Anlerhaltungsvlatt des Horwärts Nr. 158. Mittwoch, den 16. August. 1905 (Nachdruck verboten.) 0] Daniel Junt. Roman von Hermann Stegemantt. „Lieget still, Madame Luise," flüsterte das Nettele in das undeutliche Gestammel. Und es brach ab, um nach einer Weile wieder zu be- ginnen. „Nanette, ich Hab keine Fuß mehr," klagte sie einmal. Das Nettele rückte ihr die Krüge. „Gleich kommt er heim mit der Mutter Loriot." „Wenn er nicht ankehrt bei der Lalie im„Nebstock" zu La Motte," antwortete die Kindbetterin, und als hätte ihr der eifersüchtige Gedanke neue Kraft gegeben, preßte sie die Hände der Nähterin und warf sich wild in den letzten Wehen. „Aber, Ihr macht Euch ja tot! Laßt sie doch, die Eulalie Hirth, das ist eine, von der der Daniel nichts nimmt, als was ein Mannsbild zum Bettgehen braucht." Grimmig stieß das Nettele die böse Rede hervor und sein dürftiges Gesicht überlief heiße Röte. „Und ich! Was nimmt er von mir?" Sie bäumte sich, aber schon fiel sie wieder in sich zu� sammen. Da schluchzte das Nettele: „Das 5lind, Madame Luise, das nimmt er, das ist sein und Euer." „Ein Kind von mir nach dem, wo die wilden Vögel ge- bracht haben, es ist wie ein Mirakel, Nettele," flüsterte sie und lächelte noch einmal. Aber das Lächeln gefror auf dem wächsernen Gesicht. Mitten in der Nacht, sie war schon so schwach, daß sie die Hand nicht mehr heben konnte, und sie rieben ihr die Herz- grübe mit heißen Tüchern, flüsterte sie noch einmal: „Ein eigenes Kind, und sie wird's schon auch lieb haben. „Arme Kleine, jetzt ist sie nimmer allein." Der Sepple war schon zweimal mit der Laterne bis ans letzte Wegkreuz im Tannenwalde gewesen, aber Daniel Junt kam immer noch nicht. Als er um ein Uhr zum drittenmal ins Freie trat, hauchte ihn ein warmer Atem an; der Mond war zwischen schwarze Wolkenbänke getreten, die in Scharen über die Bergkämme herüberkamen, und in den Talschluchten kochte und brodelte der Nebel und stieß ganze Fetzen von sich. Der Wind war umgesprungen, es taute. Da tat der Sepple einen Fluch und schaute bekümmert zu den Fenstern im oberen Stock empor, und als sich ein Flügel öffnete und die Katherine herausblickte, rief er mit gedämpfter Stimme: „Das Wetter hat sich gekehrt, jetzt stellt's den Schlitten zehnmal für eins im nassen Schnee." Dann stampfte er wieder das Sträßlein hinab und juchzte mit seiner rostigen Stimme, so laut er konnte. Aber kein Peitschenknall gab ihm Antwort. Die Katherine hatte das Kind in Schlaf gebracht und fuhr leise heulend durch das Haus auf den wollenen Schuhen. Im Flur traf sie den Alten. „Nimm dem Herrn seine Flinte, Sepple, und brenn sie los, daß er sich beeilt." „Er hat's Pulver verwahrt, und der pressiert auch ohne einen Schuß. Wenn's einer schafft bei dem Wetter, so ist's der Junt," erwiderte der Knecht, und sie hockten selbander auf der Schwelle in der hellen Nacht und lauerten und lauschten. Das Nettele war allein geblieben mit der Meisterin. Floflo schlief in Nanetteles Bett. Die Wildgänse, die in Geschwadern nach Norden ruderten, schrien im Morgen- grauen noch einmal über dem Dach, aber es hörte sie nicht. Auch die Frau in Nöten hörte die hellen Stimmen nicht mehr. Um sechs Uhr schlich der Schlitten aus dem Tannwald. Der Tauwind warf ihm warmen Sprühregen entgegen, und das Wasser quoll aus den Gleisen. Ter-Daniel führte den Joli und dampfte von Schweiß. Der Gaul stolperte keuchend die Halde hinan. Als die Hebamme ins Haus trat, fand sie die Magd weinend auf der obersten Treppenstufe hocken. Der Bergwirt schleuderte die nasse Kappe weg und fragte mit heiserer, erschöpfter Stimme: „Katherine, was ist?" Da öfftrete Nanette die Tür, und im trüben Licht des Flurlämpchens erblickten sie ihr spitzes Gesicht mit den ge» röteten Augen. „Für eins kommt Ihr zu spät," sprach sie leise. Und ehe sie noch ausgesprochen hatte, erhob sich in der Stube ein krähendes, unartikuliertes'Geschrei. Die Hebamme trat rasch hinein. Daniel aber stand einen Augenblick reglos und hielt mit den Fäusten das eichene Treppengeländer um- klammert. Und schon erschien die Mutter Loriot wieder auf der Schwelle und winkte ihm. „Kommt, Herr Daniel. Küßt Euren Sohn." Da griff er so fest in das Geländer, daß die Stäbe knackten, dann tat er die Holzschuhe von den Füßen und trat in die Stube, wo sein Weib still, mit einem unendlich müden Zug in dem kleingewordenen wächsernen Gesicht in den Kissen lag. Mit gefalteten Händen, tot. Lange stand er am Fußende des Bettes und sah in das stille Gesicht, die breiten Schultern wie unter einer Last ge- bogen, dann richtete er sich auf und suchte das Kind mit den Blicken. Aus dem Nebenzimmer klang sein krähendes Stimmchen. Er zögerte noch einen Augenblick, legte seine braune Hand auf die blutleeren Finger der Toten, murmelte ein Paar Worte und ging dann zu dem Kinde hinüber. Die Tote blieb allein. Im Stall aber schüttelte der Sepple die Ketten, hieß die Tiere aufstehen, die sich niedergetan hatten, und verkündete ihnen mit wunderlich verschnuppter Stimme: „Horchet, Kühe und Kalber, eure Meisterin ist gestorben und ihre See! auf der Fahrt. Walt Gott, der heilig Sant Antoni, Walt Gott, die heilige Sant Anna Und die Jungfrau Maria, Amcnl" 2. Das Grab auf dem kleinen Gottesacker in La Motte war schon mit einem Stein geschmückt, auf dem stand zu lesen; Marie Luise Junt geb. Pray6. 17. Mai 1838—20. März 1874. Und auch die Bergveilchen, die das Nettele im Gärtlein des Bergwirtshauses ausgehoben und nach La Motte hinab- getragen hatte, waren schon angewachsen. Der gelbe Jmmortellcnkranz aber lag entfärbt und verwahrlost im frischen Griin. Daniel Junt zögerte einen Augenblick, dann ergriff er das modrige, aufgequollene Gebinde und warf es auf den Schutthaufen an der Mauer. Die PraySs von Sulzern hatten es geschickt, und er sah mit einem abschätzigen Blick auf den auseinandergefallenen Kranz. Mit dem Batzenzeug hatten sie sich losgekauft, die Sulzener. Durch weichen Schnee und im ärgsten Sturm und Regen waren die anderen von La Motte und Hachimette, von Labaroche und aus dem deutschen Tal heraufgekommen zur Leich, aber die Sulzener, die Freundschaft der Frau, die waren in ihren Stuben geblieben und hatten ihm mit dem Boten von Labaroche die gelbe Wurst geschickt. Ordentlich schämen hatte man sich müssen! Sie hatten ihr im Leben nichts gegönnt und im Tod nichts gegeben, der Luise. Er lachte grimmig auf. Das Erb', das hatte er ihnen freilich aus den Zähnen ge- rissen vor zwei Jahren, als der Vater Prays sich auf die andere Sefte kehrte und sie den Dani Junt dort oben auf seinem Berg übervorteln wollten. Der Augenblick war ihnen günstig ge- wesen, denn der Krieg hatte die Mairie.und den Notari ge- schüttelt wie Spreu im Sieb und alles Unterste zu oberst ge- kehrt. Bis er die Faust drauf legte und ihnen den Falscheid in die Zähne zurückschlug. Und darum jetzt das Dreckkränzle. „Bande!" „Er wird Dich ausziehen bis aufs Hemd," hatte Tante Torine ihrer Nichte geschrieben. Luise war mit dem Brief vor ilm getreten. Sie war blaß und hielt ihm das Papier hin, ohne ein Wort zu sagen. „Da!" Mit dem einen Wort, das all seine Verachtung Mhielt,?a?e et feiWer FtäU den Driefzettel wieder hin- geworfen, und als sie sagte:„Lies weiter. Dam," da war er aufgestanden, um hinauszugehen. Und dann war sie auf emmal zwischen ihm und der TZr. Er sah ihr olasses Gesicht Noch vor sich. „Lies, Dani!" Wieder hielt sie ihm das Blatt hin, und er hatte ihr den Wisch aus der Hand geschlagen und geantwortet:«Laß mich aus mit dem Giftzeug." Der Schlag hatte auf ihre Hand getroffen und so hart, baß sie wie gelähmt herabsank und das Papier auf die Dielen flatterte. Wer die Frau büZte sich und streckte ihm noch kniend.den Brief wieder hin. � „Lies, Dani, und gib mir Bescheid!" Und als er über ihren Kopf weg das Türschloß suchte, brachte sie plötzlich das Briefblatt vor die Augen und schrie ihm die Worte der Tante Torine zu, während er sich bemühte, hie Tür zu öffnen, die sie mit der Last ihres Leibes sperrte. „Das Kind, wo er Dir gelegt hat, sell hast Du wie Dein eigenes aufgenommen« und seine Hure lacht sich den Buckel voll." r Sie las und packte dann seinen Arm: „Ist's Dein Kind? Sag's, lug mir ins Gesicht, mach nicht den Stolzen, laß mir mich einmal eine Frage! Ist's Dein Kind und wem seins noch?" Da hatte er laut aufgelacht und sich zu ihr niedergebückt. «Plagt Dich das, Luise? Meinst Du, ich leg Dir und wir unters eigene Dach meine Bankert? Meinst, ich ständ nicht zil ihnen?"..... Und als sie ihn mit großen Augen anstarrte, in denen ein heißer, eifersüchtiger Schmerz brannte, da hatte er chr die iHand auf das blonde Haar gelegt, ihr den Kopf hintenüber gebogen und sie angesehen, wie er die Weiber ansah, wenn ihn nach ihnen verlangte, und seine Stimme war leise ge- worden. „Traust mir das zu? Meinst, ich wüßt nicht, daß Du s genommen hättest, wenn ich Dir's zugetragen hält und gesagt: «Da, zieh's auf, halt's warm, es ist von mir?" Da war ein Schauer über ihren Leib gegangen, und sie hatte die Augen geschlossen. Ihr schmales, farbloses Gesicht war heiß geworden, und zwischen den weichen, blaßroten Lippen hatten die feuchten Zähne weiß hervorgeglänzt. Ihre Urme waren niedergefallen wie abgebrochen und ihre Brust ßegen seine Knie gesunken. Ihre blonden Haare fingen sich Hi seiner Uhrkette._ „Daniel!" hatte sie gemurmelt, und er war leicht über sie weggetreten und hatte die Türe hinter sich ins Schloß gedrückt. Und sie wußten beide, daß er wahr gesprochen hatte. Jetzt war sie selbst mit einem Sohne niedergekommen Und darüber zugrunde gegangen. Er hätte ihn gar nicht aufs Grab legen sollen, den Neidkranz! Weil man den Toten nichts versagt, deswegen hat er es getan, aber wer weiß, ob der gelbe Kram sie nicht gedrückt hatte dort unten. Auf dem Misthaufen, Ida lag er gut. Daniel Junt trat noch einen der blanken Scherben fest, die rings um das Grab gesteckt waren, um das lockere Erd- reich zu halten, dann verließ er den Gottesacker. Die Aprilsonne schien kräftig vom klaren Himmel, und ln der Dorfgasse schoß das Ouellwasser aufgeregt dahin. Ein Geruch nach frischem Dung war in der Luft, an einem ver» kümmerten Pfirsichbaum waren ein paar rosenfarbene Blüten aufgesprungen, und hinter dem kahlen Buchenwald stand der Tannenforst in glänzender Schwärze. In der Schmiede schafften sie, daß das ganze Dorf erklang, und die roten Funken hi den hellen Tag sprangen. Die Kinder beinelten durch die Pfützen, die Enten schrien und die Hühner rannten wie toll mit gespreizten Flügeln im Kreise herum. In den Ställen brüllte das Vieh, und am Brunnen stand ein Mädchen, das hatte die Röcke hochgezogen und vorn zwischen die Knie ge- steckt und focht mit den blanken Armen in dem kalten Wasser, wo seine Hemden schwammen. „Jetzt können wir denn austreiben, Daniel." rief der Pfeifsermatthis, der eben den Mist aus dem Stall karrte. «Die Kühe bringen sich schier um an der Kette." «Ja, solange kein Wetter aus dem Frankreich kommt," antwortete Daniel Junt. Der andere ließ den Karren stehen, zog die Beinkleider hoher und kam auf ihn zu. „Hast Du's gehört, jetzt haben wir den Gendarm nimmer weit; einen von den Preußen. Da unten"— er wies nach Schnierlach hinubK-----«ist et staüonierk. Der Kerl sanft Schnaps wie Wasser, aber stramm ist er und reden tut er« da kann das geschliffenste welsche Maulwerk einpacken." a-oUlB so schlimmer für Dich." (Fortsetzung folgt.) Nachdruck bcvBoJcii.) In der fjenmt des Erdöls. Die Umgegend von Oil City im Unionsstaate Pennsylvanken bildet die eigentliche Heimat der Gewinnung deS amerikanischen Petroleums. Rings um Oil City besteht die Gegend auf Meilen und Meilen in der Weite aus fast nichts als Erdölbohrbrunncn, Pumpwerken und Raffinerien, und die Atmosphäre darüber aus einem Gemisch von Kohlcndampf,.Petroleumdünsten und Nitro- glyzeringeruch. Das Erschließen einer neuen Petroleumquelle ist ein sehr interessanter und nervenaufregender Vorgang und geschieht durch Tiefbohrung und Sprengung. Zu ersterem Zwecke wird eine stabile Dampfmaschine verwendet, die den stählernen, geschliffenen Bohrer in stetige, ruhige Drehung versetzt und langsam in daS durchdringend bituminös riechende Erdreich einwühlt. Ab und zu wird der Bohrer herauf- und herausgezogen, wobei sich eine in das Bohrloch hineingesenkte, gußeiserne Röhre um das erbohrte Stück tiefer hinabschiebt, und wird von dem anhaftenden Wasser, rohen Erdöl, Sand und dem bei tieferer Bohrung sich zeigenden charaktc- ristischen graugrünen Schlamm gereinigt, um alsdann weiter und weiter in die Tiefe zur Quelle einzudringen. Der heraufgeholte Schlamm wird unter einer Art Göbclpresse stark zusammengequetscht und auf seinen Inhalt an Erdöl geprüft. Bis dieser Inhalt einen gewissen Prozentsatz einer bestimmten Quantität Schlamm beträgt, wird die Bohrung und Einschiebung von Rohren fortgesetzt. Ist der Prozentsatz an Erdöl erreicht, so wird der Bohrer nicht mehr hinabgelassen, denn schon entsteigt dem Bohrloche jetzt in immer lauter und lauter zischendem Geräusch eine Art bituminösen Gases; das Zischen geht in ein unterirdisches Rollen und Donnern über, das freistehende Ende der obersten, gußeisernen Schachtröhre senkt sich langsam mehr und mehr; und plötzlich schießt aus dem Loche eine zu Staub und Nebel zerblasene Oelschlamm-Masse bis zu einer Höhe von nicht selten 20v bis 300 Fuß kerzengerade in die Höhe. Vorsichtigerweise hatte man das, auf großen eisernen Rädern laufende, turmhohe, hölzerne Bohrgerüst, den sogenannten„derrick", vom Bohrloche entfernt; sonst würde die furchtbare Gewalt des entströmenden GascS dieses mit sich in die Höhe gerissen und zer- trümmert haben. Während die Nebelsäule steht, paßt alle Mann. schaft in angemessener Entfernung vom Bohrloche auf, um die An- kunft deS eigentlichen Erdöls zu erwarten, welches sein Aufsteigen durch ein donnerndes Gurgeln und Blubbern zu verkünden pflegt. Sowie sich dieses charakteristische Geräusch hören läßt und an Stärke zunimmt, erhebt sich unter der Mannschaft ein Geschrei und Gejohle. das beim endlichen Heraufschietzen des Erdöls in ein Pandämonium von Hurrarufen übergeht und wie ein Alarmsignal von Bohrwerk zu Bohrwerk weiter in die Runde dringt. Das Schauspiel des heraufftrömenden Erdölstrahlcs ist, bei direktem Sonnenlicht beobachtet, ein wundervoll fesselndes und Ehr» furcht vor den Naturgewalten erzwingendes. In allen Spektralfarben. vornehmlich aber strohgelb und himmelblau irisierend, gleichsam Millionen von Rubinen, Smaragden, Amethysten, Topasen und Türkisen sprühend, rast die Oelsäule höher und höher in die Luft, um dann, in Abermillionm Tropfen und Tröpfchen zerstiebend, her» abzuschweben und im Umkreis von hundert und mehr Schritten alles mit ihrem entsetzlichen Geruch zu überschwemmen und zu durch- tränken. Die Höhe des Strahles nimmt indessen sehr bald ab. So- wie Wasser und Sand aus dem Bohrloche gründlich herausgeblascn sind und das rohe Oel allein zu schießen beginnt, färbt sich die Flüssigkeit immer tiefer olivenbraun und fließt allmählich, wie jede andere Quelle, ruhig dahin. Nicht immer aber dauert das Aus- strömen des Gases so verhältnismäßig kurze Zeit. Oft dauert es ganze Tage, ja Wochen, Monate und hier und dort auch wohl Jahre. che ein Tropfen Erdöl überhaupt erscheint. Dann muß der Eigen- tümcr sich dazu bequemen, mit einem Pumpwerk nachzuhelfen und, wenn auch dieses nichts zu fördern vermag und eine Fortsetzung der Bohrung aus pekuniären Gründen nicht ratsam erscheint, das Bohr- loch als Gasquelle so praktisch und gewinnbringend wie möglich ver- werten. Dazu bietet sich ihm auch mannigfach gute Gelegenheit; er versorgt sich und andere Bohrwerke der Umgegend mit Gaslicht und. wcnn's sich lohnt, so entsteht an Stelle der geplanten Raffinerie eine Gasanstalt, welche, in der Nähe eines Städtchens gelegen, die Konkurrenz mit dem kostspieligeren, künstlichen Steinkohlengase ge- trost aufnehmen und durchführen kann. Dennoch bleibt die Be- Nutzung einer Naturgasquelle immer unsicher, so daß man vielfach aller künstlichen Reinigung resp. Weiterlcitung und auch einer schäd- lichcn Verpestung der Atmosphäre dadurch entgeht, daß man das Gas einfach am Bohrloche ansteckt und ungehindert weiter brennen läßt, so lange der Zustrom von unten dauert. Aber auch solche Quellen, die bereits Oel ergaben, versiegen oft, und auch solche Quellen, welche man mittels Pumpwerks aus Natuigasquellen zu Oelquellen machte« versagen nach Abgabe einer Mehr öder keniget reichlichen Menge OelS. Ist das der Fast, dann muß, da ein solches Versiegen oder Versagen auf hindernden Fels- Untergrund im Bohrloche schließen laßt, die renitente Quelle mittels Nitroglyzerins aufgeschlossen»Verden, um dem unter der Felsschicht lagernden Oel den Weg durch das Bohrloch an die Oberfläche frei- zumachen. Diese ebenso interessante wie gefährliche Prozedur heißt das.Anschießen der Quelle" oder.well-skootin�". Zum Zwecke des Anschießens muß zuerst ein entsprechendes Sprengloch in die Felsmasse gedrillt oder gemeißelt werden. Das geschieht auf folgende Weise: ein acht bis zehn Zoll dicker, massiver, unten drillartig zu- geschärfter, stählerner Riescnmeißel von fünf bis zehn Fuß Länge wird an einem starken Stahldrahtseil,»velches über eine große Dreh- trommel läuft, befestigt, mittels Dampskraft in das Bohrloch hinab- befördert und in diesem aus acht bis zehn Fuß Höhe auf das Gestein fallen gelassen, wodurch schließlich ein röhrenförmiges Sprengloch entsteht. Hat dieses Sprengloch eine entsprechende Tiefe erreicht, so wird der Meißel herausgezogen und das Loch unten mit Wasser vom Bohrmehl gereinigt, das als dicker Schlamm mit einem schaufel- artigen Bohrer herausgeholt wird. Jnztvischen hat man die Kanten des Riesenmeißels geschärft; dieser wird tvieder hinabgelassen und setzt seine Arbeit fort, bis das Sprengloch im Gestein etlva zehn bis ztvolf Fuß tief gedrillt ist. Ist das fertige Sprengloch wieder aus- gewaschen, so beginnt die lebensgefährliche Tätigkeit des.sbooters". d. h. des Mannes, der es übernommen hat, die Sprengung mit flüssigem, vorsichtig angewärmtem Nitroglyzerin auszuführen. Während der.sbooter" das Sprengmittel aus einer ftei- stehenden, leichten Bretterbude mittels eines Wägelchens herbeischafft, wird der riesige Bohrturm(ckerrick) vom Bohrloche in angemessene Entfernung weggerollt. Am Bohrloche angekommen, von dem sich alle überflüssigen Arbeiter zeitig entfernt haben, füllt der.sbooter" mehrere, etlva vier bis fünf Fuß lange, gußeisern« Röhren mit der Sprengflüssigkeit, verschließt sie und läßt sie in das Bohrloch mit der allergrößten Vorsicht hinab. Diese Vorsicht ist geboten, weil beim heftigen Anstoßen der gefüllten Sprengröhre an die Wand des eisernen Bohrschachtes die Explosion an jeder Stelle erfolgen kann. Explodiert die Röhre zu hoch, so wird der Mann in Atome zerrissen und unter Umständen auch zugleich die ganze Bohrtiefe verschüttet. Hat der Mann dagegen die erforderliche Anzahl von gefüllten Röhren glücklich hinabbefördert, so»vählt er eine, mindestens acht bis zehn Fuß lange Röhre, die er je nach geschehener Füllung oben mit einer großen Zündkapsel schließt und mit diesem Ende nach oben zu den anderen Röhren auf den Grund des Bohrloches hinabläßt. Diese längere Röhre bildet, da sie die anderen alle um ein erhebliches überragt. eine Art Zündpiston, wie an einer Perkussionsflinte; und die kürzeren Röhren bilden demnach die eigentliche Sprengladung. Ist solveit alles fertig zur eigentlichen Sprengung, so schafft der„sbooter" einen zuckerhutförmigen, eisernen Klumpen von etwa 40 bis bv Pfund Gewicht herbei, erhebt ihn über die Oeffnung des geladenen Bohrloches und läßt ihn, mit dem breiten Ende nach unten, in das Loch hinuntcrfallen. Sowie er ihn losgelassen, eilt er unter die bereitgehaltene Deckung; und nun wartet alles mit fieberhafter Spannung auf den Erfolg. Der.go-ckevil"(so heißt der Eisen- klumpen I) saust die ganze Tiefe des Schachtrohres mit Donner- gcpolter hinab, schlägt unten auf die Zündkapsel der langen Spreng- röhre auf und— die Explosion der ganzen Sprengladung erfolgt I Ein dumpfer, aus einiger Entfernung nur schivach hörbarer Knall I Die Erde erbebt auf eine Viertelmeile im Umkreise! Ein gurgelndes Rasseln und Donnern im Bohrschachtl Ein Murmeln, ein Brausen. ein Rauschen, ein Plätschern, und hoch in die Lust schießt— das Oel! Mit seiner Tropfenwolke regnen Schlammreste, Felsstücke, Eisen- splitter, Wasser usw. herab. Ein brausendes Hurrageschrei schallt von nah und fern, und dann geht man, nach der Beruhigung des Strahls, sofort daran, das Oel aufzufangen. Man schließt die Schachtröhre mit einem aufgeschraubten Deckel, in dessen Mitte ein Krahn angebracht ist. durch den daS Oel mittels Schlauch und Röhren entlveder direkt in die herangefahrenen Tank-Waggons oder in große stationäre Tanks oder, je nach dem Andränge des Ocls, auch gleich in Fässer geschafft»vird. Auf die eben beschriebene Weise müssen heutzutage ungefähr SQ Proz. aller erbohrtcn Erdölqucllen in dieser Gegend geöffnet werden, um den Oelabfluß gewinnbringend, also schnell und reichlich, zu gestalten. Das Erdreich um Oil City ist eben schon zu lange und zu zahlreich angezapft worden, und der Nachschub an Oel aus den tiefsten Tiefen geschieht fast immer nur durch dickere oder dünnere Schichten von Felsgestein. Auch die Sprengung selbst macht man sich in der letzten Neuzeit viel bequemer, weniger gefährlich,»veniger zeitraubend und dazu bedeutend billiger. Man schafft das Nitro- glyzerin in hermetisch verschlossenen, dünnwandigen Weißblechkannen auf den Grund des Bohrschachtcs und läßt den unentbehrlichen „go-devil" einfach auf diesen Kannenhaufen fallen, da, bei der großen Tiefe, der Aufschlag und die plötzliche Zertrümmerung der Kannen allein schon genügen, die Explosion hervorzurufen. Auf»veitere Strecken wird das rohe Erdöl nicht in Tank- Waggons, sondern in einem großen Röhrennetz, der sogenannten „pipe-line", fortgeschafft. Dieses Röhrennetz überzieht die ganze Oelregion, von der Westgrenze Pennsylvcmiens in nordöstlicher Rich- tung quer durch diesen Staat und durch den Staat New Uork an dessen Südgrenze wie mit einem Telegraphensystcm. Die ganze Anlage ist in jeder Hinsicht ein technisches Meistenverk, und die geldgcwaltige„Standard Oil Co." hat es sich eben leisten können. Ter alte Rockefeller selbst soll der Ersinder dieses Meisterwerkes ge- Wesen sein. baS dem Riesenkrust erst recht kie elgÄtlichs UebSt» legenheit über alle Konkurrenz und das alleinige Monopol über die Erdölgetvinnung verschafft hat. In dieses Röhrennetz»rnrd das oft sirupdicke, braunflüssige Rohöl mittels kolossaler Druckpumpen auS den stationären Quellentanks hineingepumpt und gleitet darin durch den stetigen Druck des nachgepumpten OelS in ruhigem, gleich- mäßigem und unaufhaltsamem Strome fort, der überall da»vieder in Tanks, Bassins usw. mündet, wo immer sich entweder eine Raffinerie oder sonstige Transportstelle befindet. Zu Lande wird die Röhrenleitung über der Erde geführt und zu Wasser per Tunnel. Zu Lande wird die ganz« Leitung sektionsweise von dazu angestellten Sektionsaufsehern durch deren Untergebene aufs peinlichste genau überwacht. Diese Uebcrtvachung geschieht bei jedem Wetter zu jeder Tages- und Nachtzeit, erfordert also durchweg Leute vcm zähester Körperkraft und festester Gesundheit, die stets auf den Füßen sein und jeglicher Unbilde der Witterung trotzen können. So eine In» spektions-Fußwur längs der betreffenden Röhrensektion(wobei Fuß sür Fuß in prüfenden Augenschein zu nehmen ist, ob fich irgendwo ein Leck zeigt) dauert oft«ine Woche und darüber und mutz Woche für Woche alle Jahreszeiten hindurch hin und tvieder zurück vollführt »Verden. Um eine den Fortfluß des Oeles in den Röhren verzögernde sedimentäre Ablagerung von Rohparaffin zu verhindern resp. fort- zuschaffen, wird alle zwei Wochen ein sogenannter„serspcr" oder Krätzer hindurchgeschickt. Dieser Krätzer besteht aus zwei kreis- runden, durch eine Stange verbundenen Flügelpaaren vom Durch- messer des Rohres, die, durch den Druck des nachschiebenden OeleS von hinten auseinander geklappt, an die innere Rohrwandung an- gedrückt und so gewissermaßen kratzend und abschleifend»veiter be- wegt werden. Die Fortbewegung deS„sersper" im Rohre ist durch das außen laut hörbare kratzende, scharrende Geräusch leicht zu ver- folgen. Damit der„sersper" aber nicht an der nächsten Pumpstation in das Getriebe des dortigen Pumpwerks gerät, ist an der betreffen- den Stelle in dem Rohr ein Knie angebracht, welches geradeaus m eine sogenannte„Tasche"(packet) ausläuft, in die sich der in gerader Linie fortschießende„scrsper" verfängt, statt mit dem Oel- ström in das Knie selbst umzubiegen. Am Ende dieser Tasche wird dann eine sonst hermetisch geschlossene Tür geöffnet und durch dies« der„scraper" zur Reinigung und zum demnächstigen Wicdcrgebrauch entfernt. Das dickflüssige braune Rohöl wird alsdann in den Raffinerien durch Destillation gereinigt und als wasserhclleS„Standard White"' in alle Teile der bewohnten Welt verschifft.— CmilBerdau. Kleines feialleton» — Ein seltener und ein ständiger Gast der Ostftiesischen Inseln. Der„Franks. Ztg." wird von der Nordsee geschrieben: DaS kürzlich von Otto L e e g e in Juist herausgegebene Buch:„Die Vögel der O st friesischen Inseln"(Emden, W. Hahnel. 1903) zahlt nicht weniger als 249 Vögel auf, die teils als Standvögel, teils als regelmäßige Sommergäste, aus südlicheren Breiten kommend, teils als ständige Wintergäste, dem polaren Norden entstammend, teils auch durch reinen Zufall dorthin verschlagen, seit etwa 40 Jahren auf den Ostfriesischen Inseln(Borkum, Juist. Norderney, Balttum, Langeoog, Spiekeroog, Wangeroog) beobachtet worden sind. Daß es sich hierbei in der Haupt- fache nicht um eine den Inseln eigentümliche und für sie charakteristische Vogelfauna handelt, sondern in erster Linie um Gäste von kürzerer oder längerer Ausdauer, geht schon allein aus der Tatsache hervor, daß von jenen 249 Arten, worunter fich 21 Mövcn, 10 Regenpfeifer, 26 Entenvögel, 27 Schnepfen. 15 Falken. 21 Finken, 11 Stelzen und 29 Sänger(Lzdviidae) befinden, nur 65 etwa brütend angetroffen wurden, und auch hiervon, genau ge- nommen, noch nicht ein halbes Dutzend als wirkliche Standvögel bezeichnet werden kann. Zwei Bogel scheinen mir ein ganz be« sondcreS Interesse zu verdienen: ein seltener Gast, daS Steppen- huhn, und ein ständiger Gast, der Kuckuck. DaS Steppenhnhn, zur Familie der Flughühner gehörig, ist bisher zweimal, soviel man weiß, aus den Ostfriesischen Inseln beobachtet worden und zwar im Zusammenhang mit den beiden, hinsichtlich der Ursachen durchaus dunkeln Invasionen dieses miltelafiattschen Steppen- bewohnerS in Westeuropa in den Jahren 1863 und 1888.„Am 21. Mai 1863 wurden sie", wie v. Droste- Hülshoff in seinem 1869 erschienenen grundlegenden Werke:„Die Bogelwelt der Nordseeinsel Borkum" schreibt,„zuerst auf Borkum bemerkt. Ihre fremdartige Erscheinung zog sogar die Augen der Insulaner auf sich...- Sie hielten sich paarweise abgeteilt in kleinen Trupps zusammen und »vurdcn in allen Dünen, sowie auf allen anstoßenden Strandflächen, im Ackerlande und selbst auf den sandigen Höhen der Außenveiden angetroffen. Ich halte es nicht für unwahrscheinlich, daß einige Pärchen hier gebrütet haben." Die auffallende Regelmäßigkeit, die die Stcppenhühner in ihrer Lebensweise bekundeten. scheint darauf hinzuiveisen, daß die klimatischen und sonstigen Existenzbedingungen nicht derart verschieden von den heimischen Ivaren, daß sie ihre ererbten Gewohnheiten hätten ändern müssen; Wind und Sand und steppen- artige Begetation finden sich ja auch auf den Ostftiesischen Inseln. Auch auf Norderney lvurde das Steppenhnhn damals beobachtet, ein- wandfreie Aufzeichnungen, od auch auf den übrigen Inseln, ver- mochte Leege nicht zu erhalten; für Helgoland und die Nord- friesischen Inseln dagegen sind die Hühner gut bezeugt. Gegen Ende des Jahres waren sie in der Hauptsache wieder verschwunden. Bis zu den Faröer-Jnseln hat damals das Steppenhuhn seine merk- würdige Wanderung ausgedehnt. Der zweite Einbruch des seit- samen Wildes führte 1888 erheblich größere Scharen herbei, auch dauerte der Aufenthalt diesmal länger. Anfang Mai wurden die ersten kleinen Trupps auf Juist gesehen, und gleichzeitig stellten sie sich auf allen Inseln ein, ohne sich jedoch ivahrsckieinlich dem Brutgeschäfte hinzugeben. Selbst im folgenden Winter wurden noch einzelne Hühner bemerkt, das letzte sah Leege im Mai 1889. Seitdem hat sich das Steppenhuhn nicht mehr in Westeuropa sehen lassen; Stand- wild ist es nur im Südosten unseres Erdteils geworden. � Größeres Interesse noch darf der Kuckuck für sich in Anspruch nehmen. Der Binnenländer kennt dieses merkwürdige Tier mit seiner absonder- lichen, immer noch der Erklärung harrenden Brutscheu nur als aus- gesprochenen Waldvogel; darum ist sein ziemlich häufiges Vor- kommen auf den fast baumlosen ostfriesischen Inseln um so bemerkens- werter. In jedem Dünental erschallt sein Ruf, bald von einem Dornstrauch, bald von einem kahlen Dünenkopf, bald von der Tele- graphenleitung, bald aus freier Lust herab; häufig sieht man mehrere Kuckucke in eifrigem Flugspiel einander über Wiesen und Dünen jagen. Gegen Mitte Mai stellt er sich auf den Inseln ein, etwas früher als auf den benachbarten festländischen Küsten. Die Alten ziehen bereits im August davon, die Jungen bleiben bis in den September hinein. Wovon er lebt, vermochte ich leider bei der Kürze der Zeit nicht selbst festzustellen; haarige Raupen. seine gewöhnliche Nahrung in den Wäldem, fehlen auf Borkum beispielsweise fast ganz, im übrigen gibt es dort, wenn auch zumeist nicht massenhaft auftretend, Insekten genug, nach Professor Schneider(Dresden) nicht weniger als 2150 Arten, darunter etwa 950 Käfer und über SOO Schmetterlinge. Nach gütiger Mitteilung von Leege. an den ich mich persönlich wandte, besteht die Nahrung des Kuckucks auf den Inseln vorzugsweise aus den Raupen verschiedener 5tleinschmetterlinge. besonders Wicklern und Zünslern, aber auch aus solchen von Großschmetterlingen, namentlich Spannern. Zu Pflegeeltern für seine Kleinen wählt der Kuckuck ans den ostfriesischen Inseln verschiedene Vögel aus. Der Häufigkeit nach geordnet sind es folgende: Wiesenpieper. Feldlerche. Kuhstelze, weiße Bachstelze, braunkehliger Wiesei, sckmätzer, Dorngrasmücke, Steinschmätzer, Bluthänfling. Im übrigen ist er unstät und flüchtig, wie daheim in unseren Wäldern, etwas weniger scheu vielleicht, als wir sonst an ihm gelvohnt sind.— ie. Zcbrajagdcn. Seit einer Reihe von Jahren hat man in Afrika mit der Zähmung des Zebras eingehende Versuche gemackit, die auch von Erfolg gekrönt gewesen sind. Namentlich in Deutsch- Ostastika hat man sich große Mühe mit diesen prachtvollen Ver- tretern der Pferdefamilie gegeben und eigentlich das Muster für ihre Behandlung aufgestellt. Auch in Transvaal werden bereits ge- zähmte Zebras neben Eseln als Zugtiere verlvandt. Nunmehr ist man auch im Kongostaat darauf aufmerksam geworden. Nament- lich im Gebiete des Katanga kommt das Zebra in sehr zahlreichen Herden vor. Da dies Tier sich nun noch durch den großen Vorteil empfiehlt, daß es gegen die Stiche der mörderischen Tsetsefliegen, die Pferde, Esel und Rinder zu Tode quälen, gefeit zu sein scheint, so sandte die Regierung des Kongostaates eine besondere Expedition unter Führung des Leutnants NyS aus, die den Fang und die Zähmung der Zebras betreiben sollte. Anfang 1903 begann die Expedition, von deren Verlauf der„Mouvement Geographique" eine lebhafte Schilderung entwirft, ihre Arbeiten, indem sie sich den Kasai und Sankuru aufwärts durch das Becken des oberen Lomami nach dem Moerosee und weiter südlich nach Lukafu und dann in das Tal der Lufira begab. Hier wurden bald große Trupps von Zebras angetroffen. Nun mußte aber erst noch ein geeigneter Platz für die Versuche ausgewählt werden, da man der Unterstützung durch die Eingeborenen weder beim Fang noch bei der Einstallung und Beauf- sichtigung der Tiere entralen konnte. Schließlich fand nian eine passende Stelle, wo ein„Kraal" von 16 Hektar Fläche angelegt, mit einem zwei Meter hohen Palissadenzaun umgeben und mit einem Eingang in der Form eines V versehen wurde, dessen Arme etwa einen Kilometer lang waren. Der Bau nahm fast ein Jahr in Anspruch, und es fehlten jetzt nur noch die Zebras, die nian hineintreiben Ivollte. Von diesen aber war weit und breit kein einziges mehr zu sehen, da sie Verdacht gegen die Vorkehrungen der neu eingezogenen Menschen geschöpft hatten. Fünf große Jagden wurden in einem Monat veranstaltet, von denen zwei durch die dort sehr häufigen Löwen behindert wurden, aber alle verliefen ergebnislos. Nhs entließ nur vorläufig alle seine Leute bis auf einige Wachtposten und ging selbst fort, bis ihm gemeldet werden würde, daß die Zebras auf ihr altes Weideland wieder zurückgekehrt wären. Das geschah dann auch in wenigen Monaten. Nun wurde eine große Treibjagd veranstaltet, und es gelang, drei Trupps in den Kraal zu treiben; ein vierter, der von Löwen geängstigt wurde, entkam. Im ganzen waren 93 Zebras in die Gefangenschaft geraten, mit ihnen noch einige zwanzig Antilopen und andere Tiere. Jetzt handelte es sich darum, die kostbaren Einhufer festzuhalten, denn sie hätten den Zaun wohl zu Fall bringen können, wenn sie sich mit vereinter Wucht darauf gestürzt hätten. Es wurden also zahlreiche Wachen auf- gestellt, während die Ställe gebaut wurden. Die größte Schwierig- keit erwuchs daraus, daß die Zebras es vorzuziehen schienen, vor Durst zu sterben, als das ihnen angebotene Wasser zu trinken. Nach einer Woche waren schon mehr als zwanzig gestorben. Erst allmählich gewöhnten sich die anderen daran, getränkt zu werden. Einige gingen auch daran zugrunde, daß sie wie wahnsinnig gegen die Wände ihres Gefängnisses rannten. Endlich aber gelang nicht nur die Haltung, sondern auch die Zähmung der Tiere über- raschend gut. Was das bedeutet, geht daraus hervor, daß ein wildeS Zebra mit etwa 1200, ein gezähmtes mit 2100 M. bewertet wird. Im Gebiet des Katanga sind nach der Schätzung von NyS über 50 000 Stück Zebras vorhanden.— Kunst. os. Der für den Schwanenmarkt von Krefeld bestimmte S ch w a n e n b r u n n e n V o n G a u l ist im Vorhof der Sezession ausgestellt und somit der öffentlichen, unentgeltlichen Besichtigung zugänglich gemacht. Wie es heißt, ist dieser Markt kleinen Umfangs, und der Brunnen paßt sich, ohne viel Aufsehen zu machen, in eine Ecke des Platzes ein. Denn das Gute an dem Werk ist wieder seine Bescheidenheit, seine Zurückhaltung im Betonen der Motive. Der Aufbau ist einfach. Ein größeres Becken, flach, kreisförmig bildet den Untergrund. Die Rundung ist viermal durch Blöcke ge- teilt, die unbehauen sind, und so dem glatten Kreis eine leichte Abwechselung geben. Ans diesem Becken steigt eine Mittelsäule auf, die ein viereckiges Bassin trägt. Aus diesem wiederum wächst eine kurze Erhöhung heraus, auf der in Bronze Wasserrosen in Blättern angebracht sind, denen das Wasser in einzelnenStrahlen, nur leicht in die Höhe quellend, entfließt. Dieses fällt in das viereckige Becken, an dessen vier Ecken eine Oeffnung im Stein das Wasser in das untere große Becke» abfließen läßt. Der Wasserzufluß ist karg bemessen. Ein Fries, der uni das mittlere Becken heruniläust, zeigt in leichten aus dem Stein gehauenen Silhouetten Schwäne auf dem Wasser. Den Mittelpunkt der künstlerischen Gestaltung haben wir jedoch in den vier kleinen Gruppen ganz junger Schwäne zu sehen, die auf dem Rand des Mittelbeckens angebracht sind. Lebte Gaul in einer Zeit tüchtiger Bildhauerkunst, so würde seine anspruchslose, gediegene, phrasenlose Kunst vielleicht nicht so auffallen. So aber be» deutet seine Kunst etwas ganz Eigenartiges. Wir denken speziell bei diesem Brunnen an die guten alten Brunnen der deutschen Renaissance, deren Wert auch im Kleinplastischcn lag, in der subtilen, leise komischen und witzigen Gestaltung von Tier und Mensch. Es ist nichts Monumentales an dem Brunnen, und die architektonische Idee ist nicht so originell, wie überhaupt Gauls Vorzug darin liegt, daß unter seiner Hand das Kleine an Bedeutung gewinnt. Er baut nicht so sehr von innen ein Ganzes heraus. Er setzt es zusammen, aber mit soviel Grazie und behutsamer Raumverteilung, daß nian darin seinen Vorzug sehen muß. Mir Vorliebe wählt Gaul die jungen Tiere, die noch dick, un- ausgewachsen und ungeschickt sind. Die drollige Komik reizt ihn immer wieder. Und es ist ihm genug, solch ein Tier bis ins Kleinste liebevoll und doch immer im Hinblick auf ganze �Wir- kung stllumbildend nachzuschaffen. Darum könnte man jedes Tier für sich nehmen und als Kunstwerk hinstellen. Das eine beugt den Hals hinab und will Wasser schlürfen. Sein Gegenüber blickt dumm- neugierig zu dem Wasserstrahl empor, der von oben herabträust. Eine andere Gruppe zeigt zwei junge Schwäne, der eine hat den Kopf im Gefieder versteckt und kümmert sich um nichts; sein Nachbar kauert an der Erde und sieht behäbig vor sich hin. Gegenüber ein Schwan, der ins Wasser sieht, neben ihm sitzt" einer, der gleichfalls seinen Kopf ins Gefieder vergräbt. Jedes einzelne Tier ist eine vollendete Studie nach dem Leben und hat dennoch die gesammelte Kraft eines sicheren Stils. Das ist es: Gaul folgt der Natur, aber er meistert sie zugleich. Er ist weiter nichts, als realistischer Nachbildner, aber er zeigt zugleich, daß wahres, tiefes Erkennen der Natur zur Form, zum Stil führt. Das erhebt seine Werke über das Niveau gegen- wärtiger Bildhauerkunst und macht sie zu eigcnkrästigen, selbständigen Schöpfungen. Und trotz der Kraft ist jene leichte, zierliche Anmut, jene leise Drolligkeit und Komik darin, wie sie den besten Klein- iverken deutscher'Renaissanceplastik eigen ist, jene Freude an den Erscheinungen an sich.— Humoristisches. — Ein Stoiker. Kapitän:„Kommen Sie herauf, Mr. Hawtson, das Schiff geht unter." Mr. Hawtson:„Was soll ick kommen herauf, wenn daS Schiff geht unter?"— — Beweismittel. Frau:„Ich wünsche, daß niein Mann glauben solle, ich habe heute gekocht." Köchin:„Das trifft sich gut; eben ist mir der Braten an- gebrannt."— — I a s o! Gebirgler:„Aus unserem Verein ist noch nie einer ausgetreten." „Was Sie sagen I" G e b i r g l e r:„Ja I... Alle san' s''nausg'floge u."— („Mcggcndorfer-Blätter") Verautwortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin.— Druck und Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.VcrlagtanstaltPaul Singer LcCo., Berlin SVf.