Hlnterhaltuiigsblatt des vorwärts Nr. 191. Sonntag, den 1. Oktober. 1903 sz Vas OueU. (Nachdruck vcrboteik.) Noman von A. K u p r i n. Einzig autorisierte Uebersetzung von Adolf Heß. Es war. als ob etwas ganz Ungewöhnliches in Romaschow lebendig wurde; das ganze Zimmer schwankte vor seinen Augen. Ter Brief war mit den festen, ausdrucksvollen, zarten Zügen geschrieben, die nur Alexandra Petrowna ge- hören konnten, so eigenartig, unregelmäßig und künstlich war die Schrift. Romaschow. der oft Billetts von ihr nut Ein- ladungen zum Mittagessen oder zu einer Partie Wint erhielt. hätte diese Schrift unter Tausenden lvieder erkannt. „... es ist bitter und schwer auszusprechen." las er unter Nasanskis Hand.„Aber Sie selbst haben alles darauf an- gelegt, unsere Bekanntschaft zu einem so traurigen Ende zu führen. Am allermeisten im Leben schäme ich mich der Lüge, die immer aus Feigheit und Schwäche entspringt, und werde Sie deswegen nicht belügen. Ich habe i-oie geliebt und liebe Tie noch heute und weist, daß ich niich nicht so bald und nicht so leicht von diesem Gefühle werde freimachen können. Aber zuletzt werde ich dennoch den Sieg davon tragen. Was würde geschehen, wenn ich anders handelte? Meine Kräfte und Auf- opferungsfähigkeit würden schon reichen, die Führerin, Wärterin und barmherzige Schwester eines unselbständigen. verkommenen, sittlich verwahrlosten Menschen zu sein, aber ich hasse das Gefühl des Mitleids und stets erniedrigender Schwäche, die alles verzeiht, und will nicht, dast Sie es in nur erwecken. Ich will nicht, dast Sie sich vom Almosen des Mitleids und hündischer Ergebenheit ernähren. Ein anderer Mensch aber können Sie nicht sein, trotz Ihres Verstandes und Ihrer schönen Seele. Sagen Sie auf Ehre, aufrichtig, Sie können nicht? Ach. teurer Wgssili Nilytsch, wenn Sie doch könnten! Wenn! Mein ganzes Herz, all nieine Wünsche streben ja zu Ihnen. Ich liebe Sie! Aber Sie selbst haben mich nicht gmwllt. Für einen geliebten Menschen kann man die ganze Welt umkehren, und ich habe Sie doch nur uin so weniges gebeten. Können Sie nicht? „Leben Sie wohl. Ich küsse Sie in Gedanken ans die Stirn... Wie einen Verstorbenen, weil Sie für mich ge- storben sind. Ich rate Ihnen, diesen Brief zu vernichten. Nicht, weil ich etwas fürchte, sondern weil er für Sie eine ewige Quelle des Grains und quälender Erinnerungen sein wird. Ich wiederhole noch einmal.. „Tas Weitere interessiert Sie nicht." sagte Nasanski und nahm den Brief aus Romaschows Händen.„Tos war ihr einziger Brief an mich." „Was wurde später?" fragte Romaschow mühsam. „Später? Später haben wir uns nicht mehr gesehen. Sie... zog irgendwohin fort und l»at, glaube ich, ge- heiratet... einen Ingenieur. Tas ist nebensächlich." „Und Sie waren niemals bei Alexandra Petrowna?" Romaschow sprach diese Worte ganz iin Flüstertöne, aber beide Offiziere zitterten infolge der Worte und konnten lange den Blick nicht von einander losreisten. In diesen wenigen Sekunden wurden zwischen beiden gleichsam alle Schranken menschlicher List, Verstellung und Undurchdring- lichkcit entfernt, und sie lasen sich gegenseitig frei in der Seele. Sie verstanden mit eincin Male hundert Tinge, die sie bis jetzt für sich bewahrt hatten, und ihre ganze heutige Unter- Haltung bekam plötzlich eine besondere, tiefe, gleichsam tragische Bedeutung. „Wie? Sie auch?" brachte Nasanski endlich leise mit einem Ausdruck unsinniger Furcht in den Augen heraus. Aber er kam sofort wieder zu sich und rief mit krampfhaftem Lächeln:„Pfui, welches Mistverständnis! Wir sind ganz vom Thema abgekommen. Ter Brief, den ich Ihnen� gezeigt habe, ist vor hundert Jahren geschrieben, und diese Frau lebt jetzt irgendwo, weit fort von hier, vielleicht irgendwo im Kau kasuö... Also, wobei waren wir stehen geblieben?" „Ich must nach Hause, Wassili Nilytsch. Es ist spät," sagte Romaschow aufstehend. Nasanski hielt ihn nicht zurück. Man verabschiedete sich nicht kühl und nicht trocken, aber so, als schämte man sich voreinander. Romaschow war jetzt noch mehr davon überzeug� dast der Brief von Schurotschka geschrieben war. Beim Nach- hausegehen dachte er die ganze Zeit über an diesen Brief rind konnte selbst nicht recht begreifen, welche Gefühle er in ihm erlveckte. Da war eifersüchtiger Neid gegen Nasanski — Eifersucht gegen die Vergangenheit, und dann eine Art triumphierendes, böses Mitleid mit Nikolajew, gleichzeitig aber auch eine neue Hoffnung— eine unbestimmte, nebelhafte, aber sllste und lockende. Als wenn dieser Brief auch ihm einen geheimnisvollen, unsichtbaren Faden in die Hand gäbe« der in die Zukunft führte. Ter Wind hatte sich gelegt. Die Nacht war voll tiefer �Stille, und ihre Dunkelheit schien samtartig und warm. Aber in der schlaflosen Luft, in der Ruhe der unsichtbaren Bäume, in dem Duft der Erde war geheimnisvolles, schöpferisches Leben zu spüren. Romaschow ging dahin, ohne den Weg zu sehen, und es kam ihm immer vor, als wenn etwas Mächtiges, Erhabenes, Freundliches ihm mit heißem Atem ins Gesicht wehte. Und in seiner Seele war eifersüchtiger Kummer über seinen einstigen so hellen und unwiederbringlichen Kinderfrühling, war stiller, nicht bös- artiger Neid gegen seine reine, zärtliche Vergangenheit... Zu Hause fand er einen zweiten Brief von Raisa Alexan- drowna Peterson. Sie schrieb in albernem, erhabenem Stil von einem hinterlistigen Betrüge, schrieb davon, dast sie alles verstände, und schrieb von allen Schrecken der Rache, deren ein verwundetes Wciberhcrz fähig sei. „Ich weist, was ich jetzt zu tun habe!" hieß es in dem Briefe.„Wenn ich nicht infolge Ihrer gemeinen Handlungs- weise an der Schwindsucht sterbe, so, glauben Sie mir, werde ich es Ihnen grausam heimzahlen. Vielleicht glauben Sie, nieniand weist, wo Sie all Ihre Abende zubringen? Blinder Tor! Auch die Wände haben Ohren. Mir ist jeder Ihrer Schritte bekannt. Aber trotz Ihres Aeusteren und Ihrer schönen Redensarten werden Sie dort nichts erreichen, außer daß N. Sie zur Tür hinausjagt wie einen Hund. Mit mir rate ich Ihnen vorsichtiger zu sein. Ich gehöre nicht zu de« Frauen, die zugefügte Beleidigungen verzeihen Ich bin im Kaukasus geboren, Und weist den Dolch gar wohl zu führen!? früher Ihre, jetzt niemandes Raisa. U. K. Seien Sie unbedingt Sonnabend auf der Ncunion. Wir müssen uns erklären. Ich reserviere Ihnen die dritts Ou..drille, aber das hat jetzt nichts mehr zu bedeuten! R. P." Dummheit, Genieinheit, ein ganzer Provinzsumpf und böses Geklatsch wehte Romaschow aus diesem unorthographr- scheu, abgeschmackten Briefe am Und er selbst kam sich von Kopf bis zu Füßen wie mit schwerem, nicht wieder zu cnt- formenden Schmutz besudelt vor, der infolge dieses fafk ein halbes Jahr andauernden Verhältnisses mit einem ungeliebten Weibe an ihm haften geblieben war. Er legte sich, gleich- sam erdrückt und niedergeschmettert von den Ereignissen des Tages, ins Bett und dachte, schon beim Einschlafen, über sich selbst in den Worten, die er ain Abend von Nasanski gehört hatte;.> „Seine Gedanken waren grau, wie Soldatentuch." Er schlief schnell ein und versank in einen schweren Schlaf. Und wie das in der letzten Zeit immer nach traurigen Er- eignissen mit ihm geschah, sah er sich iin Traume als klemen Knaben. Da war kein Schmutz, kein Gram, kein einförmiges Leben niehr, im Körper wohnte kühne Entschlossenheit, seine Seele war hell und rein und spielte in unbewußter Freude. Und die ganze Welt war hech und rein, und mitten in ihr glänzten die lieben, bekannten Straßen Moskaus in dein schönen Glänze, den man nur im Traume sehen kann. Irgend- wo, am äußersten Ende dieser frohlockenden Welt aber, weit hinten am Horizont, war ein dunkler, bösartiger Fleck zurück- geblieben: Da lag das graue, traurige Städtchen mit dem schweren, langweiligen Dienst, mit Rottdnschulen, Saufgelagen im Kasino, mit dein lästigen, widerwärtigen Liebesverhältnis, init dem Gram und der Einsamkeit. Das ganze Leben klang und leuchtete vor Freude, aber der dunkle, feindselige Fleck > lauerte heimlich, wie ein schwarzes Gespenst auf Romaschow —<1 und wartete, bis an ifin die Reihe käme. Und in seiner Ein- sanikeit weinte der kleine Romaschow— der reine, sorglose, unschuldige leidenschaftlich über seinen älteren Doppel- gänger, der in der bösen Finsternis gleichsam zerfloß und per- schwand. Mitten in der Nacht wachte er auf und bemerkte, daß sein 5lopflissen feucht von Tränen war. Er konnte sich nicht gleich zurückhalten, und sie liefen noch lange in warmen, feuchten, schnellen Strömen über seine Wangen. 6. Mit Ausnahme weniger ehrgeiziger Streber ertrugen alle Offiziere den Dienst wie einen ihnen aufgezwungenen, un- angenehmen, widerwärtigen Frondienst, der sie bedrückte und den sie nicht liebten. Die jüngeren Offiziere kamen schul- jungenmäßig zu spät zum Dienst und drückten sich sachte, wenn sie wußten, daß man sie dafür nicht fassen konnte. Die Rottenkommandeure, meistei�s Leute mit großer Familie, die, im Sumpf ihrer häuslichen Verhältnisse, durch die Romane ihrer Frauen vollständig in Anspruch genommen waren, stöhnten unter dem Druck grausamer Armut und den: Leben über ihre Mittel sowie unter der Last übermäßiger Ausgaben und hoher Wechsel. Sie häuften Schulden auf Schulden, borgten an einer Stelle, um an einer anderen zu bezahlen; viele kamen dahin, und zwar meistens auf Andrängen ihrer Frauen, aus der Regimcntskasse oder von dem Gelde, das Soldaten für freiwillige Arbeiten zukam, Summen zu cnt- nehmen; andere hielten Monate, sogar Jahre lang Soldaten- Geldbriefe zurück, die sie vorschriftsmäßig hätten abliefern müssen. Einige lebten nur vom„Wink",„Stoß" und„Lands- Inecht"; mancher spielte falsch— man wußte das wohl, blickte ober durch die Finger. Dabei tranken alle stark: sowohl im Kasino, wie bei gegenseitigen Besuchen; andere, wie Sliwa, tranken in der Einsamkeit. Auf diese Weise konnten die Offiziere sich gar nicht ernst- lich mit ihren dienstlichen Obliegenheiten beschäftigen. Den ganzen inneren Mechanismus der Rotte hielt meistens der Feldwebel in richtigem Gange; er besorgte die ganzen Schreib- angelegenheitcn und hielt den Rottenkonimandeur unmerklich, aber fest in seinen muskulösen wohlerfahrenen Händen. Zum Dienst gingen die Rottenoffiziere mit demselben Widerwillen wie die Subalternen, und sie nahmen die Fähnriche nur um ihr Prestige zu wahren, selten aus ehrgeizigein Dünkel, bisweilen etwas heran.- Die Vataillonskommandcure taten namentlich im Winter so gut wie gar nichts. Es gibt ini russischen Heere zwei solche Zwischenposteu.— den des Bataillons- und Brigadekonunan- deurs: diese beiden befinden sich stets in ganz unbestimmter und untätiger Lage. Im Sommer müssen sie wenigstens Vataillonsexerzicren vornehmen, an den Regiments- und Divisionsübungen teilnehmen und die Strapazen des Manövers auf sich nehmen. In ihrer freien Zeit aber saßen sie im Kasino, lasen hartnäckig den„Invaliden"(ein Militärblatt), stritten sich über das Avancement, spielten Karten, gestatteten den jüngeren Offizieren gern, sie zu bewirten; veranstalteten bei sich zu Hause gesellige Abende und bemühten sich, ihre zahlreichen Töchter an den Mann zu bringen. Vor den großen Besichtigungen aber strengten alle von oben bis unten sich übermäßig an lind plackten sich gegen- feitig. Dann gab es keine Erholung mehr; man wollte durch überzählige Dienststunden und angestrengte, freilich sinnlose Energie die verlorene Zeit wieder einholen. Mit den Kräften der Soldaten rechnete inan nicht; die Leute wurden voll- ständig ansgepliinpt. Die Rottenkommandeure zwiebelten und dämpften die jüngeren Offiziere, die ihrerseits widernatürlich und gemein schimpften; die Unteroffiziere, die vom Schreien heiser waren, schlugen grausam. Ucbrigens schlugen nicht allein die Unteroffiziere. Solche Tage waren ein richtiges Leiden, lind von der Sonntagserholung init ein paar Stunden Schlaf träumte das ganze Regiment voni Kommandeur bis zum lehten struppigen, schniuhigen Burschen, wie von einer Paradieseswohltat. In diesem Frühjahr bereitete man sich mit verstärkter Vehemenz zur Maiparadc vor. Aus zuverlässiger Quelle war bekannt geworden, daß der Korpskomnlandeur die Vcsichti- gung vornehmen würde— ein General, der hohe Anforde- rungen stellte, der in der militärischen Weltliteratur durch seine Schriften über den Karlistenkrieg lind den dentsch-fran- zösischen Feldzug 1870 großes Ansehen genoß, an dem er als Volontär teilgenommen hatte. Noch weit größeren Rufes «freuten sich seine im Lapidarstil Suworows gehaltenen Tagesbefehle. Untergebene, die sich vergangen, fertigte er in diesen Tagesbefehlen mit saftigem, derbein Sarkasmus ab, den die Offiziere weit mehr fürchteten als Disziplinar- strafen. Teswegen ging in den Rotten jetzt schon vierzehn Tage lang eine hastige, fieberhafte Tätigkeit vor sich, und die Sonntage wurden gleichmäßig ungeduldig von den ermüdeten Offizieren wie von den allsgemergelten, verdummten Sol- daten erwartet. Für Romaschow aber ging, wegen seines Arrestes, der ganze Reiz dieser süßen Erholungszeit verloren. Er stand sehr früh auf und konnte dann trotz allem Bemühen nicht einschlafen. Er kleidete sich träge an, trank ohne Appetit Tee und schrie einmal sogar deswegen Haina» an, der wie stets lustig, munter und plump wie«in junger Hund herum- lief. (Fortsetzung folgt.) Cm Msistsrsmgei*. Vor einigen Togen ist in Verlin ein Gedichtbuch erschienen, für die Ewigkeit onsgestöttet, starkes Papier, goldener Schnitt, jedes Ge- dicht auf einem besonderem Blatt, bestünde es auch nur aus zivei Zeilen. Der Poet, der diese Gesänge verübt, hat alle Reime bereits durch den Tod gebüßt. Wer die geheimen Liebhabereien aber in die Oeffentlichkeit trieb und ihnen dies pomphafte Gewand anhängte, der muß doch Ivohl des Glanbens sein, ein Großer im Reiche der Lyrik sei neu entdeckt. Oder sollen die Gedichte nur Bekenutniswert haben, sollen sie biographische Zeugnisse sein, nicht Bereicherungen der Kunst? Auch solcher Anspruch kann nicht geltend gemacht werden. In den tausend Reimen findet sich kein individuelles Gefühlchcn, kein noch so bescheidenes Erlebnis. Trotzdem ist das Buch mit dem ernsthaften Apparat der Unibersilätsliteratur versehen. Vorn eine steif feierliche Einleitung mit Daten und Charakteristik; hinten ein Anhang, in dem die Ouellcnnachiveise und Variauten wichtig verzeichnet werden und wo wir genau erfahren, in welchem Augenblick eines der Gedichte das Licht der Welt erblickt, ob eS mit Bleistift oder mit violetter Tinte geschrieben, ob auf Qnartbogen oder Oktav, auf blauem Post- papier oder weißen Blättern. Kurz diese bisher unbekannte Lyrik ist mit einem Anhub in die Weltliteratur, in das Himmelreich der Klassiker geworfen worden. „Für den Erwecker einer großen öffentlichen, nicht literarischen, deutschen Knust war die Lyrik als solche nicht eine Kunst der Oeffemlichkeit, sondern lediglich der Ausdruck privater Mitteilung im Freundeskreise, gedruckte Lyrik vollends ein Widersinn und eine Verirrung des öffentlichen Kunstgeistes", so erzählt der Herausgeber. Mit anderen Worten: Der Erzenger der erwähnten Ncime verstand unter Lyrik die Postkarten-, Fremdenbuch- und Dcpeschenpoesie, jene Ausdrücke gehobener Stimmung, wo einem nichts Prosaisches mehr einsällt und deshalb Reimereien den Sinn ersetzen müssen. Das Zeug zu drucken ist allerdings ein Widersinn— aber warum soll man nicht auch mit dem Widersinn buchhändlerisch spekulieren! Indessen der Herausgeber will mehr als läppische Reime ge- sammelt habe». Er schlvelgt:„Das Ich, in welchem diese Vorgänge (die achtundvierzigcr Bewegung, der Krieg von 1870/71 ihren Widerhall finden, ist zugleich der lebendige Kern und Mittelpunkt all seines Schaffens und Gestaltens. Daher der unwiderstehliche Zauber der Originalität, des Persönlichen auch in der kleinsten dieser Kundgebungen, die Fülle tiefsinnigen Ernstes und nie versiegenden Humors, die volle, unverwechselbare und unnachahmliche Eigenart des Genius, aus deren Tiefen heraus er gleichertvcise den Ton findet, um zu Königen und zu Kindern zu sprechen" usw. Das ist etwas viel auf einmal, und wir sind sehr im Ztveifel, ob nian einem Shakespeare und Goethe mit Recht eine solche Universalität genialer Vorzüge nachrühmen dürfe. Aber der Heraus- geber dringt noch tiefer ein in seinen Helden. Der Dichter hat also auch zu Königen geredet und bringt„im Anschluß an die verschiedenen Phasen dieses einzig dastehenden Verhältnisses, die ganze Skala der Ausdrucksfähigkeit seiner Sprache, seines Verses zur Anwendung"— schwärmt der Herausgeber. Und dann folgen volle 108 Beweise für dieses Gutachten. Blättern wir in den Beweis- stücken: Da? erste Gedicht stammt aus dem Jahre 1840, das letzte nuS dem Jahre 1882, ein gutes Stück Weltgeschichte liegt somit zwischen dem frühesten und dem spätesten Reim. In die deutsche Kinderstube des Vormärz führt gleich das dritte Poem. Der Verfasser, wie man gleich erkennen wird, ist ein Sachse, der ein wenig launisch in der Auswahl seiner politischen Uebcrzeugungcn ist. Während er noch am IS. Dezember 1840 früh um 7 Uhr bei der„Ucbcrführnng von Napoleons irdischen Uebcrresten nach Paris" dem traditionellen Bonapartekult frönt, dichtet er wenige Jahre später einen„Gruß seiner Treuen an Friedrich August den Geliebten bei seiner Zurück- knnft aus England den 9. August 1844". Darin versicherte er: „Im treuen Sachsenland ertönt die frohe Kunde, von Englands fernem Strand sein König kehrt zurück; sie klingt!vie Jnbelton, sie geht von Mund zu Munde, der Vater preist dem Sohn, das Kind deni Greis das Glück. Wir verfehlen wohl nicht die Msichten des HcransgeTcrs, wenn wir vermuten, dast diese vaterländisch-sächsische Lyrik den„unWider- stehlichcn Zander der Originalität" zum Ausdruck bringt. Wieder ein paar Jahre später nimmt des Poeten Rcimlnst eine andere Wendung. Mir demselben Zauber des Persönlichen, wie er in Treuen Friedrich August den Geliebten feierte, bedichtet er die Ncvolutioii: Ans Frankreich scholl der Freiheitsruf, wir haben ihn nachgesprochen; dje Bande, die uns Knechtschaft schuf, sie werd' von uns zerbrochen. Dein Sturm konnte keiirer wehren, und was er traf, das fiel: die uns gekränkt der Freiheit Ehren, die fanden schnell ihr Ziel. Sie schwiegen still, die sonst so laut, die Herrn Aristokraten; doch heimlich noch ihr Sinn vertraut den Herrn vom Wein und Braten. Die feisten Herrn vom Wein und Braten sie haben Geld und Gut, sie zahlen Büttel und Soldaten, daß das nur sicher ruht. Immerhin erhebt die stürmische Zeit selbst diesen elendsten Neiinjäger über sich selbst. 1849 feiert er die„Not", zwar nicht mit dem Zauber des Persönlichen, aber in empfundenen Versen: Sie haben Kapital und Renten und lieben sehr den Staat, darin sie leben von Prozenten und ernten ohne Saat, sie treiben Künst' und Wissenschaften, vergnügen sich am Tugendhasten, und leben bis zum Tod— ohiü Dich zu kennen Not! Und der Rebell schließt seine Aufreizungen: Denn über allen Trümmcrstätten blüht auf des Lebens Glück: es blieb die Menschheit frei von Ketten, und die Natur zurück. Natur und Mensch— Ein Elemente I vernichtet ist, waS je sie trennte I Der Freiheit Morgenrot—, entzündet hat— Die Rot! Selbst einen Staatsanwalt vcrreimt er in jenen Zeiten grimmig und erfreulich boshaft: Der tod ist tot, ihn bringst du nicht zum leben, und was da lebt, du bringst es doch nicht um; nicht gold'ne lebcnsfäden magst du weben aus dem, was je verblichen war und stumm: und kannst du nun vom tode nichts erwerben, sag', was bekommst du für dein täglich sterben? Der tüchtigen Lola Montez des Bayernkönigs zu Ehren verhunzt er derb Gocihe: DaS unbegreifliche hier bleibt es wunder; daS ewig-wcibliche bringt uns herunter. Man muß nicht vergessen: Der Dichter ist Sachse! Fünfzehn Jahre später aber liegt der Stürmer psalmodiercnd in den Armen vom Nachfolger des AushälterS der spanischen Dirne. Und nun dichtet er: O König! Holder Schirmherr meines Lebens I Du höchster Güte wonnereichcr Hort l DaS ist die erste Probe, in der sich die ganze Skala der Aus- drucksfähigkeit seiner Sprache entfaltet! Ein Jahr darauf, am 20. Geburtstage seines Königs, dichtet er ihm Aug in Aug: Geboren ist ein Heiland Deutschlands Söhnen: Heut feiert er fein zwanzigst Erdenjahr l Im deutsch-französischen Kriege ist er vollends zum Hnrrasängcr geworden: Heil! Heil dem Kaiserl König Wilhelm! Mer Deutschen Hort und Frciheiiswchr I Der Lyriker ist jetzt ein berühmter Mann,>vaS Wunder, daß er sich jetzt in den nie versiegenden Humor einarbeitet: Ja, ja. eS war im Mai, da war ich auch dabei. Man zog mich bei den Ohren, druin bin ich musikalisch geboren, Diese volle, unverwechselbare und unnachahmliche Eigenart deS Genies füllt eine ganze Seite. Ebenso schalkhaft dichtet er den Herzog von Meiningen an: Ich kenne viele Meinungen, Aber nur ein Meiningcn. Es giebt viele, die über mich herzogen, Doch gibt's nur eine» Herzog! Welche Maßnahmen der Herzog getroffen, nachdem er diesen Witz erhalten, ist der Geschichte nicht überliefert worden. Da es ihm seine Mittel jetzt erlauben, singt er seinen König auch telegraphisch an: Und abermals strahlte die Sonne: eS dankt Geburtstags-Wonne. Für solche in zwei Zeilen enthaltene Fülle tiefsinnigen Ernstes ist abermals eine ganze Seite aufgewandt. Ueberhaupt sangen die Zwei-Zeiler an die Form seines Genius zu werden: Von drei gleichen Exemplaren: Sollst du das jüngst wahren. Wiederum eine ganze Seite in unserem Gedichtbuch! Uli- verwechselbar in seinem tiefsinnigen Ernst und dem nie versiegenden Humor ist auch die folgende Lyrik: Ich und der Doktor Luther, Trug jeder ein Häschen klein! Ihm beschmutzt' es das Aermel-Fnttcr, Das ineinige ließ er rein, Wie mag das sein? Und zum Schluß noch einmal an den König telegraphierte Dichtkunst: Dritter Mai! Holder Mail Dir sei mein Lob gespendet: Winters Herrschast ist vorbei Und Parsifal vollendet! Der wahnsinnige König, dem man Gips für Marmor baute, wird ivohl auch in diesem heiseren Ausrnfcrschrci eine Kundgebung des Genius wahrgemmimen haben. Das letzte Gedicht führt auf die Spur des unseligen, nach seinein Tode windelweich geprügelten Dichters: Es ist Richard W a a n e r, dessen Lyrik seine übel öcratene Familie durch Herrn C. Fr. Glascnapp hat veröffentlichen lassen. So gewiß es keine Schande ist, wenn ein großer Musiker ein jämmerlicher Versifex ist, so grausam ist es, wenn man ihn noch im Grabe der allgemeinen Lächerlichkeit preis gibt. Richard Wagner ist durch diese Publikation ärger mitgespielt als seinem Beckmesser, dessen Meistersingerei immer noch die Künste seines Schöpfers gewaltig überragt. Wie kam man aber auf diesen verbrecherischen Ulk? Es ist entweder eine zu schlaue Spekulation auf den großen Namen oder ein Beweis, daß die Heroenverehrung dumm und blöde macht. Vielleicht ist es auch beides: Der listige Kaufmann ist mit dem Narren des Hcldenknlts brüderlich gegangen l ck o c. Klcims feuitteton. sr. Auf Umwegen. Baumeister Ruprecht saß rechnend, mit heißer Stirn, in seinem Zimmer, als Bohrs, der Verwalter eines der Ruprechtschcn Häuser, eintrat:„So, da bin ich, Herr Bau- meistcr. Sie haben mir'ne Karte geschrieben—" „Ja, Bohrs, hören Sie mal: Das ist'ne nette Geschichte I" „Was denn?" Bohrs fiel aus den Wolken. „Sie werden es schon wissen! Mir sind da Gerüchte über Sic zu Ohren gekommen, Gerüchte— I Ja, aber Bohrs, man muß doch auf seine Reputation halten. Man muß den Anstand wahren und auch etwas Rücksicht auf sein Amt nehmen— Donnerwetter nicht noch mal!" „Wenn ich bloß erst wüßte—" „Sie sind in ewiger Geldverlegenheit. Wollen Sie das be- streiten?" „Nee." Bohrs sah ihn lächelnd an.„Das kann ich nicht be- streiten, will ich nicht und brauch ich auch nicht. Denn niit Verlaub, Herr Baumeister, das ist meine Sache." „Nicht ganz. Sic pumpen Gott und die Welt an. In Ihrer ganzen Nachbarschaft spricht man von weiter nichts als von Ihren Schulden—" „Na— nul" Bohrs hob beschwichtigend die Hand. „Bitte— ich Hab da einen Brief— wo ist er nur gleich— wohl verlegt—, ja, ich Hab da irgendwo einen Brief, ivorin stch einer Ihrer Gläubiger bitter beklagt und von niir erwartet, daß ich Ihnen ins Gewissen rede. Sie sollen beim Bäcker, beim Schlächter, beim Kaufmann und wer weiß wo noch, bis über den Hals in der Kreide stecken."_._ „In der Kreide steck ich— aber höchstens bis ans Knie, Herr Ruprecht. Seit letztes Vierteljahr nämlich, seit ich Hausverwalter bei Ihnen bin. Mit dem sogenannteir Gehalt—" „Sogenannt? Wieso sogenannt?" „Na, es ist einfach nicht menschenmöglich, das alles zu machen, was Sie dafür verlangen. Das geht ja auf keine Kuhhaut. V>cr Treppenaufgänge! Den Hof, den Vorgarten sauber halten. Die Miete einkassieren. Mahnen. Bald hierhin rennen, bald dahin rennen— nee, Herr Baumeister, es ist wirklich'n Wunder, daß ich nicht noch mehr Schulden habe." „So! Sie machen doch noch Privawrbciten als Tapezierer." „Wieviel denn? Muß ich nicht fortwährend in Ihrem Hause kleistern?" „Das bezahle ich auch extra." „Ach Gort, was Sie schon bezahlen, Herr Baumeisterl Das trägt'ne Katze auf'n Schwanz weg, da braucht sie noch nicht zweimal zu gehn." „Ja, erlauben Sie mal, Bohrs. Wenn ich die Arbeiten so be- zahlen soll wie bei irgend einem Meister, dann brauch ich keinen Tapezierer als Hausverwalter. Dann setz ich mir'n Schuster oder Schneider hin, geb ihm Stube und Küche im Keller und die Hälfte von dem tvas Sie kriegen und Hab noch äi schönen Dank davon Tj Ruprecht kehrte Bohrs mit einer entschiedenen Handbewegung den Rücken und schnaubte heftig. Dann stopfte er das Taschentuch in die Brusttaschc:„So geht das nicht weiter. Schuldenmachcn, in aller Leute Mäuler sein und—" „Nee," fiel Bohrs ein,„so geht's nicht weiter. Und ich Hab mir gleich vorgenommen, als Ihre Karte kam: diesmal sagst du's ihm. Das sogenannte Gehalt muß größer werden, Herr Ruprecht, und für meine Tapezierarbeiten im Hause verlange ich den regulären Lohn." „Was?" Ruprecht hielt die hohle Hand ans Ohr. Dann tippte er sich mit dem Zeigefinger an die Stirn:„Ha?" „Gott," sagte Bohrs,„das kann ich auch machen." „Sie alter Schuldenmafor, arbeiten Sie doch mehr", riet Ruprecht. „Gewiß," entgegnete Bohrs hühnisch,„vicrundzwanzig Stunden und noch zlvei Ueberstunden auf'n Tag, was? Nee, Herr Bau- meistcrl Aber, wissen Sic was?" Er fuhr mit dem Finger unter der Nase hin und ließ einen Pfiff ertönen:„Zum nächsten Ersten, verstanden?" „Sie haben ein Jahr Kontrakt." Es sollte drohend klingen. Dann trat der Baumeister auf den Verwalter zu und sagte freund- lich:„Machen Sie keine Geschichten, Bohrs. Wir verstehen uns doch ganz gut. Bis auf die verdammten Schulden. Schulden darf ein anständiger Mensch nicht machen. Mehr geben kann ich auch nicht. Ich k a n n es nicht, Bohrs. Mir bleibt so schon nichts übrig. Also schränken Sie sich ein und retten Sie auf irgend eine Weise Ihr moralisches Ansehen. Denken Sie doch mal: es sind schon Mieter hier gewesen, die sich danach erkundigten, ob Sie auch pünkt- lich die Mieten ablieferten.'' „Das ist nicht wahr!" schrie Bohrs. „So wahr ich hier sitze!" Ruprecht lächelte verlegen.„Gewiß, bis jetzt ist noch nichts passiert." „Was soll denn passieren?!" „Sie nehmen an jedem Ersten über tausend Mark ein. Wenn ein Mensch in Verlegenheit ist—"; er schwieg, als er dem Blicke Bohrs' begegnete. Und setzte schnell hinzu:„Gut, gut; ich will nichts gesagt haben. Nicht etwa, daß ich Sie beleidigen wollte, daß ich Ihnen so etwas zutraute,—— wir bleiben die Alten, tvas, Bohrs?" Er streckte ihm die Hand hin. Wenn Sie zulegen." „Ich sage Ihnen doch: Ich kann's nicht I Wahrhaftig nicht I Tie Häuser sind überlastet! Die Handwerker schreien nochl Die Hypotheken wollen verzinst sein! Es ist zum Rasendwerden, so sitze ich drinl Bis an den Hals sitze ich drinl" Er erschrak plötzlich bor seinen eigenen Worten, nahm ein verlegenes Lächeln ai� und sagte:„Na ja, was nützt es, Bohrs, zu schwindeln. Unter uns gesagt:- ich habe mehr Verpflichtungen als Haare auf dem Kopfl" „Was?" Der Verwalter tat sehr entrüstet:„Sie haben Schulden, Herr Baumeister?" „Ach was, Schulden! Schulden ist was anderes." Und als Bohrs lachte, fügte er hinzu:„Aber das müssen Sie doch einsehen. Ihre Schulden und meine Schulden lassen sich nicht vergleichen." „Nee," lachte Bohrs,„das glaub ich selber. Aber wo bleibt da das moralische Ansehen?" „Ach, quackeln Sie doch— I— Noch eins, Bohrs, ehe Sie gehen: vom nächsten Ersten werde ich die Mieten selbst einkassieren—" „Ei, sich dal" Bohrs setzte sich den Hut auf. „Es ist bloß, damit die Mieter sich nicht beunruhigen. Nicht etwa, daß ich gegen �-ie—" „Also selber!" BohrS streckte die Hände in die Hosentaschen. „Jetzt versteh ichl Angst haben Siel Angst, daß ich durchgehe und Sie mit Ihren Schulde» sitzen lasse. Na, also, Herr Bau- Meister, dann scheuern Sie man auch vom nächsten Ersten die Treppen I Adjösl" „Aber, Bohrs, hören Sie doch. Ich meine—" Eine Tür fiel Irachend vor der Nase des Baumeisters ins Schloß.— Völkerkunde. — Von der aus st erbenden Sprache der Juka- g h i r e n im Nordosten Sibiriens hatten wir bisher sehr un- genügende Kunde. Durch russische Reisende und Beamte, namentlich durch Baron v. Maydell(1870) waren einige hundert Wörter be- kannt geworden, welche der Akademiker Schiefner bearbeitete, woraus man schon damals erkannte, daß die Julaghircnsprache isoliert da- steht zwischen der sogenätinken ural-altaischen Gruppe der sibirischen Idiome. Daß wir jetzt besser über diese merkwürdige Sprache unter- richtet sind, verdanken wir zwei Expeditionen des Forschers Dr. Waldemar Jochelson, welcher 18gö bis 1837 im Auf- trage der russischen Geographischen Gesellschaft und 1303 bis 1302 auf Kosten Jesups für das New Uorker Amerikanische Museum der Naturgeschichte sich bei den spärlichen Resten der Jukaghircn aufhielt, deren Sprache man schon als erloschen betrachtete. Jochelson fand, daß jetzt noch das Jukaghirische in zwei Mundarten geredet wird, die aber bald ausgestorben sein werden, da das Völkchen je nach der Nachbarschaft die russische, tungusische oder jakutische Sprache an- genommen hat. Die eine Mundart des Jukaghirischen wird am Kolymaflusse und einigen Nebenflüssen geredet; die zweite zwischen der unteren Lena und Kolyma. Jochelson hat ISO Texte und ein Wörterbuch von 3000 Wörtern mitgebracht.—-«(„Globus"), I Medizinisches. str. Der Heilwert der Weintrauben. Bei einer großen Anzahl von Krankheiten werden die Weintrauben ärztlicher- seits in Form der sogenannten Traubenkuren verordnet. Als wich- tigste dieser Krankheiten sind die Lungentuberkulose, die Lungen- blähung, Lebererkrankungcn, Magcndarmstörungen,� sowie der Blaseukatarrh anzuführen. Eine Traubenkur darf aber nicht schemaiisch durchgeführt werden, sondern, je nach der Art der Krank- heit und der Konstitution des Patienten, sind spezielle Vorschriften bezüglich der Menge der zu genießenden Trauben notwendig, weil letztere, je nach der Quantität der genossenen Früchte, physiologisch verschiedene Wirkringen entfalten. So wirkt die Traube, täglich in einer Menge von I—IV2 Kilo genossen, ernährend und das llörper- gewicht erhöhend, in größeren Mengen befördert die Traubenkur den Stoffumsatz und führt mehr oder weniger gelinde ab. Immer ist bei der Traubenkur eine kräftige Diät notwendig, sonst wirkt sie zehrend aus den Organismus. Ihre Wirtsanrkeit beruht auf dem Gehalt an Traubensast, der neben Wasser hauptsächlich Trauben- zuckcr, etwas freie Säure, Eiweiß und Pektin enthält. Von Salzen weist der Traubensaft Kali, Phosphorsäure, Kalk und Magnesia auf. Will jemand eine Traubenkur gebrauchen, so müssen sich sein: Ver- dauungsorgane, da an dieselben große Ansprüche gestellt werden, in gutem Zustande befinden. Es sollen nur solche Trauben genossen werden, welche sich durch hohen Traubenzuckergehalt auszeichnen; es kommen daher vor allem die Trauben gewisser Rheinorte., sowie der am Gcnfersee und in Südtyrol gelegenen Traubcnorte in Frage. Die Dauer der Kur beträgt durchschnittlich vier Wochen und es kommen für dieselben die Monate September, Oktober und November in Betracht.— Humoristisches. — Der Parvenü.„Ihr Fräulein Tochter sah beim Blumen- korso recht melancholisch aus!" „Nu ja... se hat'n besser'n Weltschmerz!"— — Die höhere Instanz. Polizist:„Bitte weiter- zugchen! An dieser Ecke dürfen Sie nicht stehen bleiben." Bürger:„Meine Frau hat aber ausdrücklich gesagt, ich solle hier warten I"— — B e i der Premiere.„Sie, Herr Nachbar, wachen S' auf— Ihr Stück fällt durch I"— („Fliegende Blätter".) Notizen. — Die Tagebücher von Otto Erich Hartlcben werden zurzeit für eine nahezu vollständige Herausgabe in Buchform vorbereitet. Herausgeber ist Dr. F. F. Heitmüller.— — Unter dem Titel„Hilligenlci" erscheint im Herbst bei G. Grote, Berlin, ein neuer Roman von G u st a v F r e n s s e n.— — Erfolg hatten bei der Uraufführung:„Ich lasse Dich nicht" von Heinz Tovote im Stadt- Theater zu Leipzig; Ohorns dreiaktiges Schauspiel„Unlösbar" im Chemnitzer S t a d t- T h e a t e r; die Tragödie„HerodeS" von Stephan Phillip im Stadt-Theater zu Dortmund.— — Die erste Novität des Neuen Theaters lvird ein neues Schauspiel von Bernhard Shaw,„Cäsar und Kleopatra" sein.— — Die große, goldene Medaille der Großen Berliner Kunstausstellung 1305 erhielten der Maler und Radierer Ferdinand S cki m u tz e r in Wien und der Maler Franz Skarbina in Berlin; die goldene Medaille: der Bildhauer Artur Lewin-Funcke in Charlottcnburg, der Bildhauer Eduard B e y r e r in München, der Maler'Hermann S ch a p e r in Hannover und der Maler Moritz Robbecke in Berlin.— — Professor Paul Mohn ist zum Direktor der Berliner K u n st schule ernannt tvordcn.— — Im Salon Cassirer wird heute eine Kollektib-Ausstellung von Werken von Claude Monet eröffnet.— Verantwortl. Redakteur: Paul Büttner, Berlin.— D ruck und Verlag: VorlvärtsBuchdruckerci u.VerlagSanitaltPaul Singer LrCo..BerlinSVV.