Zlnterhaltungsblatt des Dorwarts Nr. 146. Sonntag, den 30. Juli. 1905 (Nachdruck verboten.) Vie keilige I�ummernus. Novelle von Richard Huldschiner, 1, Es ging schon gegen Abend, aber die Mädchen waren immer noch fleißig bei der Arbeit. Die Nähmaschine surrte. Langsam glitten die großen Stücke knisternder Leinwand unter der flink auf- und abschnellenden Nadel hin. die ein Ge- rausch machte wie der Schnabel eines Spechtes, der in trockener Baumrinde nach Würmern sucht. War die Nadel dann am Ende des Saumes, dann krachte es leise, das Rad stand still, und der Hebel, der die Nadel gegen die Leinwand gedrückt hatte, hob sich mit einem seufzenden Laut. Und durch den kahlen Raum, dessen Wand mit Oclfarbe getüncht war und außer einigen schlechten Heiligenbildern keinen anderen Schmuck aufwies als zwei fleckige Plakate einer Garnfabrik, ging es ivie ein Ausatmen nach langem ängstlichem Druck. Die Mädchen hoben die Köpfe und schauten sich lächelnd an. Toni Mulser reckte sich und gähnte. Anna Duregger kratzte sich mit einem Bleistift im Haar. f>da Langebner stand auf und ging zu ihrer Freundin Klara hinüber, um ihr etwas ins Ohr zu flüstern: aber die lachte nur nnd machte ein un- gläubiges Gesicht. Pepi Haußmann aber ließ ihre Arbeit auf den Schoß sinken und träumte. Ihre Augen, die schwarzen Augen mit dem lebhaften Blick, der oft flackern konnte wie ein lustiges Feuer im Märzenwind, wanderten zum Fenster und durch das Fenster auf die gegenüberliegenden Häuser hinüber, deren oberstes Stockwerk noch im Sonnenglanze lag. Die Butzen- scheiden der kleinen Dachluken schimmerten in bunten Farben, die das Alter hervorgebracht. Zwischen den dunkelbraunen Dachziegeln hatten sich grüne Gewächse, kleine Kakteen und Steinbrecharten, angesiedelt, die den hohen, steilen Firsten ein freundliches Ansehen gaben. Das große, gemalte Kreuz der offenen Lichthaube auf dem Pergeltschcn Hause reckte sich gerade empor. Tauben schössen vorüber. Am Himniel segelte eine weiße Wolke mit goldenem Saum gegen den Turm der Pfarrkirche zu, der sich mit seinen zierlichen Zacken und Bogen scharf vom blauen Hintergrund abhob. Pepi Haußmann träumte. Allerlei Bilder zogen vor ihrem Geiste vorüber, fremde Schatten, die man nicht fassen und halten kann, ein wolliistiges Versinken in seltsamen und schönen Dingen. Und ihre Augen wanderten von den Dächern über die Fenster der alten Häuser langsam abwärts gegen die Straße, die fast verlassen war. Der Schuster Fiorini stand vor seinem Lädchen und gähnte, zeigte alle seine Weißen, gesunden Zähne. Eine Frau schob einen zweirädrigen Karren, der mit Gemüse beladen war, bei ihni vorbei. Pepis Augen folgten ihr, die Straße entlang, am Brunnen vorüber, bis zur Ecke der Gasse, dort wo sie auf den. Obstplab ausmündet. Aber auf einmal wurden sie starr und groß, kehrten plötzlich zurück in das nüchterne Zimmer mit den Heiligenbildern und den Plakaten der Garnfabrik, und Pepi fühlte, wie sie über und über errötete. Im nächsten Augenblick hatte sie sich schon gefaßt und spähte ängstlich um sich, ob jemand etwas gesehen hätte. Sie begegnete Idas Augen, die ihr spöttisch zublinzelten. Und Klara sagte in die allgemeine Stille hinein: „Der Herr Pernwerth!... Natürlich..." Jetzt schauten alle Mädchen auf, und die, die mehr im Hintergrund des Zimmers saßen, erhoben sich, um auch etwas von dem Manne zu sehen, der nun schon so manchen Abend drüben an der Ecke erschienen war und sich dort rauchend und gelangweilt aufzuhalten pflegte, als ob er ausjllwas wartete. Pepi allein wagte nicht aufzuschauen. Sie tat, als ob sie an dem Unterrock, an dem sie nähte, plötzlich etwas ent- deckt hätte, was sie sehr interessierte und was auf der Stelle in Ordnung gebracht werden mußte. Aber ihr Herz klopfte stürmisch, und eine Blutwelle nach der anderen schoß ihr über das tief gesenkte Haupt. Sie fühlte aller Blicke auf sich ge- richtet, und es war ihr, als ob sie verzweifeln müßte. Was wollte man nur von ihr? Konnte sie etwas dafür, daß der Mensch dort an der Ecke stand? Und sie glaubte, ihn hassen zu müssen, ihn, einen ganz fremden Mann, mit dem sie seit ihrer Kinderzeit kein Wort mehr gesprochen hatte und vo» dem sie nur wußte, daß er verheiratet war und eine hübsche Frau und zwei kleine Kinder hatte. „Der Luftikus!" sagte auf einmal Klara recht verächt- lich.„Den ganzen geschlagenen Tag tut er nichts als faulenzen. Mich wundert oft, daß sein Geschäft noch geht. Und er kümmert sich nicht so viel drum." „Glück muß man halt haben," sagte Ida und lachte, daß es wie ein blödes Meckern klang. Nun sagten auch die anderen alle etwas über ihn. Jede einzelne fühlte sich verpflichtet, ihm etwas am Zeug zu flicken. Der einen ging er zu wenig in die Kirche, der anderen ver- nachlässigte er seine Familie zu sehr und die dritte wußte sogar, daß er eine Geliebte hatte, droben in der Obergasse. Keine arbeitete mehr: jede suchte die andere in übler Nachrede zu überbieten, und Pepi beugte sich immer tiefer über ihre Arbeit. Aber da gebot die Nähkathi Ruhe. Was das für eine Wirtschaft sei? Ob sie noch nicht fertig wären? Wenn das so weiter ginge, würde sie die Fenster fortan verhängen. Sie sollten lieber arbeiten. Die Aussteuer müßte bis zum Donnerstag fertig fein. Uebrigens wolle sie gern wieder etwas vorlesen lassen, wenn die Mädchen versprächen, fleißig weiter zu nähen. Klara machte ein enttäuschtes Gesicht. Puh, diese Heiligenlegenden! Die hatte sie satt! Aber inan braucht ja schließlich nicht aufzupassen. Nur Pepi hatte von alledem gar nichts gehört. Ihre Gedanken waren ganz wo anders. Aber sie schaute nicht auf. Und erst, als Grete! Krämer schon eine ganze Weile mit ihrer eintönigen, blechernen Stimme gelesen hatte, merkte sie, daß alle ruhig geworden und fleißig bei ihrer Arbeit waren. Grete! las die Geschichte von der heiligen Kummernus. „--- und es geschah in diesein Jahre, daß Kummer- nus bei einem Bauern iir Dienst getreten war, der cin�n großen Hof und Vieh und viele Knechte hatte. Und es war große Ucppigkeit in dieseni Hause, und die Pfannen kamen nicht vom Herde. Gebetet wurde hingegen nicht. Statt dessen hallten die Stuben von wüsten Flüchen wieder, und wer ani schlimmsteil fluchen konnte und Gott und seine Heiligen am ärgsten lästern, der war obenauf und durfte sich beim Bauern alles herausnehmen. Denn diesen freute das lviiste Treiben, und mit Gelächter, Holla und Hussa, init Kartenspielen. Trinken und unkeuschcn Worten gedachte er sein unchristliches Leben bis zu einem sanften Tode fortzusetzen. „Nur Kummernus allein brachte es nicht über das Herz, zu tun wie jene. Fleißig ging sie ihrer Arbeit nach. Schon wenn der Morgen dämmerte, erhob sie sich von ihrem harten Lager, ging zur Messe in die kleine Dorfkirche und kehrte dann ins Haus zurück, um zu sein eine fleißige Magd, die da auf- geht in der Liebe zu Gott und zur Arbeit, die er eingesetzt als einen Hort der Starken und einen Trost der Schwachen. „Und Gott segnete sichtbarlich ihrer Hände Werk. „Er ließ aber auch sie selber erblühen wie eine holde Blunie im Tan des frischen Morgens. Ihr Antlitz strahlte rein und hell, und immer ähnlicher wurden seine Züge dem Madonnenbild, das ein alter, frommer Maler vor langen Jahren für die Kirche des kleinen Dorfes in gottgefälliger Einfallt gemalt und errichtet hatte..." Und Pepi träumte. Sic versuchte sich ein Bild zu machen von einer kleinen, dämmrigen Kirche, durch deren bunte Glas- fenster ein schräger Sonnenstrahl aus den goldenen Altar und das Antlitz der Mutter Gottes fällt. Und vor dem Altar, auf der untersten Stufe kniet eine reine Magd, die die Züge der Jungfrau Maria trägt. Der Sonnenstrahl aber wandert und wandert, verläßt den Altar, steigt gleichsam die Stufen hinab und verklärt nun mit seinem Lichte das Antlitz des knieenden Mädchens, bleibt in ihren blonden Locken haften, spielt mit den krausen Härchen ihres Nackens und verlöscht wie mit einem Schlage. Und nun wird es dunkel. Seltsame Gc- stalten wirbeln durcheinander, Teufelsfratzen tauchen auf und verschwinden wieder, von irgendwoher ertönt ein Schreß der ängstlich verklingt, der Sturmwind braust... und ein tiefer. Seufzer entringt sich Pepis Brust. Sie erschrickt, fährt auf und schaut um sich. Niemand achtet auf sie, und sie träumt weiter. Ja, schön sein, schön sein wie die Mutter Gottes I Und es regt sich etwas Neues, Ungekanntes in ihrer Brust. Schön möchte sie sein. Für wen? Für was? Sie weiß es nicht. Nur das fühlt sie, daß sie selbst Wohl nimmer schön werden kann. Ihre Blicke gleiten über ihre Gestalt herab. Ein graues, kümmerliches Kleid verhüllt ihre Formen. Die Hände mit der harten, zerarbeiteten Haut ragen aus den der- iblichenen Aermeln heraus. Unter dem Saum des Rockes schauen in schlechten, viel zu weiten Schuhen die Füße vor-. Nein, sie ist nicht schön und wird es nimmer werden. Aber sie weiß es nicht, daß von ihren großen, unruhigen Augen ein heller Glanz ausgeht, der das armselige Gewand vergessen macht, und daß die braunen Wangen mit den kleinen, weißlichen Fleck auf der linken Seite und der rote, scuchtschimmcrnde Mund ihrem Antlitz etwas Verführerisches, Verlockendes, Heißes verleihen, das so manches Mannes Blick zu fesseln vermag.- i --- aber sie floh die Liebe und versenkte sich allein in die Anbetung des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes und aller der Seligen, die um den Thron der heiligen Dreieinigkeit geschart sind. Nichts wollte sie, denn dem Herren dienen und ihre Pflicht tun auf Erden, auf daß sie einst eingehen könne in das himmlische Reich. „Und es war ein großes Werben um sie, als welches sie tief betrübte, und nichts wünschte sie sehnlicher, als häßlich zu sein und unansehnlich, damit keines Mannes Blick begehr- lich sie suchte.. Und Pepi schauerte zusammen. Denn ihre Seele kämpfte gegen ein heißes Sehnen. War es denn so schlimm, begehrt zu sein? So verwerflich, geliebt zu werden? Mußte es nicht köstlich sein, in einem starken Arm zu versinken. Sie erhob ihre Blicke gegen den blauen Himmel, an dem rosenrote Wölk- chen westwärts zogen. Und ihr war, als ob d'er Himmel sich öffnete und Gluten über die Erde schleuderte, die alles zu versengen drohten. Und immer neue Flammen züngelten hernieder wie von einem Sturmwind getrieben, und Rauch stieg auf und umrollte die Welten: da schloß sie für eine Minute die Augen. Als sie sie aber wieder öffnete, waren sie auf die Straße hinabgerichtet und suchten,.. sie schrak zusammen und nahm die Arbeit wieder vor. Draußen läutete eine tiefe Glocke mit langsamen Schlägen. Ein Wagen polterte dumpf dröhnend über das schlechte Pflaster. Im Zimmer aber stieg der Geruch von frischer Leinwand auf, die in den Fingern der hastig Arbeiten- den leise raschelte. Und dazwischen hinein klang die blecherne Stimme der Vorleserin... „--- und es geschah um diese Zeit, daß des Bauern Sohn seine begehrlichen Augen puf die fromme Kummernus geworfen hatte, da sie doch ihrem himmlischen Bräutigam allein in steter Treue zu dienen beflissen war. Und er stellte ihr nach mit schmeichelnden Worten und listigen Reden und bedrängte sie, ihm zu willfahren. Sie aber floh vor ihm, durch das Haus und über frisch gepflügte Felder, in deren weichen Boden ihr Fuß zu versinken drohte, sie floh wie ein gehetztes Wild über die steinige Straße und erreichte keuchend und mit versagender Kraft die kleine Kirche, vor deren Altar sie sich niederwarf. „Der Verfolger aber hinter ihr. Und als er in die Kirche stürmte, um mit roher Hand sein Opfer von den heiligen Stufen in seine Lüste zu zerren, da betete sie zur gebenedeiten Mutter Gottes ein letztes Stoßgebet, und sie betete, die Helferin und Beschützerin der Jungfrauen möge ihre Schön- heit von ihr nehmen, auf daß sie rein bleibe und unangetastet. „Und siehe da: als der Verfolger sie jubelnd in die Höhe riß, da war ihr ein langer Bart gewachsen, und jener wandte sich mit Abscheu und,. Pepi aber hörte nicht mehr zu. Ihre Gedanken weilten bei lang vergangenen Dingen, und eine Trauer stieg in ihr auf, wie sie sie nie gefühlt zu haben meinte. Ach, wie war alles so schwer und trübe! Sie dachte an den Vater, der so lange schon tot war, daß sie sich kaum mehr seiner Gesichts- züge zu erinnern vermochte. Das war ein guter Mann ge- wesen, und wenn die Nachbarn von ihm sprachen, lobten sie ihn mit vielen Worten. Aber die Mutter sprach nie von ihm: es war, als ob das Leben mit seiner Not und Plage alles in ihr ertötet hatte, was mit Lust und Güte zusammenhing; mit zusammengekniffenen Lippen arbeitete sie, und wenn sie den Mund einmal öffnete, dann war es, um zu schelten, um zur Arbeit zu drängen und um zu klagen, daß die Menschen schlecht und die Kinder faul und unhanMr und das LeM hart und voller Entbehrungen sei. Und Pepi trauerte darüber, daß ihr Heim ein kümmer- liches Stllbchen war ohne Schmuck und Behaglichkeit. Am frühen Morgen schon mußte sie heraus, wenn sie so gern noch geschlafen hätte: zum Kaffee gab es altes Brot: und dann mußte sie in ihre dürftigen Kleider und in die harte Fron zur Nähkathl. Und immer nur Linnen in den Händen, den ganzen Tag nichts als Linnen und Zwirn, und das Knistern der harten Leinwand, das Surren der Nähmaschinen, ein hastiger Blick auf die Straße hinab, der Zank mit verbitterten Mädchen, das Schelten der Kathl, und wenn es hoch kam, eine Heiligenlegende, vorgelesen von einer häßlichen, meckern- den Stimme... das war ihr Tagwerk. Und Tränen kamen ihr in die Augen. Langsam flössen sie über die Wangen hinab: sie spürte den salzigen Geschmack im Munde und ver- mochte sie doch nicht fortzuwischen: denn man sollte nicht sehen, daß sie weinte. So senkte sie nur den Kopf, daß die Tränen nunmehr langsam auf ihre Arbeit tropften, eine nach der anderen, schwere, bittere Tränen. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) In Güte. Von Leon Xanrof. Autorisierte Uebersetzung aus dein Französischen. l. Von der Terrasse des Kasinos beobachten der Major Racuire und der Bankier Jugeotte, zwei korpulente Herren mittleren Alters. das bewegte Leben und Treiben am Strande. Auf dem Sande, zwischen den beiden das Bad abgrenzenden Stricken, die weit ins Wasser hineingezogen sind und furchtsamen Personen als Beruhigung, den Kindern dagegen als Schaukel dienen, drängt sich eine geschäftige Menge. Besorgte Eltern, die ihren ängstlichen Erstgeborenen nicht aus den Augen lassen, der sich. vor Entsetzen heulend und kratzend, den Armen eines ergebenen Hausfreundes zu entwinden sucht, welcher ihn trotz allen Wider- strebens wieder und wieder in das feuchte Element taucht. Flirtende, lachende, plaudernde junge Damen. Indiskrete Herren, die ihre Taschen mit Fernrohren, Krimstechern und photographischcn Appa- raten vollgestopft haben. Leute in Trikots, die triumphierend ihre Bademäntel vor Eintritt ins Wasser fallen lassen, um sich zähne- klappernd wieder darauf zu stürzen, wenn sie den Fluten ent« steigen.— _ In den plätschernden Wellen, von denen die warme, lachende Sonne wie von ebensoviel beweglichen, kleinen Spiegeln reflektiert wir!�, bemerkt man einen Schwimmkünstler, dessen prächtiger Kopf und muskulöse Arme im Sonnenschein wie aus polierter Bronze geformt zu sein scheinen. Er erteilt einer hübschen, rundlichen Person Schwimmunterricht. Die Dame ist Witwe, wenigstens nach dem weißen, schwarzgcrändcrten Bademantel zu schließen, den eine aufmerksame Kammerfrau für die dem Wasser entsteigende Herrin am Strande bereithält. Plötzlich runzelt Major Racuire, der seit einigen Minuten zwei Badende, einen Herrn und eine junge Dame, nicht aus den Augen gelassen hat, die Stirn und macht seinen Gefährten auf dieses Paar aufmerksam. Der Major:„Sehen Sie doch mal, Jugeotte! Ist das nicht—? Aber ja! Das ist doch Ihre Frau da unten links mit ihrem jungen Freund Faribol?" Jugeotte(betrachtet die beiden aufmerksam llnd konstatiert mißvergnügt die ungenicrt-vertrauliche Haltung des Pärchens): „Glauben Sie?" Der Majori„Ich bin meiner Sache ganz sicher! Aber sehen Sie doch nur, zum Teufel! wie sie sich anschmachten! Jugeotte, soll ich Ihnen mal was sagen?(Mit Stentorstimme): Der kleine Faribol macht Sie—" Jugeotte(auffahrend und ihn hastig unterbrechend): „Schweigen Sie doch! Was Sie immer für Ideen haben!(Ruhiger. Ich habe allerdings bemerkt, daß dieser junge Mann meiner Frau ein wenig den Hof macht. Aber vom Hof machen bis zu dem, was Sie da sagen wollten, ist noch ein weiter Weg." Der Major:„Warum?" Jugeotte:„Warum? Weil meine Frau tugendhaft ist!" Der Major:„Was hilft da alle Tugend? Da bedarf es schon einer großen Dosis Heroismus!(Auf Faribol weisend.) Sehen Sie sich bloß mal diesen Kerl genau an! Er ist schön wie AdoniS, während Sie—(betrachtet Jugeotte mit dem Ausdruck unver- hohlenster Verachtung)— Sie haben soviel Haare auf dem Kopf wie eine Billardkugel, einen Bauch wie ein Kürbis und Pedale wie ein krummbeiniger Dachshund!" Jugeotte(ärgerlich):„Sie übertreiben! Aber ich gcbS zu« daß dieser junge Mann—" Der Major:„Ich habe es Ihnen ja gesagt? Er mächt Sie zum—" JugSdkte(lebhaft unterbrechend)':„Ja, fS, ich habe schon verstanden!" Der Major:„Wenn Sie sich seiner nicht entledigen—" Jugeotte(nachdenklich):„Entledigen—.! Leicht gesagt, aber wie?" Der Major(ernst): Es gibt nur ein Mittel: ihm einen wohlgezielten Degenstich applizieren!" Jugeotte(ohne Begeisterung):„Hm, hm." Der Major(fortfahrend):„Ich wüßte kein anderes Mittel. Als ich einst zu bemerken glaubte, daß ein windiger Lump um meine Frau scharwenzelte—" Jugeotte(erstaunt):„Wie? Sie sind verheiratet?" Der Major(verlegen):„Ja.(Fortfahrend).) Also, als ich das bemerkte, habe ich dem Herrn sechs Zentimeter Eisen zwischen die Rippen gejagt. Sechs Monate hat er unbeweglich auf dem Rücken liegen müssen!" Jugeotte:„Und Ihre Frau Gemahlin?" Der Major(den Schnurrbart drehend, etwas verwirrt): „Meine Frau— hat mich verlassen— ja— sie ging mit diesem Kerl durch, sobald er wieder auf den Beinen war." Jugeotte(ironisch):„Na also! Ihr Mittel ist ja äußerst probat!" Der Major:„Selbstverständlich ist es probat! Ich hätte dem Kerl nur etwas mehr als sechs Zentimeter zwischen die Rippen—. Ich rate Ihnen deshalb auch: machen Sie ganze Arbeit! Durch und durch!" Jugeotte(wenig befriedigt von diesem Rat):„Durch und durch! Durch und durch! Und wenn er mich tötet?" Der Major(triumphierend):„Dann werden Sie nicht zum—" Jugeotte(unterbrechend):„Ja, ja,— aber was habe ich dann davon?(Nachdenklich.) Ich möchte lieber einen anderen Weg wählen." Der Major(unerschütterlich):„Um sich von einem Menschen zu befreien— so, daß er niemals wiederkommt, dafür gibt es nur einen Weg: einen guten Degenstich!" Jugeotte(zerstreut): Glauben Sie?"(Er versinkt in Nach- denken.) II. Eine halbe Stunde später gesellen sich die hübsche Madame Jugeotte und der junge Faribol, aus dem Bade kommend, zu den beiden Herren auf der Terrasse. Madame Jugeotte(zu ihrem Gatten):„Du mußt ent- schuldigen, wenn ich Dich schon wieder verlasse, aber ich will nach Hause, ein wenig ruhen. Das Bad hat mich ermüdet. Auf Wieder- sehen, Herr Major! Auf Wiedersehen, Herr Faribol!(Sie tauscht einen heimlichen Blick des Einverständnisses mit dem jungen Mann und entfernt sich leicht und graziös.) Faribol(einige Augenblicke später sich vor die Stirn schlagend):„Ach! Sie müssen mich gleichfalls entschuldigen, meine Herren! Mir fällt da eben ein, daß ich noch einen dringenden Brief zu schreiben habe. Ich muß ins Hotel."(Er reicht dem Bankier die Hand.) Jugeotte(seine Hand festhaltend):„Warten Sie doch! Ich habe Ihnen etwas sehr Wichtiges mitzuteilen." Der Major(leise zu Jugeotte):„Immer drauf los! Rechnen Sie auf mich als Zeugen!" Faribol(sehr ärgerlich)�:„Aber ich muß unbedingt—" Jugeotte(zwingt ihn, sich wieder zu setzen):„Ich versichere Ihnen, es ist sehr wichtig." Faribol(leicht beunruhigt):„Wirklich?" Jugeotte(feierlich):„Zuerst versprechen Sie mir, durch- aus offen zu mir zu sein, mir die reine Wahrheit zu sagen!" Faribol(sich zum Lügen anschickend):„Mein Ehrenwort!" Jugeotte(seine Blicke in die Augen Faribols bohrend): „Sagen Sie mir genau die Größe Ihres Vermögens!" Der Major(verdutzt):„Was ist das?" Faribol(verblüfft):„Mein Vermögen? Ungefähr KOOOOO bis 900 000 Franks." Jugeotte:„Sehr schön. Sie haben freie Disposition da- rüber? Völlig freie Disposition?" Faribol(verwirrt):„Selbstverständlich!" Jugeotte:„Und— wie ist Ihr Vermögen angelegt?" Faribol:„In Staatspapieren— in Eisenbahnaktien— in—" Jugeotte(verächtlich);„Staatspapiere! Eiscnbahnaktien! Die sich mit drei Prozent verzinsen! Wenn überhaupt noch mit drei Prozent!(Einen liebevollen Ton anschlagend.) Hören Sie. junger Freund! Ich empfinde für Sie die lebhafteste, wärmste Sympathie." Der Major(tut vor Erstaunen zum ersten Male in seinem Leben Wasser in seinen Absynth; halblaut):«Was heißt das? Will er ihn vielleicht umarmen?" Faribol:„Seien Sie überzeugt, daß auch ich—" Jugeotte:„Meine Frau liebt Sie ebenfalls. Sie spricht von Ihnen stets mit einem Enthusiasmus, einer Wärme—" Der Major(dessen Augen immer größer werden, so daß sie aus der Ferne leicht mit Billardkugeln verwechselt werden können):„Er ist verrückt— kein Zweifell" Faribol(der sich zu amüsieren ansängt):„Ich liebe sie auch sehr, Madame Jugeotte, und Siel" Jugeotte:„Ich zweifle nicht daran! Und darum haben tvU meine Frau und ich, die Absicht. Ihr Glück zu sichern." Faribol(lächelnd):„Madame Jugeotte und Sie?" Jugeotte(ihm freundlich auf den Rücken klopfend):„Ja, wohl, mein junger, mein teurer Freund! Meine Frau und ich. wir wollen Ihr Glück sichern. Zu diesem Zweck müssen Sie Geld verdienen." Faribol:„Geld?— Aber— ich brauche ja keins?" Jugeotte(lächelnd):„Ach, gehen Sie doch, kleiner Schäkerl Geld kann man immer brauchen. Ucbrigens beruhigen Sie sich— das soll Sie gar keine Mühe, gar keine Arbeit kosten,— Sie werden mir nur einfach Ihr Vermögen anvertrauen." Faribol(die Ohren spitzend):„Mein Vermögen?" � Jugeotte(honigsüß);„Sie wissen, wie sehr wir Sie lieben, meine Frau und ich! Ich werde es in meine Bank nehmen und—" Faribol(sich im stillen fragend, was wohl dahinter stecken mag):„Ich bin sehr gerührt, sehr erfreut, aber—" Jugeotte:„Und Ihr Geld soll Ihnen bei mir sechs, acht. zehn Prozent bringen! So lieb haben wir Sie!" Der Major(verzweifelt):„Ich bin mit meinem Latein zu Ende!" Jugeotte:„Also abgemacht?" Faribol(will sich erheben):„Abgemacht. Ich bitte nur um etwas Zeit, um—" Jugeotte:„Wozu?(Ruft.) Kellner? Tinte, Feder und Papier!(Zu Faribol.) Sie werden mir sofort eine kleine Voll» macht geben. Ich habe es eilig damit, Ihr Glück zu machen. Ich plane gerade einen sehr kühnen Coup in Argentiniern." Faribol(unruhig):„Einen sehr kühnen Coup?— Ich bitte um Entschuldigung, aber bevor ich etwas unterzeichne, möchte ich mich mit meinem Notar besprechen." Jugeotte(eine ärgerliche Miene aufsetzend):„Wozu denn, teurer Freund? Die Notare verstehen nichts von solchen Sachen." Faribol(sich erhebend, etwas kühl):„Ich bin gewohnt, nichts ohne seinen Rat zu unternehmen." Jugeotte(noch ärgerlicher):„Er kann sich täuschen, kann falsche Auskünfte über mein Haus erhalten. Zum Beispiel hat es unlängst geheißen, ich stände vor dem Bankerott." Faribol(lebhaft):„Vor dem Bankerott?!" Jugeotte:„Glauben Sie nur nichts davon!— UebrigenS eine Idee! Bevor Sie an Ihren Notar schreiben, gehen Sie doch zu meiner Frau und sprechen Sie mit ihr darüber!" Faribol(aufspringend):„Wie? Sie verlangen, baß—?" Jugeotte(beharrlich):„Ja, ja! Ich bitte Sie daruni! Sie ist über alles wohl unterrichtet und wird Sie gewiß besser als ich belehren können." Faribol(trocken):„Ich bedauere unendlich, aber es ist mir nicht möglich, diesen Besuch zu machen. Eine wichtige Angelegen- hcit—" Der Major(welcher endlich zu begreifen beginnt):„Eine wichtige Angelegenheit? Sie wollen uns doch nicht etwa verlassen, junger Mann?" Faribol(sehr kühl):„Vielleicht wird mein Aufenthalt hier von kürzerer Dauer sein, als ich anfänglich glaubte." Jugeotte(bittend):„Aber wenigstens werden Sie doch nicht abreisen, ohne Madame Jugeotte Adieu zu sagen? Sie würden sie sehr betrüben!" Faribol(eisig):„Bedauere sehr, aber—(sich schnell ent, fernend, für sich:) Nette Gesellschaft, in die ich da geraten bin! Nur gut, daß ich noch rechtzeitig die Falle bemerkt habe? Mein Vermögen! Jetzt aber schnell die Koffer gepackt und fort!" Jugeotte(spöttisch zum Major, auf den davoneilenden Faribol weisend):„Nun, mein Lieber?" Der Major(in Lachen ausbrechend):„Sie haben recht, Jugeotte! Ihr Mittel ist besser als meins! Wenn man dem Neben- buhler ins Herz zielt, kann man sein Ziel verfehlen; wenn man aber auf seine Börse zielt—" Jugeotte(philosophisch):„Kann man hundert gegen eins wetten, daß man ihn ins Herz trifft!"—» Kleines feuUleton* hl. Dlebcshumor. Die Besucher, die sich— meist während der Nacht— in den Wohnungen einfinden, um allerlei mitgehen zu heißen, bewahren sich bei ihrem gefahrvollen Berufe bisweilen noch einen heiteren Galgenhumor, dem sie auf manche Weise Ausdruck geben. Eine englische Zeitschrift hat solche zurückgelassenen Aeuße- rungcn von Einbrechern gesammelt: Ein Einbrecher, der eine poetische Ader besaß, ließ in einer Villa zu Jlford einen Zettel zurück, aus dem er in folgenden Versen seiner Enttäuschung Aus» druck gab:„Dicweil Ihr schlieft in holden Träumerein, Kam ich zur verschlossenen Tür herein, Im Nachttisch fand ich auch die Diamanten gleich, Doch da sie alle unecht waren, ließ ich sie gern bei Euch. Doch, teure Dame, kehre ich zurück, Dann hoff ich, habe ich mehr Glück! Ich kann nicht meine ganze Zeit verbringen Mit gefälschten Dingen." Ein anderer Dieb bewies in einer zurückgelassenen Epistel wenigstens schrankenlose Anerkennung und Dankbarkeit:„Mein Herr, ich kann Ihnen nur mein Kompliment machen über Ihren guten Geschmack, den Sie bei der Anschaffung Ihres Porzellans häz tviescn haben. Auch nach elegant gearbeitetem Silberzeug sehnte ich mich schon lange, und wenn es so fein gearbeitet ist wie Ihre Messer und Gabeln, so ist es doppelt willkommen. Auch die Fischmesser und die Kompottlöffel sind aus gutem Silber und wirklich hübsch. Be- sonders gefallen mir aber Ihre Bowlengläser, aus denen ich mir erlauben werde, aus die Erinnerung an meinen leider so kurzen Besuch unter Ihrem gastfreundlichen Dache zu trinken. Sie waren Ihre«Freude. Nun sind sie die meine." Von zärtlichem Gefühl zeugte ein Schreiben, das eine niedliche Französin in Zürich eines Tages an ihrem Bett am Morgen fand:»Letzte Nacht stattete ich Ihnen einen Besuch ab, und da nur leider die süsse Ehre eine»! persönlichen Einladung nicht zu teil wurde, so benutzte ich das Fenster als Eingangspsorte. Sie werden bemerken, dah ich Ihre Juwelen einer genauen Betrachtung unterzogen habe und mit tiefer Beschämung muss ich leider gestehen, dass ich mich nicht mehr von ihnen trennen konnte. Aber als ich dann Ihr niedliches Gcsichtchcn besah, da war ich so hingerissen, dass ich mich auf den Bettrand setzte und es lange Zeit in dem dämmerigen Lichte mit den Augen verschlang. Da wurde meine Scham noch viel grösser und ich ver- liess eilig, aber leise Ihr Zimmer." Ein sehr materiell fühlender Eindringling war der mitternächtliche Besucher einer Speisekammer, der neben einer harten Brotkruste, auf einer Gabel aufgespicsst, den folgenden Zettel zurückliess:„Liebe Dame, ich kann die stärksten Geldschränke aufmachen, aber diese Kruste ist zu stark für mich, dazu müsste man etivas Dynamit haben. Im übrigen hoffe ich, dass Sie, bevor ich wiederkehre, noch ein paar Kochstunden nehmen. Hochachtungsvoll B. Sikcs."„Wenn Sie diesen Käse nicht bald essen," so begann ein Briefchcn, das man in einem Spciseschrank in Clapham fand,„so wird er jedenfalls bald fortlaufen. Ich empfehle einen eisernen Käfig, um ihn recht gut zu behüten. Verkaufen Sic ihn doch an die Japaner; dann wird die Luft in der Mandschurei bald von allen Russen rein sein." Als ein Ehepaar aus Bristol von einem kurzen Ausflug an die See zurückkehrte, fanden sie neben anderen Anzeichen, die recht deutlich auf einen ungeladenen Besuch schlicssen ließen, an einem von den Hüten der Dame einen Zettel mit folgender Aufschrift angeheftet:„Verehrte Frau, sagen Sie doch Ihrem Gatten, es wäre wirklich notwendig, dass Sie einen anderen Hut bekämen. Dieser hier sieht gerade so aus, wie der, den eine meiner alten Tanten vor zwanzig Jahren trug."— gc. Eine chinesische Eidesformel. Während in allen Kultur- staaten der Eid im Strafprozesse schon längst nur noch insofern eine Rolle spielt, als zu demselben bloss Zeugen des Verbrechens zugc- lassen werden, ist es in China noch immer den Angeklagten ge- stattet, ihre Schuldlosigkeit durch einen Eid zu beweisen. So gc- schah es erst jüngst in Kanton, dass die beiden eingeborenen Diener, die ein amerikanischer Reisender im Verdachte des Diebstahls seiner Barschaft hatte, vom Richter zum Schwüre angehalten wurden. Die Prozedur dabei ivar folgende: Der erste Angeklagte mußte vor einem Altar, auf welchem zwei Lichter brannten, niederknien, worauf ihm ein lebendiger Hahn zur Seite gestellt und folgende Eides- forme! vorgesagt wurde:„Da diese, vor dem weisen Siichtcr(folgt der Name) gebrachte Sache nicht anders aufgehellt werden kann, so schwöre ich Pau-Atä(so hieß der Beschuldigte) vor dem H.mmcl und allen heiligen Göttern: wenn ich, Pau-Atä, die 1l6 Dollars gestohlen habe, mögen meine Kinder, mein Weib, mein Vater, meine Mutter sterben wie dieser Hahn. Sei Zeugx, Du, azurner Himmell Wenn aber Atä diese 116 Dollars nicht gestohlen hat, so möge Segen aus seine Person herabkommen und seine Familie sich der Ruhe er- freuen. Ich, Pau-Atä, kniee nieder, berühre den Staub mit meiner Stirn, und schwöre diesen Eid." Hierauf legte er den Hals des Hahues auf ein Stück Holz und schlug ihm mit einem Beile den Kops ab, sodann erhob er sich und vernahm, wie immer in solchen Fällen, daß er freigesprochen sei; der andere Diener aber, der sich weigerte, den Eid zu schwören, ward für denjenigen gehalten, der die 116 Dollars gestohlen hatte, und danach ortsüblich, d. h. mit dem Bambusrohre, bel)andelt.— Sluö der Pflanzenwelt. — Australische Riesenbäume. Der höchste aller jetzt auf der Erde lebenden Bäume ist, so wird im„Kosmos" berichtet, der M a n d e l- E u k a l y p-t u s( EneAtyptus amygdalina), dessen Stamm die riesige Höhe von 150 Meter bei einem Ümfange von LO Meter erreicht. Die Eukalypten sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Myrtaccen, gegen 100 fast sämtlich australische Arten: hohe Bäume mit lederartigen, immergrünen Blättern und verschieden angeordneten weissen Blüten. Wie Richard Scmon be- richtet, bezeichnet man in den südlichen Teilen Australiens den neuerdings auch vielfach in Südeuropa angepflanzten Eucalyptus globulus als blue gum. Dieser„blaue Gummibaum"— sein Holz ist sehr hart und dauerhaft—, ist berühmt geworden wegen seines erstaunlich schnellen Wachsens und weil er eben durch seine rasche Entwickclung zur Entwässerung und somit zur Reinigung der Luft in Sumpfgegenden beitragen soll. Der graugrün belaubte, stark duftende Baum heißt deshalb auch Fiebcrheilbaum; er hält bei uns im Freien nicht aus, gedeiht aber z. B. gut in Italien, Spanien und Südfrankreich. Die blue gum erreichen nach dem oben genannten Forscher in Südaustralien eine ungeheure Höhe, unter günstigen Um- ständen bis nahezu 120 Meter, und Exemplare von 70 Meter Höhe und 4 bis 5 Meter Umfang sind durchaus nicht selten; daher geben die zwcrghaftcn Exemplare, die inan in Italien zu sehen bekommt, eine ganz falsche Vorstellung von den hochragenden und stolzen Ge- stalten ihrer australischen Eltern. Noch kolossalere Abmessungen er- reicht Eucalyptus colossea von Westaustralien, und ein Exemplar des eingangs erwähnten MandelcukalYptus im Dandcnong-Gebirge bei Melbourne maß sogar 152 Meter. Dieser Riese war also fast so hoch wie die Türme des Kölner Domes(160 Meter) und übertraf das Strassburger Münster, St. Peter, die Cheops-Pyramide sowie die berühmten big trees(Wellingtcmia gigantea) im kalifornischen Josemitetal erheblich. Die letzteren sogenannten Mammutbäume der Sierra Nevada gehören zur Familie der Nadelhölzer und werden durchschnittlich 100 Meter hoch, doch soll das berühmteste Exemplar, der schon vor Jahren umgestürzte„Vater des Waldes" bei einem Umfang von 35 Meter 114 Meter hoch gewesen sein.— Hnmoristisches. — Ländliche Devotion. Fremder:„Wie lange bleibst' denn immer auf der Weide mit Deinen Kühen?" Kuhhirt:»Bis s' g'nug hab'n I' Fremder:„Ja, wann haben sie denn nach Deiner Meinung genug?" Hirt:„Wenn'm B ü r g e r m a st e r seine nix mehr mag!"— — Gerechte E n t r ii st u n g Herr Schnobinsky(der sich im AnSknnstsbureau über sich selbst erkundigt hat):„Eine Gemein- heit; für fünfhundert Mark soll ich gut sein, und kein Mensch p u m P t mir was!"— — Schwerer Dien st.„Was hat denn bei Euch im Geschäft der Direktor zu tun?" „Der kommt morgens um 10 Uhr ins Bureau und fragt, ob etwas da ist I" „Und wenn nichts da ist?" „Dann geht er zum Frühschoppen!" „Wenn aber etwas da ist?" „Dann geht er auch zum Frühschoppen!"— („Fliegende Blätter".) Notizen. — Sndermanns neues Schauspiel„Stein unter Steine n" schildert die„Tragödie des gebesserten Sträflings". Das Stück wird, ivie schon mitgeteilt, im Lessing» theater gegeben lverden.— Josef Jarno wird in der kommenden Spielzeit im Kleinen Theater gastieren, u. a. als Marquis von Kcith im gleichnamigen Wedekindschen Stück.— — Im Vorhofe der S e z e s s i o n S- A u s st c l l u n g ist jetzt der für Krefeld bestimmte S ch w a n e n b r n n n e n von A u g u st Gaul zu sehen.— — B i l l i g e r S o n n t a g. In der Grossen Berliner K u n st a u s st e l l u n g beträgt der Eintrittspreis am 30. Juli 25 Pf.- — FranceSco Martini, der älteste unter den neapolitanischen Malern, ist im Alter von 76 Jahren gestorben.— c. Einen„ Friede nspala st" will man im Haag bauen. Für die besten architektonischen Entwürfe sind 12 000 M. ausgesetzt. — Stoff für Witzblattzeichncr!— — Radiophor. Dr. Axmann in Erfurt und der chemisch- technischen Anstalt Bayersdorf u. Co. in Hamburg ist eS gelungen, eine Masse herzustellen, ans die die Eigenschaften des Radin m S überwogen und in ihr dauernd festgehalten werden können. Nach den Mitteilungen Dr. Axmanns in der„Dtsch. med. Wochenschrist" genügt das„Radiophor" genannte Präparat den Anforderungen der täglichen ärztlichen Praxis vollkommen. Da es auch billig ist, steht der allgemeinen Verwendbarkeit kein Hindernis entgegen.— — 35 000 Liter Flüssigkeiten— so hat eine wissenschaftliche Zeitschrift ausgerechnet— nimmt der„Durchschnittsmensch" in einem fünfzigjährigen Leben zu sich. Bei den„durstigen Seelen" kommt mehr heraus.— — Der ZentralanSschnss für internationale MeereSforschu n g will feste Landstationen an der Nord- und Ostsee errichten, die sich speziell mit den Lebens- Verhältnissen des Herings beschäftigen sollen.— — Die hoch st e Bahnstation der Welt ist, wie der peruanische Konsul der„Voss. Ztg." mitteilt, nicht die Station Eis- meer der Jnngftaubahn(3160 Meter über dem Meere). Der Ge- nannte schreibt u. a.:„In Peru gibt es höher gelegene Bahn« stationcn. Die Oroya-Bahn ist bei Station Casapalca bereits in Höhe von 13 340 Fuss in Betrieb, und auf der Eisenbahn von Arequipa nach dem Titicaca-See wird als höchste Station in 14 666 Fuss Höhe Crucero Alto passiert. Die Endstawon dieser Bahn, Pnno, befindet sich noch' 12 540 Fuss über dem Spiegel des Stillen Ozeans."— — Hoch st rätselhaft. Das„Neue Münchener Tageblatt" berichtet in seiner Nr. 198 folgenden seltsamen Borfall:„Dingol- fing. Das Verschlucken von Kirschkernen. Der älteste Sohn des Bürgermeisters und Mühlenbesiyers Mnrz in Hüthenkofen verschluckte kürzlich eine Menge Kirschen samt den Steinen(?). Die Folge davon war, dass er an Blinddarmentzündung erkrankte und gestern Hagelschlag angerichtet hat."— Berantwortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin.— Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.Berlagsanstalt Paul Singer LcCo., Berlin SW.