Unterhaltungsölatt des Horwärts Nr. 163. Mittwoch, den 23. August. 1905 (Nachdruck verboten.) 8] Daniel Junt. Nomon von Hermann Stegemann. Kanm waren sie die paar hundert Schritte aufwärts ge- stiegen zum Berggrat, wo die Steine wie dunkle Untiere in der Sonne lagen, da wandte sich der Toni um und fuchtelte mit dein Piston in der Luft, daß es helle Blitze warf. Aber der Wind fing ihm die Worte voni Mund und trug sie davon. Dann wieder ein paar wilde Bewegungen, und der Bergwirt sah, wie sie die Instrumente ansetzten, und auf einmal jauchzte die Marseillaise mit ihren gellenden, triumphierenden Tönen über die Alpweide. Daniel fühlte das Herz hart an den Rippen. Es brannte ihm etwas unter den Lidern, aber jäh drehte er sich mit einem Ruck auf dem Absatz und ging ins Haus. Kindereien, was tat ihm das, wenn ein paar Musikanten die Marseillaise bliesen! Ihm zum Trotz und als ob er von gestern auf heute vergessen hätte, daß dort oben die neue Grenze lief! Er war nicht mit Sack und Pack zu den Preußen desertiert, aber tot- stechen ließ er keinen von ihnen unter seinem Dach. Und wenn sie ihm den roten Hahn darauf setzten! Den roten Gockel! Rur zu, dann mußten sie bauen, die von La Motte, und was die Brunst fraß, war zu seinem und ihrem Besten. Er biß�die Zähne zusammen, und als ihm im Halb- dunkel die Sommermagd mit einem Becken voll Wasser be- gegnete, sperrte er der Ueberraschten den Weg, faßte über die Schüssel weg ihren rotblonden Kopf mit nervigen Händen und küßte sie jäh auf den frischen Mund. Ihr leiser Schrei wurde von seinen Lippen erstickt, und ein Schwall Wasser sprang aus dem Becken und netzte beiden die Füße. Dann ging er weiter, und das Mädchen stieg, schwer atmend, mit einem Gefühl Plötz- sicher Mattigkeit in den Knien, die Treppe hinauf. Die Schüssel schwankte in seinen unsicher gewordenen Händen. Drei Wochen lag der Grenzaufseher in der Kammer des Bergwirtshauses. Der Vorsommer würzte die Luft, die zu dem Kammerfenster hereinstrich, mit frischen Düften, und die Herdeuglocken läuteten Tag und Nacht auf den Weiden. Als die ersten Sommergäste einzogen, war der Mann so weit ge- heilt, daß man ihn zu Tal bringen konnte. Aus Colmar waren Soldaten hermifgekommcn, die trugen ihn auf einer 5irankenbahre nach La Motte hinab. Daniel Junt hatte ihm nütleidig in das magere Gesicht geschaut, der blonde Schnurrbart lag über dem blassen Mund und krauste sich gewaltig über den hohlen Backen. Die Augen hatten einen trockenen Glanz. „Der geht uns doch noch vor die Hunde," sagte der junge Militärarzt, der den Transport leitete, zu dem Grenzkontrolleur an seiner Seite. „N' ja, so sieht es aus. Feldzug mitgemacht, kein Härchen gekrümmt, und nun zerfetzt ihm so'ne Bagage den Blasebalg! Armes Luder!" Der Kontrolleur fuhr sich mit dem Zeigefinger in die enge Halsbinde, in der sein speckiger Hals sich mühsam drehte, und begleitete die letzten Worte mit einem pustenden Seufzer. Dgraus gingen sie hinter der Tragbahre her bergab. Daniel hatte ihre Worte verstanden. Unwillkürlich war ihm ein Widerspruch auf die Zunge getreten, aber er bezwang sich. Bagage, ja, er selbst hatte die Burschen nicht anders genannt, aber als die da das Wort gebrauchten, stach es ihn, und er fühlte sich mitgetroffcn. Am anderen Tage kam ein amtliches Schreiben aus der Stadt. Er wog es ärgerlich auf der Hand. Er hatte genug Aerger und Schaden mit dem Handel gehabt, und Laufereien, Zeugenaussagen: er hatte es satt. Unwirsch warf er den Brief auf den nächsten Tisch und ging seinem Tagwerke nach. Das war schwer genug, seit in der Ferme gekäst wurde, die Boten- fuhren und Chaisen über den Berg kamen, und im Oberstocke die Sommergäste logierten. Am Abend fand der Wirt den Brief neben seinem Teller. Da schnitt er ihn auf, las und zuckte geringschätzig die Achseln. „Was ist denn das, Monsieur Daniel?" fragte einer der Gäste, mit denen er am Tische saß.„Das sind ja die Siegel vom Gouvernement. Das riecht nach Preußen und Schikane!" Und der graubärstge Herr rieb sich den Mund mit der Serviette, als hätte ihm der Anblick des Amtssiegels den Ge- schmack verdorben. „Nein, Herr Jaeklch sie fragen„sich nur, was ich Kosten gehabt Hab' mit dem Blessierten. Ich soll Rechnung aufstellen." Das gab eine eifrige Unterhaltung an dem Tische, wo Herr Jaeklä und seine Frau, Madame Ostermeyer und ihre Tochter und der Abbä Wetzel mit dem Wirte zu Nacht aßen. „Heischt fünfhundert Franken," schnaubte Herr Jaeklä und schwenkte die Gabel, daß die Salatblätter wild über den Tisch flogen. „Gebt's der Kirche, lasset Messen lesen dafür," rief der Abbä, während er einen frischen Fettfleck von der Soutane wischte. „Ja, macht Eure Rechnung," sprach Frau Ostermeyer mit ihrer tiefen Stimme,„und macht sie auf der Stell'. Preußen, die bezahlen wollen, es ist unglaulichl Ich habe noch keinen von dieser Sorte gesehen." Fräulein Noämie Ostermeyer aber legte ihre weiße. Und- lich hagere Hand auf Daniels Arm und bat: „Schenkt mir die Enveloppe mit den schönen, roten Siegeln, Monsieur Daniel." Daniel sah finster auf den Briefumschlag, auf dem die Adlersiegel brannten. Doch als Jaeklä wieder anhub und ihn drängte, sich die Pflege des Verwundeten reichlich vergüten zu lassen, zuckte er die Achseln und schob dem jungen Mädchen das Kuvert in die Hand. „Hier," Mademoiseille Nosmie"— und dann auf ein- mal laut und schroff über den Tisch hin—„keinen Sou nehm' ich dafür. Man soll mir nicht nachsagen, der Daniel Junt läßt sich ein gutes Werk bezahlen. Er geht hin an dem Messer- stich, der arme Teufel. Ich mäst mich nicht an dem blutigen Geld." Er stand auf, raffte das Schreiben vom Tischtuch und warf es zerknittert und zerpflückt zum offenen Fenster auf den Hof hinaus. Und als acht Tage später ein zweites Schreiben kam, diesmal brachte es der Gendarm aus dem Tal herauf, da ging er in sein Bureau und schrieb auf einen Bogen: „Ich Hab' nichts zu fordern von der deutschen Regierung. Ter Blessierte kann's besser brauchen." Dafür wurde er um zehn Mark gebüßt. Wegen un» gebührlichen Benehmens. Die Kurgäste-lachten und schimpften in einem Atem, als sie es erfuhren, und tranken an diesem Tage noch ein paar Liter Riesling, damit dem Daniel die zehn Mark nicht vom Zins abgingen. „Auch gut, jetzt lassen Sie mich doch in Ruh," sagte er und warf damit die Geschichte hinter sich. Das Nrttele aber sagte zu der Catherine in der Küche: „So ist er, der Daniel. Man weiß nie, wo man drair ist' mit ihm." Die Catherine antwortete: „Das weiß manches nicht," und sah dabei herausfordernd auf das Mariele, das mit zerzaustem blonden Schopf und einem weichen Lächeln in dem zarten, blassen Gesicht in die Küche geschossen kam, um das Nettele nach der Zimmerwäsche zu fragen. Die alte Mamsell tat, als hätte sie die anzügliche Rede nicht gehört. Aber als sie mit dem Mariele ins Kastenzimmer ging, murmelte sie unterwegs: „Man muß ihn verheiraten und bald, auf den Tag nach dem Leidjahr." So eifrig sich das Nettele aber Mühe gab, so große Hülfe es auch fand bei den alten Kurgästen und in den Fermen und Nestern ringsum, Daniel war taub und blind für alle ver- steckten Anpreisungen. Von Gerardmer kam im September der Wirt zum„Eanon d'or" auf die Höhe und brachte seine Nichte in die Kur, eine Tante aus Labaroche ging als Garde- dame mit. Das Mädchen war stark und hübsch, mit einem Völklein goldglänzender Sonimersprossen auf der feinen Nase, braunen Äugen und einem zierlichen Leib. Daniel wurde bald gewahr, daß der Angel ausgeworfen war. Aber er zuckte die Achselin Heiraten, wenn einmal ein neues Haus stand und eins allein nicht mehr nachkam, wenn — 650— die Gäste die Wirtin entbehrten und der Haushalt die Meisterin dann war es Zeit, daran zu denken. Aber dann ging e r au die Schau und dann— pah. was gab's da zu sinnieren! Und er sah an der Temoiselle vorüber, so heiß ihm auch zuweilen das Herz brannte, wenn sie wie ein scheuer Vogel an ihm hin strich, ein heimliches Verlangen in den braunen Augen. Der L6on lag oft im Arme des Mädchens, Floflo aber ging wie ein mißtrauisches Hündlein um sie herum und war durch keine Freundlichkeiten zu gewinnen. „Ei» bösartiges Ding, die Kleine. Und beißen soll sie wie ein Rattler," sagte Mademoiselle Denise zum Nettele. „Wer hat das gesagt? Florence ist ein rechtes Kind Eifersüchtig ist sie, das ist's," antwortete das Nettele, und von diesem Augenblick an war auch für es das windige Ding mit seinen Cafs-Chantant-Manieren— wie es auf einmal hieß— abgetan. Acht Tage später fuhr der Sepp die Tante heim, die Nichte war schon am frühe» Morgen mit der Post über den Berg. Floflo war eifersüchtig gewesen. Das Nanettele hatte recht gesehen. Das Kind war in die Höhe gewachsen, es hatte einen Schuß getan wie der Spargel im Mai, und als im Ot tober der Klavierstimmer kam. um das alte Piano im Gast zimmer zu flicken, meinte er, jetzt war' es hohe Zeit, ihm Tafel und Griffel in die Hand zu geben. „Das Kind ist neunjährig. Ihr müßt es in die Schule schicken. Tic Preußen sind gar scharf drauf, daß die Kinder aufs Bäukle kommen," sagte er zu Daniel. „Drei Stunden nach La Motte hinunter und im Winter, das könnt' mir einfallen." Daniel wollte nichts davon hören „Und die Religion, wie ist's mit der?" fragte der Stimmer, der seit Jahr und Tag auf den Berg kam, wenn die Sommer gaste fort waren, und so viel galt wie ein Hausfreund. „Das ist den Weibern ihr Sach'," antwortete Daniel. „und der Abb6 Wetzel, der hat ihm auch schon gesteckt, was es wissen muß— das langt." „Ihr seid ein Heide, Daniel," entgegnete der andere lachend. „Um so schlimmer für mich," versetzte der Wirt gleich wütig. Tann sprachen sie von den Zeitläuften, den Deputierten ivahlen für den„Landesausschuß", von dem und jenem, der für Frankreich optiert hatte, aber nicht emigriert war, und nun den Deutschen spielen mußte, von dem Herbst, der in diesem Jahre mäßigen Ertrag gezeitigt hatte, von Frankreich, wo die Nattonalversammlung just die Verfassung fertig stellte, und von der Wunderquelle in Lourdes, zu der erst vor acht Tageil wieder dreißig Elsässer aus dem Sankt Amarintal go pilgert waren. „Noch zwei, drei Jahre, dann ist die Armee bereit für den Krieg, dann kommt die Revanche," sagte der Klavierstimmer und klopfte die Asche aus seiner kurzen Pfeife. Daniel schwieg. „Ihr glaubt's nit?" Da trank Junt sein Glas aus und erwiderte: „Ich Hab' keinen Herrn hier oben. Ob ich dem Preuß steuere oder dem Franzos, das kommt auf eins heraus. Das ist wie eine Assekuranz, die gezahlt wird. Aber daß mau einen nicht gefragt hat, daß so ein Stück Land abgerissen und einem anderen zugeschlagen wird mit aller Lebware wie auf der Auktion, das geht mir nicht ein. Ich Hab' gegen den Napi gestimmt, aber er hat einen gefragt, jetzt ist alles eins. Meinetwegen. Ich Hab' keinen Herrn hier oben. Und Re- vaitche? Wir wollen's erwarten. Sie trägt mir den Schlaf nicht weg." lFortsetzung folgt.) Ibre Ske. lNachdnick verboten.l Von M. Gregory, Käthe zog ihrer Liddy, deren Wachsgcsicht zerkratzt war, und die nur noch zwei mit Sägemehl gefüllte Armstumpfen hatte, mütter- lich sorgsam ein neues weiß und rvt gestreiftes Unterröckchen an. Ab und zu betrachtete sie von ihrem Holzstoß neben dem Ofen aus kopfschüttelnd und vorwurfsvoll die Mutter, die auf dem Küchen- tische Wäsche anfeuchtete. „Aber Mutti Du spritzt uns ja ganz naß!" rief die Kleine schließlich tiefgekrankt.' «Dann fetze Dich gefälligst wo anders hin.' Frau MassongS grobknochige Hände strichen haltlos wieder und wieder über ein Hemdchen oder ein Höschen. Als die eingespritzte Wäsche zusammengerollt war, preßte sie die heiße Stirn verzweifelt gegen die Tischplatte. „Was Du für lange Arme hastl" wunderte sich Käthe über di« Mutter, deren Arme an den Seiten apathisch herabhingen. „Bist Du böse? Mutti?" frug sie zärtlich. „Nein, nein. Ich habe Kopfschmerzen. Laß mich." „Arme Mutti!" Die Kleine krabbelte besorgt aus Christinens Schoß und legte die dünnen Aermchen um ihren Hals. Als Frau Massong ihr wehtte, beklagte sie sich vorwurfsvoll: „Aber Mutti, Du streichelst mich doch auch immer, wenn mir irgend etwas weh tut." Käthe preßte sich zärtlich an sie. „Aber Mutti l Du atmest ja gar nicht mehr," sagte sie nach einer Weile ganz erschrocken. „Ach Du, Dummes, gewiß. Sonst wäre ich doch tot." „Aber sonst hat sich doch da oben immer was bewegt— auf und ab— immer auf und ab. Jetzt gar nicht mehr, nur noch so ein ganz, ganz klein wenig." Christine ließ die Kleine plötzlich unsanft auf die Erde gleitew, Ueber ihren mageren, durch viele Geburten geschwächten Körper lief ein Frösteln. „Geh, spiel mit Deiner Puppe." Käthe setzte sich verschüchtert wieder auf ihren Holzstoß, während Frau Massong mit nervös zitternden Händen fortwährend die bauschig weite, blaue Küchenschürze an sich herunter strich. Nach einer Weile ließ die Kleine absichtlich ihre Puppe zur Erde fallen und sah erwartungsvoll zu der Mutter hin. Als diese nichts zu bemerken schien, rutschte sie unruhig auf dem Holz hin und her, trampelte mit den Beinchen und gähnte laut. Immer noch keine Antwort. „Mutti I Ich weiß gar nicht mehr, was ich noch tun soll." „Spiel doch mit Deiner Puppe!" „Ach nein. Die hat ja bloß noch ein Augel" „Dann nimm ein Bilderbuchl" „Die dummen Bilder, die habe ich schon tausendmal gesehen." „Oder geh auf den Hof und spiele mit den Kindern." „Nein, nein, nein. Ich mag aber nicht. Die häßlichen Kinder." „Na, dann kann ich Dir nicht helfen. Steh auf! Ich brauch« Holz." Käthe regte sich nicht. „Laß mich an die Kiste k Hörst Du nicht?" Käthe fing an zu weinen, stand aber nicht auf. „Willst Du nun aufstehn l Willst Du sofort still fein?I oder—" „Nein, nein Mutti, nicht schlagen— nicht schlagen," wimmerte die Kleine. „Sofort gehst Du auf den Hof und kommst nicht, bevor ich rufe!" Käthe stand zögernd auf. „Mutti, laß mich doch hier oben. Ich will auch ganz brav ein!" „Nein! Sofort gehst Du hinunter! voran!" Christine stellte sich ans Küchenfenster, um zu sehen, ob Käthe gehorchen würde. Nervös wischte sie mit dem Schürzenzipfel über die ange- laufencn Fensterscheiben, die auf den engen Hof führten, wo eine ganze Schar Kinder, Mädchen und Knaben, verwahrlost und barfuß, 'piclte, sich balgte, schimpfte und sich wieder vertrug. Aber Käthe war nicht darunter. In einem Kinderwagen neben der Kcllerlukc schrie ein kleines Wesen und strampelte mit Armen und Beinchen. Neckische Sonnen- 'trahlcn huschten streichelnd über eine junge Wäscherin, die einen chweren Korb voll Wäsche aus dem Hausflur in den Waschkeller chleppte. Die kräftige, um die Hüften auffallend runde Person chlug gerade dem dicken Hausherrn auf die tätschelnde, grobe Hand. Die Kinder sahen zu, lachten und quietschten belustigt. Es war doch gut, daß Käthe nicht dabei war. Frau Massong krampfte ängstlich beide Hände ineinander. Nun war es bei ihr auch bald wieder so weit. Was Massong wohl dazu sagen würde? Ja, wenn sie noch jung und frisch wäre wie die Waschfrau da unten. Der sah man es kaum an. Aber nach sechs Kindern verschönt einen das siebente nicht mehr._ Wie eine drohende, nachtschwarze Wolke lag die kommende Zett vor ihr, und sie fing an, bitterlich zu weinen. Käthe hatte in dem dunklen Treppenwinkel, wohin sie sich ver- krochen hatte, nicht mehr ausgehalten und war ganz leise wieder heraufgeschlichen. „Mutti I Mutti I" rief sie schüchtern vor der Türe. Keine Antwort. Kurz entschlossen drückte sie die Klinke auf..... Da saß die Mutter am Küchentische, weinte und schluchzte, daß der Tisch mitbebte.........5...�- Küthe wurde ganz rot vor Schrecken. Sie stürzte in die Küche herein und umklammerte die Mutter mit beiden dünnen Aermchen. „Sei mir doch nicht mehr böse, Mutti— Muttis— Horst Du? Mutti, ich will's auch ganz gewiß nicht wieder tun." Frau Christine streichelte wie hülfesuchcnd den erhitzten, lieben Blondkopf. „Ich Hab' Dich ja so liebl" schluchzte die Kleine. Als der Vater abends spät nach Hause kam, saß Frau Massong an dem Küchentische und sortierte kleine Jäckchen und Hemdchen, ganz winzige, verwaschene Erstlingshemdchen. Er blieb vor Schreck an der Türe stehen. „Frau?—— grau? II"-- Christine stand auf und sagte kein Wort. Die Arme hingen ihr schlaff an den Seiten herunter, und durch ihre magere Gestalt lief ein krampfhaftes Beben. Eine ganze Weile Schweigen. Dann brachte sie ihrem Mann das Essen. „Na, ich verdiene ja jetzt schönes Geld— dann soll's schon gehen," meinte er schliesslich. „Ja, ja. Das sagst Dul Aber ich?!" „Ach Du armes Wurm. Ja, ja—" Wieder schwiegen beide eine Weile. Als Massong die dritte Flasche Bier öffnete, sagte Christine: „Wo das noch hin soll--" Und stöhnend:„Dabei sitzt man hier st verlassen. Den ganzen Tag allein hier oben." „Aber warum gehst Du nicht aus? Wer hindert Dich?" „Das meinst Du. Du verstehst das nicht. Da ist immer etwas zu flicken und zu stopfen und zu tun— Ach Gott, bis ich nun erst wieder all das Kinderzeug zusammen habe— jedes, jedes Jahr— es ist ja kein Wunder, wenn man dabei alt und hätzlich wird..." Massong legte den Arm zärtlich um sein Weib: „Ach was. Trink mal mit!" „Ja, Du trinkst den ganzen Tag. Ich rieche es ja. Ach Du Du—" „Nun hör auf. Werde nicht albern. Ich darf doch wohl noch Bier trinken." „Trink Du nur, amüsiere Dich nur— nur recht, recht, daß Du ja nichts versäumst. Wie lange dauerts, dann kann ich auch Sonn- tags nicht mehr mitgehen— dann gehst Du auch dann allein— ach--" Christine fing krampfhaft an zu weinen. Hubert Massong strich sich rat- und hülflos durch die kurzen Haare. „Ja, ja," platzte er schließlich heraus,„was kann ich denn dafür?" „Du?! Du?!— nein," sie lachte höhnisch,„nein. Du kannst nichts dafür." „Zum Donnerwetter! Was fällt Dir ein, Weib? Dafür plage ich mich doch nicht den ganzen Tag in Wind und Wetter, datz Du mir nachher noch vorwerfen wirst, datz ich— Dein Mann sei? I Zum Donnerwetter I Was willst Du denn eigentlich? Was Dir passiert, das passiert allen anderen Frauen ebenso. Ich gehe jetzt schlafen." Er zog sich aus. Und Christine folgte ihm stillschweigend und grollend. Am anderen Morgen früh beim Kaffee— es war noch dunkel draußen— sagte Hubert zu seiner Frau: „Hör mal, Christine, wie wäre es, wenn wir Deine Schwester Dina zu uns nähmen— solange..." Christine lachte grell auf. „Ja die— die-- das käme Dir so recht." Massong fuhr auf. „Bleib nur sitzen. Ich sag' es doch. Wenn Du auch noch so wild tust. Du läßt ja keine in Ruh—" „Frau! Frau l" Die Wut preßte ihm die Kehle zusammen. „Sie hat»iir ja selbst erzählt. Der Heiligenschein um Dich ist längst fort. Warum also regst Du Dich noch auf? Das ist doch so alt— so alt"-- Sie brach in stöhnendes Weinen aus, das ihren schwachen Körper hin und her schüttelte. „Sei doch ruhig, Frau. Wein' bloß nicht so, das schadet Dir. Es ist ja alles Unsinn, was Du da redest." „Unsinn?! Nein, das ist Wahrheit. Wahrheit. Tu' nur nicht so heilig. Wenn ich's auch nie gehört und gesehen hätte, ich wüßte — und weiß es doch— ich hab's gefiihlt, gefühlt da— hier.— Geh', laß mich nur. Jedes Jahr ein Kind— ja, dafür bin ich gnt genug— aber sowas, wie Du der gesagt, sowas— so- was--" „Aber was willst Du nur? Du bist doch meine Frau. Dich habe ich doch geheiratet: daß ich nicht mehr wie ein grüner Junge um Dich herumscharwenzeln kann, ist doch erklärlich. Aber schließlich: Du bist auch selbst schuld daran. Wie oft habe ich Dir schon ge- sagt: Kauf Dir ein Kleid, das Dir steht, das ein bißchen nach was aussieht— zum Teufel— ich hänge nun mal am Aeußerlichen. Habe ich Dir je das Geld dazu verweigert? Aber da konnnst Du mit verwaschenen, gedruckten Kleidern, die vorn zu kurz sind und hinten schleppen,— mit krampfhaft zurückgestrichenen, strähnigen Haaren— und ich hasse das— ich hasse und verabscheue das— Ach was! Unsinn! Das habe ich Dir ja alles schon hundertmal ge- sagt." Massong ging mit harten, aufgeregten Schritten hin und her. Rückte heftig an jedem Stuhl und stieß gegen einen Fußschemel, daß er unter den Ofen flog. Christine lachte höhnisch. „Wie Du Dir immer heraushilfst. Also die paar Fetzen, die um den Leib hängen, die sollen's ausmachen? Daß ich nicht lache I Und ich? Was bin denn ich? Geh doch, geh doch." „Mach, was Du willst.� Massong schmiß die Türe krachend hinter sich ins Schloß. Wochen vergingen. Der Verkehr zwischen den beiden Eheleuten wurde immer un» freundlicher. Es kamen für Massong Stunden, wo er sein Weib beinahe haßte. Ihr Aeusseres stieß ihn ab. Die fortschreitende Schwangerschaft ließ ihre eingefallene Brust noch flacher erscheinen. Im Gesicht machten sich häßliche, gelbe Flecken breit, während die Augen einen eigentümlich verschwommenen, feuchten Glanz be- kamen. Christine warf ihrem Mann bei jeder Gelegenheit bor, datz er sie zu dem gemacht, was sie jetzt sei. Wenn es möglich gewesen wäre, hätte sie ihr Haar noch fester an den Kopf geklebt, hätte noch ältere, verwaschenere, unvorteilhaftere Kleider herausgesucht. Von nun an setzte sie ihren Stolz darein, möglichst häßlich und möglichst aufdringlich ihren Zustand zu zeigen. Massong mußte sich oft gewaltsam zurückhalten. In jedem Finger zuckte ihm die Lust, dreinzuschlagen, und das versteckt höhnische, verzweifelte Lächeln aus ihrem starren Gesicht herunterzureißen.-- Eines Sonntags mittags, als Massong mit seinen beiden Kindern spazieren ging, sagte der sechsjährige Fritz:„Warum ist denn die Mutter nicht mitgegangen?" „Ich weiß nicht. Vielleicht hat sie Kopfschmerzen..." „Ja ja!" bestätigte Käthe.„Die Mutter hat jetzt so oft Kopf- schmerzen, und dann weint sie immer und immer zu"... Nach einer Weile Fritz: „Vater, ich finde das recht dumm, immer zu weinen. Jungens dürfen überhaupt nicht weinen. Der Herr Lehrer hat gesagt: Ein Junge, der weint, ist nicht besser als ein Mädchen." „Aber Mutter ist auch ein Mädchen und die ist doch Wohl tausendmal besser als ein Junge", verteidigte sich Käthe. „Ja nu— weil sie die Mutter ist!" „Wer will Bier trinken?" frug Massong in ihren Disput. „Ich! Ich! jubelten beide. Sie kehrten in einer Bierschenke ein, deren junge, schmucke Kellnerin sie wie alte Bekannte begrüßte. „Nu, Dora, viel zu tun haben Sie aber heute nicht?" neckte Massong vertraulich. Beim Hinstellen des Glases schlitzte sich deb Mädchens weiter roter Blnsenärmel bis über den Ellbogen aus. „Donnerwetter. HabenSie dickeArme!" bewunderte Massong und tappte prüfend auf den kräftigen, vollen Unterarm. „Geh'n Sie. Lassen Sie doch das!" wehrte die Kellnerin kokett und streichelte dabei der erstaunt aufhorchenden Käthe über die weichen, zarten Kinderbäckchen. Das Wirtszinnner füllte sich allmählich init GLsten. Familien mit ihren Kindern, Dienstmädchen im EonntagSstaat mit Soldaten... Es wurde rauchig, qualmig. Die beiden Kinder rutschten unruhig auf ihren harten Stühlen hin und her. Das Bier hatten sie doch längst ausgetrunken. Vaters Glas war auch schon oft leer gewesen, aber immer wurde es von der hübschen Kellnerin mit den weiten Aermeln wieder neu gefüllt. Einmal hatte der Vater sie am Rocke festgehalten, um ihr etwas ins Ohr zu flüstern, aber da war sie fortgelaufen. „Vater— Vater." begann Fritz leise. Der Vater hörte nichts. Mit sonderbar starren Augen sah er zu, wie die behende Kellnerin hin und her lief und allen freundlich zunickte— dem auf die Schulter klopfte, den sogar zärtlich ansah— mit dem schwatzte, bis ein anderer laut nach ihr rief und auf den Tisch schlug.... Nur mit ihm war sie kurz, für ihn hatte sie kein freundliches Wort. Aber so machten sie's alle. Die Sorte kannte er: erst reizen, hinhalten, quälen— und zum Schluß war doch eine wie die andere. „Dora! Vier I Bier!" schrie Massong befehlerisch. DaS Mädchen kam zögernd. „Haben Sie noch nicht genug?" „Vater, wir wollen gehen I" flüsterte Käthe, den Vater ängstlich betrachtend, der niit glühend rotem Gesicht und trunkenen Augen die Kellnerin anstarrte. „Bier! Bier will ich." Als er wieder einen Versuch machte, sie um die Taille zu fassen/ schlug sie ihm derb auf die Finger. j, Vater I Vater I" wimmerte Käthe ganz verschüchtert. Ein paar Leute an den Tischen nebenan lachten und ulkten. Fritz stand auf und zupfte den Vater am Rock. „Komm heim, Vater!" «Setz Dich, dummer Junge, wir kommen noch früh genug ms Elend." Ein Mann klopfte ihn? auf die Schulter. „So ist's recht. Elend. Habt ganz recht. Kinder und Narren reden die Wahrheit." Wer? Was? Was wollen Sie?" fuhr Massong unsicher auf. „Was? Was? Sie? Sie?" „Na ruhig! Ruhig I keinen Skandal hier I" Massong fiel mühsam auf seinen Stuhl zurück und starrte»YI sich hin. „Ich gehe jetzt nach Hause!" sagte Fritz. .Geh' Du nur." „Komm doch mitl" weinte Käthe.„Ich fiircht' mich so." „Du zimperliches, dummes Ding. Na, dann los. Ich gehe schon mit. Es soll Dir niemand was tun. Ich, Dein Vater," dabei stellte er sich mit geivaltsamer Anstrengung aufrecht,„ich bin bei Dir. Kommt, Kinderl" kleines fculllcton. sk. Wieseuflor. Der feuchte Sommer hat diesmal den Wiesen- wuchs prächtig begünstigt. Hoch auf sind an den Wasserrändern Schilf und Binsen geschossen, aber vor diesen nassesten aller von Blütcnpflanzen bewohnten Strecken dehnen sich üppige Wiesen. Bc- scheiden lugen überall die blauen Sternchen des Vergisimeinnicht hindurch.' Höher recken sich die zahlreichen Stengel der Waserminze, die durch ihren stark aromatischen Geruch fast ebenso leicht mit der Nase, wie mit den Augen zu finden ist. Den roten Farbenton vertritt in erster Linie wirksam der Blut- Weiderich, so benannt nach seinen weidenblattartig schmalen Blättern und den in langen blutroten Nehren zusammengedrängten Blüten. Auch Kuötericharten mit roten Blütenähren machen sich bemerkbar. Am meisten aber drängen sich, besonders je weiter wir in den Herbst hineinkommen, wohl die gelben Blumen hervor. Da sind gelb- blühende Schmetterlingsblütler, wie der Hornklee und die Wiesen- Wicke, die in dichten Büschen zusammenstehen und weithin die grüne Decke mit gelben Flecken durchsprenkcl». Gelb blüht auch der ebenfalls haufenweise znsannnenstehende Klappertopf mit eigenartig geformten kleinen Blumen in auffallend großen Kelchen, eine Pflanze, die nur einen Teil ihrer Nahrung aus eigener Kraft dem Erdreiche entnimmt, einen weiteren aber im Schmarotzerwege den Wurzeln anderer Wiesenblumen entzieht. Gelb blühen auch Ranunkeln, Lysi- machten und der Zweizahn. Eine eigenartige Nuance bildet die Kohldistel mit ihren eigentümlich gclblichgriincn, fleischigen Blättern, deren geringe und weiche Bestachelnng ihr ein von der üblichen Dijteltracht weit abweichendes Aussehen verschaffen. Wo der Boden sich hebt und von, Grundlvaffer entfernt, da herrscht zurzeit auf trockeneren Flächen in unzähligen Mengen die Grasnelke mit lila bis fast purpurnen rundlichen Blüten- köpfchcn auf schlanken blattlosen Stengel». Das alles sind nur wenige von den Pflanzenarten, die in ojt erstaunlicher Mannigfaltig- kcit dnS Bild einer noch nicht vom Schnitter erreichten Wiese be- dingen. Keine gleicht ganz der anderen, und es gibt gute und schlechte Wiesen nicht nur im Sinne des Landwirtes, sondern auch in der Wertschätzung des PflanzenfrenudcS. Jener sieht nianches ungern, ivas das Auge entzückt und dieser erwartet, wenn er die Wiese loben soll, auch die langen herrlich blauen Blumen des Enzians, die auch um Berlin jetzt hier und da an bevorzugten Stellen den schönsten Schmuck feuchter Wiesen bilden.— k. Eine Expedition vom Nil zum Sambesi. Von dem Forschungsreisenden Powell Cotta n, der im vorigen Jahre zu einer" auf zwei Jahre berechneten Expedition vom Nil zum Sambesi aufbrach, sind Nachrichten in London eingetroffen. Der Forscher hat mit seiner Karawane sehr viel Beschwerden gehabt, und durch die Ermordung zweier seiner einheimischen Läufer sind die Nachrichten von seinen Bewegungen zurückgehalten ivorden. Mitte Juni befand er sich im Kongoftaate und hatte auf dem Mahagi- Jrunm das Buni-Lagcr erreicht. Diese Gegend liegt«000 Fuß hoch, besteht aus hügeligem Grasland und würde sich nach der An- ficht des Forschers zu einem idealen Weidelande eignen. Die Flüsse und Sümpfe sind schon überbrückt. Nach späteren Nachrichten ist die Expedition in Jrunm angelangt, wo Powell Cotton gute Jagd- gclegenhcit hatte und fünf Elefanten erlegte. Das Elfen- beiu deS einen Stoßzahnes wiegt 372 Pfund, ein Gewicht, das bisher noch kaum erreicht worden ist. Ende Juni brach er nach dem Stanleywalde auf. In einem seiner Briefe schreibt Powell Cotton:„Einer der Kongobcamten in Wadelai erzählte mir eine merkwürdige Geschichte, wie sich die Eingeborenen der llmgegcnd der alten Leute entledigen, wenn sie ihnen zur Last fallen. Sobald sich die Schwächen des Alters bemerkbar machen, gibt man ihnen einen LindernngStrunk und hüllt sie in eine frische Antilopenhaut. Dann werden sie von Mitgliedern ihrer Familie an eine Stelle in der Nähe des Dorfes auf einen Grasplatz getragen und zwar dorthin, wo sich eine Fährte von Eingeborenen befindet. Der erste Eingeborene, der vorbeikommt, durchbohrt nun mit einem Speer die anscheinende Antilope, worauf die Familie des Opfers aus ihren: Versteck hervorkommt und über den Unglücksfall Schrecken und tiefe Betrübnis heuchelt."— Psychologisches. eu. D i c P s y ch o I o g i e d e r T r ä n m e. Die Fähigkeit zu träumen ist nach Häufigkeit und Stärke bei den einzelnen Menschen sehr verschieden. Einige träumen fast bei jedem Schlaf und wissen nachher auch ziemlich genau, womit sich ihr Gehirn im Traumland beschäfligt hat. Andere träumen fast nie oder nur in so abgeschwächter Art, daß sie nach dem Erwachen kaum eine bestimmte Erinnerung daran behalten haben und auch über diese rasch wieder hinweg- kommen. Trotzdem somit die Traumwelt äußerst schwer zu fassen ist, hat ihr die Psychologie in neuerer Zeit eine große Aufmerksamkeit zugewandt, da sie mit Recht eine Aufklärung des Traumzustandes als außerordentlich wichtig anerkennt. Das„British Medical- Journal" beschreibt eine neue Untersuchung des amerikanischen Psychologen Jewel, der sich durch Versendung eines Formulars mit 14 Fragen an amerikanische Studenten namentlich weiblichen Geschlechts ein umfangreiches Material mit Bezug auf Träunre zu verschaffen gesucht hat. Im ganzen erhielt er 800 Antworten, die sich auf etwa 2lX)i) Träume bezogen und ihm einen Anhalt für gewisse Schlußfolgerungen lieferten. Danach stellt Jewel zunächst fest, daß Träume durch Suggestionen verhindert werden können. Ein Einfluß der Jahreszeit, des Monats oder gar des Wochentages hat sich begreiflicherweise nicht herausgestellt, nur ist der Mensch im Winter angeblich niehr dazu geneigt, sich in seinen Träumen auch an eine winterliche Umgebung zu halten. Daß dagegen das Lebens- alter des Menschen von großer Bedeutung für die Häufigkeit, Leb- haftigkeit und den Inhalt der Träume ist. hat wohl jeder an sich selbst erfahren! es wird auch von der Statissik jenes Forschers bestätigt. Lebhafte Belvegnngen während des Schlafes sind namentlich für das Kindesalter eigentümlich. Kinder pflegen von Ereignissen zu träumen, die sich unmittelbar vorher ereignet haben, während für die Träume von Erwachsenen die Wichsigkeit des Ereignisses in höherem Grade bestimmend zu sein scheint. Es ist merkwürdig, daß Erwachsene ferner im Gegensatz zu Kindern eher von Vorkommnissen zu träumen pflegen, die weit zurückliegen. Was die Folgerichtigkeit der Träume betrifft, so ist sie bekanntlich sehr verschieden. Manche halten sich durchaus in der Bahn der Logik oder doch der Möglichkeit, während andere alles bunt durcheinander werfen. Eine eigenartige Tatsache liegt darin, daß man zuweilen auch im tiefen Schlaf das Bewußtsein nicht verliert, sich im Traumzustand zu befinden. Besondere Erregungen im Tranm werden durch körperliche Empfindungen hervorgerufen. Bei Kindern kann durch Träume leicht eine geradezu krankhafte Furcht erregt werden, und. ihre Umgebung muß daher vermeiden, Vor- stellungen in ihnen zu erzeugen, die auf derartige Zustände noch förderlich einwirken können. ES kann nicht oft genug davor ge- warnt werden, den Kindern Geschichten von Gespenstern, vom schwarzen Mann oder dergleichen zu erzählen. Vermischungen zwischen Traum und Wirklichkeit sind bei Kindern fast allgemein, aber auch noch bei Erwachsenen sehr häufig. Jewel nimmt über- Haupt an, daß der Einfluß der Träume auf das wache Leben weit größer ist, als man bisher geglaubt hat. Es geschieht sicher oft, namentlich bei nicht sehr energischen Naturen, daß mit dem Traum etwas Wahrheit vermengt Ivird, daß der betreffende eben dann auch geträumt zu haben meint und auf einen natürlichen Ursprung zurückführt.— Humoristisches. — Unverfroren. T o n r i st:„Was kostet denn bei Ihnen ein Zimmer?" Wirtin:„Zwei Mark, mit Schirm zwei Mark fünfzig." Tourist;„Wieso denn mit Schirm?" Wirtin:„Na, weil es doch hinein regnet." — D i e Macht der Gewohnheit. Kunde:„Sagen Sie, Meisterin, was ist denn das, Ihr Maim greift ja ab und zu nut der rechten Hand nach einer bestimmten Stelle in der Lust?" M e i st e r i n:„Ja, wissen S', da war früher n n s e r m Lehr- bub sei' Ohr."- — Vorbereitung. Pfarrer:„Na, Huber-Michel, freut mich, daß Du seit einiger Zeit so fromm bist." Michel:„Geht net anders. Hochlvürden, muß ja nächstens in unsrem Bauerntheater den Dorfpfarrer spielen."— („Meggeiidorfer-Blätter.") Notizen. — Hermione von Preuschen hat die„Münchener Neuest. Nachrichten" wegen Beleidigungen, die in einer Besprechung der jüngsten Preuschen-Ausstellung und der Prcuschen-Lyrik-Abende ent- halten sein sollen, verklagt.— — Die Schauspielschule des Deutschen Theaters, die Ende September eröffnet wird, beabsichtigt, in ihrem Hause, in den Zelten 21, einen Zyklus von Vortragsabenden zu veranstalten, die in enger Beziehung zur Bühnenkunst stehen sollen.— — Im Harzer Berg-Theater machte Hebbels „Moloch"-Fragment starken Eindruck.— — Bei Wertheim wurde am Montag eine neue K u n st- a u S st e l l u n g eröffnet. Von den Gemälden stammen die meisten von österreichischen Künstlern.— — In einer Verfügung der preußischen Volksschnlverwaltung wird die Einrichtung von Schulgärten angeregt.— — Der„Straßburger Post" wird geschrieben: Einen tragt- komischen Handel ging jüngst ein Weinbauer im Markgräfler- lande ein, dessen Berge durch den großen Hagelschlag für den heurigen Herbst vernichtet sind: er verkaufte den Ertrag von 14 Ar Rebstück für zwei Flaschen Vieri— Berantwortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin.— Druck und Verlag: Vorwärts Vuchdruckerei u.Berlagsanstalt Paul Singer LcCo., Berlin L W.