Ur. 273. Abomements-Sedinziingen: vbonneuientS-PreiZ pränumerando: Vierleljährl- 3,Z0 Mk., monatl. 1,10 MI., wöchenllich 2S PIg. frei in; Haus. Sinielne Nummer 3 Psg. ConnlagS- Nuuruier m!t uiuNrierier EonnIagS- Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post- «bonnement: 3.Z0 Marl pro Quarlal. Eingetragen in der Post- ZetlungS- Preisliste für 1899 unter Hr. 7880. Unler streuzband siir Deullchland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für dai übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Ersckzeiuk täglich uuster Montag». Vevlinev VolKsbl�kt. 16» Jahrg. Die Jnsertions-Clebühr beträgt für die fechSgespallene Kolonel- zetle oder deren Raum so Psg., für politische und g-werlschaftliche Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anseigen" jedes Wort 5 Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen btZ i Uhr nachmittags in derSrpedition abgegeben werden. Die Expcdttlon ist an Wochen- tagen bti 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Sml l, Nr. tSVÜ, Telegramm-Adresse: „Sorialdemostrat Berlin" Centrawrgnn der focialdemokratifthen Partei Deutschlands. Nedalttioil: SW. 19, Venth-Strastr 2. Dienstag, den 21. November 1899. Expedition: SW. 19, Benttz-Skraste 3. Verscharrt. Ein„Armenbegräbnis" wollten wir die zweite Lesung der Zuchthausvorlage nennen, nachdem es bekannt geworden� daß das Centrum unter allen Umständen die Kommissions bcratung, die durch eine Hintcrthür noch eingeschmilggelt werden sollte, ablehnen und verhindern werde. Allein der Titel wäre zu schmeichelhaft gewesen. Das war kein Arnienbcgräbnis— das war überhaupt kein Begräbnis Das war die Verscharrung eines Kadavers, dem die Ehren des Begräbnisses versagt sind. Noch nie ist ähnliches im deutschen Reichstage erlebt worden. Nach der ersten Lesung des Zuchthausgesetzcs schrieben wir. eine so schimpfliche Niederlage habe noch keilte Regierung erlitten. Wir konnten damals nicht ahnen, daß die Nieder läge der ersten Lesung durch die der zweiten noch weit weit werde übertroffen werden. Gleich bei Eröffnung der Sitzung ließ sich das Schicksal des Gesetzes und der Negierung voraussehen. Die Bänke des Hauses waren nicht viel besser besetzt als an gewöhnlichen Tagen. Ein Kampf wurde also nicht mehr erwartet— das Schicksal des Zuchthausgcsetzes war besiegelt. Es handelte sich nur um die Form der Hinrichtung und der Bestattung Ter Ausdruck der Gesichter war jedoch nicht der Ausdruck gewöhnlicher Sitzungen. Es war ein Zug zorniger Eni- schlossenheit drin, die mit einer widerlickcn, häßlichen Sache endlich eimnal aufräumen will, und so gründlich aufräumen, daß sie nicht wieder belästigen kann. Und ein„Ludergeruch"— Verzeihung, das Wort ist ja hoffähig— ging durch das Haus. Es war ein Kadaver da, schon der Fäulnis verfallen. Die Verhandlungen waren sehr kurz. Die Herren B ü s i n g und Freiherr v. S t u m m hielten Reden zur Ver- tcidigung und Empfehlung der beiden einzigen Anträge, die zur Vorlage eingelaufen. Herr Büsing, der von Bank- und Geldwesen recht viel, von Arbeiterangelegeuheit und Arbeiter gcsetzgebung gar nichts versteht, war von den national liberalen Scharfmachern offenbar deshalb zum Sprecher ge wählt worden, weil er einer gewissen Autorität genießt und nicht so konipromittiert ist, wie die zwei gewerbsmäßigen Scharfmacher Möller und Hilbck. Er fühlte sich unsicher auf dem fremden Gebiet und wußte nichts anderes zu sagen, als die stereotypen Redensarten:„Koalitionsrecht ist kein Koalitionszwang",„Schutz des Koalitionsrechts",„die Socia listen sind Feinde der persönlichen Freiheit" affw. Er war aber klug genug, zu merken— was er, etwas naiv, auch in Worten ausdrückte—, daß der von ihm befürwortete, von uns schon früher sattsam gekennzeichnete Antrag der national liberalen Scharfmacher aussichtslos sei. Nicht so klug war Freiherr v. Stumm, für den sein Fall doch dauernd nachteilige Wirkungen gehabt zu haben scheint. Er sprach tonlos, schablonenhaft und konfus. Das Haus hörte dem einst Allgewaltigen nicht zu: sogar Herr v. Posa doivsky plauderte gleichgültig mit Kollegen, als gäbe es gar keinen Sultan von Saarabien. Und zum Ucberfluß wider fuhr dem im Reichstage zur komischen Person gewordenen Vater der Zuchthausvorlage das tragikomische Mißgeschick, daß er selber den Strick drehte, mit dem sein Kind erdrosselt wurde. Er stellte nämlich, in blindem Eifer den Stier bei den Hörnern packend, den Antrag, die Gesetzesvorlage einer Kommission von 28 Mitgliedern zu überweisen. Dieser Antrag lvurde von dem Präsidenten Ballestrcm, zur un- beschrciblichen Verblüffung des bedauernswerten Urhebers. sofort zur Abstimmung gebracht und mit allen Stimmen gegen die der beiden konservativen Fraktionen, nebst antisemitischem Anhängsel, und der scharfmacherischen Hälfte der nationalliberalen Fraktion abgelehnt. Das Centrum hielt so eifersüchtig darauf, einstimmig gegen die Kommissionsberatung zu sein, daß ein nationallibcraler Herr, der sich in die Ccntrumsreihen verirrt hatte und sich dortselbst zu Gunsten der Kommissionsberatung erhob, während der Ab- stimmung von den Ceiltrumslcuteu herausgedrängt wurde, damit er nicht durch sein Aufstehen ihre Partei in falschen Verdacht brächte. Herr v. Hohenlohe, der Reichskanzler, der mit einem Papierchen in das Haus eingetreten war, so daß vielfach geglaubt wurde, er habe eine Rede mitgebracht, ließ das Papicrchen vor Schreck beinahe fallen und verschwand mit dem geheimnisvollen Papierchen, während Herr von PosadowLky erdfahl feine gleich verdutzten Kollegen Brefeld und Rheinbaben, der zuin erstenmal im Reichstag erschien— ein jugendlich- frischer Nonnalkopf, der durch eine allerdings gemilderte Mittelscheitelung an die Frisur seines Vorgängers Recke er- innert— wie um Hilfe flehend ansah. Sie konnten ihm keine Hilfe bringen. Die Würfel waren gefallen. Nichts mehr zu retten. Nach kurzer Berichterstattung über die gegen die Zucht- Hausvorlage gerichteten Petitionen wurde die Debatte über das Zuchthausgesctz selbst eröffnet. Inzwischen waren die Parteien übereingekommen, sich auf keine Debatte über das tote Gesetz einzulassen und nur kurze Erklärungen abzu- geben. Lieber eröffnete den Reigen in einer geschickten, die letzte Hoffnung der Zuchthauskurslcr abschneidenden Erklärung. Jetzt, in Heller Verzwefflung, raffte Herr v. Posa- dowsky sich zu einer Rede auf. Herr v. Posadowsky ist eine Polonius-Natur— er kennt nur eine Sonne: die Gnade und Gunst des Herrn. Und diese Sonne scheint nur auf den Erfolg. Herr v. Posadowsky aber ist ein Virtuose des Nicht erfolges, der Minister der Nieder- lagen.„Das Unglück ist eine Eigenschaft", pflegte der erste Napoleon zu sagen. Bei Herrn von Posadowsky trifft es jedenfalls zu. Was er in die Hand nimmt, mißlingt. Alle Gesetze, die er eingebracht hat, sind verunglückt, mit einziger Ausnahme des Jnvalidengesetzes,— an dem er persönlich ganz unschuldig ist, und des Zuck�rgesetzes, welches von denen, für die es bestimmt war, verwünscht wird. Auch dies mal bewies Herr v. Posadowsky sein angeborenes Talent. Wäre das Zuchthausgesetz nicht schon mausetot gewesen, die Posadowskysche Rede hätte ihm sicher den Gnadenstoß gegeben. Dem armen Posadowsky, der über der Zuchthausvorlage gealtert ist— die fortgesetzten Niederlagen scheinen ihm nicht zu bekommen— war durch die rasche That Ballestrems sein wohlvorbereitetcr Kuhhaudelsversuch mißglückt. Er hatte bc absichtigt, dem Centrum in seinen Anträgen auf Erweiterung und Sicherung der Koalitionsfreiheit mit unverbindlichen Ver hcißuugcn entgegenzukommen. Jetzt war die Sache bereits vor seiner Rede entschieden, in der die ursprünglichen rhetorischen Absichten wie Trünimer eines Wracks umher- trieben. Posadowsky hatte nicht die Geistesgegenwart und Fähigkeit, seine ursprünglich geplante Rede schnell der neuen Lage gemäß umzuarbeiten, und so flehte er denn nach der Entscheidung noch uin kommissarische Beratung und winkte dem Eentrmn, das bereits vom Tische aufgestanden war und gar keinen Appetit mehr hatte, mit verheißungsvollen, leckeren Bissen. Nichts lustiger, als dieser Versuch, nachdem der Zug ihm vor der Nase abgefahren, den sorgsam berechneten Reise plan in der Hand, vorwärts zu kommen. Es war begreiflich, daß er in seiner Aufregung wetterte— über den bösen Zug, der nicht auf ihn gewartet.— Er tadelte das Haus, das eine Regieruugs> Vorlage nicht einer Kommissionsberatung würdig er achte; das widerspreche allem parlamentarischen Brauch Durch diese sehr übel augebrachte Hofmcisterei ent- fesselte Herr v. Posadowsky einen Stunn der Entrüstung. „Wir lassen uns nicht mirbachen!"„Zur Ordnung! zur Ordnung!", solch' scharfe und noch schärfere Zwischen rufe tönten dem Redner entgegen, der nun voll ständig jede Selbstbeherrschung verlor und bloß noch durch leidenschaftliche Provokation eine Debatte herbeizuführen bestrebt war. Auch das mißlang ihm. Glück hatte er nur insofern, als im Augenblick, wo er sprach, nicht Herr v. Ballcstrem den Vorsitz hatte, sondern Herr v. F r c g c, der wieder cinnial Homer nachahmte. Sonst wäre der bedauerns Iverte Minister einem Ordnungsruf nicht entgangen. Mit lauteni Gelächter wurde die Drohung hingenommen, die Ablehnung der Zuchthausvorlage in dieser brüsken Forni sei ein„bedenk lichcs Zeichen" und verschlechtere das Verhältnis zwischen Bundesrat und Volksvertretung. Genosse Heine gab hierauf für unsere Partei die ab- lehnende Erklärung ab; und dann, nachdem der Kon- servative L ö b e l l eine halbe Stunde lang vor leeren Bänken einen Monolog gehalten, folgten die Vertreter aller anderen ablehnenden Parteien oder Gruppen: Richter, Rösicke, Bachem, Röllinger(Elsässer), B a s s e r m a n u. Richter sprach zweinial, weil PosadowLky sich gegen seine Erklärung gewandt hatte. Er meinte, verschlechtern könne sich das Verhältnis zwischen Reichstag und Bundesrat nicht; und über schlechte Behandlung seitens des Reichstags dürften die Herren Minister sich nicht beschweren.„Wenn Sie sich durch Tischreden zum Einbringen von Gesetzen bestimmen lasse», von denen Sie wissen müssen, daß der Reichstag sie ablehnt, dann sind Sie für die Niederlage verantwortlich." Unser Ge- nosse M o l k e n b u h r, der in kurzen Worten Herrn von Posadowsky eine„Unwahrheit" vorwarf, wurde vom Präsidenten — jetzt wieder Ballestrcm— nicht zur Ordnung gerufen, weil dieser sehr richtig annehme, daß Unwahrheit etwas anderes sei als Lüge. ein Unterschied, zu dessen Wahr- nehmung man freilich nicht Reichstags-Präsident zu sein braucht. Um 4 Uhr war die„Debatte" ohne Debatte geschloffen, und erfolgte die Abstimmung. Für den Antrag der Nationalliberalen stimmten nur die Antragsteller und die Antisemiten. Für den Antrag Stumm die beiden konser- vativcn Fraktionen. Für§ 1 der Regierungsvorlage nur die Konservativen und Reichsparteiler, die in ihrer Vereinsamung 'o ausdauernd für alle Paragraphen des Gesetzes stimmten, daß sie sogar für den Z 11, der den Strafparagraph 153 der Gewerbe-Ordnung st r e i ch t, sich erhoben, was einen elementaren Ausbruch der Heiterkeit hervorrief. Gespalten 'rimmten die Antisemiten, die durch Nichtabgabe von Er- klärungen über ihre Herzensmeinung den Schleier! zu ziehen 'uchten; Lotze und Werner gingen mit den Konservativen, während Herr Liebermann seit der ersten Lesung sich selbst treu„geblieben" war und sich nicht erhob. Zu dem§ 8 hatte ein Gemütsmensch getrennte Ab- stimmung über die einzelnen Abschnitte gestellt, damit alle Welt sehen könnte, wer denn nun eigentlich auch für den zweiten Abschnitt, der das Zuchthaus enthielt, zu haben sei. Und siehe da: Sogar die Reichsparteiler und ein Teil der Konservativen wurden fahnenflüchtig; kaum ein Dutzend un- entwcgtestcr konservativer Kanalfcinde verließen das Zucht- haus nicht, das war die ganze Gefolgschaft von Oeynhausen. Um 4st/s Uhr schloß die Sitzung. Die kürzeste seit Wieder- eröffnung des Reichstags. So wäre denn das Zuchthausgesetz endgültig beseisigt— beseitigt, so wie es beseitigt werden mußte. Die deutsche Volksvertretung hat die Einbringung dieses Zuchthausgesetzes als einen Schimpf empfunden, und sie hat es schinipflich verscharrt. Was nun? Herr von Posadowsky wollte den Reichstag parlamen- tarische Sitte und parlamentarischen Brauch lehren. Weiß Herr v. Posadowsky nicht, daß er nach parlanientarischem Brauch und parlamentarischer Sitte seit Jähren gar kein Recht hat, als Minister vor den Reichstag zu treten? Wird er nach dieser letzten, schwersten Niederlage die parlamentarischen Konsequenzen ziehen und gehen? Oder wird er gehen gemacht werden? Nach oben ist feine Stellung wohl ebenso„unmöglich" geworden, wie nach unte n. Freilich in der Aera des Zickzackkurses giebt es kein„Unmöglich" gegen das Volk. Wird die Regierung lernen? Ungefähr gleichzeitig mit der zerschmetternden Niederlage, welche die Regierung im Kampf für dieses, von ihm persönlich befürwortete Gesetz erlitten hat, ist der Kaiser in England gelandet. Die erste Nachricht, die er auf englischem Boden erhielt, war die Nachricht dieser Niederlage. In England, dem Mutter- und Musterland des Parlamentarismus wird deren Bedeutung und Tragweite begriffen werden. Und in England hat man für die Thatsache Verständnis, daß die deutsche Regierung zu der ungeheueren Mehrheit des deutschen Volks in schärfstem Gegensatz steht. Ist dies dem Ansehen des Deutschen Reichs förderlich? Und wichtiger als dieS— das Ausehen der Reichs- regicrung im Inneren. Kann e s s o w e i t e r g e h n? Das deutsche Volk läßt sich nicht auf den Boden der Zucht- Hauspolitik drängen. Die Kluft wird breiter und breiter zwischen Regierung und Volk. Den Appell an die Wählerschaft fürchtet die Regierung. Was will sie thun? Was bleibt i h r zu thun? Der Staatsstreich? Entweder— Oder! Das Schreiben des Oberhofmcistcrs v. Mirbach an die Berliner Stadtvcrordnetcn-Vcrsaminlung hat in der Welt der Philister ein allgemeines Schütteln des Kopfes hervorgerufen. Leider sieht es aber nicht sehr danach ans, als ob ans dieser liberalen Bcunrlchigling viel heranskoinmen wird. Man fängt schon wieder an, sich in den Mantel der beleidigten Unschuld zu hüllen, eine verstohlene Thräne der Wehmut ans den Augen zu wischen und übrigens das Rückgrat geschmeidig zu halten, ans daß morgen weiter gekatzbnckclt Iverden kann. Siehe zum Beispiel die magistratsoffiziöse Tante Boß! Selbst die Abfertigimg, die Herr Langcrhans als Vorsteher der Stadtverordnetcn-Versammlung dem Schreiben des Oberhofmcisters Mirbach zu teil werden ließ, ivar vielleicht nicht ganz den Anforderungen der Base gewachsen, so gern wir sonst anerkennen, daß sie den Hofmcnschcn trefflich abtrumpfte. Wenigstens entsinnen wir uns, daß der alte Waldcck, als im Jahre 1848 ein staatsrechtlich unberufener Junker im angeblichen Auftrage des Königs ein Schreiben an die Volks- Vertretung richtete, das übrigens viel höflicher war, als die Epistel dcS Herrn v. Mirbach, das Schriftstück einfach der PctitionSkommission zu überweisen beantragte. Wie sich diese Frage nach der liberalen Tradition gründlicher hätte erledigen lassen, als sie erledigt worden ist, so giebt die liberale Tradition und specicll die Tradition der hiesigen städtischen Behörden auch die richtige Antwort auf die Frage: Was nun? Am i. Juni 1863 beschlossen die Berliner Stadtverordneten, deren damalige Mehrheit denselben Freisinn atmete, wie die heutige Mehrheit, mit 66 gegen 14 Stimmen, eine Deputation an den König Wilhelm I. zu senden, um ihm„ehrfurchtsvoll vorzustellen, daß die in Widerspruch mit der Verfassung eingeführte» Beschränkungen der Presse durch Unterdrückung von Zeitungen und Zeitschriften seitens der Verwaltungsbehörden nicht nur das Vertrauen auf die Geltung der Verfassung und der Gesetze er- schüttern, sondern auch wichtige Eigentnmsintcrcssen dem freien Ermeffeu der Verwaltungsbehörden anhcinigebeu und tief verletzend in das bürgerliche Leben und Gewerbe eingreifen, daß ferner die Fortführung der Regicrung ohne einen geordneten Staatshanshalt und der immer tiefer gehende VcrfassungSkonflikt den Kredit und das Vertrauen der besitzenden und gewerbetreibenden Klassen in immer weiteren Kreisen gefährden, und ihn untcrthänigst zu bitten, durch schleunige Berufung dcS Landtages die Wiederherstellung eines verfassungsmäßigen Zustandes herbeizuführen". Da der König diese„Vorstellung", der sich auch der Magistrat anschloß, sehr un- gnädig zurückwies, so beschlossen die Stadtverordneten am 13. Juni 1863, künftighin alle Adressen und Deputationen an das königliche Haus zu unterlassen: als bald darauf ein Prinz Friedrich starb, gaben sie ihrem Willen auch praktische Folge und lehnten aus- drücklich jede Kundgebung ihres Beileids ab. Man darf nun nicht übersehen, daß die Sache damals in mannig- facher Beziehung für die städtischen Behörden viel schwieriger lag, als heute. Ihre Berechtigung bei allgemeinen LandeSangclegenheiten eine„Vorstellung" an den König zu richten, tvar vom formellen Standpunkt aus nicht unanfechtbar. Ferner war die.Vorstellung", trotz der beiläufig eingeflochtenen„ehrfurchtsvollen" und„unter- thänigen" RedefloSkeln, von erfrischender Deutlichkeit, indem sie de» König beschuldigte, die Verfassung und damit auch den Eid ge- krochen zu haben, den er auf die Verfassung geleistet hatte. Endlich aber, wenn sich danach die„sehr ungnädige" Er- widerung des Königs menschlich erklärte, so erfolgte sie auch in staatsrechtlich unanfechtbarer Form unter Gegenzeichnung deS bcrantivortlichen Ministers. Wenn gleichwohl die damalige Stadtverordnctcn-Vcrsammlung in ihrem sehr berechtigten Selbst- bcwusttscin beschlosz, daraufhin alle Adressen und Kundgebungen an das königliche Haus zu unterlassen, so muß selbstverständlich die heutige Stadtverordneten- Versammlung sich in gleicher Weise ent- scheiden, sobald ans eine von ihr an die Kaiserin gerichtete Huldigungsadresse ein unberufener Hofbeamtcr eine»sehr ungnädige" Epi'tcl an sie richtet. Höchstens mit einer durch die veränderten Ilm- stände gebotenen Aenderung. Da die Behauptung des Herrn von Mirbach, dast er im Auftrage der Kaiserin geschrieben habe, un- beglaubigt ist, so könnte die Stadtverordncteu-Versammlung ihren notweudigen Beschluß in der Form fassen, dast sie so lange auf allen Gratulationsvcrkchr mit dem Hofe verzichte, bis jene Be- Häuptling von zuständiger Seite unzweideutig verleugnet worden sei. Was nun den Inhalt des von dem Obcrhofmcister der Kaiserin erlassenen Schreibens anbetrifft, so licste sich auher dein. was, schon Herr Langerhans treffend dagegen gesagt hat, noch vielerlei vorbringen. Mau könnte zum Beispiele folgende Adresse an Herrn v. Mirbach richten:„Frommer Mann! Sic be- riifcu sich auf die Konsistorialordnung von 1573, um den städtischen Steuerzahlern viele Millionen aus der Tasche zu holen für den Bau von Kirchen, von dem, mästig gerechnet, mindestens neunzig Prozent dieser Steuerzahler nichts hören wollen. Als genauer Kenner der Orrchengeschichte sollten Sie wissen, dast die Konsistorialordnuug von 1573 der Gemeinde Berlin die Kirchenbaulast Zuwälzte, weil der hochselige Kurfürst Joachim II,, unter dem Vorgeben, das reine Wort Gottes in die Mark Brandenburg einzuführen, das Märkische Kirchcngnt einer nichts weniger als gottseligen Verwendung zuführte. mit seinem Hofgesinde in der sündhaftesten Weise verprastt hatte. Läge es Ihnen als eben so froMmer wie hervorragender Hoscharge nun nicht näher, für das vennutlich arg gefährdete Seelenheil jenes selbst in seiner skrupellosen Zeit übel berufenen Fürsten zu beten, alS wieder nach sündigem Mammon zu trachten, um das Seelenheil von Leuten zu retten, die zu neunzig Prozent überhaupt nicht, selbst nicht von Ihnen, und am allerivenigsten ans ihre eigenen Unkosten ihre Seelen retten lassen ivollen?" Oder um einen anderen Punkt hervor- znhcbcn: wenn der Stadtverordnete Prcust wegen seiner harmlosen Scherze über diesen oder jenen Gcsangbnchvers in seiner Eigenschaft als Privatdocent wirklich disciplinicrt werden sollte, so„ent- schuldigt" er sich hoffentlich nicht wieder, sondern reicht als Ver- tcidigungsschrift nur eine urkundliche Zusammenstellung dessen ein,>vas der„graste" Friedrich über kirchliche Dinge zu äußern Pflegte: von dem ecrass? l'infame(Vernichtet die Infamen), womit dieser hochsclige König die christliche Kirche meinte, bis zu den Witzen, die er über das Abendmahl und andere kirchliche Ccrcmoiiicn riß. Genug, wenn man will, so hat man hundert Mittel und Wege, um innerhalb kurzer Zeit jeden Hofmenschcn mit der Ucberzeugung zu durchdringen, dast cS klüger sei, ein glühen- deS Eisen anzufassen, als den städtischen Behörden von Berlin an den Wagen zu fahren. Aber freilich handelt es sich hier um ein Entweder— Oder! Bleibt es bei dein allgemeinen Schütteln des Kopfes, bei dem räsonnicrcndcn Tuscheln hinter den Stammtischen, bei dem heimlichen Ballen der Fäuste in der Tasche. so werden die städtischen Behörde» der Neichshanptftadt mit dem Briefe des Ober- hosnicistcrS v. Mirbach den Kelch der Demütigung nach lange nicht bis zur Hefe geleert haben. Ltebevfiliik. Berlin, den 20. Nobcmbcr. Offiziöses Mißgeschick. Auf unseren Leitartikel in Nr. 271, betitelt„Offiziöse Wasser- sucht", in welchem wir die Unrichtigkeit der Angaben der«Berliner Korrespondenz" über die Bedeutung unserer HandelSintcresse» in Ostasicn nachwiesen, fühlt sich diese in Nr. lllö zu einer längeren Erwiderung veranlaßt, die pflichtgcmäst von der„Nordd. Allgcm." und einigen anderen Blättern zum Abdruck gebracht wird. Die „Berliner Korrespondenz" gicbt zu. dast die HandelSstatistik ihren Behauptungen nicht efftspricht; aber, meint sie, aus der„ ch i n e- fischen Haudelsstatistik" lasse sich der Ivahre Umfang «der HaudelSinteressen der einzelnen Staaten" nicht ersehen, und deshalb sei für die Beurteilung jener Frage die „Statistik der chinesischen Aus- und Einfuhr" nicht zu verwerten. Es heißt dann weiter: „Zutreffender werden die unmittelbaren kommerziellen Jntcr- essen der verschiedenen Länder beleuchtet, wenn nach der Schiff- fahrtsstatistik der Wert der unter den verschiedenen Flaggen in chinesischen Häfen aus- und eingehenden Ladung verglichen wird. Auch diese im„Deutschen Handclsarchiv" veröffentlichte Statistik läßt freilich den Ursprung der Waren außer acht, doch stellt der Schiffsverkehr unter der Flagge der einzelnen Länder offenbar direkte kommerzielle Interessen dar, nach deren Umfang die Jntcr- essen der betreffenden Staaten an der ostasiatischcn Küste besser beurteilt tvcrdcn können, als nach der vom„Vorwärts" benutzten Haudelsstatistik." Als Beweis für die Bedeutung des deutschen Schiffsverkehrs in den chinesischen Häfen gicbt die„Berliner Korrespondenz" sodann nicht etwa die Statistik des durch deutsche Schiffe vcrinittclten Fern- Verkehrs, sondern des größtenteils dem chinesischen Eigenhandel und dem englischen Handel dieneirden Küstenvcrkehrs: „Außer dem Fernverkehr zwischen europäischen u. a. mit chinesischen Häfen wurden allein im Küstcnverkehr zwischen chinesischen Häfen untereinander im Jahre 1897/88 von deutschen Schiffen 1991 Seereisen mit mehr als einer Million Register- tonnen gemacht: der gesamte Verkehr deutscher Schiffe zwischen rstasiatischcn Häfen-- ungerechnet den Verkehr zwischen Europa, Afrika. Westindien k. einerseits und Ostasien andererseits— bclief sich auf 2936 Seereisen mit 1,34 Millionen Registertonnen." Die Ausrede ist durchaus charakteristisch dafür, lvie es in gewissen Kreisen, die so pathetisch den Schutz deutscher Handels- intercfsen verlangen, um die Kenntnis des deutschen Außenhandels bestellt ist. Unsere Angaben über den Wert deS deutschen Handels sind nicht, lvie die Korrespondenz annimmt, der chinesischen Handelsstatistik entnommen, sondern der deutschen. Der chinesischen konnten sie, wie die offiziöse„Berliner Korrespondenz" eigentlich billigerweise wissen sollte, schon deshalb nicht entnommen sein, weil diese gar nicht die deuische Ein- und Ausfuhr gesondert registriert; sondern, soweit Europa in Betracht kommt, nur die englischen und russischen Handelsziffern aufführt, die aller übrigen europäischen Länder aber zusammenwirft. Geradezu lächerlich ist es jedoch, die Bedeutung der Handels- interessen nicht nach dem Handels verkehr, sondern nach dem Schiffs verkehr zu beurteilen. Liefert ersterer kein genaues Resultat, so jedenfalls letzterer noch weniger. Vor allem aber bietet sicherlich der von deutschen Schiffen ver- mittelte Verkehr zwischen chinesischen Häfen dafür keinen Maststab. ES ist begreiflich, dast die offiziöse„Berliner Korrespondenz", nachdem sie sich vor die Alternative gestellt sieht, ihre Angabe zu beweisen, zu Verlegenheitsreden greift, aber etwa? geschicktes: lönnte sie eS schon machen. Der„sehr gut unterrichtete" Staatssekretär. In der ReichstagSverhandlung vom 29. kam der Staatssekretär Graf Posadowski) auf das schon im Sommer von ihm erwähnte Urteil eines englischen Gerichts gegen das S t r e i k p o st e n st c h e n zurück. Das englische Gesetz erklärt für strafbar den, der das HauS oder die sonstige Stätte, wo eine andere Person wohnt oder arbeitet oder Geschäfte betreibt oder sich zufällig aufhält, oder den Zugang zu dem Hause oder zu der Stätte bewacht oder besetzt hält. Das Gesetz fügt aber hinzu: Das Warten an dem Hause oder der Stätte oder in der Nähe deS Hauses, Ivo jemand wohnt oder arbeitet oder Geschäfte be- treibt oder sich zufällig aufhält oder an deni Zugänge oder in der Röhe deS Zuganges zu solchem Hanse oder zu solcher Stätte lediglich zu dein Zwecke, Nachricht einzuziehen oder zu geben, gilt'nicht ein Bewachen oder Besctzthaltcn im Sinne dieser Vor- schrift. In der Rcichstags-Sitznng vom 19. Juni 1899 hatte nun der Staatssekretär v. Posadowsky behauptet, ein neues englisches Urteil in Sachen Lyon kontra Wilkms habe ausgesprochen, daß ein Bewachen zum Zwecke der Ucberredung eines anderen nicht unter die Ausnahme fällt und daher ungesetzlich ist. Damals hatte der Abg. Dr. Lcnzmann dem Minister erwidert, dieS Urteil fei bereits durch die höhere Instanz aufgehoben. Das war nun allerdings ein Irrtum; das Urteil der Berufungsinstauz, das Lcnzmann meinte, betraf eine andere Prozcßsachc. Dies gab jetzt Herrn v. PosadowSky Anlaß zu einigen bissigen Bemerkungen gegen Lenzmann und zu der Erklärung, daß die Regierung sich über die Frage sehr genau unterrichtet habe. So sehr weit kami es nun nnt' dieser Unierrichtnng nicht her sein. Wir sind in der Lage, die betreffende Stelle des Urteils hier mitzuteilen.") Der Richter sagt: ?Lrsous rnight be peacefnlly persuaded, provided that the method ernployed to persuade was not a nuisance to orber people. DaS heißt: Ntan darf andern Personen friedlich(zum Streik) zureden, vorausgesetzt, dast die Art und Weise d e r II e b e r r e d u n g nicht für andere Personen„a nmsanee" enthält. Nach dem EntWurfe eines englischen Strafrcchts, der 1879 dem Parlamente vorgelegt, aber nicht erledigt worden ist, versteht man unter common nuisance cinc widerrechtliche Handlung oder Unter- lassung, wodurch die Sicherheit, die Gesundheit, das Eigen- tum öd-r das Leben oder Wohlbehagen der Gesamtheit gestört wird. Es ist also klar, was hier damit gesagt sein soll: Wenn Streikposten ihre„Uebcrrcdung" in einer Weise ausführen, die zu- gleich einen strafbaren Zwang enthält, so ist das. nicht straflos. Das ist selbstverständlich und gilt in Deutschland schon längst. Tic Behauptung des Staatssekretärs, daß in England etwas strafbar wäre. ivaS bei uns erlaubt sei, wird gerade durch dieS Urteil widerlegt. UebrigenS haben die englischen Arbeiter das Urteil trotzdem als eine Beeinträchtigung der ibucu durch das Gesetz und durch frühere Gerichtsurteile verliehenen Freiheiten betrachtet, und die beteiligten Organisationen haben beschlossen Benisung dagegen einlegen zu lassen. Bei den cnonucn Kosten, die in England ein solcher Prozeß macht, entschließt man sich dazu nur in Fällen von principicller Bedeutung. Irrig ist auch die Behauptung, das englische Gesetz drohe weit härtere Strafen an, als das Zuchtbausgesetz enthalten haben würde. Da? Znchthausgcsetz bedroht solche Handlungen, wenn sie ge- schäftSmäßig begangen sind, mir Gefängnis von in i u d e st c n s drei Monaten bis zu fünf Jahren. Das englische Gesetz kennt Gefängnis bis h ö ch st c n s zu drei Monaten, und zwar mir oder ohne bard labour. Ganz falsch ist min die von dem Natiouallibcralcn Professor van der Borght aufgestellte Ansicht, daß„Ge- fängnis mit bard labour soviel sei. wie bei uns Zucht- Haus," Gefängnis mit bard labour entspricht nämlich ctiva unserer EcsäugniSslrase. bei der aucki regelmäßig ein Arbcitszwang besteht. von dem nur in Ausnahmefälleu dispensiert wird. Die Strafe ist nicht entehrend, wie unsere Zuchthausstrafe.„Gefängnis ohne bard labour" entspricht dem. was unsere„Haft" sein sollte, wenn die Unterschiede von der Gefängnisstrafe, die der Gesetzgeber machen wollte, nicht bloß auf dem Papier existierten. Unserer Zuchthansstrafe cutspricht in England die penal seryitnde. Die Behauptung von der„sehr viel schwereren Bestrafung" solcher Fälle in dem„augeblich freien England" ist also ein Irrtum des „sehr gut unterrichteten" Herrn Staatssekretärs. Aeurilhes Weich. Hohe Sprüche. Ein Leipziger Verlag kündigt ein Album an: „Das Goldene Buch des deutschen Volkes an der Jahrhundertwende". Eine Widmung des Kaisers hat folgenden Wortlaut: Won Gottes Gnaden ist der König, daher ist er auch nur dem Herrn allein verantwortlich. Er darf seinen Weg und sein Wirken nur unter diesem Gesichtspunkt wählen. Diese furchtbar schwere Verantwortung, welche der König für sein Volk trägt, gicbt ihm auch ein Anrecht auf treue Mitwirkung seiner Unter- thanen. Daher mutz ein j e d e r Mann im Volk von der lieber- zeugung durchdrungen sein, daß er für seine Person mit- verantwortlich i st für des Vaterlandes Wohlfahrt. Für st v. Hohenlohe eignet sich den Wahlspruch an:„lTortlter in rc, suaviter in modo"(Tapfer in der Sache, maßvoll in der Form), während der Minister des Auswärtigen, Graf B ü l o w, philosophiert: „Letztes Ziel der Politik ist, den einzelnen dahin zn bringen, daß er seinen Egoismus mit Bewußtsein unter die für die All- gcmcinhcit als nützlich erkannten Zwecke beugt." Admiral Tirpitz sagt kurz und bündig:„Grundlage und Endzweck der deutschen Flotte sind die deutschen Sec-Jntcrcsscn." Der Acgir-Spruch des Herrn Tirpitz ist recht dunkel, und Herr Bülow ist als Philosoph nickit sonderlich tiefsinnig; er scheint auch ine» Gemeinplatz an der Sonne zu beanspruchen.— Ter Kaiser imd die Kanalgcgncr. Wie nach dem„Hamb. Korresp." verlautet, hat der Kaiser auf der Letzlingcr Hofjagd den Präsidenten des preußischen Abgeordnetenhauses v. Krvchcr und ver- schicdcne andere Gäste, die als Kanakgegner bekannt sind, zwar be- grüstt, hat sie aber nicht ins Gespräch gezogen.— Die„Norddeutsche" gegen Flottenschwärmcr. Am Sonn- abend hat der Viceadmiral a. D. Werner einen Vortrag über die neuen Marincpläne gehalten und war dafür vom Kaiser telcgraphisch belobt worden. Die offiziöse„Norddeutsche Allg. Ztg." hat nun gar kein Vertrauen zu dem Agitator; denn sie schreibt in höherem Auftrag folgendes: „Zu der Zeit, als Herr v. Werner noch der Marine angehörte, mögen seine Ansichten über Erziehung des Marinepersonals, über Verwendung der veralteten Schiffstypen als Kreuzer unter Segel, als Wachffchiffe vielleicht noch diskutierbar gewesen sein, heutzu- tage wird seine Vorschläge niemand in der Marine ernst nehmen. Es verlohnt sich daher nicht der Mühe, auf dieselben einzugehen, ebensowenig wie auf die Kritik der Organisation der höchsten Marinebehörden, da dem Kritiker jede Einsicht in die thatsächlichen Verhältnisse fehlt. Er kcunt weder die wirkliche» Bcdiirfniffe und den Dienst der obersten Kommandobehörde und der Stations- kommandoS, noch die verfassungsmäßigen Pflichten und Befug- niffe des Staatssekretärs der Marine als Vertreter des Reichs- kanzlerS, noch die Zweckbestimmung des Marinekabinetts. Möchte Herr v. Werner seinen Ausspruch wahr machen, dast die vor- liegende Rede die letzte dieser Art war!" *) Nach einem im nächsten Hefte von Brauns„Archiv für sociale Gesetzgebung erscheinenden vortrefflichen Aufsatze„Koalitionsrecht und Strasrecht" von Professor Ar. Theodor Löwenfeld. Fügen wir, der Wahrheit gemäß hinzu, dast wir die vorstehende Notiz ein wenig aktualisiert haben, indem wir am Schluß„Rede" statt „Schrift" setzten. ES handelt sich nämlich nur um eine frühere, von der Berliner„Bolkszeitung" zur rechten Zeit ausgegrabene Auslassung Werners, als die Offiziösen noch g c g e n die uferlosen Flottenplane dieses pensionierten Scchelden schreiben mußten. Hcme ist derselbe Mann für dasselbe Blatt eine gewichtige Autorität, und seine uferlosen Flottenphantasicn sind zum geistigen Eigentum der Regierung befohlen worden. Otto Mittelstadt, der frühere Rcichsgerichtsrat, hat sich zu Rom in nervöser Uebcrreizung erschossen. Mittelstadt, ein reaktionärer 5lopf mit oppositionellen Gelüsten, trat nach seiner Pcusioiiicrung mir hitzigen politischen Kampfschriften auf den Plan, die Beachtung fanden. 1897 erschien sein Buch„Vor der Flut", das im Stil der „Zukunft" den Untergang des goldenen bisniärckischcn Zeitalters be- jammerte und der Regierung Wilhelms II. düstere Prophezeiungen ividmete. Zuletzt gab' er eine Studie über die Drcyfus-Affaire heraus. Welcher Art der Mann war. das zeigt vor allem seine 1879 er- schiencne Schrift„Gegen die Freiheitsstrafen", in der er statt der Entziehung der Freiheit— über die verderblichen Wirkungen der Freiheitsstrafen findet er manch treffendes Wort— als Slrafmittel Hunger, Prügel und Galgen empfahl.— Der„Itlk" hat nach der Verurteilung von DrehfuS in RenncS ein Gedicht veröffentlicht:„Die feige"on Renne§." Die Staatsanwaltschaft hatte es abgelehnt, dem Autrag auf Strafverfolgung dieses Gedichtes Folge zu geben. Nach der„Germania" hat nunmehr der Oberstaatsanwalt den Ersten Staatsanwalt in Berlin veranlaßt, gegen den„Ulk" die öffeutlchc Klage zu erheben.— AnS Hesse», 19. November.(Eig. Ber.) Entsprechend dem Aus- fall der Urwahlcn hat auch die gestrige Abgeordnetenwahl durch die Wahlmänner keine große Verschiebung in der Zu- sannnensetznng deS Landtags gebracht. Soweit bis jetzt Nachriäiten vorliegen, werden in der neuen Kamnier ca. 29 Nationalliberale sitzen. Früher zählte der Landtag unter 59 Abgeordneten jahrzehntelang 49 und mebr Nationalliberale. Der reaktionären Gesellschaft ist also das Rückgrat gebrochen. Sie haben keine Mchrhcir mehr. DaS Ccntrum wird etwa 8 oder 9 Mann stark vertreten sein. Mehrere Sitze gewonnen haben die Antisemiten dank der unbeschreiblichen Waschlappigkcit der„Liberalen". Man wird dem antisemitischen Baucrnbüiidlcr wohl 19—12 Mandate zurechnen können. Genau weiß man bei dielen Lernen nie, wie sie im tiefsten Innern gesonnen sind. Vor den Wahlen schillern sie in allen Farben und versprechen alles. Nach den Wahlen hört man nichts mehr von ihnen, abgesehen davon, dast sie sicki bei irgend einer Gelegenheit unsterblich blamieren. Das.freisinnige" Bürgertum wird seine drei Vertreter in der Kammer behalten. Wie lauge noch, ist schwer zn sagen. Die s o c i a l d e m o k r a t i s ch e Fraktion zieht sechs Mann stark in den Landtag ein. Das sicherste Mandat, das sicher erobert worden wäre, ging durch den denkbar schofelsten Kuhhandel verloren. Wir hoffen aber bestimmt, daß der Landtag das Mandat des Kandidaten der frcisiuuig-antiscmitisch-nationallibcralcn Koalition für ungültig erklären wird. Bei einer Nachwahl dürfte uns der Kreis sicher zufallen. Alles in allem: Unsere Partei kann mit dem Ausgang der Landtagswahlen in Hessen zufrieden sein. U e b e r a l I haben wir ganz bedeutend an Stimmen gewonnen und in zahlreichen Orten unterlagen unsere Wahlmänncr den gegnerischen, für die Bürger- meister, Pfarrer und Lehrer häufig genug mobil gemacht waren, nur mit wenigen Stimmen. Die in Hessen seit Jahren planmäßig betriebene Landagitation ist nicht fruchtlos gewesen. Es geht überall vorwärts! Im Wahlkreis Gießeu-Land' konnte übrigens gestern nicht ge- wählt werden, weil durch das Fernbleiben unserer Wahlmänncr die erforderlichen zwei Drittel der Wahlmänner nicht zusammen waren. Nun wird ein zweiter Termin bestimmt, in dem gewählt wird. einerlei, wie viel Wahlmänncr erscheinen.— Ehrouik der MajcstätSbclcidigniigS Prozesse. Der„Niedcrschlesische Anzeiger" in Glogau ist mit Beschlag be- legt worden wegen angeblicher Majestätsbeleidiguug, die in einem Leitartikel der Soimtagnummer einhalten sein soll in der Betrachtung über den Brief des Obcrhofmcisters der Kaiserin an die Verlinet Stadtverordncteu-Versmnmlung.— Ausland. Ein Fest der Republik. Paris, 19. November. Bei herrlichem Wetter fand heute nach- mittag auf der Place de la Nation die Enthiillnug des Denkmals „Triumph der Republik" statt. Gegen 1 Uhr nachmittags fuhr Präsident L o u b e t, begleitet von den Ministern W a l d e ck- Rousseau, Millerand, L c y g u e s und D e c r a i s, vom Elysec nach dem Platze. Die Mitglieder des Stadtrates und zahl- reiche Bürgermeister aus der Provinz begaben sich zu Fuß vom Rathause dorthin. Die verschiedenen Abordnungen und die Arbeitervereine versammelten sich um die Mittagsstunde mit ihren Bannern und Fahnen und Musikcorps auf der Place de la Re- publique und dem Boulevard Richard-Lenoir zum Zuge nach der TcnkinalSftätte. Lonbct wurde auf der ganzen Fahrt von der Be- völkerung ivarm begrüßt, imd besonders herzlich auf der Place de la Nation, wo cinc gewaltige Menfchcimienge versammelt war; auch dem Ministerpräsidenten wurden Ovationen dargebracht. Umgeben von den Ministem, Senatoren, Deputierten und Gcmeinderäten, wohnte Präsident Lonbct dem Vorbeimarsch von mehrerer hundert Korporationen, Abordnungen der Arbeitcrsyudikate und Schulen usw. bei, die dem Präsidenten und den Ministem Huldigungen darbrachten. Loubet verließ mit seiner Begleitimg den Platz um 2'/z Uhr nachmittags unter den Bcisallsnifcii der Menge. Nach seiner Abfahrt wurde der Vorbeimarsch der verschiedenen Gruppen an dem Denkmal fortgesetzt. Bei dem Festmahl, da? abcudS im N a t h a u f e zu Ehren der Minister und der zu dem Fest erschienenen Bürgermeister veranstaltet wurde, hielt der Ministerpräsident Waldeck- Rousseau eine Rede, die er mit den Worten schloß:„Im Gefühle tiefster Dank- barkcit für das von unseren Vätern vollbrachte Werk und mit nnerfchntterlichein Vertrauen zu dem Werke der Zukunft toaste ich auf das modeme Frankreich, auf seine Bestimmung, femcr darauf, daß die Aufgabe Frankreichs in der Geschichte und in der Menschheit durch die Republik erfüllt werde, und auf den Triumph der Priiicipicn der Revolution." Femer sprach der Präsident des Stndttats. L u c i p i a. Er feierte Ludet, weil ihn diejenigen beleidigt hätten, welche die Republik vernichten wollten, und beglückwünschte dieMiiiifter, welche ungeachtet der drohenden Reaktion ihre Acmter übernommen hätte», dadurch ein Beispiel von Bürgermut gebend. Lucipia sprach sodann den bei der Enthüllung vertretenen Gemeinden seinen Dank aus. welche dadurch, daß sie der Republik zujubelten, ein Unterpfand geben für das Band, das Paris und ganz Frankreich umschlinge. Er begrüßte die Arbeiter und Freidenker und betonte die Pflicht der Verteidigung der Republik. Sein Triukspmch galt dem repnblikauischcu Frankreich, von welchem dem Menschengeschlecht die Befreiung kommen werde. Paris, 19. November. Die Polizcipräfcktur hatte die Bestimmung über die Entfaltung der roten Fahne, welche in Frankreich ver- boten ist, gestern duräi eine öffentliche Bekanntmachimg denSocialisten in Erinnerimg gebracht. Durch dieses Verbot hätten die Guesdistcn an dem heutigen großen Umzüge zur Einweihung der Statue „Triumph der Republik" nicht lciluehmeu können. In letzter Stunde wurde nun noch ein Ueberciukommeu getroffen, wonach den GucSdistcn die Entfaltung ihrer roten Fahnen zugebilligt wurde, unter der Be- dingung, daß ihre Fahnen je eine Aufschrist der betreffenden Ver- einignng enthielten._ Frankreich. Komplott-Prozeß. Paris. 20. November. Deronlede entwickelt sein politisches Programm und ersucht F a I l i ö r e s. klar die Thatsachen anzugeben, wegen deren er vor Gericht gestellt wurde. Er verliest Weiler ei» Manifest, ivclchcs er an die Bevölkerung gerichtet haben würde, wenn sein Putschversuch in Neuilly gelungen wäre. In dem Manifest weift Dsrouläde jedes Einvernehmen mit den Rohalistcn zurück. Deroulede behauptet, die Negierung verfolge ihn lediglich, weil er ihr unbequem sei. Falliöres erinnert Deroulede daran, daß er ihm selbst gestanden habe, konspiriert zu haben. Deroulede schließt, indem er erklärt, er habe von den übrigen Angeklagten nur zwei gekannt. Hierauf- verhört der Präsident die Mitglieder der Patriotenliga Baillisrcs und Barilliers; dieselben sagen aus, sie hätten alle Handlungen Dermiledes gekannt und gebilligt. Darauf verhört Präsident Falliercs den Angeklagten Gusrin. Er bcsragi ihn über seine Vergangenheit als Geschäftsmann mit Bezug auf die Pctrolcum-Gesellschaft von Colombes. Guerin berichtet in tiefer Bewegung und mit Thräneu in den Augen, er sei von den Juden zu Grunde gerichtet gelvescn und habe versucht, sich wieder hinaufzuarbeiten. Morgen wird das Verhör Guerins sortgesetzt. Belgien. Das belgische Wahlgesetz. In der Sonnabendsitzung der Dcputiertenkamnier ergab sich bei der entscheidenden Abstimmung eine Mehrheit von 10 Stimnien für das von der Regierung ein- gebrachte, auf dem Proportionellen Systeme beruhendeWahlgesetz.— Serbien. „Lo Serble", das in Genf erscheinende Organ der emigrierten Serben, meldet, daß eine ernste Demonstration in einer Kirche in Vlassotinze bei Nisch stattgefunden habe. Der Pope soll eine Rede gehalten haben, in welcher die radikale Agitation als„gottlose" be- zeichnet wurde. Die Pfarrkiuder antworteten ihm mit Pfiffen. Die Polizei verhaftete mehrere Personen, die Einwohner aber boykottierten die Kirche.— Asien. Frankreich in China. Die„Ag. Hav." meldet aus Peting: Die chinesische Regierung verzichtete darauf, Frankreich die beide» Inseln, welche die Einfahrt zur Bucht von K w a» g t- s ch a u w a n beherrschen, st reitig zu machen. Marschall Su unterzeichnete mit Admiral Courrejolles die Karte des Abgrcnzungs- gebietes.—_ Z�arlnntettkolPiflszes. Der Rcichshauöhalts-Etat für das Rechnungsjahr t90v ist setzt in allen seinen Teilen dem Bundesrat zugegangen, die noch nicht erledigten Specialetats sind den Ausschüssen überwiesen und kommen Donnerstag zur Beratung in der Plenarsitzung, so daß der Etat Freitag oder Sonnabend dem Reichs- tag zugehen dürfte. Der Etat balanciert mit 2 058 121 S5I M. Die fortlaufenden Ausgaben betragen im ganzen 1 783 045 498 M., die einmaligen Ausgaben des ordentliche» Etats 195 877 642 M., die des außerordentlichen Etats 79198 411 M.— Die nach dem Etat durch Aufnahme einer Anleihe zu deckenden Beträge von zusammen 76 098 411 M. bilden in herkömmlicher Weise den Gegenstand eines besonders zur Vorlage kommende» Anleihe- gcsetzcs. Es sind dieS Forderungen für' die außerordentlichen Bedürfnisse des Ncichsheeres, der Marine und der Reichs- Eisenbahnen. Wegen der Verwendung überschüssiger Reichs- einnahmen ergeht ein besonderes Gesetz, welches lautet: § 1. Ucbersteigen im Rechnungsjahr 1900 die den Bundes- staatcn zustehenden lleberweisungcn aus den Erträgen, an Zöllen. Tabaksteuer, Branntwcin-Vcrbrauchsabgabe und Zuschlag zu der- selben, sowie an Reichsjtcmpel-Abgabcn die aufzubringenden Matrikularbciträge, so ist der Ueberschuß zur Verstärkung der Betriebsmittel der Reichskasse zurück zu halten. 8 2. Uebersteigen im Rechnungsjahr 1902 die Matrikularbeiträgc das Etatssoll der Ueberweisungen für die gleiche Periode, so bleibt der Mehrbetrag insoweit unerhoben, als auf Grund des 8 1 Mittel zur Verstärkung der Betriebsfonds der Rcichskasse verfüg- bar geworden sind. Die infolgedessen zur Herstellung des Gleich- gewichts im ordentlichen Etat erforderliche Deckung erfolgt zu Lasten des außerordentlichen Etats. Jedoch ist von dieser Bestimmung nur in dem Maße Gebrauch zu machen, als der Be- darfsbetrag nicht durch Mchrerträge bei den Uebcrweisungssteucm Deckung findet. Wie in der Begründung der Vorlage ausdrücklich hervorgehoben wird, ist ein Aufgeben der regelmäßigen Schuldentilgung mit dem Entwürfe nicht beabsichtigt, sie soll lediglich zur Besricdigung des vorliegenden dringenden Bedürfnisses aus ein Jahr unterbrochen werden. Preußischer Landtag. Gutem Vernehmen nach sind die Gesetz- entwürfe über die privaten Versicherun gs-Unter- nehmungen und über die W a r e n h a u s st e u e r soweit aus- gearbeitet, daß sie der Begutachtung des StaatsministcriumS unter- breitet worden sind._ Das Diseiplinarverfahren gegen Dr. Aronö. Der Fall AronS kam am Sonnabend— wir entnehmen diesen Bericht der„Volks-Ztg."— in der Berufungsinstanz vor dem Disciplinarhof unter dem Vorsitz des Unterstaatssckretärs M e i u e ck e zur Verhandlung. Ein-Urteil hatte dieser aus sieben höheren Ministcrialbcamten und vier Kammergerichtsmitgliedern gc- bildete Gerichtshof nicht zu fällen. Er hat nur ein in geheimer Sitzung gefaßtes Votum dem StaatSministerium gutachtlich z» übermitteln. Dieses fällt dann auf Grund des Votums das Urtell. Die Anklage vertrat wieder der ehemalige Professor, jetzige vortragende Rat im Ministerinm, Dr. Elfte r. Als Ver- Leidiger stand dem Beklagten, ivie in der ersten Verhandlung vor der Fakultät. Rechtsanwalt Wolfgang Heine zur Seite. Das freisprechende Erkenntnis der Fakultät begründete im Namen des Senats der Universität Professor S ch m o I l e r. Der Ankläger Dr. Elster stellte im allgemeinen den Satz auf, daß ein Socialdemokrat sich der Achtung und des Ansehens als Beamter unwürdig mache. Zur Begründung führte er an. daß die Socialdemokratie eine r e- voluti'onäre Partei sei, und zur Begründung wieder der revolutionären Partcitaktik führte er ein angebliches Manifest vom Wydener Parteitag der Socialdemokratie an, in welchem ausgesprochen worden sein soll, daß innerhalb der social- demokratischen Partei niemand zweifelhaft sei, daß die Parteiziele nur durch blutige» Kampf und nackte Gewalt zu erreichen seien. Dem Verlangen des Verteidigers Heine, dieses .Manifest im Wortlaut und Original vorzulegen, konnte Dr. E l st e r nicht nachkommen. Er berief sich vielmehr nur auf Bemerkungen, die darüber in einem Buche des Polizeirats Zacher enthalten seien. Rcchtsamvalt Heine bestritt entschieden die gewaltthätigen Ab- sichten der socialdemokratischen Partei, insbesondere, daß es ein Wydener Manifest gäbe, das auch nur annähernd den Inhalt habe, wie ihn die Anklage voraussetze. Er konnte das richtige„Wydener Manifest" im Original vorlegen, eine von der deutschen Partei- lcilung veröffentlichte Bekanntmachung, welche die Parteigenossen mit den Ergebnisscu des Wydener Kongresses bekannt macht und m der kein Wort von Straßenkampf oder sonstigen Gewaltmaßregeln zu lesen ist. Auch Professor S ch m o l l e r hob hervor, daß niemand an wirklich revolutionäre Pläne der Socialdemokratie glaube; daß insbesondere die W i ss e n s ch a f t, in deren Namen er spreche, von der Auffassung, daß es die Socialdemokratie auf ein g e w a I t- s a m e s Verfahren abgesehen habe, fern sei. Professor Schmoller nahm sich des Beklagten Arons überhaupt in sehr entschiedener Weise an. Er verwies auf ein Gutachten, das schon vor Jahren Professor Hclmholtz und Professor Zcller abgegeben haben und das dahin lautete: Socialdcmokratische'Ge- sinnung macht einen P r i v a t d o c e n t e n nicht unwürdig. sein Lehramt an einer königlichen Universität auszuüben. Im Gegensatz zu dem Antrage des Anklägers, der wieder auf D i e n st e n t I a s s u n g lautete, trat S ch m o l l e r für Frei- sprechung ein. Er schloß mit erhobener Stimme:„Lieber mit Hclmholtz und ZcUcr unterliege», als mit Elster siegelt!" Nachdem noch Rechtsanwalt Heine eine längere Vcrtcidignngs- rede gehalten hatte, in der er energisch als das einzig mögliche Er- gcbni's die Freisprechung des Angeklagten bezeichnete, zog' sich der Gerichtshof zu geheimer Beratung zurück. Das Resultat dieser Beratung dürfte erst in einigen Wochen durch den Entscheid des Ministeriums bekannt werden.— Die„National-Zeitu n*g" teilt mit: Der Disciplinarhof ist, wie verlautet, in der Angelegenheit des Privatdocenten Dr. Arons zu dem Gutachten gelangt, daß ihm die Erlaubnis zum Halten von Vorlesungen zu entziehen sei. Die Entscheidung steht, wie bekannt, dem Sraatsministcrium zu. Eine Besprechung behalten wir uns vor, bis die Entscheidung des Staatsministeriu'ms bekannt sein wird. Die„Post" ist natürlich über die obige Aeußerung S chmollers ganz außer dem Häuschen und zeigt ferner ihre noble Gesinnung noch durch folgende Hctznotiz: Schließlich noch ein Wort über die abermalige Veröffent- lichnng geheimer Verhandlungen. Es handelt sich hier offenbar uni einen, von einem Teilnehmer an den nicht öffentlichen Ver- Handlungen begangenen Vertraucnsbruch. Schon als der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Heine, nach den Verhandlungen der ersten Instanz sich über die ihm gezogenen Schrauken hinweg- setzte und dem„Vorwärts" einen tendenziös gefärbten Bericht— oder, ivie der„Vorwärts" damals sagte, Informationen zu dem Berichte— gab, wurde in juristischen Kreisen die Frage auf- geworfen, ob nicht die Anwaltskammer gegen den Rechtsanwalt Heine diSciplinarifch einzuschreiten habe. Diese Frage muß jetzt von neuem erhoben werden. Der von dem Rechtsanwalt Heine beliebte Brauch, so viel, wie ihm gut scheint, von geheimen Verhandlungen in die Oeffentlichkcit zu bringen, ist durch- aus geeignet, das Ansehen des gesamten Anwaltstandes aiifs schwerste zu schädigen, das Vertrauen zu dem Stande, das ihm zur rechten Erfüllung seiner Aufgaben unbedingt notwendig ist, zu untergraben. Es wird also im Interesse des Standes selbst liegen, gegen Personen, welche das von ihrer Stellung geforderte Vertrauen nicht mehr rechtfertigen, in der entsprechenden Weise vorzugehen. Wir bemerken, daß wir den Genossen Heine gebeten hatten, uns über die Verhandlung zu berichten, daß er das aber aus- drücklich abgelehnt hatte, weil hier nicht, wie es im Sommer vor der Fakultät gewesen war, eine gerichtliche Verhandlung vorläge und auch kein Urteil gefällt würde, die Verhandlung also weitere Kreise nicht interessieren könnte. Wir haben den Genossen Heine jetzt um eine Aeußrerung über den Angriff in der„Post" ersucht und von ihm folgende Antwort erhalten: Geehrte Genossen! ES hat mir im Sommer nicht gelohnt, mich auf eine Beantwortung der Hctznotizcn der„Post" einzulassen. Auch diesmal läßt mich die Demuiziation, die von ebensoviel Uuwisfen- hcit wie Böswilligkeit zeugt, vollständig kalt. Ich antworte nur. weil Sie eine Aufklärung beanspruchen können, nachdem ich Ihnen einen Bericht abgeschlagen' hatte. Den Bericht der„Volks-Zeitung" habe selbstverständlich ich lvcdcr verfaßt, noch veranlaßt. Ich hatte keine Ahnung von ihm, und habe erst heute in der Reichstags- Sitzung durch einen Kollegen etwas davon erfahren. Hätte ich einen Bericht über die Verhandlung bringen wollen, so hätte ich, wie im Juli, meine Mitteilungen einem Vertreter des„Vorwärts" gemacht und hätte mir wieder aus- bedungen, daß ich als Quelle genannt würde. Andererseits hatte ich keine Veranlassung, über die Verhandlung zu schweigen. Ich habe Verschiedenen davon erzählt und aus Stücken meiner Mitteilungen muß der Bericht enlstanden'ein. Er enthält geringfügige Unrichtigkeiten, z. B. läßt er mich zwei- mal das Wort ergreifen, während ich nur einmal gesprochen habe. Uebrigens ist er im allgemeinen richtig, natürlich unvollständig. Er bringt weder von mir noch von AronS die Ausführungen, auf die wir besonderen Wert gelegt haben, denn ich habe natürlich mein Plaidoyer nickit vor incineu Bekannten wiederholt. Die„Post" will den Anschein erwecken, als ob Mitteilungen über den Gang solcher Verhandlungen unzulässig wären, und ge- braucht zu diesem Zwecke den Kunstgriff, von„geheimen" Ver- Handlungen zu reden. Das ist eine planmäßige Irreführung. Das Gesetz spricht nicht von einer„geheimen", sondern von einer„nicht öffentlichen"- Sitzung l'Gesctz, betreffend die Dienstvergehen der nichtrichtcrlichen Beamten, 8 35), daS bedeutet weiter nichts, als daß kein Publikum zugelassen wird. Selbst wenn ein Gericht die Ocffcntlichkeit ausdrücklich ausschließt, ist nie- mand verboten, Mitteilungen aus der Verhandlung zu machen, wie doch eine Zeitung noch besser wissen sollte als andere. Erst durch das Gesetz vom 5. April 1888 ist bestimmt worden, daß ein Gericht ausdrücklich die Geheimhaltung einzelner Teile des Verfahrens anordnen kann, wenn die Staatssicherheit es er- fordert. Diese Bestimmung ist für gewisse Prozesse wegen Verrats militärischer Gehcinmiffe gegeben. Ich hätte mich also durchaus nicht zu scheuen brauchen, sogar selber einen Bericht für den„Vorwärts" zu schreiben. Vielleicht thuc ich das auch noch! dann würde die„Post" freilich Dinge zu hören kriegen, über die sie sicki noch weit mehr erbosen würde, als über das� was in der„Volks-Zeitung" gestanden hat. Ihr Wolfgang Heine. Mmnutunales. Unter Vorsitz des Stadtverordneten-VorsteherS Dr. Langerhans erledigte gestern abend der zur Vorbcratung des Antrages des Stadt'v. Singer und Genossen betreffend das Verbot gewerblicher Thätigkcit schulpflichtiger Kinder außerhalb des Hauses eingesetzte Ausschuß in vierstündiger Beratung die ihm überwiesenen Aufgaben. Mit dem Antrag Singer war dem Ausschuß zugleich die vom Polizei- Präsidium beabsichtigte Polizeiverordnung über dieselbe Angelegenheit zur Vorberatung überwiesen. Die Polizeiverordnung lautet: Polizei-Verordnung. Auf Grund der 8§ 5 und 6 des Gesetzes über dt« Polizxi- Verwaltung vom 11. März 1850(Gesetz-Sammlung T. 865) und der 8§ 143 und 144 des Gesetzes über die allgemeine Landes-Ver- waltung vom 30. Juli 1883(Gcsetz-Sanimlung S. 195 ff.) wird für den Stadtkreis Berlin mit Zustimmung des Gemeinde-Vorstandes folgendes verordnet: § 1. Kinder, welche das S. Lebensjahr noch möht vollenb«t haben, dürfen außer dem Hause eine gewerbliche Thätigkeit irgend welcher Art nicht ausüben. § 2. Kinder, welche daS 0.. aber noch nicht daS 14. Lebensjahr voll- endet haben, dürfen außerhalb des HauscS abends nicht nach 7 Uhr und morgens in den Monaten April bis September nicht vor bVs, in den Monaten Oktober bis März nicht vor 6 1/2 Uhr zum Austragen von Backwaren. Milch. Zeitungen oder anderen Gegenständen, ferner zum Kegelanfsetzen oder zu sonstigen Verrichtungen in Schankwirt- schaften, sowie überhaupt zu irgend welchen mechanischen Dienst- leistungen in einem Gewerbebetriebe verwandt werden. 8 3. Uebertretungen dieser Polizei-Verordnung werden an Eltern oder den zur Erziehung Verpflichlelen sowie de» Personen, welche Kinder entgegen den Bestimmungen der vorstehenden Paragraphen für ihren Betrieb beschästigen, m'it Geldstrafe bis zu 50 M. und im Falle des Unvermögens mit verhältnismäßiger Haft bestraft. 8 4. Diese Verordnung tritt am 1. November in Kraft. Berlin, den 3. Oktober 1899. Der Polizeipräsident. I. V.: gez. Friedheim. Stadtv. Singer begründet seinen Antrag, indem er die Un- zulänglichkeit der Polizeiverordnung eingehend nachwies und erklärte, daß er an dem uneingeschränkten Verbot gewerblicher Thätigkeit schulpflichtiger Kinder festhalte. Die nach der Verordnung frei- gestellte gewerbliche Ausbeutung von Kindern von 9—14 Jahren sei iiihuman, und wenn für solche Kinder inkl. der Schulstunden eine 10— llstiindige Arbeitszeit gestattet sein soll, so müsse dies vom Stand- Punkt der Schule sowohl als im Interesse der geistigen und körperlichen Entwickelnng der Kinder bekämpft werde». Die Mitwirkung kleiner Kinder an Theatern und öffentlichen Schaustellungen— die überdies noch an späten Abendstunden erfolge— sei von schlimmen moralischen und körperlichen Folgen begleitet. Der Redner beantragt ein ans- drücklichcs Verbot derartiger Beschäftigungen, weil dieselben nicht als„mechanische", sondern als„künstlerische Dienstleistnngcn" angc- sehen werden könnten und dann nicht unter die Polizeiverordnung fielen. Stadtv. Ulrich stimmt der Polizeivcrordnnng zu, will jedoch eine Bestimmung, wonach Kinder von 12—14 Jahren nur dann außerhalb des Hauses gewerblich beschäftigt werden dürfen, wenn die Schuldeputation einen Dispens vom Nachmittags-Untcrricht er- teilt hat. Stadtv. R ö h I i ch vertritt den Standpunkt der Polizeiverord- nung, sowie die Notwendigkeit, Kinder mit Austragen von Back- waren, Zeitungen, Kegelanfsetzen usw. zu beschäftigen, weil die Familien den Verdienst der Kinder brauchen und z. B. Witwen, eheverlassene Frauen und schlecht gelohnte Arbeiter diese Zubuße nicht entbehren können. Stadtv. I den ist für Beschäftigung der Schulkinder und be- ziffcrt den Lohnausfall derselben auf etwa 2 Millionen Mark. Stadtv. U l I st e i n stellt dagegen den Antrag, die Beschäftigung des Morgens im Sommer nicht vor 6 Uhr, im Winter nicht vor 7 Uhr beginnen zu lassen, und beantragt außerdem, Kinder unter zwölf Jahren nicht in Theatern und öffentlichen Schaustellungen be- schäftigcn zu lassen. Stadtv. Cassel ist im Princip für den Singerschen Antrag, kann sich aber in Rücksicht auf die thatsächlichcn Verhältnisse nicht dazu entschließen, ein Verbot auszusprechen. Gegen eine etwaige kleine Verbesserung der Polizei-Verordnung in Bezug auf Beschäfti- gungs-Altcr und Zeit hat Redner nichts einzuwenden, wenn kein materieller Verlust für die Eltern dadurch entsteht. Stadtv. T 0 I k s d 0 r f stimmt in allem den Singerschen Aus- führungen zu und verbreitet sich namentlich über die Schäden, die für die Kinder durch Arbeiten vor der Schulzeit entstehen. Stadtv. M 0 m m s e n meint. daß ein Verbot nicht ohne Schädigung der finanziellen Lage der Eltern möizlich ist: er hält die Polizeivcrordnung für den ersten Schritt auf einem Wege, den er im Princip billigt, und beantragt eine Resolution, in der die Forderung des Antrags Singer anerkannt, derselbe jedoch zur Zeit abgelehnt wird. Siadtv. Dr. L a n g e r h a n s spricht sich für ein Verbot jeder gewcrblickien Thätigkcit des Morgens vor der Schulzeit aus, während er Nachmittags- und Abcndarbeit zulassen will. Stadtschulrat Bertram hält seine im Plenum der Versamm- lung gemachten Aiisführnngcn in allen Punkten aufrecht, empfiehlt die"Annahme der Polizeiverordnung und motiviert dies damit, daß der LohnanSfall von den Eltern nicht getragen werden könne. Stadtv. Frick beantragt, das Verbot' jeder gewerblichen Be- schäftigung bis um 12 Uhr auszudehnen. Laufbnrichenthätigkcit im Alter von 12—14 Jahren hält Redner für erzieherisch sehr vorteilhast. Stadtv. I a c 0 b y ist für Annahme der vorliegenden Polizei- Verordnung und gegen jede Verbesserung derselben, weil die damit beabsichtigte Beschränkung der Kinderarbeit vollkommen genügt. Bei der Abstimmung werden die Anträge Singer mit 10 gegen 2 S t i m ni e n abgelehnt. Ebenso der Antrag Langer- Hans auf Fortfall der Beschäftigung vor der Schulzeit gegen 4 Stimmen. Der Antrag, d a S von Thätigkeit freie Alter auf 12 Jahre bcraufziisctzcn, wird mit 10 gegen 4 Stimmen ab- gelehnt. Angenomlnc» dagegen wird der Antrag gänzlichen Verbots gewerblicher Thätigkeit bis zum vollendeten Itt. Lebens- jähr mit'ltt gegen 4 Stimmen. Abgelehnt wird der Antrag, die Thätigkcit im Winter erst uni 7 und im Sommer erst um 6 Uhr beginnen zu lassen; es bleibt bei dem Borschlag der Polizei« Verordnung. Ten Antrag, Kinder, die DiSpenS von der Schnlverwaltnng erhalten, von der Polizeiverordnntig auszunehmen, wird mit litt gegen 2 Stimmen angenommen. Ebenso findet der Antrag, für Kinder unter 12 Jahren jede Veschäftignng bei öffentlichen Schanstcllnngc», Theater« usw. zu verbieten, mit 7 gegen 5 Stimmen Annahme. Referent für das Plenum ist der Stadtv. Ullsteiir. NÄVtei-MAchvilszten« Mit dem Parteitage in Hannover beschäftigten sich zwei Versammlungen am 4. und 11. November im K 0 m m u n i st i s ch e n A r b e i t e r- B i l d u n g s v e r e i n in London. Nach dem Referat des Genossen Köttgcn entspann sich eine lebhafte Diskussion, an der sich die Genossen Jensen, Dr. Bach, Motteler, Freund, Hermann, Weingarts, Raucnheimer n. a. beteiligten, worauf schließlich zwei Resolutionen angenommen wurden, deren erste lautet: Die Versammlung spricht ihre volle Zufriedenheit mit den Partei- tagSbcschlüssen in Hannover aus. Sie sieht in« Referat und der Resolu- tion Bebels, sowie in der Haltung der überwiegenden Mehrzahl der Delegierten ein principicllcS Festhalten an unserer bewährten Theorie und Taktik." In der zweiten Resolution spricht die Versammlung ihre lieber- zeugnug aus, daß der Parteitag in Hannover in seinen Beschlüssen in Beziehung auf die Person des Genossen Bernstein nicht durch die Erinnerung an dessen frühere Verdienste um die Partei geleitet wurde, sondern einzig von der Ansicht, daß Bernstein auch heute noch Socialist ist, da er sich für die politische Aktion und für die Vergesellschaftung der Produktionsmittel erklärt hat. Gemciudcwahlen. Unsere Genossen in Barme n haben bei der Wahl einen bedeutenden Erfolg errungen. Trotz der Streichung von 1320„Schlafburschen" aus der Wählerliste erhöhte sich die Zahl unserer Stimmen von 1307 im Jahre 1897 auf 2080. Unsere sämt- lichcn Kandidaten kommen in die Stichwahl mit den Kandidaten der freisinnig-ultramontancn Liste, die auf 2213 Stimmen kam. In Oggersheim(Rhcinpfalz) wurden acht Parteigenossen in den Stadtrat gewählt. Sie erhielten 37S bis 502 Stimmen von 733 abgegebenen. Eine„Enthllllnng". Als etwas Funkelnagelneues verkünden jetzt bürgerliche Blätter der Welt, daß jemand aus Speyer dem Genossen Liebknecht einen Brief geschrieben über die Landtagswahl in Speyer. Die guten Leutchen!' Wenn sie nicht ein gar so kurzes Gedärm hätten, so müßten sie doch wissen, daß das gar nichts NeueS ist. Ist es doch auf unserm Parteitag in Hannover in aller Ocffcnt- lichkeit verhandelt worden, wobei übrigens von berufener Seite die Vehauptungen des Briefschrcibers als unwahr gekennzeichnet und außerdem festgestellt wurde, daß der Mann schon' vor zwei Jahren am Orte aus der Partei ausgeschlossen worden ist. Daß er jetzt mit seinem Briefe bei der bürgerlichen Presse hausieren geht, kenn» zeichnet ihn übrigens genügend. Zwei MajcstiitSbeleidiger in Freiheit. Äm Sonnabend wurde Genosse Q u a r ck in Frankfurt a. M. wieder in die deutsche Freiheit ciitlasscn, nachdem er vier Monate wegen Majestäts delcidigung, begangen durch die Kritik der Thronrede,' im Gefängnis gesessen, Onarck genießt de» zweifelhaften Nuhin, der erste zu sein, der durch die Kritik einer Negierungshandlung eine Majcstätsveleidigung begangen haben soll. In Haniburg verließ am Sonntag der dortige Parteigenosse Pessier die Raboisenwache, in der er gleichfalls vier Monate ivcgcil MajestntSbeleidignng zugebracht hat. Totculistc der Partei. Ein braver Mitkämpfer, der Partei genösse Karl Gern er, starb am Sonnabend in Essen an einer schweren Ncrvonerkranknng, an der er seit mehr als Jahresfrist litr. Er hat seine ganze Kraft im Dienste der Partei geopfert. Er gehörte mit zu den Gründern der Zahlstelle des Metallarbeiter-Verbandes in Essen und wurde dafür mit etiva 30 Kollegen von Krupp ge maßregelt. Bon einer Spaltnng der belgischen Socialdcmokratie wurde in den letzien Tagen in der belgischen konscrvativ-klcrikalen Presse viel gefabelt. Auch in die ausländische Presse hatte man ähnliche Andeutungen lanciert. Man hatte sogar schon einen neuen Namen entdectt, den angeblich die neue Partei annehmen werde:»Freie socialistisch-repnblikanische Partei," An den ganzen Gerüchten ist, wie uns von Brüssel geschrieben wird, kein wahres Won. Enb standen ist das Gerede durch den Umstand, daß der L ö w e n e r Kongreß-Veschluß cS den Deputierten gestattete, in der Frage der Proportional-Bertrctnng auf der Basis des Pluralstimmrcchts ihrer früheren Stellungnahme gemäß zu stimmen. Der Generalrat der Partei, der am Mittwoch eine Sitzung abhielt, konstatierte die volle Einmütigkeit der Partei. Polizeiliches, Gerichllichea usw. — Wegen Beleidigung dcS Landrats Junge in Itzehoe wnrdc� der Redacteur der„SchlcSwig-Holsteiuischen Volks-Zeitung", Genosse Korn, zn 2 M, Geldstrafe verurteilt. Es handelte sich um Borgänge bei dem Streik in Wilster. — Eingestellt ist ein Verfahren gegen Genossen Winter. seine Frau und Genossen T u l k e r in Benthe» wegen angeblich ..unerlaubter Ausübung des Konzipientcngclvcrbcs". s!) In' ihrer Thätiglcit in> Benthener Arbeitcrsclrctariat, daS während Winters Gcfängnishaft dessen Fron verwaltet hatte, hatten sie sich diese An- klage zugezogen. Die obige Beschuldigung beruht auf falscher De- »nnziation, die indes begierig anfgenommen worden war. Die oberschlesischen Behörden können sich mit dein Arbcitcrsekretariat anscheinend nur sehr schwer befreunden. der der Da GemeMfchnf tlicheo. Pcrlin und llmgegcnd. Nchtnng! Gewerkschaften Berlins? Den Gcwerlschaftcn beziv. deren Delegierten, welche in Berliner Gcwcrkfchaftslommission vertreten,' wurde im Laufe Woche ein Fragebogen nebfi Cirkular zugesandt. der ausgefüllte Fragebogen zur Fcrtigsicllinig de» NechcnschaftS bcrichtS pro t8VS verwendet werden soll, bitten wir die mit der Abfassung der Antivort betrauten Personen dringend, die Frage», die ans die Lohnbewegung Bezug nehmen, sowohl wie Frage 11, welche ans die Zahl der organisierten Mitglieder Bezug nimmt. genau zn beantivorten, da die AnSfiillnng der Frage 11 für die Einschätzung z»r BeitragSlcistung an die Konrmisfion maßgebend ist, Die anLgclnllten Fragebogen sind bis spätestens IS, Dezember an den Obmann der Koinmission, G. Busse, Gewerkschaftsbureau, Auucnstr. 16/ einzusenden. Mit Gruß Der Ausschuß der Berliner Gewerkschafts» k o m m i s s i o n. I. A.: G. Link. Achtmig, Marmorarbeitcr? Bei der Finna„Deutsche K u n st st e i n>v e r k e", Fruchtstr. 1/2, haben gestern sämtliche Kollegen wegen Lohndiffercnzeil die Arbeit niedergelegt, Zuzug streng fern- halten! D i e K o m m i s s i o n. Die Lohukommission der Putzer ersucht die Baudeputierten, dafür Sorge zu tragen, daß die Streik- und StrcikfondS-Karten der Konimission in der nächsten Woche zur Abstciiipclniig vorgelegt werden, daniit die Koiiimijsioii im stände ist, daS statistische Material zusamiiieiizilstellen. Auch müssen bis Freitag, den 24, November, alle Sammellisten eingeliefert werden, da von diesem Tage ab die Listen mit einer neuen Nummer versehen werden müssen. Ferner müssen die Baudeputierten darauf achten, daß die Beleuchtung und Lampen vom Arbeitgeber geliefert und nicht über die festgeietzle Arbeitszeit von S'/2 Stunden gearbeitet wird. Die nächste Baudeputierten- Sitzung findet am Dienstag, den 21. Novcnibcr, S>/z Uhr, Nosenthalerstr. 57Bbei Schiller statt. D i e L o h n k o m m i s s i o n. GewerbcgcrichtSwahlcn in Nixdorf. Vom Magistrat find die Wahlen zum Rixdorfer Gewerbe- gericht ausgeschrieben. Dieselben finden statt am Freitag, den 8. Dezember d. I., für die Arbeitgeber, am Sonnabend, den S. Dezember d. I.. für die Arbeiter, und zwar in der Zeit von mittags 12 bis abends 8 Uhr. Ter Ort ist in 4 Gcwcrbegcrichls-Wahlbczirke eingeteilt. t. Bezirk. Kamierstraße. Kamier Chaussee. Gärtner-, Herzberg-, Kiefholzstraße, Kirchgasje, Mittclbiischwcg, Richardplatz, Richnrd- straße, Treptowerslraße, Straße 88». Berastr. 1 bis 68 und von IlO bis 163, Schöneweider-, Mühlen-, Rosen-, Goethe-, JonaS-, ThomaS-, WasmmniSdorferstraßc, Mittelweg, Steinnictzstraße von 1—19 und von 68—87, Kirchhofstr. 1—9 und 35—49. #. Bezirk. Erl-, Jäger-, Isar-, Münchener-, Elsen-, Friede!-, Hobrccht«, Mainzer-, Nansen-, Pannier-, Reuter-, Wildenbrnchstraße und Straße 20, Hcrniannplatz, Berlinerstraße, Kaiser Friedrichstraße, Kottbnser Damm, Lohmühlen, Schinckestraßc und Mahbach-Ufcr. it. Bezirk. Hasenhcide, KarlSgarten-, Wanzlici-, Wißmann- straßc. Hmnnnnstr. 1—98 und 167— 2SS, Herfurth-, Jägerstraße von 41—64, Lessing-, Mahlower-, Sclchowcr-, Wcisestraße, Falk- und Zielhcnstraße. 4. Bezirk. Prinz Handjery-, Kopf«, Steinmetzstraße 20—67, Hennannstr. 99—166. Hertha-, Kirchhofstr. 10—34, Kiiesebeckstraße, Mariendorfer Weg. Ringbahn-, Bendastraße, Bergstr. 69—109, Bruno Bauerstraße, DcÜbrück-, Emser-, Glasow-, Julius-, Thüringer- und Walterstratze. Es ist Pflicht eines jeden Wähler«, die Listen einzusehen oder die Eintragung in dieselbe» zu veranlassen. Die Listen liegen bis zum 1. Dezember d. I. aus in den Dienst- räumen dcS Gewervegcrichts Berlin er st raste 41, 2 Treppen, Zimmer 11 während der Dieuststimden von 8—1 Uhr. Für diejenigen, welche in der Liste nicht eingetragen sind, genügt als Legitimation eine Bescheinigung des Arbeitgebers oder des Polizei- bchörde, durch welche bestätigt wird, dag der Arbeitnehmer seit mindesten» einem Jahre iinieihalb dcS Gewerdegerichts- Bezirks in Arbeit steht oder wohnt. Formulare zu den Bescheinigungen der Arbeitgeber sind in unten angeacbeiien Stellen zu haben. Als Lcgilinintioil der Arbeitgeber gilt die Gewerbe- Lnmelduiigs- bcscheiuigung oder die letzte Gewcrbesteucr-Onittung. Folgende Personen haben sich bereit erklärt, für diejenigen, welche nicht Zeit haben, die Listen einzusehen: 1. Bezirk. LoniS Hernnann. Cigarrengeschäft, Kirchhofstr, 1. Hermann Varthel, Gastwirt. Schönweiderstr. 9. Preil, Gastwirt, Rosenstr. 24, Wilh, Münzer. Gastwirt. Bergstr. 7. Karl Schulz. Cigarrengeschäft. Steinmctzstr. 72. " 2, Bezirk, Wilh. Sy. Gastwirt. Jägerstr. 69. Schwarzer. Darbiergeschäft. Bcrliiierstr. 89, Otto Klein. Gastwirt. Kaiser Friedrichstt. 236, Fritz Schmidt. Gastwirt. Kottbuser Damm 33. Konrad Zeiler. Berlinerstr. 42, v. II. S.Bezirk, Gustav Hahn, Gastwirt, Wißmannstr. 10. Wilh. Köppke. Gastwirt, Karlsgartenstr. 1, Ecke Hcrmannstraße. Otto HeickhauS, Gastwirt, Hennannstr. 52. Max Benncr, Cigarrengeschäft, Jägerstr, 42, Wilh. Krüger. Gastwirt. Steiumetzstraßc, Ecke Falkstraße. Rudolf Pretzier, Gastwirt, Zietheustr. 69. Müller, Gast- wirt, Zietheustr, 55. 4, Bezirk. Franz Lück, Gastwirt, Prinz Handscrhstr. 11. Bruno Wcnger, Cigarrengeschäft, Prinz Handjerystr. 41. Paul Höpfner, Cigarrciiarbeiter, Prinz Haiidjerystr. 9, vorn III. Emil Mercicr, Gastwirt, Steinmetzstr. 55. August Ringe, Cigarrengeschäft. Kopfstr. 89, Beetz, Gastwirt, Knesebecksir. 135. Hierse, Schuhwaren geschäft, Ringbahnstr. 29. Karl Schröder, Gastwirt, Knesebecksir. 60. Karl Schöneberg. Gastwirt, Herthastr. 1. ES ist Pflicht eines jeden Arbeiters, rege für diese Wahl zu agitieren. Die Liste der vom Gewcrkschnftskartell aufgestellten Kandidaten zur GcwerbegerichtSwahl wird später veröffentlicht. Alle Anfragen in dieser Sache sind zu richten an den Vertrauens man der Gewerkschaften Rixdorfs Aug. Nierich, Nixdorf, S t e i n ni e tz st r. 85. Bei der Steglitzer GcwcrkschaftS- Kommission gingen soll gende Beiträge ein: Für die F ä r b e r in Krefeld 50 M.— Für die Lederarbeiter in Wilster 3, Rate 40 M., darunter Central- verband der Steinsetzer(Filiale Schöneberg, Steglitz und Umgegend) 23 M. Deutsches Reich. Die geplante Aussperrung der Formstecher haben die Unter- nchmer zur Ausführung gebracht. Seil vier Wochen liegen schon die Gehilfen in K ö I n auf der Straße, in der letzten Woche sind die vereinigten Unternehmer auch anderwärts mit Aussperrung vor- gegangen, so daß sich jetzt zusammen 237 Kollegen außer Arbeit bc- finden, wovon 112 verheiratet sind mit 178 Kindern. Die Unter- nehmer rechnen darauf, uns durch Hunger mürbe zu macheu. Die Organisation soll zur Auflösung gebracht werden, denn cS find bisher mir organisierte Arbeiier gemahrcgelt. Daniit daS Ziel der Unternehmer nicht erreicht werde, sehen wir unS gezwungen, uns hilfesuchend an die organisierte Arbeiierschaft zu wenden, in der Ueberzeugung, daß dieselbe eine Anmaßung wie die unS gebotene nichi dulden kann. Der uns anfgednuigcnc Kampf steht für uns sehr günstig, die Unternehmer haben sich gegenseitig die Hände gebunden, waS einigen bereits gereut, welche aber in Anbetracht des ihnen bcoorstcheiideii hohen Verlustes noch nicht nachgeben wollen. Werden wir noch eine kurze Zeit über Wasser gehalten, so ist uns der Sieg gewiß. Dura, die niederen Löhne, welche in unserm Berufe gezahlt werden, ist wohl an Ersparnisse deS einzelnen nicht zu denken und thut daher rasche Hilfe not. Die in unfern, Berufe noch in Arbeit stehenden Kollegen führen bereits einen ansehnlichen Teil ihres Verdienstes an die Ausgesperrten ab, welcher aber nicht entfernt ausreicht. Wir richten daher an Euch nochmals die Bitlc, unS durch Eure Unter- ftützuiig zum Siege zu verhelfen. Alle Sendungen sind zu richten au: L. Kaste, Moritzbcrg b. Hildesheiin, Sandstr. 1, Der Ceutral-Vor stand de'sCentral-Vereins der Form- techer und der Hilfsarbeiter Deutschlands. Achtung, Vergolder! Am 14. i>§. Mts. haben sämtliche Ver- goldcr der Firma Barth u. Co m p. in München die Arbeit niedergelegt, nachdem sie vorher monatelang versucht hatten, in Güte eine Lohnerhöhung von der Firma zu erlangen. Sic orderten eine ISprazculige Lohnerhöhung und da eine Uutcrhand lung am 14, vormittags abgelehnt wurde, legten die Arbeiter ein- mütig die Arbeit nieder. Jetzt hat sich bereits die Firma zu Unter- Handlungen bereit erklärt; wir ersuchen die deutschen Kollegen, bis auf weiteres München und s p e c i e l l die Firma Barth u, C o m p. st r e ii g zu meiden, und an den Münchener Kollegen unsere Solidarität zn bcthätigen. J. A.: D e r H a u p t v o r st a u d W. Schnorre. Die Arbeiterpresse Iv i r d um Abdruck gebeten. AnS Luckenwalde wird berichtet: Bei der Firma C, Herzog u. E o, hier wurden am 17. November zlvci Former(Mitglieder des Deutschen Melallarbeiier-Vcrbniides) angeblirb wegen Mangels an Arbeit entlassen. Es handelt sich aber hier jedenfalls nur eine Maßregelung, da der Gießereimeister bereits am selben Tage cincii anderen Former einstellen wollte. Letzterer hat es jedoch vorgezogen, die Arbeit vorläufig nicht anznnchiiicii, bis sich die Sache aufgeklärt hat. Die Kollegen werden ersucht, die Werlstatt bis aiff weiteres ebenfalls zu niciden.— Ferner sind bei der Finna Rudolf E r s e l i n s, Maschinenfabrik, in letzter Zeit Vorkommnisse zu ver- zeichnen, die ebenfalls zu Differenzen führen können, und werden die Kollegen deswegen ersticht, che sie bei dieser Firma Arbeit nehmen, sich bei der Ortsverwaltung des Mctallarbcilcr-VerbniideS oder dcS FormcrverbandcS zu erkimdigcn. Deutscher Metall- arbeite r- Verband. Verwaltung Luckenwalde. Bei den Berg-Gewerbegerichtswahlon für das Gebiet des D o r t ni ii n d e r Obcrbcrgamics, die am 18. November stattgcfniidcn haben, sind die Zechcnkaiididatcn überall ganz erbärmlich in die Pfanne gehauen worden. An vielen Orten wurden die Kmididakcn dcS„alten Verbandes" und des„christlichen G e w e r k v e r c i n S" mit großer Stimmeuzahl und fast einstimmig gcnählt. Bloß die iiichtorganisicrtcu christlichen Bergleute, dciicn Fußangel und Q u a ü d e l bereitwilligst die Spalten ihrer Zeitungen zu de» üblichen Verleumdungen gegen' die Organisation geöffnet halten, haben in Bochinn, wo es mit der Orgaiiisicrion der Bergleute überhaupt sehr traurig steht, in 2 Bezirlcn ihre Kandidaten mit äußerst geringer Stimmeuzahl durchgebrackt. Im 3. Bezirk wird jedenfalls die Wahl noch angefochten, da viele Wähler durch die Machinationen einer Zeche gar nicht von ihrem Wahlrechte Gebrauch macheu konnten. Ter Ecntralvcrband deutscher Gold- und Silberarbeitcr wird demnächst aufhören, selbständige Gewerkschaft zu sein. Die meisten Zweigstellen haben bereits beschlossen, sich dem Metall- arbeiter-Verband anzuschließen, welcher zugestanden hat. daß die bisherigen größeren OrtSstcllen als selbständige Sektionen neben den anderen Zahlstellen des Metallarbeiter-Verbandes weiter bestehen bleiben und auch das Organ des Verbandes„Der Gold- arbeiter" bis auf weiteres fortgeführt wird. Der Goldarbeiter- Verband hat nie mehr als 2000 von den etwa 34 000 der Branche Angehörigen in sich vereinigt. Der Ucbcrtritt in den Metallarbeiter- Verband erfolgt, weil Mitglieder mid Verwaltung eingesehen haben, daß ein so kleiner Verband bei Ausständen nicht ini stände ist, seine» Mitgliedern mit dem erforderlichen Nachdruck bcizuspringeu. Ausland. Ein belgischer GewerkschaftS- Kongreß tagt am 24. und 28. Dezember im„Maison du peuple" in Brüssel. Gewerkschaften, die an die Arbeiterpartei nicht angeschlossen sind, haben Zu- tritt, ES wird verhandelt über: Arbeite'rvcrsichcriliig; Verkürzung der Arbeitszeit; Gewerkschaftsorganisation; Gründung einer Kranken-, Heil- und Pflege-Anstalt. Sociales. Eine Konferenz der Gewcrbegerichts-Bcifitzer(Arbeiter- Vertreter) für Königreich und Provinz Sachsen mid thüringische Staaten wird von Leipzig aus angeregt. Die Beisitzer der in Frage kommenden Gewerbegerichte werden gebeten, dazu Stellung zu nehmen. Ein formeller Aufruf soll noch erlassen werden. Von allgemeinem öfscutlichcn Interesse sind die Gegenstände. mit denen sich das sächsische LandeS-Medizinalkollegium jetzt zu beschäftigen hat. Wir nennen da: Die Anzeigepflicht bei Tuberkulose; die Aufbewahrung deS Mchlcs in Bäckereien; Spülung der Trinkgefäße in den Gastwirtschaften; Erschwerung des Erbauens von Mietskasernen durch daS zu erlaffende Baugesetz; Revision des Kraiikenversichcrmigs-Gesetzes; Verbot der Fernbehandlung Kranker; die Ausdehnung der ärztlichen Standesordnung auf in Sachsen praktizierende auswärtige Acrzte. Der Krieg. Der Kampf in Natal. Neuere Nachrichten aus der Umgebung von Ladysmith fehlen. doch deuten einzelne Meldungen aus Louren?o Marques, sowie der neuere Vormarsch der Boeren gegen Estcourt darauf hin, daß die Lage der englischen Truppen in Ladysmith eine verzweifelte ist und sich die Stadt nicht mehr lange halten kann, falls sie sich nicht schon inzwischen ergeben hat. DaS letzte Telegramm ist ani 19. d, M. ans Loiireiiyo Marques an die„Times" gerichtet. Es meldet, daß die Truppen in Ladysmith am Typhus leiden und daß die Ausdünstungen der Stadt entsetzlich seien. Jedenfalls müssen die belagernden Boeren auf einen ernstlichen Widerstand der Engländer in Ladysmith nicht mehr rechnen; denn sie haben von dem Bclagerungshecr größere Massen abgezweigt und schicken sie gegen Esicourt vor, um sich dort zum Empfänge der unter General Buller heranrückenden englischen Ersatztruppcn einzu- richten. Das nordöstlich von Estconrt an der Landstraße gelegene Dorf Weene» ist vereits von den Boeren besetzt. Ucber die Bewegungen der Boercntruppen liegen folgende Meldungen vor: London. 20, November.„Daily Mail" meldet aus Lourenyo Marques vom 18. d. M.: Hier eingelaufene Berichte besagen. 10 000 Boeren erwarteten den Anmarsch des Generals Buller von Pietermaritzburg, Die Generale Jonbert und Louis Botha seien mit starken Abteilungen unterwegs, um Buller aufzuhalten; sie erwarteten, ihn zwischen Colenio und Estcourt zu treffen, Estcourt, 20, November,(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Es wird hier gemeldet, daß General I o u b e r t nach dem Süden vorrückt und daß Major Thorneycrofr mit Jnfaiiterietruppen letzte Nacht bei Willow Grange, 8 Meilen südlich von Estcourt, mit einein Teile der feindlichen Truppen in ein Gefecht geriet, in welchem zwei Boeren fielen. Bereits wird aus Estcourt von Angriffen der heranrückenden Vorhut der Boeren berichtet. Ein amtliches Telegramm ans Estcourt voni 13. d. M. besagt: Heute früh um 8 Uhr meldete der Offizier, welcher die nördlichen Vorposten befehligt, daß berittene Pa- trouillen des Feindes quer durch das ganze Gebiet von der Landstraße bei Gonrton bis Ulundi in der Richtung ans Estconrt vorrückten. Die Besatzung von Estconrt trat unter die Waffen. Die Vorposten meldeten weiter, daß verschiedene Abteilungen in Stärke von 500 bis 700 Mann gegen Estcourt von Nordwesten her im Anmarsch seien und daß eine Abteilung von 150 Mann in der Richtung ans die Eisenbahnbrücke eine halbe Meile nordwestlich von Estconrt vorgehe. Die englischen Vo. Posten feuerten auf den Feind. Ein Schiffsgeschütz� schleuderte auf 8000 Dards Granaten, welche dichr am Feiiide krepierten, der sich schleunigst zurückzog. Um 12 Uhr mittags ging von den Feldwachen die Vlcldung ein, daß eine große Anzahl Boeren auf einem Hügel oberhalb des Gehöftes Lcolie in Sickst seien. Die Truppen sind'in das Lager zurückgekehrt. Der Kampf im Weste». Indessen bemüht sich das englische Oberlommando am Oranje- flnß ans den in Kapstadt jüngst eingetroffenen Truppen ein Heer znsammenzustellen, um damit das von den Boeren hart be- drängle Kiniberley zn entsetzen, Oranjc-Nivcr-Station, 16. November. Alle Vorbereitungen für die Znsaminenziehmig der zum Entsätze von Kimberley be- stimmten Truppen sind jetzt beendet. Lord Methnen erwartet mir noch die Ankunft der Berstärkungen. Die Gardebrigade— von den Coldstreain GuardS allerdings erst ein Bataillon— ist ein- getroffen. Es sind Vorbercitnngeii zur Wiederherstellung der Eisen- bahn bis Kimberley getroffen. Das Vorklhire-Jiegiment und ein halbes Bataillon des Northanipton-Negimeiits sind hier eingetroffen und setzen über den Ora.njeflnß. Oranje-Riper-Station, 18. November. Die nördlich vom Oraiijeflnß zuiammengezvgencn britischen Streitkräfte sollen vor dein Ende der nächsten Woche den Vormarsch zum Entsätze von Kimberley antreten. Die Boeren entfalten in den Bezirken westlich Kimberleys eine lebhafte Thätigkeit, Eine Kundschafterpatronille wurde gestern von einem ans einem Hügel versteckten Feind beschossen. Einfall der Boeren in die Kapkolonic. Kapstadt, 14, November, Das Kommando von Ronxville im Oranje-Freistaat hat in Stärke von 450 Mann gestern A l i w a l- North besetzt, die Fahnen der beiden Republiken gehißt und eine Proklamation erlassen, durch welche die Annektierung der Stadt und dcS dazu gehörigen Gebietes ausgesprochen wird,' Den englischen Bewohnern wurde eine Frist von 14 Tagen bewilligt, um die Stadt zu verlassen. Pretoria, 17, November. Eine aus Truppen beider Republiken ziisaminciigesctztc Streitmacht hat gestern Colesberg, ohne Wider- stand der'Bewohner zn finden, besetzt und das hierzu gehörige Gc- biet im Namen dcS Oranje-FreistaaleS für annektiert erklärt, Landon, 20, November, Ein Telegramm der„Times" vom 18, d. M. aus QuceuStown besagt, Kommandant Olivier sei mit 50 Manu von dem Nonxvillc-Kommaiido der Orauje-Burcn früh 4 Uhr von BurgherSdorp aus in Jaincstown eingetroffen, habe als- bald die Flagge deS Oranje-FrcistaatcS gehißt und die Annektierung der Stadt proklamiert. General Gatacre und sein Stab seien mit den irischen Schützen am Morgen in Oueciistown angekommen. Englische Meldungen. London, 20. November, Die Abendblätter veröffentlichen eine ans Esicourt von heute datierte Depesche, in welcher cS heißt, daß am Mittwoch, den 15, d, Mrs, bei Ladysmith ein Kampf stattgefunden habe, welcher von Tagesanbruch bis 2 Uhr nachmittags dauerte. An dem Kampfe sei nur Infanterie beteiligt gewesen, viele Boeren seien getötet, eine erhebliche Anzahl gcsaiigc'n. London, 20. November. Das„Rentersche Bureau" meldetaus Kapstadl vom 15. ds. Mts.: In den Distrikien Colesberg. Steyns- bürg, Albert, Moltcno, Aliwal North, Wodchouse,' Glengrcy. QueenStowu und Calhcart wurde das Kriegörccht erklärt. Des- gleichen wurde eine Proklamation erlassen, welche die Bewohner ermahnt, der Prollamaiion der Regiernng des Oranje- Frei- ftaates, durch welche einzelne Teile der Kapkolonie für Freistaat- gebiet erklärt werden, keine Beachtung zu schenken.— Gouverneur Milner erließ eine Proklamation, in welcher er die Abgaben von gefrornein und frischem Hammelfleisch, Ochsenfleisch und von ein- geführtem Schlachtvieh einstweilen aufhebt. London, 20. November. Nach einer neueren Meldung des Reuterschen BurcauS" aus Kapstadt vom 15. d. M, haben die Boeren Burghersdorp bisher nickt besetzt, jedoch eine Proklamation erlassen, in welcher es heißt, daß sie Leben und Eigentum schonen wollen._ Urtzko Mslszvichken und Depeschen. KottbuS, 20, November.(Privatdepesche dcS„Vorwärts"). Bei der heutigen Stadtverordnetenwahl kamen von unseren vier Kandi- baten drei in Stichwahl mit Militärvercinlern. Paris, 20, November.k a n g e I, daß er in dem Strafmaß noch unter die b e st e h e n d e n B e st i in m u n g e n herunter- gehen will, indem er bei mildernden Ilmstäudcn Geldstrafe ein- führt. Das heißt in vielen Fällen die Arbeiter überhaupt nicht st r a f e n, da die S t r e i k I a s s e n dies Geld natürlich bezahlen werden. Daß der Absatz 4 meines Antrages überflüssig ist, gebe ich dem Herrn Abg. Büsing zu und ziehe ihn zurück. In dem Antrage des Herrn Büsing ist eine Erweiterung des KoalitiousrechtcS, die Äufhebnug des VcrbindungsvcrbotcS für Vor- eine, vorgeschlagen. Wenn Sie den Antrag Büsing mit meinem Amendement annehmen, so erblicke ich darin ein genügendes Korrelat für die Aufhebung des VerbindungsverbotcS. Gleichzeitig nimmt der nationalliberale Antrag aber auch eine Acnderung im Wortlaut des 8 192 der Gewerbe- Ordnung vor, indem an Stelle des Wortes„Erreichung" das Wort„Eintvirkung" gesetzt wird. Ich war in meinem nicht juristisch geschulten Verstände zunächst gc- neigt, diese Aenderung für ganz unbedeutend zu halten. Wie ich der Rede des Herrn Büsing aber entnommen habe, habe ich mich darin getäuscht. Die gesamten socialpolitischcn Vereine sollen damit der einzelstaatlichen Vcreiusgesetzgebung entzogen werden. Das kann ich nicht zugeben und deshalb werde ich die Streichung des Wortes „Einwirkung" beantragen. Falls eine Kommission eingesetzt wird, können wir uns ja dort über die Fassung einige». Eine Kommissionöberatung erscheint mir durchaus not- wendig. Zumal jetzt, wo Herr Büsing seine Anträge als Amende- ment zu 8 1 gefaßt hat, erscheint es mir nicht möglich, im Plcnuni die gesamte Materie zu erledigen, und zwar umso weniger, als Herr Lieber sich in der ersten Lc>ung vorbehalten hat, bis zur zweiten Lesung Anträge einzubringen. Ich lveiß allerdings nicht, ob Herr Lieber heute noch auf diesem Standpunkt steht. Jedenfalls bitte ich. die Vorlage nicht etwa der Gewerbc- OrdnungS-Kommission zu überweisen, Iveil der Entlvurf zum Teil nicht in direktem Zusammenhang mit der Gewerbc-Ordnung steht, und weil wir nicht Gefahr laufen wollen, daß die damit depackte Gewerbcnovelle gleichfalls ins Wasser fällt. Ich beantrage daher, die Vorlage an eine b e s o n d e r e K o m m i s s i o» zu ver- weisen. Was nun die Regierungsvorlage anlangt, so bin ich im Gegensatz zu der großen Mehrheit der Redner in der ersten Lesung der Ansicht, daß niemals eine gerechtfertigtere und auf besserem Grunde basierende Borlage von der Regierung eingebracht worden ist, als diese.(Große Heiterkeit links. Sehr richtig! rechts.) Die Vorlage ist durchaus maßvoll.(Erneute Heiter- lcit links.) Wenn die Socialdemokraten es als eine Schmach und Schande bezeichnen, daß eine solche Vorlage überhaupt eingebracht werden konnte, so berührt mich das weiter nicht. Wenn aber Herr Rösicke gesagt hat, er würde sich schämen, einem Reichstage anzugehören, der eine solche Vorlage an- nimmt, so könnte mau die Spitze dieser Worte sehr leicht' gegen Herrn Rösicke selber kehren. Ich bin crsiaunt, warum mau sich schämen soll, wenn mau in irgend einer Frage der Minorität angehört. Herr Rösicke, der jede Gelegenheit benutzt, allen denen Mangel an Loyalität vorzuivcrfen, die seine Auslegung der kaiserlichen Februar- Erlasse nicht billigen, vergißt ganz, daß gerade dieser Gesetzentwurf auf allerhöchste Initiative zurückzuführen ist. Ter Entwurf will nichts anderes, als was Herr von Berlepsch im Jahre 1891 wollte. Und selbst Herr Rösicke gab damals zu, e-Z müsse verhindert werden, daß Arbeiter zum Streiken gezwungen iverden, und damals trat auch die nationalliberale Partei einstimmig für den Teil der RegicriigSvorlage ein, der etwa dcn- 8 1 dieses Entwurfs entspricht. Obwohl sich seitdem die Fälle von Streikterrorismus um das Tauicudfachc vermehrt haben, obwohl die Vorlage erheblich milder ist als die von 1891(Heiterkeit links), obwohl auch gegen die Arbeitgeber Strafbcstiinmungcn darin erlassen sind, wird die Vorlage jetzt von verschiedenen Seiten auf daS schonungsloseste zerzaust. In den Angriffen vermisse ich völlig jeden höheren Gesichtspunkt. Sie wird mit Schlagworten bekämpft, die an die Zeit der 48cr Revolution erinnern(Heiter- kcit links) und mit juristischen Spitzfindigkeiten. Das Vcr- halten der bürgerlichen Parteien erweckt in mir den Anschein, als sei das Gefühl für die sopialdemokratische Gefahr in großen Kreisen verschwunden. Vor fünf Jahren wäre eine derartige Verbeugung vor der Socialdcinokrntie unerhört und ganz unmöglich gewcscu.(Heiterkeit bei den Socialdemokraten. sehr richtig I rechts.) ES wäre unmöglich gewesen, daß ein Social- dcmokrat die Rede eines nationalliberalcn Führers zu dieser Frage als„wundervoll" bezeichnet hätte, wie es diesmal in erster Lesung seitens des Herrn Heine geschah.(Sehr richtig! rechts.) Eine lebhafte Protestbewegung ist gegen die Vorlage entfaltet worden. Dabei wird aber fortwährend der Schutz der Freiheit dcS Arbeiters mit der Koalitionsfreiheit verwechselt. Dabei entfaltet die Socialdcmokratie in den großen Städten zumal einen TcrrorismuS, dem gegenüber der etwaige Terrorismns einzelner Arbeitgeber und Arbeitgeber- Verbände vollständig verschwindet. Diese Untcrnchmer-Vcrbände find notwendig gegenüber der Organi- sation der iLocialdemokraten. Wenn ein Maurer z. B. nicht mit- streiken will, dann wird er durch das ganze Land vervehmt und überall gefragt: Hast Du reine Wäsche? Hat er keine Beiträge zum Streikfonds gezahlt, dann wird er in jeder Weise gemaßrcgclt und geärgert. Der TcrrorismuS der Arbeitgeber ist im Vergleich zu dem TcrrorismuS der socialdcmokratischcn Organisationen geradezu ein Kinderspiel. Die Arbeitswilligen sind hier als minderwertige Arbeiter be- zeichnet worden. ES ist gesagt worden, sie würden als ehrlos bc- trachtet, weil sie sich nicht der Majorität ihrer Kollegen anschlössen. Nach dieser Logik wären auch die christlichen Organisationen chrloS, iveil sie in der Minderheit sind und sich den socialdcmokratischcn Organisationen nicht anschließen. Gerade die christliche» Organisationen haben das stärkste Interesse' an der Vcr- Hinderung dcS socialdcmokratischcn TerrorismnS. Ich vcr- stehe es daher durchaus, wenn gerade ein katholisches Blatt, die„Märkische'VolkSzeitung" das meiste Material für diesen Terra- rismuS geliefert hat. Ich behaupte: jeder verständige Arbeiter, dem man objektiv die Vorlage vorlegt und dem man nicht weiß macht, daß ihm die Koalitionsfreiheit genommen werden soll, muß die Vorlage geradezu als Erlösung begrüßen.(Heiterkeit links. Sehr richtig! rechts.) Ich mache mich anheischig, sie in meinem Wahl- kreise vor jeder Arbcitcrvcrsamnilung zu vertreten und fürchte nicht, dadurch an Popularität einzubüßen. Man wundert sich, daß die Arbeiter iiicht mehr Petitionen für die Vorlage eingeschickt haben. In Krefeld haben cS ja die Arbeitswilligen geth'an. Wenn sich diese Arbeiter gegen den socialdcmokratischcn Terrorismns besser geschützt fühlen wurden, würden sie auch viel mehr ihre Wünsche laut werden lassen. Der Vorsitzende des christlichen Bcrgarbcitcr-Verbandcs, Herr Brust, versichert unS freilich,„die gesamte Arbeiterschaft Deutsch- lands protestiert gegen dies Gesetz!"(Sehr richtig! bei den Social- dcmokratcn.) Aber Herr Brust hat kein Recht, im Namen der gesamten Arbeiterschaft Deutschlands zu sprechen. Es ist ebenso übertrieben, als wenn ich sagen wollte: Die ganze Arbeiterschaft Deutschlands begrüßt dieses Gesetz. Eins der beliebtesten Schlagwörter- gegen die Vorlage ist auch: „Wir nehmen kein Ausnahmegesetz an". Das hören ivir immer, wenn die Regierung Gesetze gegen die Socialdcmokratie vorlegt. Dann wird eine Erweiterung dcS allgemeinen Strafrechts verlangt. Die Ncgicrnng bringt die Uinstürzvorlnge. Da aber schrie man: Das sind ja Kautschuk-Paragraphcn, wodurch auch andere Parteien betroffen werden können. WaS soll da die Regierung machen?(Zuruf bei den Socialdemokraten: Gar nichts! Große Heiterkeit.) Die Vorlage ist ebensowenig ein Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter wie etwa das Viehscuchengcsetz oder die Sccmaunsordnung.(Unruhe links.) Dagegen haben wir eine ganze Menge Bestimmungen, die geradezu den Eharaktcr eines Ausnahmegesetzes gegen die Arbeitgeber tragen.(Heiterkeit links.) Ich erinnere daran, daß der Arbeitgeber mit einer Geldstrafe bis zu 2000 Mark belegt werden kann, wenn er Meiliiiale auf den Jnvalidenkartcn anbringt. Ich erinnere an die Bestimmungen über die Sonntagsruhe. Da wird der Arbeitgeber bestraft, auch wenn er ganz unschuldig ist und' der Arbcsicr die Sonntagsruhe übertreten hat. Es kommt in meinem Betriebe vor, daß sich Arbeiter zü einer Reparaturarbeit, die am Sonntag vorgenommen iverden muß, nieldeu, obwohl sie Sonntag vorher schon gearbeitet haben. Bei 4000— 5000 Arbeitern in einem Betriebe läßt sich das nicht immer kontrollieren. Erfolgt eine Anzeige, dann werde ich bestraft. Das ist geradezu ein Ausnahmegesetz. In dieser Vorlage werden die Arbeitgeber gleichfalls unter Strafe gestellt. Wenn darauf hinge- wiesen wird, daß die Arbeiter doch wohl häufiger bestraft werden würden, so liegt das daran, daß die Arbeitgeber viel" mehr gewohnt sind, sich dem Gesetz zu fügen wie die Arbeiter. Rkan hat gegen die Vorlage eingewandt, sie sei unnötig, weil der GrobclUnfng-Parngraph da wäre, und hat an die strenge Bestrafung der Löbtauer Arbeiter erinnert. Ich stehe gar nicht an, zn erklären. daß der Grobe Unfug-Paragraph auch nach meiner Auffassung häufig angewandt wird, ohne daß eine ratio lexis(Grund, das Gesetz anzuwenden) vorliegt.(Hört! hört!) Gerade diese Anwendung des Groben llnfiig-Paragraphen soll ja durch die Vorlage aufhören. Soll denn erst dann eingeschritten werden, wenn Mord und Todschlag erfolgt? Nach unserer Äuffassnug ist zu verhindern, daß nur durch Zufall ein leichtes Vergehen zum schweren Verbrechen wird. Ich habe daS Löbtaner Schwurgericht in Schutz genommen, gleich- zeitig aber mein Mitleid' für die Verurteilten ausgedrückt. Für verantwortlich Halle ich auch hier die socialdemo- kratischcn Agitatoren, die die Leute aufs äußerste aufregen, so daß aus einem leichten Vergehen ein schweres Verbrechen wird. Den Leuten nmß der falsche Ehrbegriff genommen werden, sie müssen aushören zu glauben, sie thäten ihre Schuldigkeit, wenn sie Streik- brecher verächtlich behandeln und Zwangsmittel gegen sie auf- wenden. Ein Redner hat behauptet, zwischen Arbeiter und Arbeitgeber bestehe em beständiger Krieg. Jeder Arbeiter hat den natürlichen Wunsch, feine Lebcuslafle zu verbessern und seinen Lohn zu erhöhen Ein geeignetes Mittel hierzu ist es aber nicht, wenn er sich als feindliche Macht gegen die Arbeitgeber koaliert und als krieg- führende Macht mit ihnen unterhandelt. Der Unternehmer isr an sich geneigt, billige Wunsche seiner Arbeiter zu erfüllen, nicht blog ans ethischen Gründen, die ja auch ihre Nolle spielen, sondern anch deshalb, weil ein gnt genährter Arbeiter ihm ganz andere Dienste leisten kann, als ein schlecht ge- nährter. Wie kann man den deutschen Arbeitgeber» Egoismus vor- Wersen. Unsere Soeialgesetzgebniig ist doch ans der Initiative der Arbeitgeber hervorgegangen. Ich bin doch anch Arbeitgeber! Ich habe doch seiner Zeit soeialpolitische Anträge gestellt und kämpfe noch heute dafür, dag die Wiltiven- und Waisenversorgung eingeführt wird. Wie kann man da von Egoismus reden? Die Grosnndnstric hat ain allerwenigsten Interesse an diesem Gesetz. Der Mittelstand, die Handwerkonieister. besonders im Baugewerbe brauchen es dringend.(Sehr richtig! rechts.) Wir hören die SchmerzeiiSschreie des Hand' Werts; es ist in seinem Existenzkämpfe bedroht, es fordert so darf eS nicht weiter gehen mit dem soeialdemokratischen Terrv- risinnS!(Sehr richtig! rechts.) Das sagen die zahlreichen Peti- tionen der Innungen. Kein Freund des Mittelstandes kann es ab lehnen, hier helfend einzugreifen!(Sehr richtig! rechts.) Ein großes Interesse an diesem Gesetze hat aber auch der Staat. Bei den Drangsaliernngen der Arbeitswilligen handelt es sich nicht immer nur um Lohn- und ArbeitSbediugnugen, sondern um die politische Macht. Die Soeialdemokratie hat sich zu einem wahren Staat im Staate entwickelt.(Sehr richtig! rechts.) Nun behaupten die Förderer der Soeialdemokratie. sie habe sich gemausert. Ans dem letzten Parteitage der Soeialdemokratie zu Hamburg(Kufe links: zu Hannover!) ist aber gesagt worden: es bleibt bei der Erpropriation. Differenzen zwischen den einzelnen Führern haben ja dort zu heftigen Debatten geführt, aber es handelte sich dabei nur um taktische und persönliche Fragen. Ter Streit zwischen Kantsky(Rufe links: Kantsky!) und Bernstein hat die Masse der Soeialdemokratie überhaupt nicht berührt: die Marxsche Werttheorie ist den Massen vollständig gleichgültig. Sie(zu den Soeialdeinvkraten) gewinnen ihre Anhänger und halten sie anch da- durch fest, daß Sie sie verhetzen und Unzufriedenheit über unsere Zustände verbreiten. Wenn die Sache dann losgeht, dann können Sie, selbst wenn Sie wollen, die Massen nicht mehr aufhalten. Aeußernngen freilich, wie sie von bürgerlicher Seite bei der General- debatte über diesen Entwurf gefallen sind, sind nur geeignet. Ihre» Bestrebungen den schärfsten Vorschub z» leisten, niehr als Sie selbst vermögen. Der Herr Abg. Bafferinann hat von zwei Weltanschauungen gesprochen, die sich in dieser Frage gegenüberstehen. Die eine er- vlickt in der Arbeiterbewegung eiiie'Gefa'hr für die Kultur, die andere sieht diese Gefahr, will aber die Arbeiterbewegung trotz der Soeialdemokratie befördern, um die patriotischen Arbeiter zurück- zugewinneii und sie mit der bürgerlichen Gesellschaft zu versöhnen. Ich bin der Ansicht, daß sich nicht zwei, sondern drei Weltanschauungen gegenüber stehen. Die erste erstrebt den Umsturz von Monarchie, Vaterland, Religion und Sitte. Die zweite leugnet die Gefahr dieser Bestrebungen nicht, läßt sie aber gewähren und sucht sie zu vertuschen. Die dritte endlich blickt der Gefahr klaren Auges ent- gegen, sie fordert, daß der Staat seinen Todfeind mit allen Mitteln bekämpft und vor allen Dingen ruhige, arbeitswillige Arbeiter schützt gegen die Unterjochung durch demagogische Hetzer. Dieser dritte» Äiischannng habe ich und meine politischen Freunde stets angehört und werden ihr angehören, selbst aus die Gefahr hin, daß unsere Stimme in diesem Hanse»»gehört verhallt.(Bravo! rechts.) Ich beantrage, die Vorlage an eine Kommission von 28 Mitgliedern zu überweisen. Präsident Graf von Ballestrem nimmt mit einem Hinweis ans die Geschäftsordnung die Abstimmung über den vom Abg. v. Stumm gestellten Antrag auf KonnnissionS- beratung sofort vor. Der Ztntrag Frhr. v. Ttmnm auf KommissionSbcratnng wird gegen die Mehrheit der Nationalliberale», beide konscr- vative Parteien und die Antisemiten abgelehnt.(Große Be- wegnng.) Abg. Dr. Lieber(C.): Namens aller meiner politischen Freunde habe ich eine kurze Erklärung abzugeben. Nach der Beratung dieses Gesetzentwurfs in erster Lesung vor der Vertagung des Reichstags waren ivir noch der Hoffnung, es würde die Zwischenzeit benutzt werden können, um daS Koalitionsrecht im Deutschen Reiche zu sichern und ans- zubauen. In diesem Sinne haben wir einen Gegen- entwurf in Aussicht gestellt.— Dieser Gegenentwurf ist von uns anch ausgearbeitet worden. In welcher Rickitung er sich bewegt, erhellt ans unserer Stellungnahme zum Bürgerlichen Gesetz- buch, zur Anfhebnng des Verbindungsverbots politischer Vereine, zur Anerkennung der Rechtsfähigkeit der Berufsvereine und aus unserem Antrag auf' Errichtung von Arbeitskammer». Hierher zurückgekehrt, finden Ivir diese Hoffnung vollständig zerstört. Wir können für uuscre Pläne nicht auf eine Mehrheit des RcichStagS, geschweige denn ans eine Zustimmung der verbündeten Regierungen rechnen und müssen vorläufig auf die Verwirklichung unserer Ab- sichten verzichten. Damit entfiel für uns anch jedes Bedürfnis zu einer Kommissionsberatung.(Beifall im Eentrnm und links.) Staatssekretär Graf v. Posadowsky: Nachdem die Vorlage in erster Lesung schon so gründlich erörtert worden ist, wurde ich etwas Ueberflüssiges thnn, lvenn ich mich über die einzelnen Punkte des Gesetzentwurfs noch näher verbreiten wollte. (Sehr richtig! links, Heiterkeit.) Als der Gesetzentwurf über das Flaggenrecht der deutschen Kauffahrteischiffe hier zur Beratung stand. da wurde von dem Vertreter einer großen Partei hier im Haufe die Erklärung abgegeben, daß es der Sitte des HanseS entspräche, in eine KommissionSberatnng zu willigen, wenn diese von einer großen Partei beantragt werde. Diese Sitte des Hauses hätte auch einer Sitte der Höflichkeit gegenüber den verbündeten Regierungen entsprochen.(Große llnrnhe links. Abg. Liebknecht: Zur Ordnung! Abg. Singer sunt erhobener Stimme): Das ist doch Sache des Reichstages. Große Unruhe rechts.) Vieepräsident v. Frege: Ich bitte, den Redner nicht zu unter- brechen. Staatssekretär Graf Posadowsky(fortfahrend): Sie werden mir doch hier gestatte», meine Ansicht zu sagen. Wir Minister lassen uns von der Soeialdemokratie noch lange keinem Koalitions- zwange unterwerfen.(Bravo! rechts. Abg. Singer: Dann kritisieren Sie nicht die Geschäfte des Hauses.) Gegen die einzelnen Bestimmungen der Vorlage, besonders gegen ihre Tendenz, kann doch gar nichts eingewendet werden. England, die Vereinigten Staaten von Amerika haben schärfere Gesetze, um einen besseren Schutz der Arbeitswilligen herbeizuführen. Täglich werden in der Presse empörende Fälle der Vergewaltigung von Arbeitswilligen berichtet, ohne daß es möglich wäre, eine strafrechtliche Sühne herbeizuführen. Trotzdem ist' unser Gesetzentwurf nicht einer Kommissionsberatnng für würdig erachtet worden. Daß es unter diesen Umständen fruchtlos wäre, ans die hier vorliegenden Anträge einzugehen, daß ich damit nur die stenographischen Anfzeichnnngen umfangreicher machen würde, ist mir klar. Einige Bemerkungen kann ich jedoch nicht unterdrücken. Der Kernpunkt der ganzen Vorlage ist der, daß die Arbeiter geschützt werden solle» gegen den maßlosen Terrorismus durch das sogenannte Streikpostenstehen. Ich habe bei der ersten Lesung be- hauptet, daß nacki einem Urteil des Höchsten Gerichtshofes in England das Streikpostenstehen überhaupt verboten ist. Herr Lenzmanu trat mir damals entgegen; er behauptete, es werde nnr bestraft, wenn Gewaltthätigkeiten damit verbunden seien, und rief mir zu: Packen Sie nnr ein nnt Ihrer englischen Gesetzeskenutnis. Es widerstrebt mir, auf das Plateau des Herrn Lenzmann hinabzusteigen. Ich will nnr heute ausdrücklich feststellen, daß sich damals Herr Lenz- mann in grobem Irrtum befunden hat. Ich bin genau in- formiert und wiederhole, in England ist das Streikpostenstehen überhaupt unter Strafe gestellt. Sie können mir glaube», wir haben diese Frage sehr genau studiert. Was sonst in den Zeitungen über englische Gesetzgebung geschrieben worden ist, ist eine Mischung von Mißverständnissen und freier Phantasie. Gestützt nun auf alle diese Thatsachen legen wir Ihnen einen Gesetzentwurf vor. Wir bestehen nicht ans den Einzelheiten des Entwurfs, sind gern bereit in Verhandlungen über die einzelne» Punkte einzutreten. Statt dessen lehnen Sie den Entwurf s. limine ab. ohne ihn anch nur der Ehre einer Konnnissionsberatnng zu würdigen. Mit der Soeialdemokratie rechte ich nicht darüber, aber es giebt Pretzorgane, die jeden Tag laut verkünden, die Soeialdemokratie habe sich gemausert. Ich habe mich deshalb bemüht, einmal fest- zustellen, was bedeutet denn im wissenschaftlichen Sprachgebrauch das Wort mausern(Heiterkeit) und ich habe da gefunden: Mausern ist jener wichtige Vorgang bei den Tieren, wo sich die alten Gewebe ablösen oder abstoßen. In Hannover hat das die Soeialdemokratie nicht gethan. Dort waren im Gegenteil die sich bildenden nenen Gewebe in Gefahr, abgelöst und abgestoßen zu werden. Die bürger- lichen Parteien sollten das bedenken. Die Soeialdemokratie muß der Regierung fortwährend Schwierigkeiten machen, muß sie überall diskreditieren. Die Socialdemokratie hat denn anch in Hannover erklärt, am alten Endziel festzuhalten(Abg. Singer: Sehr richtig! Große Heiterkeit.) und der bürgerlichen Gesellschaft den Vernichtungskrieg erklärt.(Sehr richtig rechts.) Anders liegt es nnt den bürgerlichen Parteien. Wir haben gewiß das ehrlichste Wollen, alles zu thnn, was in unfern Kräften steht und das ArbeiterloS zu bessern. Fünf soeialpolitische Gesetze liegen Jbnen allein in dieser Session vor. Eins davon enthält sehr erhevlicke Verbesserungen für die Arbeiter. Die Re- giernng wird sich auch durch keine Verhandinngen hier im Hanse, auch nicht durch die Haltung der Soeialdemokratie. abbalten lassen, für die Arbeiter zu thnn. was sie ans sittlichen Gründen für not- wendig hält. Es giebt aber bürgerliche Parteien, welche bei jedem socialpolitischen Gesetze ansnifen: Repressivmaßregeln können wir erst bewilligen, wenn alle berechtigten Wünsche der Ar beiter erfüllt sind. Wenn wir nun die Koalitionsfreiheit gewähr leistet haben und sehen, wie diese Freiheit gebraucht wird, so ist der Standpunkt der Regierung wohl zu verstehen, wenn sie erst die Arbeiter vor diesen Mißbränchen schützen will und erst dann in Er- wägungen darüber eintreten will, wie aus der anderen Seite größere Freiheiten gewährt werden können.(Ruf links: Ilmgekehrt! Umgekehrt!) In einer KoininissionSberatuiig wäre es vielleicht möglich ge- wesen, beide Erwägungen zu gesetzgeberischen Vorschlägen änsreifen zu lassen. Aber darüber werden alle mir inir einig sein, daß es ganz unmöglich ist, Fragen so diffieiler, subtiler Natur iin Plenum zu erörtern. Ich weiß nicht, ob es tiefgehende politische Erwägungen waren, welche die Mehrheit bewogen haben, eine Kommissionsberatnng abzulehnen. In dem heutigen Beschluß können die Regieruiige» aber nur ein bedenkliches Zeichen erblicken.(Große Unruhe.) Ob die Soeialdemokratie zunimmt, ivie wir meinen, zum Schaden des Vaterlandes, das wird in erster Reihe von der Stärke und dein Selbstbewußtsein der verbündeten Regierungen abhängen.(Lebhafte Rufe links: Kanalvorlage.) Dann aber auch von der sittlichen Kraft und Geschlossenheit, mit der die bürgerlichen Parteien den Kampf gegen den Umsturz aufnehmen.(Lebhaftes Bravo rechts, lebhaftes Zischen links.) Vom Abg. Freiherrrn v. Stumm ist ein Antrag eingelaufen, in Punkt 4 des Antrags B ü sing vor den Worten.teilgenommen haben" die Worte.'teilnehmen öder" einzuschalten. Abg. Heine(Soc.): Meine Herren, bei der Situation, die sich heute in diesem Saale entwickelt hat. glauben meine politischen Freunde und ich, daß wir unsere Pflicht verletzen würden, wenn wir hier noch lange Worte machten.(Sehr richtig! links.) Das deutsche Volk will wiffen, wie es mit diesem Gesetze daran ist, je eher, desto besser, und würde lange Debatten nicht verstehen. Die gesetzgeberischen Aufgaben, die uns noch in ganzer Menge bevorstehen, lassen es uns zudem auch sehr vorteilhaft erscheinen, wenn wir mit diesem Gesetzentwurf möglichst bald reinen Tisch machen, mn zu andern ernsten Arbeiten übergehen zu können. Meine Herren. Ivir haben anch Wünsche hinsichtlich der Ans- bildnng dcö KoalitionSrechts und seiner Sicherung gegen allerlei Beeniträchtigimgen, die heute das Koalitionsre.cht der Arbeiter nur auf dem Papier vorhanden sein lassen: aber wir stellen diese Wünsche anch für heute zurück. Wir sind der Ansicht, daß der Boden dieser Vorlage, die eine so allgemeine Entrüstung in der Arbeiter- bevölkenmg hervorgebracht hat, nicht der Boden ist, auf dem wir über die Erweiterung der Rechte des Volkes verhandeln können. Erst dies weg! Dann können wir über das andere reden. Wir können um so leichter ans das Wort verzichten für heute, weil ja die Absichten, die wir habe»,»nd die Wünsche über die Er- Weiterung des Koalitionsrechts und auch zugleich die Anträge des Abg. Lieber, die bereits dem Hanse vorliegen, uns reichlich Gelegen- heit geben werden, unsere Ansichten zu entwickeln. Wir würden den imponierenden Eindruck, den diese Ab- Weisung eines Scharfmachcraktcs im Lande hervorbringt, ab- schwächen, wenn wir anch nnr ein Wort hinzufügten, lind darum sage ich einfach namens meiner Freunde: Wir werden die Vorlage niid alle vorliegenden Anträge ablehnen.(Lebhafter Beifall bei den Socialdcmolraten.) Abg. b. Löbcll(k.): Ich begreife sehr wohl das Siegcögchcnl, das die soeialdemo- kratische Presse ausstieß, als im vorigen Sommer die Regienmgs» vorläge ohne Konnnissionsberatnng abgelehnt wurde. Ilm so ent- fremdender berührte es in de» weitesten Kreise» der staats- treuen und ordnungsliebenden Bevölkenmg(Heiterkeit), daß auch von der Mehrheit der b ü r g e r l i cb e n Parteien die Regierung im Stich gelassen wurde. Mögen sich das die bürgerlichen Parteien doch ja acl notsm»ehinen(Unruhe niid Heiterkeit; Zurufe links). Durch Ihre Zurufe verhindern Sie mich nicht, zu sagen, was ich beabsichtige. Wir Konservative hätten vielleicht nicht so freudig der Re- giernugSvorlage zugestimmt, wenn wir nicht überzeugt wären. daß gerade in den Kreisen der arbeitswilligen, staatstrenen Arbeiter dieselbe begeisterte Zustimmung gesunden hat und stndet. lHeiterkeit und Widerspruch.) Ans Einzelheiten kann ich mich hier nicht einlassen-, ich will nur auf den Hilf schrei hinweisen, den die vergewaltigten KrefelderArbeits willigen ausgestoßen haben. Jedenfalls liegt eine erdrückende Fülle von Material vor, anS der sich ergiebt, daß der§ 153 zum hinreichenden Schutze der Arbeitswilligen nicht ausreicht. Bei der Beratung des nationaUiberalen Antrags wird sicher die Rede auf den Ausbau des Koalitions- und Vereinsrechts kommen. Ich will schon hier keinen Zweifel darüber lassen, daß wir Konscr- vativc» für kein VereinSrecht zu haben sind, welches nicht Pc- stimmungen gegcil staatsfeindliche Vereine enthält.(Hört, hört! links.) Man spricht davon, daß alle Gesetze ans ihre Wirkung ans die Soeialdemokratie zu prüfen sind. Wir sind anch dieser Ansicht. Mit einer großen Geschicklichkeit— ich stehe nicht an, daS anzuerkennen— mit einer diabolischen Geschicklichkeit hat die Socialdemokratie alle Gesetze. anch namentlich die Arbeiter- schutzgesetze, bemcht, nicht etwa dem Arbeiter zu nutzen, fondern ihre politische Macht zu vermehren. Wir ha-ben deshalb immer darauf hingewiesen, ivie bedenklich es ist, die Arbeiter an der Wahl der Lersicherungsbehörden usw. teilnehmen zu lassen, weil sofort die Socialdemokraten dabei sind. die Sache in ihre Hand zu bringen. (Hört, hört! links— sehr richtig! rechts.) Der Staat hat die Pflicht,� die vaterlandsliebenden, königstreuen Arbeiter zu schützen! Ans unserem konservativen Parteitag in Dresden ist das rechte Wort gefallen: Wir müssen die offne, hilfsbereite Hand dem armen, ehrlichen Arbeiter entgegenstrecken: aber dem frevelhaften Umstürzler die gepanzerte Fanst nnt dem wehrenden und strafende» Schwert.(Bravo l rechts; Hu! hn! und Unruhe links.) Wir sind der festen Ueberzengnng, daß der Kampf unausbleib» lich ist. der Kampf zwischen Glaube» und Unglauben» und wir werden siegen.(Lebhaftes Bravo I rechts. Ironisch» Bravo- rufe links.) Abg. Richter(frf. Vp.): Das Notwendige zu dem vorliegenden Gesetzentwurf ist wohl schon bei der ersten Lesung gesagt worden. Der Herr Staatssekretär meinte, es entspräche nicht der Sitte des Hauses, einen Gesetzentwurf, der von einer größeren Partei unterstützt würde, nicht an die Kom- Mission zu überweisen. Ich stelle demgegenüber fest, daß es der Sitte dieses Hauses nicht entspricht, daß ein Mitglied der Regierung sich in die formellen geschäftlichen Angelegenheiten des Reichstags einmischt.(Sehr richtig! links.) Einen Öberhofmeister braucht der Reichstag nicht.(Sehr richtig! Große Heiterkeit links.) Tie große Mehrheit des Reichstages kann sich in einer so hoch- politischen Frage nicht ihre Taktik von einer einzelnen Partei vor- schreiben lassen. Die laufende Session ist schon ohnehin sehr de- lastet; sie ist noch mehr belastet durch die plötzlichen Eingebungen in der Flottcnfrage(Sehr gut! links); da ist es natürlich nicht angebracht, in Konlinissionsberatungen einzutreten, von denen vorauszusehen ist, daß sie auslaufen werden, wie daS Hornberger Schießen. Der Herr Staatssekretär sagt, er sieht ein bedenkliches Zeichen. Meine Herren, die fchc ich schon lange.(Sehr gut! Große Heiter- keit links.) Wenn auf die Initiative von Trinksprüchc» hin solche Gesetzentwürfe ausgearbeitet werden, von denen man im voraus weiß, daß sie mit den Anschauungen der großen Mehrheit des Reichs- tags im Wideripnich stehe», so verdienen solche Gesetzentwürfe gar leine andere Behandlung.(Lebhafter Beifall links.) Staatssekretär Graf Posadowsky: Es hat mir ferngelegen, mich in die Geschäfte des hohen HanseS einmischen zu wollen. Ich glaube, nachdem ich sechs volle Jahre hindurch in durchaus freundlicher und friedlicher Form mit dem hohen Hanse verkehrt habe, wird jeder Mensch wissen, daß es mir volllonnnen fern liegt, irgend wie Konfliktöstimmung herbeiführen zu wollen, um so mehr, da ich recht gut weiß, daß es zwecklos ist. Ich habe nur festgestellt, daß erst kürzlich aus der Milte deS hohen Hauses heraus erklärt worden ist, daß es fest- stehende Sitte des hohen Hauses ist, daß, wenn es eine größere Partei beantragt, ein Gesetzentwurf einer Kommission überwiesen wird. Sie können die Thatsache jederzeit ans dem stenographischen Bericht feststelle». Was die Aenßerung des Herrn Richter betrifft, daß dieser Gesetz- entwurf der Ausfluß einer gelegentlichen Veranstaltung sei, so ent- spricht dies nicht den Thatsachen. Als im Jahre'1800 bei der Beratung der Novelle zur Gewerbe-Ordnung ein ähnlicher, zum Teil noch iveitergehender Antrag die Mehrheit des Hauses nicht fand, er- klärte der dainaligeprenßischeHandelsminister ausdrücklich: Wir nehmen diese Ablehnung nicht an; ivir werde» mit einem derartigen Gesetz wiederkommen. Es ist im Lande von den verschiedensten Parteien, ehe das Gesetz das Licht der Welt erblickte, darauf hingewiesen worden, daß jetzt ein derartiger Terrorismns ausgeübt würde, der volikouime» unerträglich wäre für alle Arbeiter, dre nicht organisiert wären, für alle Arbeiter, die christlichen Vereinen angehören, und daß es Pflicht sei, gesetzgeberisch vorzugehen. Nun kommen wir mit einem Gesetz. Wir sind bereit, über die Einzelheiten des Gesetzes zu verhandeln, und das Gesetz wird nicht dcr Ehre einer Kommisstonsberatnug gewürdigt. Das ist ein schlimmer Vorgang in der deutschen parlainemarischen Geschichte und es ninß seine Nachwirkung üben in dem Bcr- hältniffe zwischen den verbündeten Regicrnngc»«nd der Mehrheit dieses HanseS.(Lachen links.) Abg. Nösickc-Dessau(wildlib.): Ich habe die Erklännig abzugeben, daß meine politischen Freunde ans eine iveitere Beratung der Vorlage verzichten, nachdem heute nichts Neues zur Verteidigung der Vorlage vorgebracht ist. Ans die Angriffe des Herrn Freiherrn v. Stumm gehe ich nicht ein, ebenso nicht auf die von Herrn v. Posadowsky hervorgerufene Geschäfts- ordimngsdebatte, da ich sonst anch die Gelegenheit ergreifen müßte, ans die Ansführnngen dcs Herrn Ministers Brefeld gegen mich bei der ersten Lesung einzugehen. Ich verzichte darauf in Rücksicht auf die Geschäftslage des Hauses. �(Beifall links.) Abg. Molkcnbuhr(Soc.): Ich möchte anch erklären, daß ich auf jedes weitere Eingehen verzichte. Der Herr Staatssekretär bezeichnete die heutige Behand- lnng der Regierungsvorlage als einen schlimmen Vorgang in der parlamentarische» Geschichte. Ich möchte ihm erwidern, daß sich die Regierung über unser Verhalten durchaus nicht zu verwundem braucht. Frühere ähnliche Vorlagen Ware» angeblich immer gegen das Verderb- lichc 5f outraktbrechc» gemünzt. In dieser Vorlage steht nichlS von Kontraktbruch. Jetzt kommt man mit fast gleichen Vorschläge», um angeblich ganz andere Zwecke zu erreichen.' Damit gesteht die Re- giernng irnpücite ei», daß sie früher, als sie den Kontraktbruch in den Vordergrund stellte, die Unwahrheit gesagt hat.(Unruhe rechts.) Sie kann sich gar nicht wundern, wenn Ivir jetzt anch nicht annehmen, daß sie die Wahrheit bei ihrer Begründung des Gesetz- entwurfS sagt, lind ich glaube, die ganze Art der Verteidigung dieser Vorlage, insbesondere die faniose Denschrift, bestärkt uns in diesem Unglauben. Anch die letzte Rede des Herrn v. L o e b e ll macht keine Erwiderung nnsererseilS notwendig. Wir brauchen sie nur im Lande zu verbreiten, um Stiiimmng gegen die Scharf- macher zu erwecken.(Beifall bei den Socialdemokraten, Lachen rechts.) Abg. Dr. Pachcm(C.): Herr v. Stnnim hat vorhin ausgeführt, daß aus meinem Wahlkreise Krefeld der Wunsch nach einem größeren Schutz Arbeitswilliger an de» Reichstag gelangt ist. Ich will bier nur konstatiere», daß gebeten worden ist um Schutz durch die Polizei, weil man dort der Ansicht war. daß die Polizei für die Arbeitswilligen nicht mit allen Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen, eingetreten ist. Dagegen konstatiere ich ausdrücklich, daß aus meinem Wahlkreise von keiner Seite an mich noch an einen andern Herrn die Aufforderung er- gangen ist, für das vorliegende Gesetz zu stimmen. Abg. Rvllinger(Elsässer): Meine politischen Freunde schließen sich vollständig den von Herrn Lieber abgegebenen Erllärunge» an. Danach ist unsere Haltniig gegenüber der Stegiernngsvorlage eine ablehnende.(Bravo! links und im Centn»».) Abg. Baffcrmann(natl.): Für einen Teil meiner politischen Freunde habe ich z» erklären. daß wir die Vorlage und sämtliche dazu gestellten Anträge ablehnen. Zur Begnliidung dieses Standpunktes verweise ich auf meine Aus- führnnge» in der ersten Lesung dieses Gesetzes.(Bravo I links und im Ceiitnim.) Abg. Richter(frf. Vp.): Der Herr Staatssekretär v. Posadowsky meinte, daS Verhalten deS Reichstages würde nicht ohne Rückwirkimg bleiben auf das Ver- hältnis der verbündeten Regierungen zum Reichstag. Nun, ich er- innere Sie nur an eine ganz ähnliche Erklärung der Regienmg im preußischen Landtage bei Beratung dcr Kanalvorlage.(Sehr gut! links.) Wir unsererseits haben aber keine Lnndräte unter uns! (Große Heiterkeit.) Außerdem scheint ja auch die Regierung, wie Fignra zeigt, mit der Rechten wieder ganz gnt Freund zu sein! (Lebhafter Beifall und große Heiterkeit.) Damit schließt die Disknssio». In der Abstimmung werden zunächst die sämtlichen Ab» ä n d e r n n g s- A n t r ä g e des Abg. Frhrn. v. Stumm zum Antrag B ü sing gegen die Stimmen der Konservatiben und Anti- semiten abgelehnt. Hieraus werden auch die Anträge Büsing(natl.) abgelehnt. Dafür stimmen mir die unterzeichneten Nationalliberalen. Alsdann werden die einzelne» Paragraphen der Re- grcrnngsvorlage nach dcr Reihe gegen die Stimmen dcr Konservativen und einzelner Antisemiten abgelehnt. Für den Zuchthaus-Paragraphen(§8) stimmen nur einzelne lt o n s e r v a t i v e. § 11 der Vorlage lautet: Der§ 15Z der Gewcrbc-Ordmmg tvird anfgekobeii. Aach hierfür erheben sich nur die Konservativen, so dasi von dem Gesetz nichts mehr übrig geblieben ist (Stürmische Heiterkeit und Händeklatschen bei den Social- deniokratc».) Nufe rechts: Kleine Kinderl Glocke des Präsi- deuten.) Präsident Graf Ballcstrcm: Meine Herren, da- Händeklatschen ist in deutschen Parlamenten nicht üblich. Die zum Gesetz vorliegenden Petitionen werden durch die ge faßten Beschlüsse(Heiterkeit) für erledigt erklärt. Präsident Graf Pallcstrcm: Herr Molkenbuhr hat vorhin der Regierung vorgeworfen, daß sie die Unwahrheit gesagt habe. Diesen Au-druck kann ich nicht durchlassen. Da aber Herr Molkenbuhr wahrscheinlich nichts gemeint hat. daß die Regierung absichtlich die Unwahrheit gesagt habe, so will ich von einem Ordnungsruf absehen. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr.(Dritte Lesung des Schuldverschrcibnngs-Gcsctzcs, der Forst- Novelle, der Fernsprechgebnhrcn-Ordnung; Novelle zur Gewerbe- Ordnung.) Schluß IVe Uhr. Wilhelm Haugk ist gestorben. Die meisten Berliner Partei- genossen haben ihn, wenn auch nicht dem Namen nach, so doch in Person gekannt. Mit Haugk ist ein Mann, der Schweres zu dulden hatte, dahingegangen. In den achtziger Jahren war er einer der nintigsten Kämpfer. Manche That, die Furchtlosigkeit und Opfer- Willigkeit verlangt, hat die Berliner Socialdemokratie ihm unter dem Socialistengcsctz zu danken gehabt. Dann kam das Verhängnis über unscrn armen Freund. In! Jahre 1887 mußte er de» Beruf des Steinträgers, mit dem er sich bisher mühevoll ernährt hatte, ivcgcn plötzlicher Erblindung aufgeben. Er gründete eine kleine Restauration, die auch durch das Wohllvollcn der Parteigenossen am Leben zu erhalten gesucht wurde— aber was ist ein blinder Gastwirt? Haugk mußte einen anderen Erwcrbszwcig ergreifen. und schwer genug wurde es ihm. Mancher Versammlungsbesucher, mancher Genosse, der sich au einem Parteifcst eine Stunde froher Unterhaltung gönnen wollte. wird den blinden Händler gesehen haben, der von einem Linaben geführt, Cigarrenspitzen, Pfeffcrmünzplättchen und ähnliches zum Kauf anbot. Man gab gerne, und es kann gesagt werden, daß dem Genossen Haugk auf diese Weise der Kampf ums Dasein nicht über schwer wurde. Aber ein neues Leiden begann an ihm zu zehren. Er wurde lungenkrank. In jahrelangem Kampfe widerstand er der schleichenden Krankheit, bis er vor zwei Monaten auf das letzte Lager nieder- geworfen wurde. Sonnabend ist er nach hartem Todeskampfe gc- slorbcn. Die Parteigenossen, besonders die des vierten Wahlkreises, werden Haugk als den mutigen Kämpfer ehren und ihm übers Grab hinaus ein treues Gedenken bewahren. Eine Witwe und ein fünfzehnjähriger Stiefsohn trauern an seinem Sarge. Zu der Beerdigung, die am heutigen Dienstag nachmittag 2h'z Uhr von der Leichenhalle des städtischen Central- Friedhofes in Friedrichsfelde aus stattfindet, werden die Parteigenossen sich gewiß zahlreich einfinden. Wahlvercin des 3. Kreises. Morgen(Bußtag) Fnßpartic über Johannisthal, All-Glienicke, Falkcnbcrg nach Grünau zu Linden- Hayn. Abfahrt früh 8ll» Uhr bis Niedcr-Schönewcide. Rege Be- teiligung crlvartet Der V o r st a n d. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse Mittwoch, den 22. November, abends 7 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantcustr. 20, Vortrag des Herrn Dr. Fricdcbcrg über: Welchen Schädigungen ist die Frau in ihrem Bcrnfslcbc» ausgesetzt? Ter Marxismus an der Berliner Universität. Ueber das seit etwa Jahresfrist recht zeitgemäße Thema „Wandlungen des Marxismus" hielt der Privatdocent Dr. Paul Voigt am Sonuabcndnachmittag in der Aula der Universität seine Antrittsvorlesung oder richtiger Ablesung, denn das neue Mitglied der»lms. inater las einfach mit monotoner Stimme seinen Vortrag vom Blatt herunter. Nur hin und wieder warf er schüchtern einen Blick auf die Zuhörerschaft, die zu einem wesent- lichcn Teil aus Damen bestand. Anscheinend hatte sie weniger daS Interesse am Marxismus, als an dem jungen Privatdocenten' herbei gelockt. Herr Dr. Voigt begann mit einigen kurzen einleitenden Be merkungen über die gegenivärtige Krise im Marxisnius und unter- schied dann zwischen einer Maixschen und einer Engelsschcn Fassung dermarxistischenTheorien. Marx hättenichtdie wirtschaftliche Entwicklung zeigen wollen, wie sie sich in concreto abspielt; ihm wäre es viel- mehr darum zu thun gewesen, ihre innersten Gesetze und Triebkräfte rein abstrakt, d. h. losgelöst von den jeweiligen besonderen äußeren Bedingungen ihrer Verwirklichung, den sich einmischenden Gegen- tendenzcn und.-Strömungen klarzitstellen. Zudem hätte Marx, wie Herr Voigt mit seiner Autorität versicherte, manchen seiner Theorien eine mehr hypothetische Fassung gegeben, als Engels. Abgesehen von dem verschiedenen Naturell beider Begründer des Wissenschaft- lichcn SocialiSmus, erkläre sich dies daraus, daß Engels ganz spccicll die Popularisation und die Verteidigung der Marxscheil Doktrin zugefallen sei. Hierbei hätte sich von selbst verboten, manchen Theorien den hypothetischen Charakter zu belassen, ivelche sie anfangs bei Marx hatten. Engels sah sich in seinem„Anti-Dühri»g", der zum eigentlichen Katechismus des heutigen Marxisnius geworden sei, genötigt, die Marxschen Theorien schärfer hervorzuheben,' ihnen das Bedingte und Hypothetische zu nehmen und sie als etwas schon Erwiesenes hinzu- stellen. Hinzu komme noch, daß Marx und Engels während der vierzig langen Jahre Jhrer wissenschaftlichen Thätigkcit selbst ihre Ansichten niehrfach geändert hätten, daß Marx nicht nur Gelehrter, sondern zugleich prattischer Politiker und Agitator gewesen sei, und daß es ihm nicht vergönnt gewesen,' sein„Kapital" selbst zu beenden. So komme es, daß thatsächlich heute sich aus Marx alles beweisen lasse. Der Vortragende kramte darauf die üblichen Bedenken gegen die materialistische Geschichtsauffassung aus, welche den Einfluß der Religion, der geographischen Verhältnisse, den Volkscharakter nicht berücksichtige, erhob sich dann zu einem längeren Exkurs über die Marxsche Werttheorie und erklärte diese sowie die mit ihr zu- sammenhängende Mehrwertslchre für verfehlt. Marx hätte, meint Voigt, bei der Aufstellung der letzteren noch unter dem Einfluß der älteren socialistischcn Ansicht gestanden, nach der dem Arbeiter der volle Ertrag seiner Arbeit gebühre. Der Hauptfehler der Mchrwertthc'orie sei, daß Marx den Mehrwert nur aus dem Warenproduktions-Prozeß ableite, und daß ferner Marx nur die direkt in der Warenproduktion angewandte Arbeit als produkiv gelten lasse. Herr Voigt wandte sich sodann unter Anlehnung an Bern- stein s bekannte Schrift über„Die Voraussetzungen des Socia- lismus" gegen die sogenannte Verelendungs-, Krisen- und K a ta str o p h e li t h e o r i e. Die Vcrelendungstheorie hat sich nach seiner Ansicht völlig überlebt. Sie wird selbst von den Marxisten nur noch in einer modifizierten Form anerkannt. Eben so wenig ließe sich die Konzentrationstheorie aufrecht erhalten. Unleugbar vollziehe sich in manchen Wirtschaftszweigen eine ziemlich rasche Aufsaugung der Klein- und Mittelbetriebe durch die Groß- betriebe; aber in andern tvüchsen dafür neue Mittelbetriebe hervor und behaupten sich mit Erfolg im Konkiirrenzkainpfe. Somit sei es denn auch nichts mit dem erwarteten baldigen Zusammenbruch des kapitalistischen Wirtschaftssystems; vielmehr gelte es, die Absatzmärkte durch eine vorsorgende Kolonialpolitik auszudehnen ec. ec.'— Zum Schluß schien sich der Bortragende wiederholt zu einer Empfehlung der neuesten Flottenpläne aufschwingen zu wollen, leider kam es jedoch nicht dazu.- Eigentlich neue Auffassungen brachte die Vorlesung, wie man sieht, nicht, wenigstens nicht für den. der Bernsteins, Masaryks, Weisengrüns neueste Schriften kennt. Eines der wenigen Vorzüge des Vortrages war seine Kürze. Da Herr Dr. Voigt recht fließend und schnell abliest, war die Vorlesung in kaum einer Stunde beendet. Der anwesende Dekan der philologischen Fakultät, Herr Prof. Erich Schmidt, hatte ersichtlich mit Müdigkeit zu kämpfen. Tas Schreiben des Herrn v. Mirbach läßt die Presse immer noch nicht zur Ruhe kommen.. Einige liberale Blätter finden Geschmack darin, die Oeffentlichkeit der ersterbenden Loyalität sowohl der Stadtverordneten-Vcrsammlung, als der Berliner Be- völkerung im allgemeinen zu versichern. Zu diesem Zweck drucken sie das am 22. Oktober an die Kaiserin abgesandte G l ü ck wünsch- Schreiben der Stadtverordneten-Versammlung ab, dessen Inhalt sich schon aus der Anrede und dem Schlüsse ergiebt: Allcrdnrchlauchtigste, Großmächtigste Kaiserin und Königin! Allergnädigstc Kaiserin, Königin und Frau!... Heut' bitten ivir den Herrn, daß er in dem neue» Lebensjahre seine Hand schützend und behütend über Euerer Kaiserlichen und Königlichen Majestät und über Allerhöchst deren-Familie halten möge. Euerer Kaiserlichen und Königlichen Majestät treu gehorsamste Stadt- verordnete zu Berlin. Langerhans. DaS llnglaublichste leistet sich aber Herr Arthur Levhsohn im „Berliner Tageblatt". Dort heißt es am Schlüsse der politischen Wochenschau vom Sonntag: „Lebten wir nicht in Berlin, wo die d h n a sti s ch e Loya- l i t ä t gewissermaßen zum Patrimonium der Bevölke- r u n g gehört, so hätte dessen Antastung durch wenig geschickte Hände eine sehr bedenkliche Wendung zu bedeuten. Aber' auch so kann der Vatcrlandsfrennd nur mit tiefem Bedanern davon Kenntnis nehmen, daß höfische Einflüsse es sind, die sich beflissen zeigen, das herzliche Einvernehmen zn beeinträchtigen, das seit Jahrhunderten zwischen dem Hcrrscherhause und der Bürger- schaft in guten und bösen Tagen ungetrübt aufrecht erhalten worden ist." Es ist doch unerhört, nun plötzlich nichts davon wissen zu wollen, daß von jenen Zeiten des Mittelalters an, wo die Berliner sich anschickten, das Schloß zu demolieren, bis zu den großen Tagen des Jahres 1848 und darüber hinaus, die Berliner Bevölkerung gar manches Zeichen des Gegenteils von dynastischer Loyalität zu erkennen gegeben hat— von der Gegenwart, wo die S o c i a l- d e m o k r a t i e mit 155 412 Stimmen aufwarten kann, ganz ab- gesehen. Bei wem will das„Tageblatt" durch solche, der Wahrheit ins Gesicht schlagende Unwahrheiten etwas erreichen? Harmloses. Die„National- Zeitung" schreibt: Die Unter- suchnngen gegen die Offiziere, welche durch den Prozeß gegen den Klub der„Harmlosen" konipromilticrt waren(Teilnahme an den Hazardspiclcn usw.), find nnnmehr zum Abschluß gebracht Eine ganze Anzahl Versetzungen sind erfolgt, so sind zwei Lieutenants von dem hiesigen 2. Garde-Ulancn-Rcgiincnt hrg»»g. 2. Kilige drs Lmiirls" Kerlim UcksM DiküMz, 2I.UmmIittl8gS. Nus dvv I�rKncttbcmcgnng. Frauenarbeit in Berlin. lieber die Gnhmcflimn der Frauenarbeit in Berlin finden wir interessante Miitciliiiistcii iin soeben erschienenen ziveiten Band der vorn Verein für Socialpolirik herausgegebenen Studien über ..Han'sindustrie und Heimarbeit". Schon Mitte der sechziger Fahre hatten sich in der Landeshauptstadt die ivirtschaft- lichcn Verhältnisse so zugespitzt, dasi der Arbeitgeberklasse etwa 30, der Arbeiterklasse aber über 52 P r o z. der damaligen Bevölkerung angehörten. Die obere Gc- sellschnftsschicht genügte schon damals nicht mehr, um das vcr mehrte Arbeiterinnenangebot aus den zugewachsenen Bcvölkernngs- teilen in Gestalt von häuslichen Diensten und dergleichen zu vcr- brauchen. Thatsächlich ist auch der Anfang der sechziger Fahre die Zeit, Ivo in Berlin neben den wenigen alten Ausstattungs-, Mode- und Mäntelgcschäften, die für ein wohlhabenderes Publikum ge- arbeitet hatten, die moderne billige Äonfektions- und Wäsche- Industrie, die Massenproduktion von Weißwaren, die Kravatten- Industrie traten und wo sich aus der beschränkten alten Blumen- fnbrikntion heraus die heutigen großen Putzbranchen entwickelten. Die Bekleidungsgewerbe beschäftigten schon damals über 13 000 Frauen, während für den lokalen Bedarf etwa 6000 genügt haben würden. Berlin war demnach schon damals im Besitz einer wenn auch noch beschränkten modernen F r a n e n- H a u s i n d u st r i e. Und wie die Ausbildung derselben eine Folge der socialen Umbildung der Bevölkerung gewesen war, so wird auch ihre weitere Entwicklung beherrscht von der weiteren Umbildung der Bedölkerungszusammen- setzung Die Zeit, in der sich Berlin zu seiner heutigen Bevölkerungs- Lusanmrensetzung entwickelt hat, ist nach der angegebenen Quelle hie von 186ö— 1885. Fit dem heutigen Berlin ohne Vororte rcpräsen- ticrt die Arbeiterklasie 60 Pro�. der Bevölkerung. DaS Uebcrgcwicht des weiblichen Geschlechts aber ist in der Zeit von 1875—1885 entstanden. In ihr trat diejenige Verstärkung des weiblichen BevölkerungsznstromS vom Lande ein. die die Grundlage der heutigen Geschlechts-Zusmnmensetzung Berlins ist. Es hob sich durch diese Zuwanderung der Anteil des weiblichen Geschlechts an der Gesamtbevölkcrung von 497 auf 519 pro tausend Einwohner. Berlin ohne Vororte hatte 1895 sogar 524 Frauen auf tausend Ein- wohner. Dieser Verstärkung dcS weiblichen BevölkerungsanteilS ent- sprechend haben sich die neuen Frauenarbcitsgebiete besonders vom Anfang der siebziger bis zur Milte der achtziger Fahre ausgebildet. Diese'Entwicklung wird durch die folgende kleine Tabelle gut charakterisiert: 1867 1871 1875 1880 1835 1895 Weibliche Bevölkerung Berlins 349 273 408 909 481 203 579 501 819 171 845 180 Weibliche Erwcrbsthätige 79 792 22,6 o/o 114 591 28,0. 124 191 26,3, 152 287 26,2 229 454 28,0, 242 808 28,7, Von den EriverbSthätigeu sind in in persönl.Diensten der Industrie 42 699 12,2 0/0 29 557 8.2 o/o 49 022 12,0, 55 891 13,6„ 58 805 12,0„ 58 464 11,0„ 62 145 10,8, 74 499 12,8„ 84 913 10,3, 115 518 14,1„ 70 501 9,0„ 116 788 13,8„ Bemerkenswert ist in diesen Zahlen besonders das Zurück- gehen der D i e n st l e i st u n g c n und das Anwachsen der I u d u stri e a r b e i t. In persönlichen Diensten waren 1867 in Berlin mehr als die Hälfte der erwerbsuchenden Frauen beschäftigt! 1895 schon weit unter ein Drittel! Die Zahl der Dienenden hat sich in dem augegebenen Zeitraum noch bei weitem nicht verdoppelt, die Zahl der industriell thätiaen Frauen dagegen vervierfacht. Dazu kommt noch die starke Zunahme der in Handel und Verkehr sowie in den liberalen Berufen thätigcn Frauen. 1867 ernährten sich in diesen Zweigen etwa 7530, 1895 dagegen beinahe 50 000 Frauen in Berlin. Charakteristisch ist es ferner für die Berliner Verhältnisse, daß die starke Vermehrung der in der Industrie thätigcn Frauen zum größten TeU der B e k l e i d u n g s- G r o tz i n d n st r i e zu gute gekommen ist. Wir geben zur Illustration dieser Thatsache noch die folgende kleine Zusammenstellung: Frauen Fahr in der Bckleidungs- Großindustrie 1867. i � i. 7200 1871. i.... 31 632 1875 j 29751 1882...... 49652 1895...... 70 986 Prozentsatz auf die weibliche Bevölkerung 1.9 7,1 6.0 8,2 8,4 Ein Vergleich dieser Zahlen mit den in der obigen Tabelle für die Industrie nachgewiesenen Zahlen der tveiblichen Arbeitskräfte zeigt, daß eS die Bckleidungsbranche mit der in ihr üblichen H a u s- industrie ist. der die meisten weiblichen„Hände" zugewachsen sind,— wie diese Konfektionsindustrie überhaupt dem Vorhandensein der zahlreichen und billigen weiblichen„Hände" ihre Entstehung und Blüte in Berlin verdankt. Weibliche Vertraucnspcrsone». Selbst die sächsische Re- gierung kann sich zu der von allen Sachverständigen für durchaus notwendig gehaltenen Forderung der Anstellung weiblicher Gewerbe- Anfsichtsbcamten nicht mehr vollständig ablehnend verhalten. Es gab bereits iin Frühjahr dieses JaHreS der sächsische Bundesrats- Bevollmächtigte Dr. Fischer im Reichstage die Erklärung ab, daß die sächsische Regierung der Frage„näher getreten" sei. DaS ist sie in der That. Allzu nahe freilich nicht. Im neuen Etat fordert sie iin Kapitel Gewerbe- Aufsicht bei dem Titel„Besondere Leistungen, Hilfsdienste sc." 2000 M. mehr wie sonst und sagt zur Begründung:„Der Mehrbetrag soll zur Honoricrung weiblicher VertraucnSpersonen dienen, welche bestimmt sind, Be- schwerdcn und Mitteilungen von Arbeiterinnen entgegen zn nehmen, die sich scheuen, mit den Beamten der Gewerbe-Jnspektion unmittelbar ins Vernehmen zu treten." Daß solche Forderung nur ein Quark ist, leuchtet sofort ein, wenn man bedenkt, daß Sachsen 13 Fabrikaussichts-Bezirke hat, so daß auf jeden Bezirk 154 M. kommen. Eine Erfüllung der be- rechtigtcn Forderung der Arbeiterinnen kann nur in der Anstellung fest besoldeter Frauen mit Bcamtencharakter gefunden werden, die dieselben Aufgaben haben, wie die männlichen Assistenten. fliir den Iiivalt der Jiiscralc Lbcriilmmt die Ncdaktio« dem Pnbülnm gegenüber keinerlei BcraiilNioriiiiig. Tizeatev. Dienstag, 21. November Lperiihans. Cosi fan tutte. Ansang 7'/« Uhr. SchansviclhaiiS. Schlaraffenland. Anfang 7l/z Uhr. Neues DP er»- Theater(Kroll). Gustav Adolf-Festspicl. Anfang ly, Uhr. Tcnischcs. Der Probekandidat. An- lang 7>/, Uhr. Lessiiig. AlS ich wiederkam... An- fang TVs Uhr. Berliner. Die Herren Söhne. An- fang 7l/z Uhr. Schiller. Der Richter von Zalamea. Anfana 8 Ubr. Neues. Ein nnbeschrieheiies Blatt. Anfang 7 t/z Uhr. Weste». Die Perlcnftscher. Anfang 7'/, Uhr. Thalia. Der Platzmajor. Ansang 7t/z Uhr. Residenz. Fagdfreuden. Vorher: Familicii-Sonper. Auf. 7t/z Uhr. Lniien. Molch Carrö. Ansang 8 Uhr. Cenirnl. Die Geisha. Anfang 7t/z Uhr. Carl Weist. Der Weltuntergang. Ansang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelinstiidtisches. Ei» gesunder Junge. Anfang 8 Uhr. Victoria. Die Chansonnette. An- sang 8 Uhr. Belle> stllliance. Gastspiel des Schlierscer Bauern- Theaters. Liserl vom Schliersce. Ansang 8 Uhr. Bkctropol. Specialitöten- Vor- strllung. Niind um Berlin. An- fang 8 Uhr. Apollo. Frau Lima. Specialitälen- Vorstellung. Siiisang 7 t/z Uhr. Re chshallen. Slettiner Säuger. Ansang 8 Uhr. Palast. Susanne im Bade. Spcciali- täten-Vorflellmig. Ans. 8 Uhr. Passage> Panopttkum. Spcciali» lälc» Vorstellung. Urania. Jnvalidenstr. 57/62. Täglich abcndS von ö— lv Uhr: Stern warlc. Tanbeiistr. 48/49. Im Theater: Der Sieg des Menschen über die Nalur. Ansang 8 Uhr. Malis-'rdeater. Tel. AmtlVa 6440. Dresdenerstr. 78/73. Der Platzmajor. Thomas, Thielscher, Helmerding, Junkermann. Im 2. Akt: Gr. Atutoskop- Terzett. Anfang 74', Uhr. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag, zum 75. Male: Der Platzmajor. Sonntag, den 26. d. M.: Einmalige Ausführung: Ter BÜllionenbaner. Köpke(Millionenbaucr) Lrnil Thomas. Anfang 71/2 Uhr. Gr. Frank,'nrterstrafie 1354. Letzte Woche! Letzte Woche! Zum 49. Male: pfi* WeUnntergang. Grobes Ausstattungsstück mit Gelang in 3 Alten(15 Bildern) von Dir. Carl Weist und Jos. Dill. Musik von M. Fall. Ansang 8 Uhr. Sonnabendnachm. Zt/, Uhr: Kinder- Vorstellung: Tornroschen. Sonnabend: Gastspiel der russ. .Sosschauspicl. Elise G 0 r e w a: Johanna von Eastilicn. Lchilltt'Äitlittt (Wnllncr-Thcaieri. Dienstag, abends 8 Uhr: Itor» Itlchter von Zalamea. Echausp. in 3 Aufz. v. Calderon de la Barca, bearb. v. Ad. Wiibrandt. Mittwoch(Bubtag): <>!e»l!liIo«««n. Donners tag, abends 8 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Crntrc»! Ttzrntrr Direktion: Josb Ferenczy, Dir O r i s tz a. Anfang t/,8 Uhr. Morgen(Bubtag): Geschloffen. Donnerstag u. solgmdc Tage: Die Geisha. Sonntag, abends �8 Uhr(Totensonntag), nur einmalige Ausführung: Tie Glocke» von Eorneville. Romantische Operette in 3 Alten. �inei'ieiln-IIieAter. Dresdenerstr. 96. Dir.: Emil Schnabl. „verlm ulkt!" »L erstklassige Debnts. v-w uhr: Dmkttt WM tu seinem Couplet„Der Schwärmer". Anfang 8 Uhr. Kasseneröffn. 7 Uhr. letropul-Theater. Belirenstr. 55/57. Dir.; Dich. Schultz. Telephon Amt I, 2126. Nile. Miede. Carmen Roccas. Georg Kaiser. Familie Klein. Tarlakoff. Zalva Trio. Cabaret. Mary Wolf. Die Piccolos. Um i/,10 Uhr: Rund um Berlin. Anfang: Wochentags 8 Uhr, anSoim- und Festtagen 7t/z Uhr. Mittwoch, den 22. November, des Bub- und BcttagS wegen, bleibt Theater und Kasse gc- schlössen. Sonntag, 26. Novbr.(Totensonntag): üiniiKil. CllM. i>. SiponiKi Prevosti mit dem Ensemble d. Theat. d. Westens. Rer Troubadour. LeonoreiSignorina Prevosti. Billet-Vorverkans zu dieser Bor- stellmig findet im Mctropol-Theater statt Wnsn«« Tnnlionntrasse 418/49. Im Tlloator abends 8 Uhr: Transvaal. Vorher: Der dunkle Erdteil. Im Hörsaal: Dr. Nass:„Die Leichtmetalle''. iiivnlidenstr. 57/02: legi. Sternwarte. Nachmittags 5—10 Uhr. "Passap-Panopticum. A en! Anatomisch. 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Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittags 2Vz Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Friedhofes in Friedrichsselde aus statt. � Um zahl- .eiche Beteiligung ersucht 87/2 I>er HeMMgsrttti« Berliner Ziminerlente. Am 18. d. M. verstarb nach fünfjähriger Krankheit der Gründer unseres Vereins, der Zimmerer SK7b Herr Karl Senwitz im Alter von 59 Jahr 10 Monat. Bis zum Eintritt der Krankheit sahen mir ihn seit seinem jungen Manneoalter, rüstig und unentwegt, stets in den ersten Reihen der Kämpfer für die Besserung der arbeitenden Klassen im allgemeinen sowie seiner Berufsgenosscn im besonderen. Sein offener ehrlicher Charakter sichert ihm unser Andenken. Er ruhe in Frieden.— Die Beerdigung findet Mittwoch, den 22. d., nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des NeucnThomas- lirchhofes in Britz statt. Um rege Beteiligung bittet Oer Vorstand. Danksagang:. Sage allen meinen Freunden und Bekannten für die rege Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau tii'uci-tlnv llnttke meine» herzlichsten Dank. 9706 Karl Buttk» nebst Kindern. Orts-Krankenkasse des Töpfergewerbes zu Berlin. Mitttvoch. de» Sil. November, abends K llhr, bei Herrn L-ange, Greiiadterstraffe 15: Ordenti.Generalversamnilung der Mitglieder(Arbaltgeber und Arbeitnehmer). T.-O.: 1. Wahl von 17 Delegierten (Arbeitnehmer)§ 47 des Statuts. 2. Anträge zur Generalversammlung. 3. Verschiedenes. 194/8 Mitttvoch, de» SV. November, abends 7 llhr, bei Herrn I-auge, Grcnadierstrafte 15: Ordentl.Generalversanimlung der Delegierten(Arbeltgeber und Arbeitnehmer). T.-O.: 1. Neu- bezw. Ersatzwahl des Vorstandes(2 Arbeitgeber, 6 Arbeitnehmer). 2. Wahl des Ausschusses zur Prüfung der Rechnung pro 1899. 3. Anträge von Mitgliedern und des Borstandes Kß 14 und 15 des Statuts. 4. Verschiedene Kassenangelegenheiten. ____ Der Borstand. ! Maurer. Utiiiig! Jimnätn,' btn Ä. i>. M.,«tabs 8 llhr, in Stlte Flstsillcli, fiomwiWt 29: Grone Mitgliederversammlung der Zahlstelle Berlin II des Centralverbandes der Maurer. Tag es.- Ordnung: 3. Verschiedenes._ Ergänzungöwahl zum Ausschub. 137/19 Abrechnung vom dritten Quartal. Die Lcrbandsleitnng�_ Unserm Stmgpsbruder Georg Beständig zu feinem heutigen Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch! Arbeiter» Gesangverein„Vorwärts" (Süd-Ost). Gttzttlli-BttsaMMiMS der 270/14 Orts-Krankenkaffe für das Varbiergewerbv am Dienstag, den S8. Novbr., abends« llhr, im Rest. Pohl, Rosenthalerftraste 11—13. Tagesordnung: 1. Ergänzungswahl voll 2 Arbeitgebern als Delegierte, um 8 Uhr. 2. Ergänzungswahl von 17 Kasten- Mitgliedern als Delegierte, um 9 Uhr. Genera!-Versammlung der Delegierten Iii Uhr. 1. Protokollverlesung. 2. Neuwahl deS Vorstandes von 4 Arbeitgebern und 2 Stellvertretern. 3. Wahl von 8 Kassenmitgliedern und 4 Stellver- tretern. 4. Wahl einer Prüfmrgs- kommission. 5. Abänderung deS§ 17 des Statuts. 6. Geschäftliches. Nur majorenne'Mitglieder haben Zutritt. Kassenbuch legitimiert. Um recht pünktliches Erscheinen ersucht vor Vorittand. V. K i t s ch m a n n, Vorsitzender. Verein d. Kleber(Tapezierer) und verwandt. BcrusSgenossen. Mittwoch, den 22. November, nach- mittags 5 Uhr, bei Paster, Jnselstr. 10: \ er sam Tagesordnung: 1. Tarisberatung. 2. Bercins- angelegenheiten. 9606 NB. Nach der Versammlung ge- mütliches Zusammensein. Hoi» Vorstand. SocialdmokraMer MMverein für den 4. Der!. Relchstags-Wahllmis MW _ Dienstag, den 31. November, abends 8 llhr; Versammlung im Lokal von Brüder, Waldcmarstrahe 75. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Frltas ZnbcU üb«: „Borteile und Nachteile des neuen Jnvaliditätsgcsehes für die Arbeiterschaft." 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegcnheiten. DM- Gäste haben Zutritt. Regen Besuch erwartet Der Vorstand. NB. Den Mitgliedern zur Kenntnis, dab alle diejenigen, welche bis Oktober ihre Beiträge entrichtet haben, das Partcitags-Protokoll von Hannover gratis erhalten._ 243/17_ D. O. Achimig! Allltmig! Dienstag, den 31. November, abends 7 Uhr: Große össkiitl. Geilkralvklsllmmlllng im„Elysium", Landsberger Allee 40—41.. Tages-Ordnung: I. Bericht der Lohnkommission. 2. Veschlustfassung über unsere zu stellenden Forderungen über Lohn- und Arbeitsbedingungen. Kollegen! Es ist Eure Pflicht, in dieser Versammlung Mann für Mann zu erscheinen, es gilt Euer späteres Wohlergehen. 13/2 Die Lohnkommission. kixliorr. KoliimHdta. Rixdorf. Kranzhlndcrci n. Blnnicn- handlung von[2474C* Robert Meyer, Xo. 3. ktlarianiicneitr. Xo. 3. WidmuiigS-Kränze, Guirlanden, Ball- sträubchen, BouqnetS»c. werden sehr geschmackvoll und preiswert geliefert und Blumenhaudlttttg id Kranzbindcrci von 129322' Otto Knabe 10 a Admlral- Strasse 10a empnehlt Widmungskränze, Sträube, KotillouS, Topfgewächse aller Art. Mittwoch, den SS.' November, nachm. 4 Uhr: Orssenkl. Versülttnilung bei Münzer, Bergstraste Nr. 7. Tagesordnung: 1. Wann wollen sich die Schmiede Rixdorss organisieren? 2. Dis- kussiou. 3. Verschiedenes._ 176,3 Achtung! Cemeotterer! Zahlst. IV Berlin deS Centralverbandes der Maurer Deutschlands. Freitag, den 24. November 1893, abcudS 8 Uhr i Mitglieder-VersaHiinliiiig tm Saale des Herrn Rlnsks, Grenadierstraste 03. Tages-Ordrrung: 1. Stellungnahme zur Konferenz der Maurer der Provinz Brandenburg und Wahl eines Delegierten. 2. Wie verhalten sich die Kollegen zu unserer Lohnbciveguug im Jahre 1300? 3. Verschiedenes Kollegen! Die grobe Wichtigkeit der Tagesordnung verlangt, dah jeder Ceurcnticrer in dieser Versammlung erscheint, um die Beschlüsse der Frage der Lohnbewegung kennen zu lernen. Der Vtorstnnd der Cementierer. Die Kollegen der Firma Müller, Marx& Co. und der Aktiengesellschaft für Beton- und Monicrbau sind hierzu ganz besonders eingeladen. 67/11 Charlottenburg. Fttiu Smüi für NMchilkWe nnb WMnlsMt. Am Mittwoch tBusttog). nachm. il/2 Uhr: Oeffentlicher Vortra in der Gambrlnns-Brancrei, Wallstraste Nr. 94. Referent: Genosse tZvvrx Wazxnvr. Thema:„Die sociale Bedeutung der Naturheilkunde. � Entree 20 Pf. 270/15 Ilm pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht Der Borstand. � Oünther, � Rittcrstr. 54, Ecke Alte Jakobftrabe. Kaffee 10, lo; Thee, Milch, Chokolade zc., Weih- u. Bair. Bier. Warme Spclscn zu jeder Tageszeit. Billard Stunde 40 Ps., grobe Zeitungs-Airswahl. Plchelswerder.««•>)» vc,nbep Extrafeine fr. Blut- und Leberwurst, wozu Freunde und Bekannte ",,ay;nM" Ter alte Frcimd. ttokiunN, 0hsnlotesnku>.g! Berbailii der Fabrik-, Laild-, Hilfsarbeitern. Arbeiteriilileil Deutschlands. Zahlstelle Charlottenburg. Dienstag, den 81. November, abends 8Vi llhr. in der Gambrinus- Braucrci, VSallstraste 94: Große öffentliche Lersammlnug aller Fabrik-'und gewerblichen Arbeiter«nd Arbeiterinnen Charlottenbnrgs. Tages-Ordnung: 1. Dortrag des Genossen Dr. Borchardt über die Marxsche Wert- lehre. 2. Diskussion. 3. Berichterstattung der Delegierten von der Gewerk- schastSkommission und Neuwahl von zwei Delegierten zur GewerkschastS- kommission. 4. Verschiedenes. 64/19 IMv Ortsvorsvaltnns;. Kakao- Frühstück Gemüse« und Kraftsuppen Bouillon-Kapseln Suppen-Würze in stets vorzüglicher(Qualität zu haben bei Franz Kaiser, NO., Marlenbnrgerslr. 30. ZOmMe üolüilinili für Uubemittelte. 30342» Sprechstunde von 8>/,— g>/, und 12>/z— 1'/- Uhr. «hielia. Elisabethstraste 34. �ie heMsteil ßermpartien hm'ih Eichemval!» Pferdebncht«..Kiekemal. sind die nach das berühmte Wurstessen statt. In Pferdcbncht findet am Busttag Speisen und Getränke vorzüglich...„.. F' G. liüdlcke. W. Brüsewstz. Spccialität: Porträts ---------,_________ socialistischer Führer,» LassaUc, Niarr zc. in Zigarrenspitzen, Pseifcn, Nadeln, Bechen, Knöpfen, Büsten Bilden» n. dgl., sowie jede Drcchslerwaare u. Repar.(Man vcrl. Preiskurant, B. 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