschatzes zum zwcitcuninle und damit wohl endgültig abgelehnt hat. Der ablehnende Beschluß wurde in der Kommission mit Stimmengleichheit gefaßt; cS konnte dazu nur kommen, weil Herr Dr. v. Fuchs, der als Referent bestellt war, das Referat niederlegte, um den Vorsitz führen zu lomic»; dadurch wurde erreicht, daß das Votum des Vorsitzenden bei den ablehnenden drei Stimmen war. und nach der GeschäftSordnniig gilt eben bei Gleichheit der Stimmen die Ansicht, für die der Vor- sitzende votiert. Schon aus dieser Einzelheit ist zu er- kenneu, daß es sich bei der so unvermutet auftretenden Gesetztreue der Rechten ivcniger um die Bcthätiguitg eines empsind- liehen RcchtsgcfiihlcS. als um eine politische Aktion gegen die Rc- giernng handelt. Die Affaire ist für die Regierung umso peinlicher, als sie sich den ResitS zweimal geholt hat und die Ungarn bereits mit Vorwürfen zur Stelle sind. Der Abg. U g r o n hat nämlich gestern im ungarischen Abgeordnctcnhanse eine Interpellation ein- gebracht, die die Regierung zur Beschleunigung aller nötigen Vor- arbeiten für die Errichtung einer selbständigen Bank auffordert. Die „Drohnng" braucht gar nicht besonders ernst genommen zu werden — ist doch die Gemeinsamkeit der Notenbank eines der größten Vor- teile, den die Ungarn aus dem Dualismus ziehen—, aber bei der Empfindlichkeit der Krone gegenüber dem Oestreich und Ungarn der- knüpfenden Bande kann die Sache dem Ministerium Clary unter Umständen Verhängnisboll werden. Die Regierung Clary war vorweg ein Experiment; es scheint nicht, daß es glücken sollte. Zwar das System der majoritätslosen Regierungen ist nicht von heute; wir glauben, daß cS auch im deutschen Reichstag eine feste, der Regierung zur Verfügung stehende „Majorität" nicht giebt. Aber ein solches System, bei dem zwischen Regierung und Parlament jede Wechselwirkung fehlt, setzt eins voraus: daß sich die Thätigkeit deS Parlaments nur in fach- lichen, fast nur Fachfragen eychöpft. Wo sich's um politische Dinge handelt, muß es versagen. In Oestreich ist aber alles, um das Wort von Maria Theresia zu gebrauckicn, ein „Politiknm", die kleinste staatliche Nngrlcgenheit so gut wie die Ver- teilung der Macht in Gesetzgebung' nnd Verwaltung. Und dazu kommt, daß eine öftreichische Regierung so viel odiose Aufgaben zu erfüllen hat, die berüchtigten„Staatsnötwcndigkeiten", daß sie eine dienstwillige, allezeit ergebene Majorität nicht' entbehren kann. So pendelt der öftreichische Staatskarrcu immer zlvischen beiden Uu- Möglichkeiten: ohne die Deutschen ist in Oestreich nicht z« regieren, mit ihnen allein auch nicht. Und das Problem, Czecheu und Deutsche in einer Koalition zu vereinigen, ist noch lange nicht gelöst. Drei Minister nach einander sind an der Obstruktion gestorben; das jetzige kann wieder einen natürlichen Tod finden t den Mangel einer Majorität. Wer eine unmögliche Verfassung studieren will, hat an Oestreich ein Musterobjckt.— ** * Deutsches Weich. Kaiscrin-Politik. Die lebhafte Initiative, die Wilhelm II. im politischen Leben bcthätigt, findet nun auch bei seiner Gemahlin Nachfolge. Die Kaiserin hat durch ihren Kammerhcrrn, den Freiherr» v. Mirbach, ein Schreiben an die Stadtverordneten gerichtet, in dein sie in scharfen Worten das Verhalten der Stadtverordneten in kirchlichen Dingen rügt. Unsere Leser finden den denkwürdigen Brief des Herrn Mirbach und die kluge Antwort, die ihm der Stadtverordncten-Vorsteher gewidmet hat, in dem Bericht über die Stadtvcrordncten-Verfammlung.DieKaiseritt beklagt sich, daß die Stadtverordneten das Kirchenbanen den Juter- essentcn überlassen; sie äußert ihre starke Mißbilligung darüber, daß das Mitglied Dr. Prcnß ein paar fromme Worte, sicher ganz ohne schlimme Absicht, scherzhaft verwendet hat; und da der Herr aus- drücklich als Lehrer der Universität bezeichnet wird, so ist es nicht ausgeschlossen, daß der neue Kultiisminister darin einen Wink er- blickt, den Aermstcn vor seinen Richtcrstnhl zu locken. UebrigenS berührt die heutige Empfindlichkeit gegenüber der spaßenden Anwendung biblisch-kirchlicher Sätze eigentümlich. Als der orthodoxe Glaube noch allmächtig ivar, vergnügten sich die kirchlichen Leuchten selbst damit, Bibelsprüche und Kirchenlieder zu parodieren. Auch ein Stöckcr hat erst jüngst gewitzelt:„Wenn ich dies Wunder schauen will, so steht mein Geist vor Erfurt still". Endlich fordert der Mirbachsche Brief noch die guten nnd treuen Elemente der Versammlung auf, sich nicht nur um das äußere Gedeihen der Stadt zu kümmern, sonder» auch an der Besserung der vielen tiefen inneren Schäden, an denen die Rcichshauptstadt kranke, zu arbeiten. Da die Kaiserin wohl nicht die durch das herrschende freisinnige Manchestcrtnm hervorgerufene Mißwirschaft meint, gegen die wir Socialdcmokraten fortgesetzt ankämpfen, so handelt cS sich offenbar auch hier um kirchliche Schäden, für die das Stadtparlaineut nicht kompetent ist. Es ist kein Zivcifel, das; das Eingreifen der Kaiserin in die kommunale Politik vielfach verstinmie» wird. Andererseits ist eS vom Standpunkt der Gleichberechtigung der Geschlechter nicht unerfreulich, daß dicKaiserin daS gleiche politische Interesse zeigt und bcthätigt wie ihr Ge- mahl. Und man kann schließlich auch gegen dieses persönliche Hervortrete» nichts anderes einwenden— die sachliche Prüfung der Richtigkeit der Beschwerde ist ja nicht voimötcn— als jene koiiftitutioiiellen Bedenken, die auch gegen die unverantwortlichen Aktionen des Kaisers, die keine Deckung durch die verantwortliche Regierung finden, gerade von den Monarchisten häufig geltend gemacht ivordcn sind.— ein großer Mann und als der berufene Interpret dc-Z Heros gepriesen. Als er dann nach Bismarcks Tode erst englisch. zuletzt deutsch die wirklichen Memoiren des Kanzlers herausgab die den Gewaltigen in all seiner Brutalität hüllenlos daD stellten, schimpfteil' dieselben Leute auf den erbärmlichen Wicht. den indiskreten Kammerdiener, den unfähigen Tropf nnd gewissen losen, geldgierigen Leichenschänder nnd Leichenschachcrer. Moritz B»lch hat die Bismarck-Lcgende hauptsächlich mit ver- breiten helfen— das war seine Schuld. Er hat am Ende seines Lebens diese Legende wieder zerstört— das war die Sühne. Geboren war Busch 1821. Er redigierte zeitweilig die„Grenz boteil", und diente seit 187V als Bisnlarcks Geist» Adjuwnt. 1878 erschien sein weitverbreitetes Buch„Graf Bismarck und seine Leute Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" widmet— das ist das Los des Schönen auf der Erde— dem einst in ihren Gefielden so einflußreichen Mann ei» paar versteckte Zeile» im vennischten Teil. Er ist für sie nicht einmal mehr das„Büschcheil".— Verbotenes Chrlstenkmn. Aus Stuttgart wird gemeldet, daß der zur Socialdemokratie übergetretene, übrigens nicht mehr amtierende Pfarrer Blnmhardt infolge einer Aufforderung des evangelischen KonsistorinniS freiwillig auf Titel und Qualifikation als Pfarrer Verzicht geleistet habe. Christliche Pfarrer dürfen eben keine christlichen Anschnmmgen haben, noch welliger die notwendigen Folgernugeu aus ihnen ziehen.— Die Auflösung der Tischler- ZwangSinnnng zu Köln wurde in einer von über dreihiniderl Tischlermeistern besuchten Generalversammlung mit 27V gegen 36 Stimmen beschlossen. Bc kaimtlich ist in Köln vor einiger Zeit auch die Schuhmachcr-Zwangs iimung geschlossen worden. Voraussichtlich werden noch andere ZwangSiminngeit in Kürze folgen. ES ist traurig, daß man gerade ,m dnnklcn Köln den Nutzen der Zwangsorganisation des Handwerks nicht einsehen will.— Karlsruhe, 16. November.(Privattelegramm.) Die heutigen Wahlen der Landtags-Abgeordneten durch die Wahlmänner ergaben weitere Verluste der Nationallibcralc». Die Kammer wird künftig ans 23 Nationallibcralen, 22 llltramontanc, sieben Tocialisten 7 Freisinn-Demokraten, je einem Konservativen, Baucrnbündlcr Antisemiten, Wilden, bestehen. Genosse Lutz unterlag in Karlsruhe Land mit nur drei Wahlmänneru weniger dem konservativen Kandidaten.— Schlettstadt, 16. November. Amtliches Resultat der am 12. d.M im 6. Elsaß-Lothringischen Wahlkreise stattgehabten Reichstags-Ersatz wähl: Von 10 922 abgegebenen gültigen Stimmen erhielt Dr. Vouder- schcer(klerikal) 7124, Dirioug(liberal) 2070, Brzostcwitz(Soc.) 958. Kornmann(liberal) 739 Stimnicn. Dr. Vonderschecr ist somit gewählt. Die früheren Mitteilungen des Wölfischen TclegraphenburcauS enthielten mithin einige Irrtümer.— Ausland. Die Pest. Konstantin opel, 15. November. Für die Provenienzen aus Bougic und Philippcville in Algerien ist eine zehntägige Quarantäne, für diejenigen aus Trieft ärztliche Untersuchung angeordnet worden. Trieft, 16. November. Infolge der von Griechenland an- geordneten Quarantäne für die Herkünfte aus Ocstrcich-Ungarn wird die Berührung der griechischen Häfen auf allen von Trie st ausgehenden Levantelinien des ö st reicht scheu Lloyds eingestellt. New Bork, 16. November.(„Frankfurter Zeitung".) In Brasilien sind an einigen Orten in der Nähe von Rio de Janeiro Pcstcrkranknngcn vorgekommen. Das war schön. AuS der Anwesenheit des Präsidenten v. K r ö ch e r(Vinzelberg), der fgegen den Kanal gestimmt hat, beider Letzlinger Hof- j a g d ist hier und da der Schluß gezogen worden, daß der Kaiser und die Regierung bezüglich der Knualvorlage Ivohl jetzt einen etwas anderen Standpunkt einnähmen. Nun,'da hat sich bei t Letzlinger Hofjagd, so erzählt die„Nhein.-Westf. Ztg." ein kleines Ereignis zugetragen, das zeigt, daß der Kaiser bezüglich der Kanalvorlage ganz genau noch so denkt wie früher. AIS der Kaiser die Strecke besichtigte, nahm ein Herr ans Törnitz(Hotelbesitzer daselbst) den Augenblick wahr, entblößte das Haupt und rief mit weithin schallender Stimme: „Mög's unsenn Kaiser mm gelingen, Den K anal bald durchzubringcn, Damit zu Wasser und zu Laude, Komni deutsche Kraft und Wehr zu stände. Unser allergnädigstcr KricdcnSfürst, Kaiser Wilhelm II. und sein gesamtes kaiserliches Hans, Gott schütze sie, Gott segne sie! Sie leben hoch!" Der Kaiser war von dieser Ovation freudig überrascht, er lächelte vergnügt und sagte dann:„Das war schön." Die An- Wesenheit des Herrn v. Kröcher erklärt sich, daß Vinzelberg dicht bei Letzlingen liegt. Während also Herr v. Kröcher nur als Znfallsgast des Kaisers angeschen werden darf, und die Hofacht über die Kanalrebelle» fort- dauert, ladet sich Herr v. Miguel mit Fleiß gerade die erste» Führer der Junkerrevolte zu Gaste. Am Mittwoch veranstaltete Miguel ein parlamentarisches Diner, das durch die Anwesenheit der vorzüglichsten Kanalgegner ausgezeichnet war: Graf Limburg- Stimm, Graf Äliuckowstöm und ähnliche Herren. DaS war nicht schön, Miguel!— In der Sitzung des Bundesrats am Donnerstag wurden die Ausschußberichte über den größten Teil des Etats genehmigt, desgleichen des Ansschußbericht über den Entwurf des Etats für das Schutzgebiet Kiautschou für 1900.— Flottcnwahn und Einfuhrsperre. Die„Kreuz-Zeitung" widmet den Flottenplänen ihre lauwarme Anerkennung, meint aber, die benötigten Milliarden dürften nicht durch Anleihen aufgebracht werden. Die Kosten müßten vielmehr durch neue Steuern auf- gebracht werden, und das fei nicht möglich ohne den Schutz der Landwirtschaft. Der Schutz der Landwirtschaft aber könnc— deutet das Organ an— nur durch so hohe LebenSmittelzölle bewirkt werden, daß eine Einfuhr vom Ausland unmöglich wird. Flottenpläne, Zuchthausvorlage, Brotwucher— das ist daS holde Treigcstir», unter dessen Glanz Deutschland über die ganze Welt hin leuchtet.— Bismarcks Prestlakai, Moritz Busch, ist gestorben. Er war jahrelang der Hauptmeinungömacher für die BiSniarcksche Politik.' Damals wurde er von der bürgerlichen Presse als Oestreich-Ungar». Wie», 16. November. AbgeordurtenhauS. Z e l l e r erhebt Einspruch gegen den in der letzten Sitzung von Jaworski gestellten Antrag auf Zuweisung der Ausglcichsvörlagen an den Ansschr' ohne eine erste Lesung. Der P r ä s i d e n t erklärt, daß die r'stA glcichsvorlagen dem Ausschüsse noch nicht zugewiesen worden sind, weshalb es' dem Hanse freistehe, eine erste Lesung vorzunehmen oder darauf zu verzichten. Das Haus geht dann zur Tagesordnung über, nämlich zur Debatte über die Excesse in Mähre». Der Socialdcmokrat R i c g e r hält in der Angelegenheit die Schlußrede. Er greift die Polizei heftig an, welche bei Exccsscn planlos in die Menge hineinreite. Budapest, 16. November. Die Unabhängigkeits- Partei ist entschlossen, jede Erhöhung der Quote aus dem Wege offener Obstruktion zu bekämpfen. Frankreich. Paris, 15. November. Die Ermordung der zwei fran- zösischc» Offiziere in Kwangtschau-wan wird als ver- ein zclter Fall angesehen. Adiniral CourrejolleS hat sich der benachbarte» Torffchäfteu bemächtigt. Tie Verhandlungen be treffend die Abgrenzung der französischen Konzession werden fort gesetzt.—_ Komplottprozest. Pariö, 16. November. Der Vorfitzende FalliöreS beginnt mit der Veruchnnmg Büffets. Ohne die Fragen des Vorsitzenden abzmvartcn, legt Büffet mit großer Ausführlichkeit seine Grundsätze dar. Er versichert, eS köirnc von einem Komplott nicht die Rede sei», auch hätten die Royalistcn keine Beziehungen zu den anderen Ligen. Büffet spendet dem Herzog von Orleans großes Lob»nd erklärt, der Herzog habe niemals daran gedächt, zu komplotticren und sei bei; verschiedenen royalisti scheu Kundgebungen fern geblieben.„Verurteilen Sie uns, so schließt Büffet, wenn Sie wollen, aber die Volksstimmung werden Sie da durch nicht treffen!" In Beantwortung verschiedener Fragen des Vorsitzenden erklärt Büffet dann, daß er stets für die Wieder- aufrichtnng des Königtums seine Kräfte einsetzen werde nnd macht weiter einige nähere Mitteilungen bezüglich seiner Besuche bei dem Herzog von Orleans. Der Prozeß Zola, der nächste Woche stattfinden sollte, ist vom Schwurgerichts- Vorsitzenden vertagt worden: man mnt- maßt, der Prozeß solle überhaupt aus der Welt geschafft werden.— Slfrika. NuS Kairo berichten„Daily News' vom Mittwoch: Bon O m d u r m a n ausgesandte Spione bestätigen, daß der Khalif auf die Stadt vorrückt. Verschiedene britische Offiziere gehen im Laufe dieser Woche von Kairo zur Front ab. Ferner ist beschlossen worden, eine Abteilung Seaforth- Hochländer nach Khartum zu senden.—_ Petitionen. Dem Reichstage ist eine Anzahl von Petitionen zugegangen, darunter folgende von allgemeinerem Interesse. Der Verein Berliner Kanfleute und Industrieller bittet den Reichstag, dahin zu wirken, daß, unbeschadet der verfassungsmäßigen Post- Sonderrechte von Bayern und Württemberg. Postwertzeichen mit Geltung für das gesamte Gebiet des Reiches eingeführt werden.— Der Bund deutscher Franenvereine bittet um Erlaß eines Vereinsgesetzes, in welchem den Frauen der Zutritt zu poli- tischen IBcreinen und Versammlungen gewährt wird.— Der Arbeitgebcrbnnd für das Bangctverbc, die Haupttreibcr deS Zucht- hauskprseS, befürwortet gesetzliche Bestimmungen, welche unter „voller Gelvährleistnng der den Arbeitern gewährten KoalitionS- freiheit"(natürlich!) Auswüchse derselben beseitigen und sowohl ZlrbcitSwilligrn als auch den Arbeitgebern den nötigen Schutz gc- währen.— Die Orts-Krankenkasse zu Dresden ersucht den Reichs- tag. dem auf gesetzliche Festlegung der freien Aerztewahl und Honorierung der' ärztlichen Einzelleistung gerichteten Bestreben des Deutschen Aerztctages die Genehmigung zu versagen.— 34 623 Interessenten bitten dringend uin Erlaß eines„Houiggescyes" zum Schutze der Produzenten und Konsumenten.— NÄrkei-NZtihvirszken« Gcmeiudewahl. Wie wir gestern bereits melden konnten, wurde bei der Stadtvcrordnetenwahl in Magdeburg der seines Mandats verlustig erklärte Majestätsbeleidiger Genosse Albert Schmidt ivieder- gewählt. Die Mahl stellt sich aber überhaupt als ein großer Er- folg der Partei in Magdeburg dar. Es waren drei Mandate zu be- setzen, von denen die Partei bisher nur eins, das von Schmidt vertretene, inne hatte. Jetzt eroberte die Partei alle drei Mandate. Gewählt sind danach Schmidt, Richert und Haupt. Schmidt erhielt mit 1980 die meisten Slinimen. während die größte Stimmenzahl der ver- einigten Gegner 1426 beträgt. In Trost a u(Oberfrankcn) errangen unsere Genossen im ersten Wahlgange fünf Sitze im Gcmcindekolleginm. Ucber den Parteitag berichteten in Frankfurt a. M. die Genossen Gcrhold und Trompeter, lvoranf diese Resolution einstimmig angenommen tvnrde: „Die Versamlnlung erklärt ihr Einverständnis mit den Beschlüssen deS Parteitags und mit der Haltung der Frankfurter Delegierten. Sie steht nach ivie vor auf dem Boden des alten Programms und der bisherigen Taktik und erklärt sich in dieser Beziehung vollständig mit der Resolution Bebel einverstanden." Eine BillignngSresolution wurde auch in einer Parteiversamm- lnng in Mannheim einstimmig angenommen, während die Partei- genossen in Wernigerode den Bericht ihres Delegierten ohne Widerspruch zur Kenntnis»ahmen. In den Parteivcrsammlnngen zu Wriezen und Ebers- iv a I d e erstattete der Delegierte G. Stein aus Wriezen Bericht. In beiden Versammlungen wurde die Resolution Bebel einstimmig anerkannt. Polizeiliches, Gerichkliches ustv. — Wegen Vergehens gegen daS VcrcinSgcsetz wurde in Werdau in Sachsen der Genosse Schmidt zu 15 M. Geldstrafe verurteilt. Er hatte, einer aus der Praxis entstandenen Uebung folgend, zu einer Versammlung auf eine frühere Zeit eingeladen, als wie die Anzeige an die Behörde angab, weil das sächsische Vereinsgesetz keine Stundung für die Eröffnung der Versammlung festsetzt.' Seit einigen Jahren behandeln die sächsischen Gerichte diese Differenz in den Zeitangaben als Vergehen gegen das VereinSgesetz, obwohl selbst ein von einem Verwaltungsbeamten stammender Kommentar die Sache als zulässig bezeichnet. Deshalb wurde auch Schmidt verurteilt. — Genosse G. Gärtner in Nürnberg erhielt vom Amtsgericht Würzburg ein Strafmandat auf 75 M. Geldstrafe, weil er als Rcdacteu'r der in Würzburg erscheinenden„Fränk. Tribüne" ver« schieden« Boykottnotizen veröffentlichte, die sich mit dem Streik in der Balschnerschen Brauerei in Schweinfnrt beschäftigten und„grober Unfug" sein sollten. Der dagegen erhobene Einspruch wurde ver- worfen.— In der„Fränk. Tagespost" hatte Gärtner den Gutenberg- bnnd eine„Streikbrecher-Organisation" genannt, wodurch sich der Sekretär des Bundes in Fürth beleidigt fühlte. DaS Schöffengericht Fürth verurteilte Gärtner zu 30 M. Geldstrafe.— Pots dam, den 6. Nov. 1399. Mmmmmalus. Stadtverordneten- Versammlung. 33. Sitzung vom Donnerstag, den 16. November, nachmittags 5 Uhr. Der Vorsteher Dr. L a n g e r h a n s eröffnet die Sitzung mit fosg chi dpi Worten: Ich habe von dem Oberhofmeister Frhrn. v. Mir- gcndcn Brief bekommen:! abinet Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin. An den Stadtverordncten-Vorsteher Herrn Dr. L an g erh a ns, Hochwohlgeboren Berlin. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin haben zu Allerhöchst- Ihrem Geburtstage die Glückwünsche der Stadtverordneten er» halten und mich Ällergnädigst beauftragt, Euer Hochwohlgeboren zu ersuchen. Allerhöchst Ihren Dank zu übermitteln. Wenn die Stadtverordneten in ihrem Schreiben der Freude und dem Danke Ausdruck geben, daß Ihre Majestät im Dienste der werk- thätigcn Liebe das Gute und Edle fördern konnte, so weiß doch Ihre Majestät, daß die Erfolge nicht erreicht worden wären ohne die vielseitige Unterstützung zahlreicher treuer Bürger, Frauen und Jungfrauen iveiter Kreise Berlins, durch deren opferbereite Thätig- keit außer reicher Hilfe für arme Kranke und Notleidende, stch auch die kirchliche und seelsorgerische Versorgung de» großen Massengemeinden günstiger zu gestalten begonnen hat. Um so schmerzlicher sind aber Ihre Majestät davon berührt, daß der durch die entgegenkommende und versöhnliche Haltung der kirchlichen Behörden nnd des Magistrats zum Segen der Einwohner endlich angebahnte ArKbleich zur Beseitigung der zwischen ihnen seit vielen Jahren bestehenden ktrch- lichen Schwierigkeiten von einer großen Zahl der Stadt- verordneten nicht gefördert, sondern verhindert worden ist. (Lebhaftes Oho!) Auch haben Ihre Majestät mit tiefem Schmerze davon Kenntnis genonimen, daß vor kurzem in Eurer Hoch- wohlgeborcn Abwesenheit in der Stadtverordneten-Bersammlung ein Lehrer der königlichen Universität, ohne in gebührender Weise zurückgewiesen zn werde», heilige evangelische und biblische Trostesworte in einer Weise zum Spott benutzt, welche jede Sitte, vor allem aber daö christliche Gefühl auf daS tiefste verletzen mußte. Ihre Majestät hoffen, daß es mit der Zeit den gnten und treuen Elementen gelingen werde. neben der Förderung deS äußere» BlüheuS und Gedeihens, auch an den viele» tiefen inneren Schäden, an denen die Rcichshauptstadt krankt(Wiederholtes lebhaftes Oho l), die ver- söhnende und bessernde Hand mit Erfolg anzulegen. Auf Allerhöchsten Befehl. gez. Freiherr von Mirbach. Meine Herren! Auf die im zweiten Teil des Schreibens deS Herrn OberhofmeisterS enthaltenen Ausiührungen halte ich mich kraft meines Amtes für verpflichtet, zur Klarstellung der Sachlage vor der ..... keit nachfolgendes zu bemerken: Der Bau von Gottes- Häusern ist Sache jeder einzelnen Religionspartei, nicht der bürger- lichen Gemeinde.(Sehr richtig!) Eine besondere Banverpflichtung der Stadt zu Gunsten der evangelischen Kirchengemeinde wird aller- dings neuerlich aus der Märkischen Konsistorialordnung von 1573 zu folgern gesucht, kann aber nach der RechtSauffossmig beider tädtischen Behörden, auch des Magistrats nicht anerkannt werden. Znstiminnug.) Große Schenkungen aber zu Gunsten einer einzelnen Religionspartei zu machen, kann eine Versammlung, welche die Interessen der Bürger aller Konfessionen gleichmäßig zu vertreten hat, sich nicht 'ür berechtigt halten. Die darin liegende Zurücksetzung aller anderen Konfessionen würde, statt den Frieden zu fordern, nur Unfrieden und berechtigte Klagen hervorrufen.(Beifall.) Aus diesem Gnmde bat meines Wissens der sogenannte Ausgleich, d. h. daS Ansinnen an die Stadt, die formelle Aufhebung jener Verpflichtung aus der obsolutca Konsistorialordnung durch eine Dotation an die evangelischen Kirchen- gemeinden von mehreren Millionen zu erlaufen, allerdings keine Förderung erfahren. Allein unserer Ucberzeugung genräh die Bürgerschaft zu vertreten, gebietet uns' Stadtverordneten Pflicht und Gelvisscn.(Beifall.) Was sodann noch die Citatc aus Bibel und Gesangbuch anbetrifft, welche jüngst ein Stadt verordneter angeführt hat. so ist sogleich in derselben Sitzung von zwei Seiten das Verletzende derselben gerügt worden. Auch hat der betreffende Stadtverordnete alsbald nach jener Sitzung in einer weit- verbreiteten Zeitung öffentlich unter Namensunterschrift sein Bedauern erklärt, in dieser Weise Anstoß hervorgerufen haben. Dies zur Klarstellung des wirklichen Sachverhalts in beiden Fällen, in betreff deren das Schreiben des Herrn Ober-Hofmeisters glaubt. der Stadtverordneten-Versammlung Vorhaltungen machen zu dürfen. Damit gehen wir nun zur Tagesordnung über.(Lebhafter Beifall/ Der Ausschuß für die Vorbereitung der Neuwahl eines unb "földcten Stadtrats für den ausgeschiedenen Stadtrat Kämpf ist gewählt und hat sich konstituiert. Mitglieder des Ausschusses find auch Stadtvv. Singer und Tolksdorf. In den Ausschutz für die Schularztvorlage ist an Stelle des verstorbenen I a c o b e h Stadtv. Bruns gewählt. Namens des Nechuuugsausschusses berichtet Stadtv. R a a z über eine große Anzahl von Rechnungen bezw. Jahresabschlüssen von städtischen Verwaltungen. Die Ausschußanträge auf definitive bezw. vorläufige Dcchargicrung gelangen ohne erhebliche Debatte zur Annahme. Die Vorlage wegen Anrechnung außerdeutscher bezw. außer- preußischer Schuldien st zeit auf das Besoldungs-Dienstalter bei zwölf Gemeinde-Schullehrern hat der betreffende Ausschns in zwei Sitzungen beraten und schließlich angenommen. Den zwölf Lehrern sollen im ganzen lZSIß M. nachgezahlt werden. Ohne Debatte tritt die Versammlung dein Ausschußantrage bei. Der Abschluß des Lagerbuches der Stadtgemeinde für 1893 wird zur Kenntnis genommen. Der Etat für das B i e h s e u ch e n- C o n t o für 1900 wird en dloo genehmigt. Zur nachträglichen Genehmigung legt der Magistrat der Vcr sammlung seine am 23. Oktober er. erlassene Bekanntmachung vor, durch welche für die Nachweisung der Urheber der an den Markgrafendenkmälern durch Hammerschläge verübten Beschädigungen eine Belohnung von 500 M. ausgesetzt wird. Gleichzeitig wird die Versammlung um ihre Einwilligung dazu ersucht, daß zur Erhöhung der Sicherheit und zur Erleichterung der polizeilichen Bewachung die elektrische Beleuchtung der Sieges� allee zu einer„ganznächtigen' ausgedehnt wird. Der jährliche Mehr aufwand ist auf ca. 8862 M. veranschlagt. Die Vorlage wird unverändert genehmigt. Auf dem Grundstück des Friedrich-WÜhelmS-Hospitals, Pavisadcnstraße 37, soll an die vorhandene Anstalt ein neuer Flügel zur Aufnahme von 300 Siechen angebaut werden, uni dem andauernden Mangel an Unterkunftsräumen in den Hospitälern mid Siechenanstalten abzuhelfen. Der Bau ist auf 953 000 M. ver- anschlagt. Sladtv. Wallach regt an, das Hospitalsgrundstück anderweit zu verwenden und die dort vorhandenen Siechen in Außenpflege zugeben. Stadtv. Hamann beantragt aus denselben Gründen Einsetzung eines Ausschusses. Stadtrat M i e l e n tz erklärt die Verlegung für unthunlich. Stadtv. Bruns: Ich wollte auch dringend bitten, daß die Hospitaliten nicht in Privatpflege untergebracht werden. Vor längerer Zeit war in vielen Instanzen davon die Rede, daß ein großes neues SiechcnhauS gebaut werden soll. Der Magistrat hätte alle Ursache, die Beschlußfassung darüber zu beschleunigen und für die Unter- bringung der Siechen zu sorgen. Durch den Anbau für 300 Betten wird keineswegs dem Bedürfnis völlig Genüge geleistet. Die Vorlage geht an einen Ausschuß von 15 Personen. Auf Tegeler und D a l l d o r s e r Gebiet sollen zum Zwecke der späteren Errichtung einer weiteren städtischen Gasanstalt Ländereien zum Preise von rund 2 800 000 M. erworben werden. Die Vorlage gelangt ohne Debatte zur Annahme. � Zur Kenntnisnahme teilt der Magistrat den vom Polizei Präsidium modifizierten Entwurf einer P o I i z e i V c r o r d» n n g zur Regelung der gewerblichen Beschäftigung schul- Pflichtiger Kinder mit. Bekanntlich hatte der Magistrat die Beschäftigung von Kindern über 9 Jahren bis 8 Uhr abends zu- laßen wollen; der Polizeipräsident aber erklärt, daß die Zeit von 8 Uhr abends bis bezlv. CVe Uhr morgens den selben seines Dafürhaltens nicht das Mindest- maß von Ruhe und Schlaf sichert, ivelches un- dedingt notwendig erscheint, daß deshalb schon von 7 Uhr abends ab jede gewerbliche Thätigkeit untersagt werden müsse. Nach dem polizeipräsidialen Entwurf vom 3. Oktober sollten die neuen Vorschriften schon am 1. Noveniber er. in Kraft treten. Stadtv. Rosenow beantragt Ueberweisnug der Vorlage an den Ausschuß für den betreffenden Antrag Singer. Stadtv. Singer: Ich freue mich, daß der Antrag auf Ueber- Weisung an den bestehenden Ausschutz bereits gestellt ist. Der Gegenstand ist aber wichtig genug, um auch jetzt noch mit einigen Worten beleuchtet zu werden. Es ist doch ganz charakteristisch, daß der Polizeipräsident in Bezug auf die Anerkennung der Notwendigkeit des socialen Schutzes schulpflichtiger Kinder auf einem höheren Stand- punkte steht als dw Schuldeputation. Letzterer gereicht das wahrlich nicht gerade zum Ruhm. Ich stimme der Ansicht deS Polizei- Präsidenten vollständig zu, bin aber allerdings der Meinung, daß auch sein Entwurf in keiner Weise den bestehenden Verhältnissen ge- nügt. Die Gewerbe-Ordnung bestimmt, daß Kinder von 12— 14 Jahren in Fabriken nicht länger als 6 Stunden beschäftigt werden dürfen und nur unter Nachweis des Besitzes der genügcnoen Schulbildung. Die Kategorie der jugendlichen Arbeiter von 14 bis 16 Jahren darf täglich nicht länger als 10 Stunden beschäftigt werden. Was den jungen Leuten von 14 bis 16 Jahre» in Bezug auf socialen Schutz in der Arbeitszeit zugedacht ist, hält der Polizeipräsident mit der Schuldeputation schnlpflichttgen Kindern gegenüber nicht für notwendig. Jedenfalls kann nach dem Entwurf ei» Kind von 9—14 Jahren 11 und 12 Stunden täglich beschäftigt werden(Zwischenruf des Stadtv. Sachs), nicht gewerblich, aber überhaupt, denn die Schulzeit muß mitgerechnet werden, wir können doch die 5 Stunden Unterricht nicht außer acht lassen. Es ist bedauerlich, daß wir überhaupt noch nötig haben, auf da? Ungeheuerliche einer solchen Be- schäftigung hinzuweisen. Ebenso unzulänglich ist es, die völlige Befreiung von gewerblicher Arbeit auf Kinder unter 9 Jahren zu beschränken. Die Grenze dürfte, weim überhaupt ein Unterschied gemacht Iverden soll, nicht unter 12 Jahren liegen. Bedauerlicherweise ist Herr Stadtschulrat Bertram heute nicht' an seinem Platze, ich hätte gern meine neuere» Informationen in seiner Gegenwart vorgebracht. Es ist festgestellt, daß in vier Bäckereien,' die mir nach Namen und Wo h nun bezeichnet sind, die Einrichtung herrscht, da die Jungen, welche morgens vier Uhr mit dem Frühstück-Austragen beginnen, bereits abends vorher sich nielden müssen und in den Betten der Bäckergesellen die lvenigen Stunden der Ruhe, die ihnen in der Nacht vergönnt ist, zubringen. DaS sind wahrhast skandalöse Zustände, gegen die man nicht energisch genug protestieren kann.(Zustimmung und Widerspnicki.) In einer Petition sollen die Bäckermeister nachzuweisen versncht haben, daß bei einem eventuellen Verbot die 150 000 M. nicht mehr an die Eltern gezahlt werden könnten, die bisher dafür gezahlt seien. Wenn diese Zahlen stimmen, beweisen sie nur»och mehr für den sehr hohen Grad der Ausbeutung dieser Kinder. Der Bürgermeister soll ja nach Zeitungsnachrichten einer Bäckcrmeifter-Depntation in Aussicht gestellt haben, daß eine solche Verordnung zur Erleichterung der Uebcrgangszeit wohl erst zum 1. April 1900 erlassen werden würde.(Unruhe.) Wer die Dinge nicht er- »icut anhören will, kann ja hinausgehen. Glauben Sie, mir macht £ä Spaß, solche Dinge wiederholt vorzutragen?(Rufe: Ja!) Ich it, den n. hißt l.}l 5ver e* war würde sehr gern darauf verzichten, aber durch Ihre Zurufe beweisen Sie die traurige Notwendigkeit, diese Dinge hier vorzubringen. Ihre Sympathiebeteueningen' für unsere Vorschläge werden doch nicht etwa im September größer sein als im November? l Stadtv. Rosenow: Auch wir halten diese Angelegenheit für äußerst wichtig und dringlich. Die gemachten Vorschläge sind auch nach unserer Meinung noch verbesserungsfähig. Gänzlich un- berücksichtigt geblieben ist in beiden Entwürfen die Beschäftigung der Kinder an den Theater». An den königlichen Theatern werden Kinder während der Schulzeit beschäftigt. Bürgenneister K i r s ch n e r: Es ist richtig, daß ich mit zwei Herren vom Bäckergewerbe gesprochen habe. Beide haben auf mich deiz Eindruck sehr anständiger Männer gemacht, die auch einsahen, daß Wandel geschaffen und Opfer dafür gebracht werden müssen. er eine der beiden Bäckermeister hat noch als Sekundaner Back- waren ausgetragen, ohne an seiner Gesundheit Schaden zu nehmen, und sein Sohn trägt noch heute als Realschüler mit Genehmigung des Direktors Backwaren aus. ES zeigt sich hieraus, daß nicht bloß die Aenusten der Armen von der Sache berührt werden. Die Zeitungsnachricht, betr. den 1. April, beruht allerdings auf einem Jrrthum, ich habe thatsächlich vom 1. Januar gesprochen. Vor diesem Termin wird es damit nichts werden können, sollte es auch ans dem praktischen Grunde nicht, weil die Kinder gerade zur Weihnachtszeit ihre besten Einnahmen davon haben. Die Beschäftigung der Kinder bei den Theatern wird ja der Ausschuß auch zu prüfen haben. Ob die Berliner Bevölkerung so puritanisch ist, diese Beschäftigung ganz ausgeschlossen zu sehen, weiß ich nicht. Es ist in dieser Beziehung ganz besondere Fürsorge gettoffen. Die königlichen Theater besitzen eine eigene Ballettschule. Bei den anderen Theatern mutz stets ein Dispens der Schulbehörde für diese Beschäftigung erteilt werden. Wir wünschen auch, daß die Sache möglichst gefördert werde; die Entscheidung steht ja schließlich nicht bei der Versammlung, sondern bei der Polrzeibehörde unter Mitwirkung des Magistrats. Stadtv. Hugo Sachs stellt auch für seine Person und Fraktion fest, daß die Notwendigkeit einer Ausschußberatung anerkannt wird Herr Singer erweise aber mit seinen Uebertreibungen der Sache keinen guten Dienst. Stadtv. S p i n o l a: In der Versammlung findet sich sicher niemand, der an Wohlwollen und Teilnahme für die hier in Rede stehenden schulpflichtigen Kinder von den Herren Singer und Genossen übertroffcn wird. Aber die Darlegungen des Herrn Singer sind starke Uebertreibungen und(mit starker Stimme:) davor müssen wir uns hüten! Stadtv. Singer: Mit dem großen Stimmaufwand wird nichts bewiesen.(Oho I- Rufe.) WaS habe ich denn übertrieben? Es kann doch auch in Ihren Augen kein« Uebertreibung sein, wenn ich die SchnlunterrichlSstunden in die Beschäftigung des Kindes einrechne; sonst scheint es, wir verstehen gegenseitig unsre Sprache nicht mehr. Spielt etwa der fünfstündige Schulunterricht bei der Beschäftigung des Kindes keine Rolle? Wer das glaubt, steht auf einem pädagogischen Standpunkte, den glücklicherweise unsere Lehrer nicht einnehmen. Daß die Bäckermeister auf den Bürgermeister einen guten Eindruck gemacht haben, freut mich im Interesse der Herren Bäckermeister; wenn er uns aber von dem Frühstück austragenden Sekundaner erzählt, so hätte er sich doch auch vergewissern sollen, wie alt dieser Herr als Sekundaner mar. (Unruhe.) Es ist doch ein Unterschied, ob ein 16-, 17jähriger junger Mann oder ei» Kind von 9 Jahren Frühstück austrägt. Hier handelt es sich doch um Kinder unter 14 Jahren, und derartige Ver- gleiche sind darum hinfällig. Die Magistratsvorlage' wird darauf an den Ausschuß für den hierher gehörigen Antrag Singer verwiesen. Die Vorlage wegen Festsetzung von neuen Bauflucht- l i n i e n vor dem Grundstücke Breitestr. 20 und 20»(Köllnisches Rathaus), sowie wegen des Verkaufs der der Stadtgemeinde Berlin gehörigen, zwischen Scharrnstraße. Breitestraße, Gertraudten- straße und Petriplatz gelegenen Grundstücke durch öffentliches Aus- gebot will Stadtv. D e t e r in einem Ausschusse beraten. Stadtv. Wallach hält das für unnötig, die Versammlung müsse ja um ihre Zustimmung zu dem Verkaufe doch ersuchr werden; event. solle man in de» Mng'istratsantrag einen Borbehalt betr. die erforderliche Zustimmung der Versammlung einschalten. Auch die Stadtvv. M o m m s e n und I a c o b i sind für glatte Annahme der Vorlage. Stadtv. Bor gm a n n weist darauf hin, daß ja gar kein OrtS- statlit bestehe, wodurch der Adjaccnt, für den sich besondere Vorteile ergeben würben, zu zwingen iväre, zu den Kosten etwas beizu- tragen. Würde dort ein freier Platz geschaffen, so gewinne der Grundbesitz des Herrn Hertzog ganz kolossal an Wert und die Stadt bekäme doch keinen Pfennig. So gern man einen Platz an dieser Stelle auch sähe, er würde viel zu winzig fein, als daß man dafür diese Millionen dem betreffenden Grundbesitzer zum Opfer bringen sollte. Stadtv. D e t e r zieht darauf seinen Antrag zurück. Die Vorlage wird nach dem Vorschlage Wallach angenommen. Die„Patria" auf hoher See in Brand. Der Dampfer.Patria' der.Hamburg- Amerika- Linie', der sich auf der Fahrt von Nelv Aork nach Hamburg befand, ist, wie das Londoner Blatt.Daily Graphic' meldet, am Mittwoch von dem russischen Dampfer.CereS' in der Nordsee, zwölf Meilen von dem Northkinder Feuerschiff, in Brand gefunden worden. Der Dampfer.CereS' sandte Boote auS, welche alle Passagiere, etwa 150, an Bord der„CereS' brachten. Dieser Dampfer führte dieselben kurz vor Mitternacht nach Dover, wo sie auf den Bugsier- dampfer„Lady Vita' übergesetzt und gelandet wurden. Unter den Passagieren befanden sich 6 Damen und 20 Kinder. Dieselben waren mit solcher Eile gerettet worden, daß sie meistens nur in Bettdecken gewickelt waren. Die Passagiere wurden in Sailors Home und in Hotels untergebracht. Der„Daily Mail' zufolge wurden die Passagiere der„Patria', ast alles Amerikaner, gestern früh etwa um 6 Uhr auf Deck ge- rufen, wo sie erfuhren, daß Feuer in der Ladung ausgebrochen sei; und da die Bewältigung desselben uinuöglich war, erachtete eS der Kapitän für ratsam, ste in die Boote zu bringen. Die Passagiere sagen aus. die Mannschaften hätten sich heroisch angestrengt, die Flammen zu bewältigen. Jedoch der unter der Ladung befind- liche Leinsamen n, achte durch daS darin enthaltene Oel die Anstrengungen aussichtslos. Frauen und Kinder gerieten in große Angst, jedoch wirkte die Kaltblütigkeit des Kapitäns mid der Mannschaft auf alle beruhigend. Die Boote waren bald ins Meer gelassen, wobei alles so ruhig und präcis wie bei der Parade zuging. Da das Feuer schon die meisten Effekten der Passagiere vernichtet hatte, mußten letztere sehr mangelhaft bekleidet einsteigen. Außer den Schiffsbooten wurden auch zwei zu Hilfe kommend« Fischerboote besetzt. Die sodann heraulommende„CereS" nahm alle Passagiere auf. Kapitän und Mannschaft zogen eS jedoch vor. so lange als möglich an Bord der.Patria' zu bleiben, gleich die Gefahr groß war, da der SchiffSnunpf glühend heiß. die Passagiere sagen, hofft der Kapitän, die.Patria' irgend» Land zu bringen. Weiter wird aus Hamburg berichtet: Bei der Direktton der„Hamburg-Amerikanischen Paketfahrt- gesellschast' eingegangene Nachrichten bestätigen, daß die Passagiere und die Mannschaft der in der Nordsee in Brand geratenen„Patria' in Sicherheit sind. Die.Patna' wird von dem Dampfer.Athesia' der„Hamburg-Amerika-Linie' geschleppt. Es wird versucht. die„Patr'ia" nach der Elbe zu bringen. Die Passagiere befinden sich in Dover, die Mannschaft an Bord der„Athesia'. Dieser Schiffsbrand ruft die Erinnerung wach'an eine Katastrophe, die vor 41 Jahren einen Dampfer der„Haniburg-Amerita-Linie" betroffen hat. Im Jahre 1858 ist die.« u st r i a' auf der Fahrt nach New Aorl mitten auf dem Ocean vom Feuer heimgesucht worden. Hunderte von AuSwanderem gingen mitsamt dem Schiffe elend zu Grunde. ob Wie irgendwo an GemevksllszAfkliches. Berlin und llingegend. Evangelischer Arbeiterfang. An den Vorsitzenden der Sektion IldesCentralverbandeS der Elektro Monteure kain kürzlich ein Brief des Vorsitzenden der Gruppe 12 deS Evangelischen Arbeitervereins mit der Auf- forderung, die Sektion II der Elektromonteure möge sich dem Evange- lischcn Arbeiterverein, und zwar der Gruppe 12, anschließen. Dieses Schreiben wurde selbstverständlich abschlägig beantwortet. Der Verbandsvorstand glaubte nun die Sache damit erledigt; zum größten Erstaunen erhielten nun aber sämtliche Mitglieder der Sektion II folgenden hektographierten Brief: Geehrter Herr I Wie mir mitgeteilt wurde, ist die Sektion II des Central- Verbandes der Elektromonteure in ihrer letzten Sitzung vom 18. d. M. mit überwiegender Majorität einig ge- worden, dem Evangelischen Arbeiterverein, Gruppe 12, bei-i zutreten. Ich lade Sie daher zu der am 27. Oktober 1899, abends 8V2 Uhr, bei Dräsel, Neue Friedrichstr. 85, tagenden Ver- sammlung ein. llcbcr etwaige gewünschte Auskünfte ist der Unterzeichnete gern bereit. DerVorstand. I. A.:ZwilIing. DaS sind ja recht saubere Mittel, die da der Evangelische Arbeiterverein anwendet, um seine Kadrcs zu füllen. Recht be-. zeichnend für die glaubensstarken„Evangelischen' ist die kleine.� sagen wir.Korrektur' der Ablehnung in eine Zustimmung mit. „überwiegender Majorität". Um so schlimmer für die.Christlichen"/ als ihnen diese kleine.Schiebung' ja doch nichts nützt. Deutsches Reich. Bei dem Streik der Tischler der Firma Maudt u. Gerstenberger in Frankfurt«. O. finden die Streikenden die Unterstützung auch der dortigen Kleinmeister. In einer Ver- sammlung, die von ca. 500 Personen, darunter eine große Anzahl Klcinhandwerker, besucht war, fand nachstehende Resolution Annahine: „Die Versammlung erklärt sich niit den streikenden Arbeitern der Firma M. u. G. in allen Punkten einverstanden. Die Anwesenden verpflichten sich, die Ausständigen moralisch und pekuniär so lauge zu unterstützen, bis der Ausstand zu ihren Gunsten beigelegt ist." Zwanzig Italiener, die am Bahnbau von Bayenrode nach Königslutter beschäftigt sind, haben ihre Papiere zurück-. gefordert, weil sie mit den dortigen einheimischen Arbeitern nicht zusammen arbeiten wollen, da diese die Löhne d r ü ck en.— So erfteulich die Handlungsweise der Italiener, so beschämend ist das Verhalten der betreffenden deutschen Arbeiter, von denen man im allgemeinen gewohnt ist, daß sie höhere Bedürffusse haben, als die Italiener. Mit einem Sieg der Arbeiter endete der Streik der Schuhmacher bei H e y m a» n in P a s i n g- M ü n ch e n nach einer Dauer von 8 Wochen. Die Tarife werden in Zukunft in jeder Abteilung ausgehäugt und Herr Heymami hat auf Ehrenwort versprochen, weder Maßregelungen, noch eine Lohnreduktion vorzunehmen. Sollten später sich Aenderungen notwendig inachen, so verpflichtete sich Herr Heymann, vorher mit der Agitationskommission des Vereins deutscher Schuhmacher und dem Arbeiterausschuß sich in Verbindung zu setzen.— Ein schöner Sieg der Arbeiter, der um so höher an- zuschlagen ist, als in dem achtwöchigen Kampfe nicht ein einziger Streikbrecher zu verzeichnen war und die sämtlichen Maschinen der Fabrik verwaist standen.— Ausland. Ter Streik der LOS Spinnerinnen der Firma Holm u. Söhne in Kopenhagen ist nun endlich aufgehoben. Die Frauen hatten eine geringe Lohnerhöhung sowohl für Tages- als für Accordarbeit verlangt, die damals, im Mai, abgelehnt wurde. Nun ist ein Ver» gleich zwischen der Firma und dem„Weiblichen Arbeitcr-Verband' geschlossen, daß die Frauen 1,65—1,50 Minimal-Tageslohn erhalten sollen. Auch für die Accordarbeit ist ein günstigerer Prciscourant ausgearbeitet. Sie werden etwa 2,10 per Tag verdienen können. Bezeichnend für die Verhältnisse in Kopenhagen ist, daß die 108 Frauen zu s a mm e n g e h a l t en h a b en— sechs volle Monate lang— und sich nicht eine Streik- b r e ch e r i n gemeldet hat I Der eben beendete Bnchbinder-Lohnkampf in Stockholm droht wieder aufzuflammen. Es sind da ein paar Arbeit- gcber, die sich durchaus nicht au die Beschlüsse der Vereinbarung halten wollen. Bei einem sind sogar 7 Mädchen wieder entlassen, weil sie am Streik teilgenommen haben". Auch auf anderen Werk- stättcn werden die Streikbrecher vertragswidrig nicht nur behalten, sondern erlauben sich Anzüglichkeiten gegen die früheren Streikenden, ohne daß die Meister eS hindern. Der Buchbinderarbeiter- Verband hat beschlossen, dem Verein der Meister Vorstellungen zu machen. Ans den Fvanvnbvtnvgttng. Im Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklaff« hielt Montag, den 13. November, in Moabit Frau Zepler einen Vortrag über:„Die Frau im öffentlichen Leben.' Nach dem fesselnden und anschaulichen Vortrage ließen sich eine Anzahl Frauen als Mitglieder in den Verein aufnehmen. Dann wurde bekannt gemacht, daß der nächste Vortrag Mittwoch, den 22. November, in den Arminhallcu stattfindet. Herr Dr. Friedeberg spricht über das Thema:„Welchen Schädigungen ist die Frau in ihrem Berufsleben ausgesetzt?",, Gin Wort für die Medizinerin. Zur Frage des medizinischen Frauenstudiums hat der an Stelle des verstorbenen Professors Dr. Puschmann für die Vorlesungen über Geschickte der Medizin an der Wiener Universität bestellte Docent Dr. v. Töplh bei Eröffnung seiner Vorlesungen in folgender Ansprache an seine Zuhörerschaft Stellung genommen:„Es gereicht mir zur größten Freude, ? Hörerinnen' der Medizin hier begrüßen zu können. Ich erachte eS ür die größte Errungenschaft deS zur Neige gehenden Jahrhunderts, daß Frauen sich dem Studium der Medizin zugewendet haben. Wer sich dem schwierigen Berufe, der leidenden Menschheit beizustehen, gewidmet, den werden wir begrüßen, sei cr Mann oder Weib. Möge Ihnen, meine Damen, die Sie diesen Weg betreten haben, die Bahn möglichst leicht werden I'_ Sociktlos. Z»r Durchführung der Jnvalidenversichernng beschloß die gestern schon erwähnte Konferenz, die im Reichs-VersicherungSaint tagt, daß die bisher in Gebrauch gewesenen Doppelmarken nach dem 1.' Januar nicht mehr verwendet werden sollen und empfahl, daß diese Marken, soweit sie ausgegeben, aber noch nicht verwendet sind, gegen bares Geld eingelöst werden sollen. Zu Punkt 4 der Tagesordnung, welcher die Auslegung der Be- stimmungen deS§ 48 Abs. 1 und 2 des Jnvalidenversicheiimgs- Gesetzes betraf, wurde unter anderm ausgeführt, daß die günstigeren Bestimmungen hinsichtlich deS Höchstbetrages, bis zu welchem In- validen« und Altersrente auf der einen, Unfällrcnte, Pensionen. Wartegelder und ähnliche Bezüge auf der andern Seite neben ein- ander zur Auszahlung zu bringen find, auch auf diejenigen Reuten- empfänger Anwendung zu finden haben, deren Renten bereits vor dem 1. Januar 1900 bewilligt und zum Ruhen gebracht sind. Die Schularztfrage. Die Stadt Wiesbaden hat über die Er- fahnmgen, die sie mit der Anstellung von Schulärzten gemacht hat. einen Bencht an das Kultusminifterinm eingereicht und sich in diesem Bericht sehr günstig über die Einrichtung ausgesprochen. Der Kultusminister hat den Bericht den städtischen Konimuncn als Material überwiesen. VevsÄunttlnngvn. Eine Volkövcrsai»»ll»i«g, von der Vertrauensperson der socialdeinokratischcu Frauen und Mädchen einberufen, tagte am Mittlvoch in Stechcrts Saal, Die bisherige Vertrnuenspersou, Frau Wengels, erstattete den Bericht über'ihre Thätigkeit. Derselbe erstreckt sich auf die Zeit vom 13. Oktober v. I. bis 13.'November d. I. Die Eiuuahmcu betrugen 1233,57 M.. die Ausgaben 1224,42 M., bleibt ein Bestand von 11,15 M. Ju der angegebenen Zeit fanden 19 Versammlungen, darunter acht größere Volksversammlungen statt. Weiter bemerkte die Rednerin, das System der weiblichen Vertranensperson funktioniere nicht besonders gut, weil es durch die Genossinnen nicht genügend unterstützt werde. Die Frauen müßten dahin wirken, daß die Einrichtung der weib- lichen Vertrauensperson zu derselben Bedeutung gelange, wie die der männlichen. Auf Antrag der Revisorinnen wurde Frau Wengels Decharge erteilt. Einstimmig wurde hierauf Ottilie Baader als Vertranensperson gewählt. Sie nahm das Amt an mit dem Wunsche, daß ihr aus den Reihen der Partei- genosfinnen die erforderliche Unterstützung ihrer Thätigkeit zu teil werde. Insbesondere erwarte sie, daß auch die Frauen in den Vororten Vertrauenspersonen wählen, damit nicht auch die ganze auswärtige Agitationsarbeit von der Berliner Vertranensperson ge- leistet werden müsse.— Nunmehr hielt Frau Emma Ihrer einen Vortrag über die Frau in der Socialdcmokratie. Sic führte ans. das Bestehen einer besondere» Frauenagitation innerhalb unserer Partei sei nicht, wie unsere Gegner meinen, ein Beweis von einem zivischen Frauen und Männern bestehenden Gegensatz, sondern eine besondere Agitation unter den Frauen sei notwendig, so lange unsere Gesetzgebung den Frauen die politische» Rechte versagt. Dieselbe habe den Zweck, die Frauen aufzuklären und zu Mitkämpferinnen im Befreiungskämpfe des Proletariats heranzuziehen. Die Rednerin schilderte die elende Lage der Frauen in der kapitalistischen Gesellschaft und schloß mit dem Hinweis darauf, daß die Frauen nur durch die Socialdemokralie und gemeinsam mit derselben ihre Erlösung aus wirtsckaftlichem und politischem Joch zu erlvarten haben.— Eine Diskussion folgte dem mit Beifall aufgenommenen Vortrage nicht. Die Marmor- und Granitarbeitcr tagten am Mittlvoch im Englischen Garten. Ger st en berger referierte über die nach der erfolgreichen Lohnbewegung einzuschlagende Taktik. In den Be. trieben, die früher schon zu den unsicheren gehörten, seien auch jetzt wieder Abzüge und Unregelmäßigkeiten eingerissen. So hätten die Unternehmer Zache, Weißcnsee. und Schneider, Wartenburgstraße, den Tarif nicht innegehalten, obgleich sie ihn unterschrieben hätten. Schneider wolle allerdings den Tarif zahlen, ivcnn ihn die gemischte Kommission verurteile. Vorläufig mache er Ausflüchte; im Tarif seien Druckfehler und ähnliches, was er, wie er eingestanden, nicht aufrecht erhalten könne. Da eine solche Durchbrechung des Tarifs verhängnisvoll werden könne, solle nnt allen Dtillcln gegen derartige Firmen vorgegangen und sie eventuell vor das Gcwerbcgericht gezogen werden. Da nun viele Kollegen, die sich während'der Bclvegung der Organisation angeschlossen hatten, sich jetzt zurückzuziehen scheinen, beantrage die Lohnkommission, daß diese nur dann eingreife, wen» die Mehrzahl der Wcrkstattmitglicdcr organisiert seien. Die Opfer, die von der Organisation gebracht würden, sollten auch nnr für diese verwendet werden. Die folgenden Redner erklärten sich fast sämtlich gegen den Koinmissionsantrag. Jeder Unternehmer iverde dann versuchen, un- organisierte Arbeiter zu bekomme», die ohne Unterstützung den Tarif nicht fordern könnten. Auch sei es bei dem üblichen, häufigen Wechsel der Arbeitsstelle leicht möglich', daß Organisierte' in solche vernachlässigten Werkstätten kommen. Jeder Unter- nchnier, der den Tarif unterschrieben habe und ihn nicht zahle, solle vor das Gericht gezogen werden, da dort zu Gunsten der Ar- beiter entschieden«Verden muß,«vie kürzlich in einem ähnlichen Falle bei den Lederarbeitern. Ein Antrag, in allen Fällen einzugreifen. wo organisierte oder unorganisierte Marmorarbeitcr die Konnnission anrufen, wurde gegen 3 Stimmen angenommen. Die 5 Firmen, die noch nicht den Tarif zahlen, sollen zum Frühjahr veranlaßt lverdcn, ihir zu unterschreiben, dainit sie nicht inehr als eutschilldigcndes Beispiel dienen können. S ch r o t h beklagte, daß die Frage- bogen über die beruflichen Krankheitserscheinungen nicht ein- geschickt werden. Von IVO ausgegebenen habe er erst 31 zurück- bekommen� Auch«volle der Arzt nicht mehr abends die Unter- fuchnngen vornehmen, sondern in seinen Sprechstunden. Nackiden» M i t s ch k e ans die Wichtigkeit der Untersuchungen hingeiviest» hatte, deren Resultate zu Petitionen an den Reichstag, den Bundesrat und die Landlage verarbeitet«verde«» sollen, damit eine gesetzlich geregelte Arbeitszeit in dciir äußerst gcsnndheitsgcfährlichcn Betriebe der Marmorarbeitcr eingeführt«verde,«vurde beschlossen, die Frist der Untersuchung zu verlängern, nochmals Fragebogen auszugeben und die Untersuchung einem anderen Arzt zu übertragen. Zum Schluß«vurde geklagt, daß manche Unternehmer Banarbcit vielfach als schlechter gezahlte Möbel- arbeit rechnen. Auch»nit diesen Unternehmern soll' nochmals ver- handelt«verde«». Die Putzer hielten am Mittlvoch eine öffentliche Vcrsaiumlung bei Keller, Koppenstraße, ab. Nach dem Bericht, de» Schulz er- stattete, iverdeu gegenwärtig die Arbeitsbedingungen, die durch den vierlvöchentlicheir' Streik erkäntpft worden sind, von einem Teil der Putzer nicht innegehalten. Auf mehreren Bauten, darunter auch bei solchen Unternehniern, die die aufgesielltcu Forderungen unterschriftlich unerkannt habe«»,«verde«» entgegen de«» Abmachungen noch die Löhne der Träger von den Putzern' bezahlt. Auch die Lampen werden in mehreren Fällen statt von den Unternehinern, von den Putzern geliefert. Das Verhalten dieser Putzer sei um so bedauerlicher, als die Konjunktur zur Zeit eine außerordentlich günstige ist und schon aus diese«» Grunde dürste es keineSivegs schiver fallen, die errungenen Arbeitsbedingungen nach jeder Richtung aufrecht zu erhalten. Die Erhebungen haben ergeben, daß insgesamt bisher 213 Arbeitgeber den Revers unterschriebe«» habe«». Gegcmvärtig sind auf 146 Bauten Putzer beschäftigt,' davon auf 16 Bauten, Ivo der Revers nicht unterschrieben ist. Nach einer längeren Diskussion, in der die jetzigen Arbeitsverhältnisse und insbesondere der Absihluß von Nebenverträgen eingehend behandelt»vurde», gelangte folgende Resolution gegen 3 Stimmen zur Annahme: «Die Versammlung hält daran fest, daß auch fernerhin bei allen Arbeitgebern der Revers unterschrieben wird. Auch verpflichten sich die Arbeitaiinehmenden, ihren mitarbeitenden Kollegen soivie der Koimnission die mit den Arbeitgebern abgeschlossenen Verträge vor- zulegen. Jeder Putzer hat streng darauf zu achten, daß dies geschieht. Ferner verurteilt die Versainnrlung das Ver- halten aller derjenigen Kollegen, die noch den Pntzcrträger aus dem Accord bezahlen resp. bezahlen lassen. und fordert dieselben auf, dieses auf den» schnellsten Wege zu ändcri». Außerdem verpflichten sich die Putzer, überall,>vo in der festgesetzten Arbeitszeit bei Licht gearbeitet«verde» niuß, Lainpen und Be- lenchtungsmaterial vom Arbeitgeber zu verlangen, da dieses die Arbeitgeber in der stattgestindenen Sitzung anerkannt haben. Ganz besonders erachten es die organisierten Putzer als ihre Pflicht, dafür zu wirken, daß die der Organisation noch fernstehenden Kollegen sich derselben anschließen." Ein Antrag, die besoldeten Kommissionsinitglieder von drei auf zlvci zu beschränken,»vurde in Rücksicht auf die vielen und Not- Ivendigen Arbeiten, welche die Konimission noch auszuführen hat, niit großer Majorität abgelehnt. Als Delegierte zur Konferenz der Maurer der Proviirz Brandenburg Ivurden Fr. Schulz, Dähne und Kohl gcivählt. Zu Revisoren für die Streikabrechimng lvrirde außer Landefeld und Fuhrmann Geradt geivählt. Die iu der Buchbinderei und vertvandtc» Betrieben be' schäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen(Zahlstelle Berlins hielten ain 7. ds. Mts. eine Mitgliederversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versainmlung das Andenken an das ver- storbene Mitglied, Frau Zieritz, durch Erheben von den Plätzen. Brückner gicbt bekannt, daß die Delegiertenlvahlcn zur Orts- krankenkasse der Buchbinder am Sonntag, den 3. Dezember, von vor- mittag 10 bis. nachmittag 3 Uhr, stattfinden und ersucht um recht zahlreiche Beteiligung an denselben. Hierauf hält Herr Rechtsamvalt F r ä n k l einen interessanten Vortrag über den socialen Charakter des Bürgerlichen Gesetzbuches. Das Sommcrfest weist eine Eiunahine von 1722,90 Mark, eine Ausgabe von 728,70 Mark, mithin ein Mehr von 994,20 Mark auf. Der Besuch der Urania»vird mit einer Einnahine von 418,80 Mark, einer Ausgabe von 361 M., mithin einem Uebcrschuß von 57,80 M. ver- rechnet. Den ausständigen Buchbindern StockholinS>v erden 100 M. überwiesen. Schuhmacher teilt mit. daß»ach Verhandlungen mit der Firma Mctzschke der übliche Zuschlag für Ueberzeitarbcit von 33Vz Proz. belvilligt»vurde. Desgleichen gelang es, bei Hermann den Arbeitcrinnen den Miniinalloh'n zu sichern. Die Tapezierer(Filiale Süd) nahmen in ihrer Mitglieder Versammlung vom 14. Noveinber Stellung zu dem wegen Maß regelung emes Kollegen ausgebrocheiren Streik bei Brandt, Holl> mannstraße 26. Nach Entgegennahme des Berichtes über denselben von seiten der Agitatioi»sko'mmission entspann sich eine sehr lebhafte Debatte über das Verhalten des Herrn Brandt in letzter Zeit gegenüber seinen seit Jahren belvährten Gehilfen und«vurde von allen Rednern betont', daß hier unzlveifelhaft eine Maßregelung eines Gehilfen wegen dessen Eintretens für die Kollegenschaft vor- liege. Ebenso>v»irde das Verhalten einiger dort beschäftigter„Ar beitsivilliger" sehr abfällig kritisiert, die ihrem Versprechen, sich den Be schlüssen der Versannnlnng fügen zu«volle«», nicht nachgckoi»»mcn sind. Eine Resolution, in der das Verhalten der streikenden Kollege» als eil» korrektes bezeichnet wurde, fand Annahme. Nach Erledigung einiger Arbeitsnach>veis-Angelegenheitcn schloß die von ca. 90 Personen besuchte Versaminlung. Eine Depesche Sonntag, den 12. d. Der Krieg. General Jonbert tot? des„Rcliterschen Bureaus" ans Durban von» M., nachmittags, meldet, daß dort das Gerücht vom Tode des Generals Jonbert umlaufe. Nach einer weiteren Depesche ans Durban vom Abend desselben Tages besagt ein Telegramm der„Tnnes of Natal" ans Lorenyo Marques, General Jonbert sei an» Donnerstag, den 9. November, in der Schlacht gefallen. Bestätigt sich diese Nachricht, so hätten die Boeren einen sehr schwere» Verlust erlitten, den» Joubcrt, der den ganzen Feldzng geleitet hat. dürfte schlver ersetzbar sein. Es geht aber auch das Gerücht, Ladysmith habe kapit»»licrt, doch ist sicheres nicht bekannt. Die vorliegenden englischen Mel- düngen schildern vielmehr die Situation für die Engländer hoffiilings- voll.' Sicherlich haben die Kämpfe«»>« Ladysmith die ganze letzte Zeit fortgedauert. Dem„Rcuterschen Bureau wird ans E st c o n r t von» 13. November gemeldet: Das West Dorkshire- Bataillon ist hier angekommen. Die Beschießung von Ladysiniih dauert fort; heute früh wurde ein starkes Gcschützfener gehört. Ein Pauzerzrig befindet sich gegeiUvärtig auf einer Rccognoscicrung in der Richtung auf Colenso. Wie„Daily Telegraph" ans Estcourt vom 10. d. M. meldet, solle»» die Boeren Mangel an Lebensmitteln haben und befürchten, daß die Basutos sich erheben»ud Buller sie ab- schneide» könnte. Die Freistaat-Boercn begeben sich in ihre Hciniat zurück.— Man wird gut thun, diese Nachrichten vorläufig nicht zu glauben. Kapstadt, 16. November. Die Meldungen ans P i e t e r- maritzburg lassen nicht befürchten, daß eine Uebcrgabe von Ladysmith bevorstehe. General Buller erhielt die zuverlässige Meldung, daß General White die Stadt noch einige Tage halten könne. Englischer Nachschub und tvcitere Niistnngc«». Kapstadt, 16. Noveinber. Eine Armee von 3000 englischen Soldaten ist bereits nach dem Norden abgegangen. Die Truppe»»,«velckie in Durbau zusammen gezogen sind, treffen bereits Ende dieser Woche in Picter>na ritz bürg ein, und «verde«» am n ä ch st e n Montag oder Dienstag vor L a d y f in i t h angelangt sein. London. 16' November. Die„Tiines" melden: Vier erst- klassigc Kapliuiendainpfer find gechartert«vorden, un» die jüngst mobilisierte fünfte Division nach Südafrika zn schaffen. In den Gcschiitzfabrikcn und im Arsenal wird Tag und Nacht ohne Uuterbrechung gearbeitet. Ganze Eisenbahnzüge mit Munition und Proviant werden täglich für Afrika eingeschifft. Letzte Meldungen. London, 16. November. Die Abendblätter veröffentlichen ei» Telegramm aus Picteriuaritzburg von gestern früh 9 llhr.«voiiach die Boeren einen gepanzerten Zug angegriffen haben. Ein Engländer «vurde getötet, 16 verwundet. London, 16. November. Das Rentcrsche Burcan meldet aus Pretoria vom 9. d. M., daß die Regierung von Transbaal cinc Prvklanratio» erlassen habe, nacli'»velcher bestimmte Beamte für den allgemeinen und den militärischen Vcrivallungsdicust soivie für den Schutz von Leben und Eigentum in den Territorien er- nainit»Verden, die jetzt von den Truppen Transvaals besetzt sind. In der Proklamation heißt es, daß die englische» Staatsangehörigen durch dieselbe nicht berührt»vürden. Die Proklamation soll dadurch veranlaßt»vorden sein, daß in jenen Territorien niehrfach Plünde- rungen vorgekommen seien. London, 16. November. De»»„Neuterschcn Bureau"«vird ans Estcourt vom 15. November 2 Uhr 30 Min. Nachm. gemeldet: Am frühen Morgen machte heute ein Panzerzug mit 100 Mann eine Rekognoszierung bei Chiseley. Bei Bcgmu der Rückfahrt eröffneten die Boeren,»vclche Artillerieposten in vier Stellliugen hatten, das Feuer auf den Zug. Zwei vor der Maschine befindliche Waggons entgleisten»ind stürzten um. Sobald die Soldaten in dieser Lage dem Feind die Stirn boten, richtete der- selbe ein sehr heftiges Feuer gegen die entgleisten Waggons. Die- selben wurden unter großen Schlvierigkeitcn wieder aufgerichtet. Als der Weg frei war, fuhr die Maschine zurück. Mehrere Mann wurden getötet und verwundet. Durban, 13. Noveinber.(Meldung des Renterschen Bureaus.) Eine Bestätigung des Gerüchts vom Tode des Generals Joubcrt ist hier bisher nicht eingegangen. Estcourt, 13. November.(Meldung des Rcuterschen Bureaus.) Die Boeren zerstörten die Eisenbahn, an einem Punkt nngefähr 4 Meilen südlich von Colenso. Man glaubt, daß die Wiederherstellung der Linie bald möglich sein»verde. Uetzko LtarijvnTzten und VcpesÄzen. Stadtverorduetc,»wählen in Bra>ldcnburg. Brandenburg, den IS. November.»»crikai»ische Paketfahrt- Aklicngcsellschaft" mitteilt.»Verden die Passagiere des Dampfers„Patria" noch heute abend von Sourhampton n»it dem Schnelldampfer„Kaiser Friedrich" die Reise nach Hamburg fortsetzen. Dover, 16. Noveinber.(W. T. B.) Die Passagiere der„Patria" haben sich nach Southampton begeben. Wien, 16. November.(W. T. B.) Die„Wiener Abendpost" 'tellt fest, daß der Gesundheitszustand der Personen, die mit dem in Tries» an der Pest verstorbenen Bootsmann des türkischen Dampfers Polis Mytilene" in Berührung gckoinmen sind, ein vollkoniuicn befriedigender geblieben ist: ein«veiterer Pesterkrankuiigs- oder ein pestverdächttger Fall ist in Trieft nicht vorgekommen. Prag, 16. November. iB. H.) Heule demonstrierte» anti- cuiitkschc nnd czrchifche Studenten»viederuin gegen Professor Masaryk,»vobei es im Hörsaale des Professors zu einer blutigen Schlägerei kam. Masaryk verließ die Universität in größter Auf- rcgung. Komorn(Ungar«»). 16. Noveniber.(B H.) DaS Urteil im Mocsacr Foltcrprozcst lautete gegen den Stuhlrichtcr Szahs auf drei, gegen den Beamten Molnar aus 3'/z Jahre Kerker. Der Notar Göbel erhielt ein Jahr und der Ortsrichter Czunyi vier Moiiate Gefängnis. Verona, 16. November.(B. H.) In der heutigen Nacht wurde hier ein starker Erdstoß verspürt,»velcher eine große Panik hervorrief. Montevideo, 16. November.(W. T. B.) Die gesetzgebenden Körperschaften Uruguays haben die am 5. Juni d. I. in Berlin ab- geschlossene Uebereinkimft, die den deutsch-urnguayischen Handels-»nid Schiffahrtsvertrag vom 20. Juni 1892 wieder iu Kraft setzt, an- genominen. Vermnivortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Flir den Anscratenteil verantwortlich: Xh. Glocke i» Berlin. Druck lind Verlag von Max Babing in Berlin- Hierzu S Beilagen n»d ttiitcrhaltiingSblatt. Nr. 270. 16. LOW 1. Ktilllge Vvickzsksg. 102. Sitzung vom 16. November isss, 1 u h r. Am Tische des Bundesrats: v. Podbielski, Graf Posa- d o>v s k y. A tik�2 �rt�s der Novelle zum Postgesetz wird bei lieber die einzelnen Ziffern dieses Artikels wird auf Vorschlag des Präsidenten gesondert verhandelt. Ziffer I betrifft die Nuödchnnng deS Postrcgal» und lautet: „Als K 1a des Postgesetzes wird folgende Vorschrift eingestellt: Die 8Z 1, 27, 28, 30— 33 dieses Gesetzes lAnsdehmmg des Postregals) finden auch Anwendung auf verschlossene Briefe und solchen gleichznachtende Briefe, die innerhalb der Gemeindegrenzen ihres mit einer Postanstalt versehenen Ursprungsortes verbleiben." Hierzu liegen vor: Antrag Hansiman» ssiidd. vp.), Müller«Sagau(frs. Vp.) und Eickhoff(freif. Vp.): Ziffer I zu streichen. Antrag Rintcle» iE.): Vor„innerhalb" einzufügen:»im Nachbarortsverkehr nicht." Abg. Rintclen sT.): Meine Herren, ich glaube nicht, daß jemand von Ihnen noch der Ansicht ist, daß die Reichspost-Verwaltung ohne die Konkurrenz der Privatposten jemals an.irgend welche Verkehrserleichterungeu gedacht hätte. Diese Konkurrenz wollen sie jetzt beseitigen, während sie uns doch allein die Gewähr für spätere Erleichterungen bietet. Es ist gesagt worden, die großen Städte seien diirch das Bestehen der Privatposte» im Vorteil gegen das platte Land und die kleinen Städte. Diese Benachteiligung der letzteren solle durch das neue Geich beseitigt werden. In der Thnt liegt doch die Sache so, daß in den großen Städten eben ein Bedürftus nach solchen Privatposten vorhanden ist, dort können diese Anstalten bestehen, auf dem Lande aber nicht. Da könnte nran ja auch sagen, auf dem Lande giebt es keine Gymnasien, keine Theater, also darf es sie in den großen Städten auch nicht geben.— Die Behauptung, daß die Lücke im Postregal nur auf ein Versehen beruht, habe ich schon bei der ersten Lesung widerlegt, die Freigabe des PoftvcrkehrS innerhalb des Orts- Verkehrs ist z. Z. durchaus absichtlich geschehen. Ein Monopol ist nur dann nützlich, wenn es absolut notwendig ist, und diese Not- lvcndiykcit ist für den vorliegenden Fall nicht bewiesen. Daher habe ich meinen Antrag gestellt, der die Beförderung von Briefen innerhalb der Gemeinden den Privatposten gestattet, nicht aber im Vorortverkehr. An eine Eingemeindung der Vororte, zum Beispiel der Berliner Vororte, auf die man hingewiesen hat, ist wohl so bald nicht zu denken. Die Post hat doch auch jetzt schon trotz der Konkurrenz der Privatpostcn erhebliche lleberschüsse, pro Monat zwei Millionen mehr gegen das Vorjahr, das macht 24 Millionen im Jahr. Diese Ans- dehnung deS Postregals bedeutet nichts weiter als eine Besteuerung des Publikums der großen Städte, die bisher das billige Porto hatten. Die Post soll aber dem Verkehr und nicht nur fiskalischen Jnter- esse» dienen. Ich bitte Sie also, meinen Antrag anzunehmen. Staatssekretär v. Podbielski: Der Herr Vorredner hat wohl den Kommissionsbericht nicht genau oder vielleicht unter einem nicht ganz zutreffenden Gesichtswinkel gelesen. Der Kommissionsbericht beweist gerade, daß wir in der Zuknnft nicht lleberschüsse gegen jetzt, sondern rund 10 Millionen Mark weniger habe» werden. Wir wolle» aber in Zukunft die llebcrschüffc zu Bcrkchrscrlcichternngen benutzen, das ist das Durchschlagende. Das beweisen ja schon die ersten Paragraphen dieser Vorlage.— Mein Vorgänger Herr v. Stephan war der Ansicht, daß die P r i v a t- P o st a n st a l t e n sich doch n u r kurze Zeit halten würden; hätte er ihre Entwicklung voransacschen, so wäre er sicher auch sofort gegen sie vor- gegangen. Der Herr Vorredner sprach von neuen Steuern, die durch die Ausdehnung des Postrcgals den großen Städten auferlegt werden. Dieser Gedanke hat der Konmussion niemals vorgeschwebt, vielmehr hat sie ihre Beschlüsse nur im Jntereffe einer ausgleichenden Gerechtigkeit gefaßt. Abg. Ocrtel(k.): Es herrscht ja wohl fast völlige Einmütigkeit über die Not- wrudigkcit der Ausdehnung deö Postregalö, darum brauchen ivir uns darüber nicht mehr zu streiten. Die Steigerung der Ein- nahmen der Post müssen wir ja zugeben, wir erwarten aber, daß sie zu Verkehrserleichteriiugen benutzt werden. Auf den Vergleich des Herrn Abgeordneten Ninteleu mit den Gymnasien und Theatern brauche ich wohl nicht einzugchen. Er hinkt auf beiden Füßen. Die Post ist eben eine Sache der Allgemeinheit, die Ghnmasien bis jetzt noch nicht. Wir bitten Sie also, die Vorlage anzunehmen. Abg. Singer(Soc.): Meine politischen Freunde sind der Meinung, daß es seiner Zeit ein Fehler war. die Ausdehnung des Postregals auf den Orts- verkehr nicht gleich zu beschließen, deshalb wollen wir jetzt den Versuch machen, den Fehler zu beseitigen. Es ist ganz unlogisch und hat gar keinen inneren Grund, wenn inan überhaupt die Monopole als berechtigt anerkennt, einen bestimmten Zweig von diesem Regal auszunehmen. ES ist ja zweifellos, daß die Neichs-Postvcrwaltung es bisher außerordentlich versäumt hat, sich die Syiupathicn des Publikums zu erwerben, und es ist begreiflich. wenn ein großer Teil der Bevölkerung der Post- Verwaltung mit erheblichem Mißtrauen entgegenkommt, wenn jetzt nicht im Gesetz die Sicherheit für weitergehende Verkehrserleichterungeu gegeben wird. Die Kommission hat ja nach dieser Richtung hin sehr eifrig gearbeitet, aber sie mußte sich doch davon überzeugen. daß es mißlich ist, bestimmte Erleichterungen jetzt fchon im Gesetz festzulegen. Wir müssen anerkennen, daß der Herr Staatssekretär seinerseits wenigstens den Versuch gemacht hat. mit dem alten Schlendrian zu brechen. Mit Rücksicht auf die Not- wendigkeit von Reformen müssen wir der Postverwaltung daS Regal in vollem Umfange geben. Wenn die Post ihren Ver- pflichtungen soivohl in Bezug auf Tarifermätzigunaen dem Publikum gegenüber als auch ihren sociale» Verpflichtungen den von ihr beschäftigten Personen nachkommen soll'— und das verlangen wir doch— dann kann man ihr nicht diejenigen Orte. aus denen sie hauptsächlich die Einnahmen für die Befriedigung dieser Zwecke erzielt, verschließen. ES liegt aber kein Grund vor. die Erweiterung deS Postrcgals ab- znlehnen. Allerdings sind wir ja der Ansicht, daß es der Post möglich gewesen wäre, durch erhebliche Tarifreformen die Slot- wendigkeit der Beseitigung der Privatposten durch Gesetz zu ver» hindern. Durch solche Tarifrefonnen wäre ohne Zweifel ein lang- sames Aufsaugen der Privatpostcn erreicht werden. Allerding» kann ja die ReichSpost-Verwaltung, wenn sie den Ansprüchen, die an sie gestellt werden, genügen soll, nicht ganz genau so billig arbeiten, ivie die Privatposten,' die gar keine Rückficht ans ihre Beamten zu nehmen brauchen, um so mehr, als die Privatposten sich nur diejenigen Gebiete aussuchen, in denen sie durch den großen Verkehr in der Lage sind, Geschäfte zu machen. Deshalb erscheint es mir notivcndig, die Möglichkeit der Tarifreform dadurch zu beschleunigen, daß wir daS Postrcgal in der verlangten Weise ausdehnen. Noch einige Bemerkungen zu den Ausführungen des Herrn Ab- geordneten Rintclcn möchte ich machen. Sein Antrag ist. abgesehen von dem principiellcn Gegensatz, in dem wir zu ihm stehen, praktisch so außerordentlich unpraktisch �Heiterkeit), daß er Überhaupt gar nicht zur Ausführung gelangen kann. Seine Prophezeiung, daß an eine Eingemeindung der Vororte z. B. in Berlin nickt zu denken ist, halte i>es.Amiick" ich für ganz falsch. Diese Eingemeindung wird von Jahr zu Jahr notwendiger und wird vorläufig nur aus politische» Gründen noch hinausgeschoben. Also ich glaube unpraktischer kann man gar nicht vorgehen, als wenn man die großen Unzuträglichkeitcn, die sich ans dem jetzigen Zustand ergeben, noch vermehrt, indem man die Vororte auch in dieser Hiusichl schlechter behandelt als die Gemeinde. Der Antrag beweist alfo totale Unkenntnis der einschlägigen Ver- Hältnisse. Ich resümiere mich dahin, daß meine Freunde für die Nummer 1 deS Artikels 2 stimmen werden.(Bravo I bei den Social- demokratcn.) Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.): Ich richte die Frage an die Bundesregierung: Was führt dazu, mit einem Verkehr aufzuräumen, der sich als nützlich erwiesen hat? Erbringen Sie uns doch ans Herrn Dr. v. Stephans Reden den Nachiveis, daß er die Absicht hatte, die Privatpostanstalten mifzu- heben. Er wollte sie ganz im Gegenteil bestehen lassen. Die Privatposten haben uns zu den Reformen verholfcn, ohne sie wäre die Reichspostmaschine eingerostet. Zum Lohne dafür, daß sie sich so nm das allgemeine Wohl verdient gemacht haben, sollen die Privatposten erdrosselt werden; das wäre eiir zu schlechter Dank. Sie müssen auch der Bevölkerung entgegenkommen, dadurch daß Sie ihr die Möglich- keit offen halten, ihre Briefe auf billige Weise zu befördern.' Die freisinnige Partei setzt die grane Theorie von der alleinseligmachenden Kraft des Staates hintenan und ist bestrebt, in der Praxis die Interessen der minderbcgütcrten Bevölkerung, die durch die Privat- Posten besser bedient wird, zu schützen. Das an der Fahne der Socialdemokratie baumelnde Endziel(Heiterkeit) fordert ja aller- dings das Staatsmonopol, aber die Herren Socialdemokraten wollen ja'in neuerer Zeit mehr darauf sehen, was der Tag heischt und die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt. Auch beim Bankgesctz erklärten sie sich ja gegen die Verstaatlichung der Rcichsbank. Da hätten sie doch auch hier alle Veranlassiing, die Privatposten nicht dem Staat auszuliefern und damit die politische Macht der Post- Verwaltung zu vermehren.(Bravo! bei den Freisinnigen.) Staatssekretär V. PodbiclSki: Diese Vorlage wie mein ganzes Verhalten in diesen 2 Jahre» war darauf gerichtet, auf allen Gebieten eine Verbilligung herbei- zuführen. Ein Beweis dafür ist die in den letzten Tagen erfolgte Regelung des Pakctversands nach Amerika. Ich bestreite dem Vor- rcdncr das Recht zu der Behauptung, daß die Privat-Postanstalten, die gerade durch ihre Konkurrenz die Rcfornien bewirkt haben, zum Dank erdrosselt werden sollen. Ich will zugeben, daß, durch ver- schiedene Umstände gezwungen, die Post früher nicht ganz den Wünschen des Publikums entsprochen hat. Aber es ist mein Ziel, einen allgemeinen billigeren Tarif einzuführen, nicht nur für den Ortsverkehr. Es wird mir dann Ex- cellenz v. Stephan vorgehalten. Haben Sie nicht diesem alle Jahre Klagen wegen Drangsalierung der Privaiposten entgegengehalten? Ich will Ordnung schaffe», während mau früher glaubte, ans dem Wege der Beeinträchtigung des Betriebes die Privat-Post- anstalten zu unterdrücken. So lange ich an dieser Stelle stehe, ist es mein Bestreben, der Allgemeinheit zu dienen. Abg. Dr. Pachuicke(frs. Vg.): Die Abstimmung ist ja nicht zweifelhaft, ich kann mir also viele Worte sparen. Das Schicksal der Privat-Postanstalten ist besiegelt. Wir bedauern das, denn sie haben einem großen Bedürfnis ent- sprechen. Das beweist ihre große Benutzung. Nach Lage der Sache müssen wir uns darauf beschränken, für eine billige Entschädigung für Unternehmer und Angestellte einzutreten. Abg. Singer(Soc.): Ich habe mich vorhin auf wenige Bemerkungen beschränkt, aber die Aussührunaeu der Vorredner zwingen mich, noch einmal das Wort zu ergreifen. Gegenüber dem Lob, das den Privatposten von freisinniger Seite gespendet worden ist, möchte ich doch auch ans Mängel der Privatposten hinweisen. Ich erwähne nur, daß die Neickspost täglich zivölfmal bestellt, während die Privatpost das nur zwei-, höchstens dreimal täglich thnt. Herr Dr. Müller hat die Ver- hnltnisse der Angestellten bei den Privatposten in rosigem Lichte gc- schildert, ich weise darauf hin. daß die Beamten bei der VteichSpost imnierhin noch besser bezahlt sind. Der Al>g. Müller- Saga» sprach auch wieder von der Erdrosselung der Privatposte». Ich glaube, wenn man der Privatindnstrie nachginge, es wurden sich eine ganze Anzahl Industrien finden, die ans diese Weise erdrosselt zn werden wünschten. Denn die Privatpostcn sollen nach der Vorlage mit dem achtfachen Betrage ihres JahrcS- gewinnes abgelöst werden. Es war mir natürlich nicht zweifelhaft, daß alsbald hier die Verhandlungen unseres Parteitages in Hannover zur Sprache gebracht werden würden. Ich beglückivünschc Herrn Dr. Müller zu dem von ihm gewonnenen Rekord. Er hat zuerst dieses Ziel erreicht. (Heiterkeit.— Ruf bei den Freisinnigen: Das Endziel I) Da er aber ans den Verhandlnngm nur die mehr oder weniger guten Witze behalten zu haben scheint, die dort gemacht worden sind, so will ich ihm gern ein Exemplar dcS Protokolls zu weiterer Belehrung zustellen. Er wird dann sehen, daß in Hannover auch noch andere Dinge verhandelt worden sind. Gefreut hat mich die Anerkennung des Herrn Dr. Müller, daß unsere Haltung in dieser Frage völlig mit unserem Endziel übereinstimmt. Er kann daraus ersehen, daß es bei uns ein für alle Mal bei unserem Endziel bleibt und daß diejenigen seiner Freunde nicht recht haben, welche bei uns Anzeichen von Mauserungen zu erblicken wähnen. Ein Widerspruch zwischen unserer heutigen Haltung und bei der Frage der Verstaatlichung der ReichSbnnk ist nicht vorhanden. Die Rcichsbanl haben wir nicht verstaatlicht. weil wir fürchten mußten, daß die lleberschüsse im einseitigen politi- sche» Interesse verwandt Werde» könnten. Principiell waren wir auch bei der Reichsbank für Berstaatlichung. Herr Müller sollte, wenn er uns solche Vorwürfe ivie Pnncipicnlosigteit macht, nicht in erster Reihe darauf sehen, einen Scherz zu machen, sondem diese Vorwürfe ernsthaft zu begründe» versuchen.(Sehr richtig links.) Es wird uns durchaus nicht leicht, die Machtvoll- komnicnheiten der Reichspost zn erweitem. Es kann keinen schärferen Gegner der Paschawirtschast in der Rctchspost geben al» mich. Aber der Wahrheil muß ich die Ehre gebe» und sagen: die Ver- Hältnisse der Unterbeaniten sind bei der Reichspost befscr als bei der Privatpost. Der Partei des Herr» Müller scheint es hierauf nicht anzukommen. Sein Antrag, de» wir noch später erörtern werde», verlangt. daß die Bezahlung von Privatpost- Angestellten bei der Reichspost nach dem Diensteinkommen erfolgen soll. Nim ist daS Dicnsteinkommcn der Privatpost- Angestellten geringer als daS des untersten Postmiterbeamten.(Sehr richtig! links.) Das ist also frei- iinilige Arbciterfürsorge.(Oho I bei den Freisinnigen.) Trotz aller bei der Reichspost bestehenden Ehikaneu sind die Bcamtengehälter dort besser als bei der Privatpost und ich kann Sie daher nur bitte», die Vorlage anzunehmen.(Beifall bei den Social- demokrateu.) Abg. Dr. Müller-Sagan(fts. Vp.):' Die Vorwürfe de« Herrn Singer treffe» mich nicht, ich habe die Sache durchaus ernst und nicht scherzhaft behandelt. Unser» Antrag über die Angestellten hat Herr Singer falsch aufgefabt. Unser Autrag will den Angestellten mindesteuS ein so großes Einkommen bei der Reichspost erhalten, wie sie bei der Privatpost erhalten haben. Herr Singer hat a»ch unrecht, wenn er behauptet, ich hätte die Ber- Hältnisse der Angestellten bei der Privatpost in rosigem Lichte ge- childert. DaS ist mir gar nicht eingefallen. Herr«inger untcr- tcllt mir etwas, was ich gar nicht gesagt habe. Im übrigen bin ich für Belchnuigen durch den Abg. Singer durchaus zngäiiglich. Heiterkeit.) Damit schließt die Diskusston über Ziffer I. Die«bstimmimg erfolgt erst nach der Beendigung der Debatte über den ganzen Artikel. . stkitag, 17. NTOliidn WO. Ziffer II, die von der Kommission gestrichen ist, lautet in der Regierungsvorlage: An die Stelle des§ 2 treten folgende Vorschriften: Die Ve- förderung von Briefen und politischen Zeitungen gegen Bezahlung durch cxpresse Boten oder Fuhren ist gestattet. Doch darf ein solcher Express« mir von einen» Absender abgeschickt seil», Postzwangs- Pflichtige Gegenstände nur bis zum Gcsamtgclvichte von 5.nilo- gramm befördern und dem Postzwang»nterliegcnde Gegenstände »veder von anderen mitnehmen, noch für andere zurückbringe»». Wäh- rend der Beförderung darf ein Wechsel in der Person des Boten nicht stattfinden. Abg. Dasbach(C.) beantragt Wiederherstellung derRcgiernngs- Vorlage mit der Abändernng, daß postzlvangspflichtige Gegenstände dnrch Expresser»ur 75 Kilometer»veit voin Absendnngsorte ans befördert werden dürfen, eine Gcivichtsgrcnze jedoch nicht festgelegt »verde» soll. Außerdem»vill der Antrag Dasbach einen Wechsel in der Person des Boren»vährend der Beförderung gestatte»». Abg. Dasbach(Centr.): Die ausführlichen Darstellungen der Vertreter der Reichspost- Verlvaltiiiig über den großen Umfang der Verbreitung der Zeitungen durch expresse Boten und den großen Eiiinahnieailsfall, den die Post« Verwaltung dadurch erleidet, haben meine»rsprlinglsche Auffasstmg, daß der Exprcßdiciist uncingefchränkt aufrecht erhalten»verde»» innß, erschüttert,»nid ich bin bereit, in eine Einschränkung des Befördcnuigsdienstcs dnrch expresse Boten zu»villigcn, aber nur in dem Uinfange, den der von mir gestellte Antrag cm- giebt. Der Antrag stellt gleichzeitig fest, daß ei», Wechsel Ii» der Person des Boten während der Beförderung statt- finden darf. Gcgcnivärlig»st die Rechtslage in dieser Hinsicht zum »mildesten zlvcifelhaft. Die Regicrnngsvorlage geht viel zu»veit in der Einschränkung des Dienstes durch expresse Boten. So»vill sie das Gcsamtgelvi'cht der postzivangpflichtigen Gegenstände, die ein cxprcsscr Bote befördern darf, aus 5 Kilogramm beschränken. Daran ist nicht zu denken. Eine Beschränkung dieser Beförderungsart ans einen Un»kreis von 75 Kilometer vom AbsenduugSorte aus, ivie ich sie vorsefflage, erfüllt alle berechtigten Wünsche der Postverivaltnng inld schadigt auch die armen Leute nicht, die als Expreßboten thätig sind.' Staatssekretär V. Podbielski: Nachdem die Kommission die Ziffer II gestrichen hat,»vürde es bei den bisherigen Bestimmungen des Postgesetzcs über die cxprcssen Boten bleibe»!. Diesen Bcstiminiinacn gegenüber stellt aber der Antrag DaSbach eine»veseiitlichc Einschränkung dar, die ich für u»»- annehmbar halte. Er»vill die 75 Kilomctcrzottc. Ja, Ivie soll das durchgeführt»verde»»? Soll ich Leute hinstellen und schnüffeln, ob das Billct, das der cxpresse Bote löst, auch»virklich nickt über 75 Kilometer hinausgeht? Das widerstrebt mir, das ist auch nicht durchführbar. WaS den Wechsel in der Person des expresse»» Boten anlangt, so wäre auch das eine Ei»schrni»kuilg, denn es liegen RcichSgerichtS-Eiitscheidmigen vor. wonach gegen- »värtig ein Wechsel in der Person dcS expresse»» Boten nnzulässig ist. Durch die Znlnssung des Botenivechscls»vürde jede Kontrolle»in- inöglich gemacht»verde». Da kann die Post mit dem bestehenden Gcfctzc ja viel besser auskommen. Abg. Dr. Ocrtcl-Sachsen(k.): Der Herr Staatssekretär hat die Fassung der RegierimgSvorkage ruhig ins Wasser fallen lassen; da fühle ich auch kern Bedürfnis, sie »nieder heransznzichen,(Heiterkeit.) Ich beschränke»»ich deshalb auf die Erklärung, daß»vir die Expreßboten für eine große Gefahr für die kleinen Blätter halten, Sie werden ihnen viel gefährlick« und schmerzhafter»verde», als der Zeitnirgstnrif. Durch die expresse»» Boten können die großen Zeitungen ihnen die Konkurrenz so früh ivie möglich und so rasck wie möglich auf den Hals schicken. Der Antrag Dasbach ist»nannehuibar; die Grenze von 75 Kilo- rnetcr ist ganz willkürlich gezogen.— Da der Staatssekretär sei»» eignes Kind preisgegeben ha», verzichten»vir auf eine» Antrag, die Regierungsvorlage»vicder herzustellen. Staatssekretär t>. PodbiclSkt: Ich bin ganz der Anficht des Herrn Vorredner«, baß die Expreßbotenlstsörderung die kleine Presse bedroht. Ich halte es aber für notlvcndig, mich strikt ans den Boden der KommissionS» bcschlnsse zu stellen. Wenn ich alles hier wieder aufnehmen»vollte, was in der Koininisfio» abgelehnt worden ist, würde ich die Sache nur in die Länge ziehen. Abg. Dr. Marconr(C.): Ich stehe ganz auf dem Boden der KommisstonSbeschliisse und halte den Antrag Dasbach für niiannchinbar. Herr Dasbach »»einte, ein großer Teil»uscrer Fraktion sei mit seinen» Antrage cinverstandei». Ich»vill»»ich darüber nicht äußern; es koimnt ja zur Abstiannnng,»nid da»vird sich zeigen,»vie groß dieser große Teil ist.(Heiterkeit.) Abg. Müller-Sagan(frs, Vp.): Der Aiitrag Dasbach hat»veder Hand noch Fuß. Alif der einen Seite giebt er der Postverivaltnng. auf der anderen ni»i»mt er ihr. Abg. Dasbach(C.): Die Mehrheit der aniveseiidc» Fraktionsgenossen hat für meinen Wistrag gestimmt; ich hätte ihn sonst nich» eingebracht. Die Ab- wescndeii zählen überall»»cht mit. Da aber der Herr Staats- sekretär auch ,»icht Stange hält, habe ich keine Veranlass, mg. das Kind ans dem Brninien z» ziehen und ziehe daher meinen Antrag zurück. Damit schließt die Dislnssion über Ziffer II. Ziffer III ist von der Kommission unverändert angenommen. Sie lautet: als§ 2»»verde» folgende Vorschriften eingestellt: Die Beförderung von vcrschlosscnc», Briefen iin Ursprungsorte gegen Bezahlung durch Boten,»velche weder die Einsammlung von Briefe»», Karten. Drucksachen, Zeittingen und Zeitschriften oder Warenproben gewerbsmäßig betreiben, noch i», Dienste einer Privat, Beförderungs» anstalt stehen, ist ohne die im§ 2 vorgeschriebenen Einschränkungen gestattet. Privat- Befördern», gsanstalte», dürfen in eigener An- Gelegenheit verschlossene Briefe auch durch ihre Bediciisteten be- fördern lassen. Dazu liegt ein A n t r a g R i n t e I e n(C.) vor. Ziffer IU zu streichen. Sine Besprechung findet iilcht statt. Ii, der Abstimmiliig wird zunächst der Antrag Rintelen aä I gegen die Stinime deS Antragsteller» abgelehnt.(Heiterkeit.) Sodann »verdcn die Ziffern l(Ausdehnung des Postregals) und III mit großer Mehrheit nach den Beschlüssen der Konnnission unverändert angenommen,»vomit der Antrag Rintelen»st III gefallen ist. Gegen I stimmen nur die Freisinnige»,. Ziffer II(Beförderung durch expreffe Boten)»vird»»ach dem Vorschlag der Kommission gestrichen. Damit ist Artikel 2 erledigt. Artikel 3 lautet in der KommisstonSfaflung:„Anstalten zur gewerbsmäßigen Einsammlung, Beförderung oder Verteilung von nnverschloffenen Briefen, Karten, Drucksachen und Warenproben. die mit der Auffchrift bestiminter Empfänger versehen sind, dürfen vom t. April>000 ab nicht betrieben werde«.(Die Regierungsvorlage lautete:„... dürfen im Reichspost-Gebicte nur mit Genehmigung de« Reichskanzlers, in Bayern und Württemberg nur mit Geiiehiniguiig der Landes-Centtalbehörde errichtet oder weiter betrieben»Verden). Zuividerhandlungen»verden niit Geld- strafe bis zu 1500 M. oder mit Haft oder mit Gefängnis bis zs sechs Monaten bestraft. Abgg. Alb recht und Genossen(Soc.) beantragen folgend« Znsatz:„Abgciehen von den bezeichneten Anstalten ist die geivcrbs« mätzige oder nicht geiverbSmäßige Beförderung von unverschlossenen »olittlchen Zeitnnae» innerhalb der Gemeindegrenzen eines Ortes. .tiäbcfoubcrc auch, lucim sie durch die Post dorthin befördert wurden, jedermann'gestattet. Die Landcsgesctze, betreffend die äußere Hcilighaltnng der Sonn- nnd Feiertage oder betreffend die VerkehrSördnung,' finden keine Anwendung. Abg. Rintclen(C.) bittet den Antrag der Kommission zn streichen, die noch gouverucinentatcr als die' Regierung gewesen sei. Abg. Singer(Soc.): Der Beschluß der Kommission ist, wie ich hervorheben will, wesentlich erfolgt ans Grund von Aeußernngen der Anstalten selbst. Sie haben vom geschäftlichen Standpunkt aus durchaus recht. Wird ihnen die Beförderung der geschlossene» Briefe genommen, so wird ihnen dannt der Boden entzogen, auf dein sie empor gewachsen und gediehen sind. Soll reiner Tisch gemacht werden, dann können wir auch der Post sofort geben, was sie nach einer Reihe von Jahren doch von uns verlangt hätte. Die vorgeschlagenen Aenderungen des Post- gcsetzes sollen ja der Postverwaltung die Mittel zu weiteren Re- formen des Tarifs und zu einer besseren Entlohnung ihrer Beamten und Angestellten in die Hand geben. Wird das Verbot der Privat- befördernng nur ans geschlossene Briefe erstreckt, so wird die Gc- wöhnung des Publikums, nnverschlossene Briefe zu versenden, die schon jetzt stark vorhanden ist, nur noch vermehrt. Dadurch aber werden die Interessen des Publikuins selbst wesentlich beeinträchtigt. Unverschlossenc Briese flattern ja lediglich in den Papier- korb, und die Zuschriften, die unverschlossen versendet werden, erfüllen beim Uebermaß der Druckschriften, die einem zugehen, dann nicht den Ztveck, dem sie dienen sollen.— Für uns ist drittens noch ein anderer Ilmstand wesentlich. Wir hoffen, daß die Post in kurzer Zeit dazu üb.ergehen wird, für die Versendung von Druckschriften den Tarif»och ivcitcr zu ermäßigen, als gegenwärtig beabsichtigt ist. In der Kommission haben die Vertreter der Neichs-Postoenval- tung amtlich zu Protokoll gegeben, daß für Berlin im Ortsverkehr das Postkartcnporto auf 2 Pf. herabgesetzt und das Porto für Druck- fachen und Warenproben etwa um die Hälfte ermäßigt werden soll. Aber diese Tarifermäßignngen genügen noch nicht. Geben ivir der Postverwaltung die Möglichkeit, das ganze Gebiet des Verkehrs in die Hand zu nehmen, so wird sie bald noch weitere Ermäßigungen einführen können. DaS find unsere Motive und deshalb bitte ich um Annahme der Kommissionsauträge. sVravo I bei den Social- demokraten.) Abg. Dr. Hcrzfcld(Soc.): Meine Herren! mein Antrag ist veranlaßt worden durch das Verfahren der Reichspost- Vcrtvaltnng gegen den Verleger der »»Mecklenburgischen Volks- Zeitung" in Rostock. Ucbrigens ist die Angelegenheil geeignet, alle Zeitungen ohne Unterschied der Parteirichtung zu interessieren, da ja alle ein Interesse daran haben, ungehindert ausgetragen werde» zu können. Die„Mecklenburgische Volks- Zeitung" hat, wie viele andere Zeitungen, in verschiedenen Städten sogenannte Filialcxpcditionen. Der Spediteur sammelt in seinem Orte Abonnenten i der Verleger dagegen keimt die von dem Kolporteur gesammelten Abonnenten nicht: für die Zahlung der Aboimcmentsgeldcr ist ihm der Spediteur ver- antwortlich. Der Verleger in Rostock sendet etiva nach 40 Mecklen- burgischen Orten die Zeitung, cntivcder per Postpaket oder unter Kreuzband: wo sich dies Verfahren nicht lohnt, bestellt der Kolporteur die betreffende Anzahl Nummern der Zeitung bei der Post. Der Kolporteur trägt alsdann die Zeitung an seine Abonnenten aus. Dieses allgemein übliche Verfahren hat der Ver- leger der„Meckl. Volksztg." feit Jahren geübt. Nun ist ihm aber jüngst von der Poftvcrivaltnng in Schwerin eine Verfügung zugegangen, in der es heißt, das oben beschriebene Verfahren sei eine Ucbertretnng der ZK 1 und 2 des angezogenen Gesetzes, da die Zeitmig voin Postamlc des jeweiligen Filiaiortcs bis zur Wohnung des Empfängers auf eine andere ais die gesetzlich zulässige Weise, nämlich weder durch die Post»och durch Expreßboten befördert werde. Meine Herren, das Postgesetz bestimmt nicht, daß die Bc- fördennig einer Zeitung in einem Orte, zu dem sie durch die Post gelangt ist, ebenfalls durch die Post zn erfolgen hat. Unserer Ansicht nach kann die Weiterbeförderung durch jedermann er- folgen. Nach der jetzigen Kommissiousfassung des§ 3 ist die private Beförderung adressierter Druckschriften oder Zeitungen verboten. Hier aber handelt eö sich um»l n a d r c s s i e r t e. Meine Herren, Sie sehen also, daß die Aufnahme einer Be- stimmung gerechtfertigt ist, lvonach abgesehen von diesen Privat- anstalten,' jedermann berechtigt ist, innerhalb seines Wohnortes Zeitungen, auch solche, die mit der Post nach dorthin ge- langt sind, auszutragen. Nach meiner Meinung ist eine ordnungs- gemäße Betreibung des Zeiüingsgeschäfts ohne Agenten in entfernteren Orten unntöglich. Ich mochte somit den Herrn Staatssekretär des Reichspostamls bitten, wie er sich zu dieser Frage des private» Austragens der Zeitungen stellt.— Vielleicht wird er uns sagen, daß es ja freisteht, Expreßboten zu nehmen, deren Verlvendung ge- setzlich erlaubt ist. Wir haben das auch früher gcthan: aber die mecklenburgische Landesgesetzgcbnng hat im Februar dieses Jahres das Austragen von Zeitungen am Sonntag, und zwar während des ganzen Sonntags verboten. Dadurch ward uns unmöglich gemacht, unsere Zeitung durch Expreßboten austragen zu lassen. Zwar widerspricht meiner Meinung nach dieses mecklenburgische Landesgesetz, das unter der Flagge einer äußeren Sonntags- Heiligung gemacht ist, dem§2 des Postgesetzes: ich fürchte aber, die Gerichte werden sich nicht auf diesen unseren Standpunkt stellen. Der Reichstag hat sich schon einmal, nämlich iin Jahre 1869, mit der Sache beschäftigt. Damals ivar eine liberale Zeitung, der in Hamburg erscheinende„Freischütz", in Mecklenburg am' Aus- getragenwerdcn verhindert ivorden, obwohl die damalige inecklen- durgische Landespost den Posldcbit dieser Zeitung angeiumimen hatte. Der inecklenbnrgische Regierungsvertretcr fand das Verbot des Austragens' ganz berechtigt; der Reichstag aber stellte sich einstimmig auf den entgegengesetzten Standpunkt. Achnlich liegen die Dinge ja hier. Ein mecklenburgisches Landes- gcsetz will verhindern, daß jedermann Zeitungen austragen kann, was Artikel 3 der Kommissionsvorschläge sagt. Schon das Reichs- pretzgesetz wollte die ungestörte Verteilung der Zeitungen sicherstellen und sagte: Ihr dürft kein Landesgesetz bezüglich der Verteilung mehr erlassen, trotzdem thut das jetzt Mecklenburg. Darin steht es übrigens nicht allein da. Es existiert eine Verordnung deS Ober- Präsidenten von Brandenburg von, 6. Oktober 1896, welche alle öffentlich bemerkbaren Arbeiten an Sonntagen ver- bietet. Das Kammergericht hat entschieden. daß danach das Austragen von Druckschriften in bestimmte Häuser ver- boten und diese Verordnung trotz des Preßgesetzes rechtsgültig sei; es sagt: Im vorliegenden Falle handelt es sich nicht um Verteilung von Druckschriften, sondern um die bei der Verteilung öffentlich be- merkbar gewordene Arbeit, nämlich das Herumtragen. Wie mag das Kammergericht es sich eigentlich vorstellen, daß man eine Zeitung verteilen kann, ohne sie herumzutragen? Während das Preßgesetz also sagt: Ihr dürft kein Landesgesetz über die Verteilung machen, trifft trotzdem ein Landesgesctz Bestiinmungen über das Herumtragen. Das sind meines ErachtenS nichts als Sophismen, Auslegungen, an die der Gesetzgeber sicherlich nicht gedacht hat. Die mecklenburgische Verordnung segelt unter der Flagge:.Be- stimmung über die äußere Heilighaltnng der Sonn- und Feiertage". In Wirklichkeit handelt es sich, wie hier im Reichstage anerkannt ist, dabei um die Eiuschränkuiig der oppositionellen Presse. Das haben mecklenburgische Abgeordnete, insbesondere Herr von Maltzan, auch offen zugegeben. Der Verleger der„Mecklenburgischen Volkszeitung" wurde wegen Austragens seiner Zeitung am Sonntag auf Veranlassung der Wis- marer Polizei auf Grund des Sonntagsgesetzes angeklagt, erhielt aber, gleichzeitig die schon»ntgeteilte Verfügung der Rcichs-Post- verwaltung. Wie kam daS? Die Wismarer Polizei hatte die Post ersucht, gegen die Zeitung auf Grund des Postgesetzes vorzugehen, da sie fürchtete, ans Grund des Sonntagsgesetzes lasse sich nichts machen. Die Neichspost leistete also der Polizei direkte Hand- lcugcrdicnste» nur um die„Meckl. VolkSztg." in ihrem Betriebe möglichst zu beeinträchtigen. Daß eine Reichsbchörde es auf Er- suchen der Polizei für angebracht findet, der Laiidesbehörde Hilfe zu leisten, um die Reichsgcsetzc möglichst, außer Kraft zu setzen, das ist ein Verfahren, das der Reichstag entschieden mißbilligen und das ihn veranlassen sollte, den von uns vorgeschlagene» Zusatz anzunehmen. Es handelt sich bei ihm nicht etiva um Aufhebung der Sonntagsruhe. Die reichsgesetzlichen Geiverbebcstimmungcn über die Sonntagsruhe sollen vollständig in Kraft bleiben. Wir sind gewiß dafür, daß die Leute, die die Ze'itnngen austragen, auch ihre Sonntagsruhe genießen. Wohl aber muß verhindert werden, daß die Landesgesetzgebung Reichsgesetze außer Kraft setzt und es dahin bringt. daß die Frei- heilen, die daS Postgesetz für die Verbreitung von Zeitungen ge- bracht hat. auf Nniwegen wieder aufgehoben werden. Deshalb bitte ich Sie, nicht nur den erste», sondern auch den zweiten Teil unseres Antrages anzunehmen.(Bravo! bei den Soeialdemokraten.) Direktor im Reichspostamt Kräike: Nach den uns vorliegenden Berichten liegt der Fall der„Mecklen- burgischen Volkszeitung" anders, als der Vorredner ihn vorgetragen hat.' Wir haben es bisher stets zugelassen, datz_ die Zeitungen entweder durch Expreßboten oder aber durch selbständige Agenten ver- trieben werden. In dem hier beregten Falle liegt die Sache nach der Ueberzeugung der Wisniarer Postdircktion so, daß es sich nicht um einen selbständigen Agentei» handelt, sondern um einen direkten Verkehr zwischen den, Verleger und den Bestellern der Zeitung. Das ist das Ergebnis der postali- schen Unlersuchimg, das uns mitgeteilt worden ist. Es ist uns weiter mitgeteilt worden, daß die Klage der Postdirektion in erster Instanz abgewiesen worden ist. Um die Sache principiell anSzusechten, ist von uns Anweisung gegeben worden, an die höheren Instanzen zu gehen, ivenn nicht etwa die thatsächlichen Voraus- sctzungcn sich vor Gericht als irrtümlich erwiesen haben. Darüber ist nii'r noch nichts bekannt geworden. Den zweiten Teil des An- trags Albrccht bitte ich Sie schon aus formalen Gründen abzulehnen. Die Gesetze und Verordnungen über die Heilighaltnng des Sonntags haben inil dein Rcichspost-Gesetz nichts zu thun, gehören deshalb auch nicht in daS Reichspost-Gesetz hinein. Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.): Der Regierungsvertretcr hat die staatsrechtliche Seite des An- träges gar nicht berücksichtigt. Das ist aber die Hauptsache. Mit der Tendenz des Antrages sind lvir einverstanden, aber die Ab- stimmung bitte ich bis zur dritten Lesung zu vertagen. Die Formulierung ist nicht so einfach. Es handelt sich hier um die Geltendmachung der sogenannten Nadelstich-Politik, die zlvar ver- bitlert, aber gar nichts nützt. Außer den LandcSgesetzcn kommen auch die Landesverordnungen in Betracht. Es wird sich empfehlen, über die Formulierung des Antrages bis zur dritten Lesung eine Berstäildigmig herbeizuführen. Abg. Biising(natl.): Mir erscheint allerdings auch ein gesetzgeberisches Bedürfnis vor- znliegen, die hier aufgctvorfcne Frage zu regeln. Mit dem ersten Satz des Antrages bin ich einverstanden. Wir haben gehört, daß ein gerichtliches Verfahren schwebt. Ich würde es bedauern, wenn der Beklagte schließlich llnrccht bekäme, denn e� kann doch nur darauf ankommen, ob die Abonnenten mit dem Verleger in direktem Verkehr stehen, aber nicht darauf, ob der Agent auf eigene Rechnung oder ans Rechnung des Verlegers die Zeitung vertreibt. Dagegen kann ich dem zweiten Satze des Antrages nicht zuftimmen, denn formell ist die mecklenburgische Regierung berechtigt, eine SonntagSverordiinng zu erlassen. Die ganze Materie gehört nicht in das' Postgesetz. Ich bitte, über den Antrag getrennt abzu- stimmen. Abg. von TrcncnfclS(kons. Hospitant) erklärt sich gegen den Antrag in beiden Teilen. Es handelt sich thatsächlich um eine Durchbrechung des Postregals. Dann wollen wir aber auch nicht den Sonntag durch aufdringliche Kolportage minderwertiger Drucksachen entheiligen lassen. Abg. Dr. Hcrzfcld(Soc.): Ich bin nicht der Mcinnng des Abg. Büsfitg. daß die mecklenburgische Regierung formell iin Recht ist, wenn sie weitergehende Beschränkungeu derjenigen Thätigkeitcn vorzunehmen sucht, die eben bereits durch das Postgcsctz geregelt sind. Höchstens die Bc- stiinimingen der Gewerbe-Ordnung können solchen weiteren Bc- schränkuilge» unterliegen. Die Post hat aber mit der Gewerbe- Ordnung gar nichts zu thun. Es konimt aber nicht auf das formale Recht der mecklenburgischen Regierung an. sondern darauf, ob der Reichstag der Meinung ist, daß. nachdem tvir durch das Post- gesetz festgelegt haben, daß in der That Expreßboten und Nicht- Expreßboten innerhalb der Ortsgrcnzen eine Zeitung austragen köiincn; die Landesregierungen haben Bestimmungen erlassen, ivclchc dein Geiste des Postgesctzcs sicherlich zuwiderlaufen.(Sehr richtig! links. s Der Vertreter des Staatssekretärs hat uns hier mitgeteilt, die Oberpostdirektion in Schwerin sei der Ueberzeugung, daß an dem betreffenden Orte der Kolporteur nicht als selbständiger Unteruchiner, sondern als Agent für den Verleger der„Mecklenburgischen Volks- zeitung" vorgegangen sei. Nach den Berichten, die der Staats- sekrelär erhalten bat, mag das stimmen. Ich habe aber auch einige Einsicht in die Alien bekommen und zwar in die Originalbcrichte, die von Wismar nach Schwerin gekommen sind und kann nur hervorheben, daß darin berichtet ist, daß der betreffende Verleger keine direkten Beziehungen zu den Abonnenten habe. Weil dies der Fall ist. sagt der Postdireltor von Wismar, werden wir mit der Sache nicht durchkomme».(Hört, hört! bei den Soeialdemokraten.) Die gegenteilige Ueberzeugung ist der Post- direktiou erst dann gekommen, nachdem die Polizei in Wismar gegen die„Mecklenburgische Volkszeitung" vorgegangen ist. Ich kann weiter mittejlen, daß die Schweriner Ober-Postdirektion der Post- dircktion in Wismar geschrieben hat, sie möge der Polizei in Wismar mündlich mitteilen, daß seitens der Ober- Postdirektion gegen die„Mecklenburgische Volkszeitung� ge- richtlich vorgegangen sei.(Hört, hört! bei de» Social- deinokraten.)' Ich möchte wissen, warum die Polizei Mit- teilung von dein haben muß, was die Oberpostdireklion von Schiverin gethan hat, wenn nicht ein Zusammengehen beider Be- Hörden stattgefunden hat und die Postdirektion als Handlanger der Wisniarer Polizei vorgegangen ist.(Sehr richtig! bei den Social- demokraten) Mit der getrennten Abstimmung bin ich einverstanden. (Beifall links.) Abg. Dr. Marcour(C.) bittet die Abstimmung über den Antrag Albrccht bis zur dritten Lesung auszusetzen. Staatssekretär v. PodbielSki: Der Herr Abg. Dr. Hcrzfcld hat ausgeführt, daß die Post- Verwaltung der Handlanger der Polizei geivesen wäre. Ich weiß nicht, wie er dazu kommt, die thatsächlichen Verhältnisse geben dazu jedenfalls keinen Anlaß. Warum handelt es sich denn eigentlich? Es erscheint in Rostock ein Blatt, wie ich glanbe ein social- demokratisches(Heiterkeit.) Es wird verschickt nach Wismar und Güstrow. Eine der betr. Postdirektioncn ist der Ansicht, daß keine Defraudation stattgefunden habe, die andere glaubt an eine Hinter- ziehung. Wer nuii recht hat, darüber hat nicht die Postverwaltung zu entscheiden, sondern das Gericht. Zu einer Erregung, als ob wir hier irgendwie Politik getrieben hätten, liegt abiolut kein Gnind vor. Solche strittige Sachen kommen doch häufig vor und können doch nur im Wege Rechtens entschieden werden.— Was nun den zweite» Punkt anlangt, die Heilighaltung des Sonntags, so sind die ganzen Bestimmungen über die Sonntagsruhe Sache der Landes- gesctzgcbung. Es ist äußerst gefährlich, hier plötzlich die Gewerbe- Ordnung modifizieren zn wollen in einer Postnovclle. Ich halte es auch für richtiger, die Sache bis zur dritten Lestmg auSznsctze», da heute wohl keine Partei die Tragweite des Antrages ermessen kann. Abg. Büsing(natl.) bittet gleichfalls, die Abstimmung bis zur dritten Lesung auszusetzen. Seine politischen Freunde würden für den ersten Teil des Antrags stimmen, für den zweiten in der jetzigen ~"ung jedoch einstweilen noch nicht. Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.) schließt sich diesen Erklärungen an. Abg. Singer(Soc.): Das richtige wäre doch, wenn die Parteien, die für unfern Antrag sind, jetzt auch dafür stimmen. Es bleibt Ihnen dann ja unbenonimen. bis zur dritten Lesung sich über eine andere Fassung zu verständigen.— Was die letzten Aeußernngen des Herrn Staats- sckretärs anlangt, so hat es mir Freude geinacht, ivieder einmal zu sehen, wie er es versteht, sich in der Pose des Biedermanns zu zeigen.(Heiterkeit, Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Ballcstrcm: Herr Abg. Singer, es ist nicht zulässig, einem Mitglied des Bundesrats vorzuwerfen, daß eS sich in der Pose des Biedermanns zeigt. Das setzt voraus, daß er kein Biedermann ist, sondern nur eine solche Pose annimmt. Das ist nicht zulässig und deshalb rufe ich Sie zur Ordnung.(Heiterkeit) Abg. Singer(fortfahrend): Ich nehme also die Pose zurück(Heiterkeit). Jedenfalls hat der Herr Staatssekretär versucht, von dem eigentlichen Streitpunkt ab- zulenken. Wir haben uns darüber beschwert, daß die Ober-Post- direktion in Verbindung mit der Polizei ihre Geschäfte betreibt, nicht aber darüber, daß sie dein Verleger einen Prozeß zugezogen hat. Ich habe mich vorhin für die Annahme des Artikels 3 erklärt Inzwischen sind Bedenken laut geworden, ob es bei der jetzigen Fassung des Artikels nicht möglich wäre, ihn zu politischen Ziveckcn zn mißbrauchen, nämlich insofern als man vielleicht unter„Anstalten zur gewerblichen Einsammlung usw." auch Komitees verstehen kann, die sich zum Zwecke des Betriebs einer politischen Au- gelegenhcit— sagen wir Wahlen— zusammeirgethan haben und nun mit Aufschrift versehene Briefe versenden. Ich zweifle nicht im geringsten daran, daß eine solche Auslegung absolut unzulässig iväre, und ich glaube, daß allseitige Uebereinstimmung darüber herrscht, daß durch den Artikel 3 nur verboten werden An- stalten, die die Einsammlung von Briefe! als Gewerbe, an dein sie etwas verdienen wollen, betreiben. Wir gesagt, ich glaube, daß alle Parteien mit dieser Auslegung einverstanden sind, es wäre mir aber sehr erwünscht, ivenir der Herr Staatsckretär auch seinerseits diese Auffassung bestätigen würde. Staatssekretär v. Podbiclski erklärt sich mit den Ausführungen des Abgeordneten Singer einverstanden. Hiermit schließt die Diskussion. Präsident Graf v. Ballcstrcm erklärt, daß der Antrag Pachnicke, die Abstimmung über den Antrag Albrecht bis zur dritten Lesung zu vertagen, geschäftsordunugsmäßig unzulässig ist. Die Abstimmung über den Antrag Albrecht erfolgt sofort. Sie ist über die beiden Sätze eine getrennte. Der erste Teil dcö Antrages Albrccht wird gegen die Stimmen der beidenskonservativen Fraktionlangcnoiumcn, der zweite Satz wird gegen Stimmen der Socialdemokratcu und einiger Frei- sinniger abgelehnt. Hieraus wird der Artikel 3 nach den Beschlüssen der Kommission angenommen. Die ivcitere Beratung wird alsdann auf Freitag 1 Uhr vertagt. Schluß b'/» Uhr._ UoliÄles. Achtung, 2. Wahlkreis. Am Sonntagvormittag 7'/» Uhr findet eine Flugblallverteilung statt. Die Genossen, welche gewillt sind, daran teilzunehmen, werden ersucht, sich zahlreich in folgenden Lokalen einzufinden: Schnllhes, Großbeerenstr. 18; Sichert, Großbeercnstr. 51; Ouandt, Vellcallianccstr. 71; Kcßuer, Hagels- bergerslraße 23. Dritter Wahlkreis. Heute abend findet bei Möhring, Admiralstr. 18o, die Berichterstattung von der Parteikonferenz sowie vom Parteilage in Hannover statt, p Der Vertrauensmann. An die Parteigenossen im fünften Berliner Ncichstagö- Wahlkreis! Der Wahlvcrcin in unserem Kreise, die politische Organisation der Partei, zeigt nicht den Mitgliederznwachs, wie es im Interesse einer wirksamen Propaganda unserer Ideen Wünschens- iveri nnd notiveudig lvärc. Wir richten deshalb an alle säumigen Parteigenossen die' ernste Mahnung, sich der Mitarbeit inner- halb der Partei nicht zu entziehen und die Organisation der Partei durch ihre Mitgliedschaft zu unterstützen.— Der Verein hat in folgenden Lokalen Zahlstellen errichtet, in welchen Mitglieder aufgenommen und Beiträge entrichtet > verde» können: Weudland, Maricnburgerstr. 32, Richter, Neue Königstr. 90, Knötzsch, Hirtenstr. 10, Ludwig, Landwchrstr. 11. Wittchow, Kleine Hanibnrgerstr. 27, Gründer, Johannisstr. 9, Jäkel, Monbijouplatz 10, Rcul, Barnimstr. 42. Spät, Wcmstr. 28. Freitag, den 17. November, abends 81/* Uhr, findet im Restaurant Königssäle. Neue Königstr. 26. eine Versammlung statt, in der Stadt- verordneter Dr. Curt Freudenberg über:„Die Prostitntion als sociale Erscheinung und als Gefahr für die Bolksgesuudhcit" sprechen tvird. Ferner ivird in dieser Versammlung das Protokoll vom letzten Parteitag gratis verabfolgt. Der Vorstand. Achtung, Moabit! Die Parteigenossen, welche geivillt sind. am Sonntag bei der Fl u g b l a t t v c r'b r e i l u n g im 15. Kommunal- Wahlbezirk zu helfen, werden ersucht, sich morgens 1/iS Uhr bei gäbet, Stephanstr. 11, zu melden. DaS Wahllouiilec. Die gestrige Stadtvcrordneten-Siisilng wurde vom Vorsteher Dr. Langerhans mit der Verlesung eincS Briefes eingeleitet, den Herr v. Mirbach, der Ober-Hofmeistcr der Kaiserin, in B e a n t w o r t u n g des letzten Glückwunsch- s ch r e i b e n s der S t a d t v c r o r d n e t e n- V e r s a m m l n n g an die Kaiserin dein Vorsteher hatte zugchen lassen. Die Ver- sammlung erfuhr daraus zu ihrer nicht geringen llcbcrraschung. daß sie an der Beseitigung der Berliner Kirchennot nicht eifrig genug mitgearbeitet und gegen die mißbräuchliche Anwendung einer Bibel- beziehungsiveisc einer Gesangbuch-Stclle. deren sich der Stadt- verordnete Preuß in einer der letzten Sitzungen schuldig gemacht hatte, nicht in gebührender Weise protestiert habe. Während der Verlesung gab die Versammlung wiederholt durch starke Unruhe und Widerspruch ihrem Erstaunen und ihrem Umnnt über Form und Inhalt dieses merkwürdigen Briefes(den unsere Leser an anderer Stelle im Wortlaut wicgergcgebcn finden) Ausdruck. Im Anschluß daran verlas der Vorsteher eine Erklärung, in der die Vorwürfe des Herrn v. Mirbach als durchaus unbegründet zugewiesen iverdcn. Die Versammlung nahm diese Erklärung mit Beifall auf und betrachtete damit die Sache als erledigt. Von den zahlreichen Beratungsgcgenständen, die diesmal auf der Tagesordnung standen, interessiert besonders die Angelegenheit der Einschränkung der gewerblichen Nebenbeschäftigung schulpflichtiger Kinder. Der Polizeipräsident hat der SÄuldcputation den Entwurf einer bezüglichen Polizeiverordnung zugehe» lassen, und die Schuldcputation hat dem Magistrat empfohlen, dem Entwurf zuzustimmen. Der Magistrat hatte nun der Vcrsamm- lung den Entwurf zur Kenntnisnahme vorgelegt. Genosse Singer benutzte diese Gelegenhcit, um darauf hinzuweisen, daß im Magistrat Neigung vorhanden zu sein scheine, hei der Regelung der Angelegen- hcit mehr auf das Interesse der Arbeitgeber als auf das der Kmder Rücksicht zu nehmen. Bürgermeister Kirschner versicherte, diese Befürchtung sei unzutreffend. Er konnte es sich aber nicht versagen, als ein Beispiel dafür, daß die Mißstände auf dem Gebiete der kindlichen Erwerbsarbeit doch wohl i icht so gar groß sein könnten, einen Fall anznführen, wo selbst ein jetziger Bäckermeister— einer von denen, die kürzlich Herrn Kirschner ihre Wünsche vorgetragen haben— als Sekundaner Backware aus- getragen hatte. Herr Stadtschulrat Bertram, der diesmal leider am Magistratstische fehlte, hatte vor einiger Zeit den Stadtverordneten 'ogar von einem Primus erzählt, der Backware austrug. Man sieht, der Magistrat ist um Argumente nicht verlegen, wenn cS gilt, die Schädlichkeit der Erwerbsarbeit schulpflichtiger Kinder in milderem Lichte erscheinen zu lnsjen. Von den gegenteiligen Beobachtungen, die die Berliner Lehrerschaft nicht in zwei oder drei, sondern in Hunderten und Tausenden von Fällen an den Schul- lindern gemacht hat, wissen Herr Kirschner und Herr Bertram zwar auch— sie sind nicht bloß schriftlich, solidem auch mündlich darüber unterrichtet worden— aber sie erwähnen sie nicht. Die verschiedenen bürgerlichen Fraktionen der Versammlung gaben durch ihre Vertreter die Erklärung ab. daß sie alle ohne Ausnahme von tiefem Mitgefühl für die gewerblich beschäftigten Kinder erfüllt seien und dem Wunsche nach Abhilfe die wärmsten Sympathien entgegenbrächten. Wollen sehen, wie sich dieses Mit- gcfühl und diese Sympathien bethätigcn werden, lvenn es zur endgültigen Beschlußfassung kommt. In der gestrigen Sitzung ließen sich leider recht viele Stadtverordnete durch ihr Mitgefühl und durch ihre Sympathien nicht davon zurückhalten, bei den Ausführungen unseres Genossen Singer über einige besonders schlimme Umstände auf dem Gebiete der Kinderarbeit ein Benehmen zur Schau zu tragen, das zu der Vermutung berechtigt, daß sie sich weder des Ernstes der Sache noch der Würde der Versammlung völlig bewußt waren. Der Entwurf wurde schließlich dein Ausschuß übenviesen, der zur Vorberatung des bekannten, dieselbe Angelegen- heit betreffenden Antrages unserer Genossen eingesetzt ist. Rotröcke, Notwälsch. Nur um zu zeigen, an was für Ver- gnügnngeu sich die Edelsten und Besten ergötzen und ivas für ein Rotwälsch bei ihnen die deutsche Sprache ersetzen muß, lassen wir hier den von der„Krenz-Zeitnng" veröffentlichten Bericht über die vorgestrige Grunewald-Parforcejagd folgen: „Die heute voni Saugarten ab gerittene Jagd, an welcher 66 R o t r ö ck e und 2 Damen im Sattel, Gräfin A. Wartenslcben und Geucralin Dulitz, teilnahmen, bot trotz des trüben Wetters einen guten Galopp hinter den auf eine 2jährige Bache jagenden Hunden. Arn Gatter an der Krummen Lanke wurde die Bache von der Meute eingeholt und hart bedrängt. In hoher Flucht überfiel sie de» Wild- zäun und durchschwamm den See, gefolgt von den sich schnell durch die Latten zwängenden Hunden. Viermal durchschwamm die Bache den See, bevor sie ihre Flucht durch Zehlendorfer Terrain fortsetzte. Von neuem ertönte die„Gute Jagd"- Fanfare, und in toller Fahrt galoppierte das rote Feld durch den Zehlendorfer Forst bis nahe der Lberförsterei, wo die Backe das freie Feld annahm und direkt auf die Kadettenanstalt Lichterfclde z n st e u e r t e. Volle IVs Stunden währte die Jagd, bis Halali geblasen wurde und die Hunde die Bahn auf freiem Felde gegenüber der Kadettenanstalt deckten. Licute- nant v. Offenbach vom Königin Angusta-Ncgt. hob aus, den Fang gab Rittmeister v. Kapherr vom Leib-Garde-Husaren-Negiment. Vollzählig war das rote Feld bei Verteilung der Brüche zur Stelle und verließ nach Beendigung der Halali- Ceremonie, befriedigt ob des guten Galopps und der interessanten Jagd, den Halali-Platz." In seinem Plaidoyer gegen die Harmlosen machte Staats- antvalt Jsenbiel den Angeklagten zum Vorwurf, daß sie die köstliche Wahrheit des Spruches:„Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen" nie an sich erfahren hätten. Auf die Teilnehmer an der Parforcejagd trifft dieser Vorwurf nicht zu. Wer als frommer Christ anderthalb Stunden lang hinter dem widerwärtigen Schauspiel herrcnnt. daß ein armes Tier raffiniert zu Tode gehetzt wird, mag schließlich schon in Schweiß geraten. Die agrarische„Deutsche Tages- Zeitung" ist über die schlechte Ernährung des Arbeiters des tiefen Krimmers voll. Sie beklagt mit Recht die bedenkliche Qualität der C a v i a r- b r ö t ch e Ii zu 10 Pf., die es in vielen Lokalen giebt. tadelt ferner, daß die Arbeiter minderwertige O c l s a r d i n e n essen, und fällt schließlich eine absprechende Kritik über das zweifelhafte Getränk, daß in Destillen als P o r t>v e i n, Sherry usw. ausgeboten ruird. Dann meint das Blatt:„Gegen diese unwirtschaftlichen und unvernünftigen Genüsse der Arbeiter sollten die socialdemokratischen Führer. die angeblich das Interesse der Arbeiter vertreten, einschreiten; das wäre auch ein gut Teil wohl angebrachter Arbeit an der Hebung des„vierten Standes", dessen Angehörige man niit vielem Pathos die Enterbten nennt." Soweit»vir nach der„Deutsche» Tagesztg." als Führer in Betracht kommen, wollen wir, obgleich uns auch aus früherer Thätigkeit keine Uuterlassuugssüude vorschwebt, dem Blatt gern die ausdrückliche Versicherung geben, daß wir künftig mehr»och als bisher geschehen, den Arbeiter an die b e st e K o st geivöhne» helfen wollen. Als Endziel schivcbt uns da geivisscrmaßcn das Menü vor, das der Bund der N o t l e i d c n den kürzlich nach der Reihenfolge der mit dem Bildnis des Freiherrn von Wangenheim verzierten Tischkarte kummervoll verzehren mußte. Aber da sollte sich dann auch die„Deutsche Tageszeitung" ent- gegenkommend zeigen und dahin wirken, daß auf den ostclbischcn Gütern die Arbeiter fortab etwas besser als das liebe Vieh genährt werden. Das Goethe-Teukuml, welches bereits seine übliche Winter- hülle erhalten hatte, wird in diesen Tagen nochmals freigelegt werden, da am 19. d. Mts. seitens der Berliner Studenteuschaft Kränze niedergelegt werden sollen. Eilte besondere Sprechstunde für Luugcnkranke ist in den Räumeii der Medizinischen Iluiversitätskliuik, Luijcnftr. 13, unter Leitung des Professors Dr. Max Wolff eröffnet worden. Die Sprech- stunde findet werktäglich von lOVe bis 12 Uhr statt; Uubcniittcltcn ist sie ohne weiteres zugänglich, Mitglieder von Krankcnlasieil werden nur auf Aniveisung der behandelnden Kassenärzte zur Feststellung der Diagnose angenommen. Ei» schwerer Unfall, bei dem fünf Arbeiterinnen verletzt tvluden, har sich gestern vormittag in der Wäschefabrik von Besas u. Rosenlhal iii der Andreasstr. 32 zugetragen. Hier befinden sich die Näherinnen im zweiten und die Wäscherei für die fertigen Sachen iin� dritten Stock. Die Waschkessel stehen oder hängen in Gestellen so, daß sie zum Ausgießen des gebrauchten Wassers umgekippt werden können. Während des Wascheus werden sie durch einen Riegel festgehalten. Gestern vormittag war nun an einem dieser Kessel entivcdcr der Riegel gar nicht vorgeschoben oder sonst etwas au der Sicherung nicht in Ordnung. Als fünf Wäscherinnen mit dem Hcransnehnien von gclvaschencn Sachen beschäftigt waren, kippte plötzlich der Kessel um, und sein heißer Inhalt ergoß sich über die Arbeiterinnen. Am schwersten verbrüht wurden die Mädchen Dora Lenz vom Grünen Weg 43 und Elise Buttke aus der Frucht- straße 35, die beide ins Krankenhaus am Friedrichshain gebracht ivurde, leichter sind die Frauen Elise Neumaun ans der Memeler- straße 10, Anna Schmidt aus der Höchstestr. 23 und Bertha Kober- ling aus der Pctcrsbnrgerstr. 2 davougekonrinen. Der Kessel soll nicht eingeriegelt gewesen sein. Hoffentlich wird eine Untersuchung des Falles ergeben, ob nicht größere Bctriebssichernngen mög- lich sind. Gegen das Hazardspiel geht die Polizei jetzt allgemein mit großer Schärfe vor. In hiesigen Gastwirtschaften wird viel gespielt, wenn auch die eingesetzten Beträge nur klein sind und dementsprechend geringe Umsätze erzielt werden. Gestern ivurde wieder ein solches Spielerncst in einer Wirtschaft in der Gollnoivstraße ausgehoben. Die Spieler ivaren durchiveg selbständige, in der Königstadt an- sässige Handwerker, die nach Feststellung ihrer Person alsbald entlassen wurden. Gegen sie wird kaum ein Strafantrag gestellt werden können, dagegen dürfte sich der Gastwirt wegen Duldung verbotenen Glücksspiels zu verantworten haben. Eiucn tödlichen RuSgaug haben zwei Unfälle genommen, die sich iir den letzten Tagen zutrugen. Die 57 Jahre alte Arbeiterin Marie Siegert aus der Rcicheubergerstr. 37 besuchte am vergangenen Sonntag Bekannte in Charlottcnburg und fuhr mit der Stadt- und Ringbahn zurück. Vor dem Bahnhof Großgörschenstraße mußte der Zug auf der Strecke kurze Zeit halten, weil die Einfahrt nicht frei ivar. Fm'lciii Siegert, die etwas nervös war, glaubte wohl, daß der Zug auf dem Bahnhofe stehe, und stieg hastig aus. Dabei' wurde sie von einem Zuge der Wannsee- Bahn gefaßt, der ihr den Brustkasten eindrückte. Im Elisabeth- Kranken- Hause ist sie ihren Verletzungen erlegen. Dort starb auch der 53 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Bunzel aus der Hollmannstr. 23, der am Freitag auf einem Bau in der Hohcnzollernstraße von einem drei Meter hohen Gerüste fiel und mit dem Kopfe so schwer auf einen Balken aufschlug, daß er sich eine Gehirnerschütterung zuzog. Besondere Kennzeichen. Die königliche Staatsanwaltschaft I erläßt einen Steckbrief hinter einein 25 Jahre alte» aus Berlin gebürtigen Kaufmann Max Levin, der wegen einfachen Bankrotts und Betruges in klntersuchungshaft genominen werden soll.� Nach einer möglichst genauen Personenbeschreibung heißt es: Besondere Kennzeichen: Nach den Registern des königlichen Polizeipräsidiums heißt der Gesuchte Jacob gen. Levin. Auf dein Transporte von Berlin nach der Strafanstalt Brieg ist der zu zehnjähriger Zuchthausstrafe verurteilte Kellner Albert M a g a s ch e w s k i entsprungen. Er sollte in Breslau, wo Station gemacht worden war, mittels Droschke vom Märkischen nach dem Oberschlcsischen Bahnhofe gebracht iverden, doch gelang es ihm, auf der Fahrt den Wagenschlag zu öffnen und seinem Transportcrir zu entfliehen. Die Jagd ans den Flüchtigen hatte bisher keinen Erfolg. Auf der elektrischen Straßenbahn tödlich vcrnngliickt ist gestern nachmittag gegen 4 Uhr der 60 Jahre alte Korbmacher Paul Margasus aus der Bernanerstraße. M. geriet vor dein Hanse Prinzenallee 64 unter einen Wagen der Liiiie Pankow— Gcorgcn- straße und wurde überfahren. Entsetzlich zugerichtet, wurde er von einem Schutzmann des 9. Reviers mit einer Droschke in ein Kranken- haus gebracht. Hier stellte man außer inneren Verletzungen einen Becken- und einen Schädelbruch fest. Schon um 6 Uhr ivurde der Verunglückte von seinen Schmerze» durch den Tod erlöst. Brand im ll-Zng. Der um 6 Uhr 48 Minuten gestern früh fällige Berliner D-Zug traf mit niehr als halbstündiger Verspätung in Frankfurt a. M. ein. Kurz hinter Bebra hatte man bemerkt, daß der Leipziger Durchgangswagen brannte. Das Feuer war aus noch nicht ermittelter Ursache im Abort des Wagens entstanden. Ter Z»g mußte auf freiem Felde halten, und man versuchte den Brand zu löschen. Zum Glück war der Wagen nur mit acht Fahrgästen besetzt. so daß keine Panik entstand. Der Wagen wurde dann in Heesfeld zurückgelassen und seine Insassen nahmen in anderen Wagen Platz. Im Straßenverkehr vcrnngliickt ist gestern vormittag die 63 Jahre alte Almosenempfängerin Quielitz aus der Frankfurter- straße 16. Die Greisin wurde an der Ecke der Frankfurter- und Andreasstraße von einem Geschäftswagen angefahren und erlitt eine bedeutende Quetschung am Hinterkopfe. Die Rettungswache I leistete der Verunglückte», die sich ans dein Wege zm» Armenärzte befand, die erste Hilfe. Die in der letzten Nacht erwartete» Stcrnschnnppcn- schwärme sind nicht in der hiesigen Sternwarte, aber in der Stern- ivartc iir Treptow und in der Urania sJnvalidcnstraßc) beobachtet worden. Direktor Archcnhold und Dr. Witt hatten besondere Vor- kchningcn zur Beobachtung getroffen. Das Wetter war für die Beobachtung günstig. Der Himmel war vollständig wolkenlos. Der erste Stcrnschnuppenfall konnte morgens ui» 2 Uhr 30 Minuten im Sternbild des Löivcn beobachtet werden. Die Meteore waren nicht gerade zahlreich. Erst gegen 4 Uhr konnte man größere Sckwärme bemerken. Die Treptower Sternwarte liefe, wie sie angekündigt hatte, sofort alle diejenigen, die sich vorher für die Bc- obachtung gemeldet hatten, durch den Fernsprecher wecken, und das Wecken wurde zur Zufriedenheit der Teilnehmer besorgt. Zwischen 4 und 5 Uhr wurden die hellsten Meteore beobachtet. Gezählt wurden im ganzen 31. Direktor Archenhold ist der Meinung, daß zivischcn 4 und 6 Uhr die größten und meisten Meteore gefallen sind und also der Haupt- durchgang der Bicliden und Lcon'iden stattgefunden hat. Aus den Rackibarorte». Bei den Stadtverordnete»- Wahlen in Spandau sind trotz aller Schwierigkeiten, die zn überwinden Ivaren. unsere Partei- genossen Schröer, Pieper, Halleker und Scholz als Sieger ans der viertägigen Wahlschlacht hervorgegangen, während Riegcr und Kunkel i» Stichwahl kommen. Die Spandauer Arbeiter- schaft, die opfermütig. alle» Hindernissen zum Trotz, den ersten Kampf so gut bestanden hat, wird auch in den Stichwahlen ihre Pflicht zu erfüllen wissen. Rixdorf. Die Stadtverordneten. Versammlung hatte in ihrer gestrigen Sitzung zunächst die Wahl von 19 Mitgliedern und deren 19 Stellvertretern für die Boreinschätzmigs-Äoininission vorzu- nehmen. Die Wahl ging glatt voir statten, den Vorschlägen der Vertreter der dritten Wählcräbtcilung wurde widerspruchslos Rechnung getragen.— Der Magistrat beantragt, für die von den Lehrern Engel und Bcrgknccht errichtete knufmäimische nnd gewerbliche Fortbildungsschule für Frauen und Mädchen ein Anfsichtskuratorium zu wählen. Die Versammlung stimmte dem Antrage zu und wählte ihrerseits die Herren W i l s ch k e und' Fähren kr ug sowie den Genossen O st e r m a n n. Der Magistrat hat die Stadträte T h i e m a n n und L c y k e in das Kuratorium delegiert. ES wurde ferner dem Kuratorium das Recht zugestanden, selbst weitere 5 Mitglieder zuzn- wählen, wovon mindestens 2 Frauen sein müssen. Ein anderer Magistratsantrag, das Vorgartcntcrrain des Grundstücks Prinz Handjerystr. 5 zu enteignen, wurde ebenfalls einstimmig angenommen. — Herr Bürgermeister Voigt gab einen„vorläufigen Bericht" über die Neu-Organisation der Verwaltung. Es ging daraus hervor, daß durch die Entlassung einer Anzahl meist jüngerer Angestellter eine Ersparnis von etwa 5000 M. eintreten wird. Daß die Etats- cntlastung trotz der Einführung der königlichen Polizei keine größere ist. begründete der Bürgermeister mit der Mehrbelastung der städtischen Verwaltung im Gegensatz zur Verwaltung der früheren Dorfgemeinde Rixdorf. Auch solle mit der„LehrlingSziichterci" gebrochen werden.— Herr Rahmig wunderte sich über die geringe Er- sparnis, während Conrad sSoc.) dem Bürgermeister beipflichtete.— Auf einen Antrag dcS Stadtv. P r e ß l e r sSoc.) wurde beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, er möge bei der Eiscnbahnbehördc wegen Vermehrung der Südringzüge befonders in den Früh- und Abend- stunden vorstellig werden. Rixdorf. Den Mitgliedern deS Socialdemokratischen Vereins Vorwärts zur Nachricht, daß am Sonnabend unser diesjähriges Stiftungsfest im Apollo-Theater, Hermannstraße 48—50, statt- findet. Billets a 20 Pf. sind nur in den Zahlstellen des Vereins zu haben. Anfang 8 Uhr.(Siehe Annonce und Säulenanschlag.) Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Ans Frirdrichshagen schreibt man uns: Nachdem der hiesige Nathausbau errichtet und die in bürgerlichen Kreisen unvermeidlichen Einweihungsfeicrlichkeiten und Festessen glücklich vorüber waren, fand am Mittwoch in dein neuen Sitzungssaale die erste Gemeinde- vertreter-Sitzung statt. Ein Antrag des Gemeindevorstandes. anläßlich der Einweihung des Rathauses auch für die Gemeinde- b e a rn t e n eine Festlichkeit zn arrangieren, wurde gegen 7 Stimmen angenommen. Der Genosse Sonnenburg sprach gegen den AntragmitdcrBegründung, daß wenn dievonderGemeinde beschäftigten Arbeiter dabei leer ausgehen folltcn, auch die besser bezahlten Be- muten keinen Vorzug zu haben brauchten.— Der Vorsteher teilte mit, daß die Regierung gewillt sei, für die Errichtung einer höheren Knabenschule die Genehmigung zu erteilen. Es wurde eine Kommission gewählt, welche geeignete Mietsräume vor- 'chlagen soll.— Die vierteljährliche Subvention von 500 M. für die höhere Privat- Knabenschule des Dr. Müller Ivurde gegen zwei Stimmen angenommen.— Die Einstellung eines katholischen Lehrers zur Erteilung katholischen Religions- Unter- r i ch t s in der Gemcindeschule wurde gegen die Stiinmen von Barth und Sonnenburg beschlossen.— Die Errichtung einer neuen Lehrerstelle an der Gemeinde- Knabenschule, sowie Uebcr Weisung von vier bis fünf Schulräumen für die Knabenschule zum 1. April nächsten Jahres fand die Zustimmung der Vertretung. Der Unterrichtsminister richtet in einem umfangreichen Schreiben an die Vertretung das Ersuchen, die Verbesserung und Vermehrmig von Volksbibliotheken that- kräftig zu unterstützen nnd dem vorhandenen VildungSbedürfnis der Bevölkerung Rechnung zu tragen. Barth und Sönnciiburg befürworteten zu diesem Zweck die Einstellung einer entsprechenden Summe in den nächste» Etat. Es wurde gegen einige Stiminen bc- schlössen, zur Errichtung einer Volksbibliothck 200 M. in den nächst- jährigen Etat einzustellen.— Infolge der übermäßigen Zmiahme der Erwerbsthätigkeit schulpflichtiger Kinder ersucht der Landrat, die diesbezügliche Polizeiverordming dahin abzuändern, daß vor 6 Uhr morgens nnd nach 8 Uhr abends jede Erwerbs- thätigkeit schulpflichtiger Kinder verboten ist. Genosse Sonnenbnrg be- antragte, jede Erwerbsthätigkeit schulpflichtiger Kinder bis zum 14. L e b e n s j a h r zu untersagen. Keiner, dem das Wohl der heranwachsende» Jugend am Herzen liege, könne dulden. daß Schulkinder beschäftigt werden. Der Antrag wurde gegen zwei Stimmen abgelehnt, der Vorschlag des Lnndrats angenommen.— Eine Polizcivcrordnuins, welche den Verkauf von O b st, G �- m ii s e nsw. nur noch nach Gewicht vorschreibt, wurde ebenfalls gutgeheißen. Pankow. Zu der am Sonntag, den 19. November, statt- findenden Flngblatt-Verteilung werden die Genossen ersucht, zahlreich und pünktlich'zu erscheinen. Die Abfahrt findet früh 7>/z Ilhr vom Lokale des Herrn Störr(Pankotv), Miihlenstr. 24, aus statt, Der Vertrauensmann. Den Posamcutcnhandcl anf dem Winterfcldplatz wollte die Stadtverordncten-Versanimlung von Schöneberg verboten wissen. Der Magistrat ist diesem Beschluß deshalb nicht beigetreten, tveil die frühere Gemeindevertretung den Verkauf von derartigen Artikeln eingeführt hat. Arbeiter- Risiko. In Rieder-Schöne weide sind Donnerstagabend auf dem Bau der deutschen Niles-Maschincn- Wcrkzciigfabrik abermals zwei Arbeiter verunglückt und zwar zwei verheiratete M a l e r g e h i I f e n aus Berlin, die infolge Bruches der Leiter aus einer Höhe von 14 Meter abstürzten. Die Unglück- lichcn erlitten Arm- und Beinbrüche und wurden im Krankenwagen in ein Berliner Krankenhaus gebracht. Die Verunglückten sind die Maler Kaiser ans der Großgörschen- straße 38 und Paul Schmidt aus der Koloniestraße 36. Verunglückter Staatörcttcr. Ans L u ck e n Iv a l d e tvird be- richtet: Der wegen seiner Schncidigkeit bekannte hiesige P o l i z c i s c r g e a n t R a d l o s f ist plötzlich auS dem A m t g e- schiede n. Er tvird sich am 28. d. M. vor Gericht wegen ver- suchten Betruges zu verantworten haben, da er einen Bahn- Wärter um 100 M. anborgen wollte und dabei falsche Borspiege- Inngen gemacht haben soll. Auch ein Verfahren wegen A mts- Vergehens schivcbt gegen Radloff, der jetzt einen Kartoffel- und Schlncht-Pserdchandcl angefangen hat. Auf dem AnSwaudcrcrbahnhof Nnhlcbcn bei Spandau treffen seit einiger Zeit unter den Europamüden, die aus Süd- rußlnnd kommen, Personen ein, die an einer ansteckenden, scheinbar schtvcr heilbaren Hautkrankheit leiden, die sich besonders am Kopf zeigt. Da in Amerika solche Auswanderer nicht aufgenommen werden, so erfolgt schon in Ruhlcbcn. Ivo sich ständig Agenten der Dninpfschiffahrtsgescllschasten befinden, nach der ärztlichen Unter- suchnng ihre Ausschließung von der Weiterfahrt. Wenn die Kranken nun Mitglieder einer Familie sind, deren andere Angehörige nicht davon betroffen sind, so spielen sich oft herzzerreißende Abschieds- scencn ab, indem die Gesunden die Fahrt fortsetzen und die Kranken � nach Rußland znriickbefördert werden müssen. Richtigstellung. Von Herrn H. Zieckow, Teinpclhof, Berliner- straße 119, erhalten wir die Mitteilung, daß es keinestvegs Nahrnngs- sorgen waren, die seinen unglücklichen Bruder in den Tod getrieben haben. Insoweit beruht also unsere Meldung in Nr. 265 auf einein Irrtum. Bon den Wasserstraßen deS Regierungsbezirks Potsdam werden in diesem Winter gesperrt: Auf der Havel-Odcr-Wasser- straße die Strecke von Gräfenbrück bis Pinnow vom 1. Januar bis 1. März 1900: die Sprcc-Oder-Wasserstraße vom 2. Januar bis 28. Februar 1900: der Friedrich Wilhelms- Kanal vom 2. Januar bis 28. Februar 1900: die kanalisierte Rotte vom 15. bis 28. Mai 1900; anf den Storkowcr Gewässern die Strecke von Wendisch-Rictz bis Storkow vom I.Januar bis 28. Februar 1900; auf derRuppiner Wasserstraße der Ruppiner Kanal vom 25. Januar bis 28. Februar 1900, und anf der oberen Spree-Wasserstraße die Zollbrücke bei Kossenblatt vom 15. Februar bis 31. März 1900. Zur Erhebung einer Ltlagc beim KrciSanöschnß durch die Große Berliner Straßenbahn gegen die Gemeinde W i l m e r s d o r f hat die von dieser verweigerte Genehmigung zur Herstellung einer Kurve vom Hcnricttenplatz nach dem neue» Straßcnbahn-Depot in der Wcstfälischcnstraßc geführt. G e v i chts D e Mm**. Nnwahrc Geschichte» von socialdclnokrntischcmTcrroriömuS zu Verbreiten ist bekanntlich eine von der„Märkischen Volkszeitung" mit ganz besonderem Eifer ausgeübte Thätigkeit. durch welche das Centruinsblatt die arbeiterfeindlichen Bestrebungen der Zuchthaus- schwärmcr nach Kräften unterstützt, llnscre Leser wissen, daß wir schon oft Gelegenheit hatten, die Terrorismus-Geschichten der„Märk. Volksztg." als Märchen zu kennzeichnen, die jeder thatsächlichen Unter- legung entbehrten. Das konnteabcrdasOrgandcsKaplansDaSbachnicht veranlassen, das Handwerl der Verleumdung einzustellen. Das christliche Blatt fuhr vielmehr fort, lliiivahrhcitcn, die ihm von irgend einer Seite zugetragen wurden', der Ocffcntlichkcit vor- zusetzen, sobald ihm besagte Geschichten geeignet erschienen, die Organisationen der für Verbesserung ihrer Lebenslage kämpfenden Arbeiter als solche hinziistellen, die durch Zuchthansparagraphcn zu knebeln ein christliches Werk ist. Eines diefcr von der„Märkischen Polkszcitmig" in die Welt gesetzten Märchen ist am Donnerstag in seinen Hauptpunkten vor Gericht auf seinen tvahren Wert geprüft Word«». Es handelt sich um folgenden Fall: Im August d. I. hatte die„Märkische Vollszcitung" ihren Lesern eine Geschichte erzählt von einem braven Zimmermann, der. weil er Mitglied des Vereins„Arbeiterschutz" Ivar, auf Veranlassung seiner Kameraden, die dem Zimmererverbande angehörten, entlafscn worden sei, nachdem die letzteren vorher vergebens versucht hätten, den christlichen Arbeiter zum Beitritt in den Verband zu pressen. Wir haben damals so- gleich festgestellt, daß die Angaben der„Märk. VolkSzeitnng" unwahr find, und der betreffende Zimmerer nur tvegen Mangels an Arbeit cntlnsscn wurde. Dies teilten wir in der Nummer unseres Blattes vom 16. August mit und fügten als Erklärung für die untvahrcn Behauptungen des Schützlings der„Märkischen VolkSzeitnng" hinzu, derselbe habe seine Angaben wahrscheinlich deshalb gemacht, um von seinem Verein eine Unterstützung zu ergattern. Durch die letztere Bemerkung fühlte sich der Zimmerer K a r b e— so heißt der an- geblich Gemaßrcgclte, beleidigt und strengte die Privatklage gegen unser» verantwortlichen Rcdactcnr Robert Schmidt an. Den Behauptungen der„Märkischen Volkszeitnng" zufolge soll K a r b e, der zuerst auf dem Holzplatz arbeitete, von seinen daselbst beschäftigten Kameraden vor die Wahl gestellt worden sein, ent- tveder dem Verbände beizutreten oder die Arbeitsstelle zu meiden, andernfalls würden die Verbandsmitglieder- die Arbeit niederlegen. Um letzteres zu vermeiden, soll der Polier den Karbe nach einem Vau desselben Meisters geschickt haben, aber auch hier soll sich derselbe Vorgang tvie auf dem Holzplatz wiederholt und der Polier anf dem Bau endlich die Entlassung Korbes verfügt haben. Der Zimmcrmeister W a l t h e r soll, ivie die „Märkische Bolkstztg." behauptet, dem Karbe ausdrücklich gesagt haben. er werde deshalb entlassen, weil die Verbandsmitglicdcr nicht mit ihm zusammenarbeiten Ivolltcn. Als Zeuge sagte der imm ermeister Walther vor Gericht ans,' er habe eine erartige Bemerk, in» nicht gemacht, auch nicht gehört, daß seine Gesellen mit Karde nicht zusammen- arbeiten wollten. Die Annahme und Entlassung der Gesellen sei Sache des betreffenden Poliers, und dieser habe ihm sdcm Meister) gesagt, es sei eine augenblickliche Arbeitsstockung auf dem Bau eingetreten und deshalb müsse Karbc, als der zuletzt Einge- stellte, entlassen werden. DnS sei geschehen, andere Entlassungs- gründe seien dein Zeugen nicht bekannt, da der Polier eigenmächtig verfügt. Der zweite Zenge. Zimmerer Li l o p s ch, soll nach der eigenen Angabe des Klägers Äarbe zu diesen, gesagt haben, wenn rr(Äarbc) nicht dem Verband beitrete, konnten die anderen Gesellen nicht mit ihn, zusammenarbeiten, und cS wäre daher besser, wenn Karbe frei- willig die Arbeitsstelle verlieffe. Weiter soll Älopsch dein Karbe gegenüber ausdriiätich gesagt haben, dag letzterer auf Verlangen der Verbands», itglieder von, Polier entlassen worden sei. In seiner ge- richtlichcn Zeugenaussage giebt Klops ch an. datz er nichts von a l I e d e», w i s s e. Er habe wohl mit dem Kläger über die Organisation gesprochen und denselben gefragt, ob er nicht den, Verband beitreten wolle. Darauf habe derKlngererwidcrt, er werde sich die Sache überlegen. Zeuge habe somit gar keine Ursache gehabt, das Zusammenarbeiten mit dem Kläger z u verweigern. Auch sei ihm nichts davon bekannt, daß, wie der Kläger behauptete, die übrige» Kaincrad..! beschlossen hätten, nicht nüt dem Kläger zusammen zn arbeiten. Als dritter Zeuge tuiirdc der Zimmerpolier Goltz ver- nonnnen. Dieser soll nach der Behauptung des Klägers und der .Märkischen Volkszeit, mg" den Karbe auf Verlangen der Verbands- Mitglieder von, Holzplatz nach den, Bau geschickt haben, um die Arbeitsniederlegung der Vcrbandsiiiitgliedcr zu vermeiden. Auch dieser Zeuge bekundet, i h n h a b e n i e m a n d g e d r ä» g t, den Karbe fortzuschicken, niemand habe ihm g e- sagt, d a jz die übrigen Gesellen nicht n, i t Karbe zusammen arbeiten wollen. Karbe sei nur deshalb nach dem Bau geschickt worden, weil für ihn auf den, Holzplatz keine Arbeit mehr vorhanden ivar. Der Polier, welcher auf dem Ban die Entlaffnng des Klägers Karbe vcranlajzt hatte, konnte wegen Krankheit nicht als Zenge vor Gericht erscheinen. Die Verhandlung wurde deshalb vertagt. Wenn auch die Gerichtsverhandlung noch nicht zum Abschluß kam, so ist doch schon durch die vorstehenden Zcngenanssagen hin- länglich erwiesen, daß auch dieses Schauermärchen der„Märkischn, Volkszcitung", gleich aiidcicn ähnlichen Gruselgeschichten, welche das christliche Blatt verbreitet hat, in allen wesentlichen Punkten als unwahr festgestellt worden ist. Die Arbeiterseinde aber, ivclche das von der„Märkischen Volks- zeit,»ig" verbreilctc Märchen so schön bei der beuorsieheiidei, Be- ratnng der ZnchthauSvorlage hätten verwenden kömicn, sind wieder ira, eine Platzpalrone ärmer geworden. 2lils Halle a. S. wird berichtet: In der mit der Angelegen- heit Graf P. Hocnsbrocch zilsammcnhängcndcn Privatbelcidignngs- klage des Heiratsvermittlers v. Pokorny gegen den Profcstor D. Beyschlag wurde Kläger wegen eingetretener Verjährung kosten- pflichtig abgelviesen. In der Strafsache gegen b. Stilttcrhci», und Genossen, in die auch der Bankier Max Arendt als Angcschilldigter verwickelt ist, hat das Landgericht zn Leipzig die Hauptverhaiidlimg vor der Strafkammer am 30. d. M. und den folgenden Tag angesetzt. Die Anklage lautet auf Vergehen gegen das Aktiengeietz und Betrug. Es handelt sich dabei»m Schiebungen, die mit der Brannkohlen- grnbe„Martha" gemacht Ivo, den sein sollen. Durch den ersuchten Nichter sind in Berlin inchrcrc Zeugen, der Kaufmann Pollnrtz. der ehemalige Liquidator der Rhenlisch-Westfälischc» Bank Knhlmann, der Bankier Wcigclt. der Rentner klhlig, der Kanfmai», Gützlaff und der Börsenmakler Mawezp! in dieser Angelegenheit eidlich ver- non nrn worden._ Vevsnnttnltttrigen. Ucber Flottenvorlagc und ZlichthauSgeset? sprach an, Mitt- wochabcnd Herr N a n m a n>, in der Tonhalle. Für einen Rational- Socialen ein schwieriges Thema! Da heißt es, mit Grazie vorne zu nicken und hinten z» picken. Die Welt der National-Socialcn dreht sich um die Reden Sr. Majestät. Diese nachhaltigsten politischen Akte unserer Epoche, wie sie Herr Naumann voll Ehrfurcht nannte. Es ist»nil aber keineswegs eine so einfache Sache, über Hamburg zu jubilieren und über Oeynhausen melancholisch zu trauern. Wem, die geniale vorwärtsstimneiidc Jnitiatibe nnsercs Kaisers in de», einei, Falle es einzig und allein ist, die unser Vaterland einer glanzvolle» Zukunft entgcgenfnhrt, so geht es nicht gut an. im anderen Falle diese Initiative einzig und allein den bösen Ratgebern in die Schuhe zu schieben. Die Besten der National- Socialen können über diese» Widerspruch auch nicht hinaus: Ein Göhre mußte sich»ach Oeynhausen von seinen Waffenbrüdern lossagen. Er mußte anerkennen, daß nicht einmal die Naumannsche Dialektik die Theie national und die Anti< thcse social bei uns zu einer höheren Synthese vereinigci, könnte. WaS aber bei den National- Socialen bleibt, das muß den Traun, de? socialen Kaisertums mit geschloffencn Augen weiterträmnei, und muß jeden unerwünschten Wecker mit den Füßen stoßen. Sonst könnte man ja nicht mehr jahraus jahrein von der z»kü»ftigei, Größe der national-socialcn Partei deklanncren, und welch einen Ruck die Welt gcschichte erst bekommen würde, wenn einmal der erste National Sociale in den Reichstag einzieht. Die allgemein politischen Erörterungen, die Herr Naumann seinem begeisterten Zuhörcrkrcisc vortrug, boten fachlich nicht viel mehr als die üblichen Betrachtungen unserer Zeitungspolitiker. Die bei uns zur Tradition gewordene Diplomatenkunsl des Herrn von Miguel beleuchtete er natürlich mit großer Pfiffigkeit. DaS ist so allgemein Brauch bei unser».Politiker,,": In der Auslegung der Windnngei, dieser.intcressaiitestcn Charakterfigur uuter den deutsche» StaatSmänneu," sucht jeder seine eigene politische Begabung zu demonstrieren. Im übrigen soll nicht ge- leugnet werden, daß durch die Art, wie Herr Naumann seine teil- weise etwas veralteten Kombinationen vorträgt, wirklich etwas liegt, was die Hörer intereisiercn muß, wenn vielleicht auch nicht für das, was er spricht, so doch vielleicht für die Person des Sprechers, der zweifellos ein äußerst geschickter, die Psychologie seiner Zuhörerschaft fein berechnender und dabei doch noch urwüchsig n»d volkstümlich wirkender Redner ist. Sehr bemerkenswert ist, daß bei Herrn Naumann, wie bei den National-Socialen überhaupt, die Aussprüche socialdemokratischer Führer ein Hauptbeweisstück bilden. Natürlich, wenn man sich schon so als sichern Erben fühlt, nitcressiert man Isich für alle Lebens- äußerungc» des Erblassers. Sehr komisch wirkt eS. wenn Herr Naumann aus einzelne» Redewendungen Auers so etwas wie Flottenfreundlichkcit herausgehört haben will. WaS nun die angcb- lichcn Vorteile betrifft, die nach Herrn Naumann die deutsche Arbeite, ffchaft durch die großen Schiffsbestellunge» haben würde. so kann ein Socialdcmolrat über diese berufsmäßige Naivctät nur lächeln; er weiß ja, daß dieselbe Arbeiterschaft diese Bestellungen auch zu bezahlen hat. Zu guterletzt führte Herr Nau- mann noch ein fanioses Argument ins Feld. Die Socialdemokratie möge doch nicht den Zeitpunkt versäumen, wo sie Regierungspartei werden kam,. Wenn sie nur alles bewilligen wollte, dann würde die Regierung schon mit ihr arbeiten, gerade so wie Bisniarck mit den Liberalen gearbeitet habe, als diese ihre unfruchtbare Opposition aufgaben. Ja, aber was ist denn aus dem Liberalismus geworden? Bismarck hat ihn an die Wand gedrückt, daß er quietschte, und hat das Bürgertum an die Agrarier ausgeliefert. Man kann es den Socialdemokratei, nicht ver- denken, wenn sie dieses Beispiel nicht besonders nachahmenswert ! finden. Herr Naumann resümierte sich schließlich dahin, daß bei dem Problem„Flotten- und Zuchthausgesetz" der Entscheid für einen socialistischc» Menschen sehr schwer werde. Aber schließlich, man müsse mit dem Kaiser gehen, dem, die Parole laute: erst national, dann social! Nun ja, anders haben wir es von diesen wohlmeinenden Herren auch gar nicht erwartet. Vielleicht werden sie selbst mit der Zeit merken, wie wenig gerade die sogenannte Rechte der Socialdemokratie. auf die sie so große Hoffliuiigc» setzen, mit ihrer sogciianutcu Weltanschauung zu thim hat. In der Diskussion verteidigte ein Genosse den socialdemokratischen Staudpunkt. Man»„iß sagen, trotz einiger treffendc» Bemerkungen war er nicht sehr glücklich dabei. Freilich wirken bei dem urteilsfähigen Teil der Zuhörer die Herren Nntionnl-Socialen selbst ja schon genügend für unsere Sache. Herr Maurcnbrcchcr z. B., der gestern die Theorie der Eile ent« ivickcltc(die auswärtige Politik hat Eile, da muß man so schnell wie möglich alles bewilligen; die innere Politik kam, warten.). Dieser Herr hat vielleicht einige zum Natioualsocialismiis neigende Seelen in ihren, Glauben etwas wankend gemacht. Wenigstens wurde der erste Teil der Resolution, die schließlich zur Abstimmung gelangte, und der die Notwendigkeit einer starken Flotte betonte, nicht ohne Widerspruch aiigc»o»»>icu, während gegen den zweiten Teil(Protest gegen die Zuchthausvorlage) sich keine Stimme erhob. Slllgeincine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter, Hamburg, Fil. Berlin ö. Sonnabend, 18. d. M., abends 9 Uhr, Mitgliederversammlung bei Diele, Ackerstr. 123. Humanistische Gemeinde, Mohrenstraße 47, im oberen Saale des Braiidenbiirger Hauses, Sonntag, den 19. November, vormittags 10>/, Uhr: Herr Dr. Penzig, 4. Bortrag über das Thema:„Heiligt der Zweck die Mittel? Daö Erwerbsleben." Gäste, Damen und Herren, haben freien Zutritt. VevmifFzkes« Nebcr das Eiscnbahnuiigliirk bei Capelle, über das wir gestern berichteten, liegt uns heute folgende ausführliche Meldung aus Amsterdam vor: Der Zusammenprall der beiden Züge war so gelvaltig, daß er in Entfernung von einer Stunde gehört wurde. Stnrker Nebel scheint die Ursache des Unglücks zu sein. Der Schnellzug hatte ans diesem Grunde aus belgischem Ge- biet sehr langsam fahren müssen und kam deshalb sehr spät in Rotterdam an. Dies war auch der Grund, wes- halb man den sogenannten Maasbahnhofzug arglos abgehen ließ, weil man voraussetzte, daß er die Kurve, wo der Schnellzug links abzubiegen hatte, während der Maasbahnhof- zug d.e Richtung nach rcchrS einschlug, längst passiert haben würde, wenn der Vlissingcr Schnellzug an der betreffenden Stelle ankommen würde. Da ein Signal auf„unsicher" stand, hielt der Maasbahnhos- zug stille, und dies scheint der Maschinist des Vlissingcr Zuges nicht bemerkt zu haben. Am Rotterdnmer Bahnhof spielten sich aus- regende Scenen ab, die Slngehörigen der Toten»nd Vcrlvnndeten hatten sich daselbst eingefunden. Sllle Verwundeten habe» beide Beide gebrochen und sind zu», Teil schlver am Unterleib verletzt, so daß die Anzahl der Toten noch erheblich größer werden wird._ Marktpreise 1>o» Berlin am 15. Nopeinbee 1899 »ach Erniittelimgei, des tgl. Polizeiprasidiinus. schastSkammern— Notleruiigsstclle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Doppel-Ccntiier. ff) Kleinhaudelspreise. Produktenmarlt vom IS. November. Im Getreideverkehr dauerte die lustlose Haltung mangels jeglicher Nachfrage fort. Aus Rußland uud den Donauländern lagen reichliche Ofserten zu fast rentable», Preisen vor. Im Preise blieben Weizen und Roggen nominell unverändert. Ein Rück- gang wurde in Rücksicht auf die rauhe Witterung verhindert. Hafer wurde ebenfalls sehr wenig gehandelt; Rüböl zog auf Deckungsbedarf leicht an. Spiritus. Am SpirituSmarlt wurde Loco 70er mit 47,59(-st 9,19) bezahlt. Termine waren bei einigem Handel gut behauptet. Kartosfelfabrikate. Feuchte«artoyelstärle 19,«9 M. 1» reine Kartosfelstärke disponibel und Dczember-Januar 29,09— 29,25 M. la Slärle mid Mehl, Mittel> Qualität 19,99—19,59 M. per 199 Kilogramm. Eier-Bericht vom 18. November. Normale Eier je nach Qualität von 3,47»/,— 3 89 M. per Schock. Aussortierte Neine Ware je nach Qualität von 2,45— 2,59 M. per Schock. Kalleier je nach Qualität von 3,15—3,17»/, M. per Schock. Tendenz: Fest. Briefkasten der Redaktion. Montag. Die,,»tag und Die juristische Sprechstunde findet Freitag von<1—8 llhr abend» statt. Broniberg. In, Regierungsbezirk Bromberg wurden abgegeben 8599 und im Regierungödezirk Posen 998 socialdemokratische Stimmen. Die Beantwortung der zweilen Frage wäre wegen der notwendigen Nach- forschungen so zeitraubend, daß wir Ihren Wunsch leider nicht erfüllen können. Z»vei Wettende. Ein 11 Jahr altes Mädchen teilt den beiden Wettende!, mit, daß die Erde 59 Mal größer ist als der Mond und dieser ungefähr 59999 Meilen von der Erde entfenit ist. Elsbeth S., Wilmersdorf, Preußischestraße._ WMernnzSiibcrsicht vom 16. November 1809, morgen» 8 llhr. Stationen Swineiude erll» Wiesbaden München Wien t S !§ »•" C 3 II 774 N 778 N 774 NW 777 SW 775 NW 769 NW Wetter - i» «s 5 wolkig 2 heiter Scheiter 1 wollen! 4 bedeckt Scheiter Stationen LS Z L I« 2= Sä Haparanda Petersburg Cork Aberdec» Paris 788 Still 785 S 777 AO 779'Sffl 777 NO Wetter »a 3°* : u c* Llä wölken! Schnee SDuust Iwolkig 2>volkenl -8 » 11 3 2 Wetter-Prognose für Freitag, Iben 17. November 1809. Trocken und viclsach heiter, zeitweise wolkig bei mäßigen nordwestlichen Winde», Nachtfrost und wenig veränderter Tagestemperatur. Berliner W e t» e r b u r e a n. Ludwig M Engel Herrenkekleidung � !l Mßiljstr. �k.«kgr. i«»«. Briüliiellßr. KK. 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Eine Speise(Suppe, Gemüse, Mehlspeise etc.), der (Siebold's Milcheiweiss) zugesetzt ist, besitzt daher den höchsten Nährwert bei leichtester Verdaulichkeit Plasmon verteuert die Nahrungsmittel nicht sondern verbilligt sie, da ein Plasmonzusatz im Betrage von wenigen Pfennigen den Nährwert jeder Speise um das Vielfache erhöht Siebold's Nahrungsmittel- Gesellschaft m. b. H. Berlin Köthensr Strasse tl. Schutzmarke. Täglich frisch ausgeschlachtet: ------- 25, 30, 40 53t, Blatt 50 Pf. 50 u. 55. Kaninchen; Hnaen v. 8,75 an, Htthner, Enten, Tanben. A. Rltuchl, Dresdenerftr. 61. Ipnuer-' KrttttZC C. Jürgens vouquet- und Kranzbinderei XottbllZeretr. 3. Waiterthoritr. 69. Arbeiter- Berufskleidung für jedes Gewerk paffend.(2892?- Vil'tts�tes U.aixer.""MT INS Rente»it>a.BerliUn.,Pr!n,rn, {trade 40. CrenlifU loftenfrei. viele < ilnerkemmngofAreitm. A Knabenauzüge u Paletots, Mädchentleider,,.-Mäntel prcisw. 2SI8L») 0. Hoffmann, Veteranenstr. 14. V.raniwortlickcr Rcdactcnr: Paul John in Berlin. Für den?,n-crateuteil verantwnrrl.m: Tb. U' lacke tu Berlin. Druck„nd Verla- von Mar Bading in Berlin. st. 270. 16.»«. 2. Ktiislge Ks Jotiirts" Aerlim Dlilksblalt. Der Blnmberger Mord kam gestern vor dem Schivnrgericht am Landgericht II zur Vcr- Handlung. Wenn tvir auch wissen, dast unsere Leser im allgemeinen am Breiltreten entsetzlicher Schaucrthateu wenig Geschmack finden, so ist es in diesem Falle doch angebracht, ans die Blutthat ein- zugehen, iveil sie über Sittcnzuständc, die unter der vom Llgraricr- tum iininer und immer wieder angepriesenen ländlichen Ein- f a l t möglich sind, einige Aufklärung bringen. Ter Mörder August Nehm ist unter Verhältnissen grojzgcworden, wie sie der preußischen Gottes- furcht und StaatStrcue kaum günstiger liegen können. Er ist am 22. September 1875 geboren, jetzt also 24 Jahre alt, evangelischer Religion� und bisher völlig uiibcstrast. Seine beiden Eltern leben noch auf dem zum Graf Aniimschen Gute Blumberg gehörigen Vonvcrk Elisenau. Er hat in der Zeit von 1895—97 in Brauns- bcrg seiner Militärpflicht gcniigt und ist im September 1897 zur Reserve entlassen worden. Er ist seit den» 29. Januar d. I. verheiratet und Vater zweier Kinder; das älteste, ein Knabe, ist schon im Mai 1893, das ziveite, ein Mädchen, am 5. Juli 1899 geboren. Nach beendeter Schulzeit ist er zunächst in Elisenau, wo sein Vater arbeitete, mit laiid- wirtschaftlichen Arbeiten beschäftigt gewesen, 1892 ging er als Pferdeknecht zum Gutsbesitzer Grün»ach Blumbcrg, Ivo er mit mchrcrcu Mädchen Liebesverhältnisse unterhielt. Dann kam die Mililärzcit, nach deren Beendigung er wieder nach Elisenau ging, wo er als landwirtschaftlicher Arbeiter beschäftigt war. Hier unter- hielt er trotz seiner Verheiratung auch mit seinem Opfer, dem Bauern- mädchen Slugnste F r ä d r i ch ein Liebesverhältnis aufrecht. Der?lngeklagtc hat mit seiner Ehefrau gut gelebt. Als er diese heiratete, hatte er noch keine Mittel. um selbständig wohnen zu können. Er wohnte daher zunächst bei seinen und die Frau bei ihren Eltern. Dann schaffte er sich ein paar Möbelstücke an und zog mit seinen Sachen zu seinen Schwiegereltern, wo er niit seiner Frau und den Schwiegereltern zusammen ei» Zimmer bewohnte. Er hatte seine Verpflegung bei seinen Eltern, sie bei den ihrigen. In Elisenau sind eine Anzahl von Arbeitcrwohnungen. die dicht bei einander liegen. Da hat er die ermordete Sluguste Frädrich, deren Eltern auf demselben Vorwerk arbeiteten, kennen gelernt. Drei Wochen, nachdem er vom Militär entlassen worden ivar, hatte er Umgang mit ihr, doch bezweifelt er, daß er der Vater dcS KiudcS sei, welchem die Angeklagte Frädrich anfangs 1898 das Leben gab. Drei Monate vor der Ermordung hat er dann nochmals Umgang'mit dem Mädchen gehabt. Er behauptet, daß eines Tages, als er mit Sandabladen bcichäftigt war, die Auguste Frädrich mit ihm gc- sprachen und dabei getagt habe:„Du wirst nächstens noch etwas anderes von mir hören!" Er habe sie gefragt, was das heißen solle, sie habe aber keine Aufklärung gegeben, sondern sei weg- gegangen, tzlnfangs habe er sich nichts dabei gedacht, später seien ihm aber die Worte durch den Kopf gegangen und er habe darüber nachgegrübelt und sei zu der Ansicht gekommen, daß die Auguste wahrscheinlich habe andeuten wollen, daß sie sich ivicder in anderen Umständen befinde. Darüber sei er sehr unruhig geworden, weil er verheiratet war und sich aitSinalte, welches Halloh in seiner Familie entstehen würde, wenn diese Thatsache bekannt werden würde. Einen Tag vor der That, Sonnabend. 22. Juli, habe er gehört, wie die Auguste Frädrich mit ihren Geschwistern vom Milchholen am Sonntag gesprochen«nd gehört, daß Augnstc die Milch holen solle. Es handelt sich um die Milch, die für die Bedürfnisse der Arbeiter- familicn in Elisenau von Blumbero geholt wurde. Dies geschah mit Hilfe eines kleinen Handwagens. Der Weg von Elisenau nach Blumbcrg nimmt eine Stunde in Slnspruch, ebenso der Rückweg. Der Angeklagte will, wie er daS Gespräch gehört, sofort den Plan ge- faßt haben, cS so einzurichten, daß er die Auguste Frädrich auf dem Wege traf, er bestreitet aber, d a schon an die Tötung derselben ge- dacht zu haben und will vielmehr nur beabsichtigt haben, sie zu fragen, ob sie sich Mutter fühle. Vorbereitungen. Am Sonntag, 23. Juli, ist er dann zum Frühstück bei seinen Eltern gewesen, wo seine Mutter Kuchen backte. Dann verweilte er ein Stündchen bei seinen Schwiegereltern und kehrte nochmals zu den Eltern zurück, wo er den Kuchen kostete. Als er aus dein Hanse des Vaters trat, sah er die jüngste Schwester der Ermordeten noch im Alltagskleid stehen und entnahm daraus, daß nun ganz sicher die Auguste Frädrich zum Milchholen gegangen sei. Da hat er sich denn schleunigst auf den Weg gemacht. Auf dem Wege nach Blum- bcrg geht die Chaussee an einem Gehölz entlang und an einer Stelle, wo Ginster- und etwa iVs Meter hohe Brombeerstränche wachsen, geht der Weg etlvas in die Tiefe und bildet eine Art Schlucht. Bis zu dieser Stelle ist der Slngcklagte in schneller Gangart gc- gangen, und dort ist er mit dein'Mädchen zusammengetroffen. P r ä s.: Wie gingen Sie?— A u g c k l.: Zwischen den Bäumen hindurch, nahe aii der Chaussce, so' daß der Durchblick durch das Fichtcngehölz leicht war.— Präs.: Sic haben sich wohl so ein- gerichtet, daß Sic einen Borsprung vor der Auguste Frädrich hatten, dann hinter sich blickten und scheu mußten, wenn das Mädchen kam. — An g ekl.: Ja ivohl, ich sah sie schließlich an einer freien Stelle, sie war etwa 39 Schritt hinter mir und kam mit ihrem Milchwagcn über die Chaussee. Ich ging dann auf die Chansfcc. machte Kehrt und ging ihr entgegen, so daß wir uns auf der tiefsten Stelle der Chaussee trafen.— Präs.: Sic gingen absichtlich so langsam. damit Sie sich gerade in diesem tiefer gelegenen Grunde trafen? — Angekl.: Ja.— Prä s.: Wie begann das Gespräch?— Angekl.: Ich fragte, wie so eS komme, daß sie Milch fahre. Sic nnttvortckc,„sie könne doch auch einmal spazieren fahren".— Präs.: Wie war das Mädchen gekleidet?— Angekl.: Sie hatte Sonntags- Ileidcr an und trug Lackschuhe: Ein Licbcöwcrbcn. Präs.: Was geschah weiter?— Angekl.: Die Auguste fragte mich, wo ich denn hin wollte, und da habe ich das Gespräch auf ihre Worte gebracht und sie direkt gefragt, ob sie etwa in anderen Um- ständen sei. Sie hat mir geantwortet, daß sie daS noch nicht wisse. — Präs.: Hat Sie Ihnen irgendwelche Andeutungen gemacht, daß S i e der Vater des von ihr zu erwartenden Kindes seien.— An- geklagter: Nein, sie hat nichts davon gesagt.— P r ä s.: Was geschah dann weiter?— Angekl.: Ich sagte ihr, sie solle mal an die Seite kommen.— Präs.: Weswegen?— Angekl.: Mir kam plötzlich der Gedanke ein, daß ich sie ermorden solle.— Prä s.: Sic haben aber so gcthan, als ob Sie abseits vom Wege lieb- kosen würden?— Angeklagter: Jawohl.— Präs.: Haben Sie sich nicht überlegt, daß Ihre That abseits vom Wege besser glücken würde, als auf der Chaussee? Oder sahen Sic Leute auf der Chaussee?— Angekl: Nein, es war ja Kirchzcit und auf dem Wege ist überhaupt geringer Verkehr. Ich wollte sie in dem Glauben lassen, daß ich andere Absichten mit ihr vorhabe und sie deshalb in das Gebüsch führe.— Prä s.: Sie gingen, ivie Sie früher gesagt haben, mit ihr an eine Stelle, wo zwischen dem Sommerweg und dem Gebüsch ein Graben sich befindet und zlvar hatten Sic Ihren rechten Arm um ihre Taille gefaßt?— Angekl.: Ja wohl.— Präs.: Es kam Ihnen also darauf an, das Mädchen über Ihre wahren Absichten zu tättschcn und sie ging dann auch gutwillig mit. Was geschah dann weiter? TodeN- Anzeige. Hierdurch allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, datz mein lieber Mann, der Schleifer Adolf Riedel sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Sonntagnachm. 3 Uhr von der Leichenhalle des Sebastiankirchhofs, Dalldorfer Chaussee, aus statt. s870b Die trauernde Witwe Klara Riedel. Orts-Krankenkasse der Maler. Dienstag, den 21. November er., abends 7� uhr, iit den Arnrinhallen, Komniandantenstr. 20: Versammlung sämtlicher Kassenmitglicder. Tagesordnung: Ersatzwahl von 28 Delegierten(Arbeitnehmer), 1 Delegierter tArbcitgcb.) f. 1899/1399. Der Wahlakt bcginut präc. 7>/z Uhr. Mitgliedsbuch legitimiert. 8736• Der Vorstand. Achtung! Zlchtnng! Sonntag» den ig. Novtmlier, MmitinflS 10 llhr, im Menpalast, Bnrgstraje U (Eingang Wolfgangstrasse): ©volfc pvoteß- Dvii'ommluua aller Mitglieder der Neuen Maschinenbauer- Krankenkasse gegen das Ausscheiden der A. E.-G. zum 27. November 1899, laut Vcrfügnna des lLber-Präsidentcu, und. die Heranszahlnng eineS Drittels des Reservefonds an dieselbe. TageS-Ordnnng: 1. Ist die Verfügung des Oberpräsidenten gesetzlich zulässig? Referent Reichstags Abgeordneter Arthur Ttadthagcn. 2. Stellungnahme der Mitglieder._ £ji&~ Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dieses kein Zutritt. 8845 I>le lioiiiin iK�ion der Delegierten. I A.: Karl Kaiser, Koppeiistr. 7. Alhtlinls! Kozliner Hof. KUslincrNtr. 8. Zoiiiiabend. den 10. Februar, zum Maskenball srei._[3055g* DkuMer WlMlMr- Uf vIkhiö. Heute, Freitag, abends 8>/z Uhr, bei Colin, Bcuthstr. 20-21, Sitzung der Orts- Verwaltung-. s"*" Die Bcitragfammlcr werden ersucht, um 8 Uhr zu erscheinen. Verein der Zimerer Berlins und Umg. Sonntag, de» 19. November 1899, vormittags 10 Uhr, bei Cohn, Bcuthstr. SO(grosser Saal): Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vereinsangelegenheiten. 2. Bortrag: lieber die Ausführung des Unfallverflcherungs-Gesetzes und wie erhält der Verletzte seine Rente? Referent: Genosse W. Rackwitz. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Eö erwartet vollzähliges und pllnttlichcs Erscheinen der Mitglieder Der Vorstand. Verein dentscher Schuhmacher. Sonnabend, 18, November, abends S'/e Uhr, bei Schiller, Rofenthalerstr.»7: VttsamlW der TWearbeiter liild Arbeiteriiiiltil. T a g e S- O r d n n n g: 1. Vortrag. 2. DiSlussion. 3. Verschiedenes. 170/19 Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Ortövcrwaltung._ Mvmm der|olj= uHtttttttMer Sonntag, den 19. Novbr., vormittags 10l/s Uhr: W?" Mitglieder-Uersamminttg"Wk bei Wlllee, Aiidreasstrasse Nr. 26. Tages-Ordnung: 1. Vereinsangclegenheiten. 2. Ausnahme neuer Mitglieder. 3. Stellung- nähme zu den Piatzdcputierten. 84/17 Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Der Vorstand. Verband der Sattler und veno. Bernfögenosseu.(Filiale 1.) Sonnabend, de» 18. November 1899, im„Englische» Hof", Neue Rohstr. 3: Mitglieder-Versattnnlttttg. Tages-Ordnung: I. Was lehrt uns der Streik bei der Firma C. Zender? 2. Werk- Puben-Angelegenheiteii. 3. Berschiedenes. Zu dieser Versammlung sind namentlich die Kollegen der Galanterie-Branche eingeladen, desgleichen Heimarbeiter._ 159/1 Freie Vereinigung der Citii-Berufsmusiker ■ Berlins und Umgegend. Tlcnsiag, den 21. November, vormittags Ii Uhr, bei Lange, Dragoncritdahe Nr. 15; Utttg lieder-Uevsammimtg. TageS-Ordnnng: 1. Ausnahme neuer Mitglieder. 2. Bortrag des Genossen Jahn. 3. Unser Tarif in der Gewerkschafts-Kommission. 4. Verschiedenes. 59/14 Um rege Beteilignug bittet Der Borstaud. Faeimrein der Musikinslrumenlen- Arbeiter und Berufsgenossen Berlins und Umgegend. Montag, de» 20. November 1899, abends 8'/» Uhr, bei Herrn Graumai-in, Nannynstr. 27: Mitglieder-Bersnmmlnn.q Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Herrn Dr. Crledevcrg über:„Die sogenaunte sociale Gesetzgebung." 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom Stistungssest. 4. Vereinsangelegcnhettcn. Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich und Pünktlich zu erscheinen. Die arbeitslosen Kollegen werden ersucht, sich auf unseren Arbeits- Nachweis zu bemühen, da genügend Adressen für alle Branchen vorhanden sind. Der Arbeitsnachweis befindet sich Naunnnstr. 78 bei Herrn Grund- mann. Die Adressenausgabe geschieht abends von 8— 3>/z Uhr. Sonntags- vormittags von 19—114/, Uhr. Der Vorstand. Achtung! Herrenpartie am Bntztag! Abfahrt: Görlitz« Bahnhos 8.35, Schlcsi scher Bahnhos 8.30. Treffpunkt: Grünau bei Lindenhayn. 143/4 Kalten Blutes. Angekl.: Ich drückte die Augliste Frädrich etlvas nieder, ich stand hinter ihr und als sie in kniender Stellung war, habe ich mein Messer aus der Tasche genommen.— Präs.: Hat das Mädchen diese Bcivcguiig gemerkt?— Singe It.: Nein, ich glaube nicht, denn es ging sehr schnell.— Präs.: Was geschah miii weiter?— A u- geklagter: Ich kniete neben sie nieder, legte den linken Arm, mit dem ich bis dahin ihre Taille gefaßt hatte, schnell um ihren Hals, so daß meine Hand ihren Mund bedeckte und hob ihr den Kopf in die Höhe. Zugleich setzte ich das Messer an der linken Seite ihres Halses au und zog kräftig an.— P r ä s i d e n t: Sie sollen ihr den Hals bis auf den Wirbel durchgeschnitten haben.— Angeklagter: Ja, ich glaube.— Der Angeklagte gicbt des weiteren zu, daß er mit dem Steine den Schädel' des Mädchens zertrümmern wollte, weil dasselbe noch nicht ganz tot zu sein schien, sondern noch Ziickungcn von sich gab. Nach der That ist der Angeklagte zunächst nach einem in der Nähe befindlichen Tümpel gerannt, hat sich sorgfältig gewaschen und namentlich auch da? Messer so sorgfältig gereinigt, �daß kein Blutfleckchcu daran haften blieb. Er ging dann am Waldrand cutlang zum Hause seiner Eltern, zog dort'in' aller Eile seine Sonntagskleider an, aß ein Stück Kuchen, trank Kaffee und rauchte sich eine Cigarre au. Alsdann hörte er, daß die anderen zum Mähen aufs Feld gegangen seien und er lies in aller Eile dorthin nach, damit er einen Ali.bibeiveis habe. Aufgeregt will er gar nicht gewesen sein und auch keine Auf» rcguug darüber empfunden haben, daß er auf dem Felde die Eltern der Ermordeten und seinen eigenen Schivicgervntcr antraf. Nach einiger Zeit traf die Nachricht ein, daß die Auguste mit durch- schnitte»«« Halse im Graben liege, ein Teil der Arbeiter lief zur Stätte des Verbrechens, der Angeklagte arbeitete mit noch drei anderen Personen bis 7 Uhr abends ruhig weiter und beteiligte sich an den Unterhaltungen über den mutmaßliche» Mörder. Slls Feier- abend eintrat, ist er eben so ruhig zu seiner Frau und seinen Schwicger- eitern zurückgekehrt. Cr hat sich auch an dem Leichenbegängnis der Ermordeten beteiligt und ihren Sarg mitgetragen. Das zur That benutzte Mesier hat er noch an demselben Slbend zum Brotschneiden benutzt. Der That sind zunächst mehrere Personen verdächtigt und ein Arbeiter sogar ans einige Zeit verhaftet gewesen. Erst acht Tage nach der That lenkte sich der Verdacht ans den Sln- geklagten und dieser hat dann dem mit den Ermittelungen betrauten Kriminalkommissar Thiel gegenüber zunächst die That bestritten, bei der zweiten Vernehmung aber ein G c st n n d n i s abgelegt, welches er bei seinen späteren Vernehmungen aufrecht erhalten. Er bleibt dabei, daß er einer plötzlichen Eingebniig gefolgt sei, eine innere Stimme habe ihm ziigcrnfcn:„Es ist am besten, Dn tötest sie!" Die Zciigcnvernchmnng war belanglos. Der Staatsanwalt wies überzeugend nach. ivie das ganze Verhalten dcS Angeklagten dafür spreche, daß er die That geplant und mit Ueberlcgung voll- führt habe; der Staatsanwalt sprach dann die Erwartung ans, daß die Geschworenen de» Angeklagten des Mordes schuldig sprechen würden. Der Verteidiger bat die Geschworenen, den Angeklagten nicht des Mordes, sonder» nur des Todschlags schuldig zu sprechen. Die Beratung der Geschworene» dauerte eine halbe Stunde; ihr Wnhrspruch lautete nur auf schuldig des Todschlagcö[ohne Ucbcrlcgimgj. Der Staatsanwalt beantragte die höchste gesetzliche Strafe: 15 Jahre Ziichthans und Ehrverlust auf die Dauer von 10 Jahren. Das Urteil lautete dein Antrage des Staatsanwalts entsprechend.— Ter Slngcklagte nahm das Urteil mit dem größten Gleichmut entgegen. Älllgen». Orts-Krattkenkafse gewerblicher Arbeiter nttd Arbeiterittnen, Berlin. Sonntag, den 10. Vovcinber 1899, vormittag» 9l/j Uhr, in den„Annin-llallcn", Komniandantenstr. 20: l�ätgBieder-MerssBBirimBufig« Tage?-Ordnung: 1. Der Wert der Krankenkasse für die Mitglieder. 2. Unsere Delegierlen-Wahlen. Die Delegicrtcn-Walste» finden am 3. Dezember statt. ES ist daher Pflicht eines jeden Mitgliedes, in der Versammlung zu erscheine». Um rege Beteiligung zur Einzeichnung in die Dclegierten-Liste wird gebeten. Bei Einzeichnnng bitte die Buch-Niwimer anzugeben. 877b Tie Dreizestucr-Kommiflion. Verband des teebniseken Bühnenpersonals (81(7: Dorlin). Sonnabend, de» 18. November, abends 11 kkhr. Neue Roststr. 3: Norfnunttluttg.""�8® Tages- Ordnung: 1. Protololl. 2. Bortrag dcS Herrn T h c o d o r M e tz n e r. 3. Auf- nähme neuer Mitglieder. 4. BcrbandSangclcgeiihetten. S. Verschiedenes und Fragekasten. 879b Der Vorstand. Iilinle der MjlitiiMkllttil-Mttkr Dorlin IV. Sonnabend, den 18. November 1899, abends 9 Uhr, im Lokal Briickenstr. 2(Pfcsfcrbcrg): üfSDfgiäedlep-VepsatnniBunei, TageS-Ordnnng: 157/20 1. Der Streik bei Becker u. Co., Alexanderstr. 27a. Referent: Kollege Hess. 2. Die Entlassungen der Slrbeiicr im Offizier-Berein und Vergebung der Arbeiten an Fabrikanten. 3. Verschiedenes._ Der Vorstand. Töpfer Weissensees. Sonntag, den 10. November, nachmittags 2 Uhr, bei Gorrcr, Strastburgstraste Nr. 56: Oelfciitllclie Tersammlnng. TageS- Ordnung: Was lehrt uns der letzte Streik? Gewerkschaftliches. 194/7__ Der Linbcrnfcr. Verein der Rohrer Berlins und Umg. Sonntag, den 19. November 1800. vormittags 10 Uhr, im Lokal von I'. Wllke,«udreaSstr. 26: 270/10 AM'ANitglievvr�VeLlammlung'WU Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand- RixiSorf. SomldkMmt. Vklltn Joimöiir Sonnabend, de» 18. November 1899: Stistungssest im ApoUo-Theater. Hermaunstraße 48—50. Großes Vokol- intö Instrnmentol- Konzert. Specralitäten- Vorstellung der Dheatcr-Olcsellschaft Strzclcwiez und JäBT" Tanz."3�(2 232/15 Blllets sind nur in den Zahlstellen deö Vereins zu haben. Anfang 8 Uhr. Um zahlreichen Besuch ersucht Der Vorstand. Griinan! Achtung! Griinan! Da»»tag: äJV IVnrstcsson! 3053L* wozu einladet O. liilldeil 1111�11. 0Mir bcu Inhalt der Inserate «berniiiiiiit die Sledaltiu» de», Publikni» iKticilüber keinerlei Nerantworlnng. Tl».vQtev. Freitag, 17. N o v e m 5 e r. OpernhanS. Die Fledermaus. An- sang 7r/z Uhr. Schaiispielhans. Der Herr im Hause. Anfang 7>/, Uhr. Neues Oper». Theater(Kroll). Gustav Adolf- Festspiel. Anfang 7>/z Uhr. Deutsches. Nosmershvlm. Anfang 7Vz Uhr. Leuing. Im weisten Nöst'l. An- fang 7>/, Uhr. Berliner. Wilhelm Ted. Ansang 7V- Uhr. Schiller. Die Großstadtluft. Ausaug S Uhr. Neues. Ein imveschriedeueS Blatt. Anfang 7 V- Uhr. Westen. Hermann und Dorothea. Anfang 7Vz Uhr. Thalia. Der Platzmajyor. UZ- Uhr. Residenz. Jagdsrcnden. Famtlien-Sonper. Ans. Luise». Molly Carrs. d Uhr. Central. Die Geisha. Ansang Vorher: 7'/j Uhr. Ansang 7'/, Uhr. eis.. Ansang Carl Weih. Der Weltuntergang. Ansang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelnistädtischcö. Ein gesunder Junge. Anfang 8 Uhr. Bictoria. Die Chansonnctte. An- fang 8 Uhr. Belle- Zllliance. Gastspiel des Schlierseer Bauern- Theaters. Liserl vom Schliersce. Anfang 8 Uhr. Mctropol» Specialitäten- Bor- stcllung. Rund nm Berlin. Au- fang 8 Uhr. Apollo. Frau Lima. Specialitlitc»- Vorstellung. Anfang 7V2 Uhr. Rclchöhalle». Sletliner Sänger. Ansang 8 Uhr. Palast. Susanne im Bade. Spcciali- tätcn-Bvrstcllnng. Ans. 8 Uhr. Passage< Panopttkni». Specialis täten-Vorstellinig. Urania. Iuvalidenslr. 57/1)2. Täglich abends von 5—10 Uhr Sternwarte. Tmiliciifli'. 48/4!). Im Theater: Der Sieg des Menschen über die Natur. Ansang 8 Uhr. Cvttkvnl ThrAtev Direktion: so»ä poronorx, Dir CS o i s l) n. Anfang>/z8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntaguachuiitlag 3 Uhr zn halben Preisen: Die Fledermaus von Johann Strauß. l'dkdia-'I'dkAter. Tel. AmtIVa 6440. Dresdeners tr. 72/73. Der Platzmajor. Thomas, Thielscher, Helmerding, Junhermann. Im 2. Alt: Gr. Mntoskop- Terzett. ?liifang 7Vz Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. �poHo-> Theater. Um 3/48 Uhr abends: Frau Luna mit„Critiolalls" und Willi Waiden. Ferner: Robert 8tcidl. The OotliaiiiN.« liarras. Rva Hallcr. Tille. Rosalba. Prof. Bonctty. Xovatlatti. Franklins. Der Kosmograph. Anfang 7Vj Uhr. Vorverkauf täglich Im Theater, beim„KUnsllerdank", Unter den Linden 69, und beim„Invaliden- dank", Unter den Linden 24 I. SijiMjfflter (Wallner-Theater). Freitag, abends 8 Uhr: VI« Rrossstarttlnft. Schwank in 4 Akten von Bluniciithal und Kadellmrg. Sonnabend, a b e n d s 8 U h r: Dl« dnnjxfm» von Orleans. So NN tag, nachmittags 8 Uhr: Ol« Hanbcnlerclie, Sonntag, abends 8 Uhr: Ol« Ehre. Carl W eiss-Theater Gr. Frankfnrterstrahr 1.19. Der Weltuntergang. Großes Ansstattnngsstück mit Gelang in 3 Akten(15 Bildern) von Dir. Carl Weiß und Jos. Dill. Musik von M. Fall. Ansang 8 Uhr. Morgen: Der Weltuntergang. Sonnabendnachmittag 3Vz Uhr: Kinder-BorsteNnug. Dornröschen. Weihnachts-Märttic» mit Gesang in 5 Bildern von Boltcn-Bäckers. Preise der Plätze: Galerie tO Pf., II. Parkett u. II. Rang 20 Pf., I. Parkett von der 17. Reihe u. I. Rang 30 Pf., I. Park. 50 Pf.. Loge 60 Pf. falaaMlieafop früher Feen- Palast, Bnrgstr. 22. UM- Berlin amüsiert sich liV Berlin lacht Thräne»-HWs von 84/, bis 8l/z Uhr zum 51. Male Susanne im Vade. Ejffjj?1- Berlin staunt um 10 Uhr über die Meister-Hochtnrncr Or«! Vasllesen.'�$2 'Auf. 7>/z Uhr. Kassenöffnnng 6>'z Uhr. Billct-Vorverkanf von 11—1 Uhr. Sonnabends nach der Vorstellung: Gesrllschaftsnbend und Tanz. Be- such er der Vorstellung; Frei-Tanr. M�VorZngskarten sind gültig'TK} und in allen Cigarr.-Gcsdi. zu haben. Heute, Freitag, abds. präc. 7>/2 Uhr: Dresse aussererdentl. Versteilung. U. a.: Deed blight. das steh entkleidende u. schlafenlegende Fferd. Bombardier, d. Soldatenexercierende- und Feuer-Pferd. Die Rapphengste Im Kindergarten. Jenny Short, Schul- pterd mit Bulldogge. Sämtl. Orlg.- Dressuren des Dir. Alb. Schumann. Champion-Boxer Sulllvan. Clown Rappe u. Read?. Mste. Joe Hodgini, der beste Jongleur der Jetztzeit zu Pferde. Bicvcle-Polo-Team. Indianer Voltige Mstr. Rowland. Miß Ella, Ladh-Jocken. Mlle. Eticnne, Salto- monalreiterin. Mlle. Blennow, Bot- tigeure, ec. Morgen, Sonnabend: Dala-Premlere. 1. Auftr. d. Original» Transvaal-Boere». Sonntag: 2 Bor- stellnngen. Nachm. 1 Kind frei. Flrkns itnscb. Heute, Freitag, abends 7»/, Uhr: Dresse humoristische Vorstellung. Ol« Camorrn. Großes Manege- schanstück aus dem italien. Leben der Jetztzeit. DaS elektrisch durchleuchtete Wasserbassin. Der Sturz ins Waffer von der 100 Fuß hohen Felsenklippe. Mr. John Short, Champion-Springer der Welt. Die Ritter-Tonrniere in voller Rüstung. Frl. Martha Mohnke als Schulreiterin. Dir. Busch mit s. Qrig.-Meisler-Dreffuren. Morgen, Sonnabend, abends?>/, Uhr: Große Gala-Borstellung. Ui'anls Danbenstrasse 48/-!». Im Theater abends 8 Uhr: Transvaal. Vorher; Der«lunklc Erdteil. Invalidcnstr. 57/0ä: Sternwarte. Nachmittags 5—10 Uhr._ BBS 'Passaije- Theater. Xen! Anatomisch. Museum. Passage- Theater. Das Ehepaar 0. Malley auf seiner Hochzeitsreise um die Welt zu Fuss, und 15 Debüts. b®" CASTANS PANOPTICÜMI Präsident von Transvaal| „Ohm" Kröger und General Jouhert mit kriegsgerüsteten Boeren. Eine Gruppe von aktuellstem] I; nteresse! Metropol-Theater. Mlle. M leite. Carmen Rocas. Georg Kaiser. Familie Klein. TartaM. Zalva Trio. Cabaret. Mary Wolf. Die Piccolos. Um 9 Uhr 30 Minuten der Schlager der Saison: !! ßimdnm Berlin.!! Anfang: Wochentags 8 Uhr, an Sonn- und Festtagen I'/. Uhr. Ende 11 Uhr. Telephon Amt I 2126. Sonntag, den 19. November, nachmittags 3 Uhr: Proinenadr»- Specialitäten- Bor- stcllung. Abends"-3 U h r: Jubiläums- Norstellnug. 7i\x\\\ 50. Maie: Rund nm Berlin. �amsjsonci Kottbnscratr. da. Täglich außer Sonnabends Hoffmanns Mord- deutsche Sänger. Anfang wochentags 8 Uhr. Sonntags©Vs Uhr. Donnerstag und Sonntag nach der Soiree: Tnnz. Hoffmann mlt'n Loler- kastsn. W. Noacks Theater, Brunnenstrabe 16. Der Trompeter von Säkkingen Romantisches Schauspiel mit Gesang in 3 Akten(7 Bildern) von Hildebrandt und Keller. Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag»ach der Vorstellung: Tauzkränzchen. .Amcneau-Iheater. Dresdenerstr. 96. Dir.: Emil Schnabl. „Berlin nllrt!" 13 erstklassige Debüts. Zum erstenmale in Deutschland: The Ainericnn Klneosenph Anfang 8 Uhr. Kasieneräffn. 7 Uhr. Neichshaile». Stettin er Sänger. Heute zum Schluß: Finkes Schelmenstreiche Ensemble v.Menicl. Auf. präc. 8 Uhr. Maedrs Ideater ©ennlenste. Sd. Grnne Jnttgs. Gefangsposse in 1 Akt von E l y. Bugen Bossoo, Mimiker. Elsa Messer lprolongicrt). Franziska Held. Gertrud Bürgel. Freitags: Famitienabend. Anfang 8 Uhr. Sonntags V Uhr. BorzngSkarten an Wochentagen gültig. Freitag, den 17. November 1899: Benefiz für>V1111 Harnisch. „linser Helgoland." Liederspiel von O. Wagner. EHä v l äff cit cit. IB. Schul erb er[2290L* Wilmersdorferstrasse 127, Uhrmacher und Goldarbeiter. Großes Lager von Fhron nn