Unterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 224. Donnerstag, de» 16. November 1905 (Nachdruck verboten.) 4] Die kwerta. Roman von V. Blasco Jbanez. Autorisierte Ucbcrsetzung von Wilhelm Thal. -iMer Barret. dem der Besitz eines jungen kraftigen Pferdes neuen Mut verlieh, begann die Arbeit mit vollem Eifer. Doch schon hatten ihn die Unruhen und Anstrengungen ausgepumpt: er war nur noch Haut und Knochen, und seine berühmte Mütze saß traurig auf seinem abgemagerten Kopfe. Fast der ganze Ertrag der Kulturen wurde von der Familie aufgebraucht, und die wenigen Heller, die der Berkauf des Gemüses auf dem Markte zu Valencia einbrachte, reichten niemals hin, um am Verfalltage die nötige Summe aufzu- bringen. Die Nutzlosigkeit dieser übermenschlichen Arbeit und die Ungerechtigkeit der Vorwiirfe, die ihm Don Salvador inachte, erregten zmveilen in ihm einen dumpfen Widerspruch, und verworrene Gedanken von Gereclitigkeit blitzten in seinem dicken Schädel auf:„Warum gehörten diese Felder nicht ihm? Alle seine Vorfahren hatten diese Erdklumpen mit ihrem Schweiße benetzt und dabei ihr Leben gelassen. Ohne sie, ohne die Barrels, gäbe es hier nur eine starre Heide, unwirt- lich wie das Meeresgestade. Und jetzt schnürte er ihm die Gurgel zu und mordete ihn mit seinen Mahnbesuchen, dieser herzlose Geizhals; er war der Besitzer, obwohl er nicht ein- mal einen Spaten halten konnte und sich sein Lebtag nicht über die Furchen geneigt hatte. Christo! Wie die Menschen doch alles verdrehen und verkehren!" Doch diese Zornesanwandlnngen waren nur vorüber- gehend, und der Bauer versank schnell wieder in seine passive Unterwürfigkeit, in seinen hergebrachten, abergläubischen Respekt vor dem Eigentum, er bekehrte sich bald wieder zu der von den Vätern ererbten Anschauung, daß inan arbeiten und ehrlich bleiben müsse. Für ihn bestand die größte Schande darin, daß er seine Schulden nicht bezahlen konnte, wie es das größte Unglück gewesen wäre, ein Stückchen von den Aeckern zu verlieren, die seine Vorfahren bebaut hatten. Zur Weihnachtszeit konnte er Don Salvador nur einen kleinen Teil des Pachtzinses bezahlen. Zu Johanni hatte er keinen einzigen Heller beiseite legen können, seine Frau war krank gewesen, und der Arzt- und Apothekerkosten wegen hatte er sogar das„Hochzeitsgold", die ehrwürdigen Ohrringe und das Perlenhalsband, vertaufen müssen, die den Schatz der Familie bildeten, und deren künftiger Besitz Streitigkeiten unter den vier Töchtern hervorrief. Der Besitzer wollte keine Vernunft annehmen. Nein, das konnte nicht so weitergehen. Uebrigens waren die Aecker für Barrets Kchäfte offenbar viel zu groß und Don Salvador, der, was man auch sagen mochte, ein gutes Herz hatte, wollte nie dulden, daß ein Pächter sich tot arbeitete. Außerdem machte man ihm vorteilhafte Vorschläge wegen eines neuen Pacht- Vertrages und infolgedessen teilte er Barret mit, daß er das Gehöft so schnell wie möglich zu räumen habe. Es täte ihm sehr leid, aber er wäre selbst arm... Ach ja! Bei derselben Gelegenheit erinnerte er ihn daran, daß er die für das Pferd geliehene Summe zurückzuzahlen habe, die mit den Zinsen und Zinseszinsen einen Betrag ausmachten von.... Der Bauer achtete nicht einmal ans die Hunderte von Duros, zu denen die ursprüngliche Schuld mit den schönen Zinsen angewachsen war, so sehr hatte ihn der Befehl, das Gehöft zu verlassen, zerschmettert. Sein von einem lang- jährigen gräßlichen Kampfe gebrochener Charakter gab Plötz- lich nach. Er, der nie geweint, heulte jetzt wie ein Kind. Sein ganzer Stolz, sein ganzer maurischer Ernst schwand: er warf sich dem alten Wucherer zu Füßen, flehte ihn um Mitleid an und erklärte ihm, er würde ihn wie einen Vater verehren und segnen. Einen traurigen Vater hatte sich der arme Barret da aus- gesucht. Don Salvador war unerbittlich. Es täte ihm sehr leid, aber er könnte nichts dazu tun, er wäre auch arm und müsse an das Brot für seine Kinder denken. Der Bauer wurde es müde., um Mtleid zu flehen, er bc- gab sich mehrmals zu dem Besitzer nach Valencia, schalt, wütete, sprach von seinen Vorfahren, von den Rechten, die er auf die Besitzung hätte, so daß ihn Don Salvador schließlich vor die Tür setzen ließ. Die Verzweiflung gab Barrel seine Energie zurück. Eo wurde wieder der stolze, entschlossene Sohn der Huerta, der das Recht für sich zu haben glaubte. Sein Herr wollte ihn nicht hören, er weigerte sich auch, ihm die geringste Hoffnung zu lassen? Gut! Von jetzt ab brauchte er keine weiteren Umstände mehr zu machen; wenn er mit ihm sprechen wollte. so konnte er zu ihn) kommen. Man würde ja sehen, ob jemand keck genug war, ihn aus seinem Hause herauszu» bringen! Und er arbeitete weiter, war aber auf seiner Hut und beobachtete jede ihm unbekannte Person genau, die in der Nähe auftauchte, als erwartete er jeden Augenblick, von einer Ränberschar angegriffen zu werden. Er wurde vor daS Gericht befohlen, erschien aber nicht. Er wußte ganz genau, was das zu bedeuten hatte, das waren Fallen, um ehrliche Leute ins Unglück zu bringen: wenn inan ihn bestehlen wollte, nun gut, so sollte man ihn auf den Feldern aufsuchen, die Stücke seines Lebens waren, und die er als solche auch verteidigen wollte. Eines Morgens teilte man ihm mit, nachmittags würden die Leute vom Gericht kommen, um gegen ihn vorzugehen, sie würden ihn aus seinem Hause treiben lind zur Deckung seiner schulden alles pfänden. was in der Hütte war: in der nächsten Nacht würde er nicht mehr darin schlafen. Diese Nachricht erschien ihm so seltsam, daß er ihr keinen Glauben schenken wollte. Das war gut für die Spitzbuben, für die, die nie bezahlt hatten. Aber er. der sich stets das Blut aus dem Leibe gearbeitet, um seinen Verpflichtungen nachzukommen, er, der auf diesem Grund und Boden geboren war... ach, warum nicht gar... Schließlich lebte man doch nicht unter Wilden, die kein Mitleid und keine Religion besaßen!... Doch als er am Nachmittag auf dem Wege schwarzgekleidete Herren, häßliche Leichenvögel, mit Papierrollen unter dem Arm auftauchen sah, da hegte er keinen Zweifel mehr. Das war der Feind. Diese Leute wollten ihn plündern. Er fühlte, wie die blinde Tapferkeit des Mauren in ihm erivachte, der alle Beleidigungen erträgt, aber vor Wut wahnsinnig wird, wenn man an sein Eigentum rührt: und schnell eilte er in seine Hütte, packte das alte Gewehr, das er stets geladen hinter der Tür stehen hatte. stellte sich unter das Spalier und riß das Gewehr an die Backe, fest entschlossen, auf den ersten dieser Diebe von Gc- richtsmenschen. der den Fuß auf seinen Acker setzen würde, zwei tüchtige Kugeln abzugeben. Seine Frau, die krank war, und seine vier Töchter stürzten wie die Wilden schreiend heraus, klammerten sich an ihn und versuchten, ihm die Waffe zu entreißen, deren Lauf sie mit beiden Händen gepackt hatten. Und dieser Kampf, in dem sie sich hin und her zerrten und von einem Ende des Spaliers zum anderen stießen, erregte einen solchen Lärm, daß die Bewohner der benachbarten Gehöfte herauskamen und herbei- liefen. Pimento bemächtigte sich des Gewehres und nahm es kluger Weise mit nach Sause. Barret folgte ihm, von einigen kräftigen Burschen gehalten: vergeblich versuchte er die Waffe wieder zu fassen, und so tobte er denn seine ohnmächtige Wut in Schimpfworten ans diesen 51crl aus, der ihn hinderte. sein Eigentum zu verteidigen. „Pimento! Gib, gib mir mein Gewehr zurück!" Doch Pimento lächelte mit nachsichtiger Miene: er freute sich, daß er dem wütenden Alten gegenüber den gutmütigen. väterlichen Freund spielen konnte. So kamen sie bis zu Pimentos Haus, wo man den Unglücklichen hineinschleppte und ihm, unter Beobachtung der geringsten Bewegungen, Moral zu predigen und Ratschläge zu geben begann, damit er keine Dummheit begehen sollte.„Uhr mußtet doch die Augen aufmachen. Vater Barret, es waren doch Gerichtsmenschen, und wenn der Arme die angreift, behält er nie die Oberhand. Mit Ruhe und List erreicht man immer sein Ziel." Währenddem schrieben die häßlichen schwarzen Vögel ein Stück Papier nach dem andern in Barrets Hütte voll, warfen mitleidslos die Sachen und die Möbel durcheinander, notierten alles, bis auf den Stall und den Hühnerhof, während die Mutter und die Töchter vor Verzweiflung jammerten, und die Cor der Tür versammelte Menge wie ein bestürzter Chor dieser Tragödie entsetzt den einzelnen Phasen des Gerichts- Versahrens folgte. Dabei bemühte man sich, die armen Frauen zu trösten und stiest dumpfe Flüche gegen diese Kanaille von San Salvador und die Individuen aus, die sich dazu her- gaben, den Willen eines solchen Hundes auszuführen. Als die Dunkelheit hereinbrach, war alles vorüber. Die schwarzen Männer hatten die Tür geschlossen und den Schlüssel mitgenommen; und es blieben den Ausgetriebenen nichts weiter als zwei bis drei Bündel init alter Wäsche, ab- getragenen Sachen und ein Beutel mit Werkzeugen; das war alles, was sie aus der Wohnung mitnehmen durften. Die im Fieber zitternde Frau und die von Schluchzen ge- schüttelten Töchter flüchteten sich zu einer Nachbarin, die ihnen Obdach angeboten hatte. Die Leute in der Huerta waren gute Menschen, die sie sehr lieb hatten, allerdings war man nicht reich, aber in Ermangelung eines Besseren konnte man doch wenigstens eine Matte teilen. Der Vater war unter der Obhut Pimentos geblieben. Sie setzten sich auf Strohstühlen bei matten Licht eines hängenden Lämpchens gegenüber und rauchten eine Zigarette nach der andern. Nach seinem Wutanfall war der arme Mann in Stumpfsinn verfallen; der andere bemühte sich, ihn auf- zurichten und ihm ein bistchen Mut einzusprechen. Zum Teufel, man mußte sich wegen eines solchen Halllinken voll Wucherers doch nicht so aufregen! Wenn Don Salvador das sähe, würde er sich erst recht frelicn. Die Stunde der Abend- Mahlzeit war da, und es war das beste, einen Bissen zu genießen.... Doch Barret gab keine Antwort, sondern sprach nur in einzelnen Silben; von Zeit zu Zeit wieder- holte er mechanisch: „Piments, gib mir die Büchse wieder!" Pimento lächelte mit geheimer Bewunderung für diesen alten Mann, den die Huerta stets für einen kleinmütigen Menschen gehalten hatte, und der plötzlich diese wilde Wut zeigte. Ihm sein Gewehr zurückgeben... ja gewiß... gleich... man sah es an seiner krausen Stirn, was er da- mit anfangen wollte!... Und der Alte bestand darauf, jammerte, wütete und beschuldigte Pimento des Verrates. Um neun Uhr abends erklärte er, er wolle nicht länger unter dem Dache eines falschen Freundes bleiben, der mit seinem Henker gemeinsame Sache machte, und erhob sich, um fortzugehen. Pimento versuchte nicht, ihm den Weg zu versperren. Um diese Zeit konnte der Alte nichts Böses mehr anrichten, mochte er doch unter freiem Himmel schlafen, wenn er durch- aus Lust dazu hatte! Und Pimento schloß seine Tür und legte sich nieder. (Fortsetzung folgt.) Hm den ßcrlincr Kunftlalon� Dänemark verfügt über eine ganze Anzahl von Künstlern, denen allen eine gervisse Reife und Sicherheit des Arbeitens eigen ist. Es zeigt sich da eine der französischen Kultur ähnliche Feinheit der Auffassung und Technik, dabei aber fehlt das Scharf-Prononcierte, das für Frankreich charakteristisch ist. Ein solcher Künstler einer seinen, aber zugleich noch starken Kultur ist der Däne Peter Severin Kroyer, von dem bei Keller u. Reiner eine ganze Reihe von Arbeiten zu sehen sind. Kroyer hat eine ausgesprochene Lorliebe für das Zeichnen. Er modelliert plastisch genau den Körper, die Hand, das Gesicht. Er bedient sich dabei mit Vorliebe des Pastells, dem er eine seltene Kraft und Festigkeit durch die Art, wie er es behandelt, gibt. Seine Pastellarbciten zeichnen sich schon durch ein riesenhaftes Format aus. Lebensgroße Figuren stellt er dar, stellt sie zu Gruppen zu- sammen. Dabei benutzt er geschidt das Papier als Untergrund mit, und es ist interessant, zu verfolgen, wie er aus einem Gewirr leichter, farbiger Striche einen Körper in voller Anschaulichkeit und Gegenwart erstehen läßt. Uebcrall sieht das getönte Papier hin- durch, die Farbe ist nur wie ein netzartiger Uebcrzug. So zwingt Kroyer nicht die leichte Technik zu außer ihr liegenden Zielen. Dennoch aber gelingt es ihm, dem Pastell einen ernsten, künstlerisch herben Ausdruck zu geben. Die zeichnerische Struktur eines solchen Riesenblattes, das seiner Größe wegen oft Falten wirst, ist be- wundernLwert. Lebhaftigkeit zeichnet da? Doppclbild eines Sängers und einer Sängerin aus, er begleitet auf der Mandoline, sie singt, gelbliches Licht liegt im Raum und beleuchtet matt die Gesichter, die Hände, die Kleider. Dagegen wirkt das große Porträt einer schwarz gekleideten Dame in ganzer Figur strenger. Es ist trotz seiner farbigen Ausführung fast nur als eine Zeichnung zu werten. Es ist fest hingeschrieben, kein Strich ist unsicher. Eine weichere Behandlung hat der Künstler dem Porträt einer Mutter mit der Tuelster beim Arbeiten sitzend zuteil werden lassen. Auch hier scheint das Papier überall durch und wirkt als Farbe mit. Man würde aber fehl gehen, wollte man nun etwa annehmen, die Farbe als solche wäre Kroizer fremd, und er wäre nur als Zeichner anzusehen. Daß er eine ebenso ausschließliche Freude an der Farbe hat, das beweist eine Reihe kleiner Landschaften, die ganz auf malerisch-farbige Erscheinung gestimmt sind. Meist kleine Ausschnitte, Mcerbilder, Gebirgsszenen. Die crsteren zeichnen sich durch den bläulichen Dunst aus, der über dem stillen Wasser liegt, so daß Wasser und Strand sich leicht zu verwischen scheinen. Jede Einzelfarbe geht unter in dem flüssigen Ganzen der Erscheinung, und das Bild wirkt wie ein einziger, harmonischer Tonwert. Leb- hafter gestaltet Krotzer diese Motive, indem er den nackten Körper eines ins Wasser patschenden Knaben zu der bläulich schimmernden Flut in Gegensatz bringt. Die Gebirgsbilder sind ebensalls denkbar einfach. Es fesselt den Künstler auch hier die malerische Luft- erscheinung, das Zusammengehen des satten, tiefen Grün, in dem schon eine dunkle Nuance enthalten ist, und des matten Grau der Wolken und des Himmels. Dadurch wirkt solch Bild sehr einheit- lich, ruhig und eindringlich. An die Jnterieurbildcr Menzels mahnen die kleinen Bilder, auf denen eine Gesellschaft, eine Versammlung, die von haschendem, sanftem Licht beleuchtet wird, dargestellt ist. Der Gesamtton ist graugrün, und es flimmert darüber hin von zuckenden Strahlen, die das sich brechende Licht wirft. Eine warm« Jnnenlust webt in diesen Bildern, auf denen alle scharfen Konturen leise verwischt sind, und doch jeder einzelne in seiner körperlichen Erscheinung fest dasteht. Zum Schluß seien noch die freien, kräftigen Radierungen Kroyers erwähnt, die die sichere Zeichnung des Künstlers von neuem belvähren. Aus einer Unsumme von Strichen und Strichelchen fügt sich plastisch und groß ein Kopf zusammen, der zuletzt leicht und sicher dasteht. »» « Eine reichhaltige Stilleben samm lun g, die aber recht ziellos zusammengesucht erscheint, bietet eine große Ausivahl für jeden Geschmack. Da ist eine ganze Kolleltion von in holländischer Manier dunkel gemalten Stilleben. Tann leichter und etwas dustiger Blumenarrangements, ohne daß etwas Bemerkenswertes charatte- ristisch sich heraushebt. Am meisten fallen die Franzosen auf. Da ist Manet mit seinem berühmten.Bund Spargel", der auf kraßgrüner Unterlage liegt und kühl weiß und lila leuchtet. Dann M o n e t, der weniger monumental als Manet eine reichere Earbigkeit erstehen läßt, er bringt rotgelbes Obst und graue ühncr auf weißer Decke zusammen. Dann der resolute C e z a n n e, der ein paar Aepfel auf weißer Decke zeigt, er ist derber als Monet und farbiger als Manet. Er hat eine entschlossene, temperament- volle Handschrift, er vereinsacht und unterstreicht die Hauptfarben und ist in dem Finden dieser so sicher, daß er mit wenigem erreicht, n-as sich vielen bei noch so«ingehcndcr Behandlung versagt: die Fülle und Plastik der farbigen Erscheinung. Raffinierter, koketter ist L u c i e n Simon, dessen Farbenwelt die prickelnden Nuancen liebt. Seine malerische Behandlung ist leicht und pikant und man denkt bei ihm zugleich an Japan und an das Rokoko. Wie er leicht einen Zweig aus einer Vase aussteigend malt und dahinter einen Ausblick durch eine offenstehende Tür gibt, das ist apart gesehen und gemalt. Unter den modernen Deutschen sind zwei bemerkcns- wert, Robert Breyer und Adolf Hälzcl, der«ine Berliner, der zweite Dachauer. Beide sind in ihrer Art charokte- ristisch. Breyer folgt den französischen Spuren. Er liebt die breite Wirkung, die zugleich etwas Sicheres, Elegantes hat. Er stellt japanische und chinesische Vasen zusammen, und es gelingt ihm namentlich gut, den weichen Schmelz des gclblich-wcißcn Stein» guts, auf dem in Blau ein Dekor erscheint, zu malen. Eigen- artiger ist Holzel. Er steht ganz auf eigenen Füßen. Die Münchcner Tradition, die Vorliebe für das Farbige hat er über- nommen. Er bildet sie eigen auS. Ein außerordentlich reicher Wechsel von Nuancen, die alle auf ein trübes Gelb, das den Ton der Luft im Zimmer fein wiedergibt, zusammengehen und sich äußerst subtil aus kleinsten Teilen zusammensetzen, macht das kleine Stilleben zu einem feinen Werk, das nian gern und lange bc- trachten kann. *• # Im KünstlerhauS ist eine Kollektivausstellung von Werken JosefBlockszu sehen, eines Künstlers, dessen Arbeit im ganzen vielleicht ungleich ist, der aber dennoch durch manches Interessante fesselt. Seine Entwickelung, die hier annähernd zu übersehen ist, wirft manches Licht auf die Perioden, die im allgemeinen die Malerei unserer Zeit durchmachte. Da sehen wir Genrebilder und dunkle, trübe Porträts, wie sie früher beliebt waren. Auch große religiöse Bilder malte Block, die sich durch eine großzügige Kam- Position auszeichnen, deren Eindruck erhöht wird durch gut zu- sammengestimmte Farbenflächen. Dann kommen Porträts, die an Lenbach und Samoergcr erinnern, eine pikante Farbenzusammen- stellung, eine etwas nervöse Manier, besonders bei Fraucnköpfen auffallend. Speziell an den Münchcner Sambergcr mahnt ein Herrenporträt, das sehr momentan aufgefaßt ist und mit seinen grellen Gegensätzen, schwarz und braungelb und weiß, sich plötzlich hervordrängt, Tann aber werden die Farben weicher und voller. Die Porträts, die er nun malt, haben eine altmeisterliche Ruhe und zeigen eine souveräne Beherrschung des Materials, es ist ein ewiger Wechsel, ein weiches Jneinanderübergehen der Farben darin, und doch ist der Gesamtcindruck ein geschlossener. Es gelingt dem Künstler, den schwarzen Anzug farbig zu beleben und ihn als Einheit zu geben, so daß der Kopf schliesslich doch im Mittelpunkt steht. Nichts wirkt tot auf den Bildern dieser Zeit, alle Stellen sind irgendwie malerisch bedacht. Dann scheint der Künstler in das Stromwasser der neuen Malerei gekommen zu sein. Plötzlich werden alle Farben leicht, und eine lichte Farbigkcit, bei der ein zartes Grau als Hintergrund dominiert, macht sich überall bemerk- bar. Es ist. als ob plötzlich ein Fenster geöffnet wird und Licht flutet voll herein. Die schweren, düsteren Atelierfarben schwinden, und das reine Tageslicht breitet sich über alle Dinge aus. Da malt nun Block allerlei farbig reizvolle Dinge. Damen im Masken- kostüm mit breitem, grauem oder gelbem Pierrothut, ein feiner, vor einem Spiegel auf weissem Fell sitzender Rückenakt mit deli- kalen, ruhigen Farbentönen, Stilleben(dunkle Flaschen auf glattem Tisch, der die Farbe hell reflektiert) und das Bild eines auf dem Sofa sitzenden jungen Mannes mit rotblondem Haar, während das Sofa, der Anzug in trübem, grünlichem Grau gehalten sind. Der „Träumer" ist das Bild betitelt. Leise und weich gehen die Farben ineinander über und scheinen wie gedämpft, wie hinter einem Schleier. Dies ist sicher eines der feinsten Bilder von Block, und vergleicht man die früheren,, schweren Porträts damit, so merkt man den Unterschied und den Fortschritt. Es verliert sich immer mehr das Absichtliche im Arrangement, immer stärker drängt sich das Interesse für die malerische Erfassung eines Motivs vor, und daS Inhaltliche tritt zurück. So lösen sich auch die dunklen, saucigcn Farben und es macht sich eine hellere, leichtere, natürlichere Koloristik bemerkbar. Datz der Künstler diesen typischen Entwicke- lungsgang so resolut durchmacht, zeugt von seinem intelligenten Können, und darum bietet die Aufeinanderfolge dieser Arbeiten viel Lehrreiches. Sie ist im kleinen eine Vorlesung über die Entwickclung der gegenwärtigen Malerei überhaupt. » Die Arbeiten des jungen Bildhauers Walter Schmarje zeugen von solider Fertigkeit. Tie gelb getönte Büste einer Dame ist geschmackvoll und einfach. Die Brunnenanlage gefällt ebenfalls durch die Abwesenheit jedes Bombastes. Doch scheint der siemlich unmotiviert aufgestellte weibliche Akt als Mittelpunkt des Brunnens zu wenig die Anlage künstlerisch zu konzentrieren. Gut wirkt das Verhältnis zwischen dem Mittelbau, der nicht zu hoch ist, und dem breiten, einfachen flachen Becken. Auch die in Bronze gearbeitete.Römerin" ist eine gefällige, tüchtige Arbeit. Im ganzen haben wir es in Schmarje mit einem ernst strebenden Künstler zu tun, dem aber die markante Persönlichkeit noch mangelt, man ist aber erfreut, eincin tüchtigen Können zu bc- gcgnen, dem Acusserlichkeitcn fremd sind, und der einen Sinn für formales Empfinden hat. » Es sei noch ein ausgezeichnetes Bild von Menzel erwähnt, das hier zur Ausstellung gelangt. Es stellt einen Falken dar, der hoch oben im Luftraum auf eine Taube herabstösst. Der blaue Raum ist vorzüglich gemalt, ist voller Licht, so dass man es merk- lich spürt, sich hoch über der Erde zu befinden. Fn dieses Blau ist prächtig der braune Körper des Falken hinemgesetzt, voller Leben, wie er mit plötzlicher, scharfer Wendung herabstösst. Das Tier ist vorzüglich gezeichnet, die Bewegung ganz momentan crfasst und äusserst temperamentvoll. Unter ihm die Taube, deren graue Federn sich sträuben. Das ganze Bild ist von packender Lcbenswahrheit und legt wieder Zeugnis ab von dem gradczu erstaunlichen, exakten und scharfen Sehen Menzels, dem die Hand so sicher und schnell folgte. Das Bild ist 1843 gemalt, war bisher kaum bekannt. Menzel machte es seinerzeit einem Schützenverein zum Geschenk.— Ernst Schur. Kleines feirilleton. tz. Ein Auftrag. Die junge Frau ging, da« zweijährige Kind auf dem Arm, singend in der Stube auf und ab. Zuweilen machte sie einige Tanzschritte. Dann jauchzte der Kleine:„Bata l Vata!" und drehte den Kopf nach allen Seiten. „Vater is noch nich da. Vater mnss arbeiten. Aber bald kommt Bater nach Haus. Ei ja! Dann nimmt er den kleinen Otte und Mt'n s o hoch!" Sie hob das Kind empor. ES jubelte und strampelte mit den Beinchen. „Da in die Ecke an'n Ofen setzen wir uns. Den Tisch rücken wir ran. Und die Lanipe— ei, die blitzeblanke Knckelampe I Und alle zusaminen essen ivir. Vater, Mutter und Otte. Otte kommt auf Varerns Schoss und Vater spielt mit Otten. Ei, ei I" „Vata, Vata!" Der Kleine wippte freudig hin und her, spitzte den Mund und lallte:„Pff, psf, Vata Darre." „Ja, Vater raucht'ne Zigarre." Ei» Windstoss prallte an die Fenster und schüttelte fie. Dann ging es: tack, tack, tack. Dicke Tropfen. „Hu I Was fllr'n Wetter is I Wie der Wind puft't! Hu I Und der Regen I" „Hu, hui" Der Kleine riß die Augen auf. „Vater wird schön nass werden." Die junge Frau befühlte den Ofen.„Schön warm. Da werden wir wohl nachher Vaterns Jacke aufhängen müssen." „Vata Acke," echote es aus Ottos Munde.„Mutta fingen.� Sie begann also wieder:„Sah einKnab' ein Röslein sieh»—.* Ein undeuiliches Geräusch liess sie stocken.„Rann?" Sie horchte. „Es hat doch»ich geklopft?" Es klopsle stärker, aber merkwürdig zaghast. „Vata I" jauchzte der Kleine, die Arme nach der Tür streckend. „Vata I Vata I" „Ree." Sie sah unwillkürlich nach der Uhr.„DaS kann doch Vater noch nick sein." Als sie öffnete, stand draußen auf dem Treppenflur ein Mann mit triefendem Hute, den Mantel aufgescblagen, glitzernde Tropfen im Bart. Die Hände fuhren zittrig am Mantel entlang, als wollten sie die Nässe abstreifen, und die Augen folgten seltsam hartnäckig diesen Beweg ange». Ohne aufzusehen, grüßte der Mann:„Nabend. Frau Lange." Sie sah ihn erst forschend an. Dann sagte sie, leicht aufatmend: „Ach. Sie siud's, Herr Schneider. Ich Hab doch beinah'n Schreck gekriegt. Aber konunen Sie man'rein in die warme Stube. So nass wie Sie sind I" Er folgte zögernd, hüstelnd, sich in den Kragen greifend, den triefenden Hut in der Hand hin- und herschwenkend und vermied es noch immer, die junge Frau onzusehcii.„Kalt ist's." sagte er fröstelnd und rieb sich die Hände.„Windig. Schauderhaft!" Er ging gleich in die dunkle Ecke an den Ofen, wo sein Gesicht im Schatten war. „Richtig!" sagte Frau Lange,„heut is ja Skatabend I Und ich wundere mir, wo Sie herkomnien. Wollen Sie sich nich den Ueber» zieher ausziehen? Der hat doch keinen trockenen Faden." Sie faßte an. Er wehrte sich.„Och nee. Ich bleibe nich lange." Sie lachte:„Sie sind jut. Herr Schneider. Vor zwölfen is doch nich dran zu denken. Und wenn ich nich'n Ende mache und die Lampe anspuste, denn wllrd's noch mal zwölfe werden— bei'» Skat." Weil sie lächelte, lächelte er auch, drehte den Hut in der Hand und tagte:„Richtig. Skatabend. Das Hütt' ich wahrhaftig bald vergessen." Sie schüttelte den Kopf:„Aus Ihn' soll einer klug werden. Oder wollen Sie vorher noch was besorgen?" „Ja. Ich Hab' noch was zu besorgen." Er sah ratlos zur Seite.„Vor acht— ich meine: vor acht saugen wir ja keinmal an." Er ftöstelte. Frau Lange sah ihn forschend an:„Sind Sie krank, Herr Schneider? Woll'n Sie'ne Tasse heissen Kaffee?" „Och nee." Er wehrte energisch ab.„Es is weiter nicht«. 'ne kleine Erkältung vielleicht. Draußen is nämlich furchtbar schlechte! Weller. Der Wind— und— und denn— der Regen, ja. Hören Sie bloß mall" „Ja, Vater wird ordentlich nass werden." Er senkte den Kopf noch tiefer und würgte an dem ersten Wort. Sagen mußte er's doch l Er hatte ja den Ruftrag über» nommen!... Und zum hundertsten Male überlegte er, wie er be- ginnen solle.. Er schrak plötzlich auf. Er hatte alles um sich her ver- gesien gehabt. Wie lange zauderte er nun schon? Er wußte eS nicht. Frau Lange begann, den Tisch zum Abendeffcn herzurichten. Der kleine Otto stand auf dem Sofa, tippte an«in Bild, das an der Wand hing und lallte:„Vata! Vata I" „Ja". Frau Lange wandte sich lächelnd an Schneider.„WaS der ohne fein' Vater anfangen sollte, weiß ich auch nich. Aata k Vata I Das is der Beste I Er läßt'n nämlich immer Huckepack reiten." Und zum Kinde:„Nu muß Vater auch bald kommen." Jäh. ganz unvermittelt kehrte sie sich, Befremden in Blick und Miene, zu dem Kollegen ibres Mannes:„Aber Sie arbeiten doch mit Heinrich aus einem Bau jetzt?" „Ja", er nickte eifrig.„Heut haben wir die Vorderseite ge- strichen. Bis iuS zweite Stock waren wir schon—" Sie trat mit großen Augen zu ihm heran:„Sagen Sie mal, Schneider: haben Sie getrunken? WaS is denn das bloß mit Ihn'?" Er lachte. Ein seltsames Lachen. „Kriegen Sie bloß keinen Schreck. Frau Schneider." „Schreck? Schreck?" In ihren Augen flackerte die Angst auf; daS Herz ging in heftigen Stößen. Er war plötzlich wie verwandelt, nahm allen Mut zusammen, ergriff sie bei der Hand und führte sie zu eincin Stuhl; dann nahm er den Kleinen vom Sofa und hielt ihn auf dem Arm:«ES ist'n Unglück passiert, Frau Lange." „Ach!" Sie ichrie auf und fuhr hoch:„Heinrich I" Er drückte sie wieder auf den Stuhl:„Seien Sie mal ganz ruhig. Frau Lange, ja?" Ihre Augen füllten sich. Sie nickte resigniert:„Heinrich is toi." „Ree. Tot nich. Er lebt noch. Und der Arzt meint, daß er durchkommt." Sie iveinte nur still. ,'n Tau ist gerissen. Muß sich durchgescheuert haben.'S Gerüst is den ganzen Tag hin- und hergeschaukett von dem Wind. Ich Hab mich man noch eben festgehalten." Sie sprang auf:„Wo is er?" Lies zum Schrank und zog sich einen Mantel an. Nahm den Kleinen und hüllte ihn in ein llmschlagehtch. Komin, Otte, Vätern besuchen/' Schneider wollte sie festhalten:„In der Charit« liegt er. ES darf Keiner zu ihm'rein." „WnZ?" Sie schrie ei mit zornigen Augen.„Ich, seine Frau. komm»ich zu ihm? Na, das looll'n wir doch erst mal seh'nl" Sie eilte fahrig hin und her. Plötzlich wandte sie sich mit Haßerfüllten Blicken zu dem Ueberbringer der Nachricht:„Und Sie quatschen auch erst hin und her und stehen da Ivie Nulpe. Und mein Mann kann sterben— und ich hab'n nich»och mal gesehn 1" Sie eilte zur Tür. Schneider war ganz blaß geworden. Er setzte den Hut auf und sagte leise:„Ich wünsch' Ihnen nich, Frau Lange, daß Sie mal so'ne Nachricht zu bringen haben. Wir sind doch alle keine Kinder auf'n Bau. aber d a S wollte keiner machen.— Und nu' werd' ich 'ne Droschke besorgen. Und dann fahren wir hin. Aber haben Sie bloß nich solche schreckliche Angst,— da? kann ja kein Mensch niit ansehen!"— Er eilte die Treppe hinunter.— ic. Die Sonne als Ozonquelle. Das Ozon gehört zu den populärsten Chemikalien. ES ist eigentlich weder ein Element noch eine Verbindung, sondern eine Form von Sauerstoff in einem ge-- wissen Zustand der Verdichtung oder der Anreicherung. Seit langer Zeit, fast so lange als man das Ozon überl?aupt kennt, sind ihm besonders wohltätige Eigenschaften zugeschrieben worden. Nament- lich führt nl«n«uf seine vermehrte Anwesenheit die besonders er- frischende Wirkung der See- oder Gebirgsluft zurück. Es ist in gewissem Grade denkbar, daß eine ozonhaltige Luft einen förder- lichcu Einfluß auf die Ernährung und damit eine günstige Wirkung auf das Allgemeinbefinden des Menschen ausübt, weil die Ver- brennungsvorgängc im Körper durch die verstärkte Aufnahme von Sauerstoff beschleunigt werden. Es wäre aber auch denkbar, daß dem Ozon ein unverdientes Lob zuteil geworden ist, und daß seine Gegenwart in der Lust nichts anderes bedeutet, als daß die Atmo- sphärc frei von Verunreinigungen ist. Alsdann würde das Ozon nur ein Merkmal frischer Luft sein, die ihre Vorzüge an sich und nicht im Ozon besitzt. Man hat sogar bezweifelt, ob das Ozon in nennenswerter Menge in der Luft vorkommt. Andererseits ist der Gegenwart von Wasserstoffsuperoxyd eine größere Bedeutung beigemch'en worden. Sicher ist, daß die Ozonmenge in der Luft nur gering sein kann, wenn sie ausschließlich auf die elektrischen Entladungen bei Gewittern zurückzuführen wäre. Indes hat die Ratnr, wie ein Mitarbeiter des„Lancet" ausführt, noch andere wahrscheinlich wirksamere Mittel zur Erzeugung von Ozon. Ozon entsteht z. B., wenn Phosphor in feuchter Luft langsam oxydiert. Noch bekannter ist die Bildung von Ozon, wenn nasse Wäsche einem scharfen trocknen Wind ausgesetzt wird. Noch viel bedeutsamer aber ist vermutlich die Erzeugung von Ozon durch Licht und namentlich durch die ultravioletten oder sogenannten chemischen Strahlen der Sonne. Es ist überhaupt nicht unwahrscheinlich, daß bei einer elektrischen Entladung nicht diese selbst, sondern nur die ent- stehenden ultravioletten Strahlen zur Bildung von Ozon Veran- lassung geben. Neue Experimente haben bewiesen, daß ultra- violettes Licht in gewissem Grade fähig ist, Sauerstoff in Ozon zu verwandeln. Wenn beispielsweise das Licht eines elektrischen Funkengebers durch eine Quarzplatte, die für ultraviolette Strahlen besonders durchlässig ist, auf Sauerstoff gelenkt wird, ensteht Ozon. Wird dagegen eine Glimmcrplatte, die keine ultravioletten Strahlen durchläßt, an Stelle der Quarzplatte gesetzt, so findet keine Ozoni- sierung statt. Da nun die Sonnenstrahlen sehr reich an ultra- violetten Bestandteilen sind, so läßt sich wohl denken, daß sie eine starke Ozonbildung veranlassen, und diese Auffassung würde viel dazu beitragen, die reinigende Kraft des Sonnenlichts verständlich zu machen. Da die ultravioletten Strahlen durch die Atmosphäre stark aufgesogen werden, so wäre es auch auf diese Weise erklärlich, daß der Lzongchalt der Luft im Gebirge ein größerer ist. Aus dieser Erkenntnis kann auch ein praktischer Erfolg entspringen. Man wird nämlich dadurch mit besonderer Stärke an die Be- deutnng der Reinheit der Luft erinnert und wieder einmal er- mahnt, den Kampf gegen Staub und Rauch mit Unermüdlichkeit fortzuführen. Wissenschastlich ausgedrückt würde das heißen, daß in der Lust Durchgang für die ultravioletten Strahlen des Sonnen- lichts geschaffen werden muß.— — Tie Bewässerung Aegyptens. Bekanntlich befindet sich in Aegypten eine bei weitem kleinere Fläche unter Bewässerung, als es bei Anwendung moderner Wasscrbaukunst möglich wäre, unter den befruchtenden Einfluß des Nils zu stellen. Ein gewaltiger Schritt ist durch die Errichtung des Staudammes bei Affouan getan worden. Der ursprüngliche Plan zu dieser Anlage mußte aber be- kanntiich auf den Einspruch der Archäologen ganz bedeutend ge- ändert werden, so daß ungefähr nur ein Drittel der Wassermenge angestaut werden kann, als zuerst beabsichtigt war. Aber selbst wenn der Damm bei Affouan nach dem ursprünglichen Plane zur Ausführung gekommen wäre, würde die Wassermcnge noch nicht hinreichen, und es fehlte deshalb nicht an Vorschlägen, die unge- heuren Wasservorräte in den großen Seen des äquatorialen Afrikas für Aegypten nutzbar zu machen. Weniger phantastisch und auch wohl naheliegender war der Vorschlag, den Ausfluß des Tsanasces in Abcssinien, des Onellsees des Blauen Nils, durch einen mächtigen Staudamm zu regulieren. Wie wir im„Engineering" lesen, ist dieser Plan wieder von Ruffel Aitken aufgenommen worden. Äeraiitioortl. Redakteur: Hans Weber, Berlin.— Druck u. Verlag: Nach seiner Angabe wäre ein Damm bon nur 26 Fuß Höhe im- stände, 25 000 Millionen Kubikmeter Wasser anzusammeln, eine Menge, die nicht nur völlig ausreichen würde, das ganze Niltal in Jahren mittlerer Wasserhöhe ständig zu bewässern, sondern sogar bei ganz niedriger Nilhöhe, wenn, wie berechnet, 13.000 Millionen Kubikmeter Wasser erforderlich wären. Einige Schwierigkeiten könnten dem Plan aus politischen Ursachen entgegenstehen, die sich jedoch mit einigem guten Willen aus der Welt schaffen ließen.— („PromctheuZ."jj Aus dem Tierleben. — Der„Straßb. Post" wird von einem Leser geschrieben: Erlauben Sie mir, daß ich Ihnen einige Geschichten aus dem Seelenleben einer Katze erzähle. Wir hatten eine Kanarienvogelzüchtcrei: neben dieser Züchterei hatten wir im Hofe aber auch noch ungebetene Gäste, nämlich Ratten. Für deren Ver- tilgung mußten wir eine Katze anschaffen, weil die Ratten in die bereitgestellte Falle nicht hineingingen. Um nun unsere Vögel vor den Raubgelüsten der Katze zu schützen, blieb uns nichts anderes übrig, als die Katze mit den Vögeln vertraut zu machen, was uns nach ungefähr vier Wochen gelungen war. Wie ging das zu? Sämtliche Käfige wurden anfangs auf den Arbeitstisch gestellt und die Katze— ein sehr kluges Tier— mitten zwischen diese gesetzt. Dabei zeigten wir ihr die Vögel und redeten ihr zu, sie dürfe den Tierchen nichts Böses tun. Obgleich die Katze ein paarinal fort- sprang, wurde sie immer wieder geholt, was freilich manchmal nicht ohne Beißen und Kratzen abging, bis sie endlich ruhig sitzen blieb. Wir nahmen dann die Vögel heraus, hielten sie in der Hand und näherten sie der Katze. Das wurde täglich wiederholt, bis Katze und Vögel einander kannten. Schließlich wurde ein Vogel heraus- genommen und der Katze ins Maul gesteckt:„Nicht beißen, schön halten!" War es die Angst vor dem Stock? Aber auch der Bogel rührte sich nicht. Wußte er, in welcher Gefahr er sich befand? Es scheint so. Unter einem zärtlichen:„So, Minctte, das war schön," wurde ihr der Vogel wieder abgenommen, der dann lustig im Käfig umherflog. Die Katze leckte sich an der Nase und ein Schlucken war bemerkbar. Ein wehmütiger Blick folgte dem Vogel. Die erste Probe war überstanden. Die zweite bestand darin, daß der Vogel im Zimmer umherflog und von der Katze gefangen werden sollte. Ich muß gestehen, wir alle glaubten, der Vogel sei nun unrettbar verloren. Hopp, da hatte sie ihn, packte ihn ganz sachte mit ihren Tatzen und nahm ihn zwischen die Zähne, sprang auf den Arbeitstisch und gab ihn meinem Vater in die Hand. Er unter- suchte den Vogel, aber nicht ein Fedcrchcn war ihm gekrümmt. Und so ging das noch verschiedene Male. Wir dachten gar nicht mehr daran, daß die Katze den Vögeln etwas zu leid tun könnte. Doch in einem unbewachten Augenblick war es um ihr gutes Herz(je- schehen. Ein Satz, und sie war oben an einem Käfig. Doch blieb sie dort mit den Krallen hängen und konnte weder vor- noch rück- wärts, bis jemand hereinkam und sie herunterholte. Sie war sich ihres Vergehens bewußt, das sah man an ihrem ängstlichen Gehaben. Während man nach dem Stock suchte, war sie durch das offene Fenster verschwunden. Mehrere Tage blieb sie unsichtbar, da saß sie eines Abends auf dem Dache und miaute. Wir riefen ihr, sie solle nur kommen, sie bekäme keine Wichse; eine Sekunde später stand sie in der Stube und wußte vor Freude nicht, ob sie uns auf den Rücken oder auf den Kopf springen sollte. Sobald aber die Käfige zum Putzen heruntergeholt wurden, war die Katze nicht mehr in der Stube zu halten: sie riß schleunigst aus.— Notizen. — Von Fritz M a u t h n e r erscheint Anfang Dezember ein neues Buch:.Totengespräche".— — Karl Hauptmanns neues Schauspiel„Die A ii S- treibung" wird am Sonnabend im Lobe-Theatcr zu Breslau zum erstenmal aufgeführt.— —„Das Jubiläum", ein einaktiges Lustspiel von Otto Ernst, das in Form einer Schulmeisteridylle preutzisch-mecklen- burgische Schulvcrhältnisse schildert, wurde vom Hamburger Stadt-Theater erworber.— — Wildenbruchs Drama„Die Lieder des Euri- p i d e S" hat bei der Uraufführung in Weimar sehr gefallen.— ge. In Zürich war es in früheren Zeiten Gebrauch, daß, wenn ein verheiratetes Paar um Scheidung der Ehe wegen angeblicher Unmöglichkeit, sich zu vertragen und weiter mit einander zu leben, cinkam, beide Eheleute von Gerichtswegen zu allererst 11 Tage in einen einsamen Turm am See eingeschlossen wurden. Sie befanden sich dort in einem engen, höchst �einfachen Zimmerchen und hatten nur ein Bett, einen Tisch, einen Stuhl, ein Messer und eine Gabel zur Berftigung, obwohl die Streitenden ganz anständige Kost für diese„Kur" zu zahlen hatten. Dort saßen sie grübelnd, einsam, so daß ihre Ruhe bei Tag und Nacht nur von der eigenen Verträglichkeit abhing. Erst wenn sie nach diesen übersrandenen 11 Tagen noch immer auf ihreni Verlangen bestanden, wurde die Scheidung als wirklich begründet angenommen und bewilligt. Ge- wöhnlich war das unverträgliche Ehepaar aber schon in den ersten acht Tagen kuriert, hatte das„Sitzen" satt und bat um Entlassung. 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