Anterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 183. 1] Das Duell. Roman von A. Kuprin. Mittwoch, den 20 September. ( Nachdruck verboten.) Einzig autorisierte Uebersetzung von Adolf Heß. 1. Der Abenddienst der sechsten Rotte ging zu Ende, und die jüngeren Offiziere, inhabie praktischen Garmonunenhuldiger Leute standen über den ganzen Platz zerstreut: bei den Pappeln, die die Chaussee begrenzten, bei den Turngeräten, neben der Zür der Rottenschule und den Zielgestellen. Es waren lauter fingierte Posten, zum Beispiel ein Posten beim Pulverschuppen, ein Fahnenposten, einer beim Wachhause und bei der Bataillonstasse. Dazwischen marschierten Wachparaden und stellten Posten aus; dann ging die Ablösung vor sich; Unteroffiziere revidierten die Posten und fühlten ihren militärischen Kennt nissen auf den Zahn; bemühten sich, einem Posten mit Liſt ſein Gewehr abzuluchsen oder ihn zu bewegen, daß er vom Plake ging; oder sie drehten ihm irgendeinen Gegenstand, meistens feine eigene Müze, zur Bewachung an. Die altgedienten Leute, die diese Scherze kannten, erwiderten darauf ganz besonders strenge: Marsch fort! Ich habe nicht das Recht, mein Gewehr abzugeben; nur auf faiserlichen Befehl." Die jüngeren Mannschaften aber wurden konfus. Sie vermochten Späße und Erempel noch nicht von den wirklichen dienstlichen Anforderungen zu unterscheiden und verfielen bald in das eine, bald in das andere Extrem. ,, Chlebnikow! Krummhändiger Teufel," schrie der kleine, runde, behende Gefreite Schapowalenko, und aus seiner Stimme flang Kummer des Vorgesetzten, ich habe Dich doch ausgebildet; habe Dich ausgebildet, Tölpel! Wessen Befehl hast Du eben ausgeführt? Des Arrestanten? Dich soll der Deibel frikassieren!... Antworte, wozu stehst Du hier Posten?" In der dritten Korporalschaft kam es zu einem ernstlichen Zwischenfall. Der Rekrut Muchamedshinow, ein Tatar, der faum Russisch verstand und sprach, wurde durch die Schlauheit seiner wirklichen und eingebildeten- Vorgesetzten schließlich vollständig irre, packte wütend sein Gewehr und erwiderte auf alles Zureden und alle Befehle stets ein und dasselbe, fest entschlossene: " Schlag' Dich nieder!" „ Wart' doch... Du Schafskopf." redete der Unteroffizier Bobylew ihm zu.„ Wer bin ich denn? Ich bin doch Dein vorgesezter Wachhabender, also.. " " Ich schlag' Dich nieder!" schrie der Tatar erschreckt und stieß wütend, mit blutunterlaufenen Augen nach jedem, der fich ihm näherte, mit dem Bajonett. Ringsum versammelte sich ein Haufen Soldaten, denen das komische Ereignis und die augenblickliche Erholung von der langweiligen Instruktionsstunde riesigen Spaß machten. Der Rottenkommandeur, Hauptmann Sliwa fam, um die Sache zu entscheiden. Während er sich trägen Ganges, frumm, die Füße nachziehend, heranschleppte, traten am anderen Ende des Plates die jungen Offiziere zusammen, um zu plaudern und zu rauchen. Es waren drei: Leutnant Wetkin ein fahlköpfiger Mann von dreiunddreißig Jahren, mit einem Schnurrbart, lustiger Patron, eifriger Redner, Sänger und Trinker. Unterleutnant Romaschow, der erst im zweiten Jahre beim Regiment stand, und der Fähnrich Lbow, ein munterer, schlanker Knabe mit freundlichen, dummschlauen Augen und ewigem Lächeln auf den diden, naiven Lippen- über und über voll von Offiziersschnurren. Schweinerei," sagte Wettin nach einem Blick auf seine Nickeltaschenuhr, und fnackte ärgerlich mit dem Deckel, zum Teufel, was hält er die Leute so lange fest? Der Aethiopier!" Sollten Sie ihm selbst sagen, Pawel Pawlitsch," meinte Lbow mit listiger Miene. " ,, Gehen Sie in drei Teufels Namen und sagen es ihm. Die Hauptsache ist ja alles umsonst! Vor der Besichtigung machen alle dummes Zeug. Und übertreiben alles. Schinden, heten, quälen die Leute, und bei der Besichtigung stehen sie dann da wie die Delgößen. Bekannte Sache, wie zwei Rotten1905 Kommandeure darüber stritten, wessen Leute mehr Brot essen könnten. Beide wählen zwei fürchterliche Fresser. Wurde hoch gewettet. Der eine Man aß sieben Pfund und konnte nicht mehr. Der Rottenkommandeur sofort auf den Feldwebel los: Was hast du mir da für einen Kerl gebracht? Der Feldwebel glotzt ihn an, kann ich nicht sagen, was mit ihm los ist. Haben heute morgen repertiert da hat er acht Pfund auf einen Hieb gefressen. Genau dieselbe Sache wie bei uns Da wird ohne Sinn und Verstand drauflosgedrillt, und bei der Besichtigung sizen alle im Wurstfessel!" als gestern die touhom nruitete plötzlich vor Lachen los, waren, geh' ich ins Quartier. Es war schon auf ways an. Chude dunkel. Da sehe ich, bei der elften Rotte werden Kommandos geübt. Im Chor. Seßtan, legt- an, Feu- er!" Ich frage Leutnant Andrussewitsch: Was macht ihr denn jetzt noch solche Musik? Da sagt er: Wir bellen wie die Hunde den Mond an!" Schrecklich öde, die Pastete!" meint Wettin und gähnte. Halt, wer kommt da angeritten? Scheint Bek zu sein?" " Ja. Bek- Agamalow," entschieden Lbows scharfe Augen. Wie hübsch er fitt!" " 1 „ Großartig," stimmte Romaschow bei,„ reitet meiner Meinung nach besser als jeder Kavallerist. 0-0-0! Wie er tänzelt. Bek will sich zeigen!..." Auf der Chaussee fam langsam ein Offizier mit weißen Handschuhen und der Adjutantenschärpe geritten. Er saß auf einem hohen, langen, goldfarbigen Pferde mit kurzem, anglifiertem Schweif. Das Tier war warm geworden, zuckte ungeduldig mit dem drallen, vom Stangenzaume fest angezogenen Halse und stellte die zarten Füße beſtändig um. Pawel Pawlitsch, ist er wirklich von Geburt Tscherkesse?" fragte Romaschow Wetkin. " Ich denke, ja. Freilich geben sich bisweilen Armenier für Tscherkessen und Lhesginen aus, aber Bek lügt sicher nicht. Sie sehen ja, wie er zu Pferde sitzt." " Warten Sie, ich rufe ihn an," sagte Lbow. Er legte die Hand als Sprachrohr an den Mund und rief in gedämpftem Tone, damit der Rottenkommandeur es nicht hörte: „ Leutnant Agamalow! Bek!" Der berittene Offizier zog die Zügel an, hielt einen Augenblick und drehte sich nach rechts herum. Dann wandte er sein Pferd nach dieser Seite, bückte sich leicht im Sattel, zwang das Tier, federnd über einen Graben hinwegzusetzen, und sprengte in furzem Galopp auf die Offiziere zu. Er war unter Mittelgröße, mager, sehnig, sehr kräftig. Sein Gesicht mit zurückfliehender Stirn, fein gebogener Nase und entschlossenen, festen Lippen war männlich hübsch und hatte die charakteristische, gleichzeitig bräunliche und glanzlose orientalische Blässe noch nicht verloren. " Tag Bet," sagte Wetkin, vor wem machst Du denn Parade? Weiber da?" Bek- Agamalow drückte den Offizieren die Hand, wobei er sich nachlässig tief vom Sattel beugte. Er lächelte und es schien, als wenn seine zusammengepreßten Zähne einen Schimmer über den ganzen unteren Teil seines Gesichtes und den kleinen schwarzen wohlgepflegten Schnurrbart warfen. " Da gingen zwei hübsche Judenschicksel. Aber was sollen mir die? Lassen mich kalt!" „ Na, wir wissen, wie Sie Weiberkisten deichſeln!" nickte Wetkin. „ Hören Sie, meine Herren," begann Lbow und lachte wieder im voraus wissen Sie, wie General Dochturow von den Adjutanten bei der Infanterie gesprochen hat? Das geht auf Dich, Bek. Es seien die verzweifeltsten Reiter von der Welt a „ Lüg' nicht, Fähnrich!" sagte Bek- Agamalow. Er preßte das Pferd zwischen den Schenkeln zusammen und tat, als wollte er auf den Fähnrich losreiten. " " Hol's der Kuckuck! Haben alle keine Pferde," sagte er, sondern so' ne Art Klimperkasten, Kommoden dämpfige, Tahme, einäugige Viecher mit Wasserbäuchen... Erteilt man ihnen eine Order so reiten sie in Plein- Carriere blindlings darauf los. Lassen Zaun Zaun, Abgrund Abgrund sein. Seßen über Büsche hinweg, lassen die Zügel los, verlieren 730 Steigbügel, und der Degen geht zum Teufel! Pompöse ein Zivilist... Nehmen wir den äußersten Fall- es gibt Dir Reiter!" ein Beamter eine Ohrfeige. Was wirst Du dann tun?" Wetlin zuckte die Achseln und preßte verächtlich die Lippen Was gibt's Neues, Bet?" fragte Weffin. Neues? Gar nichts. Der Regimentskommandeur hat zusammen. eben in der Messe Oberstleutnant Lech getroffen und ihn derart Nu- u! Erstens schlägt mich kein Zivilist, weil nur die angehaucht, daß man's auf dem ganzen Plaze hören konnte. Leute Prügel bekommen, die Angst davor haben. Zweitens... Lech war voll wie eine Sacstrippe, konnte nicht mehr Bapa-Was ich tun werde? Brenne ihm eins mit dem Revolver Mama sagen, steht auf einem Fleck, schwankt hin und her und drauf." hat die Hände auf den Rücken gelegt. Da brüllt Schulgowitsch ihn an:„ Wenn Sie mit Ihrem Regimentskommandeur sprechen, nehmen Sie gefälligst die Hände vom Hintern!" Dabei war Mannschaft 3 gegen!" ,, Hat ihn eflig heruntergemacht!" sagte Wettin mit halb ironischem, halb aufmunterndem Lächeln. Bei der vierten Motte soll er gestern geschrien haben: Was schiebt ihr mir das Dienstreglement unter die Nafe? Tür. dir hier Herr hariban Wenn aber Dein Revolver zu Hause ist?" fragte bow. ,, Nun, zum Teufel... dann hole ich ihn mir... Dummheit! Ist doch der Fall vorgekommen, daß ein Kavalleriefähnrich in einem Café chantant beleidigt wurde. Da fuhr er per Droschke nach Hause, holte seinen Revolver und knallte zwei von diesen Hühnchen nieder. Ganz einfach! Bet- Aaamalade i behörgerlich den Kopf. fägliche Ueberlegung angenommen und hat ihn verurteilt. Ist denn das ein Vergnügen? Nein, wenn mich jemand beleidigt toder oder schlägt. Lbow lachte plöglich wieder über seine Gedanken. Meine Herren, do ist noch ein Fall dem Adjutanten im Regiment N. passiert Halten Sie den Schnabel, Lbow," meinte Wettin ernst. Sie werden heute wieder mal üppig.. 11 Er sprach nicht zu Ende, ballte aber seine kleine Hand, die die Zügel hielt, so fest zur Faust, daß sie zitterte. Lbow schüttelte sich plötzlich vor Lachen und prustete Tos. „ Schon wieder!" bemerkte Wetfin strenge. ,, Noch eine Neuigkeit," fuhr Bek- Agamalow fort. Er „ Meine Herren... bitte... hahaha. Im Rewandte das Pferd wieder Lbow zu und ritt im Scherz auf ihn giment M. war ein Fall. Fähnrich Krause machte in einer anlos. Das Tier schüttelte den Kopf, schnaubte und warf nach ständigen Gesellschaft Skandal. Da pacte ihn der Wirt am allen Seiten Schaum.„ Noch was Neues. Der Komman- Bandelier und riß es fast ab. Da zog Krause den Revolver deur verlangt in allen Rotten von den Offizieren Hiebfechten und knallte ihn vor den Kopf! Blieb gleich liegen! Dann nach der Puppe. Der neunten Rotte hat er falten Schred ins fam ihm noch ein Advokat in die Quer, und er auch diesen Gebein gejagt. Epifanow ist in Arrest gekommen, weil sein Bautz! Nu, da lief natürlich alles auseinander. Dann ging Säbel nicht gezeichnet war.. Was bist Du für ein Hasen- Krause ruhig ins Lager, auf der vordersten Lagerstraße zur fuß, Fähnrich!" rief Bek- Agamalow plöglich Lbow zu.„ Ge- Fahne. Der Posten ruft ihn an:„ Wer da?"„ Fähnrich wöhn' Dich mur. Wirst selbst mal Adjutant. Sigt dann auf Krause stirbt unter der Fahne!" Legte sich hin und schoß sich dem Pferde wie ein gebratener Spatz auf der Schüssel." durch die Hand. Das Gericht sprach ihn dann frei." ,, Asiat! Scher' Dich mit Deinem dreckigen Vieh fort," wehrte Lbow die Pferdeschnauze ab. Hast gehört, Bek, wie im Regiment N. der Adjutant ein Zirkuspferd gekauft hat? Reitet damit zur Besichtigung, da paradiert der Gaul plöglich, sogar vor dem Truppenkommandanten, im spanischen Tritt. Weißt Du: die Füße in die Höhe und dann nach beiden Seiten. Endlich fligt er in die erste Rotte hinein allgemeiner Tumult und Geschrei, schon nicht mehr schön! Das Pferd aber beachtet das nicht, übt unbekümmert den spanischen Tritt weiter. Da macht der Kommandant eine hohle Hand " fieh', sound schreit: eu eutnant, in- der- Gangart auf- Hauptwache, einundzwanzig Tage. Ma- arsch!"... Ach, dummes Zeug," runzelte Wetfin die Stirn. Hör' mal, Bek, Du hast uns mit dem Fechten wirklich eine Ueberraschung bereitet. Was heißt denn das, bleibt einem ja gar feine freie Zeit! Gestern ist uns auch schon diese Mißgeburt gebracht." Er deutete auf die Mitte des Plates, wo eine Puppe aus feuchtem Ton stand, die eine menschenähnliche Gestalt, nur ohne Hände und Füße, darstellte. Nun, habt Ihr schon gefochten?" fragte Bek- Agamalow neugierig. Romaschow, haben Sie's versucht?" „ Noch nicht." " Ich auch nicht! Werd' mich mit dem Kram abgeben," brummte Wettin. Wann habe ich Zeit zum Fechten?! Von neun Uhr morgens bis sechs Uhr abends hier herumstehen, dann spürt man schon seine Knochen. Kann kaum effen und etwas Schnaps trinken. Ich lasse mich nicht so wie ein grüner Junge. Sonderbarer Mensch; Offizier muß doch den Säbel führen können." ,, Warum denn, das fragt sich noch; im Kriege? Bei dem jezigen Schnellfeuer läßt man Dich nicht auf hundert Schritte heran, was nüßt Dir da der Säbel? Bin fein Kavallerist. Wenn's not tut, nehme ich lieber die Flinte und haue mit dem Kolben dreinbaut, baut, bautz, auf den Döz! Das fluscht besser." „ Schön, aber im Frieden? Kommen genug Fälle vor: Aufruhr, Aufstand oder dergleichen.. 41 Nun, was denn? Was soll denn dabei der Säbel? Werd' mich doch nicht mit der Roharbeit befassen und den Leuten die Köpfe abfäbeln!„ Abteilung- Feuer!" und fertig ist die Laube.. Bet- Agamalow machte ein unzufriedenes Gesicht. Du redest wieder lauter Unsinn, Pawel Pawlitsch; antoorte einmal ernst: Du gehst irgendwo spazieren, oder im Cheater, oder meinetwegen im Restaurant beleidigt Dich irgendZüchtiger Kerl!" sagte Bel- Agamalow. Und es begann die bei jungen Offizieren beliebte Unterhaltung über Fälle von blutiger, auf der Stelle vollzogener Sühne und darüber, wie solche Taten fast immer unbestraft geblieben waren. In einer fleinen Stadt hatte ein bartloser, angetrunkener Kavalleriefähnrich mit dem Säbel auf einen Haufen Juden eingebauen, denen er vorher die Laubhütte zerfaal einen Studenten totgeschlagen, weil dieser ihn am Büfett stört hatte. In Kiew hatte ein Infanterieleutnant im Tanzmit dem Ellbogen angestoßen hatte. In einer großen Stadt Offizier einen Beamten wie einen Hund nieder, weil er im nicht in Moskau und nicht in Petersburg schlug ein Restaurant die Bemerkung machte, daß anständige Leute unbekannte Damen nicht belästigten. Erregung rot, rückte ohne Grund seinen Kneifer zurecht, Romaschow, der bis dahin geschwiegen, wurde plötzlich vor räusperte sich und mischte sich in die Unterhaltung. Ja Aber, „ Sehen Sie, meine Herren, ich für meine Person sage: Den Wirt rechne ich meinetwegen nicht mit... Ja. wenn es ein Beamter ist. Was soll ich sagen? weiter... Warum soll ich denn über einen Wehrlofen mit dem Also, wenn es ein anständiger Mensch ist, ein Adliger und so Säbel herfallen? Warum kann ich nicht Satisfaktion fordern? Wir sind doch sozusagen auch zivilisierte Menschen..." Ach, Sie reden ja Unsinn, Romaschow," unterbrach ihn Wettin. Sie fordern Satisfattion, der Betreffende aber wird sagen:„ Nein, ähähäh... wissen Sie, ich, äh- bin überhaupt, äh... nicht für Duelle. Ich bin ein Gegner des Blutvergießens" Sehen Sie, da laufen Sie Ihr Leben lang mit einer zerschundenen Schnauze herum." ( Fortsetzung folgt.) Erdbeben. ( Nachdruck verboten.) Die moderne Erdbebenforschung ist ein noch sehr jugendliches Kind der Wissenschaft, dessen Anfänge über nicht viel mehr als ein Menschenalter zurüdreichen. Vieles ist deshalb noch weit von einer endgültigen und unanfechtbaren Aufklärung entfernt; andererseits haben sich aber doch die einander widersprechenden Anschauungen so weit geklärt, daß sich ein im allgemeinen zutreffendes Bild der Entstehung der Erdbeben entwerfer läßt. Auf Grund der Theorie von dem feuerflüssigen Zustande des Erdinnern, auf dessen dünner Rinde wir uns ungefähr so bewegen sollten wie Batterien auf einer Gierschale, nahm man früher allgemein an, daß das feurige Meer der geschmolzenen Erdmassen an bie dünne, nur auf wenige Meilen veranschlagte Wand der Erd tugel brande wie das Weltmeer an eine Steilfüfte und daß ebenso 731 wie bei den Gezeiten( Flut und Gbbe) bestimmte Konstellationen gerichtet sind oder im rechten Winkel zu diesen stehen. Man untervon Sonne, Erde und Mond dem Eintreten von Erdbeben besonders scheidet sie danach in Longitudinal- und Transversalbeben. Wenn günstig seien, weil dabei die Anziehungskräfte der genannten Welt wir heute wissen, daß sich die Rettengebirge nicht durch Wasserkraft förper sich in bestimmten Richtungen summierten. Man dachte sich oder vulkanische Gewalten, sondern dadurch aufgebaut haben, daß obendrein, daß die Vulkane, in deren Nähe ja allerdings eine ge- sich der Erdball durch eine in Jahrmillionen langsam fortschreitende wisse Art von Erdbeben besonders häufig ist, nichts anderes seien Abfühlung zusammenzog, wobei sich die oberen Erdschichten notals Sicherheitsventile, die sich zeitweise verstopften, dann aber, wenn wendigerweise aufwulsten und aufstauen mußten, so ist damit auch der Ueberdruck in dem Riesenkessel Erde zu groß geworden sei, sich für die Entstehung der Dislotationsbeben eine einfache Erklärung wieder öffneten, um die lodernden Flammen, die Lavamassen und gegeben. Sie sind nichts anderes als die Aeußerungen des besonders die Erdgase hinauszulassen und so den Erdball vor völliger Ber- feitlich wirkenden Gebirgsdruckes, der zu Zerreißungen und Vertrümmerung zu bewahren. Diese naive teleologische Anschauung, schiebungen der gespannten Teile der Erdschichten führt, wobei die die alle Naturkräfte als Diener des armseligen Menschen und allen- aus ihrer früheren Lage vielleicht nur um wenige Zentimeter falls noch der anderen lebenden Organismen betrachtet wissen will, herausgerissenen Massen vermöge ihres ungeheuren Gewichtes einen ist an der Logik der monistischen Weltanschauung und der nüchternen Stoß ausüben, der unserer Vorstellungen spottet und an das UnBetrachtung der natürlichen Geschehnisse jämmerlich zerschellt, und widerstehliche ou grenzen scheint. Will man sich in sublimen Ausebenso haben sich auch die Ansichten über die Beschaffenheit des Erd- sauen bewegen, so kann man sie als die Aeußerungen des Lebens im innern auf das gründlichste geänderte imstande sein soll, ein fugel- völligen Ausgleich der molekularen Kräfte und chemischen und Før Rodants, Segarte Grdball bezeichnen, das, so parador es auch flingen mag, auf einen förmiges Glutmeer bon 1700 Meilen Durchmesser zusammenzuhalten, mechanischen Differenzen hinarbeitet und dies nur auf dem Wege ist nur zu belächeln. Man sieht auch die vulkanische Tätigkeit heute von für uns Menschen fürchterlichen Revolutionen der irdischen als einen mehr lokalen Vorgang an, bei dem entiveder durch Drud- Stoffe erreichen kann. Man hat eingewendet, daß in vielen Schütterherabsetzung heiße Erdmassen verflüssigt werden oder durch Ein- gebieten bultanische Erscheinungen in reicher Zahl eintreten. Dieser bringen von Meerwasser oder aus anderen Ursachen gewaltige mit Einwand fällt aber in nichts zusammen, wenn man sich daran er= Wärme- und Gaserzeugung verbundene chemische Umsegungen ftatt innert, daß dort, wo der Druck die Elastizitätsgrenze der Erdfinden, bei denen das verflüssigte Erdgestein sich einen Weg nach schichten überschreitet und zu gewaltsamen Verschiebungen führt, oben bahnen muß und sich dadurch den Kegel des Vulfans selber auf- auch Druckverminderungen und Auflockerungen unausbleiblich sind baut, während beim Entweichen der Gase und dem plötzlichen Nach- und daß gerade bei eintretender Druckverminderung sehr heiße feste lassen der Spannung die Erde ringsum wie bei einer Explosion Materie flüssig und flüssige gasförmig werden kann und muß, wo erbebt. Hinsichtlich des Erdinnern aber nimmt man an, daß dieses mit die Vorbedingungen bulkanischer Erscheinungen gegeben sind, entweder bis zum Mittelpunkt fest ist, weil für den ungeheuren, die in diesen Fällen also nicht die Ursache von Erschütterungen, nach zehntausenden und hunderttausenden von Atmosphären zu besondern die Folge tektonischer Beben sind. rechnenden Druck der Erbschichten die für die Erdoberfläche ermittelten Schmelzpunkte der Gesteine nicht mehr zutreffen, oder daß die feste Erbrinde allmählich in einen gasförmigen Kern übergeht, der weger seiner ungeheuren Verdichtung dem festen Aggregatzustande nahezu gleicht und von den Eigenschaften der Gase wahrscheinlich nur noch diejenige einer gewissen Elastizität behalten hat. Auf Grund dieser zur allgemeinen Anerkennung gelangten Anschauungen kann man drei scharf von einander abgegrenzte Arten von Erdbeben unterscheiden. Befinden sich dicht unter der Erdoberfläche unterirdische Hohlräume, die man sich durchaus nicht immer als Höhlen von der Höhe eines Saales oder Domes wie die Adelsberger Grotten und die Höhlen von Sankt Canzian im Karst, sondern als niedrige, flächenhaft ausgebreitete Räume vorzustellen hat, so macht ein in ihnen stattfindender Zusammenbruch sich auf der Erdoberfläche als Erschütterung bemerkbar, bei der alle darauf stehenden Gebäude ebenso gründlich zerstört werden können wie die Explosionen eines in großer Nähe befindlichen, heftig arbeitenden Vulkanes. Man nennt fie nach ihrer unmittelbaren Ursache Einsturzbeben". Sie sind von allen die harmlosesten. Sie verdanten ihre Entstehung der auflösenden Kraft des in die Erdschichten eindringenden Waffers auf die Gesteine und sind, weil dadurch nicht Hohlräume von vielen Quadratmeilen gebildet werden können, eine totale Erscheinung. Bemerkenswert ist bei ihnen allenfalls noch, daß der Mensch zuweilen selbst die Ursache ihres Auftretens ist; denn wenn in einem Kohlendistrikt ein weitausgedehntes Grubenfeld nach Abbau des Flößes zu Bruch geht, unterscheidet sich die Wirkung dieses fünstlichen" Erdbebens durch nichts von derjenigen eines natürlichen. Derartige Erschütterungen find deshalb in allen intensiv bearbeiteten Kohlenrebieren feine Seltenheit und hinterlassen ihre bleibenden Spuren in Gestalt von Einsenkungen der Oberfläche, wie man sie auch in Westfalen und Oberschlesien an vielen Orten sehen kann. Weit verhängnisvoller sind die bulkanischen oder Explosions beben, bei denen den Vulkanschlünden Gase und Dämpfe in Stößen entweichen, die den Erdboden weithin im Umkreise in Erschütterungen bersetzen, die das Bestreben haben, sich vom Vulfan als Mittelpunkt radienförmig nach allen Seiten auszubreiten. Die Tatsache, daß fast sämtliche tätigen Bultane in nicht allzu großer Entfernung vom Meere liegen, ist ein deutlicher Hinweis, daß bei ihnen das Eindringen des Wassers das entscheidende Moment bildet, das den schon oben stizzierten chemischen Vorgang der Gasentwickelung einleitet und unterhält. Die bekanntesten dieser Erdbeben sind diejenigen, bei denen der Vesuv und Aetna die Störenfriede waren. Das folgenschwerste von ihnen aus neuerer Zeit war aber dasjenige der Nacht vom 26. zum 27. August 1883, in der der Vulkan der Insel Krakatau in der Sundastraße, der seit dem Mai 1680 fein Lebenszeichen mehr gezeigt hatte, nach einigen vorangehenden, unbedeutenden Ausbrüchen plötzlich explodierte. Die Hälfte des damals 859 Meter hohen Regels berfant in die Tiefe und mit ihm zwei Drittel der Insel, die sich von 32,5 Quadratkilometer auf nur 10,67 Quadratkilometer Fläche verkleinerte. Die Erschütterungen liefen damals um den ganzen Erdball und wurden schon nach wenigen Stunden von den automatischen Registrierapparaten der europäischen Beobachtungsstationen aufgezeichnet. Ungleich schwerer als die Folgen des Erdbebens waren diejenigen des Seebebens, dessen Flutwellen sich in einer Höhe von 30 Meter über die Küsten der Lampongbai, das westliche Java und andere benachbarte Inseln ergoffen, to 75 000 Menschen den Tod fanden. Die dritte Form der Erschütterungen sind die tektonischen oder Dislokationsbeben, bei denen die Erschütterungsgebiete den größten Umfang erreichen. Si laufen regelmäßig längs bestimmter Linien ab, die entweder zur Längsrichtung großer Kettengebirge parallel Wenn heute nach bemerkenswerten Erdbeben alsbald die Mitteilungen durch die Zeitungen laufen, daß das Epizentrum des Bebens, d. h. sein Ausstrahlungspunkt sich so und so viel Kilometer unter der Erdoberfläche befunden habe, wenn genau die Richtung des Stoßes und die Größe der von ihm bewirkten seitlichen oder vertitalen Verschiebung angegeben wird, so mag fich schon mancher nach den Einrichtungen gefragt haben, die so genaue, der direkten Wahrnehmung oft gänzlich entrüdte Beobachtungen ermöglichen. Manche dieser Einrichtungen und besonders die Berechnungen seßen Spezialkenntnisse voraus, derenwegen eine populäre Darstellung hier scheitern muß. Gerade die wichtigsten Apt rrate, die oft genannten Seismographen, sind im Prinzip sehr einfach und eigentlich nichts anderes als besonders fonstruierte Pendel. Da die Erdbebenbewegung sich sowohl in der horizontalen wie in der vertikalen Richtung vollzieht, muß man sich eines Vertikal- und Horizontalpendels bedienen. Ersteres ist eine Metallmasse von vielen Zentnern Schwere, die von der Decke an Drähten herabhängt und in ihrer unteren Fläche einen Schreibstift trägt. Erfolgt ein Erdstoß, so vermag, während sich die gesamte Umgebung berschiebt, das schwere Bendelgewicht wegen seines Beharrungsvermögens nicht sofort zu folgen. Es bleibt zurück und zeichnet mit dem Stift, der eine Schreibfläche gerade nur oben berührt, einen die seitlichen Bewegungskomponente darstellenden Strich auf. Bei dem anderen Pendel befindet sich das Gewicht an einer horizontalen Stange und zeichnet ebenfalls dant seinem Beharrungsbestreben die senkrechte Bewegungsgröße auf. Die Horizontalpendel sind entweder als Schwerpendel fonstruiert oder als Leichtpendel. Lettere, die übrigens eine deutsche Erfindung sind, erreichen von allen derartigen Apparaten den höchsten Grad von Empfindlichkeit. Dr. Richard Weber. Kleines feuilleton. oe. Die Teilnahmsvollen. Also Mar hatte sich verlobt und Grete Münzer war seine Braut. Wirklich diese Grete Münzer! Die Tanten und Cousinen waren einfach„ baff". Hedwig faßte fich zuerst, etwas spikig wandte sie sich zu Emmy, die eben die große Neuigkeit gebracht:„ Na, also, wer hatte denn nun recht? Ich mal wieder; aber wenn ich mal ein bißchen anbohrte, ob da was würde, hast Du gestritten." ,, Bevor die Sache nicht ganz fest war, sollte doch auch niemand etwas wissen." Emmy lachte:" Jedenfalls siehst Du, daß Ihr es zuerst hört; ich komme zu Euch, noch bevor mal Karten ge= schickt find." Wir sind ja Dir und Deinem Bruder auch die Nächsten," meinte Tante Kläre mit Gefühl. Und nehmen so herzlichen Anteil an Euch," fügte Hedwig mit noch mehr Gefühl hinzu, den allerherzlichsten Anteil," nickte Tante Cäcilie, die steif und ferzengrade in der Sofaede jaß. Und es ist also wirklich Fräulein Münze. geworden?" sagte Tante Kläre mit einem Blick zu Tante Cäcilie hinüber.„ Nun, Hedwig kennt sie ja.". " So?" Tante Cäcilie rührte sich nicht. " Ich bin sehr glücklich, daß sie sich gefunden haben," erzählte Emmy fröhlich. Grete ist solch ein liebes Mädchen, so fleißig und tüchtig; sie werden sicher beide sehr glücklich werden. Nun ja, die Hauptsache ist ja, daß sie ihm gefällt," meinte Hedwig gedehnt. Was meinst Du damit?" Emmy wurde stubig. „ Ach, nichts." 732 " Ist sie denn hübsch?" fragte Luise über ihre Staffeetasse fort. " Sehr hübsch sogar. Emmy kam in Begeisterung. 3art und schlank und hat wunderschönes goldblondes Haar, das richtige Tizianhaar." Tizianhaar?" Hedwig stellte den Kuchenteller, den sie sich eben heranziehen wollte, mit Aplomb auf den Tisch zurück. Nu ja, es tann ja sein, ich hab' mir Tizianhaar bis jetzt allerdings nicht 10.. so na, ich hab' mir's anders vorgestellt. " Aber, Hedwig!" Emmy fuhr auf." Willst Du etwa behaupten, daß Grete häßlich wäre?" Aber nein, das sagt sie doch gar nicht," begütigte Tante Kläre mit etwas forciertem Lächeln. „ Sie sagt doch nur, sie hätte sich Tizianhaar ein hikchen anders vorgestellt," stimmte Luise mit einer wahren Unschuldsmiene lind die Hauptsache ist ja, wie gesagt, daß sie ihm gefällt," wiederholte Hedwig. „ Natürlich," nickte Tante Kläre. Wenn er sie nur hübsch findet." ,, Run, er findet sie hübsch, und ich und sehr viel andere finden es auch," sagte Emmy kurz. Es entstand eine Pause. " Ich habe übrigens immer gedacht, Max würde mal nur ganz war Apartes heiraten," nahm Tante Kläre endlich wieder das Wort. " Ja, ich auch," meinten ihre beiden Töchter wie aus einem Munde. " In Emmys Wangen schoß ein feines Rot. Was wollt Ihr denn nun damit wieder sagen?" ,, Wieder sagen? Wir haben doch überhaupt noch nichts gesagt." Ich wüßte auch nicht, was Ihr gegen Marens Braut einwenden könntet." Emmys Gesicht färbte sich dunkler. „ Aber wir haben ja gar nichts einzuwenden," entrüstete sich Hedwig. Sei doch nicht so empfindlich! Am Ende ist sie auch apart mit ihrem hm..Tizianhaar." " Jawohl, das ist sie auch!" Emmy rückte ein wenig im Stuhl vor. Und daß Ihr es ganz wißt, wie„ apart" sie ist, sie hat jahrelang für ihre alte, krante Mutter gearbeitet und alle Not von ihr ferngehalten.' ,, Ach ja, sie war ja wohl im Laden?" Tante Cäcilie nahm einmal das Wort; ihre steife Haltung wurde noch steifer. „ Sie war Buchhalterin." Emmys Stimme begann zu zittern. Sie hat eine sehr gute Stellung gehabt." 群 = " Ja, ja, Hedwig sprach davon, sie wär wo- im Laden," wiederholte Tante Cäcilie. " Das schadet ja aber auch nichts," entschuldigte Tante Kläre sanft. „ Es werden ja heut soviel Ladenfräulein geheiratet." Und wenn Max sich darüber wegseht, ist es seine Sache und geht teinen was an," fügte Hedwig gutmütig hinzu. Jetzt hört aber auf, sich darüber hinwegjezen? Worüber hat er sich denn hinwegzusehen?" Emmy saß fast so steif wie Tante Cäcilie. Mag bekommt ein Mädchen, das eine geachtete Stellung hat und gut, tüchtig und fleißig ist und " Ach, Du gute Schwägerin!" Luise ließ sie nicht ausreden. Wie Du Dich begeisterst!" Das ist tein Begeistern, sondern einfache Wahrheit; auch ist mir Grete lieb wie eine Schwester." „ So?.. Jal.. Das sind einem die Schwägerinnen zuerst immer, nachher kommt's gewöhnlich anders." Hedwig lachte furz auf. Bei uns wird es schon nicht anders kommen." " Denn ist es ja gut, denn wird es ja sehr gemütlich werden mit Euch." ,, Wird es auch, es müßte denn sein.." In Emmys Gesicht flammte es plötzlich auf wie Kampflust.„ Es müßte denn sein, daß Liebe Freunde etwa zwischen uns zu heben versuchten. Da werden wir denn aber einfach nicht nach hinhören." Ach, na, wer wird denn so was tun," sagte Hedwig wegwerfend. " Das wäre ja bodenlos unanständig." „ Es kann sich doch nur jeder freuen, wenn in einer Familie Frieden herrscht," lächelte Tante Kläre wieder mit Gefühl. Und vor allem werden wir es tun," fügte Tante Cäcilie hinzu. Wir, die wir Euch doch die Nächsten sind." Aftronomisches. der vollständigen Verfinsterung Seutlicher sichtbar gewesen zu sein als vorher. Auch dort erschienen sie weniger als zusammenhängende Streifen, denn als ein Schwarm von unregelmäßigen Flecken, der einige Aehnlichkeit mit einem groben Mosaikpflaster besaß und sich rasch von West nach Ost bewegte. Der Beobachter vergleicht sie auch mit dem Schatten einer Rauchwolfe, wie er ihn an Bord des Dampfers während der Rückfahrt über das Mittelmeer auf der spiegelglatten See betrachten konnte. Er war sowohl durch die Schärfe wie durch die lange Sichtbarkeit des Schauspiels überrascht und bezeichnet es als eine der auffallendsten Erscheinungen der Sonnenfinsternisse, die mit bloßem Auge zu verfolgen waren und wohl kaum von jemand übersehen werden konnten. Ferner wird mitgeteilt, daß die frühere Angabe, die Schattenbänder seien in Burgos, wo zahlreiche englische Astronomen beobachteten, nicht wahrnehmbar gewesen, auf einem Irrtum beruhe. Dr. Todd, der aleichfalls in Tripolis während der Sonnenfinsternis mit astronomiajeniton heichäftigt gewesen ist, nennt die Schattenbänder flackernd und schmal; ihre Bewey jemand gehen könnte, und sie sei senkrecht zur so daß die Längserstreckung der Bänder mit dem Wind gleich ge= richtet gewesen sei. In einer weiteren brieflichen Mitteilung an die Wochenschrift English Mechanic", das Organ der Britischen Astronomischen Vereinigung, sett Holmes eine neue Erklärung der Schattenbänder auseinander. Dieser Forscher ist schon vor längerer Zeit nach den Beschreibungen der Erscheinung zu dem Schluß ge= langt, daß sie durch die Wirkung der Diffraktion( Bewegung) des Lichtes am Rande des Mondkörpers entsteht. Einen Beweis für diese Auffassung sieht der Urheber darin, daß eine ähnliche Erscheinung im Experiment erzeugt werden kann, wenn man einen feinen Lichtstrahl über einen scharfen Rand gleiten läßt. In der Tat würde die Erklärung unter diesen Umständen viel für sich haben, wenn die Beobachtungen bei der Sonnenfinsternis bestätigen, daß die Schattenbänder immer erst dann auftreten, wenn die Sonne bis auf eine ganz feine Linie verfinstert ist, und daß die Schattenbänder stets parallel zu dieser Linie verlaufen. Sie müßten dann auch um so dichter werden, je kleiner der Streifen von Licht am Sonnenrande wird. Die wellenartige Beschaffenheit der Schattenbänder wäre dann den Bewegungen im irdischen Luftmeer zuzuschreiben.Humoristisches. - Vogelsprache. In seinen gesammelten Aufsäßen bringt Dr. Günther- Saalfeld das folgende Wechselgespräch aus der Altmart zwischen Lerche und Schwalbe. Die fettgedruckten Worte sind acht Töne höher klingend zu denken. Lerche: Alle Jungfern sind schö... ne, sind schö.. ne, find schöne. Wenn it // se seh, wenn it // se seh, wenn it // se feb( gedämpfter): Wenn se int Feld gahn, wenn se int Feld gahn, wenn se int Feld gahn( gehoben): Dann sind se schö... ne, dann find se schö... ne, dann sind se schö. ne. Schwalbe: Aber bu sallt se sehen, wenn it // se seh, wenn it // se seh ,,,, wenn se in de Küche gahn, wenn se in de Küche gahn, Un bim Bott stahn, un bim Pott stahn:,: Dann sollt fe sick wat schä... men:,:( breiter, lang ausgezogener Ton). Notizen. In Wien erscheint Ende des Monats die erste Nummer einer neuen Wochenschrift:„ Der Weg". Herausgeber find Friedrich Herz und Richard Charmaz. " Die Kunsthalle"( Herausgeber: Dr. G. Galland) stellt ihr Erscheinen ein. Else Lehmann hat sich von 1908 an auf fünf Jahre dem„ Deutschen Theater" berpflichtet. H c. Wildbrandt's Meister von Palmyra" wird ins Englische übersetzt. Der Große Staatspreis der Akademie der Künste zu Berlin auf dem Gebiete der Architektur für das Jahr 1906 ( 3300 m.) steht zum Wettbewerb für Künstler preußischer Staatsangehörigkeit, die zur Zeit der Bewerbung das Alter von 32 Jahren nicht überschritten haben. Der Wettbewerb erfolgt durch Einsendung fünstlerischer Arbeiten; der Gegenstand dieser ist frei. Konkurrenzfähig sind selbständig durchgeführte Entwürfe von größeren Bauten, die ausgeführt oder für die Ausführung entworfen sind. Einsendungsfristen sind der 24. Februar bezw. 5. März 1906. - Die berühmte Minerva des Palais Mazarin( Paris), die als eine der schönsten Marmorstatuen der Antike, die unversehrt auf unsere Zeit gelangt sind, angesehen wird, ist in einer Weise verstümmelt worden, daß an eine Wiederherstellung kaum zu denken ist. Die Dampferlinien zwischen England und dem näheren Am Festlande gehen allmählich zum Turbinenbetrieb über. 11. September wurde der erste Turbinendampfer auf der Linie Ostende Dover eingestellt. t. Die Schattenbänder bei der diesjährigen Sonnenfinsternis. Vor der Sonnenfinsternis bom 30. August hatte der Physiker Dr. Rotch ein Programm veröffentlicht, dessen Inhalt eine Anregung und Anweisung zur Beobachtung der eigentümlichen Schattenbänder geben sollte, wie sie kurz vor und furz nach der vollständigen Verfinsterung einzutreten pflegen. Es läßt sich schon nach den vorläufigen Nachrichten übersehen, daß eine ziemlich große Zahl von Astronomen dieser Aufforderung Rechnung getragen hat. Aus Tripolis wird geschrieben, daß die Ein höflicher Herr ist der Stationsvorsteher der bei Ulm Schattenbänder zehn Minuten vor Beginn der Totalität sich ein- gelegenen Eisenbahnstation Herrlingen. Wie die„ Augsburger stellten, mit großer Schärfe sichtbar waren und sich mit erheblicher Abendzeitung" mitteilt, war dort im Wartesaal folgende interessante Geschwindigkeit bewegten. Die einzelnen Bänder machten den Ein- Anzeige ausgehängt:„ Am Mittwoch, den 13. September, verkehrt druck von Wellen, die aus langen Flecken zusammengesetzt waren. ein Viehsonderzug von Ulm- Mengen, Herrlingen ab 2c. Die Aus Algier wird gleichfalls eine derartige Beobachtung berichtet. Benützung des Sonderzuges ist auch anderen Personen gegen Die Schattenbänder scheinen dort unmittelbar nach Beendigung Lösung gewöhnlicher Fahrkarten freigestellt. S. Bahnstation." Verantw. Red. Heinrich Weyker, Groß- Lichterfelde. Drud und Verlag: Borwärts Buchdruderei u.Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.