Anterhaltungsblatt des HorwSrts Nr. 253. Sonnabend, den 30. Dezember. 1905 fitachdnlck verboten.) N Oer Oieb. Die Tragödie eines Kindes. Von Karl Busse. (Schluß.) Doktor Wenig biß sich auf die Lippen. „Meldet sich niemand?" fragte er noch einmal. Auf seiner Stirn schwoll die Ader. Man sah, wie er erregt ward llnd wie die Sache ihn angriff. „Dann frage ich, ob irgend jemand zu dem Vorfall etwas weiß, was von Belang ist." Aber immer nur das atemlose Schweigen. „Hast Du einen Verdacht, Seydel?" Tie Äugen des Jungen irrten einen Moment über die Reihen seiner Mitschüler. „Ich glaube," sagte er. Aber Doktor Wenig unterbrach ihn. Seine Stimme war dunkel gefärbt: „Uebcrleg Dir jedes Wort, Seydel, jedes Wort, was Du sagen willst!" „Ich will nur sagen," stammelte der Schüler selbst un- sicher,„daß in der Pause... mich Knoll gebeten hat, ich soll ihm die fiinfzig Pfennig geben." Mehr als dreißig Augenpaare richteten sich in derselben Sekunde auf den Sohn des Botenmeisters. Er saß da, ganz in sich zusammengesunken, die Schultern waren noch höher gezogen, der Kopf ganz tief gebeugt. Ein jäher Schreck kam in den Blick des Lehrers. Ein wilder Grimm gleichzeitig. „Wer war vor der großen Pause der letzte in der Klasse?" Ein Knabe erhob sich in der zweiten Bank. „Ich bin mit Sehrts und Hoppe zusammen hinaus- gegangen. Es blieb niemand mehr zurück." „Und wer war der erste nach der großen Pause im Schulzimmer?" Keine Hand hob sich. „Wer war der erste?" rief der Ordinarius drohend. Von den Bänken standen einige auf. „Als wir... reinkamen, war nur... Knoll hier." Der Lehrer fragte jeden einzelnen. Immer dieselbe Antwort. „Knoll!" Der Kleine stand auf. Er hob den Blick nur einmal. Einen fieberhaft glänzenden, zerquälten Blick, wie ein ge- martertes Tier ihn haben mag. „Was hast Du auf die Aussagen der anderen zu er- widern?" Keine Antwort. „Warum hast Du Dich nicht gemeldet, als ich fragte, wer das Schulzimnier zuerst betreten hat?" Das Schweigen ward immer drückender. Reglos saß einer neben dem andern. Jeder mochte fühlen, daß sich hier ein Meuschenschicksal entschied. „Hast Du... das Geld... von Seydel genommen?" Die Worte wollten dem Lehrer nicht vom Munde. Menne Knoll öffnete die Lippen und schloß sie. Aber es ward kein Ton hörbar. Die schmächtige Gestalt taumelte in der Bank hin und her. „Also ein Dieb ist in meiner Klasse," schrie der junge Ordinarius auf. Es lag Schmerz, gekränkte Ehre, Grimm in dem Ton der Stimme.„Ein Dieb! Und das ist der Musterschüler Knoll! Nun ja, der Apfel..." Als ob er jäh zur Besinnung käme, unterbrach sich der Lehrer. Im nächsten Augeichlick schlug etwas auf. Lautlos war der Sohn des Botenmeisters in der Bank zusammen� gebrochen. Sein Kopf stieß gegen das harte Brett. Doktor Wenig atmete tief und setzte sich. Man hätte eine Feder fallen hören, so totenstill war es „Gebt ihm Wasser!" Der Nebenmann erhob sich, füllte ein Glas aus der bereitstehenden Karaffe und besprengte den Zusammen gesunkenen. Er kam langsam zu sich. „Knoll," sprach der Ordinarius,„ich will zu DeineZ Ehre annehmen, daß die Tat in einem Augenblick der Un» überlegtheit geschehen ist. Das entbindet mich nicht von de» Pflicht, beim Herrnr Direktor Anzeige zu machen. In s» schwerwiegenden Fällen kann nur er entscheiden. Ich muß Dir außerdem einen Brief an Deinen Vater mitgeben. Das weitere wird sich dann finden. Da Du Dir bisher nie etwaS hast zu Schulden kommen lassen, hoffe ich, daß Dir die Ver» Weisung vom Gymnasium erspart bleibt und daß der Herv Direktor Dein Vergehen nicht als eine unehrenhafte Handlung auffaßt, die Dich der Teilnahme am Gymnasial-Unterricht un» würdig macht, sondern als umiberlegken Dummenjungen» streich." Er fuhr sich über Stirn und Augen und richtete sich dang hoch auf. „Die Klasse bitte ich, den ganzen Vorfall als durchaus interne Angelegenheit, eben als Klassengeheimnis zu betrachten und nicht darüber zu sprechen. Ich appelliere da an das Ehr» gefühl jedes einzelnen. Der Unterricht geht nun weiter." Aber da war gut Reden. Der Unterricht nahni aller» dings seinen Fortgang, doch die Untertertia war selten so un» aufmerksam gewesen. In der kurzen Fünf-Minutenpause Zwischen elf und zwölf bildeten sich flüsternde Gruppen. Zu Menne Knoll flogen scheue Seitenblicke hinüber. Ein lautes Wort fiel kaum. Nur als Otto Seydel irgend eine Bemerkung machte, rief ihm Tiedemann, der Sohn des Amtsrichters, zu:„Sei Du nur ruhig. Mit Ruhm bekleckert hast Du Dich nicht!" Dann nahm der Ordinarius seinen Kathedersitz von neuem ein. „Hier ist ein Brief an Deinen Vater, Knoll. Du wirst mir morgen die Bestätigung bringen, daß er abgegeben ist. Heute nachmittag um drei Uhr nimmst Du Deine Bücher und gehst in das Zimmer des Herrn Direktors." Mechanisch erhob sich der Sohn des Botenmeisters, ging vor, nahm den Brief in Empfang. Dabei erhob er seine Augen einmal zum Lehrer. Der Lehrer zuckte vor diesen Augen zusammen. Gc wurde blaß, als überkäme ihn eine dunkle Ahnung des Zu» sammenhanges. „Es wird sich wohl alles aufklären," sprach er hastig. Und hastig— ganz unpädagogisch hastig— diktierte er eine Uebungsarbeit, daß viele sich meldeten, weil sie nicht mit» kamen. Menne Knoll meldete sich nicht. Er schrieb und schrieb. Was, wußte er selbst kaum. Aber die Feder flog, seine Hand flog, sein Herz flog. Um zwölf Uhr nahm er seine Bücher wie gewöhnlich, nahm den Brief in die andere Hand und schleppte sich aus den Toren des Gymnasiums. Er schlug den gewohnten Heimweg ein. Er mußte ja den Brief abgeben, in dem es klar und deutlich stand, daß eo ein Dieb war. Und hellt nachmittag sollt' er zum Direktor? Er blieb Plötzlich stehen. Eine wahnsinnige Angst packte ihn. Die Angst war so furchtbar, daß selbst das Rad in seinem Kopf Plötzlich aufhörte zu laufen— nur die Nadel stach. Er war ein Dieb! Er mußte fliehen. Alle Menschen ver- folgten ihn. Wie damals, als die wilde Jagd durch die Straßen tobte und jeder:„Haltet ihn!" schrie. Und Plötzlich bog er in die Pappelallee und lief und lief. Die Wiesen tanzten vor ihm, die Roggenfelder drehten sich im Kreise, die Bäumen drohten mit starken Armen und schüttelten die Köpfe. Dazu rauschten sie:„Haltet den Dieb, haltet den Dieb!" Seine Brust tat ihm nicht ein bißchen weh. O, wie er laufen konnte! Wenn er so weiter lief, holte ihn niemand ein, weder Otto Seydel, noch Doktor Wenig, noch der Gymnasialdirektor. Immer ferner die Stadt, immer weniger belebt die Straße. Nm� vorn kam jemand geritten. War das der Gendarm? Suchte der ihn schon? Er lief einen Rain entlang. Brombeersträuche standm zur Seite. Und da war eine Vertiefung. Wenn ersich dort hinlegte, sah ihn niemand. Er warf sich zur Erde. Er zitterte am ganzen Leibe. Das Fieber hatte ihn gepackt, schüttelte ihn, das heiße Rad im Kopfe lief sich immer heißer, und in der Brust wars wie ein Krampf. Wie lange er lag, wußte er nicht. Er dachte alles wirr durcheinander. Dann fiel ihm Plötzlich der Heißhunger an. Er Pflückte ein Paar Brombeeren, ob sie auch erst halbreif waren. Nun gingen die anderen wohl zur Schule, die Lehrer kamen wie sonst, der Pedell läutete— nur sein Platz blieb leer. Aber um drei erwartete ihn doch der Direktor! Er kauerte sich noch dichter zusammen, daß man ihn von der Landstraße nicht sehen konnte. Die Stunden gingen, die Sonne sank. Cr war jetzt ganz satt, er hatte keinen Hunger mehr. Nur noch Durst. Er lag in dumpfem Halbschlaf, er lachte und redete und schrie auf vor Schreck. Dann dachte er wieder an seine Mutter und ward stiller. In der Nacht begann es zu regnen. Die liebe Mutter sandte den Regen. Ter kühlte die Glut, der tat dem Kopf wohl. Eintönig rauschte es hernieder. Die Bücher, dachte Menne Knoll. Die Bücher dürfen nicht naß»Verden. Sie gehören dem Gymnasium. Dann denken sie, ich Hab sie auch gestohlen. Ich stahl Geld und Bücher und alles. Und den Brief für den Vater mußte er auch gut be- wahren. Sonst wrirde der Ordinarius böse. Er legte ihn in die Grammatik und knöpfte die Bücher, so gut es gehen wollte, unter den dünnen Kittel. Ihn fror, dann war ihm heiß. Und der Regen rauschte und rauschte. » Vater Knoll, der Botenmeister, hatte einen guten Tag gehabt. Als er gegen elf Uhr abends nach Hause kam, war er in vorzüglicher Stimmung. Und als er sich auf den Bett- rand setzte, fiel ihm ein, wie sein Sohn sich gestern vor ihm auf die Knie geworfen. Was wollt er gleich? Fünfzig Pfennig. Ein schönes Geld. Brummig zog er das Portemonnaie. Wie gesagt, er hatte einen guten Tag gehabt. Er zählte vier Mark und siebzig Pfennig. Ein schönes Geld.» Da konnte der Aufpasser seine fünf Groschen kriegen. Man ließ sich nicht lumpen. Er schritt gegen die Kammertür. Aber dann fiel ihm ein: er schläft. Was braucht der Aufpasser zu wissen, wann sein Vater nach Hause kommt! Gieb's ihm morgen! Und er legte das Geldstück auf den Tisch und»varf sich, mit sich selbst zufrieden, fünf Minuten später in sein Bett. Als Menne Knoll am nächsten Morgen nicht zum Vor- schein kam, als der Botenmeister die Kammertür öffnete und das unberührte Bett sah, packte ihn eine unbestimmte Furcht. Er rief durchs ganze Haus, fragte die Nachbarn, aber niemand hatte den Kleinen aus der Schule kommen sehen. Da schlug dem Alten das Gewissen und er rannte zu Doktor Wenig, der ihm von den Lehrern am nächsten wohnte. Die schlanke, kräftige Hand des jungen Philologen griff um die Stuhllehne, als wollte sie das derbe Holz zerbrechen. „Vielleicht kommt er in die Schule, Herr Knoll," sagte er schweratmend.„Ich Hab von acht bis neun Stunde und geb' Ihnen sofort Bescheid. Ist er bis neun nicht da, stell' ich mich Ihnen ganz zur Verfügung." ..Die Kinder, Herr Professor, die Kiirder," sagte der Votenmeister weinerlich.„Er hat mich so gebeten, ich soll ihm fünfzig Pfennig geben... zum Waldspaziergang... auf den Knien hat er vor mir gelegen... aber man hat ja auch nicht immer so das Geld parat. Und gestern denk rch noch, ich will's ihm wenigstens heut geben— was sagen Sie, da ist er nicht da. Man ist ein guter Vater, aber du lieber Gott..." ..Schon gut, Herr." unterbrach ihn Doktor Wenig rauh, daß der alte Knoll nicht wußte, was plötzlich in ihn gefahren sei.„Habe jetzt zu tun. Also es bleibt dabei: um neun er- wart' ich Sie vor dem Gymnasium." Noch vor Beginn des Unterrichts hatte der Ordinarius der Untertertia eine lange Konferenz mit dem greisen Direktor. Beide betraten ihre Klassenzimmer mit ernsten Gesichtern. „Ist Knoll da? Hat ihn jemaild gestern noch gesehen?" Das waren Doktor Wenigs erste Worte. Aber der Platz blieb leer, die Schüler schwiegen. Um neun wartete draußen der Votemneister. Cr hatte bereits in der ganzen Stadt herumgefragt. Ter Landrat hatte ihm einen Schreiber zur Verfügung gestellt. Doktor Wenig schloß sich ihnen an. Jeder suchte die Landstraße in verschiedener Richtung ab. Als um elf Uhr, wie verabredet, die drei zusammentrafen, zuckte jeder die Achseln. Da wurde die Polizei benachrichtigt und der Ordinarius der Untertertia konferinste noch einmal mit dem Direktor. Die Folge war ein in allen Klassen verlesenes Rund-- schreiben, wonach die Schüler gebeten wurden, auf ihren Spaziergängen auf etwaigen Spuren des Gymnasiasten Her- mann Knoll zu achten. Aber der Erlaß war nicht Vonnöten. Um die Mittags- zeit brachten zwei Mägde, die in der Nähe der Brombeer- hecken das He»» gewendet, den kleinen Menne Knoll an- geschleppt. Er lebte noch. Auf Antveistmg des Gymnasialdirektors nahm der Kreisphysikris den Kranken in Behandlung. Drei Tage laug hatte Menne Knoll noch zu kämpfen, In seinen Phantasien kam er nie von Otto Seydels Feder- kästen los. Sein Ordinarius brachte stundenlang an seinem Bette zu. Nicht lange vor dem Tode schlug der Kranke noch einmal die Augen auf. Er erkannte seinen Lehrer. „Ich Hab den Brief nicht abgegeben, Herr Doktor," sprach er mühsam,„und der Ellendt-Seiffert ist naß geworden. Ich Hab ihn unter den Rock geknöpft, aber er ist... naß.., geworden." Der Lehrer fand kein Wort. Er nahm nur die Hand des Kinde?. Da lächelte Menne Knoll und streckte sich lang aus. lang und gerade, wie selten im Leben. Am nächsten Tage erfuhr Doktor Wenig, daß der Musterschüler, den er zuerst nicht hatte leiden können, tot war, Es war gerade am Ende der S winde. „Ich habe Euch die traurige Mitteilung zu machen, daß Euer Mitschüler Knoll eben verstorben ist. Ich Hab erst zu- letzt erkannt, daß er ein guter, stiller Mensch war, der im Leben viel zu leide»» hatte. Auch die Diebstahlsgeschichte hat ihre Erklärung gefunden. Euer Müsthiiler»var kein Dieb. Beivahrt ihm ein so gutes Andenken, wie ich es ihm bewahren werde, und es wird Not t»in, daß mancher ihm jetzt im stillen dies oder jenes abbittet. Deine fünfzig Pfennig, Seydel, kannst Du bei mir abholen." Die Schüler regten sich nicht. Ter Tod war den wilden Jungens plötzlich greifbar nahegctreten. Sie sahen herüber auf den leereu Platz. In der Pause jedoch schaffte sich ihre Rührung ui»d ihr Gerechtigkeitsgefühl Luft. Es war ihnen, als ob sie dem kleinen Menne Knoll eiile Revanche schuldig»vären. Und wie auf Kommando wurde Otto Seydel über die Barriere gelegt und verhauen. Vielleicht weiß er bis zum he»ltigen Tage nicht, weshalb. Und die Vollstrecker der Strafe wußten es auch kaum, sie empfanden nur so»md fühlten sich nachher leichter»md freier. Auf Befehl des Direktors nahmen alle vierh»u»dert Schüler des Gymnasiums iu feierlichem Zuge an Menne Knalls Begräbnis teil. Es fiel auf, daß, als die meisten sich schon verlaufen hatten, der alte Direktor und der Ordi- narius der Untertertia noch am Grabe standen, die Hüte in der Hand, und warteten, bis der kleine Hügel sich höher und höher wölbte. Der Botenmeister, der nicht gut eher fortgehen konnte, drängte sich an sie heran. „So ein Kind, meine Herren... so ein gutes, fleißiges Kind! Das verschmerz ich ja nicht... erst meine Frau und nun der Junge! So einen Jungeil krieg ich ja nicht wieder!" Er weinte wirklich. Aber keiner von den beide»» Lehrern beachtete ihi». (Nachdruck verboten.) Vie arme I�reu2spmne. Voi» Lisa W e>» g e r- R u u tz. Eine Kreuzspinne hatte den ganzen Tag fleißig gearbeitet. Sie machte ein Netz, das sich über daZ ganze Fenster des Gartenhauses spannen sollte. Natürlich gebrauchte sie dazu alle ihre Kunst und alle ihre Kräfte. Da sie kurz vorher einen ganzen Ballen Garn hatte kommen lassen, den sie zum Spinnen gebrauchte, so hatte sie auch schwer zu tragen, denn daS Garn hatte sie in ihren» Hinterleib aufbewahrt. Als sie nun so müde geworden von der vielen Arbeit, dem Alls- und Ablaufe»», den» Hin-»md Hergehe»»»»»»d ganz besonders von dem Jm-Kreisherumspringen. machte sie einen Fehltritt, stolperte und fiel zur Erde. Dabei brach fie fich den Hrnterfutz. Mühsam knickte fie durch das Gras, denn sie hatte viele Schmerzen. Das sahen zwei Ameisen, die eben vorüber gingen und in das Spital wollten, das sorgsam vor Regen und Wind geschützt, in der mtteren Ecke der Holzbeige erbaut war. ,WaS sehlt Ihnen denn/ fragte die eine der Ameisen. In ihren langen weißen Schürzen waren fie leicht als Krankenschwestern zu erkennen. .Ich habe memen Fuß gebrochen/ wimmerte die Spinne. .So! Woher wifien Sie denn das? Das können wir Ihnen sagen, aber nicht Sie uns!" Die andere Ameise nahm einen der Füße der Spinne, beftihlte ihn, drückte ihn, maß ihn der Länge und der Breite nach und sagte: .Es könnte etwas dran sein, er ist geschwollen!" Darauf liefen sie nach dem Spital, und kamen bald mit zwei Wärtern zurück, die eine Erbsenschote brachten, in der fie die Spinne tragen wollten. Die Wärter, eS waren Holzböcke, untersuchten das kranke Bein ebenfalls, und sagten auch, es sei gebrochen, die Spinne habe merk- würdigerweise Recht. Natürlich, das konnte am Ende auch ein Laie merken! Sie setzten die Schote auf die Erde, und wollten die Spinne hineinheben, aber es ging nicht, und jedesmal schrie die Spinne laut auf. Endlich merkte der eine Holzbock, daß er aus einem ihrer Füße stand. Er trat bei Seite und nun ging es ganz gut. Die Holzböcke trugen den Patienten nach den, Spital, und die beiden Ameisen gingen nebenher und sprachen der Spinne Mut zu. Als sie angekommen waren, holten sie den Arzt. Zehn oder zwanzig junge Mücken smnmten indessen vorüber, standen um die Spinne herum auskultierten sie, bekühlten ihr den Puls, horchten an ihrem Herze», und srugen sie, ob fie Kopfschinerzen habe? .Rein, nur solche Schmerzen im Bein I" .Venenentzündung/ nickte bedeutungsvoll die dickste der Mücken. Darauf gingen sie weiter und endlich kam der Arzt, ein stattlicher Hirschkäfer, der seine Zangen geschickt und leicht zu handhaben wußte. Die Ameise bezeichnete ihm den kranken Fuß. Er zog daran. »Schmerzt das?" „Nein," sagte die Spinne. Nun drückte der Hirschkäser ge- waltig. .Und das?" „Auch nicht." Der Hirschkäfer packte nun den Fuß mit aller Macht, schüttelte ihn wie einen Apfelbaum und keuchte: „Aber daS?" „Aus das nicht!" Da wiegte der Hirschkäfer verwundert sein ge- hörntcs Haupt und fing an, de» Fuß ernzubinde» und einzuschindeln, und stützte und legte ihn sorgfältig. „So. liebe Spinne," sagte er freundlich,.nun ist der Fuß wieder in Ordnung." „Herr Doktor," sagte die Spinne bescheiden,„ich glmibe, eS war nicht der richtige!" „Donnerwetter!" schrie wütend der Hirschkäfer,„wollen Sie mich zum besten haben?" Und packte die Spinne und warf sie zur Tür hinaus. Da saß sie nun! Zuerst löste sie den Verband an ihrem gesunden »ß und verband damit den kranken. Sie war ganz elend vor unger und vor Schmerzen. „Warum fitzt Ihr denn da auf der Erde," frug eine freundliche Stimme, die einem Lauskäfer gehörte. Die Spinne erzählte, daß fie den Fuß gebrochen, und hungrig und durstig sei. .Kommt mit in die Arnwnherberge, dort werdet ihr gespeist und könnt auch übernachten. Ich bin der Borsteher/ Hülsreich stützte er die Spinne, und langsam kamen sie vorwärts, bis sie endlich bei der Herberge ankamen und hineingingen. Da stand des LaufiäferS Frau, die dicke, schwarze Käferin, und trug eben einen Teller dampfender Suppe. „Mann", sagte fie.„wen bringst Du da?" „Eine arme Kreuzspinne, die ihren Fuß gebrochen hat, und hungrig und durstig ist." „Danach frage ich nicht." sagte die schwarze Frau strenge.„Ist die Spinne christlich gesinnt?" „Aber, liebe Frau, wie sollte fie nicht christlich gesinnt sein, da fie doch das Kreuz auf ihrem Rücken trägt I" Da verklärte sich der Käferin Gesicht, und fie stellte die Suppe vor die Spinne hin, die hurtig zu esien anfing. „Erst beten!" schrie aber die Frau Laufkäfer, und riß der Spinne den Teller loeg.„Ein Heide sind Sie, aber kein Christ!" Sie öffnete die Türe und mit einem einzigen Griff hatte sie die vcr- bluffte Spimie auf die Straße gesetzt. Die arnie Kreatur macht« mühsam ein paar Schritte, und tvußte mm nicht, wohin sie sich wenden sollte. Da ging hinter ihr die Tür der Arinenherberge behutsan, aus und leise schlich der Vor- steher näher. „Hört," flüsterte er.„da drüben, ganz in der Nähe, ist das „Hospiz für Betenntnislose", geht dorthin! ES ist so gut wie das unsere, aber das darf meine Frau bei Leibe nicht erfahren." Er sah sich um, und als er seinen Namen von einer strengen Stimme rufen hörte, eilte er, so schnell ihn seine Füße trugen, der Herberge zu. Die Spinne fand bald das bezeichnete Hospiz. Sie läutete, freundlich öffnete man,. und eS fragte fie auch niemand nach ihrem Glauben. Sie saß vor einem Teller herrlich duftender Suppe, als drei Personen eintraten: eine Eidechse, eine Blindschleiche und eine Wespe. Es waren die Leiter der Anstalt. Sie gingen an sämtlichen Tischen vorbei und überzeugten sich, daß alles in Ordnung sei. Als sie die Kreuzspinne freundlich begrüßten, stand diese trotz ihres Fnßes auf und machte eine tiefe Verbeugung. Dabei sah man das Kreuz. auf ihrem Rücken. Blindschleiche. Eidechse und Wespe standen starr. „Da hört aber doch alles auf!" rief die Wespe.„Mit einem Kreiiz auf dem Rücken wagen Sie sich hier herein I In ein Heim für Bekenntinslose! In diese Stätte der Weitherzigkeit und der Vorurteilslosigkeit! Hinaus mit Ihnen, hinaus, hinaus I" Und die Drei jagten die Spinne hinaus, ohne daß fie noch dazu gekommen wäre, ihre Suppe zu essen. Sie hinkte jämmerlich davon, ihr war ganz elend zumute vor Hunger und Schmerzen, und sie wurde ohnmächtig. Als sie wieder zu sich kam, stand eine Gruppe Grashüpfer um sie herum, in grünen, glänzenden Uniformen. Es waren Polizisten. „So, du betrunkener Lump, nun kommst du mit uns 1" Sie legten der Spinne Handschellen an, und wollten ihr eine Kette um den Fuß legen. „Au!" schrie die Spinne,„der ist ja gebrochen k Ich werde mich beklagen!" Da lachten alle Vier laut und lustig. „Tue das nur, du Spaßvogel", sagte der eine, und dann stießen sie die Spinne vorwärts, die mithopste, so gut sie konnte. Endlich standen sie vor dem Polizeihauptmann, eincin Frosch in grüner prachtvoller Uniform. Er war wohlbeleibt und strahlend vor Ge- sundheit. Ans einem Blatt neben ihm standen zwei gebratens Fliegen und ein Glockenblümchen voll blauen Sumpfwassers. Man sah ihn« die Mühsal seines Berufes nicht an. Er nahm ein Büchlein hervor, das er in mützigen Stunden selbst aus getrockneten Blättern verfertigt hatte, um dem Staat sparen zu helfen. „Name?" „Kreuzspinne!" „Gewerbe?" „Weber!" Er schrieb etwa? in sein Buch. „Weber! Ein verdächtiges Handwerk! Religion?" „Keine!" Des Frosches Augen quollen unter den Wülsten hervor. Die vier Grashüpfer rollten wild die Augen. „Paß?" „Ein Paß? Ich bin noch nie fort gewesen!" „Kein Paß, keine Religion, und ein Weber I" schrie der Frosch, „marsch über die Grenze!" Frosch und Grashüpfer summten und quakten und hüpften herum und luden die Spinne auf einen Karren und brachten sie über die Grenze. Kaum war fie drüben, kamen die Grenzwächter. „Habt Ihr etwas zu verzollen?" fragte barsch eine gelb und schwarz gestreifte Wespe, und ihr Stachel lchnellte heraus. „Nein," ächzte die erschöpfte Spinne. Die Wespen flogen um sie herum und bemerkten dabei ihren großen Hinterleib mit dem Kreuz darauf. „Was ist das?" schrie plötzlich die Eine.„Da steht ja ein großes Kreuz auf dem Ballen, den fie da trägt! Genau so wie lvir die verzollte Ware anschreiben l„Alle schwirrten drohend um die Spinne herum. „Sie hat das Kreuz selbst gemacht! Sie hat den Zoll betrügen wollen! Sie hat schmuggeln wollen!" surrten sie.„Was ist in dem Ballen?" „Das Garn, das ich zum Spinnen brauche," sagte die Spinne. „Da haben wir eS I" schrien die Wespen und stachen mit ihren Stacheln in der: großen, runden Leib der Spinne. Die schrumpfte zusammen, da« Kreuz wurde ganz klein und ungleich, die Beine der Spinne zappelten krampfhaft, dann war sie tot. Hastig durchsuchten die Wespen ihren Leib nach dem Garn, fanden aber nichts. „Es ist gar keines da," schrien fie empört,«die Lügnerin! Nun haben wir die ganze Arbeit umsonst gehabt I" Sie schleppten die tote Spinne ins Gebüsch und gingen zu ihrem Abendschoppen.— Kleines femlleton. — Wintcrtag. Ter„Franks. Ztg." wird aus Bern ge, schrieben: Noch ist die Schönheit unseres Winters nicht in die Täler herabgestiegen, noch sehnen wir uns aus der Tief« von 540 Metern, in der noch die weißen Frühiointcrnebel brauen, nach dem Winter, fonnenglanze der Höhen, der uns hier unten erst im nächsten Monat zuteil wird. Aber wir können uns ter Wmtersonue doch schon erfreue», steigen wir nur zu den 8öl Metern deö Gurten empor. Auf dem kurzen, knapp einstündigen Gang dürfen wir dafür auch eine unbeschreiblich hold« Wandlung erleben. Weißlich, grau, wie helle, feuchtkalte Tücher, hüllt der Nebel alles ein. Häuser, Menschen, alles ist unbestimmt, verhüllt in dem weißlichen, kalten Dunst. Von irgendwoher rattert der schwere Wagen einer Tram gleftet. kurz nur sichtbar, wieder iu den Nebel hinein. Die Bäume an der Laadstraße strecken dick bereiste Acste in die kalte Luft. Beginnt man aufwärts zu steigen in den Lcrgwald, so zeigt fich fein dertrautes Bild ficran&crf. Alles tccifj, feuchtend weiß im Rauhreif. Ein-, zweihundert Meter höher öffnet sich schon die Nebelwand, und in dunkler Bläue leuchtet der Himmel. In marmorner Weiße leuchten die bereiften dichten Wipfel der Buchen hoch gegen den blauen Himmel, weiß glänzen weithin im Reif die Wiesen, und dies reine festliche Weiß gegen den tiefblauen Himmel gibt einen berückend reinen Glanz. Weiter hinauf auf sanft an- steigendem Wege. Die Sonne leuchtet durch den Wald. In ihrem Schimmer funkeln die Eiskristalle wie Diamanten, und das ist weithin durch den Wald ein tausendfaches Glitzern. Drunten aber ist von Stadt und Fluß nichts mehr zu sehen. Wie ein endloses graues wogendes Meer deckt der Nebel alles. Ganz allein, wie ab- geschnitten von allem Menschlichen, allein in der Sonne, in der weißen, schimmernden Einöde, ist, wer über dem Nebelmeer steht. Durch den Wald biegt der Weg hinüber zum Gipfel des Gurten. Und auf dem langgestreckten Bergrücken ist vom warmen Sonnen- hauch der Rauhreif geschmolzen, und das Grün blinkt hervor. Drunten kalter Nebel, hier oben fast sommerlich warmes, in un- endlichem Strome vom dunkelblauen Himmel herabflutendes strahlendes Sonnenlicht. Alles gebadet in leuchtende Sonne. Jenseits des grauen wogenden Nebelmeeres grüßen die weißen Alpengipfe! aus der Ferne, drüben die dunklen Jurahöhen. Aber nicht das Schauen in die Ferne lockt in dieser Stunde. Man trinkt in langen, durstigen Zügen das Sonnenlicht, diesen leuchtenden warmen Strom.... Wirtschaftsgeschichte. sir. Knoop. Die russische Industrie hat die meisten An- regungen aus dem Auslände erfahren. Nicht bloß durch die An- läge fremden Kapitals, durch die Anwendung der technischen Er- fahrungen des Auslandes, sondern auch durch den Unternehmungs- geist von Fremden und durch die Heranziehung tüchtiger aus- ländischer Werkmeister und Arbeiter. D. Mackenzie Wallaee er- zählt in seinem berühmten Buche„Rußland", das eben in einer vierten deutschen Ausgabe erschienen ist:„Der große Aufschwung (der russischen Baumwollindustrie) wurde aber nicht ohne die Hülfe der Ausländer bewirkt. Auswärtige Werkmeister wurden in großer Zahl beschäftigt, und in dem Organisationswerk spielte ein Deut- scher mit Namen Ludwig Knoop eine führende Rolle. Anfangs Handlungsreisender für ein englisches Haus, wurde er bald ein großer Baumwollimporteur, und als im Jahre 1840 in der russischen Fabrikantenwelt eine fieberhafte Tätigkeit dadurch entfesselt wurde, daß die Regierung die Einfuhr englischer Maschinen gestattete, lieferte seine Firma diese Maschinen an die Fabriken unter der Bedingung, daß ihr ein Anteil am Geschäft gewährt wurde. Es ist berechnet worden, daß Knoop auf diese Weise an nicht weniger als 122 Fabriken beteiligt war, und daher entstand unter den Bauern der Vers: Wo eine Kirche ist, findest Du einen Pop(en) Und wo eine Fabrik ist, einen Knoop. Die größte Schöpfung der Firma war eine 1866 in Narwa er- baute Fabrik niit einer halben Million durch Wasserkraft ge- triebener Spindeln." Heute ist diese Fabrik die größte Spinnerei der ganzen Welt. Knoop starb als hochbejahrter Mann am Ende des vorigen Jahr- Hunderts in Bremen.— Aus dem Pflanzenleben. — Sonnenfinsternis und Pflanzenschlaf. Am 30. August d. I., dem Tage der Sonnensiiisternis, beschloß der französische Naturforscher Ed. Bureau, die Wirkungen der Verfinsterung auf die Pflanzenwelt zu untersuchen. Wie bekannt ist, gibt es Pflanzen, deren Blätter oder Blüten beim Nahen der Nackt eigen- tümliche Bewegungen ansfiihren und bis zum Anbruch des Morgens in einer besonderen, für jede Art bezeichnenden Stellung verharren. Man bezeichnet diese Erscheinung als Pflanzenschlaf. Die Pflanzen, die in folcher Weise von der Finsternis be- einflußt werden, sind, ohne selten zu sein, doch auch nicht gerade zahlreich. Ihre Empfindlichkeit gegen das schwindende Licht ist sehr ungleich: die einen vollführen ihre Bewegungen schon bei Beginn der Dämmerung, die anderen erst nach EinWitt fast völliger Nacht. ES war jedenfalls bemerkenswert, das Verhalten solcher Pflanzen, die zu schlafen pflegen, während der Sonnenfinsternis zu beobachten. An dem Ort, wo sich Bureau befand, ivar die Finsternis nicht völlig: indes wurden immerhin vier Fünftel der Sonne verdeckt. Im Augenblick der höchsten Finsternis ivar die Dunkelheit ungefähr so groß, wie an einem Wintertage bei sehr trübem Wetter. Ueber die Beobachtungen des Forscher? berichtet„Der Stein der Weisen": Von den beobachteten Pflanzen waren die einen einheimisch, die anderen von auswärts, jedoch ans Gegenden mit gemäßigtem Klima eingeführt. Bei den einheimischen, jedenfalls nicht sehr empfindlichen Pflanzen konnte Bureau keinen Einfluß der Verfinsterung wahrnehmen: Die Winden ließen ihre Blüten geöffnet. Sauerkleearten, die um diese Jahreszeit schon um 4 Uhr 30 Minuten nachmittags ihre Blätter senken und ihre Blumenblätter einrollen, hielten die Blätter ans- gebreitet und die Blüten offen. Auch auf die Mehrzahl der aus- ländischen Pflanzen war die Wirkung der Dunkelheit geringfügig: ein nordamerikanischer Nenuphar hatte seine Blüten noch halb offen, die aus der Türkei stammende dlimosa Julibrissin, die ihre Blätter jeden Abend, sobald es beinahe Nacht geworden ist, zusammenlegt. hatte ihre Fiederblättchen leicht ausgerichtet, statt sie in der« selben Ebene auszubreiten. Aber das alles war nichts gegenüber dem merkwürdigen Anblick, den eine australische Akazie, die.A.caoia dealbata Link, darbot. Die graugrünen Blätter sind doppelt gefiedert und tragen bis 23 Paare von Nebenblattstielen, die an der oberen Seite des Hauptblattstteles befestigt sind. Im wachen Zustande bilden die Nebenblattstiele mit dem Hauptblattstiele einen Winkel von ungefähr Sö Grad. Die Fiederblättchen, die etwa 3 Millimeter lang und 1 Millimeter breit find, sind sehr zahlreich, dicht aneinander gedrängt und am Tage ungefähr in derselben Ebene ausgebreitet; mit dem Nebenblattstiel, der sie trägt, bilden sie einen Winkel von ungefähr 50 Grad. Als die Sonnenfinsternis ziemlich ihren Höhepunkt erreicht hatte, waren die Nebenblattstiele nach vorn gerichtet und bildeten mit dem Haupt- blattstiel einen sehr spitzen Winkel; gleichzeitig hatten sich die beiden Reihen von Fiederblättchen an jedem Nebenblattsiiel aufge- richtet, sodaß sie sich gegenseitig fast berührten, während der Winkel, den jedes Fiederblättchen init seinem Blattstiel bildet. unverändert geblieben war. Dies ist die Lage, die das Blatt während des Schlafe? einnimmt; diese Pflanze„schlief' also während der Finsternis. Nachdem die Finsternis ihren Höhepunkt überschritten hatte, kehrten die Blätter allmählich in ihre TageS« stellung zurück und verharrten darin bis 5 Uhr 30 Mimten, worauf sie sich von neuem zusammenlegten, um nunmehr in ihren gewöhn- lichen Schlaf zu versinken. Acacia dealbata gehört also zu den empfindlichsten Pflanzen gegen jede Lichtverntinderung und vollführt ihre Nachtbewegungen, wenn andere des Schlafes fähige Pflanzen in keinerlei Weise beeinflußt werden. Dagegen fehlt ihr gänzlich jene Empfindlichkeit gegen Berührung, die die bekannte„schamhafte Sinn- pflanze" fMimosa pudica) auszeichnet, eine Empfindlichkeit, die, wie Panl Bert nachgewiesen hat, wesentlich verschieden ist von jeuer, die sich bei Lichtmangel offenbart.— Huuiorlstisches. — Boshaft.„Herr Säusler. der eben fortging, scheint ja über ein reiches Wissen auf allen Gebieten zu verfügen!" „Ja— und jetzt hat er sich sogar noch ein poliertes Wandgestell dazu machen lassen!"— — Rücksichtslos. Parvenü(der eine Einladung zur neunten Sinfonie Beethovens bekommen):„Wenn man für m t ch keine Einladung zur ersten Sinfonie hat— auf die neunte kann i ch verzichten I"— — Aus einem Gratulationsbrief...Du verläßt nun, teuere Freundin, das Hans Deiner Eltern, um an der Brnst Deines Mannes Dir einen neuen Herd zu gründen l'— („Fliegende Blätter.') Notizen. — Als Nachfolger Richthofens ist der Wiener Geograph Albrecht Penck berufen lvorden. Der Gelehrte übersiedelt gleich nach Beendigung des Wintersemesters nach Berlin.— — Die e r f o l g r e i ch st e n S t ü ck e der vorigen Spiel- zeit waren:, F a m i l i e n t a g' von Kadelburg(840 Auf- führungen),„Traumulu S" von Holz und Jerschke(773),„D e r K i l o m e t e r f r e s s e r" von Kraatz(604),„Zapfenstreich" von Beherlein(382),„A l t- H e i d e l b e r g" von Meyer-Förster(380), „Die Brüder von St. Bernhard" von Ohorn(297),„Sein P r i n z e ß ch e n" von Schätzler-Perasiui(252),„N a ch t a s hl" von Gorki(248).„Maskerade" von Fulda(240). An Aufführungen konnten verzeichne»: Fr. v. Schönthan 319, Blnmenthal 786, Suder- mann 760, Moser 730, Haupttnann 647, A'Arronge 526, Fulda 450, Ibsen 414, Hartleben 379. Halbe 237, Schnitzler 216, Otto Ernst 193, HehermanS 187, Wilde 186, Mirbeau 180, Björnson 171, Shaw 135, Wildenbruch 132, Lindau 118.— — Hoffmann sthalS dreiaktigeS Schauspiel„ O e d i p u s und die Sphinx" gelangt im Deutschen Theater in der zweiten Hälfte des Januar zur Aufführung.— — Die Jury bei den Berliner Kunst- a u S st e I l u n g e n. Die Genossenschaft der ordentlichen Mitglieder der Akademie der Künste hat insofern der Bildung einer B e- rufungSinstanz zugestimmt, als sie auf ausdrücklichen Beschluß eS den 20 Mitgliedern der Jury anheimgibt, aus sich heraus durch das Los eine Unter- und Ober-Jury zu wählen, ein Verfahren, das die bestehenden Satzungen zulassen winden.— — Eine deutsche ozeanographische Expedition hat im Dezember die Ausreise angetreten. Das Erpeditionsschiff ist das neue VermeffungSschiff„Planet", ein Dampfer von 650 Tonnen. Das Forschungsgebiet ist der westliche tropische Große Ozean, wo (in Matupi) das Schiff mehrere Jahre stationiert bleiben soll. Nach dem„Globus" umfaßt die Aufgabe der Expedition neben Tieffee- forschungen Untersuchungen der meteorologischen Verhältniffe der oberen Luftschichten mittels Drachen. Für die geplanten Küsten- aufttahmen soll die Stereophotogrammetrie in größerem Umfange herangezogen werden; ferner wird man diese Methode auch für die Ermittelung und Darstellung der Größe und Gestalt der Meeres- wellen erproben.— Verantwortl. Redakteur: Haus Weber, Berlin.— Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.VerlagSaustalt Paul Singer LcCo..Berlin SVk.