Nr. 27t Abonnements-Kedingungen: Bbonnements- Preis pränumerando: Pierleljährd 3,30 Md, monald l.loMd. wöchenllich 23 Pfg. frei ins Haus. Sinzeine Nummer S Psg. Sonntags- Niuniuer mit illuiirterlec EonnlagZ- Bcilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonncuient: ZL0 Marl pro Quartal. Hingetragen in der Post-ZsitungZ- Preitllste für lllSS unter Nr. 7320. Unter Kreuzband für Teutschland und Listerreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 1«. Jahrg. Erschein! lüg l ich außer Wonlag«. Devlinev Volksblskk. Die Insertlons- Gebühr beträgt für die fechSgsfpaltene Kolonek« zcile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und BerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine An;eigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserats für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in dsrExpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bis 3 Uhr vormittags geössnet. Fernsprecher! Amt l, Nr. 1503, Telegramm- Adresse: „Sorialdemostrat Vrrlln" Centrawrgan der socialdemokratisthen Partei Deutschlands. Nedaktivn: 19, Veutlz-Strasze 2. Sonnabend, den 18. November 1899. Expedition: SW. 19, Beuth-Slrafze 3. Offiziöse Waffersncht. Die Anhänger der deutschen WeltmachtSpoliti? arbeiten sich allgemach in einen Zustand der Exaltation hinein, der sür den Augenstehenden etwas Komisches hat. Ueberall im Lande wird das famose Schweinburgsche Flugblatt des Deutschen Flottcnbereins verbreitet: lyrische Dichter, Kunsthistoriker. Novellisten. Litterarhistorister, Germanisten und kmuse Philo sophcn des Unbewußten erlassen stimmungsvolle Ausrufe für Wandervorwäge über Flottenwesen und„die menschliche Kultur auf den Meeren" und wo bisher nur irgend ein kaufmännische! Vereinchen im Verborgenen blühte, da deklamiert man mit echt germanischem Pathos über die große Aufgabe Deutsch lands auf dem Wasser. Unter diesen Umständeil darf selbst redend auch die offiziöse„Berliner Korrespondenz" nicht zurückbleiben. Sie leistet sich nach dem kürzlich von uns ge- kennzeichneten Rezept, erst mit dem Mangel Deutschlands an Kolonien die Flottenfordernngen zu begnindcn, und dann wieder das Vorhandensein deutscher Kolonien als Grund für neue Forderungen zu benutzen, folgenden Beitrag zur Flotten- Propaganda: „Maritime Machtentwilklimg in Ostaficit. Durch die Erwerbung voir lstiauicho» ist Deulschlmid in die Reihe der Großmächte getreten, welche die Ausschließung Chinas und den Erlverb von Jntercsscngebicten innerhalb dieses dichtbevölkerten Niescnrciches mit allen Kräften anstreben. Unsere von jeher bedeutsamen wirtschaftlichen Interessen in Ostasicn haben mir der Gewinnung der neuen Kolonie einen wirk- samen Rückhalt und ein vielversprechendes Feld der Bcthätiguug gefunden. Nur wenige Jahre werden vergehen, bis Eisenbahnen von Tsingtau iir das kohlcnreiche Innere von Shautung führen und bis in der Kiautschou-Buchr moderne Hafcnanlagcn geschaffen sind, wie sie bisher noch kein Platz an der nordchiiiesischen Küste besitzt. Wir können schon jetzt mit Sicherheit darauf rechnen, daß Kiautschou in nicht zu ferner Zeit sich zu einem blühenden Handels- cmporium entwickeln wird. Die Grundbedingung hierfür ist und bleibt allerdings, daß wir in Ostasicn über gelingende maritime Machtmittel verfügen, uni Miseren haiidclspolüischcu Fordernugen den nötigen Nachdruck zu verleihen. Nicht ivir allein sind die Fordernden. Nirgends so sehr ivie in Ostasicn prallen die Jntcr- essen der Weltmächte im Wettstreit um die Erzichmg kommerzieller und politischer Vorteile aufeinander, nirgends ist eine achtung- gebietende maritime Machteiitwicklnng mehr am Platz, als dort. In Anbctrncht der Flottcnrüstnngcn Japans und angesichts der Seestreitkräfte Englands. Rußlands, Frankreichs und Nord amcrikas, welche seit Jahren in Lstasien stationiert sind, ist es zweifelhaft, ob unser ostasiatischcS Geschwader in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung für die Vertretung unserer dortige» Interessen dauernd genügen wird. Ein Vergleich der gegenwärtig in Ostasien stationierten See- streitkräfte der geuannten'Nationen ergicbt folgendes Bild: Japan: Gcsamt-Toimengchalt der vcrtvclldungsbcreitcn Kriegs- marine: 137 900 Tons. England: 3 Linienschiffe 4 große Kreuzer 7 kleine Kreuzer 10 Kanonenboote, Torpedoboote:c. 3 Linienschiffe Rußland: b große Kreuzer, �. 6 kleine Kreuzer und Kanonenboote J 83 700 Tons, Vereinigte Staaten: 1 Linienschiff 2 Küstcn-Panzerschiffe 1 großer Kreuzer 11 kleine Kreuzer 7 Kanonenboote Frankreich: 3 große Kreuzer ö kleine Kreuzer 10 Kanonenboote | Gesamt } Tonnengehalt J 88 200 Tons ■J Gesamt Tonnengehalt Gcsamt-Tonnengehalt 53 200 Tons, Gcsamt-Tonnengehalt 41 SOO Tons. }Gesamt-TonncngchaIt 86 000 Tons. Deutschland: 4 große Kreuzer 2 kleine Kreuzer 2 Kanonenboote Deutschland rangiert also n,it seine» Seestreitkräften an letzter Stelle, während der Umfang seiner kommerziellen Interessen an der ostasiatischen Küste nur von England übertroffcn wird. Wollen wir bei Lösung der ostasiatischen Frage, welche mit dem Erstarken Japans zu einer bedeutenden Seemacht in ein neues Sladimn tritt, ein gewichtiges Wort mitsprechen, so werden wir uns über kurz oder lang zu einer ivesentlichcn Verstärkung unseres ostasiatischen Geschwaders entschließen müssen." Was die„Korrespondenz" über den Schutz unserer Handels- intcressen in Ostasien sagt, bietet sicherlich nichts Neues,— in ähnlichen Gedankenbahnen sind vor ihr schon die Wenck- und manche anderen seltsamen Sterne am politischen Himmel ge- wandelt; neu ist nur die Ungeniertheit des Vergleichs der Seestreitkräfte und die Angabe über die Bedeutung des beut- schcn Handels an der ostasiatischen Küste. Wir können im Augenblick die Angabe über die Zahl und den Tonnengehalt der in den ostasiatischen Gewässern stationierten Kriegsschiffe nicht kontrollieren, aber selbst ivenn die Angaben der„Berl. Korresp." richtig sind, erscheint die Flottenstarke als eine den ver- schiedenen wirtschaftlichen Interessen durchaus angemessene. Daß Japan, das im Stillen Ocean liegt und dessen Flotte sich fast ganz dort konzentriert, daß ferner Rußland, dem die Nordostküste Asiens gehört, daß England und die nordamerikanische Union, deren Truppen auf den Philippinen kämpfen, in den oft- asiatischen Gewässern stärkere Streitkräfte unterhalten, als Deutschland, das ist für jeden, dem die Flottenromantik noch nicht ganz die kühle Besonnenheit geraubt hat, völlig selbst- verständlich. Uebrigens beweist gerade die Aufstellung der „Korrespondenz", wie wenig die kommerzielle Stellung von der Flottcnmacht abhängt, denn obgleich z. B. der Handel der Vereinigten Staaten mit den chinesischen Häfen und Japan ungleich bedeutender ist, als jener Rußlands, unterhält dort der Onkel Sam doch eine um 25 500 Tons geringere Kriegsflotte. Eine geradezu leichtsinnige„Harmlosigkeit" verrät aber die„Berliner Korrespondenz" mit der Behauptung, Deutsch- lands kommerzielle Interessen an der ostasiatischen Küste kämen an zweiter Stelle, gleich hinter England. Der deutsche Handel mit den chinesischen Häfen steht nicht nur hinter dem Englands zurück, sondern auch hinter dein der Vereinigten Staaten, Ostindiens und Japans. An der Einfuhr Chinas, die 1897 etwa 203 Millionon Taels(circa 610 Millionen Mark) betrug, participierte Deutschland nach der Handelsstatistik nur niit 32 Millionen Mark(ein- schließlich der Einfuhr in Hongkong und Macao), also mit SVs Proz. Dagegen betrug die nordamerikanische Einfuhr (mit Einschluß jener über Hongkong) etwa 13 Proz., die oft- indische 12 Proz. und die japanische 11 Proz. An der 163�/- Millionen TaelS betragenden Ausfuhr aus China war Deutschland mit 57 Millionen Mark, das heißt ll�/e Proz. beteiligt. Wenn die„Berliner Korrespondenz" diese Ziffern in Vergleich zu der Stärke unserer Flotte in den ostasiatischen Gewässern stellt, wird sie finden, daß wir eigentlich, um das nach ihrer Meinung unerläßliche Gleichgewicht zwischen Handel und Seemacht herzustellen, noch einen kleinen Kreuzer oder ein kleines Kanoncnbötchcn abberufen mußten. ZAolitifiszv Mebevfich!» Berlin, den 17. November. Der Reichstag beendete heute die zweite Lesung des neuen Postgesctzes. Nachdem die Verstaatlichung der Privat Posten beschlossen war, gab es noch drei Fragen zu erledigen: 1. die Höhe� der Entschädigung; 2. die Instanz, welche die EntschädignngKhöhe zu bestimmen hat, und 3. das Schicksal der Privatpost-Bedicnstctcn. Die Kommission hat sich dahin geeinigt, die Entschädigungshöhe auf höchstens das Acht fache des jährlichen Reingewinns festzusetzen, die Festsetzung der Summe im Fall der Nichteinignng schiedsrichterlich erfolgen zn lassen, und die Uebernahme der Bediensteten durch die Post, sofern nur irgend möglich, zu fordern. Mit all diesen Be schlüsscn hat die Regierung sich einverstanden erklärt und auch unsere Fraktion war niit denselben wesentlich einverstanden. In Bezug auf den dritten Punkt gab es wohl abweichende Meinungen, jedoch keine irgend erheblichen Differenzen. Desto heißer entbrannte der Kampf um die Höhe der Eni' schädigung; und es war ganz unterhaltend, die Gesichter der Herren Interessenten zu beobachten, welche die Tribünen füllten und auf deren Gesichter sich der Gang der Debatte unten im Saal deutlich abspiegelte. Genosse Singer vertrat unfern Standpunkt; er zeigte, daß ein achtfacher Betrag des jährlichen Reingewinns vollauf genügend sei, und benutzte die Gelegenheit zu einem scharfen Angriff auf das militärische, blinden Gehorsam heischende Regierungssystem des Herrn v. Podbielski, der dem Verband der Unterbeamten gegenüber schnöde das Koalitionsrecht verletzt habe. Von freisinniger, freihändlerischer und klerikal-kapitalistischer Seite ertönten elegische Klagelieder über die Vergewaltigung des Privatkapitals. Am elegischten sprach der politische Lyriker Ricke rt, der die„Grundlage der preußischen Verfassung", nämlich den Satz:«Das Eigentum ist unverletzlich", schon umgestürzt und die bürgerliche Welt schon in Trünimer sah. Natürlich konnten ich einige Jünger des heiligen Manchester ein paar wohlfeile Witze auf die socialistischen Neigungen der Regierung und das Zusannnengehen der Regierung mit den Socialdemokrarcn nicht verkneifen. Recht lebhaft wurde auch die Rechtsfrage umstritten. Von verschiedenen Seiten ward geltend gemacht, daß der Rechtsweg, d. h. die gerichtliche Entscheidimg der chiedsrichterlichen vorzuziehen sei. Nach einer erfrischenden Verspottung des Begriffs wohl- ertvorbener Rechte, der nur für die R e i ch e n und Starken bestehe, durch Genossen Stadthagen kam es zur Ab- stimmnng. Das Ergebnis war Annahme der Kommissions- Vorschläge, nur mit der Abänderung, daß das Maximum der Entschädigungshöhe von 8 auf 1 0 hst n a u f g e r ü ck t und der Rechtsweg an Stelle des schiedsrichterlichen Verfahrens gesetzt ward. Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Tagesordnung: Die zweite Beratung der neuen Fernsprechgebühren-Ordnung und eventuell die zweite Beratung des Schuldverschreibungs- Gesetzes.—>«___ Um das Koalitionsrecht. Die nationalliberalen Anträge zum Zuchthausgesetz werden ge- kennzeichnet durch die Zustimmung der S ch a r f m a ch e rp r e s s e. Die„Post" des Freiherrn v. Stumm freut sich der gelehrigen Ge- olgschaft der nationalliberalen Jndnstrienachbarn. Ihr Lob ist die treffendfte Antwort auf den Versuch der„N a t i o n a I- Z c i t u n g", die Anträge ihrer Fraktionsfreunde als unschuldsvoll nnd keinestvegS das Koalitionsrecht gefährdend umzulngen. In wie hohem Maße Freiherr v. Stumm und seine frei- konservativen Palladine den Inhalt der nationalliberalen Anträge billigen, zeigt die Thatsache, daß dieselben soeben im Reichstage folgenden Antrag eingebracht haben, der fast ausschließlich eine Ver- schärfung der Slrafausmessung fordert: Für den Fall der Annahme deS Antrags Büsing und Genossen die beantragte Fassung des Z 153 folgendermaßen zu ändern: 1. Im ersten Absatz' letzte Zeile statt„drei Monaten" zu setzen:„einem Jahre". 2. Im zweiten Absatz statt„dreihundert Mark" zu setzen: „eintausend Mark". 3. Zwischen dem zweiten und dritten Absatz folgenden neuen Absatz aufzunehmen: Ist die Handlung gewohnheitsmäßig begangen, so tritt Gefängnis nicht unter drei Monaten ein. 4. Am Schlüsse folgenden Absatz hinzuzufügen: Zur Verfolgung bedarf eS icines Antrages. Die„National-Zcitung" zählt die Vorzüge zwischen dem Nc- gierungsentwurfe nnd den Anträgen Büsing-Mvllcr her und kommt zu dem Schluß, diese Anträge hätten nichts mit dem Zuchthaus- gcsetz gemein. In Wahrheit aber mildern die nationalliberalen Anträge allerdings einige Paragraphen der Zuchthansvorlage, andererseits aber übertrumpfen sie das Werk des Grafen Posadowsky an scheinheiliger Feindseligkeit gegen die Arbeiterbewegung weitaus. Beispielsweise rühmt die„National-Zeitung" ihre Stellung- nähme zum P o st e n st e h e n. Der nationalliberale Antrag«ver- werfe das allgemeine Verbot des Posteiistchens, sichere vielmehr die Straflosigkeit desselben für diejenigen Fälle, in denen es in den Lohnkämpfcn notwendig für die Arbeiter ist, nämlich zu dem Zwecke. Nachrichten oder Auskünfte zugeben oder einznziehen." So wird das im Arbciteransstand oft unentbehrliche Postenstehcn gesichert, aber im gleichen Atemzuge erklärt der nationalliberale Antrag als strafbare Drohung,„ivenn jemand in ungehöriger und belästigender Weise Arbeitgebern oder Arbeitnehmern auf Straßen und Wegen folgt, oder Wohnungen ec. bewacht." Die Strafbarkeit des Postenstehens wird also abhängig gemacht lediglich von der subjektiven Auffassung des Richters über das, was„gehörig" und„belästigend" ist, und von der eben so subjektiven Geneigtheit des Richters, als Absicht des streikenden Arbeiters mehr als das bloße Einziehen von Nachrichten anzunehmen. Der nationalliberale Antrag sichert nicht das be- rcchtigte Postcnstchen. sondern unter dem heuchlerischen Schein, daß er es sichern wolle, macht er eS völlig un- möglich. Die„Freis. Ztg." sagt daher mit Recht: „Der nationalliberale Antrag verlangt allerdings die Strei- chung der 88 2—11 des Entwurfs, läßt also darnach nur den 8 1 bestehen. W e n n m a n a b c r genauer zusieht, so findet man, daß der Antrag der Nationalliberale» die 88 Ä, 4 und 6 des Entwurfs in den 8 � hineingearbeitet hat." Andere freisinnige und demokratische Blätter wenden sich in ähnlicher Weise wie die„Freis. Ztg." gegen die nationalliberale» Anschläge. Die Haltung des C e n t r u m s, in dessen Hand das Schicksal des Koalitionsrechts— soweit darüber im Parlament entschieden wird— gelegt ist, ist noch nnmer ungewiß. Die„Germania" sagt zu den nationalliberalen Anträgen nicht mehr als: „Eine annehmbare Lösung dieser gesetzgeberischen Auf- gäbe ist diesem nationalliberalen Antrage doch nicht ge- hingen." Binnen kurzem wird sich zeigen, ob das Centrnm seinen früheren Beteuerungen treu bleibt und Scheu trägt, an der Zerstörung der Arbciter-Grundrechte mitzuwirken. Deutsches Weich. StndtS erste That. Unsere gestrige Vennuinng, daß der Brief des Freiherrn v. Mirbach einen Wink für den Kultusminister dar- stelle, den Privatdoccntcn Prenß zu disciplinieren, weil er fromme Sprüche und Verse zu einem unschuldigen Scherz benutzte, hat schnell Bestätigung gefunden. Dem„Berliner Tageblatt" zufolge ist in der That eine Disciplinaruntersuchung eingeleitet worden. Die Sache klingt wie ein satirischer Witz, und ist doch Wahrheit. Man hat offenbar die Absicht, die ganze Einrichtung deS DiSciplinar- Verfahrens lächerlich zu machen. Man schreite nun aber auch auf diesem Wege konsequent fort. Man verweise alle Professoren von den Universitäten, die nicht nur in unschuldigem Spaß, sondern in bitterem Ernst religiöse Empfindungen gekränkt haben, von den Darwinistischen Naturforschern, rationalistischen Philosophen bis zu den liberalen Theologen. Man verbrenne die gesamte irreligiöse klassische und moderne Litterawr, von Lessing, Goethe und Schiller bis Ibsen. Stöcker'n muß unbedingt der Hofpredigertitel genommen werden, weil er auf dem christlich-socialen Kongresse in Erfurt den heiligen Vers: „Da sandte Gott von seinem Thron— das Heil der Welt, den cw'gen Sohn.— Wenn ich dies Wunder fassen will— So steht mein Herz vor Ehrfurcht still", mit einem echten„Judenwitz' zu dem Kalauer benutzte:„Wenn ich das Wunder fassen will— So steht mein Herz vor Erfurt still." Vor allem aber säge man den alten Fritz von dem Stammbaum der Hohenzollern ab und sein Name werde nicht mehr unter de» Ahnen des Königshauses genannt, dieweil er sein Lebelang Spott mit religiösen Dingen getrieben und, ein nichtswürdiger Atheist, mit Voltaire um die Wette, über das Heiligste gelästert.— Die Waffer- Intellektuellen. Die Geschästsspekulationen der Marineliefcranten haben einen tiefen Eindruck auf die Kreise der bourgeoisen Bildung gemacht. Professoren, Künstler. Schriftsteller vereinigen sich in einem Aufruf zu F lo tt e n v o rträ g en, die das Volk über die Notwendigkeit einer großen Handelsflotte und einer starken Kriegsmarine belehren sollen. Die Unterzeichner erblicken in dem Wasser-Wettrüsten„die größte Aufgabe der Gegenwart", die„mit dem vollen Ausbau unseres 'inneren Kulturlebens"— Zuchthausvorlage!— zusammenfalle. Die Sprache des Aufrufs ist teils alldeutsch-schwärmend stilisiert, teils in der Hintertreppenroman-Sprache gehalten, wie sie in dem Kampf um das Militär-Septennat blühte: „Ein Seekrieg Deutschlands, mit einer unzulänglichen Flotte geführt, bedeutet ein Stocken unseres von jeder überseeischen Zufuhr abgeschnittenen Erwerbslebens. bedroht unsere Küsten, Häfen, Seestädte mit Raub und Braud, kann das Deutsche Reich mit einem Schlage aus der Reihe gebietender und reicher Weltmächte drängen. Eine starke Flotte wird für Deutschland ebenso das Werkzeug des Weltfriedens werden, wie sein starkes Landheer jetzt seit mehr denn einem Vicrteljahrhundert den Friede» Europas geschützt hat. Begehrt als Freund, als Gegner gefürchtet, kann Deutschland in der Wcltpolitik nur durch seine Scegeltung sein." Durch die Unterzeichnung dieses marinistischen Schwulstes haben sich Leute kompromittiert, die ihre Hand besser für ihre künstlerisch- littcrarische Thätigteit verwendet hätten: ein Friedrich Spielhagcn, ein Max Liebermann. Natürlich sind die beinahe„Umsturz"- verdächtigen Professoren Schmollcr und Wagner ebenso munter dabei wie der„Ethiker" Theobald Zieglcr. So wird ein Schwcinburg der geistige Führer der Nation. dem die bürgerlichen Helden der Kunst und Wissenschast chrfurchts- voll folgen. Wann wird dieser neue Befreier und Lehrer Deutsch- lauds, wann wird Victor Schweinburg mit dem Ehrendoktor und dem Professortitel für seine nationalen Verdienste um Krupp, Schichau und das übrige Vaterland belohnt werden?— Das ist ein Geschäft. Was wird an der Lieferung der P a n z e r p l a t t e n für die neuen Kriegsschiffe verdient? Die „Köln. V o l k s z e i t u n g" schreibt darüber: Als zur Panzerung noch einfache Stahlplattcn ohne Nickel- znsatz verwendet Ivnrden, hat einer unserer Großindustriellen ein- inal einem Leiter ähnlicher Unteriiehmungen, den er für seine Werke getvinnen wollte, einen Nutzen von 1 M. vom K i l o an solchen Stahlplatten rechnungsmäßig nachgewiesen. Bei den Nickclstahlplattcn, welche heute zur Verwendung kommen, dürfte, nach den.Feststellungen erfahrener Fachmänner, der Nutzen 1,80 M. vom Kilo betragen. Wenn.man »un bedenkt, daß das Gewicht der Panzerplatten für ein Kriegsschiff nach Millionen Kilo sich berechnet, so ergicbt sich von selbst, daß es den Lieferanten solcher Platten nicht darauf ankommen kann, einige Tausend Mar! für Agitationskostcn in irgend welcher Form zu opfern, wenn solche Bestellungen durch Bewilligung neuer Schiffe zu erzielen sind. Die Anlagen der Werke, welche für die Herstellung von Nickclstahl-Panzerplattcn nötig sind, erfordern an sich ein halbes Dutzend Millionen; daher spielen einige Tausendc bei einen: solchen Geschäft keine Rolle. Bei solchen Profiten kann man sich schon einige Anstrengungen in der Erzeugung vaterländischer Hochgefühle leisten. Der Aufwand an patriotischer Begeisterung gehört zu den Geschäftsunkosten.— Geschnitten wird Herr v. Miguel von seinen agrarischen Lieb- lingen. Die„Deutsche Tageszeitung" bringt die folgende stachlige Notiz: Wir finden in der Presse die Nachricht, daß der Abgeordnete Graf zu Limburg-Stirum einer Einladung zum Minister v. Miguel gefolgt sei. Unseres Wissens hat Gr af zu Limburg- S t i r u m die betreffende Einladung nicht a n g c n o m in e n. Da Herr v. Miguel nicht stolz ist, so geht er nun vielleicht zum Grafen Limburg und bekehrt ihn daselbst zuin Mittclland-Kanal.— Die preußische Knauserei. Unsere Mitteilung, daß der Finanz- niinister Miguel die von dem Eiscnbahuminister in den nächsten Etat eingestellten 918 neuen Eiscnbahnsekretärstellen auS Sparsamkcits- rücksichtcn gestrichen habe, hat in den beteiligten Beamtcnkreiscn Empfindungen hervorgerufen, die dem herrschenden Regiment nicht gerade vorteilhaft sein dürften. Man begreist den Unmut, wenn man erwägt, daß es im ganzen etwa 2800 Anwärter für Eisenbahnsekretärstelle» gicbt, von denen jährlich ettva 75 zu Eisenbahnsekrctärcn ernannt werden. Der letzte Anwärter würde folglich noch 38 Jahre zu warten haben. Das sind für die Betroffenen schlimme Aussichten. Man muß dabei be- denken, daß die 913 Stellen, wenn sie nicht gestrichen worden wären, eine Mehrausgabe von 100 000 Mark beanspruchen würden— eine lächerliche Kleinigkeit, die man fiir die sociale Hebung des Volkes nicht aufwendet,' während man fiir die Glanzncbelflotte Milliarden leichthin ins unfruchtbare Wasser ivirft. Warum läßt man die Leute überhaupt zum Examen, wenn man sie nicht befördern will? Miguels fiskalischer Einfluß auf die ge- sainte Staatsverwaltung, die so eifrig von den von ihm doch fühlbar abhängigen Minifterkollegen abgeleugnet wird, tritt in diesem Fall besonders kraß hervor, da die Vermehrung jener Stellen als ein dringendes Bedürfnis allgemein anerkannt und die Regierung von der Volksvertretung zu solchem Vorgehen direkt aufgefordert worden ist. Jedenfalls erzieht sich der Staat durch diese'Knauserei„gut- gesinnte" Beamte.— Ahlwardts Pelz. Ans Halle a. S., 16. November, wird uns berichtet: Die Männer der Ordnungspartei, die ab und zu das Bc- dürfnis zu haben scheinen, sich einmal tüchtig zu blamieren, gaben sich heute wieder im Landgericht ein Rendezvous, bei dem auch recht erbauliche Dinge über den alten ehrlichen Abgeordneten A h l w a r d t zur Sprache kamen. Es handelte sich um die bekannte Sitzung der konservativen Vertrauensmänner, bei der der Geschäftsführer der „Halleschen Zeitung" dem agrarisch gesinnte» Dr. Ären bei mit den: Stuhle zu Leibe wollte, letzterer den Besitzer dieser Zeitung Otto Thiele als Lump bezeichnete und Thiele den Dr. Kreubel mit anderen Redewendungen beschimpfte. Herr Thiele erzählte ein Geschehnis von einem antisemitischen Abgeordneten, der zu ihm gekommen sei, um sich zur Agitation einen Pelz, mit dem er bei den Bauern Eindruck machen wollte, zu borgen. Als er damit leider nicht dienen konnte, habe ihn: der Abgeordnete 100 M. abgepumpt, die er heute noch nicht wieder erhalten habe. Thiele Ivollte unter„Diskretion", damit der betreffende Abgeordnete nicht öffentlich komproinittiert werde, dem Gerichtshof ein Schriftstück und einen Schuldschein übergeben, um damit seine Bchanptnng zu beweisen. Der Gerichtshof lehnte aber die Einsicht- nähme dankend ab. Bald darauf erschien aber der Tischler-Jmnmgs- mcister Gurth und erzählte ganz ungeniert, daß er schon lange gewußt habe, daß der Abgeordnete A h l w a r d t derjenige gc- lvesen sei, von dem Thiele die Sache in der konservativen Ver- tranensmänner-Sitzung erzählt habe. Der humorvolle Vorsitzende jener konservativen Vertranensniänner-Sitzung, Professor Suchsland, versuchte„nachzuweisen", daß der in Frage kommende skandalöse Vorgang im Restaurant„Goldenes Schiffchen" mit der konservativen Partei und konservativen Gesinnung„an sich" gar nichts zu thun habe. Vom Schöffengericht waren Thiele und Dr. Kreubel wegen gegenseitiger Beleidigung zu je 40 Mark Geldstrafe event. vier Tagen Gefängnis verurteilt worden. Die Strafkammer verwarf die ein- gelegten Berufungen. An die falsche Adresse. AuS Sachsen wirb uns geschrieben: Für den Ausbau des sächsischen StaatSbahn netzes spendet eine Zuschrift aus Dresden im„Berliner Tageblatt" der sächsischen Regierung„niit ehrlichem Herzen Lob". Dieses Lob ist an die falsche Adresse gerichtet. Noch Mitte der achtziger Jahre wurden im sächsischen Landtage die meisten Petitionen, die um den Bau neuer Bahnen an ihn gerichtet ivnrden, von der Mehrheit des Landtages auf Veranlassung der Regierung abgelehnt, weil diese an dem falschen System festhielt, aus den von de» vorhandenen Bahnen erzielten II e b e r s ch ü s s e n nur neue Bahnen zu bauen. Die socialdem akratischen Abgeordneten drängten schon damals, mit diesem System zu brechen und Anleihen zum Anbau neuer Bahnen aufzunehmen, damit den aus dem Lande immer zahlreicher an den Landtag gelangenden Wünschen um Er- baunng von Bahnen besser Rechnung getragen werden könnte. Allein der damalige Finanzminister v. Könneritz konnte sich nicht zum Aufgeben seines verkehrten Systems verstehen, v. Könneritz be- fürchtete, die Kleinbahnen-würden sich nicht rentieren, weil einige Linien in der That eine geringe Rente ergaben. Erst in späteren Jahren und unter dem Herrn v. Könneritz folgenden Finanzminister v. Thümmel wurde dieses System aufgegeben, weil der Standpunkt der socialdemokratischcn Fraktion im Lande immer mehr Anklang fand und kein stichhaltiger Grund vorhanden war, sich von dem ver- nünftigeren System abzuwenden. Seit dieser Zeit schreitet der Bahnbau schneller fort und die Befürchtung v. Könneritz ist widerlegt durch die Thatsache, daß auch die früher verweigerten, nunmehr erbauten Bahnen gut rentieren. Einige kleinere Linien werden selbstverständlich nicht gleich gute Erträge liefern. Wenn also ein Lob für den schnell fortschreitenden Ausbau des Staatsbahnnetzcs erteilt wird, so muß es an die richtige Adresse, an die Socialdemokratie, gerichtet werden.— Dresden, 17. Novemb.(Eig. Ber.) An Gesetzesvorlagen sind de» Ständckammern von der Regierung bis jetzt zugegangen: Gesetzentwürfe 1. zur Aenderung des Gesetzes die Gehaltsverhältnisse der Lehrer an den Volksschulen und die Gewährung von Staats- bcihilfen zu den Mtcrszulagen betreffend; 2. die Pensionsberechtigung der Nadelarbeits-Lchrerinnen betreffend; 3. die Errichtung eines Vcrlvaltnngs-Gerichtshofes betreffend; 4. ein Allgemeines Bangcsctz betreffend; 6. die Pensionsberechtigung der berufsmäßigen Gemeinde- bcamten in mittleren und kleinen Städten, sowie Landgemeinden betreffend; anßcrdcin noch einige nebensächlichere Gesetzentwürfe. Ein Gesetzentwurf über die Alterszulagen für die Volksschul- lehrcr lag schon dem vorigen Landtag vor, wurde aber von der konservativen Mehrheit in der zweiten Kammer abgelehnt, weil die erforderlichen Mittel durch eine B e r in ö g e n's st e n e r— die natürlich ebenfalls abgelehnt wurde— aufgebracht iverden sollten. Dem Finanzministcr ist es diesmal gelungen, die Borlage wieder ohne das Erfordernis einer neuen Steuer einznbringcn. In den Etat ist diesmal ans diesem Grunde ein neuer Titel mit 2 000 000 M. eingestellt. Der Entwurf für den Verwaltungsgerichtshof beschäftigte ebenfalls schon den letzten Landtag, ist nun aber während der Zeit von einer Zwischcndeputation umgewandelt worden. Chronik der MajcstätsbeleidigungS-Prozesse. Aus Kiel wird dem„Hamb. Eckio" geschrieben: Wegen Majestätsbclcidignng war der 51jährige Arbeiter Friedrich Czikon von dem mit ihm im selben Hause wohnenden Arbeiter Ricpgis denunziert. Er sollte die fragliche Acußernng in des letzteren Wohnung gcthan haben. Czikon, welcher den Krieg von 1870—71 mit Anszcichnnng durchgemacht hat, bestritt ganz entschieden, den Kaiser beleidigt zu haben; er will die gethane Aenßerung auf den Denunzianten und den Arbeiter Sadraski bezogen wissen. Das Gericht erachtete ihn jedoch für überführt und verurteilte ihn zu 3 Monaten Gefängnis.— Die badische» LandtagSwahlen. Karlsruhe. 16. November. Die heute stattgehabten Abgeordneten wählen zur zweiten Kammer der badischcn Landstande brachten insofern einige lieber- raschungen, als die Verluste der nationalliberalen Regierungspartei sich doch als etwas größer erwiesen, als nach dein Ergebnis der vor 10 Tagen vollzogenen Wahlmänner- Wahlen angenommen werden mußte. Ihrem Gewinn von drei Mandaten steht ein Verlust von sechs Sitzen gegenüber, so daß die nationallibcrale Fraktion von 26 auf 23 Köpfe vermindert wurde. Das C e» t r u m gewann einen Sitz, die beiden frcisinn-demokratischcn Gruppen behaupteten sich in der alten Stärke. Die Antisemiten büßten von zwei Mandaten eins ein, während der B a u e r n b u n d zum erstenmal einen Vertreter in das badische Parlament schickt. Ilcbcr � den erfreulichen Zuwachs der s o c i a I d e m o k r a t i s ch e n Kammcrfraltion wurde bereits berichtet. Die beiden nengewouncnen Städte P f o r z h e i in und D u r l a ch, wo heute die s'ocialistischen Wahlmänner(in Pforzheim 96 gegen 69, in Durlach 36 gegen 13 nationallibcrale) Mann für Mann antraten, können für die Zu- kunft zu den sicheren Positionen unserer Partei gerechnet werden, ebenso wie Mannheim, das heute mit überwältigender Mehrheit socialistisch wählte. Ueberraschcnd ist unser Achtungserfolg im Bc- zirke Karlsruh e-Land, wo Genosse Lutz- Baden im dritten Wahl- gang mit 74 gegen imr 77 Wahlmännerstimmen dem bisherigen konservativen Vertreter unterlag. Auch der Bezirk Ettlingen, bisher eine unbestrittene Domäne der Klerikalen, brachte uns 36 von etwa 160 Wahlmännern. Die endgültige Zusammensetzung der zweiten Kammer ist nun folgende: 23 Nationalliberale(bisher 26), 22 Centn»»(21), 7 Socialdeni okraten(6), 6 Demokraten(6), 2 Freisinn(2). 1 Antisemit(2), 1 Konservativer(1), 1 Banernbund(0), 1„Wilder"(1). Die socialdeni akratische Kammerfraktion besteht nunmehr ans den Genossen Aug. D r e e s b a ch, Kaufmann, Anton Geiß, Gastwirt, Wilhelm K r a m e r, Verbands- kassiercr, sämtlich Vertreter von Mannheim; A d o l f G e ck. Buch- drnckereibcsitzer, und Aug. S ch a i e r, Schreinermeifter, Vertreter von Karlsruhe; Wilhelm OpifizinS, Chemiker, ftir Pforzheim, und Anton F e n d r i ch, Redactenr, für Dnrlach. Die Wahl im Bezirke Rastatt-Stadt, wo der bisherige demo- kratische Vertreter Ober-Jngenienr De Ii sie einem nationallibcralcn Bicrbrauercibcsttzer das Feld räumen mußte, wird wegen allzu reich- licher Wahlbierspcnden auf feiten der siegreichen Partei durch die Opposition voraussichtlich mit Erfolg angefochten werden. Auch in Karlsrnhe-Land sind nicht unerhebliche Wahlanfcchtungsgründe vor- Händen. Der Landtag wird, wie bestimmt verlautet, bereits am 23. d. M. zusammentreten,' um sofort in den ersten Sitzungen die Prüfung sämtlicher Mandate vorzmiehmen.— Zum Falle Liitgenan. Herr Lütgenau, der vorsichtigerweise es unterließ, nach Hannover zum Parteitag zu kommen, um dort, w-e er von Mitgliedern des Parteivorstandes aufgefordert war. seine Sache gegenüber dem Parteivorstande zu führen, hat jetzt eine Broschüre' veröffentlicht, in der er über die gegen ihn erhobenen wirklichen Anklagen sich vorsichtig ausschweigt, dagegen aber den Versuch macht, sich als Opfer der Diktatnrgelüste des Partei- Vorstandes hinzustellen. Es hieße den Parteivorstand beleidigen, wenn wir zur Abwehr dieser Unterstellung auch nur eine Zeile verschwendeten. Herr Lütgenau kennt die Gründe, die den Vorstand bestimmten, öffentlich zu erklären, daß er nichts mehr mit ihm zu thnn haben will, ganz genau. Wenn er trotzdem den Unwissenden spielt, so hat er seine guten Gründe dazu. Wenn der Vorstand bisher es vorzog, diese seine Gründe nicht öffentlich bekannt zu geben, so geschah es, tvie dies auf dem Parteitag in Hannover ausdrücklich konstatiert wurde, nur mit Rücksicht auf Lütgenau ffelbst. Von dieser Zurückhaltung ab- zugehen, liegt für den Parteivorstand auch heute noch kein Anlaß vor. Will aber Herr Lütgenau wirklich seine Angelegenheit im Lichte voller Oeffentlichkeit verhandelt sehen, dann mag er doch seine An- drohung verwirklichen und gegen den Dortmunder Delegierten die Verleumdungsklage anstrengen. Wird dies geschehen, dann liegt auch für den Parteivorstand kein Grund mehr vor. zu schweigen und die Welt wird dann Gelegenheit haben, den neuesten Schützling der „Post" und verwandter Organe in voller Beleuchtung kennen zu lernen.— Ausland. Oeftreich- Ungarn. Wien, 17. November. Abgeordnetenhaus. Der Be- ratung der Vorlage betr. Aufhebung deS ZcitungS- und des Kalcnderstcmpcls betonen mehrere Redner die Notwendigkeit einer Refonn der Preßgesetzgebung. Abg. Dyiednszycki greift die Regierung an und erklärt, das Votum des Polenllubs für die Regierungsvorlage bedeute kein Vertrauensvotum für die Regierung. Auch der Abg. E tz wendet sich gegen die Regierung; er sagt, die Regierung wolle die Aufhebuna des Zeitungsstempels nur, um die Majorität zu unterdrücken. Waprcnd der Rede des Abg. Etz entsteht iiffolge von Zwischenrufen der Antisemiten und Schönerianer großer Lärm. Nach weiterer Debatte wird hie Vorlage in zweiter und dritter Lesung angenommen. Frankreich. Paris, 17. November. Nach dem amtlichen Sitzungsprotokoll ergab die gestrige Abstimmung in der Deputicrtenkammcr Zt? Stimmen siir die Regierung und 212 Stimmen gegen die Regierung; 34 Abgeordnete enthielten sich der Abstimmung, darunter Präsident Dcschanel, Ribot und Schneider, der Besitzer der Werke in Le Creuzot. Für die Regierung stimmten der größte Teil der Social- Radikalen und der Socialisten sowie 88 fortschrittliche Republikaner, darunter Barthou, Cochery, Delombre und Poincaro. Gegen die Regierung gaben ihre Stimmen ab die Ralliirten, Nationalisten und die Antisemiten, darunter Döroulede und Hadert; ferner 93 fortschrittliche Rcpubli- kaner von der Anhängerschaft M e l i n e s; 8 Radikale, darunter Cavaignac und 6 Socialisten. 18 Deputierte fehlten. Die republikanischen Blätter heben mit lebhafter Be- friedignng hervor, daß die gestrige Abstimmung der Regierung u n g e w ö h»Ii ch e Aut o'ri t ä t verleihe. Die große Mehr- hcit', welche für das Ministerium gestimmt. habe selbst die kühnsten Erwartungen übertroffen. Der gestrige Tag bedeute die endgültige Niederlage der Politik Melincs, hinter welchem nur die Nationalisten und M o n a r ch i st e n ständen. Die konservativen Blätter erklären, die Regierung habe zwar die Kammer, nicht aber das Land für sich. Das Ministerium verdanke seinen Sieg nur dem Umstände, daß niemand Sehnsucht habe, vor Beendigung des Prozesses vor dem Staatsgerichtshofe das Erbe Waldcck-Roiisscäus anzutreten.— Beratung deS Amnestie- Ausschusses. Ministerpräsident Waldeck- Rousseau begab sich am Freitagnachmittag nach dem S e n a t s p a l a st zu einer Besprechung mit dem Amnestie- Aus- schlisse. Nach Waldeck- Nousseaus Vorschlag soll die Amnestie die mit dem Prozeß TrcyfuS in Verbindung stehenden Angelegen- heiten, d. h. die Affairen Zola, Henry und Picquart umfassen. Ein Senator beantragte, auch den Komplottprozeß in die Amnestie einzubegreifcn. Waldeck-Rousseau hielt dem entgegen, daß der Augenblick hierzu nicht geeignet sei. Der Ausschuß vertagte die Beschlußfassung. In einem leidenschaftlichen Aufsatz der„Aurore" bespricht Clömencean das von der Regierung geplante A m n e st i e- gesetz und schließt:„Die Männer, die uns eine Regierung der Gerechtigkeit versprochen haben, werden mit Mercier die ganze Fälscherbande amnestieren, Henry selbst inbegriffen, der bedauerlicher- weise nicht geduldig genug war, zu warten. Die Amnestie bedeutet die Unterschrift der Amnestierenden unter dem Denkmal des Fälschers, den letzten Nachtrag zu den roten Verzeichnissen der„Libre Parole", das goldene Buch der französischen Verwesung." England. Die Socialisten und die Gemeinderatö-Wahlen. AuS London wird uns geschrieben: Die Nachrichten über die Gemeinde-ErneuerungS. Wahlen liegen jetzt im Detail vor, und es läßt sich die Bilanz für die Socialdemokratie mit einiger Bestimmtheit ziehen. Im ganzen ist ein sehr erheblicher Zuwachs der f o ei a- l i st i s ch e n Stimmen festzustellen und in einer Reihe von Orten sind socialistische Wahlsiege zu verzeichnen. So in Glas- gow(2), in Paislcy. Halifax. Hartlepool jc. In anderen Orten sind dagegen die socialistischen Kandidaten trotz Zunahme ihrer Stimmen gegnerischen Koalitionen unterlegen. Dank einer solchen Koalition sind in West-Ham bei London den vereinigten Socialisten und Gewerkschaftlern drei Sitze verloren gegangen, doch behalten sie im Gcmeinderat vorläufig die Mehrheit. Der Grund deS Rückgangs liegt u. a. in einigen Fehlern der Gcmeindepolitik, die von' einem socialistischen Mitglied des Gemeinderats in der letzten Nummer der„Justice" mit' anerkennenswerter Aufrichtigkeit dargelegt werden. In zwei oder drei Orten sind Arbeitervertreter zu Bürgermeistern gewählt worden. So in der Jndnstnestadt Burslcm(Staffordshire) der Kassierer des großen Bergarbciter-VerbandeS, E n o ch Edwards. Seine Wahl erfolgte einstimmig und wurde durch ein Ehrenfrübstück gefeiert, auf dem ihm namens der Bergarbeiter von Staffordshire eine kunstvoll ausgeführte Adresse und eine mit Gold gefüllte Börse überreicht wurde.' Einen sehr bedeutungsvollen Erfolg hat die Unabhängige Arbeiterpartei zu verzeichnen. Ihr Mitglied D. Cum m i n g s ist in direkter Wahl mit erheblicher Mehrheit zum Sekretär der Gewerkschaft der Kesselschmiede gewählt worden. Es ist das einer der cinfliißrcichsten Posten in der englischen Gewcrkschafts- lvclt, die genannte Organisation eine der stärksten Englands. Sie umfaßt ru»d90Proz. der gclcrntcnKcssclschmiede und verfügt über sehr reichliche Mittel. Das Einkommen des Sekretärs beträgt nach dem„Labour Lcader" 600 Pfd. Sterl.(10 000 M.) jährlich. Es ist anzunehmen, daß, wenn nicht sofort,- so doch im Laufe der Zeit der Einfluß Cummings zur Beilegung des alten Zwistes zwischen Kesselschmiede- und Maschinenbaucr-Verband führt, was für die ganze Arbeiterschaft der Maschinenindustrie in England, von größter Bedeutung wäre.— Italien. Rom, 17. November. Deputiertenlammer. Minister- Präsident P e I l o u x legt den Entwurf für die Umwandlung deS königliche» Dekrets betreffend die politische» Maßnahmen in ein Gesetz vor und beaisiragt Ueberweisung desselben an die einzelnen Bureaus.— Die Geheimversammlnng der Scharfmacher. Am Freitagvormittag tagten unter strengem Ausschluß der Oeffentlichkeit im Kaiscrhof der Centraiverband deutscher Industrieller, um für die Zuchthausvorlage zu demonstrieren; auch diese Harmlosen der Socinlpolitik lieben die chambres soparees und meiden das Licht der öffentlichen Kritik. Dafür haben sie den Schweinburg begnadet, daß er in seiner Korrespondenz die Verhandlungen in sechs langen Spalten mitteilt. Wir entnehmen diesem offiziösen und infolgedessen nicht sonderlich zuverlässigen Bericht, daß die Versammlung außerordentlich zahlreich besucht war. Sonst bieten die Verhandlungen wenig Ausbeute, sie standen von Anfang an bis zum Ende unter der von Basscrmann richtig erkannten Unternehmerheuchelei. die vom Schutz der Arbeitswilligen, von der Erhaltung der Koalitions- sreihcit sprachen, während man doch einzig und allein gesetzlich zu verhindern strebt, daß die Arbeiterschaft ihre Lebens- Verhältnisse aus eigener Kraft verbessere. Die Heiligkeit des Profils und der Mackitdünkel der Herren im Hause— das sind die Trieb- federn dieser Zuchthaustrciber. Die zuchthausfeierliche Begrüßungsansprache hielt der Kruppsche Finanzrat I e n ck e, der großen Wert daraus legte, zu betonen, daß im Centraiverband der größte Teil der deutschen Industrie ihre Ver- tretung finde. Dann referierte sehr gelehrt der Geheimrat König über die Geschichte des Koalitionsrechts, um dann die Notwendigkeit der Zuchthausvorlage zu beweisen. Dann sang der bezahlte Agitator de? Centralverbandes B u c ck daS schöne alte Lied von dem Koalitions zwang, den man ab- wehren müsse. Er sprach von der wüsten Verhetzung, die nach der Oeyenhauser Rede geübt worden sei, wobei„das Unglaubliche" geschah,. daß auch bürgerliche Parteien sich an die Seite der Socialdemokraten stellten. Besonders haßt der bezahlte Agitator die Männer, die den idealen Beruf haben, die Arbeiter aufzuklären und zu organisieren.„Eine Bestrafung der Hetzer, welche aus ihrer verabscheuungswürdigen Thätigkeit ein Geschäft machen, kann weder als unbillig noch als Beeinträchtigung des Koälitionsrechtes angesehen werden." Da auch Herr Bucck aus seiner verabscheuungswürdigen Thätigkeit ein Geschäft macht, so müßte auch er bestraft werden, wenn es nicht schon an sich Strafe genug wäre, um armseligen Lohnes willen gegen alle iitulturbestrebungen hetzen zu müssen. Nebenbei wärmte Bueck das Märchen auf von der Bestrafung des Streikpostenstehcns in England, verteidigte die schwarzen Listen und wetterte gegen Bassermann: „In der nationalliberalen Partei, der Vertreterin des Bürgertums und der Pflegerin des nationalen Gedankens, sind jetzt neuerdings Bestrebungen zu Tage getreten, die darin gipfeln, mit den socialdeinokratischen Führern als Volkstribunen zu rivalisieren. Besonders agitiert der Abgeordnete Bassermann gegen den Grund- gedanken des Schutzes der nationalen Arbeit. Wenn er außerdem noch die Arbeitgeber als Heuchler bezeichnet, die nur ihren eigenen Vorteil im Auge haben, so ist diese Insinuation weit znrückzuivcisen. Man darf de» Arbeitgebern auch mensch- lichcs Cmpfinde» für die Mißhandlungen der Arbeitswilligen zutrauen. Der Unverstand dieser Vertreter der bürgerlichen Parteien ist ober hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß sie das große politische Ziel, das a»ch unser Kaiser bei der Aufstellung seines Programms im Auge gehabt hat, nicht erkannt haben, oder nicht erkennen wollen. Dieses Ziel ist: Ltaat nnd Gesellschaft von der Ge- fahr des Umsturzes zu befreien. Um dieses Ziel zu verwirklichen, ist es notwendig, die noch auf nationalem Boden stehenden königstrenen Arbeiter dem Staat und der Gesellschaft zu erhalten und sie dem Joche der So- cialdemokratie dadurch zu entreißen, daß man den Arbeitswilligen den Schutz gewährt, der in einem Kultur- und Rechtsstaat niemandem fehlen sollte. In der Diskussion schlug ein süddentscher Industrieller, Krafft, eine Abänderung zur Resolution vor, die der Vorlage den Charakter eines Ausnahmegesetzes nehmen sollte. Welcher Art dieser Vorschlag war, teilt der Bericht nicht mit. Wohl aber erfahren wir, daß I e n ck e auf die Gefahr hinwies, welche durch die Annahnie des Antrages Krafft entstände, da sie so ausgelegt werden würde,. als sei der Ceutralvxrband für Ablehnung des von der Regierung einge- brachten Entwurfs. Ein Kommcrzicnrat Frey bat flehentlich, man möge den Ent- Wurf doch nicht immer mit dem»nzutrcffendcn Namen„Zuchthaus- Gesetz" bezeichnen. Sehr entschieden trat Jcncke gegen die National- liberalen auf. Man.habe von führender nationallibcraler Seite der Industrie den Fehdehandschuh hingeworfen, indem man die Groß- industriellen als Heuchler bezeichnete, ohne daß seitens der Parteileitung dem ein Widersprncki entgegengesetzt worden sei. Danach miisse die Industrie mit der Thatsache rechnen, daß sie von den Nationalliberalen nichts mehr z« erwarten habe. lind schließlich kam es denn auch heraus, daß man gar nicht die Arbeitswilligen schützeit wolle, sich nicht wegen der angeblichen Straf- losigkeit von Ausschreitungen grämt, sondern ein wirksames Aus- nahmegesetz gegen die Soeialdemokratie und alle Arbeiter- organiiatiouen überhaupt anstrebt. Herr Jencke führte aus: Die Großindustrie trete für den Gejctzcnttvurf ein, weil sie das Gemeinwohl im Auge habe, weil sie den Nationalivohlstand ge- sährdct sehe und es nicht stillschweigend geschehen lassen könne, daß bei unsere» Arbeitern die Begriffe sich schließlich biS zum Anarchismns verwirre». Nichts sei verkehrter, als von einer Mauserung der Socialdcmokratic zu sprechen-, diese bleibt, was sie ist, eine Feindin alles, dessen, tvas der deutschen Nation heilig sei; darum sei mit ihr nicht zu paktieren-, die geeignetste Maßnahme ihr gegenüber sei, jedes Nachgeben zn unterlassen, jedes Liebäugeln zu vermeiden. Für ganz außerordentlich gefährlich aber müsse es erachtet werden, tvcnn die Regierung etwa geneigt sein sollte, in Rücksicht auf bis in Rede stchcitde-gesctzgebcrischc Maßnahme über die Frage der Anerkennung der Berufsvereine zu paktieren. . Das wäre die-stärkste moralische Unterstützung der Socialdcmo- kratie. Er gelangte zu dem Schlüsse, daß es besser wäre, lieber auf das Gesetz zum Schutze der Arbeitswilligen zu ver- zichte», als dasselbe um den Preis der Anerkennung und der Berleihnng der Rechtsfähigkeit an die Bcrufsvereine zur Parka- mentarischen Verabschiedung zu bringen. Da ist es tvicder einmal recht tölpelhaft ausgesprochen: Schutz der Arbeitswilligen, Abwehr von Ausschreitungen— bah. davon redet man nur anstandshalber. Der Haß der Scharfmacher ist gegen jede Arbeiterorganisation gerichtet, mag es sich um social- demokratische oder christliche Vereinigungen handeln. Lieber kein Znchthausgesctz als die Rechtsfähigkeit von Bcrufsvcreinen zugestehen. Bassennann hat recht, die Herren sind Heuchler; er hätte aber hinzufügen können, daß sie sehr talentlos heucheln.— Die Resolution, an der sich die Scharfmacher ergötzten, hat folgenden Wortlaut: „Der Centralverband deutscher Industrieller erkennt an, daß die Bestiininungen zur Geiverbe-Ordnung für das Deutsche Reich und des Reichs- Strafgesetzbuchs einen wirksamen Schutz des ge- werblichen Arbeitsverhältnisses nicht gewährleisten. Die Bcstim- mungen bedürfen vielmehr einer Abänderung und Ergänzung in dem Sinne-, daß das zur Zeit bestehende Koalitions- recht der Arbeiter voll aufrecht erhalten, feine mißbräuchliche Ausnutzung desselben aber unter Strafe gestellt und nach Möglichkeit verhindert werde. Von diesem Gesichtspunkte aus- gehend sind ebensowohl Bestimmungen zu treffen, welche die freie Ausübung des Koalitionsrcchts der Arbeiter in ihrem Verhältnisse zu ihren Arbeitgebern sichern, als auch solche, welche die Arbeiter, die sich einer Koalition nicht anschließen oder von einer solchen zurücktreten»vollen, in der Bethätigung dieser Absicht gegen den Zivaiig und eine mit unerlaubten Mitteln versuchte Einwirkung ihrer Mitarbeiter erfolgreich schützen. Der Centralverband deutscher Industrieller erkennt an, daß die Absicht, nach der vorbezeichneten Richtung hin Abhilfe zu schaffen, dem dem Reichstage vorgelegten„Entwurf eines Ge- setzes zum Schutze des gc'.verblichen Arbeitsverhältnisses" zu Grunde liegt und daß,»venngleich mehrfache Bestimmungen dcS Entwurfes Bedenken erregen und zu lveitgehend erscheinen, der Entivurf doch eine geeignete Grundlage für den Versuch einer gesetzltchen Regelung giebt. Ob diese letztere in Form eines besonderen Gesetzes oder in Form einer Novelle zur Gewerbe-Ordnnng oder zu dem Straf- gsfetzbuch erfolge, darf als nebensächlich bezeichnet»verden. Der Centralverband deutscher Industrieller hält sich für ver- pflichtet, auf die schwere Gefahr hinzuweisen, welche dem gesamten Erwerbsleben der Nation aus einem Fortbestehen des dermaligen Ziistandcs droht. Unter der Herrschaft des letztere» gewinnt der seitens der soeialdemokratisch organisierte» Arbeiter auf andere Arbeiter,»velche den socialdeinokratischcn Organisationen nicht bei- treten wolle»«, geübte Einfluß an Stärke, und die unausbleibliche kleberzenglmg der arbeitsivilligen.demRoalitionszivange abgeneigte» Arbeiter, daß der Staat sie in ihrem guten Rechte, zu arbeiten, wann und wo und unter welchen Bedingungen es ihnen beliebt, zu schützen nicht gelvillt oder nicht im stände sei, kann nur die Zahl derjenigen verinehren,»velche den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnungsich zum Ziele gesetzt haben." Diese Resolution, in der man statt von in i ß b r a u ch l r ch e r Ansnutzung lieber richtiger schlechthin von Ansnutzulig derKoalitions- freiheit hätte sprechen sollen— für die Jencketruppe»st jeder Gebrauch der Koalitionsfreiheit Mißbrauch— wurde von der Geheimversamnilung einstimmig angenommen.— Gemeindewahle». In L u ck e n>v a I d e wurden die Genossen Schulze, VraunSdorf und Mittag mit 312 bis 316 Stimmen als! Stadtverordnete gewählt. Die Gegner erhielten 39 Stimmen. In E i b a ch tMittelfranken) beteiligten sich die Genossen zum erstenmal an der Gemeindewahl und brachten dabei einen ihrer Kandidaten durch. Am selben Tage war dann Kirchenverwaltungs- wähl,»vobei sich die Parteigenossen„aus finanziellen Gründen" gleichfalls beteiligten und„eine rein socialistische Vertretung" wählten. Da werden sie nun wohl der katholischen Kirche in Eibach die öffentlichen Bezüge sperren. Parteilitteratur. Gerade noch zur rechten Zeit, um der Zuchthausvorlage den Todesstoß geben zu helfen, erscheint im Per- läge der Buchhandlung Vorivärts eine Broschüre:„Der Central- verband der Scharfmacher und die Soeialpolitik Deutsch- lands" von M. Schippel. Die Scharfmacher selber planen ja noch einen großen Coup; da ist es sehr nützlich, daß ihre„unentivegte" Plusmacherpolitik, die nur in herrischer Unterdrückung und Knebelung der Arbeiterklaffe ihr Heil sieht, in nackter Schönheit zusammen- hängend dargestellt wird. Die zeitgemäße Schrift, die zum Preise von 2S Pf. verkauft wird, dürste dem Arbeiterpublikum sehr willkommen sein. Mit der Entlaffung eines Lagerhalters bei dem Konsum- berein Vor lvärts in Dresden, des Genossen Bräsel, be- schäftigt sich die bürgerliche Presse. Das kann ihr nicht Vertvehrt»verden. Die Entlassung ist in einer Art vor sich gegangen, daß sie von dem zur Prüfung angerufenen, aus Lagerhaltern und Vorständen sächsischer Konsumvereine zusammengesetzten Schiedsgericht einstimmig ent- schieden mißbilligt worden ist. Noch entschiedener sprach sich das Schiedsgericht darüber aus. daß die Dresdener Verwaltung das auf früheren gemeinschaftlichen Beschluß als dauernde Institution ge- schaffene Schiedsgericht vollständig ignorierte und sich vor ihm nicht vertreten ließ. Wenn der bürgerlichen Presse nicht daS Recht abgestritten werden kann, den Fall zu verzeichnen, so müssen wir uns aber ganz ent- schieden verivahren gegen die daraus gezogene allgemeine Schluß- folgerung. daß es„zum Wesen der socialdeinokratischen Agitation" gehöre. daß die weitgehendsten Forderungen erhoben»verde», »vährend die Socialdemokraten selbst als Arbeitgeber in nur allzu- vielen Fällen die bescheidensten Forderungen der Gerechtigkeit und Menschlichkeit außer acht lassen. Die einstimmige scharfe Mißbilligung des Vorkommnisses durch daS Schiedsgericht, dein die Vorsitzenden von vier großen sächsischen Konsumvereinen falle vier Parteigenossen) angehören, sollte doch die bürgerliche Presse belehren, daß das Verhalten der Dresdener Verivaltung eben nicht zirni Wesen der socialdcmokratischen Agitation gehört. Zum Ueberfluß hat die sächsische Partei- presse mit der schärfften Mißbilligung des Falles nicht zurückgehalten. Das beweist doch genügsam, daß das Verhalten der Dresdener KonsumvereinS-Verivaltung von allen be- teiligten Socialdemokraten als unsocialdemokratisch betrachtet»vird. Wo sind denn die Privatrmternehmer und wo ist denn die bürgerliche Presse, wenn ein Arbeiter von einem Privatkapitalisten brutalisiert»vird? In einer Parteiversammlung in Harburg erstattete der VcrtrauenSmcmn Bericht über die Parteithätigkeit im letzten Jahre. Die Einnahme belief sich auf 7957 M. Es wurden lOlXX) Flugblätter gegen die Znchthausvorlage, 10 000 Flugblätter zur März- feicr, 1500 Märzzcitungen und 2500 Maizeitungen verbreitet. D»e Partei beteiligte sich in diesem Jahre zum erstenmal an den Ge- mcindewahlen,»vobei sie zwar zunächst nur eine geringe Stimmen- zahl erreichte, aber die Bürgerschaft lebhaft aufnittelte. Auf dein Lande wurden 6000 Kalender verbreitet. Freuden einer soeialdemokratffchen Zeitung. Der Redac- teur der„Frankfurter Volksstimme", Genosse Zieloivski, ntußte a>n 13. d. Mts. auf vier Wochen die staatliche„Besserungsanstalt" für Redacteure beziehen, lvährend Genosse Quarck, gleichfalls Redacteur der„Volksstimmc", erst am Sonnabend nach mehrmonatlicher Haft entlassen wird. Bis zum Wied ereintritt Qr-rcks in seine Thätigkeit war der erbetene Aufschub incht bewilligt worden. Der Mnadeburaer Majestätsbeleidigungs-Prozeß. Magdeburg, 17. November. Der letzte Slkt in dem an fieberhafter Spannung und tragischen Katastrophen reichen Majcstätsbeleidignngs-Drama hebt an: Genosse August Müller. Rcdacteur der hiesigen„Volksstimine", steht heute im Wiederaufnahme-Ver fahren»vegen Be- Icidigung deS Kaisers und des Prinzen Eitel Fritz vor der zweiten Strafkammer, deren Vorsitzeirder der bekannte Landgerichtsdirektor F r o n> in e ist. Die Vorgeschichte des Falles ist im allgemeinen wohl be- kannt. Da sie aber anläßlich der letzten Verhandlung gegen den Genossen Albert Schmidt, so weit Müller in Betracht kam. nur gestreift»vnrde, so sehen wir uns veranlaßt, angesichts deS großen Interesses, das im In- und Ausland unserem Prozeß entgegengebracht»vird, das Folgende teils ins Gedächtins zurück- zurufen, teils ergänzend früheren Berichten hinzuzufügen. Müller zeichnete die„Magdeburger Volksstimme" vom 7. Februar bis 28. Juli 1898 als vcrantlvortlicher Redactcur. In der letzten von ihm gezeichneten Nummer am 28. Jtili erschien auf der letzte» Seite dcr'Bcilage unter der Ueberschrift„Wie die Alten sungen, so zivitschern auch die Jungen", ein„Märchei» aus Bagdad, in welchem die StaatSantvaltschaft' und später das Gericht den Thatbestand einer Kaiser- und Prinzenbelcidigung fand. Am 22. September 1898 »vurde die betreffende Nunnner beschlagnahmt, Anklage gegen Müller erhoben und zugleich ein Erinittluugsverfahrcn eingeleitet, um den Verfasser des Artikels festzustellen. Nachden» dieses erfolglos beendet »vordcit»var, tvurdc vor der II. Strafkammer des hiesigen Landgerichts die H a u p t v e r h a n d l u n g gegen Müller am 9. Jannar d. I. angesetzt. Müller machte in' dieser Sitzung zu seiner Ver- tcidigung geltend, daß er zu Unrecht für den Inhalt der Nr. 174 der „Volksstinnnc" vom 28. Juli 1898 verantlvortlich gemacht»verde. Erhöbe am 21. Juli einen Erholungsurlaub angetreten, lvelchen er in Wernigerode im Harz verbracht habe. Vor seiner Abreise habe er de» Verleger Harbauin ersucht, dafür Sorge zu tragen, daß sein Müllers) Name nicht mehr als der des verantwortlichen Redacteurs am Kopf des Blattes geführt»verde. Dem Ersuchen sei Harbanm aber erst am 28. Juli nachgekommen, so daß er, Müller, in den Tagen vom 21. bis 28. Juli gegen seinen Willen als verant- »vortlichcr Redactcur fungiert habe. Am 26. Juli sei er zwar zlvccks Wahrnehmung cuics Termins in Magdeburg antvesend gelvesen, auf der Redaktion der„VolkSstimme" habe er aber keine drei Minuten gelveilt und keine Kenntnis vom Inhalt der Nummer vom 28. Juli' genommen. Des besseren Verständnisses»vegen sei noch erörtert, daß die Magdeburger„Volksstimme" vordatiert und daß die Beilage jeder Nummer aus technischen Gründen schon am Tage vor ihrem Erscheine» redaktionell hergestellt»vird. Die Rümmer, die das Datum des 28. Juli trägt,»vurde also in ihrer Beilage— nur von dieser ist in dem Prozeß die Rede— schon am Mittag des 26. Juli zusammengestellt. Auf Grund deS 8 20 des Preßgesetzes verlangte der Angeklagte daher seine Freisprechung. Die Beant- wortuiig der Frage,»ver der wahre Thäter sei, lehnte er ab. Die Darstellung Müllers wurde durch drei Zeugen bestätigt: durch den Verleger Harbaum, den Geschäftsführer Fabian und den Kollegen Müllerö> Albert Schmidt. Der Gerichtshof schenkte aber den Aussagen dieser Zeugen keinen Glauben, oblvohl die Aussage Harbaums ihm als Verleger der„Volksstimme" unter Umständen sechs Monate Gefängnis einbringen konnte.— Die Zeugen blieben unvereidigt wegen Verdachts der Mitthäterschaft und Müller »vurde zu 4 Jahren 1 Monat Gefängnis ver- urteilt. Kurz vor Ablauf der sechsmonatigen Verjährungsfrist, die am 28. Januar abgelaufen wäre, richtete nun Albert Schmidt eine Eingabe an die Staatsanwaltschaft, in»velcher er sich selber als Thäter im Sinne des Preßgesetzes bezeichnete und die Siuleitung eines Strafverfahrens gegen sich beantragte, wozu der Reichstag seine Zustimmung gegeben hatte. Am 13. Mai wurde Müllers Revision vom Reichsgericht verworfen. Gegen Mitte September reichte Schmidt, da die Sache nicht vom Flecke kommen»vollte, eine zweite Selbstbezichtigungsschrift ein. Nunmehr— Müller verbüßte schon seit dem 4. Aligust an seinen vier Jahren—»vurde schnell der Termin angesetzt. Am 29. September wurde Albert Schmidt zu drei Jahren Gefängnis und zum Verlust der aus öffentlichen Wahlen hervorgegangenen Ehrenämter ver- urteilt. Die Verhandlung fand genau' lvie die am 9. Januar unter dem Ausschluß der Ocffentlichkcit statt. In den einige Wochen später ergangenen schriftlichen Urteils- gründen hieß es im Gegensatz zn denjenigen, die auf Grund der Verhandlungen vom 9. Januar an Müller verabfolgt»varen, daß jetzt Schmidt als Thäter bestraft»vorden sei. Es liege zwar der Verdacht vor, daß M ü l l e r a l s M i t t h ä t e r bei der Veröffentlichung des inkriminierten Artikels mitgeivirkt habe, ein B e»v e i S hierfür sei aber nicht erbracht»vorden. Damit»var eine Handhabe geboten, um die Wiederaufnahme des Vor- fahrens gegen Müller herbeizuführen. Nachdem das Urteil gegen Schmidt rechtskräftig gcivorden»var, beantragte die Staatsan'wält- schaft selbst mit anerkennenstverter Beschleunigung die Wieder- aufnähme und die Aussetzung der Strafvollstreckuiig. Nach derselben Richtung gingen die Anträge Müllers und seines Verteidigers Rechts- anlvalt Landsberg- Magdeburg, letztere unter Beibringung von neuen Thatsachen,»velche die Behauptung Müllers unterstützten, er sei gegen seinen Willen als veranttvortlicher Redactcur geführt worden und habe von dem Artikel erst nach dem Erscheinen der Zeitung Kenntnis erhalten. Der Erfolg der beiderseitigen An- träge»var, daß die Strafkammer die Wiederaufnahme und die Aus- setzung der Strafvollstreckung anordnete, worauf Müller am 25. Oktober aus der Strafanstalt Gommern entlassen wurde, lvo er seit dem 7. Noveinber 1898 gelveilt hatte. Von der vierjährigen Strafe hatte er zivci Monate drei Wochen verbüßt. Zu der erneuten heute stattfindenden Hauptverhandlung vor der zlveiten Strafkammer unter Frommes Vorsitz sind z»v a» z i g Zeug e n und als Preßsachverständiger der Chef- redacteur der Berliner„Volks-Zeitung" Karl Vollrath geladen. Die Verteidigung ruht in den Händen des Magdeburger Rechtsanlvalts Otto Landsberg. Die Frage, ob der Artikel enie Majestätsbelcidigung enthält oder nicht, scheidet bei der heutigen Verhandlung vollkoinmcn aus. Sie ist am 29. September für die Strafkaminer endgültig entschieden. Heute handelt es sich dartim, nachzmveiscn, daß Müller den betreffenden Artikel»vie alle anderen Leser erst aus der Zcitring kennen lernte, daß er ganz zu Unrecht und gegen seinen ausdrücklichen Willen als Veranttvortlicher geführt»vurde. Gelingt eS nicht. den Wahrheitsbeweis für diese Behauptung zu führen oder inißt die Strafkammer den Zeugen hierfür»nieder keinen Glauben bei, so ist es nicht ausgeschlossen, daß Müller aber», als verurteilt »vird, zum mindesten»vegen Fahrlässigkeit, deren Strafgrenze bis zu einem Jahre Gefängnis hinaufreicht. Die zivanzig Zeugen sind säintlich znr Stelle. Auf der An- klagebank sitzt Genosse Müller und spricht noch eifrig mit seinem vor ihm stehenden Verteidiger. Neben diesem hat Albert Schmidt Platz genoniinen. Er ist heute früh in Begleitnng eines uniforinierten Gefängnisbeamten von Gommern nach hier„transportiert" worden. Sein Wächter stand neben ihm, so»vill es die preußisch-deutsche Vorschrift, Schmidt sieht, soweit man in dem trüben Licht, das durch die vier Bogenfenster in den Saal dringt, erkennen kann, recht schlecht ans. Die Gefängnishaft nintmt ihn stark mit. Um 9'/4 Uhr betritt der Gerichtshof den Saal. Die Personalien des Angeklagten»verden aufgenonimen und sein umfangreiches Vorslrafenregister verlese»». Sie sind sämtlich in wenigen Monaten von derselben Strafkammer verhängt»vorden, vor der Müller heute steht. Danach»vendet sich der Vorsitzende Fromme an den Ver- treter der Staatsanwaltschaft mit der Frage, ob er bezüglich des Ausschlnsses der Oeffentlichkeit einen Antrag zu stellen hätte. Es geschieht. Rechtsantvalt Landsberg ersucht, die Oeffcnt- lichkeit nur für die Dauer der Verlesung des betreffenden Artikels auszuschließen. Durch alles Ucbrige sei eine Gefährdung der öffent- lichen Ordnung»vescntlich nicht zu befürchten. Im Plaidoyer werde er aitf die Majestätsbcleidigung selber nicht eingehen. Landgerichts- direkter Fromme verkündet, ohne daß die Mitglieder der Kammer sich von der Stelle belvegt hätten, daß die Oeffentlichkeit während der ganze» Daner der Verhandlung anSgeschlossen werde. Offenbar»var sich der Gerichtshof darüber schon vorher schlüssig geworden. Die Zuhörer müssen den Saal verlaffen: hinter dem letzten von ihnen»vird abgeschlossen. Nur die Vertreter der Presse dürfen der Sitzung beitvohncn. Ihnen»vird gestattet, Berichte zu geben mit dem Bemerken:„ES ist sonst hier üblich, daß den Berichterstattern nicht gestattet»vird, über nichtöffentliche Verhandlungen zu be- richten. In diesem Falle werde jedoch eine Ausnahme gemacht. ES ist den Herren erlaubt, über die Verhandlung zu be- richten," die Verantlvortung für ihren Bericht haben sie aber selbst zu tragen." DaS Verhör des Angeklagten. Nach Verlesung des Anklagebeschlusses und Darlegung deS Sach« Verhalts giebt Angekl. Müller auf Befragen des Vorsitzenden eine genaue Schildcning der eingangs ertvähnten. Umstände und bemerkt dann, er habe, als er am 28. Juli die Nummer 174 der„Volks- stimme"! in Wernigerode auf feiner Ferienreise erhielt und seinen Namen noch an der Spitze des Blattes sah, sofort dagegen Ein- spruch erhoben. Die folgende Nummer 175 voin 29. Juli sei auch von Pistoriiis gezeichnet gelvesen. Er habe verschiedenen Leuten gegenüber, wie dein Drucker Bethge und dem Dreher Voß gesagt: Schmidt habe ein sehr geschmackloses Ding aufgenommen, auf das ein bis zlvei Jahre Gefängnis kommen können.— Vorf.: Sie geben zu, daß in der Erzählung eine Majeftätsbcleidigung liegt?— Angekl.: Allerdings.— Vors.: Sie geben auch zu, daß jedermann in dem Artikel eine Majestätsbcleidigung hat er- kennen können, ja erkennen müssen?— Angekl.: Zum mindesten crkcnneit können.— Vors.: Sie werden doch aber zugebe»,, daß es sehr eigentümlich ist, daß bis zum 18. Juli Ihr Name als verant- »vortlicher Redacteur an der Spitze der„Volksstimine" stand, vom 29. Juli ab aber ein anderer zeichnete. Soll vielleicht ein Konffflott bestanden haben?— Angekl.: DaS kann ich nicht sagen, den Gedanken habe ich allerdings auch schon gehabt.— Vors.:' Bestand vielleicht die Absicht, die Sache so zu schieben, daß niemand auf Grund des Preß- gesetzcs verantlvortlich gemacht»verde», konnte, so daß der Artikel nngesnhnt bleiben mußte.— Angekl.: Das kann ich mir nicht denken.— Vors.: Sie sagten vorhin. Sie haben an, 3. Juli der Preßkommission schon erklärt, Sie»vollen nicht länger Redacteur der „Volksstimmc" sein, heute erklären Sie, daß Sie wieder Redacteur der„Volksstimine" sind.— Angekl.: Ich bin in die Redaktion »vieder eingetreten, da ich nicht mehr mit Schmidt zusaminenzu- arbeiten brauche.— Vors.: Weshalb haben Sie am 9. Januar nicht gesagt: Schinidt ist der Thäter.— Angekl.: Ich »vollte nicht den Angeber machen, da ich»„ich so», st in den Augen jedes anständigen Menschen verächtlich gemacht hätte.— Vors.: Weshalb hat Schmidt nicht in der Ver- Handlung am 9. Januar angegeben, daß er der Thäter sei?— Angekl.: Das weiß ich nicht'.— Vors.: Wenn Sie alle für einen und einer für alle eintrete»,, dann wäre es doch Pflicht des Schmidt gelvesen, zu sage»,, daß er der alleinige Thäter sei?— Auge k l.: Das hätte er allerdings thun müssen. Die Zengcnvernehinung. Es erscheinen alsdann als Zeugen: Arbeiter Rühe, Schuh- machermeister Meyer und Dreher Eisfeld. Alle drei Zeugen sind Mitglieder der Preßkommission. Sie bekunden übereinstinimcnd, der Angeklagte Müller habe am 6. Juli in der Prcßkoinmifsions- Sitzung erklärt, daß er nicht länger Redacteur der„Volksstimine", ganz besonders nicht mehr veraittlvortlicher Redacteur sein»volle. Aus diesem Anlaß fei auch Pistorius als verantwortlicher Redacteur auscrsehen»vorden. Jiiztvischen sei Pistorius verreist, deshalb blieb wohl der Name Müller„och als veraittlvortlicher Redactcur auf der Jleltmiji stehen. Als der iulriniilikerte Artikel erschienen war, haben ie sofort dormif gesagt: darauf werde etwas kommen. ES sei doch aber unznlässi�, dost' ein Unschuldiger wie Müller deshalb bestraft werde. Schmidt habe darauf bemerkt: Daun nehme ich die Sache auf mich. Duchdruckcrcibcsitzer B e th g e: Er habe den Angeklagten im Juli 18t)3 in Wernigerode getroffen. Dieser habe ihm seine Eut- rüftnug ausgedrückt.' daß er'noch als verantwortlicher Ncdacteur an der Spihe der Zeitimg stand. Er müsse f,u einem Termin nach Magdeburg fahren und werde alsdann sofort eine Aenderung bewirken.— A o r f.: Das Verhältnis zwischen Schmidt und Müller soll ein sehr gespanntes gewesen sein?— Zeuge: Allerdings, das Verhältnis zwischen den beiden Herren war ein solches, wie es wohl selten zwischen zwei Kollegen vorkommt.— Vors.: Hat Schmidt dem Müller vielleicht durch Ans nähme des inkriminierten Artikels einen Schabernack spielen wollen, oder glaubte er vielleicht, Müller werde seine Unschuld beweisen und somit der Artikel straflos bleiben?— Zeuge: Das kann ich nicht glauben. Ein weiterer Zeuge ist der Verleger der„Volksstimme", H a r banni: Dieser bestätigt die Angaben' des Angeklagten. Da abcrauch Pistorins verreist war. so Ivnsztc er nicht, weil er als verantwortlichen Rcdactcur angeben solle. Er habe deshalb init Schmidt gesprochen und diesem gesagt: eS sei doch uuthimlich, einen Abwesenden als verantivort- lichcn Ncdacteur zeichnen zu lassen. Schmidt habe darauf bemerkt: Es kann doch auf ein paar Tage nicht ankommen, es wird ja auch nichts passieren.— Vors.: Wie kam es dann, dag Schmidt sich in der Verhandlung mir 0. Januar nicht als Thätcr genannt hat?— Zeuge: Daran habe ich die Schuld. Schmidt sagte mir im Zeugen- zimmcr: Ich kann unmöglich einen Unschuldigen für mich biigen lassen, ich werde mich jetzt sofort als Thätcr angeben. Ich sagte darauf zu Schmidt: Thue daS nicht. Du hast acht Tage Zeit, Dir die Sache zu überlegen. Ich glaubte allerdings, Müller»verde frei- geiprochcn und nur ich wegen falscher Angabe eines Ncdactcurs bc »traft»vcrden. Diese Strafe»vollte ich mif mich nehmen. Es tritt alsdann eine kurze Pause ein. Aach Wiedercrvffiimig der Sitzung wird Oberinspektor Bösen« berg von» StrafgefängniS Gominern als Zeuge vcrnommei». Dieser bekundet uns Befragen des Vorsitzenden: Ter Angeklagte habe fast ein Jahr im StrafgefängniS Gvnnncrn gesessen»md sich ans- gezeichnet geführt. Derselbe habe sich meinalS einer Unwahrheit schuldig gcniacht. Er habe niit dein Angeklagten auch über dessen letzte Bcrnrteiiiing gesprochen. Müller habe seine Unschuld beteuert und ge- sagt: Mit seinem Wissen und Willen»väre der Artikel nicht in die „Volksstimme" gckomlnen.— Bert.:'Haben Sie nicht eiiiii»al zu dem Herrn Oberlandesgerichts-Präsideirteu gesagt: Sie halten Müller für unschuldig?— Z e u g e: Der Herr Obcrlaiidesgcrichts-Prnsidcnt sprach mit mir Über Müller. Ich bemerkte: Solvcit ich die Sache beurteilen kann, halte ich Müller für unschuldig. NcichStagS- Abgeordneter Metzger- Hamburg: Ich bin an» 2g. Juli i» Magdeburg gewesen und habe hier meinci» Reichstags- Nollegen Schmidt besucht. Schmidt gab mir den inkriminiertcn Artikel gewissen,»oben gutachtlich zu lesen. Ich fuhr alsdann nach Wernigerode und habe dort mit Müller über den Artikel gesprochen. Ich gewann den Eindruck, datz Müller bei» Artikel»och gar nicht gelesen hatte. Ten Schluß des Berichts bringen wir in der nächsten Niiminer. # Wie nnS eine Prilmtdcpeschc meldet, ist nnscr Partei- genösse Müller freigesprochen nnd sind die Kosten der Staats- kasse auferlegt. Der Staatsanwalt hatte selbst die Frei- sprcchnug beantragt._ Gvmevkstlzztftli�zcs. Berlin und Ilingegcnd. Töpfer! Die am Dienstag, den 14. November, vor den» EinignngSnmt des Berliner Gciverbcgcrichts ftattgcfundciic Sitzimg der beiderseitigen Lohiikomnüssioncn war»voht der Schlußakt>»» der diesjährige» Lohnbeivegiiiig der Berliner Töpfer. Der beiderseits ausgearbeitete Lohntarif»vurdc protokollarisch festgelegt: die Ver- trctcr der Gesellen machten darauf anfmcrksam, daß einzelne Meister schon versuchten, Bcstinnnungen des Tarifs kmitschiikartig auszulegen, besonders bei den Kochherden auf Füßen. So»vird ver- langt, daß die einzelnen Kachelichichten bedeutend unter Maß ge- hauen»verde»» sollen, damit die Höhe des Grades gleich ist. als ob die oberste Schicht abgedornt»vird, mn hierdurch den Zuschlag zu un»- gehe». Die Vertreter der Meister erklärten dieses für nicht zulässig. und daß die Gesellen recht haben, Ivenn sie dieses für eine Mehr- arbeit ansehen, für»vclche der Zuschlag eigentlich noch zu niedrig ist. Andere Irrtümer wurden auf Druckfehler»in Tarif zurückgeführt und zu Protokoll gegeben, daß dicS in, Nachtrag zum Tarif richtiggestellt werde. Auf Anfrage der Geselle» erklärte» sich die Meister bereit, mit den Gesellen genicinschaftlich eiiici» Arbeitsnachiveis zu errichten, jedoch' konnten sie, da sie mit ihren Kollegen hierüber noch keine Rücksprache genommen hatten, keine bindende Erkläniiig abgeben. Doch sollen auch hierin baldigst die notivendigeii Vorarbeiten getroffen werden, da auch sie der Meinung sii»d, daß ein einheitlicher Arbeitsnachiveis das beste Mittel ist, um den Frieden zlvischcn Meistern und Gesellen aufrecht zu erhalten. Ans vorstehendem»vie ans dem ganzen Verlaiif unserer Lohn- bcwegmig können die Kollegen ersehen, daß nur unser geschlossenes Vorgehen»nS diesen Erfolg brachte, und sollen die Errnngenschasten dauernde sein, wir aiich ferner fest zilsamnienstche» müssen, dazu gehör t vor allen Dingen, daß sich jeder Kollege organisiert. Die BeitragSleistiing beträgt für den Verband pro Woche 30 Pf. und für den örtlichen Fonds bis ans»veitcreS 50 Pf. Auch sind die Kollegen vcrpflichlet. das Umschauen zu unterlassen»nd sich der Kontrolle des Vcrtrauensnianiics zu»uiterlverfeii: Arbeit ist genügend vorhanden und kommt jeder Kollege sofort in ein geregeltes Arbeitsverhältnis, während er beim Arbeitsuchen erst tagelang sich versämnt und in nicht geregelte Arbeitsverhältnisse eintritt. Die ArbeitSvermitteliiiig geschieht nach wie vor im Restaurant P r e u ß, Friedrichstraße 20, Telephonaint 5 Nr. 1735. Daselbst sind auch alle Beschwerden über Uiircgelmnßigkeiten auf der Arbeitsstelle zu melden. Der Vertrauensmann: H. David. M»siri»strllnie»»tcn- Arbeiter! Nochiuals»vird darauf hin- gclvicscii, daß in diesem Monat die Strcikschuldei»- Marken zur Ab- steiiipellliig kouiniei». Karten nebst Marken sind in den Lokalen von G rund in a n ii, Nannynstr. 78, und Martin, Naunhstr. 86, jeden Soimabciidabeud z»» haben. Die Kommission. Posanlcnticre! Sämtlickie in Umlauf stehende Sammellisten sind vis spätesten» am 25. November im Arbeitsnachweis abzuliefern. Der Vertrauensmann. Deutsches Reich. Der Kamps der Wüster Lederarbeiter, der nunmehr 24 Wochen dauert, ist jetzt auf einein P»l>ikt angelangt, den beide Parteien nicht überschreiten könne»», es ist,»venu»nan den Ausdruck brauchen»vill, Waffenstillstand eingetreten. Während cS dem Untcr- nehmcrtum nicht»ivglich ist. geeignete Kräfte zur vollen Entfaltung des Betriebes ans die Beine zu bringen, ist es auih nicht gcivillt, der Arbeiterschaft Koiizessioiiei» zu niachei». Gleich einem Feldherr», der cincii Sieg erringen muß, sei er aiich nvch so teuer erkaust, »vollen die Fabrikanten auch einen Sieg, Ivenn auch einen Pyrrhussieg. Nun gut. einen moralischen Sieg hat die Arbeiterschaft bereits davon getragen, die Organisation der Lederarbeiter hat hier ihre Feuerprobe bcsta»iden und das glänzend. Nimmermehr wird man den Gedanken der Organisation auslöschen können, inrnrer und »nieder»verde» die Herren mit der Organisation rechnen müssen. Tie nächste Zeit nniß die Entscheidung bringen. In de» Biichbrnckercic» von Alfeld lProv. Hannover) ist es zu einem Streik der Setzer nnd Buchdrucker gckonimci». Die dortigen Prinzipale habe» sich verpflichtet, keine der Gchilfeiifordenmgen zu deivilligen. in Die Stanzer und Planicrer bei Wortmann und Elbers Düsseldorf haben die Arbeit niedergelegt. Die Finna hat die Ver- einbarung, wonach den Planierern der bisher erzielte Lohn garaiitiert »vürde, nicht gehalten. In den letzten 14 Tagen»virrde zum ersten »nale nach dem neuen Tarif gearbeitet, die Leute erhielten aber nur das ausbezahlt,»vas sie auf Grund dieses Tarifs verdient hatten Meister Weh hatte sich nämlich selber der„Mühe" unten zogen, an einer neuen Bank und mit neuem Blech zu arbeiten, um zu zeigen,„>vie man auch so Geld ver dienen könne". Das muß aber eine solche Schufterei gewesen sein, daß die Arbeiter erklärten, s o nicht das ganze Jahr hindurch arbeiten zu kvimen, Iveil sie dann einfach ans den Kirchhof känien. Die Finna aber kehrte sich nicht daran und so kam es zur Arbeits niederleguiig. Den Streikposten sieht die Polizei scharf auf die Finger.' Jeder, der sich etwas lauge in der Nähe der Fabrik au Hält,»vird fortgejagt. Dabei soll der Polizei das Malheur passiert sei»», sogar einen— Arbeitswilligen fortgejagt zu haben. Tableau Auölaud. Ter Streik am Simploutuuucl dauert noch fort, jedoch soll. »vie hiesige bürgerliche Blätter melden, die Wiedcraiifnahine der Arbeit zu Montag in Aussicht stehen. Ter Krieg. Die Nachricht vom Tode General JoubertS dürfte unrichtig zelvcsen sein, denn sonst niiißte nun längst ihre offizielle Be tqtigling in London erfolgt sein, was nicht der Fall ist. Um Ladysmith tobt der Kampf fort. Dem„Rcuterschen Bureau" wird ans Estconrt vom 16. November gemeldet: Ein cingeborner Missionar, dessen Mitteillingen als glaubwürdig angesehen werden, i st hier von L a d y s in i t h eingetroffen und teilt folgendes »ut: Am 10. Noveniber verließ eine Abteilung Freiivilliger aus den Koloincn am frühen Margen Ladysmilh und zog de» Feind van seinen Stellimgen in die Ebene herab, als General White mit den regulären Truppen die Boercn durch einen Angriff in die Flanke überrumpelte und ihm eine schwere Niederlage und große Verlu st e(?) beibrachte. Mehr als 200 Kaffern ivurden von dein Feinde dazu benutzt, seine Tote» zu begraben, und zivci Eisenbahnziige, von denen jeder zivei Lokomotiven hatte, brachten die Verivuiideten vom Schlackitfclde himveg. Dem„Renterschen Bnrcau"»vird ans Lourenpo Marques vom 16. November gemeldet: Nach Nachrichten, die hier eingetroffen sind,»vnrde Ladhsin'ith am 14. November de» ganze» Tag stark beschossen und eröffneten um Mitternacht»vieder alle Kanoneir der Boercn das Feuer. Von allen Punkten des Umkreises wurden ans die Stadt Geschosse gerichtet. Mehrere Gebäude stehen in F l a in m c n. Auch vom Donnerstag wird den„Times" aus Estcourt ge- meldet, daß dort früh»im 2 Uhr aus der Aich tun g von L a d y s n» i t h ein mehrere Minuten dauerndes heftiges Gcivchr- fcuer sowie der Knall einer Explosion gehört»vorden sei. Estcourt erscheint gleichfalls durch die Boeren schwer gefährdet.„Daily Tclcgr." berichtet, daß Estconrl vollständig von den Bocrc» um- zingclt ist. Die Boercn legen größte Thäligkeit an den Tag, so daß man vcrnintet, daß sie die Stadt angreifen»verde». Ans P i e t e r m a r i tz b u r g»vird den„TimeS" tclegraphisch gemeldet; Die britischen Truppen in Estconrt»verde» sich n> e g e»i Mangels an Geschützen»nöglichcrlvcise nach den» Mooi- Fluß'zurückziehe» müssci», wenn die Boercn in großen Massen vorlvärtS gehen. Estcourt, 17. November.(Telegramm des„Neuterschen Bureaus.) Zivcitaiisend Boeren haben mit 8 Geschützen in EimerS- dalc, 5 Meilen nordwestlich von Estconrt, Stellung genommen. Trnppcilnachschnb. London, 16. November. Das Transportschiff„Mohawk" mit den» 12. Lancier-Ncgiment ist in Kapstadt und das Transportschiff Arinenian" mit Artillerie in Durban angckonuncn. Letzte Mittctlungc». Loudon, 17. November. Den„Times" wird aus Lonrenyo Marques von vorgestern gemeldet, eine behördlich bcichlngnahintc Nummer der„DiggerS News" habe die Nachricht enthalten. daß sechstausend Boeren durch Zulnland marschieren. Am 18. d. Mts. habe„Diggers NcivS" berichtet, nach Aussage eines von Ladysmith gekommenen Deserteurs herrsche unter den Truppen das Bestreben, zu entkommeu. Nahrungsmittel und Vorräte seien auf Wage», zur Flucht bereits verladen. Die Engländer seien hinter 10 Fuß hohen Henballen verschanzt. Den„Times"»vird ferner gemeldet, die Gesamtzahl der in Pretoria befindlichen brilischc»'» Gefangenen betrage 1338, einschließlich der Gesangenci» vom 18. Husaren-Rcgiment, dem Dublin- und dem Gloucestershire- Regiment. Lonrcnro Marquez, 16. Noveinber.(Telegrainm des Renterschen BurcanS.) Ein Korrespondent schreibt aus dem Hauptlager der Boeren bei Ladysmith folgeuden Bericht, welcher in Pretoria der Censur uiiterivorfci» ivurde. Bei dem am Dienstag stattgehabten Gefecht zivischen den Oranje- Boercn und den Eng- ländern hatten die Boercn eine Stellung ans einem kleinen Hügel inne. als eine englische Batterie' auffuhr und sie angriff. indem sie den Hügel etwa eine Stmide mit Granaten bc- schoß. Als nnnmehr das große Geschütz ans Pretoria das Feuer aufiiahm und gerade in die Mitte der feuernden englischen Batterie hineinschob, suchten sich die Engländer zu decken. Zivci Boeren wurden getötet, sechs verwundet,' anßerdein zlvölf Pkerdc getötet nnd acht verivundet. Einige Granaten explodierten unter den Engländern,»vährend sie sich auf Ladysmith zlirückzogcn. Ihre Verluste sind indessen nicht bekannt. Um Mitternacht eröffneten alle Geschütze der Transvaalboeren. welche rnnd um die Stadt postiert sind, gleichzeitig daS Feuer. Man sah vom Bullvann-Bcrge aus mehrere Gebäude der Stadt in Flam,nen stehen. Im Laufe des folgenden Tages verließen die englischen Trnppen die bombardierte Stadt und besetzten einen Hügelrücken, um den Granaten zu entgehe». Pretoria, 15. November.(Depesche des„Rcuterschen Bureaus".) Bei einem gestern früh südlich von Ladysmith stattgehabten Kampfe rückten die Engländer mit 13 Geschützen auS und griffen eine Avteilung von 380 Boercn an. � Das große Geschütz der Boeren feuerte auf die Engländer und diese zogen sich»in 3 Uhr nachmittags auf einen Hügel in der Nähe von Ladysinith zurück. Die Verluste der Engländer sind unbekannt, auf selten der Boeren wurde einer getödtet und drei verwundet. Turban, 17. November.(Meldmig des„Renterschen Bureaus".) Drei Leute,»velche Beute aus englischen Läden und Gegenstände, »velche britischen Soldaten gehörten, fortschleppten,»vurdc» im Wuncn-Distrikt von englischen Patrouillen festgenommen. Man glaubt, daß es sich um Spione handelt. Alle hierher gelangte» Berichte stimmen darin überein, daß die Boeren es abgelehnt haben, die Fortschaffung der bei dem gestrigen Zusammenstoß mit dem Panzerzuge nördlich von Estcourt gefallenen und verivuiideten Eng- länder zu gestatten.— Die„Times os Natal" veröffentlicht eine Depesche ihres Korrespondenten in Nondwene, welcher sich bitter darüber beklagt, daß die britischen Beivohner des Zululandes ihrem Schicksal überlassen seien. Die Läden in der Nachbarschaft wurden geplündert und die Einwohner von den Boeren gefangen ge- nommen. Das Benehme» der Eingeborenen werde unverschäint, da sich die Engländer nicht helfen könnten. Man- befürchte, daß die Feindseligkeit der Eingeborenen gegen die Engländer noch schärfer hervortreten werde._ Vvtzte und Vepefthen. OestrcichischeS Parlament. Wien, 17. November.(W. T. B.) Der Minister des Innern, v. Körber, beantwortet die Interpellation des Abg. Lneger betreffend den Pestfall in Trieft und erklärt, die bakteriologische Unter- suchuiig der mikroslopischcn Präparate nach'der Obduktion dcZ verstorbenen Bootsmannes des türkischen Dampfers„PoliS Mytilene", Barbarissa. habe den Verdacht der Pest bestätigt. Alle Vorsichtsmaßregeln seien getroffen»vorden. Nachdem nunmehr mehr als die zehntägige Inkubationszeit ohne jeden»icnen verdächtigen Fall verstrichen, dürfe jeder»veitere Anlaß zur Bcunruhiguiig als beseitigt erachtet»verde»». Zum nächsten Punkt der Tciges- ordmmg, Miiitstcranklage, führt Abg. Dr. Hofmann von Wellen Hofs aus, die Regierung des Grasen Thun wäre lediglich ein Versuch gewesen, das Parlament überflüssig zu machen und eine Häufung von Unrecht ans Unrecht, um das erste Unrecht nicht eingestehen zu müssen. Redner sagt, die Thätigkcit Thuns und Kaizls bilde eins der dunkelsten Kapitel der östreichischcn Geschichte. Mit dem ß 14 sei Mißbrauch getrieben»vorden, da Verordnungen erlassen Ivurden, welche eine danenide Belastung des Staats- schatzes bildeten. Das Haus möge daher ohne Unterschied der Partei für den Aiiklage-Antrng stimmen, denn das ganze Haus sei an der Sache interessiert.(Beifall links.) Abg. Dr. Funke hebt herbor, das Ministcrverantwortlichkeits-Gesetz bilde den Grund- stein desKonstitntionalismiis unddesParlamentarismus. Thun habe die Verfassung durch Mißbrauch des§ 14 entivürdigt. Die Partei des Redners habe die Anklage namens des deutschen Volkes auf Grund des Rechtsbeivußtseins aller Deutschen des In- und Auslandes er- hoben.(Lebhafter Beifall links.) Die Verhandlung»vird darauf abgebrochen. Slbg. v. Forcher richtet an den Präsidenten die Anfrage, warum das Budgetprovisoriiim noch nicht auf die Tagesordnung gestellt worden sei und beschivert sich über die Aufnahme einer czctbischen Petition in czechischcr Sprache in das Protokoll.(Die Anfrage ruft großen Lärm seitens der Ezechen hervor.) Der Präsident antivo'rtet, er hoffe, daß er das Budgetprovisoriiim vielleicht auf die Tagesordnniig der nächsten Sitzung»verde stellen können. Er hakte es ferner für einen Akt der Gerechtigkeit, den der deutschen Sprache nicht mächtigen Petenten die Möglichkeit zu bieten, in ihrer Muttersprache eine Petition einzubringen.(Lebhafter Beifall rechts, Widerspruch und Lärm links.) Nachdem das Haus den Antrag des Sociakdemokraten Kozakiewicz, den LegitimatioiisailSschliß für öffentlich zu erklären, unter dein Lärm der Lilikcn abgelehnt hat, wird die Sitzung geschlossen.— Nächste Sitzung Dienstag, den 21. d. M. Wie», 17. November.(W. T. B.) In der heute abend ab-. gehaltenen Sitzung des Ausschusses für die Abänderung des ß 14 prachen sich sämtliche Redner gegen die gegenwärtige Fassung des Paragraphen aus._ Komplottprozcst in Paris. Pari?, 17. Noveinber. Präsident F a l l i e r e s verliest den Beschluß, durch den die Antröge GuerinS auf Vorlegung der Bciveisstücke abgelehnt»verde». Sodann»vird der Präsident des Vereins„Noyalistische Jugend" G o d o f r o y verhört. Dieser sagt ans, der Verein habe keine ungesetzliche Handlung be- gangen. Godcfroy gicbt zu. daß er an den Kundgebungen vom 25. Oktober v. I. teilgenommen hat, doch sei dies nur geschehen, um gegen die Rufe„Nieder mit der Armee!" zu protestieren.— Paris, 17. November.(W. T. B.) Godefroy erklärt»vciter, es habe kein Bündnis bestanden zivischen dem Berein„Noyalistische tigend", der Antisemiten-Liga und der Patriotcn-Liga. Gleich- wohl habe er seine Freunde ermutigt, in die Patrioteu-Liga einzn- treten, denn die Liguci» hätten einen gemeinsamen Berührnngs- Punkt gehabt, de» Patriotismus und die Liebe zur Armee. Hierauf »vird Sabran-Pontcvös vernommen. Derselbe sagt ans. er habe tcts in loyaler Weise Propaganda für die Wahl von Noyatisten ge- macht: bei den verschiedenen Klindgebnngen, bei denen er zugegen »vor. habe er nur Hochrufe auf die Armee ausgebracht, er habe nie- rnals jemand der Partei, der er angehörte, zu entjreniden gesucht »md habe niemals Bezichimge», zu den Mitgliedern der Patrioten- liga nnterhalteii._ Unruhen in Kleinasien. Kollstantmopcl, 17. November.(Meldmig deS Wiener Tele- araphcii-Korrcspondciizlmrcaus.) In der vergangenen Woche über- 'chritt eine etiva'120 Manu starke Bande russischer Armenier die russische Grenze durch den Koessa-Tagh-Paß und besetzte das armci'.ische Kloster in Dutak, Kreis Aintan, Sandschak Bajazid. Vilajct, Bitlis. Später kam es zu einem Zusammenstoß niit dcic türkischen Truppe», bei»velchcm auf beiden Seiten ungefähr 12 Personen getötet oder vertvimdet ivurden. Zivei Armenier ivurden gefangen genommen, die übrigen eingeschlossen: nach anderweitigen Mitteilungen sind dieselben bereits aufgerieben. Die dorlige armenische Bevölkerung verhielt sich ruhig. Nach den neuesten Meldnngen leiten auch die Kurden auf die Nachricht, daß der Sohn eines kurdischen Paschas im Kampfe gefallen sei, und eine armenische Bande unter dem be- iichtigtci» Revolntionär und angeblichen Königsprätendenten Serop liehe.'die Verfolgung ein. indem sie gleichzeitig Ausschreitungen gegen die armenische Bevölkerung begingen, vci denen 20 Personen ge- tütet wurde». Türkische Trnppen vcrhniderten»veitere Aus- chreitlinacn. Zur Zeit ist die Bande teils zerstreut, teils ist sie über die russische Grenze geflüchtet._ Kiel, 17. November.(W. T. B.) Heute fand die Vereidigung der Marinc-Rekruteu in Gegcnivart des Kaisers statt. Nach er- wlgter Vereidigung hielt der' Kaiser eine kurze Ansprache, in welcher er daran erinnerte, wie Deutscklaild vor nunmehr 10 Jahren auf S a m o a viele brave Seeleute und vortreffliche Offiziere ver- loren habe, daß dies Land aber jetzt miser ist und es bleiben»vird, so lauge es noch ein Deutsches Reich giebt, wie der deutsche Adler sich allmählich ausbreitet und die Flotte dazu bestimmt sei, unsere Brüder im Anslaudc zu schützen. Hierauf dankte Aduiiral Köster dein Kaiser für die„hoch- »vichtigen Wolle". Köln a. Rh., 17. November.(B. H.) Die„Köln. Ztg." schreibt zu dem gestrigen Zivischenfalle in der Vcrliuer Stadtverordneten- Versa»» nilung: Der Oberhofmeistcr der Kaiserin, dem ein Recht der Rüge gegenüber der Stadtverordneteii-Versaumilnng nicht zusteht, hätte den ihm erteilten Befehl der Kaiserin dem verantwortlichen Minister des Innern übermitteln müssen, um zu veranlassen, das nachzuholen, was Rechtens ist, falls die Regicmiig ihre Schuldigkeit in diese»» Falle nicht gcthan haben sollte.— Die„Köln. Volkszeitung" glaubt, der Ziviichenfnll»verde auf die Beziehungen zivischeu der Stadtvertrctnug und dem Hofe, welche namcnltich durch die lange Verzögerung der Bestätigung Kirschncrs empfindlich gelitten, noch»veitcr nugiiiislig eimvirken. Wien, 17. November.(W. T. B.) Wie die„Wiener Abend- Post" meldet, ist auch in den letzten 24 Stunden keinerlei Pest- verdächtige Erkrankung in Trieft vorgekommen. Nnnmehr ist Trieft schon seit 13 Tagen von solcher Erkrankung vollkommen frei. PariS, 17. November.(W. T. B.) Nach einer Meldung des „TempS" hätten sich Admiral Courrejollcs und der Vertreter Chinas, Marschall Su, betreffend eine Abgrcnznngslinie in Kivang- tschanwa» verständigt. Wie dasselbe Blatt aus Saigon meldet, ivurden infolge Umsichgreifens der Seeräuberei in der Umgebung von Kivaugtschnul'van 4 Kompagnien Marine-Jnfaiitcrie zur Verstärumg der Truppen Courrejollcs' entsandt. Ron», 17. Noveniber.(B. H.) Wie verlautet, habe ViSconti Venosta feine Deinission gegeben mit der Begründung,»veil zwischen der Regierung und der Rechten Differenzen beständen. Port Said, 17. November.(W. T. 93.) Heute wurde hier das Denkmal Ferdinand von Lesscpö in feierlicher Weise enthüllt. Alle iiitcrnntioiialen Behörden und mehr als 5000 Personen wohnten der Feier bei. Der Khedive. der Deputierte Prinz Arcnberg, das Mitglied der Akademie Graf Melchior de Bogüs und Charles Lesscps hielten Reden. Verantwortlicher Rcdactcur- Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu S Beilagen' st. 27i. i6. IOWS. i. KilU des„Kmillts" Kttlilttl NcksdIM ZoilNdk»), l8.Um«btt l8N9. Reichsksg. 103. S i tz u n vom 17. Am Tische des BimdeörotZ: Die zweite Beratimg der November 18SS, 1 U h r. v. Podbielski. Novelle zum Postgesetz tviro tortgesetzt bei Artikel 4. Art. 4 setzt folgende Entschädigungen fest für die vor dem 1. April 18S8 eingerichteten und seitdem bis zur Verkündigung dcS Gesetzes nnnnterbrochen betriebenen Privat- BricfbcfördcrnngS- Anstalteil und ihre Bediensteten, die infolge dieses Gesetzes Schaden erleiden. A. Der den Anstalten zu ersetzende Schaden»mfaht auch den entgangenen Gelvinn. Die Feststellung des entgangenen Gewinnes richtet sich nach§ 252 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Jedoch darf die Entschädigung für den entgangenen Gelvinn in keinem Falle das Ächtfache des jährlichen Reingclvinns übersteige», den die Anstalt im Durchschnitt der vor dem 1. April 1898 liegenden drei letzten Ge- schäftSjahre erzielt hat. Das erste Geschäftsjahr nach Errichtung der Anstalt wird hierbei nicht in Betracht gezogen. Hat die Anstalt bis zum 1. April 1898 noch nicht vier Jahre bestanden, so wird der durchschnittliche Jahresbetrag des Reingewinns in der Weise gebildet, daß der im Durchschnitt fiir den Monat nach Ablauf des ersten Geschäftsjahres erzielte Reingewinn mit zwölf vcrvicl- fältigt wird. Als Reingewinn gilt die Rohcinnahme aus der Bc- sörderuiig der ihrem Betriebe auf Grund dieses Gesetzes entzogenen Gegenstände nach Abzug des dem Verhältnis dieser Einnahme zur Roheinnahme aus dem gesamten Beförderungsgeschäft entsprechenden Teiles der Geschäftskosten. Zu diesen werden auch gerechnet die Abnutzung der der Anstalt gehörenden Gebäude und Betriebsmittel, soweit sie dem Befördcrungsgeschäfte dienen, und vierprozentigc Zinsen des Anlage- und Betriebskapitals. B. Die Bediensteten, die infolge des Eingehens oder der Be- schränkung des Betriebes der Anstalten aus der Beschäftigung aus- trete» oder entlassen werden und mindestens drei Monate lang, vom Tage der Verkündigung des Gesetzes rückwärts gerechnet, im Dienste der Anstalt gestanden sowie ihren Erwerb ansschließlich oder über- wiegend aus dieser Beschäftigung gezogen und vor dem Tage der Verkündigung des Gesetzes das 18. Lebensjahr vollendet habe», er halten, wenn die Beschäftigung gedauert hat 3 bis einschl. 8 Monate V« mehr als 6 Mon. bis 1 Jahr 2/i3 „, 1 Jahr sRcgiemngsvorlage: bis 2 Jahre) 1» l1/2»•-ä„ �12 »• 2 i. o 3,«Aa sRcgierungsvorlage: V12) 3„„ 4„ 9/l2(„ 6/l3) usw. für jedes weitere Beschäftigungsjahr mehr 3.'i3 des innerhalb der letzten 12 Monate bezogenen Gehalts oder Arbeitsverdienstes als einmalige Entschädigung. sJn der Vorlage war die höchste Eut schädigung>-/l2 fiir mehr als 6 BcschäftignngSjahrc.) Gehälter oder Arbeitsverdienste, welche mehr als 5000 M. pro Jahr betragen haben, dürfen nur uiit 5000 M. pro Jahr der Fest jtellung der Entschädigung angerechnet werden. Besteht das Gehalt oder der Arbeitsverdienst ganz oder zum Teil aus Anteilen an der Geschäftseinnahme oder am GcschäftSgcwinn, so werden diese Anteile mit dem Durchschnitt der vor der Ver« kündigung dieses Gesetzes liegenden zwei fVorlage: drei) Bc- schäftigungsjahre angesetzt. Hat die Beschäftigung lvenigcr als 12 Monate gedauert, so wird der Berechnung der Entschädigung der Betrag zu Grunde gelegt, der noch dem durchschnittlich für den Tag bezogenen Gehalt oder Ar- beitsvcrdienst sich, im Laufe cincs Jahres ergeben hätte. Von der Entschädigung sind die Bediensteten ausgeschlossen, die von der Postverlvaltnng in eine ihrem bisherigen Beschäftigungs- Verhältnis entsprechende Dienststelle übernommen werden. Bei der Uebernahme in den Rcichs-Postdicnst ist den Bcdiciistetcii die im Dienste der Privat- Postanstalten verbrachte Dienstzeit so anzurechnen, alS wenn sie im Dienste der Rcichs-Postvcrivaltung thätig gewesen wären. Anspruch auf obige Entschädigung habcir auch diejenigen Angestellten, die nach der Einstellung in den Post- dienst innerhalb drei Monate, ohne sich cincs Vergehens oder Ver- brechens schuldig gemacht zu haben, als ungeeignet entlassen iverdcn müssen. sDie beiden letzten Absätze sind von der Kommission neu hinzugefügt worden.) Auf Antrag R i ck e r t sfrs. Lg.) wird gleichzeitig mit Artikel Artikel 5 beraten, der das Verfahren bei der Erhebung cincS Anspruchs auf Entschädigung behandelt. Artikel 8 kautet: Der Anspruch auf Entschädigung ist innerhalb einer AuSschlußfrist von 6 Monaten bei einer Postbehörde schriftlich anzumelden. Die Frist beginnt mit dem Inkrafttreten dieses Gesetzes, für die im letzten Satze des Artikels 4 erwähnten Angestellten mit dem Tage der Entlassung aus den, Postdienste. Die Feststellung der Entschädigung erfolgt für das Rcichspostgebiet durch das Reichs Postamt, für Bayern und Württemberg durch die obere Post Verwaltungsbehörde dieser Staate». Die Postverwaltungen und deren Beauftragte sind befugt, unter Hinzuziehung eines vereideten Protokollführers Zeugen und Sach- verständige eidlich zu vernehmen oder die Gerichte um deren Ver nehmung zu ersucken. Gegen den Bescheid der Postbehörde, durch den der Entschädignngs onspruch abgelehnt oder die Entschädigung festgestellt wird, findet die Berufung auf schiedsrichterliche Entscheidung'statt. , Die Berufung ist bei Vermeidung des Ausschlusses binnen vier Wochen nach der Zustellung des Bescheides bei dem Schiedsgericht zu erheben. Das Schiedsgericht wird aus drei Mitgliedern des Reichsgerichts gebildet. Die Ernennung derselben und der Stellvertreter erfolgt für die Dauer ihres Hauptamtes durch den Reichskanzler. Die Entschädigungssummen sind für das Reichs-Postgcbiet aus den Mitteln der Rcichs-Postverwaltung, für Bayern und Württcm bcrg auS den Landcsmitteln zu bestreiten. Dazu liegen folgende Anträge vor: Zu Art. 4: 1. Antrag Haußmann-Balingennir unverständlich. Meine politischen Freunde werde,» sich jedenfalls gegen jede Erhöhung dieser Entschädigungen wenden. allcrhöchstcnS würden wir uns dazu verstehen, unter der Voraussetzung, daß alle anderen Anträge abgelehnt werden, dafür zu stimmen, daß auch die Zeit bis zum 1. April 1899 bei der Fest- stcllung der Entschädigungssumme berücksichtigt wird. Hierfür liegt eine innere Berechtigung vor, nachdem es nicht möglich gewesen ist, diese Vorlage schon vor der Vertagung zu verabschieden.— Für de» Antrag Marcour, der verlangt, daß die Entschädigung niemals unter daS Fünffache und niemals über das Zehnfache des Reingewinns hinaus- gehen solle, können wir uns nicht erklären. Schließlich kommt es dabei doch nur darauf hinaus, daß eventuell mehr gegeben wird, als die Kommissionsfassung zuläßt, denn die Einschränkung, daß nicht unter 5000 M. heruntergegangen werden soll, ist über- flüssig, weil ja doch gegen die Entscheidung der Postbehörde eine Beschwerde»nöglich ist.' Sehr charakteristisch ist übrigens, daß in all' den Petitionen' von Privat-Postanstalten fast keine einzige die Ent- schädigung für die Angestellten erwähnt. Eine rühmliche Ausnahme macht, das will ich gern anerkennen, die hiesige Anstalt(Zuruf: auch die Stuttgarter!) Ich sehe überhaupt nicht ein, weshalb die Direktoren und crstcnAn'gestellten so hohe Entschädigungen erhalten sollen, sie können sehr zufrieden damit sein, wenn auch die Grenze auf 5000 M. festgesetzt wird. Wir beabsichtigen doch nicht, ihnen nunmehr die Möglichkeit zu geben, fortan auf jede Arbeit zu verzichten und von den Zinsen der Entschädigung zu leben. In diesen» Falle würden wir für die untere» Angestellte» ganz andere Entschädigungen fordern miisfcu.— Was mm den Antrag HaußmailN anbetrifft, so ist ja die gute Absicht desselben nicht zn verkennen, in Wirklichkeit bedeutet er aber eine Benachteiligung der Angestellte,». Nach dicsein An- trag sollen sie das bisherige Diciisteinkommen erhalten, in der That aber»verde,» sie voraussichtlich bei der Reichspost ein höheres Gehalt beziehe»».— Zu Artikel 5 liegen eine Reihe von Anträgen vor, die an Stelle einer schiedsgerichtlichen Regclnng der Anipriiche die Beschreitimg des Rechtsweges zu diesem Zwecke verlangen. Wir erklären»ms auch hier fiir die Kominissions- fassung in» Hinblick auf die belanntlich außerordentlich große Lang- samkcit unserer Justiz. Gerade hier liegt es aber im Interesse der Parteien, daß die Entscheidung möglichst rasch gefällt wird, und die Betreffci»den möglichst bald in den Besitz der ihnen zukommenden Sunnne gelange»?. Auch für den Antrag Schmidt-Warburg sind»vir nicht. Weshalb soll es den Beteiligten schwer gemacht werden, für lvelchcn Weg sie sich entscheiden' wollen. Es liegt absolut keine Gefahr vor, da es sich um rein civilrcchtliche Ansprüche handelt, daß politische Erwägungen bei der Entscheidung der Schieds- gerichtc maßgebend sein könnten, tteberhailpt muß ich gestehen, daß inir die Verständigung ans schiedsgerichtlichein Wege in solchen Fragen stets viel besser erscheint, als das Beschreiten des langwierigen Rechts, vcgcs. Ich kann inick, dahin resümieren, daß wir jede ticr- langte Erhöhung der Entschädigung für die Anstalten rundweg ab- lehnen, weil wir der Mciiinng sind, daß das Reich überhaupt keine Verpflichtung zu ihrer Entschädigung hat, sondern nur Billigkeits- rücksichtcn die Postvcrwaltnng dazu bestimmen. Ich bitte Sie also, die Konnnissionsvorschläge anznnchnien.(Beifall bei den Social- demokratcn.) Abg. Dr. Oertel(k.): Ich beantrage, als obere Grenze für die Entschädigung daS. Zehnfache von» durchschnittliche» Jahresgcwinn festzusetzen und anch die Zeit bis zum 1. April 1899 mit in Anrechnung zu bringen. Ich muß hervorheben, daß cS mir nicht gelungen ist, alle«»eine politischen Freunde von der Richtigkeit dcS Antrages zn überzeugen. Mir will scheinen, als genüge die Entschädigung der Gesellschaften, wie sie die Kommission vorgesehen hat, nicht allen billigen Ansprüchen. Ferner beantrage ich, das letzte Geschäftsjahr bei Ermittelung des Reinertrags der Gesellschaften in Betracht zu ziehen. Ich kann mir nicht denken, daß die Gesellschaften bei Fest- sctzung der Bilanz gegen Treu und Glauben handeln und mit kniistlichei» Ziffern eine Erhöhung anstreben würden. Stiumit der Staatssekretär»nir bei der Einziehung des letzten Geschäftsjahres nicht zu, so würde ich diesen Teil meines Antrages fallen lassen. Die Entschädigung für die Angestellten, wie sie von der Kommission vorgesehen ist, scheint mir allen gerechten Ansprüche» zu genügen, zumal sie nur hilfswcise für den Fall eintreten soll, daß die Beamten nicht in den Postdienst übernommen werden. Die obligatorische Vorschrift, den Rechtsweg zu beschreiten, in» Sinne dcSAntrages Rickert, ist»nir nicht sympathisch. Ich halte das Schiedsgerichtsverfahren im allgemeine,» sür ausreichend. Die Schiedsrichter würden schwerlich um der schönen Angcn des Herrn v. Podbielski willen(Heiterkeit) anders als nach ihren» Gewisse,» entscheiden. Sollte»nein Antrag nicht die Zustimmung der Regierung finden oder vom Hause abgelehnt werden, so würden'»»eine politischen Freunde für den Antrag Marcour stiinmeu. Staatssekretär v. Podbielski: Ich behalte mir vor. ans die Anträge später einzugehen. Ich kann aber jetzt schon erklären, daß die Regierung nach wie vor für bedenklich hält, daS letzte Geschäftsjahr mit in den Kreis der Bc- trachtuttgcn zu ziehen. Halten wir uns an das Ergebnis der Koiu- missionsverhaiidluiigeu»nit de,»» 1. April 1393. Abg. Rickert(frf. Vgg.): Die Pribatanstaltcii befinden sich in wohlerworbeueu Rechten. Darum muß die Ei»tschädigui,g nach allgemeinen Rechtsgrundsiitzen beincsscn»verde». Die Festsetzung einer Maxiinalgrcnze könnte eine sehr»liigcrcchte Bchandlnng einzelner Anstalten herbei- führe». Es ist richtiger, die ganze Festsetzung dem ordentliche» Richter zu überlassen. Eine wesentliche Verzögerung wird dadurch nicht eintreten; denn anch die Schiedsgerichte können nicht schneller arbeiten als ordentliche Gerichte, zumal wenn sie im Zusammen- hange mit den» Reichsgericht gedacht würden. Bei allen bisherige» Beschränkungen des Eigentums ist stets der Rechtsweg vorgesehci». Wariin, nicht anch hier? Lassen wir uns von diesen» Princip nicht abdrängen. Redner bittet um Annahme seines Antrages, event. um Ainiahine des Antrages Schnudt-Warburg. Staatssekretär v. Podbielski: Wäre Abg. Rickert Mitglied der Kommissioi» gewesen, so würden wir heute manches aus seine,» Ausführungen nicht gehört haben. Die Materien sind außerordentlich verichieden.' Wir haben Privatpostanstalten mit 200 Mark und solche»nit Millionen Kapital. Wie soll da ein einheitliches Princip zn stände kommen? Wir würden, wollten wir den Vorschlägen des Abg. Rickert folgen, eine unendliche Reihe von Petitionen bekommen. Betreffs der Beamte»» habe ich schon in der Kommissioi, erklärt, eS ist nicht jeder der bei den jetzigen Privatbesördcrnngs-Aiistalten thätigen Unterbeamten in der Lage, von der Reichspost iibernomincn zu werden, aus Gründe». die mit seiner Gesundheit oder scinein Vorleben zusammenhängen, Soweit sie brauchbar sind, werden sie auch von der ReichSpost übernommen werden. Abg. Dr. Marconr(C.>: Für die Entschädigung eine bestimmte Norm zu finden, war mit großen Schwierigkeiten verknüpft. Die Verhältnisse liegen in den einzelnen Anstalten sehr verschieden. Die Kommission hat im Ivescnt- lichcn das richtige getroffen: nach reiflicher llcbcrlcgnng bin ich aber zu der Ueberzeugung gekoiiimen, daß inan der Post auch eine ge- wisse Freiheit in der Beinessung gewähren»mß. Deshalb habe ich meinen Antrag gestellt, der eine Minimal- und eine Maximal- Entschädigung vorsieht. Ich wundere»»ich, daß Herr Singer gegen diesen Antrag polemisiert hat. In jedem Falle bin ich dafür daß>1, an den Privatposten eine noble Eutschädignng zahlt. In der Natur der s-ache liegt es andererseits, daß weder das erste noch das letzte Geschäftsjahr zur Berechnung des Neingewinns heran- gezogen wird. Im ersten Jahre waren Vorbereitungen zu treffe», »in letzten sind nur die notwendigste» Ausgabe». gemach» worden. Ich möchte die Herren von der konservativen Partei bitten, ihren Antrag zurückzuziehen»md auf den Boden unseres Antrages zu treten. Will das Hans soweit gehen, wie eS der Antrag Schmidt- Warbmg thut, so würde ich mich auch»nit ihm einverstanden erklären. Abg. Schmidt-Warburg(C.); Ich bin kein Freund der Privatpostrn, sie habe» unS mit aufdringlicher Reklame oft geradezu überschüttet. Dennoch bin ich für absolute Gerechtigkeit und die kann den Privaiposten doch »illr geschehe» durch den geordneten Rechtsweg. Deshalb habe ich meinen Antrag gestellt, der diesen Rechtsweg fiir die Privatpostcn wenigstens zuläßt. Auch der Fiskus sollte sich dein ordentliche» Rechts, veg in solchen Dingen nicht entziehen. TnS wird auch dein RechtZ- bewußticin des Belkes ain besten entsprechen. Linnen sechs Monaten Jiuife sich die Anstalt über den Weg. den sie einschlagen will, cnt- scheiden. Alle, die uns jetzt Klagelieder vorsingen, können den RcchtS- weg beschreiten. Raten aber möchte ich es ihnen nicht.(Heiterkeit.) Wenn ich der Rechtsanwalt wäre, der gefragt würde, ich würde sagen: „Hüten Sic sich vor solchen Prozessen. Es ist sehr schwer nachzuweisen, welchen Schaden Sic wirklich gehabt haben." Darin gebe ich dem Kollegen Singer vollständig recht. Also ich selbst, der ich den Rechts- weg crössne, warne davor.(Heiterkeit.) Wenn der Antrag Rirfert angenommen würde, so würde der Rechtsweg erst nach langen Ver- kkmdkmigcii mit dein Fiskns eintreten. Das halte ich für inifclich. Ncbcrhanpt müssen solche Prozesse möglichst vcriniedcn werden. Sie sind nncrqnicklich für beide Teile. Mein Antrag wird cincil guten Ausgleich zur Folge haben. Sollte mein Antrag abgelehnt werden. würde ich, wenn auch mit schwerem Herzen, für den Antrag Richert stimmen. Abg. Conrad Hansiinan»(Südd. Vp): „ lieber eine wenn auch nicht juristische, sondern niorakischc Ent- schädigungSpflicht ist man sich wohl überall einig. Zwei Wege gwbt es meines Erachtcns, die zu einer gerechten Entschädignngs- Pflicht führen. Entweder das Gesetz statuiert eine Entschädignngs- Pflicht und man studiert die einschlägigen Berhältnine genau. Dieser Weg ist bei den Angestellten von der Vorlage und der Äom- Mission beschritten worden. Lder man beschreitet den Weg Rechtens. Diesen Weg geht die Vorlage nur zln» Teil. Sie setzt ein Schiedsgericht ei», setzt aber gleichzeitig eine Maximalsumine fest. Sie hindert also den Richter, sein Urteil ziu Ausführung zu bringen, wenn dieser eine höhere Summe als die festgesetzte Maximalsummc für richtig hält. Das musz prineipiellen Widerspruch wecken. Ei» solches Berfahreu ist noch ineinalS beobachtet worden. Die Festsetzung einer Maximalgrcnze tvärc nur dann annchnibar. wenn die Regierung wirklich die einschlägigen Ver- bältnisse init richterlicher Unparlcilichkcit geiinn geprüft hatte. Das ist aber nicht der Fall. Nur eine einzige Anstalt ist geprüft worden. alle übrigen nicht. So lange über die übrigen Privatposten nicht das Material vorgelegt und geprüft ist. begeht man mit der hier vor- gcjchlagcnen Art der Entschädigung einen Rechtsbruch. Ich kann das mir als Husarcujiistiz bezeichne».(Heiterkeit.) Bei anderen Betrieben ist niaii anders vorgegangen. Als man die Privatbahucn ver- siaallichtc. ist niemand eiiigcfallc» zu sagen:„Wir zahlen alle» Lahnen den achtfache» Betrag eines Jahresgewiiins." Da ist man mit der Entschädigung sehr individuell vorgegangen. Wahre Fronde an der hier beliebte» Methode könne» nur die Socialdciuokraten haben. Wer die Expropriation der Expropriateure in seinem Pro- grainin führt, für den ist es überaus wertvoll zu sagen: wir expro- priieren. setzen auch eine Entschädigung fest, bestimuicu aber gleichzeitig einen Maximalbetrag. Wenn dann jemand das für llnrecht erklärt, können die Herren sagen: Wir expropriieren» l» Pod- bielSki.(G r o sz e Heiterkeit.)(Abg. Singer: Das i st ganz richtig!) Jawohl, Herr Singer, wir verstehen Ihr Ein- vcrstäiiduisi. Wir aber, die ivir Eingriffen in die private Rechts- sphäre ividerstrcvcii, müssen eine andere Auffassung darüber haben. Ich komme min zu den Anträgen. Ter Antrag Mar- cour setzt ganz typisch. aber mich wieder Ivilllürlich, neben der Maxiinalgrcnzc eine Minimalgrenze fest. Frei- kich scheint er mir die meiste Aussicht' ans Annahme zu habe», und ich werde deshalb de» Untcraiitrag stellen, statt dc-Z Fahre» 1898 das Jahr 1899 zu setzen. Das am 1. April 1599 ab- geschlossene Geschäftsjahr»inj; billigcrweisc zur Bercebnimg der Ent- Ichädigiiiig herangezogen werden. Ter beste iillitrag ist der Ztutrag Rickert� sollte dieser keine Akchrhcil fiiiden, ivcrde ich für den Antrag Schmidt-Warburg stimnlcn. dann erst koinineu für mich die Anträge Ocrtel lind Dr. Marcour in Betracht. WaS nnn die Frage der Angcstellteil-Entschädiglllig anlangt, so weise ich den Vorwurs dcS Abg. Singer zurück, der gesagt hat. ivir ivolltcn die Besitzer bester ciilicliädigen.� als die Angestellten. Unser Antrag will die Niigcstclltcn davor schützen, daff sie bei Uebcrnahine durch die llicichs- pofl ei» geringeres Gehalt vekomuien. als sie bei der Priualpost hatten. Der Vorwurf zeigt nur die blinde Pvrciugoiiomuiciibeit des Herrn Singer gegen Anträge, die sich mit Arbeitcriiltcrcsscn bc- schäftigen. voii der Bomgcoisseite. So blind wie diesmal war aber Herr Singer noch nie. denn er hat ganz vergessen, daff er uiid seine Freunde in der Komiliission ganz driisclbcu Antrag gestellt haben.(Widerspruch bei den Socialdemotrateii.) Bitte. lesen Sic Seite 34 des KommissionSberichtrS nach. Herr Sii'ger sagte, das Einkommen der Ncichs-Postbcamtcn sei höher als das der Privat- Postbcanitc». Das ist i» vielen, aber nicht in allen Fällen richtig. Herr Singer hat eben ii»r die Berliner Verhältnisse, nicht die in der Provinz in Rechnung gestellt. In Stuttgart zahlt die Privatpost besser als die Staatspost. Wenn solch unberechtigte Vonvnrfe schon am grauen Holze des Herrn Singer passiere», dann laiui man sich nicht über andere Vorwürfe ain grünen Holze der Socialdcmolratie ivluideril. Ich will nur wuilschen. das; Herr Singer nicht bis au sei» seliges Endziel tHciterkeil) bei dieser Methode unberechtigter Augriffe bleibt.(Sehr gut! bei den Freisiimigeu.) Es ist sehr bedenklich, die Basis der Civil- Prozcff- Ordnung zu verlassen und einem Schiedsgericht mid nicht dem ordentlichen die Entscheidung bei Streitigkeiten über den Entschädigullgsanipruch zu überlassen Ein schiedsrichterlicher Spruch ist»ach der Eivil-Prozeff- Ordliuilg nicht vollstreckbar und die obsiegende Partei muff die Hilfe des zuständigen Gerichts erst in Anspruch nehmen.(Hört! hört! bei de» Freisiimigeu.) Es hat sich in diesem Falle doch nicht empfohlen, daff in der Posttomniffsio» auch nicht ein Jurist gewesen ist. Er hätte diese Gründe gegen die Einsetzung eines Schiedsgerichts dort gleich vortragen können.(Sehr richtig! links.) Ich bilie alio, in erster Linie für den Antrag Rickert, in zweiter Linie für den Antrag Schmidt-Warbnrg zu stimmen.(Bravo! bei de» Frei- simiigen.) Abg. Rocrcn(C.): Ich halte den Antrag Schmidl-Warburg für den besten. Eine bessere Formullcrnng de» Antrags könne» ivir bis zur drillen Lei, mg findcn. Es handelt sich im vorliegenden Falle um eine Expropriation dcö PrivatcigcntuinS und nicht, wie Kollege Singer meint, nm Ci»ischrä»kil»g des Bctrirbcö der Privat- postanstaltcn. Die Privatposte» solle»«nit dein Achtfachen des jähr- liche» RcingeiviiiiieS enlschädigt werden. Damit ist das Princip der Entschädigung ancrtaiint. aber es ist etwas rciii Willkürliches, zu sagen, der Schaden beträgt das Achlsachc des Rcingcivinn». DaS mag wohl in dem einen Falle ftimmcil. in zahlreichen andcrn werden sich Schaden und Entschädigung nicht decken. Welche Ungerechtigkeit, welche Härte oft in de» Enlschädigungcn liegt, beweist ein Fall, der in einer hamiövcrichcii Zeitung steht. Ter Besitzer einer Privatpost hatte diesen Betrieb vor 4 Jahren gegründet. er hatte ansangS zugelegt, jedoch das ganze Personal vchalien»nd den Betrieb in vollcin Umfange ausrecht erhalten. In diesem Jahre hat er erst einen Reingeivin» zu verzeichnen. Er ivlirde also nach der Regierungsvorlage nichts als Eiuichädignng erhalten. Der Weg der Rezieriiiigsvorlage ist für niich nicht gangbar. Staatssekretär v. PodbielSki: Gerade die Herren, die Rechtswissenschaft studiert haben, kommen manchmal zu inrrtivürdigcn Entscheidlmgen.(Heiterkeit.) Ich bitte die Herren Juristen bei der Enlschädiglingssragc nicht zu weit zu gehen. Wenn die Eisenbahn z. B. ein Ackcrgrnndftiick expropriiert, soll dann der Besitzer das Recht haben und sagen: ich hätte aus dem Grundstück»och zwei Millionen Ziegel produzieren können, die müssen auch noch entschädigt iverden! Rein, nur das Grundstück ist zu bezahlen.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Es ist nicht richtig, daff wir nicht Ver- Handlungen»ist den Privatpostcn versucht haben; die Herren lehnten eS aber ab, was ich ihnen nicht verdentc, uns ihre tvncher zu zeige». Es ist ganz liiiannchnibar fiir»ins, daff das Jahr 1899 bei der Berechnung Des Gewinns der Privatpostcn mtt hcrangezogcii wird. Natürlich nehmen wir nicht an, daff die Aiichcr gefälscht werden, aber es unterliegt keincnl Ziveifel. daff in den letzten Jahren eine ganz be- trächtliche Steigerung der Einnahmen dadurch erzielt worden ist, daff im Hinblick auf die Anshebmig der Privatpostcn eine Reihe von Ausgaben unterblieben sind.(Sehr richtig!) Wir sind in der Kommission deshalb ans das Schiedsgericht gekommen, um eine einheitliche Jlidikatiir herbeizuführen. Därin liegt ei» Vorzug gegenüber dem Antrag Rickert. Ucber den Antrag Marcour kann ich mich heute noch nicht aussprechen; es liegt in der Hand de» Hauses, die Maximalgrenze zu erhöhen und eine Minimalgrenze auffcrdem einzufügen. Ich möchte den einzelnen Herren, die hier die Interesse» der Anstalteii(Oho! links)— die hier den Standpunkt der bedrängten Privatanstalten vertreten, nur sage», daff das Material, das ihnen von den Anstalten linterbrcitct wird, wenn cS von sachkundiger Seite geprüft wird, doch ein anderes Excmpel zuläßt, als das ihnen vorgelegte. Wie dem limi auch sei» mag, eine Verständigung über die Entschädigliiigsfrage halte ich nicht fiir ausgeschlossen. Abg. Gras Bcrustorff- Lanenburg: Ich lasse es dahingestellt, ob eine Erhöhung der von der Koimnission aiigenommeiieii Marimal- grenzc notwendig ist. Ans kemen Fall aber geht es an, das letzte Jahr(bis 1. April 1899) der Berechnimg mit zu Grunde zu legen. Abg. Dr. Oeptel- Sachsen(k.) zieht seinen Antrag zu Gnnstcu des Antrags Bkarconr zurück. Abg. Rickert(srs. Bg): Die Einheitlichkeit der Jlidikatiir wird von den Gerichten selber am besten gewahrt. Deshalb ist dieser Einbruch in unser ganzes GerichtSsystem nicht gerechtfertigt. Abg. Singer(Zoe.): Wir bestreiten eistschicde», daff hier von eincin„wohlenvorbencil Rechte" gesprochen werde» darf. Womit ist denn dieses Recht ivohl- erivorben? Eine Gesellschaft hat sich etabliert, der Staat übernimmt ihren Betrieb im Interesse der Allgemeinheit; daff ihr der Schaden ersetzt wird, dagegen sträubt sich niemand, aber eine Eittschädignng für den entgangenen Gewiirn zu gewähren, dazu liegt nicht der geringste Grund vor.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Es liegt hierfür kein begründeter Anspruch vor, ivcil jeder andere Privat- mann dieses„wohlerworbene Recht" durch ein Koiikurrcvz-Untcr- nehmen hätte beeintrüchtigen, ja anfhcbe» könncii.(Sehr richtig! bei de» Socialdeiiiokraten.» Ich begreife nicht, wie die Herren, die sich hier ans den Stand- Punkt des„wohlerivorbcnen Rechtes" stellen, die sociale Gesetzgebnug. auch nur in ihrem Sinne, fördern können.(Oho! bei den Frei- sinnigen.) Jede Verkürzung der Arbeitszeit ist ja ein Eingriff in das wohlerworbene Recht drö lliitcrnchmcrS. eine Bcschränlnng der KnSbcntilngSsreihcit.»Sehr richtig! bei den Socialdemokratcst.) Ich balle bicsc AitsfassiNig von dem..ivohlerworbnicn Rechte" principicll für falsch, gebe aber z». daff sie in dem Mareviirschc» Antrage nicht vertreten ist. der mir mehr geben will, als die Kommissioii für au- gemessen gehalten hat. Roch ein paar Worte gegen Herrn Hauffmann. Ich habe durch- a»S kein blinde» Vorurteil gegen Anträge, die von seiner Seite kommen. Ich babc mir den Antrag genau angesehen und halte meine Be- hallptung Wort für Worr aufrecht. Üliinche links.) Nach dem Wort- laut dieses Antrages bin ich durchaus im Recht. Daff dieser Wort- laur so lliigciiau und unklar ist, daff ihn Herr Hanffinann selber jetzt hat rcdrcssicrcii innsscn. dafür kann ich nicht. Es ist ganz Ilar, das; die Kominissioiisfasjimg verbietet, daff die Leute Ivenigcr als bisher bekoiumr», aber es durchaus frei läfft, daff sie bei der Post ein höheres Gehalt als bisher beziehen. Dagegen bestimmt der Antrag Hanffmaun, daff sie ein höheres Gehalt nicht bekommen dürfen(Oho! links), weil cr beslimnit. daff sie in eine Stelle, die mit dem bisherigen Einloiunien bedacht ist. ein- trete». Wenn das nicht die Absicht der Antragsteller ist, müssen sie deit Wortlaut ändern. Wie schwach Herr Hauffmann seine Position selbst hielt, ging auch daraus hervor, daff cr eine» Witz wiederholte, der gestern bereits von cinrnt seiner Kollegen gemacht wurde. Nach der Belehrung, die gestern dem Herr» zu teil geworden ist. brauche ich ivohl darauf nicht wieder einziigeheii.(Sehr richtig! bei den Socialdemokrattn.) Abg. Rocrc»(C.): Ich glaube, daff Herr Singer mit sciiieni juristischen Begriff der woblevivorbcneii Rechte doch etwas entgleist ist. Tic Privatpost übt doch nicht mibesngtcrweise ihren Betrieb aus. Sie hat ihn auf Grund des jetzt bestehenden Gesetzes errichtet und war vollberechtigt zu seiner Ansübniig. Daff es sich also da um ei» wohlorworbencs Recht handelt, darüber kann kein Zweifel sein, die Frage ist nur. wie weit die Entschädigiiiig gehen soll. Wenn Sie kein wohlerworbenes Recht in dicscm Falle anerkennen, dann begreife ick nicht, weshalb Sie überhaupt eine Entschädigung bewilligen. Tie Ansführnngen des Herrn Staatssekretärs mir gegenüber waren reckt wenig zeitgemäff. Das war wohl auch der Grirnd. weshalb sich der Herr Vertreter des Reichs-Jnstizaints während seiner Rede entfernte.(Groffc Heiterleit) Abg. Stadthagcn(Soc.): Ich n'.iiff mich ganz entschieden dagegen wenden, als ob jemals der Recktssatz anerkannt worden wäre, daff ivohlcrivorbcne Rechte, wir Herr Rotten diesen Begriff definierte, bei ihrer Aufhebung ent- schädigt werden müßte». Ich kann Ihnen eine ganze Reihe von Gesetzen nennen, durch welche sehr wohl erworbene Rechte ans- gehoben wurden, ohne daff man auch mir an eine Entschädigimg gedacht hätte. Nebrigens ist auch die Definition des Herrn Roeren: ivohlerworbeiie Rechte seien solche, die man befugienveffe nnsübt, nicht zutreffend. Es gicbt eine ganze Menge solcher Rechte, die der Staat heute keineswegs schützt, z. B. das Recht aus Leben, auf Freiheit. Die Beholststlmg. daff wohlenvorbenc Reckte geschützt iverden müfften. ist eist von dem Augenblick an anfgetaucht, Ivo einer großen kapitalkräftigen Gesellschaft ein sogenaniltcs ivohlenvorbenes Recht genoniinen werden soll. Höchstens am Ende des vorigen Jnbrhnnderts tauchte er einmal auf, an» dem individualistischen. staatSseindlichcn Gedanken heraus, daff das Subjekt.über dem Staate siehe. Diei'er Standpunkt ist aber beute längst aufgegeben. Ich kann Ihnen eine ganze Reibe von Fällen anführen, wo wohlerworbene Rechte— allerdings nicht kapitalkräftiger Leute— nicht im geringsten gefchiint worden sind. Zinn Beispiel durch die Eimührilng von Zöllen, durch Handelsverträge iverden wohl- erworbene Rechte einer Anzahl von Personen geschädigt, deren Verlust sich auf Millianen beziffert. Wer hat je daran gedacht. sie zii entschädigen! Tie ganzen Fcndalrechtc, z. B. das Jagdrccht. sind durchaus lvohlenvorben, sie sind befugt ausgeübt! Bei der Unfall- gesetzgebnug ist schweres Unrecht denen geschehen. die durch die Fyhrläisigkcit der Unleniehmer geschädigt sind. Hier ist ihnen das ivohlerworbeiie Recht, daff sie voll entschädigt ivnrdeit, entzogen worden. Wo sind die Millionen, die dadurch den Arbeitern entzogen sind, Ivo ist eine Entschädigung für das offenbare Unrecht, da» diese» Leuten zugefügt wurde? Diese Arbeiter haben doch dasselbe Recht, wie die kapitalkräftigen Besitzer der Privatpostcn, fiir die jetzt das Bürgerliche Gesetzbuch hcrangezogeil ivird. Ich erinnere Sic hier an ciiieil Man», der durch Elltziehnng eines wohlerworbenen Rechtes durch da? Bürgerliche Gesetzbuch nni 20— 39 000 M. jährlich geschädigt ist, ich meine den Pastor auf Helgoland. lGroffe Heiterkeit.) Dabei ist doch nicht» Lächerliches. Wer entschädigt ihn für diesen eiitgangencil Gewinn?— Also. Sie haben nicht das Reckt, davon zu sprechen, daff wohlerworbene Rechte geschützt werden inüsicn.— Was die Privatposte» hier bekominsii, ist ein rciucs Gnadengeschenk lmd weiter nichts... Erkennen Sie aber ein Recht auf Entschädigung für die Privat- posten an. dan»»liissen Sie noch einen iicueii Artikel konscgiieilter- weise in das Gesetz aufnehmen, durch den Sie eine Entschädigling auch für die durch die Zoll- und Uufallgesetze Geschädigten, also für alle Arbeiter DeiltschlandS nild auch noch für de» Pastor von Helgoland festsetzen.(Heiterkeit, Beifall bei den Socialdemokraten.) Abg. Hanstmann(Südd. Bp.): Ich halte meine Behauptung, daß hier eine Entschädigung für entgaiigenen Getvii»« notwendig ist, in aller Fonu aufrecht. Ich bedauere, daff ei» Jurist, wie Herr Stadthagen, es für angemeffc» erachtet hat. noch dazu in humoristischer Form Fälle ailzuführeil, die mit dein vorliegenden juristisch in gar keiner Beziehimg stehe». Redner wiederholt„och einmal, daff die Rcichsregicrimg seines Er- achtens die Verhältnisse der übrigen Anstglten nicht geprüft habe. Dem Abg. Singer erwidert cr. daff er in seinem Antrage für die Angestellten die gleiche Dieilststellimg und zweitens den gleichen Lohn als Voralls'ietzimg für die Uebernahme ohne Entschädiglmg verlange. Er habe mich nicht vom Endziel der Socialdemokratie gesprochen, denn das kenne cr so wenig wie Herr Singer(Heiterkeit), sondern von dem seligen Endziel des Herrn Singer.(Heiterkeit.) Herr Singer werde entweder für seinen Antrag stimme» müssen. oder aber er schädige die Interessen der Unterbeamten.(Große Heiterkeit bei den Freisinnige».) Die Diskussion schließt hiermit. Bei der Abstinnnnng kommt zuerst der Artikel 4 zur Abstimmung. Die Anträge Rickert und Hauffmann werde» mit großer Mehrheit abgelehnt. Der Antrag Schmidt- Warburg(Offeiilafsung des ordentlichen Rechtswegs) wird ebenfalls abgelehnt. Ter Antrag Marcour(Entschädigung nicht unter dem fünf- fachen Betrag»nd nicht über den zehnfachen Betrag hinaus des dlirchschiiittlichen Rcingewiims der vor dem 1. April 1898 liegenden letzten drei Geschäftsjahre) wird mit der Maßgabe ailgcnoinincn, daß die Rt i n i in a l g r e i» z e g e st r i ch e n ivird. Ter Antrag H a n ff m a n n(Kantelen für die Uebernahme der Angestellten) wird gleichfalls abgelehnt. Der Artikel 4 wird sodann in der durch den Antrag Marcour veränderten Fassung a n g e n o m m e n. Artikel 5 gelangt mit dem Antrage Rickert(Ersetzung des in der Vorlage vorgesehenen Schiedsgerichts als Bcrilfiliigsinstanz durch Beschreitung des ordentlichen Rechtsweg») zur An nah nie. Es folgt die Beratung des Artikel tt.(Jnkraftlreten des Gesetzes.) Nack einem Antrag Ocrtel(K.) sollen die Bestimmilngen dcS Artikels 1 III, Absatz li 2 und 4(Post-Zeiinngötarif mit Ausnahme der Fcststclllliig de» Jahresgewichts) am 1. Jannar 1901, der Absatz 3(FeststcUuiig des Jahresgewicht») am 1. Jannar 1900, die übrigen Bcstimnmngcn des Gesetzes am 1. April 1900 in Kraft treten. Ter Antrag Ocrtel wird angenommen, somit auch der Artikel 0. Tamit ist die Novelle zum Postgesetz in zweiter Beratimg erledigt. Hierauf vertagt sich das Hans. Nächste Sitzung Sonnabend 1 Uhr(Fernsprechgebührcii-Ordming. Tclcgraphcnwcgc-Ordnuiig, beides in zweiter Lesung). Schluß öl/3 Uhr._ VÄvlkttnentKvrfuszeSs Postetat. Ans dem ReichSctat für 1900, welcher nächste Woche dem Reichs- tag zugehen soll, wird bereit» in der„Dciltschen Verkehrszeitung" der Etat der Post- imd Telcgraphenverwaltling mitgeteilt. Die Ein- iiahincii sind aus 393,4 Mill. Mark, die Ausgaben auf 342.6 Mill. Mark veranschlagt. Die Einnahiiie» sind um 33 Milliviien höher angesetzt; die Ausgaben um 2ö Millioiien, davon für das Personal 13, ftir den Betrieb 12 Millionen Mark mehr. Für die Vervollständigung der Telcgrapheiiaiilagcii sind 8 Millionen mehr angesetzt. Der Nebe r s'ck n ff nach Abzug der einmatlgeii AuSgabeli beträgt 37 Millionen. Tie Einnahmen ans Porto. Telegraphen- und-Fernsprechgebühren sind 30,8 Millionen Mark höher nn- gcnoiiiincii. Bcliierkcnsivcrt ist. daff der Ertrag a»S dem Absätze der Zeitiiiigeii ze. ans 350 000 M. mehr. 5,57 Millionen Mark au» gciioiinnen ist. Ter Etat sieht 1719 iiene etatsmäffige Stellen für Beamte nnd 3213 Stellen für Unterbeamte vor. Davon fallen 1500 Stellen den nicht ctatSn, äffig angestellte» Post- nnd Telegraphenassistenteii, für die in» lanfcndcn Jahre keine iielien Stellen eingerichtet werden koniiteii. zu. Die Abstinung der Assistentcngchälter selbst hat eine Acnderuiig nicht erfahren, entgegen dem Beschlüsse des Reichstages vom Frühjahr b. I.. ivclchcr die Steigerung mehr ans den Anfang der Lansbahn verlegen ivollte(1500, 1800, 2000, 2200 Nk. statt 1500. 1700, 1900, 2100 M.). Die Allfbesseriiiig. die fast Iii Millionen Mark erfordert hatte, scheint an dem Wider- stand des Reichsschatzamts oder des Bundesrats gescheitert zu sein. Zur Erhöbnng der Vergütlingen der Postagcilteii um durchschnittlich 100 M. sind 880 000 M., für die Neuregelung der Tagegelder der Postboten 500 000 M. eingestellt. Weitere 750 000 M. sind vor- gesehen, imi die 1899 i»' Angriff genomineiie Herabsetzung des Leistiingsmaßcs der im Ortsdienst beschäftigten Untcrbeamten fort- zuführen. Ter Betrag der Telienlugszulagcn an Unterbeamte ist nm 80 000 Mark erhöht worden. Die Zahl der etatSmäffigen Stellen für T c l e g r a p h e» g e h i I f i n n e n(Fernsprechgehilfiniieli) ist wieder nm 364 vcnnchrt. iinchdem die beiden letzten Jahre 40 nnd 171 ileue Stellen gebracht hatten. Tie PetitionSkom, nission des Reichstags hielt heute die erste Sitzung nach der Vertagung ab. ES wurde eine Anzahl Berichte festgestellt. Die zum Gesetz, betr. den Schutz der Arbeitswilligen. eingegangenen Petitionen wurden dem Abg. Watte ndorff(C.) zur Bcrichtcrstattmig nbcrivicscii. Die Vorlagen wegen Euifiihrlliig des Postcheckverkehrs, sowie wegen Eiilslührnng des Civil st andSgesetzes aus der Insel Helgoland sind heute dem Reichstag zugegaiigen. Den Jnhali beider Vorlagen haben wir bereits vor mehrere» Wochen niitgetcilt._ Vommunaless 3(u« der Magistratösitzung am Freitag. Zur Errichtung cincS G e iv ä ch s h a ii s c S auf dem städtischen WaisenhauS-Gruild- stücke hat die städtische Waisenverwaltung einen dahin zielenden Antrag dem Magistrat zur Geuehmigulig unterbreitet.� DaS Ma- gistratskollcginnl hat indessen mit Rücksicht auf den verhältilismäffig zu weit aiigclcgtcn Plan, zumal schon Gartenanlagen sich daselbst befiiiden, den Antrag abgelehnt.— Die Armendirektion hatte beim Magistrat oen Antrag gestellt, dcin� Verein der Armen- Speisilngsaiiftattcil(Slippeilverteiluiig) noch für dieses Jahr 5000 M. Zuschliff zu gewähren, solvie für das folgende Rechmingsjahr den Beitrag von 40 000 M. dauernd auf 45 000 M. zu erhöhen. Das Magistratskollegiilin hat diesen Antrag abgelehnt.— Hinsichtlich der anderweitcn Festsetzimg der G a s p r e i s e hat daS Magistrats- kollegiiim beschlossen, zunächst einen schriftlichen mit dem gc- samten statistischen Material versehelien Bericht zu erfordern iliiddann ivcitcre Beschlüsse zu fassen.— Wegen des Platzes zur Er- richtung des lleucn A m t s g e r i ch tsg e b ä u d e S B e rlfin- Wedding, hat das Magistrats-Kollegiiim beschlossen, mit dein Jlistizininistcr in kommissarische Beratiuig zu treten. Es soll städtischer- seitS der von der Tiefball-Deputation' empfohlene Bniiiiieiiplatz an der Pankstraße in Borschlag gebracht werden. UokktleSs Die gratulierenden Stadtverordneten haben die„moralische Ohrfeige", die ihnen der Ober-Hofmeister der Kaiserin in sciiicin.auf allerhöchsten Befehl" verfaßten Dankes- schreiben verabreicht, im Griinde ehrlich verdient. Sie haben sie verdient nicht durch den Mangel an christlichem Empfinden, der ihnen darin vorgeworfen wird, sondern durch das lleberinaff von unter- thäniger Gesinming, daS sie ihren an Personen des königlicheli Hanses gerichteten GratulatioiiS-Adresscn mitzugeben pflegen. Im übrigen haben sie sich eine ähnliche Ohrfeige schon einmal geholt. Schon einmal hat die Kaiserin die Stadtverordiicten nicht selber einer Ant- wort auf ihre allermiterthänigste Gebnrtstags-Gratulation gewürdigt, sondern ihren Ober-Hosineistcr Herrn von Mirbach damit be- auftragt. Das war!m Jahre 1893. � Die Dankesaiitlvort, die Herr v. Mirbach damals den Stadtverordneten schickte, enthielt zwar keine direkten Vorwürfe, aber auch sie wurde in ihrer lakonischen Kürze schon als Rüssel aufgefaßt— umso mehr, da die Kaiserin gleich- zeitig dein Magistrat in einem gnädig gehaltenen Schreiben selber für seine Glückwünsche dankte. Der Herr Ober- Hofmeister schrieb: „Im allerhöchsten Auftrage ihrer Majestät der Kaiserin und Königin soll ich den Stadtverordneten der königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin den Dank für die ihrer Majestät zum Geburtstage übersandten Glückwünsche aussprechen." Man brauchte damals nicht lange darüber nachzudenken, warum der Ton dieses Briefes so lvcnig verbindlich ausgefallen war. Im Mai 1895 hatte die Stadtverordneten-Versainmlung den Magistrats- antrag, zur Vollendung des Turmes der Kaiser Wilhelm-Gedächtnis- kirche 3 OOV Mark zu bewilligen, abgelehnt— ein Beschluß, der bekanntlich den Erbauer genannter Kirche zu dem„Architekten- scherz" der Kameclsinschrift anfeuerte. Die Stadtverordneten haben den Schmerz über das 1893 er nicht liebenswürdige Schreiben des Herrn von Mirbach verivunden und weiter gratuliert, sie werhen den Schinerz über das 1899er unliebens- würdige Schreiben des Herrn Ober- Hofmeisters ebenso ver- winden und iveiter gratulieren. Sie baten in ihrer Gratu- lation von 1896 die Kaiserin, die Glückwünsche„anzunehmen mit der Huld, die uns und unsere Mitbürger von jeher so reich beglückt und mit Stolz erfüllt hat", sie werden auch in ihrer Gratulation von 1960 zeigen, daß sie bereits wieder vergessen haben, wie wenig huldvoll die vorige Gratulation angenommen wurde. Daß unsere Genossen im Roten Hause diese schon etwas altertümliche Mode nie mitgemacht haben und nie mitmachen werden, versteht sich von selbst. Mirbachs Epistel giebt selbstverständlich der Presse zu Betrachtungen Anlaß. Es läßt sich nicht sagen, daß dabei im allgemeinen eil! für den Inhalt des Schreibens günstiges Urteil herauskommt. Selbst in Zeitungen, die vom Verdacht der Rcligionoscindschaft ziemlich weit entfernt sind, kommt ein, wenn auch gelindes Schütteln des Kopfes zum Vorschein. Arn zutreffendsten giebt wohl die„N a t i o n a l- Z e i t u ii g" die Stinunuiig wieder, die im gebildeten Teil der an der heutigen Ordnung interessierten Elemente' der Reichshauptstadt eingekehrt ist. Das genannte Blatt schreibt indigniert; „Wir glaube», daß in Berlin nur eine Stimnie des Bc- dauerns über die Absendung des Schreiben? des Herrn v. Mirbach an die Stadtverordneten- Versammlung sein wird. Nach unserm Dafürhalten mußte Herr v. Mirbach lieber sein Amt als Oberhof meist er niederlegen, als dieses Schreiben unterzeichnen, er mußte voraussehen, daß es bedauerliche Folgen, wie die oben berichteten, haben würde." Die„National-Zeitung" hatte nämlich noch auf folgenden Um- stand hingewiesen: Bei der Verlesung dieses Schreibens, dessen Inhalt vorher bekannt geworden war, erhob sich nur ein Teil der Versamm- lung; außer den anwesenden S o c i a l d ein o k r a t e n blieben auch eine Anzahl anderer Mitglieder sitzen. Bei den Worten des Schreibens, daß der Ausgleich zur Beseitigung der kirchlichen Schwierigkeiten von einer großen Zahl der Stadt, verordneten nicht gefordert, sondern verhindert worden sei, erhob sich ein l c b h a f t e s M u r r e ii in der Versammlung. Die„Deutsche Tageszeitung" meint:„Man muß gc> stehen, daß der Stadtvcrordnetcn-Vorsteher auf das immerhin eigenartige Schreiben des Obcrhofmcistcrs nicht ungeschickt geantwortet hat, und kommt zu dem Resultat:„Unter diesen Um- ständen kann natürlich nicht darauf gerechnet werden, daß das Schreiben des Oberhofmeisters die gewünschte Wirkung haben luerde." Ucbrigens wartet das Blatt mit' einem, von jedem Eleincntarschüler leicht zu korrigierenden Irrtum auf. wenn es die seltsame Entdeckung als T h a t s a ch e konstatiert, daß lvir vorläusig noch in einem christlichen Staate leben, worin andere Religions- Bekenner nur geduldet sind. Der in der Bekundung seiner religiösen Anschauungen— vom „Kl. Journal" abgesehen— dem Freiherr» v. Mirbach wohl am nächsten stehende„R c i ch s b o t e" kommt bei der Geschichte auf den christlichen LicblingSgedankcn zurück, staatSstreichelnd Berlin nach den für Kaserne und Polizei st übe geltenden Principien zu regieren: „Je mehr in der Stadtverordneten-Versammlung Social- demokraten, Juden und Demokraten die Ueber- macht bekommen, desto dringender erscheint die Frage, ob es länger angeht, ein so großes, weit über den Stadtcharakter hinausgewachsenes Gemeinwesen wie Berlin im Rahmen einer Stadtverwaltung von gewählten Vertretern verwalten zu lassen, deren Wahl keineswegs eine Garantie für die zu einer solchen Verwaltung nötige Qualifikation bietet. Wie lange wird es dauern, so ist die Verwaltung von Berlin ganz in der Hand der Umsturzparteien." Der„ReichSbotc" sollte mit dem positiven Vorschlag kommen, die minder tüchtigen Elemente des preußischen Untcroffiziercorps zu Stadtverordneten zu degradieren. Beachtenswert ist die verschiedenartige Beurteilung, die der vor- gestrigen Asfaite in den beiden hier erscheinenden katholischen Blätter» zu teil wird. Die„Märk. Volks-Ztg." findet für das Wer- halten der Stadtverordneten- Versammlung ihre Gründe und weist daraus hin, daß der Konfistorialordnung von 1373, mit der die Fromme» offiziell gegen Berlin operire'n, selbst durch die Mehr- hcit des Abgeordnetenhauses„Recht und Billigkeit abgesprochen" werde. Auch in Betreff des Herrn Dr.sP r e u ß. der die Gcsan'gbnchvcrse so schlagend travestierte, meint das katho- tische Blatt milde: „Ueber die zweite Rüge uns zu äußern, haben wir keine Ver- anlassung; auch wir haben s. Z. das Auftreten und die schlecht angebrachte Spötterei des betr. Stadtverordneten(Dr. Prcuß) bedauert und getadelt. Ucbrigens hat Herr Dr. Prcuß sich selbst nachträglich öffentlich entschuldigt." Ganz anders operiert die„Germania". Zunächst denunziert sie den sich unabhängig fühlenden Teil der Stadtvcrordncten-Vcr- sanunlinig ivegeu des S i tz e n b l e i b e n s. Dann zetert das Organ für christliche Liebe: „Der ziveile Teil der Beschwerde in dem Schreiben des Ober- Hofmeisters der Kaiserin richtet sich gegen die mißbräuchliche Citicrung von Worten der hl. Schrift und von einer Strophe aus einem evangelischen Kirchenliede in der Berliner Stadt- vcrordiieten-ZJersammlimg durch den jüdischen Stadtverordneten Dr. Preutz. Wir haben diesen Fall bereits eingehend besprochen und dargelegt, daß es sich hier um eine schwere Ver- l e tz u n g des ch r i st l i ch e n Empfindens handelt, fiir gläubige' Protestanten sowohl wie für Katholiken. Nach unserer Ansicht hat dieses durchaus ungehörige und das christliche Gefühl verletzende Citicrcn des Stadtverordneten Dr. Prcuß aus der Mitte der Stadtverordneten- Versammlung eine allzu schwache Rüge erfahren, während hier die schärf st c Rüge am Platze ge- Wesen wäre, auch hat Herr Dr. Preuß nicht sogleich, sondern erst später, als die Entrüstung über seine Citate sich geltend machte, dem Bedauern darüber Ausdruck gegeben— wie wir es vorausgesagt hatten." Wie wenig gerade die„Germania" befugt ist. derart erbost zu thun, möge sich ans folgendem Fall ergeben. Zum A l l c r s c e l c n f e st e ,' dem ernstesten katholischen Feier- tage, brachte das Blatt eine Betrachtung über die Bedeutung des Tages. Nachdem der Ton anfangs erbaulich geklungen, ging er allmählich in leichteres Geplauder über, und zum Schluß er- innerte der Artikel mit Behagen an einen kernigen, wenn auch nicht sehr appetitlichen Spruch, der in einem schweizerischen Kloster an der Thür zum sckrctcu Ort stehen soll, und in einer, am wenigsten zur Ucbelkcit reizenden Umschreibung folgendermaßen lautet:«Hier schon giöbst Dn argen Geruch von Dir; nach diesem- Leben aber wirst Du erst recht scheußlich duften." An der objektiven Wahrheit dieser Sentenz wird gewiß kein Erfahrener zweifeln, tvohl aber daran, ob ein Blatt.>vie die „Germania", die gar nicht forsch genug über Herrn Prenß herfallen konnte, sehr im Sinne moderner Religiosität gehandelt hat, als sie in die ernste Stimmung, die einer der heiligsten Feiertage der Katholiken fordert, mit einem derart groben Witze einsprang. Eine Goethc-Feier wollen die hiesigen Studenten veranstalten. Der Rektor der Berliner Universität, Professor Fuchs, hat, wie dem „Berliner Tageblatt" mitgeteilt wird, sämtliche Doccnten der hiesigen Universität in einem Schreiben aufgefordert, sich an der ganzen Goethe-Feier der Studentenschaft nicht zu beteiligen. Damit hängt aufs engste zusammen, daß Professor Erich Schmidt seine Festrede bei der Feier am Goethe-Deiikmal und ebenso seine Beteiligung an der Theaterausführnng beb Kroll zurückgezogen hat. Als Ursache dieses Zwistes zwischen Universitätsbehörde und.Stiidentcnschaft Ivird angeführt, daß der studentische Ausschuß der Goethc-Feier seiner Zeit den allgemeinen Studentenfonds, der von den Lehrern der Universität verwaltet wird, um die Summe von 3009 M. zur Bestreitung des Festes anging, aber mir 1909 M. erhielt. Tarauf sollen die Ein- ladungen zum Fest mit Ausschluß derjenigen Professoren erfolgt sein, die seiner Zeit im Ausschuß für den Studcntcufouds gegen die Mehr- dcwilligung stimmten... Die Tegeler Wasserwerke sollen pcrgrößert Ivcrden. Die städtischen Behörden stehen bereits mit einigen Tegeler Grund- bcsitzern behufs Ankaufs eines großen Terrains in Unterhandlung. Das neue Terrain soll mit dem nahen Tegeler See durch einen Stichkanal verbunden werden.- Der Nachtdienst bei den Fernsprechämtern Berlins wird von der Postverivaltung lediglich als ein erster Versuch betrachtet. Sobald günstige Erfahrungen über die Neuerung gemacht sind, soll der Nachtdienst im Ferusprechwescn iveiter ausgedehnt werden. In Aussicht genommen ist zunächst, die Vorteile eines ununterbrochenen Fcrnsprechdienstcs den Vororten Berlins zn teil werden zu lassen. Später sollen andere große Städte des Reichs- TelegraphcugcbictcS Nachtdienst erhalten. Exotische Gäste, die hierher kommen, um auf großen Schau- bühncn, aber auch in kleineren Verguügnngslokaten ihre Künste zu zeigen, sollen von jetzt an regelmäßig durch einen Polizeiarzt auf ihre Gesundheit nutcrsucht werden. Diese Maßregel soll verhüten, daß etwa tropische Krankheiten bei nus eingeschleppt werden. Für die. Untersuchungen wird die Mitwirkung von Aerzten, die schon, m den Tropen thätig waren, angestrebt. Der Ttättcplatz für Wcihnachtsbänmc soll für dies Jahr vom Lehrter Bahnhof nach dem alten Hamburger Bahnhof, Einfahrt Jnvalidcnstraße, vor dem Stationsgebäude verlegt werden. Die UntersuchnngS fache gegen Stein nnd Genosse» wegen Kuppelei nimmt einen bedeutenden Umfang an, da die polizeilichen Erhebungen sich nicht nur auf Vorgänge aus der letzten Zeit be- ziehen. Ueber den Aufenthalt des verschwundenen Fräulein Fischer tvar bisher nichts zu ermitteln; die Gesuchte hält sich vielleicht un- angemeldet in Berlin auf. Die Meldung/daß die„Cousine" der F. die Tochter eines in Hännover wohnenden Regiernugsbeamten sei, bestätigt sich nicht. Die ägpptische Augenkrankheit ist unter den Schülern der vierten städtischen Realschule in der Dicstelmeycrstraßc ausgebrochen. Vor acht Tagen erkrankte zuerst ein Quartaner, dann im Laufe der Woche noch ein Quartaner, ein Quintaner und zwei Sextaner. Am Donnerstagmittag ist die Anstalt geschlossen worden, einstweilen bis zum Donnerstag nächster Woche.' Alle Räume werden bis dahin gründlich gesäubert und erneuert. Zn dem Gcldfnud auf dem BegräbuiSplatz der Jerusalem- Gemeinde erfahren wir, daß die polizeilichen Absuchungen nach weiteren Gcldrollcn eingestellt worden sind. Im ganzen imirdcii 5000 M. aufgefunden. Da Lcisdorf 10 900 M. versteckt hatte, so ist es möglich, daß die fehlenden 3000 M. von Kirchhofsbesnchcrn entdeckt und niitgenommen worden sind. Der Dcfrandaiit, ivelcher 8000 M. besitzt, hat allem Anschein nach Berlin verlassen und dürfte nach dein Anstände geflüchtet sein. Einer der größten Dachstuhlbrändc, die Berlin seit Jahren erlebte, wütete Freitag gegen Abend au der Potsdamer Brücke. In dem gewaltigen Eckhaüsc zwischen Schöncbcrger Ufer und der Karlsbadstrnße war gegen Vs5 Uhr das Feuer auf noch nicht er- mittclte Weife ausgekommen, und zwar nach der am Landivehrkannl belegenen Front. Auf die erste Meldung hin rückte Branddirektor GierSberg mit' ans, der dann angesichts der großen Gefahr noch mehrere Züge nachbcordertc. In kurzer Zeit sandten drei am Land- wehrkanal angelegte Dampfspritzcn und vier Handdruckspritzen riesige Wasscrmcngcn in die Gliitcn. Schon vorher war es den Bc- wohnern der oberen Stockwerke gelungen, über die stark vcx- qualmten Treppen ins Freie zu gelangen. Ein Schwerkranker war durch Nachbarn ebenfalls aus dem Dachgeschoß hcrabgctragcn, bevor der Rückweg vollständig abgeschnitten war. Da das Feuer mit rasender Schnelligkeit auf das Nachbargcbäude. Schöncbcrger Ufer 23. übergesprungen ivar, so galt eS. dasselbe zn isolieren. Branddirektor Giersberg ließ deshalb über mechanische Leitern und über die Nachbar- dälhcr vorgehen und schnitt dadurch dem Elemente nach IVestündiger harter Arbeit den Weg ab. Von den Häusern Potsdainerstr. 123a und Schöncbcrger Ufer 25 wurde der Dachstuhl total ein- geäschert und auch die oberen Etagen hatten stark gc- litten. Das im Hanse Schöneberger Ufer 23 untergebrachte Postamt 71 hatte gleich zn Beginn des Brandes die Bücher und Wertgegcnstände in Sicherheit gebracht. Gefahrdrohend für die Löschmannschaften war der ans dem Dache des Postamtes ans- gestellte Telephonständer, der ctlva 100 Drähte faßt und jeden Augen- blick umstürzen konnte. Biel Arbeit hatte auch die Polizei, um de» Ricsenverkehr über die Potsdamer Brücke aufrecht zn erhalten. Nach zweistündiger Arbeit konnte der größte Teil der Wehr lviedcr ab- rücken, doch dürften die vollständigen Ablöschungs- und Aufräumungs- arbeilen die ganze Nacht in Anspruch genommen haben. Richtigstcllnng. Wir erhalten folgende Zuschrift: In der Beilage Nr. 269 Ihres Blattes bringen Sie eine Notiz, daß im Franen-Asyl, Füsilierstraße 3, durch Flaschenuerwechslimg eine Frau Agnes Müller sich schwer verletzt hätte. Dieses beruht auf einem Irrtum. Es ist im Franen-Asyl ein derartiges Unglück nicht passiert, auch wird eine derartige Flüssigkeit im Franen-Asyl bei der Wäsche nicht verwendet. Hochachtungsvoll Hermann Plischke, Kurator des Frauen-Asyls. Aus den Bcobachtnuge» des Leonidcuschwarmes auf der „Treptower Sternwarte" kann gefolgert werden, daß die Erde am 16. November morgens früh seitlich durch den Kometen hindurchgegangen ist. Als Grund hierfür müssen die Störungen der beiden Planeten Jupiter und Saturn angeschen werden. Mittwoch, den 22. oder Donnerstag, den 23. November, wird der zweite an- gesagte Sternschnuppenfäll stattfinden. Alle Jntcrcsseiiten. die bereits beini Beginn des LconidenschmarineS telephonisch geweckt find, werden auch in diesen Nächten, falls der Sternschnuppenfäll ein reicher wird. angenifen. Ncn-Anmeldmigen für das Wecken zu dem bevorstehenden Sternschnuppenfäll sind bis Dienstagabend schriftlich bei der Direktion der Treptow- Sternwarte einzureichen. Soimtagnachmittag 3 Uhr spricht Direktor Archenhold über„Ein Ausflug in die Sternen- wetten" und um 7 Uhr über„Das Zusammentreffen des Bielaschen Kometen mit der Erde". Auch findet Dienstagabend 0 Uhr ein Vor- trag statt über„Die Belvohnbarkeit der Welten". Zn allen diesen Vorträgen haben die ermäßigten Vereinsbillets Gültigkeit. Der Mond wird bis Mittwoch, den 22. November, jetzt jeden Abend mit dem Riesenrefraktor gezeigt. Im Cirkuö Schumann wird die AusstatlunzS-Pantomime„Der schwarze und der weiße Ritter" heute Abend zinn erstenmale gegeben. 1■ Ans de» Nachbarorten.■ Zur Stadtverordneteinvahl in Spandau wird uns von dort geschrieben: Infolge eines Mißverständnisses führt der„Vorwärts" m seiner gestrigen Nummer auch nnsern Parteigenossen Scholz als gewählt auf; dieser ist vielmehr mit 30 Stimmen hinter der absoluten Majorität zurückgeblieben nnd kommt gleich den Genossen R i c g e r und Kunkel in Stichwahl. Gewählt sind die Genossen Schröcr, Hallecker und Pieper. Dieses Resultat bedeutet einen glänzenden Sieg und einen schönen Preis für dic socialdcmokratische Arbeiterschaft Spandans, welche sich bei dieser Wahl in ancrkennc.ns- werter Weise darum bemühte, die Schlappen, welche wir in den letzten beiden Jahren erlitten, wieder gutzumachen: letzteres ist ihr fast völlig gelungen. Durch die Wahl der drei Genossen sind von uns zwei Mandate sSchröcr und Hallcckerj hinzu- gewonnen und ein Mandat sPicpcr) behauptet worden. Abgegeben wurden von 9000 Wahlberechtigten der III. Abtei ininz insgesamt 1619 Stimmen; die absolute Majorität betrug somit 810 Stimmen. Ans unsere Kandidaten entfielen: S ch r ö c r 843, Pieper 829, H a 1 1 e ckc r 828, Scholz 730, R i c g e r 774, Kunkel 743 Stimmen. Die Kandidaten der Gcwerkvereine er- hielten: 681 bis 724 Stimmen, blieben also durchschnittlich um etwa- 70 Stimnien gegen unsere Kandidaten zurück. Die social- demokratischen Stimmen haben sich gegen 1897 verdoppelt. Unsere Parteigenossen»verde» hoffentlich bei der Stichivahl»vieder ihren Man» stehen und den Sieg der Socialdcmolratie Spandans zn einem vollständigen machen. Schönebcrg. Sonntag findet bei E. Obst, Grunetvaldstr. 110, eine Versammlung für Frauen und Männer statt. Nach der Versaminlnng gemütliches Vcisammciijein mit Tanz. Die Vertrauensperson.. Die Stadt Schönebcrg muß 13 nene L ch r- rst e ll cn nebst einer neuen R c k t o r st c l l e zum nächsten Etatsjahr für ihre Mittel- und Volksschulen schaffen, deren Besuch in den letzten zehn Monaten um 634 Schüler zilgeiiommen hat. Wcißenscc. Die Parteigenossen werden ersucht, zu der am Sonntag stattfindenden Agitatioiistiir zahlreich mid piiukUich zu er- scheinen. Diejenigen, welche nach Oranienburg-kahren, treffen sich um 6 Uhr, die übrigen um? Uhr bei Pfeifen-Müller, Kvnigchaussce 38. Der Bertra u c n s m a n u. Rixdorf. Die Wahl derjenigen socialdcmokratischen Stadt- verordneten, tvelchc als Hansbesitzer gclvählt sind, ist bekanntlich seiner Zeit angefochten ivorden. Herr Gentsch, der iiu Auftrage des viclbclicbten Herrn Beiß gegen die Wahl Uitsercr Genossen Ein- spruch eingelegt hatte, machte geltend, daß die in Betracht kommenden städtischen Vertreter eigentlich gar keine Haus- b e s i tz e r oder Teilhaber nnd Nutznießer von Grundstücken seien. Die Stadtvcrordncten-Versnmmlnng erklärte jedoch die Wahlen für güllig. Herr Gentsch, oder richtiger Herr Beiß, beruhigte sich indessen nicht. Er klagte noch beim Bezirksausschuß in Potsdam. Dieser hat»nnmehr{in der Sache ans den 23. November»achmittngs 12>/s Uhr Termin zur mündlichen Verhandlung angesetzt..Die Herren Gcntsch-Bclß dürsten gegenüber den unanfechtbaren That- fachen mit ihren Plänen nicht durchdringen. Einige Vertreter der Gcineindc Steglitz haben an d,i Minister des Innern, den Obcrpräsidcntcn, den Regiermigspräsidenteii, den Landrat nnd an eine Reihe von Landtags- Abgeordneten eine Denkschrift eingesandt, worin sie die Notwendigkeit der Verleihung der S tadtrc'chte an alle noch unter der Laiidgentcindc-Ordimng stchendcii»vcstlicheii Vororte Berlins bis einschließlich Groß- Lichtep- feldc uachzuiveiseii suchen. An die Eingemeiiidung in Berlin»vagt heute niemand mehr zu denke», seitdem die Socialistenfurcht in leitenden Kreisen die»rdrollige Idee aufkommen ließ, daß durch die Aufrechterhaltung der jetzigen imerquicklichen Zustände die Entwicklung des„Umsturzes" gehemmt werden könnte. Wcistcnsec. Gemütsmeilschen sind die Mehrzahl der Mitglieder der hiesigen B ä ck e r- I n n u n g. Vor Monatsfrist erging eine Polizciverordmmg.»vclche die Beschäftigung v o n K i n d e r n in gelvcrblichcu Betrieben einschränken sollte. Diese Vcrordmmg be- stimmt ii. a., daß„schulpflichtige Kinder in der Zeit von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens früh nicht zum Austragen von Milch mid anderen Gegenständen vcrivandt ivcrden dürfen". Dies scheint die Herren Jimungsineister arg verschnupft zu haben. Beileibe aber nicht etiva deshalb,»vcil persönliche Interessen der Herren Meister durch diese Verordnung berührt oder beeinträchtigt »Verden könnten. O nein! Die»Vahren Gründe ihrts Widerstandes gegen diesen unliebsamen behördlichen Ein- griff in ihre»vohlerivorbeiien Rechte»mbeschränktet Kindcrausbentmig förderten diese Herren in ihrer letzten Jnmuigsmeister-Ver-janimlung zu Tage. Zunächst— so»vurde ausgeführt— seijni die Verhältnisse Wcißei'lsees ganz eigenartige. Die Mehrzahl der Bcvölkermig seien Arbeiter, welche früh zur Arbeit gehen und ihr Frühstück vor 6 Ahr morgens ins Haus gebracht verlangen. Die armen EltcM bettelten förmlich um die Beschäftigung ihrer Kinder,»vie könne man»vohl verantworten, diesen Bitten kein Gehör zu schenken. Die Kinder könnten so viel Backware mit nach Hanse nehmen, daß dje armen Eltern nicht nötig hätten, hierfür Geld ans- zugeben. Die armen Jiiiigens verdienten sich mit dem Frühstückaustragen ihre Einse'gmmgSaiizüge iisw. Man sieht, lauter gute, stichhaltige Gründe, der lantersten Menschenfreimdlichkeit entsprungen. Wie konnte die Polizeibehörde mit rauher Hand diese edlen Triebe der Bcthätigimg ivahrhafter Nächstenliebe stören? Wäre die Sache nicht so verdammt ernst, man könnte über diese, im Schiveiße ihres feisten Angesichts mühsam Mainniengcsiichten geistigen Erzeugnisse dieser Herren lachen. Gegen die Verordnung soll Beschiverde beini Regierungspräsidenten in Potsdam erhoben iverden. Es bleibt abzuwarten, ob dieser diesem Notschrei gequälter Seelen ein williges Ohr leiht. Gevistzks-Iettung. Seit zwei Jahre» in Nntcrsnchungöhast! Eine»mendliche Arbeitslast»välzt der schon seit zivei Jahren in UiltersuchiliigSbast sitzende Kaufmann Alfred Eugen Richard C o n n o r ans die Gerichte. Er ist ein durch LiipuSkrankheit im Gesicht entsetzlich entstellter, höchst abentcuerlicher Mensch, der in dein Verdacht steht, einer intcr- nationalen Diebesbande anzugehören. Er ist zu Königsberg als der außereheliche Sohn eines Koinmerzienrats geboren und bezieht von seiner in London lebenden Mutter eine Jahresrente. Er hat schon em böses Strafregister anfziNveise» mid ist wegen Uikmiden- fäffchlnig, Betruges, versuchter Erpressung imd in London ivcgcn Postranbcs erheblich vorbestraft, soll auch an vielen großen Verbrechen, die in England verübt»vorden sind, beteiligt geniesen sein. Nachgerade hat sich auch seine Mutter von ihin losgesagt und schriftlich erklärt, daß sie von dein Verbrecher nichts mehr'wisse» »volle. Seine Mutter hat seiner Zeit hier in Berlin im Hause Wittcnbcrg-Platz 3 vorübergehend gewohnt. Bei der in demselben Hause»vohnciiden Witlve d'eS Geh. JustizratS G ii tz l o e»vurde am Abend des 26. August 1894 ein Einbnich verübt, bei»vclcheni dem Diebe etwa 13000 M. in Wertpapieren, ciiiSparkassciivuch über 300M.. mehrere hundert Mark in Bar, Brillanten, Uhren und Goldsachcn in die Häiide fielen. Nach etiva zlvei Monaten schrieb der Oberinspektor der Ab- teilimg für Kriminallmtcrsuchimg in London an Frau Gützloe, daß Coimor verdächtig sei, den Diebstahl begangen zn haben. Der gegen ihn erhobene Verdacht verstärkte sich aber erst lim Jahre 1896 so, daß seine Bcrhaftimg erfolgen koiinte. Es hatte sich nämlich in London ein Mann gemeldet, der bekimdete, daß er in dem Besitze des Connor eines der gestohlenen Wertpapiere, eine Hibernia-Aktie, gesehen habe. Nach längeren Unterhandlungen zivischen den ausivärtigcn Aemtern wurde Connor im Juli 1897 au die deutschen Behörden ausgeliefert. Er bestritt entschieden, an dem Diebstahl beteiligt gewesen zn sei», zu seiner Belastung dienten aber außer den übrigen verdächtigen Umstünden auch die Rcnommistcrcicn über seine verbrecherischen Hcldcnthateii. in denen er sich seinen Mitgefangenen gegenüber gefiel und bei denen auch der Einbruch am Wittcnbergplatz eine Rolle spielte. Obgleich der An- geklagte behauptete, zur Zeit des Diebstahls gar nicht in Berlin, sondern in London gewesen zu sein, verurteilte ihn die zweite Strafkammer des Landgerichts II am 23. September 1898 auf Grund einer umfangreichen Beweisaufnahme zu vier Jahre» Zuchthaus unter Anrechnung von 9 Monaten auf die Unter- snchungshaft. Connor hat schon mehrmals dieses Urteil im Wege der Revision mit Erfolg bekämpft, die wiederholten Verhandlungen hatten aber immer dasselbe Ergebnis. Da das Reichsgericht auch das letzte Urteil wiederum aufgehoben hatte, so hatte sich die zweite Strafkammer des" Landgerichts II an zwei Sitzungstagen abermals mit dem gefährlichen Abenteurer und Verbrecher zu beschäftigen. Abermals fand eine umfangreiche Bctveisaufnahme statt, an deren Schluß Staatsanwalt S ch a s f e r wieder 4 Jahre Zuchthaus beantragte, während Rechtsanwalt Dr. S ch w i n d t den geführten Indizienbeweis zur Verurteilung nicht für ausreichend erachtete. Der Gerichtshof hatte wiederum an der Schuld des Angeklagten keinen Zweifel und erkannte deshalb abermals auf 4 Jahre Zuchthaus, Ehrverlust und Zulässigkeit von Polizei-Aufsicht. Es blieb auch bei der Anrechnung von nur 9 Monaten auf die Untersuchungshaft. Der Angeklagte will es trotz alledem nochmals mit dem Rechtsmittel der Revision ver- suchen. Ein Liebling deS Hamburger ScharfmachertumS, der Burcauchef derSeeberufSgenosscnschaft Heinrich S t ö v e r ist am Freitag wegen dreier B e t r u g s f ä l l e, die er zum Nach- teil der Bcrufsgenossenschaft verübt hatte, von der Hamburger Straf- kaminer zu vier Jahren Gefängnis und vier Jahren Ehr- Verlust verurteilt worden. Ein Monat der erlittenen Untersuchungshaft wurde auf die Strafe angerechnet. Die Summe, um die Stöver die Berufsgenossenschaft geschädigt hat, beläuft sich auf über SO 000 M. Vermischtes- Zum Brande des Dampfers„Patria" liegen folgende Nach- richten vor: Hamburg. 17. November. Die„Hamburg-Amerika-Linie" hat ihre großen Schleppdampfer„Hansa" und„Stade" in See geschickt, un, der„Patria" Hilfe zu leisten. Die Passagiere der„Patria" sind gestern abend von Southampton mit dem Schnelldampfer„Kaiser Friedrich" nach Hamburg weiter befördert worden und haben vor ihrer Abreise von England an die„Hamburg-Amerika-Linie" das folgende Telegramm gesandt:„Bei Abgang des„Kaiser Friedrich" sprechen die Passagiere der„Patria" der Hamburg-Amerika-Linie ihren besten Dank aus für die vorzügliche Führung; der Uebcrgang von der„Patria" auf den Steamcr„Ceres" war mustergültig.'Alle Passagiere hatten das größte Vertrauen zu der Besatzung. Die Weiter- beförderung von Dover nach Southampton bot durch die vorzüglichen Arrangements Ihres Agenten alle irgend möglichen Bequemlichkeiten." Nach einer heute nachmittag hier eingetroffenen Meldung ist der Dampfer„Athesia", welcher versucht hatte, der„Patria" Hilfe zu leisten, in Cuxhaven mit der Mannschaft der„Patria" an Bord an- gekommen. Nur der Kommandant der„Patria", Kapitän Fröhlich, ist auf einen, Schleppdampfer in der Nähe seines brennenden Schiffes geblieben. Die„Athesia" hat die Hilfeleistung aufgeben müssen, nachdem die Trosse, mittels welcher sie den Schleppversnch angestellt hatte, gebrochen war und es sich als unmöglich erwies, mit dem brennenden Schiffe, dessen Rumpf bereits rotglühend war, eine andere Verbindung wieder herzustellen. Als die„Athesia" das Schiff ver- ließ, stand dasselbe im ganzen Umfange in Flammen. Die hinteren Masten waren bereits über Bord gefallen. New Jork, 16, November. Hiesige Zeitungen, welche direkte Kabelberichte über den Unfall des deutschen Dampfers„Patria" erhalten haben, sprechen in Ausdrücken höchsten Lobes über die an Bord zu Tage getretene Disciplin und Ordnung im Verhalten der ganzen Mannschaft. Nach einer Meldung deS„Daily Graphic" aus Dover ist der deutsche Wahlkonsul in Puerto Rico, D u p l a c e, der sich als Passagier an Bord der„Patria" befunden hatte, infolge der Auf- regung in einem Hotel in Dover g e st o r b e n. Ein Eiscnbahn-Uuglück ist auf dem Bahnhofe von Schaerbeck bei Brüssel entstanden. Freitagvormittag 9 Uhr stieß ein Zug, der um 9 Uhr von Brüssel nach Antwerpen abgegangen war, mit einer Lokomotive zusammen, die von Lacken kam. Ei» Salonwagen und zwei andere Wagen wurden umgeworfen, mehrere Personen,' wurden verletzt. Nach weiteren Berichten hat sich der Eisenbahnunfall auf den, Bahnhof von Schaerbcek dadurch ereignet, daß infolge falscher Weichenstellung ein von Lacken kommender Güterzug in einen nach Antwerpen fahrenden Personenzug fuhr. Ein Reisender wurde schwer, ungefähr 20 Personen wurden leicht verletzt. Beide Züge fuhren mit geringer Geschwindigkeit, Ivodurch das Unglück weniger ernst geworden ist. bedeutend. Der Materialschaden ist Ein schweres Unwetter wütete Donnerstagnachmittag auf der Insel Elba und verursachte mehrere See-Uusällc bei Rio Marina Mehrere kleine Schiffe scheiterten. Vier Personen büßten das Leben ein. Auch jetzt ist das Wetter noch ungünstig. Marktpreise von Berlin am tv. November noch Eruiittclunzen des Igt. Pollzeipräsidiums. ")Weize» »)Roggcn J fsuller-Ciersie Haser gut ,. mittel „ gering Nichtstroh He» 1)E,tsen i)Spcisebohnen Minsen Kartüsscln, neue Nindfleisch, Keule do. Bauch ) Ermittelt T.-Clr. 1kg pro 15,— 14,40 14,10 15,20 14,40 13,60 4,- 6,70 40,.- 50,— 70,- 7,4. 1,60 1,20 Tonne 13,80 13,50 13,- 14,50 13,70 13- 3,50 4,- 25,— 25.- Schweüiefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsch« Schleie Bleie Krebse 1 kg 60 Stück 1kg per Schock 1,60 1,80 1,60 2,80 5,60 2,20 2,80 2,40 1,80 1,80 2,80 1,20 12.- 1,19 1,- 0,90 2_ 2�40 1,20 1,20 ],- 1,- 0,80 1,20 0,80 3,- 30,— 5,— 1,20 1,- uou der CculrMelle der Preutz. Landwirt- fchastskauimer»— Notieriingsstelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium sür de» Doppcl-Centner. t) Kleiuhaudelspreise. Produkten markt vom 17. November. Trotzdem die amerikanischen Getreidebörsen gestern nach festerem Beginn sich wieder rückgängig zeigten, konnte Getreide am hiesigen Markte seine Preise ziemlich behaupten, da die Wareofferten Amerikas etwas höher gehalten sind und die hiesigen Mühlen als Käufer für Roggen auftraten. Aus den Provinzen lag wieder starkes Angebot vor, doch blieben die Umsätze gering, da Abgeber sich ans den ge- nannten Gründen zu Konzessionen nicht geneigt zeigten. Weizen und Roggen waren im Preise fast unverändert. Hafer lag matt auf bedeutendes schlcsischcs Angebot; Rüböl sehr still. Am S p i r i t u s ur a r k t e stellte sich 70er loco 0,10 M. höher als gestern aus 47,60. Termine waren still, behauptet. Weltcr-Proguose für Gonnnabend, den 18. November 1899. Ein wenig wärmer, vorherrschend wolkig, mit leichten Regcnsällen und ziemlich frischen westlichen Winden. Berliner Wetterburean. Orts- Krankenkasse der Klempner» Am Montag, den 27. Nov. d. I., abends 8Vj Uhr, findet im Lokale Annenftr. 16 eine 8ggb Versammlung der grostjährigen Mitglieder unserer Kasse behufs Wahl von 14S Vertretern pro 1999 statt. Um eine reichhaltige Kandidaten- liste dazu auszustellen, findet zuvor anr Montag, den 20. Nov., abends 8'/, Uhr, ebendaselbst eine Vor- Versammlung der großjährigen Mitglieder statt. In beiden Vcrsamm- lungen legitimiert das Quittungsbuch. Am Mittwoch, den 29. Nov. d. I., abends 8Vz Uhr, findet bei Mündt, Köpnickerstr. 100, eine Versammlung der Arbeitgeber» welche Beiträge für angemeldete Mit- glieder zu unserer Kasse leisten, behufs Wahl von 7.3 Vertreter» pro 1999 statt. Um eine Kandidatenliste dazu auf- zustellen, ersuchen wir diejenigen Arbeitgeber, die gewillt sind, die Wahl pro 1900 anzunehmen, ihre Adresse bis zum 22. November im Kassenlokal einsenden zu wollen. Die Arbeitgeber können sich auch durch ihre Geschäftsführer oder Be- triebsbeamte vertreten lassen. _ Per Vorstand. Die General-VechMlW der Vertreter der Arbeitgeber für die Mitglieder der Orts- Krankenkasse llervelb-ll. Imogieszer hicrfindet am Sonntag, den 26.Nov.cr., vormittags 10 Uhr, im Lokale des Herrn Paster, Jnsclstraße 10, statt, wozu sämtliche Vertreter hierniit ein- geladen sind. L95b Tagesordnung: I. Wahl von vier ausscheidenden Vorstandsmitgliedern der Arbeit- gcber. 2. Wahl des Ausschusses sür die Prüfung der Mchrarng des laufenden Jahres.§ 48 Ziffer 1 des Statuts. 3. Beschlußfassung über die VIII. Abänderung§ 14 Absatz 3, cvcntl. Abänderung derselben(An- trag deö Vertreters O. Schittkowski:c.) i. Verschiedenes. Berlin, den 17. November 1899. Ho« Vorstand. Achtung! Achtung! Sonntag, den 10. November, vormittags 10 Uhr, im Zeeupalast, Bargstraße Tl (Eingang Wolfgangstrastel: GroHe Vrokest Vorfermmlung aller Mitglieder der Neuen Maschinenbauer- Krankenkasse gegen das Ausscheiden der A. E.-G. zum 27. November 1899, laut Verfüguug des Ober-Präfidenten» und die Herauszahlung eines Drittels des Reservefonds au dieselbe. Tages-Ordnnng: I. Ist die Verfügung des Oberpräsidenten gesetzlich zulässig? Referent Reichstags- Abgeordneter Arthur Stadthagen. 2. Skellunguahme der Mitglieder.� Mitgliedsbuch legitimiert, ohne diese« kein Zutritt."ML _ Die Koninilstiion der Delesrierten. I. 21.: Karl Kaiser, Koppenstr 8846 7. Maler und vew. Beruftgenoffen. >en S9. November, im große» Saale der �triululi allen, Kommandant Oeffentliche Uersammlnng. Alles Nähere siehe Sonntags-Jnserat. [126/81 Der Vertrauensmann. H. Plum. Orts-Krankenkasf e der Kupserschmiede. Sonnabend, den Sä. Novbr. er., abends 8V, Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosen- thalerstraße 11/12: GeneralTersammluDg. Tagesordnung siehe übersandte Ein- ladung des Vorstandes. 99/7 Orts- Kraukenkafse der Ale«»er»eliiu!ede, Schwertfeger und Ver> fertiger chlrnrglscher lantniincnte zu II e r 1 1 n. Lrbentl.Geiltrolversommlullg am Sonnabend, Sä. November, abends 8Vz»Hr. bei Schiller, Roscnthalerstraße 57. Tagesordnung: 1. Wahl eines Rcndante». 2. Bor- standSwahl(1 Arbeitgeber, 2 Arbeit- nehmcr). 3. Wahl von 3 Ausschuß- Mitgliedern behufs Abnahme der Jahres-Rechnung. 4. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht 6vlb Per Vorntaud. Orts-Krankeukass e der Strumpfwirker. Montag, den S7. November er., abends 8-/- Uhr: 270/11 PrdentI1eI»e Genera!-Versammlung in Feinds Salon, Weinstr. 11. Tagesordnung: 1. Ersatzwahl zweier ausscheidender Mitglieder. 2. Wahl des Rechnungs- Prüfungs-AuSschusses für 1399. 3. Be- schlußfassung über den Kontrakt mit einen: Aerztcverein für 1900. 4. Sta- tutenänderung. 5. Verschiedenes. Die Delegierten werden um pünkt- liches Erscheinen ersucht. Oer Vorstand. OHs-Xrantatese Centraiverein der Bildhaner. Verwaltungsstelle Berlin. Dienstag, den Sl. November 1899. im Restaurant isplelverg, Köpnickerstraste KS: Tersammlaiig."Mff Tagesordnun g: 1. Geschäftliches. 2. Wo feiern wir unser nächstes Herbstfest? 3. Verschiedenes. Zu der an: Sonntag, den 19. November, vormittags 10 Uhr, statt- findenden Vorstellung in der„Urania", Taubenstraße, sind noch Billets a 80, 70, 50 und 30 Pf. bei den Kollegen Q. Meyer, SO. Engel-User 2b und C. Trautvetter, O. Krautstr. 28, vorn 3 Tr., ebenda auch Billets zur Französischen Kunstausstellung in der Akademie a 30 Pf. zu haben. 21/9 Per Verstand. Achtitiij)! zu Berlin. Am Sonnabend, den Sä. No- vember, abends 8Vz Uhr, findet im„Dresdener Garten", Dresdener- straße 45, die ordentliche 72/3 General-Uersammlung sämtlicher Vertreter der Arbeitgeber und Kassenmitglieder statt. TageS-Ordnung: In getrennter Vasilversammlung: 1. Für die Vertreter der Kassen- Mitglieder: Ergänzungswahl von vier Mitgliedern zum Vorstand f. 1900/1901. 2. Für Arbeitgeber: Ergänzungswahl von zwei Mitgliedern zum Vorstand sür 1900/1901. In gemsinscdattllcder Versammlung: I. Wahl von 3 Revisoren(1 Arbeit- gcber, 2 Kaffcnnntglieder) zur Prüfung der Jahresrechnung pro 1899. 2. Ver- schiedenes.— Einladungskarte legitimiert. Um zahlreiches und pünkt- lickies Erscheinen ersucht Berlin, den 17. November 1899. Per Verstand. E. Davidshäuser, E. Rabe, Vorsitzender. Schriftführer. Orts- Krankenkasse der Maler. Dienstag, den 21. November 1899, abends 8:/, Uhr: General-Versammlung der Delegierten luden Arminhalleu. Kommandanten- straße 20. Tagesordnung: Statutenänderung; Neuwahl der Vorstandsmitglieder; Ersatzwahl von Krankenbesuchen:; Verschiedenes. 8726 Der Vorstand. (E. H. 126 in Liquidation). am Sonntag. 8866 den 19 Versa tmnlmm. 9. November, vorm. 9 Mr. Vergfolder! Achtung! Verband der im Bergoldergewerbe beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Filiale Berlin. Montag, S9. November, abends 8'/- Uhr, in den„Arminhallen", Kommandanten-Straße Nr. 20: jJIitg'Iieder-Versammluiig. Tagesordnung: 226/4 1. Vortrag des Genossen Dr. med. Wey! über:„Der Alkoholismus und seine Bekämpfung." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragckasten. Die Kollegen nebst Frauen werden besonders zu dieser Versammlung ein- geladci: und erwartet zahlreiches und piinltlid)cs Erscheinen Der Vorstand. DeulsGli. Metallarbeiter-Verband (Verwaltungsstelle Berlin). Werkftatt-Bertranensleute! Hsuls, Sonnabend- Abend S'/Z Dbr: Versammlung für den Norden 6ei Versammlung sur Moabit � Fischer, 8«� e. Dienstag, den 21. November, abends 8V« Uhr: Branchen-Versammlung aller in der chirurgischen Judustrie beschäft. Arbeiter u. Arbeiterinnen in Pnsl»es Salon, tirenadierstrasse 33. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen A d o l f H o sfu: ann. 2. Diskussion. 3. Der- schiedenes und Bcrbands-Angelegenheitcn. Die Kollegen und Kolleginnen ivcrden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Gäste haben Zutritt."VBj Die Bibliothek befindet sid> Annenftr. 39, Part., und ist geöffnet von 9—1 Uhr vormittags und von 4—7 Uhr nachmittags, DienStags und Donnerstags von 9-1 Uhr vormittags und von 4—9 Uhr nachmittags. 117/9 Die Ortsverwaltung. Gürtler! Montag, den SO. Xovcmbcr 1899, abends SI/2 Tlir, bei Mehring, Admiralstr. 18c: Versammlmig der CJ Urtier. TageS-Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen Alwin K ö r st e:: über:„Das neue Junungs- gesetz". 2. Diskussion. 3. Wahl eines Gescllen-Ausfchusses. 4. Verschiedenes. Kollegen! Nach vorausgegangener Verständigung mit der Innung der Gürtler sehen wir uns veranlaßt, vornehmlich alle bei Mitgliedern dieser Innung beschäftigte Kollegen zu vorstehender Versammlung einzuladen. 116/13 Der Vertrauensmann. verlilind der Mlirik-. Mi»-. NlssarMter und Arbkiteriiinkn Dentslhiailbs. Zahlstelle Berti«. Sonntag, den 19. November, nachmittags SV- Uhr. im Kolberger Salon, Kolbergcrstraste 33: Mk" Mitglieder- Versammlung. Wtz Tagesordnung: Verbandsangelegenheiten. Um 3V, Uhr ebendaselbst: (Ocffetitl. Vevfcitntttlung. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Pr. Weyl über: Alkoholismus und Arbeiterbewegung.— Nach der Versammlung: Gemntliches Keisammensein«yd Tanz. NB. Da der Saal uns nur bis 5 Uhr zur Verfügung steht, so muß werden und ist es daher Pflicht der die Versammlung pünktlich eröffnet Mitglieder, pünktlich zu erscheinen. 896k «runncnstr. 188. I. A.: Roggcmann. 'Lerantwortlichi» Siedatteur: 9iwT in Berlin: yia dm JnjuatepteU vpantivortlich: Th. Glocke u> Berlin, Tmck und Verlag von Max Babing m Berlin. Die Ortsverwaltnng. Verband der Möbelpolierer. Montag, dcit 29. November 189», abends 8l/2 Uhr. AndreaS-Straße Nr. 29: Verpamtnlung. Tages-Ordnnng: I. Vortrag des Genossen Jahn über:„Die Arbeiterbewegung im Jahre 1900." 2. Wahl eines Bevollmächtigten. 3. Ausgabe der Billets a 60 Pf. zu der Sonder-Vorstcllung am 26. Dezember in der„Uroma�, Tanbenstraßc. 4. Verschiedenes.(Hierzu ist der Kollege Albert Hübner eingeladen.) Da Herr Dr. Becher morgen vormittag von 11 Uhr anderweitig in Atlspmch genommen ist, werden die Kollegen hiermit ersucht, morgen von 8— lO'/. Uhr sich untersuche:: zu lassen; die hierzu nötigen Karten sind in unserem'Arbeitsnachweis zu haben. Per Vorstand Die Kollegen und Freunde des«esang-Vereins der Möbel. polierer(M. d. 31.=®.) sind hiermit eingeladen, heute abend. Große Frankfurterstr. 74, am dritten Stirtungsfest teilzunehmen. Billets, Damen 25 Pf., Herren 50 Pf. inkl. Tanz, sind bei den Sangesbrüdern zu haben.— Die Ucbuugsstnnde findet jeden Donnerstag 9—11 Uhr Fruditstr. 61 statt. 148/5 Per Verstand. Verband der in Buchbindereien, der Papier- und Leder- Galanteriewareii-Jttdustrie beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Dienstag, den Sl. November 1899, abends 8>� Uhr, in Feuersteins oberen: Saal, Alte Jakobftr. 73: Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnnng: 1. Vortrag des Herrn Ingenieur Cirernpe übet:„Fortschritte auf verschiedenen Gebieten der Technik." 2. Abänderung des Arbeits- nadiweis-RcglementS. 3. Verbandsangelegenheiten. Um zahlreiches Erscheinen crsudit Die Ortsverwaltnng. Mittwoch, den 22. November(Buhtag): AnsAng nach dm Grunwald. Treffpunkt früh 9 Uhr: Bahnhos Jaunowihbrüde. Fahrt bis Station Grunewald. Für Nachzügler: Onkel Toms Hütte. Zahlreiche Beteiligung erwünscht. 26/11 Verein d. Maschinisten, Heizer und BcrusSgenofsen Berlins und Umgegend. Sonntag, 19. d.M.. nachm. 3 Uhr. tkohn« Festsäle, Veuthstr. 20: MST Versammlung."WW Tagesordnung; 1. Vortrag des Kollegen Neumann:„Wie er- langt der Arbeiter sein Recht in Unfallpreitsachen"> 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. 138/20 Der Borstand Köpenick. Textilarbeiter Köpenicks! Der Besuch der Sternwart« findet erst au: Plenstag. den 21. d. Mts., statt.— Die Abfahrt findet nicht um 8 Uhr 14 Minuten, sondern um 7 llhr 14 Minuten vom Spindlersscider Bahnhos an« statt.[273/2] Ter Vorstand. Jlt. 271. 16. IlihrWZ. 2. Stilujc des„Dmiick" Kllliim MsblÄ SoNllbtlld, 18. November 1899. Die Vertrauensämter der Berliner Soeialdemokratie. i. IV. Wahllreis: lOst> IV. Wahlkreis: (Südost) V. Wa h l k r e i s: I. II. III. IV. V. VI. Wahlkreis: Wahlkreis: A Bertraucnspersoncn: lahlkreis: C h r i st. B o h n, Maaerstr. 23, v. III. bei Hahn. Gust. Seiler, Liegnitzerstr. 11, H. 3 Tr. II. Wahlkreis: Johannes R a u t m a n n, llrbanstr. 126. IV. G n st a v S ch ni i d t, Alcxandrincnstr. 7, H. II. III. Wahlkreis: S t e p h a n F r i tz, Oranienstr. 1S7, o. 4 Tr. Rob. Wentels, Fnichtstr. 36, H. II. Otto Franke, Pnllisadcnstr. 9, H. park. Emil Voigt, Pücklerstr. 33, part. Paul Böhm, Falckcnstciustr. 21, III. Karl Lange, Dragonerstr. IS, hart. Johann Sassenbach, Jnvalidenstr. 113, Ouergcb. I. VI. Wahlkreis:(WoabU): Johann Pfarr, Putlitzstr. 10. vorn parterre. (Wcdding und Oranienburger Vorstadt): En g en E r u st, Ackerstr. 33, H. III. (Noscuthaler Vorstadt und Gesundbrunnen): Her in. Raschle, Hochstr. 32b. vorn pari. (Schonhanscr Vorstadt): 51. Wünsch, Schlie- uuuinstr. 4S. B. Prcßkommisnou: A u g u sr Täterow, Annenstr. 26, Part.- Karl Woldt, Kanonierstr. 13, 3 Tr. S ch r a d e, Bellcallianccstr. 76, 3 Tr. Ferdinand Ewald, Schönleinstr. 6. lahlkreis: A. Wa rt en b erg. Stralauer Allee 17a. v.2Tr Rob. Hinze, Prinzcnstr. 98. Hof l. 3 Tr. Wahlkreis LO.: Paul H o f f m a n n, Oppclncrstr. 21. 0.: Adolf Hoffmann. Blumcnstr. 14. lahlkreis: Ad. Roth, Schonhanscr Allee 2. W. Friedländer, Elsasserstr. 23. Wahlkreis: Karl Leid, Soldinerstr. 87. Wilhelm Freythaler, Gartcnplatz 1, N i e d e r- B a r n i in. O. John, Obcrschönewcide, Sicmensstr. 2. Emil Gerstenbcrger, Wcibensce, Lehderstr. 113. Teltow-Beeslow. H. Otto Klein, Rixdorf, Kaiser Friedrichstr. 236. Fritz Hoppe. Rixdorf, Erckstr. 16. II. Alle hier genannten Parteigenossen nehmen Beschwerden, regungen:c. in Bezug auf die Presse entgegen. V. Lokalkommission: W. M a n a s s c, Nene Grünstr. 13. F. Lucht, Haseuhcide 31, Quergeb. IV. Albert F a l l e r. PallaSstr. 16, part. W. Mews, Gräfe str. 6. 2. H. l. Ausg.. I. Wilhelm Hinz, Prinzenstr. 66, v. IV. Emil R o s i n, Reichenbergerstr. 26, v. IV. Oskar Blume, Gubciicrstr. 6, part. O. Galle, Koppenstr. 8, vorn II. Karl Scholz, Wrangelstr. 110, Part. R. Sasse, Pücklerstr. 49, vorn I bei Kühn. Richard Haiielbusch, Cuvrystr. 16,Seitenfl.II. Wilhelm Späth. Weinstr. 28, part. G u st a v B u s s e, Sophienstr. 23/29, VI. Wahlkreis: Karl Fischer, Beusselstr. 9(für Moabit). J. Kaiser, FlenSburgerstr. 26, parterre. (für Oranienburger Vorstadt und W e d d i u g). W. G a tz m a ii ii, Grünthalerstr. 65,(für die Rosen thaler Vorstadt und Ge- sundbrunne n). O. R i ß m a u n. Wörtherstr. 11, Seitenfl. III, (für die Schönhauser V o r st a d t). Briefscndungen, Anfragen usw. in Lokalangelegcnheiten sind an den Obmann Karl Scholz, Wrangelstr. 116, pt., zu richten. An- I. Wahlkreis: II. Wahlkreis: III. Wahlkreis: IV. Wahlkreis: (Oft.) IV. Wahlkreis: (Südost.) (für Treptow.) V. Wahlkreis: Zlns England. London, den 13. November. (Enthüllung deS Crounvell-Deukmais. Seine Geschichte.— Festrede Lord Roscberys. Rosebery als moderner Auti-Cromwell.— Eine Rede und eine Äonserenz über die Wohnungsfrage in London Der Ruf nach Gemeiude- wohnungen und ein stärkeres Expropriationsrecht.— Ein Streit um Lord Salisburvs Auildhall-Redc.) Gestern früh ist hier in aller Stille eine von dem Bildhauer W. Thorncycroft angefertigte Statue Oliver Cromivells enthüllt worden. Sic stellt den grojzcn Feldherrn der puritanischen Revolution und Protektor der englischen Republik als Streiter des Glaubens dar, in der rechten Hand das Schwert, in der linken die Bibel. Das Haupt ist entblößt, die Haltung energisch, der Ausdruck entschlossen, aber mit einem etwas träumerischen Fug. Auf eincni massiven Sockel macht das in Bronze ausgeführte zehn Fuß hohe Standbild einen imponierenden Eindruck. ES steht in dem Vorplatz vor Westminster Hall, der gegen die Straße etwas tiefer liegt, weshalb dem Sockel eine etwas inigewöhnliche Höhe(12 Fuß) gegeben werden mußte. Die Geschichte dieses Denkmals spiegelt in eigcntiimlichcr Weise die verhängnisvollste Epoche in der Laufbahn des Mannes wieder, den Carlylc als den Typus des Heldcnkönigs verherrlicht hat, und den Friedrich Engels als Feldherrn und Sl'aatsmann über Napoleon stellte. Nicht dem Willen der Nation gemäß ist das Denkmal aufgerichtet worden, nicht in Uebercinstimmung mit dem Beschluß deö Parlaments steht es an seiner jetzigen Stelle— unmittelbar vor dem Parlaments- gcbäude. Im Widerspruch mit einem Parlamentsbeschluß ist es er- richtet, ohne, wenn nicht gegen den Willen des Hauses der Gemeinen und in völliger Nichtachtung eines aus dem Hause der Lords er- gangenen Protestes ist ihm seine Stelle ausgewählt worden. Eine geradezu symbolische Entstehungsgeschichte für das Denkmal eines Mannes, der fünf Parlamente auseinandergejagt hat. Und symbolisch kann man es auch nennen, daß Cromwell. der auf der Höhe seiner Laufbahn daS Haus der Lords abgeschafft, eS kurz vor seinem Ende aber wiederhergestellt hatte, sein Denkmal der Freigebigkeit eines Mitgliedes der Pcerskammcr verdankt. Es' ist' ein nur noch formell verhülltes Geheimnis. daß die Kosten der Herstellung des Denkmals von Lord Rosebery erlegt worden sind, und der genannte weiland Führer der liberalen Partei hielt ihm gestern abend in einer großen Fcstversammlung in Oueenshall die Würdigungsrede. Es war in einer der letzten Sitzungen des vorigen Parlaments, daß die danialige Regierung uni einen Kredit von 360 Pfd. Sterl. für die Aufrichtung einer StaMe Cromwells im Parlament nach- suchte. Erst ward er ihr mit 13 Stimmen Mehrheit bewilligt, in einer zweiten Sitzung aber(am 17. Juni 1893) stürzte eine Koalition der ToricS und der Jrländer mit 220 gegen 83 Stinuiien jenen Beschluß wieder um. Zwei Tage darauf konnte das politische Mund- stück des radikalen englischen Nonkonformijlentums(die pro- testantischen Sekten) bekannt geben, daß ein iingenaimter Verehrer Cromwells 3000 Pfd. Sterl. für das Denkmal gezeichnet habe, und nach zwei weiteren Tagen nahm das Ministerium Rosebery eine gegen sich ausgefallene, an sich untergeordnete Abstimmung zum An- laß, von der Regierung zurückzutreten. Nicht diese letzte, sondern die vorerwähnte Abstimmung hatte ihm den Rest gegeben. Sie hatte die tiefe Kluft bloßgelegt, die zwischen einem großen Teil der Liberalen und den irischen Nationalisten bestand.' In seiner gestrigen Festrede, die ziemlich einstimmig als eine bedeutende oratorische Leistimg bezeichnet wird, richtete Rosebery einige bcrsöhnende Worte an die Adresse der Jrländer. Cromwells Gewaltthaten in Irland feien an? der damaligen Auf- fassung der Puritaner Heraiis zu erklären, das heiße aber nicht, sie entschuldigen. Er, Rosebery, würde, wenn er Jrländer sei, sicher keinen Beitrag zu einem Cromwell- Denkmal zeichnen. Er ersuche aber die Jrländer, so wie niemand von dies- scits des St. Georq-Kanals sich darin einmische, welche Standbilder sie in Dublin aufstellen, ihrerseits von jeder Einmischung in die Frage der Aufstellung von Denkmäleni in London abzustehen. ' Die Enthanptnng Karls I. bezeichnete Rosebery als einen schlvercn politischen Fehler, seine Absetzung dagegen als unvermeidliche Folge seines hartnäckigen Bestehens auf seiii überkommenes absolutistisches Privilegium.„Wir haben erkannt, daß ein feudaler Monarch kein konstitutioneller Monarch sein kann". Nach einer Würdigung der Größe Cromivells als Soldat, als Regent(„er ivar der erste Herrscher, der die Toleranz zu begreisen und zu üben wußte") und als Diplomat verweilte Rosebery bei dem englischen Zug in Cromwells Wesen, in dem nach ihni das Geheimnis seiner moralischen Stärke wurzelte, und verteidigte ihn mit großer Wärme gegen den Vorwurf der Heuchelei. Mit dem Wunsch nach zeitgemäßen Nachbildern Cromwells und dem Ausdruck der Ueberzeugunq, daß dessen Platz im Pantheon der Nation gesichert sei, schloß die Rede. Von bestiimntcren Anspielungen auf die Gegenwart enthielt die Rede so gut wie gar nichts. An' einer Stelle, wo er von Cromwells erfolgreichem Eintreten zu Gunsten der verfolgten Waldcnscr sprach, legte' RoscbeNi besonderes Gewicht darauf, daß Cromwell diesen Erfolg erzielte, ohne zu den Waffen greifen zu müssen, weil er bei seinem diplomatischen Auftreten keinen Zweifel an seinem Ernst und seiner Entschlossenheit aufkommen ließ. Aber das war kein Hieb auf Chamberlains neue Diplomatie, sonder» eine Art Rechtfertigung seines eigenen Verhaltens in der Frage der Armenier, das ihm die radikalen Nonkonforniisteli noch heute nicht verziehen haben. In etwas sanfterer Form als gewöhnlich hält es ihm heute das„Daily Chronicle", mit starker Fraktur aber der„Star" entgegen, daß Gladstouc damals als der Cromwell des 19. Jahrhunderts gehandelt habe und nicht Rosebery. Der Bruch, der durch die liberale Partei geht, ist durch die gestrige Rede Roseberys nicht überbrückt worden. •• • Mehr im Sinne der Liuksradikalcn sprach Rosebery TagS zuvor iu Shoreditch, einer Gemeinde im nordöstlichen London. Dort hat die Behörde eine Reihe von alten, zu Höhlenwohnungen verwendeten Häusern niederreißen lassen und an ihrer Stelle von Gemeinde wegen große Häuser mit luftigen, modernen Sanitätsanspriichen genügenden Wohnungen für kleine Mieter errichtet. Rosebery meinte ganz richtig, so nett die Wohnungen wären, so böten sie doch gerade einem großen Teil der Mieter jener Höhleu- Wohnungen keinen Ersatz, weil sie für sie doch wieder zu teuer kämen. Es müßten wirksamere Mittel ergriffen werden, schärfere Kontrolle der Eigentümer von solchen Häusern, ein Expropriationsverfahren, bei dem nicht der wucherische Mictswert zu Grunde gelegt werde, der heute vielfach gerade aus diesen Häusern gezogen werde, und ferner müßten die Gemeinden das Recht er- halten, Grund und Boden zu Bauzwecken außerhalb Londons zu erwerben und zu bebauen und so mit Hilfe billiger Verkehrsmittel den Arbeitern Wohnungen in gesunder Umgebung zur Verfügung zu stellen. Wenn er sehe,' wie alle solche Bestrebungen durch bureau- kratische und formalgesetzliche Hindernisse aufgehalten oder ganz vor- nnmöglicht würden, so sehne er sich manchmal nach einem Diktator mit festem Willen und weitem Herzen, der ein Jahr lang das Recht haben solle, mit unbeschränkter Vollmacht drcinzufahrcn und den Hansen von gesetzlichem Unrat zu beseitigen, mit dessen Be- wältiguug das Parlament in vierzig Jahren nicht fertig zu werden scheine. Zu Beschlüssen im Sinne der positiven Vorschläge Roscberys— Erweiterung und kräftigere Ausnutzung des Grunderwerbs- und Baurcchts der Gemeinden, sowie Fürsorge für billige Beförderungs- mittel— kam eine auf gestern(Dienstag) von der Union christlicher Socialisten nach der St. Martins Town Hall zur Beratung der W o h- nungsfrage ciiibcrufene Konferenz von Gemcindevcrlretern k. Allseitig ward anerkannt, daß die Wohnungsnot und das Steigen der Mieten in den Volksvierteln nach unmittelbarer Abhilfe rufen und demgemäß die ursprünglich ins Auge gefaßte Forderung nach Ein- setzung einer kgl. Kommission zur Untersuchung der Wohnungsfrage, als bloS zu Verschleppungen führend, fallen gelassen. Der fnihcre Minister ASquith, der der Versammlung präsidierte, meinte übrigens, er habe sich in seiner Amtsthätigkeit überzeugt, daß, wo bei den Gemeinden ein ernster Wille vorhanden sei, der Wohnungsnot zu Leibe zu gehen, ihnen dies auch schon auf Grund der bestehenden Gesetzgebung in weitem Unisange möglich sei. ES komme also darauf an, Leute in die Gemeindevertretungen zu wählen, die nicht selbst ein Interesse an hohen Mieten hätten. Wieder trat Herr Asquith für stärkere Besteuerung des' durch städtische Verbesserungen im Wert erhöhten Eigentums ein, während von anderer Seite die Forderung nach Einsetzung von städtischen Mietsgerichtshöfen nach dem Muster der irischen Agrargerichte erhoben wurde. Eine Resolution, welche die oben charakterisierten Grundsätze zusammensaßt, fand einstimmige Annahme.— • Die Guildhall-Red c Lord Salisburys läßt die Presse noch immer nicht zur Ruhe kommen. Vor einigen Tagen hat ein liberaler Parlamentarier. Lord Edmond Fitzinaurice(ein Nach- komme des berühmten Arztes und Oekonomen William Pctty) Salis- bury in einer Rede in Bristol auf die Erklärung als ein Versprechen festzunageln gesucht, daß England nicht nach Südafrika gezogen sei, sein Herrschaftsgebiet auszudehnen, Goldfelder zu erwerben und den Boeren demütigende Bedingungen aufzuerlegen. Darauf hat nun Salisbury der Presse eine Berichtigung zugchen lassen, worin er erklärt, er habe solch Versprechen nicht ge- geben, sondern nur gesagt:„Wir sind nicht auf Gcbietsausdehnnng, nicht ans Goldfelder aus, wir wollen nur gleiche Rechte für die An- gehörigen aller Rassen und Sicherheit für unsere Laudesangehörigcn und unser Reich". Er, Salisbury. lehne eS ab, heute sich über die Bedingungen zu äußern, welche die Regierung im gegebenen Moment zu diesem' BeHufe für nötig halten sollte. Eine schöne Kasuistik. Tie aiinexionslüsteme Presse ist jedoch von dieser Erklärung entzückt und legt sie in dem Sinne aus, daß sie bloß den Vorwurf der Länder« und Goldgier abweist, aber in keiner Weise die Annexion des Transvaal„aus Sicherheitsgründen" ausschließt. Boerenfrcundliche liberale Blätter dagegen bestreiten, daß die Erklärung irgend etwas von dem, was Lord Fitzmaurice gesagt, berichtigt, und halten daran fest, daß die Guildhall-Rede eine moralische Verpflichtung Englands einschließe, von jeder Annexion Abstand zu nehmen. Eine Mittel- stellung einnehmende Blätter sprechen wieder von partieller Annexion oder zeitweiliger Besetzung von Boerengcbiet. Aufhebung oder Rcducicrung der Befesttgmigcn ze. Im ganzen jedoch ist diese Bcr- teilung des Fells des noch unerlegten Bären ziemlich uninteressant und unreal. Die ganze Diskussion ist verfrüht, so lange die Bereinigung der jetzt am Kap eiiigetvoffeiieu Regimenter mit den von den Boeren bedrängten Besatzungstruppen nicht erfolgt und England in die Lage versetzt ist, den Krieg ins Boercnland hinüber zu verlegen. Einstweilen muß ab- gewartet werden, ob die Boeren nicht vor dem Anrücken jener Vcr- stärkungen es auf einen Sturm auf die von den Engländern besetzten Punkte ankommen lassen Thun sie es nicht, oder werden sie von neuem abgeschlagen, so wird man den Krieg als zu ihren Ungunsten emschieden betrachten müssen.(? Red. d.„V.") lieber diesen Punkt aber können die nächsten Tage schon Auskunft bringen.— Aus der Fvuuvnvemrgnng. Die Kriminalität der Fra». Im Jahre 1897 befanden sich unter 463 383 Personen, die wegen Verbrechen und Vergehen gegen die Reichsgesctze verurteilt winden, 76 331 weibliche,' von denen 40 816, also über die Hälfte, verheiratet und 448 über 70 Jahre alt waren. Verwitwet und geschieden waren 7722, also ein reichliches Zehntel. Von den verurteilten Männern waren mir reichlich Vs verheiratet, auch finden sich unter ihnen verhältnismäßig viel weniger über 70 Jahre alte. Dagegen ist die Zahl der Vorbestraften bei den Franen relativ geringer wie bei den Männern. Auffällig groß im Verhältnis zu den Männern ist die Be- strafung von Frauen wegen Zinviderhaiidlnnaen in Beziehung auf die KonzessionSpflicht sowie gegen Anordnungen betreffend Sicherhcits- Vorrichtungen bei geiverblicheu Anlagen und wegen Verletzung der Soimtagsrnhe, also in den Fällen,'>vo die Frau als gewerblich Selbständige austritt. Es kommt hier fast eine Frau ans drei Männer, während in der Gesamtzahl der Verurteilten erst auf fünf Männer eine Frau kommt. Und dies trotz des Umstandes, daß die Zahl der selbständigen Frauen doch relativ viel geringer ist als die der Männer, Sehr stark sind die Franen auch beteiligt bei Verletzungen der Eidespflicht und falscher Anschuldigung. Im ersten Falle kommt eine Frau schon auf 2'/s Männer und im zweiten fast ebensoviel. Ein ähnliches Verhältnis besteht auch bei den Beleidigungen, wo 14 339 verurteilte Frauen und 39 384 Männer gezählt wurden. Als Kuriosnm sei auch die Verurteilung einer Frau wegen Zwei- kampfcs erwähnt, einer verheirateten Dame im Alter zwischen 30 und 40 Jahren im Regierungsbezirk Hildcsheim. Wegen Mordes wurden verurteilt 19 Frauen bei 82 Männern, Totschlag 26 Frauen bei 143 Männern, Kin desmord 183 Frauen, keine Männer, A u s s e tz u n g 28 Frauen, 4 Männer, fahrlässige Tötung 180 Frauen bei 429 Männern. In den Verurteilungen wegen Kindesmordcs, Aussetzung, fahr- lässiger Tötung und Totschlages tritt uns eine der dimkelsten Seiten unseres socialen Lebens entgegen, wobei die Leidenden besonders die Franen sind. Die ganze Summe von Elend, die ein von ihrem Verführer verlassenes junges Weib durchzukosten hat, Hunger und Not und Schande, bis die Verzweiflung zum Verbrechen treibt, erscheint in diesen trockenen Zahlen verhundertfacht, eine herbe Anklage gegen die Gesellschaft. in der solche Zustände möglich sind. Befinden sich doch unter den lvcgen Kindesmord Verurteilten 183 Frauen, 163 ledige und 8 Witwen, darunter 3 Mädchen unter 18 Jahren. Unter den wegen Aussetzung Verurteilten 28 Franen sind 23 ledige und 1 Witlve. eine ledige unter 18 Jahren. Bei fahrlässiger Tötung find 91 ledige und 24 Witwen, 3 der ledigen unter 18 Jahren und davon 2 unter 15 Jahren. Und auch bei Totschlag finden wir 13 Ledige und zwei Witiven, darunter 1 Kind unter 13 Jahren. Das schändliche Gewerbe der Kuppelei wird von Frauen in stärkerem Maße betrieben, wie von Männern. Es wurden 1664 Frauen bestraft bei 1007 Männern. Darunter waren 913 Borbesttafte und 4 unter 18 Jahren. Zur gcwcrbs- und gewohnheitsmäßigen Hehlerei stellen die Frauen ein bedeutendes Kontingent. Es wurden neben 97 Männern 75 Frauen verurteilt. Auch die Nahrungsmittelverfälschnng und die bannt im Zu- sammenhang stehenden Vergehen zeigen eine auffällig große Frauen- Beteiligung', nämlich 602 Verurteilungen gegen 1102 solcher von Männern. Bei Brandstiftung einschließlich der fahrlässigen Inbrandsetzung kommen ans 731 Männer 233 Frauen. Mehr der Kuriosität halber erwähnen wir noch, daß auch 130 Frauen verurteilt wurden wegen Jagd- und Fischereivergehen. unter ihnen 5 unter 13 Jahren, 5 zwischen 13 und 18 Jahre» und 11 über 60 Jahre, davon 3 über 70 Jahre alt. VeelÄnttninttgem Mit dev bevorstehende» Stichwahl im 4». Kommimal- Wahlbczirk beschäftigte sich eine vom Wahlvcrein des 6. Wahlkreises einbernsciie Versammlung, die am 16. November im Lokal Perle- bergcrsiraße 13 tagte und die sich eines recht regen Besuches zu erfreuen hatte. Für viele Leute, so führte der socialdcmokratische Kandidat Glocke ans. sei ja die Wahl nur ein zweifelhaftes Vergnügen. Für die Soeialdemokratie dagegen, deren Lebenselement der tägliche Kampf, sei besonders diese Stichwahl ein wirkliches Vemniigen. Es sei aber auch die thatsächlich einzige Partei, deren gewählte Bertteter das halten, was sie den Wählern versprechen. Dieses ganz besonders den Leuten klar zu machen, welche auf die Schwindelfirma „Parteilose Bnrgcrvereinigung" hereingefallen seien oder noch herein- fallen könnten, sei die Aufgabe aller Parteigenossen. Von den Genossen A u g u st i n und Kiesel wurden die Ausführungen des Referenten noch in trefflicher Weise ergänzt. Gegner meldeten sich trotz mehr- facher und dringendster Anffordcrnng nicht zum Wort, obtvohl auch solche in der Versammlung aiilvcscud waren. Kiesel machte noch besonders darauf aufmerksam, daß am 24. November der„Jude" Singer den„Parteilosen" Gelegenheit zur Vertretung ihres kommunalen Programms geben werde: an diesem Tage findet im „Artushof". Pcrlcbcrgcrslr. 26, eine öffentliche Kommunalwähler- Versammlung statt. Genosse Pfarr forderte auf. sich am Sonntag früh 8 Uhr zahlreich an der Flugblattverbreitimg zn beteiligen. Dieselbe findet von dem Lokale Stephanstr. 11 ans statt. Nach einem zündenden Schlußwort Kiesels erfolgt der Schluß der Ver- sammln» g. Die Arbeiter ber städtischen Gaswerke hatten in einer früheren Versammlung beschlossen. eine Erhöhung ihrer Löhne zu fordern. Eine Lohnkommission ist eingesetzt worden, welche das weitere veranlassen sollte. In einer äußerst zahlreich besuchten Ver- sammlung, die am Donnerstag stattfand, machte P ö r s ch namens der Lohnkommission den Vorschlag, der Direktion der gesamten städtischen Gaswerke folgende Forderungen einzureichen: Eine Lohnerhöhung von 20 Proz. für Betriebs- und Hofarbeiter sowie für Handwerkerr. Für Uebcrstnnden 20 Proz., für Sonn- und Feiertagsarbeit 40 Proz. Zuschlag.— Wie der Referent weiter aus- führte,'erhalten die BctticbSarbciter gcgenwärtiff einen Tagclohn von S M., die Hofarbeiter einen solchen von 3— 3,30 M., während die Löhne der Handwerker verschieden sind. Die Gegner der Arbeiter- bewegung würden wohl die Eimvendung erheben, daß der Lohn der Betriebsärbeiter schon ein recht guter sei. Demgegenüber sei zu be- merken, daß diese Arbeiter infolge ihrer in großer Hitze zu verrichtenden, äußerst anstrengenden Beschäftigung verhältnismäßig hohe Ausgaben für Lebensmittel, Getränke:c. haben, so daß sie sich also nicht besser stehen, wie die Arbeiter in anderen, weniger austrengeiideir Industriezweigen. Die städttsche Verwaltung, die ja nicht wegen hoher Arbeitslöhne berühmt sei, habe sich jedenfalls von derselben Ansicht leiten lassen, indem sie schon seit Jahren den gegenwärtigen Lohn zahle. Inzwischen seien nun aber die Lebcnsinittelpreise und die WohnungSmicien erheblich gestiegen. Mit Rücksicht darauf sei auch den Beamten, sowie den Arbeitern anderer städtischer Betriebe eine entsprechende Zulage bewilligt worden. Bei den Gasarbcitcrn seien die Löhne aber ans dem alten Fleck geblieben. Während sonst die in den Berliner Gaswerken gezahlten Löhne die höchsten in der Branche waren, stehe Berlin in dieser Hinsicht jetzt nicht mehr an der Spitze. denn andere Städte seien mit den Löhnen ihrer Gasarbeiter bereits auf dieselbe Höhe gekommen. Die gegenwärtige Lohnbewegung sei ja der Direktion der Gaswerke nicht unbekannt, und niaii könnte wohl annehmen, daß die Forderungen der Arbeiter ohne besondere Schwierigkeit bewilligt werden' würden. Einzel»: Betriebs- leiter hätten sich auch schon in diesem Sinne geäußert. Hierauf ging der Referent zur Frage der Accordarbeit über. In dieser Hinsicht könne die Kommission keinen bestimmten Vorschlag machen, da die Meinung der Arbeiter über die Accordarbcit geteilt sei. Viele Arbeiter wollten von der Abschaffung des Accords nichts wissen. Allgemein werde es als ein schwerer Uebelstand empfunden. daß den Arbeitern bei Beginn des Accords in der Regel nicht der Preis desselben gesagt werde, obgleich die Arbeitsordnung dies ausdrücklich vorschreibe. Es sei vorgekommen, daß Arbeiter, die nach dem Preise fragten, zur Strafe für diese„Dreistigkeit" mit Rcinigungsarbeiten beaustragt wurden, auch habe man die Beant Wartung solcher Fragen mit einem deutlichen Hinweis auf die Thür abgelehnt. Die Accordarbeiter wüßten niemals, wieviel sie eigentlich verdienen, und es sei vorgekommen, daß in einer Woche mit hoher Arbeitsleistung weniger Lohn erzielt wurde, wie in einer anderen Woche mit niedrigerer Arbeitsleistung. Wenn man auch in der Mehrheit nicht für Abschaffung der Accordarbeit sei, so sei doch der Wunsch laut geworden, daß feste Tarifsätze eingeführt und ein Mindestverdienst bei Accordarbeit garantiert werde. Die Diskussion drehte sich hauptsächlich nnc die Frage der Accord arbeit. Die meisten Redner traten für gänzliche Abschaffung dev selbe» ein und wünschten, daß eine dementsprechende Forderüng an die Direktion gestellt werde. Dagegen wurde, namentlich auch von Porsch, eingewandt: Man könne auf Anerkennung dieser Forderung nicht rechnen, so lange nicht die Mehrheit der Accordarbeiter dahinter stehe. Das sei aber zur Zeit, besonders in der Gasanstalt II, nicht der Fall. Die Versammlung nahm einstimmig die Vorschläge des Referenten betreffs der Lohnerhöhung an und überwies die' Frage der Accord- arbeit behufs eingehender Prüfung und Regelung der Lohn- konmnssion. Eine öffentliche, stark besnchte Tattler-Versammliing tagte am Sonntag, den 12. d.M., in den Arminhallen. Die Versammlung beschäftigte sich mit dem beigelegten Streik der Firma C. Sender. Sassenbach schildert in seinen stündigen Ausführungen den Verlauf des Streiks. Die Forderungen, welche die Arbeiter stellte», waren: 1. Einstellung der Gemaßregclten. 2. Verkürzung der Arbeitszeit auf ll'/a Stunden. 3. Bessere Behandlung von feiten der Meister und Entfernung der ungesetzlichen Plakate.'4. Für gelernte Arbeiter ein Minimallohn von 19,60 Mark(früher 16,60 Mark) Bei Accordarbeiten ein Zuschlag von 10—30 Prc.z. Herr Zender hatte nicht erwartet, daß sämtliche Sattler und Gerber, 61 an der Zahl, � die Arbeit niederlegen würden, denn er äußerte, so lange er Chef ist(33 Jahre), sei ihm so etwas noch nicht vorgekommen. Da er sah, daß die Arbeiter zusammenhielten, bewilligte er schon am ersten Tage, bis auf Lohnerhöhung, am vierten Tage alles; er über- stieg sogar die Forderungen und zahlt an einem Artikel 200 Proz. Aufschlag. Sassenbach forderte die Kollegen auf, an dem Errungenen festzuhalten und nicht nach dem Sieg der Gewerkschaft den Rücken zu kehren, wie es jetzt meistens der Fall war. Der Bericht wird von Scharnowski nach mehreren Seiten hin ergänzt. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen:„Die Versammlung erkennt an, daß die Früchte des Sieges bei der Firma Zender nur durch eine starke Organisation festzuhalten sind und verpflichten sich deshalb die Anwesenden, der Organisation beizutreten." Die Möbelpolierer hielten am 13. d. M. im Englischen Garten eine öffentliche Versammlung ab. Zum ersten Punkt der Tages- ordnung: Bericht des Vertrauensmannes über den neuen Abstimmungsmodus in der Gewerkschaftskommission, sprach Niese. Die Versammlung beschloß einstimmig, aus der Gcwerkschasts- kommission auszutreten. Vom Streik erstattet Weber Bericht. Da nach haben die Kollegen in 73 meist größeren Betrieben ihre Forde rungen gestellt nnd in kürzester Zeit bewilligt erhalten. An 600 Kollegen haben sich an der Bewegung beteiligt, an 101 Kollegen wurde Unterstützung gezahlt. Die Ausgabe hierfür und die sonstigen Unkosten betrugen 1020,30 M. Die Versammlung entlastete die Kommission und erklärte deren Funktion für erledigt. Zun, dritten Punkt: Wie stellen sich die Kollegen zum Abschluß eines Kartells der Tischler, Polierer, Maschinenarbeiter zc., wurde nach dem Referat Schulzes folgender Antrag angenommen: Die Versammelten halten den Abschluß eines Kartells für wünschenswert, um bei Streiks Wahlen zum Jnnungsansschuß, Geiverbcgericht usiv. zusammen- zuarbeiten. Vierter Punkt: Anschluß an das neue Gewerkschafts- tartell, wurde, nachdem längere Zeit dabattiert, der vorgerückten Zeit halber bis zur demnächst stattftndenden öffentlichen Versammlung der Möbelpolierer vertagt. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Der Bezirk W e d d i n g und Gesundbrunnen wählte in seiner Versammlung vom 13. November nach einem Vortrag Mi I l a r g s folgende Kommissions- Mitglieder: Lehmann, Schlöttke, Pintsch und Milkereit, zum Beitrags- sammler Hummel und als Schriftführer Stcinhof. Im Bezirk O st und N o r d- O st hielt am gleichen Abend Robert Schmidt einen Vortrag über die„Zwangsinnung". Vorher waren Ergänznngswahlen zur Kontrollkommission vor- genommen worden. Im Bezirk Wedding hielt M i l l a r g einen Vortrag über die„Unfallversicherung"; dem Vortrage folgte eine kurze Diskussion. In die Kommission wurden neu gewählt: Lehmann, Schlöttke, Pietsch, Millereit. Zinn Bcitragssammler wurde Hummel und als Schriftführer Steinhof gewählt. Die Stellmacher beschäftigten sich in ihrer letzten Ver- sammlung mit dem Thema: Sind die Lohn- und Arbeitsverhältnisse unserer Branche verbefserungssähig? Nach einem Referat von BeSkc und nach längerer Diskussion kam man zu dem Schluß, daß es not- wendig sei, daß auch die Stellmacher suchen müßten, die gute Konjunktur auszunützen. Durch Annahme einer Resolution ver- pflichten sich die Anwesenden, dem Holzarbciter-Verband beizutreten. Sodann wurde beschlossen, das Vertraucnsmännersystem einzuführen. Die an Holzbearbeitmigsmaschinen beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend hielten am 13. d. M. im Englischen Garten ihre Mitgliederversammlung ab. „Die Luft, die wir atmen,".laufete das Thema eines Vor- träges,' den Herr Dr. Wollheim hielt, und der mit reichem Beifall aufgenommen wurde. Redner wies hin auf die socialen Uebelstände, welche in dem Mangel an guter, reiner Luft in Wohn- und Arbeitsstätten für den Arbeiter bestehen, auf den Mangel an Ventilation in Fabriken, welcher den Arbeiter zwingt, den Tag über in dumpfen Räumen, bei verdorbener Luft, die oft noch mit Staub oder giftigen Dämpfen durchsetzt ist, aus- zuharren. Eine Diskussion fand nicht statt. Der Vorsitzende gab bekannt, daß für Moabit in der Beusselstr 79, Restaurant Döhring, eine Zahlstelle eröffnet werde. Die Versammlung wählte Rottinrnm als Beitragssammler für diese Zahlstelle, in welcher alle Sonnabendabend von 8 Uhr Beiträge entgegegengenommcn werden. Eine Vorlage des Vorstandes, eine Werkstellen-Kontrollkominission zu wählen, wurde von Jcck dahingehend begründet, daß es dem Vorstande bei dem jetzigen Stande der Organisation unmöglich sei, die Agitation so zu betreiben, wie es die Organisation verlange. Deshalb schlage der Vorstand vor, Berlin und Uingegend in sechs Bezirke einzuteilen und für jeden Bezirk 2 Kollegen zu wähle», die nach einem vom Vorstände gegebenen Regulativ die Agitation bc- treiben sollten. Die Versammlung nahm diese Vorlage an und wählte Prill, Pankow, Schubert, Lehr, Glaubitz, Bähr, Wcgencr nnd Illfert in die Kommission. In der nächsten Mitgliederversanimlung sollen für den 1., 4. und 6. Bezirk weitere Wahlen stattfinden. Der Kafsierer Koch machte bekannt, daß trotz des früheren Ve- schlnsics noch mehrere Mitglieder mit dem Kleben der 60 Pf.-Marke im Rückstände sind nnd stellte anheii», das Versäumte möglichst schnell nachzuholen. Der Vorsitzende teilte zum Schluß noch mit, daß vom 1. Dezember das Statut betreffend den Zuschuß an er- krankte Mitglieder in Kraft trete. Hierzu habe er geeignete Sprech- stunden und zwar Mittlvoch- und Sonnabendabends von 7—3 Uhr in seiner Wohnung, Quitzowsir. 137, Sonnabendabends von'/all bis 10 Uhr, bei Neumann, Kleine Andreasstr. 14, festgesetzt; ferner: daß die nächste Mitgliederversammlung am 11. Dezember im Englischen Garten, Alcxandcrstraßc, stattfindet. Der Verein zur Wahrung der Jntereffen der Maurer Berlins und Umgegend hielt am 12. November keine Mitglieder- Versammlung in den„Borussia- Sälen" ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrten die Anwesenden das Andenken der verstorbenen Kollegen Zintcck und Stanizewski durch Erheben von den Plätzen. Alsdann erhielt Herr Dr. Wollheim zu seinem Vortrage: Die ge- schichtliche Entwicklung der Menschheit, daS Wort. Dem mit großem Beifall aufgeiioinmenen Vortrage folgte eine kurze Diskussion. So- dann wurden folgende Anträge angenommen: 1. In den Monaten Januar nnd Februar, in denen keine Bei- träge gezahlt ivcrden, sind die Hilfskassierer verpflichtet, restiercnde Beiträge, fowie eventuelle Neu-Aufnahmen entgegenzunehmen. Die neu aufgenommenen Mitglieder niüssen den Monat März bezahlen. 2. Mitglieder, welche sich abnieldcn, nach außerhalb verziehen, wo eine Zahlstelle des Vereins nicht besteht, und die Beiträge hier nicht weiter bezahlen wollen, können dem Verein ohne Eintrittsgeld wieder beitreten, wenn sie schriftlich nachweisen können, daß sie sich in einem Bezirk aufgehalten haben, wo eine Zahlstelle nicht besteht. Alsdaiin wurde das Mitglied Natusch wegen systematischer Ueber- stunden- und Sonntagsarbeil, sowie wegen Nicht- Jnnchaltung der Beschlüsse der Berliner Maurer aus dem Verein ausgeschlossen. Bäcker. AmfDienstag, den 14. November, hielten die Bäckerei- arbeiter Wcbcrstr. 17 eine öffentliche Versammlung ab, welche sich pcciell mit der Wahl des Delegierten zum neuen Gelverkschaftskartell zu beschäftigen hatte. Ans der darauffolgenden Wahl ging Schwauhcrz als Delegierter, Klammeck als stellvertretender Delegierter zum Kartell hervor. Eine von dem Altgesellen der Äonkordia- Innung, Most, angeregte Besprechung über die Erfahrungen, welche die von derselben Innung eingesetzte Kominission zur Hebung der Miß- tände bei ihren nunmehrigen Kontrollen der Bäckereien gemacht )abe, fand nach lebhafter Diskussion die Zustimmung der Ver- sammelten. Tic Bäcker Berlins centraler Richtung hielten am Dienstag, den 16. d. M.. im Englischen Garten eine öffentliche Versammlung ab. Genosse Hoffmann referierte in trefflicher Weise üher:„Auf was wir stolz sind." Eine Diskussiou hierüber fand nicht statt. Bei dem Punkte„OrtSkrankcnkasse" entspann sich eine Diskussion, ob man an der gegenwärtigen, alle 2 Jahre zu wiederholenden Wahl der Kassenbeamten festhalten oder dieselben auf Lebensdauer zu wählen seien. Nitschke, Hctschold, Kasting sprachen sich dahin ans, an der bisherigen Norm festzuhalten. Dagegen sprach Älbrccht. Nach- dem die Mitglieder vom Kassierer Rc'ppmann noch aufgefordert ivaren, treu zum Verband zu stehen, damit wir endlich eine Ver- bcssernng unserer elenden Lage erringen können, wurde die Ver- ammlung gefchlossen. Ter Verband der in der Kürschnerbranche beschäftigten Arbeiter und Arbritcrinurn hielt seine Mitgliederversammlung am 18. November bei Feind ab. K o tz k c referierte über das Wesen der IIiitcruchnicr-Kartcllc. Syndikate und Trusts und deren Bedeutung gegenüber der Arbeiterklasse. Diskussion fand Nicht statt.— Der Kaffcnbcricht voin II. Quartal ergiebt eine Einnahme von 141,20 M., der eine Ausgabe von 111,69' M. gegenübersteht. Die nächste Mitgliederversammlung findet am 11. Dezember bei Feind, Wein- traße 11. statt. Berichtigung. In dem Bericht über die Generalversammlung des VI. Wahlvereiiis(Donnerstag-Nnmmcr u. Bl.) ist ein Irrtum nnterlaufc». Die Zahl der in demselben angegebenen Broschüre ist nicht im Wahlverein zur Verbreitung gelangt, sondern dieselben sind übrig geblieben und der Llgitationskommission überwiesen worden. Waidmannslust. Der Socialdemokratische Wahlverein hielt am Sonntag, den 12. d. M., seine erste Mitgliederversammlung bei Strcckcnbach. Dr. Wollheim sprach über die geschichtliche Eni- Wicklung der Menschheit. Dem beifällig aufgenommenen Vortrag folgte eine kurze Diskussion. In der nun folgenden Vorstandswahl wurden gewählt: Adam, erster, Rippin, zweiter Vorsitzender; Preiß, Schriftführer; Stcinfurt. Kassierer; zu Revisoren wurden Müller und Bicring gcivählt. Unter„Verschiedenes" wurde zur Agitation für den Verein aufgefordert und hierauf die gntbesnchte Versammlung mit einem Hoch geschlossen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 19. November, vorm. 8>/z Uhr. im oberen Saal des„Englischen Gartens", Alexanderstrahe 27c, Freireligiöse Vorlesung.- Um IG/« Uhr vormittags eben- daselbst: Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille über das„Vater-Unser". II.:„Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch aus Erden". Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen.— Montag, den 20. d. M., abends 8'/« Uhr pünktlich, ebendaselbst: Beschliebende Ver- sammlung, Wichtige Tagesordnung(Statutenänderung)...... Allgemeine Kranken- und Sterbckasse der Metallarberter. Sonnabend, den 18. November, abends 8'/, Uhr, Mitgliedcr-Versammlungen: Filiale Berlin III bei Bergener, Reichenbergcrstr. 1S7.— Filiale Berlin IV bei Fritz Wille, Andreasstr. 26. Tagesordnung: 1. Kassen- bericht. 2. Verschiedenes.— Filiale Berlin V(abends 9 Uhr) bei Koplin, Lothringerstr. 63.- Filiale Chärlottenburg im Restaurant Leder, BiSmarckslr. 74.- Filiale. Rixdors bei Filickr, �"�Posainentiere(Konfektionsbranche). Heute abend 7 Uhr im Arbeits- Nachweis: Besprechung. Allgemeine Bolls- Krankenkasse(E. H. 12k) m Llquidatio». Sonntag vormittag 9 Uhr in Nümanns Restaurant, Brulinenstr. 188: Ver- sammlimg ehemaliger Mitglieder. Tagesordnung: Bericht über den gegen- wärtigcn Stand der Klage gegen die Kasse.- Adlcrshoft Naturhcllvcreiu. Sonntag, den 19. November, nach- initiags S'/z Uhr, im Restaurant Schmauser: Oeffcntliche Versammlung sür Männer und Fraueil. Tagesordnung:„Rheumatismus und Gicht. Fort mit der Schulmedizin." Nescreutin: Frl. Kube-Charlottenburg. Zur Dis- kussion meldete sich Dr. med. Jczek-Krü-er. Berlin. Die Acrzte mit Ort sind hierzu eingeladen. Zahlreicher Besuch erwünscht. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montag. Dienstag und Freitag von 6�8 Nhr abends statt. Wisse» ist Macht. 1. Ueber diese Fragen können Sie stch auSsühr- lich unterrichten aus Bebels„Die Frau und der Socialismus" und Kautschs Schrift über das Erfurter Programm. Beide Schriften erhalten Sie in der Buchhandkmig Borwärts. 2. Ueber die zweite Frage vermögen wir leider keine Auskunft zu geben. (£. S. 100. Kronenstr. 8—9. W. N. Tausend.■ F. Tch. Ja.- 18. Jede Strafe, auch eine sogenannte Polizcistrafe, muh von einem Zeuge», der befragt wird, ob er bestraft ist, angegeben werden. Solche Fragen werden in der Rcgek, als nicht zur Sache gehörig, nicht gestellt.— M. F. 11. Der einfache Vertrag war? wertlos. Es ist ein gerichtlich oder notarieller Vertrag vorzuziehen, in dem das Erziehmigs- recht von der Mutter und vom Vönnund abgetreten und vereinbart wird, daß für den Fall einer Zurücksordening des Kindes Pflegcgcldcr nachzuzahlen und.— Spickcrnin»». Sie tönnen mit Aussicht aus Erfolg gegen die Firma a»f lostenfreie Herausgabe der Stiesel klagen und Strafantrag wegen Betrugs stellen.— F. M.. Rixdorf. 86. Das Dienstmädchen ist nicht versicherungspflichtig. Die Herrschaft kann auf Zahlung des innebehaltenen Lohnes mit Erfolg verklagt werden.— M. M» 100. Die Sache nimmt auch so ihren Laus.— E.. Luikenwalde. 1. Eine Pflicht, die Ein- traaung zu bewirken, besteht für leinen Verein. 2. Zwischen 20 und 3 M. 3. Ja.— H., Magdeburg. Ohne genaue Kenntnis des Einzelfalles ist die Frage nicht zu beantworten.— I. D. Ist nicht mehr möglich. — F. B. 60. Leider bestehen gesetzliche Schntzbestimmuilgen gegen Aus- bentung von Kindern in Werkstätten, die lein? Fabriken sind, noch nickt, weil§ 154 der Gewerbe-Ordnung noch nicht in Kraft gesetzt ist.— August 40, I Ja.' 2/Ja. Es kann vorsichtshalber zugesetzt werden: Sollte ichKlemig- leiten vergessen haben anzugeben, so werde ich dieselben nachträglich mit- teilen.— E. W. Die Vercinbaruiigen des letzten Vertrages gelten.— H. N. 35. Sie müßten einen Vertrag schließen oder Ihre Forderung ein- klage».— N. 16. 1. Ja. 2. Sie können hcn Antrag unter Abstellung deS vom Landgericht mit Recht gerügten Mangels wiederholen. 3. Ja.— H. 13. 1. Nein. 2. Nachzahlung mnß stattfinden.'3. Min, ist in Bor- berdtmig. 4. Die Kosten betragen 60 M., ein Recht auf Naturalisation hat ein Ausländer nicht.— N. 60. Ja.— 106.' 1. Nein. 2. Ange- messcue Zeit ist zu gewähren. 3. Sie müssen mit den, Chef eine verständige Vereinbarung treffen.— I. D. 00. 1. Der Betreffende ist, falls nicht andere Bcstiinimnigen des Testaments entgegenstehen,. im Recht. 2. Airf Gold, Silber usw.— 3. Nein.— Apclt. Wenn Sie selbständig ist, nein— tonst ja. 2. An das Gcwerlschaftsbureau, Annenstraße 16. — W. M. 100. 1. Bei einer Gesellschaft mit unbeschränkter Haftung haften die Mitglieder unbeschränkt, bei einer mit beschränkter Haftung nur in Höh« der BcitragSpflicht: ein Mitglied, dessen Anteil 160 M. beträgt, haftet also mit außer diesen 100 M. mit noch 100 M. 2. Sie haftet mit dem eigenen Vennögen und dem ihrer Mitglieder. 3. Uns unbekannt. 4. Ja. — Hnbcrma»». Legen Sie beim Amtsgericht Beschwerde ein.— N. N. 1. und 2. Ihr alter Vertrag gilt mit der einen, die Zinshöhe betreffenden Modifizienmg, weiter. Ihr Küiidigiingsrccht richtet sich also»ach den Be- ssiniiiliillgcii Jhreö Vertrags. 3. Ja, ein Exemplar genügt. 4. Ja.— 64. l.— 4. Das hängt vom Ermessen deS Gerichtsvollziehers und des AmtS- gericbtS ab. Die näheren Bcsiinimungcn finden Sie in dem Artikel über das Bürgerliche Gesetzbuch in der SoimtagSnnmmer vom 12. November. b., 6. Alles im Gewahrsam des Schuldners Befindliche kann gepfändet werden. Gehört diese Sache einem Dritten, so bleibt es diesem überlasten, seine Rechte im Wege der Klage geltend zu machen, 7., 9., 10. Ja. 3. Nur auf Gerichtsbeschluß kann auch Sonntags oder in dcrNachtzeit gepfändet werden. — G. M. 1. Das ist kaum anzunehmen. Wenden Sie sich an den Stadt- verordneten Toltsdors. 2: Ja. 3.„gersplittert" heißt ans einzelne, ver- schiede»« Kandidaten entfallen.— 31. S. 5. Die Betreffende ist fähig, Zeugnis abzulegen.— Platte, Fallteuftcinstr. Ja.— E. G. Das Recht steht dein Enipfänger des Geldes nicht zu.— W. D. Ja.— H. M. 26. Weder Ihre Frau noch Sie sind strafbar.— E. Bester. Wiederholen Sie die Anfrage», die nicht vorliegen. Sie erhalten dann an dieser Stelle AuMunst. Der andere Weg ist nngaugbar.— Gen. Scheidung. l. Nein. 2. Nein. 3. und 4. Ja. Wenn Sie die Vorkommniffe glaubhaft machen, so kann Ihnen ans Antrag vom Gericht gestattet werden, von Ihrem Mann getrennt zu lebe».— A. B., Siuinmelöburg. Nein. — Strostcnabonncut. Eine Klage wegen Beleidigung wäre aussichtslos. Zuständig sür eine solche wäre in Ihren« Falle ohne voräusgegaligenen Sühneversuch das Amtsgericht II, Rathcnowerstr. 80.— W. S. Treten Sie direkt mit dem Rektor in Verbindung.— P. Z. 17. Der Widerruf kann jederzeit erfolgen. Die Betreffende kann bei der Polizei den Antrag stellen, das Nnchkleben zu veranlassen.— 1001 M., W. M. 28. Schon heute sind Abzüge sür die ans Koiitrollverianinilnngen venvendete Zeit nach zutreffender Ansicht unzulässig. Das Bürgerliche Gesetzbuch hat daS sür die Zeit vom 1. Januar ab zweifelssrei gestellt.— C. P. 37. Nein.— G. H. 11. Zu 1: Nein; dadurch sind die Fragen zu 2—4 erledigt.— Itesr'iincliiiix: de» Gegehüfts 1878.| Schulmeister en gros Schneidermeister ea detail s2629L» DresdsnsrstrKye 4, am Kottbuser Thor. Herren- und Knaben-Hohenzollern-Mäntel. SS, SS""»•" 16,50-42 Mk. Winter-Joppen>... von Mk. 5 an. Schlafröcke..... von Mk. 8,50 an. 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Gefechtsscenen zwischen Engländern sind Boeren. Sonntag: 2 große Vorstellungen. Nachmittags 1 Kind frei. LICHTBEST&NDI6 PREISWERT DAUERHAFT lal Central-Verbanh der Zimmerer Deutsllililnhs. Zahlstelle Rixdorf. Am 16. Novbr., nachm. 4 Uhr, starb nach kurzen, schweren Leiden unser Kamerad 907b Rudolf Wagner. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 19. November, nachm. 21/2 Uhr, von der Leichen- halle des Nixdorser Kirchhofs, Rudowerstr., aus statt. _ Der Borstand. Todes- Anzeige. Nach kurzem Krankenlager verstarb unerwartet mein lieber Mann, unser guter Vater, Großvater und Schwieger- vater, der Töpfer 906b Albert Adrian, welches tiefbetrübt anzeigen Die Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Sonntagnachmittag 2 Uhr vom Lazarus- Krankenhause aus statt. Für die herrlichen Kranzspenden allen Freunden und Bclannten, allen denen, die ihrem ehemaligen Meister und Kollegen 900b Hermann Elchtward die letzte Ehre eriviesen, sage ich hiermit meinen tiefgefühlten Dank. Die schwergeprüfte Witwe Aug. Lichtivard geb. Pönicke nebst Kindern. Südende, 18. November 1899. Für die überaus ivohlthuenden Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden meiner Mutter. Schwteger- und Großmutter, Frau Hntlillde Jahl geb. DUnckler, sagen wir allen Verwandten und Bekannten, insbesondere dem Gesangverein..Waldcsschatten" unscrcit herzlichsten Dank. 8g1b Die trauernde» Hinterbliebenen. Familie Seemann. das echte AUERLICHT. AüERGESELLSCHAFTt (Deulsehe GasglDhlieht ikliengesellsehaft) Berlin C., Molkenmarkt 8. 2603L* RMömstPferdebnchifÄ�teiä; E.».»n.IüekemaL»ÄÄ» empfehlen ihre Lokale zu allen Ausflügen. Spelaeu und Getränke anfa Torziigllchste. 26858* Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben'Mannes. des Restaurateurs und Hauseigentümers 3075L Rermann Schütte, sage ich allen Verwandten und Be- kannten sowie Herrn'Nürnberg, dem Haus- und Grundbcsitzcr-Verei» und dem Kraft- und Artisten- Klub„Ge- iundbruunen" meinen tiefgefühlten Dank. Witwe Klara Schütte geb. Stöbe und Kinder. anksaguttg. Sage hiermit allen Berwandten. Freunden und Bekannte», ins- besondere den Kollege» der Piano- forte-Fabrik Rechisteln für die rege Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes meinen herz- lichsten Dank. Z079L Wwe. Conrad. Bitte nicht zu überseheu! Wegen vollständiger Auflösung meines großen Spielwaren-Lagers er- suche ich Vereine und Wiederverkäufer, bei hohem Rabatt mich schnellstens zu besuche». Rani Schubert, S05b Chausseestr.TS(Wedding). Busstag: Grosse« Schlachtcfeat. Frische Blut- und Leberwurst. wozu ergebenst einladet 678b* Relnrlcls Saas, Alt-Glinicke. Grünauerstraße 19. American-Theater. Dresdenerstr. 96. Dir.: Emil Schnabl. „Berlin ulkt!" 12 erstklassige Debüts. Zum erslenmale in Deutschland: The Amerlean Klncograph Ansang 8 Uhr. Kancneröstn. 7 Uhr. Maehrs Theater Oranlcnstr. 84. Täglich: Unser Helgoland. Liederspiel in 1 Akt von O. Wagner. Musik von Aich. Thiele. Rr. Canon, der Phänomen. Krast- lurner. 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Von Margret-Königsberg.— Die Stimme von oben. Von Arthur Noehl.— Anwendung der Elcttri- cität im Bergbau. Von Dr. B. Borchardt.— lieber dieEheschcldnug im ZutunftSrecht. Von N. Fuchs. zc. zc. Gewerkschaften, welche den Kalender vertreiben wollen, werden gebeten, ihre Adresse einzusenden, worauf ein Probc-Erem�lar gratis und jranco I zugesandt wird. allen Buch- und Papierhandlungen, ZeitnngSspcdi- dem Verleger Xh. Mahhofer Nachr.. Berlin X., /de-a.-.. Kakao-FrühstOcIc Gemüse- und Kraftsiippen Bouillon-Kapseln Suppcn-WQrze verdienen die Beachtung: aller Hausfrauen. Zu haben bei Otto Engel, Hff., Jagowstr. 27. MAGGI 2490L* �ICylinder-Hüte � kauft man am billigsten direkt in der Fabrik. �ItapetsHX claques, weiche und steife Filzhüte zu billigsten Preisen bei 'AKax Katltke, Blumenstp. 39, Cfde AudreaSstraste(fehl Laden). an j Herrenhüte von 1,50 au. Knabenhüte„ 1,00„ Pelxwaren (nur eigenes Fabrikat).[24532- Schirme(größtes Lager). Otto GerBiolcfit, Dresdenerstr. 2. 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