Anterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 151. Sonntag, den 6. August. 1905 6, (Nachdruck verboten.) Die keilige Kummernud. Novelle von Richard Huldschiner. Pepi war schon aufgestanden und reichte ihm zögernd die Hand, die er mit warmem Druck umschloß. Tann ging sie. ohne sich umzuschauen, schnell der Stadt zu. Er aber stand unter dem Nußbaum und sah ihr nach, bis sie zwischen den Weinlauben verschwunden war. Sie lief gehetzt am Bahn- Hof vorüber und durch die abendlichen Gassen. Allen Menschen, die ihr begegneten, sah sie ängstlich ins Gesicht, weil sie meinte, daß man ihr ihre Unruhe ansehen müßte. Und sie begriff nicht, wie sie alle so gleichgültig oder traurig dreinschauen konnten. Es war doch so schön, zu leben, so schön. Man mußte ja fröhlich sein. In der Wohnung war noch niemand. Sie legte ihre Sachen ab, ging in die Stuben der Zimmerherren und richtete sie für die Nacht her. Tann schaute sie in die Küche, besann sich, ob sie Feuer machen sollte, ließ es aber sein. Wer weiß. ob die Mutter damit eiiwerstanden war? Sie setzte sich auf das alte Sofa in der Ecke, lehnte den Kopf zurück und träumte. Sie fühlte sich müde und doch wach wie jemand, der aus langem schweren Schlaf erwacht ist. Und doch: als die Mutter nach Hause kam. war sie auf dem Sofa fest eingeschlafen. Ihr Kopf war zurückgesunken, die Lippen leicht geöffnet, die Arme hingen herab. Die Stirn bedeckte ein feiner Schweiß.— ... Am nächsten Tag ging Pepi direkt von der Kathl nach Hause. Sie war traurig und wollte sich in ihrem Stüb- che» vergraben. Nur niemand sehen, nur nicht sprechen müssen! Die Menschen hatten recht, wenn sie traurig durch die Straßen gingen. Das Leben war nicht lustig; man mußte weinen. Sie zog ein altes Hauskleid an und setzte sich mit dem Gebetbuch an den Küchentisch; die bunten Heiligenbildchen. die da und dort zwischen den Seiten steckten, beruhigten sie und lenkten ihre Gedanken ab. Vielleicht war ihre Sünde doch nicht so schwer, vielleicht konnte sie Vergebung finden, wenn sie ein für allemal mit dem Geschehenen abschloß und der Mutter beichtete. Aber davor fürchtete sie sich ja so sehr; das war es ja, was sie so traurg machte. Die Mutter war so seltsam; sie konnte immer nur schelten. Aber dann war ja auch noch der Onkel Anton da; wenn sie mit dem darüber sprach?— Nein, das ging erst recht nicht. Der würde sie bloß auslachen.„Ach Gott! Daß man so verlassen war!..." Auf der kleinen Uhr schlug es sechs. Sechs Uhr schon? Ja, da traf sie gewiß den Pater Gerhardus oben in der Franziskanerkirche! Dem konnte sie beichten. Sie sprang auf, riß ein Tuch aus dem Kleiderschrank und lief über die Treppe hinab. Aber als sie die Haustür öffnete, stand Pernwerth da. Ihr war, als ob sie umsinken mußte. Da stand er, den sie hatte nimmer wiedersehen wollen, lächelte glückselig und streckte ihr die Hand zum Gruß entgegen. Sie wollte umkehren, die Tür hinter sich ins Schloß werfen, konnte aber nicht. Und mit einem Schlag fiel alle Traurigkeit von ihr ab. Sie wunderte sich nicht einmal darüber, daß er ge> kommen war. Das war ja so natürlich. Warum sollte er sich auch nicht nach ihr umsehen? Sie hatte ja auch den ganzen Tag diese schreckliche Sehnsucht gehabt. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, sie wankte gegen die Wand des Hausgangs und auf einmal fühlte sie sich von seinen Armen umschlossen. „Pepi!" sagte er zärtlich und drückte sie an sich. Und da schloß sie die Allgen und legte den Kopf an seine Brust. Die milde Kühle des großen, gewölbten Flurs umfing sie wie mit Zaubermacht. Vom Garten her hörte man das Singen der Vögel; die Zweige der großen Bäume rauschten im leisen Abendwmd. Und sie waren ganz allein, fern von den Menschen, auf einer einsamen Insel, an deren Gestaden nie- mand landen kann. Sie drückte sich fester in seine Arme, vergrub sich gleich- sam in ihnen, und sie wollte nimmer loslassen, nimmer; denn sie gehörte zu ihm, und was er tat. war recht. Er sagte aber immer nur:„Pepi!" und streichelle ihr Haar. Und als sie die Augen zu ihm aufhob, küßte er sie auf den Mund. Die Haustür war offen geblieben. Ein Schusterjunge ging draußen pfeifend vorüber; dann kam ein Mann, der einen Karren schob; es polterte auf dem schlechten Pflaster, als ob es eine ganze Batterie Kanonen wäre. Und hinterher zottelte ein altes Weib, das einen großen verdeckten Korb auf der Schulter trug. Aber die beiden erwachten nicht aus ihrer Versunken- heit. Was ging sie die Welt da draußen an? „Hattest Du mich gesehen?" fragte er nach einer Weile. „Ich stand schon lange vor der Haustür und guckte nach Deinen Fenstern hinauf." Sie schüttelte nur den Kopf. „Nein?— Wo wolltest Du denn jetzt hin?" „In die Kirche." „Und Deine Mutter?" „Es ist niemand zu Hause." „Schatz!... „O. Du!... „Süße!" „Ich liebe Dich schon lang... schon lang.. Sie sagte es träumerisch, mit Augen, die in eine weite Ferne starrten.„Schon lang... ich wußte es nur nicht... und ich meinte, daß ich Dich hassm müßte..." „Aber jetzt werden wir uns immer lieben." „So wie ich Dich liebe, kannst Du mich gewiß nicht lieben." Sie schauderte zusammen und machte sich los. „Um Gottes willen! Wenn uns jemand gesehen hat? Und die Mutter kann jeden Augenblick nach Hause kommen! Ich bitt' Dich, geh!" „Noch einen Augenblick!" flehte er. Aber sie sah ihn so angswoll an. daß er sie nicht mehr quälen wollte. „Nun gut... ich gehe. Aber wo sehe ich Dich morgen?" „Morgen?... ich weiß nicht... ich habe Angst... nein, ich kann nichts sagen..." „Am Nußbaum draußen? Wo wir gestern zusammen- gesessen haben? Sag ja, sag ja!" „Ja... ja... nur geh jetzt..." Da küßte er sie noch einmal lang auf den leicht geöffiwten Mund und ging. Aber Pepi stand noch eine Weile da, als ob sie an den Boden festgenagelt sei. und ihre Augen wanderten ruhelos durch den langen Gang. Tann raffte sie sich plötzlich zu- sammen und lief die Treppe hinauf, zog sich mit fieberhafter Eile um. Sie mußte fort, in die Ltirche, irgendwohin, wo sie beten konnte. Sie hatte für etwas zu danken. Es war das erste Mal in ihrem Leben, daß sie nicht zu bitten, sondern zu danken hatte. Das duldete keinen Aufichub, das mußte bald geschehen. Aber je näher sie der Franziskanerkirche kam, um so unruhiger wurde sie. Es wird sehr voll sein, sagte sie sich. Wer weiß, ob Du ungestört beten kannst? Und dann— der Pater Gerhardus. Nein, dem durfte sie jetzt nicht begegnen. In der Pfarrkirche konnte man besser beten. Die Helene sagte es auch, und die wußte Bescheid.__„,. Ihre Schritte verlangsamten sich. Sie stellte sich das hohe, dämmernde Mittelschiff der Pfarrkirche vor. mit dem großen, goldenen Altar, der durch das Ungewisse Dunkel schimmerte, und plötzlich wußte sie es. daß sie in die Pfarr- kirche mußte. Wie hatte sie auch nur einen Augenblick an die Franziskaner denken können! Ja, wenn man beichten wollte! Aber sie wollte ja nicht beichten! Sie hatte ja nur zu beten und zu danken! Zu der Mutter Gottes konnte sie viel besser in der Pfarrkirche reden. Tie Mutter Gottes war ja so viel milder als der heilige Franziskus. Die Mutter Gottes mußte so ein armes, glückliches Mädel viel besser verstehen. Der heilige Franziskus machte ihr nur Angst. Und zum Pater Gerhardus konnte sie ein anderes Mal... So drehte sie wieder um und eilte durch dunstige«traßen nach dem Pfarrplatz. Als sie bei der Post um die Ecke bog und der hohen, lichten Kirche gegenüberstand, befiel sie heftiges Herzklopfen. Da preßte sie ihre Hand gegen die Brust, holte ein paar Mal tief Atem und stand einen Augenblick still. Dann nahm sie ihren ganzen Mut zusammen und trat ein. Die Kirche war fast leer. Nur hinten in den letzten Bänken knieten ein paar alte Weiber. Und vor den Stufen des Hauptaltars lag eine in tiefe Trauer gekleidete Dame mit Sern ganzen Körper auf dem kalten Marmorboden. Sie rührte sich nicht. Es sah aus, als ob sie tot wäre. Pepi wagte kaum, sich ihr zu nähern. Aber hier war es. wo auch sie sich niederzuwerfen gedacht hatte. Der Altar war für alle, und von ihr sollte gewiß keine Störung kommen... Ein Dämmerlicht herrschte in der Kirche; die bunten Fenster verdunkelten die hohen Schiffe mehr, als daß sie Licht gespendet hätten. An den Altären brannten nur wenig Kerzen. Hier und da blitzte in tiefen Nischen das Gold der Rahmen auf. Die Bilder versanken in einem geheimnisvollen Dunkel, aus dem ein gequälter Mund, eine bleiche, schmale Hand, der Stahlglanz einer Ritterrüstung oder das weiße Gewand eines Engels herausleuchtete. Die schlank aufstrebenden Säulenbündel, die die Kreuze Wölbungen trugen, tauchten in die Nacht hinauf; Weihrauch schwebte herab, zog zwischen den Kapitälen hindurch, wallte um die hohen, bunten und goldgestickten Kirchenfahnen und verging hinter dem Altar in dem schweren Dunkel der Grab- kapelle. Jetzt schlug hoch oben im Turm die Siebenuhrglocke an. Es dröhnte schwer und geheimnisvoll wie eine Geisterstimme. Der Klang verhallte in einem leisen Zittern, das durch die Säulen ging. Dann senkte sich von neuem Dunkel und tiefes Schweigen herab, und. nur, wenn an einer der Kerzen das Wachs auf das Metall der Leuchter tropfte, gab es einen leisen, silbrigen Laut. Die Dame im Trauerkleid regte sich. Von ihren Lippen kam ein schwerer Seufzer, der die Kirche aufhorchen ließ. Und Pepi erwachte aus wirrem Träumen, das ihre Gedanken weit abseits geführt hatte, zum Bewußtsein ihrer Seligkeit. Nur zögernd streifte ihr Auge die Trauernde. Wie konnte ein Mensch unglücklich sein? Wie konnte man weinen, da die Mutter Gottes mit den milden Lippen und dem verklärten Glanz der tiefen Augen selig lächelnd auf die Gläubigen sah? „O, du Glorreiche! Ich danke dir. Du hast mich in den Himmel gehoben. Du, die du den Schmerz kennst und die Nacht der Verzweiflung, die du den Sohn geboren hast und ihn am Kreuze sterben sahst, die du seine Auferstehung an- betetest und selber nun an Gottes Thron in Seligkeiten er- haben stehst, ich danke dir... Siehe, ich liebe ihn,-. und wenn wir unrecht tun, so laß es mich nur büßen; ich bin nichts auf der Welt und habe nichts als meine Sehnsucht und meine Liebe; und wenn es sein muß, so nimm mich fort von dieser Erde; ihn laß leben..- aber es kann ja gar nicht unrecht sein, demütig zu lieben; wie könnte sonst mein Herz so furchtlos sein?... wie könnte ich hier an den Stufen deines Thrones knieen?" ... Und die Viertelstunden gingen leise dahin. Menschen kamen, knieten nieder und verschwanden wieder. An einem Seitenaltar wurde eine Andacht abgehalten. Ein Glöcklein tönte, Weihrauchwolken stiegen auf und verteilten sich droben an den dunklen Wölbungen, durch die Fenster neben der Orgelempore fiel ein letzter Sonnenstrahl. Die Dame in Trauer war lange schon gegangen— aber Pepi kniete immer noch und betete. Sie wußte es jetzt, daß für sie wie für alle Menschen das Leben nicht nur Kälte und Schmerz und dunkles Dahinträumen, sondern auch Lust und Seligkeit birgt, daß man danach greifen muß wie nach einem Kranze von Rosen, den man sich aufs Haupt setzt, und daß, wer lebt und atmet, Siegeslieder singen darf. Und ihr Dank, der zum Himmel stieg in heißen, halb gestammelten Worten, wurde glühender und reiner. Ein Jubel war in ihr, der sie Zeit und Ort und alles vergangene Leid vergessen ließ. Und wie sie vor dem Altar kniete mit roten Wangen und hellen Augen, war es gleichsam, als wäre sie gewachsen. Der Kerzenschein, der gegen das sinkende Tageslicht nun Sieger zu werden begann, brach sich in ihren blonden, zerzausten Flechten und umgab ihren Kopf wie mit einem Heiligenschein. Das kümmerliche graue Kleid hatte einen seltsamen Glanz bekommen. Und alle Engel und Heiligen auf den Bildern der Altäre und Fahnen, auf den Konsolen der Säulen, auf Emporen und Betstühlen schauten freundlich auf sie herab.— .-.- Zur gleichen Stunde aber saß Pernwerth in einem Erker des Wirtshauses zur Sonne und schäkerte mit der Kellnerin. Er hatte sie um die Taille gefaßt und flüsterte ihr lachend ein paar Worte ins Ohr. Die Stube war fast leer. Nur drüben am Ofen saß ein Mensch in Arbeitskleidung, der glühenden Blickes zu den beiden hinüberschaute. lFortschung folgt.) Der ßUUonär. Ein Hochsommernachtstraum. KIs Mr. Porker in Chicago das blühende Alter von acht Jahren erreicht, hatte er es durch Fleiß, Redlichkeit, Sparsamkeit und Klugheit dahin gebracht, daß er runde fünf Milliarden Vermögen besaß. So viel nämlich hatte er von seinem Vater geerbt, der zu jener Zeit gestorben war. Oder vielmehr: nur 4>/z Milliarde hatte er eigentlich ererbt, eine halbe Mlliarde hatte er durch weitsichtige Operattonen mit seinem Taschengeld— wobei eben Fleiß, Redlich- keit, Sparsamkeit und Klugheit in Kraft traten— selbständig erworben. Am Tage des Todes seines Vaters überdachte der verwaiste, aber ungebeugte Knabe sein künstiges Schicksal und regulierte im Voranschlag die kommende Entwickelung seiner Persönlichkeit. Er war, wie alle Milliardäre, von äußerster Anspruchlosigkeit, arbeitete Tag und Nacht, bückte sich nach jeder am Boden liegenden Stecknadel und war im übrigen nur darauf bedacht, das allgemeine Wohl zu fördern. So würde er, berechnete er, mit Vollendung seines SO. Jahres genau eine Billion schwer sein. Dann wollte er sich zur Ruhe setzen und den Rest seiner Tage in beschaulicher Zurück- gezogenhcit und mätziger Arbeit in einem idyllischeren Lande als dem unruhigen Amerika verbringen. Er dachte an Deutschland, an Berlin. Die Rechnung stimmte. Am Tage, da er 60 alt ward, brachte ihm der Chef der Buchhalterei— der berühmte Astronom Profesior Kometowsky— die Botschaft, daß die Billion auf Dollar und Cents genau voll geworden sei. So mobilisierte er seine Flotte, stoppte sie voll mit Roosevelt- Denkmälern— alle aus natürlichem gepreßtem und unvergänglich präpariertem Schweinefleisch mit natürlichen Haaren und lebendigen Radium-Augen— und dampfte nach Deutschland. Von Hamburg aus versandte er zunächst die Roosevelt-Statuen an alle Städte über 10 000 Einwohner und wurde telegraphisch zum Ehrenbürger der sämtlichen also beglückten Gemeinden gemacht. In dem Hotel, das er sich für die acht Tage seines Hamburger Aufenthalts hatte bauen lassen, empfingen ihn die vereinigten Fürsten von Deutschland, über- reichten ihm die Naturalisationsurkunden von den deutschen BundeS- staaten, sowie drei Zentner hohe Orden und den Titel eines Unter- offiziers der Reserve beim Train. Mr. Porker verbeugte sich würdig und sagte in deutscher Sprache: „Danke." Die Armee der bei dem denkwürdigen Akt anwesenden Reporter war entzückt über die vollkommene Beherrschung unserer geliebten Mutterlaute. Hierauf wurde die Fahrt nach Berlin in einem goldenen Auto- mobil— dessen motorische Kraft durch Vergasung von Rosenöl er- zeugt wurde— in'/, Stunden ausgeführt. Es gab unterwegs kaum 30 Tote. Die glücklichen Hinterbliebenen bekamen lebenslängliche Renten. In Berlin war eS in der Tat noch idyllisch. Die Häuser hielten sich in der mäßigen Höhe von 20 Stockwerken, die Kirchen ragten nur wenig über die Vegetationsgrenze hinaus— die Dächer in ihrer natürlichen Vergletscherung strahlten wie ungeheuere Diamanten— und auch das größte Dendnal, das Bülow-Monument auf dem Gebiet des ehemaligen Tiergarten?, war noib nicht ganz 200 Meter hoch und unifaßte einen Raum von 2 Quadratkilometer. Uebrigens war das Denkmal sehr schön. Um die eigentliche Kolossalstatue des er- habenen Staatsmannes zogen sich in weitem Umkreis sechsfach über« einander bronzene Reifen, an denen die Köpfe der geistigen Heroen aller Zeiten und Völker in Wachs befestigt waren, die er zu Leb- zeiten zittert hatte. Diese Wachsfiguren boten so ein Panorama der menschlichen Entwickelung überhaupt. � Mr. Porker kaufte sich das Stadtviertel, das dem königlichen Schloß benachbart war. Dieses Schloß war die mannigfachste Sehenswürdigkeit der Stadt, es war berühmt durch die„bewegliche Fassade", die in den verschiedensten Stoffen, vom Platin bis zum Marzipan, und in allen erdenklichen Stilen aus dünnen Platten hergestellt war und die täglich in der Weise ausgewechselt wurde, daß die Platten an die ursprünglichen festen Mauern angeschraubt wurden. Der Billionär ließ sich binnen zwei Wochen einen gewalttgen Park und ein bescheidenes Landhäuschen bauen, wo er nun nachdem ansttengenden und auftegenden amerikanischen Treiben von der harten Arbeit ausruhte. Nur noch eine Stunde des TageS trieb er 'ein Geschäft, das natürlich bei den Keinen Verhältnissen Berlins wie Europas überhaupt nur wenig Anstrengung erforderte. Er hätte auch gar nicht mehr Zeit auf seine Tätigkeit verwenden können— onst hätte er bald nicht mehr gewußt, waS er noch kaufen sollte.� Binnen Jahresftist besaß Mr. Porker die Mehrheit aller Aktten der Banken und Jndusttiegesellschasten, unzählige Warenhäuser, sämtliche großen Zeitungen, Straßenbahnen, Omnibus« und Droschkenunternehmungen, Reedereien und rund 1000 Rittergüter. Auch in England und Frankreich besaß er so ziemlich alles, was in Betracht kam, oder er hatte doch den maßgebenden Einfluß auf die wichttgsten Unternehmungen. Jetzt konnte er sich der europäischen Wohlfahrt ungestört widmen. Nur eines genierte ihn; den preußischen Staat konnte er nach Lage der Gesetze direkt nicht kaufen, obwohl er ihn gern seinem Museum einverleibt hätte. Aber indirekt erreichte er doch sein Ziel. Mr. Porker wurde sogar preußischer Gesetzgeber. Er hatte dabei seinen ameri- konischen Bürgerstolz. Als er nämlich eines Tages erfuhr, daß ihn der König ins Herrenhaus berufen wolle, ließ er sich schleunigst von efttetn alten kinderlosen Masoratsherrn, dessen Familie Herrenhaus- berechtigt war, auf seinem Totenbette adoptieren. Me nun das königliche Berufungsdiplom eintraf, schickte er es mit dem Vermerk zurück:»Bedaure sehr. Bin bereits von Geburt Gesetzgeber. Mr. Porker gen. Freiherr v. Köckeritz-Fuselhof." Seitdem zerfielen die Herrenhaussitzungen in eine sehr kurze öffentliche und eine längere geheime Sitzung. In der kurzen wurden die Gesetzes- vorlagen erledigt, über die alle von vornherein einig waren, da sie alle bei Mr. Porker in der Kreide standen. Die geheime Sitzung wurde dazu verwandt, die privaten Geldgeschäfte der Gesetzgeber mit Mr. Porker zu regulieren. Porker interesfierte sich außerordentlich für Kunst und Wissenschaft. Er bevorzugte die klassische Tragödie. Rur verlangte er, daß sämtliche Personen dieserStücke neben ihren überkommenen Leistungen noch irgend eine Spezialität ausüben müßten. Auch legte er Wert auf die Ein- führung dressierter Raubtiere. In diesem Sinne wurde Shakespeare, Schiller, Goethe und Kadelburg umgearbeitet. Auch die neuesten Dichter schufen in dieser Weise, so daß etwa die Erinordung einer ungetreuen Gattin in folgender Weise ausgeführt ward: Der Ehe- mann hing fich mit den Füßen an einem Trapez auf, jonglierte die Ehebrechenn mit den Zähnen, schleuderte fie in weitem Bogen in die Luft und gab dann in diesem Augenblicke dreißig Schüffe ab, die an Vorher genau bezeichneten Körperstellen einschlagen mußten. Nach geschehener Tat kam ein Chor Hunde und heulte ein zwölfftimmiges Lied aus dem 16. Jahrhundert. Es gab keine Möglichkeit, anders zu dichten. Einmal wollte ein aufsässiger Poet eine Tragödie ohne derlei Apparate zur Aufführung bringen. Die Theater weigerten sich, da fie ja alle Mr. Porker gehörten. Da ließ er auf einem Bauplatz ein Zelttheater errichten. Der Premieren- Abend kam heran. Niemand war erschienen. Porker hatte alle Billetts aufgekauft und verbrannt. Auch waren die Schauspieler aus- geblieben, Porker hatte jedem eine Villa geschenkt. Auch in der Mufik schwärmte er für das Klassische. Nur liebte er scharfe Rythmen. Beethovens Sinfonien wurden nur noch in Marschform gespielt, und der Schluß der Neunten wurde als Nigger- ballett ausgeführt. Eine besondere Freude machte es Mr. Porker, die Löhne der Arbeiter und die Lebensmittelpreise zu regulieren. Je nach seiner Stimmung setzte er sie hoch oder niedrig an, so daß niemand wußte, was er morgen zu verzehren hätte, was höchst drollige Szenen her- vorrief und den'Urheber des Spiels oft erheiterte. Seine größte Freude aber war ein kleiner Schoßhund. Der bedeutendste Philosoph der Berliner Universität, ein merkwürdig tiefer Metaphhsiker, hatte das Tier erzogen und ihn, eine für alle schweren Probleme des Menschengeistes empfängliche Seele gezüchtet. Schon wenn das Tierchen kläffte, fühlte man ringende Erkenntnis, und wenn es gar—, so war es, als ob der Weltgeist selbst ausströmte. Und diese geniale Bestie mußte früh an der Staupe enden, für die keine medizinische Autorität Hülfe wußte. Porker war furchtbar erschüttert. Drei Wochen verhängte er Landesttauer. Keine Straßenbahn fuhr, kein Schornstein rauchte, die Banken waren verödet, selbst die Kneipen wären geschlossen und die Brauereien trockneten aus. Nach dieser fast vollständigen Arbeitsruhe— nur die staatlichen Werkstätten feierten nicht— ergriff Porker das Bedürfnis nach ge- steigcrter Tättgkeit. ES mußte etwas geschehen. Bisher waren die Walfische bei Grönland in den englischen Landesfarben angestrichen. Die deutsche Porkerpreffe forderte leiden- schaftlich im Namen der deutschen Ehre, daß sie nun endlich die deutschen Farben tragen müßten. Die englische Porker-Presse ant- wartete. Die Erregung siedete. Die deutschen Porker-Werke bauten Kriegsschiffe— jeden Tag ein Dutzend—, die englischen Porker- Werke brachten eS auf zwei Dutzend am Tage. Und eines Tages wurde der Krieg erklärt. Bald lagen ungezählte Schiffe auf dem Meeresgrunde, die Fische barsten fast, so feist waren sie mit Menschen- fleisch gemästet. Deutschland war nicht erfolgreich. Immer neue Armaden wurden ausgeschickt. Da, eines Tages, wurde die Affäre dem Billionär zu ge- räuschvoll. Er erklärte dem deutschen Kanzler, er müsse Frieden schließen. „Wenn wir gesiegt haben"— erklärte der Mann stolz. „Ich werde Ihnen keine Kohlen mehr liefern"— erwiderte Porker ruhig. „Wir werden die Arbeiter zwingen, die Kohlen zu fördern." „Ich werde meinen Arbeitern Ferien aeben, und jedem 20 Mark Feriengeld den Tag. Dann werden sie nicht arbeiten." Der Kanzler aber wurde wütend:„Wir werden Sie expro- priieren I" Da lachte Mr. Porker ausgelassen:„Sie vergeffen ganz, mein Wertester: Das Privateigentum ist die Grundlage aller Kultur." Der Kanzler war geschlagen. Es muhte Frieden geschlossen werden. Indessen, der Vorgang hatte doch den Stolz der Monarchie er- heblich verwundet. Man begann in maßgebenden Kreisen Porker zu Haffen. Jedoch niemandem fiel ein Mittel ein. wie man den stechen und gemeingefährlichen Amerikaner aus dem Lande zu bringen ver- möchte. Endlich aber hatte ein Geheimrat die rettende Idee. Der Plan wurde sofort ausgeführt. Majestät machte eine sehr ungnädige Bemerkung über den Billionen-Parvenu. Die Aeutzerung wurde Mr. Porker hinterbracht und der antwortete öffentlich und laut, was bisher der gesteus Untertan nicht einmal im Rausch zu denken gewagt hätte. Alles ging nach Wunsch. Jetzt hatte man den Kerl. Der Staatsanwalt erhob Anklage wegen Majestätsbeleidigung. Es wurden dem hinreichend Verdächtigen vertrauliche Eröffnungen gemacht, daß er sicher zur Maximalstrafe von 6 Jahren verurteilt werden würden Porker jedoch floh nicht, wie erwartet, sondern blieb beharrlich. So mußte man weiter gehen. Das Hauptverfabren wurde eröffnet. Man war entschlossen, Ernst zu machen und den Entsetzlichen für fünf Jahre einzusperren. Porker war heiterer denn je. Acht Tage vor dem Termin aber brachte die Porkerpreffe die Nachricht: Der Termin sei auf un» bestimmte Zeit vertagt worden, weil es augenblicklich keinen einzigen Richter und Staatsanwalt in Preußen mehr gebe. In der Tat hatten die sämtlichen Herren den Staatsdienst quittiert und waren von Mr. Porker engagiert worden gegen sehr hohe Gehälter; auch der Justizminister selbst war in seinen Dienst gesteten. „Ich kann die Leute zwar nicht brauchen, denn ich treibe nur reelle Geschäfte"— äußerte Mr. Porker bei dieser Gelegenheit.., Joe. Kleines feulüeton. gl. Ter Platz mir gegenüber. Als die Elektrische von der Kreuzbergstraße abfuhr, war er noch leer, aber schon in der Belle» alliancestratze fand er einen„Be— sitzer." Einen Herrn. Einen Herrn, wie es viele gibt, ich hätte ihn kaum des weiteren angesehen. Wohin aber soll man sehen, auf solch einer langen unh langweiligen Fahrt durch die Stadt? Draußen brütet die Sonne» die gelben Rouleaus sind zugezogen, eine dämmerige Stille hüllt den Wagen, man möchte die Augen zumachen und schlafen, aber da> Rasseln der Räder schüttelt auch den Müdesten wieder wach. Wie im Traum irrt das Auge den Wagen entlang. Ich sah auf den Herrn mir gegenüber. Wirklich nur ein Herr, wie es viele gibt: keine Spur von Eleganz, eher schon ein Anflug von Schäbigkeit, nicht ausgeprägt. aber doch vorhanden. Er hielt ein Notizbüchelchen und einen Blei« stift in den Händen, schrieb ein paar Zeilen, rechnete und sah starr in die Luft, schrieb wieder ein paar Zeilen, klappte das Buch zu, sehr energisch sogar, und schob es mit einem heftigen Ruck in die innere Tasche. Eine Weile saß er still und starrte vor sich hin, dann zog sich plötzlich seine Stirne kraus, seine Lippen preßten sich zu» sammen, die Linke ballte sich zur Faust und schlug mit einem harten Schlag auf die Sitzbank. Dabei glitt ein Zug von Verzweiflung über das finstere Gesicht, als wäre alles aus„Mohrenstraße"! rief der Schaffner. Der Herr mir gegenüber erhob sich und stieg aus. Der Platz mir gegenüber war wieder leer, aber nur für einen Augenblick, dann kam ein neuer Passagier. Ein quickes, dickeS Bengelchen, sehr elegant, Sohn aus allerbester Familie. EtwaS frech saß er auf seinem Platz und ließ die hellen Aeuglein rundum gehen. Unausstehlicher Bengell Sattes Protzenwm lag auf seinem wohlgenährten Pausbackengesicht, etwa so:„Wir können es ja habend Jetzt zieht er sein Taschentuch heraus und knippert einen Knoten auf, blanke Groschen hat er drin, die zählt er auf die Bank, fünf« zehn Stück. Seine Augen liebeln förmlich mit dem Gelde, und ein Glanz liegt darin— merkwürdiger Glanz, so voll Habgier und Besitzstolz, als ob ein Wucherer seine Schätze zählt. «So viel Geld," fügt ein altes Mütterchen, das dicht daneben sitzt,„das hat gewiß Großmutter geschenkt, was?" Der Junge antwortet nicht, er starrt sie nur an mit cineml dummdreisten, höhnffchen Grinsen. �Sie ist ihm wohl nicht fein genug, allerdings sie sieht auch nur ärmlich aus und hat nicht mal eine gold'ne Uhr wie er. „Das sparst Du nu wohl?" fragt das Mütterchen.„Ja, spar's Dir man, nich vernaschen,'s schöne Geld, keine Bonbons füll kaufen!" „Nee, aber Zihjarrn!" ruft der Junge frech und rennt an ihn vorüber hinaus.„Nein solche Kinder!" Das Mütterchen reibt sich! die Knie, der Bengel hat ihr noch einen Schubs gegeben. Sie rückt in die Ecke auf den leeren Platz und stellt den schwerer» Packen, den sie bisher auf dem Schoß gehalten, aufatmend an die Wand. Dabei nickt sie mir zu: „Ja, sone Kinder schmeißen mit's Geld rum— und Uhr und Kette— und immer frech zu de armen Leute— und unsereins muß arbeiten, daß de Finger bluten. Schirme sind bis! Ich spanne Schirme. Aber sone Kinder, die..." „Sie muffen aussteigen," ruft der Schaffner. „Werderscher Markt, hier wollten Se raus. Das Mütterchen humpelte seufzend davon. Der Platz wird so» fort wieder besetzt. Eine Dame, sehr elegant— gelbes Voilekleid auf Seide— sie„rauscht" bei jeder Bewegung, streicht ihre feinen Glaceehandschuh glatt und wendet sich steif und vornehm zu ihr«, Gatten:„Wenn Gerfon bloß Wort hält und die Toiletten zur Zefl schickt." 604 „ Er wird ja schon, und wenn nicht, behilfst Du Dich die ersten Jebenheiten des Bodens stellenweise über dem Meeresgrund schwebte, jaar Tage." Ich werd mich behelfen. Im Seebad, das geht ja gar nicht. Ich hab' nichts anzuziehe.. Sind wir da?" " Ja, es war Dummheit, das Stückchen zu fahren, ich hab' es ja gleich gesagt." Mißmutig und verärgert wie einer, der zubiel ausgegeben hat, verläßt er den Wagen. • Und wieder zwei andere junge Frauen in duftigen SommerKleidern, elegant und lebensfroh. Sie fichern und tuscheln, man hört nur abgerissene Worte:" Halenseeterrasse.. brillantes Souper erst noch Grete abholen.. Rentier Buddes kommen auch.. aus der Schweiz zurück.. noch an die See gehen.." Bald steigen Sie aus. Mein Platz bekommt neue Gäste. Zwei Herren, groß, dick, laut und lärmend, über den Bäuchen baumeln dicke Uhrketten: Grundbesizer, sie bauen bei Rigdorf rum", mustern die Gegend draußen mit fritischen Bliden, vor allem die Neubauten. Der eine tramt seine Weisheit aus: Nee, man feene elejanten Wohnungen! Bau ich nich! Mach ick nich! Nur welche für fleene Leute, die bringen mehr; sind zufrieden, wenn sie' n Dach über'n Kopp haben, und haben se Kinder, tann man steigern. Und denn die jroßen Wohnungen! Js wat nich recht, jleich muß man's machen lassen, und es heißt:„ bei die Miete!" Dem Kleenen laß ruhig die Tapete von de Wand fallen, die haben's Maul zu halten oder se fliegen." " Stimmt", lachte der andere dröhnend. Ekelhaftes Chor die beiden. Wenigstens bleiben auch sie nicht lange. Und nochmals steigen zwei ein, junge Frauen, die eine in Trauer, ärmliche Trauer und ärmlich die paar Blumen in ihrer Hand, fie sieht blaß und vergrämt aus und kann sich kaum faffen. Mühfam würgt sie das Schluchzen nieder. Die andere sucht zu trösten und redet leise zu. Und wieder nur abgerissene Worte:„ Und er konnte noch leben... fein Geld... und, wenn wenigstens gute Luft... tags in der Fabril... nachts die nasse Wohnung... und nu so allein... und's Kind hust auch schon Blut Dann erstickt das Schluchzen alles. Da, wo der Weg nach dem Kirchhof geht, steigen sie aus. Der Plaz mir gegenüber bleibt leer. Die Sonne, die jetzt auf der anderen Seite steht, spielt darüber hin, der Plah mir gegenüber fieht freundlich und harmlos aus, so, als tönnt' nichts Böses drauf gescheh'n. Und ist doch einer Weltstadt Lust und Elend drüber hingegangen. gc. Ar red't wie a Holzhader," ist in denjenigen elsässischen Gegenden, besonders im Oberelsaß und in der Schlettstatter Gegend, gong und gäbe, wo die Bevölkerung sich hauptsächlich mit Ackerund Weinbau beschäftigt. Die Holzhacker werden nämlich von den Bauern als„ misera plebs" angesehen; man schreibt ihnen in bäuerlichen Kreisen wenig Verstand aber sehr viel Grobheit zu, und wenn einer unvernünftiges Geschwäß macht oder grob wird, so heißt es von ihm,„ Ar red't wie a Holzhacker". Dort hingegen, wo die Waldarbeit einen Haupternährungszweig der Bevölkerung bildet, also vor allem in den Vogesentälern, ist es umgekehrt: als minderwertig gilt dort der Bauer; der Bergbewohner dünkt sich über den im Staub der Ebene teuchenden Bauer weit erhaben; das trifft auch auf die Fermiers" in den Bergen zu, die keinen Ackerbau, fondern nur Milchwirtschaft und Viehzucht betreiben und sich ebenfalls als Hautevolee gegenüber den Bewohnern der Ebene fühlen. Hieraus erklären sich nun die in den Vogesen oft gehörten Redensarten, wie die folgenden:„ Ar red't wie a Rabfeppel"( Reb- Seppel, d. h. Rebbauer, Winzer), oder„ Ar red't wie a Salatbür"( Salatbauer), wie a Grumbeerebür" oder„ Ardäpfelbür"( GrumbeereGrundbeere- Kartoffel, gleichbedeutend damit Ardäpfel- Erdapfel). Welcher der beiden Stände aber, ob der der Bauern oder der der Sennen und Waldarbeiter, wirklich am gröbsten werden kann, das müßte erst durch einen Kampf der Gefänge" festgestellt werden. " zwischen die Kiefer gekommen. Bei den Versuchen, sich wieder frei zu machen, hatte sich dann die Schlinge gebildet, die den Unterliefer fest einschnürte, und in dem wütenden Zerren des Ungeheuers brachen die Kupferdrähte au mehreren Stellen, während die eisernen Umhüllungsdrähte dank ihrer bedeutenden Zugfähigkeit wenigstens teilweise die Last aushielten, so daß der Walfisch an die Oberfläche gezogen werden konnte. Medizinisches. Ganz hr. Der Brechdurchfall der Säuglinge. besonders im Frühjahr und Sommer treten unter den Säuglingen, ob sie nun mit der Flasche aufgezogen werden, oder ob es sich um Brustkinder handelt, Magen- und Darmstörungen auf, die alljährlich biele Kinder dahinraffen. Die Unfitte mancher Eltern, in allzu großer Zärtlichkeit und Liebe den Kindern auch hier und da von dem Essen der Erwachsenen etwas abzugeben", z. B. Kartoffel und ähn liches, ist wohl nicht allzu selten einer derjenigen Punkte, die för dernd auf derartige Störungen wirken. Meist grünliche Ents leerungen und Erbrechen der genossenen Milch im fäsig geronnnenem Zustande sind die Erscheinungen des Magen- Darmtatarrhes ( Brechdurchfall!). Dazu foment meist Auftreibung des Leibes, Unruhe infolge der folifartigen Schmerzen. Sehr häufig sind die Ursachen derartiger Erkrankungen von Brustkindern in Diätfehlern der Stillenden zu suchen, und als erstes sebe man daher das Kind auf mindestens 24 Stunden ab. Ebenso sollen Flaschenkinder auch keinerlei Milch erhalten, sondern beide, sowohl das mit der Flasche aufgezogene, wie das Brustkind werden ausschließlich mit Hafer oder Gerstenschleim und dazwischen, eventuell abwechselnd, mit Eis weißwasser ernährt. Eiweißwasser bereitet man, indem das Weiße bon zwei Hühnereiern auf 1 Liter abgekochtes Wasser zugesetzt wird unter Bufügung von etwas Zuder. Bessert sich der Zustand, so gibt man dann allmählich etwas Kalbfleischbrühe. Bei Flaschenkindern wird man allmählich zum Haferschleim Milchzusäße machen, bis man die normale Menge der Milch wieder erreicht hat. Zweckmäßig wird diese diätetische Behandlung durch die medikamentöse unterſtüßt, doch ist sie nur dem Arzt zu überlassen. Sehr gut bewährt es fich auch, das erkrankte Kind regelmäßig warm zu baden, wodurch es ermüdet, gewöhnlich einen erquidenden, stärkenden Schlaf findet. Feuchtwarme Leibumschläge mildern die kolikartigen Leibschmerzen. Jedenfalls aber darf man nie vergessen, daß für die Säuglinge derartige Erkrankungen stets ernster Natur sind und daß das Kind der aufopfernden Pflege und Sorgfalt bedarf. Humoristisches. Eifersüchtig. Gatte: Heute habe ich einem jungen Mädchen das Leben gerettet... ich habe es aus dem Waffer ge zogen 1" Gattin:„ Schämst' Dich net, Du alter Esel!" - Gewissenhaft. Richter: Wie fich jetzt herausstellt, waren Sie bei der Rauferei gar nicht dabei. Wie kommen Sie dazu, die ganze Geschichte ausführlich zu erzählen?" Beuge: Herr Richter, ich hab' halt die Zeugengebühr nicht umsonst einsteden wollen!" - Ein schlechter Nachbar. Kommst Du mit Deinem neuen Nachbarn gut aus, Schuckfenbauer?" Na, gar net!... Mit dem is nig anz'fangen laßt fi' in tein' Prozeß ein!!" Notizen. der ( Fliegende Blätter.") Der Schriftsteller Paul Schönthan ist in Wien im Alter von 52 Jahren gestorben. Bekannt geworden ist er durch den Schwank Der Raub der Sabinerinnen", den er gemeinschaftlich mit seinem Bruder Franz verfaßte. - Robert Hamerling wird im nächsten Jahre im 8. Wiener Bezirke ein Denkmal erhalten. Das Werk ist eine Schöpfung des Bildhauers Hans Scherpe, von dem auch das schöne Wiener Anzengruber- Dentmal stammt." Der Stolz der Stadt", ein neues fünfaltiges Luftspiel von Gustav Wied, ist vom Kleinen Theater erworben worden.- Eine merkwürdige Kabelstörung. Dem Prometheus" wird geschrieben: Bekannt ist das Schicksal eines der ersten submarinen Stabel auf der Strede über den Kanal, das in das Schleppnez eines Fischerbootes geriet. Ueber eine sehr merkwürdige Unterbrechung eines Kabels, die allerdings in der Geschichte der submarinen Stabel c. Schauspielerelend in England. Nach einer sich in ähnlicher Weise bereits einmal ereignet hat, berichtet die Statistik besaß das vereinigte Königreich im Jahre 1891 3625 SchauElektrikal Review": Ein Kabel, das zwischen Valdez und Sitka, spieler und 3696 Schauspielerinnen. Im Jahre 1901 hatte sich die zwei Plätzen auf der Halbinsel Alaska, furz vorher gelegt war und Bahl fast verdoppelt, man zählte 6044 Schauspieler und 6443 Schauetwa einen Monat gut funktioniert hatte, versagte im November spielerinnen. Das Theaterwesen hat sich aber durchaus nicht in vorigen Jahres plöglich den Dienst. Die Untersuchung ließ eine dem gleichen Maße entwickelt, sondern ist besonders in den letzten Unterbrechung etwa 15 Kilometer von Sitta entfernt mutmaßen, und Jahren eher zurüdgegangen, so daß eine große Anzahl Schauspieler das Dynamometer des zur Ausbesserung gesandten Kabelschiffes nur fümmerlich ihr Leben fristet. zeigte furz vor dieser Stelle eine starke Vergrößerung des Zuges. Altes Blut. In den Jagdbezirken Höchstädt und UnterDie nächſtliegende Annahme, daß das Kabel sich an einem lingheim( Schwaben) ist ein ganz auffallend hoher Eingang von Felsen gefangen hätte, erwies fich als irrig. Denn als man langsam Re wild an Lungenfeuche zu beachten. fortfuhr, das Kabel zu heben, erschien auf der Oberfläche der schon Gefährlich. Das Amtsgericht von Konstanz hat die start in Berweiung begriffene Kadaver eines 50 Fuß langen Wal- Beschlagnahme der„ Bierzeitung" Mulus, Gymnasium fiches. Wahrscheinlich hatte das Tier den an der Stelle etwa Konstanz, ein Vademecum für Pedanten und Philister" angeordnet. 65 Faden tiefen Meeresgrund mit offenem Maule nach Nahrung Nach der Konstanzer Zeitung" handelt es sich um Karrikaturen von abgesucht, und dabei war ihm das Kabel, das infolge der Un Lehrern, die den Zorn der hohen Obrigkeit erregt haben. Verantwortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin, Drud und Verlag: Vorwärts Buchdruderei u.Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.