Kr. 272. AdomitmeMs-Krdingungrn: Abonnements- Preis pränumerando: vierteljährl. SM Ml., monatl. 1,10 Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauZ. Einzelne Nummer b Plg. EonnlagS- Nummer mit illullrierter EonnlazS- Beilage„Die Neue Welt" lv Psg. Post- Abonnement: SM Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung-» Preisliste für lvöS unter Qr. 7820. Unter ilreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland S Marl pro Monat. Erscheint täglich»usjer Monlng». Devlinev Volksbl�tt. 16. Jahrg. Dte Ansertlons- Gebühr betragt sur die s-chSgespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum so Psg., sür polirtsche und gewerlschastltche Vereins- und BersammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Zinieigen" jedes Wort S Pfg. (nur das erste Wort settj. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» tn derExpeditionabgcgeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bl» 7 Uhr abend», an Sonn- und gisttagen blS LUHr vormittags geössnet. Fernsprecher: vmt l, Nr. 1608. Telegramm-Adresse: „Soriatdemokral Berlin« Centrawrgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 8W. 19, Sruth Strage 2. Vom Sparministerinttt. Wir find in der Lage, an� der Hand eines Thielenschen Akten- stückes die Menschengesundheit und Menschenleben verschwendende Sparsucht des preußischen Eisenbahn-Ministeriums von neuem der Oeffentlichkeit zu denunzieren. Unser Aktenstück lautet: „Der Minister der öffentlichen Arbeiten. Berlin, 4. Marz 1899. Ich habe Anlaß, die königlichen Eisenbahn- Direktionen im Interesse einer zweckmäßigen und wirtschaftlichen Regelung des Dienstes des Betriebspersonals auf folgende Punkte hinzuweisen: 1. Wenn sich ergiebt, daß ein Dienst ohne Uebernnstrengung des Personals in der bisherigen Weise nicht mehr geleistet werden kann, so ist die notwendige Diensterleichternng nicht ohne weiteres durch Herabsetzung der Dauer der Dienstschicht herbeizuführen. Wird beispielsweise für eine ActriebSstelle der bisher 12 stündige Dienst als zu anstrengend ersehen, so folgt hieraus noch keineswegs, daß an seiner Stelle ein kürzerer, etwa 8 stündiger Dienst einzurichten und zu diesem Zwecke für eine früher mit zwei Bediensteten besetzte Bctricbsstellc (24/2) etiva eine volle dritte Kraft(24/3) einzustellen sei. Es ist vielmehr in erster Stelle zu prüfen, inwieweit, sei es durch Ge- Währung von angemessenen Dieustpansen, sei es durch Verringerung der dem Einzelnen obliegenden Geschäfte, der Dienst auch ohne Ab- kürzung der Dauer hinreichend erleichtert werden kann. Solche Pausen und Geschäftserleichterungen lassen sich uament- lich durch Einrichtung eines turnusmäßigen Wechsels der Be- diensteten auf schwierigen und minderschwierigen Posten, durch Mitbeteiligung von Stationsvorstehern oder von StationSassisteiiten des inneren Dienstes zum äußeren Dienste, durch Heranziehung der Zugführer zu den Geschäften der Packmeister, Schaffner und Bremser, durch zeitweise Schivächung von Rangierkolonneu oder, wenn dies nicht angängig ist, durch vorübergehende Einstellung von einem oder einigen Ablösern in die Kolonnen und ähnliche den Betriebs- Verhältnissen der einzelnen Stationen anzupassenden Maßnahmen nieistens ohne oder doch nur mit geringem Mehraufwande erzielen Uebrigens haben derartige Einrichtungen noch den Vorzug, daß sie in Zeiten schwächeren Verkehrs unschwer rückgängig zu machen sind. Mit besonderer Vorsicht ist bei der Ge Währung von Diensterleichterungen für dns Ran- gier-Personal zu verfahren, nicht nur wegen der wirtschaftlichen Bedeutung einer jeden Verkürzung des Rangierdienstes, sondern auch um deßwillen, weil gerade in diesem Dienstzwcige eintäglich nur zweimaliger Personenwechsel schon aus Rücksicht auf die glatte Ab Wickelung der Geschäfte an sich den Vorzug verdient. Auch werden sich gerade hier in den weitaus meisten Fällen angemessene Pausen ohne Schwierigkeit einschieben und dadurch hinreichende Erleichterung des Dienstes erzielen lassen. 2. Da auf ein und derselben Betricbsstelle die Stärke des Bc- triebes nicht zu allen Tageszeiten eine gleichmäßige ist, und ins« besondere nur auf ganz vereinzelten Stellen während eines Zeit- raumes von 24 aufeinander folgenden Stunden ein die Voraussetzung für die Einführung des 8stündigen Dienstes bildender ununterbrochener Verkehr herrscht, so steht nichts entgegen, während der ruhigen Zeit, für welche jene Voraussetzung nicht vorliegt, z. B. d e s N a ch t s, längere Dienstschichten einzulegen. Hierdurch wird auch die Möglichkeit geboten, den Dienst, wie dies von einer königlichen Eisenbahudirektion in Anregung gebracht worden ist, an den Wechsel- tagen ohne Einstellung von Ablösern in der Weise zu regeln, daß beim Dien st Wechsel ein beispielsweise sonst achtstündiger Dienst auf zehn oder zwölf Stunde» verlängert wird. 3. Zur Beseitigung vereinzelt entstandenerZweifel bemerke ich, daß > die in den Vorschriften über die planmäßige Inanspruchnahme und Ruhe de? Eisenbahn-Betriebspersonals(E.-V.-Bl. 1897, S, 397 ff.) angegebenen, je nach der Schlvierigkeit des Dienstes verschieden bemessenen Stundenzahlen der Dienstdaner(8. 12, 14, 13 usw. Stunden) lediglich die Grenze» darstellen, innerhalb deren der Dienst unter Berücksichtigung der für jede einzelne Stelle in Frage kommenden Betriebs- usw. Verhältnisse zu regeln ist. Weitere Ab- stufungen in der Stundenzahl— Einrichtung von 9. 10. 11 usw. stündigen Dienstschichten— sind daher selbstverständlich nicht nur zu- lässig, sondern häufig auch geboten. 4. Vielfach sind neben den Stcllwerkswärtcrn noch besondcre'Hilfs- Weichensteller thätig, denen lediglich die örtliche Ucberwachung der Weichen und Signale obliegt. Diese Hilfskräfte werden nicht selten dadurch erspart werde» können, daß die Stellwerks- Wärter nach Beendigung oder vor Beginn des eigentlichen Dienstes 1 biö 2 Stunden zur Weichenunterhaltnng heran- gezogen werden. Es wird dies insbesondere da zu geschehen haben, wo ein 10�12 stündiger ganz im Stelliverk abgeleisteter Dienst als zu anstrengend erachtet werden müßte, dagegen ein 8— Ivstündiger Stellwerksdienst mit hieran anschließendem oder ihm vorausgehenden etiva zivcistündigem WeichenunterhaltungSdicnste wohl angängig erscheint. gez. Thielen. An sämtliche kgl. Eisenbahn-Direktionen. Anläßlich des schweren Unglücksfalles am Hamburger Kloster- thor-Bahnhof hatten wir kürzlich die wieder eingerissene und ver- mehrte Sparwut des Eisenbahn-Ministeriums einer Kritik unter- zogen. Die„Berk. Korresp." umging in. ihpem.�teidigpuigsversu de» Kern der Sache, die Behanpinng'der! Zurück st 00 Die n st verkürz»»gen und Diensterleichterungen, die der öffentliche Unwille vor einigen Jahren dem Geschäfts- untemehmen Miguel-Thielen abgenötigt hatte. Der obige Erlaß des Herrn Thielen zeigt die liebliche Sparprozedur in ihren Details und offenbart die BerlvaltungSgrundsätze des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten in noch weit abschreckenderer Häßlichkeit als je von der Laienöffentlichkeit geahnt werden konnte. Nicht um die so bitter notwendige Minderung der Zumutungen an die Arbeitskraft der Angestellten ist es dem Eisenbahnministerium zu thun, sondern aller Scharfsinn richtet sich darauf, ob irgendwo und irgendwie durch übertriebene Ausnutzung der Arbeitsverhältnisse den Angestellten eine weitere Arbeitsmühe aufgehalst und die Zahl des Personals vermindert beziehentlich niedrig erhalten werden könne. Man kann dem Ministerium der Unglücksfälle die Anerkennung nicht versagen, daß es listenreicher denn irgend ein auf den Privat- Profit bedachter Geschäftsmann ans seinen Angestellten Vorteile und Ersparnisse zu schlagen versteht. Auch fehlt es diesem Ministerium nicht an der Fähigkeit, seine rigorosen Maßnahmen durch den Schein gerechter Absichten in milde Beleuchtung zu setzen. Es wird anerkannt, daß der 12stündige Dienst zu anstrengend sei, aber nicht etiva die unbedingt nötige, selbst mit hohen Ausgaben nicht zu teuer bezahlte Verkürzung dieser Dienstzeit wird daraus gefolgert, vielmehr soll durch einen Wechsel in der Arbeit, der jede Stetigkeit aufheben muß. und durch Heranziehung von anderen Dienst- kategoricn Besserung herbeigeführt ivcrden. Gerade als ob diese anderen Dicnstkategoricn an allzu großem Mangel an Arbeitszeit litten und kaum wüßten, wie sie eine ihrem hohen Gehalt ent- sprechende Arbeitsleistung verrichten sollen! Da sollen beispielsweise dem Rangierpersonak nicht nur„mit besonderer Vorsicht" Dicnsterlcichternngen gewährt werden; es soll dieses Personal auch zur Aushilfe bei anderen Dienstleistungen herangezogen werden; eine Schivächung der Rangierkolonncn erscheint am grünen Tisch des Ministeriums durchaus nicht bedenklich. Man muß das Rangicrpersonal bei der Arbeit beobachtet haben, um den Hohn dieser Vorschriften zu begreifen. Diese Leute mit dem Brems- lnüppcl, der Laterne und bis auf die Knochen durchnäßt, an deren Aufmerksamkeit sehr hohe Ansprüche gestellt sind, die jeder Witterungs- unbill unterliegen, sie sollen über ihre frühere Arbeit hinaus noch zu anderen Dicustverrichtungen kommandiert iverdcn, für sie gilt der 12 stündige Arbeitstag als angemessen und nicht zu beschwerlich. Nichts ist der Eiseiibahn-Vcrwaltung mehr zuwider als ein Arbeitstag, der die Angestellten vor frühzeitiger gesundheitlicher Zerrüttung bewahren könnte. O, die Eisenbahn-Vcrwaltung befreundet sich unter Umständen mit dem A ch tst u n d e n- Arbeitstag, doch die Voraussetzung dafür ist„ununterbrochener Verkehr" und, da nachts kein„ununterbrochener Verkehr" zu herrschen pflegt, so sollen nachts„längere Dien st schichten" eingelegt werden. Nachtarbeit, die stets anstrengender und aufreibender ist, gilt der Eisenbahn-Berwaltnng als be- sonders leicht und angenehm und geeignet für jede Vcrlänge- rung. Die Herren vom Eisenbahn-Ministcrinm haben natürlich nie- mals die Wirkungen längeren Nachtdienstes an ihrem Leibe gespürt! Sonst könnten sie derartige Zumutungen nicht stellen. Nicht minder skandalös sind die Spartricks der Eisenbahn- Verwaltung, die in obigen Artikeln 2 und 4 empfohlen werden. Beim Dicnstwcchsel ist der achtstündige Dienst auf zehn oder— auf ein paar Stunden kommt es den gchcimrätlichcn Diktatoren nicht an— zwölf Stunden verlängert worden. Und statt durch Vermehrung dcS Personals den Angestellten längere Ruhezeit zu gewähren, ist man dazu vcrschritten, bereits eingestellte Hilfskräfte zu ersparen, indeni man deren Arbeit anderen Angestellten zu ihrem bisherigen regelmäßigen Arbcitsguantnm aufbürdet. Die Stellwerks- ivärtcr sollen als Zugabe zu ihrem Dienst am Hebel vor Beginn oder nach Beendigung desselben noch zwei Stunden mit Klopfer und Schraubenschlüssel das Wcichenrcvicr oder die Strecke begehen und jede Schraube prüfen. Derartiges erscheint im Reiche Thielen„recht wohl angängig". Der Erlaß des Herrn Thielen offenbart diesen preußischen Muster- betrieb in voller Herrlichkeit. Selbst auf die Gefahr hin, daß das Leben des reisenden Publikums infolge der übennätzigen Ausnutzung der Arbeitskraft der Angestellten und der dadurch verursachten Ab- nähme der Aufmerksamkeit und Tüchtigkeit in immer höherem Maße gefährdet wird, sollen Ersparnisse gemacht iverdcn, auf daß Herr v. Miguel mit glänzenden Rechnungsabschlüssen paradieren darf. So wird in Preußen auf Kosten von Gesundheit und Menschen- tum zehntausender Unterbeamteu und Arbeiter elend geknickert und geknausert, auf daß im Reiche aus den immer höher schivellenden Steuerbeiträgen eben dieser kärglichst bezahlten Staatsangestellten eine chimärische Flotten- und Weltmachtpolitik sich in üppigen Wer- schwendungsorgien austobe. Die Wiedereröffttung des französischen Parlaments. Paris, 17. November. Der Erfolg des Ministeriums in der von der antirepublikanischcn Koalition unternommenen Generalattacke stand für Freund und Feind von vornherein fest. Unerwartet kam nur die überaus große Ver- tranensmehrheit von 106 Stimmen<317 gegen 212), die jedoch ihre Erklärung darin findet, daß es in der Depnticrtcnkammcr stets eine größere Anzahl braver Windfahnen giebt, die dem Sieger zur Hilfe eilen. Bei seinen: Regierungsantritt, mitten in einer für die Republik höchst gefahrvollen Situation, hatte das„Kabinett der republikanischen Verteidigung" mit knapper Not eine Mehrheit von genau 23 Stimmen erhalten! Das Anwachsen der Mehrheit um 80 Stimmen bctvcist ch nicht nur, daß seine Thätigkeit mit zur Abwehr der dringenden Ge- fahretz�l»eiaetragy),, ha�syndern daß auch die Aufgabe dieses aus- s iMmsiveiseff Ministeriums noch nicht beendet ist. Es sollte, wie die Feinde der Republik gehofft hatten, weiter nichts als eine„Ferien- regierung" sein, unfähig, auch nur eine Woche parlamcn- tarischer Tagung zu überdauern. Anstatt dessen giebt ihm die nach viermonatlichen Ferien wieder zusammengetretene Kammer die Möglichkeit einer parlamentarischen Existenz, und zwar Expedition: 3'�?'. 19, Veuth-Skrasze 3. nachdem das Ministerium ausdrücklich den Anspruch erhoben hat, auch gesetzgeberische Maßnahmen zur Verteidigung der Republik gegen die„konter-revolutionäre Gefahr"(ein Ausdruck Waldeck-Ronsseaus) durchzusetzen. Es sollte eine Vcrlegenhcits-Regiernng sein mit einer ausschließlich exekutiven, sozusagen republikanisch- polizeilichen Rolle. In Wirklichkeit fällt ihm auch die Rolle zu, ein regelrechtes Reformprogramm im Parlament zur Annahme zu bringen. Der bedeutendste Moment der zweitägigen Kammcrdebatte waren die Anstrengungen der Angreifer, den währen Gefechtsbode» zu verschieben, den die Situation beherrschenden Kampf zwischen Republik und klerikal- militaristischer Reaktion in einen Kampf zwischen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung und der socialen Revolution umznhexen. Der ehrliche Führer der Klcrikal-Monarchisten, Abg. D e u t> s C o ch i n, der jesuitisch-verlogene falsche Republikaner M e I i n e, und der große Textilfabrikant von Roubaix, Matte, wetteiferten darin, die handgreifliche klerikal-militaristische Gefahr� durch das rote Gespenst zu ersetzen. Diese Taktik stützte sich natür- lich auf die Teilnahme des Socialisten Millerai: d an der RegierungSgewalt. Zur größeren Sicherheit übertrieben dieOppositions- redner die Rolle Millerands im Ministerium derart, daß der Angriff auf das Gesamtministerinn: sich schließlich zu einen: solchen auf den socialistischen Minister zuspitzte. Wie Drmnont und Konsorten in der Presse das Ministerium als den„Handlanger der Inden" oder auch des„Großrabbiners Zadoc-Kahn" hinstellen, so verwandeltet: die Mcline und Konsorten das Kabinett in ein Werkzeug der So- cialisten. Das plumpe Manöver zeigt, wie sehr Meline sich dessen bewußt war. daß der eigentliche Kampfboden ihm und den Seinen ungünstig ist; dessen jämmerliches Fiasko aber zeigt, daß die über- große Mehrheit der bürgerlichen Republikaner— einschließlich der Hälfte der reinen Bourgeoisrepublikaner, die sür das Kabinett gestimmt haben—, die Situation noch imn:cr fiir kritisch genug halten, um in: Interesse der Republik einen socialistischen Handels- minister zu ertragen. Der praktische Nutzeffekt des Melincschen Manövers kann also nur der sein, das Ansehen dcS socialistischen Ministers und der socialistischen Partei im ganzen Lande zu erhöhen. Bemerkenswert ist ferner, daß die socialistische Kammer- fraktion in: Gegensatz zu ihrer gespaltenen Haltung beim Regie- rungsaniritt des Kabinetts, diesmal geschlossen stimmte, und zivar— mit Ausnahme der zwei Abgg. Dcjcante und Gronssier, die sich der Abstimmung enthielien— für das Kabinett. Diejenige Hälfte unserer Fraktion, die damals sich der Abstimmung enthalten und teils sogar gegen das Ministerium gesprochen halte, verlangte nur den Zusatz der Worte:„zur Verteidigung der Slepublik" in die Vertrauensformel. die die„Handlungen der Regierung billigt", um damit genau das Maß ihres Vertrauens zu bezeichnen bezw. die Verantwortlich- keit für die anderweitigen Handlungen der Regierung abzulehnen. Waldcck-Rousseau acccptierte denn auch den Zusatz ohne iveitercs, seinerseits dadurch den specifischcn Charakter der Regierung hervor- kehrend. In der Debatte waren unsere Genossen durch zwei Redner vertreten. Z ö v a ö s(von der guesdistischen Arbeiterpartei) hielt eine ausgezeichnete Rede gegen den Klerikalismns und Militarismus, in welcher er die Schuld'der Bourgcoispartcicn an der klerikal- militaristischen Gefahr betonte. B i v i a:: i(dem rechten Flügel der „llnnbhängigen" angehörend, ein persönlicher Freund Millerands) betonte die entscheidende Rolle der socialistischen Partei in der letzten Krise, den großen Zuwachs an Kraft, den die Republik ans der Teil- nähme eines seinen: Programm treu gebliebenen Socialisten an der Regierung gezogen habe und erhob für die Partei den Anspruch, in erster Reibe gegen die Reaktion zu kämpfen. Auch die beiden socialistischen Reden, die, jede in ihrer Weise, den bürgerlichen Republikanern nicht angenehm sein konnten, haben den Erfolg des Ministeriums nicht vermindert, geschweige denn erschüttert. Der ausnahmsweise Zusammenschluß der Republikaner— von den radikalsten Socialisten bis und mit dem linken Flügel der Bourgeois- republikaner— hat sich also stärker erwiesen als die normalen Parteigegcnsätze, die den durch die Republikaner vertretenen Klassen entsprechen. Es fragt sich aber, ob der Zusammenschluß gegen den gemeinsamen Feind auch für eine positive gemein- s a m e R e f o r m a r b e i t vorhalten Ivird. Da kommt zunächst in Betracht, daß die Reformentwürfe dcS Ministeriums von vornherein bescheiden genug sind, um die Billigung der ganzen republikanischen Majorität zu finden. Der Entlvurf. der gegen die K I o st e r o r d e n gerichtet ist, bleibt— leider natürlich!— iveit hinter der Gesetzgebung der bürgerlichen Revolution von 1789 zurück. Er beschränkt sich darauf, den gefährlichsten Kongregationen politischen Charakters zu Leibe zu rücken, die übrigens schon auf Grund der Dekrete von 1830 kein Recht hätten, in Frankreich zu existieren. Der gegen den klerikalen Schulunterricht gerichtete Entwurf' wagt es nicht, das Unterrichtsmonopol des Staates einzuführen! Dessen Wirkung kam: nur die sein, mehr oder minder den: klerikalen M i t t e l s ch u l- Unterricht Abbruch zu thun, indem von den Kandidaten für Bcamtenposten verlangt wird, die letzten drei Jahre in einer staatlichen Mittelschule zu- zubringen. Gegen den Militarismus ist— vorläufig ivenigstens— nur die Reform der Militärjustiz gerichtet. Die Hauptpunkte derselben sind: Beschränkung der Znstäudigkeit der Militär- gerichte auf die militärischen Verbrechen und Vergehen, Er- Ktzung der militärischen Rcvistonsgerichte durch den Kassations- Hof, Einführung von mildernden Umständen im Militär- kodex, dessen gründliche Umänderung vorbehalten bleibt, eine gctvisie juristische Ausbildung der bisher gänzlich juristisch un- gebildeten Untersuchungsrichter und Einführung der geheimen Ab- stimmnng der Militärrichter in: Beratungszinnner. Eine besondere Stellung nimmt ein in: Reformprogramm der Entlvurf zur Sicherung des Koalitionsrechts und zur Erweiterung der Civilrcchtc der Gewerkschaften, denen die„juristifche Persönlichkeit� in vollem Umfange verliehen wird(Erwerb von Eigen- tum, Betrieb von Genossenschaften Zc.). Die Sicherung des Koalitiöns- rcchts wird übrigens nur durch gerichtliche Geldbußen besorgt, die den Unternehmer treffen, der einen Arbeiter maßregelt oder nicht an- stellen will bloß deshalb, iveil er organisiert ist. Diese Bestimmung lvird andererseits zu Gunsten der Unternehmer angcivendct, falls die Getverkschaftcn einen Arbeiter zum Eintritt in die Organisation zwingen oder am Anstritt verhindern. Man sieht, das Programm, welches bereits in Gesetzentwürfen sich krystallisiert hat, ist nichts weniger als welterschütternd. Aber trotzdrm blcil't cS abzuwarten, ob die Entlviiiife Gesetz werden. Zunächst hat ja das Parlament das Budget für 1900 zu erledigen, dessen Beratung erst am uächstc» Montag beginnt. Damit das Neforniprograinm also parlamentarisch erledigt wird, mich das gegen- wärtige Ministerium m i» d e st c u s die ganze WIntcrsesfiou am Ruder bleiben. Denn eS ist unzweifelhaft, datz sei» Sturz sowohl die Folge als die Ursache einer ganz veränderte» Situation sein nuchte, womit aber auch die Ncformen von der Tagesordnung vcr- schiviudcn würden._ VolMfche MvbovNchk. Berlin, den 18. Noliember. Der Reichstag nahm heute, vor Eintritt in die zweite Lesung des Entwurfs einer Fernsprechgebühren- Ordnung, die von der Kommission des Postreform- Gesetzes vorgeschlagenen Resolutionen ins- gesamt au. Bon Interesse für unsere Presse ist die Aus- Hebung der Bestimmung, nach welcher die Zahl der Ueberweisungs- Exemplare von Zeitungen b c- schränkt werden konnte ein Beschluß, dem Herr v. Podbiclski ohne weiteres zustimmte. Ebenso stimmte er der von Singer erhobenen Forderung zu, daß ge- druckte Mitgliedsbücher von Krankenkassen, Gewerkschaften usw. in Zukunft als„Geschäfts- papicre" gelten, die zu der(verbilligten) Taxe für Drucksachen befördert werden. Das Telegraphcugebiihreu-Gesetz, über das der Leser das Nähere und das Nötige im Reichstags-Bericht findet, wurde nach den Vorschlägen der Kommission angenommen. Des- gleichen, und auch ohne erhebliche Debatten, das Gesetz über die Schuldverschreibungen. Die heutige stille Sitzung war die Ruhe vor dem Sturm. Nächste Sitzung Montag i Uhr: Zuchthausgesetz.— - Zuchthansgesctz und Flottcugesctz. Ans durchaus zuverlässigen Kreisen hören wir, datz noch in den letzten Tagen der Plan bestand, den Reichstag nach Erledigung und vermutlich Ablehnung der Zuchthausborlage zu schliche», um die neue Session mit einer die Flottenvorlage ankündigenden Thron- rede eröffnen zu können. Dieser Plan ist anfgegebc». Montag wird die zweite Beratung der Zuchtyansvorlage be- ginnen. Ob es noch zu einer Kommissionsberatung kommen wird, ist zweifelhaft. Ein AnSschntz der EcntrumSfraktlon, dem die Herren Gröber, Schädler, Spahn angehören, soll die in der ersten Losung angekündigten Anträge des Centrumö ausarbeiten, und die Fraktion ivird sich erst mn Montag schlüssig werden, ob sie ihre Anträge zur Znchthansvorlage ciubringen und so eine Konnnissions« beratung ermöglichen, oder ob sie dieselben erst zur Beratung der Gewerbcnovelle einreichen ivill. Jedenfalls wird die Regierung eine ablehnende Quittung des Reichstages ohne sich aufzuregen ruhig in die Tasche stecken. Anders bei der Flottenvorlage, deren Ablehnung mit der Auflösung des Reichstages beantwortet werden soll. Wir haben n»r den Wunsch, daß diese Absicht nicht plötzlich geändert wird— denn etwas Besseres als die Auflösimg des Reichs- tage? wegen Ablehnung der fiir uferlose Flottenschwännerci ver- langten Milliarden kann dem Volke nicht passieren.— Zur Euglaud-Rrise deS Kaisers. Der Kaiser wird sich zur selben Zeit, da im Reichstage die zweite Lesung deS Gesetzentwurfs zum Schutze der Arbeitswilligen beginnt, in England aufhalten. Bei dem hohen Interesse, das der Kaiser an englischen Einrichtungen zu nehmen pflegt, wäre seiner Umgebung dringend zu raten, ihn auch ans die englischen Arbeiter- Verhältnisse und ihre Stellung innerhalb deS Staatswesens hin- znwcisc». Die nämlichen gewerbsmäßigen Hetzer und Agitatoren, die infolge der Ocynhauscner Rede durch die ZuchthanSvorlagc verfehnit und drangsaliert werden sollen, werden in ihre» besten Berlretern vielleicht mit dem Kaiser znsannnentreffen, denn diese Hetzer gehören in England sogar den höchsten Behörden an. Beamte der Gelverkvcreine werden z» Unter- staatSsckretärcn, zu Mitgliedern deS HandclsamteS, nicht mir etwa bloß zu Friedensrichtern und Fabrikinspektorcn ernannt. WaS in den Februar-Erlassen der Slrbciierklnsse in Aussicht gestellt wurde, das ist in England durchgeführt: die rechtliche, politische und gesellschaftliche Gleichstellung der Arbeiter mit dem Unternehmertum. Die englischen Koalitionen, die daS corpSmäßige Ehrgefühl des Arbeiters stark e»t« wickelt haben, und die nnorganisiertcn Arbeitswilligen der Verachtung preisgeben, sind drüben juristisch anerkannte Vereine, ihrem Vermögen ist gesetzlicher Schutz gewährt, sie haben das Recht, Land zu erwerben und können Prozesse führen. Allgemein werden die Führer der Gewerk- vereine als die legilimen Vertreter dcrArbcitcr ihrer Industrie angesehen. Ihre Kongresse pflege» von den staatlichen und städtische» Behörden in derselben Weise begrüßt und geehrt zu»verde», wie die Tagungen angesehener bürgerlicher Vereinlgmigen. Trotzdem sind die socialen Kämpf« in England so scharf und rücksichtslos, wie nur je in Deutschland. Der angebliche TcrrortSmuS der Organisierten ist in England eher stärker als bei uns. insofern der einzelne Arbeiter nur Bedeutung erlangt iimcrbnlb seiner Organi- sation. Keine Partei, keine noch so hochstehende Persönlichkeit denkt aber in England daran, die Arbeiterbewegung in ähnlicher Weise zu Gunsten des UiiternchmcrtnmS durch eine Zuchlhausvorlagc lähmen zu wollen wie bei uns. Die englischen Arbeiter können sich gratulieren, daß ihrem wirtschaftlichen Gegner ein RechtSznstand als selbverständlich gilt, den die Arbeiterschaft Deutschland« sich erst»och erkämpfen»nutz, obwohl seine Durch- führung noch in Deutschland durch den Kaiser selbst seiner Zeit in Aussicht gestellt wurde. Wäre auch nur eine einzige Persönlichkeit in der Umgebung des Kaisers, die für sociale Frage» ein modernes, vorgeschrittenes Verständnis bekundete und den Kaiser auf die englischen Verhältnisse himvcisen würde, so müßte sich ans dem Kontrast zwischen England und Deutschland die Verkehrtheit der Einbringung der ArbeitSivilligen-Vorlage selbst dem letzten Urheber der Vorlage mit Evidenz aufdrängen, da er doch andererseits mich England auf dem Gebiete der KrtegSniartne zum Vorbilde Deutsch« landö auserkoren hat. Der modernen Arbeiterbewegung ist nicht mehr von außen her in d!« Zügel zu fallen, sie erkämpft sich ihre Rechte jedem persönlichen Willen, jedem Ausnahmegesetz gegenüber. Das hat die englische Arbeiterklasse bewiesen, und da« werden angesichts der Znchthansvorlage die deutschen Arbeiter zeigen.—_ Scharfmacher-Idyll««. S o beendet man Streiks!„Der Ober-Polizei- minister läßt morgens eine Bekanntmachung anschlagen, daß bis Mittag sämtliche Streikende die Arbeit wieder aufzunehmen haben, widrigenfalls sie„verschickt" und die RädelSsübrcr inL Gefängnis geworfen würden. Als Antwort darauf kündigten »och mehr Arbeiter den Streik an. Da traten Polizei und Kosaken in Aktion. Ohne daß ein Fall öffentlicher Ruhe- störung vorgekommen, wurden die Arbeiter mit Kosaken- peitschen und Gewchrkolben in die Fabrikhöfe getrieben. In den Höfen wurden die Männer in Ketten geschlossen, die Frauen und jungen Mädchen aber mit Stricke» an die Pferde gebunden und dann mit Hieben in das Gefängnis hineingejagt. So wurden mehrere Hunderte in den Warschauer Gefängnissen untergebracht. während über 2000 unter Polizeibegleitung nach ihren Geburtsorten» zum Teil aber nach den Industrie- gebieten Südrußlands, in denen sogenannte Lcutenbt herrschte, geschafft wurden. Fluchend und zähneknirschend angesichts dieser himmelschreienden Gewaltthatcn kehrten die Arbeiter am darauffolgenden Tage zur Arbeit zurück. Auch das Schick- sal des Grubenarbeiterstrciks in Dombrolvo, an dem über 15 000 Arbeiter teilnahmen, nahm einen ähnlichen Verlauf. Wie ein Bergmann, der nach zweimonatlicher Gefängnishaft wieder entlassen wurde, berichtet, äußerte zu mehreren Ar- beitern bei ihrer Verhaftung einer der Polizeibeamten, nur der Mangel an Gesängnissen im �Gouvernement Pctrikau verhindere es, daß nicht alle„Aufwiegler", d. h. sämtliche streikenden Arbeiter, hinter Schloß und Riegel gesetzt tvürden." So schildert das Warschauer Arbeiterblatt„An der Schwelle" die Beendiguna des großen Streiks in Warschau. Und so müssen die Arbeiter beschaffen sein. Die bündlerische„Jade-Ztg." erzählt mit sichtlichem Behagen: „Die Dampfer des Norddeutschen Lloyd, welche auf der Linie Ostasicn fahren, haben als Heizer, Kohlenziehcr usw. jetzt viel- fach Chinesen an Bord und macht das Leben und Treiben der- selben auf die Europäer immer einen befremdenden Eindruck. Nach den Schilderungen der Vorgesetzten sind die Leute willig zur Arbeit, sie weichen nicht von dem Platze, der ihnen angewiesen ist. dabei sind sie so genügsam, daß die Beköstigung derselben, im Verhältnisse zu den Ansprüchen der Europäer, sehr bescheiden zu nennen ist. Uebrigens bereiten sie ihre Mahlzeiten selbst und bc- trachten die Abfälle ans der Küche des Dampfers, als Köpfe und Beine, selbst Eingeweide von Geflügel, wie auch die diverse» Abfälle von Fische» zc. als besondere Delikatessen. Wenn sie solche Leckerbissen erhalten können, so schmoren sie während der Zeit, wo sie keinen Dienst habe», in einem fort. Als Gage er- halten sie monatlich ungefähr 30 M., während Europäer SO bis 65 Mark erhalten. An Kraftlcistiiugcn stehen sie durchgchendS den Europäern nach, doch soll es nie vorkommcu, daß man sie bc- trunken sieht, und vermeiden sie den Genuß von Spirituosen durchaus, wogegen das Rauchen von Opium, wenn es ihnen irgend zu Gebote steht, sehr gern ausgeübt wird. Für„Land- rotten" ist es interessant, den Verkehr a» Bord zwischen den Vor- gesetzten und Chinesen zu beobachten, linker den ca. 40 Chinesen eines Dampfers, welche im Hcizraum ic. thätig sind, haben drei Mann, welche mit Nummer 1, 2 oder 3 gernfcu werden, die Befehle entgegen zu nehmen und verteilen die Arbeiten, Ivelche stets so automatisch ausgeführt werde», als ob es von Figuren wäre. Treffen sie einen ihrer Vorgesetzten an Land, was sie fast nur in größeren Trupps betreten, so kommandiert Nr. 1 bis 3, wie etwa ein Unteroffizier bei u»S die Soldaten, und be- grüßen den Vorgesetzten in der höflichsten Weise, indem sie Front machen. In China erhalte» diese Leute, nach unserem Geld«, etwa 30 Pf. Tagelohn." So gefällt's Euch doch, ihr Herren Scharfmacher?— Nuftland in Finanznöten. Seit England sich in Südafrika Schlappen holt, macht sich'in der offiziöscil russischen Presse die Forderung einer AnLnützung der augenblicklichen englischen Verlegenheiten zu Gunsten Rußlands geltend. Mit mehr oder tvcniger Offen- hcit wird angedeutet, die gegenwärtige Situation eigne sich vorzüglich dazu, daß Rußland sich den langersehnten Zugang zum persischen Meerbusen verschaffe oder in Nord- Ehina Vorteile zu erlangen suche. Ein offizieller Charakter mag diesen Anslassungeii abgesprochen werden können; zweifellos aber würden sie unter der russischen Preßcensur nicht möglich sein, wenn sie nicht den Herzenswünschen eines gewissen Teils der russischen Diplomatcnrlique entsprächen, die unter Väterchens nomineller Selbstherrschaft die Geschicke des russischen Reiches leitet, zumal die Blätter, die derartige Forderungen am lautesten erheben. zu denen zählen, die mit Vorliebe von jener Seite als Ablagerungsstätte für ihre Aeußernngen ge- wählt werden. wie z. B. die„Rossija Noivoje Wrcmja", „Wjedomosti" zc. Wenn trotzdem die russische Regierung zögert, die an- scheinend günstige Gelegenheit zu einem Coup zu benutzen, so find es sicherlich nicht moralische Bedenken. Der Grund der Zurückhaltung liegt vielmehr hauptsächlich in der augcnblick- lichen russischen Finanznot. Dte 300 000 Mann Soldaten, welche die„Now. Wrenija" kürzlich als nötig für einen Ein- fall in Afghanistan bezeichnete, könnte, soweit daS Menschenmaterial in Betracht kommt, Rußland leicht stellen; aber, wie das offiziöse Organ mit Recht konstatierte, gehört zu einer solchen„Aktion" noch etwas anderes— viel Geld. Und gerade in diesem Punkt ist Rußland in jüngster Zeit recht kitzlich geworden. Nicht nur, daß der russische Geldmarkt aufS äußerste angespannt ist und die Aussichten für Aufnahme einer größeren Anleihe in Frankreich und Deutschland kaum jemals schlechter standen, als heute, auch die russischen Staatsfinanzen verschlechtern sich mehr und mehr. Wie aus dem nunmehr vorliegenden Bericht des Reichs- ControleurS hervorgeht, stellt sich das Finanzergebnis für das letzte Jahr derart, daß der ordentliche Voranschlag nur mit einem Einnahme- Ueberschuß von 222,6 Millionen Rubel ab- schließt, wogegen im außerordentlichen Budget ein Fehlbettag von 326,1 Millionen Rubel zu verzeichnen ist. Mithin er- giebt sich ein Fehlbetrag von vtM/» Millionen Rubel. Zur Deckung sind 17 Millionen au frei- gewordenen Rückstellungen ans stüheren Finanzperivden vorhanden, die übrigen h2l/s Millionen müssen ans dem Bar- bestand des Staatsschatzes gedeckt werden. Letzterer betrug am 1. Januar 1888 nur noch 214,7 Millionen Rubel, ist also zum 1. Januar 1899 auf ungefähr 132 Millionen gesunken und seitdem noch weiter heruutergegangeu, denn für das noch lausende Jahr ist im Voranschlag ei» weiterer Fehlbetrag in den außerordentlichen Einnahmen in der Hohe von 98,6 Millionen Rubel vorgesehen. Unter diesen Umständen einen Krieg zu beginnen, daS dürfte selbst der KriegSlust der russischen maßgebenden Kreise alS ein mißliches Unternehmen gelten. Nicht die Friedens- liebe des Zaren, auch nicht die allbekannte»Sclbstbeicheidung der russischen Regierung ist eS. dte bisher kriegerische Ver- Wicklungen in Asien verhütet hat,— es ist vor, allem die Geldklemme. Und in dieser Thatsache liegt eine wetirbeffere Gewähr für das vorläufige stille Zuschauen Rußlands, als in aller vtelgerühmten Humanität des Zaren und allen schönen papiernen Friedenskonferenz-Beschlüssen. Deutsches Hietch. Erfreuliches vom Kronprinzen-Liberalismus. Am 1. Juni 1863 erließ die Bismarcksche Regierung eine Preß« ordonnanz, durch welche die verfassungsmäßige Freiheit der Presse auf dem Verwalluugswcge beseitigt werden sollte. „Die Verwaltungsbehörden sind", so hieß es in der„Ordonnanz", „befugt, daS fernere Erscheinen einer inIäudischenZeitung oderZeitschrift wegen fortdauernder, die öffentliche Wohlfahrt gefährdender Haltung zeitweise oder dauernd zu verbieten. Eine Gefährdung der öffentlichen Wohlfahrt ist als vorbanden anzunehmen, nicht bloß wenn einzelne Artikel für sich ihres Inhaltes wegen zur strafrechtlichen Verfolgung Anlaß gegeben haben, sondern auch dann, wenn die Gesamt- Haltung des Blattes das Bestreben erkennen läßt oder dahin wirkt: Die Ehrfurcht und die Treue gegen den König zu unter- graben, den öffentlichen Frieden durch Aufreizung der Angehörigen de» Staates gegen einander zu gefährden, die Einrichtungen des Staates die öffentlichen Behörden und deren Anordnungen durch Behauptuiigc» zu enlstellen oder durch Schmähungen und Verhöhnungen dem Haff» oder der Verachtung auszusetzen, ziim Ungehorsam gegen die Gesetze oder gegen die Anordnungen der Obrigkeit anzureizen, die Gottes- furcht und die Sittlichkeit zu untergraben, die Lehren, Einrichtungen oder Gebräuche einer der christlichen Kirchen oder einer anerkannten Religionsgcsellschast durch Spott herabzuziehen." Dieser vcrfassungsumstürzcnde Versuch einer bis zum Wahn- sinn erhitzten, schani- und vcrniinftlosen Reaktion, in dem unter- »ommeu wurde, die Preßfreiheit durch eine Diktatur der Willkür aus der Welt zu schaffen, entfesselte in dem damals noch nicht völlig erweichten Bürgertum stürmische Empörung. Sollte doch die Presse es nicht einmal aussprechen dürfen. daß die Versügniig eine ungesetzliche sei; denn eine gleichzeitige Ministerial-Jn'struktion befahß daß die Zeitungen über die Rcgierungs- maßregeln nichts zu veröffentlichen hätten, wodurch diese als un- gesetzlich oder verfasiungswidrig hingestellt lverden. Die Berliner Stadtverordneten und der Magistrat beschlossen, eine Protestdcpntation an den König abzusenden. Andere Städte folgten dem Beispiel. Als der Kronprinz eine Rundreise unternahm, unterließ mau ostentativ die Empfangsfeierlichkeiten. Das Ministerium verbot dann die Beratung politischer Angelegenheiten durch die Stadtllerorducten-Versanimlnngen.unterNndrohung strengster Maßregeln. In einzelnen Städten wurde» die Sitzungslokale polizeilich gesperrt, als die Stadtverordneten trotzdem Adressen beraten wollten. Da der König alle Adressen unbeachtet ließ, faßten die Berliner Stadtverordneten den Beschluß, künftig alle Adressen und Deputationen an das königliche Haus zu unterlassen. Die Re« gierung verwarnte den protestierenden Professor v. Holtzendorff und enthob den Mediziualrat Prof. Müller in Königsberg seines AmteS, weil er auf die Seite dcL Rechts trat. Mitten in diesen Demonstrationen fühlte sich der damalige Kronprinz Friedrich Wilhelm gedrungen, gegen die Politik Bismarcks einerseits öffentlich Front zu machen. In Danzig erklärte der Kronprinz, er habe von der Verordnung nichts gewußt. Er sei ab- wcscnd gewesen und habe keinen Teil an den Ratschlägen gehabt, die dazu führten. Jetzt wird nun von dem Organ Miguels der Brief deS Kronprinzen veröffentlicht, den dieser an Bismarck schreibt. Und diese Veröffentlichung kommt gerade zur rechten Zeit. Ivo eben sich ein Konflikt zwischen dem königlichen Hanse und der Berliner Stadt- verordiictcn-Vcrsamnllnng erhebt, ein Konflikt, der in der Art des Angriffs, lvcn» auch nicht in der Kraft der Äblvehr lebhaft an jene Zeiten des Jahres 1863 erinnert. Wir geben deshalb die Haupt« Hellen aus dem bisher unbekannten Briese deS Kronprinzen wieder, den dieser von Stettin au» am 30. Juni 1863 a» Bismarck richtete: „Ich ersehe an» Ihrem Schreiben vom 10. d. M., baß Sie auf Befehl Seiner Majestät nnterlaffcn haben, meinen Protest gegen die Verordnung, betreffend die Beschränkung der Freiheit der Presse, welchen ich Ihnen ans Grandcnz unter dem 8. Juni übersandt habe, dem GtaatSministerinm offiziell mitzuteilen.... „ES ist für mich eine Notivcndigkcit, mit Ihnen offen über die Alternative zu sprechen, die Sie mir gestellt haben: nämlich die Aufgabe des Ministeriums zu erleichtern oder zu erschweren. Ich kann diese Ausgabe nicht erleichtern, da ich mich in einem grnndsänlichc» Gegensätze zn ihm befinde. Eine loyale Hand- habnng der Gesetze und der Verfassung, Achtung und guter Wille 'lir ein leicht zn behandelndes, intelligentes und fähiges Volk — das sind nach meiner Meinung die Grundsätze, welche jede Regierung bei der Bchaiidlnng ihres Landes leiten sollten. Ich kann die Politik, welche ihren Ausdruck in der Ordonnanz vom 1. Juni t, mit diesen Grundsätzen nicht in Einklang bringen. „Sie suchen zwar mir den verfassungsmäßigen Charakter jener Verordnung zu beweisen und versichern mir. datz Sie und Ihre Kollegen JhrcS EidcS eingedenk seien. Ich meine indessen, daß die Regierung einer stärkeren Basis benötigt als sehr zweifelhafter AnSlcgniigcn, ivelche sich nicht an den gesunden Menschen- verstand deS Volkes wenden... „Wenn da« Land in dieser Handlungswelse keine loyale Hand« habnng der Verfassung erkennt, so möchte ich fragen, wa« da« Ministerium gcthan hat, um die öffentliche'Meinung zu seiner An« icht zu bekehren. E« fand kein anderes Mittel, um zu einem Einverständni« mit der öffentlichen Meinung zu gelangen, als ihr Stillschweigen aufznerlegen. Es wäre nichtig, auch nur ein Wort darüber zu verlieren, inwieweit diese Verordnung sich in Einklang befindet mit der Achtung und dem guten Willen, welchen man einem ivilligen und loyalen Volke schuldet, das zum Schweige» verurteilt worden ist, weil die Regicrnng seine Stimme nicht höre» will. „Und welchen Erfolg erwarten Sie von dieser Politik? Die Beruhigung der öffentlichen Meinung und die Wiederherstellung des Friedens? Glauben Sie, daß Sie die öffentliche Meinung be- ruhigen können, wenn Sic ihr RcchtSgefiihl neuerlich be- leidigen?... Ich will Ihnen sagen, welche Ergebnisse ich von Ihrer Politik befürchte. Sie werden an der Verfassung so lange hernmdenteln, bis fie in den Augen des Volkes jeden Wert verliert. Auf diesem Wege werben Sie einerseits' anarchische Be» wegnngcn erregen, welche über die Grenzen der Verfassung hinaus- gehen, während Sie andererseits, ob Sie es beabsichtigen oder nicht, von einer gewagten Auslegung zur anderen gelangen werden, bis Sie schließlich zu einem offenen Bruch mit der Verfassung gedrängt werden. Ich betrachte diejenigen, welche Se. Majestät den König, meine» allcrgnädigsten Vater, in solche Bahnen leiten, alS die gr- ährlichsten Ratgeber fiir Krone und Land. „Nachschrift.— Schon vor dem 1. Juni d. I. machte ich nur selten von meinem Rechte Gebranch, den Sitzungen deS Staatsministeriums beizuwohnen. Nach der vorstehenden Darlegung meiner Ueberzeugnngen werden Sie meine Bitte an Seine Majestät den König begreiflick finden, daß er mir erlaube, mich der Teilnahme an diesen Sitzungen gegenwärtig gänzlich zu enthalten. Eine fortgesetzte öffentliche und persönliche Bekundung der Gegensätze zwischen mir und dem Ministerium würde weder meiner Stellung noch meiner Neigung entsprechen. I» jeder anderen Hinsicht jedoch werde ich mir in dem Ausdruck meiner Ansichten keinerlei Beschränkungen auf- erlegen; und da« Minister linn möge versichert sei», daß e« von ihm ustb stiiiein küsistigetz Verhältcn abhängen wird, ob ich mich, nn- geachtet meines eigene» starken Widerstrebens, zn ferneren öffent- lichen Schritten gedrängt finden werde, wenn die Pflicht dies gebietet." Auö dem Anti-Macchiadcll Friedrichs dcS Großen. Das Schreiben des Oberhofmeistcrs der Kaiserin an die Stadt- verordnetcn-Versammlung hat die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf Friedrich den Großen geienkt, der in Sachen der Religion Ansichten verlrat, die weitab liegen von denen, die heute matzgebenden Orts vertreten werden. Als Friedrich noch Kronprinz war, empörte ihn der Cynismus. nbl dem Macchiavell in seinem„Fürste" lehrte, mit welch nieder trächtigen Mitteln ein Fürst regieren müsse, um zu Macht und Ansehen zu gelangen. Er verfaßte darauf eine Gegen- schrift, die unter dem Titel Anti-Macchiavell berühmt geworden ist und Grundsätze enthält, die manchen, loyalen Unterthanen an, Ende des neunzehnten Jahrhunderts die Haare zu Berge treiben. Da unter den Geiferern gegen den Stadtverordneten Preutz, dessen Rede die moralische Urheberschaft für das oberhosmeisterliche Schreiben zufällt, sich auch die„Germania" befindet, so sei ihr zu Nutz und Frommen einiges angeführt aus Friedrichs Anti-Macchiavell und zwar aus dem elften Kapitel, das handelt„Von geistlichen Staaten Wir citieren nach der ersten deutschen Auflage, die 17�1— also im zweiten Jahre der Regierungszeit Friedrichs des Großen— in der Sgl. Uuiversitäls-Buchhandlnng zu Göttingen erschien: Dort heißt es:„Als Europa bei dem Verfalle deS römischen Reichs ohne Haupt, und ein Raub der Barbaren war, so theilete man alles in kleine Herrschaften. Viele Bischöfe niacheten sich zu Fürsten, und der Bischof zu Rom war ihr Vorgänger. Man sollte glauben, unter diesem geistlichen Rcgimcnte mußten die Leute ein ziemlich glückseliges Leben führen: denn Fürsten, die man wählet, Fürsten, die in einem hohen Alter zur Regierung erhoben werden und deren Länder, so wie die geistlichen Staaten, sehr eingeschränkt sind, müßten mit ihren Unterthanen, wo nicht auö Religion, doch aus StaatSklughcit, glimpflich verfahren und ihr Bestes bc fördere». Indessen giebet es der Augenschein, daß es in keinem Lande mehr von Bettlern wimmelt, als in den geistlichen Staaten. Da kann man einen recht rührenden Abriß alles mensch lichen Elends sehen; nicht an denen Armen, welche die Freigebigkeit und das Almosen der Fürsten hinwöhnt; nicht an denen Ungeziesern, die sich an die Reiche» hängen, und in dem Gefolge des Ueberflusscs kriechen; sondern an denen abgehungerten Bettlern, welche die Liebe des Fürsten der Roth wendigkeiten des Lebens be raubet,� damit er dem Verderben und dem Mißbrauche vor- beugen möge, der sich bei dem Ueberflusse einzuschleichen pflegt. Ohne Zweifel sind die Grundsätze der meisten geistlichen RegicrungSformen von den spartanischen Gesetzen hergenommen� nach welchen daS Silber verbothen war; nur nitt dem Unter schied«, daß die Prälaten den Gebrauch der Güter sich tov. behielten, die sie dem Unterthanen genommen habe». Seclig sagen sie, sind die Armen, denn daS Himmelreich ist ihr. Weil st« nun gern wollen, daß jedtrrmann selig werde, so bemühen fie stch auch jedterman» arm zu machen. Nichts sollte erbaulicher sein, als die Historie der Häupter der Kirche, und der Statthalter Jesu Christi. Man gedenket darin Exempel untadelhafter und heiliger Sitten zu finden. Indessen findet man darin gerade daS Gegenteil: Schaudthaten, Greuel, Quelle» der Aergernifse; man kann das Leben der Päpste nicht lesen, daß man nicht ihre Grausamkeit und Treulosigkeit mehr als einmahl verabscheuen müßte. Ucberhaupt stehet man, wie ihr Ehrgeiz auf die Vermehrung Trcr weltlichen und geistlichen Macht bcflitzen ist; wie ihr Geldgelz j.0 beschäftiget, das Vermögen deS Volkes an ihre Familien zu ziehen. ihre Nepoten, Bnhlcrinncn, oder auch wohl Hurkindcr zu bereichern. Wer der Sache nicht nachdenket, dem kommt es sonderbar vor, daß da» Volk sich von dieser Gattung Fürsten s» geduldig unter- drücken läßet, daß ihm bei den AuSichweifungen und Lastern der Geistlichen nicht die Lugen' �- einem geschorenen Hmchte leiden, waS aufgehen, und daß sie von �.-<-----,-— r— eidrn, was sie von einem Haupte, das mit Lorberen gekrönet ist, nicht ertragen würden Allein denen, welche wissen, was der Aberglaube bei den Unwissenden und eine gewisse Begeisterung bei den Menschen ausrichten können, kommt die Sache nicht so fremd vor. Sie erinner» sich, daß man sich der Religion schon von Alter» her bedient hat, sich der Treue deS Volks zu versichern und der Widerspenstigkeit der menschlichen Vernunft ein Gebisse anzulegen. � Ihnen ist nicht unbekannt, daß der Irrtum die scharfsinnigsten Menschen blind machen könne und daß �nichts sieghafter sei, als die StaatSknnst derer, die Himmel und Hölle, Gott und Verdammete herbeiziehen, ihre Absichten zu erreichen. So wahr ist es, daß die Religion selbst, der reinste Quell alles unseres Guten, er st durch einen beneidens würdigen Mißbrauch der Grund und Ursprung alles unseres UebelS wird. So Friedrich der Große 1741. Und heute?--- Ter Grund der Englandreise. Eine Ansprache an die Generale hat der Kaiser nach der Vereidigung der Rekruten der Berliner Garnison im Luftgarten gehalten. Wie der„Dt. Tagesztg." versichert wird, hat der Kaiser den Generalen auseinandergesetzt, »weshalb er trotz der herrschenden Volks st immung nach England reisen müsse; er sei durch ein B e r« sprechen gebunden, dessen Bruch beleidigend empfunden werden müsse. Die Reis« trage nach seiner Austaffung durchaus keinen polltischen, sondern ausschließlich einen familiären Charakter". Ter Kampf«m daS Koalitionsrecht. Die»Germania" verharrt in Schweigen über die zu erwartende Stellungnahme der Centrumspartei in der Frage des Koalitionsrechts. Die»Köln. V o lkSztg." führt aus: »Gewiß wird nun K o m m i s s i o n S b e r a t u n g für die Vorlage und die Anträge dazu vorgeschlagen werden. Wir können nur wiederholt den Wunsch aussprechen, daß die Li e g i e r u n g s v o r l a g e so rasch als möglich aus der Welt ge- schafft werde. AuS ihr kann nun einmal nichts werden. Sollte ste an eine Kommission gehen, so hoffen wir, daß dies nur die Bedeutung eines stillen Begräbnisses haben und die Kommission niemals eine Sitzung abhalten ivird, in der sie sich mit ihr anders al« zum Zweck der Beisetzung beschäftigt. Die Geschichte des UmsturzgesetzeS hat in unseren Auge» nicht« so verlockendes, daß wir sie sich wiederholen sehen möchten." Ob die„Köln. VolkSztg." den»ationalliberalen An« trägen ein ebenso schiielleS Ende wünscht, sagt ste auffälligerweise nicht. Gegen diese iiationalliberalen Anträge wendet sich die„Mark. VolkSztg.', welche sich gegen die Einbringung der CentrnmSanträge zur jetzt bevorstehenden Debatte wendet. Die„National-Zettnng" wendet sich gegen unseren Nachweis, daß die»ationalliberalen Anträge zur ZuchthauSvorlage das KoalilionZrecht gefährden. Ihre Bemerkungen beweisen jedoch nur zweierlei: Einmal, daß sie eine Gefährdung deSj Koalltionsrcchts von einer Sicherung desselben nicht zu unterscheiden weiß; und zweitens, daß sie die Auslcgiiugsküiiste der deutscheu Justiz weit niedriger einschätzt als die Arbeiter, die sie zu bewundern reichlichst Gelegenheit hatten.— Die RcichS-Kommtsston für Arbeiterstattsttk tritt am 15. Dezember zu einer Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung steht: Die Vernehmung der bei der Fluß« und /Binnenschiffahrt Beschäftigten; sodann: Schlußbericht über die Erhebungen und Ber» nchmungcn über die Arbeitsverhältnisse der im Gastwirts» g ew erbe angestellten Personen. Fromme Zeiten. In der Vorrede zu der dramatischen Dichtung »Hairan" schreibt der Verfasser Wilbrandt: „Das Trauerspiel„Hairan" ist für die Bühne gedacht und geschrieben. Im März 18S7 kam es denn auch auf die Bretter, zunächst deS Berliner Theaters in Berlin. Aber nach der zweiten Ausführung mit amtlichem Verbot bedroht, vielleicht weil die äußere Erscheinung des„Hairan" an den Stifter der christlichen Religion erinnerte, wanderte die Dichtung in die Totenkammcr." Das„Berliner Tageblatt" bemerkt dazu: In Berkin hieß eS damals, ohne Widerspruch zu finden, daß daS Werk auf Anregung der K a i s e r i n vom Spielplan verschwand.— Grober Unfug in Bayern. Fünf Parteigenossen waren vom Schöffengericht in München zu je 20 M. Geldstrafe verurteilt worden, weil sie groben Unfug verübt haben sollten durch den auf die Zucht- hausvorläge angewendeten Ausdruck Schandgesetz. Das Wort ist in socialdemokratischen Versammlungen gefallen und hat keine» der Zuhörer beunruhigt, im Gegenteil allgemeiuen lebhaften Beifall gc- fuiiden. Das Landgericht als Berufungsgericht hob das Urteil auf und sprach die Angeklagten frei. Der Staatsanwalt rief aber hiergegen das Oberlandesgericht an. Dieses verhandelte am vergangenen Sonnabend darüber und nach- dem i» lebhafter Verhandlung der Oberstaatsanwalt die Aufhebung des freisprechenden Urteils beantragt und das Gericht zwei Stunden beraten hatte, verkündete der Präsident als Ergebnis der Beratung, daß das Urteil vertagt sei. Gestern wurde der Kampf zwischen Staatsraison und juristischem Gewissen entschieden. Wie uns ein Pnvattelegramm aus München meldet, wurde das freisprechende Urteil aufgehoben und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an das Landgericht zurückverwiesen. Damit hat das Oberlandesgericht anerkannt, daß es in der Aenßernng groben Unfug erblickt. Es handelt damit nur konsequeut; hat es doch früher schon den Satz aufgestellt, daß grober Unfug auch da verübt werde» kann, wo er infollse eines durch Geivohnheit verbildeten Urteils nicht als solcher empfunden werde. Und wenn alle Welt in einem Worte nur berechtigte Kritik empfindet— der Amtsrichter fühlt sich als Publikum und entscheidet, daß das Urteil der blöden Menge durch die Geivohnheit verbildet ist— es ist grober Unfug und wird bestraft,— das ist das Ideal einer Rechtspflege.— München, 17. November.(Eig. Ber.) In Fortsetzung der Special- disknssion zu»l Justizetat beschloß heute die Abgeordneten- k a m m e r. an die Regierung das Ersuchen zu errichten, dahin zu wirken, daß es der Landesgesetzgebuiig durch Abänderung des Z 84 des Gcrichtsverfassungs-Gcsetzcs ermöglicht wird, den außerhalb des Sitzes des Schwurgerichts wohnenden Geschworenen auf V e r- langen Diäten bis zur Höhe von 5 M. täglich zu bewilligen. Ein von der socialdemokratischen Fraktion eingebrachter Antrag, der allgemein verlangte, daß die Schöffen und Geschlvorenen künftig für ihre Dienstleistungen Diäten erhalten, Ivurde dagegen abgelehnt. Unser Genosse v. Wollmar hatte bei Begründung dieses Antrages hauptsächlich betont, daß es auch den Arbeitern ermöglicht werden soll, an der Rechtsprechung teilzunehmen. So lange diese keinen Anleil daran hätten, müßte man auch den Ausdruck „Klassenjustiz" begreiflich finden. Als eine Demütigung aber würde es sicher von vielen empfunden werden, wenn ste sich um eine Entschädigung erst melden müßten.— Wegen Majestätsbeleidigung und Beleidigung eines Schutz- mannS lvar der Maler Franz Kühl ans Charlottenbnrg an- geklagt, der heute vor der zweite» Straskammer am Berliner Land- gericht II stand. Der Angeklagte, der ein vielfach vorbestrafter Mensch ist, verübte an einem Svinmcrabende groben Unfug auf der Straße. Er wurde von zwei Schutzleuten verhaftet und dabei stieß er Redens- arten aus, die als eine Beleidigung dcS Kaisers aufgefaßt wurde». Außerdem belegte er einen Schutzmann mit diversen Titulaturen beleidigender Art. Soweit es stch um die Worte handelte, welche die Majestätsbeleidigung enthetlten sollten, so charakterisierte die Strafkammer die tnknminierte Aeußerung nur als unpassende schnoddrige Redensart. In diesem Punkte erfolgte daher Frei« sprechnng und nur wegen der Beleidigung deS Schutzmanns wurde auf sechs Wochen Gefängnis erkannt. Ausland. Die Aufhebung des ZeitungSstcmpelS. — zt— Wien, 17. November. DaS öftre ichische Abgeordnetenhaus, das so thntenlos dahin- dämmert, hat endlich eine Leistung zuwege gebracht: die Rcgicrungs- Vorlage auf Aufhebung deS Z e t t n n g s st e mp e I s ist heute e i n st> m m> g angenommen worden. Viel Eifer ür diese überreife Rcfonn zeigten die Herren Abgeordneten just nicht; cS hat einen vollen Monat gebraucht, bevor'das ans einem Paragraphen bestehende Gesetz„erledigt" werden konnte. Es zeigt 'ich auch in dieser eigentlick alle Parteien gleichmäßig berührenden Sache der eigentümliche Charakter dieses'Parlamentarismus, der im Wesen nichts ist als widerwärtige Heucheln. So lange nämlich sich die Regierungen gegen die Reform sträubten, war das Parlament Feuer und Flamme dafür— imirde doch schon im Jahre 1896 ein Antrag auf Erlöschung dieser Ab gäbe vom 1. Juli 1897 an niit mehr als Zweidrittel inajorität angenommen—; da aber die Regierung Clary selbst die Vorlage eingebracht hatte, erwachten im Hanse alle Eifersüchteleien und die Majoritäl wich eigentlich nur dem Drucke von außen, als 'ie für das populäre Gesetz, daS eine ihr unsympathische Regierung eingebracht hatte, ihre Stimmen abgab. Da vom Herrenhanse eine Eiinvenduna nicht zu erwarten ist, wird endlich mit dem neuen Jahre, nach der Agitation«ine» MenschenalterS, daS Brandmal dieser Steuer auf Lesen von der Stirnseite der östreichischen Zeitungen verschivunden fein. Der Zeitungsstempel, einevbgabe von einernKreuzer ür jode Nummer einer Zeitung, die mindefteiis viermal im Monat erscheint, ist eine der kulturwidrigsten Einrichtungen, die ein Staat erfinnen kann. Er macht das Herausgeben von Zeitungen zu einem Privileg dcS Kapitalismus, das Lesen von Zeitungen zu einem Privileg der besitzenden Klassen. Fiskalische Beweggründe waren es wirklich nicht, die den ZeitungS- 'lempel fast fünfzig Jahre am Leben erhielten. Er trägt heute nicht viel mehr als zlvei Millionen Gnldc»; bei einem Biidgcr, dessen Einnahmen fast 800 Millionen Gulden sind, eine lächerlich nn- bedeutende Summe. Im Gegenteil, diese Steuer lvar für den Staat direkt unrentabel, denn er verlor durch die an» dein Bestand des ZeitungSstcmpelS entspringende Fesselung aller Kräfte, die im "eitungsweien thättg find, an allgenieinen Einnahmeii mehr als die itener selbst eintrug. Der ZeittingSstempel war einfach das Mittel, wodurch die Enlwicklnng der Zeitungen, die dem östreichischen Geiste auch heute noch als der Inbegriff de« Bösen erscheinen, gründlich unterbunden werden sollte. Allerdings erreichte der Staat auch hier das Gegenteil von dem, was er beabsichtigte: der ZeittingSstempel bewirkte die Ucbermacht gewisser großer Blätter ,k»nd brachte so den Staat unter die Herrschaft der PIntokratie, die jene Zeitungen gründete und fütterte. Was der ZeittingSstempel erstickte. war die n abhängige, volkstümliche Presse, deren Entwicklnng ist in Oestreich Jahrzehnte hindurch verhindert morde», und das Er- cbniS ist, daß sich Oestreich einer Presse erfreut, deren Bestechlichkeit. Iiisachlichkeit, Neigung zu Klatsch und Rcvolverei in der gniizen Welt sprichwörtlich gcivordcn sind. Der ZeittingSstempel hat die Korruption der östreichischen Presse bewirkt, ihre Unabhängigkeit zer- tört niid den JoilrnaliSnius, der einst eine Mission war, zu einem häßlichen Geschäft erniedrigt. Im Handumdrehen werden sich die Wirkungen einer verkehrten Einrichtung, die ein halbes �ahrhiiudert alt ist. natürlich nicht be- 'eitigm lassen. Aber die Möglichkeit einer Besserung ist durch die Aufhebung dieser odiosen Steuer geschaffen. Wie wahnsinnig diese Abgabe war, zeigt ein simples Beffpicl. Die Steuer wird gc- zahlt von jeder Nummer, aber es ist gleichgültig, wie oft das Blatt am Tage erscheint. So zahlen die reichen Blätter von ihrer Tages- einnähme, die pro Nummcr des Morgen- und Abendblattes netttt Kreuzer beträgt, ebenso einen Kreuzer, wie die armen, nur einmal im Tage erscheinenden Zeitungen, die für die Nummer vier Kreuzer erlösen. Dorr beträgt die Steuer 8 Proz. dorn Werte, hier 2S Proz. I Erwägt man nun noch. daß die Steuer auch für die kon« fiscierten Blätter gezahlt werden mußte— und die Konfiskationen treffen wieder nur die arme und unabhängige Presse, wogegen die sakärierten Kapitalisten- blätter ob ihrer Feigheit vor jeder Verfolgung sicher sind—. daß auch die mchtvertauften Nummern die Abgabe tragen müssen, so kann man sich vorstellen, welche Schwierigkeiten die arme, insbesondere die Arbeiterpresse in Oestreich zu überwinden hat und wie gering die Möglich- keit ist, eine socialdemokratische Presse in diesem rückständigen Lande zu schaffen. Die Wiener„Arbeiter-Zeitung" zum Beispiel zahlt an Steuer aus dem Zeitungsstempel pro Jahr au 70 000 Gulden, eine Summe, die natürlich nur durch eine enipfindliche, die Verbreitung aufs stärkste hemmende Verteuening des BlattcS hereingebracht werden kann. Das nun wird sich ändern; es wird zur Gründung von Zeitungen nicht mehr allein Geld, sondern wieder vornehmlich Geist und Intelligenz und ein Leserkreis gebraucht werden. So bedeutet die Aufhebung des ZeituiigSstenipels die Wegräumuna eines der störendsten Hindernisse für die Schaffung einer unabhängigen und ernsten Presse, und die Socialdemokratie wird nicht säumen, die er- rungene Freiheit aufs kräftigste auszunützen. In einem Lande aber, wo'alle politischen Werkzeuge so stunips sind, wo daS Parlament immer mehr zum Gespött der Menschen wird, ist eine freie Presse für die vorwärtsschreitenden Parteien die beste Waffe. Nicht zum ivenigsten ist die Aufhebung des ZeitungSstempels der unermüdlichen Agitation zu danken, die die Socialdcmokraten in Versammlungen. in der Presse und im Parlament für diese Fordernug entfesselt haben, und die Socialdemokratte als die lebendigste, modernste und kampfesfreudigste Partei wird es auch sein, die die Früchte dieser Reform am reichlichsten ernten wird.— Frankreich. Komplottprozeff. PariS, 18. November. Die Vernehmungen werden fortgesetzt. D e v a u x giebt zu, Präsident einer Gruppe gewesen zu sein, welche sich mtt royalistischer Propaganda befaßte, doch habe er keinerlei Beziehung zur Patriotculiga oder zur Antisemiteiiliga gehabt. Töronlädc, welcher sodann vernommen wird, versichert seine Liebe zur Republik und spricht sich in scharfen Worten gegen das parlamentarische Regime ans. Als er hierauf den Präsideuten der Republik an» greift, erklärt Falliöres, er könne ihm nicht gestatten, w zu sprechen und forderte ihn auf, seine Worte zurückzu- nehmen. DSrouläde weigert sich, von feiten der übrige» An- geklagten werden verschiedene Rufe laut. Deroulöde verwahrt sich dagegen, daß er das Land habe aufwiegeln wollen, er wolle nur dem Vaterlande und der Armee Achtung verschaffen. Der Staats« a n w a l t verlangt, daß gegen Deroulöde das Gesetz von 1881 zur Anmendung gebracht werde, welches Beleidigungen deS Prä» fidrntc» der Republik bestraft. Döroulöde erklärt, Loubet sei in seinem Privatleben ein Ehrenmann, im übrigen halte er, Döroulöde, jedoch seine Worte aufrecht. Nach einigen Be- merkungen des Advokaten Fakateuf wird die öffentliche Sitzung unterbrochen und der Staatsgcrichtshof schreitet zur Beschluß- fassung über den Antrag des StatSanwaltS. Nacb der Wicdermifnahine der öffentlichen Sitzung verliest der Vorsitzende FnlliörcS den Beschluß deS Gerichtshofes über den Antrag des Staatsanwalts wegen der von Döroulöde gegsn den Präsidenten der Republik gerichteten Angriffe. Nach diesem Be- schlnß wird Deronlöde wegen Beleidigniigen des Präsidenten Loubet zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt.' Der Anwalt Döroulödcs verlangt daS Wort. Da der Vorsitzende dieses verweigert, erheben die Angeklagten lärmenden Einspruch. Die Sitzung wird dam« auf» gehoben. Während der langen Unterbrechung der öffentlichen Sitzung hatte in den Wandelgängen ein heftiger Streit zwischen den beiden Journalisten Dumontcil und Psron stattgefunden, der zu einem Zngenwechsel führte. Italien. Rom, 18. November. Deputtertenkainmer. Auf eine Anfrage Morandis bezüglich der Haager Konferenz erwiderte der Minister des Ansivärtigen Bisco n ti- Veno sta, wenn die er- reichten Ncstiltate auch keine vollständigen gclvese» seien, so bezeichneten sie doch einen sehr bemerkbaren Schritt in dem Fortschritte der Civilisation und Himianitat, nicht nur dadurch, daß sie die Schrecken der Landkriege ivie der Seekriege mildern, sondern auch dadurch, daß das Priucip der schiedsgerichtlichen Entscheidung proklamiert und in dein Organismus eines ständigen inter- nationalen Schiedsgerichts zum Ausdaick gebracht worden sei. Der Erfolg der Civilisation und Hnnianltät, den die Haager Konferenz hervorgebracht hat, zeigt sich zunächst in den frevelhaften Krieg Amerikas gegen die FilippiiioS und Englands gegen Trans- vaal'— Amerika. Flottenbaute». AuS Washington wird gemeldet: DaS Schiffvauamt hat den Bau von 3 Panzerkreuzer» mit je einem Gehalt von 13 S00 Tons, von 3 g c s ch tt tz t e n K r euz ern von 8000 Tons, sowie von 6 Kanonenbooten niit geringem Tief- gang von 1000 Tons, und 6 anderen Kanonenbooten des gleichen Typus von 300 TonS bestellt. Gcnieindcwahlen. Bei der Wahl in Zwötzen bei Gera wurde die socialdemokratische Liste glatt gewählt. Von den LI Ge« mcinderatSmitgliedern gehören 10 der Partei an. In Königsberg waren 16 Mandate zu besetzeu. Unsere Partei kann auf einen schönen Erfolg znriickblickcn; die Höchstzahl der auf unsere Kandi- datcn gefallenen Stimmen beträgt 2013, so daß wir gegen 1897 um 1000 Sttuuncn zugenommen haben. Endgüliig gewählt wurde zwar noch kein Parteigenosse, doch ist rmS ein Mandat unbedingt sicher, da nur dieses zwei Parteigenossen in Stichwahl sind seine Folge des Listeiijystems); antzcrdcin sind noch vier Partei- genossen niit Gegner» in Slichivahl. In E l m s h o r n errangen wir von drei zu besetzendcn Mandaten eins; dein zweiten Partei- kandidaten fehlten nur 3 Stimmen an der Mehrheit. In B a b e n- Hausen(Bayern) wurde ein Socialdemokrat gewählt. In Velbert(Rhetiiproviiizi kam ein Parteigenosse als Stadt» verordneter und einer als Ersatzniaun in Stichwahl. Berichterstattung Über den Parteitag. Nach eingehenden Referaten der Parrcigenossen F. K u n e r t und R e t w a n d und mehr als vierstündiger Dauer erklärte die N i e t l e b e» er Volks- Versammlung ihr Einverständnis mit den Beschlüssen de» Hannover- scheu Parteitages. Auch ii. anderen Ortschaften des Kreise» wurden derartige Billigungs- Resolutioiien ohne Borbehalt einstimmig an- genominen. DaS Gleiche geschah in einer Parteiversammlung in Minden. Eine Parteiversammlung in Potsdam erklärte sich nach einem Referat des Genossen Schmidt- Leiten mtt den Beschlüssen in Hannover einverftaiiden. Totenliste der Partei. In Elberfeld starb Genosse Ernst Leicht, ein alter Kämpfer für unsere Sache schon in den 70 er Jahren, der die ganzen Drangsale des Ausnahmegesetzes mit durchkämpfte._________ Gemvvltfchsrftlichrs. Berlin nud ilmgegend. An die GefeNenanSschiissc der Jini, mgen tn Berlin und dem RegieningSbezirk Potsdam! Unter Hiniveis auf den Aufruf an die GesellenanSschüffe in Nr. 266 des.Vorwärt»" wird nochmals bekannt gegeben, daß am Sonntag, den 26. November, vormittags 10 Uhr, in den Armin- halle». Kommandantenftr. 20, eine Konferenz stattfindet,*u der sämtliche GesellencnlSschusse deS Regierungsbezirks Potsdam hiermit eingeladen find. Die Rommission der Gesellenausschüsse Berlins und d« Umgegend. I. A.: I o h a n n e S W i l t. Elisabeth-Ufer 8/6. Arbeiterinnen Berlins, wahret Eure Rechte! Die Bestimmungen der Gewerbe- Ordnung, die zum Schutze der Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter er- lassen sind, werden vielfach seitens'der Unternehmer nicht beachtet und die Rechte der Arbeiterinnen gekürzt. Durch Gesetz ist folgendes bestimmt: Vorschriften über: Die Dauer der Arbeitszeit für Arbeiterinnen über 16 Jahre. Die Dan er der Arbeitszeit für Arbeiterinnen von 14—16 Jahren. Kündigung und Entlassungen. Ausstellung von Zeugnissen. Strafgelder. Hygienische und S ch u tz m a tzr e g e l n, ungesunde Ar- beitsräume, Ankleideräume, Waschvorrichtungcn und getrennte Aborte. Arbeiterinnen, achtet daranf, daß vorstehende, zu Eurem Schutze erlassenen gesetzlichen Bestimmungen von Euren Arbeitgebern durch geführt und innegehalten werden. Eure Abhängigkeit, Furcht vor Entlassung, sowie Schamgefühl halten Euch oft davon zurück, längst erkannte Mitzstände den zuständigen Behörden, den Fabrikinspektorcn, zu unterbreiten. Um es den Arbeiterinnen zu ennöglickien, ohne Nachteile für ihre Existenz die Mißstände in den Arbeitsstätten zu beseitigen, sind nachstehende Personen bereit, wahrheitsgetreue Be schwerden entgegenzunehmen und für schleunigste Abhilfe Sorge zu tragen. Die Namen der Beschwerdeführer werden st r eng geheim gehalten! Frl. O. B a a d e r, Strausbergerstr. 23, v. IV. Frau Bau s ch k e, Rostockerstr. 47, Stfl. II. Frl. Hanfe, Alexanderstr. 15, vorn IV. Frau Jung, Fichtcstr.23, Hof II. Frau L u tz, WiIbeImstr.2l,Hof pari. Frau A. M e s ch, Lychenerstr. 3, linker Ausg., IV. Frau M. T i e Blunienstr. 63, I rechts. Frau Schneider. Höchstestr. 29, Frau Sprung, Mariannen- Ufer 7, Hof III, rechts. Jeden Mittwochabend 7— g Uhr. R u d. Millarg. Gewerkschaftsbureau, Annenstr. 16, I. Alle Wochentage von v— 1 und 6—8 Uhr. An die Gewerkschaften Berlins! Seit dem 4. Nov. ds. J§. find die organisierten Formstecher von dem Unternehmertum aus- gesperrt. Hier soll von neuem versucht werden, die Arbciter-Organi- sation zu vernichten, indem die Unternehmer nur die Organisierten aussperren. Von der Aussperrung sind bis jetzt 205 Verheiratete und Lcdige mit 160 Kindern zu unterstützen. Es gilt, diese vor der bittersten Not und dem Elende zu schützen. Wir richten daher an alle Gewerkschaften die Bitte, soweit es ihre Mittel erlauben, sich au der Untcrstütznug zu beteiligen. Beiträge werden auf unserem Gcwcrkschafts-Bnreau entgegengenommen. Listen werden zu dieser Sammlung nicht ausgegeben. Der Ausschuß der Berliner Ge'werkschaftslommission. I. A.: G. Link. Achtung, Vcrgolder! Die Kollegen bei der Firma Barth in München haben die Arbeit niedergelegt und ist Zuzug nach dort strengstens fernzuhalten. Desgleichen' ist in der Berliner Rahnien- arbeiter- Bewegung keine Aenderung eingetreten. Jedoch kommen die nachstehend verzeichneten Firmen außer den drei crstaugeführten ivenigcr in Betracht, da dort fast keine Kollegen oder nur Lehrlinge beschäftigt sind. Die Kollegen werden ersucht, hiervon Notiz zu uehnicu und die betreffenden Werkstätten auf das strengste zu meiden. Nicht bewilligt haben folgende Firmen: Hoflieferant und Stadt- verordneter C. Röhlich; Zickcndraht; Königsbcrger; König: Cohn- Anhalt; Stephani; Saurada; Gesell; Hannemartu; Eckert; Rcedel; Schönebeck: Schönewerk; Murxseld. Die Kollegen von den Firmen C. Röhlich, Zickendraht und Königsbergcr haben sich wegen zu großer Angst vor der Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage von vornherein von der Lohnbewegung ausgeschlossen. Der Bevollmächtigte der Filiale Berlin. Achtung, Cisclcure. Bei der Firma Vollgold u. Sohn. Silbcrwarcn-Fabrik, Köpnickerstr. 72, befinden sich die Kollegen wegen Nichtbcwilligung des Neunstundentagcs noch im Streik, desgleichen ist die Firnia Gerike, Sebastianstr.'2<1 bis auf weiteres gesperrt. Streikarbeit wird angefertigt bei den Ciselcuren G. Ratzmussen, Adalbertstr. 65; Psndcl, Drcsdcncrstr. 117; Rctzlaf, Ncandcrstr. 15 und bei dem Ciseleur Kalischer in der Silberivaren-Fabrik von Schneider, Stallschrciberstr. 62 sowie Kalischcr, Weitzcnbnrgerstr. 38. Von allen diesen Werkstätten ist Zuzug strengstens fernzuhälteu. Die Kommission. Deutsches Reich. Arbeitswillige. Der Ablader Bergmann in Arnstadt i. Th. befand sich in ungünstigen Familienverhältnissen; seine Frau war längere Zeit krank und nahmen sich deshalb seine Kollegen seiner an. Sie' sammelten zu seiner Unterstützung, erlegten für ihn die Eintritts- gelber und Beiträge zuni Verband der Handels- und Transportarbeiter, um ihn an den Verbandsunterstützungeu teilnehmen zu lassen. Dies ließ sich Bergmann auch ganz schön gefallen, als aber. seine Kollegen in eine Lohnbewegung eintraten,»lachte er nicht mit. Dies erregte bei seinen Kollegen natürlich böses Blut; glaubten sie doch besonderen Anspruch auf seine Dankbarkeit zu haben. Einer der- selben, der Arbeiter Sch., ließ sich hinreißen, init„Knochen cutzwei- schlagcn" zu drohen. Durch diese Worte fühlte sich der brave Berg- mann in Furcht und Angst versetzt. Es erfolgio Anzeige und da Sch. außerdem mit feinem Arbeitgeber ein Renkontre halle, welches mit seiner Kündigung endete und in dessen Verlauf er sich der Beleidigung und des Hausfriedensbruchs schuldig machte, staud er wegen versuchter Nötigung, Hausfriedensbruchs und Beleidigung vorder Strafkammer. Der Staatsanwalt beantragte sechs Monate Gefängnis. Der Gerichtshof erkannte auf einen Monat. Von der F l e n s b u r g e r Strafkammer wurde dieser Tage der aus Ostpreußen gebürtige Arbeiter Poschwalla wegen zweier schwerer und zweier einfacher Diebstähle zu einem Jahre Gefängnis und zwei Jahren Ehrverlust verurteilt. Beim letzten Bauarbeiter-Ausstand war P. Arbeits ivilliger. Ferner lesen wir in der„Münch. Post" über die„lieben Arbeitswilligen" folgende erbauliche Schilderung:„Wie schon früher festgestellt, zählte der Münchener Raubmörder Max Bogner zur Kategorie der Arbeitswilligen. Anläßlich eines Ausjtandes der Arbeiter einer Pasinger Schuhfabrik fungierte der Bursche seiner Zeit als Streikbrecher. Und nicht uninteressant ist es, daß der Holz- bildhaucr Friedrich Breitmoser, der am Montagabend seine Geliebte und dann sich selbst töten wollte, während des Bildhauerstreiks im vorigen Jahre ebenfalls ca. zwölf Wochen lang Streikbrecherdienstc versah und auch als Zeuge gegen organisierte Arbeiter vor Gericht erschien." Es ist recht und billig, daß diesen„besten Stützen des Staates" ein besonderer Schutz werde. Eine» vollständigen Sieg bei den Bcrg-Gcwerbcgcrichtö- Wahle» haben, wie uns aus Dortmund depeschiert wird, die Kandidaten der vereinigten Bergarbeiter-Organisationen errungen. Die Attssperrung der Textilarbeiter in Zwickau i. B. scheint sich zu einem für den ganzen nordböhmischen Distrikt aus- schlaggebenden Jntereffeukampf auszuwachsen. Dort soll der Kampf um den Zehnstundentag ausgekämpft werden. Die Fabrikanten waren schon vorbereitet, und alle Fabrikanten Nordböhmens richten ihren Blick auf Zwickau; unterliegen die Arbeiter hier, so dürste auch anderwärts wenig Aussicht auf Erfolg für die Zehnstundcn- bewegung sein. Außer den 2600 Textilarbeitern, kommen beim Streik bezw. Aussperrung noch 800 Handwcber in Betracht. Die Aussperrung wurde von den Fabrikanten in Scene gesetzt, um die Bewegung mit einem Schlag niederzudrücken. Das istihne» ja nichtgelungen, dieArbeiterstehen fest zusammen; sie haben nun noch eine weitere Forderung hinzu- gefügt, nämlich die einer 10 prozentigcn Lohnerhöhung. Die Wiener „Arb'eiter-Zeitung" ersucht die Arbeiter, namentlich die Textilarbeiter, ihr Solidaritätsgefühl gegenüber den Zwickauer Ausgesperrten that- kräftig zu bekuude» und dafür zu sorgen, daß wenigstens die Be- dürftigsten unterstützt werden können. Unterstützungen nimnit cnt- gegen: Karl G ü n z e I, Nr. 482, und Josef Zimmermann, Ober- Vorstadt Nr. 273, in Z>v i ck a u. Ausland. Der Streik am Simplon. Aus Z n r i ch wird uns geschrieben: Unter dem Drucke des großen Generalstreiks der 2000 Arbeiter und der völligen Arbeitsruhe haben endlich die Leiter des Unternehmens, nachdem auch der eben- falls daran beteiligte Maschinenfabrikant Sulzer von Winterthur herbeigeeilt war, sich herbeigelassen, mit der Streikkominission und dem Ärbcitersekretär Sigg von Genf zu unterhandeln, während der „Ausländer" Morgari zurückgewiesen wurde, trotzdem er stets be- ruhigend und versöhnend auf die Streikenden einwirkte. Das Resultat der langen Unterhandlungen war kein sehr befriedigendes: Die Forderung nach Abschaffung der Accordarbeit wurde abgelehnt, dagegen soll der bisherige Verdienst der Arbeiter künftighin bei Accordarbeit als Minimallohu gelten, womit die Arbeiter nun eigentlich gar nichts gewonnen haben. Außerdem fügten die mächtigen Herren, die sich als die„gnädigen Herren" des auoion reZims fühlen, hinzu, daß dieses„Zugeständnis" nicht als Anerkennung ä tout prix der Arbeiterforderungen betrachtet werden dürfe. Eben- falls abgelehnt wurden die Forderungen betreffend die Reduktion der Arbeitszeit für die verschiedenen Arbeiterkarcgorien. während bezüglich der Forderung nach Beseitigung des Sprengstofflagers im Tunnel- Innern„befriedigende technische Aufklärungen" ge- geben wurden. Angenommen wurde die Forderung, daß die Unternehmer in Zukunft mit den bestellten Vertretern der Arbeiter über alle Beschwerden Unterhandlungen pflegen. So un- gebildet die italienischen Arbeiter sind, das begriffen sie sofort, als ihnen die Kommission in der Versammlung über die gepflogenen Unterhandlungen Bericht erstattete, daß man sie schnöde behandelt hat, und es erhob sich darum keine einzige Hand für die Annahme eines solchen Vergleichs.„Wir streiken weiter!" riefen entschlossen die Arbeiter, worauf die Kommission ihre Demission gab.— Im übrigen zeigt der Streik die gewöhnlichen Erscheinungen von Arbeitseinstellungen seitens unorganisierter und insbesondere der immer zu Excessen geneigten italienischen Arbeiter. So wurde am Montag ein frisch zugereister italienischer Arbeiter, der zu arbeiten ansaugen wollte, durch einen Revolverschutz seitens eines Streikenden verwundet, ein Verbrechen, das wir scharf verurteilen und womit sich wohl auch das Gericht zu beschäftigen haben wird. Die Geld- sackspresse berichtete nun sofort tendenziös, der junge Mann sei sofort der Verwundung erlegen. Zwei Tage darauf wurde dann etwas kleinlaut berichtet, er lebe noch und sei außer Gefahr. Ist vielleicht gar nicht geschossen oder der Schuß gar nicht von Streikenden abgefeuert worden? Aber wenn einer derselben geschossen hat, so ist nicht zu vergessen, daß man es hier mit einer von dem ver- lotterten italienischen Staate völlig verwahrlosten Arbeiterschaft z» thun hat, die nicht geschult, nicht organisiert und nicht discivlinicrt ist. Was die Berechtigung der Arbeiterfordennigen betrifft, so steht dieselbe unter jedem Zlveifel. Beim Bau des Simplon- Tunnels wird eine unerhörte Ausbeutung der Arbeiter be- trieben. Die Arbeitslöhne sind au sich niedrig und sie er- scheine» noch niedriger, wenn man die mit der Arbeit verbundenen Gefahren für Gesundheit und Leben sowie die teuren ErnährungS- Verhältnisse im Hochgebirge berücksichtigt. Die am Simplon gezahllen Arbeitslöhne sind im Jahre 1899 niedriger, als diejenigen waren, die vor einem Vierteljahr-Hundert den Arbeitern bei Bau des Gotthard- tunnels gezahlt wurden. Hier erhielt z. B. ei» Maurer einen Tage- lohn von 5,20 Franks, am Siniplon erhält derselbe einen Tagcloh» von 4 Franks, um 1,20 Frauks weniger! Noch viel weiter bleiben alle Löhne, die am Simplon gezahlt ivcrden, zurück hinter den jenigcn, welche vor mehreren Jahren beim Bau des Albistnnnels am Zürichcr-Sce gezahlt lvurde», wo z. B. die Maurer bis zu 6 Fr. Tagelohn erhielten. Es ist sehr zu bedauern, daß die Eidgenossenschaft und die interessierten welschen Kantone, ivelche zusammen ca. 20Mill ioncn Franken Subventionsbeitrag au die ungefähren Kosten von 80 Millionen leisten, de» Untemehnicrn keine Bedingungen über die Gestaltung der Arbeitsverhältnisse stellten. Soll der' arme italienische Arbeiter wirklich nur der Kulturdüngcr für andere Länder sei»? Am Simplon ist nun das Militär in Aktion, man verbietet Ver- snmmlungcn— allerdings. unr sie dann wieder zu erlauben—, man droht den subsistenzlosen Streikenden mit Ausweisung, wenn sie die Arbeit nicht wieder aufnehmen, und man thut dies alles im Grunde genommen zu Gunsten der profitwntigcn Unternehmer, die eine schlmune Aus- beutung da droben praktizieren. Hoffentlich fällt das Militär nicht aus seiner Ruhe und richtet nicht am Simplon ein gleiches Blutbad au, wie im Jahre 1875 am Gotthard, wo es ebenfalls wegen schänd- sicher Behandlung der Arbeiter zum Streik gekommen ivar und wo das vom Unternehmer Favre herbeigerufene Militär unrer eine Masse von 1000 Streikenden schoß, wobei zwei tödlich und andere leichter verwundet wurden. Ein Schrei des Entsetzens ging damals durch die Reihen der schweizerischen Arbeiterschaft und im ganzen Lande fanden zahlreiche Protcstvcrsammlungen gegen den Mord am Gotthard statt. Die Situation am Simplon ist heute derjenigen, wie sie 1875 am Gotthard ivar, verzweifelt ähnlich. In der Generalversammlung dcrlausständigen Arbeiter am Simplon- tunnel ist beschlossen worden, nachdem die Unternehmer cinigeZugcstäjid- uisje gemacht haben, am Montag die Arbeit wieder aufzunehmen. Die AltcrSvcrsorgmig städtischer Arbeiter beschäftigte dieser Tage die B r e s l a u e r Sladtvcrordueten. Der Oberbürgermeister Bender hatte seiner kürzlich veröffentlichten, auch im„Vorwärts" be- fprochenen Denkschrift über diese Frage bald eine Vorlage folgen lassen. Während aber die Denkschrift mit trefflichen moralischen und materiellen Gründen nachwies, daß den städtischen Arbeitern in mindestens gleichem Maße wie den städtischen Beamten ein Rechtsanspruch auf Pensionierung zustehe. will die Vorlage den Arbeitern eine Unterstützung nach mindestens zehn- jähriger ununterbrochener Arbeitszeit nicht als klagbares Recht. sondern nur auf Beschluß der Stadtverwaltung und jederzeit widerruflich, also als Wohlthat bezw. Almoseu gewähren und zwar in äußerst bescheidenem Umfange. Unfalls-, Jnvaliditäts- und Altersrente sollen ans die städtische Rente in Abzug kommen, soweit der Betrag derselben zusammen mit der städtische» Rente 360 M. übersteigt. Auch andere einschränkende Bestimmungen enthält die Vorlage,' so daß bei der Beratung derselben die beiden socialdemokrätischen Vertreter im Breslauer Stadtparlament, Bruhns und Schulz, unterstützt von Professor Werner Sombart. sich entschieden gegen eine derartige, nur scheinbar socialrefonnerische Maßnahme wandten und besonders die Festsetzung des einklagbaren Rechtsanspruchs auf die Pension für die städtischen Arbeiter forderten. Nach längerer lebhafter Debatte wurde die Vorlage einem Ans- schusse überwiesen, doch dürste nach der Haltung der großen Mehrheit der Breslauer Stadtverordneten eine nennenswerte Verbesserung der Vorlage nicht erzielt werden. Kapitalgewinne der chemischen Industrie. Für die Jahre 1897 und 1898 verteilten die Astien-Gesellschaften der verschiedenen Zweige der chemischen Industrie Deutschlands im Durchschnitt folgende Dividenden: 1397 1898 Prozent Prozent Fabriken von Alkalien und Mineralsäuren. 12,24 13,41 ,, pharmazeutischen und photographischen Präparaten.. 8,21 9,78 »„ Te'crfarben und Derivate.. 22.09 21,26 ,„ Explosivstoffen...... 14,75 14,28 „„ Zündwaren....... 8,75 9,58 „ künstlichen Düngemitteln... 2,66 3,46 DieDurchschnittsdividendesämtlicherchemischer Fabriken auf Aksicn in Deutschland betrug 12,11 12,69 Die Arbeitslöhne in der chemischen Industrie haben im letzten Jahre nur in einzelnen Fällen einige Aufbesserungen erfahren, die aber nicht entfernt der Höhe und der Steigerling der mühelos ge- wonnencu Aktiendividende entspricht. Meist stehen die Löhne auch in dieser gefährlichen Industrie unter 1000 M. pro Jahr. Der Krieg. Die Beunruhigung über das Schicksal von Ladhsmith wächst in London.„Daily Mail" meint, daß die Lage dieser Stadt Anlaß zu großen Befürchtungen giebt. Die Uebericgcnhcit der emflifr;.".i Arrillerie bestehe nicht mehr. Andere Blätter fragen, weshalb die englischen Marinegeschütze dem Feuer der Boeren keinen größeren Widerstand entgegensetzten. Die„TimeS" melden aus Lourengo Marques vom Freitag: Nachrichten aus Ladysmith vom 16. November zufolge wird die Stadt Tag und Nacht beschossen und ist hart bedrängt. Doch auch günstigere Nachrichten, deren Richtigkeit nicht zu kontrollieren ist, liegen vor. Das britische Kriegsministcrium erhielt folgende Telegramme: Kimberley, 11. November. Alles wohl; Ladysmith, 13. November: Alles tvohl. Aus Estcourt meldet vom 17. November das„Ncu.rsche Bureau": Hier traf heute ein Läufer von Ladysmith mit Nachrichten vom General White ein. Dieselben besagen, daß alles wohl und die Beschießung durch die Boeren un- wirksam sei. Der Gesundheitszustand in der Stadt sei gut. General White habe einen Ausfall gemacht, bei dem er die Boeren von ihren Belagerungsgeschützen vertrieb, ohne daß die Engländer Verluste erlitten. Vormarsch der Boeren. Das Transvaaler amtliche Blatt„Vollstem" berichtet: Die große Brücke über den Tngcla bei Colenso ist am 15. d. M. völlig zerstört worden. 600 Boeren, die Geschütze mitführen, halten den Paß von Hclpmakaar besetzt, um jeden Versuch der Engländer, sich durch einen Vorstoß von Pietennaritzburg und Greytown aus Duudee wieder zu bemächtigen, zu vereiteln. Ferner verlautet, daß sich 41)00 Boeren mit dem Kommaudo von Estcourt vereinigt haben, um der britischen Entsatzkoloniie entgegenzutreten. Auch besetzten die Boeren das 25 Meilen von Estcourt gelegene Dorf Weene». London, 18. November. Das„Neuterschc Bureau" meldet aus Kapstadt vom 15. d. M.: Alle Einzelheiten über die Formierung einer Hcercsabtcilung in der Nähe des Orauje-Fluffcs unter Lord Methnen, offenbar zum Zweck des C. atzes von Kimberley, werden von der Censur rücksichtslos unterdrückt. Aber es ist bekannt, daß die Abteilung sich mit möglichst leichtem Gepäck auf den, Marsche bcsiudet. Kleine Boercuabteilungeu durchstreifen Griqualaud-Wcst und haben von Barkleywest Besitz ergriffen, Ivo einige wenige Polizeisoldaten zu Gefangenen gemacht wurden, ebenso von Douglas. Es wurde den Boeren kein Widerstand ent- gegengesctzt. Dieselben setzten in jeder Stadt Landdroste ein. General Bullcr, so wird aus Kapstadt vom 11. November gemeldet, hat das An- suchen des O b e r st e u Schiel, ihn auf Ehrenwort stei zu lassen, abgelehnt und dabei bemerkt, die Truppen Transvaals seien in das britische Gebiet eingedrungen, bevor die britischen Truppen im Felde gestanden hätten, und hätte» daher zunächst gewaltige militärische Vorteile gehabt. Nach Ankunft der britischen Streitkräfte würde er(Buller) sein Bestes thun, diesen Nachteil auszugleichen. Joubert nicht tot. London, 18. November. Ein amtliches Dementi der Meldung voni Tode Jouberts liegt hier nicht vor. Bis zum 10. d. Mls. reichende Nachrichten aus Lourengo Marques, die dem„Reuterschen Bureau" heute vormittag zugegangen sind, besagen indessen, Joubert sei von einem leichten Unwohlsein be- fallen gewesen, habe sich jedoch zuletzt besser befunden. Haltung der Eingeborenen. Maseru, 18. November. Der hiesige englische Kommissar hat gestern plötzlich Maseru verlassen, um mit dem obersten H ä u p r- ling der Bas u tos, Lerothodi, zusammenzutreffen. Man nimmt an, dieser Besuch hänge zusammen mit der verdächtigen Haltung des Häuptlings Joöl, von dem berichtet wurde, er sei geneigt, nrit den Boeren gemeinsame Sache zu machen. Nachschub. Kapstadt, 17. November. Heute traf der Dampfer„Orcana" mit 1000 Mann englischer Truppen und einer Sanitätsabteilung hier ein. London, 18. November. Mit den Truppen, welche heute in Transportschiffen Kapstadt erreicht haben, beziffert sich die Zahl der in Kapstadt eingetroffenen Verstärkungen auf mehr als 27 000 Mann. Die Mannschaften der Transportschiffe werden teils in Kapstadt, teils in Enftlondon, teils in Natal gelandet. Die Censur vcrheim- licht die Truppenbewegungen. Deposchen-Censur. London, 18. November. sW. T. B.) Die hiesige Postbehörde macht bekannt, daß, wenn auch das Kabel zwischen Mozambiqnc und Lourenqo Marques wieder ausgebessert ist, alle chiffrierten Telegramme, sowohl private wie die der ausländischen Regierungen, von und nach Sansibar, Mauritius, Madagaskar, den, britischen und deutschen Ostafrika, Mozanibique, Delagoa, dem britischen Südafrika, Transvaal und Oranjestaat in Aden oder Kap- stadt angehalten werden. Telegramme der offenen Schrift find der Censur nntcrworfcn. Nrtztv Nnifz�Ufzken und Depvfihen. Berlin, 18. November.(W. T. B.) Bei dem Vortrage, ivelchc'n Vice-Admiral z. D. Reinhold Werner heute über das Thema: Unsere Zukunft. liegt auf dem Wasser" gehalten hat, ist demselben folgendes Telegramm des Kaisers zugegangen: Brunsbüttelkoog, 13. November 1399. Es freut mich, daß Sie in Ihrem hohen Alter den weiten Weg nicht gescheut haben, um bei dem heutigen ernsten Vortrag der Freien Vereinigung Ihre so bewährte Stimme zu erheben in Bcthätignng meines Mahnrnfcö für eine starke deutsche Flotte. Wilhelm I. R., Hamburg, 18. November.(SB. T. 33.) Die„Hamburger Börsen» halle" meldet: Nach einem der hiesigen Assekuranzbörse aus Düu-, kirchen zugegangenem Telegramm ist die„Patria" 15 Seemcilcir nordöstlich von Grcvclingen von zwei deutschen Dampfern ins Schlepptau genommen worden. Köln a. Rh., 13. November.(B. H.) Die„Köln. Volkszrg." meldet zu den Unruhe» im deutscheu Missionsgebicte in' Schantnng, dieselben hätten im wesentlichen den Charakter einer Christenvcrfolgung angenommen. Die Ausschreitungen der Slnfrährer richten sich gegen die eingeborenen Christen, welche mißhandelt und ihres Eigentums beraubt werden. Die Anstifter sind unter den Führern der„Roten Faust- Sekte" und der„Großen Messer- Sekte" zu suchen, welche offenbar an ihre Anhänger ein diesbezügliches Losungswort ergehen ließen. Leipzig, 18. November.(W. T. B.) Wie das„Leipz. Tagebl." meldet, ist heute in Rom am Herzschlag der Neichsgerichtsrat a. D. Mittelstädt im Alter von 66 Jahren gestorben. Wie», 18. November.(W. T. B.) Da eine Pestgefahr für Trieft nicht mehr vorhanden ist, werden die amtlichen Mitteilungen übet den gesundheitlichen Zustand Tricsts eingestellt. Rom, 18. November.(W. T. B.)' Der„Popolo Romano" er- klärt die außerhalb verbreitete» Gerüchte von der Demission der Minister Visconti Venosta und Bonassi für vollständig un- begründet. Madrid, 18. November.(W. T. B.) Das Panzerschiff„Karl der Fünfte" ist„nach Barcelona abgeschickt worden. Die Haupt- rädelsführer werden, wie es heißt, an Bord des Schiffes gefangcP gesetzt werden, wenn die Steuerpflichtigen fortfahren, die Zahlungen zu verweigern. Athen, 18. November.(W. T. B.) Durch ein heftiges Unwetter wurden in vergangener Nacht die unteren Stadtteile unter Wasser gesetzt. Mehrere Häuser stürzten ein, einige Personen find' ertrunken, der Schaden ist sehr bedeutend. Verantwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Snserateuteil verantwortlich: Th. Glocke m Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 4 Beilagen und IlnterhaltungSblatt. it. M. it. i. Kiltzt ks Amirls" Knlim KMM S'"»- Vvichskag. 104. Sitzung vom 13. November 13S9, 1 U h r. Am Tische des Bundesrats: v. Podbiclski. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Beratung der Rc- svlutionc» zur Postgcsctz-Novclle. Dieselben lauten: Den NeichSkanzler zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß 1. möglichst bald das Bestellgeld der Zeltimge» neu geregelt wird und zwar in der Richtung, das; die Hcinfigkoit des Erscheinens mehr als bisher und außerdem auch das Zcitungs- gewicht berücksichtigt wird, 2. dem Verleger einer im Postkatalog eingetragenen Zeitung ge- stattet wird, für die von ihm gesvonnenen Abonnenten selbst die Bestellung bei der Post aufzugeben, 3. die Beschränkung der zulässigen Ucbcrweisungsexcmplare auf 10 Proz. der Postauslage aufgehoben wird, 4. gegen die für Drucksachen festgesetzte Taxe auch Geschäfts- Papiere befördert werden können, 5. bei der Entschädigung kleinerer Privat-Postanstalten, namentlich soweit solche den ausschließliche» Erwerb einer Familie bildeten, größtmögliches Eutgegcnkonnnen geübt Ivird. Die Disknision findet in der Weise statt, daß zunächst über Ncsoluiiou 1—3 gemeinsam beraten wird, dann über 4 und über ö gesondert. Abg. Dr. Miillcr-Sagan(frs. Vp.) hofft, daß die verbündeten Regierungen sich den hier zum Ausdruck gebrachten Wünschen des Reichstags entgcnkrmmend zeigen werden. Staatssekretär v. Podbielski: Daß die Reichö-Postberwaltung diesen Wiiuschen nicht ab- lchurnd gegenübersteht, ist Ihnen ja bekannt. Wie sich die verbündeten Regierungen dazu stellen werden, hängt von einem späteren Beschluß derielbeu ab. Gegen den in der Resolution 1 ausgesprochenen Wunsch, außer der Häufigkeit des Erscheinens auch das Gelvicht der Zeitungen bei der Berechnung des Bestellgeldes zu berücksichtigen, MUß ich mich aber wenden. Das Bestreben der Postverwaltung muß darauf gerichtet sein, den Tarif möglichst einfach zu gestalten. Wird aber das Gewicht bei der Berechnung in Betracht gezogen, so hat der Besteller der Zeitung mit einem häufig veränderten Tarif zu thun, Abg. Dr. Lertel(k.): Ich bin in der Kommission selbst für diese Resolution ein- getreten, die Ausführungen des Herrn Staatssekretärs haben mich aber davon überzeugt, daß eine Berücksichtigung des Gelvichts nur Unruhe und Unsicherheit bei den Bestellern zur Folge haben würde. Abg. Dasbach($.): Bon einer Beunruhigung des Publikums kann doch keine Rede sein, da eS sich doch nur um ganz kleine Beträge handelt und der Besteller am Anfang jedes Jahres von der eventuellen Erhöhung des Bestellgeldes unterrichtet ivird. Die Resolutionen 1 bis 3 werden darauf mit großer Mehrheit angenommen. Es folgt Resolution 4. Abg. Einger(Soc.): Bisher sind die M i t g l i e d e r b ü ch e r von Kranken- k a s s e n und Wohlthätigkeitsvereinen ganz mit Recht nicht als Drucksachen vehandclt ivorden. Falls nun beschlossen werden sollte, auch Geschästspapicre zu den Sätzen für Drucksachen zu befördern, dürste es wobl möglich sein, auch diese Blitglirdö- biicher alS Geschiiftspapierc anzusehen. Ich bitte den Herr» Staatssekretär um eine ausdrückliche Erklärung hierüber. Staatssekretär v. Podbielöki: Ich kann nur erklären, daß ich die Auffassung des Herrn Ab- geordneten Singer vollkommen teile. Auch diese Resolution wird angenommen. Ebenso ohne Debatte die Resolution V. Die Petitionen werden durch die Annahme der Vorlage für erledigt erklärt. Ziveiter Punkt der Tagesordnung ist die zweite Beratung des Entwurfs einer Fernsprechgebiihrcn- Ordnung. Z 1 lautet: Für jeden Anschluß an ein Fernsprechnetz wird eine Baiischgebühr erhoben.(Die Vorlage wünscht statt dessen eine Grund- und eine Gesprächsgebühr.) ß 1 wird dcbattelos angenommen. j) 2 handelt von der Festsetzung der Bauschgebiihr. Dieselbe beträgt in Netzen von nicht über ö0 Teilnehmer-Anschlüssen 80 M., bei mehr als 50 bis einschließlich 100 Teilnehmer-Anschlüssen 100 M., bei 100— 200 Anschlüssen 120 M., . 200— 500. 140„ . 500— 1000, 150, . 1000— 5000, 100, . 6000-20 000. 170, . über 20 000, 130. jährlich für jeden Anschluß, der von der Vermittlungsstelle nicht lveiter als 5 Kilometer entfernt ist. Teilnehmer, welche die Bausch- gebühr zahlen, sind berechtigt, die Benutzung ihres Anschlusses zu Gesprächen mit anderen Teilnehmern desselben Netzes Dritten unent- gcltlich zu gestatten. Dazu beantragen Abgg. Müller-Sagan und Eickhoff(fr. Vp.): Die Aauschgebllhr sür Netze von nicht über 50 Teilnehmer-Anschlüssen ans 50 M.. bei 50—100 Anschlüssen auf 75 M., bei 100—1000 Anschlüssen auf 100 M., bei 1000—5000 Anschlüssen 125 M., bei mehr als 5000 Anschlüssen auf 150 M. herabzusetzen. Abg. Dr. Miillcr-Sagan(frs. Vp.) begründet diesen Antrag, der im Interesse der kleinen Städte und des platte» Landes liege. Auch sei es unbillig, die Gebühren in den großen Städten über das jetzige Matz zu erhöhen im Hinblick auf die Möglichkeit, daß in diesen die Zahl der Fcrnjprcch-Teilnehmer stelig steige. Staatssekretär v. PodbielSki: Die Unkosten eines Telcgrapheiinetzcs sinken nicht mit der zmiehmeitden Zahl der Teilnehmer, sondern vermehre» sich. Für jeden der einzelnen 40 000 Teilnehmer Berlin» müssen 40 000 An- schlüffe besorgt werden, wenn auch natürlich nicht jeder alle diese Anschlüsse benutzt. Wo eine Ermäßigung der Gebühren nötig ist. hat ja der Reichs- kanzlcr die Ermächtinnng erhalten, diese Herabsetzung anzuordnen. Der Antrag Müller ist aber ganz»naimehmbar. Er bedeutet einen Eimiahme-Ausfnll von 4 517 000 M. Dazu kommt die Verzinsung des Doppclleitungs-Systems. dessen Einrichtung für Berlin allein über 8 Millionen, für das Reich rund 37 Millionen ausmacht. Das macht einen Aussall von 3 700000 M.. also zusammen über 3 Millionen. Diese Zahlen zeigen, wie bedenklich der Antrag Müller ist. Schließlich kann man doch verstehen, daß die Inhaber der Telephon-Anschlüsse' selbst zu den Lasten herangezogen werden und nicht die ganze Bevölkerung. Ich bin gewiß dafür, die Gebühren so weit ivie möglich hcrabznsctzcn. Bei Annahme des Antrags Müller aber würde» keine Mittel mehr bleiben für irgend eine Weiterentwicklung des Tclephoiinetzes. In' New Dork z. B. sind die Gebühren bedeutend böhere. Dort iverden für nnbeichränkte Benutzung des Telephons jährlich 1200 M. gezahlt. Ebenso sind in Frankreich und England die Gebühren viel höher als bei uns. Ich bitte Sie, den Altt'rag Müller abzulehnen. Abg. Dr. Oertel(k.) bittet ebenfalls, au? den Gründen, die der Staatssekretär angeführt habe, den Antrag Müller abziilchnen. Abg. Cahcnsly(C.): Im großen und ganzen wird doch da? Telephon weniger ans dem Lande als von dein Mittelstand in den kleinen Städten benutzt und für diesen ist der Satz von 80 M. nicht zu hoch. Ich bitte Sie, den Autrag Müller abzulehnen. Abg. Dr. Mükler-Sagan(frs. Vp.): In New Dork sind die Gebühren ausnahmsweise hoch, in den skandinavischen Ländern dagegen z. B. viel niedriger als bei uns, während die ganze Einrichtung der Telephonie dort durchaus muster- Haft ist. Staatssekretär v. PodbielSki: Ich will zugeben, daß das Beispiel New AorkS nicht glücklich gewählt war, aber in Frankreich und England sind doch die Verhältnisse den unseren annähernd gleich und auch dort sind die Gebühren höher als bei' uns. In Schweden und Norwegen sind die Gebühren allerdings billiger. Dort werden aber auch— das hat schon Herr Singer einmal be« tont— die Beamten weit schlechter entlohnt. Wenn ein Beamter »ichr mehr brauchbar ist, bekommt er eine Abfindungssumme, und der Staat hat lveiter keine Verpflichtung mehr ihm gegenüber. Und wenii dort die Gemeinde eine ältere Dame hinsetzt(Heiterkeit), so ist das doch auch viel billiger, als wenn ich hier einen jungen Assistenten anstellen muß. Sehr wichtig ist auch, daß in Schweden die ganze Vanschgebühr sich auf eine Zone von 2 Kilometer bezieht, bei uns aber nui eine Zone von 5 Kilometer. Während wir unsere ganze Telephonie von der Privatindustrie beziehen, hav in Schiveden der Staat sich eigene Fabriken ein- gerichtet. Das mag ja auch billiger sein, aber wir glauben, daß der Fortschritt der Technik mehr gewährleistet ist, wenn sich viele ver- schiedene Fabriken an der Herstellung der Fabrikate beteiligen. Ich bitte Sie aber nochmals, den Autrag Müller abzulehnen. Damit schließt die Diskussion. Der Antrag Müller-Sagan wird abgelehnt, 8 2 in der KommissionSfassung genehmigt. § 3 lautet: Für die Berechnung der Bauschgebiihr ist die Zahl der bei Beginn des Kalenderjahres vorhandenen Teilnehmer- anschliisse maßgebend. Diese Bauschgcbühr tritt am folgenden 1. April in Kraft. Soweit auf Grund der neuen Feststellung eine Erhöhung der Banschgebühr eintritt, lind die Teilnehmer berechttgt, ihre Anschlüsse zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Erhöhung mit einmonatiger Frist zu kündigen. Der Paragraph wird in dieser Fassung ohne Debatte genehmigt, ebenso K 4, der die Bauschgcbühr an Orten ohne Fernsprechnetz für jeden Teiliiehmcranschluß, der nicht mehr als 6 Kilometer von der Vermittlniigsstelle entferiit ist, auf 80�M. festsetzt. Als§ 4a beantragt Abg. G a m p(Rp.), folgende Bestimmungen aufzunehmen: „Der Bau und die Instandhaltung der Sprechleitnngen zum An- ichluß an ein Fernsprechnetz von nicht über 25 Teilnchnieranschlüffen kann den Beteiligten auf deren Kosten überlassen iverden. Die Gesprächsgebühr beträgt bei der Benutzung dieser Leitungen 5 Pf. für jede Berbindung, soweit nicht die höheren Sätze des 8 � (Ferngespräche) zur Anwendung kommen.* Abg. Gamp(Rp.) empfiehlt die Annahme des Antrages im Interesse des platten Landes. Direktor im Reichspostamt Sydow erklärt sich gegen den Antrag Gamp, iveil er überflüssig sei. Die Be- fugnis, die der Antrag der Telegraphenverivaltung einräumen wolle, besitze diese bereits durch den§ 2 des Telegraphengcsetzes. In Zu- kunft werde die Verwaltting von dieser Befugnis auch ab und zu Gebrauch machen. Abg. Dasbach(C.) erklärt sich kür den Autrag Gamp. Er besürivortet die Nachahmung der Stockholmer Einrichtungen, wo in den Hotels in jedem Zimmer ein Telephonapparat angebracht sei. Diese Einrichtung liege im Interesse vornehmlich des Handels- standes. Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Bp.) erklärt sich für den Antrag Gamp, wenn er ihn in einer Form bringen würde, der ihn nicht als überflüssig erscheinen läßt. Staatssekretär v. PodbielSki: Der Wunsch Dasbachs bedeute eine Durchbrechung de? Regals, daS eben erst erweitert sei. Infolge dessen erkläre er sich gegen denselben. Abg. Gamp(Rp.) zieht seinen Antrag zurück, da er Vertrauen zu dem Versprechen des Staatssekretärs habe. Die§8 5— 8a werden debattekoS angenommen. Bei 8 9, der von der Befugnis des Reichskanzlers handelt, Zuschläge zu den Gebühren zu erheben sowie Grmästignugen zu gewähren, beantragt Dr. Ocrtel(k.) eines redaktionelle Aendernng und führt in seiner Begründnng ans, es wäre ihm bei allem Wohl- wollen, das der Reichskanzler als ehemaliger Landwirt der Land- Wirtschaft entgegenbringe, doch lieber gewesen, wenn diese Befugnisse gesetzlich festgelegt worden wären. Auf eiiie Anfrage des Abg. Dr. Arendt(Rp.) erwidert der Staatssekretär, die Postverwaltung werd- bei den sogenannten Hausanschlüssen keine Berteuerung, sondern Ermäßigung vornehmen. Der Rest der Vorlage wird in der Kommissionsfasiung an- genommen. ES folgt die zweite Beratung deS Gesetzentwurfs betr. die ge- meiusamcn Rechte der Besitzer von Schuldverschreibungen. 88 1— 9 und 10a— 13 werden debattelos, 8 10 nach unwesentlicher Debatte angenommen. 8 14 lautet: Die Befugnisse und Verpflichtungen eines Ver- treters, dessen Bestellung gemäß§ 118S deS Bürgerlichen Gesetzbuchs oder auf Grund einer bei Ausgabe der Schuldverschreibungen in verbindlicher Weise getroffenen Festsetzung erfolgt, werden durch die nach diesem Gesetze vorgenommene Bestellung eines Vertreters nicht berührt. Abg. v. Strombeck(T.) beantragt, die Worte von»oder auf Gnnid" bis.Festsetzung" zu streichen. Staatssekretär des Reichs-JustizamtS Dr. Rieb er ding be- kämpft den Antrag, der den Interessen der Gläubiger nicht ent- preche. Abg. B ü s i n g(natl.) hält die Worte für geradezu unentbehrlich und würde gegen das ganze Gesetz stimmen, wenn diese Vertrags- freiheit aufgehoben würde. Abg. Schräder(frs. Bg.) steht auf dem Standpunkte Herrn Büstiigs und meint, daß bei Annahme des Antrages Srrombeck auch der ganze ß 118S des Bürgerlichen Gesetzbuches aufgehoben werden müßte. Der Antrag Strombeck wird abgelehnt. 8 14 wird angenommen; desgleichen der Rest de» Gesetze». Nächste Sitzung: Montag 1 Uhr/z, Dr. Löwenthal für Magen- und Darmkranke von 10— ll>/z, Dr. Jacobsohn für Augenkranke von 12— l'/j, Dr. Marcus« für chirurgisch Kranke von 1—3 Uhr. Fcucrbcricht. Gleichzeitig mit dem großen Dachstuhlbrande an der Potsdamer Brücke war Freitag in der B l ü ch e r st r a tz e 23 in der im Keller belegenen Tapeziererwerkstatt von Zellhuber ein kleiner Brand abzulöschen, der durch Unvorsichtigkeit entstanden war, und den Lehrling Horstig schwere Brandwunden zufügte, so daß er nach dem Krankeiihause Am Urban geschafft werden mußte. Bald darauf wurde die Wehr. nach Du ucker st ratze 21 gerufen, wo gleichfalls ein Kellerbrand zu beseitigen war, der Stroh, Hobelspäne und Gcrümpel einäscherte. Frankfurter Allee 162 und Lehrter st ratze 48b gingen Betten und Möbel in Flammen auf. In der Nacht zum Sonuabeud erfolgte ein Ausrücken nach Schön- h a u s e r Allee 22 und bald darauf nach Nr. 58 derselben Stratze. In beiden Fällen war die Veranlassung geringfügig. Ein Alarm nach L 0 t t u m st r a tz e 13 betraf einen in Brand geratenen Holz- Haufen. Sonnabend früh war Melchior st ratze 23 noch ein unbedeutendes Feuer in einer Fabrik abzulöschen. Aus de» Nachbarorte». Schöncbcrg. Die Versammlung des Socialdemokratischen Vereins findet am 27. November im„Klubhaus", Hauptstr. 5/6, statt. Der Rcichstags-Abgeordncte August Bebel wird über„Die Ziele der Socialdemokratie" referieren. Hierzu wird am 26. November eine rege Agitation entfaltet werden, zu der die Parteigenossen zahlreich bei Obst, Gruuewaldstr. 110. erscheinen mögen, während die Ge- nosseir des 13., 14. und 15. Bezirks sich bei'Moll, Spouholzstr. 34, treffen. Lichtenberg-FriedrichSberg. Genosse Müller spricht Dienstag« abend im Wahlverein über„Der Marxismus und seine Zukunft". Pankow-Ricderschöuhauscu. Am Dienstag, abends L'/s Uhr t bei Störr, Mühleustr. 24, eine Vercinsvcrsanimlung vom hiesigen Arbeiterverein statt. Stadtv. R e tz e r a u- Nixdorf wird über:„Wer ist ein Socialdemokrat" referieren. Schmargcudorf. Am Dienstag findet die regelmätzige Ver« sammlung des Arbciter-Bildungsvereins im Wirtshaus Schmnrgeu- dorf statt.— Am Mittwoch: Herrenpartie. Ter Vorstand. Stcgliiz-Fricdrnau. Die nächste Versammlung des Arbeiter- Bilduugsvereius ist Dienstag bei Grube, Kaiser-Allee. Vortrag über „Das Milizsystem". I» Köpenick findet die nächste Versammlung deS Arbeiter» Vereins erst am Dienstag, 28. November, statt. Der Vorstand. Die Wahle» zum Gcwcrbcgcricht iu Rixdorf finden am Freitag, den 8. Dezember, für die Arbeitgeber, und am Sonnabend, den 9.' Dezember, für die Arbeitnehmer statt. Es sind vier Wahl- bezirke gebildet worden, in denen je 6 Arbeitnehmer und 6 Arbeit« gcver gewählt werden. Die vom Magistrat aufgestellten Wählerlisten liegen von jetzt ab in der Berlinerstraße 41, 2 Treppen, Zimmer 11, in der Zeit von früh 8 bis 1 Uhr mittags aus. Die nicht einge« trageneu, insbesondere die außerhalb Rixdörfs wohuenden. dort aber wahlberechtigten Personen haben gemäß§ 13 des Ortsstatuts inner- halb dieser Frist ihre Stimmberechtigung mündlich oder schriftlich bei der bezeichneten Stelle anzumelden, und zwar Arbeitgeber unter Beifügung einer Gewerbe-Anmeldungsbescheinigung oder der letzten Gewe'rbes'leuer-Quittung, die Arbeitnehmer unter Beifügung eines Zeugnisses des Arbeitgebers oder der Polizeibehörde, durch welcbcS bestätigt wird, daß der Arbeitnehmer seit mindestens einem Jahre innerhalb Ripdorfs in Arbeit steht oder wohnt. In Spandau sind bei der Wahl der Stadtverordneten II. Ab- teilung die Herren Hannemann, Peucker und Neinecke gewählt worden. Zwischen Fischer und Berkholz hat Stichwahl stattzufinden. Der Gemeiudebezirk Friedrichshage» zählt nach der am 4. November stattgehabten Personenstandsaufnahme 10 658 Ein- wohner. Es ergiebt dies gegen das Vorjahr eine Zunahme von 406 Seelen. Die Einwohnerzahl der in Friedrichshagen eingemeindeten Kolonie Hirschgarten beträgt 118. Der Bau der Rettnugsstatio» am Müggelsee wird von der neu- gegründeten Nettungsgesellschaft der Wassersportvercine Berlins und Umgegend demnächst in Angriff genommen. Dieselbe soll auf einer am Siidufcr des Sees univeit des Müggelgcmiindes bei Rahnsdorf befindlichen Landspitze ihren Platz erhalten. Aicher den nötigen Unterkunftsräumen wird auch ein 6 Meter hoher Aussichtsturm errichtet werden. Der Bau ciucr Habclbrücke bei Sacrow ist jetzt genehmigt worden. Sie wird in Zementbau ausgeführt und ist mit 16 000 M. veranschlagt. Die neue Kreischaussee von Spandau über Gatow und Cladow wird gerade ans diese Brücke zu führen. Die Sacrower Gemeinde hat zu dem Chaussceban erheblich beigesteuert. Auö Plötzcuscc sind wiederum zwei Strafgefangene entwichen. Tic beiden Ausreißer Stutier und Joring waren bei der Verzinkimg von Blecharbeiten im Inneren einer Baracke mit einigen fünfzig anderen Sträflingen beschäftigt und beiiutzten. während sie in einer -uiche arbeiteten, einen unbewachten Angcnblick, um durch das Fenstcr zu fpringen. Sie erreichten die nahe Mauer und kletterten mit Hilfe eines Strickes, den sie sich aus ihrem Bettlaken angefertigt hatten, über sie himveg. Beim Herabspringcn verstauchte sich Stutier den Futz und konnte sich nur bis zum nahen Spandauer SÄiffahrts- knnal schleppen. Hier wurde er. im Begriff, sich den verletzten Fuß zu kühlen, ergriffen. Sein Kumpan Joring hat das Weite gesucht. Das Harbuigcr Gcwcrkschaftökartcll ist kein„Verein". Bon ganz erheblicher Bedeutung ist der Ausgang eines Strafvcr- fahreus, das gegen den Genossen S ch m i d t ch e n als dem Geschäfts- führer des G e w erksch a s ts k a r t e lls in Harburg ein- geleitet worden war. Schmidlchcn sollte den Z2 des VcreinsgesctzcS übertreten haben. Es war die Frage zu entscheiden, ob S. verpflichtet gewesen wäre, Statuten und Mitgliederverzeichnis des Kartells der Polzeibehörde einzureichen,' weil das Kartell ein Verein sei, der auf öffentliche Angelegenheiten ein- wirken wolle. Das Schöffengericht bejahte die Frage und ver- urteilte S. zu 20 M. Geldstrafe. Das Berufungsgericht in Stade sprach jedoch den Angeklagten mit folgender Begründung frei: Das Kartell ffctzte sich zusammeii aus den Delegierte» der in ihm vereinigten gewerkschaftlichen Organisationen und cnio den jeweiligen Vorsitzenden jeder öffentlichen Or- gaiilsation. Es zähle 64 Mitglieder. Die Delegierten zum Kartell würden von den beteiligten Organisationen lil ordentlichen Mitglieder- Versa m in luii gen gewählt. Die Wahl erfolge für ein Jahr, jedoch stehe es den be- teiligten Organisationen frei, jederzeit ihre Delegierten ziirüchznzichcn und sofort durch andere zu ersetze». In den allmonatlich statt- findenden Kartellversaimnlungeil würden Beschlüsse gefaßt, und die >nn Kartell beteiligten Gewerkschaften seien verpflichtet, die vom Kartell im Sinne des Regulativs gefaßte» Beschlüsse aus- zuführen. Unter diesen hier angeführten Um- ständen sei das Kartell überhaupt kein„Verein" im Sinne des Vcreinsgcsetzcs. Unter einem„Verein" sei eine Vereinigung mehrerer zur Verfolgung gemeinschaft- Iicher Zwecke zu verstehen. Unter mehreren könnten aber smngcniäß nur physische Personen verstanden werde». Hier feien nun aber die Mitglieder des Gewerkschaftslartells nicht physische Personen, sondern die Gewerkschaften ) e l b e r. Einer Vereinigung von Delegierten mehrerer Gcivcrkschafts- Organisationen köiinten mit Recht die Eigenschaftc» eines Vereins abgesprochen iverden, wenn die Delegierten lediglich beauftragt seien, die zur Vereinigung gehörenden Gewerkschaften in den einzelnen Versammlungeii zu vertreten, gvenn an Stelle des jeweiligen Delegierten zu jeder Zeit andere Vertreter gewählt werden können und wenn die Vereinigung Außerhalb der allmonatlichen Versammlungen nicht thätig werde.— Die Staatsanwaltschaft legte gegen' dieses Urteil die Revision ein. In der mündliche» Verhandlung vor dem Kammer- fgericht wurde der Angeklagte durch den Rechtsanwalt Dr. v. Olders- Hause» aus Haniburg vertreten. Der Strafsenat verwarf in leiner letzten Sitzung die Revision der Staatsanwalt- cschaft mit folgender Begründung: Das Landgericht habe dem Gewcrkschaftskartcll in Harburg mit Recht unter den von 's h m t h a t s ä ch l i ch f e st g e st e l I t e n Umstände» die Eigen- jschnft eines ,. V e r e i n s" abgesprochen. Wenn mit Rücksicht auf die hier vorliegende Bereinigung uichrcrer Vereine gelegentlich auf .den(; 8d des Vereinsgesetzes verwiesen worden sei. dann sei dem «..ngegen zu halten, daß der§ 8 nur das Jnvcrbindungtretcn politischer Vereine verbiete. Als politische Vereine seien aber die im vorliegenden Falle vereinigten 26 Gewerkschaften nicht anzusehen. Tie grundsätzliche Frage, ob und in wieweit der Redactenr .einer Zeitung verpflichtet ist. die Berichtigung einer Be- p i ch t, g n n g aufzunehmen, beschäftigte gestern die achte Straf- k, immer des Landgerichts I. Die„Vossische Zeitung" brachte in ihrer ?> ummer 261 vom 0. Juni einen Bericht über eine in den Germania- fulen stattgehabte Versammlung, in welcher cS zu heftigen Auftritten zwischen dem Vortragenden, Nalurhcilkundigen Max Canitz, und dem praktischen Arzt Dr. Echtermeyer gekommen>var. Ter Bericht rührte von Dr. Echtermcyer her. Max Canitz sandte darauf auf Grund des K 11 des Preßgesetzes eine Berichtigung ein, die auch Aufnahme fand. Als darauf Dr. Echtermeyer eine Berichtigung dieser Berichtigung verlangte, lehnte Herr Stephany dies ans formellen und principicllcn Gründen ab. In der Berichtigung des Arztes war ein beleidigender Satz enthalten. Die Folge war eine Anklage wegen Ucbertrctung des Z 11 des AKcßgcsctzes. Das Schöffengericht sprach de» Beschuidigtcn frei, iveil w in gutem Glauben gehandelt habe, ordnete aber die nachträgliche Aufnahme der Berichtigung des Dr. E. an. Wegen dieses Umstandes >atte Herr Stephany Berufung eingelegt. Das Gericht erkannte unter Aufhebung des erste» Urteils und Freisprechung des Be- Ichuldigten an, daß der letztere auch zur nachträglichen Aufnahme der Berichtigung nicht verpflichtet sei. Der Grundgedanke des§ 11 sei her: es solle das rein formelle Recht eines Angegriffenen, sich zu verteidigen, gewahrt werden. Da hier Herr Dr. Echtermcyer den ersten Artikel verfaßt hatte, so stand das formelle Recht einer Be- Richtig,»ig Herrn Canitz zu und die Sache war damit erledigt, da beide Teile gehört worden waren. Eine Konstellation könnte sich linr dann ergeben, wenn etwa der Redactenr, über die Berichtigung hinausgehend, noch iveitcre Bemerkungen daran knüpft. Der An- geklagte war daher zur Aufnahme eines neuen Artikels des Dr. Echtcnncyer nicht verpflichtet— abgesehen hiervon war er aber zur Ablehnung der Aufnahme der Berichtigung unter allen Um- ständen auch aus dem Grunde berechtigt, weil sie einen strafbaren Inhalt hatte.— Die Kosten des Verfahrens wurden der Staatslaffc auferlegt. 5n dachen der Gcsindcfklaverei hat das Kammergericht eine wichtige Entscheidung gefällt. Wegen Vergehens gegen die§8 11 tnid 12 der Gesinde- Ordnung war eine Frau Schiwcck angeklagt worden, weil sie den früheren Knecht Schirmer mit bestimmten Bau- arbeiten beschäfsigt hatte, ohne sich von ihm vorher nachweisen zu lassen, daß er den Dienst bei seiner„letzten Herrschaft" rechtmäßig verlassen hatte. Thatsächlich hatte der junge Mann seinen Gesinde- Dienstvertag nicht innegehalten, sondern den letzten Dienst vorzeitig verlassen, nach Annahme der Behörde„ohne genügenden Grund". Frau Sch. wurde vom Schöffengericht zu einer Geldstrafe verurteilt und das Landgericht wies ihre hiergegen eingelegte Berufung als linbegriindet zurück. Die Angeklagte griff dann noch zu dem Rechts- mittel der Revision und machte geltend, daß die angezogenen Bestimmungen gar nicht auf ihren Fall anzuwenden seien. Die§§tl und 12 der Gesinde- Ordnung bezögen sich nur auf Gesinde, das v o n n e u e m in ein Gcsindedienstverhältnis trete. Schirmer habe tzun aber bei ihr keinen„Dienst" nn Sinne der Gesinde» Ordnung genommen, sondern sei lediglich mit. gewerblichen Bau- arbeiten beschäftigt worden. Das Kammergericht schloß sich dieser Auffassung an und sprach die Angeklagte unter Aufhebung der Vorentscheidung frei. Eine harte Strafe traf eine arme Frau, welche ihr zur leih- weisen Benutzung überwiesene Sachen unterschlagen hatte. Sie wurde mit sechs Wochen Gefängniß bestrast. Der Strafantrag ist vom Armenamt XII gestellt worden. Vevfctmmlungen. Die Parteigenossen des dritten Wahlkreises nahmen am Freitag den Bericht ihrer Delegierte» vom Parteitag entgegen. Vorher ging die Berichterstattung über die Provinzialkönferenz, an die sich keine wesentliche Debatte knüpfte. Zu einer längeren und lebhaften Aussprache kam es dagegen im Anschluß an den Parteitags- bericht, welchen die Delegierten Hinz und Wagner erstatteten. Letzterer behandelte ausführlich die Bernstein- und Schippel-Debatte. Unter andenn führte der Redner aus, er und sein Mitdclegicrter hätten nicht für den dritten Punkt der Bebelschen Resolution und deshalb konsequenterweise auch gegen die ganze Resolution gc- stimmt, denn sie hätten sich nicht für die preußischen Landtagswahlcn festlegen wollen. Redner bemerkte aber, daß er, und wie er glaube auch sein Mitdelegierter, nicht unter allen Umständen gegen ein Zu- sammengehen mit bürgerlichen Parteien seien, aber für die preußischen Landtagswahlen sei ein solches Zusammengehen nicht zu bcfiir- Worten. Das Verhalten der bayrischen Genossen bei den Landtags- wählen sei dagegen zu billigen, denn sie hätten— das sei durch die Aussprache auf dem Parteitage festgestellt worden— durch die von ihnen befolgte Taktik ihren Einfluß im Landtage wesentlich ver» größert. Zur Debatte über den Militarismus bemerkt der Redner, die theoretischen Ausführuugen, die Schippe! über diesen Punkt ge- macht habe, seien ja ganz interessant, aber zu verurteilen sei die Art, wie Schippe! in seinem bekannten Aufsatz die Partei und einzelne Führer derselben heruntergerissen habe. Weiter erklärt der Redner, daß beide Delegierte für die Wiederlvahl AuerS zum Parteisekretär und auch für Metzner als Coutroleur gestimmt haben. Zum Schluß giebt Redner seiner Meinung dahin Ausdruck, daß der Verlauf des Parteitages die Einigkeit in unserer Partei hinsichtlich aller wesentlichen Punkte bekundet habe. Die Bernstein- Debatten hätten uns nicht geschadet, hoffentlich würden wir jetzt aber mit theoretischen Debatten längere Zeit verschont bleibe», damit wir ungehindert die praktische Arbeit betreiben können. sBravo.) Fröhlich erklärt sich mit dem Erfolg des Parteitages nicht zufrieden. Selbst das, was man von dem Parteitage erwarten konnte, sei nicht erfüllt worden. Trotz der Leitartikel des „Vorwärts", die in ostentativer Weise die Einigkeit in der Partei betonen, sei ein tiefer Riß in der Partei vorhanden, der nicht ctiva Ivcgcn Kleinigkeiten, sondern ivege» tiefgehender Differenzen hinsichtlich des Programms entstanden sei. Die Nesolntio» Bebel habe diefen Riß nur verkleistert. Wenn auch die Bcrnstciniancr nicht offiziell gesiegt haben, so sei doch die radikale Socialdcmokratie auf der gainen Linie geschlagen. Die Resolution Bebel werde am besten dadurch gekennzeichnet, daß selbst Bernstein erklärte, er könne für dieselbe stimme». Vo» Bebel hätte Redner eine andere Resolution erlvartet. Diese Resolution sei ein Kompromiß an die Kompromißler. Bebel fei wegen seines Eintretens für die preußischen Landtagswahlcn auch fchuld an dem Opportunismus, der in der Partei eingerissen sei. Bebel habe seit dem Kölner Parteitage sich so gemausert, daß die Parteigenossen Puppen wären, wenn sie alle die Wandlungen mitmachen wollten.— lieber den bayrischen Kuhhandel habe sich auf dein Parteitage lcidxr keine Stimme der Eni- rüstung erhoben. Redner müsse erkläre», es sei nichts als eine ganz erbärmliche Schachcrpolitik, was die bayrischen Genossen betriebe» haben. sVorsitzender Fritz ersucht den Redner, die bayrischen Genossen, die sichhicr nicht verteidigen können, nicht zu beleidigen.) Fröhlich vcrivahrt sich dagegen, denn er habe niemand persönlich angegriffen. Dann geht der Redner auf die Ausführungen Auers ein.' Nicht unsere er- bittcnstcn Gegner hätten so über unser Endziel gespottet, wie Auer. ES sei eine Perfidic, so gegen Bebel vorzugehen, wie es Auer gethan habe. Sei das eine Art, so unser Endziel zu vcrhohnepicpcln? Die Folge von Auers Auftreten habe sich ja bei der VorstandSwahl gezeigt. Die gegen Auer abgegebenen Stimmen seien das einzige Herzerfrischende gewesen, was der Parteitag überhaupt gethan habe. Wie Auer, so habe auch Heine die Art, die Genossen, welche nicht seiner Meinung sind. durch Satire und faule Witze zu treffen. Redner drückt seine Entrüstung darüber aus, daß der„Süddeutsche Postillou" einen illustrierten Witz gebracht habe über die von Rosa Luxemburg gemachte. Bemerkung:„Wen» man die Kleiderbürste unter die Säugetiere einreiht, so wachsen ihr deshalb noch keine Milch- drüsen."— Heine habe auch Rosa Luxemburg lächerlich zu machen gesucht. Es sei ja begreiflich, daß Heine nicht gut auf Rosa Luxem- bürg zu sprechen sei. nachdem sie ihm sHcine) in den Arminhallen eine so famose Abfuhr habe zu teil werden lassen.(Oh, oh I Gc- lächtcr.)— Heine habe auf dem Parteitage gesagt, daß er in jener Versammlung, Ivo er zum Reichstags-Kan'didaten proklamiert wurde. seine vielbesprochene Acußerung zu den Militärforderungcn gemacht habe, daran sei nicht er, sondern der Fragesteller schuld, der ihn zu der Aenßcrung provoziert habe. Diese Entschuldigung Heines sei nnmännlich, um nicht zu sagen kindisch.— Daß die Delegierten des Kreises so klug gewesen seien, gegen die Resolution Bebel zu stimmen, sei erfreulich, aber bedauerlich sei, daß sich Wagner für Konipromissc erklärt habe. Auf einen Zuruf ans der Versammlung:„Praktisch mitarbeiten", erwidert der Redner, er hoffe, daß der Zivicspalt unter den Genossen des dritten Kreises ein Ende nehmen und es den Vertretern der Minorität möglich sein tverde, mit der Majorität praktisch.zusammen zu arbeiten. Das Recht der Kritik werde sich aber die Minorität nicht nehme« lassen.— Dazu bemerkt Fritz, der Ton, den Fröhlich ongcschlagc» habe, klinge gerade uicht versöhnlich. Fröhlich sei auch heute wieder darauf zurückgekommen, daß Heine die Fragestellung in jener Kandidatur-Verjaiiimlung als„Ungezogenheit" bezeichnet haben solle. Fröhlich müsse doch wissen, daß dieser un Stuttgarter Protokoll enthaltene Ausdruck schon vor längerer Zeit als irrtümlich iviedergegcben bezeichnet worden sei und daß Fritz selber festgestellt habe, daß Heine nicht von„Ungezogenheit", sondern von„Unbcschcidcnhcit" gesprochen habe. Hierauf erhält Heine das Wort: Die Angriffe Fröhlichs könne er nicht allzu tragisch nehmen. Des Redners Stellung zu den von Bernstein angeregten Problemen sei den Genossen bekannt, sie wüßten, daß er in vielen Punkten Bernsteins Ansicht nichts teile, besonders uicht die, daß wir unseren Namen ändern und unser Programm so einrichten solle», daß es auch den bürgerlichen Parteien gefalle. Der Mangel der ganzen Beriistein-Debatte sei der, daß nicht genügend betont wurde, worin Beriiftein mit uns einverstanden ist. Man habe nur immer die Punkte hervorgehoben, in denen Bernstein von uns abweicht.. Man hätte uichl schreien sollen, Bernstein sei in- konsequent, seine Ansichten seien unklar souoern man hätte sich freuen sollen, daß Bernstein trotz seiner abweichenden Meinung in vielen Punkten mit unö übereinstimnit. TaS habe auch Wagner in seinem Referat nicht berücksichtigt. Wenn Wagner den Genossen David als einen Theoretiker bezeichnete, der keine praktischen Erfahrungen habe, so treffe daS nicht zu. David habe in Hannover viel Wertvolles gesagt, besonders über die ländlichen Verhältnisse, die er(David) aus eigner An- schaiiuiig kenne. David habe nicht, wie Wagner sagte, die Tarif- gemeinschaft der Buchdrucker als eine sociale Errungenschaft be- zeichnet. Davids Ausführungen seine vielmehr dahin gegangen, daß das Princip der Vereinbarungen zwischen Arbeitern und Unter- nehmen, dem Princip der kapitalistischen Hcrrenauffassung entgegen- trete.— Fröhlich habe nun von einem siefen Riß in der Partei ge- sprochen, der durch die Resolution Bebel nur überkleistert worden fei. Es möge dahingestellt sein, ob diese Aenßernng Fröhlichs klug sei in einer Zeit, wo die Arbeiterschaft im Kamps gegen die Zuchthausvorlage steht, den» schwersten Kampf, den ivir seit dem Socialistengesetz gegen eine Gesetzesvorlage durchzufechten haben, und angesichts des Umstandes, daß wir, wenn die Zuchthausvorlage abgelehnt wird, mit einer Neuwahl zum Reichs- tage im Frühjahr zu rechnen haben. Die Ausführungen Fröhlich? seien nicht nur bedenklich, sondern auch falsch. Risse mögen vor- Händen sein, soweit eS Leute unter uns giebt, die sich nicht ein- ordnen wollen in das große Ganze der' Partei. Solche Un- zufriedene werde es stets geben. Das beiveise aber noch nicht, daß die Partei uneinig sei. Redner sei durch die Ver- Handlungen in Hannover überzeugt, daß unsere Partei in allem. worauf es ankommt, vollkomnien einig sei. Von allen Seiten sei betont worden, daß wir weder vom Programm abweichen, noch unsere Politik ändern wollen. Wer vor dein Parteitage die Artikel in der Presse las. welche betonten, wir müßten unsere alte revolutionäre Taktik wieder herstellen, der habe wohl, wenn er mit den Parteivcrhältnisscn nicht vertraut war. glauben können, es folle die gewaltsame Revolution befürwortet werden. Demgegenüber müsse betont werden, daß die deutschen Arbeiter gar nicht an blutige Revolution denken, sondern daß sie auf friedlichem Wege ihre Ziele erreichen wollen. Hierin seien alle Ge- nosscn auf dem Parteitage einig gewesen, auch die, welche man als Radikale bezeichnet. Auch über die im Emaneipationskampfe anzu- wendcnden Mittel, ob gewerkschaftliche, politische oder genofsenschast- liche Bewegung, seien alle einig geivcsen, ivenn auch der eine diesem, der andere jenem Mittel den Vorzug gab. Einigkeit habe darüber geherrscht, daß alle diese Mittel angewendet Iverden. müssen.' Ucberhaupt sei der Parteitag in allen praksischen Fragen einig gewesen und das sei doch das wichtigste.— Redner geht nun auf die Debatte über unsere Stellung zum Militarismus ein. Geier habe auch über feine sog. Kanonenrede gesprochen, und er sei deshalb, obwohl er früher gesagt habe, er werde auf diese An- gelegenheit uicht mehr eingehen, doch verpflichtet gewesen darauf zu antworten. Daß er in Stuttgart nicht den Ausdruck Ungezogcuhelt. sondern Ilnbefchcidenheit gebraucht habe, das habe Redner selber zu Fröhlich gesagt. Unbefcheiden sei es aber, wenn dem Redner/ die Frage nach seiner Stellung zur Religion vorgelegt wurde/ Fragen an den Kandidaten zu stellen, sei natürlich das Recht der Genossen, und der Kandidat habe die Pflicht, darauf zu antworten/ Wenn aber die Erörterung einer bestimmten Frage inopportun sei,. so habe der, welcher die Frage stellt, aber uicht der, welcher sie pflichtmäßig beantwortet, die Schuld an der Erörterung. Für seine- Ansicht über die betreffende Frage trage Redner selbstverständlich die Verantwortung, die er auch nicht von sich weisen wolle. Seinr Ansicht hinsichtlich der Landesverteidigung sei die, daß zwar nicht wir, die wir heute leben, wohl aber unsere Partei einmal in die Lage komme» könne— beispielsweise bei einem Ucbcrfall durchs Rußland— Mittel für die Landesverteidigung zu bewilligen. Doch das sei Zukunftsmusik. Heute brauche man nicht darüber zu sprechen. Der Ton, in dem Fröhlich über Auer gesprochen, sei nicht' an- gemessen. Die Rede Auers habe auf die Hörer nicht den Eindruck einer furchtbaren Beleidigung und Ehrcnkränkung Bebels gemacht, sie sei durchaus angebracht gewesen. Bebels Rede sei im Anfang sehr sachlich' und gemäßigt gewesen, sie habe sich aber gegen das Ende hin so aggressiv zugespitzt, daß diejenigen. welche sich über den ersten Teil der Rede freuten, über den Schluß wenig erfreut waren. Auer sei. nachdem die Debatte schon einmal� geschlossen war, gewissermaßen wider Willen zum Wort gekommen/ dann habe er aber alles, was er auf dem Herzen hatte, gesagt, und das könne ihm Redner nicht übel nehmen. Auer habe sich seiner Aufgabe in humoristischer Weise entledigt, daß er Bebel in heimtücki- scher Weise augegrifie» habe, davon könne keine Rede sein.— Frau Zctkiir habe in der„Gleichheit" den Staudpunkt vertreten, daß man die, die nicht ihrer Ansicht sind, zwar nicht aus der Partei aus- schließe, daß man aber eine Resolution annehme, die ihnen daS Verbleiben in der Partei unmöglich mache. Frau Zetkin habe also planmäßig aus eine Spaltung hingearbeitet. Jahrelang habe sie bestimmte Genossen, die ihre Ansicht nicht teilten, angegriffen. DaS sei nicht schön gewesen. Wenn Auer sich nun dagegen wandte, so habe er recht gethan.(Fröhlich ruft: Wie macht cS denn der„Vorwärts"?) Der denkt gar nicht daran, so etwas zu thun. Im Gegenteil. Dem„Vorwärts"'wird ja immer der Vorwurf ge- macht, daß er nicht scharf genug Stellung nehme gegen abweichende Meinungen.(Sehr gut!) Auer habe nicht, wie ihm vorgeworfen werde, unser Endziel verhöhnt, er habe mit der betreffenden Aeußerung nur Stadthagen verspottet.— Weiter sagt Redner, er solle sich auch darüber verantworten, daß er Rosa Luxemburg nicht zärtlich genug behandelt habe. Fröhlich wolle ihm aber Absolution erteilen, wenn die unzarte Behandlung die Folge der Abfuhr war, welche Rosa Luxemburg dem Redner habe zu teil werden lassen/ Nun, wenn die Art. wie Rosa Luxemburg m jener Versammlung abgeschnitten habe, eine Abfuhr des Redners gewesen sein solle, dann niüsse er sage», diese Abfuhr habe ihm nicht wehe gethan.— Run sei noch ei» ernster Punkt zu erörtern. Ein Teil der Delegierten' habe das Auftreten Auers als Vorwand benutzt, um gegen ihn zu stimmen. Als Vorwand— denn den Betreffenden seien wohl die Anschauungen Auers nicht genehm. ES sei das Nndemokratischte, was man sich denken könne, wenn gesagt werde. Auer sei ja auf seinem Posten eine tüchtige Kraft, aber er habe eine Lektion bekommen sollen. Das sei dieselbe Tyrannei, welche die Unternehmer auf die Arbeiter aus- übe», wenn sie die letzteren deswegen in ihrem Erwerb schädigen. iveil sie rückhaltlos ihre Meinung sagen.— Redner schließt mit der Bemerkung, cS sei nicht nur wahr, sondern auch nötig, daß unsere'Partei vollkomme» einig dastehe, was ja in Hannover zum Ausdruck gekommen sei: Wenn hier in diesem Wahlkreise eine Uneinigkeit zu bestehen scheine, so mache das nach außen hin keinen guten Eindruck. Es sei erfreulich, wenn Fröhlich meine, eS werde sich ein Weg finden, um ein praktisches Zusammenarbeiten aller Parteigenossen zu ermöglichen. (Lebhafter Beifall.) Jahn beantragt hierauf, seine Angelegenheit, die schon m der vorige» Parteivcrsammlnng behandelt lvurde, betreffend einen von ihm verfaßten, aber vom„Vorwärts" nicht aufgenommenen Bericht, jetzt, in Gegenwart HeincS, der nicht länger verweilen kann, zu be- spreche». Die Versammlung entscheidet sich aber dafür, daß m der Tagesordnung fortgefahren werde. Dan» erhält P ö tz f ck, das Wort, der sich im wesentlichen den Ausführungen Heines anschließt. Wilhelm spricht ungefähr im Sinne Fröhlichs, ist aber im Ton Noch etwas derber. Seine Ausführungen werden mehrfach durch unwillige Zwischen- rufe unterbrochen. große allgemeine Entrüstung erregt es. als der Redner jagt. Auer hätte von seinem Posten verschwinden müssen, er könne ja seinem früheren Gewerbe nach- aelfen.— Franc spricht wieder über die Vorgänge in jener Ver- sammlung, wo Heine als Kandidat aufgestellt wurde, und sucht seine Fragestellung an Heine zu rechtfertigen, wobei er ans dem Absatz 6 unseres Programms nachzuweisen versucht, daß jemand, der ei» Ehrenamt in unserer Partei einnimmt, wohl Religion haben, aber 'keiner religiösen Gcnicinschaft angehören dürfe.— Fritz verbreitet sich über Bernsteins Ansichten.' Ferner mißbilligt er es, daß Geier auf dem Parteitage die Kanonenfrage angeschnitten habe, denn als Fraktionsmitglied habe Geyer wissen müssen, daß die bezüglichen Aeußcrungen HcineS nur Zukunftsmusik waren, die kür die Gegenwart keine Bedeutung haben. Redner verurteilt auch pie Abstimmung gegen Auer bei der VorstandSwahl. Eine Resolution folgenden Inhalts wurde angenommen: Die Parteigenossen des dritten ReichStags-Wahlkreises erklären sich mit den Beschlüssen des Parteitags und mit der Haltung ihrer Delegierten einverstanden. Sie verpflichten sich, mit aller Kraft für die Verwirklichung unserer Ziele einzutreten. Abgelehnt wurde eine von Fröhlich und Franc eingebrachte Resolution, welche besagt, der Parteitag habe hinsichtlich der von Bernstein vertretenen Ansichten keine Klärung geschaffen. Börner bemerkt, durch Annahme der ersten Resolution habe die Versammlung sich auch für die Landtagswahlcn ensschieden, da sie sich mit allen Beschlüssen des Parteitages, also auch mit dem. Punkt 3 der Bebelschen Resolution einverstanden erklärte. (Widerspruch.) Wagner nimmt das Wort zu einigen Richtig- ftellungen. Er bemerkt gegenüber Heine, mit Bernstein könne man sich in keinem Punkt einverstanden erklären. Redner begreife nicht, bo�j trtf.n Vciusiciii, der ,nrs durch seine Diskussion vor den Reichs- tnKstvahkeu Knüppel Mischen die Vciue gcivorfeu Hobe, noch hcrclns- reisieu wolle. Weiter wendet sich Redner uwrcr lebbufter Ziiftürmtiuig der Bersnnunlmui �epeu die Auer detrcsfeude Pcincrkung W-ikhelurs solche gcHcn Fröhlich, Letzterer kritisiert die Ecschäfissührüng des Bureaus, tpeik dasselbe Wagircr, welcher ihm sFriihlichp Borniertheit vorivach, nicht zur Ordianig rief, wahrend er selber toegerr der gauz un- persönlichen Peirßermrg über die bayrische Angelegenheit zur Ordnung gerufen lvorden sei. Um 1 lihr tvurde die Versaimilkting geschlosiew Im Wahlpere«, snr don svnftkn Pcrlincr Ncichstngs- WttNkreis hielt am l?, d. M. Dr. Frendenberg eine» sehr inier- essamen, Ichneklicn»nd darum von der Bersammkimg recht dankbar aufgenommenen Vortrag über: Die Prostitution als sociale Krankhcits- erschcinikug und als Gefahr für die Pokksgcsiindheit. Redner bekämpfte die insbesondere von Professor Farnvwsky vertretene Ansicht, wonach die ProstitMon ans lasterhafte Anlagen oder erbliche Belastung znrück- ztlfiihren sei inid mit der mnterieklcn Lebenslage des Volkes in nur sehr losem Znsammcnhang gebracht werden könne, durch den Hinweis ans die statistisch festgestellte Thalsache, da st die Prostituierte» fast nur ans- schlicstlich Proletarierinneil feien. Und wie die ansterordcnUich geringe Enkkol««»ff der Arbeiterinneu, Saisonarbeit usw. diese zwinge, den Wcg der Proslikiition als letztes Nettungsniitkel zu wählen, wurde treffend ans den Berichten der Fabrikiuspcktoren in Deutschkand. ivie ans dem Buche der Frau Gnank- Kühne, einer Kcnnerin der Arbeiterin,-eiwerMtitisse, bewiesen, Anch beim Streik der Berliner Konfektionsarbeiterinne» sei bekanntlich festgestellt, wie sehr gerade hier die Prosliintian eine» sehr w: Mi gen Nebenerwerb bilde. Die Kaseriü-nunig Pordelle) und die Aichiibnng der polizeilichen Kontrolle über die Prostituierten verwirft der Redner. Denn erster« feie» Instituts, tu denen die Mädchen schamlos ausgeivnchert würden, während die„Kontrolle" bei den Männern ein Gefühl der Sicherheit acgeu Ansteckung erzeugt, die in Wirklichkeit, wie jeder Arzt weist, durch die Kontrolle nicht verhütet wird und die ja ansterdem die austerordentliche Zahl der nicht mitcr Kontrolle stehenden Mädchen nicht trifft. Der Referent fas.te fein Urteil dahin zusammen, dast die wirtschaftliche und geistige Hebmtg unseres Lölkes, sowie die iveiteste Anfttärimg über die Geiahren der Geschlechtskrankheiten die sicherste Einschränkung dieser gefährlichen Seuche znr Folge haben würde. Ilutcr B e r e i n s a it g e l e g e n h e i t e u ivird Doli zum Gruppenführer der IV. Abteilnug gewählt und bekannt gemacht, daß das Parreitags-Protokoll in den Zahlstellen zn haben sei, sowie auch BillekS zum Besuch der„llronia" am g. Dezember. Nach Erledigung einiger Nebensächlichkeiten wurde die gut besuchte BersaUnnliiiig ge- schlössen, TcMschcr Hokzorbciter-Pe'.'baild. Eine von 800 Vertrauens- Mnirern besuchte Versamniknng sämtlicher Lczilcke lind Branchen tagte am 15. d. M. bei Eohn, Vcuthstrastc. Zu dem Protokoll von der letztenBersmunilirng bemerkte Glocke, dast eine Sitzung mit den Äorständen der Maschinenarbcitcr mtd der Möbclpolicrcr statt- gefunden hat, aber cm Nnfckilnst an den Verband nicht herbeigeführt loerdcn konnte. Immerhin ist ein solcher für später in Aussicht gc- stellt und eine engere Fühlung bei Streiks vereinbart worden. In betreff des Boykotts der Hvkzbearbeitnngs-Fabrik von Schulz lt. Zcrpahti, Bellc-Alliaiieeftr. 84, teilt Glocke' mit, dast die Preise auf Benutzung der Maschinen zu gleicher Zeit in ganz Berlin erhöht wurden. Aus diesem Grunde konnte der Boykott nicht als Ver- bands fache behandelt werden und bleibt die Sache den Kollegen im Bezirk„Westen" überlassen. Sodann sprach Glocke über:„Lohn- und Accordarbcit." Dieser Punkt ist deshalb auf die Tagesordnung gesetzt, um die Kollegen einmal zn hören.>vie sich dieselben znr Einführung der Lohnarbeit stellen. Es must hierüber eine Aussprache stallfinden, damit, wenn die Konjmiktllr sich hält und die Kollegen vielleicht wieder in eine Lohnbewegung treten, inaii sich darüber klar ist, ob die Forderung Vo Lohnarbeit durchführbar sei oder nicht. Einen akadetltischeu jcdrtrag darüber zn halten sei nicht nötig, denn soviel weist ein wier Arbeiter, dast die Lohnarbeit auch eine verschiedene ist, auf Tagelohn. Wochenlohit und Lohnarbeit mit Gelviltlibeteiliguilg. In unserem Berufe existiert die Accordarbeir int grosteu lind gnuzeii und hat sich die Accordarbcit zum Teil timucr mehr ausgebildet; mau sollte mm aber meinen, dast durch die TeUiliig der Braucheu und die Specialisierung der cinzclncu Jll�'cit die' Lahuarbcit mehr und mehr cingeführr würde, aber gerade das Gegenteil ist ein- getreten. Gerade tu den Speeial-Werkstätteit werde der grösttc Widerstand bei der Einführung der Lohnarbeit und Abschaffung der ?lccordnrbcit imter den Meistern sowohl wie unter den Kollegen zu finden sein. In den besseren Werkslättön wird zum grostcn Teil schon auf Lohn gearbeitet und in den Werkstätten, Ivo nach Zeich- tiuug gearbeitet wird, ist die Einführung der Lohnarbeit leichter als irgend wo anders, da dadurch schon das jedesmalige Aerordteren bei einer neuen Zeichnung fortfällt. Die Haupt- frage ist nun die, ob die Kollegen selbst gewillt sind, die Äccordarbeit abzuschaffen, denn eS ist mm mal Thatsache, Accordarbcit ist Mordarbeit. Aus diesen Gründen ersucht Nedner die Bcr- traueusmänner, sich darüber auszusprechen, ob ihre Kollegen für die Einführung der Lohnarbeit sind; ob es überhaupt möglich ist, dieselbe einzuführen, in welcher Form dieselbe durch- siihrbar ist und wie sich eventuellen Falls die Meisterschaft dazu stellen könnte. In der Diskussion äiitzcrte sich ein großer Teil der Nedner für Beseitigung der Äccordarbeit. Kollege Guth äusterte sich dahingehend, dast die Lohnarbeit seht gut einzuführen ginge, wenn die Kollegen es wollen. Aber ein großer Teil der Kollegen ist immer noch der Ansicht, dast sie bet Äccordarbeit mehr Freiheit besitzest; dast diese Fretheii nicht weit her ist, beweist, daß die Kol« legen sich selber zur Arbeit antreiben, um nur zurccht zu kommen. Leider ist das übliche„Blaumachen" immer noch Mode, waS selbst« verständlich bei der Lohnarbeit in Fortfall komme, die Kollegen sollten aber auch mal bedenken, dast. ivenn sie sich die Arbeitszeit selbst festsetzen, der Arbeitgeber auch verlangen kann, dast dieselbe inne- gehalten ivird. Schlieszlich erklärte sich die Versammlung mit folgendem Vorschlag eiiiverstaiiden: Der Ortsverwaltung bleibt es überkaffen, weitere Schritte in dieser Frage zu unteriiehinen. Es sind demnach in den verschiedenen Bezirken größere Braitchenversammlniigen einzuberufen, damit sich die Kollegen über diese Frage selbst änstern können. Ansterdem sollen Fragebogen in den Werkstätten cirkulieren. In betreff der Eiitsetzer-Tarife sprach Korkosky. Derselbe setzt der Versammlung auseinander, wie die Tarife zu stände gekommeit sind, die sich in Händen der Meister befinden. Danach hat ein Einsetzer von dem Lokalverein den Obermeister davon in Kenntnis gesetzt und haben sodann beide Teile darüber beraten, ohne die Einsetzer des Verbandes davon in Kenntnis zu setzen und bei diesen Beratungen hinzuzugieheii. In der Diskussion sprach sich ein Teil der Nedner dahin aus, dast die Vertrauensleute verpflichtet sind, darauf Obacht zu geben, von welcher Seite gesündigt wird. Austerdem, solltest Kollegen aus der Werkstatt auf den Bau geschickt werden, so haben die Vertrauensleute oder Kollegen sofort Meldung nach dem Arbeits- Nachweis zu geben. Gleichzeitig ist hierbei anzugeben, was gezahlt wird, und ob eS nicht möglich ist, dast Einsetzer diese Arbeit machen könnten. Rixdorf. In der Versammlung deS Rixdorfer Gewerkschafts- kartells, welche am 15. d. M. Steinmetzstr. 55 stattfand, referierte zunächst Genosse Stadtv. Wach über Gewerbegerichte; er behandelte in ausführlicher Weise die Grsetzesparagrapheu sowie die praktische Fragen zum Gowerbegericht und forderte die Anwesenden auf, in ihren Berufen unermüdlich zu agitieren, damit bei der demnächst stattfindenden Wahl sämtliche vom Gewerkschaftskartell aufgestellten Kandidaten durchgedrückt werden. Dann berichtete der Vorsitzende über den Streik der Lederarbeiter in Wilster, der Formstecher in Deutschland usw. und ersuchte die Delegierten, bei ihren Gewert- schaften wegen Nuterstütznug dieser ausgesperrten Arbeitsbrüder heranzutreten. Wetter imirde mitgeteilt, dast dir Matinee zu Gunsten der dänischen Arbeiter einen Ueberschust von 112,10 Pf. ergeben hat. Als Vertrauensmann eventuell Obmann des Kartells wurde A u g u st N i e r i ch, Steinmetzstr. 85 wohnhaft, wiedergewählt. Auch eine„Berichtigung". In unserer Nr. 269 gaben wir den Bericht von einer öffentlichen Buchbinder- Versammlung. In demselben heißt es u. a.: „Bei Luders, Braudenbnrgstr. 34, werden, wie behauptet wurde. sogar Kinder von 10 bis 13 Jahren angestrengt bei langer Arbeits- zeit beschäftigt". Herr L ü d e r s schickt uns nun unter Berufung auf§ 5 des Prestgesctzes, der der Ortspolizcibehörde das Recht giebt, bestimmten Personen auch die nichtgcwcrbliche Verbreitung von Druckschriften zu verbieten, folgende Bestätigung unseres Berichtes, die er eiiphcinistisch eine„Berichtigung" nennt: „Richtig ist, daß ich im Comptoir, nicht in der Fabrik, einige Kinder für ganz leichte Arbeit beschäftige. Diese sind im Atter vo» 11 bis 14 Jahren und haben bei mir von 2 bis 7 Uhr zu thun bezw. a» bestimniteu Tagen nur von 5—7 Uhr." Auster dem tuilveseutlicheu Umstand, daß die Kinder nicht 10—13, sondern 11— 14 Jahr alt sind(veritrntlich haben sie seit Ausnahme der Statistik Geburtstag gefeiert), berichtigt diese Zuschrift gar nichts. Ob die Kinder in diesem oder jenem Raum beschäftigt werden, ist höchst gleichgültig, und dast Herr Luders ihre Arbeits- kraft nicht auch an de» Vormittagen und an den Nachmittagen, an denen die Schulpflicht sie abhält, ausnutzen kann, ist so selbst- verständlich, daß der Herr sich dies« notivendige Konsequenz des Schiilzwanges nickt als Verdienst anrechnen kann. Oder sollen die Kinder im Interesse des Profites gar auch noch die Schule schwänzen? «llgeni. Kranken- und Sterbekaffe der vtetallarbiiter(E. H. 29). Filiale Berlin VIll. Mtiglieder-Bersamniiutig am«•ornu.ig, den 19. November, vormittags 9'/, Uhr, bei Schirm, Badstr. 19. Samariter Kursus für Arbeiter und Arbeiterinnen. Zu dem henke abend 6 Uhr staitändenden Vortrage werden die Mitglieder und Gäste recht zahlreich zu erscheinen gebeten. Der Neberüchust wird der Samariter! Koloni!? zur Beschassimg eines Berbandzeltes überwiesen.(Siehe heutiges Jnjerat.) Berband der Fabrik-. Land-, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen. Sonntag, den 19. Stovern de r, nachmittags S'/j Uhr, im Kolberger Salon, Kolbergcrstr. 23: Lstfetitliche Versammlung für Arbeiter un» Arbeiterinnen. Vortrag des Geuosten Tr. Weyl über.Alkoholismus und Arbeiterbewegung". Es ist Pflicht der Mitglieder, püiiltlich und zahlreich zu erscheinen. VevmiMbes« Bon der Katastrophe der„Pakria" berichtet einer der Paffagiere folgendes:„Um etwa 6 Uhr morgen? wurden wir Plötz- Itch auf Deck beordert und uns mitgeteilt, daß die Ladung deS Diunpfers brenne, und wir in die Boote müstten, da alle Versuche der Mamischast, des Feuers Herr zu werden, vergeblich gewesen seien. Bereits drangen ringsum dicke Rauchwolken und Flammen aus dem Inneren des Schiffes empor und verursachten zuerst eine Panik unter den Passagtercu. Die Mannschaften arbeiteten indes mit solcher Ruhe, und die Anordnungen des Kapitäns wurden so prompt ausgeführt, dast wir uns bald beruhigten, zumal die Boote wie auf der Parade hinabgelassen und besetzt wurden. Zuerst wurden die Frauen und Kinder hiiieingeschafit, und als dies geschehen, wurde die Disciplin unter den übrigen Passagieren energisch aufrecht er- halte». Das war nötig, denn die Flammen schlugen jetzt über das ganze Hinterdeck und züngelteu bereits an den Boi-derkabinen empor. Wir waren so schnell auf Deck geeilt, daß keiner von uns irgend etwas mitgenommen hatte, ja die meisten im einfachen Nachtkostiim waren. Das Feuer hatte in der kurzen Zeit sowohl das Zwischendeck als die erste Kajüte erreicht, und das sämtliche Gepäck war ihm bereits zum Opfer gefallen. In diesem Augenblicke kamen zwei große Fischerboote von Varmonth heran, die einen grostcn Teil der Passagiere mifnahmen. Gleich darauf kam der nissische Dampfer „Ceres" in Sicht(wir lagen ctiva zwanzig Kilometer von dem North Hinder- Leuchtturme entfernt), der unsere Notsignale bemerkt und au der dichten über unserem Schiffe anfsteigenden Rauch- wölke den Brand erkannt hatte und nun mit Volldampf auf uns zukam. Die„Ceres" setzte sofort alle ihre Boote aus und nahm imS sämtlich, etwa 150 Männer. Fraucn und Kinder an Bord: sie ftihr direkt nach Dover, das kurz vor Mitternacht in Sicht kam. Hier nahm uns die„Ladp Vita", Kapitän Sharpe, an Bord, die uns nm Mitternacht am Admiralitätspicr glücklich landete, darunter 24 Damen, 20 Kinder und 6 Säuglinge. Unser Kapitän und die Mainischaft wollten ihr Schiff nicht verlassen nnd blieben an Bord, während wir auf der„CereS" abfuhren. Kapitän Frölich hofft, fein Schiff an die Küste zu briiigen und dort schließlich noch Herr des Feuers zu werden. Wir Passagiere waren seit 7 Uhr gestern Morgen ohne jede Nahrimg, und besonders die Frauen und Kinder hatte» schwer unter Kälte und Wetter zu leiden." Eine Typhus-Epidcmie ist ganz plötzlich in Wichihausen in Thüringen ausgebrochen. Es handelt sich um eine schwere Art deS Unterleibstyphus. Eine große Anzahl Einivohncr liegt danieder. Mehrere Erkrankte sind bereits gestorben. Es wurde be- rcits mit der Einrichtung der öffentlichen Gebäude zu Lazaretten und Jsolierräumen begonnen. Seitens der Behörden sind alle Vorsichts- maßregeln getroffen, und die Isolierung sämtlicher Erkrankter ist ver- fügt worden. DreyfuS erhielt in CarpentraS den Zahlungsauftrag für die Prozeßkosten, der an„dlousisnr ls Capitaine Dreyfus" adressiert ist. Die Gerichtskosten, Zeugentaxen, Honorare für die Sachver- ständigen und Dolmetsöhe erreichen eine Höhe von 20 823 Frank 7 Centimes. Das Urteil deS Kriegsgerichts kostet 12 Frank. die Entscheidung des RevisionSratS über den Verzicht auf die Berufung ebensoviel. Nach der„Petite Nspublique" hat zeder aktive General achthundert Frank Zeugengebühr erhallen. Der Winter. AuS Süd« und Nordungarnikoinmen Meldungen über große Schneefälle. In Lipto Szent Nillas ist das Eisenbahn- geleise meterhoch verschneit; es mutzte mittels Schneepflüge frei« gemacht werden. AuS Obornik meldet man von einem schrecklichen Muttermord. Die Tochter des Arbeiters Wojciechowska in Obornik ermordete in- folge eines Familtenstreits ihre eigene Mutter. Die Thäterin ist verhaftet, leugnet aber bisher alles. In Ltdcrpool sind die Holzlager bcr Firnta Henry Quayle tt. Sons, Grahson u. Co. und der Liverpool Creosoting Company durch eine furchtbare Feuers brun st fast gänzlich zerstört worden. Der Gesamtschadcn wird auf 2 Millionen Mark berechnet. Ein schrecklicher Nnglückösall passierte einem Metzgcrmeistet in Melsungen(Kurhesscii), tudeiit er seiner 13 Jahre alten Tockter beim Flcischhackeu die rechte Hand vom Arm abtrennte. TaS Kind war seinem Vater durch Halten eines Stückes Fleisch behilflich geiuesen. Nebcr daö Erdbeben auf Ceram(Niederländisch Indien) liegen jetzt briefliclie Meldungen vor. In der Nacht vom 23. zum 30. September nm 1 Uhr 45 Minuten sind durch ein heftiges von Flutwellen begleitetes Erdbeben die Siidküste von Ceram und in minderem Mäste auch die Juseln Amboitta und Bmtda und die Windsor-Jnseln heimgcsticht ivorden. Biete Niederlassungen an der Siidküste von Ceram sind verwüstet, in der Elpnpntih- Bai alle bis ans zlvei. Das Gefängnis zu Amahei wurde gänzlich, die Befestigungen daselbst teilweise zerstört. Da der Regierniigsdampfer „Arend" znr Hilfeleifiiing nicht ausreichte, wurden znr Ueberführnng von Lebensmitteln und ärztlicher Hilfe die Dampfer der königlichen Pnketfahrt-Gcscllschast„Gouverneur- General",„'s Jacob" und „Japara" gechartert. Lebensmittel und Banmaterinl sind auf Amboitta zu haben; dem ersten Bedarf an Lebensmitteln tviirde denn auch sofort überall abgeholfen, doch herrscht im übrigen noch großer Mangel. Der„'s Jacob" brachte 27 Verwundete nach Amboinq, während die„Japara" von Amahei und Saparua 49 Verivimdete abholte. Nach vorläufiger Schätzung beträgt die Zahl der bei dem Unglück u m g e k o in in e n e it Mensche it 4000 und die der Verivundeten 500. Die übrige Bevölkerung der heimgesuchten Gegenden ist ins Innere geflüchtet, sie ivagt nicht an ihre Wohnplätze zurückzukommen, aus Furcht vor einer Wiederholung der Katastrophe. Die Petroleitittbohrtnig an der Balnbai hat nicht gelitten. Mehr als 1000 Leichen sind ans Saparua gefunden worden. Der angerichtete Schaden ist ein ganz bedeutender. Ans Warn wurden Wohnhäuser und Fahrzeuge durch eine zurnckwogende Flutwelle mit ins Meer gerissen, wobei viele Menschen ertranken. Das Elend spottet aller Beschreibung, es ist größer, als bei der gleichen Katastrophe zn Amben im Januar 1898. Zu Batavia hat sich sofort ein Hilft- komitee gebildet._ Marktpreise von Berlin nm 17. November 1809 nach Eriinttelnngeu des kgl. Polizeipräsidiums. »Melzen D.-Ctr. »jRoggen Futler-Gerste„ Haser gut „ tiüttel, „ gering Richtslroh„ Den s)Erbs-it, -ihSpeisebohneu„ Mittlen Karwfseln, neue Nindfleisch, Keule 1kg do. Bauch, ') Etluillelt pro 1 kg 60 glück 1kg 1,60 1.80 1,60 2,80 6,60 2,20 2,80 2,40 1,80 1,80 2,80 1,20 12.- 1,10 1,- 0,90 2.- 2,40 1,20 1,20 1- 1,- 0,80 1,20 0,80 3- 15,— 13,80 Tchwelne-leisch 14,40 13,60 Kalbfleisch 14,— 13,— Hammelfleisch 15,20 14,50 Butter 14,40 13,70 Eier 13,60 13,— Karpfen 4,— 3,50 Aale„ 6,70 4,— Zander, 40,— 25,— Hechte, 60,— 25,— Barsche„ 70,— 30,— Schleie 7,— 5,— Bleie„ 1,60 1,20 Krebse per Schock 1,20 1,- Stomie von der Centralstelle der Prettb. Landwirt« fchastSkaniinern— NotlennigssteN«— und nuigerechnet vom Polizeipräsidium für den Doppel-Centner. ff) Kleinhandelspreise. Produktenmarkt vom 18. November. Auf dem Gettcidemarkt machte sich beute wieder der verflaueiide Einfluß matter Anölandsmeldungen geltend. Die anfangs leicht abgeschwächten Preisnotierungen für Brot- gctreide konnten sich jedoch bald wieder erholen, da das bisher meist ziem- tich bedeutende JnlandLsngebpt nachgelassen hat, und die ausländischen Offerten ebenfalls weniger umfangreich und überdies teurer sind. Einige Posten Lassaweizen wurden nach hier verschlossen. Bei kleinem Handel schlössen Weizen und Roggen einen Schnitt teurer als gestern. Am Hafer- martt entwickelte sich das Geschäft träger bei eher schwacher Preisstellung; Rüböl blieb unverändert. Spiritus. Für Spiritus zeigte sich große Geschäftsunlust. Loco 70er 47,40 M.(— 0,20 M) Terinine wurden wenig gehandelt. Kartoffel fabrikate. Feuchte Kattoffelftärke 10,60 M. Ia reine Kartoffelstärke disponibel und Dezember-Januar 19,75 M. Ia Stärke und Mehl, Mittel- Qualität— M. per 100 Kilogramm. Städtischer Schlachtvieh markt Berlin, 18. November 1899. Amtlicher Bericht der Direktion. Zum Verkauf standen: 3548 Rinder, 1128 Kälber, 7616 Schafe, 8606 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark(beziehungsweise für 1 Pfund in Pf.): Für Rinder: Ochsen: a) voll fleischige, ausgemästete, höchsten Schlachttvertes, böchstenS 7 Jahre alt 62—66, b) junge fleischige, nicht ausgemäslete und ältere aitsgeniäftete 58—61; c) mäßig genährte junge und gut genährte altere 55—57; d) gering genährte jeden Alters 50—54.— Bullen: a) voUfleischige höchsten Schlachtwcrtes 59—63; b) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 55—58; o) gering genährte 49—53.— Färsen und Kühe: a) vollflcischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 00—00; b) voll fleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahres 55—66; c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jünger« Kühe und Färsen 53—54; d) mäßig genährte Kühe und Färsen 51—53; o) gering genährte Kühe und Färsen 48— 50.— Kälber: a) feinste Mast, kälber(VollutUchtitasi) und beste Saugkälber 76—80, d) mittlere Mastkälb» und gute Saugkälber 72—74, o) geringe Saugkälber 58—62, d) ältere, gering genährte Fresser 44—50.— Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 62—65, b) ältere Masthammel 64—58, c) mäßig genährte Hammel und Sdmse(Merzschafe) 46—52, d) Holfteiner NiederungS- schafe(Lebendgetvicht) 22—32.— Schweine: a) vollfleischige der feineren Raffen und deren Kreuzungen im Alter bis zu l1/, Jahren 43—49, b) Käfer 00— 00, o) fleischige 45—47, d) gering entwickelte 42— 44, e) Sauen 42—44. Verkauf und Tendenz. Das Rindergeschäft wickelte sich glatt ab, es wurde ausverkauft; der Kälberhaudel gestaltete sich ziemlich glatt. Am Hammelmarkt war der Geschäftsgang ziemlich lebhaft, es wurde aus- verkauft. Der Schwcinemarlt verlief langsam und wurde kaum geräumt. »vttteriinzSübersicht vom 18. November>800, morgen» 8 Uhr. Wetter- Prognose für Sonntag, de» 10. Novcntber 1800. Ewas kühler, zunächst nebelig, nachher aufklarend bei mäßigen nörd- lichen Wurden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner W e t I e r b n r e a n. NeueS Königl. Oper«> Theater. Heute abend: Gastspiel des Lessingtheaters t Hans Huckebein. Ständiges Repertoire: Thalia- Theater. Der Platzmajor. Ecntral-Theater. Tie Geisha. Metropol-Theater. Rund um Berlin. Friedrich Wilhctmstädtisches Teuter.(-n: gesunder Junge. Residenz-Thcater. Jagdfreuden. Victoria-Theater. Die Chansonnette. Carl Weist-Thcater. Der Weltuntergang. Apollo- Theater. Frau Luna. Conntags-RachmittagS-Vorstellungen: Sonntag. 19. November. Deutsches Theater: Weber. Lesfiog-Theatcr: Großmama. Berliner Theater: Wilhelm Tcv. Refideuz- Theater: Schlafwagen-Conttolcur. Neues Theater: Kiwito. Theater des Westens: Zar und Zimmermann. Schiller-Theater: Haubenlerche. Bictoria-Theater: Leiermann und Pflegekind. Central-Theater: Fledermaus. Luisen. Theater: Die Grill« «elleallianee-Thraver: Liiert(Schliersen). Jriedrich-Wilhclmstädtisches Theater: Braut von Messina. Carl Weift- Theater: Winterschlaf. (Freie Volksbühne.) Metropol-Theater: Promenade-Specialitäten-Vorstellung. Verantwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. !lr. 272, 16. Jahrgang. 2. KW Ks Joriuärts" fnlinn SsBütsg, 19 JsutBilitt 1899. Huuff mitx LViTonMza�fk. UrichS„Hermann und Dorothea".— Es ist kaum glaublich, wie sehr manche Leute das Unglück haben, den falschen Nagel auf den Kopf zu treffen, Die Aufgabe, einen guten Text für ein musi- kalischcs Drama zu schaffen, ist allerdings so schwierig und Undank- bar, daß sie den Wagenden gar zu leicht in jenes Unglück stürzt. Wie haben sich nicht schon die Dichter gedreht und gewendet, um dieses seit Itichard Wagner erst recht bedeutuugsreiche Problem zu lösen, um bald hier und bald dort, bald nahe und bald ferne, bald aus der Wirklichkeit und bald aus der Phantasiewclt und bald aus vorliegenden Dichtungen etwas zur dramatischen Vertonung Geeig- uetcs herauszubekommen. Die Benutzung bereits episch geformter Stoffe ist keineswegs von Vornhein das schlimmste; selbst Wagnersche Musikdramen beweisen es. Alles kommt dabei auf das Wie des dramatischen Vorarbeitens an. Selbst wenn die Vorlage ganz eigens ein Paradigma von spccifisch epischer Kunst wäre, selbst dann würde die Umwandlung in ein spccifisch dramatisches Kunst- werk durchaus nicht undenkbar sein. Das Schlimmste wäre aber dann eine„treue" Uebertragung der Vorlage in das Acußcrlichc der dramatischen Welt— gerade wie bcim'Uebersctzen aus einer Sprache in die andere, die wörtliche Treue meist zum Aller- falschesten führt. Ein solches Paradigma von spccifisch epischer Kunst hat Goethe mit seinem Epos„Hermann und Dorothea" geschaffen. Mit Fleiß und mit Glück hat er davon alles Dramatische und alles Lyrische fern- gehalten. Und damit ist uns eine unsterbliche Leistung dichterischer Technik gegeben worden. Man steht heute beklommen still vor der bewunderungswürdigen Kunst, mit der Goethe etwas ästhetisch vergoldet hat, was wir nachgerade kaum anders als mit Ekel betrachten können. Denn erstens hat der Dichter hier eine mensch- liche Sphäre behandelt, die uns mit ihren abstrakten Typen be- schränktcstcr Menschen und mit ihrem naturwidrigen Konservatismus mindestens recht kalt läßt. Zweitens ist dieses Werk seither beinahe zu einem Fluch deutscher Bilduugsmcierei geworden, insonderheit auf dem Weg durch unsere Gymnasien. Sogar dem Wirklichen Geheimen Ober-Rcgierungsrat Ludwig Wiese war es zu dumm— wollte sagen: etwas auffällig geworden, als er auf seinen Schul- inspektionsrciscn durch die preußischen Lande von Hermann und Dorothea wie von Gespenstern verfolgt wurde. Wenn das dem dürren Holz eines W. G. O.-N.-R. Unbehagen macht, was soll dann erst das grüne Holz dazu sagen?! Nun hat gerade noch das gefehlt, daß diese Gespenster zu einer „Lyrischen Oper" materialisiert wurden. Ein litterarisch wohl be- wandcrter Mann, Dr. Carl Müller-Rastatt, hat anno 1837 (wirklich 1897, nicht 1737!) das Wagnis einer solchen Texticrung unternommen und zwar, wie die Voruotiz der Zeitungen besagte, mit enger Anlehnung an das Gocthesche Epos. Thatsächlich ist ihm diese Anlehnung so korrekt gelungen, daß aller Goethe dabei eut- schwuuden ist. Reflexionen, die dort als Bestandteil des Ganzen ganz auf ihrem Platze sind, Ivie die Verteidigung der Neugier durch den Pfarrer und die der Geduld durch den Apotheker, müssen hier als Musiktext herhalten. Vermutlich war es nun das Gewissen, das den Librettisten die Hoffnungslosigkeit, dramatisch zu wirken, fühlen ließ und ihn dazu trieb, sich in die Lyrik zu flüchten. D i e war allerdings nicht bei diesem Goethe zu holen; die mußte„selbständig" kommen. Und sie kam als Winzerchor und als dies und als das. Nun ist der Rückzug gedeckt oder vielmehr so arrangiert, daß es nur mehr eines englffchen Sicgcsbcrichts bedarf. Ein solcher Text hätte im Jahr 1799 kaum etwas geschadet. Ein damaliger Komponist, ein Mozart oder Dittersdorf, würde frischweg darüber weggespruugen sein und eine Melodienmusik dazu gemacht haben. Das ging für 1899 und für Herrn I. U r i ch nicht mehr an; da mußte umnumeriert, dramatisch komponiert werden. Und dazu reichte es nicht. Was wäre das damals für eine hübsche Ouvertüre geworden! Jetzt bekamen wir eine Mischung von Volks- licdartigcr Sentimentalität, von Kontrapunkt und von Theatermache zu hören. Wenn dann wenigstens die Musik geradezu schlecht weiter- gegangen wäre! Aber da zeigte sich, daß der Komponist ganz Nettes herschaffen kann. Er charakterisiert die Figuren: den heroischen Her- mann, die liebenswürdige Mutter, usw.; er beschreibt mit seiner Orchcsterbcglcitung manchmal recht sinnig das Besungene: zu den Vorwnrfsredeir des Vaters ertönen verstockte Bässe, zu den Späßen des Apothekers lustige Figuren u. dgl. mehr. Wendepunkte, wie das erste Auftreten der Vertriebenen, oder wie die Annäherung Hermanns an das mitfühlende Herz der Mutter usw., werden mit einfachen, geschickten Zügen illustriert. Die Rolle der Mutter ist mit besonderer Wärme bedacht; ihre melodiösen Trostcsworte an den Sohn im zweiten Akt waren so eindrucksvoll, daß das Publikuni die nachspielende Zwischenakts- musik in Grund und Boden applaudierte. Um so schlimmer ist die Rolle der Dorothea ausgestattet. Was vor dein großen Publikuni seinen Effekt niemals verfehlt: die Sentimentalität, davon ist hier ein Gebrauch gemacht, der einem das Anhören nachgerade in eine Qual verwandelt. Und welche Verschwendung von gutem nnisika- lischem Können ivird da z. B. bei den: gcbctartigen Finale des zweiten Aktes getrieben I Im ersten Akt gicbt es natürlich auch eine Steige- rung der Sentimentalität bis zum Gipfel eines typischen Quartettes mit Chor— daneben wieder ein anderes Quartcttimnittcn des Dialogs, von trefflicher Mache des Charaktcrisiercns. Das spccifisch Lyrische iitt wenigstens unter keinem Hinnufzwingcil: der Winzerchor mit selbst- verständlichem Instrumenta loorspiel ist eine der ivohlklingeudcu kiiust- lichcn Volkslied» Kompositionen, wie sie Mendelssohn, Franz u. a. gut vorgebildet haben; ein Arbcitschor der Frauen und Mädchen ist originell gemacht; ein tauznufforderndcr Kiudersang ist allerliebst; eine Nixenbnllade Dorothccns ist himvider ein typisches und nicht einmal gutes Konzcrtlicd. Das alles ein Versuch, uns das zu er- setzen, was nun einmal nicht da ist... Nach dem zlvciten Akt erschien auch rasch ein paarmal der Komponist— oder vielmehr: er ivurdc erschienen. Ein älterer, ernster, bescheidener Herr, der übrigens schon in mehreren Lände» Aufführungen seiner früheren Opern erlebte. Möge ihm noch alles Gute beschicken sein l Aber es ist eine recht bittere Tragik, daß brave, tüchtige Männer durch künstlerisch verfehlte Probleme verunglücken. So ging's im vorigen Jahr dem guten Kicuzl nnt dem ebenfalls heillos uudra- matischen Don Qnixote. Damals war der letzte, dritte Akt noch der beste. Allein auf diese Analogie zu hoffen, war uns diesmal zu gewagt. Der Musikkritiker ist auch ein Mensch, sozusagen; zivei Akte Marter waren uns genug, und wir schenkten uns den dritten. Sollte das wirklich ein Unrecht gewesen sein, so wollen wir es gern dadurch büßen, daß ivir uns verpflichten, aus Vossens„Luise" oder aus Pyrkcrs„TuuisiaS" einen Operntext zu machen. Schade um de» aller Förderung weite» Eifer im Theater des Westens, das am Freitag diese Premiere herausbrachte! Abgesehen von der wiederum trefflichen Regie Herrn E h r I s war die Aufführung so gedrückt, ivie es bei dem Maugel an Schwung in diesem Werk ichivcr ander? sein konnte. So recht erfreulich'war wohl nur Fräulein I. Brackenhammer in der dankbaren Mntterrolle. und etwa noch der Tenorbuffo, C. H o l y, als Apotheker. Der Hcldcnteuor, E. Borg mann, hatte sowohl mit seiner etwas ungleichmäßigen Stimme, als auch mit der schemen- haften Rolle des Hermann einen schweren Stand; aber er spielte, so gut sich's machen ließ. Die Dorothea von Fräulein S e l m a v. Scheidt>vnr eine lobenswerte Gesangsleistung. Die übrigen hielten sich passabel, nur der Richter des Herrn H. H o b b i n g war doch gar zu schwach. Alles in allem: eine Warnung, wie mau's nicht machen soll. Mit Geivalt wird auf die Opernbühue gezerrt, was anderswo ohne Gewalt auf seinem richtigen Platz sein würde. Lassen wir uns nicht abschrecken! Wer sich unterhalten und über manches belehren will, wird auch Urichs neue Oper mit Gewinn anhören. Und wer auf besseres hofft, darf sogar darauf rechnen, daß derartige Unglückfälle vielleicht sogar erst recht rasch irgend ein erlösendes Gegenstück hervor- rufen werden.—_ sz. Sociale Mvckzkspflege. Ter Arbeiter ist nicht der HanStvnrst des Unternehmers. Eine wichtige Entscheidung von principieller Bedeutung hat die Kammer VIII des Gelverbegerichts gefällt. Gelegentlich des Buch- bindcrstreiks bei der Firma Moritz u. Kummer(Contobuch- fabrik) kam es auch zwischen dieser Finna und dem Druckerei- Arbeiter C. zu Differenzen. Man hatte C. im Verdacht, daß er mit der Lohnkommission der Streikenden Fühlung habe und die neueintretende» Leute in deren Sinne beeinflusse. C. wurde am 23. September, an welchem Tage er zum 21. Oktober gekündigt hatte— ihm stand eine vicrwöchentliche Kündigungsfrist zu— lilit dem Bemerken von der Arbeit befreit, daß er seinen Lohn weiter erhalten werde. Nach Ablauf von 3 Tagen wurde ihm auch thatsächlieb das Geld für die verflossene Woche ausgezahlt. Herr Moritz forderte ihn dann jedoch auf, sich vom Montag ab täglich um 19 Uhr vormittags und um 4 Uhr nachmittags im Comptoir zu melden. C. kam dem nicht nach, worauf Herr Moritz schriftlich ihn für entlassen erklärte. Nunmehr verklagte C. die Firma beim Gcmcrbegericht und beanspruchte 7ö M. für die drei letzten Wochen der Kündignngsfrist. Sein Beistand und er selbst machten geltend, daß er einer Aufforderung zur Arbeit sofort nachgekomnien wäre, ivcnn der Chef eine solche an ihn erlassen hätte. Dagegen habe er es für unter seiner Würde gehalten, sich täglich zlveinial vorzustellen. Herr Moritz als Vertreter der Beklagten vertrat den Standpunkt, daß er zur Entlassung des Klägers berechtigt gewesen sei, nachdem dieser es abgelehnt habe, sich zivei- mal im Tage vorzustellen. Sein ablehnendes Verhalten käme einer Arbeitsucrivejgeruiig gleich.— Die Beklagte wurde verurteilt, die 75 M. an C. zu zahlen. Der Vorsitzende Dr. Meier führte begründend ans: Die Ka m m c r sei von folgenden Erwägungen aus- gegangen. Es möge dahi»gestellt bleiben, ob der Kläger wegen Aufiviegelung oder agitatorischer Thätigkcit im Betriebe hätte entlassen werden können, denn der llntcrnchmer habe diesen Grund nicht als Entlassungsgrnnd ge- n o m m e n. Er habe vielmehr den Kläger zunächst nur dispensiert und ihm für die erste Woche vorbehaltlos den Lohn ausgezahlte Was nun das Verlangen angehe, der Lkläger solle sich vor-� mittags um 10 Uhr und nachmittags um 4 Uhr beim Chef melden, so wäre das nur dann berechtigt� gelvcscn, wenn der Kläger Arbeit erhalten sollte. Da dies nicht der Fall gewesen sei, könne in der Weigerung des C. eine Arbeits Verweigerung nicht gesehen werden. Aber auch eine beharrliche Verweigerung der dem Kläger nach dem Arbeitsverträge obliegenden Verpflichtungen im Sinne »:s Z 123 Nr. 3 der Gcwcrbc-Ordnung liege nicht vor. denn eine solche Meldepflicht könne ans dem Arbeitsvertrage an sich nicht her- geleitet werden. Somit sei hier keiner der gesetzlichen Entlassnngs- gründe anlvcndbar. Die Beklagte sei deshalb verpflichtet, den Kläger für die Zeit bis zum Ablauf der Kündigungsfrist zu eut- schädigen. Warerxhauß fi.Werihe\n\ Berlin, leipzigerslr. 132/133.» Bosentlialerstr. 27/29 u. 54.» Oranienstr. 53/54. In dieser Woche «Ausstellung von Spielvaren. W Gelenkpuppen 45, 95 pf. 1,5», 2»o, 4,25, 6 Mk. Gekleidete Puppen 45. 95 M», 2. 2,85, 4,50 ml PUPPen-Köpf0, Bälge, Anne, Perrücken,"Wäsche, Schuhe, Strüwpfe in allen Preislagen. Mähmasehinen � Ender 2,85, 5,50, 7 m, Slickkasten 45, 95 n. 1,50 Mk. Puppenwagen 2.»», 4, 4.7s, ß.so. g ml Kochherde 45, 90 1,5«, 2,85, 4.50 ml Damenbretler 45, 90 n. 2,»«, 2,90, z,»o, 5,73 ml Gesellsehaflspiele 40, 95 pf. 1,«, 2,85 ml HOChbabn,«Tollheit«, durch Uhrwerk beweglich, 2,85 Mk. Der Adele Seehund, „Nenheiten", durch Uhrwerk beweglich je 3Q Pf. Bäcker«- Schornsteinfeger] ROllWagen, 1 Pferd m. imit Fell l,sv, 2 Pferde 2,90 Mk. Harmonika-Flöten, vernickelt, 48 pf«• 1.«« Mk. Militärgarnituren 45, 95 pf. 2,85 ml Festungen 95 p*. 1,35, 2.«-, 4,50 ml Dampfmaschinen 2, 2,70, 4,»5, 6,75 Mk. Laterne magiea 2, 2,85, 4. 5,50 Mk. Kasperle-Theater mit 2 Figuren 50 2, 2,85 Mk. Eisenbahn mit Schienen und Uhrwerk|,75, 2,90, 4,50 Mk. Richters Anker-Steinbaukasten«»uen Grössen, Puppen-Stuben, Küchen u. Möbel, Pferdeställe u. Kaufläden. Kmderpulte, verstellbar für das Alter von 6—15 Jahren 23,50 Mk J PllOHO Q VcipllOH 17 Mk., Walze 1,75 Mk. extra. HÜ IJSlIi W G V*§€ 6b Intona, Ariosa, Simphonium, Polyphon etc. in allen Preislagen. j_-*• Die Weihuachts- Preisliste wird kostenlos zugesandt. BMI* km Inhalt der Inserate nberninimt die Ncdaktio» de», Vnblitnm gegriiiiver keinerlei Tiera»i»>ortn»n. Tljvntrv. Sonntag, lv> November Freie Bolksbilhne. Ostend- Theater 3. Abteilung(graue Karten)! SDlnlCffdjlnf. Anfang Ä»Vi Uhr Opernhaus. Der Ring deS Nibe- lungert. DaS Rheingvld. Anfang 7 t/z Uhr. Montag: Die Walküre. Echaufpielhaiis. Schlaraffenland Aliiang't/z Uhr Montag: Der Herr im Hanfe. vicueS Opern- Theater lKroll). Hans Huckebein. Ansang 7t/z Uhr. TenischeS. Der Probclandidat. An- sang?>/, Uhr Nachm. S'/z Uhr: Die Weber. Montag: Ciirano von Bergerac Lesfing. Als ich wiederkam... An- fang 7Va Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Grvbmama. Montag: Als ich wiederkam... Berliner. Die Herren Söhne. Am fang?>/, Uhr. Nachm. St/. Uhr: Wilhelm Teil. Montag: Götz von Berltchingen. «chiller. Die Ehre. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Haubenlerche. Montag: Nora. NcneS. Ein unbefchriebeneS Blatt. Anfang?>/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Kiwito. Montag: Ein unbefchrtebmes Blatt. Westen. Hermann und Dorothea. Anfang 7t/, Uhr. Nachm.: Zar und Zimmermann. Montag: Hermann und Dorothea. Thalia. Der Platzmafor. Anfang 7t/z Uhr. Montag: Diefelbe Vorstellung. Residenz. Iagdfreuden. Vorher: Familien-Sollper. Auf. 7WS Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Schlaswagcn- Controletrr. Montag: Jagdfreuden. Familtem Souper. Luisen. Molly Carrö. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Grille. Montag: Die KarlSschülcr. Central. Die Geisha. Anfang ?>/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Fledermaus. Montag: Die Geisha. Carl Weist. Der Weltuntergang. Ansang 7t/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich- Wilheln, städtische». Sin gesunder Junge. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Die Braut von Mefflna. Montag: Ein gesunder Junge. Victoria. Die Chansonnctte. An- sang 8 Uhr. Nachm.: Der Leiermann und sein Pflegekind. Montag: Die Chansonnctte. Belle- Allianre. Gastsvicl deS Schlierfecr Bauern- Theaters. Liiert vom Schltcrsce. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr und Montag: Die selbe Vorstellung. Metropol. Specialitliten- Vor- stellung. Rund um Berlin. Au- fang 7'/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Specialiliitcn-Dor- stcllung. Montag: Rund um Berlin. Apollo. Frau Lima. Specialitöten- Vorstellnng. Anfang?•/, Uhr. ReichShnlle». Stettnicr Sänger. Ansang 7 Uhr. Palast. Susanne im Bade. Special!- täten-Vorstellung. Ans. 8 Uhr. Passage- Panoptikum. Specialis täten-Vorstellung. Urania. Jnvalidenstr. 57/(12. Täglich abends von S— 10 Uhr: Sternwarte. Taubenftr. 48/4S. Im Theater: Der Sieg des Menschen üver die Natur. Ansang 8 Uhr. Urania Taiil»cii«tra8sc 48/40. Im Theater abends 8 Uhr Transvaal. Vorher: l>cr dunkle Erdteil. Montag im Theater: „Der$lc£ des fflensclien über die Xutur." Hörsaal: O. ÄVitt:„Die Sonne". Iiivulidcnstr. 57/02: Sternwarte. NaclimUtafls 5—10 Uhr, ■passane-fheater. \eii! Anatomisch. Museum. Passage- Theater. Das Ehepaar 0. Malley auf •einer Hochzeit!- reite um die Welt zu Fus«, und 15 Debüts. CASTANS■■ PANOPTICUM Priisidcnt von Transvaal „Olim" Krüger und General Joubert mit hriegsgerüsteten Boeren. Eine Gruppe von aktuellstem Interesse! Ernirnl Direktion: Joti Ferenczy. Nachmittag 3 Uhr zu halben Preisen Di- Fledermans. Operette in 3 Alten v. Johann Straub Abends 71/, Uhr: Vi v 65 v t s h a. Operette in 3 Akten v. Siduey Jones. Morgen und folgende Tage: Die selbe Vorstellung. Idalia-'rdeatkr. Tel. AmtIVa 6440. Dreedenerstr. 72/78 Der Platzmajor. Thomas, Thielicher, Helmerding, Junkermann. Im 2. Akt: Gr. Mutoskop-Terzett. Anfang 7»/, Uhr. Morgen: Dteielbe Vorstellnng. SchislerChtiiltt (Wallner-Thealerl. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Haubenlerche. Schausp. in 4 Alt. v. E. v. Wildenbruch. � Sonntag, abends 8 Uhr: Die Ehre. Schausp. in 4 Akten v. H. Sitdermann. Montag, abends 8 Uhr: Xnr«. Dienstag, abends 8 Uhr: Der Dichter v«n Xalaniea. O»rKHVSK88.Ihestel' «!r. Franksurterstraste Ili». L e t» t e r Souutag"9� Der Weltuntergang. Grobes AusstattniigSstlld mit Gelang 'm 3 Akten(15 Bildern) von Dir. Carl Weib und Jos. Dill. Mnstk von M. Fall. Ansniig 7t/, Uhr. Sonnabend: I. Gastspiel d. russ. Hofschanspiel. Elise Goreiva: Johanna von Castilieu. hiachm. 23/4 Uhr: Freie Volksbühne. Winterschlaf. Drama von M. Dreyen. Apollo-1'koster. Um 3/4S Uhr abends: Frau Luna mit„Grlgolatis" und Willi Waiden. Ferner; Robert Steidl. The Oothaina.« Barraa. Eva Haller. HIIo. Roaalba. Prof. Honctty. Wora Oattl. Erankllnei. Der Kosmograph. Anfang 7'/, Uhr. ' Vorverkauf täglich Im Theater, beim„Künstlerdank", Unter den Linden 69, und beim„Invaliden- dank", Unter den Linden 24 L Hetropol-Theater. Bahrenstr. 55/57. Dir.; Rieh. Sahultr. Nile. Mite. Carmen Roecas. Georg Kaiser. Familie Klein. TartakoiT. Zaiva Trio. Cabaret. Mary Wolf. Die Piccoios. Um V,10 Uhr: Miläuins-Yorstelliing! Zum 50. Male: Rand nm Berlin. Anfang TV, Uhr. Ende 11 Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Promenaden-Opeeialititten- Bor stellung zu ganz gerillgeil Preisen. Palast-Theater frither Fcen-Pnlnst, Burgstr. 22. __ Berlin lacht Thriinrn-MG liier die zum SS. Male aufgeführte imverwitsitiche GesangSburleske Susanne im Bade. Neu: Alderti, Akrobatentruppe. Neu Kastors« Pantomime. Berlin staunt um 16 Uhr über die tresslichen Meister-Hochturner G7- Drei Va-Ucs-cn. Mhg Deorgette Duvals RIldergalerle. Ans. Konzert 6 Uhr. Vorstellung 7 Uhr. Billet-Voiverkails von II— 1 Uhr. Sonnabends: Nach der Vorstellung! Gesetlschaftsabend und Tanz. Be- sucher der Vorstellung: Frel-Panr. (Dir.: Er. Roth«.) Sonntag, den 26. Novemtier 1899(Toten-Sonntag), abends 7 Ü h r: Konzert im Saale des Moabiten Gesellschaftshauses, All-Moabit 80-81. Mitwirkende; Kahntschcs Solistcn-Qalntctt.— Nach dem Konzert: Tan«. Programm mit Liedertext inkl. Tanz 50 Pf,____ 06/12 Der Vorstand, NcichShallen. S t c t t t» c r Sänger. Heute zum S chlnb: Tenoristen- Vogel. Ensemble v. Mcyscl. Ans. heute 7 Uhr. W. Hoacks Theater, Bruiliienflrabe 16. Oer Trompeter von Säkkinger Romantisches Schauspiel mit Gesang in 3 Akten(7 Bildern) von Hildcbrandt und Keller. Jeden Sonntag. Dienstag und DonncrStag»ach der Vorstellung: Tnnzkränzchen. Montag: Rauh der Sabinerinnen. Schwauk in 4 Akten von Schöuthan. Aaedrs Idealer Oranionstr.£-4. Täglich: Unser Helgoland. Liederspiel in 1 Akt von O. Wagner. Musik von Rich. Thiele. Hr. Caaon, der Phänomen. Kraftturner. Elsa Resser, die famose Soubrette, und andere Speciatitätcu. �merienii-Ikeater. DreSdenerstr. 96. Dir.: Smil Tchnabl. ..Berlin ulkt!" IS erstklassige Debüts. !um erstenmale in Deutschland: The American Klneograph Anfang 7'/, Uhr. SMenetöffn. ö'/jUljt. Sanssoiicl Kottbnscrstr. 4 a. Täglich anbcr Sonnabends Mmanns Nord- deutsclie Sänger. Anfang wochentags 8 Uhr. Sonntags O'/a Uhr. DonncrStag und Sonntag nach der Soiree: Tai»«. Hoffmann mlt'n Leierkasten. Urania Wraiigclstrasse 10/11. Jede» Sonntag:[24152* j Grosser Ball. Ans. 4 Uhr. Siehe Anschlagsäulen. Empfehle inci» Lokal zu Fest- ltchkeitc» und Bersammluugcn. HVallncrtheater-�trasse 15 Jeden Sonntag und Donnerstag: Gr. Ertra-Ball bei doppelt besetztem Orchester. Ansang 5 Uhr. -ftiO* A. Kameltat. Kriegers Festsäle Wasserthorstraste«d> s» empfiehlt leine Säle fltr Prtvatfestlich- leiten, Kränzchen Vereinen und zu Verfammlunge".— Jeden Sonntag, Dienstag». DonnerStag: Gr. Ball. Kmtenbrmils Ee-t.aie, Frankfurterstra be 58. Enipfchle meinen Saal mit Theater- Bühne für 250 Personen zu allen Fcstljchlcitcn und Versammlungen, sowie grobe und kleine BereinSzinuncr. Aucli sind noch Sonnabende zu vergeben. Jede» Mittwoch und Sonn- tag Tanzunterrtcht, nachdem Ge- feUfchastsstundc___ 27552* Ernst 1 Iam Alte Jakob- Ulvl, strabe Nr. 119. Fernsprecher Amt 4» 6360. Empfehle meine Restauration und Bterverlaa, sowie drei Vereinsztmmer, 20— 60 Persolltlt, für Bereine und Zahlstellen geeignet._ 27472* H. Grupes Tanz-Institut, Aiinciistr.lO(früher Klubhaus). Sonntags-KursuS per Monat SM., Dienstagadeud-KiirsuS p. Monat 4M. Säle und VerctuSztmmer für Vcr- sammlungen u. Festlichkeiten.[29722* Achtllllg! Vereine. Sonnabend 18.. 27. Januar. LMT" Hanl frei!"PW SOlüL»] Alcxanderstr.£7«. Englischer Garten. Tprechalleil raste 27. 2904 Kirch-Straste 27. 29042+ Empfehle meinen Saal zu Vcr- animUnigeu und Festlichkeiten. Totenlonntag frei. Jede» Sonntag Ball. Entree frei. _ R. Habe. Gesellschaftshans Swiueuittuderst». 42. Säle 150—800 Personen fassend zu Versammlungen und Festlichkeiten zu vorgeben. Hübner.[24162* Fortmm-Siile. Saal(300 Personen) noch Sonnabende frei. Vcretnszimmer, Kegeln bahneu�u vergeben. 9" Mann, Strausbergcrstr. 9360» 3. Großes Schiachtfest. Frische Blut-»»d Leberwurst aui Bnfttag bei Ananst dtentt» lohen, JoHannlStHal. Bereinen und Herrenpartien bestens empfohlen. Alhtinig! Kösiiner Kol. Rvsllnerstr. S, Sonnabend, denjlv. Februar, zum Maskenball frei.[30552* preis Voliisdükne. III. Abteilung: heute nachm. SV. Ehr im Ostend-Theater: Wlntersclilaf. o33/ls Um pünktliches Erscheinen bittet_ Der Vorslaiid. WSvttck„Mehr Licht!" (früher Ethische Gcsellschaki). Heute, Soautas, den 10. Xovbe.,«uchmlttaz:« S Ehr: 4. Stiftungsfest bei C. Hoirmann(Englischer Garte»), Alexanderftraste 27c. bestehend tu - Theater, Festrede und Ball.=: Die Festrede wird Genosse Schriftsteller Dr. Bruno Borchardt halten. Freunde und Gönner deS Vereins find herzlich willkommen. Cirkns Alb. Schumann ,.2 Grösstep equestrischer Cirkus der Welt. Im elegaule» neu renovierten Elrkus Ren«. Heute Sonntag, den 10. November: Nachmittags 1 Uhr nnd abends 7'/. Uhr grosse ansserordent!. Gala-Vorstellungen In beide» Vorstelluiigeii: vie Griginal-Transvaal-Boerens Die einolxsten In ffunx Enropa. Borführnng von Sitten und Gebi-änchen aus der Heimat. Dir Boeren aiif dem Trekk. Gefechtoscenc zwischen Engländern und Boeren.. In beiden Borstcllnngcn: Die. Xlb. Schumann mit seinen wunder- bare» Original-Schul- nnd Freiheitsdressuren, sowie das übrige vorzügliche Programm.— NachnitttagS: Ein Kind frei auf allen Plätzen. Jedes wettere Ktnd bis zu 12 Jahren halbe Preise, anbcr Galerie. Abends Jedoch volle Preise.— UfT" Abends IV, Uhr. Zum 2. Male: Sensationelle Neuheit! Sensationelle Neuheit! Ger schwarze und der weisse Ritter. Grosse hydrologische, phantastisch-romantische Ausstattungspantoulime mit Balletts, Wasser- und Feneresfettcn m fünf Bildern, arrangiert und auf das glänzendste inscrnierl vom Direktor Albert Schumann. Besonders hervorzuheben: Im Wasser-Akt: Phänomenal ü�T Andree and Golden VVelt-Chainpion Wnssor-Trapcs Taucher. Der erste und beste Feuertancher von Amerika!Mr. Hcaton, Sprung aus einet Höhe von 125 Fuß. Die 4 Ortginal-Partsertnneu als Polospielcr i m Wasser. Der schwierige Cascaden-Nilt. Tauchende und schwimmende Pferde samt Netter in voller Rüstung, die verwegene Fahrt durch daS 4 m liese, die ganze Manege durchquerende mit wunderbaren elektrische» Lichteffektcn durchleuchtete Piirfvn- ültmltaH- OMaö- Vasfin. (Gescblich gcschitstt.) Ist der eine oder der andere Trick aus meiner Panlomime, oder eine Vorführung mit dem oben aenaunten gesetzlich geschützten eleltrisch durch- lenchteteii Krtiftall-Wasscr-Bassin hier schon gezeigt worden, so ist es nur eine Kopie meiner Ernnduiigen. »wj�usv. Cirkns Bnsch. Heute Sonntag, den 19. November 1800 Zwei grotze brillante Borstellnngen nachmittags 1 Uhr und abendS 71/, Uhr. Nachmittags 4 Uhr hat jeder Erwachsene ein Kind unter 10 Jahren frei; weitere Kinder unter 10 Jahren zahlen aus allen Plätzen, mit Ausnahme der Galerie, halbe Preise, Abendvorstellung jedoch volle Preise!— In beide» Borstelliiuge» Auslreten der vorzüglichsten Clowns mit ihren neuesten Spänen, sowie Auftreten, der hervor- ragendlten Rcitkünstlerinnen und Reiter. AchrilllP 1 W«.» äMKÄKSWi»» Sturz cincs kriegsgefangenen Gcrinane» in Flammeu von der Höhe der Cirkuskuppel in daS Wasserbassin der Manege. Sehvvlmmende und tunchcndo Riese ii-EIcl'unton. _ Abends 7V2 Uhr zum 11. Male_ M Die Camorra. Das imposante Manege-Schaustück, tvelcheS jemals in einem Cirkus zur Ausführung gebracht worden ist. Besonders hervorzuheben aus derselben sind folgende Effekt-Scenen: Das tveibliche Fanfarenbläser- i«. Tambour-Eorp». Der Einbruch einer ttalienischen Dillgeiice aus der gesprengten Brücke. Kampf der berittenen Carabiuiere mit den Briganten. Der feuerspeiende Vesuv nnd Untergang eines Dorfes durch Lavaströiiic— breuirendoS Wafitv.—- Seilsatio»t!l: Die blliiie Krotte auf Uni Elektrisch durchleuchtetes Wasserbasstn(geietzl. geschützt). Kunstschwimineriniien als Nixe». Der Sturz aus der böchfteu Höhe der Cirkuskuppel iuS Wasser, ausgeführt von dem Amerikaner Mr. Finnen, dem„Champion" der amerikanischen Kunstschwimmer und Taucher. Montag, 20. Nov., abendS 7>/, Uhr, zum 12. Male Dl« Camorra. Koppcnstrasse 29. Sonntag, den 19, November: gGT" Grosse Solree Steinmetz-Sauger 80472« iL der Vom Schwein ein grosser Posten fr. Blut- u. Leber- wurst, auch Eisbeine, Wellfleisch:c. sotten am D, isstag im Lokal rarndlesgarten, Birken- werder, veripcist werden. Vereine und Herrenpartien bitte ich hier:» zahlreich teilzunehmen. 82ha _ A. Hnrgem eistet*. Kiuderwageu» 6, 8, Guniiuträder 12 M.. vernickelt 15 bis 60 Mk. Kinder- acttstell.vonsMk., Kindeiklapvstüftle, Sport- u Puppen- wagen, bilt. Preise, nur Prinzen- strafte 55, Ecks Dresüenersliasse. Gust. Einke. zlihttDer— NftmlislhiiltN verschiedene Marken, auch lvcnig gebrauchte, zu billig- sie» Preisen. Reparatur- Werkstätte. Lehrbahn, Sämtl.Znbehör. Teilzahl. gestattet. Carl Karras, Langestr. 17. 24082* Kein Httsten mehr! Die Hellkraft v. oevrg Pohla Brom- beerwein ist erprobt bei Asthma, Athemnot, Lungenleiden. Bronchialkatarrh.Heiserkeit.AuS- wurf. Tterschleimnng, Kehlkopf- leide«. 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Zahlstelle des Verbandes der Holzarbeiter, Metallarbeiter, Buchbinder, der Ort»- Krankenlasse der Möbelpolierer, der Central-Krankenkassen der Schuhuiacher, Gold- und Silberarbetter, Buchbinder, und Zahlstelle des WahlverewS für den 4. Beritner ReichStagS-WahllreiS(Osten) l242SL* Rodert Scheere, II II HI.! SelbsUpielcnde ilvsiKyet�e. zum Preise von ZOMK. aufwärts lieFsrn gegen Monatsraten niiSMsii BMonate Garantie L . Cataloge i gratis" t_ BlaL Freundl Breslau. Haben Sie Pilktl,Miitsser, Vliittt, Sommersprossen, rauhe oder rote Haut u. wünschen Sie eine» guten reinen Teint zu erhalten, so wenden Sit meine Methode der Hautmassage an. Kosten- freie Auskunft und Erklärung im KoSmet. Laboratorium von Rnd. HolTers, Manteuffelstr. 92, vorm. 0-12, nachm. 4-9. Briefliche Auskunft gegen b0 Pfennige in Marken franco. 30362« be.m-li.seii-liee.xs.:�, Miut\MrnftiJen Erauen-Krankhcitc». Könlggrätzerstr. 27. Spr, 9-1. 4-7,■ Homöopath. 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November er., abends 4 llhr, im grasten Saale der r iv!» l» all oa' Kommandanten,'traste Nr. LO: GeffentUche Versammlung. Deutscher HolzarbGiter-Vorband. (Zahlstelle Berlin.) Achtung, Kordcnl Bei Neumanii. Duuckerstr. 74, ist eine Neue Zahlstelle errichtet. Große Agitation s-Uersammlnng flu* Rnrnrnelsbnrg IM Dienstag, den 31. November er., im Lokale de? Herrn I�lQthoTvsh)-, Hauptstraste Nr. 83. Tageö-Ordnung: 1. Vortrag:„Ter Wert der gewerkschaftlichen Organisation für die Frau". Rcfcrentin: Partcigenoistn Frl. Klara Haase. 2. Diskussion. 8. Verschiedenes. 278/18 Um zahlreiches Erscheinen, hauptsächlich der Frauen, ersucht Aor K in beruf er. Achtung, Holzarbeiter! Bezirke Süd, West»nd Südwest. Montag, den 20. November, abends 8V« llhr, in Habels Brauerei, Bcrginannstraste 3/7: Tersamiiiliing. Tages-Ordnung: X. Die Aufhebung des Boykotts über die Holzbcarbeitungs-Fabrik von Schulz u. Zerban, Bclle-Alliancestr. 84. 2. Stellungnahme zu einer andern Firnia. 278/15 Die Kollegen sämtlicher Tischlereien BlÜcherstr. 35 sind hierzu besonders eingeladen.__ Der Einbernfer Rlxdorf! DeutsctierHolzärlieiter-Verljaiid. Rixdorf Dienstag, den 21. November er., abends 8/, Uhr: AUttgllSÄSR'> VeK'Sttiniillulig im„Deutschen WtrtShanse", Bergstr. 137. Tages-Ordnung: i. Vortrag deö Stadtverordneten vr. Sllberntoln. 2. Anträge zum Bautag. Jeden Dienstag vor dem I. ieden Monats addS 8 Uhr: Vertrauens- milnuer- Sitzung bei WUtenberx, Prinz Handjery- u. Lessingstr.-Ecke. 278/14__ Paul Schrelber, Schristsührer. ff. Schraubendreher. Montag, den 80. November 1899, abend» 8 llhr. Große öffentliche Versammlung aller iu der MetllWrllllbell'Btllllche besch. Arbtiter iinb Arbeiittimitn in tiranmannn Festsäle». Nauuyiiftr. 87. Tag e ö- Ordnung: 1. Abrechnung vom Sonimcrvergnügcn. 2. Bericht der AgitattonS kommilston und Ergänzungswahl zu derselbe». 3. Verschiedenes. Di« Kollegen folgender Firmen sind zu dieser Versammlung besonders eingeladen! Nttg dk«euest. Lüben 4k Bnsse. TndteatiS, Noll. Näser, Gchaal 4k Kiltz, Mertens und DelleSke 4k Tchmohl. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung erwartet pünktliches Erscheinen sämtlicher Kollegen 11«/14 Der Bertrauensmann:«ugo l-ollonberg, Sorauerstraste 8 bei Albrecht. ZÄW.! Kuillliislhliiger. M»- DieuStag, den 81. November, abends 7 llhr: Große Mtl. Gtneralversammllmg im„Elysium". Landsberger Allee 40—41. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Lohnkommission. 2. Beschluhfassung über unsere zu stellenden Forderungen über Lohn- und Brbeitsbcdingu»" Kollegen I Es ist Eure Pflicht, in dieser Versa» Mann zu erscheinen, es gilt Euer späteres Wohlergehen __ Die Lo Lohnkommisston lg/2 Verband der Graveure, Ciselenre und verwandter BernfSgenoflen Deutschlands.(Filiale Berlin.) LIenStag, den 2l. d. M., adenvö 8Vj Uhr: V ersainmluiig im Orcsdener Oarton, DreSdeuerstr. 45. TagcS-Ordnung: I. Geschäftliches. 2. Bericht über die Bewegung der Etseleure. 3. Bor- trag des Genossen W o l l h e i»i über:„Kulturgeschichtliches der Menschheit." 4. Diskussion. 5. Verschiedenes. 128/3 Um zahlreichen Besuch bittet Her Varatand. i�teinar beiter! DieuStag. den 81. November, abends 7 Uhr, im»Eugl. Garten«: Oleffentl. Derlnntinlittig Tages-Ordnung: 1. Abrechnung. 2. Wahl der Bertraiiensperfoiien. 3. Verschiedenes. Ersuche um zahlreichen Besuch. i7o/5_ Frana Fischer, Vertrauensmann. Schneider und Schneiderinnen Berlins. Montag, den 20. November, abends 9 llhr, in den Hallen", Kommandantcnstr. 20: , Armin- Arbeiter-Bildungsschnle. Am Sonntag, den 19. STovember, abends 7 Uhr, in Fcncrstelns Fcstsillcn, Alte Jakobstr. 75: Vortrag des Genossen Dr. R. Friedeberg über: Pflege und Erhaltung der Scbönbeit. Nach dem Vortrag: Gemütliches Beisammensein n. Tanz. Eintritt 10 Pf. Garderobe 10 Pf. 5/9 Tages-Ordnung: 1. Die Petition der vereinigten Jnnungsvorstände zum Schutze des Gesetzes der Arbeitswilligen. Die zweite Lesung der Zuchthausvorlage im Reichstage und die Abänderungsvorschläge derNationalliberalen 2. Dis- kussion. 3. Gewerkschaftliches. Ehrenpflicht cincs jeden Kollegen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. 123/9 Der BertranenSmaiin: lob. l>ium._ Orts-Krankenkaffe der Strumpfwirker. Montag, den 87. November er., abends 8>/z Uhr: 270/11 Ordentlich« Geueral-Nersammlnng in Feinds Salon. Wciüstr. 11. Tagesordnung: 1. Ersatzwahl zweier ausscheidender Vorstandsmitglieder. 2. Wahl des RechuuilgS-Priisnugs-Ausschnsses für 1899. 3. Beschlnstfassung über den Kontrakt mit einem Aerzteverein für 1900. 4. Statutenänderung, b. Ver- schiedenes. Die Delegierten werden um pünkt- liches Erscheinen ersucht, ver Vorstand. Orts-Krnnkcnknsse der Uhrmacher Berlins. Freitag, den 84. November, abends 9 Uhr, im Saale des Herrn Spiegclbers, Sebastlanstr. 39, Ordentl.Generalversammlung Tages- Ordnung: 1. Wahl des Vorstandes G Arbeitnehmer, 3 Arbeit- geber). 2. Verschiedenes. 9226 Hierzu ladet ein Ter Vorstand. G. Latsch, Vors. Orts-Krankenkasse her Möbelpoliere. Sonntag, 80. d.M., nachm. 2 Uhr, bei Scheere, Blumenstr. 38, Geueral- Versammlung. TagcS- Ordnung: 1. Bericht Uber den Stand der Kn sie. 2. Ergänzungs- wähl deS Vorstandes. 3. Wahl des Rechiiungs-Ausschnffes. 4. Wahl der Beamten. 5. Anträge, Verschiedenes. Berlin, 19. November 1899. 148/4 Ter Vorstand Verband der Stuccateure. (Filiale Berlin.) Montag, den 20. November, abends 8 Uhr, bei Baske, Crenadlersti. 33; Mitglieder-Nersammlnng. Tagesordnung: 1. Vortrag mit erläuternden Illustrationen deS Herrn vr. Wnpin über:„Die Pflege der Augen im Beruf und iu der Familie". 2. Gewerkschaftliches. 188/6 Am Mittwoch(Buh tag) findet der allgemeine Bestich der Treptower Sternwarte stall. Treffpunkt nachm. 2 Uhr Treptow bei Regelin(früher ?enner). Recht zahlreichen Besuch erwartet Der Verstand. Allltnng! Pntzer. Dienstag, den 21. Nov., abendö B'/j Uhr, Rosen thalerstr. 57; K Bandepntierttn-Sihnng. Z Die Kollegen haben darauf zu achten, dah jeder Bau vertreten ist. 192/2 Der Einbernfer. Socialdem.Walilyereinf.Llc!itcnlierg-Friednclis!)erg. Dienstag, den 21. November, abends 9 MW" Versammlung"WW tu„Pantens Lokal", Frankfurter Allee 174. TageS-Ordnung: I. Dortrag über:„Der Marxismus und seine Ziikunft". Referent: Gcnoste K. Müller. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 14/14 Um pnnktliches Erscheinen ersucht I>er Verstand. Konsum-Verein Berlin-Rixdorf. E. G. m. b. H. Auf Grund deS letzten Satzes im Z 41 unseres Statuts ist gegen die zum Montag, den 20. November, einberufene Gcneral-Vcrsammlnng Protest eingelegt worden. Dieselbe findet deshalb nicht am Montag, dm 20. November, sondern erst am Mittwoch, den 0. Dezember, abends SV, Uhr, statt und zwar in demselben Lolale, Laukner, Rixdorf, Bergstr. Iöl/la2. Tagesordnung: 1. Geschäslsbcricht. 2. Kassenbericht und Erteilung der Decharge. 3. Festsetzung der Dividende. 4. Festsetzung der Entschädigung für den Vorstand und Aufsichtörat. 5. Wahl von drei Mitgltederu zum Aufstchtsrat(§ 18 des Statuts). 6. Wahl dreier Ersatzmänner zum Aufsichtsrat. 7, Wahl eines Mitgliedes zur Prüfung der abgelieferten Marken. 8. Antrag Schmidt auf Abänderung der§§ 14 und 26 des Statuts. 9. Antrag Schmidt auf anderweitige Festsetzung der Geschäftszeit. 10. An- träge aus den Reihen der Mitglieder(§ 13, Abs. 2 des Statuts). 11. Be- sprechnug und event. Abänderung des§ 8 des Statuts. 270/13 Ter Borstand. I. A.: Wildelm Jäger. Wilhelm Conrad. KeUrWO-ZUM Berlin. Die Stelle eines Bcamten in unserem Bureau wird hiermit zur Bewerbung ausgeschrieben. Die Bewerber müssen mit der socialpolitischen Gesetzgebung und Gewerkschaftsbewegung vollkommen, sowie mit Civil- und Srrafprozeb-Ordnmig möglichst vertraut sein und durch ihre seitherige Thätigkeit in den Arbeirer-Organisatroncil in den Stand gesetzt sein, die ' vrderungc» und Beschwerden der Arbeiter zu verstehen, um nach jeder iichiung hin Bescheid gehen zu käitnen. Die Bewerber haben eine streng selbständige Arbeit einzureichen, worin sie ihre Ansicht über die Bedeutung und Aufgaben des hiesigen GewcrkschaftS-Bureaus niederzulege» haben. Ein kurzer Lebensabrih nebst Angabe der bisherigen Thätigkeit ist von den Be- werben, erwünscht. DaS Gehalt beträgt jährlich 2000 Mark. Reflektanten wollen ihre Gesuche dis 15. Dezember dieses Jahres an unseren Obmann G. Itnssc, IKn Ii eil strafte 16 I, einreichen. 271/4 Samariter JL Kursus für Arbeiter und Arbeiterinnen. Heute abend 6 llhr im Dresdener Garten, Dreödenerstr. 45 t Vortrag des Herrn Dr. Jaerschky über:„Kann Master änherlich ange- wendet, tiinerlich heilend Wirten?" Nachher: Gemütliches Beisamnicnfei» und Dauz."VB Entree noch Belieben. 155/14 Morgen, Montagabend 9 Uhr, in demselben Lokal: Uebnngsstunde. Vortrag über Knochenbrüche, Verrenkungen und Verstauchungen. Nene Mitglieder können noch eintrete». Der Borstand. Große öffeutlicht Nersaiiniiluiig. TageS-Ordnung: 1. Bericht deS Vertrauensmannes und Neuwahl desselben. 2. Die letzten Vorgänge in der Kostümbranche. 3. Verschiedenes. Die Kollegin, insbesondere die in der Kostümbranche thätigm, werden ersucht, w dieser Dersammlung recht zahlreich zu erscheinen. t 64/17__ Vertrauensmann. Achtung! Mrddittg! Großer öffentlicher Vortrag für Damen und Herren im„Neuen Naturheilverein" Charlottenburg- Berlin „CöSliner Hof", Berlin.V.. ESSlinerftraftc 8. Dienstag, den 21. November 1890. abends 8»/, Uhr, spricht Frl. M. OrtS-Kranrentaffe d. Handschuhmacher «. verwandt. Gewerbe Berlins. Sonntag, d. 26. d. M., vorm. lO1/-, llhr, i. Lokale Schiller, lloaenthaleratr. 57, kemMersiimlW. Tages- Ordnung: 1. Wahl vou zwei Arbeitgcbein»nd zwei Arbeit- »ehinern. 2. Wahl der Revisoren für das RechiimigSjayr 1899. 3. Ver- schiedenes. 917b Die wablberechtigien Mitglieder u. deren Arbeitgeber werden ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheine». Mitgliedsduch legitimiert! Berlin, den 19. November 1889. Der Veratand. I. St.: H. Hinz, Vors. Orts-Krankenkaffe des Gelvtfbeö der Mimr. Ordentliche Gkmral-Uerslmlmllmg am Sonntag, sen 26. Nov. d. I., vormittags 10 Uhr, bei Baske, Grenadierstr. 33. Tagesordnung: 1. Ersatzwahl der ansscheidenden Vorstandsmitglieder, 1 Slrbeitgeber, 2 Arbeitnehmer. 2. Wahl des Ausschusses zur Prü- fung der laufenden Jahresrechnung. 3. Verschiedene itasien-Angelege»- heiten. Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer stnd hiermit emaelade». 944b Ter Vorstand. I. A.: Her»,. Runge, Vorsitzender, _ Rcichenbergerstrabe 147. Lrts-Krankenkasse der Cigurreiiiiilicher, Eortierer und deren gewerbl. Hilfsarbeiter. Mittwoch, den 29. November, abendö 8 Uhr, Rosenlhalerstr. 11/12, im Restaurant Pohl: Generalversammlung. 1. Bericht des Reudanten. 2. Neuwahl für 6 ausscheidende Vorstandsmitglieder. 3. Wahl der Kommisfiou zur Vorprüfung der Jahresrcchming. 4. Slnträge und Berichte. 929b Ter Vorstand. Orts-Krankenkaffe der Sattler und verw. Gewerbe zu Berlin. Sonnabend, den 25. November 1899, abendS S'/z llhr:• 160/5 Ordentliche Geiittlil-Nkrsamiiiliiiig der in den Wahlversammlimgen vom 12. und 14. November 1898 und vom 11. November 1899 gewählten Ber- treicr der Arbeitgeber und Kasten- Mitglieder in den Arminhallen. Kommandantmpr. 20. Tagesordnung: I. In getrennter Wahlversammlung: 1. Für die Vertreter der Arbeitgeber: ErgäiizuugSwaHl von zwei Mitglieder» zum Vorstand für 1900/1901. 2. Für die Vertreter der Arbeit- »chmer: Ersatzwahl von zwei Mit- gliedern zum Vorstand für 1900, sowie ErgäitzungSwahl von vier Mitgliedern zum Vorstand für 1900/1901. II. In gen>eln»ehaftilcher General- Versammlung: I Wahl des RcchnungsauSschustts. 2. Wahl des stellvertretenden Ren- danten. 3. Bericht über die in der General- Versammlung vom 15. April 1899 he- idiloflene Statutenabäuderuiig(§ 21 des Statuts). 4. Antrag des KrankencontroleurS um Gehaltserhöhung. 5. Beschluhfassung über den pro 1900 abzuschliebenden Aerztcvertrag. 6. Berfchtedencs. Nur die mit Legitimation der- sehene» Vertreter haben Zutritt. Um zahlreiches und pünktliches Er- sdieinen der Herren Vertreter ersucht Oer Vorstand der Orts-Kraiikenkasse der Sattler und verw. Gewerbe zu Berlin. I. A.: Albert Hassniann, Karl Hannemann, Vorsitzender. Schriftführer. Orts- Kraitketikafse General-Versammlitttg am Mittwoch, den 29. November, abends 8 Uhr, im Kassenlokal, Lands- bergerstrahe 108. 137/4 TageS-Ordnung: Wahl des Vorstandes und der Re- vistons-Komiulssion und sonstige Mit- teüuug.— Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. Orts-Krotakgsse ReimMmchnng der Gcnchmignng des dritten Nachtrags zum Statut. Dritter Nachtrag zum Statut der Orts-Krankenkaffc für de» Gemeinde- Bezirk Boxhagen- Rummelsburg (beschlossen in der Generalversami»- lung am 13. September 1899). 1. Für§ 13 Absatz 1 Ziffer 3 und 2. Nachtrag zu§ 13 des Statuts ist au Stelle der Worte drei Fünftel zu setzen: sieben Zehntel. 2. Der 8 20 und 2. Nachtraa zu Z 20 des Statllts wird wie folgt vcränocrt: 272/12 Das Sterbegeld wird, auf den vierzigfachen Betrag des durchschnitt- lichen Tagelohns festgesetzt und zwar: für männliche Mitglieder über 10 Jahre, ansschlicblich der Lehrlinge, 100 M., für weibliche Mitglieder über 10 Jahre 50 W., für männliche Mit- glieder unter 10 Jahre, einschließlich der Lehrlinge, 40 M., für weibliche Mitglieder unter 16 Jahre 30 M. 3. Der 8 21 und 2. Nachtrag zu Z 21 des Statuts wird wie salgt er- gänzt: Die Familieiiuiiterstüyuug wird nur denjenigen Mitgliedern ae- währt, welche der Kaste über 13 Wochen ununlerbrochen angehSren. RnmmelSbum, den 26. Sept. 1899. Oer Vorstand. Ritter. Röhr. Juckel. Hohnhaupt. Hermann. Genehmigt. Potsdam, den 3. November 1899. &• s) Namen? de? Bezirks-AuSfchusseS Der Borsibende. I. V.: B. 9375. Joachlmt. Vorstehende Statutenänderung tritt mit dem auf den Tag des Eingangs der Grnehmlguiig derselben folgenden Montag, also am 20. November 1899 in Kraft. Rummelsburg, den 17. Nov. 1899, Oer Vorstaad. Allst«»«! Schuhmacher: Achtung! Montag, den 20. November, abends S'/e Uhr Große öffentliche Schnh macher- Nevsamntlnug in Cohns großem Saal, Benthstr. SV/St. TagcS-Ordnung: I.„Die ZwangSiuniiug und deren Bedeutung für die Arbeiter". Referent: Gcnoste Sassenbach. 2. DiSkufston. 3. Das Regulativ des neuen Gewerkschastskartells. 4. Verschiedenes. 171/10 vet der Wichtigkeit obiger Tagesordnung ist das Erscheinen eine« jeden fkollegen notwendig. ver Einbernfer. übet: Knbe, Naturbeilkundige, Die Aufkliirnng des Volkes über die Schäden der mediztrnfchen Knrpfnfcherei. . Dieser Vortrag�soll an Kraulen, welche ich vorstellen werde, beweisen, ........ cl. wia cju 5Ct PI Braiidcilhilrgtsche Aerztekammer" lvie die herrschende Medizin behandelt x preisgekrönten Broschüre, welche die herausgegeben hat zur Aufklärung des Volkes Ochber die Schäden der Kurpfnschrrei. Welcher Pfuscherei? Der„medizinischen" oder ver natur- hetlluudlichcn? Der Vortrag soll uns darüber Aufklärung geben!— Es werben zahlreiche, durch medizinische Gifie verpfuschte Kranke vorgestellt. Jeder VolkSfreund, jeder Anhänger der Naturheilkunde Ist verpflichtet, zu eycheinen. Sämtliche Aerzte des Weddings sind hierzu eingeladen. Entree 15 Pf. Um zahlreichen Besuch bittet Bei- Vorstand. Geschäftsstelle des Vereins: Eharlotteuburg, Berlinerstr. 125, III, wo- selbst Anmeld, z. Verein jederzeit entgegengenommen werden. 945b Grüna«! Basstag: wozu einladet Achtung! Grüna»! MM- W nrstesseu! 3053L* Cr. Llnflenliayii. MflY KIlPülS Fest-Säle, ffiClÄ liiicm Hasenheide 13, 14,15. Zur Mitteilung, daß ich meinen neue» Festsaal, Hafenheide 13, circa 1500 Personen fastend, am 1. WcihiinchtSfeiertag eröfsne. Stelle den- selben de» geehrten Vereinen, Gesellschaften-c. zu Festlichkeiten zur Ber- fügnng. Gleichzeitig empfehle meine übrigen Fcstsüle zu Versammlungen und Festlichleiicn jeder Art. Einige Sonnabende sind noch zu vergeben. 29242" Slnx Klient. > Mörschel, Telephon: Amt IV 8023. Empfehle meine» großen prUhatllok»-, Mittage- u. Abendtlsoh. Echt Mstnchencr, Helles Lagerbier, ff. Weiße ic Franz. Billard. Verelnatlmmer, 40-80 Perf. fassend, noch ewig« Tage frei. Jed. Montag: kr. lliut- u. ledenvuret, gr-IVelltleleoheeeen. Draumsillls Is'östsälö,«iw Renz, (25048* _ jPüd.. zu allen Festlichkeiten u. Vcrsau'iuiluiigcn. Einige Sonnabende st»d noch frei für Vereine. Jeden Soitutag und Donnerstag: Grosser Ball. Alle übrigen Tage steht mein Lokal zu Versammlungen zur Verfügung. Der Toten-Sonntag ist frei geworden! Mnttntjnstvttsze 27. Empfehle meine Säle, 900 Personen fassend tauch mit Bühne), Wcii» «um Aassehank sehr j-eolgnctl siiss, rot, wio Portwein, ausgezeichnet im Geschmaeh, garantiert ic.' XOLtr. M. 7,—, lOÖLtr. 65,—, OxhoftM. 120,—. Eugen Neumann& Co., HoiimannÄÄt iv.�», Radeberger Exportbier-Brauerei Abteilung Pichelsdorf BERLIN NW. 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Der Verfasser, der sein Werl dem Wiener Physiologen Wiesncr ..als Bekenntnis bestimmter wissenschaftlicher und philosophischer Ilntcrsuchnngen"' gewidmet hat, führt sich selbst als„Dilettanten" ein, immerhin mehr in einem anspruchsvollen, als einem beschiidenen Sinne, denn seine Absicht geht offenbar dahin, die Bretter nieder- zurcisten, die den Zunstgclehrten die Welt vernageln. Leider ist er aber ein Dilettant im schlimmsten Sinne des Worts geblieben, indem er Mar vielerlei gelesen, aber nicht viel gelernt hat. Ihm fehlt, die ivissensckiastliche Viethode, die etwas gan� anderes ist, als das Scheu- klappenwesen der Fachgclchrsamkeit. Freilich erklärt Herr Chamberlain gelegentlich das neunzehnte Jahrhundert für den Triuniph der Methodik, worin mehr als in irgend einer politischen Gestaltung ein Sieg des demokratischen Princips zu erblicken sei. Allein, wenn er dann Wetter ausführt, daß Volksarmeen— im Sinne der heutigen stehenden Heere— die„universellste, einfachste Anwendung" dieser triumphierenden Methodik und„die Hohenzollern insofern die ton- angebenden Demokraten des Jahrhunderts" seien, so begreift man leicht, daß Herrn Chamberlains Methode sehr absonderlicher Art ist. Neben dem Mangel einer wissenschaftlichen Methode ist es die un- geheuerlichc Verschwommenheit des Ziels, die.ihn auf seinen mehr als tausend Seiten nicht aus dem hilflosen Hin und Her flüchtiger An- deutnngen herauskommen käht. Er will die Weltgeschichte sozusagen umkrempeln und kann sich nicht genug thun in herablassender Ver- achtung der Leute, die von einem Mittclaltcr, einer Renaissance, einer französischen Revolution als einschneidenden historischen Perioden sprechen. Für Herrn Chamberlain sind die Grundlagen des neun- zehnten Jahrhunderts griechische Kunst, römisches Recht und die Er- schcinung Christi, den er'im persönlichsten Sinne auffastt. Nach Christi Wirksamkeit habe dann zwölf Jahrhunderte lang ein Völker- choos bestanden, bis die germanische Rasse, zu der auch sielten und Slaven gehören, als Schöpfer einer neuen Kultur in die Welt- geschichte getreten sei, ein lichtes Gcgenbild zu dem dunklen Schatten, den der Eintritt der Juden in die abendländische Geschichte geworfen babe. Wir lassen uns gern jede Paradoxie gefallen, ivenn sie mit Geist und Witz und nicht allzu anmaßend auftritt, aber Herr Chamberlain übertreibt seine Rederei gar so hitzig, und in ihrem uferlosen Sumpfe taucht gar so selten ein flimmerndes Irr- licht auf. So will Herr Chamberlostt kein Antisemit des gewöhnlichen Schlages sein, operiert aber mit Schlaglvorten, die der allergröbsten antisemitischen Demagogie abgemaust sind. Er sagt, der. große Friedrich" — gelegentlich wird auch der„große Wilhelm" vorgeführt— habe jede Freiheit gewährt, nur nicht die Freiheit der Juden; bekanntlich hat der borussische Despot aber keine andere Freiheit gewährt, als nur den jüdischen Wucherern, die ihm bei seinen Münzfälschungen halfen, die„Freiheit christlicher Bankiers". Uni die Kultur des Christentums zu erhärten,„beivcist" Herr Ehamberlain mit ivnhrhast talmudistischer Spitzfindigkeit, daß Jesu» und Paulus der jüdischen Raffe nicht angehört hätten; um die Berwerflichleit des SocialiSmns aufzu- decken, spediert er mngekchrt den urgcrmanischen Engels ohne alles Federlesen ins Judentnm hinein. Er nennt Marx und Engels „zwei hochbegabte Juden, welche manch- der heften Ideen ihres Volkes aus Asien nach Europa herüber zu psianzen und modernen Lebensbedingungen anzupassen" vermocht h.äten. Mit solchem aus- bündigen Gesasel versöhnt doch nur gclcgonllich ei» Nufliig geff'ifcber- Selbstkritik, so wenn Herr Chamberlain schreibt:„Welchen Nnsinn hätte unser liebes Neunzehnte nicht gezeitigt? Wer es geschickt an- singe, lönnte bei Späteren den Eindruck hervorbringen, das ganze Säculnm sei fürs Tollhaus reif gclvesenl" Ausgestattet ist der in drei bequemen und handlichen Lieferungen erschienene Band übrigens vortrefflich. Richard M. Meyer, Die deutsche Litteratur dcS ncun- zchnten Jahrhunderts. 966 Seiten. Berlin, Georg Bondi, 1900. Der bevorstehende Wechsel des Jahrhunderts hat in seiner Wirkung auf die bitchhändlerische Produktion mehrere Sammelwerke hcrvorgenlfen, die sich bemühen, die historische Bilanz der letzten hundert Jahre zu ziehen. Das nmfangrcichste dieser Werke ist wohl „Das. neunzehnte Jahrhundert in Deutschlands Entwicklung", das der Verlag von Bonöi in Berlin veröffentlicht. Als Herausgeber fungiert Herr Schlenther,„k. k. Direktor des Wiener Hofbnrg-Theatcrs", ivie ihn die Reklamc-Slnzeigen der Vcrlagshandlung preislich nennen. Llis erster Band erschien vor Jahr und Tag ein dickleibiger Wälzer vow Theobald Ziegler über die geistigen und socialen Strömungen des Jahrhunderts, der an dein Fehler litt, daß er nicht diese Strömungen. schilderte, solidem mir das. ivaS sich ein liberalisiercnder Professor der Theologie an der hlniversität Straßburg darunter vorstellt. Ungleich böher steht der eben erschienene dritte Band, den Herr Meyer über die deutsche Litteratur des Jahrhunderts geschrieben hat. Er kannc- gicßcrt nicht ins Blaue hinein, sondern beruht guf einsiger Arbeit; mit, einem gewissen Vorbehalte, den tvir gleich machen werden, darf man anerkennen, daß Herr Meyer redlich die Dinge studiert hat, iibep dft. er schreibt, Fleiß uiid auch mancherlei Verdienst läßt sich der Schule Scherers nicht absprechen, zn der Herr Meyer sich zählt. Sie hat tnel in ästhetisch-philologilcher Kleinarbeit geleistet und bersteht sich trefflich auf die kritische Analyse von Dichtwerken, so weit es sich eben um östhetisch-philologische Gesichtspunkte handelt; daß Ibsen, Anzen- grnbor, Hanpiniann Poeten ganz anderen Schlages sind, als die Linda», Lnbliner, W'chert, das hat sie in siegreicher und auch dnnkenstvericr Weise wenigstens den intelligenteren Schichten der deutschen Bourgeoisie beizubringen verstanden. Allein Ivo die litterarische mit der allgemeinen historischen, mit der ökonomischen, politischen, philosophischen und sonstigdn Eilt- tvicklmig zusammenhängt, da ist ihr Verständnis ivie mit dem Messer abgeschnitten; da bcrfällt sie in eine Phrasenmacherei, die keineswegs durch einen peinlichen Stich ins Loygl-liiiterthänlge ver- schönert wird. Dieser gänzliche Mangel an Verständnis für die tieferen Zusammenhänge der litterarischen Entwicklung, der schon in der detttfchcii Litteratiirgeschichte des Meisters Scherer und nicht minder drastisch in Erich Schmedts Lessing-, in BrahmS Kleist-, iii Schlcnthcrs Hauptiiiann-Biographie hervortritt, ist die Achillesferse der Schererschen Schule, eine Achillesferse zudem, die, wenn wir ein kühnes Bild gebrauchen dürfen, das wir jüngst in einer bürgerlichen Zeitschrift lasen, schon bei der Herzgrube beginnt. Es ist hier nicht der Ort, ausftihrlich nachzuweisen, wie sich die Licht- und Schatienseitcn dieser Schule ans ihren Ursprungs- bedingungcn erklären: genug, das Werk Meyers, das wir anzuzeigen haben, ist in seinen Licht- und Schattenseiten ihr echtes' Kind. Es trägt viele Spuren reichlicher und in ihrer Art wohl- gcthancr Arbeit, und es ist nicht arm an mancherlei anregenden ästhetischen Bomerkungen, aber der ganzen Darstellung ichlt die bfflorifchc Perspektive und den einzelnen Gestalten das historische I Relief. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts, die Herr Meyer> überhaupt etwas stiefmütterlich behandelt, hat er über die klassische Philosophie und ihren Einfluß auf Jdie ffchöne Litteratur gar nichts zu sagen, was ungefähr darauf hinausläuft, daß ein Bäcker ein Brot ohne Sauerteig backen will. Fichte und Schelling sind je einmal, Hegel ist ein paarmal beiläufig erwähnt, etwas besser kommt Fenerbach weg, dagegen ist Bruno Bauer gänzlich tot- geschwiegen. Wenn der dem Werke beiliegende Reklamezettel der Verlagshandlung rühmt, daß Herr Meyer„in der Weise Scherers" den Begriff Litteratur im weitesten Sinn sasfe und die ganze schrift- stellerische Produktion des. Jahrhunderts darstelle, insbesondere den „charakteristischen Vertretern" der Philosophie eine„eingehende" Scbilderung widme, so weiß Herr Meyer am besten, daß dem nicht so ist. Ein paar abgerissene Bemerkungen über Feuerbach, Stirner, Schopenhauer, Diihriing und Nietzsche find auch nicht im dürftigsten Sinn des Wortes eine historische Würdigung der deutschen Philosophie im ablaufenden Jahrhundert. Viel.schlimmer noch wird es mit„der Weise Scherers" in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, wo nicht mehr die Philosophie, fondern die Oekonomie und die Politik die erste Geige spielen. Den Einfluß der Revolution von 1848 auf die Litteratur sieht Herr Meyer in der � Förderung der parlamentarischen Beredsamkeit; nicht nur dein Inhalte, sondern auch der Form nach seien die Verhandlungen in der PanlSlirche„vielleicht das Bedeutendste", was die Zeit von 1840 bis 1820 hervorgebracht habe, dagegen kämen Herweghs und FrciligrathS Gedichte, Feuerbachs Wesen des Christentums und tebbcls Dramen mcht ans. Zu Ehren von Herrn MeyerS ästhetischem rteile hoffen wir, daß er die Reden der PanlSlirche nie gelesen hat.. Da aber die Berliner Versammlung von 1348 der vormärz- lichen Reaktion etwas härter mitspielte. als der Frankfurter Schwatzklub. so kommt sie in Herrn Meyers patriotisch ent- zündetcnt GcinLte entsprechend schlechter fort:' er meint, sie habe„kleinlicher und altmodischer" diskutiert. Jedoch tröstet es ihn, daß ihre bedeutenden Redner„vor allein, nach unser»» heutigen Urteil, ans der Seite der konservativen Minorität" gestände» hätten, lind nun schildert Herr Meyer; lvio originell, scharf, ans- reizend Bismarck, ivie tiefgläubig, großarttg-folgerecht, eckig- originell Thaddcn-Trieglaff gesprochen,>vie wirksame Schlagworte Stahl als Devisen in die FahNenbünder gestickt habe. Diesmal können wir in positiver Sicherheit, zu Ehren von Herrn MeyerS ästhetischem Urteile behaupten, daß er die Reden nicht gelesen hat, die er mit so feurigem Schwünge analysiert. Aus dem einfachen Grunde nämlich nicht, weil sie nie gehalten worden sind: weder Bismarck, nach Thadden-Trieglaff, noch Stahl haben in der Berliner Versammlung von 1848 gesessen. Ein anderes Pentagramma macht Herrn Meyer in den fünfziger Jahren schwere Pein.' Er ist ästhetisch viel zu gebildet, um die süßholzraspelndc Goldschnittlyrik zu bewundern, die unter der Herrschast der Gegenrevolution auftvucherte, aber die fünfziger Jahre ivarcil auch das Jahrzehnt' FreytagS, Kellers, Klans Groths, Reuters. Stonns, Fontanes, überwiegend solcher Dichter, denen die Schercrschule einen manchmal übertriebene», aber an sich nicht un- berechtigten Kultus widmet. Wie nun erklären, daß gleichzeitig aus demselbcnBodcn eine ganz nichtige und eine verhältnismäßig bedeutende Litteratur aufsproßte? Es ist nur möglich, indem man diesen Boden ans seinen ökonomisch- politischen Untergrund prüft, und da„die -Weise Scherers" damit vor eine für sie mtslööbar« Aufgabe gestellt Wird, so Hilst sich Herr Meyer damit, dje Freytag, Keller, Groth, Reuter, Storm, Fantane in die vierzkgetz Jahre vorzuschieben, wo sie allesamt nichts zu stichen haben, etwa abgesehen von den wenig chärnkterkstifchen Anfängen FrcylägS und Kellers. Eher hätte es noch einen Ginn gehabt, wenn er Reuter in die sechziger, Storm in die siebziger tmd achtziger. Fontane in die achtziger und neunziger Jahre zurückgeschoben hatte. In den sechziger Jahren bekränzt Herr Meyer das Dreigestirn Dühring, Höckel und Treitschke als Gegner des müden Pessimismus tuid des platten Materialismus; es ist so, als ob ein politischer Historiker das Dreigestirn Bismarck, Marx und Stöcker in einem Atem segnen wollte, weil sie alle drei zlveifellos Gegner des müden Pessimismus und des platten Materialismus geivesen sind; in der Nacht solcher ideologischen Phrasenmacherei werden eben alle Katzen grau. Daß Herr Meyer in den siebziger Jahren den berühmten chainpagnertrinkenden Maurer als Probe der gesellschaftlichen Korruptton, Laskers mindestens objektiv verlogene Gründerrede aber alS lebhaftesten sittlichen Ernst vorführt, sei nur nebenbei notiert. Ein Hanptcoup gelingt ihm dagegen tvieder in den achtziger Jahren. In ihnen soll seit Görres und Börne der erste deutsche Jonrnalisl entstanden fem, der zu einer Macht lvnrde und mit seiner Zeitschrift das ganze Journalwescn Deutschlands in neue GSHmng brachtet Herr Meyer nicint nämlich, was man lesen muß, um es zu glnubeu, Herrn Horden und defsen„Zukunft". Dabei schweigt Herr Meyer in der crste>i.HäIfte des Jahrhunderls über die„Hallischen Jahrbücher", in der zweiten über Publizisten, wie Lndtvig Walcsrodc, Guido Weiß, Franz Zjcgler, deren jeder rein nach der litterarisch- stilistischen Seite— denn sie sonst mit Herrn Harden zu vergleichen, hieße sie beschimpfen— ein Dutzend Hördens aufwiegt. Die neunziger Jahre nennt Herr Meyer eine Periode der litterarischen„Kon- zentration" und gicbt dazu die Erläuterung, es sei von symptomatischer Bcdennnig, daß der für die deutsche Politik der Gegenwart maß- gebende Staatsmaiin die„Politik der Sammlung" als Losung ausgegeben habe. Was Herr Miquel unter der Politik der Sammlung versteht, weiß Herr Meyer gar nicht, ivie aus seinen weiteren Vetrachtuiigen hervorgeht,— er preist beispielsweise das Bürgerliche Gesetzbuch als eine Frucht dieser Politik—, und daS mag ihm in gewisser Beziehung zur Eiitschnldignng gereichen; nur entschuldigt es keines- ivegS dieses loyal-unterthänige Gcbahren. das nicht den Schimmer eines Lichts auf die litterarische Entwicklung des letzten Jahrzehnts ivirft. Diese Proben werden genügen, um zu erklären, wes- halb ivir der Darstellung des Herrn Meyer die historische Perspektive und seinen Gestalten daS historische Relief abbrachen. Sein Werk ist in vieler Beziehung ein brauch- bgres Hilfsmittel für die Spccialsorscher, aber zu einem icheren Führer durch die Litterattir des Jahrhunderts taugt es nicht. Da steht ihm die Darstellung weit voran, die Adolf Bartels vor Jahr und Tag veröffentlicht hat; bei kaum dem vierten Teil des Umfanges bietet sie eine ungleich klarere Uebersicht, als Herrn Meyers Werk. Bartels ist der Litterarhistoriker des„Kunstwntts", dessen ästhetisch-kritische Richtting mit ihrem freieren und weiteren Blick, und besonders ihrer anfrechten und männlichen Haltung uns überhaupt ein erfreulicher Fortschritt über die ganze Schererei zu sein 'cheint. F. E. Philippson. Handel und Verkehr im nennzehnten Jahrhundert. 19! Seiten. Berlin 1899. Verlag Siegfried Cronbach. Diese Schrift gehört einem anderen Sammelwerke an, das unter dem Gesamttitcl„Am Ende des Jahrhunderts" von Siegfried Cronbach herausgegeben wird. Nach der vorliegenden Probe' zu urteilen, ist es praktischer angelegt, als die Bondische Sammlung, schon weil es viel anspruchsloser ist. Was man von solchen Rück- blicken verlangt, ist doch in erster Reihe eine möglichst bündige, klare und zuverlässige Zusammenstellung der entscheidenden Thätsachen; man kann hier mit Fug sagen: Je einfacher, desto besser! Ncin gar die ungeheuren Umwälzungen, die das Jahrhundert ans dem Gebiete des Handels und Verkehrs vollbracht hat, sprechen für sich selbst. Philippson schildert sie in ganz schlichter, aber deshalb vielleicht nur um � so wirkungsvollerer Weife; er hat noch das vormärz- lichc Deutschland gekannt und zur selben Zeit in Manchester gelebt, als Engels dort das Material für die„Lage der englischen Arbeiter" sammelte. Freilich ist Philippson echter'Manchestermann geblichen, wenn auch von jener heute sonst wohl ausgestorbenen Art, die zugleich gut demokratisch gesinntc war.' DaS ist kein übler Standpunkt, um die revolutionäre Umwälzung des Handels und Verkehrs in diesem Jahrhundert zu schildern, und es schadet dem trefflichen Büchlein nicht viel, daß Philippson im letzten Kapitel mit den altväterisch-gemütlichen Waffen der votmärzlichcu Demokratie noch nebenbei den Socialismus tot- zuschlagen unternirnntt. Leonhard Müller. Badische Landtagsgeschichte. Erster "Teil:'Der Anfang des landständischen Lebens im Fahre 1819. 223 Seiten. Berlin 1900. Verlag von Rosenbaum u. Hart. Der süddeutsche Konstitutiouälismus der vonnärzlichen Zeit ist ehedem übermäßig gefeiert worden und wird heute vielleicht mit zu großer' Mißachtung betrachtet. Er hatte gewiß einen wenig erhebenden Ursprung, denn er war nicht von unten her erobert, sondern von oben her verliehen worden; im ivcsentlichen sollte er ein Bollwerk deS dynastischen Partiknlarismus sein, hinter dem sich die süddeutschen Kronen napoleonischen Ur- fprungs verschanzten, sei es gegen die Ansprüche der von ihnen ver- schluckten Fürsten und Städte, sei es gegen die Ansprüche des von Oestrcich mid Preußen beherrfchten Bundestags..AuS eigener Kraft konttte der süddeutsche Konstitutionalismus nichts gegen den Willen der Fürsten ausrichten, von deren Gnaden er bestand. Nachdem sich iffe füddeiltsthen Kammerhelden in der Revolution von 1843 als schwächliche Windfahnen oder gar als offene Verräter entpuppt hatten, verfiel er jener Mißachtung, die sich noch steigerte, als die deutsche Frage durch Blut und Eisen gelöst wurde. Immerhin sind die süddeutschenLandtage einMenschenalterhindurch die einzigen Orte in Deutschland gewesen, wo ein freies oder mindestens ein lautes Wort ertönen durfte, und wenn man weiß, wie sich in den vierziger Jahren selbst Johann Jacoby und ähnliche Männer ait den badischen Kammerverhandlungen erbaut haben, so wird man ihnen einen gewissen historifchen Einfluß nicht absprechen können. Sie lohnen deshalb wohl eine nnbefangene Untersuchung ihrer Wirksamkeit; nur scheint uns Leonhard Müller die Sache allzu ausführlich und weitläufig anzupacken. Fährt er in dieser Weise fort, fo fürchten wir, daß ihm die Lefcr, wenigstens außerhalb Badens, bald ausgehen werden; so gehäufte Auszüge aus den da- maligen Akten,- Etats tmd Reden vertragen wir heute nicht mehr. Auch glanbcn wir nicht, daß auf diesem Wege„die alte zerschofscne Fahne des badischcn Fortschritts" wieder auf- gerichtet werden kann, vorausgesetzt, daß dies Ziel überhaupt erslrcbcnSlvcrt tst; gerade die breite Darstellung des ersten badischen Landtages, der mit den übcrschwänglichstcn Hoffnungen begann, uin im ekeiidesten Katzenjammer zu enden, zeigt den süddeutschen Kon- stttutiqutzliSmus dev vorinörzlschen Zeit von seiner unvorteil- haftesien Seite.';.: �.-t Ludwig S a l o m o n, Geschichte dcS deutschen ZeitungS- weseno, von den ersten Aiifängeii bis zur Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches. Erster Band(das 16., 17. und 18. Jahr, hundert). 265 Seiten. Oldenburg und Leipzig 1900. Schulzesche Hofbuchhaydsimg. Der Vetfasscr drückt sich etwas sehr hyperbolisch aus, wenn ei in seinem Buch ein Werk zum Abschluß gebracht haben will, mit dem er sich bereits' gegen zwanzig Jahre beschäftigt habe. Denn er giebt keine qucllcnniäßige Darstelliing, die für eine» Einzelnen auch unmöglich sein würbe, sonder» nur eine übersichtliche Zusammen- stclliivg dessen, was sich in wissenschaftlichen Werken über die Ent- tvicklmig der deutschen Zeitungen bis zum Ende des vorigen Jahr» Hunderts findet. Von einem tieferen Eindringen in den interessanten Stoff ist dabei abgesehen, ivas sich ja auch verbot bei einer Schrift, die ihrer ganzen Anlage nach auf das sogenannte gebildete Publikum rechnet, dem alles hübsch bequem und mundgerecht beigebracht werden muß. Wie man mm aber immer über derartige Popularisicrimgen denken mag, so ist in jedem Fall anzuerkennen, daß der Verfasser sich von dem albernen Schwindel der„preußischen Preßfreiheit" encaiizspiert hat, die unter �>cm alten Fritz bestanden haben soll.'Er' ist auch' ehrlich genug, zu erzählen, daß der„frei- geistige" König, als ein Zeitiingshernnsgeber in Köln sich nicht zu preußisch-offiziöscn Diensten bequemen ivollte, ihn durch einen für 20 Dukaten angeivorbeiie» Strolch durckiprügeln ließ. In den loyal- preußischen Geschichtslverken ist viel Jammern darüber, daß die Russen, als sie im Jahre 1760 Berlin besetzten, den Redacteur der. „Vossischen Zeitung" mißhandeln wollteip Gcthan haben sie es, schließlich nicht, da sie sich im letzten Augenblick der Schandthat schämten; über dem„gekrönten Heros der Aufklärung" standen diese Barbaren doch noch beträchtlich. G. v. Wilmowski. Meine Erimterungen an BiSmart?« AuS dem Nachlaffe heransgegebeit von M. v. Wilmowski. 203 Seiten. Breslau. Verlag von Eduard Trewendt, 1900. Wir sahen dieser, schon seit einiger Zeit angekündigten Schrift mit einer gewissen Spannung entgegen, da Wilmowski in seiner früheren Sicllnng als Rechtsanwalt und Notar bei dem Kreis» geeichte in Schlawe Bismarcks Generalbevollmächtigter für die Varziner Gitter gewesen ist. Er hat den ewigen und für Bismarck sehr unriibmlicheii Prozeßkricg gekannt, worin dieser wohlwollende Grundherr mit seinen Verwaltern, Förstern und selbst Tagelöhnern lebt«, und konnte darüber sehr interessante Mitteilungen machen. Jedoch die„Erinnerniigen" Wilmowskis ent» halten davon kein Sterbenswörtchen, Dies Schweigen mag sehr ehrenwerte Beweggründe haben, aber je besser der Verfasser fährt. nm so schlechter fährt seine Schrift. Zu neun Zehnteln enthält sie längst bekannte Notizen zu Bismarcks Biographie oder gar Mitteilungen über den Anlaß des Krieges von 1870, die genauer und zuverlässiger schon in hundert Geschichtslverken stehen; nur etwa ein Zehntel der Schrift ftillen private Aeußeningen, die Bismarck zu Wilmowski ge- macht hat, und auch sie enthalten nichts, was nicht seitdem durch Busch und Konsorten zehnmal ausführlicher berichtet worden wäre. Da die„Erinnerungen" im Jahre 1872 geschrieben worden sind und bei ihrer absoluten Harmlosigkeit schon zu Bismarcks Lebzeiten hätten erscheinen können, so hat Wilmowski selbst schwerlich noch an ihre Herausgabe gedacht, und um so eher hätten, seine Erben darauf ver» zichten sollen, die ganz wertlose Ware auf den Büchermarkt zu bringen. F. Mehring. die oft an uns geatellt wird, wieso annonciren Sie noch bei dem de- deutenden Umfange und der gewaltigen Auswahl ihres Geschäftes< ÄntwortügGold waaren• Industrie 1110 ACö. olToriren ihre anssergowöhnl. prachtr. 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Um daher auch dem Unbemitteltsten Gelegenheit zu geben, etwas für seine Zähne thun zu können, berechne ich seit IV, Jahren folgende billige Preise, und bemerke ausdrücklich, daß jede Garantie für schmerzlose Be- Handlung und Brauchbarkeit der Arbeit gegebe» wird. Zähne 1,50 Mk. Die beste« Zähne kosten dem Zahnarzt nur ca. 59 Pfg.. und zahle ich dem gm- ioo mk. der mir nachweist, daß die Zähne, Mark nehmen, besser sind. lion haonhia* Jemand bestellt durch einen Reisenden ein 28- Mall UCiamv. zähniges Gebiß, a Zahn 4 Mr., für 112 Mk. Er zahlt daraus V» also etwa 35 Mk. an, und muß 77 Wochen hindurch eine Mark von seinem oft sauer verdienten Wochenlohn zahlen. Ifl, hapaphno dagegen dasselbe Gebist mit nur 42 Mk. ICH UCICUUIC Also mit nur wenigen Mark mehr, wie man dort nur anzahlt, bezahlt man bei mir das Gebiß ganz.— Daß meine billigen Gebisse ebenso gut und zuweilen noch besser sind wie die teuren, beweist meine große Praxis. 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Allen Freunden, Verwandten und Bekannten die traurige Nachricht, das; unser lieber Man», Vaier, Bruder u. Schivager, der MetalldruÄe« Scliötz am 17. d. M., früh 2 Uhr, sanft ent schlafen ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 21. d. M.. von der Leichenhalle des Nixdorscr Kirchhofes um 3 Uhr statt. Wtwo SchBtz nebst Kindern. Vosaiucnten-Arbeiter und -Arbciteriiine». Am Freitag früh verschied nach kurzem Leiden unsere Nachweiswirtin und frühere Kollegin klllsabetli Wltscbel, Ehre ihrem Andenken. Di« Beerdigung findet statt von der Leichenhalle des neueu Luisen- Kirchhofes aus(Rixborf, Hermann- strage) Montagnachmittag 4 Uhr. Zahlreiches Erscheinen erwartet Ter Vorstaud. Allen Bekannten die traurige Nach- licht, dag anr 16. d. M. früh mein lieber Gatte, der Milchhändler August Breitenbacb sanft entschlafe« ist. Die Beerdigung findet Sonntag, den 19. d. M., nachmittags 4 Uhr, auf dem Hcilig-Äreuz-Kirchhof statt. Die tiefbetriibte Gattin 9Z4b Elise Breitenbach. Wir geben hiermit zur Kenntnis, daß sich unsere gest. Ceiltral-KriUlktil- u. Sterbe- kajse h.btilWcllWllgellblUler. Beziink 11. Hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied SK8b Adolf Riedel am 15. November gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 19. d. M., nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des St. Sebastian-Kirch- hoss an der Dalldorser Chaussee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht vl« Ql'tsver'Hvaltunx. Warxnv Gdelroller mit den feinsten Touren ver- sendet uut. Garantie für leb. Ankunft u Wert per Nach- uahme zu 8, 19, 12 u. 15 M. Weibchen 1,59 M.(Nicht ge- fallend, Betrag zurück.) Rieb. Scbeere, Eschwege. Buchdruckerei jetzt PrenalaiicvAlIoeläS (nahe Heinersdorfcrstraße) be- Ilfiudel. f706b l-iotm& Taubmann. Reell! Reell! Billigste sBezugsguelle für Wieder- Verkäufer. Preislagen von Mk. 29, 22, 24, 23, 39 usw. pro Mille. Große Alisw. in Wcihuachts-Präscntkistchen. ZIe->ii�»'l»>z>»»& Co., Clgarren- Fabrlk, Berlin, Brandenburgstraße 44, part., an der Oranienstraße. 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Julius Schillert» Kdi'.igckianssee Mm Rod. Liebschwager, Gustav. idols» straße 19. Verantwortlicher Redactenr: Paul Iah« m Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Xh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. st. 272. i6. i«iria.9. 4. Ktilllge des Dmiirls" KMtt UslksblÄ. S-lu>kg. UokAles. Nochmals: Mehr Heimstätten für Genesende! Wenn aus dem starken, fortitcsctzt wachsenden Andrang zu den städtischen Heimstätten für Genesende ans eine gewisse Beliebtheil dieser Anstalten bei den in Betracht kommenden Bebölkerungskrcisen geschlossen werden darf, so ergiebt sich andererseits ans den ärztlichen Berichten, die dem Vcrwaltnngsbericht des Heim- stätten-Knratorüuns beigefügt sind, die U n e n t b e h r I i ch k e i t der H e i m st ä t t e n. Für 18S8/S9 wird wiederum aus allen 4 Heimstätten iibcrcinstimnicnd von den Anstaltsärzten berichtet, das; b e i vielen Pfleglingen Erfolge erreicht wurden, sofern ihr Leiden überhaupt noch besserungsfähig war. Notwendig ist aller- dingS, daß der Aufenthalt entsprechend lange aus- gedehnt werden kann. Um des eigentliche Ziel des Aliscuthaltes in den Heimstätten, die Wiedererlangung der Arbeits- und Erlverbsfähigkeit, möglichst vollständig zu erreichen, wurden von den Slcrzten vielfach Anträge auf Verlängerung des Aufenthalts über die ursprünglich vorgesehene Zeit hinaus gestellt. Selbst eine mchrinaligc Verlängerung wurde bei manchen Pfleglingen notwendig. Freilich war den Pfleglingen selber eine längere Ausdehnung des Ll u f Ml t-h a 1 1 s oft nicht möglich. Eine ganze Anzahl von ihnen sah sich gezwungen, die A n st a l t noch vor Ablauf der bewilligten Aufenthaltsdauer zu verlassen. Die Gründe waren iverschiedencr Art. Leider kam es, wie in den Vorjahren, so auch diesmal mehrfach vor. dast Pfleglinge nach kurzem Anfeüthalt nur deshalb iviedcr entlassen ivcrdcn muhten, weil ihre Kranken- lasse sich nicht zu lveiterer Zahlung ver- pflichtet glaubte. Lluch verliehen wiederum manche Pfleglinge aus Rücksicht auf ihre Fainilie oder aus Sorge um i h r e n V e r d i e n st die Anstalt, bevor sie noch ge- ncscn ivarcir. Ilm das zu verstehen. muh man bedeukcn, daß die Aufnahme- suchenden oft eine unerhört lange W a r t e z e i t bis zu ihrer Ausnahme durchzumachen haben. Wenn, wie ivir erst kürzlich wieder gezeigt haben, nicht �Lochen, sondern manchmal Monate darüber vergehen, bis die Aufnahme erfolgt, dann darf man sich nicht lvundern, dah hinterher die Pflege gerade im entscheidenden Angenblicke abgebrochen werden mutz. Durch den Mangel an H e i m st ä t t e n wird nicht nur die Zahl der Personen, die Aufnahme finden können, beschränkt, sondern bei denen, die schriest- lich Aufnahme gcfnudett haben, auch d e r E r f o l g d e s A n f- entHaltes in der An st alt beeinträchtigt. Wäre eine genügende Anzahl von Heimstätten vorhanden, so könnte sich die Aufnahme jederzeit glatt vollziehen, so dah die Genesenden Zeit behielten und mit ihren Mitteln reichten, um den Erfolg abzu- warten.. Mit besonderer Ausführlichkeit werden die schädlichen Folgen einer vorzeitigen A n f e n i h a l t s k ü r z u n g in dcni ärztlichen Bericht über die Anstalt Malchow behandelt:„Für die Erzicluug von Heilungen und Dauererfolgen ist es nicht nur nötig, datz nur geeignete Kranke aufgenonmteli werden, sondern auch, dah dieselben so laitge in der Anstalt weilen, wie es von ärztlicher Seite für notwendig gehalten wird. Mit vollem Recht ivird daher in einer Reihe von Heilanstalten iti dieser Richtung ein getvisser Zwang ausgeübt, sei es datz eine geivissc Verpflichtung zum. längere» Aufenthalt mit der Aufnahinc verbunden wird, sei es, datz Pfleglinge, die ohne zwingenden Grund gegen den ärzllichcn Rat die Anstalt vorzeitig verlassen, gewärtige» müssen, von einer Wiederaufnahme ausgeschlossen zu werden. Ein derartiger Zwang setzt natürlich voraus, daß, falls der Kranke der Ernährer einer Familie ist, letztere auf irgend eine Weise vor NahrungSsokgen geschiitzt w l r d. In den städtischen Heimstätten aber kann jeder Pflegling die Ansialt zu jeder Zeit verlassen und wieder aufsuchen. Daherkommt es, datz zumeist Kranke, bei denen überhaupt an Heilung oder Dauererfolg noch gedacht werden kann, in der Regel durch häusliche N o t'st ände gezwungen nach viel zu kurzer Zeit die An st alt lvieder verlassen, so- bald sie sich wieder einigermaßen arbeitsfähig fühlen." Die Sorge um die in Not befindliche Familie ivird natürlich durch eine bloße Vermehrung der Heimstätten nicht beseitigt, aber ihre den Heilerfolg schädigende Wirkung kann dadurch doch sehr er- heblich eingeschränkt lverden. Wenn die aus dein Krankenhausc Eni- lassencn nicht erst noch eine lange Wartezeit durchzumachen hätten sin der übrigens die Genesung durch mangelhafte Ernährung, nn- gesunde Wohnung usw. noch besonders verzögert ivird), so könnten viele zu der Zeit, wo sie unter den jetzigen Umständen als kaum halb Genesene durch die Sorge aus der Anstalt verjagt werden, bereits völlig hergestellt sein. Darum wiederholen wir: Mehr- Heimstätten für Genesende! Sie haben Erfolg und sind deshalb unentbehrlich, aber können nur dann vollen Erfolg haben, wenn sie in genügender Zahl da sind und jeden sofort aufnehmen können. Auflrsnng der kleine» Jnnnnge». Am 1. April 1898 sind bekanntlich die Bestimmungen der 81—102,§§ 104—104» des Artikels 1 sowie§8 120-128 des Artikels 2 und die bezüglichen Bc- stimmungen der Artikel 3—7 des Reichsgesetzcs vom 26. Juli 1897 betreffend, die Abänderung der Gcwcrbc-Ordnung in Kraft getreten. Zugleich begann für die Innungen die Verpflichtung, ihre Ver- fässung dem neuen Gesetz entsprechend umzugestalten. Einigen kleinen JnuNngcit ist diese llmgcstaltuna durch Auflösung erspart worden. Anlaß hierzu gab ein Erlaß des Ministers für Handel und Gewerbe, in welchem ausgeführt wird, daß zwar die im Jahre 1881 eingeleitete Jnnungs- Gesetzgebung im Gegensatz zu der den Arbeitern gegenüber geübten Politik den Zweck verfolge, auf einen Zusamkncnschlutz der Hand- werker in Innungen hinzuwirken, datz es aber doch nur darauf an- kommen könne, möglichst leistungsfähige Innungen zu bilden. Diese Erwüaungen hätten auch dazu geführt, in den 8 97 Abs. 1 Ziffer 4 der Gcwcrbc-Ordnung eine Bestimmung aufzünehmen, wonach Innungen geschlossen werden' können, wenn die Zahl ihrer Mitglieder so weit zurückgehe, datz die Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben dauernd gefährdet erscheine. Die Innungen mit wenig Mitglieder» leisten erfahrnngsinätzig in der Regel nichts auf dem Gebiete des Lehrlingswcscns oder im Interesse der Förderung des Gewerbes, sondern beschränken ihre Thätigkeit auf die Verwaltung von Neben- einrichtungcn oder die Nutznießung des von Alters her über- konmicnen verhältnismäßig nicht unbeträchtlichen Vermögens, Ivobei vielfach eine mit den Vorichriftcn des Gesetzes nicht vereinbare Ver- Wendung der Einkünfte beobachtet wurde. Entspricht hiernach die Bei- beHaltung dieser kleinen Innungen Ivcdcr den Jntercsjcn des Handwerks, noch der Absicht der Gesetzgebung, so konunt hinzu, datz die Wahl der Mitglieder der Handwerkskammern durch das Bestehen der vielen kleinen Innungen ungebührlich erschwert wird, ganz abgesehen davon, datz bei der nicht zu umgehenden Abstufung des Stimmvcrhältnisjcs gerade den kleinen Innungen ein nicht zu rechtfertigendes lieber- gewicht gegenüber den größeren Innungen und ein erheblicher Ein- stütz auf die Zusammensetzung der Handwerkskammern eingeräumt würde. Auf Grund des ministeriellen Erlasses lösten sich von den hiesigen Innungen die der Beirater in- RechtSangelegenheiten(mit 4 Mit- gliedern), der Musikmeister(mit 19 Mitgliedern), der Ledcrbercitcr (mit 13 Mitgliedern) und der Seifensieder(mit 27 Mitglieder») auf, während die Zinngictzer-Jnnnng(mit 6 Mitgliedern) auf die dies- bezügliche an sie' ergangene Aufforderung der Gcwcrbedeputation hin die Anflösnng Veriveigerte. Auf die hierauf von der Aussichts- behördc erhobene Klage wurde jedpch auch diese Ziverg-Jnnung durch rechtskräftiges Urteil des Bezirksausschusses geschlossen. Die Innungen der Zinngietzer und Beirater haben kein und die der Musikmeister kein nennenswertes Vermögen hinterlassen. Bei der Ledcrbereiter-Jnnung sind aus der Stcrbekasse derselben 23,89 M. bar und Wertpapiere zum Nennwerte von 600 M. und bei der Scifensicdcr-Jnnluig 312,82 M. bar verblieben. Das Vermögen der Ledcrarbeiter-Jnnung ist der Stiftungsdeputation des Magistrats zur Verwaltung überwiesen worden und soll zur Unterstützung von Witlven und minderjährigen Waisen von Lederarbeitern verivendct werden. Das Vermögen der Scifensieder-Jnnnng ist bis zur ent- gültigen Beschlutzfassüug über seine Verwendung vorläufig auf Sparkassenbuch angelegt. An die Innung der Sammet- und Scidenwirker(mit 20 Meistern und 28 Meistcrwitwen) hatte die Gewcrbcdeputalion des Magistrats ebenfalls die Forderung gestellt, sich aufzulösen; auf den von feiten der Jmiiing erhobenen Einwand wurde jedoch von der Auflösung Abstand genomnitn. Die Leistungen der Krankenkassen konnten im Jahre 1898 wiederum niehrfach erhöht werden. Die Unter st ü tz u n g s- d a u e r wurde namentlich von einigen Orts-Krankenkassen erweitert, von den Kassdll der Drechsler und der Kiirschncr von 13 auf 26 Wochen, von der Kasse der Graveure von 26 auf 39 Wochen, von der der Maschinenbau- Arbeiter von 26 auf 32 und dann noch in demselben Jahre auf 39 Wochen, von der der Sattler von 26 auf 62 Wochen. Ende 1893 gewährten demnach von 56 Orts-Krankenkassen 14 Kassen mit 90 466 Mitgliedern eine 13 wöchige, 1 Kasse mit 477 Mit- gliedern eine 20 wöchige, 12 Kassen mit 121 792 Mitgliedern eine 26 wöchige, 6 Kassen mit 29 268 Mitgliedern eine 39 wöchige, 23 Kassel! mit 112 529 Mitgliedern eine 52 wöchige Unterstützung. Die in den letzten Jahren bei verschiedenen Orts-5lranlenkasscii ein- getretene Erweiterung der UnterstützungSdaner hat die Leistungen dieser Kassen teilweise wieder auf die Höhe vom Beginn der 90cr Jahre gebracht. Bei den Betriebs-Kraukenkassen wurde die UntcrstütznngSdauer im Jahre 1898 nicht erweitert, ebenso wenig bei de» JnnungS-Krankeiikassen. DaS Kranken g l d konnte erhöht werden bei den Orts-Krankcnkafscn der Musikinstrumcnten-Arbeitcr und der Vcrgolder, das Sterbegeld bei denen der Gürtler. der Strumpflvirker, der Sattler, der Drechsler und der Wäsche- fabrikation. Von den Betricbs-Krankenkasscn erhöhte das Kranken- geld keine, das Sterbegeld die der Grotzei« Berliner Straßen- bahn. Die Jimüngs- Krankenkassen erhöhten nichts. In Er- ivcitcrung ihrer bisherigen Leistungen zahlcg seit 1893 Krankengeld für in die Woche fallende Feiertage die Orts-Kraukcnkasse für die Wäschcfabrikation, die der Maler, der Dachdecker, der Töpfer, der Bildhauer, Krankengeld a u ch f ü r Sonntage die der Tischler, der Friseure, der Bildhauer. Von den Betriebs- und Junnnge-Kraukenkassen führte 1898 keine eine solche Erweiterung ihrdr Leistungen ein. Von den Orts-Kranken- lassen zahlt nunmehr ein großer Teil das Krankengeld für alle Tage samt den Sonn- und Feiertagen, die übrigen zahlen beinahe sämt- lich wcnigstcus für die in die Woche fallenden Feiertage. Von den Betriebs-Kraukenkassen ist ein geringer Teil, von den Jnnungs- Krankenkassen sind sogar nur einzelne so freigebig. Höebster Preis. Goldenp iredaille Catr! 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